Nr. 37.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Mensillg, 3. Febmar. heilige Nacht im Schützengraben. Ein bremischer Parteigenosse schickt der „Bremer Bürger-Zeitung" den folgenden Feldpostbrief Geschrieben cnn 15. Jvir einen Kampf zwischen Fliegern beobachten. Ein französischer Flioger hatte ein deutsches Flugzeug über den französischen Stellungen entdeckt und war durch geschickte Manöver ziemlich nahe herangekommen. Jetzt trieb er den deutschen vor sich her. deutlich hörten wir das Maschinengewehr des Franzosen. Bnp— bup— bupl So vertrieb er unseren Doppeldecker. Gleich danach erging es einem unserer Eindecker ebenso, jedoch kamen beide ohne Schaden davon. Der Abend kam und mit ihm, um 8 Uhr, endlich die ersehnte Ablösung, lieber 30 Stunden hatten wir nabe vorm Gegner gelegen. Jetzt glaubten wir wenigstens die Nacht Ruhe zu haben. Wir marschierten zurück in unsere sogenannten Laubhütten, etwa% Stunden weg. Hier erhielten wir warmes Essen und gingen zur Ruhe. Nach kurzem Schlafen entsteht vorn eine lebhate Schießerei, da wird auch schon in unsere Hütten hineingerufen: Alarm!" Koppel und Tornister um, Gewehr fassen und raustreten ist das Werk eines Augenblicks. Das Schießen läßt nach.„Alarmbereit in die Hütten bleiben I" Ein Blick auf die Uhr, es ist 2 Uhr morgens. Mit umgeschnalltem Äopepl, den Helm auf dem Kopf, legen wir uns nieder, das Gewehr im Arm. So erwarten wir den Morgen. Der Schlaf ist dahin. Am 26. Dezember lagen wir in Reserve. Feiertagsstimmung wollte aber trotz der verteilten Liebesgaben nicht kommen, immer wieder mußten wir unserer toten und verwundeten Kameraden ge- denhken. Ich hatte noch die schtoere Aufgabe, den Angehörigen meines Landsmanns von seinem Tode die Nachricht zu geben. Leicht war das wahrlich nicht. So ging das Fest der Liebe vor- über. Eins will ich bemerken. Unsere offizielle Weihnachtsfeier hatten wir am 20. Dezember. Wir lagen in unseren Winterhütten in Ruhe. Tie Feier war schön; da gabs Liebesgaben und Pakete in Sülle und Fülle. In jeder Hütte einen geschmückten Tannenbaum mit Lichtem usw. Wir waren fröhlich, wenn auch manche verstohlene Träne in den Augen der Familienväter glänzte. Allerdings ahnte keiner von uns, wie tragisch die Weihnachtsfeier selbst sein sollte. Mit besten Grüßen ___ Dein Freund O. K. Natürliche„Zliegeepfeile*. So diel über die Fliegerpfeilo schon geschrieben worden ist. so hat bisher unseres Wissens doch noch niemand darauf hingewiesen, daß die Natur diese Erfindung, wenn auch zu einem ganz anderen Zwecke, längst vorweggenommen bat. Wer noch nicht in den Tropen war, der hat wenigstens aus Reisebeschreibungen oder botanischen Büchern von den Mangrove-Wäldern gehört. Es find das dichte, bald gebüsch- bald waldartige, die in den Buchten aller Meere der Tropenzonen im Bereich von Ebbe und Flut wachsen. Obwohl cS verschiedene Pflanzenarten sind, aus denen diese Mangroven sich zu- sammensetzen, so haben sie doch durch die Anpastung an die besondere Lebensweise gemeinsame Züge erhalten. Einige von ihnen zeichnen sich durch eine besondere Art der Fortpflanzung aus, die in der Pflanzemvelr sonst nicht ihres Gleichen hat, nämlich durch Früchte in Form von „Fliegerpfeilen". Während bei allen übrigen Pflanzen die reise Frucht eine mehr oder minder lange Ruhepause durchmacht, che sie wieder auskeimt, fehlt diese Pause bei den eigentlichen Mangrove- Holzgewächsen. Wenn die an sich nicht große bildet hatte, glaubte er felsenfest. So bewahrte er nicht nur seine Selbstachtung, sondern in den langen Perioden des Emporstrcbens schwang er sich zu einer Höhe auf, von wo er auf seine Mitmenschen voll Verachtung und Nachsicht hinab- sah. Diese spendeten ihm dafür das Lob, er sei ein Idealist nnd reichbewegter Stimmungsinensch, dessen erhabenen Sinn man gerade an seinen Periodischen Zuständen der Erniedri» gung ermessen könne. Trüben in der Straße tauchte er in einen Keller hinab, trank drei Kognaks hintereinander, ohne sich zu setzen, und ging dann wieder. Das Ziel seiner Wanderung war das Hafenhotel, wo er als guter, wenn auch etwas seltener Kunde bekannt lvar; ortsvertraut ging er durch die Schenkstube, eine Art Vorhof, wo alle Leute opfern durften, und Ivo äugen- blictlich eine Anzahl Fischer saßen, nach der feineren Kneipe, wo die schlichten Bürger sich aufhielten, und weiter hinein zum Allerheiligsten, wo nur wenige Auserwählte Zutritt fänden. Da drinnen war es leer; nur der Hohepriester des Tempels, der alte Funk, saß mitten auf dem Sofa und starrte träumerisch auf eine Gruppe von geleerten Portweinflaschen. Funk, der Schwiegervater des Wirtes, war ein alter Bauer vom gleichen Typus und aus der gleichen Gegend wie der Mstinenzlerwirt Sörensen. Aber er war zwanzig Jahre älter als dieser und hatte ihm seinerzeit selbst die Altohol- taufe geaeben. Darum hegte er grenzenlose Verachtung gegen den Abtrünnigen und verhöhnte ihn, wo er nur konnte. Und Sorensen, der stark unter jeder Geringschätzung litt, gleich. gültig, von welcher Seite sie kam, vermied es so weit wie möglich, seinem alten Lehrmeister zu begegnen. Es kam hin- zu, daß er Funk im stillen bewunderte. Dieser war nämlich ein Alkoholiker von der alten Garde, nichts schien ihm Abbruch zu tun. er war groß und schwer, hatte kräftigen dunkle» Haarwuchs, und alle seine Zähne waren gesund. Gegen fünfzig Jahre lang hatte er scharf gc- trunken, und unglaubliche Alkoholmengen waren durch seine Kehle geglitten. Alles an ihm bis auf seinen Schweiß stank nach Alkohol. Seine Kraft aber war ungeschwächt, es fehlte ihm nie etwas, sondern er behielt nach wie vor seine stranime Haltung und seinen Humor. Das einzige, was ihn in schlechte Laune versetzen konnte, war der Gedanke, daß er heute nicht niehr so viel vertrug wie in seinen jungen Jahren. Nur sein Gehirn hatte der dauernden Wirkung des Alkohols nicht widerstehen können. Er war iin Laufe der Zeit zuni Idioten geworden, und nur in einem einzigen Punkt verriet er einen gewissen Scharfsinn, in der Aus- führung seines Berufs als Lockvogel. Ter alte Funk hatte von seinen Eltern einen großen, schuldenfreien Hof geerbt. Er bewirtschaftete ihn gut und erzielte bedeuteiide Einnahmen daraus, zugleich aber ver- anstaltete er zu Hause große Freß- und Saufgelage, fuhr ein paarmal in der Woche nach der Stadt, trank und spielte Karten um bedeutende Suinmen. Daheim hoben sich Ge- winn und Verlust gerade auf, aber in der Stadt hatte er niit Berussspielern zu tun und verlor in der Regel; und es kam mehr als einmal vor, daß er mit einem prachtvollen Zwei- gespann einfuhr und m einem einfachen Einsvänner heim- kehrte, den man ihm obendrein ans reiner Gnade geliehen hatte. Nach Verlauf von dreißig Jahren war sein großes, ursprünglich schuldenfreies Gehöft so belastet, daß kaum die Schornsteinröhre aus den Schulden hervorragte. Zu dieser Zeit verliebte sich die Tochter— sein einziges Kind— in einen umherstreifenden Wolljütcn. Sie war Mitte der Zwanziger, knochig und beschränkt; und der Vater, der einsab, daß sich ihr unter �den jetzigen Verhältnissen nicht viel Aussicht für eine gute Heirat bot, billigte ihre Wahl. Der geriebene Jüte überredete den Schwiegervater sofort dazu, den Hof zu veräußern, und führte den Verkauf so be- hende für ihn aus, daß einige Tausend gerettet wurden. Da- mals war gerade das Hafenhotel gegen geringe Anzahlung zu verkaufen, und mit deni genialen Blick des geborenen Ge- schäftsmannes kaufte er das Hotel für die letzten Batzen des Alten und richtete ihn dann zum Lockvogel ab. Der alte Funk konnte seinen kostspieligen Neigungen zu Spiel und Trank jetzt ruhig nachgehen; eine verwegene Hand hatte eingegriffen und den Strom abgewendet, so daß, was vorher unvermeidlicher Ruin war, jetzt steigende und steigende Einkünfte bedeutete, wenn man bloß immer dafür sorgte, daß das Hafenhotel der Schauplatz war. Je mehr er trank, desto mehr Geld kam in die Kasse. Dieser Umstand kam ihm verteufelt komisch vor und bewirkte, daß er immer guter Laune war, im Gegensatz zu den alten Zeiten, wo nian Gewissensbisse nicht ganz vermeiden konnte, wenigstens nicht, solange man nüchtern war. Darum war es auch doppelt ärgerlich, daß man jetzt nicht mehr so viel ver- trug wie einst. Es hätte gerade umgekehrt sein müssen. Wie bei jedem koststbaren Jagdticr wurde seine Fiitte- rung mit besonderer Sorgfalt überwacht. Am Morgen bekam er nur ganz wenig zu trinken, gerade genug, um ihn zu stärken und seinen Spürsinn zu schärfen. Dann wurde er losgelassen, und im Lauf des Tages durchstreifte er den Markt, die Straßen und die Läden und brachte getreulich alle Beute, die er aufschnappen konnte, nach Hause ins Hotel. Trotz seiner großen Neigung für feuchte Waren gab er der Versuchung, etwas außerhalb des Hafenhotels zu genießen, niemals nach; auf vielerlei Arten und unter vielen pfiffigen Vorwänden schleppte er sein Opfer mit heim und empfing seine Belohnung. Seine vieljährige und teuer erkaufte Erfahrimg kam ihm auf dieser Jagd zustatten. Er kannte alle Bauern des Umlandes und wußte, wer Geld in der Tasche hatte, wieviel, und wie locker es saß. wer sich geradezu mit Getränken rupfen ließ, und wer am besten beim Kartenspiel zu bearbeiten war. Im allgemeinen war er allmählich zum Idioten geworden; aber gleichzeitig hatte es den Anschein, als ob der Alkohol sich einen eigenen kleinen Jntelligenzbezirk in seinem Gehirn gebildet hätte, und er entwickelte einen nicht alltäglichen Scharfsinn bei der Behandlung der höchst verschiedenen Mcn- scheu, die ihm in die Hände sielen. Es kam hinzu, daß er ein gerissener Kartenspieler war. Seine wahre Stellung wußte er gut zu verbergen. Das Hotel ging auf den Namen des Schwiegersohnes, und man brauchte nicht gerade seine Zuflucht zur Hinterlist zu nehmen, um eine Erklärung für die elvige Jagd des Alten nach Zech- brüdern zu finden— er war ja immer ein Sumpfhuhn ge- Wesen. Merdings wurden die, die in_ seiner Begleitung ankamen, im Hotel bevorzugt und genossen die Gunst, ins Allerhciligste vorzudringen, wo der Wirt selber seinen Gästen zur Hand ging; aber der alte Funk, der sich nicht ohne Gegen- leistung traktieren lassen ivolltc, mußte denselben Preis wie die anderen für seine Runden bezahlen, so unermüdlich er auch feilschte. Kredit war ihm ein- für allemal verweigert, so daß es vorkam, daß er und der Schwiegersohn einander beinahe in die Haare gerieten, wenn der Alte endlich mit einem Fluch das Geld auf den Tisch warf. Es bestand wobl ein gespanntes Verhältnis zwischen den beiden; denn der Schwiegersohn, der das Hotel mit so geringer Anzahlung ge- kaust hatte, war natürlich in harter Bedrängnis; und der Alte, der Geld beiseite gebracht hatte. Weigerte sich, ihn zu unterstützeli,....___ Sortß jolgt. filcichgültige SireitigZeUen bc5 HcrrslbcrZ zu referieren und dabei alles Komvroinitticrliche wegzurclouchicreia In diesem Sinne scheint er des Aristoteles berühmtes Wort, dah die Dichtung„philosophischer" sein müßte als die Geschichte, aufznfassen. Ain Anfang ergeht der Kaiser sich in Gesprächen über seine früheren Kämpfe in Italien und den Ungehorsam seines mächtigsten Basallen, Heinrichs des Löwen, des Welsen, der mit England unter einer Decke stecke.� Dann zeigt es sich erfreulicherweise, daß des „Löwen" junger Sohn, der uni des Kaisers Richte freit, trotz seiner Abstammung gut kaiserlich gesinnt ist. Im dritten Bilde erhält der Gefangene Richard Löwenherz das Wort und wütet in Ver- iviinschnngen der Rivalen, die. seine Abwesenheit benutzend, ihm in England die Königswürde streitig machen. Den Abschluß bildet eine große Rcichstagssitzung, in welcher sich des Stauten Edelsinn so herrlich offenbart, daß Richards ritterlicher Trotz in eitel Dankbarkeit und in Bewunderung hinschmilzt. Löwenherz bestätigt, daß er die Bedingungen, unter denen ihm Heinrich die Freilassung zu- gesagt, pünkrlich erfüllen werde, und muß ob seines ungebärdigen Poltern» vom Kaiser in die Schranken parlamentarischer Berband- lnng zurückverwiesen werden. Ein Angebot des französischen Königs und des englischen Usurpators, noch größere Summen als die von Richard versprochenen zu zahlen, wenn der Kaiser ihn in Haft bc- hielte, wird von Heinrich unter dein Beifall der Fürsten mit stolzer Geste abgelehnt. Und dieser Anlaß ist das Signal für Eckarts Löwenherz, in die erwünschten Lobeshymnen aus deutsche Art aus- zubrechen. Wie recht der Brite damit hat, beweist die fromme, salbungsvolle allerletzte Rede, in welcher Heinrich sich und seine Deutschen dem lieben" Gott als Schirmherrn alles Rechts und aller Ordnung anbefiehlt. In den Hauptrollen traten die Herren Mühl, Hofer, Zimmerer, v. Ledebur, Kraußneck und Geisendörfcr ans. Ihre Mühe mutzte bei der Primitivität des Textes von vornherein ergebnislos»er- puffen. dt. Theater des Westen S. Zur Berfasserschaft von„Rund NM di c Liebe" bekennen sich die Herren Bodanzkh, Thclen und DSkar Straus. Herr Straus brachte es zur Blütezeit des Wolzogenschen„Ucberbrettl"-TheaterZ in der 5iöpcnickcr Straße als Liederkomponist zu leidlicher BolkStnmlichkeit. Dann ging er mit Glück unter die Opcrcttenkomponisten. Als geschmackvoller Musiker zeigt er sich auch jetzt wieder. Ja. man darf denen zustimmen, die ihn weit über alle bisherigen Modeoperisten stellen. Das scheint viel— und ist doch vcrteuseit wenig. Wir hören zwar wieder reiz- voll instrumentierte Licdchen. Dnettc, TrioS und Tänze; aber nichts, was auf Originalität der Erfindung schließen ließe. Bollends läßt Straus da»' Zeug zuur Messias der ueudeutschen Operette vermissen. Wie er, so schrieben sie alle vor dein Kriege:-— nämlich Begleitmusik zu cincc mehr oder inindcr kurzweiligen Posse, wobei getanzt werden mußte. Da Cancan nebst Tango und � sonstigen „Schiebetänzen" zurzeit entthront sind, so tanzr Oskar Straus im Biedernieierkostnnl um eine„Handlung" herum, deren Kern so alt ivie vielfach verwertet ist. StrauS wird nie über Brettllyrik hiuauskoimnen. Niemand soll über sein Können verpstichtct sein. Wenn die in Wien längst abgeklapperle„Neuheit" hier vor einem wenig kritikfähigen Publikum Gnade fand, so nur. weil Rosti Wer» ginz. Albert Kutzner, Franz Groß und Pvldi Deutsch für eine vor- ziigliche Darstellung in den Hauptpartieu unter des Komponisten persönlicher Leitung sich einsetzten. Wo aber bleiben die ver- fprochencn Klassiker der deutschen Operette? e!c. kleines Jeuilkton. Norüiscbe Tierwelt im Kino. Die Schundkinematographie, wie der Kiiiorefonncr H. Häfker die bekcmnlcn auf Sensation und Nervenkitzel ausgehenden Kino- darbietungen nennt, hat auch während des Krieges ihren Betrieb nicht eingestellt. Biel Ausländisches iit zwar verschwunden, aber die Art stirbt nicht aus; im Gegenteil, der Krieg gibt ihr manche neue Gebiete, wenn echte Aufnahmen au- der Front nicht verwendet werden dürfen. Naturbllder festzuhalten und wiederzugeben, wird immer eine der besten und edelsten Aufgaben de- Kinos bleiben. WirklichkeitS- Urkunden aus der Natur, au- dem Tierleben, im natürlichen land- schaftlichen Rahmen, völkerkundliche Berichte dazu werden immer das Interesse des modernen Menschen fesseln, der in seiner Stadt- cxistenz immer mehr die direkte Berührung mit der Natur verliert. Es war deshalb ein guter Gedanke des Pittsburger Carnegie- Museum-, eine Expedition(der dafür angewendete Ausdruck„Nord- pol"erpedition ist durchaus zu beanstanden und eine ganz über- i flüssige Reklame) an die Küsten Alaska- zu entsenden, um solche ' Naturaufnahmen zu sammeln. Im Union- Theater lvurde uns ein großer Teil der Ergebnisse vorgeführt. Ein zusammenhängende- Thema beherrschte also die Vorführung; es wurde auch das vorbereitende und erklärende Wort hinzugezogen(wenn auch hier ein höheres Niveau der Dar- stellung wie des Wissens wünschenswert und möglich wäre). Im ganzen also eine gute und richtig angefaßte Sache. Zwar die Jagd- iriumphe des Expeditionsleiters, bei denen naturgemäß manches ge- stellt war, hätte man entbehren können. Aber die Hauptsache: die Einblicke in das Leben der nordischen Menschen- und Tierwelt waren mannigfaltig, sie wirkten nicht nur belehrend, sondern boten auch eine edle Unterhaltung. Erstaunlich ist, ein welcher Reichtum der Tierwelr(wenn auch nicht an Arten) in diesen unwirt- lichen Regionen noch möglich ist und wie gut sich die Eskimos der Umwelt angepaßt haben. Welch ein flimmernde- Gewimmel von Lachsen wurde da lebendig! Der Herr der Natur fängt die Tiere zu Millionen, wenn sie in die Flüsse aufsteigen um zu laichen, in Millionenmenge, er vernichtet also die Zukunft dieses Tieres, um sich momentan zn bereichern. In ruhiger Behäbigkeit leben die Heerde» der L-celöwen ihr fettansetzendes Dasein, das sie bis zu 2000 Kilo erreichen läßt. Zwischendurch tummeln sich die Eskimos in ihren Boten, init denen sie Umdrehkünste verüben, wie weiland Psgoud in der Lust. Auch ans dein Jiiiiern Alaskas iverden uns Naturszenerien vorgeflihrt. Der Pingillnenbcrg gehört»och der Küste an, aber die dicken Bergichafe, die Elcnticre mit ihrem Riesen- schaufelgeweih, die vortrefflich belauscht wurden, die in Herden weidenden Renntiere sind die wichtigsten festländischen Tiere.(Schafe wie Renntierc beide aber erst eingeführt.) Kein zoologischer Garten kann das Walroß halten, der Film zeigt sie unS in Scharen, ungelcnk und schwerfällig aus dem Lande, aber gute Schwimnier im Wasser. Die gewaltigen Leiber mit den riesigen Hauern erinnern an die Saurier, die längst ausgestorben. Die kleine Kugel im Gehirn, mit der man die Walrosie so schnell tötet, wird sie bald ausgerottet haben. Auch der Eisbär wird wohl unseren Enkeln nur noch eine Vergangenheit sein, Was für ein prächtiger Geselle er ist, welch eleganter Schwimmer und Taucher, welch rührenden und erhabenen Kampf eine Eisbärenbestie(so sagt man doch wohl) für ihr bedrohtes Junge führt, das ivird uns in diesen Bildern unheimlich lebendig nahe gebracht. Die Hauptkunst de- Menschen scheint da- Töten zu sein; auch diese Expedition, die uns so viele wertvolle Eindrücke mitbrachte, hat viel getötet. Und sie war keine Jagd- und Erwerbsexpedition l �ustausihprofessor Münsterberg. An den Herausgeber de-„Literarischen Echos" sendet Herr Pro- fessor O. E. Lessing(Urbana, 11. S. A.) den folgenden Brief, der den vielbesprochenen„Fall Münsterberg" richtig stellt: „Urbania, Illinois, 9. Dez. 1914. Sehr verehrter Herr Dr.! Zu meinem Bedauern sehe ich die Nachricht von Professor Hugo Münsterderg- Abdankung wegen deutscher Gesinnung. Die Sache ist die: ein gewisser Major Wiener(mit dem„Londoner" Mairc oder Lord-Mayor naiürlich in absolut keinem Zusammenhang: dies nur Reportcrmißverständnis) schrieb auf einer Postkarte an irgend jemand in Harvard. daß er sein beabsichtigtes Vermächtnis von 10 000 00'j Dollar zurückziehe, wenn man Münsterberg behalte. Wie diese Postkarte mit dem Verivaltung-rat der Harvard University in Berbindung gebracht wurde, ist ein Rätsel. Jedenfalls war von der Zehnmillionenstiftung überhaupt nie die Rede gewesen— existiert auch jetzt nicht; nicht einmal dem Plan nach. Ja, das betreffende Geld ist gar nicht vorhanden! Denn der famose Major iwahrschein« lich der Mi!iz) hat durchaus nicht- zu vergeben. Er hoffte vielmehr nur auf ein so stattliches Vermächtnis von seinem Onkel, einem allerding» schwerreichen Mann. Dieser nun erklärte sich öffentlich über den Vorfall dahin, daß sich sein Neffe über die zu erwartende Summe ganz gewaltig täusche, denn es kämen 21 Erben vor ihm! Also: erstens gab e- keine 10 Millionen zu verschenken, zweitens gab es keine Stiftung zurückzunehmeit; drittens war MünsterbergS Stellung nicht gefährdet! Wir deutschen Profesiaren haben natürlich dem Publikum und auch vielen Kollegen gegenüber einen schweren Stand. Aber von einer Verfolgung von feiten der Universität-behörden ivegcn „deutscher Gesinnung" ist gar keine Rede. Ich darf wohl sagen, daß die allerfreieste Redefreiheit herrscht. Ich finde sogar, daß inan uns mir um so größerer Achtung behandelt, je offener und energischer wir den deulicken Standpunkt vertreten! Das von England irregeleitete Publikum ist Deurichland ungünstig gesinnt, das ist wahr. Aber der Amerikaner hat noch stets vor mannhaft vertretener Ueberzeugung Achtung gehabt, das ist ebenso wahr. Stets Ihr herzlich ergebener O. E. Lessing." Notizen. — Theatcrchronik. Im Schillcr-Theater findet am Dienstag, den 2. Februar, die erste Aunührung deS dreioktigc» Schauspiels„Der gute Bürger" von Henri Nathanson stall. — Vorträge. Prof. Albrecht P e n ck, Direktor des Instituts für Meereskunde, der ans seiner Rückreise von Australien in London längere Zeit zurückgehalten worden, will seine Erfahrungen und Er- lebnisse unter Benutzung von Lichtbildern schildern in einer Vortragsreihe: Im Britischen Weltreich 10 ä h r c n d des Krieges. Die Vorträge finden ini Institut für Meereskunde an den nächsten sechs Montagen und Sonnabenden statt(ooin 8. Februar an). Karlen für alle Vorträge ö M., für jeden einzelnen 1 M. — Die internationalen Vereinigungen und der Krieg. Unter denr Borsitz des Belgiers Oll et, General- sekrelärs des Verbände- der internationalen Vereinigungen, hat in Amsterdam eine Versammlung stattgefunden, die in inanchcr Hinsicht bemerkenswert war. Sic vereinigte die Vertreter der internationalen Organisationen, die in Holland ihren Sitz haben, ES wurde bc« schlössen, da- möglichste zu tun, um die bestehenden Organisationcn beisammen zu hallen, weiter danach zu trachten, daß Fragen siiristi» scher, ökonomischer und polnischer Art. die bei dem künftigen Friedens- vertrag zur Sprache kommen, von militärischen Fragen scharf ge« schieden werden. Mehr praktische Bedeuiung als dieser zweite Wunsch hatte der dritte, daß in, Interesse der Instandhaltung der internationalen Vereinigungen diejenigen Organisationen, die ihren Sitz in kriegführenden Ländern haben, ihn nach einem neutralen Land verlegen sollen, wie dies mit dem Internationalen sozialisti« scheu Bureau und dem internationalen Bureau der Lehrer'chait schon geschehen ist.— Ein sehr erfreuliches Shmpton ist. daß der Krieg die von den verschiedenen Organiialioncn von Land zu Land gespannten Fäden nicht zerrissen hat,«0 konnte zum Beispiel der Generalsekretär deS Internationalen Instituts für Statistik mitteilen, daß das internationale Zusammenwirken im Institut fortdauert. Nur die Pharmazeuten bilden eine Ausnahme. Ans ihrer intcr- nationalen Föderation sind nämlich die deutschen und österreichischen Verbände ausgetrele». Wer hat das diesen� Apothekern eingegeben? — Theater und K r i e�g. Der«tadtmagistrat in Pasiair hat dem Direktor des dortigen StaditheatcrS die Verpflichtung auf- erlegt, mir Dichtungen zu geben, die dem ernsten Charakter der Zeit entsprechen und nicht Engländer, Franzosen und Rüsten zn Ver- fasfern habe». — Gedächtnisfeier. An: 12. Februar, abend-'/./> Uhr» nndet im Architektenhaus lWilhelmilr. 92»ch eine Gedächtnis- seier f ii r die gefallenen Dichter Walter Heymann. HanS Leybold, Ernst Wilhelm Lötz, Charles Pegny, Ernst Stadler statt. Theater iiir ßienstag. 2. Fehruar: Kerliner Theator s Lhr;„Extrablätter!" Deutsches Opernbaus, Charlottcnb. ' u,r: Fldelio. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 8 Uhr: Casparone. >. Wolfi. KöiiigS-Wuitcr- bauten, Kottbuferstraße 4. 98äb- Teilzahlung bei günstigsten Be- diugungen, Möbelhaus Gabbert, ?lckersträße öl.* Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anznschasseu. Mit kleiner Anzabwng schon«nibe und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebcrvorteiluug ausgeschlossen. 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