Nr. 47.- 1915. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Dounerslag, 35. Februar. Der gute Kamerad. Heiner war der gute Kamerad der Kompagnie. Er zeigte eine stets dereite Hitfswilligkeit und, was noch bester wirkte, einen numer sprudelnden Humor. So hatte er es gehalten in der Werk- statte, so hielt er es im Felde. Aber noch etwas stak in ihm. Er trug in seinem Herzen das Ideal des modernen Arbeiters, tat da- ■für seine Pflicht und hielt ihm die Treue. Was er in der Schule des Sozialismus gelernt hatte: Solidarität üben, Mensch sein und seine Pflicht tun, das übte er im Felde. Als er am dritten Mobilmachungstage einrücken mutzte, nahm er Abschied von seiner Frau und seinem dreijährigen Buben: „Mutter," sagte er,«die meisten Kugeln machen nur ein Loch in die Lust. Wenn aber eine da ein Loch macht"— er zeigte auf seine Brust—,„dann latz meinen Buben da nicht vergessen, was sein Vater war." Dann ging es in den Militärzug und in endloser Fahrt zur Grenze. Auf allen Bahnhöfen gab es Liebesgaben in überreicher Fülle. Mancher nahm mehr, als er brauchen konnte..Jungens," rief er diesen Kameraden zu,.nach den sieben fetten Fahrttagen iss'men die sieben mageren Marschtage." Und es kam so. Vor der Grenze schon mutzten sie aus dem Eifenbahnzug heraus, und nun begann das Marschieren. Und da war es unser Heiner, der dann immer noch etwas in seinen Taschen hatte und den Kameraden davon gerne mitgab: ein Stück- chen Schokolade, Dauerwurst, ein Priemchen, eine Zigarre. Seine Kameraden wunderten sich über die unerschöpflichen Taschen. Er aber lachte nur:„Das kommt ganz drauf an, wo man'ne Sache hinsteckt, wenn man sie kriegt. Steck ich alles gleich in'n Mund— dann ist sie futsch— man sieht sie niemals wieder. Steckt man nicht alles in'n Mund und mehr in die Tasche, dann ist immer was da zum Schnabulieren." Beim Marsch kam es Heiner gar nicht darauf an, einem Käme- raden einmal das Gewehr zu tragen, wenn er sah. datz es gar nicht mehr gehen wollte. Dabei hat er, selbst in dem glühendsten Sonnenbrand des Augustmonates, noch immer einige Wne in der Kehle, die er zu einem Liede formen konnte. Und gingen ihm diese aus, dann langte es immer noch zum Pfeifen. Beim Aufbruch war Heiner immer am ersten fertig und konnte seinen Nebenmännern stets ein wenig beim Umschnallen behilflich sein. Als sie die Grenze überschritten, sagte Heiner mit seiner klangvollen Stimme, die man weithin hörte: „Jungens, jetzt müssen wir uns zusammenreitzen. Wenn uns die Leute hier marschieren sehen, müssen sie sagen: Das sind Kerle! Und wenn wir ins Quartier zu ihnen kommen, müssen sie sagen: Das sind Menschen!" llnd wie es Heiner gemeint hatte, so geschah es, wenigsten» bei seinem Zug. Sie schieden von keinem Quartierwirt, der, so böse er auch bei ihrem Kommen geblickt hatte, ihnen beim Abschied nicht die Hand gedrückt hätte. Besonders bei den Frauen und Kindern wutzte sich Heiner in kurzen Stunden beliebt zu machen. Mit den Frauen, deren Männer oft im Felde waren, versuchte er in Zeichen- spräche oder mit Hilfe seines französischen Taschenwörterbüchels zu reden und sie zu trösten. Mit den Kindern hatte er immer Zeit, Hopplahopplareitcr zu machen, und etwas, waS ein Kinderherz er- freut, fand er stets noch in seinen Taschen. So kam Heiners Abteilung ziemlich durch ganz Belgien bis an die französische Grenze. Da kam es zum ersten Gefecht. Als die ersten Granaten daher kamen, flogen Seiners Gedanken unwillkür- lich zu Frau und Kind zurück. Einen Äugenblick. Zu seinem Neben- niann in der Schützenlinie raunte er:.Mensch, ich glaub, es ist uns ein bitzchen schwummerig ums Herz. Da mutzte denken, wie bei cnier gefährlichen Arbeit: Es kann ein Unglück geben; es braucht aber keins zu geben. Und wenn'S eins gibt, patz auf, datz es keinen anderen mitreitzt. Und so tue deine Pflicht." Kaum hatte er das gesagt, da krachte es über ihnen, und Heiner» Nehenmann schrie auf:.Ich Hab' meinen Teil weg!" Heiner sah aber nicht auf ihn; er starrte nach dem Hauptmann, der halb auf den Knien liegend, scharf hinüber zum Feinde spähte. Er dachte sich, jetzt wird's gleich kommen, ritz seinen Tornister herunter und stellte ihn vor den Kopf HeS Nebenmannes:.Mich drückt der Affe»nd Dich schützt er vielleicht davor, datz sie Dir auch noch ein paar Löcher in den Kopf schmeitzen." In diesem Augenblick klang des Hauptmanns scharfe Stimme: „Sprung auf! Marsch, marsch!" Das ritz Heiner empor und über das Feld hin auf die feindlichen Batterien zu. Noch ein paarmal mutzten sie sich hinschmeihen und wieder aufspringen. Mancher blieb freilich liegen— dann hatten sie die Batterie. Heiner drang zuerst zwischen die Feldgeschütze..Mensch," schrie er einem feind- lichen Kanonier zu,.schmeitz Deinen Säbel weg— ich will Dich doch nicht totmachen." Ob ihn der Engländer verstanden hatte?— Er warf sein Seitengewehr weg und ergab sich. Heiner aber keuchte vor Aufregung, indem er mit dem Gewehrkolben an die Kanone schlug:„So, Luder, Du schietzt keine Menschen mehr tot." An diesem Tage war Heiners Kriegsarbeit getan. Zwei Tage darauf lag Heiners Kompagnie bei Bernisart in Quartier. In der Nacht galt es, Streiswachen in die Umgebung auszuschicken. Es war eine gefährliche Gegend. Heiner trat um elf Uhr mit einem Kameraden seinen Gang an. Sie mußten die Straße bis zum nächsten Weiler abpatrouillieren. In der milden Augustnacht schritten die beiden Männer dahin, scharf links und rechts aus- spähend. Es war so still, leise nur rauschten im Nachtwind die Blätter der Pappeln, die die Straße einfaßten. Sein Kamerad er- zählte Heiner; von daheim erzählte er, von seiner Frau, die jeden Tag niederkommen mühte. Heiner hörte schweigend zu. Als sie in die Nähe der Häuser kamen, sagte Heiner kurz:„Du bleibst jetzt ein bissel zurück. Du mutzt erst noch Vater werden." Dann ging er vorsichtig vorwärts. Er war noch keine dreißig Schritte von seinen: Kameraden weg zwischen den ersten Gebäuhchkeiten, da krachten mehrere Schüsse. Heiner brach zusammen. Noch konnte er rufen: .Zurück, Kamerad!" Zwei Schüsse hatten ihn in die Brust getroffen. Die Hand wollte das sickernde Blut zurückdrängen; bitter murmelte er:.Die dummen Menschen— ihren ganzen Ort stürzen sie in'S Unglück!" Dann sah er tröstlich nahe seine Frau mit dem Buben auf dem Arm; er wollte aufspringen und ihr entgegen gehen, da versank alles vor ihm und um ihn-- Am anderen Tage vollzog die Kompagnie das Strafgericht am Orte, in dem Heiner gefallen war. Jetzt steht ein Grabkreuz auf freiem Felde im Hennegau, nahe der französischen Grenze. Ein- fach ist die Inschrift:„Hier ruht der gute Kamerad." Darunter steht die Regiments- und Kompagnienummer. So. Ckn Schlachtengesang. In seiner Schilderung des„Sturmes auf Humin" übermittelt W. C. Gomoll in der.Köln. Zeitung" einen höchst dramatischen Eindruck von der ungeheuerlichen Musik des Artilleriekampfes. Ueber die vielen landläufigen Kriegsberichte erhebt sich seine Dar- stellung durch die Kraft des Ausoruckes und Anschaulichkeit der Darstellung. Gomoll schreibt: Mit einem wahren Höllenlärm setzte das Schlachtkonzert ein. Eine große Zahl Batterien waren aufgefabren und sandten den Russen ihren eisernen„Segen" hinüber. Feldkanonen, lS-Zeuti- meter-Haubitzen, Itl-Zentimeter-Flachbahngeschütze, dazu 21-Zenti» meter-Mörser und, um den Gabenreichtum voll zu machen, auch die bundesbrüderlichen 30-Zentimeter-Mörser jauchzten in den Morgen- gesang der Artillerie hinein. Ein dumpfes Getöse brandete rund um Bolimow; denn hinter, vor, rechts und links seitwärts der Stadt standen die Geschütze in Batteriegruppen und durch die Luft zog ein schrilles Pfeifen, ein Helles Heulen, wenn Salve auf Salve rollend dem Feinde entgegenfuhr. Wie wilde Sturmvögel schössen die Granaten aus den dunklen Rohren hinaus, und nachdem das Auge sich auf die Erscheinungen eingestellt hatte, konnte man sie gut scharenweise in hohen Bogen davon ziehen sehen. Vor den Geschützmündungen flammten unablässig grelle Feuerscheine auf. Die Rohre von den Kanonen, Haubitzen und Flachbahngeschützen bockten in den Lafetten; die Geschütze hoben sich, sprangen, duckten sich, sie stießen dampfend die langen spornbewehrten Schwänze in die Erde; doch dann standen sie wieder, nachdem sie sich aufgerichtet hatten, als wäre nichts geschehen. Jedes einzelne dieser Kriegs- instrumente glich einem edlen Tier, einem Renner, der aufbäumt in Wildheit und entschlossen in Kraft. Ungeheuer war das Getöse der Geschütze: denn man kann wohl sagen, daß in jedem Augenblick aus öcite. So war es! Man mutzte lächerlich jung und unerfahren sein, um überhaupt etwas Selbständiges von sich oder anderen zu erwarten.� Die Menschen schlenderten durchs Leben wie eine Herde Schafe, wo jedes einzelne Geschwindigkeit und Richtung der ganzen Herde einhielt. Kein bestimmender Wille, nur Zufälle und ein Mit-dem-Strom-Treiben. Histo- risch gesehen, erinnerte der Entwickelungsgang an das idio- tische Taumeln eines nüchternen Kalbes, wenn es sich zum erstenmal aufrichtet und mit geschlossenen Augen und sabberndem Munde schwankend auf einem Fleck steht— und nur von der Stelle kommt, weil es von Zeil zu Zeit das Gleichgewicht verliert. Die Intelligentesten waren mit in der Schafherde. Der ganze Unterschied zwischen ihnen und den anderen bestand darin, datz sie sich ihres Mitschlenderns bewußt waren, es als unwürdig empfanden und sich auf die Erfahrung beriefen, um seine Unumgänglichkeit festzustellen. Seine ersten Schritte würden dem Eintritt in die Herde gelten, seine nächsten un- willkürlich darauf ausgehen, Tritt und Richtung zu halten, denn es gab überhaupt keine andere Form für das Leben als dieses zufällige, willenlose Vorwärtsschieben der Herde. Und da wollte er mit dem Vater ins Gericht gehen, der jedenfalls das vor ihm voraus hatte, datz er ehrlich war und die Dinge nüchtern betrachtete! Else brachte ihm seinen Ueberzieher, den sie ausgebürstet hatte. Still kam sie und stand mit unsicherem Lächeln vor ihm: „Du stehst so mißmutig aus, geht es Deinen Eltern nicht gut?" Er zog sie auf seinen Schoß und küßte sie heftig: „Gewiß, es geht ihnen so gut, wie sie's verdienen— so ist es init uns allen, nicht wahr?" „M i r geht es viel, viel besser. Aber Du darfst mich nicht so oft küssen. Mutter sagt, meine Lippen wären in der letzten Zeit so voll geworden." „Das sind sie, und Dein Busen und Dein Blick auch. Du gleichst einer schönen Blume, die im Begriff ist, sich zu ent- falten." „Das kommt daher, weil Du mich liebst. Du Teurer" sagte sie und errötete vor Freude.„Aber Du bist gar nicht so froh: ist es denn nicht schön, einander lieb zu haben?" „Doch, aber ich bin so unglücklich veranlagt, daß ich alle-Z in die verkehrte Kehle bekomme. Ich gehöre geWitz gar nicht ins Leben hinein, ich hätte eine Distel oder ein StachelkaktuS, allerhöchstens ein Igel werden sollen— irgend etwas, das sich zusammenrollen und nach allen Seiten die Stacheln zeigen könnte. Dann würdet Ihr Euch alle an mir stechen." „Aber dann stäche ich mich ja auch an Dir, wenn ich Dich an mich und die beiden Kleinen hier zöge, von denen Du selbst sagst, sie wären so lieb; das wäre doch unrecht." Sic preßte seinen Kopf an ihre Brüste. Es war mildes, feuchtes Herbstwctter; der Weiße Nebel verhinderte die Aussicht: als feiner Staubregen trieb er Karl entgegen, als er seinen Morgenspaziergang machte. Der Weg war morastig; naßkalte, säuerliche Dünste stiegen aus Gräben und Feldern empor, füllten die Luft mit einem Geruch nack rohem Fleisch und reizten die Geruchsnerven, so datz er aus dem Scheitel ein Reißen verspürte. Als die Bäume des Kirchhofs in schwachen Umrissen aus dem Nebel auftauchten, mutzte er an die Zeiten in Kopen- Hägen denken, wo er verzweifelt ums Leben gekäinpft hatte und beim bloßen Anblick eines Sarginagazins in Angstschweiß geraten war.-„Seltsani! Seltsam!" dachte er und bekam Lust, auf den Friedhof zu gehen, wo der große, stärkende Fäulnis- Prozeß unr ihn her doppelt kräftig wirken umtzte. An der Ecke des Kirchhofs saß eine verhüllte Frauen- gestalt und starrte in versteinerter Ruhe in ihren Schoß. Aber Plötzlich hob sie den Kopf, und beim Anblick ihres Gesichts zuckte Bauder zusammen. Sie erhob sich schnell und stand sonderbar groß gegen den Nebel und die helle Kirchhofsmauer, dann drehte sie sich um und ging langsam vorwärts, so datz er sie einholen mußte. Es war Frau Sörensen. Er war fest entschlossen, geradeaus zu wandern und über sich ergehen zu lassen, was kommen mutzte; aber sein Herz be- gann heftig zu klopfen, und eine unerklärliche Angst erfüllte ihn; unwillkürlich bog er an der Ecke ein und ging durch die Kirchhofspforte.„Das war ja auch meine Absicht, bevor ich sie sah," dachte er zur Entschuldigung. Er suchte eine Bank unter einer Traueresche auf, deren Zweige im Sommer ein geschlossenes Laubverstcck bilden inutzten; dort saß er und spähte mit fieberndem Blut wie ein Verfolgter. Von Zeit zu Zeit sah er ihren Kopf über der Mauer als dunkeln Fleck im Nebel— sie fuhr fort, sich vom Kirchhof zu entfernen. Er hatte sich nach einem besseren Versteck umgesehen, gab es aber wieder auf und lachte ein wenig über sich und seine Angst. Sie wollte ja selbst eine Begegnung vermeiden, da sie aufstand und wegging, als er kam; sie war natürlich ausgc- bracht, weil er ihr die Blumen zurückgeschickt hatte. (Forts, folgt.) IVHagc; m buiiTcru Löchciu fi'iinzcichnctcii sie sich, dic hnrtgcfrorcnc Eide war in dicken, scblackigen, zentnerschweren Stücken aufge� b röche n und über die weihe Schneedecke, weithin geweht, lag dunkel- brnnn der Erdstaub der tief aufgerissenen und hochgcworfencn Äasawischen Scholle. lieber den Marktplatz von Bolimow pfifscn die Granaten. Sie sangen, sie zwitscherten, sie stiegen hinauf in das Schneegewölk, und zwischendurch kamen die nicht minder freundlich gemeiuten Griitze des— wie die Artillerie zu sagen pflegt—„verehrten Jöfcnt Gegcnpaukanten"... Einmal übrigens hatte der Russe z» unserem Seidwesen Glück. Er streute wieder das Gelände ab, nud dabei fiel-ine seiner schweren Granaten in einen nahe bei den Geschützen errichteten Artillerieunterstand. Das gab ein böses Blutbad. Es blieb keiner von den zehn Mann, die gerade darin waren, am kleben. Doch was ist der einzelne Mann in ciucin solchen Niesenkampfe? Ter kleine� Flecken Bolimow an der Warschauer Landstraße, eine echt polnische Handelsstadt, hat an diesem Tage gesehen und gehört, was bisher kein Ort der Welt sab und hörte: einen Llrtilleriekampf von so ungeheurer Gewalt, ein Feuer aus Hunderten von todspcienden Schlünden, eine Tonnersprache, lvie sie zuvor vickst gekannt worden ist. Die Häuser der Stadt zitterten, weil unter ihnen die Erde von den rund herum stampfenden Geschützen bebte. Die Scheiben klirrten in den Fensterrahmen, bis sie platzten und zum Teil in Scherbeii herausfielen. Ganze Hauslvände de- kamen breite, klaffende Sprünge. Mittags, während des Essens im DivisionSguarticr, dessen Gefechtsstand im Hanse eines biederen chchneiderleins errichtet worden lvar, fiel uns, mitsamt dem Herrn General, der Kalk der springenden, bröckelnden Decke in die kräftige Bihnensuppe mit Rindfleisch, die aus der Feldküche bezogen worden war. Dort im Hause gab es aber noch eine besondere Tafelmusik; denn etwa soll Meter hinter dem Gefechtsstande der Division war eine Batterie der lll-Zentimeter-Geschütze aufgefahren und einge- haut worden, die aus ihren langgezogenen Fachbahnröhren mit Granaten� schössen. In kurzen Abständen von wenigen Minuten brausten Salven und Rollsalven über das armselige Haus dahin, dem Feinde entgegen. Es war ein so wiederlvärtiges Getöse, daß man sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte, weil jeder Schuß durch den kurzen, harten Knall in den Obren wehe tat. Das Haus zitterte, es zuckte ein unangenehmes Gefühl von der Erde durch die Füße in den Leib hinaus. Die Scheiben erregten unser Staunen durch ihre Elastizität; denn obgleich auch sie schon gesprungen waren, saßen sie doch noch in den Rahmen sest. Aus dem Dachfirst fcbvu aber außerdem noch ein ergrimmter Grobschmied zu sitzen, der bei jedem Schuß mit aller nur erdenkbaren Gekoalt einen schweren Hrmmerschlag auf das Haus niedersausen ließ.— Es war v'c Wirkung des ungeheuer großen Luftdruckes, den die ausreisen. den Geschosse verursachten, wenn sie zischend, hell aufleuchtend über das Dach hinwcgfnhren. Kleines Feuilleton. „Die vergessenen�. Die Vergessene»— das sind die Herren und Damen, deren Denkmätcr im Sommer Illll in Paris enthüllt werden sollten und die nun, teilweise noch in ihrer schützenden Hülle, teils von Sturm und Regen bereits dem Sonnenlicht entblößt, herumstehen, von niemanden beachtet und in diesen aufgeregten Feiten nur im Wege. Fn Paris mangelt es nämlich an Denkmälern, sagt ironisch der Plauderer eines Pariser Blattes. Man findet nur ein Dutzend nm die Sorbonne herum, nicht niehr als drei auf der Place MaleShcrbcs und höchstens eine Mandel auf dem Boulevard Saint- Germain. Der Sommer, ist die Saison der Denkmalseröffnungen, der Frciluftrcdeii und der Feste in der Angustspnnc, und die Pariser wallten sich wieder einmal au solchen Feiern vergangener Größe und gegenwärtiger Eitelkeit recht gütlich tun. Da kam der Krieg dazlvischen, kein Mensch hat mehr an die Feste gedacht, und nun sind die Statuen lvie die Rentiers: auch für sie gibt es ein Mora- loriui». Mit Trübsinn ertragen sie diese Wartezeit, eingehüllt in ihre Tücher lvie in lange Tranerschlcicr, und harren des Tages da inan sie der Oeffcntlichkeit und so gleichsam erst ihrem Äascin übergeben wird. An der Straßenecke der Ruc de Sevres und des Boulevard Raspail springt ein mächtiger weißer Steinblock ganz unvermittelt hervor. Zioei riesengroße Figuren, deren menschliche Gestalt man unter der dicken Ilmhüllung kaum unterscheidet, heben sich darüber empor. Der Wind bauscht und zerknittert die Tücher, bläht alle Linien und Formen auf und läßt diese plumpen Massen wie gespenstische Phantome erscheinen. Und doch verbergen sich darunter die Standbilder zweier anmutiger und edelmütiger Frauen, der guten Mine. Boucicaut und der wohltätige» Mine. Heine, die so viel für das Rote Kreuz getan haben, lind das Ganze ist ein Denkmal zu Ehren des Roten Kreuzes, eigentlich beute eine sehr zeitgemäße Ängekegeiiheik, aver von niemanden geahnt unter dein häßlichen und lächerlichen Mastenkleid, das das Denkmal um flattert. Rur, ivenii der Regen die Hüllen dicht an die Körper an- preßt, erhalten die beiden Damen plötzlich ein anmutiges Aiissehen und sind von ihren unsreiwilligen Tüchern lvie von fließenden griechischen Gewändern umschlungen. Im Luxeinbourg-Garteii füllt eine großartige Silhouette auf, die ebenfalls durch eine Um hüllnng entstellt ist. Es ist das Meisterlverk Rodins, das man „Das eherne Feitatter" nennt, aber das vielleicht eher in dieser ivundervollen Jünglingsgestalt das„Erwachen des Gedankens" sym- volisieren soll. Der Spaziergänger fragt sich, wenn er von wekkeni dies verdeckte Denkmal sieht, ob es sich um einen großen Brief- kästen oder eine Litfaßsäule handelt, und die Straßenkehrer scheinen der letzteren Ansicht zu sein, indem sie ihre Besen sorgfältig darinn grilppiercn. Nicht weit davon steht eine Säule zu Ehren Stendhals, dessen Rainen sie trägt, llever den goldenen Buchstaben aber ist ein großes Loch, in das das Medaillon mit dem Bilde des großen Schriftstellers noch eingelassen werden soll. Herumstehende Müßiggänger äußern die Ansicht, daß Wohl hier eine Uhr hineinkommeil werde; sie halten das für praktischer. Nicht weit von Stendhal trällmt George Sand mit unnvölkter Stirn, die Augen von Traurigkeit erfüllt, einen augenscheinlich wenig angenehmen Traum. Per- gebens lacht ihr gegenüber ein ganz unbekleidetes Marmormädchen — die komische Muse darstellend!— aus vollem Halse und steckt ihre Finger einer tragischen Maske in den Mund. Ein Schmied, der aus seinem Ainvoß sitzt, stellt die Arbeit dar. Der Ruhm krönt Leconte de Liste; eine Grazie kokettiert mit Watteau,-Banville, Murger, Verlaine, die Dichter, Louis Ratisbonne und Sainte- Beuve, die Schriftsteller. Mme. de-Segur, Gabriel Vicaire und Frederic Leplah stehen mißvergnügt in den Ecken des Gartens und schauen gelangweilt auf die Rasenflächen herab, lvie. wenn sie diese närrische Welt anklagen wollten, die sie erst hierher gesetzt hat und. nun plötzlich von ihrer Anwesenheit nicht das geringste wissen ivill.... �_ Der Lanössurmmann. Der Laiidsiurminann wird in Nr. 22 der„Kriegsflugblätter", des Beiblatts zur„Liller Kriegszeitung", in neun Zeicbnungen von F. Breest abgeschildert, die folgendes Selbstgespräch wiedergeben: Alto, ick stehe mal erscht zwee Stunn', vastehste?.(Von 1 bis 3.) Dann bin ick feine heraus jvon 3 bis 7), bis ick natirlich wieder zwee Stunn' zu stetzn Hab jvon 7 bis 9). Außerdem kannste hernach . und Plan is och iiich ville. Da jehste jernc wieder raus(von 1 bis 3). Man immer fachteken, et nimmt alles mal'n Ende, och dic freie Feit (von 3 bis 7), und so bin ick wieder zwee Stunn' feste iif'ni Posten �von 7 bis 9). so steh ick un steh ick nu enen Dag wie den andern un lvie zufrieden und jüicktlch ick dabei bin, det kann sich keen Mensch vorstellen. Die Lanöschüft zu 1,25!N. In den„Münchelier Neuesten Nachrichien" stand vor lurzeiu folgende Anzeige: „Flotter, akad. LandsckafiSnialer gesucht für Skizzen, 22: 23 nra, dauernde Liefg., begueme Arbeit. Angebote unter L. 316, Annoncen- Exped. William Braband, Hainburg ö, Langereihe 14." Ein Münchener Maler, der sich um die angebotene Arbeit bc- mühen wollie. erhielt auf seine Anfrage, wie der„Deutsche Künstler" mitteilt, nachstehenden Brief: „Aus Ihre Zuschritt teile ich Ihnen höil. mit. daß es sich bei der fragl. Arbeit um flott, aber doch künstlerisch ausgcfübrie. auf Pappe init Oelfarben gemalte und 22: 23 em große Land- schaflen bandelt, und zwar kviiiiten sie wenigstens 12— 14 solche verschiedene Motive wählen, die Ihnen nni leichlesten liegen. Ich ge- brauche hiervon jede Woche 24—36 Stück und zahle pro Suick M. 1,25 bis M. 1,50 je nach Motiv und Ausführung. Liefernng wöchentlich. Kaste sofort nach Empfang der Gemälde. Sollten Sie bereit sein, diese Arbeit anzunehmen, so bitte ich um umgehenden Bescheid und um Einsendung von zwei bis vier Stück Probebitdern. jedoch ohne Kaufverbindlichkeit meinerseits, die Sie sofort wieder zurückerhalten.>iie können auch nur einen Teil der Lieferung übernehmen. Hochachtungsvoll Bruno Witt, Hamburg 5, Kapelleustr. 22." Notizc». —• Thcaterchronik. Die Eröffnung des Künstler- Theaters ist wegen Erkrankung Bassernianns verschoben worden. Goethes„Egmont" geht erst am Sonnabend in Szene. Wegen der Erkrankung Bassermanns gelangt im Leising-Theater am DoiinerS- tag„Peer Gynl" zur Aufführung.— Im Frledrich-Wilbelm- städtischen Theater muß die Aufführung des„Troubadours" auf nächste Woche verschoben werden. Es geht daher am Freitag „Die Fledermaus" in Szene. — Der„F a h rm a n n". In der„Wiener N. Fr. Pr." wird die Anregung gegeben, statt Chauffeur(wörtlich— Heizer) die Bezeichnung„Fährmann" einzuführen. Das scheint ausnahmsweiie einmal ein vernünftiger Vorschlag zu sein, schon um den Unter- schied zwischen Schreibweise und Aussprache zu vermeiden. Vielleicht wäre auch der Ausdruck Fahrer oder Kraftfahrer angemessen. — Häusliche s Leben in R u s s i s ch- P o l e n. Ein Unteroffizier eines Landwehr-Regiments schildert— nach dein „Voigtländischen Anzeiger"— in einem Kartengruß da-Z bänsliche öeben in Russisch-Polen kurz und anschaulich also:„Hier laust sich der Vater, Hier laust sich das Kind. Hier laust sich der Herr lind auch das Gesind'. Ich sitz' als Ouartiergast In ihrer Mitt', Erst chaue ich zu, Dann lause ich init..." 50/o Deutsche Reichsanleihe, unkunöb« bw m4. 50/o Deutsche Reichsschahanweisungen. (Zweite Kriegsanleihe.) Zur Bestreitung der durch den Krieg erwachsenen Ausgaben werden weitere% Schuldverschreibungen des Reichs und»"/« Reichsschananweisungen hiermit zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. 1. Zeichnungsstelle ist die Rcichsbank. Heöingungen. Zeichnungen werden von Sonnabend, den 27. Februar, a» bis Freitag, den 19. März, mittags 1 Uhr der der und diese bei dem Kontor der llieichshauvtbaiik snr ZScrtpavicre in Berlin öllostichecklonlo Berlin Ar. 99) und bei alle» Fweiganttaltc» Rcichsbant mit«asseneinrichimi,, enigcgcngcnommcn. Die:',cichnilii-,en können aber auch durch Vcrmiltiung der Kdniftliche» iccliandlrniB(Preußischen Staatsbank) und der Pmisiüchen<5c»tral 00 Mark mit Zinsscheiiien zahlbar am 2. Januar und 1. Juli jedes Jahres. Der Zlnsentaus bcziniit am 1. Juli 1915, der erste Zins schein ist am 2. Januar 1913 sällig. � � � Die Tilguncz bei' Schcitzanweisun�en erfolgt durch Auslosung von sc einer Serie Zum 2. Januar 1921, 1. 19-1,— Januar 19L- und 1. Juli 1922. Die Auslosungen finden im Januar und Juti jedes Jahres, erstmals im Juli 1920 statt; die Rückzahlung geschieht an dem aus die Sluslosiing folgenden 2. Januar bezw. l. Juli. Welcher Serie die einzelne Schabaiiweifung angehört, ist aus ihm» Text ersichtlich. 2, Die Reichsanleihe ist in Stücken zu 20 000, 10 000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark ausgefertigt imd mit dem gleichen Zmsenlaus und den gleichen Zinsterminen wie die Schatzanwcisungcn ausgestattet. 4. Ter Zeichnungspreis beträgt für die Reichsanleihe, soweit Stücke verlangt werden, nnd sür die ReichSschalianweisunge» 98,50 Mark, für die Reichsanleihe, soweit Eintragung in das Reichsschuldbuch mit Sperre bis 15. April 1916 beantragt wird, 98,50 Mark sür je 100 Mark Nennwert. � Aus die vor dem 00. Juni 19t5 gezahlten Beträge werden 5 Stückzinsen vom ZahlungStage bis zum 50. Jmn an den Zeichner ver- gütet, aus Zahlungen nach dem 30. Juni bat der Zeichner ü0j0 Stückzinicil vom 30. Juni bis zum ZahlungStage zu entrichte». S. Tie. zugeteilten Stücke an Neichsschatzanweisungeii sowohl wie an Reichsunleihe werden aus Antrag der Zeichner von dem Mwiikir der Reichs- bauptbnnk sür Wertvapierc in Berlin bis zum 1. April t 916 vollständig kostenfrei ausbewahrt und verwaltet. Eine Sperre wird durch diew Niederlegung nicht bedingt, der Zeichner kann sei» Depot jederzeit— auch vor Abiaus dieser Frist— zurücknehmen. Die von dem Konlor jur sür die Zeichnungen bei der Polt iveröcn durch dic betreffenden Postanstallen ausgegeben. 7. Die Zuteilung findet tunlichst bald nach der Zeichnung stakt, lieber dic Höhe der Zuteilung ciilschcidct daS Ermessen der ZeichnungSstellc. Anmeldungen aus bestimmte Stücke und Serien können nur insoweit bcrückfichtigt werden, als die- mit den Interessen der anderen Zeichner verträglich erscheint. L. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Beträge vom 31. März d. I. an jederzeit voll bezahlen. Sie sind verpflichtet: dcS zugeteitten Betiages spätestens am 14. April d. I. 20. Mai d. o- ,„ 22. Juni d. I. ,„ 20. Juli d. I. „ 20. August d. I. runden, durch 100 teilbaren Beträgen. Beträge bis 1000, Mark einschließlich SINGER Nähmaschinen sind nur zu haben in Läden mit nebenstehendem Schild oder durch deren Agenten. 'Siier Co. iiasoion M Ges. Berlin W.8, JLeipseiger Straße 92. Verkaufsstellen in allen Stadtteilen. H.' IX U C II(1 I. I Xi. V.'> i"il Hl--______________________— LerantwortUchcr Rcbdftcur: Alfrcd�Wi clcppVNe u löll rü~"g ür de» Merätenteilverantw.: Th. Glocke.Berlin. Druck'».Verlag: Borwärt» Luchdruckcccl u. VerlagSanjtalt Paul«inger& Ev,'Berlin b.v. 20' 20'/,. 15%. 15%„,„ zu bezahlen. Frübere Tcilzahküngen sind zulästig, jedoch nur sind bis 14. April d. I. iNigeieilt zu berichtige,,. � 9. Zwischenscheine sind nicht vorgeieben. Tic?IuSgabc der endgüliigcii Stücke wird Aniang Mai beginnen. �___ 10. Dir am I. April d. I. zur Rückzahlung fälligen tit» t»«G«00 Mark I% Trutiche Reickisichasianwe, inngen Von XSII, Serie I, werden bei der Begleichung zugeteilter Kriegsanleihen zum Rennwert in Zahlung genommen. Berlin, im Februar 1915, Reichsbank-Direktorium. H a v e n jt e i n. v. kA r i nt ni. ISalemAleiktiml G mmmwzrjmzmzitmmmmmmmmmmmiz&i. G | Sdem Gold| �igareflen| f" �- I für unsere Krieger | durch die feldposi| Preis: N9 3% 4 5 6 8 IQ 3% 4 5 6 Ö lOPf.dSldc| | 20 Stck. Salem Cigareüen Porioirei? � | 50 Stck. Salem| Irasifid? FABRIK- ANSICHT 5», ÖrienLTabak-u.Cigarettenfabri� �;,y�nidZB"PrP5den,Jnh.HugoZ(B� �3 HöFlieferant 5. M. d. Königsv.SacfiVen Mi-