Nr. 53.- 1915, Unterhaltungsblatt öes vorwärts Donverstag, 4. Mörz. Krankenbesuch. Er war so jung; so ganz erfüllt von Licht und heit'rer Zukunftszuversicht; des Zweifels bar und der Gewißheft reich: Ein jeder Tag mit seinen bunten Stunden sei Tat und Fest zugleich; sei Ziel und Weg und mit dem morgen brüderlich verbunden, wie er am gestern hängt. Was in uns wirkend zur Gestaltung drängt, und sich vollendet außer uns als Tat, war Schrift und Stufe ihm, war Frucht und Saat; viel schöne Blüten sah er in der Ferne. Wenn ich die Sonne noch nicht haben kann, so sprach er oft, erfteuen mich die Sterne. Bin ja noch jung und wohl der rechte Mann, daß andere aus mir entsprießen werden, die froh vollenden, was ich hier begann. Die 5kinder, Freund, die sind das Salz auf Erden! Wer will sich da mit Zweifeln sorgen? Wir sind das heute, sie das morgen, dem nah sich die Erfüllung zeigt. Wohl ihnen, deren Angesicht den Tag einst schauen wird, das Licht... Die Menschheit steigt.— Und nun? Still gab er mir die Hand. Ein fahles Antlitz sah aus dem Verband mit müden Augen, leer und stier. Sie schauten wie aus weiter Ferne her zu mir, als sei der Leib, doch nicht die Seele da; als kreise sie im Räume wurzellos um Furchtbarkeiten riesengroß, die nie ein menschlich Auge sah. — Kennst Du mich nicht?— Es zuckte leis in seinem Angesicht. Er nickte, flüsterte dann zu mir hin: Kennst Du mich denn? Weißt Du denn, wer ich bin? Seitdem ein Kolben diesen Schädel traf, liegt das was Freund dir war, im letzten Schlaf. Bald stirbt, so hoff' ich, auch der ftübe Rest... — Und sahst in jedem Tage einst ein Fest.— Wild schaute, fahl mich die Grimasse an: Wird dem ein Fest, der nicht mehr schaffen kann? Dem man die Hoffnung aus der Seele riß, und der nun wandelt in der Finsternis? — In sie auch fällt wohl noch ein lichter Schein: Die nach Dir kommen, werden Hoffnung sein.— Er sah mich an, leer, müde, ttef verloren, in ferne Schrecknis eisern festgebannt: Was ist der Mensch? Aus Liebe wohl geboren und dann im Haß verweht wie dürrer Sand. Ein Tier, von hochmutvollem Wahn besessen, geübt in Worten schöpferisch und mild, geübter noch, die Worte zu vergessen, und von Vernichtung ganz und Wut erfüllt. Sein Wesen: Schein und Widerspruch, bis er dann im Zusammenbruch den Tod sieht als Erlöser steh'n... Wohl ihnen, die das Licht nie feh'n! Denn nur die Lebenden sind die Verlorenen, und glücklich nur die Ungeborencn... Er seufzte, lächelte... Dann kam die Ruh'. Die Schwester drückte ihm die Augen zu. Ernst Preczang. Der Laubenkolonist. Scr-r Ausbruch des Krieges habe ich hier mehrfach Ratschläge erteilt, die den durch die Kriegslage veränderten Verhältnissen Rech- nung tragen. Es liegt jetzt nicht nur im ureigensten Jntereffe eines jeden Laubenkolonisten, Garten- und Parzellenbesitzers oder -Pächters, an die ich mich auch wende, durch sachgemäße Matznahmen dem Grund und Boden die höchsten Erträge abzuringen, sondern es liegt dies auch im Jntereffe der Allgemeinheit. Die notwendigsten Nahrungsmittel, namentlich die Landesprodukte, steigen ständig im Preise. So ist u. a. der Preis der Erbsen, unserer wichtigsten Hülsenfrucht stark in die Höhe gegangen, auch eine erhebliche Teue- rung der weißen Bohnen trat ein. Die gegenwärtigen Preissteige- rungen wiegen um so schwerer, als sie sich naturgemäß auch auf Feldftüchte, Getreidearten usw. erstrecken, die wir im Lande nur wenig oder gar nicht anbauen können, wie Reis, Linsen, Kaffee, Kakao usw. Mittelbar ist ja der Laubenkolonist und Kleingarten- besitzer nicht in der Lage, auf die Preisgestaltung der Boden- erzeugniffe mildernd oder regelnd einzuwirken, aber doch unmittel- bar dadurch, daß er die Marktlage erleichtert und die Nachfrage der- mindert, indem er so viel als möglich zum eigenen Bedarf heran- zieht. Um den ganzen Bedarf cm Gemüsen, zum Teil auch an Hülsenfrüchten für eine Familie von mätziger Kopfzahl dem selbst- bebauten Boden abzuringen, dazu gehört freilich eine Gartenfläche von etwa 3lX> Quadratmetern, und 400 bis 500 Quadratmeter sind da erforderlich, wo auch der eigene Bedarf an Kartoffeln durch Selbstanbau gedeckt werden soll. Wenn man bedenkt, daß in 'Groß-Berlin rund 45 000 Lauvenkolonisten Nutzgartenbau be- treiben, daß sich zu diesen auch noch Tausend und aber Tausend von Gartenpächtern und Parzellenbesitzern gesellen, die namentlich in den östlichen Vororten ausgedehnte Landstrecken bewirtschaften, so wird man verstehen, daß die wohlüberlegte, sachgemäße Bebauung der hier in Frage kommenden Ländereien, die früher nicht nur Oedland waren, sondern teilweise sogar als Unland angesprochen werden mutzten, bei der Erzeugung wickiiger Nahrungsmittel in der Reichshauptstadt eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. In dieser Kriegszeit wird die Wichtigkeit der Laubenkolonien und Kleingärten in allen Kreisen der Bevölkerung, auch von allen einsichtigen städtischen Behörden, anerkannt und gefördert. Nicht nur in vielen Großstädten, sondern auch in zahlreichen kleineren Orten, aber noch nicht in Groß-Berlin, haben die Behörden auf städtische Kosten Tausende von Kleingärten geschaffen, eingeftiedigt, mit Wafferlettungsanschlutz versehen, überbaupt in jeder wünschens- werten Weise ausgestattet und den Jntereffenten gegen eine niedrig bemessene Pacht zur Verfügung gestellt, auch Armenäcker einge- richtet, die Mittellosen zum Anbau von Kartoffeln usw. kostenlos überlassen werden. Was jetzt in dieser Hinsicht geschieht, wird nicht nur während der Kriegszeit sondern auch nach Friedensschluß auf unabsebbare Zeiten segensreich wirken. Wir müssen jetzt mit der Bewirtschaftung der Parzellen be- ginnen, den Boden vorbereiten, d. h. d ü n g e n und graben. Für die Düngung kommen in erster Linie Kompost oder Stallmist in Frage. Wie der Laubenkolouist den Komposthaufen anlegt und be- arbeitet, um dadurch einen Teil der erforderlichen Dungstoffe selbst zu erzeugen, habe ich schon früher einmal ausgeführt. Die An- Wendung von mineralischem Dünger vermeidet man in unserem Sandboden am besten; eine Ausnabme macht nur das Kalken des Bodens, wo es erforderlich ist, ha Kalk die Grundlage jeder Dün- gung bildet. Man wendet in Sand- und Moorboden kohlensauren Kalk an. In der gegenwärtigen Zeit, in der auch Kunstdünger aller Art/namentlich die wichtigen Stickstoffdünger, im Preise ungewöhn- lich gestiegen, ja überhaupt nicht mehr erl, ältlich sind, möchte ich noch einmal auf den Wert des Geflügeldüngers hinweisen. Die Lauben- koloinsten, die Hühner und sonstiges Hausgeflügel halten, und die Besitzer von Taubenböden müssen den Geflügeldünger, den wert- vollsten aller Stickstoffdünger, sorgfältig aufsammeln, wenn irgend möglich in Säcken oder Kisten, und trocken lagern; er darf erst im Frühling ausgestreut werden, wenn das junge Wachstum eingesetzt hat, da er sofort zu wirken beginnt und, auf den Komposthaufen gebracht, viel von seinen wichtigsten Bestandteilen verliert. Der S a m e n b e d a r f muß sofort eingekauft werden. Ich empfehle den vermehrten Anbau der Hülsenfrüchte, die man nur zum Teil im grünen Znstand verbraucht zum Teil aber ausreifen läßt, danach an der Luft trocknet und an den Winterabenden für den Küchenbedarf auskernt. Das ist eine von den Kindern gern getane Arbeit Von Bohnen kommen für die Körnerernte natür- lich vorzugsweise weiße Sorten in Frage, von Erbsen die rund- kernigen, nicht runzeligen. Buschbohnen gebe man vor«stangen- bohnen den Vorzug, weil sie früher mit der Ernte einsetzen, mühe- los zu pflücken sind, und weil �Stangenbohnen die Nachbarbeete stark beschatten. Bei Vorbereitung der Parzelle beachte man, daß Hülsenfrüchte und ebenso Wurzelgemüse frische Stallmistdüngung nicht vertragen, aber auch in nährstoffarmem Boden nicht gedeihen. In solchem gibt man vor der Bestellung reichliche Kompostdüngung. Schon jetzt werden die ersten Erbsen gelegt, zunächst in den frühesten, niedrigen Sorten, die man nicht steugelt, die aber auch nur einen sehr bescheidenen Ertrag geben und deshalb� mehr eine Luxuskultur darstellen. Wem es deshalb nicht darauf ankommt, möglichst früh grüne Schoten zu haben, der lege nur hochwachsendc, später zu stengelnde Sorten. Die frühesten Erbsen legt man etwas tiefer als sonst, im Sandboden 6 bis 8 Zentimeter tief, denn es kommt vor, daß sie noch unter Frösten leiden. Liegen sie zu flach, so erfrieren sie in solchem Falle vollständig, werden auch leicht durch Vogelfraß vernichtet, liegen sie aber tiefer, dann erfrieren nur die Triebspitzen, die den Boden bereits durchbrochen haben. In diesem Falle erfolgt aber neuer Austrieb, so daß der ganze Schaden ledig- lich in einer kleineren Verzögerung des Erntebeginnes liegt � Die frühesten Sorten werden bei uns Ende Juni erntereif. Die Ernte erstreckt sich bis zum Hochsommer, wenn man in Zwischenräumen mehrere Saaten macht, die zweite Saat dann, wenn die erste aufgekeimt ist, die dritte nach Auflauf der zweiten und so soft. Im Hochsommer mißraten Erbsen unter Einwirkung von Hitze und Dürre, auch werden sie dann oft vom Mehltau befallen. Gleich- zeitig mit den ersten Erbsen legt man die bei uns loenig verbreiteten wetterharten großen Saubohnen, die ettvas höhere Anforderungen an die Bodenkraft stellen,_ im Moorboden trefflich gedeihen, in trockenem und hungrigem � Sandboden aber oft förmlich von schivarzen Läusen gefressen werden. Die Ernte beginnt im Hochsommer. Alle anderen Bohnen sind frostempfindlich; man legt die ersten anfangs Mai und dann iveiter inimer etwa bis zum Hochsommer, da bei ihnen inr Gegensatz zu den Erbsen auch die späteren Saaten noch volle Er- träge liefern. Reife Bohnen für den Winterbedarf erzielt man aber nur von der frühesten Saat, in sehr warmen Sommern auch noch von Saaten, die bis Ende Mai gemacht wurden. Ilm eine be- sonders frühe Ernte zu haben, kann man auch Bohnen in Töpfe legen, drei Stück in je einen Topf von etwa 8 bis 10 Zentimeter Weite, am Zimmerfenster antreiben und dann Mitte Mai mit Topsballen au�flanzen. Man hält für jeden so gepflanzten Dusch einen leeren Blumentopf bereit, um ihn damit vorübergehend in kalten Nächten zu decken. Besonders wichtig ist in Kriegszeiten der Anbau früher Kartoffeln........ Ein großer Ansporn zum Anbau von Frühkartoffeln liegt in der Festsetzung eines Höchstpreises von 10 M. pro Zentner. Ein solcher Preis lohnt die Arbeit des Kolonisten. Beschaffung der Saatkartoffeln eilt aber, denn die Samenhandlungen fordern leider schon bis 14 M. für den Zentner. In gutem Boden kann man vom Morgen 50 bis 100 Doppelzentner ernten, während man auf ungcdüngtem Oedland oft nicht einmal die ausgelegte Saatgut- menge wieder herausbekommt. Gedüngter Sandboden ist zum An- bau von Frühkartoffeln sehr geeignet. Die besten Saatkartoffeln liefern mittelgroße, gesunde und schorffreie Knollen. Kartoffeln legt man bekanntlich nicht vor An- sang April, und die Ernte der frühesten Sorten beginnt nicht vor Anfang Juni. Die Namen frühester Gemüsesorten, das möchte ich hier hervor- heben, führen den Laien meist irre. So sind, um nur zwei Bei- spiele anzuführen, die Erbsen„Allcrfrüheste Mai" und„Aller- früheste Ernte" nicht schon im Mai pflückreif, sondern erst im Juni, und die sogenannten Sechswochenkartoffeln' reifen nicht sechs Wochen nach dem Legen, sondern im allergünstigsten Fall erst zehn Wochen danach. Man kann aber bei Frühkartoffeln die Ernte ver- frühen, wenn man die Saatknollen vor dem Auspflanzen im warmen Zimmer oder in der Küche etwas anfteibt. Dies geschieht durch Auslegen der Knollen in mätzig warmem, Hellem Raum. Hier welken sie und treiben aus. So vorbereitet, werden sie dann« ohne Verletzung der jungen Triebe, ausgepflanzt; sie wachsen nun sofort weiter, während die nicht angetriebeneu mehrerer Wochen be- dürfen, bis sie die ersten Wurzeln und Triebe entwickeln. Unser lockerer Sandboden, der von Natur üus warm ist, eignet sich in her- vorragendstem Maße zur Kultur ffir Frühkartoffeln. Auch mittel- frühe Sorten, wie die bei uns so schön gedeihende Kaiferkrone, die Sorte Erfurt, Paulsens Juli u. a., reifen etwas früher, wenn man sie in der oben geschilderten Weise antreibt und dann vorsichtig auspflanzt. Es wird schon manchem Kolonisten aufgefallen sein, daß die Samen vieler Nutzpflanzen ziemlich frosthart sind, zum Teil selbst Samen von Pflanzenarten, die sich sonst als sehr wärmebedürftig erweisen. E>o sieht mau im Vorsommer häufig da Tomaten keimen» wo im Vorjahre rxife Früchte abgefallen und verfault waren, während die Tomatenpflauzen selbst schon dem ersten schwachen Frost zum Opfer fallen. Die Frostbeständigkeit mancher Samen- ö3j Ueberfluß. Von Martin Andersen Nexö. Er hatte viel Uebung im Kombinieren, und was er all- mählich von der gnädigen Frau herausbekam, formte sich zu einem seltsamen Bilde, so daß er feinen ursprünglichen, klein- lichen Plan mit den Prozenten zugunsten eines größeren verwarf und ihr bewundernde Blicke zuzuwerfen begann. Entscheidend war namentlich ihre Frage, wie lange man in der Stadt für hunderffünfzig Kronen leben könne. Daraus ging deutlich dreierlei hervor: daß sie Geld hatte, daß sie es irgendwie durchbringen wollte, und daß Aussicht vorhanden war, sie wieder loszuwerden. Und als der Wagen in einer Nebenstraße hielt, bezahlte er selbst den Kutscher. Das Hotel lag im zweiten Stock. Er bot ihr galant den Arm, und während sie die schmutzigen Treppen hinaufstiegen, drückte er ihren Arm und flüsterte bekümmert: „Mit hundertfllnfzig kommt man hier nicht weit.� Aber Ihr Mann schickt Ihnen natürlich mehr, wenn Sie es brauchen?" „Nein," erwiderte sie hilflos. „Er kann Sie doch unmöglich umkommen lassen!" „Nein, aber er wird der Ansicht sein, ich könne ja nach Hause reisen." „Uian," sagte der Agent unwillkürlich. „Was meinen Sie?" fragte sie niedergeschlagen. „Ach, die verfluchte Treppe, man bleibt fast an den Absätzen hängen. So ein Tyrann, sagte ich übrigens— denn das ist er." „Hören Sie mal." rief er plötzlich und blieb auf den: Treppenabsatz stehen, sie mit ungeschickter Harmlosigkeit be- trackftend,„ich habe zwei Zimmer hier im Hotel, die stehen fast immer leer, weil ich so viel auf Reisen bin. Es würde mich freuen, wenn Sie die benutzen wollten. Sie sparen doch immer etwas dabei, und für mich kommt es auf eins heraus, da ick, ia dock, fort bin.— Wir können sagen. Sie wären meine Schwester." fügte er hinzu. Ein wenig beklommen starrte sie vor sich hin. Der Agent gefiel ihr zwar, aber gefiel er ihr denn in dem Maße, daß sie ein solches Angebot annehmen konnte? Allerdings machte es nichts aus, da er ja immer fort war; und als Erlebnis betrachtet, war die Sache amüsant,— wenn auch ein wenig Hals über Kopf, selbst für so eine Begebenheit. Aber das hatte sie auch von dem gestrigen Benehmen des jungen Mäd- chens auf Deck genieint, und später war sie betrübt und neidisch gewesen. Wenn sie nun nein sagte und es doch der Anfang zu mehr lväre! Trotzdem empörte sich etwas in ihr, und einen Augen- blick hatte sie die größte Lust, sich gegen diesen Mann zu kehren und ihm das Gesicht zu zerkratzen. Aber er ersparte ihr die Antwort, indem er sie ohne weiteres in den zweiten Stock führte und klingelte.„Jetzt darfst Du nicht vergessen, Du zu mir zu sagen," flüsterte er, als drinnen Schritte zu hören waren. Ter Hausknecht öffnete. „Guten Tag, Hans," sagte der Agent, hier bringe ich meine Schwester, Frau Sörensen aus Domborg. Sie wird bei mir wohnen, während sie sich die Stadt ein bißchen ansieht." Das Gesicht des Hausknechts war im Begriff loszu- grinsen, aber ein drohender Blick des Agenten verhinderte es. „Siehst Du, das ist also mein Jnnggesellenncst," sagte er, als sie in seinen Zimmern standen.„Für ein Frauen- gemach ist es nicht berechnet, doch ich hoffe, Sie— Verzeihung, Du wirst nicht zu kritisch sein. Aber was bin ich doch für ein Tölvel, Tu weißt ja nicht einmal, wie ich heiße. Elias Jochumsen— ein gutmütiger Name, nicht wahr? Und Du heißt?" fragte er und reichte ihr die Hand. „Laura," erwiderte sie lachend. Er war in allen: so drollig geradezu. „Laura!" wiederholte er mit den: Ausdruck froher Ueber- raschung. und bevor sie es sich versah, hatte er sie an sich ge- drückt und geküßt. Sie sah beleidigt aus. „Au," rief er niit konrischem Schreck,„ich bin doch auch ein richtiger Elown! Ich wollte Ihnen— ä— Dir bloß zeigen, wo die Servante steht. Aber ich bin bereit, Dir Ge- nugtming zu geben." „Nein, ick danke." sagte sie und lachte widerstrebend. „Ich bin nicht rachsüchtig." „Doch das sind alle Frauen— in diesem Punkt," sagte er und näherte sich ihr mit großen runden Augen. Rückwärtsgehend entzog sie sich ihm. um den Tisch herum, und flüchtete mit warnrein, glucksenden Lachen, als ob sie gekitzelt würde. Plötzlich sprang er u» entgegengesetzter Richtung, packte sie an den Armen und warf sie aufs Sofa. Aber sie stemmte ihre Finger gegen seinen Hals und biß ihn wütend in die Hand. Schreck und sprachlose Verblüffung im Auge, zog er sich rnitten ins Zimmer zurück.„Nun klingle ich dem Mädchen nnd bitte sie, reine Laken aufzulegen und zu besorgen, was Sie sonst nötig haben," stamniette er und wich zur Tür zurück.„Sie sind von der Reise sicherlich recht ermüdet." ' Als er in der Tür zum anderer: Zimmer stand und sie keine Miene machte, ihn weiter anzugreifen, fand er seinen Mut wieder. „Es sitzt ein Schlüssel hier in der Tür," sagte er spöttisch; „denken Sic daran, ihn dreimal umzudrehen!" Dann schloß er die Tür zwischen sich und ihr, nahm Kognak und Zigarren hervor und legte sich auf die Chaiselongue. Mit verdutztem, grübelndem Gesichtsausdruck blies er den Rauch von sich, tauchte von Zeit zu Zeit sein Taschentuch in das Kognakglas und badete die verwundete Hand. Ein verfluchter Biß war's! Und wenn nun gar noch Blutver- giftnng entstand— Altweibexzährre waren gefährlich! Er hatte die größte Lust, die Sache aufzugeben, aber hundert- fünfzig ftrorren waren auch Geld— außer NaturalibuS— und wie sollte er sie außerdem schon jetzt auf anständige Art vor die Tür setzen? Er dachte vorläufig nicht weiter daran und legte sich zu einem Schläfchen zurecht� Zur Mittagszeit weckte ihn heftiges Schluchzen aus dem anderen Zimmer. Er richtete sich auf und lauschte— gewiß, es war die„Wildkatze". Nun, das war nicht die schlimmste Wendung, die die Dinge nehmen konnten— auf Tränen verstand er sich entschieden besser als auf Bisse. Vorsichtig klopfte er an die Tür. öffnete sie ruhig und ging hinein. Frau Sörensen lag zu Bett, das Haar war wirr über dem Kissen ausgebreitet, wie vom Winde gepeitscht; den Arm hatte sie über die Augen gelegt, und ihr Gesicht war gerötet und vom Weinen mit Blut gefüllt. Jochumsen konnte ver- weinte Frauen gut leiden, es lag so etwas Gefügiges über ihnen; still setzte er sich auf den Bettrand und ergriff ihre Hände.„Laura," flüsterte er,„Laura." Sie rollte sich herum und legte den Kopf auf seinen Schoß: „Ich brauche jemanden, der ein wenig gut zu mir sein und mich verstehen will. Ich habe niemand, gar niemand/ flüsterte sie. ßortf. folgt' arten ermZglicbt uns die Ausführung von Wintersaaten. Wichtig sind seht die Spinatsaaten. Die dem Boden anvertrauten > arten Körner quellen unter Einwirkung der Feuchtigkeit, und die tNör�sonue bewirkt rasch die Keimung. Bon dieser bis zur Ernte- fcchigfeit vergehen nur wenige Wochen. Der Winter- und Früh- jahrssvinat ist bekanntlich der beste, im Sommer ist Spinat dagegen ein undankbares Gemüse, da er an warmen Tagen nur kleine Blätter bildet und rasch in Samen schießt. Auch Karotten, die sich lange Zeit zur Keimung nehmen, kann man im Winter säen, die ersten schon im Februar, und zwar breitwürfig. Da die Samen mit Widerhaken versehen sind und sich infolgedessen zahlreich zu- sammenhängen, was das gleichmäßige Ausstreuen unmöglich macht, so verlange man stets abgeriebene Saat. Für die erste Saat ver- wendet man die frühesten kurzen und stumpfspitzigen Sorten, die auch im Geschmack die feinsten sind, für spätere Saaten die ergie- bigeren langen, meist llstöhren genannten, die uns unseren Winter- bedarf liefern. Hd. Die Dardanellen in öer Kriegs- gesthichte. Der Versuch der verbündeten englischen und französischen Flotte, durch eine starke Beschießung den Durchgang durch die Dardanellen zu erzwingen, bedeutet ein neuc-Z 5tapilcl in der Geschichte dieser berühmten Meerenge, mit der so viele politische und strategische Probleme verknöpft find. Ter englische tlldmiral Duckworth, der Führer der britischen Flotte, dem es am 19. Februar 1807 zum letztenmal gelang, wider den Willen der Türken in die Meerenge hineinzukommen, hat einen Angriff aus die Tardanellen„eine der gefährlichsten mild schwierigsten Unternehmungen der Kriegs- gesthichte" genannt. Ihre strategische Bedeutung haben die Tarda- nelleii erst seit dem Aufkommen der Geschütze erhalten, denn die Kanonen beherrschten nun die enge Straße, während vorher die Durchfahrt nur durch eine Flotte verhindert werden konnte. Doch batte der Hellespont, wie ibn die Alten nannten, schon vorher in der Kriegsgeschichte eine große Rolle gespielt, seit dem berühmten Usbergang des Zlerxcs, der auf einer riesigen Brücke aus 300 Schiften stromabwärts seine gewaltigen Heere hinabführte. Alexander der Große setzte dann hier nach Asien über. 1336 über- schritten die Türken die Meerenge und hatten nun als Herren von Konstantinopel und Beherrscher des Landes nur einen Angriff vom Meere aus zu fürchten. Von nun an war das Problem einer starken Befestigung der Dardanellen für die Sultane eine Lebensfrage, der fw immer Wieder ihre Aufmerksamkeit zuwandten. So hat auch Moltke bei seinem Besuch in der Türkei eine Denkschrift über die Befestigung der Dardanellen für den Großherrn ausgearbeitet. Zunächst erbaute«ultan Mohammed II. 1462 die beiden„alten" Schlösser Seddil-Bahr und Tschanak-Kalessi, jetzt Kale-Sultanieh; ihnen gegenüber errichtete 1630 unter Mohammed lV. der Groß- Wesir Achmed Köprüli die„neuen" Dardanellenschlösser Kum-Kale und Killid-Bahr. Alle späteren Befestigungen wurden dann um diese mit Riesenkanoricu ausgerüsteten und vielfach ausgebauten Schlösser gruppiert. Immer wieder haben die Türken diese groß- artigen Befestigungsanlagen den Fortschritten des Fortifikations- Wesens und der Waffentechnik anzupassen gewußt und bis in die neueste Zeit an� ihrer„Modernisierung" gearbeitet; wenn sie dies einmal vernachlässigten, so hat sich das bitter gerächt. Lange Jahr- hunderte waren die Türken imstande, die Hauptstadt zu schützen, und wußten in den heftigen Kämpfen mit den Venezianern die Durchfahrt durch die Dardanellen stets zu verhindern. Erst am 26. Juli 1770 oelang es 7 russiWen Krieg-fchiften unter dem Befehl des ÄdmiralS Elphingftone, die Türken zu überrumpeln; sie drangen unbehindert durch die Befestigungen durch, da die Geschütze keine Munition hatten, gelangten aber nur an Kum-Kale und Seddil- Bahr vorbei bis Kepcs-Burun; weiter tvagien sie sich nicht vor. Ter heilsame Schrecken, der durch diesen Uebersall verursacht wurde, veranlasste die Türken zur Ausbesserung der Befestigungen; doch wur- den diese Arbeiten, die der Baron von Tott zunächst energisch durch- führte, bald wieder vernachlässigt. Tie Folge davon war. daß 1807 eine englische Flotte von 8 Linienschiffen, 4 Fregatten und einer Anzahl kleinerer Fahrzeuge ohne jede Behinderung die Dardanellen passierte. Am 20. Februar 1807 erschien zum ersten Male feit 1483 eine feindliche Flotte vor der Hauptstadt des Ottomanischen Reiches. Große Erfolge konnte sie aber nicht erzielen, denn die Türken armierten nun ihre Schlösser und Forts mit fieberhafter Eile; die Engländer fürchteten, in eine«Falle zu geraten, und traten am 2. März eiligst den Rückzug an, wobei sie durch die nunmehr in- standgesetzten türkischen Geschütze schwere Schäden erlftten. Seit- dem ist keine Erzwingung der Durchfahrt mehr geglückt. Die Blockade der Dardanellen durch die Russen 1820 tvar ohne Erfolg. und die Durchfahrten der Russen 1833, der Engländer und Fran- zosen 1833 und der Engländer 1878 erfolgten mit Erlaubnis der .Hohen Pforte und geschahen zum Schutze der Türken. Auch die Beschießung der Italiener im Jahre 1912 verlief ohne jeden Erfolg. kleines Keuilleton. „Nach öer Natu?." In der Zeitschrift„Der Mcrker" macht Hans Wantoch zum Thema„Kitsch im Kriege" einige Bemerkungen, die viel Zutreffen- des enthalten: „Was wird eine spätere Zeit dazu sagen, wenn sie diese Hefte besieht? Denn in ihnen soll das Wort durch das Bild unterstützt werden. Aber es wird gefälscht. Für diese Zeichner, die entweder im Jahre 1713 oder auf dem Monde leben, sind die sämtlichen 900 990 Artikel, Feldvostbricse und Tagebücher über die Leere des Schlachtfeldes, dft Unsichtbarkeit des Gegners und die qualvolle Unsauberkeit in Schützengräben, Baracken und Bauernhütten nicht geschrieben worden. Leere des Schlachtfeldes ist unsinnlich, U:i- sichtbarkeit des Gegners weniger dramatisch, und nnpoetisch die Un- sauberkeit in den Gräben, in denen unsere Truppen, an deutsche Reinlichkeit gewöhnt, manche vom Großstadtluxus verwöhnt, trotz beschmierten Wämsern, zerrissenen Röcken und Ungeziefer aller Art tapfere Soldaten stird und Helden. Unpoetisch, undramatisch, un- sinnlich! Also zeichnet der Zeichner statt Leere des Schlachtfeldes Kavallerieattacken, statt Unsichtbarkeit des Gegners Arftlleriekano- naden auf 200 Schritt(!!), statt des Krieges wie er ist, und oft mehr Heroismus zum Ertragen des Schmutzes als der Todesgefahr an- fordert, ein Manöverfeld— was sage ich?— eine Kaiserparade! Hier wird zum Kriege gesagt:„Bitte recht freundlich!" und dann wird er gezeichnet„nach der Natur". Wie armselig, wie lahm und leer ist doch eine Phantasie, die Heldentum sich nur mit der Gebärde des geschwungenen Säbels, Sieg nur in Form einer hoch- geworfenen Mütze und eines aufgerissenen Maules und Tapferkeit nur in schimmernder Wehr vorzustellen vermag! Aber die Wehr ist vom Pulverdamps, Sraub und Kot und Blut um den Schimmer gebracht. Zu müde, viel zu müde sind die Soldaten nach erstürm- tem Sieg, um Hurra! zu schreien. Und nie, niemals werden unsere Kinder aus diesen Blättern entnehmen, wie sehr, wie unsäglich ihre Väter gelitten haben und wie herrlich groß sie waren, weil sie trotz dieser Leiden freudige Helden gewesen, die Leiden Überwanden und siegten. Hier aber sind nicht unsere Truppen verherrlicht, die wir Über den siebten Himmel erheben wollen, sondern der Krieg, den wir nicht verherrlicht sehen möchten. Denn dieses Larcd, die Heimat zu lieben, wollen wir unsere Kinder lehren, mit aller Inbrunst, bis zur Selbstvernichtung, bis zum Lpfertod in der Schlacht, aber nie die Schlacht lieben um ibretwillen, den Krieg an sich. Das wäre undeulsch. Und so sind diese schleuderhaften, unsachlichen und wegen ihrer Oberflächlichkeit in der Tendenz verderblichen Hefte undeutsch im tiefsten Sinne. Unkunst wird hier, wie überall, letzten Endes Unmoral."_ Das Leben üer Deutschen m Lonöon. Ein Mitarbeiter der„Daily News", der mit den Verhältnissen der setzt in London lebenden Deutschen und Oesterreicher sehr vertraut ist, gibt einen interessanten Einblick in das Leben, das unsere Landsleute in der englischen Hauptstadt führen. Er hat mit einer beträchtlichen Anzahl der offiziell auf 16 000 geschätzten Deutschen und Oesterreicher in London sich unterhalten, hat die Eafes, Restaurants und andere Zufluchtsstätten vom Westend bis in die Nähe des Hafens besucht, wo sie sich aufhalten und vieles in Erfahrung gebracht, was sich sonst dem Blick des Engländers ver- birgt. In einigen Kellnerheimen, wo sich Deutsche aufhalten, er- fuhr er, daß deutsche Kellner in kleineren englischen Gasthöfen An- stellung finden, während die großen Hotels den„Feinden" aller- dings jetzt verschlossen sind. Ebenso stellt man in den Penstonen deutsches und österreichisches Personal an, weil es billiger ist als erfahrenes englisches, das überhaupt schwer zu bekommen ist. Die Kellner sind mit der Behandlung ganz zufrieden; sie beklagen sich nur darüber, daß man die persönlichen Verhältnisse zu wenig be- rücksichtiqe und verheiratete Familienväter entlassen habe, während junge Männer ihre Stellen behielten. Was die anderen Berufe angeht, so sind deutsche Zimmerleute zum größten Teil stellungs- los, während deutsche Schneider sehr gesucht sind. Sie verdienen recht gut. und ebenso gibt es eine Anzahl deutscher Knopfmacher, die in den Fabriken angestellt und dort unentbehrlich sind. Deutsche Schlächter und österreichische Bäcker finden ausreichende Beschästi- gung. Schlecht sind die Aussichten für deutsche Schriftsetzer, und am schlimmsten haben es die zatjlreuqen deutschen Friseure, die keine Stellung finden.„Die Deutschen, die man in Hinterräumen verstecken und unauffällig beschästigen kann, verdienen ihr Brot," klagte ein Friseur,„aber für die, die durch ihren Berus in Be- rührung mit den Kunden gebracht werden, ist wenig Aussicht auf Beschäftigung." Der Verfasser besuchte mit einem österreichischen Kunsttischler ein Bierhaus, in dem sich seine LandsleMe zusammenzufinden pflegen. Die Engländer, die hier verkehren, sind an die Anwesen- heit dieser Fremden ganz gewöhnt, und es fällt ihnen nicht auf, wenn sie sich deutsch unterhalten! sodann erhielt er auch Zutritt zu einem deutschen Klub in der Nähe der Eity.„Ter Klub bestand aus einem Raum in einem Laden, dessen Jalousien heruntergelassen waren. Aus einem Tisch waren deutsche Delikatessen aufgestellt, so Kartoftelsalat, Bismarckheringe. Salzgurken usw., Mengen von Würstchen hingen aufgereiht von der Decke herunter. Eine Gruppe von Handwerkern saß rund um einen Tisch nahe am Feuer, und sie hörten den Reden eines Barbiers zu, eines Herrn in einem gutgeschnittenen Rock mit weißem Schlips, der das große Wort führte. Der Redner war ein Berliner." Die Deutschen haben große Zu- verficht für den Sieg ihres Landes und halten unerschütterlicy daran fest, trotz der englischen Nachrichten, die sie allein erhalten. � Die Deutschen der höheren Gtände, zum Teil wohlhabende Kaufleute und Bankiers, haben in der Mehrzahl ihre Geschäfte aufgeben müssen. Nur einige wenige Deutsche verkaufen ihre Waren noch weiter oder haben sich aus die Fabrikation neuer Artikel, wie Spiel- waren und künstliche Blumen, geworfen. Das deutsche Element auf der Börse, da» dort eine so große Rolle spielte, ist verschwunden� während man früher rings um die Börse fast ebenso viel Deutsch wie Englisch hörte, wagt nun niemand mehr in der Oesfentlichkeit deutsch zu reden; viele, die fürchten, ihre Aussprache des Eng- lischen könne sie verraten, bedienen sich der französischen Sprache. Diese wohlhabenden Leute führen ein zurückgezogenes Leben, leiden aber keine Not und beklagen sich auch nicht Über schlechte Behandlung. Am schlimmsten geht es den deutschen Bureaubeamtcn und Geschäftsreisenden, die ihre Stellungen verloren haben. Viele von ihnen sind in größter Rot und werden aus Mitteln der deutschen und österreichischen Kolonie unterstützt. Ein ZensurMckchen. Von der Schweizer Grenze wird der„Franks. Ztg." unterm 26. d. M. geschrieben: Der Lener des„Figaro". Alfred E a p u S schilderte vorgestern vor einer literarischen Gesellschaft in Paris das Wirken der französiichen Zensur während der jetzigen Kriegs- zeit.„Tie Beziehungen der Presse zur Zensur", so erzählte er. „ermangeln keineswegs eines gewissen Reizes; sie fallen in die lpäten Abendstunden und geben durchs Telephon. Man schickt die Korrekturabzüge der Zeitung nach dem Bureau der Zensur, und eine oder zwei Stunden später zeigt die Zensur— vertreten durch eine Person, deren Namen man nicht kennt und von der man nichts hört, als eine strenge Stimme— Ihnen in ziemlich kurzem Tone an, was morgen ericheinen darf oder nicht Wenn ich von dem kurzen Ton der Stimme spreche, so meinen ich den Ton der ersten Zeit. Heute sind die Beziehungen zur Zensur, wie ich hinzufügen muß. unendlich viel angenehmer geworden. Der Mann am Telephon diskutiert manchmal liebenswürdig mit Ihnen; er bittet höflich, diese oder jene politische Betrachtung zu entfernen, weil sie die Regierung„genieren" oder den Burgfrieden der Par- teieii stören könnte; er versucht, mehr zu überzeugen als zu droben, und die Zeitungen wahren so den Schein, als ob sie einen Rat, nicht aber einen Befehl befolgen. Die ganze Zwiesprache zwischen der Zensur und der Presse kann sich überhaupl in das folgende kurze Spiel von Fragen und Antworte» zusammenfassen lassen: „Es wäre sehr nett von Ihnen, mein Herr, wenn Sie diese wenigen Zeilen in Ihrem Artikel unterdrücken würden; ich bitte Sie darum als eine persönliche Gefälligkeit!" „Und wenn ich eS doch nicht tue?" „Wenn Sie es nicht tun. dann würde ich mich eben, den Tod im Herzen, gezwungen sehen, die Ausgabe Ihrer Zeitung zu unter- brechen." Gestehen Sie, daß es schwierig ist, sich nicht vor dieser Mischnng von Höflichkeit und Tyrannei zu verbeugen, und Sie werden verstehen, warum Sie so viel'Weiß in den Zeitungen be- merken." Notizeu. — Musikchronik. Bei dem 3. Konzert der Volksbühne im Theater am Bülowplatz, das Sonniag. den 7. März, mittags 12 Uhr, stattfindet, werden u. a. folgende Stücke aufgeführt:„Ein feste Burg ist unser Gott' von Bach.„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet" von Meyerbeer, Geber aus der„Stummen von Portici", Laleranchor aus.Rienzi", Pilgerchor, Gebet und Lied an den Abendstern aus„Tannhäuser",„Blücher am Rhein" und Kutschkelied von Georg Schumann usw. — Vorträge. Freitag, den 3. März 1913, abends 9 Uhr, spricht im Nollendorfhof. Bülowslr. 2. Dr. Baege über:„Das Problem der Anpassung und seine Lösungsversuche". — Theaterchronil. Der Tenorist Rudolf Berger vom Königl. Opernhaus ist. erst vierzig Jahre alt. in New Jork gestorben. Im Ansang des Krieges war er österreichischer Offizier, dann ging er wegen eines Fußleidens in Urlaub und gastierte in Amerika. Die Todesursache ist»och unbekannt. — Holzschuhe für den Schützengraben. Der fran- zösil'che Arzt Castex. der im Hoipital von Villemin eine Reihe von Fällen erfrorener" Füße beobachtet hat. berichtet darüber in der Pariser Akademie für Medizin. Unter der Einwirkung der Kälte schwellen die Füße an und werden von den durch die Fenchügkeii hart gewordenen Schuhen eingezwängt. Zur Abhilfe schlägt Castex vor. daß der Aufenthalt in den Schützengiöben immer möglichst kurz bemessen sein soll; vor allem aber wäre das Tragen von Hoizschuben oder wenigstens von Schuhen mit Holzsohlen cr- forderlich. — Chinesische K r i e g Z l y r i!. In der ostafiatischen Lyrik findet man kaum ein Kriegsgedicht. Der Frühling wird besungen. die Psirsichblüte. der Mondschein, der auf alten Fichten� spielt, die stille Ruhe ländlicher Arbeit. Trifft man aber aus ein«oldatenlied tRückerl hat einiges der Art aus dem Chinesischen nbetietzl). so findet man auch hier statt Droufgäiigertuins und«chlachienfreudig- keil nur Klagen über da? traurige Geschick deS Krieges, über das Daniederliegen friedlicher Freuden. EiiwS dieser chinesischen Kriegs- lieder lauiei:„Als wir zogen aus,/ Slanden schön die Saaten;/ Kommen wir nach Haus,/ Sind fie schlecht geraten./ Lange Reise,/ chmale Speise!/ O was ich ertrug Ungebühren/ Seit man führen/ Mich das Schwert ließ/ Statt den Pflug!" tetsr lilr lloßnerstasj, 4. März: Berliner Thenter s Ahr: Esirabläüep! Deutsches Künstler-Theater PI, U.: pggj, Deutsches Openihans, Charlottenh. 7Uiir: Lolieapii!. I nellrich-Wilhelmstädt. Theater. 8 � Die Fledermaus. Gebr. Bernifelö-Theater £ Uhr: Familie Piaachek. Helhring contra Kelhriag. Kleines Theater 8 � Jeltelien Gebert. Kosaiselie Oper aioc-: Bold§a!] ich für Eisen. Komöcilcnhaus 8OTlr:Bun!eF Äbernl. l-cssins-Theater 8 Chr: Ein Volksfeind. I.astsplelliaas 8l/'ü: Die Orlenirelse. Ifftropol-Theater 8tJlir: Wcran wir denken! ütentia Operetten-Theater 8 Uhr: Der liebe Pepi. National-Theafer, Köpenicker Str. 8 talLaraikr� Eiesidenz-Theater 8 Uhr: Die Schöne vom Strand. Rose-Theater lumi.Maie: Berlin im Felde Sehiller-Theater O. IStW., Bas Prinzip. Sehiller-Th. Charlottenbg. 71/j 11 Faust I. Teil. Thalia-Theater '�Kam'rad Manne. Theater am Kollendorf pl. LH« U.: Immer feste drnfl! Sonnt. S'/j U.: Der Graf v. Luxemburg. Theater des Viertens 8 ülir: Rund um die Liebe Theater in der KöniggrätzerStraBe 8 Ulir: Königin Cliristioe. Trlanon-Theater 8,/< ü: Das Liebesnest. Volksbühne.Theatcram Bülowplatz s';* u: Der Strom. Walhalla-Theater S IIb,, URAN IA-KW" 4 Uhr(Halbe Preise): iiil d.ScliiäciitieldernOstpreaßens Abends 8 Uhr: Dr. Spothmann: Oerte! n i!is Mäste Eüii'pjitis. Zirkus&Sb. Seiiumann Donnerstag, 4. März. Anf. 70, Uhr: Gala-Vorstellnns mit besonders gewähltem Programm. U.a. Artnr Saxon-Trlo mit I ihrer lebenden Aulomcbilbrücke. I Frl. Serri. Reitkünstlerin. 4fache Fahrschule, geritten von| Herrn Ernst Schumann. -i Claerons 4. Oetavlos Tlergvappe. Um S'/jUhr: Um 3st, Ubr:| Ost und West Großes patriotisch.Sohanstück aus der Gegenwart in 4 Akten Casino-Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Das neue dreiaktige Bolkslustspiel: Der Herr Kommerzirnra!. Dazu das ersttlass. Sveziatität.-Progr Meßtcrsche KriegSbilder usw. usw. Sonnt. 4 U.: Durch Küpgeiiij. Wellen. Reiehshailen-Tbeater. Ststiiner Sänger. Zum Schluß: Weihnachtsabend im Schützengraben Ansang 8 Uhr. Mitilärpersonen und deren An- gehörigen voll- koininen sreier Zutritt zu den Stell. Sängern. Fritzi lassary esniond sowie der = neue= März-Spielplan! Kleine Preise! Possen-Theeter 8tt Sprechstunde. Ein angenehmer Herr. Martin Ketlner a. G. Voigt-Theater. Sadstr 38. Badstr. 53. Morgen Freitag, den 3. März 1913: Gold«ad Liebe. Schaiilpiel in 4 Akten und 3 Bildern von Edmund Braune U-Heinr. Kläger. Kassenerössnuiig 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. ' BechsUinsaal: Sonntag, 7. März, ahds, 7stz Uhr: Fröhliche Kunst in Wort und Bild( von Margarete Walkotte. Kart. 1 u. 2 M. bei Bote& Bock u. A. Wertheim im Volkston ) . November 1914 dorn Ausschuß beschlossene Abänderung des § 28 der Kafsensatzung hat die che- nebmigung des Königlichen Ober- oersicherungsamles Eroß-Derlhi er- halten und tritt mit dem Tage der Bekannimachnng in Kraft Druckexemplare dieser'Abänderung sind im Kassenlckal abzuheben. Berlin, den 8. März 1915. Der Vorstaud der Ortskrankenkasse de? Mechaniker, Optiker und ver- wandten Gewerbe zu Berlin. gez.: N. Ontaehe, Vorsitzender. 280/17 K A U F T jedem Soldaten die wunderbare„Apotheker Simons (ges. geschützte) Armee® Taschen■ Apotheke fix n fertig als 250 g Feldpstbif. unzerbrechl.. pr. Stück 51. 1 pr. Nachnahme, 10 Stck.„ 8.- Nur zu beziehen bei Schiffncr, GroBbreitenbach in Thüringen Ghem. Labor, v. Hienfong usw. unter Leitg. ein Apothekers. Monatsanziige. 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