Nr. 82.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 9. April. Zrühlingsnacht. Von Arno Marx. Unier den neueren Schilderern heimischer Ticrlvelt hat sich Arno Marx einen guten Namen gemacht. Seine intime Dar- stellUngsart regt zum Selbstschauen an. Die Friihlingsnacht ist seinen„Neuen Geschichten aus dem Tierleben" entnommeit, die bei B. G. Tcubner erschienen sind.(Preis gebunden 1.60 M.) lieber eine Woche schon hatte mich der Sturm um meinen Frühling betrogen. Vom Zimmer aus sah ich das Sprießen und Grünen, sah der wonnevollen Frühlingsfeier der Natur zu. Doch vor dem Hause wehte der Sturm, fegte bald Regenschauer, bald Staubwolken auf der Straße dahin, jedem die Freude am frohen Schauen zu nehmen. Da schlug ich dem unfreundlichen Gesellen ein Schnippchen, stahl mich durch den Wald an der Fichtenschonung entlang hin zum Teiche, um hinter schützenden Baumgruppen den Abend zu genießen. Als wolle der Wind mir meine List verzeihen, trieb er schnell noch die dicksten Wolken vom Himmel: dann stillte er sein Blasen. Aufatmend hoben die Bäume ihre tagelang gebeugten Wipfel gerade zum Himmel empor, das Schilf ließ sein Rauschen einschlafen, die kraus huschenden Wellen des Teichs hemmten ihre Unruhe und gaben den blanken, unendlich blauen Teichspiegel frei. Verstohlen kletterte eine Rohrammer im Schilf empor, läßt cmen zarten Triller hören, einen, zagen Pfeifton und wieder einen Triller. Reizend steht ihr der weiße Kragen unter dem ruß- schwarzen Köpfchen, zaghaft nur ertönt ihr anspruchsloses, ver- schämt gestammeltes Lied. Klarer wird der Himmel, die Farben kriegen strahlenden Glanz. Wie in funkelnde Emaille gekleidet blitzen die Birkenstämme vor der schwarzen Nacht, die unter den Fichtenstämmen lagert. Funkelnd und lebensvolle Lichter sprühend erglänzen die maigrünen Birkenblätter, ein zarter Schleier vor der düsteren Farbe der Fichten. Das alte, abgestorbene Schilf, eben noch grau und fahl, leuchtet in kräftigem Ockergelb und spiegelt sich in der blauen Pracht des Teiches. Langsam sinkt die Sonne hinter Wolkenkulissen, bei ihrem Scheiden einen brennendroten Saum auf die dunkle Wetterwand stickend. Mit dem Aufflainmen des Abendrotes wandelt sich die Farbe des Teiches. Wie schimmernde Glut, nein, wie ein einziges, wundervoll getöntes Rosenblatt liegt er da, und einige Enten und Wasserhühner gleiten über ihn hin wie winzige Käfer über eine Blüte. Schreiend jagen sich zwei Bläßhühner, sie schlagen mit den Flügeln und strampeln mit den Füßen, und wo sie den Wasser- spiegel verwunden, sprüht es und flammt und glitzert und leuchtet in brennenden Flimmerfarben. Mitten im glühenden Rot taucht der Haubentaucher auf, und von ihm fort zum Ufer tauchen gespenstische Ringel in seltenen Märchenfarben. Sprühende Wassertropfen schüttelt der Krön- taucher von seiner Haube, die glitzernd den Wasserspiegel treffen, noch einmal aufspringen und dann verschwinden. Ein ganzes Gewirr von Kringeln huscht davon und vergeht. Jetzt hat mich der Taucher entdeckt, er senkt seinen Leib tief in die rosige Flut und rudert mit Kraft, meiner Nähe zu entfliehen. Hinter ihm strudelt das Wasser, wie glühende Ackerschollen erscheinend, die sofort wieder verschwinden, nur ein lcis erzitternder Streifen bleibt noch ein Weilchen, bis auch er vergeht. Klingelnden Fluges streichen zwei Stockenten heran und kreisen einigemal um den Tisch, bald wie schwarze Schattenbilder anzusehen, bald in grellen Farben schimmernd. In flachem Bogen senken sie sich zum Wasserspiegel, hemmen mit heftigen Flügelschlägen ihren Schwung, stemmen ihre Ruder dem Wasser entgegen und pflügen gleißende Furchen in die strahlende Flut. Mit hellem Flügelschnurren ziehen einzelne stare vorüber, brausend kommt ein starker Schwärm heran, pfeifend und lockend schwenken sie, bald im Lichte aufblitzend, bald matt und schwarz erscheinend. Sie schwingen sich in die Spitze der hohen Pappel ein, wo sie wie dichte Trauben sitzen, schwätzen und schreien durcheinander, fliegen brausend auf und nehmen nach einem kurzen Rundflug ihre Pßitze wieder«in; schwätzend und durchcinander- fchreiend tauschen sie die Tageserlebnisse aus. Ein Flug Ringel- tauben zieht auf leise quietschenden Flügeln vorüber, Krähen sireben mit weitausholenden Flügelschlägen quarrend und kräch- gcnd ihren Schlafplätzen zu, mit dünnem Lockton eilt«in Gold- ammerpärchen vorüber nach dem Fichtendickicht, ein Finkenflug folgt, dann ein Amselhahn in hastiger Eile. Allmäblich verglübt die rote Pracht der Wasser, die grellroten Ziegeldächer des Torfes schimmern stumpfer, matter durch die Baumgipfel, das Sckülf verliert seinen goldenen Feuerglanz, purpurschwarz erscheint die Nacht unter den Fichtenstämmen, und die Birken davor sehen aus wie in mattem Silber getrieben. Gelbgrau wie angelassener Stahl ist der Wasserspiegel, wie me- tallifche Bruchflächen schimmern die Wasserschollcn, die von zan- kenden Bläßhühnern aufgeworfen werden. Dann zieht die weiße Frau durch den Wald und läßt über die Wiesen zarte, weiße Schleier wehen. Rotkehlchen schwingt sich in die Fichtenkrone und dichtet schmelzende Strophen, die Amsel läßt ihren Frühlings- choral ertönen, und der taktmäßige Schlag der Davidsdrossel schallt aus der Birkengruppe herüber. Zögernd schiebt sich eine alte Häsin aus den Fichten, hoppelt langsam den Teichdamm entlang und nascht von zarten Blättchen. Näher und näher kommt sie; schon kann ich jede Flocke ihres schä- bigen Balges erkennen. Wie dürr das Tier ist, die Jungen brauchen wohl an kühlen Frühlingstagen doppelt viel Milch. Man kann jeden Knochen aus den dünnen Läufen schimmern sehen, all- zugrotz beinahe erscheinen die honigfarbenen Seher in dem hageren Kopfe, über dem die langen, schwarzgesäumten Löffel rastlos for- schend spielen. Langsam setzt die Häsin ihre Vorderläufe vor und schnuppert und nascht am zarten Grün. Ist der Rücken ganz lang gestreckt, dann schnellen wie von selbst die Hinterläufe nach und dann können die Vorderpfoten wieder weiter wandern. Noch immer hat Frau Häsin keine Ahnung davon, daß ich kein Baum- stamm bin, da weht ihr der Wind eine leise Witterung zu. Mit einem Schlage sitzt sie stockstill, ihre Seher werden fast noch weiter, ihr Näschen zuckt sieberhast auf und nieder, daß ihr Schnurrbart kaum mitkann, die langen Löffel drehen hierhin und dorthin und stehen dann wieder fest wie aus Holz geschnitzt. Endlich ist der Häsin klar geworden, woher der feindliche Wind weht, husch ist sie herum und zeigt mir ihre schäbige Blume, winkt mir hastig damit «inen höhnischen Abschiedsgruß zu, bis sie zwischen den Fichten- stammen verschwindet. Vom Felde herein naht jetzt eine lange Prozession. Langsam in stolzer Haltung wandern die Fasanen dem Holze zu. wie Schleppkleider wehen die langen Schwänze, steif einen weiten Kreis beschreibend bei jeder Drehung des Vogels. Schon fangen einige der bunten Gesellen im Altholze an ihr Nachtlied zu singen. Das Prasseln der harten Schwingen, das metallisch harte Gackern mit dem leisen Seufzer danach verrät, wo die Vögel aufbäumen, um die Nacht zu verbringen. Müden Fluges kehrt ein Turm- fälkchen von der Mäusejagd auf dem Brachfelde heini, Enten nakcn, Blässen belfern und quieken, der Zwergtaucher trillert, und in dröh- nenden Mißtönen läßt der Rothalstaucher sein Balzlicd erschallen. Im Wasser gurgelt es leise, eine Welle zieht vom User fort, es brodelt und quirlt an einer Stelle, dann taucht der runde Kopf einer Wasserratte auf. Sie verschwindet wieder und sitzt dann plötzlich mit einer saftigen Wurzel zwischen den Zähnen auf dem Schlammhügel, der neben ihrem Schlupfloche aus dem Wasser ragt. Wie«in Tiber in Zwerggestalt erscheint sie, emsig schaben ihre gelben Nagezähne an der Wurzel. Von Zeit zu Zeit dreht sie ihr Schnuppernäschen gegen den Wind und prüft den leisen Luftzug, ihre schwarz«! Aeuglein glimmen, ihre im Pelz verborgenen Ohren lauschen. Plötzlich ist sie mit einem leisen Plumps im Wasser ver- schwunden. Ein großes Wiesel sucht das Teichufer gegen den Wind ab. Dabei kriegt es meine Witterung in die Nase, glaubt zuerst gar nicht recht daran, daß ein Mensch da sitzen soll, richtet sich hoch auf und zeigt mir sein wcißgelbcs Vorhemdchcn, hüpft einige Schritte seitwärts und schnuppert und lauscht wieder, macht ein Männchen und zuckt mit seinem schwarzen Schwänzchen, kreischt und schnalzt ärgerlich über die dumme Störung, dann wendet es sich und eilt den Weg zurück, den es kam. Allmählich wird es dunkler, ferne Baumstümpfe reichen sich im Schatten die Hand, ein bleicher Stern guckt durch das Himmels- gewölbe. Ein Bogel flattert über mich weg, scheint eine Eule zu sein, aber noch ehe ich erkannt habe, taucht er aus dem hellen Himmel in die Nacht der Fichtenfchatten, doch plötzlich ist er wieder über mir. Klar zeichnet sich fein Schattenbild gegen den Himmel ab, der lange Stecher verrät die Schnepfe. Klein ist das Wäldchen, das ihr Unterschlupf bietet, drum glaube ich kaum, daß sie hier brüten will. Sie verlor wohl ihren Gatten vor kurzem: beim lustigen Minnespiel und neckischen Werbcflug zuckte ein brüllender Feuerstrahl nach ihm, und er vcrschivand, fiel in stinkende Nebel- Wolken hinein. Nun sucht ihn die Ucberlebcnde, streicht in alle Feldgehölze, sucht bebuschte Moore ab und Fichtendickichte, Brom- beerurwälder, die auf feuchtem Grunde stehen und Erlengruppen am Bachufer. Steif vom langen Stehen wandere ich heimwärts, auf dem schmalen GraSband neben dem Wege heimlich schreitend. So komme ich einigen Rehen ungehört allzu nahe, erschreckt poltern sie durchs Unterholz, ich höre ihre Läufe erregt den Boden stawpfen, bis sie laut ihr furchtverratendcs Schrecken hören lassen:„böh. böh!" Laut aufdringlich schallt es durch den schweigenden Wald. bis sich die Rehe endlich bequemen, abzuspringen und hinaus auf das Saatstück zu Acsung zu wechseln. Wie wundervoll frisch die Natur jetzt riecht. Tausend sprin- gende Knospen senden ihren feinen Duft, Fichten mischen ihren balsamischen Harzgeruch dazwischen, von der Erde dampft ein her- der Geruch empor, vom Teiche dringt der Dunst des Wassers her- über. Viel stärker als am Tage macht sich bei sinkender Nacht dieser eigenartige Lenzesgcruch bemerkbar, die Sonne kann jetzt nicht stören, dadurch, daß sie aufdringlich ihre wohlige Glut ins Blut dringen läßt, alle anderen Eindrücke verwischend und über- trumpfend. Alles scheint schweigend zu atmen in der Frühlings- nacht, das lauge nicht gehörte Flüstern des leisen Windes in den jungen Blättern tönt wieder, das raschelnde Huschen des dürren, toten Laubes ist verstummt, aufsprießende Waldkräuter haben es festgelegt. Wie ich den Wald verlasse, tönen brummende Flügelschlage an mein Ohr, ein Schatten geistert gespenstisch vorüber, klagend ertönt ein lauggedehnter Lockruf, von der nebelübcrgosscnen Wiese kommt ihm Antwort, dann gaukeln zwei, drei Schatten vorüber, geigen sich gegen den Himmel, flattern wie Lappen herab und eu:- schwinden auf brummenden Flügeln. Die Kibitze vermögen auch nachts keine Ruhe zu finden, der Lenz rumort zu stark in ihrer Brust. Zwar hat das Weibchen vielleicht gar schon vier kleine Dunenjunge zu versorgen, deshalb tun. die Männchen doch noch. als wären Flitterwochen, gaukeln am Tage und spielen deS Nachts über der nassen Wiese, die ihr Glück birgt. In der Hecke raschelt's und regt sich's; ein Igel macht sich bereit, auf Jagd zu gehen; aber vorerst macht er erst einen ver- geblichen Versuch, einige langrückigc Flöhe aus den rasselnden Stacheln zu kratzen. Auf der Dorfstraße huscht's und funkelt's grünlich, dann murrt es fauchend und kreischt gellend: Katzenhoch- zeit. Am Friedhofsberge brummt die Ohreule, neckisch ruft das Käuzchen in den Obstgärten des Dorfes, ein Hund kläfft müde, pfeifend schlürft ein Knecht seine Holzpantoffeln aus der Kneipe nach Hause, mit gespenstisch wubbernden und knitternden Flügeln jagt eine Ohrfledermaus vor den offenen Fenstern meiner Schlaf- kammer. Eulenruf, Kiebitzklagen, Katzenschrci, dumpfes Hunde- gebest und Huschen und Flattern wcichhäutiger Fledermausflügel weben sich in meinem Traum zu einem wundersamen Tiercrlcbnis zusammen, bis gegen Morgen, noch che der Himmel sich färbt, der Hausrotschwanz auf dem Tachgicbcl sein komisches Lietchen aus der engen Kehle hervorwürgt, die Amsel ihr feierliches Lied an- stimmt, Rotkehlchen mit einfällt und der kleinen Grasmücke Mut zum Singen macht. Wenn die Bachstelze erwacht ist und mit fröhlichem Villi zilli ans Tagewerk geht, finden sich auch die Stare ein, um von der Friedhofslindc herab zu pfeifen und zu schwätzen. Tann komm: der Ringeltauber, besucht seine Gattin und heult ihr einige Strophen vor, auch die Langschläfer, Meisen, Zaunkönig und Sper liugc, finden sich endlich aus ihren molligen Schlafkammern und stimmen in den Frühlingsgesang mit ein. Buchfink und Hänfling singen und schlagen um die Wette, alle sind schon in vollster Tätigkeit, wenn sictz der Städter seinem warmen Bette entwindet und mit verschlafener Stimme nach dem Frühstück ruft. Theater. Verband der Freien Volksbühnen lim Theater am Bülowplatz):„'D er Revisor" von Nikolaus Gogol. Mit dem ukrainischen Dichter dieses Namens beginnt eine neue Periode der russischen Literatur, und die.Revisor"-Komvdie bedeutet ihrerseits eine neue Aera der Entwickelung der dramatischen Kunst im Zarenreiche. Was vorher gespielt wurde, verdiente die Bezeichnung Lust- oder Schauspiel keinesfalls. Seil nunmehr genau achtzig Jahren besitzt nicht bloß Rußland sondern alle Welt im„Revisor" eine Komödie, die, obgleich die allda geschilderten Lcbensbcdin- gungen ausschließlich russisch sind und einem vergangenen Zeitabschnitt angehören, sehr wohl als„klassisch" angesprochen werden muß. Alexander Puschkin, der große Lyriker, war cS,_ der Gogol die Idee sowohl zum„Revisor", als auch zu seinem satirischen Roman„Die toten Seelen" suggerierte. Kurz und gut, im„Revisor" wird die heute noch ebenso korrupte Bestechlichkeit und Dummheit der russischen Beamten mit drastischen Zügen gezeichnet. Es existiert kaum eine zweite Komödie in der Weltlireralur, die dem„Revisor" gleichkäme an beißendem Witz und dranraiischcr Spannung.� ES steckt darin auch ein Stück Altrussentrmr: neben einein 82] Lteberfluß. Von Martin Andersen Nexö. Aagc setzte sich schweigend auf einen Stuhl am Ofen, kratzte die Tonpfeife überm Kohlenkasten ans und steckte sie in die Tasche: dann saß er müßig da, ohne etwas zu sagen; fein Blick, der demjenigen Karls beständig auswich, war sehr bedrückt. „Ist Dir etwas in die Quere gekommen?" fragte Karl endlich. „Zu Haus," erwiderte Aage mit mühsamem Schlucken, „zu Haus ist man dabei, uns auf die Straße zu setzen." „Aber wer denn?" fragte Karl erstaunt. „T-er Vorstand des Abstinenzlervereins! Man hat Vater in einer Hafenkneipe überrascht, nachdem man ihm lange auf- gelauert hatte; und da hat man ihn gleich hinausgeworfen,— das kann den Leuten ja niemand verdenken. Aber das Ge- meine besteht darin, daß sie selber einen Mann gemietet hatten, um ihn zum Trinken zu animieren. Kaufmann Petersen und Schreiner From haben das Ganze ins Werk gesetzt." „Na, die waren eigentlich wohl in ihrem guten Recht. War es nicht schon seit längerer Zeit schlimm mit ihm?" „Gewiß, etwas hatte er sich ja zuschulden kommen lassen; aber ich glaube, er hätte darüber wegkonimen können, wenn es still abgelaufen wäre und er die Stellung behalten hätte. Aber nun ist er fertig! Er tappt zu Hause zwischen den Möbeln umher und faselt davon, er werde den alten Funk beerben. Und dann singt er, Du,— ich Hab ihn früher nie so vergnügt gesehen, es ist geradezu widerwärtig. Er müßte Prügel kriegen,— müßte totgeschlagen werden!" „Es lohnt nicht, sich das so zu Herzen zu nehmen," sagte Karl beschwichtigend.„Du solltest lieber dafür sorgen, daß Ihr ein Dach über den Kopf bekommt. Ihr könnt heut nacht doch nicht unter offenem Himmel liegen." „Ich will nicht das geringste damit zu tun haben," sagte Aage hitzig.„Lieber geh ich nicht mehr nach Hause,— höchstens um meine Sachen zu holen! Mutter hat übrigens schon eine Wohnung gemietet und Ziehleute bestellt, also für mich ist keine Verwendung, ich kann recht gut losgehen. Und das will ich auch tun." „Deine Mutter?" fragte Karl erstaunt.„Dann muß sie ja ein ganzer Kerl sein. Ich hatte eigentlich gedacht, sie würde herumrennen und sich den Kopf halten und vor Verzweiflung außer sich sein," „Nein, Mutter bleibt sehr ruhig dabei,— wie sie das fertigbringt, begreif ich nicht. Denn sie kann doch die Zeit un- möglich vergessen haben, als Vater total betrunken bald hier, bald da lag und die Leute ihn auf einem Schubkarren brachten — wie ein geschlachtetes Schwein. Ein ganzes Vermögen hat er im Lauf der zehn Jahre versoffen,— dreißigtausend, wie er selbst sagt. Aber nun hat er sie sich wieder zusammen- verdient, und da kann er ja passenderweise von vorn an- fangen." Aage lachte bitter.—„Ja, Mutter hat wahrhaftig die Liebe zu fühlen gekriegt; das war keine kleine Arbeit, die Fetzen einigermaßen zusammenzuhalten und sich und mir etwas Brot zu verschaffen.'Aber sie hatte damals eine ver- fluchte Eisennatur— und guten Humor." „Und ich habe gedacht. Deine Mutter wäre immer so ge- brechlich gewesen,— stark nervös?" sagte Karl, mehr und mehr erstaunt. „Damals nicht! Das kam erst später, als sie es gut hatte und Vater aufhörte zu trinken. Verstelsts, wer kann, aber man sollte meinen: sie könnt es nicht vertragen, daß es ihr gut ging. Und nun füttert sie selber den Alten wieder mit Getränken und macht ihm weis, er sei schwach und brauche das. Sie hat ihn dazu veranlaßt, seinem Gelöbnis untreu zu werden; man sollte beinah glauben, sie wünschte sich die alten Zeiten zurück." „Das ist ja geradezu verdreht! Und nun legt sie selber mit Hand an?" Aage nickte:„Aber sie wird wohl bald genug davon kriegen,— wenn er erst wieder richtig anfängt. Und ich geh jetzt los! Hätte ich nur fünfhundert Kronen, dann würde ich nach London reisen und mich zum Athleten ausbilden. Aber der Alte will nicht damit herausrücken, er ist ein gar zu geiziger Kerl." Karl überlegte;„Vielleicht könnte ich sie Dir verschaffen! Wann�willst Du fort?" „So schnell wie möglich! Ich kann das nicht länger aus- halten." 32. Eine Woche später ging Karl am Vormittag zur Stadt. Er wollte den Buchhändler aufsuchen und einige Rcisehand- bücher und Karten bestellen: bei ihm wollte er auch, wie ver- abredet war, den Voter treffen, der zur Sparkasse gegangen war, um Geld abzuheben. Schon an demselben Tage, an den; Aagc den Wunsch äußerte, nach London zu reisen, hatte Karl Schritte getan, ihm das Geld verschaffen, aber die kleine � Sparkasse hatte vermutlich ni der große Summen zu ver- t fügen, denn sie verlangte eine Woche Frist zur Beschaffung des Betrages. Auf dem Wege nach der Stadt erblickte Jlarl den Kandidaten, der zusammen mit zwei Erdarbeitern ans dem hohen Abhang nördlich vom Wege stand. Sic statten schwarz- und weißgestreifte Stöcke in die Erde gesteckt und maßen mit langen Meßbändern. Karl grüßte, aber der Kandidat sah ihn entweder nicht oder tat wenigstens so. In dem Buchladen traf er den Vater und erhielt das Geld, und dann ging er sofort wieder hinaus, um Aagc auf- znsnchen. Mechanisch wanderte er nach dem Abstincnzlcrheim bin, und erst als er die nackten Fenster sah, die schwarz und I.er in die Luft gafften, entsann er sich, daß es nichts nützen konnte, hier zu suchen. Gleichzeitig fiel ihm Aages Drohung ein; nicht mehr nach Hanse zurückzukehren; aber da Aagc später nichts davon erwähnt hatte, daß er von Hanse ftnt- gezogen sei, maß Karl dieser Drohung weiter kein Gewicht bei, sondern ging über die Straße, um die gegenüber wohnen- den Leute zu fragen, Wohin Sörensen ge"""" sei. Da be- merkte er ein Ende straßanftvärts den Pastor Krag. Das kräftige Schauspielergesicht des Pastors war in leb- hafter Bewegung, und er kam mit ausgebreiteten Annen ans Bänder zu. „Willkommen ans dem Reiche der Toten!" rief er und umfaßte Banders Schultern.„Jetzt sind Sic wohl nicht mehr so unzugänglich wie das letztemal, als»vir uns sprachen?— Hä, der gottvergessBw Körper! Ja, Sie sind mir ein Netter! Sehen Sie, sehen Sie, wie hochnäsig Sie jetzt ans die Erde treten, und dicke Backen haben Sie ja bald! Aha, es tut doch gut, ein breites Stück zwischen sich und dem Grab zu haben, was?" „Wahrhastig,— besonders wenn dann die Theologie nicht Bundesgenossen hat," erwiderte Karl lachend. „Die Theologie— och, mein Lieber, wo denken Sie hin! Die Theologie, hä-- Hm, hm, hm, hä!— Ich komme soeben von einer Dame, die auf dem Sterbebett liegt; Mit ihrer Theologie war immer alles in Ordnung, aber meinen Sie, sie wollte sterben? Nicht um alle Herrlichkeiten des Paradieses! Nein, wenn der Tod sich nur an die Freiwilligen halten würde, wäre die Kirchhofserde kaum so fett, wie sie jetzt ist. Die einzigen, die zu sterben verstehen, sind die Leute aus dem Volk; die murren fast nie.—— Jetzt wollen Sie wostl so recht die Jahreszeit und die Landschaft genießen? Herrl-ch, herrlich— sag ich Ihnen, namentlich im Frühjahr." (Föns, folgt.)• eltoii? unkultiviert erscheinenden Naturalismus ein Humor, der Puschkin von Gogols Schopsungen sagen lieg, dag man hmter seinem Lachen die ungesehenen Tränen wahr- nehmen föituc. Das; der„Revisor" einen ungeheuren Slurin feindlicher Kritik aus feiten de? ganzen reaktiv- nären Rußland hervorrief, lägt sich lebhaft an der starken Wirkung, die er auch noch gegenwärtig erzeugt, erniefsen. So frenetisch ge- l.'.cvr hat da-S„Publikum der Freien BollSdühnen jedenfalls nicht all- zuofl. Tas louinit aber wähl auch daher, dag die iin„Revisor" kristallisierte satirische Wahrheit immer noch den Vorzug fortwirkender Aktualität besitzt. Die Dar- sielluiig Bemühte sich allerdings auch, dem tlharakter der Komödie vollauf gerecht zu werden. Selten erschien uns Aurel Rowotny als Pseudo-Revisor so recht in seinem lllemente als diesmal. Er gab den Brennpunkt für die ganze Handlung ab. Da halten alle anderen Mitwirkenden einen schwierigen Staudt sie Bc- haupteten sich aber vortrefflich, so Paul Förster als Stadtkommandant und die Vertreter aller übrigen männlichen Cbarakterchargen: ia Elise Zachow-Valentin als die gebildet tuende Frau des L'ber- volizeiers und Toni Willens als deren laudpommsranzliches löchteclein, wie Agnes Werner-Wagner, die die Klcmpnersfrau ganz vorzüglich zu gestalten wußte. ek den Akkusativ regieren, das finden sie barbarisch. Daß die Teut- icken einmal sagen..ich fange an zu sprechen" und ein ander- mal„wenn ich anfange zu sprechen'... dieses Hin und löcr von sang und an finden sie unbegreiflich und sinnlos. Als der Hauptmann eines Tages ins Schulzimmer trat, rief ihm ein neuer Schüler mit frischer Stimme aus gut Deutsch ent- gegen:„Guten Tag. Herr Professor!"— Sehr erstaunt— woher kannte der� französische Soldat seinen Zivilbcruf?"— rief er den bärtigen Soldaten heran und erkannte ihn: es war ein früherer Schüler von ihm. Vier Jahre lang hatte er ihn unterrichtet, der Vater des Franzosen lebte damals, mehr als zcbn Jahre sinds her, als Kaufmann in einer deutschen Stadt. Es war ein seltsames Wiedersehen... der Junge von der deutschen Schulbank saß nun wieder aus einer Schulbank vor ihm... als Krieasgekangencr aus dem schrecklichen Weltkrieg."" X.'x. kleines Feuilleton. Kunst unS Mistenschaft im Lager. Daß die Künste während des Krieges nicht schweigen, troi-dem ein alter Spruch es ihnen gebietet, haben wir bei uns in Dentsäi- land. dem Lande der Barbaren, staunend erlebt. lind nun stellt es sich heraus, daß sie selbst im Lager der Kriegsgefangenen nicht aufhören, sich eindringlich bemerkbar zu machen. Es gibt unter den Gefangenen, wie immer unter einer bunt zusammengewürfel- len Menge. Maler und Bildhauer, Dichlcr und Sänger, Holz- schnitzer und Musiker. Sie alle rufen nach der Kunst, wenn sie nach bauet Arbeit Feierabend machen oder Wem: der Sonntag gar zu still und trübselig verlaufen will. Es gibt Porträtmaler, die malen oder zeichnen für ein paar Mark die Bildnisse ihrer Kameraden, ich sah ungewöhnlich flotte und gute Leistungen. Sobald Talent und Berus erwiesen iit, ver- kaust die Kommandantur den Künstlern für villiges Geld Papier, Leinwand, Kreide, Bleiitiftc. Farben. Bon den für die Kapelle aus Brennholz geschnitzten Madonnen und Tabernakeln sprach ich schon. Kunsthandwerker machen mit Hilfe ihrer Taschenmesser und andc- rcr primitiver Instrumente aus Holzabfällen Schachbretter und Damenbretter, schnitzen Schachfiguren und phantasievolle Spazier- sieckgrissc. Tosen und Kästen. Ich sah eine kunstvoll gearbeitete Doie von edler Form, mit künstlerisch und charaktervoll heraus- geklopften Ornamenten bedeckt, mit Druckschloß für den Teckel und sauber gearbeiteten Füßen. AlsMatcrial diente dem Künstler, einem Ziseleur aus Ronen, das Blech alter Konservenbüchsen. Ein glühendes Ofeneisen nahm er als Lötkolben, ein Stiefelabsatz war der Hammer, ein Stück von einem geschärften Faßreifen das Schlei smesser. Es gibt auch eine Schule im Lager. Tie Schulstube ist ei» geräumiger, heller Keller, mit Bänken, Pulten und einer großen Schiefertafel. Der Lehrplan ist in ein einziges Fach zusammen- gedrängt: Deutsch. Der deutsche Hauptmann, im Zivilbcruf Professor und Cbcrlchrcr, und zwei Ilniversitätsprofessoren erteilen den Unterricht, zu dem natürlich niemand gezwungen wird. An- fangS kamen rund zweihundert Franzosen und Belgier in den ..Deutschen Keller", allmählich ging die Zahl auf 120 zurück. Planche blieben ohne weiteres weg, die meisten aber ciitschuldiatcii sich: sie hätten nicht gewußt, daß"die deutsche Sprache so schrecklich schwer zu lernen sei. Ter Hauptmann übersetzt mit den treu gebliebenen Schülern Lessings„Emilia Galotti" aus dem Deutschen ins Französische. Das fällt ihnen nicht allzu schwer, wie ja, umgekehrt, uns Deutschen die llebersetzung aus dem Französischen keine besonderen Schwierig- teilen macht. Einer der Universitätsprofcssorcil übersetzt mit seinen großen Schülern Flauberts ,.Lc simple coeur" lDas einfältige Herzt, diese ergreifende Geschichte einer armen Ticnstmagd, ins Deutsche. Das wird ihnen so schwer! daß sie ort verzage». Daß cS im Deutschen Präpositionen givt, die vold den Dativ, bald die ersten Feuerwaffen. Im Jahre 1264 soll die Stadt Perugia den Austrog aus 5tXi Büchsen p-rgeben haben, eine Spanne lang,„welche man in der Hand führte und die demnach so stark waren, daß sie durch jedes Harniich schofien". Tie ersten Handbüchsen wurden im Jahre 1288 in Nürnberg erwähnt,„und daß man dasetbst 48 Leute habe, die damit gut zu f schießen und sie zu laden verständen".... Ulrich Behaut läßt in Memmingen Kugeln von Blei und Eisen gießen. Bei der Berennung des Schlosse? Tannenberg in Hessen l2!?l) wird der Faustbüchsen gedacht, die Städter halsen sich gegenseitig mit ihren damals sehr tosibaren Geschützen. Tie betreifendc Stelle enthält so interessante urkundliche Mitteilungen über den Gebrauch der Feuerlnasren, daß wir sie hier wörtlich folgen lassen: „Ter Pfalzgraf hatte nur eine Büchse, die Steine etwas größer als ein Haupt warf, demnach etwa 1 Fuß im Durchmesser und TO bis 80 Pfund Gereicht hatten. Sein Büchsenmeister war Henne von Wachenheim. Ter Erzbischof von Mainz hatte gleichfalls Büchsen gebracht, die nicht näher erwähnt werden, also tedenfolls kleiner waren. Tic Stadt Mainz hatte ihre große Büchse ge- sendet, nachdem sie in Frankfurt durch Vermittlung deS Rates Steinkugeln dazu gekauft. Auch hatte man gehört, daß die Frank- furter die„Abführe" �Abtransport) ihrer großen Büchse in das Lager verdingt hätten, und hat deshalb die Frankfurter, auch die „Zuführe" i.Hintransporlj der Mainzer Büchse zu verdingen. Von Frankfurt war fchon vorher eine„Fustbussc">Fauffbüchsc» geichtckt. Tie Entscheidung des ganzen Unternehmens erwartete man jedoch von der großen Frankfurter Büchse. Zum Transport der Steine hatten die Bundesgenoffen den Frankfurtern l4 Wagen zugesendet. Diese schickten zur großen Büchse 16 Steine nebst 12 kleineren und dem nötigen Pulver. Für den Transport der großen Büchse auf die Höhe vor der Burg hatte Henne von Wachenheim eine Aufzug- Maschine konstruiert, da er fürchtete, die Kräfte des Zugviehs wür- den nicht ausreichen. Man schrieb deshalb den Frankfurtern, daß sie lange seile mitbringen möchten." sOuellen zur Geschichte der Feuerwaffen.) Und dann wird von derselben Chronik gemeldet, daß„zwanzig Pferde die Buchse nun in die Höhe schafften; für das Gerüste, woraus sie lag, waren 32 Pferde, mörderlich. Die Borbereitung zur Aufstellung der Frankfurter Büchsen suchten die Belagerten zu hindern und schössen Steine so groß wie ein Heller'brod und kleine Bleikugeln, ohne indessen jemanden zu treffen." Welchen beson- deren Wert man aber auf jede Büchse legte und wie wenige davon überhaupt vorhanden waren, geht daraus hervor, daß die Frank. furter noch vor dem Fall der Feste ihre„Fustbussc" zurück- verlangten, uni sich zu Hause ihrer eigenen Feinde zu erwehren. Ten Erwartungen scheint das große Geschütz entsprochen zu haben, denn schon die erste Kugel blieb in dem Mauerwerk stecken, die zweite durchschlug sogar die Umwallung, und bald war die Feste trotz tapferer Gegenwehr der Belagerten genommen. Sie wurde grundlich zerstört"und nie wieder aufgebaut. «kin grausiger§lug. Eine schaurige Episode.aus einem Lustkampf schildern die eng- tischen Zettungen. Eine Fliegerlcutnant hatte von der französischen Heebeslettung oen Auftrag erhalten, mit einem" Seisseanten als Führer eine versteckte deutsche Batterie zu erkunden, deren Feuer großen Schaden verursachte. „Als wir über die deutschen Linien kamen." erzählte der Sergeant, wurden wir von einem fürchterlichen Granatieuer de- grüßl. Wir stiegen höher hinaus und erkannten endlicki nicht eine, sondern drei Batterien.„Da sind sie also!" sagte der Leutnant und ballte die Faust gegen sie. Tann rief er mir zu:„Wir haben nun unsere Aufgabe erfüllt, also rasch wieder zurück!" Ich machte schnell kehrt, doch wir waren kaum 500 Meter gefahren, als der Granatregen schlimmer wurde als je zuvor. Dichte Rauchwolken schlössen uns ein. so daß man nicht 20 Meter weit sehen konnte. Wir versuchten, dieser Hölle zu entkommen, doch eine Granate nach der anderen, die eine immer besser gezielt als die andere, erplo- diertc mit entsetzlichem Getöse über unseren Köpfen. Einen Augen- blick glaubte ich, mein Schädel wäre zertrümmert: ich fühlte mich plötzlich elend, ein dichter Nebel war vor meinen Augen, ich saß in völliger Tunkekheit. Trotz meiner Schmerzen hielt ich die Ma- )chine in gleicher Höhe, un� den Granaten zu entgehen, die nun weniger häuiig kamen.„Sind Sie unverletzt. Herr Leutnant?" rief ich. erhielt aber keine Antwort. Da ich glaubte, er habe wich nicht gehört, wiedenholte ich meine Frage und ökfnetc gleichzeitig die Augen. Aber ich erhielt noch immer keine Antwort und sah nichts ringsum als tiefe Dunkelheit. Ich war allein im weiten Raum, 6000 Fuß über der Erde. Mir wurde bang, und ich empfahl Gott meine Seele: ich fühlte, daß meine letzte Stunde gekommen war. Beständig hörte ich die Batterien des Feindes unter mir und hatte nur den einen Gedanken, zurückzukehren und Bericht zu erstatten, koste e?, was es wolle. Dem Schall der Granaten unter mir folgend, wandte ich die Maschine nach der Richtung, in der ich nach meiner"Annahme fliegen mußte, um zu meinen Kameraden zu gelangen. In dieser Richtung fuhr ich einige Minuten, als der Leutnant plötzlich zu meinem größten Erstaunen rief:„Höher hin- auf. Sergeant, höher hinauf!" Ich deeilte mich, die Maschine Höver zu lenken, und dadurch entkamen wir einem Kirchturm, von denk wir bei einem Haar zerschmettert worden wären.„Tanke. Herr Leutnant." sagte ich,„Sie müssen entschuldigen, aber ich kann nichts sehen. Sind Sie verwundet?"—„Ja." erwiderte er,..und ich glaube schwer. Ich suhle mich sehr schlecht. Lenken Sie nun nach links," fügte er hinzu,„noch mehr nach links. So ist's gut. Und nun geradeaus!" Bald schloß ich aus einem heftigen Kugelregen, daß wir wieder über den deutschen Linien waren, und wenige Mi- nuten später rief der Leutnant:„Jetzt sind wir da! Ich sehe unsere Leute, die auf uns warten. Lassen Sie die Maschine sinken!" Weiter hörte ich nichts, und bald waren wir auf festem Boden." Tie Wartenden, die das Flugzeug umringten, hatten einen entsetzlichen Anblick: der Sergeant war blind, für immer seines Augenlichts beraubt, und neben dem bleichen Manne mit den er- loschencn Augen saß zusammengesunken der Leutnant— er war tot. Notizen. — Musikchronik. Im Friedrich-Wilhelmstädti- schen Theater gelangt am lo. April„Die Entführung aus dem Serail" von Mozart zur Aufführung. Die Konstanze singt Hermme B o s e t t i. — Vorträge. Freitag, den S., abends 9 Uhr, hält im Nollendorfhof, Bülowstr. 2, Dr. K o e r b e r einen Vortrag über das Thema:„Zur Psychologie des Unbewußten".— Am Montag, den 12. April, abends Ilbr, beginnt Dr. A. B e h n e in der Dorotheenstr. 12 eine Reihe von Lichtbildvorträgen über die Ä u n st A s i e n S«China, Japan, Indien, Rußland, Islam).— Dr. M. H. B a e g e beginnt im Auftrage der Humboldtalademie am Montag, den 12. April, Gcorgeusir. 30/31 seine Vorlesung tHalbreibe« über die moderne Schulreformbewegung und ihre tzauptvertrcter. — Geologische Sonntagsausflüge in die Mark Brandenburg veranstaltet der Bezirksgeologe Dr. Hetz von Wichdorff im nächsten Lehrvierteljahr an der Humboldt-Akademie; die Ausklüge werden durch Vorträge und UeBungen erläutert. Die Vorträge ffnden in der Bergakademie, Jnvalidenstr. il, Montags 8—10 Uhr abends, statt. Beginn 12. April. Dirslrtion: dlax Bernhardt. ' ö t'hr: Ein Sornmernachtslraurn. Sannabend: Schluck und tau. Sonntag 2'/, Uhr: Nachinittags- voj-stellung ikleine Preise): Die deutschen Kleinstädter. Kammerspiele. » Ehr: Der Weibsteufel. Sonnab.: Die deutschen Kleinstädter. Theater Ulf Freitäpi'UprF: Berliner Theater s Uhr.- Extrablätter! Dsulsches Könsller-Tbealer TO, v.- Egmonl. Deutsches Opernbaas, Cbarlottenb. 8 Uhr: JOSCf. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. v uhr: oie Fledermaus. Cebr. Herrnfeld-Theater ... Familie Plaseheh. Helbring contra Helbring. Kleines Theater 8 uhr: Liebelei. Komische Oper s.iou.: Gold gab ich für Eisen, Komtfdlenhans 8 um: Biedermeier. Lessing-Theater 8 uhr: im weißen Röss'l. I.nstspiclhans " zU.: Geblld. Menschen. K.Dreher a.G. Sonntag 3'/. Uhr; Die Orientreise. Uetropoi-Thcater S Uhr: Woran wir denken 1 Sonntag 3'/, Uhr; Der Hochtourist, 7Ion(is Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. s uhr: Hoheit tanzl Walzer. Residenz-Theater 8 uhr: Die Schöne vom Strand. Rose-Thcatcr sLTkr.DieForster-Christl Schiller-Theater O. 8 uhr: Nacht und Morgen. Schiller Th. Chariottcnbs- sj�hr: Ält-Heidelberg. Verantwortlicher Rcdcktcur; Thalia-Theater suhr: Kam'rad Manne. Theater am 5.~oliendorfpl. S1/. Uhr; Immer feste drnft! Sonnt. 3'/. U.: Oie DoKarprinressin, Theater des Westens 8 uhr: Rund um die Liebe Tbealer in der KöniggrätzerSlraße s uhr: Rausch. Trianon-Theater TO. u: Akrobaten. Volksbühne. Theater am Bülowplatz 8'/. u.: Berg EpiDdüBd sein Weih. Walhalla Theater 8 uhr: Die Jagd Daeh im GM. URANIA TaubenstraBe 48/49, 4 Uhr(halba Preise): Die fogesenuBil ihre Kaoipfstfc 8 Uhr: Aul d-SchUfelderoOstpreulieos 'Iß Uhr Kleine Preise. s A R R A S A X I Tor- v erkauf im Warenhaus T i e t z. Tel. N orden 10408. Zirkus Alb. Schumann! Freitag, den 9. April, Anf. 71/, Uhr: Gala-Vorstellnng. Auftr. sämtl. neuen Spezialitäten. TO. a.; Xeu! 3 Groegs 3 Neu! Xeu! 3 Rosellos 3 Neu! Weises radfahr. u. rollschuhlaut. 5 Bären 5. 9'/, Uhr: Ost und West. 0'/, Uhr. Großes patriotisch. Schaustück der Gegemvart. U-Boot HS sowie Torpedieren eines Handelsdampfers. Reichsiiaiien-Tbeater. Stcttincr Siinger. Anf. 8 U. Zum Schluß: Wdhtiscktssbend im Schülzenjfraben Militärisches Zeitbild Bau Mtyfel. MUitärpersoueu u. deren Angehörig«» vollkommen freier Zulrittzu _ Buchhandlung vorwärts Äljred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantio.: Th.Gtockr Eis® und Berta Wiesenthal Gustav Matzncr Else Berna tiussy Holl sowie der glänzende ApriJ-SpieipIan. Voigt-Theater. Sadstr 98. Badstr. SS. Freitag, den 9. April 1915; Gerichtet. Schauspiel in drei Aufzügen von Feist Philipp!. Kasseneröffnung 7 llkir. Auf. 8 Ilbr. Caisino- Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 llhr. Der Schlager aller Volksliistspirle: Ler jicrr Rommemenrat. Ter größte Erfolg dieser Saüo». Tazn das ausgewählte Spezial.-Progr. 4 Atiantics, Juana, Rlblo, F. Meißner. «onntag 4 Uhr: Osterglocken. ReukersWerke . 3 Sänbe 4 JHart■ Tkoatcr Folios Capncc 8<ü Posiert-Iheeier(Pis Onkel Adi! Kinodrama. Die Sprechstunde. Martin Kettaer a.G. Verkäufe. Steppdecken! Spottbillige Aus- nahpiepreise! 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Vcrlagsanstalt Paul Singer L- So, Berlin SV.