Br 34- 1915 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mmch WM.» öer Kriegszünöhohfabrit. Von Alwin Rath. Ber�e von Briefen liegen da— grüne, rote, weixe, schwefel» gclßc— dem Kontoristen wird ganz fchwefelig zu Mute, seine m'dcr schwitz! schon schwarze Galle. Bestellungen über Bestellungen. Mlagqii über Klagen. Das Telephon gibt inannigmal einen Ton ab. einen llirrenden Seufzer— es ist an der Klingelivut erkrankt— es ist für die nächsten Kriegswochen beurlaubt. Drinnen aber in den phosphorsauren Sälen hat alles die Arbeits- Wut bekommen. In den Fabrikräumen, in denen oben in den Fenslern die mcssingbliyenden Ventilatoren rasen, in den inil ätzenden Dünsten trotzdem durchschwängerlen. kreischenden und pfeifenden, feuergefähr- lichen Räumen haben die Maschinen, haben die Menschen, die roten Schivefelbecle», die Salpeterkisten, die Leimlöpse. die Streichholzrahmen, die blauen Dosenpapierchen— da drinnen hat alles die Arbeitswut be- kommen. Wie in knirschendem Zorn, wie in Ohnmacht, daß sie nicht gleich Hunderte solcher runden, glattrunden Holzwalzen hervor- schleudern kann, stöhnt und ächzt eine stablblanke Maschine, ächzt mit einein ganz komplizierten Gebiß von Messern an einem Baum- stamm herum, an einem inächtigen Klotz, den all das Wüten des ciserneu Fressers nichts schiert. Tatsächlich wie runde Walzen, wie blitzsaubere Säulen kommt es auS den sägenden, aus den schneiden- den und schabenden Messern, auS diesem Gebisse, allmählich hervor- geglitten, in der ganzen Klarheit und Sauberkeit frisch geteilten Holzes. Andere Messer fahren von oben in gleichen Zwischenräumen aus die belle Holzsäule herab und im Nu sind viele einzelne gleich große Stücke daraus geschnitten— jedes io in Format und Größe an einen flachen runden, ziemlich respektablen Camembert-Käi'e erinnernd. Was erst Holzklotz war, plumper massiger, kaum zu bewegender Klotz, ist wenige Sekunden später unter der zauberischen Fixigkeit dieser kriegswüligen Maschinen in hölzerne Spiralen verwandelt, als wären wir nicht in einer bppermodernen Streichholzfabrik, sondern in einer Uhrenfabrik allerältesien Kalibers. Jählings aber iaßi sie eine andere htipermoderne Maschine beim t-ochlassittchen. Was bat sie vor? Wie ein flinker,„Hackepeter" fabrizierender Testillenwirt säbelt sie mit kleinen �Hackemeflern auf die auseinander gezogenen Holzbänder dieser Spiralen nieder, hackt die ganzen langen, flachen Holzichlangen in eiiienr summenden, schnurrenden Nu in schmale Schnitzel zusammen, in schmale Streifen: Streich- Hölzer I Aus dem unbeweglichen, massigen, dicken Baumklotz sind etwas über Stricknadeldünne dicke Winzigkeiten geworden. Richtige Streichhölzchen— da sind sie fertig. Nur ohne die Hauptsache: das kleiue Hitzköpfchen, der rote"Feuerwerker obenauf— der fehlt noch. Aber vorher hat das im Werdeprozeß hin- und yergeschleudcrte Streichhölzchell noch eine Taufe durchzumachen. In flüssige Paraffin- utaise inacht eS einen Kopfsprung und saugt die an ihm kleben bleibende Masse mit allen Holzporen tief in sich hinein. ES ist daS Brennmaterial, das Breiinimtlel, das das an sich nicht so leicht zum Flammen gelangende Hölzchen zum rascheren Feuersasjen und gleich- mäßigen, sicheren Abbrennen zwingt. Je höher die Vervollkommnung, um so schlimmer die Prozeduren. Jetzt gehls in den Schraubstock. In die Zwangsjacke! Da sind viele l�ine Marlerbretter für das aus der Taufe zu hebende Streichölzchen übereinander gestapelt. Mit dünnen, vierkantigen Rillen, dünn und kantig wie Strelchbölzer, sind sie obenauf gerillt. In jeder Rille plaziert sich unter dem �Ivuckttigeil, sicher zupackenden Eisenband der Maschine ein kleines Streichholz. Fünfzig solcher liegen plötzlich flach nebeneinander— wie die schußsertigen Schützen draußen in Welschlands Boden, wenn es heißt„sprungweise vor". Glatt wie eine solche Schützenlinie liegen sie da, in einer Reihe. Haben sich zwanzig der Brellchen in dem Wirrwarr der Eisenbänder und Eisenarme im Handumdrehen gefüllt, schieben sie sich aufeiirander, schieben sie sich m einen fest zusammenschließenden Rahmen. Und nun gehtS sprung- weise vor, sprungweise hinunter in die Schwefellauge, kopfüber lausend Streichholzanwärter. Aber was sage ich? Schwefel? Olle Kaniellen 1 Damit zündete man sich zu Großvaters Zeiten de» Hosenboden an.„Utan srafel cell J'osfor!" Ohne Schwefel und Phosphor— prunkt es stolz- bewußt auf den�. echten" Schweden— den echten Deutschen! Das sind diese„Slbweden" im Grunde. Auch hier ist der jetzt von England mit Krieg überzogene deutsche Erfindergeist letzterdings be- teiligt— oder vielmehr ersterdingS! Der. Schweden!"„Phosphor- und schweselflei« Erfindung" wurde in dem schwefligen Jahre 4S4? von dem deutschen Chemiker Böttcher, einem Frankfurter, ge- macht. Heute aber ersetzen leicht entzündbare Fette, wie Stearin und ähultches den bösen Schwefel, den Stänkerl Und chlorsaures Kali, daS gänzlich ungefährliche, hat den gefürchteten Phosphor an die Wand gedrückt. Ja, womit gurgelt>nan sich neuerdings auch den Hals mit aus?— ist es nicht sowas wie chlorsaures Kali?— Demnach... Nur still— eS konnnt noch etwas dazu!— Und was für ein Alckimistengebrodel! Dextrin, Braunstein. Glaspulver, Schwefel- anlimon... und noch einiges. Wo aber ist der gefürchtete Phosphor, der dennoch unentbehrliche, hin verschwunden? Ich sagte es schon: an die Wand hat er sich drücken lassen müssen— an die Wand des Streichholzkästchens, an die Wand der Reibfläche.� Mädchenstimmen!— Was man für eine schwäche dafür hat, selbst hier: „IJtan svafel och fosforl" Aus emem ganz kleinen Bildchen, so groß wie eine Streichholzdoie, plaudern sie hervor. Oben über der angelehnten braunen Tür steht denn auch in mädchenhaft schiefen Rolstiftlettern an die weißgetünchte Wand geschrieben:„Streichholz- döschen". Rote Blusen leuchten da. Flinke Finger bedienen da kleine Maschinen, kochende und strömende Leimtöpfe, bunte und kunterbunte Reklamezettelchen und dünne, papierdünne Holzplättchen. Ein Stoß von allerhand flinken, fixen Weiberpfötchen und ganze Ouadratmeter sind mit Streichhölzern bedeckt, ganze Kubikmeter damit angefüllt. Das Telephon braucht sich nur einmal zu ver- schlucken und die Stimme eines Kunden durch seine klingelwütige Gurgel durchschlüpfen zu lassen: gleich sind die ganzen feuergefähr« lichen Kubikmeter auf und davon. Märchen. Von Hermann H e's s c. „Hier", sagte mein Bater, und übergab mir eine kleine, beinerne Flöte,„nimm das und vergiß deinen alten Bater nicht, wenn Tu in fernen Ländern die Leute mit deinen, Spiel erfreust. Es ist jetzt dobe Zeit, daß Tu die Welt siehst und etwas lernst. Jit habe Dir diese Flöte machen lassen, weil Tu doch keine andere Arbest tun und imnrer nur singen nragst. Rur denke auch daran, daß Tu immer hübsche und liebensioürdige Lieder vorträgst, sonst wäre es schade um die Gabe, die Gott Tir verliehen hat." Mein lieber Vater verstand wenig von der Musik, da er ein Ge- kehrter ivar; er dachte, ich brauche nur in da» hübsche Flötchen zu blasen, so werde es schon gut sein. Ich ivollte ihm seinen Glanben nicht nehmen, darum bcdaultc ich mich, steckte die Flöte cm und nahm Abschied. Unser Tal war mir bis zur großen Hofmühlc bekannt: dahinter fing dciln also die Welt an, und sie gefiel mir sehr ivohl. Eine niüd- geflogene Biene hatte sich aus meinen Aermel gesetzt, die trug ich mit mir fort, damit ich später bei meiner ersten Rast gleich einen Boten habe, um Grüße in die Heimat zurück zu senden. Wälder und Wiesen begleiteten meinen Weg und der Fluß lief rüstig mit; ick sah. die Welt ivar von der Heimat wenig verschieden. Tie Bäume und Blumen, die Kornähren und Haselbüsche spracken mich au, ich sang ihre nieder mit, und sie verstanden mich, gerade wie daheim: darüber wackle auch incine Biene wieder aus, sie kroch langsam bis auf meine Schulter, flog ab und umkreiste mich zwei- mal mit ihrem tiefen, süßen Gcbrunnnc, dann steuerte sie geradeaus rückwärts, der Heimat zu. Ta kam aus den, Walde hervor ein junge? Mädchen gegangen/ das trug cineir Korb am Arme und einen breiten, schattigen Stroh» Hut auf dem blonden Kops. „Grüß Gott," sagte ick zu ihr.„wo willst denn Du hin?" „Ick muß den Schnittern das Essen bringen," sagte sie und ging neben mir.„Und wo willst Tu heut noch hinaus?" „Ich gehe in die Welt, mein Vater hat mich geschickt. Er meint. ich solle den Leuten auf der Flore vorblasen; aber das kann ich noch nicht richtig, ich muß es erst lernen." „So. so. Ja, und was kannst Tu den eigentlich? Etwas muß man doch können?" „LH, nichts Besonderes. Ich kann nur Lieder singen." „Was für Lieder denn?" „Allerhand Lieder, weißt Tu. für den Morgen und für deir Abend und für alle Bäume und Tiere und Blumen. Jetzt könnte ick z. B. ein hübicke» tlied singen von einem juilgen Mädchen, das kommt aus dem Wald heraus und bringt den Schnittern ihr Essen." „Kannst Tu das? Tann fing'S einmal!" „ Ja, aber wie heißt Tu eigentlich?" „Brigitte." Ta sang ich das Lied von der hübschen Brigitte mit dem Stroh- Hut und was sie im Korbe hat und wie die Blumen ihr nackschauen Tomborg. 8. September 1892. Werter Herr Bauder! Sie dürfen sich nichts einbilden, weil ich diesen Brief cm Sie schreibe. TaS tue ich nur, damit Sie nicht auf mich herabsehen sollen, wie alle anderen. Denn Sie sind neu hierher gekommen, und da meine ich, es wäre nicht richtig für Sic, wenn die anderen auch Sie in ihre Gewalt bekämen. Seitdem Sie hier waren, habe ich jeden Tag an Sie schreiben und mich Ihnen erklären wollen, denn ich weiß recht gut, daß ich mich an jenem Abend nicht richtig benommen habe: und ich konnte Ihnen ansehen, daß Sie eine schlechte Meinung von mir gewannen. Aber die Verhältnisse haben das aus mir gemacht. Sie würden mich lvoht entschuldigeil, wenn Sic wüßten, was ich gelitten habe. Aber das weiß kein Mensch. Und ich will mich gar nicht selbst entschuldigen, denn ich sehe sehr wohl ein, daß die anderen in allem, was sie sagen, recht haben. Ich sehe die Dinge bloß anders an als die anderen, und das muß mir gestattet sein. Tie anderen leben ja auch nicht mitten drin. Als ich Sic sah, Hab ich mir gedacht, daß Sie viel ge- litten hätten und in der Lage sein müßten, das, was die anderen Hysterie nennen, zu verstehe». Und als ich Sie sprechen hörte, da wurde ich meiner Sache ganz sicher— Sic glichen so ganz und gar nicht meinem Mann, dem Kandidaten und den anderen hier in der Stadt. Aber jetzt haben die anderen Sie wohl auch mit Beschlag belegt, da Sie nie mehr herkommen? Und so muß es auch sein. Es betrübt mich nicht, weil ich beschlossen habe, mich durch nichts mehr betrüben zu lassen. Aber wenn Sie eine gelbe Blume am Wege sehen, so denken Sie an diejenigen, die unter dem Unrecht zugrunde gehen müssen. Die gelbe Blume ist vom liehen Gott dazu bestimmt, niedergetreten zu werden, jjud so gebt es auch den Frauen: ihr Glück liegt unter der Ferse des Mannes. Und Mann zu sein, ist gleichbedeutend damit, brutal auf allem Schönen herumzutrampeln: aber Weib zu sein, bedeutet, sich in den Staub treten zu lassen, ohne zu mucken. Ich will auch ganz Weib sein und nicht klagen: ober Sie sind nicht wie andere Männer, Sie sind seiner und schwächer, darum habe ich an Sie geschrieben. Ob Sie wohl auf diesen Brief treten werden? Wenn nicht, will ich Ihnen einmal mein ganzes Leben erzählen: es handelt von einer schönen Blume, die auf einen Misthaufen limgepflanzt wird. Freundlichen Gruß Laura Sörcnscn. und die blaue Winde vom Gartenzaun langt Nack ihr. und alles. was dazu gebörie. Sie paßte ernsthaft auf und sagte, es wäre reck,. gut. lind als ich ibr erzählte, daß ich hungrig sei, da tat sie den Deckel von ihrem Korb und bolic mir ein Stück Brot heraus. AI- ich da hineinbiß und dazu tüchtig wcitermarschierte, sagte sie aber- „Mau muß nicht im Laufen eisen. Eins nach dem andern." Und wir setzten uns ins Gras und ich aß mein Brot und sie schlang tue braunen Hände uui ihre Knie und sah mir zu. „Willst Tu mir noch etwas fingen?" fragte sie dann, als ich fertig war. „Ich will schon. Was soll es sein?" „Bon einem Mädchen, dem ist sein Schatz davongelaufen und c» ist traurig." „Nein, das kann ich nicht. Ich weiß ja nicht wie das ist, und mau soll nicht so traurig sein. Ich soll immer nur artige und licvenc. würdige Lieder vortragen, hat mein Vater gesagt. Ich singe Tir von. Kuckuckvogel oder vom Schmetterling." Und ich saug ihr vom kleinen blauen Schmetterling, der in der Sonne mit den Flügeln schlägt, und wenn er müde wird, dann siv! er auf der schönsten Blume und tut die blauen Flügel zu wie zwei Augen. Brigitte lachte dazu und sah unter dem Schattcnhut mit braunen Augen zu mir her. „Und von der Liebe weißt Tu gar nichts?" fragte sie dann. „Von der Liebe? O dock, das ist ja da» allersckönstc." Alsbald fing ich an und sang von dem Sonnenurahl, der die roten Mobnblunien lieb bat, und wie er mit ihnen spielt und volle. Freude ist. Und vom Finkemveibcken, wenn es aus den Finten wartet, und wenn er kommt, dann fliegt es weg und tut erschrocken. Und sang weiter von dem Mädchen mit den braunen Augen und von dem Jüngling, der daherkommt und singt und ein Brot dafür geschenkt bekommt; aber nun will er kein Brot mehr haben, er will einen Kuß von der Jungfer und will in ihre braune» Augen sehen Mnd er singt so lange fort und hört nickt auf, bis sie ansängt zu lächeln und bis sie chiu den Mund mit ibren Lippen schließt. Ta neigte sich Brigitte herüber und schloß mir den Mund mit ihren Lippen und tat die Augen zu, und tat sie wieder auf und ick sah in die nabeu braungoldenen Sterne, darin war ich selber ge- spiegelt und ein paar weiße Wiesenblumen. „Tic Welt ist sehr schön," sagte ich.„mein Vater hat recht ge- habt. Jetzt will ich Tir aber tragen helfen, daß wir zu Temen. Leuten kommen." Ich nahm ihren Korb und wir gingen weiter, ihr Schritt klang mit meinem Schritt und ihre Fröhlichkeit mit der meinen gut zu sammeu und der Wald sprach fein und kühl vom Berge herunter: ich war noch niemals so vergnügt gewandert. Eine ganze Weile sang ich munter zu, bis ich aufhören mußte vor lauter Fülle; es war allzu vieles, was vom Tale und vom Berg und aus Gras und Laub und Fluß und Gebüschen zusammen rauschte und erzählte. Ta mußte ick denkeu: wenn ick alle diese tausend Lieder der Welt zugleich versleheu und singen könnte, von Gräsern und Bin inen und Menschen, vom Laubwald und vom Föhreuwald und auch von allen Tieren und dazu noch alle Lieder der fernen Meere und Gebirge, und die der Sterne und Wolken, wenn das alles zugleich in mir ktingeu und tönen könnle, dann wäre ich der liebe Gott und jedes neue Lied müßte a>» ein neuer Stern am Himmel stehen. Aber wie ich eben so backte u»d davon ganz still und wunder lick wurde, weil mir das früher nock nie in den Sinn gekommen war, da blieb Brigitte stehen und hielt mich an dem Äordhcnkcl fest. „Jetzt muß ick da hinauf," sagte sie.„da droben sind unsere Leute im Feld. Und Tu, wo gehst Tu jetzt hin? Kommst Tu mit?" „Nein, mitkommen kann ick nickt. Ick mutz da? Tal hinunter und immer weiier. Schönen Tank für das Brot, Brigitte und für den Kuß; ich will an Tick denken." Sie nahm ihren Eßkorb und über dem Korbe neigten sick ihre Augen im braunen Schatten noch einmal zu mir, und ibre Lippen hingen an meinen und ihr Kuß war so gut und lieb, daß mir bor lauter Wohlsein beinahe traurig werden wollte. Ta rief ich schnell Lcbwohl und marschierte eilig die Straße hinab. Ta» Mädchen stieg langsam den Berg hinan und unter dem herabhängende» Buchenlaub am Waldraiide blieb sie stehen und sah herunter und mir»ach, und als ick ihr winkle und den Hut überm Ke'pfe schwang, da nickte sie noch einmal und verschwand still wie ein Bild in den Buchcnschatten hinein. Ich aber ging meine Straße und war in Gedanken, bis der Wrg um eine Ecke bog. Da stand eine Mühle und bei der Mühle lag ei» Schiff auf dem Wasser, darin saß ein Mann allein und schien aus mich zu warte», denn als ich den Hut zog und zu ihm in das Schiff hin- Karl bebte vor Erbitterung, ois er den Brüff gelesen hatte. Das also war der Ursprung der Sträuße. Seine erste Eingebung war, nach Hause zu laufen und die Blumen ans dein Fenster zu werfen. Doch dann wurde er krampfhaft lustig: gerade so mußte ja das große Glück zu ihm kommen, verzerrt, entstellt-- war er je an etwas anderes gewöhnt ge- Wesen?„Es ist bloß so, wie es fein soll," wiederholte er höhnisch. Mit boshafter Freude dachte er sich in die Rolle des Liebbabers einer betagten hysterischen Frau hinein: mit bluti- ger Selbstironie»ahm er den Gedanken an heimliche Stell- dichein aus; den ganzen Stimmungsglanz der Lieb« beschwor er in verzerrter Form berauf. Das Leben zu nehmen, Wie es war— sich seiner zu erfreuen, tvic es war, das war das Ziel. Wieder las er den Brief, und diesmal tat ihm diq Schreiberin leid. Mußte er, der selber sa viel gelitten hatte, nicht der letzte sein, der eine Unglückliche verhöhnte, selbst wenn sie den Versuck machte, ihn mit aus den Grund zu ziehen? Er mußte doch diese Blumen beschirmen, um der Zer- knirschung und des verzweifelten Lebensdranges willen, der sie ans Licht trieb, um des Todcsangstschrcis willen, der von ihnen ausging! Aber hiernach zu Aage gehen... das konnte er beim besten Willen nicht. Wie war es. wenn er den Kandidaten besuchte, der sich offenbar aus Scham von ihm fernhielt— als ob man auf dieser wunderbaren Erde übcrhauvt eiueu Vorwaud hätte, sich zu schämen.— Da konnte er dann im voraus den erbaulichen Anblick eines Liebesverbältnisses zwischen einer bejahrten Frau und einem verhältnismäßig jungen Manne genießen. 14. Als Bauder die Treppe hinaufgestiegen war und an der Tür des Kandidaten klingeln wollte, hörte er im Entree eine tiefe Männerstimme ein paarmal laut auffahren und wieder schweigen, während eine jammernde Frauenstimme antwortete, anscheinend tiefer aus der Wohnung her. Er über- legte einen Augenblick, bevor er an dem Schellenstrang zog. Der Kandidat öffnete selbst, er hatte einen scuerrotcn Kopf und blinzelt« mit den Augen. „Ei, sieh da! Sind Sie es!" rief er aufgeräumt. „Kommen Sie herein." Freundschaftlich legte er den Arm um Bauders Schulter, führte ihn in die Stube und nötigte ihn auf einen Lehnstubl.„Anina I" rief er dann.„Aninal Willst Du nickt einem lieben Freund guten Tag sagen?" (Forts, folgt.)' 8� Uebersiuß. Von Martin Andersen N c x ö. Er lächelte. Da war schon wieder der Vorbebalt; in seiner Angst, enttäuscht zu werden, erweiterte er den Umfang seines Geschmacks. Er liebte ja das Ueppige gerade nicht! Warum dann nicht gleich behaupten, daß er alte, zahnlose Weiber bevorzuge'? Dann war er vor jeder Ueberrumpelung sicher-- Und doch war der Strauß schön, ungeschickt, aber schön: es war etwas Kindliches, Naives daran. Dieses Unbeholfene konnte er so gut leiden,— es deutete auf Unberührtheit. Wann� würde der Absender sich wohl enthüllen? Stelldichein! Heimliche Zusammenkünfte im Walde oder in dem kleinen Gebüsch jenseits des Kirchhofs! Schöne Ver- stecke im Laub, die nur den beiden bekannt waren! Und Glück, wundersames Glück, das durch ihre Furcht, entdeckt zu werden, gesteigert wurde. Denn sie war ja nickt unabhängig. Und nn Winter! Das gefährlichste Spiel mit den nächtlichen Bemche«, wo man über den Speicher und die Treppe biuab- schlich, die schuhe in der Hand, und wo sie sich den Mund zuhalten mußte, um vor Lachen nicht heranszuplatzen.-- Von all dem hatte er nichts gekannt; er war zu krank ge- wesen und hatte auch niemanden gehabt. Aber jetzt, jetzt wollte er die Jugend auskosten, die so schön war, und die er aus demselben Grunde gering geschätzt hatte, aus dein der Fuchs die Trauben verschmäht. Es wogte rhythmisch in seinem Blut, sein ganzes Wesen sang. Und doch, war es nicht lächerlich: eine Liebe ganz ins Blaue hinein, ohne Gegenstand? Denn er hatte ja nicht ein- mal eine Ahnung davon, wer es war. Und e r mit seiner Ver- achtung der Frau und leinen nüchternen Theorien über das Verhältnis der beiden Geschlechter! Nein, es lag bloß daran, daß hinter Verachtung und Theorien auch in ihni ein Mensch wohnte, der menschlich fühlte und namentlich menschlich hau- d e l r e. Es gab doch etwas, was nicht Tradition war. nicht tote Ueberlieserung, sondern ursprünglich, urmenschlich! Er summte vor sich bin, während er in den Weg einbog, um Aage zu besuchen. Ein Ende weiter begegnete er dem Postboten, der ihm einen Brief reichte. Er öffnete ihn. sah auf die Unterschrift und stutzte. Dann setzte er sich auf den Grabcnrand, um in Ruhe zu lesen: ßfierfikcj, Sa fing da? Schiff sngieich zu faürcn au und lies den Fluß hinunter. Ich saß in der Mitte des Schiffes und der Mann faß hinten am Steuer, und als ich ihn fragte, wohin wir führen. da dlickte er auf und sah mich aus verschleierten grauen Augen an. „Wohin Du magst." sagte er mit einer gedampften Stimme. �Den fvlujj hinunter und ins Meer oder zu den großen Städten. Du hast die Wahl. Es gehört alles mir." „Es gehört alles Dir? Dann bist Du der König?" „Vielleicht." sagte er.„Und Du bist ein Dichter, wie mir scheint? Dann singe mir ein Lied zum Fahren!" Ich nahm mich zusammen, fast war mir bange vor dem ern- sten Mann und unser Schiff schivamm so schnell und lautlos den Fluh hinunter. Ich sang vom Flusse, der die Schiffe tragt und die Souue spiegelt und am Felsenufcr stärker aufrauscht und fccullrg seine Wanderung vollendet. Des Mannes Gesicht blieb unbeweglich, und als ich aushörte. nickte er still lvie ein Träumender, lind alsdann begann er zu meinem Erstaunen selber zu singe», und auch er sang vom Flusse und von tzes Flusses Reise durch die Täler, und sein Lied war schöner und mächtiger als meines, aber eS klang alles ganz anders. Ter Fluß, wie er ihn sang, kam als ein taumelnder Zerstörer von den Bergen herab, finster und lvild: knirschend fühlte er sich von den Mühlen gebändigt, von den Brücken überspannt; er haßte jedes schiff, das er tragen mußte, und in seinen Wellen und grünen, langhaarigen Wasserpflanzen wiegte er lächelnd die weißen Leiber der Ertrunkenen. Das alles gefiel mir nicht und war doch so schön und geheimnis- voll von.ltlang, daß ich ganz irre wurde und beklommen schwieg. Wenn das richtig war. was dieser alte, feine und kluge Sänger mit seiner gedämpften Stimme sang, dann waren alle meine Lieder nur Torheit und schlechte Knabenspiele gewesen. Dann war die Welt auf ihrem Grunde nicht gut und lickt wie Gottes Herz, sondern dunkel und leidend, und wenn die Wälder rauschten, so war es nicht ans Lust, sondern aus tiefer, schwerer Qual und Sehnsucht. Wir führen dahin und die Schatten wurden lang, und wenn ich zu singen anfing, tönte es weniger hell, und meine Stimme wurde leiser, und jedesmal erwiderte mir der fremde Sänger ein Lied, das die Welt noch rätselhafter und schmerzlicher machte und mich noch befangener und trauriger. Mir tat die Seele Iveh und ich bedauerte, daß ich nicht am Lande und bei den Blumen geblieben ivar oder bei der schönen . Brigitte, und um mich in der wachsenden Düsternis zu trösten, fing ich mit lauter Stimme wieder an und sang durch den roten Abendschein das Lind von Brigitte und ihren Küssen. Da begann die Dämmerung und ich verstummte, und der Mann am Steuer sang und er sang auch von der Liebe und von der Lust des Küssens und Beinanderseins, von braunen Augen und von roten, feuchten Lippen, und es war schön und ergreifend, ivas er leidvoll über den dunkelnden Fluß sang, aber in seinem Liebe war auch die Liebe finster und bang und ein tödliches Ge- beimnis geworden, an welchem die Menschen irr und wund in ihrer Not und Sehnsucht tasteten und in seinem Grunde war Bitternis und Tod. Ich hörte zu und wurde so müde und betrübt, als sei ich schon Jahre unterwegs und durch lauter Jammer und Elend gereift. Von dem Fremden her fühlte ich immerzu einen leisen, kühlen Strom von Trauer und Teclenangst heranschleichen. „Also ist denn der Tod das Höchste und Schönste." rief ich endlich lant.„Tann bitte ich Dich, Tu trauriger König, finge mir ein Lied vom Tode!" Ter Mann am Steuer sang nun vom Tode, und er sang schöner, als ich je hatte singen hören. Aber der Tod war nicht da? Schönste und Höchste, es war kein Trost bei ihm. Ter Tod war Leben, und das Leben war Tod, und sie waren ineinander vcr- ichlnngen in einem ewigen rasenden Liebeskampf, und das war das letzte und der Sinn der Welt, und bon dorther kam ein Schein, der alles Elend noch zu preisen vennochtc, und bon dorther kam ein Schatten, der alle Lust und alle Schönheit trübte und mit Finsternis umgab. Aber aus der Finsternis brannte die Lust und die Schönheit inniger und die Liebe glühte tiefer in dieser Nackt. Ich hörte zu und war ganz still geworden, ich hatte keinen Willen mehr in mir. als den des fremden Mannes. Sein Blick ruhte auf mir. still und mit einer gewissen traurigen Güte, und seine grauen Augen waren voll von Weh und von der Schönheit der Welt. Er lächelte mich an und da faßte ich mir ein Herz und bat in meiner Not: „Ach, laß uns umkehren, Tu! Ich liebe Dich und ick, bin Dir tausendmal dankbar, aber mir ist angst bier in der Nacht und ich möcksie zurück und dahin gehen, wo ich Brigitte finden kann oder heim zu meinem Vater." Ter Mann stand auf und deutete in die Nacht und seine Laterne schien hell auf sein mageres und festes Gesicht. „Zurück geht kein Weg," sagte er ernst und freundlich,„man muß immer vorwärts geben, wenn man die Welt ergründen will. Und bon dem Mädchen mit den braunen Augen hast Tu da-Z Beste und Schönste schon gehabt, und je weiter Tu von ihr bist, desto schöner und besser wird es werden. Aber fahre Tu nur, wohin Du willst, ich will Dir meinen Plah am«teuer geben." Ich sah, daß er recht batte, und war doch zum Tode betrübt, daß es so fein sollte. Voll Heimweh dacht ich an Brigitte und an die Heimat und an alles, was eben noch nahe und licht und mein gewesen ivar und was ich nun verloren hatie. Aber jetzt wollte ich den Platz des Fremden nehmen und das Steuer führen. So mußte es sein. Darum stand ich schwelgend auf und ging durch das Schiff zu dem Stcuersitz, und der Mann kam mir schweigend entgegen, und als wir beieinander waren, sah er nur fest ins Gesicht uird gab mir seine Laterne. Aber als ich am«teuer saß und die Laterne neben mir stehen hatte, da war ich allein im Schiffe und der Manu war verschwun-- den, und doch erschrak ich nicht, sondern mir schien, es sei der schöne Tag und die Heimat und Brigitte nur ein Traum gewesen und ich sei alt und betrübt und sei schon immer und immer ans diesem nächtlichen Flusse gefahren. Ich begriff, daß ick den Mann nicht rufen dürfe, und die Erkenntnis der Wahrheit ergriff mich lvie ein Schauder. lind um zu wisse», was ich schon ahnte, beugte ich mich über das Wasser hinaus und hob die Laterne, und aus dem schwarzen Spiegel sah mir ein scharfes und ernstes Gesicht mit grauen Augen entgegen, und das war ich. lind da kein Weg zurückführte, fuhr ich auf dem dunkel» Wasser weiter durch die Nacht. kleines Feuilleton. Gefrierfleisch im Jelöe. Die Beschaffung bon Fleisch für größere Heercsmassen ist ein sehr schwieriges und umständliches Geschäft. In den meisten Heeren der Welt, so schreibt die illustrierte Halbmonatsschrift„Das Wissen", gibt man dem einzelnen Soldaten pro Tag ööll Gramm, so daß auf ein Armeekorps täglich über LlKWO Kilogramm entfallen. Um diese Menge Fleisch zu liefern, müssen täglich 100 Ochsen geschlachtet werden, müssen also große Herde» aus der Achse und zu Fuß zu- geführt werden— natürlich wirken sie, lvie Schlachthosdirektor H. Heiß ausführt, auf die fechtenden und marschierenden Truppen lvie ein Bleigewicht. Man braucht ferner große Massen von Futter- Mitteln, die wiederum Transportmittel und Menschen beanspruchen, und das widerspricht zugleich den militärischen und lvirtschaftlichen Forderungen. Zudem ivird das Rechnungswesen durch die heutige Methode, das Fleisch in lebendem Zustande mitzuschleppen, ungebühr- sich erschwert; kurzum, eine Aendernng ist dringend vonnöten. Der genannte Sachverständige sieht sie in der Herbeiziehung von Kühl- und noch besser von Gefrierfleisch zur Verwendung der Truppen, ins- besondere könnte im Feindesland nur das letztere verivendet werden. Es kennzeichnet die gegen das Gefrierfleisch herrschenden Vorurteile ak solche, da es an Nährwert und Geschmack dem unkonservierten gleichkomme und weist zunächst daraus hin, daß man iu den Heeren anderer«taaten die besten Erfahrungen damit gemacht habe. Tie bekanntlich sehr gut genährten Engländer erhalten im Lager von Aldershot dreimal in der Woche Gefrierfleisch. Tie Vereinigten taaten haben in den Kriegen auf 51uba und den Philippinen ihre Leute mit Gefrierfleisch wenigstens zum Teil versorgt, die Russen beköstigten in der Mandschurei damit ihre Truppen, und der Trans- valkrieg wäre, wie General Richardson ausführte, nicht von England gewonnen tvorden, wenn man seine Söldner nicht hätte mit austra- lischem Gefrierfleisch nähren können. Deshalb sind jetzt auch an wichtigen Stationen, lvie Gibraltar. Suez, Shanghai uslv., große Magazine für„lrozen raeat" errichtet. Im gegenwärtigen Kriege benutzt auch Frankreich Gefrierein- richtungen, um Fleisch für seine Heere bereitzuhalten. Es besitzt auf Grund einer Anregung des damaligen Kriegsministers Freycinet Ällilitärschlachthöfc mit Kühlanlagen, und zivar in Mllanconrt, Verdun, Toul, Epinal und Belfort. Trotzdem könnten lvir noch in der Heranziehung von Gefrierfleisch zur Hcercsernäh- rung Frankreich leicht den Rang ablaufen; denn sämtliche Gefrierhäuser Frankreichs halten zusammen 10 Millionen Kilogramm, während Teutschland in seinen 1000 Schlachthöfen 700 Kühlanlagen besitzt, die ein Fassungsvermögen vmi 160 Millionen Kilogramm haben. Ziehen lvir diese heran, so ist die Fleisch- Versorgung leicht, bequem und billig. Statt riesige Ochsenherden und ihre Futtervorrätc mit Treibern usw. aus unzähligen Bahnzügen zu befördern und die Landstraßen mit ihnen zu füllen und zu verstopfen, lassen wir«spezialWagen mit Kühleinrichtungcn laufen; 10 solcher Wagen mit Kühleinrichtuiig(Isolierung) können 200 000 Kilo- gramm Fleisch transportieren, das sind an-100 000 Portionen und mehr. Noch nicht der achte Teil der jetzt erforderlichen Transport- mittel wäre erforderlich und zudem ivürde nichts lieberflüssiges, wie Knochen, Blut, Häute nsiv. mitgeschleppt, würden nicht Tiere unter- lvegs abmagern und eingehen. Sie Züge würden nach Stapelplätzen dirigiert, und von da aus würden lvieder Lastautomobile die Fleisch- Massen zu den Truppenteilen bringen. Gefrorenes Fleisch hält sich länger als man glaubt. Ungeheuer viel Zeit, Geld und Mühe würde gespart; man brauchte weniger Feldschlächter, keine Treiber und in jeder Beziehung weniger Train. Auch ivürde geioissen Spekulationen in Vieh vorgebeugt werden. Tie Anregung des erfahrenen Fach- mannes verdient jedenfalls ernsteste Beachtung. fluf öer Suche nach neuen Planeten. Während es als ziemlich sicher gelten kann, daß zwischen Merkur und Sonne kein weiterer Planet vorbanden ist, wofür ja auch die Beobachtungen bei der letzlen totalen Sonnenfinsternis sprechen, ruht die neuere astronomische Forschung nicht in der Suche nach Planeten, die noch jenseits des bisher bekannten äußersten Planeten Neptun die Sonne umkreisen. Man muß dabei nach Ansicht des Astronomen Kritzinger annehmen, daß noch zwei solcher jenseits des Neptun liegenden Planeten vorhanden sind. Da aber die Masse des Neplun nur ungena« bekannt ist, lassen sich am? den Störungen der Urarni?« bahn vorlaufig nur Fingerzeige für die Aufsindnug des ersten dieser iransnevlunischen Planelen herleiten, der, wie die„Naturwisscn« schalten" mitleiten, von Kritzinger vprläufig„Pinto" genannl wird. Dieser Forscher ist weiterhin auf Grund von Arbeiten des Kopen- Hagener Astronomen Lau zu dem Ergebnis gekommen, daß niair wahrend des Jahres 1915 mit Erfolg nach diesem neuen Planeten in den Sternbildern des„Schützen" und des„Sleinbock" suchen kann. Vielleicht gelingt es also noch in diesem Jahre auf photo- graphischem Wege, das Vorhandensein eines weiteren Planeten fest« zustellen.__ Künstliche wursthülle. Die Wurst, diese spezifisch deutsche Fleischspeise, wird in eine Hülle getan, die vom hygienischen«tandpmitt aus nicht einwandfrei erscheint. Es ist daher schon vielfach versucht worden, einen Ersatz für die Därme zu schaffen. Diese künstlichen Wursthüllen sindjedoch sämtlich für Bakterien durchlässig, so daß sie vom hygienischen«tano- Punkt aus noch viel schlimmer sind als die natürlichen Tierdärme; auch sind sie weder gegen Kochen noch gegen Räuchern geilügend ivider- standsfähig. Jetzt aber scheint man, lvie die„Papicrzeitung" nach einem New Uorker Fachblatt mitteilt, einen geeigneten Stoff gefunden zu haben. Es soll gelungen sein, aus frisch bereiteter Viseofe Röhr- cken zu pressen, die beim Durchgang durch eine Salzlösung hart werden und nach Waschen mit kochendem Wasser, wodurch sie von den Natronsalzen befreit werden, sich sehr gut als Haut für Würste eignen. Diese künstlichen Därme sind durchscheinend und farblos, ihre Ober- fläche ist glatt und glänzend und gibt keinen Untergrund für die Eni- Wickelung von Bakterien. Die Röhren, deren Wandstärke nur ein bimdertstel Millimeter beträgt, entbalten etwas Glycerin und lassen sich gut zerkauen; sie dürsten auch zum erheblichen Teil vom Magen- fast verdaut werden, so daß ihrer allgemeinen Verdauung nichts im Wege zu stehen scheint. lrteritrutze�88� Taschenbuch sür Garlensreundc. Ein Ratgeber sür die Pflege und such- gemäße Bewirtschaftung des häuslichen Zier-, Gemüse- und jabflgarlens von Mar Hcsdörscr. 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