Nr. 100.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Freitag, 30. April. Der Laubenkolonist» Ter Gemüseanbau ist jetzt in vollem Gange. Wer bereits im svcbruar oder März Spinat gesät Hai. kann jetzt die ersten Ernten dieses schmackhaften und bekömmlichen Gemüses w die Küche liefern. Alles in allem ist aber der Mai noch kein Erntemonat, wenn er »iis neben topinot auch eines der köstlichsten Gemüse, den Spargel. liciert; mitsprechende Ernten beginnen erst ini Juni. Dann sind die ii»heften Karotten, die frühen Maierbsen und von Kohlgeinüscn irühe Kohlrabi erntereif, gegen Ausgang de-Z Monats auch frühester Wirsing» und frühester Blumenkohl, erzogen aus überwinterten Pflänzlingen. Jrüh- und Spälkartoffeln sollen jetzt fertig gelegt sein. Sobald die jungen Triebe einige Zentimeter aus dem Boden herausgewachsen sind, beginnt das erste Behacken, wclchein bald ein zweites und dann das Behäufeln zu folgen bat. Bon Frühkartoffeln, die freilich jetzt rar sind, kann man in diesem Monat auch noch eine zweite An» Pflanzung machen, die immer noch vor den späten Winterkartosieln reif wird. Der Mai ist die Hauptpflanzzeit für Kohlgemüse jeder Art in den Spätsorten. Zu dieser Pflanzung verwendet man Pflänzlinge, die nicht im Mistbeet erzogen, sonder» aus einer Freilandaussaat hervorgegangen sind. In sehr gutem Boden gibt man den grosten, späten«orten den Vorzug, in leichtem Sandboden den kleineren Frühsorten, die aber Ausgangs Mai gepflanzt, gleichfalls dem Winterbedarf dienen. Die sehr raschlebigen Gemüse kann man auch jcyt noch aussäen, um sie auch noch im«pätherbsl für die Küche zu haben. Von den barten Winterkohlarten, die über Winter im Freien bleiben, dem Blätterkohl und dem Rosenkohl, macht man in den ersten Tagen des MonatZ die Hauptaussaat aus ein nicht zu sonnig gelegenes Gartenbeet und pflanzt dann die Sämlinge im Laufe des Juni an Ort und«telle. Vom Blätterkohl bevorzuge man die halbhohen krausblättrigen Sorte», vom Rosenkohl die neuere Sorte Herkules, die den früher viel angepflanzten Brüsseler Sprossenkohl in jeder Hinsicht übertrifft. Wenn man auf beschränktem Raum»nöglichst graste Ernten er- zielen will, dann pflanze man im nächsten Monat auf die Beete, die jetzt mit frühesten Kartoffeln, sogenannten«echswochcn- Nieren- lartoffeln, oder frühen Rosenkartoffeln bestanden sind, nach deren Einte, nachdem das Land gedüngt und tief gegraben ijt, Rosen- und Blätterkohl. Der Mai ist der Hauptmonat für die Saat unserer wichtigsten Hülsenfrucht, der Bohne. Im Kleingarten und aus der Lauben- Parzelle ziehe inan ausschliestlich Buschbohnen, da Stangenbohnen, die li'/z Meter lange Stangen erfordern, die Nachbarbeete zu lehr beschatten. Die beste Zeit zum Legen der Lohnen ist gegen Mitte Mai. Bei milder Witterung kann man diese Arbeit aber auch schon in der zweiten Maiwoche ausführen. Tie aus dieser� ersten Saat hervorgehenden Buschbohnen reifen, wenn man die Schoten bclästt, bis zum Herbst vollkommen aus, sie iverden dann getrocknet, ausgekernt, und für den Winterbedarf in Beuteln aufbewahrt. Gewöhnlich verwendet man weiste Bohnen zum Kochen, die beste Sorte ist Kaiser Wilhelm. Aber auch die bunten Bohnen tonnen in gleicher Weise wie weiste zur Suppe und zu Gemüse verwendet werden; sie sind sogar noch nahrhafter, aber man hat vfllerorts ein Vorurteil gegen sie, deshalb verwendet man die«orten, die in der Reife schwarze, braune, gelbe oecr bunte«amen haben, hauptsächlich zum Grünpflücken. Wohl die beste Sorte zum Grünpflücken ist Hinrichs Riesen. Diese und die vorgenannte Sorte sind grünschotig, zur Salalbercitung zieht inan meist gelbscholige Sorten vor. die sogenannten WachSbohuen. Ha: man es auf die Ernte reifer Bohnen abgesehen, so muß die AuSsaat unter allen Umständen Milte Mai erfolgen, auch darf man von diesen Pflanzen nichts grün pflücken. Will man nur grüne Scholen ernten, die auch für den Wmterbedarf eingekocht und roh in Salz eingelegt werden können, so kann man im Laufe des Sommers verschieden? Aussaaten machen, die letzte anfangs Juli. Auch für die späteren Bohncnsaaten kann man Beete benutzen, die mit Frühkartoffeln, Maierbsen, Spinat, Kopfsalat, frühen Karotten, frühem Kohlrabi bestanden waren. Auch Erbsen kann man noch in diesem Monat säen, später aber nicht mehr. Spätere Saaten leiden in der Sommerhitze und werden bei uns irühzeitig durch Mehltaubefall ruiniert. Mehltau tritt auch an Gurken und Salat auf, vorzugsweise bei trockener Hitze. Das beste Vor- bcugungSmitiel bildet das Schivefeln der Kulturen, die man bei tvarmcm. windstillem und sonnigem Wetter unter Verwendung eines blase- balgartigen Instrumentes sSchtvefelzerstäuberS) mit gemahlenem Schwefel, nicht mit Schwefelblüte, bestäubt. Noch frostempsindlicher als Bohnen sind die G u r k e n g e w ä ch f e, also Gurken. Kürbisse und Melonen. Bei milder Witterung ist die beste Saatzeit Mitte Mai, in kalten und nassen Jahren aber, wie dem vorigen, faulen die Samen der ersten Saaten im Boden, dadurch wird die Ernte verzögert. Aber auch dann, wenn erst die Mitte Juni gemachten Saaten aufgehen, wird man noch reiche Ernten erzielen. Wer aber ganz sicher gehen will, der sät jetzt die Samen von Gurken und Kürbissen in kleine Töpfchen, stellt diese an ein sonniges Zimmerfenster und hält sie durch regelmästigeS Ileberbrausen mit angewärmtem Wasser mästig feucht. Mit Eintritt milder Witterung werde» die so vorgezogenen Pflanzen ausgetopft und mit unbeschädigtem Topfballen tief, d. h. bis an die Keimlapgen an den für sie bestimmten Platz ausgepflanzt. Gurken werden in einer Reihe durch die Mitte eines 120 bis IM Zentimeter breiten Gartenbeetes gesät und zwar ganz weitläufig. Geht die Saat gut auf, so werden so viele der schwächsten Säm- linge entfernt, dast die verbleibenden in mindestens 30 Zentimeter Abstand stehen. Die Beetflächen zu beiden Seiten der Gurkenreihe bepflanzt man mit Kopfsalat und frühen Kohlrabi, die schon ab- geerntet sind, bevor die Gurken stark ranken und die ganze Fläche für sich beanspruchen. In der Kultur der S p e i s e k ü r b i s s e sind viele unserer Laubenkoloniften Meisler; das beweisen die Herbstausstellungen der Äolonistenvereine. Dort sieht inan Riesenmelonenkürbisse in: Gelvicht von 1, l'/z und selbst 2 Zentner pro Stück. Eine riesenfrüchtige Äürbispflanze kann aber unter Ilmständen eine kleine Laubenparzelle in Anspruch nehmen. Deshalb tväre es empfehlenswerter, an Stelle der bisher angebauten, ftaR rankenden Kürbisse die rankenlosen anzupflanzen. Rankenlose Sorten mit keulenförmigen Früchten sind die sogenannten Cocoeellen. Diese bedürfen von Pflanze zu Pflanze nur eines AbstandcS von l'/z Meter, da sie geschlossene Büsche bilden. Man erzielt dann besonders reiche Kürbisernten, wenn man für jede Kürbispflanze eine 60—70 Zentimeter tiefe. 80 Zentüneter weite Grube auswirfr und diese mit guter Mistbeet- oder Kompost- erde füllt, zur Zeit deS«chwellenS der Früchte reichlich mit flüssiger Düngung und mit Bewässerung nachhilft und an jeder Pflanze nur eine beschränkte Anzahl von Früchten belästt. Ein Zentnermelonen- kürbis hat mit der Ernährung einer einzelnen Frucht schon reichlich zu tun. Steht eine Laube mit Gilterwcrk zur Verfügung, so bc- pflanze man sie mit einem rankenden Kürbis. Prächtig sind der Türkenbund mit eigentümlich gestalteten Früchten, und die Angurte, mit länglich-runden, prächtig getigerten Früchten. Beide Sorten gelten als Zierkürbisse, liefern aber Früchte, die in Essig und Zucker ein- gekocht, im Geschmack von den feinsteu Melonen nicht zu unterscheiden sind und die Früchte der Riesensorten hierin weit übertreffen. Melone» sind weit wärmebedürftigcr als Kürbisse und Gurken; hart ist die grüne Klettermelone, austerdem wird neuerdings eine weitere Freilandmelone angeboten, von der aber noch nicht feststeht, ob sie den Angaben des Züchters entsprechen wird. Austerordentlich lohnend ist der Anbau der Tomaten, wenn man allerfrüheste Sorten anpflanzt, wie Johannisfeucr, Rotkäppchen, König Humbert, Alice Roosevelt. Selbstaussaat von Tomaten ist meist vergebliche Liebesmüh. Man kauft sich Mitte Mai in einer Gärtnerei in Töpfen herangezogene Pflanzen, die man an die sonnigste«telle der Parzelle pflanzt, an: besten in Boden, der bearbeitet ist, wie oben für Kürbisse angegeben. Zur Not genügt es schon, ein grösteres Pflanzloch auszuwerfen und S— 6 Schaufeln guter Komposterde hineinzugeben. Neben iede Pflanze steckt man einen etwa 1'/., Meier langen Rosenpfahl oder Bambusstock. Hieran ivird die Pflanze immer und immer wieder locker angeheftet, alle sich entwickelnden Nebeinriebe werden ausgeschnitten, und im August wird dann auch der Hauptirieb geköpft, damit er das Weiterwachsen einstellt, die Pflanze also alle Säfte zur Ausbildung der bereuo angesetzten Früchte verwenden laun. Aus diese Weise erzielt man, richtige Bewässerung vorausgesetzt, eine stattliche Ernte groster. gut entwickelter, reiser Früchte. Lästt man die Pflanzen srranchartig wachsen, so wird der nicht gehemmte Fruchtansatz natürlich ein bedeutend reicherer sein, vor Eimritr des Winters wird man aber vor einer Unmasse noch völlig grüner Früchte stehen, die sich nur durch Ein- kochen in Zucker und Essig verwerten lassen. Reife Früchte liefern dagegen vom Hochsommer ab einen vorzüglichen Salat, iverden auch zum Würzen von Saucen und Suppen verwendet. Bor Eintritt des ersten Frostes nimmt man dam: alles ab, die halbreifen Tomaten lästt inan in luftiger Kamnier nachreifen und kocht sie dann, ebenso wie die an den Pflanzen voll ausgereiften zu Tomatenmark ein, das dem Küchenbedarf während des Winters dient. Wer in dieier KriegZzeit auf reiche Ernten rechnet, der halte sich immer vor Augen, dast cS mit Saat und Pflanzung allein nicht ge- tan ist, der Erfolg des Gemüse- und Kartoffelanbaues hängt von sorgfältigster Pflege während des Sommers ab. Das stets recht- zeilige Jäten des Unkrautes, das fortgesetzte Lockern des Bodens durch Behacken, das Häufeln, das bei Kartoffeln, Kohlgewächsen, Erbsen, Bohnen, Gurken und Kürbissen ausgeführt werden must, und dann auch die reichliche Bewässerung bedingen, vom sachgemästen Anbau abgesehen, den Erfolg. Ohne gründ- licbe Bewässerung sind in unseren: märkischen Sandboden Erfolge in anspruchsvollen Gemüsearten ausgeschlossen. In einer in Mafien verbreiteten Flugschrift ist bebauptet worden, Erbsen, Bohnen uud Kartoffeln bedürften keiner Bewässerung, Das ist grundfalsch. In den langen Trockenpcrioden, wie sie bei uns fast in jeden: Sommer an der Tagesordnung sind, iverden unbewäsferte Hülscnfrüchlc rasch von der roten Spinne befallen, gelb und trank. Kartoffeln halten wohl gröstcrer Dürre stand, aber der Knollenansatz und dem- entsprechend die Ernte werden nur da befriedigend sein, wo sie bei andauernder Dürre gründlich belvässert, loenn es sein inust, vorübergehend förmlich unter Wasser� gesetzt werden können. Da aus den jetzt vielfach angebauten Oedländereien fast durchweg jede Bewässerungsmöglichkeit fehlt, und da sich austerdem roheS Oedlaud nicht durch einmalige Düngung und Bearbeitung in Kultur- land verwandeln lästt, dürften bei Kulturen auf solchem Gelände herbe Enttäuschungen nicht ausbleiben. kleines Feuilleton. Des Marineheizers Kriegsdienst. In einem Briefe gibt ein Marineheizer in der„Dresdener VoUSzeitung" folgende? anschauliche Bild von der Heizertatigkert auf deutschen Kriegsschiffen: Tie zweite Wache zurrt Hängematten!«er Rus, der von den dafür bestimmten Ohren mit vcmchiedcnem Emplmdcn asif genommen wird. lästt viele kräfhge Gcflalten checken Sle'chtmn gen sich an? ihrer Ruhestätte, wo pc«chulter.�.I�ulter lagen. Tie Hängematte wird zusammengerollt nnd mit fesiem Gr n g «irrt, dam: als braunes Bündel n: engen, dunklen Räumen verstaut' Teils in weißes Leinen gekleidet, teils nur mit Hemd und Hose'von schmutzigem Aussehen bedeckt, treten d'c sehn.gen und doch blassen Gestalten in zwei Reihen an. Ein kaum inannshoher mit Dampf uud Oeldunst geschwängerter Raum:st es, dort flebt ve. versammelten Heizer» der zweiten Wache der älteste ObermaschinG, um seinem Ingenieur die Meldung zu erstatten:..D'e zweite Wach- angetreten zur Ablösung!"- R:l:tar:schcr Dank:,t dw Antwort. —„Zur Ablösung weggetreten!"«chon zerstreuen sich die noch nickt ganz vom Schlaf befreiten Männer, um d:e Wache von 12 w- 4 lllu zu übernehmen. Durch labhrint hähnliche Gange und iük: Iciterartige Stufen geht es hinab in den Leib des Riesen, zu den Haupt- und Hilfsmaschincn oder den Kesselräumen. Tort, wo riesige Spindeln und Räder surren, schwere Stangen und Kurbeln m Räume schwingen. heisteS Od sprühend die Luft erfüllt, dort, wo das Wasser von Bergen glühender Köhlen in Dampf verwamell wird, um dann in unzähligen Adern dem schiffe Kraft zu spenden, dort übernehmen halbnackte Menschen ihr Tagewerk. Aus tiefen, dunklen Stollen, im Innern des Panzerriesen, rollen in kleinen, korbbehangenen Wagen, von geschwärzten Gestalten geschoben, die .Kohlen heran, um dann durch tiefe Schächte vor die Kessel zu stürzen. Das«chweisttuch in: Nacken, mit dicken: Kohlenstaub bedeckt, von: Schweiße triefend, die Lungen durch glühende Tämpsc gemartert, steht dort der Heizer. In Unmengen wandert da der schwarze Edelstein in die gierigen Rachen der Kesselriesen,_ zu dichter, glühender Lava zerschmolzen, wird cr�von nervigen Fäusten mit langen, schweren Eisenstäben geschürt. Sind die vier Stunden überwunden, dann schreiten die dampfenden Leiber zum Bad. Tic Haut von schwetßdurchsurchtcr Staubschicht befreit, den matten Körper erfrischt, werden die Hängematten geholt. Tie Lccksichcrungs- Posten harren schon der Ablösung.— Aus der Hängematte sitzend, halb schlafend, halb wachend, immer deS Alarms gewärtig, müssen auch hier vier Stunden durchschritten werden. Befehle durch Tele- Phon und Sprachrohr empfangen, übermitteln oder ausführen, U'ährcnd de? Gefecht? entstandene Lecks, versagende Maschinen, zerrissene Leitungen, geborstene Wände, zerschossene Schornsteine wieder heil und brauchbar zu machen, das sind die Aufgaben, die hier erfüllt werden müssen. Hat die Ablösung diese Tätigkeit über- nommen, dann winkt ein dreistündiger ungestörter Schlaf. Um 11 Uhr geweckt, das Mittagbrot zu sich genommen, beginnt um 12 Uhr das Werk von neuen:, ohne Unterschied, ob Tag. ob Nacht. Tiefe Männer, den Tod in seinen gräßlicksiten Formen, reißende Kesselwändc, eindringendes Wasser, krepierende Granaten und Tor- podos, immer vor Augen— ohne sich wehren zu können— stehen im bürgerlichen Leben in technischen Berufen, vom Tarfichmicd bis zum Ingenieur hinauf. Sic bilden dieses stille Heidentum. I. Rössig. 2i Dma. Eine Erzählung aus Südwestafrika von H a n s G r i m m. Im Buntveldschuh Wasscrloch stand viel Wasser. Es schmeckte, als wenn ein Apotheker seine sämtlichen Mixtur- flaschei: darin gespült und schließlich ein paar Hände voll Salpeter hineingeworfen hätte. Aber der Holsteiner fand es sehr gut in seinem Tee, und Willem und die Pferde und das Maultier schlampten sich voll, daß allei: vieren die Bäuche hingen. Tina und Isak bekamen die Tccrcste des Wacht- meisters und anderen seltenen Abfall. Es wurde ein richtiger Festabend am Wüstenbrunnen, und danach schliefen der Weiße und die Farbigen und die Tiere ausgiebig. Der Holsteiner erwachte lange nach Sonnenaufgang. Willem redete mit einem Fremden, das weckte ihn. Es war em alter Farbiger am Wasser. Der Wachtmeister sprang auf. „Wo kommt der Kerl her?" „Er hat sich über Nacht herangemacht," antwortete Willem mürrisch.„Er ist kein Hottcntott und kein Buschmann. Er ist ein Hottentott, der ein Buschmann geworden ist." Willem spuckte aus.„Er kann nicht mehr sprechen wie ein Hotten- tott." Das merkte der Wachtmeister selbst, als das Mädchen den Alten heranbrachte. Es war wie eine richtige Vorstellung. Das Mädchen nannte den Akten. Der Alte kniff ein Auge zu >md inachte einen militärischen Gruß nach. Das Mädchen tippte den Wachtmeister auf den Arm uud sagte:„Baas." Ter Holsteiner tat böse. Sie hätte ihn angelogen, sie hätte erzählt, sie wohne allein am Wasserloch. Sie verstand ihn schließlich und noch vor ihr der Alte, der sich plötzlich eng- lischer Brocken mächtig zeigte. Aber es ließ sich wenig Neues ermitteln. Ter Alte wohnte nicht am Wasserloch. Der Alte ivohnte in der Namib. Wo? Ueberall in der Namib. Er wohnte seit langem in der Wüste. Wie lange? E-eitdem er ein Jüngkerl gewesen sei. Das sei sehr lange. Er habe manchmal weiße Menschen gesehen. Er habe auch schon aus den englischen Inseln gearbeitet. Er und Tina und Jsak gehörten nicht zusaminen. Er sei wohl Hottentott. Einmal habe er an: Wasierloch getrunken, da seien Tina und Jsak dagewesen. Er wisse nicht woher. Es wohne niemand anders am Wasserloch, auch an den anderen Wassorlöchern nicht, und in der Namib wohne er ganz allein. Kapitän habe er nicht. Der Wachtmelstcr lieferte die drei Farbigen nach Lüdcritz- bucht ein. Sein Fund erweckte einiges Interesse. Tina und Flak wurden gemessen vom BezirkSarzt, und alle drei wurden ausgefragt, wobei sie eine scbr passive Rolle spielten, und durchgefüttert, dabei waren sie sehr tätig. Der neue Ort schien ihnen zuzusagen. Ter Holsteinex ritt inzwischen wieder in das tote Land hinein. Tie Diamantenschätze singen an Arbeit zu machen. ES kamen die Landmesser, es kamen die Ingenieure der Ge- sellschaftcn, es wurden Bretter herbeigeschleppt und Wasser, vor allen: Wasser, und es wurde gebaut, und die orduungs- mäßige Förderung und der Diebstahl begannen. Im Mützen- futter und in den Stiefeln und im Magen uist> Darm vcr- suchten die Diebe die Edelsteine anS den: toten Lande fortzu- schleppen. Tie Regierung ließ geeignete Stellen für die Polizeistationen aussuchen. Zwischen den Stationen sollten in Zukunft die Patrouillen hii: und her kreuzen und die Fährten beobachten und niemand herein und erst recht nie- mand herauslassen aus den: verbotenen Sande. Ter Wachtmeister fand seinen Posten dort an der Treimaslerbucht, wo man den Buntveldschuh von der See sieht, und wo man auch ein Auge auf die englischen Inseln haben kann, denn vom Meere aus waren zuerst Diebe dagewesen. Tie Treiuiastcr- bucht lag weit von Lüdcritzbucht ab und zwang zu den weitesten Patrouillen. Ter Wachtmeister Hatto sein und des Serge- ante» Zimmer und das Vorratshaus und die Banibusei:- kamincr und den Stall unter D�ch, bevor er sich wieder in Lüderitzbucht melden konnte. Als er kaum in dem Ort ein- geritten war, folgte ihm ein Weib. „Sie sitzen fern genug," sagte der Bezirksanstinann. Der Holstciner stand Gewehr bei Fuß, er lachte aus seinem offc- neu braunen Gesicht heraus und erlaubte sich die Bemer- kung, daß die neue Station ihm wohlgefallc. Der Berzirksamtmann erzählte:„Ihr alter Hotteistott vom Buntveldschuh ist fortgelaufen. Er wird wohl draußen auftauchen. Auch den beiden, dein Buschmannmädchen oder was sie nun ist, und den: Jungen ists istcht mehr recht beim Missionar. Das Mädchen bat mich bitten lassen, wrr möch- tei: sie zu Ihnen schicken. Wer weiß, od man die drei nicht wirklich brauchen könnte auf Ihrer Station." Es war eine bestäililge Bemerkung. Ter Holsteiner mußte auf wichti- gere Fragen antworten, und er dachte an wichtigere Aufträge. als er hinaustrat und aus sein Pferd zuschritt. Er übersah das Weib neben dem Pferde. Aber als er abreiten wollte, da fichr sie vor dem Gaul in die Höhe und reckte beide Arme auseinander. „Hee, Baas!" Ter Wachtmeister schalt, während der Wallach scheute. Tina mußte eine ganze Strecke neben ihm herlaufen, bis er sie crkämstc. Am Nachmittage sprach der Missionar mit ihm, und ehe es Abend wurde, kam der Wachtmeister noch einmal aus das Bezirksamt Und fragte, ob ihm gestattet werden möchte, Tina und Jsak, die Buschmannleute vom Buntveldschuh, zum Dienste aus der Station in Dreimaster- bucht mitzunehmen. Es wurde ihm gestattet. Nach drei bis vier Wochen waren alle Stationen besetzt im Tiainaistengebiet, und über den: tote» Lande lag plötzlich ein lebendiges Netz von Ordeistlichkcit. Zur gleichen Zeit stieg der Frühstücksraiich in den Morgen von den Posten, zur gleichen Zeit zogen die Männer aus auf ihre weiten Runden, zur rechten Stunde übten sie die Schmiegsamkeit ihrer Pferde und ihrer Leiber, und die Reichsfahne knatterte oder schlief über ihnen in der Sonne am neuen Stationsmast, als könnte das gar nie anders gewesen sei». Sie hatten fast jeder dos selbständige Quartier gern, die Wachtmeister, Sergeanten, Unterosfizierc und Gefreiten, die da im Süden und in der Wüste zu tun bekamen. Ilnd also galt es etwas von einem Wettkanipf, das Höchste an Propertät und Bequemlichkeit der eigeiien Station und Wohnung mit den dürftigen Mitteln zu erreichen und womöglich auch bei der ganz armseligen Ver- pslcgung etwas Erträgliches auf den Tisch zu setzen, wenn Kameraden im Dienste zu Gaste erschienen. Als sie auf Partouillen nun alle beieinander herum- gekommen waren und ihre Erfahrunge verglichen hatten, stellten sie am Löwenkopf und an der Prinzenbucht und in Weißbrunn und an der Furt und in AngraS Juntas und im Märchental nicht ohne Neid fest:„Die von der Arche Noah, wie der Felsen heißt hinter der Dreimasterbucht, die haben den Vogel abgeschossen. Zwar Fleisch ist selten, und es wird einem lapprig im Magen, wenn man an die Pinguin- eier denkt, die sie einem als Hauptspeise vorsetzen. Aber, wie so der ganze Platz ist, die Zimmer, die Betten, na und über- Haupt Tie von der Arche No«h wußten ganz gut, daß man von ihnen erzählte und sie lobte, und Wachtmeister und Sergeant machten immer freundlichere Augen nach dem mühseligen Ritt, wenn erst die Felsen und dann die Gebäude auftauchten, in die sie hineingehörten. Einmal sagte der Wachtmeister von der Furt zum Holsteiner:„Das läßt sich schon machen. daß die Sache so'n Schick bekommt fast wie bei der Mutter zu Hause, sobald man eben ein Frauenmensch bei siw bat." Der Sergeant von der Arche Noah hörte zu und lachte: „Wir Habens ihr doch alles gelehrt und gezeigt." (Forts, folgt,) Die Montesiorilchulen. Hufcr ben-mLibcrncn reformpabagogischen Bestrebungen, die ihr Ziel darin sehen, in erster Linie den Witten der zu Er- ziehenden zu cirtwrckeln, verdient zurzeit die sogen. Montcssorischc !heforlltpädagogik ein lebhaftes Interesse. Fräulein Dr. M o n- tessori, eine römische Aerztin, ist vor einigen Jahren dadurch detannt geworden, das; es ihr gelang, in einer von ihr geleiteten Schwachsinnigenschule ihre Zöglinge zu orthographischem und kalli- graphischem Schreiben anzuleiten, so dah diese den Normalsckülcrn in nichts nachgahen. Dies wurde für sie der Anlaß, nach den Ilr- fachen zu forschen, warum die geistige Bildung der Normalschülcr so niedrig� wäre, daß sie auch von Schwachsinnigen erreicht werden tonnte. Sie kam, wie schon andere Reformpädagogcn vor ihr, zu der Anschauung, daß man, um die Schüler weiter zu fördern, ihre Individualität studieren und danach die Erziehung einrichten müßte. � Als obsrstes Prinzip der neuen Erziehungsform entsteht dann die„Freiheit des Kindes in spontaner S e l d st- ä u ß e r u n g". Die ersten praktischen Versuche mit ihrem System konnte Fräulein Dr. Montessori im Verein mit der Römischen Ge- sellschaft für zwcchinäßiaes Bauwesen machen, in deren Muster- Häusern sie im Jahre� 1907 ihre Kinderheime, die case dci bambini, einrichtete. Im Laufe der nächsten Jahre sind weitere Schulen in Italien gegründet worden, später hat sich die Bewegung nach Eng- land, Frankreich und den Vereinigten Staaten ausgedehnt. In Deutschland bat sie bisher nicht Fuß gefaßt. Die Montessori- schulen vereinigen, so schildert in einer kritischen Abhandlung in der Zeitschrift für Behandlung Schwachsinniger der Anstaltslchrer in Idstein, M. Kirnt ss«, das Unternehmen, die in vorschul- Pflichtigem Alter stehenden Kinder eines Hauses zu gemein- sanier Erziehung, bis sie das schulpflichtige Alter erreicht haben. Sie können dann bereits im Gegensatz zu den übrigen Volks- schülcrn lesen und schreiben. Sic kleiden sich selbst an und aus, waschen sich und beherrschen die allgemeinen Regeln der Höflich- keit. Alles dies wird dadurch erreicht, daß man die Kinder anregt, sich zu betätigen, niemals aber auf sie einen irgendwie gearteten Zwang ausübt. Die Zöglinge dürfen während des Unterrichtes, der ganz individuell abgestuft ist, tun und lassen, was ihnen be- liebt. Sie können ihn z. B. von ihrer Seite jeden Augenblick ab- brechen, um sich zu erholen oder zu spielen. Auch mit den festen Schulbänken ist in der Montessorischule aufgeräumt worden. Denn sie bedeuten einen Zwang für die Kleinen, der zu vermeiden ist. Es ist für ihre.Willenserziehnng vorteilhafter, wenn sie die Er- fahrnng machen, wie schnell die leichten und beweglichen Schul- wöbel umfallen. In gleicher Weise wird auf die Erziehung der Muskeln wie der Sinne Wert gelegt. Durch Uebuug soll hier eine Per-feinernNg der Wahrnehmung der Sinnesreize herbeigeführt werden. Dem eigentlichen Schreiben gehen vorbereitende Uebungcn voraus ifogen. Methode des spontanen Schreibens). Die Kinder führen Verrichtungen aus, ohne sie förmlich zu tun, d. h. sie fahren den Buchsiabcnformen eines Alphabetes mit den Fingern nach. Da- durch prägen sich die Bcwegungshildcr der Buchstaben dem Muskel- siun ein. Alles wird den Kindern spielend im tvahrstcn Sinne des Worte? beigebracht. Die Bestrebungen der Montessorischulcn Häven auch bei deutscheu ResorlnpädNgogeii Anklang gefunden, aber es werden doch Zweifel laui, ob die Hoffnungen, die die Begründe- rin in iJjr System setzt, in der Richtung der Erhöhung des mensch- lichcn Typus sich verwirklichen werden. Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß ein Teil der leitenden Grundgedanken bereits seit längerem bekannt und in Praxis umgefetzt ist. Der allgegenwärtige Zeinö. Eitze hübsche Selbstverspottung gewisser Aeußerungen des „frpnzöirscyen Gotstes" bringt ein Mitarvciter des„Journal des Tebaks", der unier dem Titel„Die umsiürzlcrische Musik" folgen. des schreibt:„Ich bin einem sehr unzufriedenen Manne begegnet. „Dieses Mal," sagt cr zu mir,„gebt es wirklich zu weit. Boytot- ticreu wir Wagner, schön; dieser Kerl hat uns genug Böses zu- gesügi. Aber„Wcrthcr", mein Herr, den„Werther" von Masscnet, ein so französisches Weril Hat man ihn nicht soeben in Lyon der- boten, und noch dazu in einer Vorstellung zum Besten der Ver- mundeten!"„Um so schlimmer für die Verwundeten," sage ich zu ihm,„aber üver alles das Prinzip. Was man in Wagner fürchtet, ist ja nicht Musik, Sic sagen es selbst, sondern der deutsche Gc- danke.„Werther" lvar von Goethe, ehe Massenct ihn schuf." „Aber, mein Herr, die Musik..."„Rein, der Gedanke, mein L>errl Wissen Sie, was er getan hat, der Werthcrgcdantc'k Er hat den guten gesunden Menschenverstand Frankreichs vergiftet; die liebende Modistin, die ihr Kohlenbecken anzündet und ihre Mansarde zustopft, ist ein Lpser Wcrthers."„Sie haben vielleicht recht," seufzte der Wagnerseind.„Es ist schadet Ich liebte den zweiten Akt so sehr. Schließlich bleiben uns aber so viele Meister- werke, die niemand etwas schulden."„Nicht so sehr viel," ant- wortcte ich.„Rechnen Tie nicht auf Faust und nicht auf Fausts Verdammnis. Ich weiß, daß einer von unseren Komponisten nur den Ungarischen Marsch darin ächtet und im übrigen das Werk von Berlioz hinnehmen will, vorausgesetzt, daß man die Braban- eonne an stelle des Rakoszy-Marschcs spielt. Aber das sind nur halbe Maßregeln, Kompromisse, die eines aufrichtig empfindenden Herzens unwürdig sind.„Faust" ist deutsch; berauben wir uns also aller dieser Fausts." „Rechnen Sie nickst auf Mignon? Tie rührende Mignon, die Vorsehung aller Familien, die die Verlobung aller bürgerlichen Leute miterlebt hat!"„Mein Herr, die kleinen Bürger mögen sich verloben, wo sie wollen; aber Mignon ist deutsch, sie ist eine' Tochter Goethes, aus seinem Wilhelm Meister entlausen— es tut mir leid für Ambroisc Thomas. Ich bedaure auch Paul Duias. sie werden ebenso wie ich seinen„Zauberlehrling bewundern; wir werden ihn nicht mehr hören, denn cr ist nach einer Ballade von Goethe geschrieben."„Ach, dieser Goethe..."„Ja, dieser Goethe ist nicht beiseite zu bringen, ein ganz schlimmer Kerl— ick) habe es in der„Revue des Deux-Mondcs" gelesen."„Hoffen Sie auch nicht auf die„Hugenotten"; darin wird der Luther-Ehoral gesungen. Auw nicbt aus den„Propheten", dessen einer Akt in der Kirche von Münster mitten im Westfalen spielt. Und schließ- lich auch nicht auf„Wilhelm Tell", dessen Textbuch zwar von Jouy gezeichnet, aber nach Schiller gearbeitet ist, ebenso wie der „Wallenstein" von Vincent d'Jndy und wie sein„Lied von der Glocke". Aus demselben Grunde müssen wir auch die„Jeanrie pArc" vou Mernret und die von Gounod meiden."„Also lassen Sie uns nur noch Operetten?"„Nicht alle. Gestern hörte ich in der Revue des Palais Royal Offenbach als den Vater der Pariser Operette feiern. Das ist ein schwerer Irrtum. Ofsenbach ist in Deutschland geboren, und ich babc in einem Buch von Saint- Saens gelesen, daß er die französische Aussprache gefälscht hätte, indem er ihr deutsche Rhythmen auszwang. Also keine„schöne Helena", keinen„Blaubart" und vor allem keine„Großherzogin", denn die ist vou Gerolstein. Aus noch viel triftigeren Gründen aper gar nicht„Hoffmänns Erzählungen"; Sie wissen, daß dieser Hosfmann in Königsberg geboren ist. Natürlich muß man auch aus Eoppelia verzichten; Sic werden doch keinem Ballett Beifall klatschen, das von einer Novelle dieses Ostpreußen inspiriert ist. ... Ich battc schon daran gedacht, man könnte Ihnen den„Toten- tanz" verspreche». Mir kommt doch ein Zweifel: die Programme schreiben das Gedicht Jean Lahor zu; aber man kann sich nicht verheblem daß die Idee der Totentänze durch und durch deutsch ist. Denken Sic an Holbcin! Ich lverß schon, Ivas Sie sagen wollen: Holbein stammt aus Basel— cr ist aus Augsburg, mein Herr." „Sie sind aber auch zu streng. Selbst der Schöpfer der„Dejaiiira" würde Ihren Eifer etwas heradstimmen."„Möglichl Aber setzen Sic, dieser Baseler, der aus Augsburg stammt, sagt mir gar nichts: die falschen Neutralen, das ist das allerfchlimmstel" Linkshändiges Stenographieren! Die Verstümmelungen, die dieser Krieg wie jeder im Ge- folge hat. bringen es'mit sich, daß viele ihren Beruf wechsein müssen. Bei dem heutigen Stande der ärztlichen Wissenschaft und der Orthopädie wird so manches Gebiet ausfindig gemacht und als Erwerbsquelle benutzt, an das in ruhigen Zeiten niemand denkt. Eine solche Erwerbsquelle, die der Krieg geboren hat. ist das links- händige Stenographieren. lieber dieses Thema hielt Lehrer Paul in Wiesbaden einen Vortrag, in dem cr ausführte: „Das beim Uebergang zur Linkshändigkeit beim Schreiben neu ausgebildete Schreibzentrum des rechtsseitigen Gehirns, ist auch beim linkshändigen Stenographieren tätig. Bei dem Erlernen des linksseitigen Stenographierens begegnet man einer besonderen Schwierigkeit, da diese Hand der Vorarbeit durch die jetzt Herr- schende rechtshändige Tätigkeit in der Gebrauchsschrift eist- behren muß. Die meisten Stenographen schreiben rechtshändig, aber eL wird auch von linkshändigen Stenographen berichtet. Da durch das viele rechtshändige Stenographieren manche Hand frühzeitig altert, wäre es gut, wenn eine linkshändig geflügelte Feder die rechte ab- lösen oder bei Unfällen ersetzen könnte. Infolge der starken In anspruchnahme der rechten Hand wird das kommende Geschlecht zur gleichmäßigen Ausbildung beider Hände genötigt. Wenn die Menschheit jetzt, wie Fränkel sagt, nur einhändig und mit halbem Gehirn gearbeitet hat, welch ungeheure Leistungen sind dann zu erwarten, nachdem durch die Doppelhändigkcit die doppelte geistige Kraft zur Verfügung steht, und welch ungeahnte Ziele und neue Bahnen friedlichen Gqisteskampfes mögen sich da noch dem Jünger der Kurzschrift erschließen?"____ Notizen. — Die Große Berliner Kunstausstellung soll am 22. Mai im Gebäude der Akademie der Künste am Pariser Platz er- öffnet loerden. Sie wird am 1. August ausgewechselt, weil der Raum beschränkt ist. — Der Verfasser der„Naturgeschichtlichcn Volksmärchen", einer für die heranwachsende Jugend hier öfters empfohlenen Bücherserie. Prof. Oskar Dähnhardt, ist auf dein westlichen Kriegsschauplatz gefallen. Dähnhardt, der zuletzt Rektor einer Leipziger höheren Schule war, ist auch als volkskundlicher Herausgeber und Verfasser von Weihnachtsmärchenstücken hervor- getreten. — Leistungen von Sanitätshunden. Während der Winterschlacht in Masuren bat eine Schäfcrhündin an einem einzigen Vormiitag 31 verwundete Soldaten unter der Schneedecke gefunden, die sonst elend»ins Leben gekommen wären.— Unerreicht dürfte dastehen die Leistung der leider durch eine russische Kugel getöteten Dobermannhündin„Hilda", die nach einer einzigen Schlacht mehr als 1 Verwundete in dem zerklüfteten Gelände auffand und vom sicheren Tode rettete.— Manche Hundeführcr haben mit ihren Kriegshunden auch glänzende Erfolge erzielt bei der Ausfindig- machung von Schlachtfeldhyänen oder von versteckten geflüchteten Russen. — Fünszigtauscnd Kilometer Film! Der amerikanische Filintrust bringt jede Woche Films Heraiis, die zusammen zweieinhalb bis drei Millionen Fuß lang sind. Das ergibt für die Erzeugung eines Jahres die gewaltige Summe von enva 40 bis 50 000 Kilometer Film. Welche Werte dabei umgesetzt werden, zeigt die Schätzung eines Kenners de? amerikanischen FilmmarkteS, der die Einnahmen der Kinematographenthcater auf eine Milliarde veran- schlagt. Diese 50 000 Kilometer Film werden auch innerhalb eine» Jahres wirklich verbraucht. Die einzelnen Bühnen beziehen ihre Film» im Abonnement. Für eine Erstaufführung werden ungefähr 80 bis 100 M. verlangt. Mit jedem Abend sinkt der Preis, bis schließlich die Benutzungsgebühren nur noch etwa 4 M. betragen. Wenn der Film auf diese Art von Bühne zu Bühne gereist ist. ist schließlich vor Ablauf von nicht ganz einem halben Jahre seine Lebensdauer erschöpft. DsatacIxM» Theater.-- ■Direktion: Max Reinhardt T1/, CTir; Schlack and.Ina. Sonnabend: Faaat 1, Teil. Koninsernpiele. 8 Uhr: Die deutsohen Kleitistädler Sonnabend: IterWeibatcafcl Sotinfag 21/, Uhr Xaehinittags- VörBteilung(kleine Preise,): Die deutschen Kleinstädter. URAÜiA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr:' Die Winterseiilaeiiteii in Masure!). Theater für Freitag, den 30. April. Berliner Theater 8 ohr: Extrablätter! Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. s uhr: Martha. Friedrich-Wilhelnisfädt. Theater. Letzte.Vorstellung dieser Spielzeit. 8 Uhr: Die FIcdernians. Gebr. Herrnfeld-Thealer 0 r_ Familie Plaachek. S Uhr: Helbring contra Helbring. Kleinen Theater r., Scherz. Satire, Ironie und 8 Uhr: tjefere Bedeutung. Komische Oper 8 Uhr:" 55. UM.: Komödienhans s uhr: Die fünf Frankfurter. Lesslner- Theater 8 uhr: Dattericb. I,nstsplcIhaQS g'/.Uhr: Matthias Goliinger, Konrad Dreher a. G. Rcsldcne-Theater $ uhr: Die Schöne vom Strand. Rose-Theater s uhr: Die Förster-Christi Der Opernball. Schiller Theater O. 8 uhr: Alt-Heidelberg. Schiller Th. Cliarlottenbc, s uhr: Nacht und Morgen. Retropol-Thcater 8 Uhr: Der Hochtourist. Rontls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. s uhr: Hoheit tanzt Walzer. Thalia- Theater suhr Kam'rad Manne. Theater am Xollendorfpl. sv. u.: Immer feste druff! Theater des Westens 8 uhr: Die Landstreicher. Theater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: RailSeh. Trianon Theater sv. u.: Akrobaten. Volksbühne.Tbeateram Bülow platz sv. uhr: Der Revisor. W alhalla Theater 8 uhr: Die Jagd nach dem Glück. Zirkus Alb. Schumann Freitag:, 30. April, Anf. 8 Uhr: Grolle Vorstellnnjt Auftreten sttmtHoher neuen Spesiall töten. g3/. Nur noch einige Tage! 9®/, Ost und West Großes patriotiäcb.Schaustück Ferner U-Boot bei der Arbeit sowio Torpedieren ein. Handelsdampfers. SlRRISim Heute jz Uhr; Das große Tel. Korden 10403. Vorverkauf Warenhaus Tiste. I.etztes Auftreten; Elsa und Berta Wiesenthal Gussy Holl sowie der gliinzende April-Spielplan. Sonnabend, den 1. Mai; Neuer Spielplan! Voigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Heute Freitag, den 30. April 1915: traiinska von Hohenheim oder: Ein edles Frauenherz. schauspicl in 5 Allen v. Heine. Laube. Kasseneröffnung T Uhr. Ans. 8 Uhr. Casino- Theater Lothringer Straße 57. Täglich 8 Uhr. DaS neue drciaktige Lustspiel Die gute Mama. Dazu der erstklassige bunte Teil. Das reichhaltigste Progr. aller Theater. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Ans. 8 U. Zum Schluß: 1. Militärisch. Zeit bild von Mensel. Mllitärpersonen n. deren Ängehö- rigen vollkommen srci er Zutritt zu d.Stelt. Sängern. «Ark&uie/r- wulcfuÄfa 2/C' Verwaltung Berlin. Tel.-Amt Moritzplntz 10623, 3578. Bureau: Rungestraße 30. Heute Freitag, den SO. April, abends S'/. Uhr: Sitaung der Ortsverwaltung. Branchen Versammlungen. Stockarbeiter! Tienstag, den 4. Mai 1915, abends ö'/s Uhr, bei Dannenberg, Holzmarktstrahe 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Richard Leopold. 2. Verbands- und Branchcnangclegcnhcitcn. Ztammachcr! Dienstag, den 4. Mai 1915, abends 8 Uhr, im„Andreasgarten"(Wittenberg), Andreasstrastc Ä«. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wald mann über:„Tie Pflichten der T aheil» gebliebenen--. 2. Bericht über die Berhandlungen mit den Herren Arbeitgebern. 3. Verbands- und Branchcnaiigclcgcnhciten. Recht zahlreiches Erscheinen erwartet 82)8 Die Ortsverwaitnng. Sozialdemokratischer VahlTerein Chai'lottenlmrg'. Sonnabend, den 1. Mai» abends s.9 Uhr: Mitglieder- Uersammlung. Vortrag des Genossen Eid. Bernstein. Zahlreichen Besuch erwartet 250)11 Rer Vorstand. Schöneberg;. Sonnabend, den 1. Mai 1915, abends 8 Uhr, in den „Neuen Rathaussälen", Mcininger Str. 8: W!itglieder-Vers ammlung Tagesordnung: �tai-LrinnerunKen. Verschiedenes. Die Einleitung geben der Frauen- uud Männcrchor. 15)1 Her Vorstand. GewerUschaftshaus Lines der größten und vornehmsten 8tablissements der Residenz:: Konzert in allen Sälen. Sonnabend und Sonntag: Ein großer Posten junger Gäuse Brüsseler Poularden Gespicktes Rindersilct Lsterlamm Bachforelle a Portion l M. Hammelkeule Prager Schinken Mastkälber a Portion 80 Pf« Sonntaggedcck a 1,99 M. Mocktourtlesuppc Ärastbrühe mit Einlage Seezunge in Weißwein Kalbssteak mit Spinat Rinderbrust mit Mecrrcllichsauce Lebcrstückcn mit Kraut Gänsebraten Kalbsbrust Hammelkeule Kompott oder Salat Speise oder Käse Heute zwischen nicht Pjund 1.40 M. . 1,«>0„ Zervelatwurst. Tauerschinken. Rügcnivaldcr»ccwurtt 1,30 Gefüllter Schinken.. l,AO HaUcsche Leberwurst. 1,20 Vrauuichwciger... 1,30 Tampiwurst.... 1 NU Lchienflrisch, schier.. 1,2« 2 und 6 Uhr ein grosser Fleischvcrkuuf unter 3 Psuud: Roastbeef, schier... 1,2U Dt. Hammelkeulen.... 1,2«. Tchwcineschinkcn und -Rücken...... 1,20» Kalbskeulen und Rier- stücke.......>«K* Magerer Speck...• 13« Poularden. 1,00 (flu grosser Posten Präger Schinken zum Kochen oder Backen. Neraniwortlicher Rcdclteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Jnjeratentetl verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:BorwärtH Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Le Co. Berlin SW,