Nr. 31.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonnabend, 9. kebrnnr. vor warsthau. fctn ergreifendeZ eitmmangäfitlb, das das gange Elend in dem von der Äriegsnot so schwer heimgesuchten Polen mit düsteren Farben mall, entrollt Eoncetto Pkmilrato, ein Kriegsberichterstatter der„Sstampa", in einem aus Ptascczno vor Warschau datierten Brief?. ..Tas schmutzstarrende Gelmrde breitet sich in wellenförmigen Linien vor unserem Blicke aus. Plötzlich, bei einer Biegung de» Weges, in der Höhle eines bogenförmigen Tälchen» grüne Reilexe einer Vegetation und dazwifchen der graue Farbenllecks eines u örfchens, das wie eine vorgeschichtliche menschliche Niederlassung anmutet. Lauigräben reiben sich an Laufgräben, wuchtig und massig wie Kasematten. Vermutlich hatten"die Russen sie auf- gsworfon, um dem Feind die Straße nach Piaseczno zu verlegen. i'Ju einem Ende des Dörfchens drängt sich ein Haufe Bauern beiderlei Geschlecht» um ztvei mit altem HokDerümpel beladene Handkarren; sie sehen aus wie Troglodyten, die dabei sind, einen llmzug in einen neuen Höhlenbau zu bewerkstelligen. Sie sind damit beschäftigt, sich wieder in den Besitz der Fenster und Türen ZU setzen, die die Soldaten, die vor ein paar Tagen wie ein Wirbel- wind in» Torf stürmten, aus den Häusern entführten, um sie als siäcber und Deckungen in ihren Erdhöhlen zu verwerten. Tie rcchunäßigen Eigentümer dieser Tinge h aMieren herum mit Be- wegungen, die an das Treiben mit einer Ausgrabung beschäftigter Archäologen gemahnen. Halb verärgert, halb" gerührt erkennt die eine der Frauen ihren Fenstervorhang wieder, die andere eins Matratze.„Da söbau einmal, Tatwäus, wohin sie unfern Waschtrog verschleppt haben!"—„Mein armes Tischchen! Es sind Teufel, ich sag's ja, Teufel!"—„Ist das wohl eine Art, mit einem Backtrog u mitgehen l"— Nein, wahrhaftig; die Frau hat recht. Aber für den kriegführenden Soldaten ist da» Woien der Tinge nicht mehr dasselbe, dos es in den Augen des gewöhnlichen Sterblichen dar- stellt. Tie Phantasie de» Kriegers gleicht der des spielenden Kindes. ES erkennt in jedem Gegenstand verborgene Werke, an die noch kein Mensch vorher gedacht hat. Ter Staletenzaun eines Gartens ist das feste Material für eine Decke, und Türflügel sind geborene Bettstellen, während �Matratzen sich in der Rolle von Wänden prächtig bewähren. Steigt man aus den Gräben heran», so sieht man bald von ibnen nichts mehr. Ter Wald versteckt sie sosort; der Wald, der sich eudlo» bis zum Horizont zu dehnen scheint, als wenn er auf der Danderschaft wäre. Mit beklommenem Herzen sucht der Mensch in dieser düstsren Einöde seinen Weg. Plötzlich der fch.volsnds Rauch eine» Feuers, eine Falltür, die den Weg zum Tode weist. Furchtbar! ES regnet, was vom Himmel herunter kann. Ter Wind jagt den schwelenden Rauch übet da» öde Feld. Zwischen zwei Zwillingstaimen ein Grabhügel, den zwei zum Kreuze gestaltete Holzstücke überragen. Eine mit blauer Tinte ge- schrieben« Aufschrift belehrt den Wanderer, daß hier ein deutscher kriegssreiwilliger Artillerieunterofsizier den Heldentod gesunden bat und zu ewigem Schlaf gebettet wurde. Aus der anderen Seite zwei weitere Kreuze, groß, ungelenk und rot überstrichen. Alles in schönster Ordnung; gewisienhast und sauber gemacht. Ein Ton stolzer Feierlichkeit liegt über dem Ganzen. Instinktiv ergreise ich ein grünes Zweigchen und lege es fromm auf die Gräber in Ver- tretung der beiden fernen Gretche», die es vielleicht im Dunkel ihrer Gedanken suchen wie Tauben, die sich in der Nacht verirrt haben. Auf einer wilden, rohen vutraße trete ich aus dem psaublauen Nachtschatten des Waldes wieder aus die Ebene hinaus. Tie Straße ist von de» Rädern schwerer Fuhrwerke zerrissen. Tie ersten Spuren des Feindes. Gespannt folge ich den Wagenfurchen, ohne mehr die Kälte und den Wind zu fühlen. Ein grauschimmerndes Flürchen taucht auf: die Fstorka. Die Brücke, die sich früher darüber spannte, liegt»n drei Stücken. Bis unmittelbar vor die Tore Warschaus ist auch nicht mehr eine einzige unbeschädigte Brücke zu finden. Außerhalb des Gehölze» rauchgeschwärzte, elende Hütten, deren Fensterrahmen mit Matratzen ausgestopft sind. Ein Fußsteig, der •iub Umfriedigung des Kirchhofs führt. Wie gut haben es doch diese Toten, die wie verhätschelte Sonntagskinder friedlich in ihren Holz- färaen schlafen, unter der forgütm behaltenen Steinplatte und der Decke immergrünen Esens? Wie gut haben sie es im Vergleich zu den Lebenden, die aus ihren geplünderten und zertrümmerten Hütten geflüchtet sind. Kein Zweifel, hier waren die Russen auf der Suche nach Ausrüstungsmaterial für ihre Schützengräben. Tie tlaisenden Breschen in den A lauern, die zerrissenen Vorhänge und das zerschlagene armselige Hausgerät reden eine nur zu deutliche Sprache. Oeds und Schweigen überall.— Wieder beginnen die Felder. In dem dnorastigcn Boden spuren von Menschen und Tieren, dichtgedrängt, schwer und eindrucksvoll wie der wuchtige Tritt eine» Volke». Wohin das Auge blickt, stößt es auf diese dem Boden eingezeichneten Spuren. Von allen Seiten kriechen sie heran, auf allen Straßen prägen sie ihre Runenzeichen. Das war kein Strom von Menschen mehr, der hier seinen Weg genommen hatte, das war ein Meer. Und es schwillt immer mehr au. Von einem Fußsteig zum ander», von Tors zu Tors, über Wiesen, Felder und Wälder ergießt sich dieses Meer von Spuren, Kilometer auf Kilometer. Ich wandere und wandere. Ewig und immer der gleiche Ausblick, ohne eine Unterbrechung de» Einerleis, ohne ein Unter- fcheidmtgszeichen. Und ganz Polen, von den Karpathen bis zur Ostsee, sieht so aus: Ein großes monotones Gelände, das das Schicksal zum Schlachtfeld bestimmte, ein Gelände, ohne eine andere Abwechselung als diesen ewigen Wechsel zwischen Wald und Feld, zwischen Grün und Gelb, etnem Grün, das fast schwarz ist und einem Gelb, das ins Weiße hinüberspielt. Längs eine» Fußwegs. der sich wie ein Riese dehnt und streckt, lausen die ausgerissenen Schienen der nach Grujez führenden Bahnstrecke. Von Piaseczno sieht man nicht» mehr. Ich gehe aus gut Glück weiter, ohne an den Rückweg zu denken. Plötzlich trifft mich der Blick eines Raben, der von einem Baume höhnisch aus mich sieht. Breit und vrotzig krächzt er von oben herunter, mit vorgestrecktem Schnabel begehr- lich nach unten schielend. Die pariser Zeitungen im Kriege. Andreas Win ding, der als Korrespondent von „P o l i t i k e n" in der französischen Hauptstadt weilt, weiß über die �Wandlungen innerhalb der französischen Zeitungswelt viel zu erzählen. Blätter, die vor dem Kriege eine große Rolle gespielt haben, sind jetzt in den Hintergrund gedrängt worden; andere haben sich rasch emporgeschwungen; denn die französischen Leser stellen jetzt ganz andere Ansprüche an die Presse als in Friedens- zeiten. Aus Geschwätz legt man weniger Wert; man will vor allem gvi und genau unterrichtet werden. So hat„La Liberi ei", die früher nur in einer Auflage von 60 Mi Exemplaren erschien, jetzt eine Auslage von einer Biertelmtllion. Das Blatt erscheint nam- lich zur rechten Zeit und steht in dem Ruf, zuverlässig und patrio- tisch zu sein. Eine ganze Reihe von Blättern ist völlig von der Bildfläche verschwunden; andere sind gänzlich an die Wand ge- drückt worden. Das gilt für den größten Teil der eigentlichen Boulepardpresse, die früher von ihren versteckten Texireklamen und dergleichen Einkünften gelebt hat. Unter den verschwundenen Zeitungen ist die antiklerikale„Latsierne", der„Cvenement", der radikale„Ravpel" und die bonapartistische„Autorite". Auch der mondäne„Gil-Blas" sder jetzt Eaillaux gehört) mußte szin Er- scheinen einstellen, weil fast seine sämtlichen Redakteure und Mitarbeiter. durchweg junge und begabte Boulovard-Fonrnalisten, zu den Fahnen berufen worden sind. Er soll aber nach dem Kriege wieder anfcrstehciS. Schwer gelitten hat der ehemal» so mächtige „M a t i n". Bei Beginn de? Krieges siel sein« Abonnentenziffer von 800 000 auf 300 000. Fetzt hat sich der Verkauf des Blattes wieder etwas gehoben; man liest es wegen der kleinen Skizze, die es jeden Tag von der Front bringt und die Lage erheblich anfchau- licher als der offizielle Bericht darstellt. Auch die Abonnenten des „Journal" sanken von 1400 000 rapid auf 300 000; inzwischen hat das„Journal" aber beinahe seine alte Auslage zurückge- wonneu. In hohem Grade haben dazu Abel Hermants Schilde- rungen„Heurej. de gr.erre de!a farnille Valadier" lÄriegSitunden der Familie Valadier) beigetragen, die die Wirkungen des Krieges auf eine kleine Bürgerfamilie zeigen, und die die Stimmung der Zeit in unzähligen französischen Kleinbürgerfamilien getroffen haben. Tas„Journal" ist insofern redaktionell besser daran als seilt Hauptkpnkurrent, der„Matin", als es trotz des Krieges mehrere seiner beiteu Federn hat behalten können, beispielsweise den geschickten Kriegskorresondenten Andre TttdeSque, der täglich mit dem Auto zwischen Paris und der Front hin und her pendelt. T-ex„Petit Parisien", die verbreHstfie aller französischen Zeitungen, hat seine 1 600 000 Abonnenten ebenfo behalten wie das„Petit Journal" seine 1 100 000 Leser. Beide Blätter haben ihre größte Verbreitung in der Provinz, und sie dürsten durch den Krieg an Abonnenten eher zugenommen als abgenommen baben. Aber das eigentlich führende Morgenölatt der französischen .Hauptstadt ist das„Echo d e Paris" geiporden, das seine Aus- läge von ehemals 100 000 Exemplaren rasch versechsfacht hat. Diesen unerhörten Ausschwung verdankt das Blatt einmal den Schilde- rungen Paul Bourgets und) dem täglichen Leitartikel, den Maurice Barres schreibt. Dieser Leitartikel gibt der Stimmung in den Kreisen der oberen französischen Bourgeoisie Ausdruck. Neben dem „Echo de Paris" wird der„F i g a r o" viel gelesen, der zwar noch ungefähr seine einstige Verbreitung, aber nicht mehr sein altes Ansehen hat. Auch der„Gau lots" hat noch seinen Leserstamm; beide Blätter beschäftigen sich vorwiegend mit der mondänen Wohl- täügkeit und der Fürsorge für die Soldaten. Von ähnlicher G:- stnnung wie der„Gauloiö" ist die„Action Franeats c", das Blatt der jüngeren Royalistenkreije. ES ist antisemitisch und agi- tiert gegen die Republik für eine Revolutirnt. Clemcnceaus „H o m m e euch a ine" liest man au» Neugier. Er weiß schon im voraus, wo die Zensur eingreifen wird, und richtet feine Ar- tikel dementsprechend ein. Und durch die Vorbereitung ocr Leser dlrrauf erzielt der alte Polemiker mit seiner großen Geschicklichkeit erheiternde Wirkungen. Gustave HerveS„Guerrc social;:" liest man als Kuriosuuu Ter ehemalige Antimilitarist erfreut sich jetzt wohlwollender Unterstützung seitens der Regierung, und als er sich beim Ausbruch des Krieges als Freiwilliger meldete, antwortete man ihm. er könne seinem Vaterlande besser dadurch dienen, daß er aus seinem Posten bliebe.„P a r i s Journal" bringt täglich Listen von Verwundeten litt Frankreich werden bekanntlich bis zum heutigen Tage noch keine Verlustlisten ausgegeben).„L'Jnfor- ma t ton" war vor dem Kriege ein Blatt der Landerttttg von Börsennachrichten. Es hat auch jetzt nur eine minimale Auflage; aber sie ist doch im Wachsen begriffen, weil da» Blatt gute und lange Auszüge aus der englischen Presse bringt.(Die„Humanite" icheint Winding merkwürdigerweise nicht zu erwähnen. Rod. d. „P.".> Das ist nämlich der Kernpunkt: die gewaltige U eberle ge u- h e it der englischen Presse über d ie fr anzö si sch e n Zeitungen. Denn wer wirktich eingehend über den Krieg in- formiert sein will, kauft die Pariser Ausgaben der englischen und amerikanischen Blätter.„R e w isl o r k H e. r a l d" und„T a i l g gcitontmcn gti tungen, die einigermaßen ernst zu nehmen sind, neben dem roya- listischen„Gaulois'' nur noch das konservative und steifleinene „Journal de Tebats" und den„T e m p s", der das eigen:- liche Organ der Regierung, daneben das Blatt der französiichen Protestanten ist. Ter„Temps" wird heute mehr als je gelesen. Die Minderwertigkeit der französischen Presse rächt sich jetzt; in Friedenszeiten waren die Blätter alle voll von Mordgeschichten und kümmerten sich nicht um die übrigen Dinge in der Welt. Wurde in Paris ein altes Weib ermordet, so war die ganze Boulevardpresse voll von dieser Sensattgn. Tie einzige Kmistform, die eingehender besprochen wurde, war die des Theaters, und da» auch nur, we'l der Kritiker des Blattes in der Regel selbst der Verfasser von Theaterstücken war. So kam der französische Journalist� nie üder die minderwertigste Lokalreportage hinaus, während�dte führenden englischen Zeitungen ihre Korrespondenten nach Südafrika und Kanada, nach Japan und Australien sandten, wodurch sie zur Be- richterstattung großen Stils erzogen wurden. Heute, in Kriegs- zeiten, rächt"sich das; der grausigste Mord muß ohne jede Uever- treibung in aller Schlichtheit geschildert werden, wenn eine ganze Welt in Flammen steht. Jetzt gilt es. peinlichste Genauigkeit zu üben und die gewohnten Uebertreibungen zu vermeiden, und das hat der französische Journalist nicht gelernt. So kommt eS. daß man in der französischen Presse nur sehr wenige wirklich er- greifende Kriegsschilderungen findet. Man liest eine Menge wohl- geformter kleiner Echos; aber sie haben den Fehler, daß sie ebensogut erfunden wie wirklich erlebt sein können. Auf dem Schlacht- telde ist der französische Journalist hilflos. Man hat kürzlich eine Anzahl bekannter Journalisten offiziell an die Front zugelassen; aber das Resultat'war kläglich. Es handelte sich ja nicht darum, dem Leser zu versichern, daß man im Argonncr Wald gewesen ist und eine Pickelhaube gesehen hat. Es handelte sich darum, die Kunst zu üben, durch die Schilderung charakteristischer Einzelheiten große Perspektiven zu geben. Aus diesem Gebiet besitzt der eng- tische Journalist eine bedenrende Ueberlegenheit. und deshalb lesen jetzt alle Pariser, dte englisch verstehen, englische Blätter. Aber es gibt für die Pariser Presse eine Entschuldigung, die Zensur. Es gibt neben der milltärischen auch noch C'no Zivil- zcnsur. Gegen die erstere hat man wenig einzuwenden; dte Z'.pu- zensur aber ist, so sagte dem dänischen Korrespondenten ein Pariser Redakteur, vom französischen Standpunkt aus so blöde, daß mau Zensur ist der ehemaltge Finanzminister Klotz, dessen Bureau sich in der Nähe des Jnvalidendomes befindet. Jeden Nachmittag um 4 Uhr und jeden Abend um WA Uhr empfängt Herr Klotz die Re- ..» I t... �... rt � �.'TU T• chl, chL«.»*.4" Sl? Zuge n* entgegengenommen. 31] Ueberfluß. Von Martin Andersen N e x ö. Ach, was für ein Gesindel die Menschen doch waren! Er haßte sie. und er haßte den Mann dopt und hätte ihm sein? Lampe an den Kopf werfen können. Seine Hände zitterten, er empfand eine verzehrende Lust, irgendetwas Scharfes in dieten Körper hinabzustoßen, der da bleischwer und gelähmt lag und die Ideale der Menschen repräsentierte. Bänder wurde uach und nach ganz betäubt und schwindlig von dem Wachen in dem mit Alkoholdünsten gefüllten Räume. Xie Erschlaffung nach der starken Erregung bewirkte, daß es ihm tu den Wzren rauschte; und erst als der Tag graute, fiel er aus semem Lehnstuhl in Schlaf. Er erwachte davon, daß der Kandidat, der jetzt auf- gerichtet auf dem Sofa saß, laut wehklagte. „Was ist los?" fragte Bauder verdrießlich.„Sind Sie krank? „Ach, nun hat man mich wieder betrunken gemacht." wimmerte der Kandidat und wiegte sich nach den Seiten wie ein Kind, das unglücklich ist.„Ich hch jg so leicht zu ver- führen! Ich finde, sie sollten sich schämen, meine Schwäche so auszunützen." „Gilt Ihr Sie etwa mir?" fuhr Bauder auf. „Ja. haben Sie mich vielleicht nicht betrunken gemacht und mich zu sich nach Hause geschleppt?" „Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß ich, tvenn ich Sie auch im Graben hier�draußen in eineitt widerwärtigen Zustande aufgelesen und Sie sinnlos betrunken imd üinkeno die ganze Rächt betz mir gehabt habe, trotzdem nicht den Anspruch erhebe, zu Ihren Zechbrüdern gerechnet zu werden." Der Kandidat begann zu� weinen: „Ich bin so leicht zu verleiten, wenn ich meine schwachen Augenblicke habe, und daS wird eben ausgenutzt. Alle wirken mit. wenn es mir schlecht geht, und nicht einer kümmert sich um mich. Wenn Sie wüßten, was eS heißt, keine Mutter ge- habt zu haben, so würden Sie meine Erniedrigung nicht dazu benutzen, sich aufS hohe Pferd zu setzen. Aber Sie sind so kalt und nüchtern. Sie verstehen nicht, wozu die Verzweiflung emen Menschen treiben kann." „Verzweiflung kenne ich möglicherweise doch," sagte Karl ernst.„Ich sehe bloß nicht ein, daß sie untrennbar an den Branntwein geknüpst sein soll." „Ich trinke keinen Branntwein," warf der Kandidat nicht ohne Selbstgefühl ein. Bauder lächelte.„Sie mögen vollkommen recht darin haben, daß es mir nicht zusteht, mich aufs hohe Pferd zu setzen — e» klingt bloß ein wenig sonderbar in Ihrem Munde, der Sie als Hüter der Gesellschaft gelten wollen. Und üann ist es auch unsympathisch, wenn ein Mann die Schuld auf andere schiebt und sich selbst dem Mitleid überliefert." „Ja, ich bin ein erbärmlicher Lump," rief der Kandidat heftig,„aber ich habe auch nie einen Menschen gehabt, der mich um meiner selbst willen lieb gehabt hat." Seine Stimme zitterte vor Verzweiflung. „Ich sehe nicht ein. was dys mit der Erbärmlichkeit zu tun hat." erwiderte Bauder hart.„UebrigenS gibt es ja Leute, die etwas für Sie übrig haben," fügte er milder hinzu. „Warum, meinen Sie, hätten sonst meine Wirtin und ich uns Ihrer heut nacht angenommen? Wir hätten Sie ja ganz ruhig Ihrem Schicksal überlassen könnest, da Sie doch ein er- wachsener Mensch sind." „Und wenn ich nun umgekomtttbn wäre?" fragte der Kandidat schaudernd. „Tann hätten Sie sich in Ihrem Himmel damit trösten können, daß Sie als abschreckendes Beispiel Nutzen gestiftet hätten." Tem Kandidaten warjücht ganz wohl zumut bei den mtldest gesprochen groben Scherzen des anderen, und er der- suckit» vergebens zu lächeln. Aber als er aufstand und den Boden unter sich fühlte, wurde ihm besser, und sein alte» Selbstbewußtsein kehrte allmählich zurück. „Sie entschuldigen ja, daß ich Ihnen gegen meinen Willen— uiw eiacutlich auch gegen den Jfireu— eine unruhige Nacht verschafft habe," sagte er nachlässig.„Jedenfalls brauchen Sie sich nicht dessen zu schämen, was Sie für mich getan haben." Das klang etwas spöttisch. „Dessen bin ich selber nicht so ganz sicher," entgegnete Bauder bissig. „Ich habe Ihnen unrecht getan, wenn ich es für selbst? verständlich hielt, daß Sie schuld an meinem Zustand wären. Aber ich wurde bier auf Ihrem Sofa wach und habe noch in diesem Augenblick nicht die fernste Erinnerung an das, was vorgegangen ist, seit ich mit Ihnen bei Sörensens zusammen war. In meinem Gedächtnis ist ein vollständiges Loch; ich fühle, daß Meie Zeit über mich hingeglitten� ist, ohne eine Ahnung zu haben, was sie enthalten hat. Sie werden zu- geben, daß das ein höchst interessantes Phänomen ist." „Jaivohl, höchst interessant."— Bauder gähnte. „Ich habe das bisher noch nicht erlebt, wenigstens nicht so ausfällig. Es hat wirklich den Anschein, als ob die beiden Naturen in uns vollständig allen Verkehr miteinander ah- brechen können, so daß der Geist nicht einmal ahnt, was der Körper unternimmt. Das erinnert an die Vorstellungen, die unsere Vorfahren von Riesen hatten, deren Mensch zu Hause lag und schlief, während das Tier in ihnen dem Heer kämpfend voranging." „Mir scheint, Sie sollten das Philosophieren unterlassen und nach Hause zu Ihrer Frau gehen; sie ist sicher in Unruhe Ihretwegen." tagte Bauder, der der ganzen Situation von Herzen überdrüssig war. Ter Kandidat erhob sich gekränkt und ging, ohne ein Wort zu sagen. 13. An den folgenden Tagen dachte Bauder häufig an den Kandidaten, häutiger, als er selber es wünschte. Dazu trug auch her Umstand bei, daß jeder, den er traf, sofort anfing. von Rask und ieinen Taten zu reden. Es schien so, als wären diesmal die Ansichten darüber geteilt, ob man wieder den Schleier des Vergessens über das Geschehene breiten solle: die anständigen Bürger schüttelten den Kopf und sprachen davon. man müsse ein Erempel statuieren und— wenigstens für eine \ gewisse Zeit— den gesellschaftlichen Verkehr mit Rast ein- stellen. Ties erschien Bauder um so merkwürdiger, da der Kan- didat, der iu der öffentlichen Meinung so gut angeschrieben war, diesmal nur zwei Tage gebuminelt hatte, während vier Tage die Regel zu sein schienen und er manchmal eine ganze Woche aushielt. Zudem regte sich keiner der Bürger besonders' darüber aus. wenn ein Mann hin und wieder berauscht war: viele von ihnen hatten ähnliche periodische Anfälle, und einige hatten immer einen kleinen Schwips und waren dach respek- table Leute. Man machte in diesem Punkt auch aus seinem Herzen keine Mördergrube, sondern rechnete diese Dinge zu den kleinen gemütlichen Erlebnissen, mit denen man recht gut eine Gesellschaft unterhalten und amüsieren konnte, wenn sie erst uberstanden worden waren. Tie Stadt zählte den Kau- didaten mit Recht zu den Nüchterneren unter den Bürger». Aber woran lag es denn nun?(Forts, folgt.) Pedanterie bat zur Fabge, daß die Zeitungen, die doib in diesen schweren Zeiten init Papier sparen müssen, ost mit proßcn weißen Flächen in ihren Spalten erscheinen. Gelegentlich ist auch eine ganze Spalte frei, wenn ein Artikel ganz von der Zensur vcr- bolen wird. Durch dieses Verfahren wird der Zeitungsbetrieb aufgehalten und es� gibt ständig Äergerniffe. Von der Strenge der Zensur werden in den Redaktionen unzählige komische Einzel- besten berichtet. Es ist sogar vorgekommen, daß man den Namen des Mannes, in dessen Namen die Artikel zensiert werden, nämlich des Generals Gallien!, gestrichen hat. So geben heute auch die Pariser Blätter nur einen ungenauen und sehr unvollständigen Spiegel der Zeit._ öilöer von öee Heiagerung Tflngtaus. Ein rundes Vierteljahr ist seit dem Falle Tsingtaus ver- gangen, und jetzt kommen die ersten ausführlichen Schilderungen dcr� Belagerung Tsingtaus von denen an, die solange von der Außenivelt abgeschnitten waren. Unter diesen befand sich auch ein Holländer, der in einem inhaltsreichen Briese an den„Nieuwe Rottcrdamsche Courant" eine Reihe hübscher Bilder aus der Be- lagerung Tsingtaus entwirft. „Der 23. August war der letzte Tag des japanischen Ultima- tums. Wir erwarteten natürlich sogleich eine heftige Beschießung. aber nichts derart geschah, und wir sahen nur am Horizont an verschiedenen Stellen Rauchwolken über dem Wasser. Das waren die Schiffe, die den Hafen blockierten, im ganzen etwa 20, große und kleine. Nach ein paar Tagen bekamen wir sogar vom japa- nischen Flaggschiff„Shuwo" einen Funkspruch, in dem der japa- nische General höflich mitteilte, daß er unseren Hafen blockiere; weiter teilte er dem amerikanischen Konsul und dem Komman- danten des österreichischen Kreuzers„Kaiserin Elisabeth"— es war vorüber öfterreichisch-japanischen Kriegserklärung— mit, daß sie die Stadt noch verlassen könnten. Einige Oesterreicher ver- ließen auch die Stadt, kehrten aber wieder zurück. Eine Woche lang hörte man nichts mehr von den Japanern, bis sie Ende Sep- tember vordrangen und sich wenige Kilometer vor der Stadt fest- setzten. Ein paar Tage nach Beginn der Belagerung konnten wir ein Flugzeug hoch über uns schweben sehen, und später brachte uns fast jeder Tag Flicgcrbesuch. Ter Flieger ließ an verschiedenen Stellen der Stadt als Andenken ein paar Bomben fallen, die übrigens keinen nennenswerten Schaden anrichteten. Rasch waren wir an diese Lufterscheinung gewöhnt, ja wenn sie eines Tages nicht erschien, wurden wir unruhig. Man muß sagen, der Flieger flog prächtig. Einen solchen Freundschaftsbeweis konnten wir natürlich nicht unbeantwortet lasten, hin und wieder führten unsere Flieger Gegenbesuche aus und ließen aus der Luft auf die Japaner auch verschiedenes fallen. Die Flieger flogen wenigstens 1000 Meter hoch, wo die Infanterie ihnen wenig anhaben konnte. Trotz aller Beschießung machte der Flieger die schönsten Be- wegungen und warf seine Bomben ab, wo es ihm paßte. Schrap- nellfeuer schien mehr Wirkung auf ihn zu haben» denn bei solcher Beschießung veränderte er sogleich den Kurs. Allein es gelang nicht, ihn herunterzuholen. Ein paar Tage vor der Uebergabe ließ er keine Bomben mehr fallen, sondern Bulletins, worin die Deut- scheu ersucht wurden, nicht soviel Material und Schiffe zu ver- Nichten, bloß damit es den Japanern nicht in die Hände fiele. Im Anfange der Belagerung war die Beschießung nicht heftig, aber während der letzten acht Tage konnte man sich kaum bergen. Es war ein Gedonner und ein Gesause, daß die Nerven ernsthast auf die Probe gestellt wurden. In Tsingtau ist fast kein Haus verschont geblieben. Wenn man auf die Straßen ging und das Sausen einer Granate hörte, überlief es einen kalt. Den ganzen Tag aber konnte man nicht im Hause bleiben.» Wenn man dann plötzlich das Sausen hörte und wieder eine Granate unterwegs war, warf man sich lang auf den Boden: zioei Sekunden später platzte das Geschoß dann mit einem Höllenkrach. Verschiedene Granaten sind übrigens nicht krepiert und man konnte die schönen stählernen„Zuckerhüte" glänzend in der Sonne daliegen sehen. Gegen Ende des Oktobers war man davon überzeugt, daß die llebergabe der Stadt nur noch die Frage von wenigen Tagen sein könne. Die Japaner hatten sich wie die Maulwürfe dicht an die deutschen Stellungen herangearbeitet. Unsere Geschütze hatten fast keine Munition mehr, und viele waren durch das Schießen und die Beschießung unbrauchbar geivorden. Freitag wußte man, daß in der Nacht zum Sonnabend(0./7. November) das Schicksal der Stadt sich entscheiden müsse. Für die paar noch brauchbaren Kanonen hatte mern keine Munition, und die Anzahl der In- fanteriegeschosse war auch beschränkt. Es geschah, wie voraus- gesehen; in dieser Nacht brachen die Japaner durch, und die kleine Garnison konnte dem Sturmangriff nicht widerstehen. Diese Stacht werde ich nicht leicht vergessen. Es war ein Gedonner die ganze Nacht hindurch. Zwischen 3 und 4 Uhr waren die Japaner in den deutschen Stellungen und liefen nach der Moltkckaserne in der Richtung der Stadt. Um 7 Uhr morgens marschierten die Japaner bereits in die Stadt, besetzten ruhig die wichtigsten Punkte und hißten überall die Flaggen mit der aufgehenden Sonne in der Mitte. Tsingtau hatte aufgehört, deutsch zu sein. sind, ihre Flintenschäfie nicht mehr aus amerikanischem Nußbaum, sondern aus dem reichlich bei ihnen lagernden Mabagoist an- zufertigen, io haben auch lvir die Möglichkeit, an Stelle amcrika- mschen Eschenbolzcs Buchenholz zu nehmen, das denselben Zweck vollauf erfüllt. Das harte Holz der deutschen Buche tut oft aus- gezeichnete Dienste, wo man bisher ohne das amerikanische Nußbaumbolz nicht auskommen zu können glaubte. Auch für Schlitten- bauten und andere Slellmacherarbeiten stehen in unseren einhei- mischen harten Hölzerngende Mengen zur Verfügung. 3ä Proz. der deutschen Wälder sind Laubwald, so daß schon viel Holz gefällt werden kann, ehe eine Minderung der Bestände bemerkbar wird. Steht doch Deutschland zusammen mit Oesterreich-lliigarn in seinem Waldreichtum an zweiter Stelle ui Europa und wird nur von Ruß- land llberlroffcn. In den 14 Millionen Hektar deulschen Waldes. die 25 Proz. der Gesamtlandesfläche bedecken, findet sich Holz in überreichen Mengen. Die Kiefer dominiert; sie bildet z. B. im preußiichen Hochwald 62 Proz. des GesamtbestandeS. In der Armee wird sie als Pionierholz hoch geschätzt, aber auch als Bauholz und als Mvbelholz wird sie maimigfach verwendet. So wird auch die Hoffnung unserer Feinde, daß wir durch die Abichneidung der Zu- fuhr mit einer Holznot zu rechnen haben würden, sich nicht erjüllen. Kleines Feuilleton. Deutschlanös HolMätze unö öer Krieg. Nachdem der Krieg die Einfuhr amerikanischer Hölzer unmöglich gemacht hat, konnte die Besorgnis entstehen, daß hier ein Mangel enlsteben würde, für den untere einheimischen Hölzer keine genügende Abhilfe bieten. Daß die Dinge günstiger liegen, daß Deutschland reiche Bestände an einheimischem Holze hat, zeigt Dr. Heinz Wellen in einem Aussatz der„Holzwelt". Wie die Engtänder gezwungen vom Insektenpulver. Bei unseren auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpfenden Soldaten gehört das Insektenpulver als Mittel gegen die„russischen Neiler", wie der Soldatenhumor die angriffslustigen kleinen Tierchen getauft hat, zu den begehrtesten Artikeln. Auch diese Abart„feind- iichcr Kavallerie", die dem Soldaten die Nachtruhe raubt, wird eben aufs energischste bekämpft; nur werden wohl die wenigsten Feld- grauen wisien, woraus das gesuchte grauweiße Pulver be- steht und worauf seine Wirkung beruht. In den vier- ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte zu Ragusa in Dalmalien eine Deutsche namens Anna Rosauer, die eine kleine Gärtnerei betrieb. In ihrem Garten wuchs als wilde Pflanze eine(ehrlffantbemenart, die als Unkraut bclrachtel und dem- entsprechend behandelt wurde. Anna Rosauer entdeckte nun, daß eine ganze Anzahl Ameisen und andere Insekten tot auf den ver- trockneten Blättern liege» blieben. Die-Z erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie sainmelte mit Absicht weitere Blütenköpfe und versuchte damit Insekten zu töten. Die beabsichtigte Wirkung erfolgte pronipt. Als gute GeschäslSsrau baute nun die Gärincrin die wilde Pflanze an niid trieb mit den gelrocknclen Blnlenköpsen einen Handel, der sich, so lange sie lebte, nur über Ragusa und einen kleinen Teil Dal- matiens erstreckte. Nach ihrem Tode setzte ein Apotheker den Anbau und Handel rin großen fort und versorgte bald einen großen Teil der Erde mit„Dalmatiner Insektenpulver". Die Kultur der„Insektenpulverpflanze" ist jetzt über einen großen Teil Dalmatiens und Montenegros ausgebreitet. Es handelt sich um eine Chrysanthrnenart. die die wissenschaftliche Bezeichnung Pyrethuiu cinerariasfolium'1 führt und deren Blütenköpfe zu Pulver zerrieben werden. Der steinige Boden Dalmatiens und Montenegros scheint der Pflanze besonders zuzusagen, da Versuche, sie anderswo, besonders in Amerika, zu ziehen, fehlgeschlagen sind. Wie diese Wirkung zustande kommt, darüber waren sich die Gelehrten lange Zeit nicht einig. Jetzt scheint festzustehen, daß drei Umstände mitwirken. In den Fruchtknoten ist ein ätherisches Oel enthalten, dessen Geruch die Tierchen anzieht und betäubt, ferner eine flüchtige Säure. Die einzelnen Blütenleilchen sind mit Zähnchen versehen, die die Gestalt von Widerhaken haben, und die bei der Berührung von den Insekten eingeatmet werden. Durch die Widerhaken setzen sich die Blütenteile in den Akmtmgsorganen der Tiere fest und bringen diese zum Anschwellen, wobei der durch die flüchtige Säure hervorgerufene Reiz ein klebriges lui. Schließ- lich gehen die Insekten durch Zuschwellen der Almungsorgane an Erstickung zugrunde. Für die Menschen ist das Insektenpulver durch- aus unschädlich, da eS aus ihre Alniungsorgane keine Reizwirkung ausübt._ Notizen. — Musikchronik. Das dritte SonntagSkonzert im Ehar- lotkenburger Schiller-Theaker(mittags 12 Uhr) bringt an Kammermusikwcrken: ein Klavierquartctl von Robert Kahn und ein Klavier-Trio von Beethoven. Der gesangliche Teil umiaßt Lieder von Beethoven, Schubert und Hugo Wolf.— Im Lessing- Museum(Brüdersir. 13) findet Soimtagabend 8 Ubr der dritte Kammermusikabend vom Steiner-Rothstein-Ouartett statt. Zwischen Werken von Brahms und Beethoven singt Eva L e tz m a n n vier BrahmS-Lieder. — Die Sturms! ut als Entdeckerin. Das Unwetter, das vor kurzem ganz Lalium(die Landschaft um Rom) heimsuchte, bat insbesondere an der Küste des Tyrrhenischen Meeres, so in Civikavcechia und in Anzio, gewaltige Verheerungen angerichtet. In Anzio gesellten sich zu allem Umglück auch noch ein heftiger Wolken- bruch und ein Sturm, der das Meer bis in seine Tiefe aufwühlte und eine gewaltige Sturmflut bewirkte. Die Wut der Elemente riß große Erdmassen vom Lande ab. Auf dem Besitztum der Fürstin -sarsina erfolgte ein Erdsturz, der das Landhaus niederriß und dabei eine bisher verborgene Nische bloßlegte, in der eine kopflose antike Statue verborgen war. Das Äunstloerk hat allen Anspruch. dem berühmten Mädchen von Anzio ebenbürtig an die Seile gestellt zu werden. — Ein militärwissenschaftliches Filmarchiv. Vom österreichisch-ungariicken Armeeoberkommando werden auf den Kriegsichailplätzen kinematographische Aufnahmen gemacht, die der Berichterstattung dienen, andererseits aber auch als histortiche Doku- mente dienen lollcn. Vor kurzem wurde, wie die Wiener„Zeil" berichtet, in den Räumen des Kriegsarchivs in Wien ein Vor- führungSsaal eingerichtet und eröffnet, in dem den militärischen Fachkreisen die Bilder des Filmarchivs vorgeführt werden. Bisher sind 4000 Meter KriegSfflmS an das Archiv gelangt. — Uhrmacher und Schauspieler. Hans P a g a b, das vor kurzem verstorbene Mitglied des Deutschen Theaters, war von Haus aus gelernter Uhrmacher. Auch als Schauspieler blieb er, wie der Deutschen Uhrmacherzeitung geschrieben wird, seinem alten Berufe in seinen Mußestunden treu. Er halte eine voll- ständige Werkstätie, in der er die schwierigsten Arbeiten— aus Liebe zur Kunst— ausführte. Diese Freude an der gelungenen Handarbeit erhielt er sich trotz und neben seiner schauspielerischen Erfolge. — Sie fressen mich auf! Ein fester Mann, der auch in schwierigen Lagen seinen Humor nickt verliert, hat folgenden Brief aus Polen an seine in Breslau lebende Frau gesckrieben: ....... 15. 1. 15. Liebe Mutter! Schicke mir umgehend graue Lausesalbe, ich bin verzweifelt I Die Aester fressen mich bei lebendigem Leibe, schnelle Hilfe dringend nötig. Aber mein voller Ernst, bitte sofort. Sonst gesund. Mit Gruß Dein verlauster Männe." Worauf die Frau sich die gerade bestehende Paketwocke zunutze mackte und das zulässige Höchstgewicht des begehrten Gutes absandte. Schach. C. K o n d e l i k. d c d e t£ Ii m.. r Ä m lül� LM MW WM U? yy M dh M M» W W t FW wM iü Fü* Wü Wfo w$ ü l , m Ms?« MM s ........ MW m iü üi iii s■■* t Weiß zieht und macht Remis. Lösu n g.(muvz uogzhlnv;Plu LaoatchZ Zoat stzvxß sli kha® qun pg g lbigZistig'««i z tgstÄ'-ick15!"l) Anfang Januar hat Meister R. Teichmaim im Züricher Sckach- klub eine Simultanvorstellung von 23 gleichzeitigen Partien gegeben. Wegen des Krieges hält sich eine ganze Anzahl bekannter Meister gegenwärtig in der Sckwetz auf. Nackstehende Beratnngsvartie ist unlängst in Heidelberg zwischen verbündeten Amateuren(Weiß) und einem bekannten Meister(Schwarz) gespielt worden. Hier sowohl als im nächsten Zuge war vielleicht Sc3 besser. 16...... Se7— gS 17. Lf4-g3 b7— b5 18. Lc4— b3..... Oder 18. d6?, bXc4:; 19. DXT (de, Ld4); 19____ c6 nebst Vorbereitung von Lhl und Damensang. 18...... Lc8— b7 19. Sbl— c3 Kg8-h8! 20. Tal— dl f7-f5 21. Lg3— f4 Ta8— e8 22. Sc3— e2..... Spekuliert auf Se2—£4— e6; kommt aber nicht dazu. Bei 22. TXT TXT; 23. h3, SXO; 24. L>Xö, De7; 25. Lc2(DXß?, TfS); 25.... g6 nebst co. De5 käme annähernder Ausgleich zustande. 22...... Te8— e7 23. Lb3— c2?..... Dies führt nur zu Tempoverlusten. Verhältnismäßig am besten war K£1!, um den Lo2 zu entlasten. Oder auch 23. LgS, Te4; 24. Sf4, SXS; 25. LXS, Tfe8; 26. Kit:c. (Der Textzug hatte die Absicht, Ts4 zu verhindern.) 23...... TfS— e8 24. Lf4— g5 Te7— eö 25. Lo2— b3 a6— a5 26. a2— a3 Lb7— a6l 27. Lb3— c2 b5— b4 28. Lc2-d3 La6Xd3 Zeitnot. TXdö genügte. 29. Df3Xd3..... Nach 29. IXL, Tc4 drohte Sg6— 05— g4 tC. 29......£5-54 30. h2— h4 Dd7— g4 31. Kgl-fl..... Der Drohung£4—13 gegenüber gibt es keine bessere Parade. Die Partie ist eben nicht mehr zu retten. 81...... Sg6Xh4 32. Lg3Xh4 Dg4Xh4 33. Dd3-k3 Te5Xe2! Aufgegeben.(Wegen Dblck.) Spanisch. 1. e2— e4, e"— e5; 2. Sgl—£3, SbS— c6. 3. Lfl— bö Lf8-b4 lieblich ist 3____ a6; 4. La4, Sf6, was jedoch hier wegen 5. 1)e2: unter. lassen wurde. Der von Alapin her- rührende Tertzug bezweckt, Sgs7 ohne Einschränkung des I-£8 zu er- inöglichcn. Bei dieser Verteidigung ist es ratsamer, die Einschaltung von aS; La4 zu unterlassen und zwar aus Gründen, die in der nächslsol- gcndcn Slnmerkung angedeuiet sind. 4. c2— c3 Lb4— a5 5. Ddl-a4!..... Als angebliche Widerlegung der ?llavinschen Verteidigung gilt(laut BilguSr)„5. SaZ, Lb6; 6. Sc4, d6; 7. d4, ed; 8. a4." Jedoch wird hierbei die einfache Parade 8.... I-ek! gar nicht berücksichtigt(9. a5?, LXS-c.) Bei 3. 0—0, Sge7!; 6. d4, ed; 7. cd, d5!; 8. ed,' DXd5 hätte Weiß keinen Voriell. Wäre hingegen früher die Zugfolge 3.... a6; 4. La4 ein- geschnliet gewesen, so würde Weiß nunmehr mit Lb3 nebst d5 erfolgreich angreisen können. 5...... La5— b6 6. d2— d4 e5Xd4 7. c3Xd4 a7— a6 1 Droht La5f nebst aXb5. 8. 0-0 Lb6— a7 9. Lb5— e2..... Oder 9. 1,d3. b5; 10.Ddl,SXd4; 11. SXS, LXS; 12. LXbo, Df 3:c. 9...... d7— d5 10. e4Xd5 Dd8Xd5 11. Le2— c4..... 11. Sc3, Dd7; 12. Le3, Sf6 l:c. 11...... Dd5— d7 12. Tfl— elf S�S—e? Weiß muß nun b7— b5 parieren. 13. d4— d5 Sc6-d4 14. Da4— dl Sd4Xf3t 15. DdlXfS 0—0 16. Lei—£4..... Theater IßrSoiaWJ. Fehniar: Berliner Theater 3'/- Uhr: Peterchens Mondfahrt. „ExlrabläUer!" Deutsches Opernhaus, Charlottenb. SUhj:Der Waffenschmied. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Sonntag 3 Uhr; tWasparono. Gebr. Herrnfeld-Theatcr 8 �Familie Pfascliek. Helbring contra Helbring. Kleines Theater 8 Uhr: Z.l.llale l kategorische Imperativ Komische Oper(a.d.Weiden- dammerbrücke) 8.10Ü.; Gold gab Ich für Filsen SonntagS'/jUhr: Erstaufführung Von Stufe zn Stufe. Komödien haus 8 Uhr: I-esslng-Theater 8 ühr Ein Volksfeind. Imstsplclhans S'/. Ui; l>le Orientreise. Bonpt.3'/4Ü.: Dasleutnanntsniiindel Metropol-Theater 8 � Woran wir denken! Bontis Operetten-Theater 8 Uhr: JJgj, Jjgljg Residenz-Theater 8 � Die Schöne vom Strand. Rose-Theater 4 Uhr: König Drosselbart. 8 Uhr: Sein ganzes Glück. Schiller-Theater O. 8 Uhr: lieber unsere Kraft I. ScWIler-Th. Charlottenbgc. 8 Uhf; Der gute Bürger. Thalia-Theater 8Ulir:Kanj,rad Männe. Theater am Vollendorfpl. 6l/4 U.: Immer feste drall! Sonnt. S'/a U.; DerGraf v. Luxemburg Theater des Westens 8 � Rund um die Liebe 4 Uhr: Vater zieht ins 1 cid. Theater in der Königgrätzer Straße 811111 Rausch. Triunon-Thoater 61/. U.: Das lilcbcsnest. Sonnt. S'/jü.; Die Waise auslowood. Volksbühne. Theater am Bülowplatz 8I/' ü-: Die Kreuzelschreiber. Walhalla-Theater Siu u: Krümel?or Paris, Johanna Terwln v. Deutschen Theater, Berlin, u. Jakob Tledtko v. Lessing-Theater. Berlin, in; Landwehrmann und Pikarde. Zeitbild in einem Akt von Otto Keutter. Serone Xord mit ihren Wassernymphen. Rosa Felsegg mit ihrem Aeroplan. Else Bcrna, Operettensäng. sow. der neue Februar-Spielplan. Kleine Preise! Morgen: jg-?orstellüfl| Kinder nachm. halbe Preise! URANIA To;5T0".,r- 4 Uhr(Halbe Preise): ßie Weieiisel und die mm. Seeo. Abends 8 Uhr: Ü!E fogesEH und ihre kampfstättei!. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: Voigt-Tli ea tei*. Badstr 58. Badstr. 58. Sonntag, den 7. Februar: jpet PrilihriifrOr. Lustspiel in 4 Akten. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Reichshaiien-Thealer. Stettiuer Sänger. Zum Schluß: �VeikoaLktsadenil im Sckülzenxrabeo Ansang 8 Uhr. Militärpcrsonen und deren An, gehörigen voll- kommen freier Zuirtti zu den Stell. Sängern. Ilrhus Alb. Schumann Heute Sonnabend, Anfang 7'/, Uhr: Gr. Gala-Vorstcllnng. Das SaxonsTrio die stärksten Männer der Welt mit ihrer lebenden Automobil- Brücke. Der fallende dlensch. LTm 99, Uhr: Um 9'/, Uhr: Ost und West. Großes patriotisch-Schaustück aus der Gegenwart in 4 Akten Morgen Sonntag, den 7. Februar: 2 Große Vorstellungen«) nachm. 3«/, u. abds. 79, Uhr. � aM-oo�alast-Theater Ml I pünktl. 8 Uhr Zum 1 Male; „Jlnttrhen hat's Wort!" v.Otto Keutter u.M. Reichardt mit Karl Geßner, Paul Otto, — Steffi Margreiter etc. Sonntag nachmittag 39, Uhr; „Wir Barbaren''. 3n Zreien snmoen - Die-- wachenschrist für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. Lgsino-Ihester. Lolhrmger Straße 37. Täglich 8 Uhr. Dasgr.Fcbruar-Speziaiit.>Programm Fritr Brand I Welda Braatz Lucie Bernardo| Gebrüder Roberts Nur noch kurze Zeit: Durch dick und dünn. Sonnt. 4 Uhr: Durch Klippen u. Wellen BatioirteatEP(KÖ§äßP) früher Neue Freie Volksbühne. Dir. Gmil Leicht. Sonntag, d. 7. Febr., abends 8 Uhr: EröffnungS-Vorftellung: Wenn der Landsturm kommt. Theater Folica Caprico- th PoMn-Theater Ssj» Jlorltz wird energisch. Das Lentnantsfenster. I-andwehrlente. Martin Kettner a. G. Spezialarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125,(Oranienb. Tor). für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage) Blutuntersuchung. Schnelle, sicher» schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung.* Spr. 11— 2 u. 5— 8, Sonnt. 9— 10 Verantwortlicher Nedckteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den JnjeratezueA verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag! Vorwärts Buchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer St Eo, Berlin SW.