Nr. 44.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Sotmtag, 21. Irbninr. Cnglisihe Gefangenenlager.*) Ein Holländer, Herr A. Goudsmit jun., der bis jetzt in Kopenhagen lebte, bat, nachdem er durch die Freundlichkeit der deutschen Militärbehörden das Gefangenenlager in Ruhleben be- sichtigt hatte, auf Wunsch der englischen Militärbehörden ver- schiedene Gefangenenlager in England besucht. Ueber den Ein- druck, den Herr Goudsmit oon dem Gefangenenlager in R u h l e b e n empfangen hat, hat er bereits in der„Times" aus- führlich berichtet und bestätigt, was bei uns zulande ja jeder längst weiß, daß die Behandlung der dort internierten Engländer die denkbar beste ist und daß sich die Engländer unter dem Kom- Mandanten Baron Taube wohlfühlen. Ueber seine Beobachtungen in den englischen Gefangenenlagern liegt uns ein Bericht des Herrn Goudsmit vor, dem wir folgendes entnehmen: Eines von den ersten Gefangenenlagern in England war F r i in l e y, wo die Zustände durchaus nicht befriedigend waren. Dies wurde von den Engländern selbst zugegeben, aber man ent- schuldigte sich damit, das; man damals noch nicht darauf vorbereitel war. Jedenfalls ist diese« Gefangenenlager inzwischen aufgehoben und die dort Internierten find nach der I s l e of Man überführt worden. Herr Goudsmit hat sich die Mühe genommen, auf Wunsch der englischen Militärbehörden dorthin zu reisen, um sich persönlich davon zu überzeugen, wie die Gefangenen behandelt werden, und er hat mit Freude feststellen können, dah die Behand- lung dort eine wirklich sehr gute ist. Sowohl in Nocke- l o e bei Peel wie in Cunningham sind die Kominan- danten äuxerst humane Leute, die nicht von vornherein eine Animosität gegen die Internierten haben«nd den Internierten in keiner Richtung das Leben erschweren, das eine Gefangenschaft schon mit sich bringt. Besonders in Rockeloe hatte Herr Goudsmit Ge- legenheit, den Kommandanten Colonel Carpendale in einer persön- lichen Angelegenheit näher kennen zu lernen, und konnte dabei mit Freude seine durchaus humanen Anschauungen feststellen. Ebenso ist das Verhalten der unter ihm stehenden Offiziere. Herr Goudsmit konnte auf seiner Reise im allgemeinen das ritterliche Benehmen der höheren englischen Offiziere wahrnehmen, so das; die Angehörigen der in England in Gefangenschaft geratenen Mannschaften ganz und gar beruhigt sein können. DaS Essen der Gefangenen ist ebenso gut wie das der englischen Soldaten, wenn nicht besser; letzteres ist wenigstens die Ansicht der englischen Soldaten. Es wird auf jede Weise versucht, den Internierten Abwechselung zu verschaffen. Neuerdings sollen sogar Schulen eingerichtet werden, in denen solvohl Sprach- als auch technischer Handfertigkeitsunterricht jeder Art erteilt werden soll. Ein Hauptverdienst in dieser Beziehung ist dem früheren Deutschen, seit langem naturalisierten Engländer Dr. M a r k e l zuzuschreiben, und man kann in Deutschland diesem Manne nicht dankbar genug dafür sein, was er für unsere in England internierten Landsleute getan hat und tut. Seine Bemühungen werden, was hier erwähnt werden soll, von den englischen Militärbehörden in weitestem Mäste unterstützt. Auch Herrn L o w r h von der amerikanischen Botschaft in London gebühren Worte der Anerkennung für seine erfolgreichen Be- strebungcn im Interesse unserer Gefangenen. Ein kleiner Beweis der Bewegungsfreiheit der im Zivilgefangenen- lager in Rockeloe Internierten ist wohl folgende Tatsache, die Herr Goudsmit auf einem Gang durch das Lager mit dem Kommandanten beobachten konnte. Die deutschen Gefangenen haben sich dort aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Material eine Art Uniform zu- sammengeschneidert, so dast sie aus der Ferne wie Soldaten aus- sehen. In diesen Uniformen nehmen sie nun täglich militärische Hebungen vor. Sie haben sich sogar aus Holz Gewehre geschnitzt. In Cunningham wiederum haben sich einige Deutsche zusammen- getan, die ein Flugblatt herausgeben. So unterhalten und zerstreuen sich die Gefangenen auf jede nur mögliche Art und Weise. AlS die im Gefangenenlager in S h r e w s b u r y»nter- gebrachten Deutschen bei der Weihnachtsfeier die Erlaubnis des Kommandanten einholten, die„Wacht am Rhein" singen zu dürfen, wurde ihnen daS nicht nur gestattet, sondern der Kommandant und die anwesenden Offiziere stimmten alle mit ein, und einem Ge- fangenen in Newbury, der das Bild seines obersten Llciegsherrn an die Wand im Saal gezeichnet hatte und der befürchtete, es weg- löschen zu müssen, sobald es zur Kenntnis des Kommandanten ge- lange, wurde von diesein gesagt, er solle es nur an der Wand lassen, wenn es seinen Landsleuten Freude bereite. In allen Gefangenenlagern wurde durchweg der Geburtstag d e S Kaisers gefeiert, und in Slratford lvurde zur Feier des TageS das nachfolgende Mcnu zusammengestellt: *J Diesen Artikel entnehmen wir der„V o s s i s ch c n Zeitung". 27. Januar ISIS. F e st e s s e n anläßlich des Geburtstages S. M. Wilhelm ll. Kaviar— Kaiser-Wilhelmsberg Suppe— Kaiserin Auguste Viktoria Filet auf Seezunge— Kronprinz Wilhelm Hammelnüstchen— Prinz Eitel Friedrich Tomaten— Prinz Adalbert Bomben— Graf Zeppelin Masthuhn— Prinz August Wilhelm Salat— Prinz Oskar Kompott— Prinz Joachim Sahnen-Baiser— Prinzessin Viktoria Luise Käse— General-Feldmarschall von Hindenburg Kaffee— Generaloberst von Kluck Zigarre— Graf von Moltke StratfortE. Kriegsgefangenenlager. Aber nicht nur in den Zivilgefangenenlagern, sondern auch in den Kriegsgefangenenlagern wird den Internierten das Leben nach Möglichkeit angenehm gemacht. In D o r ch e st e r z. B., wo über lOOV Soldaten untergebracht sind, wird der Unterkomman- dant Major Bulkeley von diesen beinahe auf Händen getragen. Er erfreut sich einer solchen Beliebtheit bei den Leuten, dast diese bereits geäußert haben, sie würden ihn, wenn es so weil ist, am liebsten mit nach Deutschland nehmen. Sein Privatsekretär ist ein bayerischer Unteroffizier namens Kröger aus Pasing bei München. Dieser nimmt auch seine Speisen mit Major Bulkeley zusammen ein, und er ist das Bindeglied zwischen Kommandantur und Gefangenenlager. Herr Goudsmit hatte Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß die Gefangenen alle nötigen Anschaffungen sofort erhalten, und die Soldaten haben Herrn Goudsmit gebeten, ihren Eltern mitzuteilen, dast diese ihnen keine Wäsche usw. zu senden brauchen, da sie alles, was sie brauchen, bekommen. Nach allen Eindrücken, die Herr Goudsmit in den verschiedenen Stätten der Gefangenen erhalten hat, versichert er, dast durchaus kein Grund vorliegt, sich über das jetzige Ergehen und die Behandlung unserer Landsleute in England zu beunruhigen. Herr Goudsmit hofft dringlichst, daß die Verhandlungen, die er jetzt wegen des Aus- tauschcs von Zivilgefangenen und Schwerverwundeten im Auftrag der englischen Regierung hier eingeleitet hat, zu einem günstigen Ergebnis führen. Herr Goudsmit hat den Eindruck gewonnen, dast die englische Regierung sich entgegenkommend zeigen wird. Kleines Zeuilletsn. Solüatenträume. Die englische medizinische Zeitschrift„The Lancet" bringt, wie „Nationaltidende" berichtet, einen sehr interessanten Artikel über die nervösen Zustände und Träume verschiedener Art, die die Soldaten im Felde heimsuchen. Neurotiker— heißt es in dem Arftkel— reagieren oft auf eine ganz merkwürdige Art, wenn in ihrer Nähe eine Explosion oder die Abfeuerung eines Schusses statt- findet. Sie zeigen dann Neigung zum Somnambulismus und tvandeln wie Mondsiichtige in den Gräben umher. In den Träumen der Soldaten tauckit oft die Furcht vor der Einsamkeit auf, besonders bei den Leuten, die in den ersten Linien liegen. Sie träumen, daß sie ruhelos durch unendliche Laufgräben wandern müssen, die sich krümmen und schlängeln wie ein Labyrinth. Oder dast sie durch einsame Wälder schleichen, in dencil ihre fliehenden Kameraden sie allein zurückgelassen haben. Der schwächste Laut ruft bei den Schlafenden die Vorstellung von erplodierenden Granaten oder marschierenden Regimentern hervor, und häufig fäbrt Tommy Atkins aus dem Schlaf empor mit einem gellenden Angstschrei, der ihn und seine Kameraden weckt und ihm viel böse Worte einträgt. Viele träumen auch, dast sie das Bajonett nicht tvieder aus dem Körper des Feindes heraus- bekommen, tvährend sie zugleich von einer über ihnen schtvebenden Gefahr bedroht sind und ihre Waffe unbedingt zu ihrer Verteidi- gung haben müssen. So kämpfen sie im Traum, schlagen um sich und stöhnen, in Schweiß gebadet, bis die Wirklichkeit so barmherzig ist, zu ihnen zurückzukehren. Eine der häufigsten Folgen der nervösen Spannung, die der Krieg hervorruft, ist natürlich die Schlaflosigkeit. Oer französische Solüat von heute. Ein Korrespondent von„Politiken" veröffentlicht die Aeutze- rungen eines französischen Offiziers über den Soldaten von heute. „Der moderne Mensch im Kampf ist bewundernswert," sagte er. „Wir Offiziere hatten oft, wenn die Rede von einem zukünftigen Kriege U>ar, große Bedenken betreffs der möglichen Haltung der Mannschaften- Die antimilitaristische Agitation der letzten Jahre, die toachsenden internationalen Friedensbestrebungen, die für den modernen Menschen fast jeden Gedanken an einen Krieg unmöglich machten, hatten sich des heranwachsenden Geschlechts so vollkommen bemächtigt, dast wir in den militärischen Kreisen ernste Besorgnisse hegten bei der Vorstellung, wie es gehen würde, wenn die Stunde der Abrechnung einmal käme. Aber all unsere Befürchtungen sind zuschandcn geworden. Allerdings hat sich hier und da zu Anfang Feigheit gezeigt, doch die Verachtung der Kameraden und die Niederlagen, die wir bei den ersten Zusammenstößen erlitten, haben diese Beweise von Schnfiiche volltommen ausgemerzt., Mittwoch abend S'A Uhr, vom 24. Februar ab statt.— U c h e r das Papier, seine Entstehung und seinen Verbrauch spricht in der Aula der H a n d c l s h o ch- schule Berlin am Mittwochabend l> Uhr Herr Fritz Berliner. Einlastkarten unentgeltlich beim Pedell, Spandaucrstr. 1, auch brieflich vom Sekretarial. — Der Urheber des Weltkrieges. Was alle Blau- Weist-, Gelb-, Rot-Bücher nicht vermochten— nämlich über alle Zweifel festzustellen, wer am Weltkrieg eigentlich schuld ist, ist einem Mitarbeiter des„Matin", namens LaSkine, gelungen. Dieser llr- franzose legt in der Nummer vom 12. d. MtS. die„Betveije" vor. dast die— deutsche Sozialdemokratie den Krieg angezettelt hat. Sie hat, wie er entdeckt hat, für den Wehrbcitrag gestimmt. Diese Ent- hüllung ist aber noch gar nichts. Herr Laskine weist auch, wer die unmittelbare Verantwortung für den Krieg hat. Es ist— L u d- w i g Ouessel. Er hat nämlich im Juliheft der«Sozialistischen Monatshefte" einen Artikel über die Balkansrage veröffentlicht, der ganz genau die Argumente des österreichisch-uugarischen Ultimatums an Serbien enthält. Da dieses knapp nach dem Erscheinen des Artikels überreicht lvurde, ist kein Zweifel mehr möglich. Bcrchthold hat sich an Ouessel inspiriert, und ohne Ludwig Ouessel lebte die Welt in tiefstem Frieden. ES ist gut, dast der„Matin" daS fest- gestellt hat, damit künftige Geschichtsschreiber nickit im Dunkeln tappen. Wer aber hätte gedacht, daß Ludwig Ouessel ein gar so Schlimmer ist? 44j Ueberfluß. Von Martin Ll n d e r s c n Lt e x ö. Tie Manege blieb eine Weile leer, und Karl merkte be- trübt, daß Else ihre Hand aus der seinen nahm. Sie be- gaiin den Handschuh auszuziehen, und die entblößte Hand glitt wieder auf die Bank neben ihn hinab. Er saß ein wenig, bis er verstand, dann ergriff er die Hand wieder, wunderte sich über ihre Weichheit und Wärrne, befühlte sie unaufhörlich, bog ihre Finger und maß die Ticke des Hand- gelenks. An der Hand des Direktors kain Miß Arabella herein und sprang auf einen Pfcrderücken, so breit wie ein Eßtisch. Sic war in fleischfarbigem Trikot, hatte T-Veine, war blut- arm und flachbrüslig. Sie stützte sich mit der einen Zehen- spitze auf das Pferd, streckte Oberkörper und Arme aus und hob das eine Bein hoch nach hinten; so schwebte sie niit be- törendein Ausdruck durch die Luft, wie irgend etwas Wunder- bares— ein Geist der Lüfte. Die Zuschauer klatschten und jubelten. Else starrte geistesabwesend mit leuchtenden Augen vor sich hin und lehnte sich an Karl an; dieser fühlte, wie die Wärme und das Leben von der Schulter und dem Arine des gefunden jungen Weibes freiwillig in ihn hinüberströmten. Ihr Entzücken und die Begeisterung der andern steckten ihn an, er klatschte mit, machte allerlei vergnügte Bemerkungen und drückte ihre Hand. Es waren keine bitteren Gedanken mehr in ihm, nur Glücksgefühl und Jugend. All das Selbstvertrauen der Jugend, ihre erotischen kleinen Aerißerungen, ihr warnies Träumen schoß in ihin empor. Leise wiegte er Elses Fuß auf dem seinen, strich liebkosend über ihren Aermel, streifte das Kleid um ihr Handgelenk zurück und umfaßte den weichen, runden Unterarm. Und bei gefährlichen Sprüngen und beim Fall von Trapez zu Trapez preßte sie ihr Knie gegen das seine, als müßte sie sich an etwas anklammern, und die Blicke sogen sich tief ineinander. Es waren fast lauter sunge Seeleute und Handwerker da, und jeder hielt sein Mädchen im Arm. Karl hatte Lust, dasselbe zu tun; Else würde es natürlich finden, sie wunderte sich vielleicht schon darüber, daß er es nicht tat, sie gehörte ia zu den anderen, den Glücklichen. Aber er war anders als diese Leute, darum genierte er sich vor ihnen, und darum sahen sie ihn mit unfrendlichen Augen an. Er würde sich auch nicht wie sie natürlich dabei anstellen, so daß es als vereinzelte Selbstverständlichkeit erschien, die zu nichts verpflichtete. Der ganze Zwangsapparat seines Niveaus saß ihm ja im Leibe und hinderte und verpflichtete ihn.— Und wie rechtschaffen er sich auch selber vorkam, in den Augen dieser Menschen war und blieb er der Verführer, obwohl er nichts anderes tat als sie selbst. Einen Augenblick befiel ihn Mißmut, aber ein fragender Blick Elses niachte ihn wieder froh. Ueber dein Eingang zur LNanege war eine kleine Bühne, wo verschiedene kürzere Nummern gegeben wurden. Hier erschien jetzt der Direktor und hielt eine kleine Ansprache; „Der sehr geehrten Publikum müssen entschuldigen, daß das Mann mit der große Schlund sich heute abend nicht selber essen können, da er sich in der verkehrten Kehle bekommen in Berlin, wo dieser Zirkus gerade herkoinmt und aufgetreten sein vor Kaiser und seine ganze Familie. Da haben der große Puma-Hano gegrinst, daß sein Mund über beide Ohren ging und ans verkehrten Seiten von Gesicht hervorkommen, und große Kaiser hat seinen Bauch gehalten und gesagt: Mehr, noch mehr! So haben Puma-Hano über sein eigenes.Kopf gegähnt, und die kaiserliche Familie haben geschrien: Mehr, noch mehr! Da haben Puma-Hano über die ganze Länge von seinen Rücken gegähnt, und Hofstaat von Kaisers vor Lachen fast gestorben und geschrien; Mehr, noch mehr! Da haben Puma-Hano. wieder gegähnt, und seine Zähne haben sich in seinen Rumpf festgesetzt, und da sie noch sitzen. Da hat der ganze Hofstaat ohnmächtig geworden, aber der Kaiser selbst sagten nur: Schön, wunderschön— und seinen Familie haben genickt und gesagt: Schön, wunderschön!— Es sein schade, sehr schade, meine Herrschaften! Aber morgen abend kommen Sic wieder, dann'ein Puma-Hano kuriert und kann sich selbst essen mit große Appetit." Tosender Beifall folgte dieser Ansprache.„Wir wollen ihn sehen!" riefen einige Seeleute.„Heraus nut Puma- Hano!" „Nicht möglich," sagte der Direktor bedauernd.„Aber jetzt geben ich zweihundert Kronen dem, der mehr heben können als ich." Ein Mann trug mehrere große Gewichte herein, mit denen der Direktor sich zu schaffen niachte, wobei er von Zeit zu Zeit einen herausfordernden Blick ans die Zi� schauer warf. Im Zirkus war alles still geworden, hier und da flüsterte man und wollte einander in die Manege stoßen. Plötzlich entstand drüben auf der einen Seite eine Bewegung, nud alle Köpfe dreisten sich dorthin. Ein Mann bahnte sich mit den Ellbogen einen Weg nach der Bühne; Karl sah z» seinem Erstaunen, daß es Aagc war. Ungeniert trat er ans die Bretter, warf den Ueberzieher von sich und machte ohne Schwierigkeit die Krastkunststücke des Direktors nach, unter dem starken Beifall der Zuschauer. Ter Direktor betrachtete den muskulösen jungen Mann mit immer scheeleren Blicken, und plötzlich verlor er eine Hantel auf den Fußboden und fing an, mit verzerrtem Gesicht auf einem Bein herunizuhinken.„Ich haben meinen Fuß verstauchen," sagte er und humpelte von der Bühne ab. Rings im Zirkus murrte man, und eine Anzahl von jüngeren Leuten scharte sich um Aage und warf drohende Blicke nach dem Hintergrund der Bühne, wo der Direktor verschwunden war. Doch nun kam ein grinsender Neger her- vor und gab Kraftproben nüt den Zähnen zum besten; er hob einen Stuhl, auf dem ein Knabe saß, iudeni er die Lehne mit den Zähnen packte, sprang dann in die Höhe, biß sich in ein Trapez fest und wirbette herum. Dieser Kraftleistung konnten die jungen Leute nicht widerstehen, und der Beifall erscholl wieder mit der alten Stärke. Nun war nur noch eine Nummer des Programms übrig — die„Glanznummer des Abends". Tie Manege wurde geebnet und ein großer Teppich in der Mitte ausgebreitet. Die Frau des Direktors, die„Welt- königin im Ringkampf", wurde von ihrem verwundeten Ge- mahl an der Hand hereingeführt; er hinkte übrigens nicht, bis ihn jubelnder Beifall an seine Vergeßlichkeit erinnerte. „Die Wcltkönigin" war untersetzt und dick, ein schwimmender Fettklumpen,"den ein nicht sehr sauberes Trikot daran hin- derte, auf die Arena zu fließen. Hin den Leib lvar sie ein wenig eingeschnürt, daran war der„mit kostbaren Krön- diamanten besetzte Meisterschaftsgürtel" schuld, der dicht be- hängt war mit Prismen von einem billigen Kronleuchter. „Das wäre was zum Hineinbeißen für Puma-Hano," sagte eine laute Stimme. „Ja, wenn er da niit den Zähnen hängen bliebe, das könnte man verstehen." „Ja, und sich um sich selbst drehte ivie der Neger." (Forts, folgt.) eiereiC Bolle a.g NW. 21, AK-Moabit 98-103 ■B Ii Feldposfpakate iB Beste Butter"VI B== haltbar und gut verpackt, Paket 90 Pfg. fl Kaiserkäse"VC haltbar und gut verpackt, Paket 45 Pfg. ' K« Aeltester«. größter miichwirtschaftl. 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