Nr. 30.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Freitag, 5. Februar. Der Minenkrieg. Der.Kölnischen Volkszeitung" wird der folgende Feldbrief eines Pioniers in Flandern zur Verfügung gestellt: Das Wetter ist schauderbar. Der Regen schüttet nur so, als ob der Himmel kein Erbarmen hätte. Das Wasser steigt in den Laufgräben immer höher. Wir machen Wasserlöcher, die sind im Nu voll... Schlamm wird geschaufelt, Wasser geschöpft, alles nützt nichts. Bald stehen wir bis an die Knie drin. Es wird weiter ge- arbeitet. Die Sappen müpen fertig werden, da gestürmt werden soll. �Die Entfernung vom Feinde verringert sich immer mehr. Die Nacht ist rabenschwarz. Morgen soll der Sturm sein. Wir sind vom feindlichen Graben nur noch fünf Meter entfernt. Handgranaten fegen hin und her. Es wird ruhiger, wir schaffen weiter, der Schweig perlt nur so. Ein Mann beobachtet, der andere schaufelt. Jetzt geht es hinein in die feindliche Deckung. Ueber Tage kann nicht mehr gearbeitet werden. Hingelegt in den Dpeck und einen Stollen getrieben. Stunde um Stunde vergeht, eine Ablösung nach der anderen folgt, eine Schaufel nach der anderen fliegt rückwärts. Der Feind scheint Ahnung zu haben, daß die Luft nicht ganz rein ist. Er schießt wie toll. Das Ge- knatter der Gewehre hört sich genau so an, als ob man einen Sack Erbsen eine Holztreppe herunrerschüttet. Dazwischen die dumpfe Musik der Artillerie und der Minen. Vor Infanterie sind wir ziemlich gedeckt— aber hat der Feind keine Gegenminen gelegt? Bei jedem Spaten vorwärts können wir in die Luft gehen. Eine angenehme Gewißheit... Es hat gut gegangen. Wir sind unter dem femdlichen Graben. Der Tag fängt an zu grauen. Schwer geht unser Atem in dem engen Loche. Jetzt wird die Sprengladung eingebracht, 100 Pfund in jedes Loch. Ig dieser Sappen sind ge- trieben worden. Die Ladung wird verdämmt, Zündung eingebaut. Froh verlassen wir unsere Arbeit, waten durch den Schlamm zurück in den nächsten Unterstand. Ein Stück Kommißbrot mit Speck und kaltem Kaffee ist unser Essen... Utsch geht es neben uns. Wirres Geschrei:„Es liegt einer drunter, es liegt eirter drunter!" Wir hinaus aus unserem Loche. Der Unterstand neben uns ist, aufgeweicht von aller Nässe, zusammengebrochen und hat einen Mann unter sich begraben. Was Spaten hat, heran und geschaufelt. Ich habe den meinen vorn in der Sappe liegen ge- lassen. Es ist zu weit. Also mit den.Händen und dem Seiten- gewebr gearbeitet. Endlich hören wir den Armen stöhnen. Ein Schnitt mit dem Taschenmesser durch die Zeltbahn und wir sehen ihn liegen. Ein Balken liegt ihm über dem Schädel, zwei zwängen ihm die Brust ein. Ein kräftiger Ruck, und er ist frei. Leben hat er noch, ivas zerbrochen ist, wissen wir nicht. Er wird in eine Zelt- bahn gelegt und fortgeschafft. Es gilt noch andere Arbeit bis Mittag. Handgranaten werden fertiggemacht, Minenwerser geladen. Stufen in die Deckung ge- hauen, damit man zum Sturm besser hinausklettern kann,«o geht's bis Mittag. Es kommt der Befehl:„Alles zum Sturm bcreitl" Jetzt kommt der Befehl:„Plankt auf!" Die Minen gehen.in die Luft. Wir werden bald selbst von der ausgeworfenen Erde verschüttet. Die Minenwerser arbeiten gut. Jetzt heißt es: „Pioniere vor mit Handgranaten!" Rasch geht es in den Sappen vor. Klatsch! schlägt eine Kugel dem Hintermann in den Kopf. Er fällt ohne ein Wort. Andere werden getroffen. Wir kpnncn nicht helfen.� Das Gewehr um den Hals, das Schanzzeug an der Schleife, in jeder Hand eine Granate, geht es vor. Bald laufend, bald kriechend voran. Jetzt ist der richtige Augenblick zum Werfen. Ritsch den Zünder angerieben, bis fünf gezählt und weg mit dem Ding in die feindliche Deckung. Krachend geht sie in die Höhe. Die zweite Granate folgt. Eine nach der anderen zerreißt die Deckung. Wir haben alles geworfen. Nun� wirbeln die Trommeln das Signal:„Sprung auf, marsch, marsch! Zum Sturm fällt das Gelvehr!" schmettert durch das Ge- tose. Die Hölle ist losgelassen. Alles springt aus den Gräben mit Hurragebrüll. Der Feind schießt entsetzlich. Viele fallen. Ein jeder läuft, ivas er laufen kann, denn vorn ist man am sichersten. Ein furchtbares Handgemenge entsteht. Man schießt, sticht uiid schlägt in den Gräben. Wie toll geht es drauflos. Die Patronen sinh verschossen Es geht mit dem Bajonett heran. Die Engländer weichen und setzen sich in dem zweiten Graben fest. Ihnen noch immer nach. Mitten über die Haufen von Gefallenen hinweg hinein in den zweiten Graben! Dort dasselbe Spiel. Der Feind hält tapfer stand. Wir Pioniere, unsere Gewehre in der einen Hand, in der anderen das Schanzzeug, stürmen mitten unter der Infanterie. Das Getvehr ist zu schwach, schießen und stechen geht nicht, herumdrehen auch nicht. Also Schanzzeug los. So wird auch der dritte Graben genommen. Hier setzen wir uns fest und jagen ihnen noch an Kugeln nach, was wir haben. Der Feind hatte sich einige hundert Meter von uns wieder festgesetzt. Doch wir haben eine wichtige Stellung genommen, und das genügt einstweilen. Außerdem haben wir einige Maschinen- gewehre und eine Menge Munition erbeutet und 300 Gefangene gemacht. Während-der Nacht liegen wir noch draußen, da ein Gegenangriff erwartet wird. Die Artillerie schießt wieder wie toll. Wir bauen die neue Stellung ein wenig aus und erwarten, tvas da kommen wird. Es war eine schreckliche Nacht. Der Morgen kommt und nach Stunden Ablösung. Hundemüde, vollständig stumpfsinnig geht es auf den Heimweg. Zlvei Stunden haben wir zu laufen. Keiner sagt ein Wort vor Müdigkeit. Man setzt Fuß vor Fuß und torkelt weiter...— /lus neuen Prozeßakten über Seethoven. Die zahlreichen Akten über Beethovens Prozesse, die Max Reinitz in den verschiedenen Archiven Wiens ausgefunden hat, de- leuchten die Gestalt des Meisters von einer neuen Seite und zeigen, wie sehr ihm sein Leben durch diese ewigen Streitereien vor Ge- richt verbittert wurde. In einem umfangreichen Aufsah der „Deutschen Rundschau" gibt der Entdecker der neuen Beethoven- Dokumente einen genauen Ueberblick über die verschiedenen Pro- zesse, in die wir hier Einblick erhalten. Gerade im Zenit seines Ruhmes, im Kongreßjahr 18l4, war Beethoven in eine Menge persönlich und vermögensrechtlich un- angenehmer Prozesse verwickelt. Da waren die beiden großen Ge- Haltsprozesse, die Beethoven um die Auszahlung seiner Pension mit dem Fürsten Lobkowitz und den Kinskyschen Erben ausfocht. Drei fürstliche Mäcene, Erzherzog Rudolf, Fürst Lobkowitz und Fürst Kinsky, hatten den Meister durcb Gewährung einer Pension von 4000 Gulden in Bankozetteln an Wien gefesselt, als ihm 1809 Jerome Bonaparte während seines kurzen Königreiches eine Stelle als Kapellmeister in Kassel mit 600 Dukaten anbot. Aber schon nach zwei Jahren wurde diese Herrlichkeit arg getrübt, denn der österreichische Staatsbankrott von 1811 ließ die Bankozcttel sehr im Kurse sinken, und so„brachten ihn die Noten in Nöten", wie Beethoven so oft klagt. Nur Erzherzog Rudolf bewilligte den Ersatz der Kursdifferenz; die anderen beiden zahlten weiter in Bankozetteln, wodurch der Wert der Pension sehr zusammen- schmolz. Fürst Lobkowitz, der aus reiner Liebe zur Kunst Beethoven unterstützte, und dem dieser herrliche Tonwerke, so die Sinfonia Eroica und den„Liederkreis an die ferne Geliebte" gewidmet hat, lvar damals selbst in die größte finanzielle Not geraten und konnte einfach nicht mehr die volle Pension zahlen. Beethoven aber strengte einen Prozeß an, den größten, den er je geführt, und verlangte die Ausbezahlung der vollen Pension von 700 Gulden. Ter Meister mußte den Prozeß verlieren, da der Fürst eidlich erklärte, die Zusicherung der vollen Bezahlung der Pension sei nur als ein jederzeit widerrufbares Versprechen auf- zufassen, das dem Kläger kein Recht für Lebenszeit begründete. Obgleich also die Sache für Beethoven schlecht stand, setzte er doch außergerichtlich seinen Willen durch, indem Lobkowitz brieflich sich verpflichtete, die volle Pension zu zahlen. Der Fürst, der„als leidenschaftlicher Musikfreund" Beethoven all seine Schmähungen und Drohungen nicht nachtrug, bemühte sich sogar, da er selbst unter Kuratel gestellt war, bei feinen Hauptgläubigern die Be- Zahlung der vollen Pension durchzusetzen, und diese ist sogar noch nach dem Tode Beethovens an die Hinterlassenschaft entrichtet worden. In dem anderen Pensionsprozeß hatte Beethoven keinen per- sönlich so liebenswürdigen und versöhnlichen Gegner. Fürst Kinsktt, der ihm die Pension ausgesetzt hatte, war gestorben, und seine Erben hatten kein Interesse an dem Meister, wollten also nicht niehr zahlen als nötig war. Da Beethoven keine Beweise für das Recht seiner Forderungen vorbringen konnte, mußte er nach einem langen dreijährigen Prozeß einen mageren Vergleich schließen, in dem die Kinskyschen Erben eine Aufbesserung der Pension um 471 Gulden gewährten. Ein dritter Prozeß, den Beethoven zur selben Zeit führte, spielt bereits auf künstlerisches Gebiet Hinuber: es war der Rechts- streit mit dem Hofmechaniker Mälzel wegen der Schlachtsinfonie. Die Gelegenheitskomposition„Wellingtons Sieg" oder„Die Schlacht bei Vittoria" hatte Beethoven große Einnahmen gebracht. Nun nahm aber der bekannte Mechaniker Mälzel das Eigentum an diesem Tonwerk für sich in Anspruch und führte es tatsächlich in München unter seinem Namen auf. Mälzel, der Beethoven für den von ihm konstruierten Metronom interessierte und ihm dafür eine neue Gehörmaschine versprach, hatte den guten Gedanken für diese Schlachtsinfonic gefaßt; er soll auch alle Trommelmärschc und Trompetensignale der französischen und englischen Melodien ge- liefert und noch verschiedene Ideen für die Ausführung gegeben haben. Beethoven selbst gesteht, daß ihm Mälzel für die Aus- führung öO Dukaten in Gold angeboten habe, und auf einer von ihm revidierten Partitur der Sinfonie steht sogar ausdrücklich der Vermerk:„Auf Wellingtons Sieg bei Vittoria geschrieben für Herrn Mälzel von Ludwig van Beethoven." Der Mechaniker hatte also jedenfalls ein Mitautorrecht an der Schlachtsinfonie, und der gegen ihn 1813 von Beethoven eingeleitete Prozeß hatte wenig Aussicht auf Erfolg. Er dauerte volle drei Jahre und endete schließlich mit einer Versöhnung beider Gegner bei einem froh- liehen Feste. Zu all dem kamen dann noch die gerichtlichen Streitigkeiten mit seiner Schwägerin um den Neffen, wobei er die Behörden ütit Eingaben, Klagen und Beschwerden förmlich überflutete. Sogar nach seinem Ableben hatte das Gericht noch verschiedene Streit- fachen Beethovens zu erledigen.„In Rechtsfragen", so urteilt Reinitz,„übersah Beethoven, wie dies bei genialen Menschen os: der Fall ist, die Gesetze der Kausalität und Motivation; er handelte unklug, ja rabulistisch. Heftige Affekte führten zu unvernünftigen Maßnahmen, und zu solchen zählten die Prozesse, die er geführt, wenn er mitunter auch den Zweck erreicht hatte." Karungi- öie Eingangspforte Rußlanös. Karungi, das schwedisch-finnische Landstädtchen am Ufer dcS Flusses Torne, der die natürliche Grenze zwischen Rußland und Schweden bildet, ist durch den Ausbruch des Weltkrieges über Nacht zu plötzlicher internationaler Berühmtheit gelangt. Dabei hat diese kleine Endstation der langen schwedischen Bahnlinie nur einen Per- sonenvcrkehr, wie eine Station dritten Ranges, einen Güterverkehr, wie eine Station zweiten Ranges und einen Postverkehr— gegenwärtig wenigstens!— wie ihn wohl in den seltensten Fällen nur die Stationen ersten Ranges haben, denn seit der Hafen von Archangelsk endgültig zugefroren ist, ist Karungi die einzige recht enge Pforte gen Westen, die dem Riesenreich Nußland noch offen bleibt, so daß es für Rußland in diesem Augenblick etwa das— oder noch mehr— bedeutet, was für England und alle anderen scc- fahrenden Völker der Suezkanal ist. Sollte schließlich jedoch auf die eine oder andere Weise auch der Perkehr über Karungi abgebrochen werden müssen, so würde Rußland, um seine Beziehungen zur Außenwelt aufrechtzuerhalten, nur noch auf seinen im fernen Osten liegenden Hafen Wladiwostok angewiesen sein, den es ja auch jetzt bereits zur Einfuhr seiner von Amerika gelieferten Kriegsmunition benutzt. Abgesehen davon jedoch, daß seihst der Hafen von Wladi- wostok unter Umständen völlig zufriert, läßt sich leicht begreife», welche ungeheuren Schwierigkeiten es mit sich bringen würde, so- wohl Passagiere wie Post auf dem Umwege über Wladiwostok von Westeuropa nach Rußland zu befördern, und die Berühmtheit, die Karungi, die einzige Mittelsstelle zwischen Westeuropa und Ruß- land innerhalb kurzer Zeit erlangt hat, ist deshalb, genau betrachtrt, sehr wohl verständlich. Ueber die Station Karungi an sich schreibt der Korrespondent des schwedischen„Sozialdemokraten" seinem Blatte: „Am Osthimmel begann sich der Tag mit grünen und roten Streifen zu melden, als unser Sckmellzug langsam in die Station Karungi einfuhr. Ein flüchtiger Blick durch das Coupefenster ge- nügt, um den Gegensatz zwischen dem zu spüren, was den Erbauern der Station vorgeschwebt hat und was tatsächlich aus ihr geworden ist. So viele Geleise und so wenige Stationsräume— wenn man sie so nennen will—, denn sie sind in Wirklichkeit nichts anderes, als ein paar kleine, armselige Baracken.— Die geade an diesem Tage zum ersten Male dem Betrieb übergebene„Bahnhofswirt- schaft" ist für russische Kosten errichtet und entbält außer der Küche einen ziemlich geräumigen Speisesaal, durch dessen Mitte ein langer, wachstuchgedeckter Tisch läuft, an den Seiten eingerammte Sitzbäuke, zwei stinkende Azetylenlampen und als einziges sonstiges Inventar einen eisernen Ofen. In diesem Raum werden unbemittelte Reisende kostenlos gespeist, diejenigen aber, die zahlen können, zn sehr billigen Preisen, denn 23 Oere für Tee und Butterbrot ist gewiß gerade in diesen Gegenden nicht teuer, wo nicht nur die Lebensmittelpreise in letzter Zeit ganz außerordentlich gestiegen sind, sondern auch für Wohnungen geradezu märchenhafte Preise bezahlt werden. So zahlt beispielsweise das russische Konsulat für SOj Ueberfluß. Von Martin Andersen Nexö. „Herrgott, was sollen wir bloß mit dem Kandidaten an» fangen?" jammerte sie.„Er ist total betrunken und kann sich Schaden zufügen. Nun hat er zwei Tage herumgesumpft und ist ganz ohne Besinnung. Und ich wage nicht, ihn hereinzulassen. Sie wissen nicht, wie entsetzlich er in dem Zustand ist! Er ist dann wie ein Tier und kann das Aergste gegen zwei alleinstehende Frauen unternehmen. Und dabei ist er doch sonst so gut,— aber er hat die Gewalt über sich verloren, der arme Kerl. Und da sucht er hier Zuflucht, weil er glaubt, daß er hier wohnt,— und wir können ihm nicht einmal helfen. Es ist sehr traurig." „Ich wcrd versuchen, mich seiner anzunehmen," sagte Bauder und schlüpfte in seinen Ueberzieher. „Ja, vielen Dank, wenn Sie das wollten. Ich werd schon bei Ihnen bleiben, bis es vorüber ist." Als Bauder hinauskam, war der Kandidat fort. Nach kurzem Suchen fand er ihn auf dem Grabenrand, an einen Tclegraphenpfahl gelehnt. Er packte ihn am Arm und forderte ihn gebieterisch auf, sich zu erheben. „Können Sic mir nicht sagen, wo hier in der Nähe eine Kneive ist?" fragte der Kandidat gedehnt und starrte Bauder ins Gesicht. Aber Plötzlich zuckte er zusammen.„Was, siftd Sie es, Aesthetiker?" rief er ziemlich verlegen und versuchte, eine stramnie Haltung anzunehmen.„Sind Sie nicht im Bett? Sie befeuchten wohl auch die Kehle ein bißchen im Schutze der Nacht, was, Alter?" Lachend wollte er Bauder auf die Schulter klopfen.„Sie haben wohl gehört, daß es etwas geben wird, und wollen vielleicht etwas mit abhaben? Halten Sie sich nur in meinem Fahrwasser, es fällt immer etwas ab." Er ging vorwärts und winkte, die Hand hinter sich haltend. Bauder war erstaunt, nicht so sehr über den Zllstand des Kandidaten, als über die Veränderung, die mit seiner Stimme vorgegangen war. Dieser edle Theoretiker und Idealist be- wegte sich nicht nur in den plattesten Vorstellungen und gab ihnen in entsprechenden Wendungen Ausdruck— das mochte noch hingehen, da der Mann berauscht war—, aber sein sonst weiches und wohlklingendes Organ war geborsten und belegt, hatte jenen Klang von Halsentzündung, wie er untrennbar vom Kopcnhagener Proletariat ist. War das denn eine un» vermeidliche Folge der andern, oder bemühte er sich, seiner Stimme eine rohe 5ilangfarbe zu verleihen? Bauder hatte den Arm des Kandidaten fest gepackt. „Sie sollten niit mir ins Haus gehen und sich nicht länger wie ein Tier benehmen," sagte er bestimmt. Der Kandidat war vollständig schlapp und ließ sich führen. „Tier— Bier— Vier!" sagte er gedehnt.„Rechnen kann ich. Ich bin ein mathematisches Talent, ich bin fast ebenso tüchtig wie mein Lehrer in der Anstalt... er, Du weißt wohl... aber davon verstehst Tu nichts, Tu ästhetischer Satan," er machte eine ärgerliche Drehung zu Bauder hin,„Du verstehst Dich nur auf Aesthetik. Aber die Wissenschaft, das ist was,— denn— denn— ich bin Wissenschaftler, siehst Du. Die Dichter und die Maler verstehen nichts von der Natur. Sie sehen bloß die Formen und Farben, aber was ist das wohl? Das ist nicht die Natur, Du— das sind Formen und Farben. So ist es, meiner Seel!" Er rüttelte Bauder heftig. „Ja, gewiß ist es so," sagte dieser und lotste ihn durch die Flurtür ins Haus. „Aber ich bin Gelehrter und mache nur den Teufel was aus Dichtern, Formen und Farben, denn ich sehe all das, was dahinter liegt— was dahinter liegt, jawohl.— Wo ist die Flasche geblieben?" Er tastete llber�den einen Rockschoß hin, fand aber nichts.„Du lachst mich ja aus. Glaubst vielleicht, ich wäre voll? Aber Funk ist auch voll geworden, er wollte mich betrunken machen und wurde es selber— hi hi!— Glaubst Du's, er war betrunken! Er war selber betrunken, das Schwein!— Du und Funk, Ihr seid Talente, aber Ihr habt keinen Sinn für mein Gebiet, denn ich bin ein mathemati- sches Genie. Und ich habe mein ganzes Leben dazu gebraucht, um— die höchste Summe von— Glück-- für die größte Anzahl von— Menschenkindern zu berechnen." Sein Mund hatte keinen Augenblick stillgestanden, seit Bauder ihn aufgriff. Doch jetzt, als nian ihn mit Mühe die Trevpe hinausgeschafft hatte und er die Schultern hängen ließ und sich an den.Kamin anlehnte, fiel er ganz zusammen. Der Kops hing auf die Brust hinab, die Knie waren ge- krümmt und nach innen gekehrt, iind Augen und Zunge sahen aus, als würden sie aus dem Gesicht fallen. Die Arme hingen schlaff herab wie bei einem Erhängten, und ein unheimliches Röcheln entrang sich seiner Brust, zusammen mit starken Schnapsdünsten, die im Augenblick den ganzen Bodenraum füllten. Bauders Wirtin, die eifrig geholfen hatte, brach plötzlich in Schluchzen aus beim Anblick dieses Menschen, der da, hin und her schwankend, stand und mit der Stirn gegen den Kamin stieß, erbärmlich uns hilflos, körperlich und seelisch eine Beute der entsetzlichsten Idiotie. „Ach, Herrgott!" klagte sie.„Und seine arme Frau, die sich mit so was schleppen muß. Wie entsetzlich das doch ist... wie entsetzlich!" Der Kandidat machte den schwachen Versuch, den Kopf nach ihr hinzudrchen, und den einen Mundwinkel umspielte ein blödes Lächeln. „Sie müssen helfen," flüsterte Bauder heftig.„Sehen Sie denn nicht, daß er umfüllt? Aber nicht in mein Schlaf- zimmer. Richten Sie das Sofa her, aber beeilen Sie sich." Er zitterte förmlich vor Nervosität. „Ja ja ja," erwiderte sie schnaubend und sputete sich. Sie breitete ein paar Säcke auf dem Sofa aus, und die beiden brachten den Kandidaten zur Ruhe; er schlief wie ein Stein, noch bevor sie ihn hingelegt hatten. „Gehen Sie jetzt nur!" sagte Bauder.„Ich will mich seiner schon annehmen." Er ließ die Lampe brennen und setzte sich auf einen Lehn- stuhl, um zu schlafen, aber obwohl die Türe nach dem Speicher offen stand, konnte er es vor schlechten Dünsten bald nicht aus- halten: er mußte ein Fenster öffnen und Durchzug schaffen. All sein Ekel und Abscheu brach mit heftiger Stärke in ihm hervor, und er bereute bitterlich, daß er dem dummen Mitleid nachgegeben hatte. Hier lag dieses Schwein, dieser Phrascnmacher, und zwang ihn, seine widerwärtigen Dünste einzuatmen, füllte den Raum mit seinem tierischen Schnarchen— und wenn er wieder nüchtern wurde, redete er unangefochten vom Ideal und von dem Emporstrebenden im Menschen. Er stand tiefer und war schleimiger als das niedrigste Schleimtier. Vor nichts hatte er Respekt, weder vor Kräften noch vor Vernunft— nicht einmal vor dem Leben, das alles setzte er ein. um sich in der gemeinsten Form von Idiotie wälzeO zu können. Und kein menschliches Ge- fühl war ihm heilig, morgen würde er eins nach dem andern bcrvorkehren, mit seinem Phrasenspeichel begeifern und voll Selbstvertrauen seiner Umgebung servieren. Aber so mußte man sein: plump und grobkörnig in seinen Anforderungen an Genüsse. Man mußte sich kritiklos vollessen, bis man übersättigt war, und sich dann auf den Rücken legen und in den blauen Himmel starren, mußte mit dem Abscheu des Ueberfüllten auf allen Genuß speien und beschwerliche Träume von einer höheren Welt träumen, wo es keine Forderungen gab. Tann war man edel, human, hoch- herzig— ein idealer Mensch.(Forts, folgt.)- l»m Räumlichkeiten eine NonaiSmiekc 5on ZgO Kronen, eine Einzel- Person für ein Zimmer in demselben Smtel 143 Kronen, während man es in Privathänfcrn allerdings etwas billiger hat, dort jedoch, trotz der Kälte von 30 Grad, die draußen herrscht, zumeist keinen �scn findet. Eine der größten Sehenswürdigkeiten Karungis ist gegenwärtig zweifellos sein„Äuelaiidsposlaint", in dein man sehen kann, welche Summe von Arbeit sich unter Umständen trotz ungünstigster Vcr- hältnifsc leisten läßt. Tic Bezeichnung„Auslandspostamt" klingt allerdings etwas großartig, und man ist nmvilltürlich versucht, an Spiegelscheiben und Marmortische zu denken, bis man schließlich vor dem„Auslandspvstaint" selbst stellt und zu seinem Staunen gc- wahrt, daß es aus einem toten Geleise in ein paar ausgedienten, geheizten Guterwagen und einer mittelalterlichen Postkutsche untere gebracht ist. Das ganze Bcamtcnpersonal besteht zurzeit aus vier Manu, zu denen sich demnächst jedoch noch einige weitere gejellcn sollen, da täglich etwa 30— UO Wagen Post befördert werden und eingeben, darunter von Westen her Poftbentel ans aller Herren Länder — mit Ausnahme Tcntlchlands, Oesterreichs und der Türkei— und zwar solche nicht allein nach Rußland, sondern gleichermaßen auch nach sichonghai, Hongkong. Peking, Tokio usw. Einen besonderen Rang in diesem Mittelspostamt nehmen die sogenannten„Kriegs- gesongenen" ein. Jeden dritten Tag tönst von Karungi nach Berlin ein direkter Güterwagen mit KXlO— IllOO Lielicsgabenpaketcn für die vielen, in deutscher Gefangenschaft befindlichen Russen, wobei allerdings nicht unerwähnt bleiben mag, daß diese„Kriegsgefangenen'� der schwedischen Post recht teuer zu stelzen kommen, da ihre Beförderung— die sonst durch alle Postverbändc kostenlos geschieht— aus der Strecke Tornea-Karungi dasselbe kostet, wie die Beförderung aller übrigen Sendungen." 23. P. L. Magermilch in Sie Büchel Wenn die fette Kuhmilch die Zentrifuge verläßt, ist sie in zivei Teile gesondert. Man erhält fast den ganzen Fettgehalt der Milch in Geflalt des dicken weißen Rahms, außerdem die entfettete Milch als Magermilch. Der Rahm wird nach kurzer Säuerung zu Butter verarbeitet, wobei wiederum ein Nebenprodukt entsteht, nämlich die schwach säuerlich wohlschmeckende, etwa 1 Proz. Fett enthaltende Buttermilch. Während nun die Buttermilch gern als Getränk ge- nofsen wird, findet die Magermilch wenig Gegenliebe. Sie wird wegen ihres faden Geschmackes kaum als Getränk verwendet und hat überhaupt nur in Form des aus ihr gewonnenen Käses lQuark- käse, Magerkäse) Eingang in den Haushalt gefunden. Sie wird vielmehr zum allergrößten Teil zur Fütterung des Viehs, vor allem d. r Sckuvcine verwendet. Nun i>t aber die Magermilch auch für den Menschen ein sehr wertvolles Nahrungsmittel, da sie den gesamten Eiweiß- und Zuckergehalt der Vollmilch trägt. Fn Zeiten, wo wir mit unserem Vorrat an Nahrungsmitteln haushalten müssen, ist es also unbedingt notwendig, auch die Magermilch direkt dem mensch. lichcn Genuß zuzuführen. Denn wenn wir sie durch Fütterung in Schweinefleisch umwandeln, so erhalten wir nur ein Viertel ihres Eilvcißgehaltes wieder, den Rest verbraucht das Schwein für sich selbst. Es tritt also ein sehr großer Verlust ein. Wenn wir nun bedenken, daß in Teutschland jährlich 3— 6 Milliarden Liter Magermilch den Schweinen gegeben werden, so bedeutet das einen Verlust von rund 130 000 Tonnen Eiweiß oder etwa ein Zehntel unseres gesamten Bedarfes an Eiweiß. Daraus ersieht man die große Wichtigkeit, den Schweinen diese llllcnge??ahcnngöstoff zu entziehen und sie den Menschen direkt zu geben. Natürlich geht das nicht mit der ganzen Menge, aber wir müssen dahin streben, wenigstens die Hälfte zu retten. Dazu sind aber zwei Dinge nötig: erstens muß Sorge getragen werden, die Magermilch für diesen Zweck frei zu bekommen, sie also den Schweinen wirklich'fortzunchmen: zweitens aber muß die Haus. frau dann diese Magermilch auch kaufen. Und dazu mutz sie wieder wissen, was sie damit anfangen soll: denn zum Trinken eignet sie sicki, wie gesagt, nicht besonders. Es hat aber gar teine Schwierig- keil, trotzdem der Magermilch eine ausgedehnte Verwendung zu schaffen. Man soll sie nämlich ganz grundsätzlich an Stelle der teuren Vollmilch zum Kochen und Backen verwenden. Alle die zahl weiß völlig den mit Vollmilch hergeskellten gleichwertig, nur da» '■ iL so ist die Bereitung solcher Speisen in viel größerem Umfange nötig als bisher. Wollte man sie nun mit Vollmilch kochen, so würde den Kindern dieses unentbehrliche Getränt eingeschränkt. Das darf aber auch wieder nicht sein, denn für die Kinder muß der Genuß von Milch der wichtigste Fleischersatz sein. Benutzt man aber zum Kochen grundsätzlich nur Magermilch, so bleibt die Vollmilch zum Trinken frei, mindestens im bisherigen Ilmsange, wahrschein- lich wird aber sogar noch melir zur Verfügung stehen. Darum muß an alle Hausfrauen der Aufruf ergeben, bei ihren Milchhandlern so lange Magermilch zu verlangen, bis diese sie liefern; denn die noch vorbandencn Schwierigkeiten der Beschaffung sind zu überwinden, und die Händler werden sie überwinden, sobald sie den crnitcn Wunsch der Hausfrauen erkennen. Natürlich miß sie billiger sein a!« Vollmilch: sie darf nur die Hälfte kosten. Tic Parole muß also sein: die Vollmilch den Kindern zum Trinken, die Magermilch in die Küche! Prof. Dr. Carl O p p c n h e i m e r. Kleines Feuilleton. Mißbrauchte Postkarten. Auch in Frankreich feiert die Unfähigkeit und Ordinärhcit auf dem Gebiet der Kriegspostkarten wahre Orgien. Ter Kunstkritiker der„Humanitä" Leon Rosenthal llagr: Seit dem Beginn des Krieges bat sich die Postkarte nur in wertloser, bisweilen selbst betrübender Gestalt gezeigt. Ich gehe über die sozusagen kolorierten Süniti- Photographien mir ihrer saden Sentünentalilät hinweg, ebenso über gewisse kindische Prahlereien und mühselige Wortspiele. Aber ich ineine gewisse gemeine Späße— Sauereien, um eS herauszusagen— die unser und der Umstände unwürdig sind, Tie Zensur, die anderswo eine bisweilen indiskreie Tätigkeit entwickelt hat, wäre wohl beraten gewesen, wenn sie der Veröffentlichung dieser Karlen ein Verbot cnlgegcngcsetzt und von den Verlegern mehr An- stand gefordert Halle. Zch füge hinzu, daß die von mir gerügten Bilder unter dem engeren Gesichtspunkt der Kunst überaus schwach und, armselig in Zeichnung und Farbe. Die Menge, der man sie anbietet, die 5lindcr. die sie nach Herzenslust in den Auslagen der Buchhändler oder auf den improvisierten Gestellen vor den geschlossenen Läden berrachien, können nur schlechte Lehren daraus cmpfangeir. Der Kritiker meint schließlich an die wahren Künstler appellieren zu sollen, für die da ein zugleich gesundes und gewinnreichcs Wert zu vollbringen wäre. Es ist aber sehr zweifelhast, ob man in Frank- reich auf diesem Gebiet bessere Erfahrungen machen wird als in anderen Ländern. Oer kippenSe Mtoomnibus. So mancher, der auf dem Oberdecke eines vollbepacklen Auto- omnibnsscs in schneller Fahrt durch eine Kurve gefahren ist, wird sich eines bänglichen Gefühl cs nicht haben erwehren können,»venu das Fahrzeug sich bedenklich auf die Seite neigte. Schien es nicht um» kippen zu wollen? Bei den modernen Autoamnibuffeu ist die Frage des Gleichgewichts tatsächllch von großer Wichtigkeit. Ihre Unter- suchung ist durch Ludwig Spängier, den Leiter einer großen Wiener Vcrkebrsgesellschaft, angeregt loorden, und einige wertvolle Ergeb- nisfe sind bereits erzielt worden. So hat man, wie das in Ehieago erscheinende„Electric Railway Journal" berichtet, auf einem Pro- bierstande Kippversuche angestellt und dabei gefunden, daß ein ge- lvöhnlichcr Autoomnibus viel weiter seitlich geneigt werden kann, ohne umzukippen, als man denkt. Es handelte sich dabei um eine Art Wettbewerb zwischen zwei Arten des Autoomitibusses, einer, bei der das Oberdeck offen ist, und einer anderen, bei der oben auch ein geschlossener Raum erzielt ist. Die Versuche wurden so angestellt, daß man den unteren Raum leer ließ, das Oberdeck mit Sandsäcken belastete, deren Gewicht dem der Fahrgäste des Oberdeckes gleich kam und nun so weit kippte, bis der Wagen im labilen Gleichgewicht angelangt war. Es stellte sich heraus, daß man den oben offenen Omnibus bis zu Ol, den oben geschlossenen sogar bis zu W Grad kippen konnte. Bei dem oben geschlossenen sind die Decksitze tiefer angebracht, so daß der Schwerpunkt demgemäß tiefer liegt. Ehe man aus diesen Versuchen nun Schlüsse ans die Verkehrssicherheit des Äntoomnibus zieht, müssen natürlich noch weitere Versuche aitge- stellt werden, hauptsächlich solche, die das Fuhrwerk in der Bewegung untersuchen und der Wirkung der Fliehkraft in den Kurven gerecht werden. Tee im Jeldc. Dce als Volk-gctränk niehr als bisher einzuiührcn, war schon in Friedenszeilen das Bestreben der deutschen MäßigksiiSfreunde und ist jetzt im Kriege im Blick auf unsere Truppen eine besonders wich- tige Aufgabe. Tee ist warm und kalt gleich genießbar, erwärmt, regt a», schafft behagliche Stimmung, paßt zu jeder Speise, schützt vor Ermüdung und Schlappwerden.... So schreiben mit Recht die„Mäßigkeits-Blälter". Es ist darum mit Freuden zu begrüßen, daß von manchen Seiten unter den Liebesgaben, die ins Feld er- beten und versandt werden, namentlich auch ans Tee besonderes Gewicht gelegt wird. Generalarzt z. D. Dr. Körting schrieb über den Tee itt„Meine Dienstzeit", et rege an, erfrische und erwärme, ohne den Magen oder den Kopf zu belästigen. Er passe zu jeder Speise. Durch leinen Gehalt an Gerbsaure beeinflusse er die Verdauung namentlich beim Herrschen epidemischer Darmkrankheuen günstig t er schütze vor Magen- und Dannstörungen.„Es war eine der nütz- lichsten Erfahrungen des ruisisch-japanischen Krieges 1904/05, daß die Wertschätzung deZ Tees als Getränk für den Krieg stieg.... In beiden Heeren waren die Soldaten aus ihrem Friedertsverhällnis an den Tee gewöhnt, �ie fetzten im Kriege nur ihre Gewohnheit fort. Wasser nicht roh, sondern gekocht in Gestalt eines Teeaufgusseö zu genießen. Das bot außerdem den gesundheitlichen Borteil, daß verdächtiges Trinkwasser durch das Kochen ungefährlich, schlecht- schmeckendes genießbar gemacht wurde. Es ist wesentlich dem lag- ticke» Teegenuß zuzuschreiben, loenn die auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze verbreiteten epidemischen Darmkrankheilen, TtzphuS und Ruhr, den beiden Heeren nicht viel Schaden tun konnten." Stäüte unö Dörfer. Die Zahl der Gemeinden im Deutschen Reiche betrug 1910: 15 0o9, darunter 7L 190 mir weniger als L000 Einwohnern— das Kaiserliche Statistische Amt nennt sie„Ländische Gemeinden" und zählt dazu auch die srtädte unier 2000 Einwohnern. L740 Gemein- den, im Gegensätze zu jenen statistisch„städtische Gemeinden" genannt, unter denen über die Hälfte„Städte" dem llicchtr noch sind, zählen mehr als 2000 Eimvohner. irnd 2441 Gemeinden(Landstädte) 2000 bis 3000 Einwohner, 1028 Gemeinden fKleinirädte 5000 bis 20 000 Einwohner. 220 Gemeinden(Mittelstädte) 20 000 vis 100 000 Einwohner, und 48 Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Auf Grund der Ergebnisse der letzten Volkszäblnng hat das Kaiserliche Statistische Amt einen Vergleich der Eimvohner- schast aller Gemeinden von mindestens 2000 Einwohnern>also der städtische» Bevölkerung) an den Zahltagen, der letzten leiden Voltszählungen gezogen. Danach ist der„Städtc-Zeilung" ztiiolge die Eunvohndrzähl der Gemeinden mir mehr als 2000 Einwoi.ncrn in den fünf Jahren seit der vorletzten Volkszählung um 0.51 Proz. gewachsen. Es entfallen auf die iiadtischc Bevölkerung 60.82 und auf die ländliche Bevölkerung 39,06 Proz. der Besamtvevölkerung. Die städtische Bevölkerung hat mithin seil der vorletzten Polt.-- zählung viermal so stark zugenommen wie die länolicke. In Preußen beträgt die Gesamtzunabme der Beuöltcrun.g t Proz.. die Zunahme der städtischen Bevölkerung 1.2 Proz.; aber immer» hin mackt die ländliche Bevölkerung noch 35 Proz. der Gesamtheit auS. Unter den übrigen größeren Bundesstaaten schwankt die Zu- nähme der Bevölkerung zwischen 0,3 in Braunschweig und 1,3 in Oldenburg. Die Abwanderung vom Lande in die Städte ist am stärksten in Elsaß-Lothriügcn, nämlich 2 Proz., am geringsten in den beiden Mecklenburg mit 0.5 Pro-. Notize«. — T h e a t e r ch r o n i k. Im Lessing-Theater werden neben Jbien demnächst auch Hartleücn und Schnitzler mit Einaktern und Ernst Hardt mit einem neuen Werte„Ter König toalomo" zu Worte lonnnen.— Das in Perionalunion mit dem Lessing-Thcalcr verbundene Deutsche K ü n st l c r- T h c a t e r soll mit GoetbeZ „Egrnont" neu eröffnet werden. Daneben wird der„Pfarrer von Kirchfeld" gespielt werden. Als Uraufführung ist Kysers Schauspiel „Charlotte Stieglitz" erlorcn. — I in Zeichen des Burgfriedens. In Dresden sgllre ein Vortrag Wilhelm Bölsckes stattfinden, und zwar im Saal des Vereinshanies, in dem Äöliche in den letzten Jahren fair jeden Winter gesprochen bar. Dieser«mal gehört dem christlichen Hospiz in Dresden. Die Verwaltung deö Saales hat es für angebrackr gehallen, den Saal zu vertveiqern. mit der Begründung, daß die religiösen Anichauungen von Bülsche nicht auf orthodoxem Stand- Punkt beruhten. Der Saal deS LereinShauseZ dient regelmäßig durchaus nicht etwa religiösen Zwecken, sondern er wird zur Ver> anstallung von Konzerten und Vortragen genommen. Der Vortrag BölscheS wird natürlich doch stattfinden und zwar in einem anderen Saale. — Der französische Buchhandel im Krieg. Tie Zahl der mit dem Krieg in Zusammenhang stehenden Neu- erscheinungen in Deutschland gab die Bibliographie der Hinrichschcn Buchhandlung auf 1410 an(mti Einschluß der Karlen, Flugblättcr, Zeitschriften usw.). Kürzlich ist nun auch der„Memorial de Ii Librairio" erichiencn, der die Statistik für Frankreick gibt. Danach erschienen seil dem Kriegsbeginn in Frankreick 28S Werke, unter denen nur clwa zwanzig, die in direktem Zusammenhang mit den Zeitereignissen stehen. Von den historiscken Werken fanden namentlich die diplomatischen Veröffentlichungen Beachtung, denen ein Verlag die Auszüge aus den offiziellen militärischen Bulletins beifügte. Em militärischer Verlag gibt in Broschürenform die Armeebefehle und die täglichen EommuniausS heraus. An juristischen Werken üudet sich ein„Code du Moratorium" von Herrn Mc'igncn; das ist un- gefähr alles. — Krieg und AuSlvandere�rbewegung. Die Zahl der Einwanderer in den Bereinigten«laaten ist feit Monaten fo berabgedrückt worden, wie feit Jahrzehnten nicht mehr. In den Monaten Juli. August. September und Oktober vergangenen Jahres sind insgesamt 157 042 Personen eingewandert gegen 534 811 in der gleichen Zeit des Jahres 1013. Seit Oktober ist aber die Zahl der Einwanderer noch weiter zurückgegangen. Die Einwanderung bc- trogt jetzt kaum noch 20 Proz. der normalen. Das Einwanderung: amt in New Jork hat jetzt deshalb recht wenig zu lim. Von den 550 Beamten, die dort angestellt waren, ist ein großer Teil entlassen worden, ein anderer Teil hat Urlaub erhalten. — Goldfunde in Böhmen. Staatliche Teufungsversuche an den uralten Goldfuildstätten zwischen Kaßsejowitz und Blatna in Böhmen ergaben auf je 10 Meterzentner Gestein 4.4 Gramm Gold. Man stieß'auch auf neue Goldadern mit 17 und 20 Gramm dieses KriegZmittelS. — Ein Elefant beim deutschen Heer. Karl Hagen- bcck(Stellingen) hat dem Kommandanten von Valeneiennes ettten großen indischen Arbeitselesatilen zur Verfügung gestellt, der im Arrondisjement LtzsneS bei Waldarbeilen-ur Fvn'chaffimg von Baumen und schweren Lasten verwendet wird. — A m t S st i l? In einer Kundmachung des Budavcster Magistrats über die Landsturmmusterung lesen wir t„Die Land- sturinzertifikatc und Widmungsscheine haben sämtliche ungarischen oder österreichischen Staatsbürger und alle nach Bosnien und der Herzegowina zuständigen Individuen auszufüllen.. Schließ- lich können doch nicht alle Bosnier für das Attentat von Sarajewo I Mer für Freitag,§. Felirüar: Berliner Theater Eilrablader!" 8 Uhr: 7..! 00. Male 11 »euGcde-, Opernhaas, Charloltcnb. 8 lhf Oberon. Friedrich-Wilhclrnstädt Theater. s LUr: Figaros Hoehzeil. f.rbr, II orrnfe 1<1-Theater 8 Uhr: Familie Plasehek. Helbring contra Holbring. Kleine» Theater 8 Llir Jetlchen Geberl. Komische Oper(a,d.Weidoa' dannnorbrucke) S. lOU.: Gold Rah Ich f Ur Elsen �oimtagS'stühr; Erstaufführung; Ton Stufe en Stufe. Komfidienhau» 8 mu; Biedermeier. I,ci.»ing-Thcatcr 7= u Peer Cynt l.ust»plclhaus 8, U.: Eeutnantsmftndel. Eoanabd. S'/, ühz: Die Orieirtreise. Wetropol-Thentcr 8 Lbr: Woran wir denken! Bontl» Operetten-Theater 8 Lür Der liebe Pepi. Kcnidcnz-Theatcr 8'LJir: Die Schöne vom Strand. Bo«e-Thcatcr 8 Uhr: Sein ganzes Glück. Schiller-Theater O. 8 � Husarenfleber. ScMIler-Th. Charlottenbg. 8 Uhr: Der Slörenfried. Thalia-Theater 8Uhr:Eam,raä MSnne. Theater am h'ollondorfpl. S'/j ü.: Immer feste«traft! Sonnt. 31/- Uhr: Oer Verschwender. Theater des Westens S'/.U.: Rond nm die Klebe. Üounabd. lUhr: Vater zieht ins Feld. Theater In der Königsrdtzer Straße 8 mir: Königin Christine. Trlanon-Theatcr � u: Das Liebesnesl. Volksbühne. Thcateram Bülowplatz 8,/' u-; Die Kreuzelschreiber. Walhalla Theater 8/4 ü: Krümel yor Paris. Zirkus Äib. Schumann Heute Freitag, Anlang 71/. Uhr: j Sport-Vop»teIluri|-. Besonder;; hervorzuhoben: Artur SaxonsTrio die stärksten Männer der Welt mit S ihrer lebenden Autemobitbrllcke.| Der lallend» ifleasch. Gebr. Ernst c. Oskar Schumann.! Dio«! Airos in ihrem| neuesten Sportakt. Um 9'/4 Uhr: Um 91/, Uhxtj Ost und West Großes patriotisch.Schaustück I am» der Gegenwart in 4 Akten| talast-Theater «Margen pünktl. 8 Uhr Zum 1. Mate. ,.v?attchen bat's Wort!" I v.Otto Beuttsr u.M. Beichardt 1 mit Karl Gcßner, Paul Otto, Steffi Margreiter etc. | Sonntag nachmittag 3'/s Uhr: ..Wir Barbaren'*. URANIA•'•Sl"»."' 4 Uhr(Halbe Preise): Die Msei üiuldie masiir. Seen. Abends 8 Uhr: Auf den Schlachte f eidern Ostpreußens. Johanna Terwin v. Pcutscheij Theater, Berlin, n. Jakob Tlcdtbe v. Lcssing-Xheater. Berlin, in: Landwehrmann und Pikarde. Zeitbild in einem Akt von Otto B e u 1 1 e r, Screno Xorsl mit ihren Wassernj-mphen. Rosa IfelscgK mit ihrem Aeroplan. 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Zum Schluß: �Veiknsclitssdenä im 8clittl?enxr»den Ztnsang B Uhr. Militärpersonen El und deren An, gehörigen ooll- toinmcii freier Zutritt zu den vilttt. Satwcrn. Erklärung. zlnläßlich der.Richtigstellung" des Deutschen Zlrbeitcr TSandcr. pundcS.Tie Naturfreunde« im„Vorwärts" vom d. MtS. erkliien auch wir, dax wir mit der genannte» und zur Irreführung destmunlcn ileugrünoung dcS„Verein der Naturfreunde" nichts gemein haben. III Die Ortsgruppeulettuus. Waschpulver Min!osstta von unvergleichbarer Qualität gibt bei geringster Arbeit «eil das 1 PW. Paket kostet nur 30 Pfg. SJIC OUIIUllU TÜ1II WH UHU»» IClMCm________________■»- J� iriTT LerNn�icherNedckteur: Alft-d ÄiclePP.'Neükölln.) Für dcn Lnseratenteil verantw.: T�Glöckc�BÄin. Druck u.VerIag:Vorwärt,Luchdruckcret u. Verlaztanstalt Paul Singer Sc'Eo, Berlin SW.