Nr. 89.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Zoimubti!!)) 17. April. Die Zlafche. Von Josef B a i tz. .Huuh°, kam es aus dem offenen Halse der leeren Flasche, die aus dem staub- und rutzgeschwärzten«simS des scheibenlosen Fensters stand.„Huuh", urachle eS jedesmal, wenn der volle Atem der beulenden Märznacht den Weg durch den Lichtschacht nahm, in die kleine Speisekammer fuhr und an der Tür rüttelte. Und�„hunh", echote eä aus dem geräumigen Bauche eines SchmalztopfcS. Und „huuh" gaben es schwindsüchtige Näpfe und Flaschen von Bort zu Bort weiter, bis schließlich auch das einschichtige Ei in verwittertem Körbchen, ja selbst der Kehrbesen mit einstimmte, der, lang und hager, träumend in der Ecke lehnte. „Das klingt fast wie Posaunenschall/ kam es heiser raschelnd aus der anderen Ecke, wo eine Reiste Zwiebeln hing, als ein noch stärkerer Windstoß über die Flasche auf dem Sims hereinschnob und ihr ein schauriges„Uuh* entlockte.„Und weiter hört Ihr nichts fragte diese dann.„Ist es nicht, als ob Grüfte und Särge bärsten „Das ist doch das Eis des Flusses i" belehrte sie der ihr zu- nächst stehende Schmalztopf, abgewandt, da er das Flunkern und den Petroleumduft, den die Flasche ausströmte, nicht leiden mochte. „Auuch", raunte diese, während eS wieder stürmisch über sie bereinstrich.„Das ist übrigens in dieser Nacht einerlei", versicherte sie.„Ich muß das am besten wissen." „Duu klang es gläsern, blechern und irden, in vielstimmigem, spöttischem Unglauben. „Ja. ich. Und wenn Ihr wollt, so sollt Ihr auch das Warum und gleichzeitig meine Geschichte hören, denn beides hängt innig zusammen." „Tie sattsam bekannte Manie, verkannt und unterschätzt zu sein," meinte das kluge Ei mit einer Gebärde der Ablehnung, in- dem eS sich, einem kräftigen Hauch von außen nachgebend, auf die andere Seite legen wollte.„Aber aus ihre Geschichte bin ich doch neugierig," dachte es und wälzte sich wieder in seine frühere Lage zurück. „Ich bin uralt," begann die Flasche.„Wie alt, kann ich Euch nicht berichten,'da ich mit meiner gegenwärtigen Verkörperung alles Bewußtsein meiner früheren Existenz eingebüßt habe und meine Erinnerung eben nur bis auf die Glashütte zurückreicht, aus der ich hervorgegangen bin. Von hier aus kam ich mit vielen Tausenden meiner Geschwister in die Kellerei eines großen Weinhauses in der Cham- pagne, um meiner ersten Daseinsbestimmung zu genügen. Man füllte mich, nachdem ich vorher auf das sorgfältigste gereinigt worden war, mit eincin Safte an, den die Menschen Most nennen. So ver- stand ich unreifes Ding es damals. Später erst erfuhr ich, daß sie ihn eigentlich Prost nennen. Die Menschen sind eben ungenau. Sie haben für alles und jedes mehrere Bezeichnungen, weil sie verlogen sind. Aber daß es ein ganz besonderer Saft ist, das stimmt I Ich habe es am eigenen Leibe erfahren.-- Die Menschen halten da- für, daß ihm der Geist der Wahrheit innewohne, und sie zeigen sich auch sehr beflissen, sich init diesem Geiste Vollzusaugen. Ich da- gegen behaupte, daß die Menschen auch hierin ungenau sind. Nicht Wahrheit liegt im Wein, sondern Wahrhaftigkeit! Denn: was ist Wahrheil?——— ES gibt überhaupt nur eine Wahrheit, und die ist so einfach, daß der Mensch sie seiner eigene» Kompliziertheit halber nicht ausfinden kann. Das erste Eiweiß- zellchen muß diese Wahrheil gekannt haben. Doch das ist lange her. Seiner Deszendenz erscheint sie nur noch als verschwommene Tradition." „Die Geschichte, die Geschichte!" drängte ungeduldig der Salz- napf, dem es ein Greuel war, auch andere am Brunnen der Weis« heil schöpfen zu sehen. „Habt Geduld!" bat die Flasche.„Ich wollte nur so nebenbei bemerken, daß dieser Geist, an welchem sich die Menschen so gerne laben, bloß der Reiz ist, der sie antreibt, s'ch so zu geben, wie sie sind. Ein unheimlicher Geist, der mir so manche saure Stunde verursacht hat! Die fünf Jahre, die ich in Gesellschaft von etwa drei Millionen Leidensgenossen in der Kellerei lag, waren ein unausgesetzter Kampf mit diesem rebellischen Geist, rtn fortgesetztes Ringen um unser Leben. Viele meiner Kameraden. weniger solid gebaut, als ich und die anderen, die wir leben blieben, gingen dabei in Scherben.— Wie? Ganz recht, mein liebes Ei! Geist ist, was jetzt aus mir spricht und was Dir die Fähigkeit gibt, dereinst ein Küchlein zu werden, wenn kein Eierkuchen aus Dir wird. Die Menschen preisen das Andenken des Mönchs Psrignon für seine Erfindung des Korksivpscls. Ich kann ihm nur fluchen. Hätte diese Fessel im kritischen Augenblicke nachgegeben, es wäre mir manche Schmerzensstunde erspart geblieben. So aber mußte ich mit der Zähigkeit eines Verzweifelten für mein bißchen Leben kämpfen, und oft und oft befürchtete ich, mein letztes Stündlein wäre ge- kommen." „Huuh," machte die Flasche nach einer kleinen Pause,„es war arg, und je länger es dauerte, umso ärger wurde es. Macht Euch übrigens eine Vorstellung von dem Schmerz, etwas Widerspenstiges in sich zu haben, das ständig an die Flanken preßt, so daß Ihr jetzt und jetzt auseinandergehen zu müssen befürchtet. Millionen Wehlaute wurden in dem weiten Lqbyrinth des Kellers laut, und glaubten wir, uns an den unheimlichen Ge- sellen endlich gewöhnt zu haben, so kam regelmäßig ein Mensch, was alle zwei, drei Monate einmal geschah, um uns nrit derber Hand zu schütteln. Davon wurde es dann noch ärger! Ich ver- wünschte mein Dasein und hätte eS viel lieber mit dem eines Spiegelglases bei irgend einer Kokotte vertauscht, wenn ich schon nicht die Linse eines Teleskops hatte werden können. Endlich schlug die Stunde der Erlösung. Ich wurde mit einer Anzahl Genossen fein säuberlich herausgeputzt und zu Schiff nach Petersburg gebracht. Um diese Zeit war die Grundlage meiner philosophischen Lebensanslbauung bereits gelegt und mein Sinn bereits aufgetan, die Wichtigkeit meiner Mission zu ahnen. Ihr lacht? Ich versichere Euch, daß ich, als ich eines Tages als sxtnr dry auf die Tafel eines vornehmen Russen gestellt wurde, fühlte, es würde der Geist, den ich so fest umschloß, nun auferstehen. Trotz- dem seither mehrere Jahre verstrichen sind, sehe ich den Mann noch jetzt vor mir, wie er, Furcht inr Herzen, langsam den Wein schlürfte und dabei Greuel sann. Und ich sehe auch den alten Juden vor mir, der etwas zu bitten kam und dem mich jener hohe Herr in einer Anwandlung lodernder Wahrhaftigkeit an den Kopf schleuderte. „Huuh," machte die Flache aufs neue,„hört Ihr das Eis krachen?— Von dem heftigen Aufschlag auf den Kopf des alten Juden hatte ich die Besinnung verloren und kam erst zu mir, als seine blutnasse Hand mit würgendem Druck meinen Eilberhals umspannte. Ihr könnt alles das auch figürlich nehmen. Tatsache ist. daß ich in den Besitz eines alten Juden kam, der viel betete und noch mehr fluchte. Wir blieben nicht in Petrograd. Wir zogen fort i ich vorerst ohne eine andere Bestimmung, als den Juden an seine Unter- drücker zu erinnern, überallhin mit. Habt Ihr den Namen Kischinew gehört, wo unter den Kindern Israels der Würgeengel so gräßlich umging? Die Zeit ging damals mit dem Knäblein Freiheit schwanger, doch seine Zeit war noch nicht da.— Auch der alte Jude verlor sein Leben dabei und auch sein Schwiegersohn, und später, als wir flohen, auch seine Tochter. Nur sein Weib, unsere alte Herrin, blieb am Leben und deren Enkellind, das man an der Brust seiner geschändeten und getöteten Mutter mißhandelt hatte. Ihr kennt ihn ja, den mit den Glutaugen und der verkümmerten Brust, dem das Elend eines bedrückten Volkes als Höckerlast auf den Buckel geladen ward. Daß die fliehende alte Frau mich mitnahm, wo doch andere, für sie viel wichtigere Dinge zurückgelassen werden mußten, schien mir bedeutungsvoll. Ich durfte mitziehen, und zwar als Amme des verwaisten Säuglings. ES konnte auch gar nicht anders konnuen Der eine hatte sich Uebermut aus mir gesoffen, Unrecht und Greuel zu verüben, dem anderen mußte ich Kraft und Mut, und später auch Licht spenden, zur Vergeltung. Es erging uns kümmerlich. und oft bekam der kleine David mit Tränen gemischte Milch zu trinken." Der Schmalztopf seufzte bei dieseic Worten und guckte sich tief in den hohlen Leib, denn Tränen waren auch ihm nichts Un- bekanntes. „Zunächst ging's nach Galizien". fuhr die Flasche iu der Er- zählung fort,„dock war unseres Bleibens dort nicht lange, weil man die Not nicht gern zu Gaste sieht, Ivo die Armut Pförtner fit. So hefteten wir alsbald wieder die Landstraße an unsere Füße und zogen weiter, selbstverständlich in das gelobteste Land: nach Ungarn. Meine Ammenschaft hatte um diese Zeit Gr natürliches Ende erreicht, und ich wurde, wohl wieder mehr aus SchickialZbestimmuug als. durch Zufall, zu dem, was ick auch heute bm. Bis dahin sozusagen nährende Mutter des elternlosen Kindes, half ick von nun an, seine und der Ahne trostlose Hungerabendc freundlich zu erhellen. Ich kann nicht behaupten, daß ich im ersten Augen- blick etwas Erhebendes darin erblickt hätte, aus einem Gesäß mit silbrigem Hals und gefüllt mit dem edelsten Safte am Ende eine Petroleumflasche geworden zu sein. Aber eine prophetische Stimme in mir, die sich jedesmal erhob, fo oft mich Lebensüberdruß nba kommen wollte, sagte mir, daß ich meiner Sendung just in dieser Verwendung werde am besten dienen können. Ich überwand denn auch sehr bald den ersten Affekt gekränkter Eitelkeit. Ich lernte langsam, mich mit dein Geruch des Petroleums vertragen und. weit entfernt, mich über die Geringschätzung, die mir von Euch ein- fälligem Gelichter allenthalben tvidersuhr, zu grämen, fand ich Trost und Genugtuung darin, daß ich Gemiedene Euch zur Strafe etwas Vorstiiiken durfte." Dieser unerwartete Ausfall hatte einigen Tumult verursacht und würde unfehlbar zu einer Prügelei geführt haben, wenn nicht alles, was gläsern war und somit zur Sippschaft der Flasche ge- hörte, sich auf deren Seite geschlagen hätte. Sie bildete die Mehr- beit und erzwang"{ich auch binnen kurzem wieder Ruhe und der Flasche Gehör. „In Ungarn waren wir auch nicht aus Rosen gebettet. Dessen- ungeachtet wären Ivir geblieben, wenn die Lockung einer in Berlin lebenden Verwandten der Frau es nicht anders gefügt hältc. Die ungewöhnliche musikalische Begabung des kleinen David und sein Gebrechen gaben den Ausschlag, denn für beides winkte Hilfe. So kehrten wir denn dem gepriesenen Lande der Magharen den Rücken. Bei dieser Gelegenheit hätten sich unsere Wege fast getrennt. Ich lag bereits beim ausrangierten Kram, als der Frau eine Flasche aus der Hand fiel und zerbrach. Statt ihrer wurde ich dann mit- genommen. Es folgten nun zwölf Jahre, in unwandelbarer Armut dahinfließend und begleitet von den Gespenstern der Vergangenheit� zwölf Jahre, während deren ein altes Augenpaar in cinein- fort klagte, ein junges aber begreifen und glühe» lernte. Daptd wurde ein Jüngling, in dessen kriippclhafteni Körper sich eine Seele entfaltete, in der die Genien der Kunst und die Dämonen der Knecht sckaft um die Herrschaft stritten. Musik und Freiheil— diese beiden wurden seine Leidenschaft, das Lied der Freiheit zu fingen, sein Lebenszweck. Nach Lage der Dinge hätten wir in Deutschland verbleiben müssen. Aber die Menschen tun nickt immer das, was ihnen frommt: sie werden oft geheimnisvoll angelrieben, gegen ihren offenbaren Vorteil zu handeln. Einem solchen Antrieb muß auch unser David nachgegeben haben, als er vor nunmehr zwei Jahren in seine Großmutter drang, wieder in die alte russische Heimat zurückzukehren. Unter Tränen wurden die Koffer gepackt. Ihr habt die stürmische Weise schon gehört, die David neuestens so häufig spielt? Ein Lied, so voll von Glut und Sturmestoben, daß die Marseillaise»reines freien Vaterlandes ein Wiegenlied dagegen ist.— Huuh. Vor einigen Tagen trat er, eine brennende Kerze in der Hand, hier ein. Ihr schliest bereits. Die Lampe lvar ihm aus- gegangen, er suchte mich. Ich war aber bis auf einen ganz kleinen Rest auch leer. Verdrießlick wollte er mich wieder zurückstellen, dann überlegte er und versuchte, die Kerze in meinen Hals zu stecken. Wir paßten zusammen. Er nahm uns mit in die Stüde. setzte mich vor sich hin auf den Tisch und begann zu schreiben und zu glühe«. Ich fühlte eS: das lvar die Krönung meines Lebens. Die Stunde, zu der es bereits ausgehoben hatte, als ich im Wurf den Kopf des alten Juden traf, diese Stunde mußte nun schlagen. Um dieser Stnnde willen lvar ich nach Rußland gekommen, war als Amme und später als Lichtouelle desjenigen durch die Welt gezogen, der berufen war, die Vergelten» Freiheit durch ei» Zauberwort zu wecken. Ahnungslos vielleicht, was ich mit dieser Stunde gemein hatte, pflanzte mich der Rächer bor sich auf den Tisch und dichletc unter meinen Augen sein Lied der Freiheit, die Worte zu jenem Die Erzählung öes Mobilgaröiften. Von Friedrich a tz e l. Im Lager bei Le Maus bildete damals ein alter See- mann, der Admiral Iaurds, das ZI. Korps. Zu diesem stießeil wir. Ich weiß nicht, ioar es das Beispiel von Truppen, die fcboii besser geübt waren, war es der Eifer, der sich von eben herab in unsere Führer ergoß, oder vielleicht nur der trockne Boden dieser Gegend, den dichtes Heidekraut bedeckte, wir lebten auf, die Mürrischen wurden heitörer, die Wider- ipenstlgen folgsamer, und da auch die Erinnerung an die .Heimat allmählich verblaßte, wurde in manchem mit der Zeit ein guter Wille herangezogen, zu gehorchen und zur Not in den Kampf zu gehen. Unser Kommandant erhielt ein Regi- inensi nitd die Führung unseres Bataillons übernahm mm ein Hauptmann, der früher Professor an einer Kriegsschule gewesen war. Vielleicht nannte inan ihn deshalb den Philo- fopheu, vielleicht auch weil er weniger als nichts von mili- tarischen Aeußerlichkeiten hielt. Darin war er das Gegenteil von seinem Vorgänger, der streng auf Ordnung im kleinsten gehalten hatte. Vielleicht wollte er sich bei uns beliebt machen. Er fpracb oft vor der Front von dem Fluch der Eitelkeit, dem der Soldat verfalle, der in einer Zeit, Ivo alles auf den Kern ankomme, feine Pflicht zu tun glaube, wenn nur alles blank fei. Das paßte nun für uns gar nicht, denn l»ir litten eigentlich alle an dein Fehler, daß es bei uns zu loenig glänzte. Ich lvill Soldaten befehligen, die den Feind ichlage», ov sie Hofen anhaben, ist dann gleich. So machten wir denn. Jelddienslübiingen von früh bis spät und nrmten lasch aufgeworfene Schanzen, in denen wir. wenn ivir sieg- reich oben ankamen, bis über die Knie in den Schlamm sanken. Was uns anbetrifft, so hatte der neue Kommandant die idealsten Vorstellungen von den Soldatenpflichten und äußerte in Reden vor dem Bataillon seine Freude darüber, daß er berufen sei. gerade uns zu Heldeü zu erziehen, die sonst in der Dumpfheit des bürgerlichen Daseins hingelebt hätten, ohne zu wissen, daß in jedem Franzosen ein Heid stecke. Für sich selbst stellte er dagegen fest, daß der Offizier vom Bataillonskommandanten aufwärts, der sich gleich im Beginn des Angriffs an die Spitze feiner Truppen stelle, die er zu leiten habe, mit feinem Leben die beste Karte ausspiele, die er bis zuletzt In der Hand bebalten sollte. Was ist nun seine Truppe ohne ihn, wenn er fällt? Ihm muß der Mut aner- zogen sein, sich nicht auszusetzen. Der Tod auf der Bresche, der für den Soldaten der höchste ist, ist für ihn viel zu dillig! — Also, sagten wir, zieht er vor, im Bett zu sterben. Wenn wir von einer Höhe zurücksahen, sah ein Regiment im Marsch wie eine Kette von Schafherden aus! der Unteroffizier, ein Studierter, jagte: Wie eine Schlange, die sich in ihre Glieder auslöst. Mir war dieser Anblick doppelt unangenehm, denn ich lvußte, daß eine Herde Schafe ordent- iicher beisammen bleibt. Da sah man, daß jeder Einzelne eine andere Richtung und ein anderes Tempo angenommen haben würde, wenn nicht der Trieb zu leben einen an den anderen gefesselt hätte. Aber dieser Trieb genügt nicht für die äußersten Fälle, in denen es sich zeigte, daß Ivir kein Bcr- trauen zu unseren Führern hatten. Wir merkten bei jedem anstrengenden Marsche, daß die Maschine zu neu war, die Teile stießen einander, wenn man sie in Betrieb setzte, ein Rad rieb sich am andern. Die Soldaten erzählten sich, daß Chanzy weder obere noch untere Ottiziere an den Stellen bei den Vorposten angetrofsen habe, die er ihnen zugewiesen hätte. Je mehr solche Dinge umliefen, desto lockrer wurde der Zusammenhalt der Herde. Mangel au Vertrauen ist eine Krankheit des Herzens, die lähmt und schwächt. Als unser Major eines Tages mit einer neuen Rosette im Knopfloch, die ihm eben verlieben worden war, vor die Front trat, ging ein lautes Hohnlachen durch die Reihen. Man fragte: Wo hat der Phltofoph das verdient? Es war vergeblich, daß man die Gendarmerie vermehrte, um am Schlachttag die Aus- reißer durch eine Postenkette hinter der Front aufzuhalten. Ehanzy wußte, wie die nahe Stadt die Sehnsucht nach.Zimmern, Betten, beleuchteten Straßen, die entfernte Hoffnung auf besseres Essen und Trinken, auf gestickte Kleider und neubesohlte Schuhe erweckte: er soll sogar beabsichtigt haben, im Falle der Sckilacht die Brücke abzubrechen, um den Rückzug in die Stadt unmöglich zu machen, der vielen als das lvill- komiiieiiste Ende des Krieges erschien. Im Januar kam der Feind näher: wir sahen ilni nicht, aber es hieß, er fei nur noch einen Tag entfernt. Doch kamen Ivir nicht gleict: mit ihm in Berührung. Wir hörte» in der Ferne die Geschütze donnern, jähen Verwundete, die zurück- transportiert wurden, und ließen todmüde und ausgehungerte Regimenter an uns vorüberzieheist die rückwärts verlegt wurden, weil sie entmutigt waren. So wird es uns auch eines Tages gehen! An einem Morgen nahmen wir eine Stel- lung hinter den breiten Höhen vor Le Maus ein. Das Wetter war schlecht, die Erde weich. Das Bataillon wurde auseinander gezogen, die Sektionen postierten sich hinter Deckungen. Ter Major zeigte uns die Richtung, woher der Feind kommen mußte und sagte, von unserem Festhalten hinge das Schickjal von Le Maus ab. Was kümmerte uns Le Maus, das wir bisher nicht einmal betreten durften? Niemand begriff, warum wir gerade hier kämpfen sollten. Wir kamen an diesem Tage nicht nahe an den Feind, und doch hieß es: Wir haben die Schlacht gewonnen. Welche Schlacht? Nun, diese. Keiner war, der sich eine Schlacht so gedacht hätte: marschieren, stehen, marschieren, liegen. einige Granaten, ausspringen, lvieder marschieren. Wo war der Elan, wo das Vordringen? Geduld, Schweigen war die Tugend, die gefordert wurde. Das Fragen hatte man längst vergessen, denn niemand wußte ctlvaS. Tie schwarzen Schlangen, die dort in die sohle Tämme- rung hineinziehe», immer breiter zusammcnfließond, das ist der Feind? Das einzige, was wir von ihm gesehen haben! Wir folgen ihm nickst, wir bleiben stehen, wir legen uns in die nassen Furchen, wo gerade keine Pfütze stand. Wenn wir gewußt kiätten, daß sein Rückzug nur ein Ausholen zum Stoß mit stärkeren Kräften war, würden wir weniger ruhig ge- schlafen haben. Am dunkeln Frühmorgen wurden wir alar- iniert, es war noch kein Schimmer von Dämmerung am Himmel, keiner sab den anderen. Unsere Führer waren Stimmen ohne Gesicht und Gestalt, Koininandornfe, denen man in der schivarzen Dunkelheit nur zögernd, unsicher solgt. Man hört Schüsse auf allen Seiten, ihre Patrouillen scheinen um uns zu wimmeln, lvir erwarten im ersten Morgenlicht ein Heer von Hetmspitzen auftauchen zu sehen. Halt! ruft mein Nachbar, Iiält mich am Arin zurück ugd deutet bloß auf ein stangenartiges gerades Birkenstäinmchen, das ilirn eine Ulanenlanze vorgetäuscht hatte. Ter Lärm legt sich, man sagt, es seien feindliche Patrouillen aus Versehen in unsere Linie geraten. Das müssen Wäghalse sein, die sich so ver- sehen! Eine wellige Ebene, wenig Wald, ziemlich viel Dörfer. so war das Land östlich von uns. Es schien uns gefährlich zu scin, denn es konnte Taufende von Feinden in seinen flachen Mulden, hinter den Hecken und niedrigen Mauern der Aecker berge»: Armeen tonnten hier verschwinde» und lvieder auftauchen, und ilieniand wußte wohin, woher. So waren wir denn in der größten Ungewißheit, ob Nur nickst liiitten ins Verderben hlneiniliarschierten, und fonnteft tiob des anfeuernden Tagesbefehls Ehaiizys, der uns gestern derlefen worden war. nickt die Ileberzeuguna gejuinnen. daß wir siegen würden oder müßten. Junge Offiziere, die au." gesandt waren, den nahen Feind aiiszukuildsckafteil, kainen berangesprengt, als fei ihnen eine Armee auf den Fersen. Große Massen marschieren gegen nns, riefen sie. Was? O. das konnte ich nicht genau sehen, ich glaube, es sind Feinde! Zum Glück waren es zu der Stunde noch welche von den Unser». Damals sah im Schnee jeder Triippenkörpev schwarz- grau aus. Diese jungen Leute riskierten nicht, den Schuß auf sich zu ziehen, der ihre Zweifel zerstreut hätte. Wir arbejteien uns in derselben Unsicherheit weiter. Nim hält! Das bedeutete zunächst Niederwerfen, Ivo eben gerade einer stand. Ich saß neben dem Sergeanten. ans dem Rande des Straßen- grabens, seine Hand berührte mich, und als ich ihn zusällig ansah, winkte er mir zu. und ich sah die Spitze seines Schnarr- barts auf ein Dorf rechts am äußersten Horizont hinweisen, über dem ganz tief eine lange weiße Wolle lag. Manchmal sah man kleine Wölkchen darüber aussteige», sich auflösen und in der langen Bank verschwinden: Dort wird geschossen, es sind Granaten, der Wind trägt den Sckall von nns weg: st'd acht, wir werden gleich einschwenken und Pulver riechen. (Schluß folgt.) smt&cufccit Kauchsruf, der Totes lebendig und Lebendiges tot machen kann. Die Zeit geht wieder schwanger, doch es ist kein Knäblein mehr, sondern ein lendengegürleter Streiter, den, sich ihr Schotz össncn lvird. Heute ist die Nacht, da die Freiheit auferstehen, und morgen der Tag,� da die.-eoliiie ein freies Rußland bescheinen soll. Heule nacht! Fch habe es vom Lanlpendocht gehört, der dabei war, als das gedruckte Lied.. Hier tvurde die Flasche durch den Donnerschlag eines Äanonem »chnfies unterbrochen, der jäh in die orgelnde Märznachl und das Krachen des Eises ans dem Strome hinein dröhnte. Die Flasche tat erschrocken einen kleinen Satz— und lag in tausend Scherben auf dein Loden. Eüsn Kep über Deutschlanö. Wir lesen in der„Neuen Preußischen"(„Kreuz)- Icirnng": In einem Aufsatze der schwedischen Zeilschrift„Das Forum". der die Ilcberschrist„Gleiches Maß" trägt, setzt sich Ellen M c h mit Deutschland auseinander und kommt, bevor sie Süd- jiilland für einen„abzurundenden Norden" annektiert, zu folgendem Urteil über da» Land, das ihr zum größten Teil die Bedeutung gab, die sie für ihre Berehrer besitzt: „Fir den letzten Monaten hat man von Deutschland au» privat wie öffentlich die Frage gestellt: warum sind wir von allen ge- baßt. Auch von gewisser Seile im FeindeSlande hat man darauf geantwortet: niemand haßt das große und bewunderungswürdige deutsche Volk. Aber in au haßt das preußische System und den preußischen Willen zur Weltherrschaft, zu einer Germanen- ivelt im Stile des RömerreicheS.... Zu gleicher Zeit wird in Deutschland verkündet, daß jeder Versuch, zwischen preußischem und deutschem Geist zu scheiden, feindliche Gesinnung verrät. Za. man bat erklärt, daß derjenige, der behaupter, Deutschland, aber nicbt Preußen zu lieben,„enr Schelm und Schafskopf" sei. sH. S. Ehamberlain.) Man bemüht sich jetzt in Deutschland, die großen Geister, vor allem Goethe und Kant, zu Quellen der Inspiration für das heutige Deutschland zu machen. Im„Forum" lder gleichen Zeitschrift, in der E. Key schreibt» hat schon Alf. Rymann klar be- wiesen, wie wenig Kant mit der Anschauung zu tun hat, die den lategorischcu Imperativ zu dem Satz vereinfacht: marschieren und nicht räsonnieren. Was Goethe anbetrißt, ist die Ungereimt- bcit, ihn mit dem Prcußengeist in Verbindung zu bringen, noch größer.... Dem Golde des deutschen Geistes wurde durch den preußischen Geist das stärkere aber tveniger edle Nietall bei- gemischt, das nötig war, damit die deutsche Volkspcrsönlichkeit ge- staltet werden konnte. Die Einsicht des deutschen Volke», wie viel Preußen für Sein und Bestand des Reiches bedeutet, hat eine dankbare Nachgiebigkeit gegcit den von Schiller, Goethe und Kant in gleicher Weise gehaßten Grundsatz, daß Macht Recht sei, mit sich gefiihrt... Auch die preußischen Tugenden— Kühnheit, Mannes- zucht, Organisations- und Anpasiungsgabe und Liebe zur Arbeit— yaben nicht nur Lichtseiten. Die Disziplin hat so liefe Schatten, daß sie aus dem besten Wege ist, das d e u t s ch e Volk für das Stecht blind zu machen, nur um in allein seine Führer gut zu heißen. Dieses hochstehende Boll muß jetzt die Be- z e l ch n u n g Barbaren ertragen, da es in seiner Mitte jenen Geist geduldet, der seinen Ausdruck in den, Kaiserworte iand, mit dein die nach Ehiua abgehenden deutschen Truppen er- mahnt wurden, wie Hunnen vorzugehen.� Dieser selbe Geist war ivirksam bei der Verdeutschung von Sönderjylland, Polen und Elsatz-Lothringen, bei der Verletzung der belgischen Neutralität, bei der Behandlung dieses Lande» und ebenso beün Sozialistengesetz, bei der Affäre von Zabcrn und andern, noch mehr innerhalb von Deutschland selbst. All da» ist„preußische Prägung"... Für denjenigen, der wie ich den germanischen Geist im deutschen Volke liebt, wird nicht Moskau oder London zu Deutschlands gefährlichstem Feind, sondern Potsdam, wie es sich hier oben zeigt." Ein Landsmann von Ellen Key, der den„Münchener Neuesten Nachrichten" den Aufsatz aus der genannten Zeitschrift sandte, schreibt über ihn folgende»: „All das ist so aufregend und widerlich, daß ich Dich wirklich nicbt damit geplagt hätte, wenn es nicht Ellen Key wäre. E. Key ist in Deutschland„groß" geivorden, was sie hier bei uns nie ge- worden ist. Sie ist in Deutschland geschätzt, gelesen und bewundert morden. In England und Frankreich ist sie nahezu unbekannt, eher„«IroeüiriA". Jetzt sieht man, toie viel sie wirklich auf ihren Tourneen über da» moderne Deutschland gelernt hat und mit welcher Dankbarkeit sie die Begeisterung der deutschen Stammes- freunde lohnt." * Wir wiederholen, daß wir die» alles wörtlich und mit denselben Uiitcistreichuiigeii in der„Kreuz-Zeitung" lesen. Theater. KZ Iii gl. Schauspielhaus:»Kriemhilds Rache", Trauerspiel von Friedrich Hebbel. _ Im zweiten Teile de» Nibelungendramas, das dem ersten in der vorigen Woche gespielten auf der Bühne de» SchauipielhauieS jetzt folgte, hat sich der Dichter noch enger als in„Siegfrieds Tod" an die Züge de» alten Epos gehalten, die Charaktere kaum irgend- Ivo, wie dort den Siegfrieds. aus eigenem modisiziert. Nur den Ausgang hat der Dichter, durch eine eingeschobene Episode darauf vorbereitend, zu einein anderen Sinne gewendet. Wie Hebbel, immer bestrebt, für die Gegenstände seiner"Dichtung irgend eine allgemeine geschichlsphilowphische Perspeitive zu gewinnen. seine„Judith" als ein Ringen des Judentums mit dem in Nebukadnezar verkörperten Heidentum seine„Genoveva" als eine Darstellung mittelalterlich christlichen Geistes aufgefaßt wissen wollte, so sah er in dem Nibelungenlied (offenbar mit weitaus größerem Rechte) eine Abspiegelung allgermaniich- heidnischer Denkart und suchte diesen Eindruck bei der dramatischen Reuformung durch einige Ausblicke auf die damit kmilraftierende Welt de» herannahenden Christentums zu vertiefen. So taucht beim Gastinahle der Recken die Gestalt eines großmächtigeii Fürsten auf, der, wie zur Verwunderung aller erzählt ivird, dem Glanz entsagend, zur Buße seiner Sünden als demütiger Bettler durch die Lande irrt. Und während in dem Epos am Schlüsse Kriemhild, die Mörderin Hägens, durch einen der Mannen Dietrichs fällt, schließt Hebbel» Dichtung damit ab, daß der entsetzte Heide Etzel die Herrschaft seines Reiches an Held Dietrich, der die Botschaft des Christentums in sich ausgenommen, srenvillig abtritt. Die Erwartungen, die man in diesem zweiten Teile aus Frau Durieux setzen konnte, ersüllten sich vollauf. Der versteinernde ivelt- abgestorbene Groin und die als einziges Begehren in der Seele forlglimmsilde ölachgicr gelangten zu eindringlich linposanlem Ausdruck. Die Sprache hob sich in den entscheidenden Momenten zu eherrrenr, von der Resonanz unbeugsamer Willenseirergie getragenein Klange. Nirgends die Entgleisung in ein leeres Pathos. Man glaubte dieser Kriemhild ihre Taten. Auch sonst stand die Aufführung unter einem günstigen Stern. Insbesondere verdienten Kraußneck» Hagen, v. Ledeburs eigenartiger Etzel und Fräulein Thicmig in der kleinen Episodenrolle von Rüdigers Tochter alles Lob. Leider erlitt die Wirkung durch die Länge der Pausen, die wohl in dem durch den Kriegszustand herbeigeführlen Mangel an technischem Personal be- gründet war, einige Beeinträchtigung. kleines Feuilleton. Hot üen milüen Winter üe? krieg verursacht! Im neuesten Heit der„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" wirft Tr. A. Nippoldt die Frage auf, inwieweit die milde Witte- Fragestellung allerdings umgekehrt; denn in den Spätsommer- Monaten von 1870 mar cS auf dein Kriegsschauplatz ungemein regnerisch, wogegen der vergangene Spätsommer trocken war. Ta- iür war der Winter 1870/71 im Gegensatz zum gegenwärtigen Wiirter sehr kalt gewesen. Schon die Gegensätzlichkeit der Witte- rnng in diesen beiden Kriegen sollte zu denken geben; denn es ist ivohl nicht gut anzunehmen, daß durch die Kanonade einmal Regen» das andere Mal aber strenge Kälte hervorgebracht wird. Läßt man aber den Krieg von 1870 ganz außer Betracht und wendet sich nur dem gegenwärtigen Kriege zu, so ergeben sich auch wieder Jahres isie Rede; jedenfalls ist er schon damals geschrieben wor- den. Mit dem Beginn des Monats März yat aber, Iva» für die Entscheidung des Problem» außerordentlich wichtig ist, eine vcr- spätste und langanhaltende Periode winterlicher Witterung ein- gesetzt, ganz besonders im Bereich der oftfichn: Kriegsschauplätze. Ter Monat März war bis zun: Schsujse im ganzen östlichen Mittel- europa reich an Frost und Sckmee; noch in den letzten Tagen de» Monats sind ungemein niedrige Temperaturen für die Jahreszeit beobachtet ivorden. Vor allen Dingen war der März seit dem Jahre 1000 nickt mehr so kalt wie in diesem Jahre. Nun hat aber der Krieg im vergangenen Monat auf keinem der Kriegsschauvlätze ein nennenswert anderes Gesicht gezeigt als in den eigentlichen Wintermonaten dieses Jahres, die überall, auch im Diten, sehr mild verlaufen sind. Schon damit gerät die TTieorie, daß der Krieg an dem milden Winter sckuid sei, sehr in» Wanken, wenn auch theoretisch an eine» ursächlichen Zusammenhang gedacht werden kann. Diesen sucht Nippoldt in einer gesteigerten Jonenbildung durch die Mnmtionsgasflammen und durch die reinen stiauchgase der brennenden Dörfer und sonstigen Baulichkeiten; bedarf es doch zur Bildung de» Regentropfens eines sogenannten Kondensation»- kernes, der ein mikroskopisch kleines Staubteilchen sein kann, als welches aber auch die äußerst kleinen, elektrisch geladenen Teilchen genügen, die wir unter dem Namen der Jonen kennen. Jedenfalls läßt Nippoldt die Möglichkeit einer vermehrten Regenbildung durch gesteigerten Joiicngehalt der Atmosphäre besteben, ohne die Frage endgültig zu entscheiden, was nach seiner Meinung erst geschcden kann,»venu das genaue meteorologische Beobachtuugsmatcrial der deutschen Wettcrsetdjlationen durchgearbeitet iein wird. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, daß damit viel für die Aufklärung des Problems gewonnen wird. Im Vergleich zu den gewaltigen wettergestalteiiden Kräften der Sonne und der Atmosphäre ist selbst die furchtbarste Kanonade gering zu bewerten, und über etwaige kleinere lokale Einwirlnngen hinaus dürfte der Krieg die Witterung Europa» sicherlich nicht beeinflußt haben. Ein Srief aus ruj�scher Gefangenschaft. Ein deutscher Reiteroffizier, der am 1. Oktober bei einein Kavallerieangriff in Russisch-Polen durch einen Sturz voin Pferde in russische Gesangeuschast geriet, schreibt seiner Frau folgenden Brief, den die„B. Z. am Mittag" mitteilt: ... Im Nu ivar ich von fünfzehn feindlichen Reitern umringt und wurde mit einiger Mühe hervorgezogen. Es lvar auch gleich ein Offizier da, so daß ich in anständigster Weise in Empfang ge- nommen wurde. Irgendwelche Gegcmvebr oder Flucht war aus- geschlossen. Meine Waffen wurden mir sofort abgenommen, des- gleichen das Fernglas. Dann mußte ich auf ein mehrfache»„vite? vitei" l»schnell I Schnell!> des Offiziers mich.auf. ein Kofakenpfcrd heben lassen, und eilig ging c» zurück, woher die Russen gckommcu waren. Ich hatte mir nämlich bei dem Sturz den rechten Fuß nebst Knöchel gcguctscht, so daß ich ackt Tage nicht ordentlich gehen konnte. Es ist aber uneder völlig geheilt und in Ordnung. Zunächst wurde ich— nachdem ich von mehreren Offizieren deutsch angesprochen worden war, u. a. einem Neffen de» bekannten Grafen Wartensleben aus Berlin— zum Kommandeur des in zehn Minuten Entfernung haltenden russischen Dragoner-Regiments gebracht, der mich— sehr finster— einem kurzen Verhör unterzog. sich nach der Bagage erkundigte, woraus ich nur eine verneinende Antwort geben konnte, und ohne Gruß und Wort mich entließ. Tann ging es zu Pferde, eskortiert von einem liebenswürdigen deutsch sprechenden Offizier und einem Dragoner, zur russischen Division, wo ick sofort dem General vorgeführt tvurde. Man war äußerst liebenswürdig und ritterlich zu mir,!iw» mich in meiner traurigen Lage sehr wohltuend berührte. Erst setzte man mir zu essen und zu trinken vor. dann tvurde ich einem länge- rcn Verhör durch einen deutsch sprechenden Ossizicr unterzogen. Kaum hatte ich meinen Namen genannt, als er plötzlich lächelte, mich fragte, ob ich wohl mit der Buchbandlung etioa» zu tun hätte und, als ich bejahte, mir erzählte, daß sein Vater, ein Professor>"ch von Trautoetter, immer seine medizinischen Bücher ans der Buch- Handlung bezogen hätte.— Wenn dies auch tcinerlci Bedeutung weiter hatte, so war e» dock ein ganz angenehmes Gefühl, je- munden gegenüber zu haben, dem der Name etwa» Wohlbekanntes war.— Nach kurzer Zeit wurde ich auch dort cntlnssen und einem ai.de-- ren General, tvahrschcinlich Kommandeur der Kavallerie-Divifion. vorgcjührt. Hier wurde ich beinah noch liebenswürdiger aufge- iwmmen, und taim nur des Lobes über die Behandlung voll sein. Ich wurde in freimütigster Weise bewirtet und dann einem aller- ding» sehr eingehenden Verhör unterzogen. Hier sprachen mehrere Offiziere deutsch, ich hatte an ihrem Tisch Platz genommen und man unterhielt sich noch einige Zeit mit mir. Ein sehr gut sranzösisc'? sprechender Lisizier sagte zu, einen Brief, den ich schreiben sollte. an Dich befördern lassen zu wollen. Hast Tu den Brief erhalten? Er ist ohne Ort und Tatnm geschrieben. Nachdem ich dann kurze Zeit in einem Bauernhaus unter Bewachung untergebracht Ivorden war, brachte mich— es war inzwischen etwa Mitternacht geworden — ein Offizier per Auto nach einer Bahnstation, ich glaube Olita, von wo dann der Bahntransport bis hierher losging. Ans der Station war ich— nachdem ich unterwegs einige Zeit geschlafen hatte— etwa gegen 5 Uhr morgens ange...(Der Schluß des Briefes ist von dem russischen Zensor abgerissen worden.) Notizen. — Theaicrchronik. Im Kleinen Tbeater findet�die Erst- aufsührung von G r a b b e s Lustspiel:„Scherz. Satire. Ironie und tiefere Bedeutung" am Donnerstag, den 22. April, statt. — Musikchronik. Im Friedrich-Wilhelm st ädti- schen Theater� gelangt„Die Entführung aus dein Serail" mit Sophie Heymann-Engel al» Gast zunächst am Montag, den 10. April, zur Ausführung. — Die Deutsche Bücherei in Leipzig» die große im Werden begriffene Zeiitralbibliothek, geht ihrer Vollendung rüstig entgegen. Am 30. April soll der Schlußstein gelegt werden. — Gin Naturdenkmal. Hermann L ö» S. der Schildercr der Lüneburger Heide, der im Westen fiel, soll im Zentrum der Heide eine Gedächtnisstätte erhalten. Ein Heideberg im Naturschutz- park soll in vollem Naturzustände erhalten bleiben und als„Löns- beide" die Erinnerung an ihn toachhalten. Vornehm» Herren-falocten fertig und nach T�laß Garantie: Tadelloser Sitz, ■feinste Verarleitung. IjP Brauereien UJ.aüeiuno&A.HoiimannS i.»X�nch Akt.-Brauerei Potsdam � Jjjjg einmal. Eig. Niederlag- Berlin SW.,|* Tempelhofer Ufer J5, Brandenburg a. H., Wilhelms Bdorferstraße 72. L fnflT«Potsdam. Stano�n-X? hier Bür�erbrau.E j Brauerei[ W. Sensfi A. G.\ Potsdam| Feinste QualitätsMere. Teilzahlung gestattet J. Kurzlerg& Co. Maß- Schnei der ei Rosenthaler Str. 361 Keine Filialen Gegründet 1898. BezugsqueUen'Verzdcbnis :: Berlin-Westen: Untenstehende| Geschäfte empfehlen sich I bei Einkäufen. * Koifos-uersana 1 führen unü j Drogen� Farban Drogerle Severin, Vfilmcrsdor BerliDer8t.l34,T.-a.-T.Batier-KlaweC 'Fleisch- und Ulurstuiar.� Jrtjl— Turmstraße 37— Juli ff. Fleisch- u.Wurst w. porg Oabelow Potsdamer Strasse 76b lPJari,P„MiDp8tr.l 'P Qnhlnnnl Pestalozzistr. 93. iE. Schlegel Spcx.rThär.Wurstv. Heideschloß Hohenbinde fÄ Jdnllijche Sommerfrische X»Zum Gutenberg-. X Amt Erkner 293. Empicble iiicüi romantisch an(awrec und Wald gelegenes Lokal(2 Säle, 2 Kegelbahnen) zu Ausflügen, Vercinspartien usw. Alb. l-ebmann. jP.Seylarl, Gro8g6rsch.-S1.3 f, Steuer Jl-Mflabil 112. idriugen, Jöcrcinspanicn uiiu. aio. jue'uinann. ist der schönste Ausflugsort?� Immer noch Picheismerdetv VclmaX" beim Alten Freund. ■h am 0« v Bei oenlelnsamem Bezug Preisermässigung Berlin, Lützow.tr. 94. Verlangen Sie Frelgllste. g* iColoniaiwar. � Lichterfelde 1 ÖJ, ß. Sfflßlla zVhl.r:J£g2_� \ liowawes" Nfnnsteiiistr. 1 Wirtschaften und Efabllssement» Wilhelms' havener Str. 46 IW Kollow 86«EiiflÄS� Boussel- Spandaueröerg- Brauerei Bwalth. Seidel U'o. �möbal-iVlaosiinsumk-O •Fabriken- jö. Wer, Lübestetr. 15. 8 �Gelegenheitskaufe ß* Wloikereien JNord- WestS 2 Milchwirtschaft M flataugr, WM. 110, I Grammophone I �Sorcnier- u. UliiMHale| »ff. Blera und Speisen »P. Elle A. Stegmeyer. Weit-, Wollwaren, j Trikotagen) T.eweren z NS.msdBhlc Tapeten. LinoIeam.Wachstuche.h Schneider. ChansieMtr-Sa�T�Oifipi Z. matzanke Priester6t.4,5, Großb«erenitr.213 Kolonialwaren, Butter, = Spirituosen= Spezialität: täglich frisch geröstete Kaffees Weine-• Clgarren. FPiedrlcfl- Hircnglatz i Wäsche, SchDrz., Trlkotae., Weiß- und Wollwaren. EJeiocä 3. K'cpcr Friedrichatr. 28 Damen-, Kinder-Konfektion Robert Spörl, Kircbiir.4,Eemn- and Knaben-Bf kloiunng. Ferappr 186, Bredowstr. 36. Joghurt Spezial-Geschaft«| Lankwitz aKaufhans Max Schlesinger� jKaiaerWilhclm-Str. 24 n. IlaiipTslr.7.y "Är Sdir5tor,5pmd«i!,?i)tsla»«ntr.5cy- ISpr. F»trr»dcr Egparsur.«, Sysitmt! _ Zahnateliers ��"Schöneberg" laiitewteg;.« Steglitz j { Riax Schröder