Nr. 101.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Zounllbknd, 1. Mai. Kehr' heim! Ein Kind rief's laut im Traum, !hii> hängen blieb das Wort 'An jedem Ding im Raum, Und klingt nun fort und fort. ilnb bangt nun alle Tage In allen Augen tief Als ruhelose Frage... And zehrt in allen banden. And's ist, als ob im Ahrenschlage And von den Bildern an den Wänden Es rief und wieder rief... Die Blumen in dem Garten, Die mit den Kelchen klingen, And vor der Tür der Baum— Steht alles nun im Warten... Es liegt auf allen Dingen So voll und schmerzensreich der Reim: Kehr' heim! Rodert ReZpitol. die Invasion öer„darbareif. Wir entnehmen diose Schildsrungen aus dem soeben erschienenen 3. Band des Kriegstagebuches von Styn StreuvelS, der während der deutschen Invasion in seinem Lande blieb und, da er die Barbaren in nächster Nähe sah, das Geschrei über ihren Barbarismus nicht mitmachte� Sinn Streuvels ist Flame und ein Dichter der Beschaulichkeit, der die grosien Dinge des Ge- schsHenS im kleinen zu spiegeln versteht, und diesen Geist atmen anch seine bisher erschienenen skricgstagebücher. Die täglichen Eindrücke sind in leidenschaftsloser Beirach- lung festgehalten, nichts übertrieben, nichts beschönigt, aber in allem hört man doch den stampsendcn, harten Schritt des Krieges durch die Zeilen zittern. Ter Sonntag hat etwas Festliches mitgebracht. Die Nacht ist atme Unfall vorbeigegangen und nun klingt das Giöckchen, das zur Frühmesse ruft, klingt und läutet weit über seine Zeit, weil die Kirchengänger noch alle drautzen auf dem Kirchplatz stehen und den Soldaten zuschauen, die sich zu ihrem Weitermarsch rüsten. Wagen werden geladen, Pferde gesattelt und es herrscht eine malerische Regsamkeit, vermischt mit vielem Rufen und rauhklingenden Be- fehlen. Alles vollzieht sich kurz und mit knappen Worten. In der Kirche sind wenige Menschen, die die Messe anhöre». Der Kaplan macht vom Predigtstuhl aus die Mitteilung, daß wir fortan unter feindlicher Macht sind, daß wir somit alles geben und zugestehen müssen, was man von uns verlangt, aber daß wir deswegen die Ruhe und den Mut nicht verlieren und auf das gute Endergebnis der Ereignisse ivarten sollen. Die Leute nehmen diese Berlündung recht kühl auf, sie sind gleMgUlia.geworden und vermögen noch nicht zu sehen, wie die Dinge wieber inS Geleise kommen sollen. Das. was sie im Augenblick am meisten besorgt macht, ist, zu wissen, ob die Bons, die sie als Zahlungsmittel für die Requisition empfangen haben, güllig sind und gegen klingende Münzen aus- gewechselt werden. Tie Truppen sind schnell weitergezogen, aber andere folgen ihnen auf dem Fuße. Bon hier aus sehen wir in der Ferne über den Steinweg in der Endlichtung, wo die Bäume der«lraßen- allee einander nahezu berühren, so etwas wie einen graublauen Flecken, der der Bahnböschung ausweicht� und in Form einer doppelten Schlange an beiden Seiten des Steinwegs heraufkommt. lind aus der Ferne, wohin wir nicht sehen können, kain ein Ge- rassel und Geräusch von eisernen Rädern ans dem Pflaster, das klang wie das Rattern und Toien mehrerer zusammen abfahrender Dampfer. Bei Ankunft an der Wegscheidung vor den Häusern trennt sich das Heer in zwei Hälften, wovon der eine Teil ins Dorf hereinkommt und der andere der Bahnlinie folgt, die längs Ooteghem nach Sweveghem abzweigt. An der Straßenkreuzung beim Weg- weiser, von dem aber, aus übertriebener Spionenfurcht alle Auf- schriften verschwunden sind, entsteht jedesmal eine kleine Stockung bei den Truppensührer». Die Karten werden zur Hand genommen und Boriibergehende um Auskunft gebeten. Das dauert so lange, bis eilt T ssizier diese Scherereien endgültig beseitigt. Er stellt sich austecht auf sein Pferd und schreibt mit einem Blausiist auf den einen Arm: Jngoyghem und auf den andern: Ooteghem. Um den später Porbeikommenden Vertrauen zu dieser Aufschrift einzuflößen, unterzeichnet er sie mit seinem Namen und der Nummer des Re- giments.„Das haben die Belgier ausgewischt und das schreiben wir wieder drauf", sagt er lachend. Nun geht eS ununterbrochen weiter, zwei Gespanns nebeneiu- ander und jedes mit sechs Pferden bespannt. Kanonen, Bagage, Proviant, Kavallerie, Infanterie, alles unmittelbar hintereinander. Der Zug trabt über die Böschung hinab wieder auf die Felder, wo er im goldenen Herbstnebel verschwindet. So in der Landschaft, in der Färbung deS ersten Sonnenlichts, hat der Auszug etwas Phan- tastliches, etwas, was an eine grandiose Theaterinszenierung erinnert. Die Reiter, mit ihren langen grauen Mänteln, wodurch Pferd und Mann eins werden, geben eins prächtige Figur. Sie gleichen den Schatten auf einem Fries mit Szenen aus der germanischen Goten- zeit, und ich mutz an die Bilder auf einer großen Schale denken, die einige Austritte ous WagnerS Gesangsepen versinnbildlichen. Nun die deutschen Truppen in so großen Massen vorbeiziehen. ohne auf daS Dorf und seine Bewohner besonders zu achten, nun keine Rede mehr davon ist, aufgepackt und mitgenommen zu werden. und insbesondere da man die Soldaten im Häuse und allernächsten Verkehr gesehen hat, ist die Furcht unter den Menschen gänzlich ent- schwunden. Die ungeheuere Macfit bewaffneter Männer mir Kanonen und anderem Kriegsgerät verblüfft wohl»och durch ihre Massen, er- weckt jedoch mehr Neugierde als Furcht. Es ist. als ob die Menschen das Heer, das an ihnen vorüberzieht, gar nichts anginge, daß es irgendwo in unbekannter Gegend kämpfe und nicht gegen unsere eigenen Bundesgenossen, mit deren Sieg oder Mederlage doch auch unser eigenes Schicksal entschieden wird. Die Dörfler betrachten es ruhig wie einen Festzug. Ich benutze die Gelegenheil, mich in das Wesen dieser Hunderte und Aberhunderte zu vertiefen, deren jeder eine eigene Linie und eigene Ausdrucksform im Gesicht trägt. Unter den höheren Befehlshabern ist der BieniarckthpuS bor- herrschend. Zch sah solche, die genau Reinbrandts Bruder mit dem goldenen Helm glichen l daneben wieder den jungen Osfizier, stolz auf sein AeußcreS und feine Eleganz, gut genährt, fein und gemüt- lich, geschniegelt und vielfach mir dem Monokel im Auge. Einzelne nicken freundlich und scheinen einen Gegengruß zu erwarte». Andere erfragen mit der größten Zuvorkommenheit eine Auskunft und scheinen überrascht, tuen» sie iir deutscher Sprache Antwort erhalten. Wieder andere finden dies natürlich und fragen rundweg! Wie heißt dieser Ort? Die Mannschaften sehen stink aus. stecken gut in der Uniform, tragen nagelneue Schuhe und sind mit allerlei unglaublichen Gerätschaften ausgerüstet, die um ihren Körper herumbaumeln, Wenn die auf die Flucht gehen müßten, bedauerte ich fiel Sie stampfen schweigend dahin und scheinen geistig damit beschäftigt, wieviele Kilometer ihnen noch bevorstehe». Einige besehen nichts und niemand, andere schnurren mit dumpfem Ton den deutschen Morgengruß: Morrgen! Es gibt auch solche, die freundlich nicken, ein verständliches Zeichen mit meiner Pfeife wechseln und mir einem Augenzwinkern ruft mancher: Lecker! Andere grüßen amtlich würdevoll mit dem militärischen Gruß. Die meisten sind wohl ruhige Familienväter, die nicht gewohnt sind, so weit auSzustiegen, und wenn sie hier auf der Höhe ankommen, den Helm abnehmen, um den Schweiß zuckrockuen,� gewahrt man. daß. manche Kahl- und Grauköpfige dabei sind. Man sieht auch welche mit zuriickgedrücklem Leib, die an japanische Ringer gemahnen, mit dickem Kopf und kleinen schiefen Augen, welche schielend, mit einem Ausdruck von Angst Ausguck halten. Auch ciuige Schwarzhaarige gewahrte ich. die scheinbar mongolischen Typs waren. Im allgemeinen waren nur wenige zu sehen, deren Wesen und Eharatter die Prägung des rein Materialistischen aufwies, aber einzelne waren doch darunter, die Augen hatten wie ein Wolf, der sein Opfer an- zubeißen droht. Wenn man so einen ganzen Tag zwischen ihnen verkehrt. denkt man gar nicht mehr daran, daß die Leute vo» Kopf bis zu den Zehen bewaffnet find und einer in dem Empfinden lebte, in die Schlacht zu ziehen. Man wird beruhigt durch die strenge Zucht, die unter ihnen herrscht und man hat das Gefühl, daß man einen aus diesen Reihen kränken könnte, ohne daß er es einem entgelten loird. So kommen und gehen sie; die einen lösen die andern ab. Längs der ganzen Bahn bewegt sich ein grauer doppelter strich und ivenn genug Regimenter mir Fußvolk vorbei sind, beginnt eö wieder mit Train und Kanonen. Und welch eine Pracht an Pferden, sowohl Reit- wie Zugpferde, alle mit neuem brauem Lederzeug. ES scheint fast, daß alle Pferde von Deutschland hier zusammenkommen solle». Weich sabelbafte Werte enthält das alles. Ich sah, wie man eine» Sattel»rit allein Zubehör auf die Wage legte, der 32 Kilo wog. und der Soldat erklärte mir, daß jedes Pferd für 403 M. Gerätschast am Leibe habe. Gestern und heute vormittag waren die Bagagewagen allep' neuesten Modells speziell für die Armee hergestellt, grau an- gestrichen, numeriert und niit Aufschriften versehen, die den Inhalt andeuteten. Nun am Nachmittag hat der Aufzug ein anderes Gesicht. Es sind nur einfache graue Wagen, von hellblau gekleideten bayerischen Soldaten begleitet. Nachdem dieselben ab- gestiegen sind, entrollt sich ein buntes malerisches Bild, so etwa wie ein riesiger Aufzug bei einer BauenikirmeS in der guten alten Zeit. Das gemütliche Germanien! Altmodische Postwagen und Kutschen, fremdartiger Form und merkwürdigen Aussehens, bayerische Bauern- wagen,>vie Kähne auf leichten Rädern n>it rundem Lcinendach, das über Reifen gespannt ist. Alle Wagen sind bei ihrem Auszug geschmückt und bekränzt aeivesen und ich kann mir vorstellen, welch einen Eindruck dieser Ausmarsch gemacht haben muß, als die Kränze und Blumen, die nun verwelkt sind,»och frisch ivaren.— Auch die Pferde sind schwer und am Stampfen ihrer Füße läßt sich wohl ahnen, daß sie gewohnt sind, aus dem Acker zu arbeiten und den Pflug zu ziehen.... � Im Glied spricht der Soldat niemand an; lediglich einige, die abseits laufen, nehmen Gelegenheit, dann und wann irgend etwas zu fragen. Im allgemeinen wußten sie, die ich srug, über das Wohin und Was nicht viel und aus ihren Fragen vernahm ich, daß sie über das meiste ebenso schlecht Bescheid wußten wie wir selber. Wir bekommen wieder einmal Einquartierung. Ich begebe mich auf Ausschau und sehe, daß alles schon im Gange ist. Der Doktor erhält den Stab zugeteilt. Seiner Erklärung, daß er lvobl Logis. jedoch kein Essen geben kann, weil gestern alle Vorräte aufgebraucht seien, fügen sich die deutschen Offisiere aufs beste. Sie haben sich ihren eigenen Koch, ihre Tischbedienung und alles, was für ein solides Diner nötig ist. selbst mitgebracht, sagar ein Faßchen bayerisches Bier kommt zum Vorschein. Ich selbst bin wieder ver- schont und kann also ruhig spazieren gehend mir die Cache ansehe». Wie ich sie so bei der Arbeit betrachte, frage ich mich: Ist das wohl das gleiche Volk, von dem loir alle die Greuel gehört haben'i Wir sitzen nun also beieinander und keiner denkt daran, baß ihm irgendein Schaden geschehen könne. Alles geht gemütlich lustig zu, ohne Ausgelassenheit. Auf dem Hofe dicht bei meinem Hanse liumnebi sich etwa 130 Soldaten, die Lagerfeuer brennen bereits, und man schleppt Heu und Stroh ans de» Slällen. Ins Haus selbst können sie nicht hinein, da der Bauer und seine Schwester auf einem Nachbarhof ihre Eltern besuchen. Ich komme just eben dazu, als ein Ossizier den Befehl gibt, die Tür aufzubrechen. auf meine Mirteilung aber, daß der Bauer vor Abend noch zurück- kommen werde, beichließr man zu warten. In den Häusern. sowie im ganzen Dorf ist wieder dieselbe Betriebsamkeit Ivie gestern und Ivo man am Morgen so sorgfältig ausgeräumt hatte. wird man wieder von vorne anfangen müssen. Viele Menschen sind schon recht vertraulich mit de» Soldaten geworden und scheinen daran gewöhnt zu sein, dieses Gedränge im Hause zu haben. Gegen Abend komme ich zurück zum Hause meines Nachbars. der noch immer nicht zurückgekehrt ist: die Soldaten warten und sind bei ihrer Beschäftigung. Sie trauen der Sache scheinbar doch nicht ganz und fragen mich, ob es denn sicher wäre, daß er kommt. Ich gebe ihnen die bestiininie Versicherung und bekräftige sie damit, daß doch die Kühe gemolken werden müßte». Endlich um 3 Uhr kommt„unser Bauer". Er wird mit lauten Rufen begrüßt, und alles ist froh, daß die Tür sich austut. Sogleich ivird ein Kauf abgeichloffeu über einen Stier und eine Kuh, von Ivo anders bringt man vier cschweine hinzu, dann Ivird jofort geschlachtet und alles kommt in die Kessel hinein. Die' Schlächter gehen geschult an ihre Sache heran, ebensa die Köche, die die Suppe zubereiten. In den Bauernküchen ist es schlimmer als beim Turm von Babel, man kocht Kaffee, brät Fleisch und man läust einander in den Weg. jeder nnt seiner eigenen Sorge und Beschäftigung. Ich bin rundum bis spät des Abends durch das ganze Dorf gelausen, habe nirgendwo ein böses Wort oder einen Fluch gehört und nicht die geringste Ungebübrlichkeit wahrgenommen. Man ist sich ganz und allgemein wohlgesinnt, man ist lustig, wie in einer Gesellschaft von Freunden, die zu ihrem Vergnügen eine Reise machen und sich selbst und einauher helfen, so gut es geht. Die Bevölkerung be- Dina. Eine Erzählung aut- Südwestafrika bon HanZGrimm. „Das wird wohl sein." erwiderte der Gast.„Und sie sind ja auch sonst nicht so die sarbigen Weiber. Die da scheint merkwürdig willig." Danach schnippte er mit den Fingern und fügte zu:„Was mich angeht, so werde ich mir nächstens 'ne richtige Frau holen aus Deutschland." Ter.Holsteiner war erst ein wenig ungehalten, daß einer das Verdienst nicht ihm zuschreiben sollte, aber er war nicht nur ein selbstgerechter, sondern auch ein gerechter Mensch, wenn ihm nämlich jemand zeigte, wohin er den Blick auch noch zu richten habe. Er wälzte die Sache bei sich hin und her, und da crkaimtc er:„Ja, es ist zum Teile.Dina. Und der Junge mit dem Höcker ist auch eine Hilfe." i>tun ging er an den alltäglichen Dingen nicht mehr so vorbei, und er lobte einmal das Mädchen und einmal den Jungen. Da kam es, daß sie ihm oft im Wege stand und erst recht alles nach feinen Wünschen tat. und nach einer Weile schien ihm. als habe er von jeher ihren Nutzen anerkannt, und er wunderte sich nicht über ihre Art. Tie Monate liefen inzwischen ab. und der Holsteiner, der schon im Orlog(Krieg) gefochten hatte, sah seinen Heimats- urlaub herankommen. Als noch neun Wochen fehlten bis zur Dampferabfahrt, gaben eines Nachts die Hunde Hals, nicht nahe, sondern unten an der Bucht, wo das Fuchseisen stand und sich schon mancher Schakal gefangen hatte. „Es sitzt wieder einer in der Falle!" dachte der Holsteiner. Aber er konnte nicht einschlafen und nach einer Weile fuhr er in die Schuhe, schnallte den Gürtel mit der Pistole über den Schlafanzug und setzte die Mütze auf. Hinter dem Pontok sagte eine Stimme zu ihm: „Es ist der alte Hottentott." Da fragte er:„Bist Tu deshalb herausgekommen, Jsak?" „Nein," antwortete hierauf der Junge,„Sergeant rst binnen.".. Ter Holsteiner ging bis zur Bucht bimmter und holte den Landstreicher herauf, der nur mit Mühe sich die Hunde vom Leibe gebalten hatte. Er versuchte nicht, den Alten aus- Morschen. Seine Gedanken waren wo anders. Am Morgen waren drei Menschen auf der Station gleichmütig: Jsak, Willem und der Alte. Die zwei weißen Männer und das Mädchen schoben sich aneinander vorbei, als führe jeder etwas am Arme mit sich, deswegen er sich schämen müsse.. Der Sergeant hatte dabei auf dem Gesichte, was mau ein dummes Lachen nennt. Beim Frühstück wurde dem Sergeanten das Schweigen unangenehm, da schüttelte er das Lachen heraus und erklärte:«Sie hat keine Läuse und ist überhaupt sehr reinlich." „Wertz" fragte der Wachtmeister. „Na, die Dina." sagt« der Sergeant,„ich dächte. Sic..... Sic seien draußen gewesen und hätten mit Jsak gesprochen in der Nacht?" „Ich hörte die. Hunde," sagte der Wachtmeister. Danach unterhielten sie sich wie sonst oder meinten sich zu unterhalten wie sonst. Der Wachtmeister dachte aber:„.Nun ist es mir doch nicht so unrecht, daß ich nächstens herauskomme aus dem Sande. Ich sollte mir das Heiraten überlegen dort in Deutschland. Der von der Furt hat gar nichts Falsches gesagt. man muß sich eine richtige weiße Frau holen, sonst lausen die Wünsche allmählich verkehrte Wege." Der Sergeant dachte: „Warum ist er so sauertöpfisch? Und ich fürchtete immer- fort, es sei sein Gehege. Besser er geht jetzt, als daß wir noch Krach bekomnien." Am Abend drückte sich das Mädchen dem vom Stalle zur Wohnung schreitenden Holsteiner vor die Zimmcrtüre. Es war so dunkel geworden daß niemand dem andern mehr ins Gesicht sehen konnte. Sie fing an:„Baas. Du selbst bist nie gekommen____" Der Holsteiner blieb sieben. „Gib Willem einen Eimer mit beißcm Wasser," bieß er sie im Vorübergehen,„er soll die Kleie damit anrühren." Das Mädchen verstand nicht, daß er nicht wenigstens nach ihr schlug. Sie ließ sich ein paarmal rufen zu ihren Diensten an den nächsten Tagen, und dem Holsteiner und selbst dem Serge- anten schien es, als beginne die vielgevrieseitc ordentliche Wirtschaft in der Dreimasterbuchtstation faul zu werben. Aber sie hatten beide die nabe Trennung und Abreise inr Sinne und mochten aus gegenieitiaer Scbeu kein großes Geschrzi mehr anfangen, und so eine recht handgrerfttche Verkehrtheit geschah auch nicht. Es ging dann alles sehr schnell. Der Amkadampfer kam von Kapstadt herauf. Ter Be- zirksamtmann und der Leutnant gaben dem Wachtmeister die Hand und wünschten ihm gute Fahrt und Glück zur Freite, und ein gesundes Wiedersehen. Die Lüdcritzbuchtcr tranken unter gewohntem Lärmen zur Feier der verschiedenen Ab- reisen ein paar Fässer Bier leer, lieber ein kurzes waren die Kanarischen Inseln erreicht und die Biskaja und England und der Kanal und die' Elbe und Hamburg, und auf einmal saß der Wachtmeister schon sechs Wochen in Holstein. Nach diesen sechs unklaren Wochen merkte er immer deutlicher, daß er ein Fremder sei in der Heimat. Wenn er prüfte, was ihm denn eigentlich fehle, siel ihm freilich nichts Rechtes ein. Seine Verwandtschaft gab sich reichlich Mühe mit ihm. Einmal träumte er in der Nacht, er habe sein Lebtag im freien Felde geschlafen, und die Glieder seien ihm lang gewachsen vor lauter Raum und nun habe seine gute tote Mutter iiim ein schönes Bett geschenkt, so weich wie Mütter für sernc Kinder so etwas aussuche». Aber das schöne weiche Bett, das mache ihm gerade die Beschwer, rundum sei es ihm zu eng am- einfacher Ungewohnheit. Er wachte auf und setzte sich um und wtdersprach im Traume:„Das Bett hier ist doch bannig groß. Ich habe nie in einem größeren geschlafen." Ter Traum blieb ihm im Kopse beim Aufwachen, und er schien ihm bald der Schlüssel zu seiner ganzen Lage, und nach seiner Art— darin glich er vielen sbiner deutschen Landsleute, die im Gleichnis ia oft die Lösung sehen— stimmte ihn da? heiterer. Jetzt erzählte er nicht mir dann und wann von Afrika, sondern beim kleinsten Anlasse holten ihn seine Ge- danken fort über die See, und dann schraubte er die Augen zusammen, ganz eng, wie einer, der bei grellem Sonnen- glänze oder starkem Winde reitet und über weite Flächen scharf ausspähen muß. Tie so eingestellten Augen sahen gor nicht mehr in die saftigen grünen Koppeln Holsteins hinei», die starrton in die unbezähmbare Oedheit der Nanub. Jeder manu hat besondere Erinnerungsbilder für seilte Lebens- statioucn. Warum das anscheinend Nebensächliche und Be- dcutungslose häusig in ihnen zuvörderst ist. wer weiß es? Der Wachtmeister erblickte immer den Buntveldschuh in der Ferne und eine verwehte Fährtc im Saude und dann Tino. wie sie schnell auZschreitend dem widerwilligen Boden dort die Spuren aufdrückte. Immer nur Dina. Ist eine Menschenfährte und gar ein menschliches Geschöpf bezeichnend für die Nanüb, für das tote Land? Ach gewiß nicht. Aber es ist angenehm in die Namib schauen von Holstein aus, wo man ihre Schrecken nicht spiirl. Dagegen ist es nicht angenehm, bei Fest oder Tanz einen Mann zur Seite zu haben, der nie bei der Sache ist und zu weilen solch seltsame Sehnsüchte äußert. Lop der Fremde erzählen mag einer gerne, wenn er verstehen läßt, daß das rechte Glück da draußen natürlich nicht zu finden sei. Tic holsteinischen Mädchen zeigten keine Achtung für den Wacht- meistcr, weil sie wohl merkten, daß sie ihm unendliäi wenig bedeuteten. Daß sie ihm wenig aalten, daran dachte der Wachtmeister nicht, er merkte nur:- ich und diese da, wir gäben nie einen Klang. (Forts, folgt.) träflt sich würdig, lediglich in einigen Häusern sind— Nacht« Vergnügungen im Gange, lind wenn man so inmitten der Soldalen sitzt und ihrem Tun und �Treiben zusieht, denkt man nicht mehr an den Krieg!...(Aus dem Flämischen von Julius Zerfaß.) Die deutsche Dücherei. Auf dem Gelände der Völkerschlacht, an der Straße des 18, Oktober, die zum Volkerschlaäitdenkmal hinführt, ersteht der mächtige Bau der Deutsche n B ü ch e r e i. Der Krieg hat nicht den geringsten nachteiligen Einfluß ans die Bauarbeiten gehabt, und nun sind diese so weit gediehen, daß am 30. April der Schluß- stein gelegt werden konnte, Der große Gebändekomplex ist ini engeren Umkreis von freien Feldern umgeben und liegt außerhalb der Stadt ani Ende deS südlichen Vororts Thonberg, In nächster Nähe trifft man auf den Haupteingang der Bugra, der im Verfolg der breiten Straße des 18, Oktober erreicht Wird. Nach der entgegengesetzten Seite, in gleicher Entfernung, er- hebt sich mit goldsuntelndem Turm die russische Kapelle, die im Oktober 1S13 geweiht wurde, veute zieht man die Linie von der Bugra über die Deutsche Bücherei zur Kapelle unter eigenen Bc- t'rachtungen, denn während die letztere jetzt den Eindruck des Stumpfen, Kalten und Toten erweckt, sieht man an den andere» Stellen gedeihliches lebendiges'Schaffen, Von der Bugra wird bald wieder neues zu hören fein, denn die Eröffnung des Deutschen Buchgewerbe- und S ch r i f t e n m u s e u in s. das dort in einer Betonhalls untergebracht worden ist, steht für die nächste Zeit bevor. Dies Museum kann als eine Ergänzung der Deutschen Bücherei betrachtet werden. Die Hauptfront mit dem Portal zieht sich, leicht nach innen ge- buchtet, breit an der Straße des 18. Oktober hin. Dahinter er- strecken sich zwei wuchtige Flügel, die zwischen den Innenseiten einen weiten Hof bilden. Die Architektur ist im stil der italienischen Renaissance gehalten. Das Fundament ist aus Beuchaer Granit gefügt. Durch das Kellergeschoß läuft der Wagengang, in dem ein Bücherverkehr von gewalligsten Formen zur Abwicklung kommen wird, denn aus allen Lagern werden hier die Bücher gesammelt und an die Stellen, wohin sie gehören, weiter geleitet. Durch diese� Einrichtung hält man den oberen Hallen und Gängen, die dem Lesen und Studium dienen, allen Lärm fern. Sollte später eimnal der Bücherverkehr sich derart steigern, daß er durch mit der Hand gefahrene Wagen nicht mehr bewältigt werden/kann, so ist in einem Tunnel, der ohne Tageslicht ist, eine automatische Eisenbahnverbindung in Betrieb zu bringen. Im Sockelgeschoß wird die Rohrpostzentrale untergebracht, hie den Bestellzettelverkehr erleichtern soll. Im selben Geschoß kommen die Buchbinderei, die Handbücherei mit einem Raum für 123 000 Bände, Badezimmer und Erfrischungshalle zu liegen, DaS Hauptportal erhält plastischen Schmuck durch sinnbildliche Figuren und die Masken von Guteuberg, Goethe und Bismarck, Die Vorhalle führt zum Katalograunr, und von diesem aus gelangt man in die Lesehalle. Die Kataloge werden jedem Besucher zu- gänglich sein, ohne daß darum umständliche Formalitäten nötig lpären. Der große Lesesaal wird außer an Waldgemälden noch die Wappenbilder von den zwölf größten deutschen Städten, darunter auch Wien und Bern, aufweifen. Die Büchergestelle sollen so che- schaffen sein, daß man jeden Band ohne die Leiter herausgreifen kann. Eine Galerie führt noch zu einem besonderen Leseraum, wo Schreiberinnen für eilige Diktate zur Verfügung stehen. �Dem eifrigen Bücherfreund dürfte, es schon verlockend klingen,� daß der große Lesesaal einst über 25 000 Bände zur Aufstellung bringt. Durch die Obergeschosse verteilen sich Karten- und Katalogsäle. Man wird dort einen Sitzungssaal einrichten und eine Auskunftei fürs Publikum, die Zeitfchriftenlager und die Büchermagazine werden dort ihre Stätten sinden. Was die Bücherei insgesamt schon an Büchern fassen kann, reicht über eine halbe Million hinaus. Es ist zu hoffen, daß dies große einzigartige Werk im Früh- jähr 1016 eröffnet werden kann. Man wird dann in ihm einen neuen hervorleuchtende» Merkstein für die Entwicklung, Macht üiid Fülle des geistigen Wesens haben, und wird die organnatorische Arbeit, die hier zur einheitlichen Zusammenfassung des deutschsprach- Ischen Schrifttums führt, bewundern müssen. Der ideelle und praktische Gewinn, der daraus ersteht, läßt sich nicht ermessen, L. G. Die Zelöpoft auf der wohnungsuche. Die große Bagage rückt in den Quartierort ein, Dutzendmal kamen wir nach Sonnenuntergang an, bei stockdunkler Nacht, wo nur ein ausgesprochener Glückszüfall— oder wars eine rasch er- wordene Spürnase?— uns das' Richtige finden ließ. Heute ist, Gott sei Dank, noch hellichter Tag. Wir fahren auf dem Markt- platz auf. Qziartierc sind nicht gemacht, wahrscheinlich weil das Gen eralkom ma ndo im voraus selbst nicht gewußt hatte, wie weit wir diesmal kommen ivürben. Der Befehl ertönt„Ausspannen!" Nu« stiebt es auseinander, wie wenn man in ein Wespennest ge- stochen hätte.... Ställe für die Pferde, Quartiere für die Men- schell. Doch, für die Feldpost heißt es: ein Dach für den Betrieb! Das Ortspostamt, das dicht am Eingange zum Marktplatz liegt, ist für, unseren Bedarf das haben wir schon beim Vorbeifahren gesehen— zu klein. Die Schule? Vom Generalkommando besetzt. Aber halt, da steht noch dicht daneben ein äußerlich stattliches Haus. Nach den großen schaufciisterartigeu Fenstern zu schließen ein Kauf- laben, eine Kaffeewirtschaft oder Absynthfchänke. �Die Tür ist ver- schloffen. Wir hören, die Nachbarin habe den Schlüffel. Schnell ist er herbeigeholt und die Räume werden besichtigt. Sie sind wie geschaffen für uns. Hier kommt hie Annahmestelle hin, dort die Eutkartung— bei der die ankommende Post bearbeitet wird--- und i« jenen Raum die Abfertigung(der abgehenden Post». Bei der weiteren Auskunduitg fiudeil sich noch eine Treppe hoch drei Zimmtzrchen, die als Schlafräume für die Feldpostschaffner, Feld- pvstillone und Traiirfokdaten bestimmt werden. Sodann aber —- wir sind vom Glück ersichtlich begünstigt— stellen wir nicht nur ffesiv daß sich auf dem langgestreckten Hof unsere sämtlichen Kraft- sind, sonstigen Fcldpostwagen auffahren lassen, sondern daß er auch noch,' Ställe für 18 Pferde enthält. Da unser Feldpostamt mit 2L Gäulen marschiert, braucht nur noch für deren vier eine Unter- kunft geschaffen zu werden. Auch dem wird rasch abgeholfen. Ist dpch da noch so eine Art Hinterhäuslerwohnung zu ebener Erde von zwei Stuben nebst geräumiger Küche. Bald erschallt auch aus ihnen fröhliches Gewieher, ein Beweis, daß die Bewohner: mit ihrem inzwischen mit Stroh ausgepolstertem Heime zufrieden sind. Zum Ueberfluß findet sich gleich in der nächsten Nachbarschaft noch für die fünf Feldpostsekrctäre leidliches Quartier. > Der Feldpostmeistcr schmunzelt befriedigt, denn nun bat er seine ganze Formation auf einer Stelle vereinigt. Das ist sehr viel wert, nicht nur � vom Standpunkte des dienstlichen Interesses, sondern auch und nicht zum wenigsten,, namentlich in der Nacht- zeit, wegen der steten Möglichkeit eines plötzlichen Alarms. ' Mit der glänzeirden Lösung der Raumsrage ist aber die Sache noch nicht abgetan. Sämtliche Räume sind nämlich ratzekahl leer, wie sie ihr Erbauer geschaffen hat. Die früheren Bewohner, ein ehrsamer Krämer rnit Familie, waren schon einige Monate vor Ausbruch des Krieges nach Paris gezogen, um dort ein bisher arbeitsreiches Leben mit dem beschaulichen Dasein eines kleinen Rentners abzuschließen. Seitdem hatte die Wohnung leer ge- standen. So entbehrte sie zwar durchaus jener großen Unordnung, die wir in Häusern, die fluchtartig geräumt worden waren, oft an- getroffen hatten. Dafür war aber auch wieder nichts vorhanden, was sich zum Sitzen, Schreiben oder sonst beim Arbeiten hätte bc- nützen lassen. Darum bieß es jetzt, schleunigst eine„Wohnungs- eiurichtung" besorgen. Nach allen Richtungen werden Boten ent- sandt, Leute, die in solchen Dingen bewaiidert sind und nicht unber- richteter Weise zurückzukehren pflegen. Siehe da, schon trifft eine Sektion mit wesentlichen Bestandteilen des Schulhauses ein: Bärtige Feldpostschassner und Traiusoldaten schleppen vier lange Schulbänke heran; ihnen folgt eine zweite Kolonne mit mehreren großen aufeinander gelegten Wandtafeln. Bald gestaltet sich daraus ein Gebilde. Die Schulbänke werden mitten ins Zimmer gestellt, darüber die Wandtafeln gelegt und der herrlichste. Entkartungstisch, auf dem Hunderten von Postbeuteln der Kropf aufgestochen werden kann, ist fertig. Inzwischen tragen andere xFindige aus. einem Schuppen im Hofe Holzböcke herein, als Unterlagen für weitere Tische. Und deren Tischplatten? Eine innere Zimmertür wird ausgehängt und auf die Böcke gelegt, auf die Fensterläden der Hofseite kann man ebenfalls verzichten. Damit ist dm Tischfrage vorläufig gelöst. Bei jeder Feldpostanstalt macht das Sortieren der ungefügigen Päckchcnpost besonders viele Umstände. Für die größeren Truppen- teile geschieht diese Arbeit zwar schon bei den heimatlichen 23 Post- sammelstellen. Bei den kleineren, aber zahlreichen Verbänden, zu denen namentlich die Proviant- und die Fuhrparkkolonncn zählen, lohnt sich ein solches Vorarbeiten nicht. Hier muß das Geschäft im Felde selbst besorgt werden. Das erfordert aber entsprechende Fachwcrkc, die in jedem Quartier geschaffen werden müssen. Denn die notwendige Beweglichkeit der Fcldpostanstalt gestattet' das Mit- schteppcn solcher Betriebsmittel nicht. Der Feldpostbcamte, dem die Bearbeitung der Päckchen für jene Kolonnen obliegt, steht des- halb nach jedem Quakticrwcchsel immer wieder vor der neuen, oft heiklen Ausgabe: woher rasch die nötigen geräumigen Fächer nehmen? Unser„diesbezüglicher" Kollege sagt sich, daß der ver- slossene Krämer, als er seinen Kram einpackte, wohl noch einige leere Gefchäftskistcn übrig behalten haben wird. Und richtig, hinten im Hose befindet sich noch ein ganzes Dutzend davon, das ehemals saftige Apfelsinen, feurigen Burgunder, geräucherte Fische und Huniady Janos beherbergt hatte. Gleichviel: jetzt werden sie alle ein und demselben neuen Zweck zugeführt. Dem Kollegen für die Proviant- und Fuhrparkkolonnen ist dabei alles übrige himmlisch egal. Er baut still und in sich gekebrt in einer Ecke des Ent- kartungszimmers eine Kiste neben und aus die andere, mit dcm fehlenden Deckel nach vorn gekehrt, und binnen kurzem sehen wir, daß er sich das schönste Fachwerk für die großen Päckchen seinen Kolonnen zurechtgepustelt hat. Daß er sich morgen.in aller Frühe noch kleinere Gefache für die Briefe und Postkarten dieser Kolonnen hineinzimmern wird, weiß ich aus Erfahrung. Nun ist zwar das Notwendigste für den Betrieb geschehen. Aber zur„behaglichen Häuslichkeit" braucht es doch noch einen schritt weiter. Halt, dort drüben, quer über dem Marktplatz, leuchtet ein Schild„Estaminet". Tür und Fensterläden sind geschlossen. Es hat auch keinen Zweck, sie zu öffnen, denn der Alkoholverkauf ist ja doch verboten. Zudem ist wahrscheinlich alles auch längst ausgetrunken. Das ist unser Mann! Unter Führung eines Beamten, der ihm die Sachlage so�gut wie möglich klar machen soll, rückt ein Zug Leute hinüber. Schon sind sie in der Hintertür verschwunden. Bald darauf öffnet sich die Tür der Kneipe nach dem Platze zu, und es kommen Tinge zum Vor- schein, viel mehr, als man erhoffen durfte: sage und schreibe neun Stühle, dazu noch zwei kleine Tischchen und endlich eine zwar uralte, aber doch noch sofaähnliche Lederbank. Diese, ist für den Fcldpostrneister, wenn Herren vom Generalkommando bei ihm vor- sprechen!..... Die schließlich noch fehlenden Lampen—.der ämtlich mitge- führte Beleuchtungsapparat ist für so viel Räume nicht bemessen — werden in einem Klempnerladen entdeckt. Unter Weh und. Ach rückt der biedere Ferbläntier zwei Hängelampen heraus, auf Pump natürlich. Morgen will er. uns.dafür.bei der Beschaffung von Oefen behilflich sein, wahrscheinlich bei einem Geschäftsfreund oder Nachbar, dcm er nicht grün ist. Nun sind wir eingerichtet. Rasch flitzt der Feldpvstmeister noch hinüber zu. den Korpsfernsprechern, um dem Armeepostdircktor den neuen Standort telegraphisch zu melden. Jetzt können die strotzenden Postbcutcl ankommen; wir sind bereit. Die Nacht ist herabgesunken. Hinten in der Küche neben dem improvisierten Pferdestall richtet unser Koch, der schon Südwest- afrita mitgemacht hat, den Abendkaffee. Er ist stark und heiß— wie der kommende Tag an Arbeit werden wird. Kleines Feuilleton. Zucker als Nahrungsmittel. Im gegenwärtigen Kriege, in dem England auch die deutsche Volkswirtschaft zu vernichten und die deutschen Nichtkämpfer aus- zuhungern trachtet, verdienen alle Ernährungsfragen doppelte Auf- merkfamkeit. Da erscheint es, schreibt die illustrierte HalbmonatS- fchrift„Das Wissen", nötig, immer loiedcr aus den Zucker hin- zuweisen, der ein ganz vorzügliches Nahrungsmittel ist, dem'nur wenige andere gleichkommen dürften. Der Zucker wird fast ganz vom menschlichen Körper ausgenutzt, es ist'wähl nicht zu viel gesagt, däß in einem Pfund. Zucker nocki nicht ein Gramm unverdaulicher Sjqffe steckt. Eine sehr nützliche Eigenschaft ist auch seine Lvslickkeit/ diese steht aber auch-im Zusammenhang mit seiner schnellen Oxydation oder Verbrennung, zufolge deren er vom Organismus in recht kurzer Zeit vollständig aufgenommen wird. Er.wird daher im Körper viel schneller in Energie umgewandelt als die meisten anderew Nahrungsmittel; ein durch-Anstrengung und Mangel vollständig erschöpfter Mann gewinnt deshalb durch den Genuß von Zucker viel schneller wieder Kräfte' und Frische, als etwa durch den Genuß von Fleisch, Deshalb kann man gar nicht oft genug die Mahnung wiederholen: schickt unseren Soldaten als Liebesgaben Zucker, und zwar Zucker in jeder Form, Schokolade und Zuckerwaren, wie auch direkt ganz reinen Würfelzucker. Aber nicht nur für die Soldaten im Felde kommt der Zucker iu'Be- tracht, sondern auch für die allgemeine Ernährung der in der Heimat Zurückgebliebenen. Hier kommt dem Zucker eine große Rolle zu, nämlich als Ersatz für Fett. Sehr bedeutend an Fett kann man sparen durch Entwöhnung von Butterbrot. Aber darum gehen wir noch nicht einer Zeit des trockenen Brotes entgegen, denn wir haben ja— Zucker. Freilich können wir ihn nicht direkt auf das Brot legen, wohl aber ist er vor- trefflich dazu geeignet, in den verschiedenen Formen, in denen er zu Marmelade verarbeitet wird. In dieser Form als. Fett- ersatz zu dienen, ist der Zucker noch eine große Rolle bei uns zu spielen' berufen. Man wendet oft gegen den Genuß deS Zuckers ein. er wirke schlecht auf die Zähne. DaS ist aber in dieser Ver- allgemeinerung nicht richtig. Speisenreste wirken imnier verderblich auf die Zähne und müssen entfernt werden. Deutschland, das in der Zuckerproduktion an erster Stelle steht, nimmt im Zuckerverbrauch erst die achte Stelle ein. Auf den Kopf der Bevölkerung entfällt bei uns kaum der dritte Teil dessen, was in England auf den Kopf ver- braucht wird. Hierin werden die durch den Krieg geschaffenen Ver- Hältnisse hoffentlich gründlich Wandel schaffen. Die verstaötlichung öes Kinos in Norwegen. Die norwegische Volksvertretung hat unlängst ein Kinemato- graphen-Gesetz angenommen, das für die Zukunft der dortigen Licht- spielbühnen geradezu umwälzend wirken dürfte. Nach diesem Gesetz laufen nämlich die Konzessionen der Kinotheater sämtlich von 1916 ab zu Ende, und es können nach diesem Zeitpunkte die Gemeinden nach Gutdünken darüber entscheiden, ob sie die Konzessionen er- neuern oder ob sie die Kinotheater in eigenen Betrieb nehmen wollen. Eine Anzahl von kleineren norwegischen Städten, wie zum Beispiel Vardö, Tromsö, Frederikshald und Notodden, haben bereits den Entschluß gefaßt, ihre Kinos zu verstadtlichen. und nun beginnen auch die großen Städte des Landes der Frage näher zu treten. Eine politische Parteifrage ist es nicht, denn während der Antrag zur Uebernahme der Lichtspielbühnen in städtischen Betrieb in Kristiania von den Sozialdemokraten' gestellt worden ist, hat in Drontheim der der Rechtenpartei angehörende Bürger- meister selbst der Stadtvertretung den Vvrschlag gemacht, 'die dortigen KinoS zu verstadtlichen. Als maßgebend hierfür bezeichnet er vor allem die pädagogische Wichtigkeit deS KinoS; Bürgermeister Bauck hält es für die Pflicht der Stadt, im Interesse der heranwachsenden Jugend die Kontrolle über die Darbietungen der Kinobühuen in die Hand zu bekommen. Es besteht ferner die Wahrscheinlichkeit, daß- die Uebernahme der Kino- theater in städtische Verwaltung einen ansehnlichen lieber- schüfe ergeben dürste. Um den bisherigen Unternehmungen gegenüber unnötige Härten zu vermeiden, soll der städtische Betrieb der Kino- theater in Drontheim erst mit dem Jahre 1918 in Kraft treten. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß sich gegen die Pläne auf Verstavtlichung der Kinotheater in Norwegen auch lebhafter Widerspruch regt, so besonders in- Kristiania. Jedenfalls ist die nor- wegische Kinogesetzgebung ein Vorgang von großem Interesse, der auch bei uns wohl beachtet zu werden verdient... Stereo, kopie ohne Apparat. Wohl jeder kennt die entzückenden, lebensvollenWirkungen eines Stereaskopbildes. Was sonst flach nebeneinander zu liegen scheint. tritt uns hier wie in der Natur in räumlichem Hintereinander ent« gegen. Ein Nachteil der seitherigen Stercoskopbilder.ist allerdings ihre umständliche Betrachtung durch einen Apparat.; Bekanntlich werden bei einer Stereophotographie von demselben Gegenstände gleichzeitig zwei Ausnahmen gemacht, bei denen, die beiden Aufnahmelinien etwa so weit voneinander entfernt sind, wie die beiden Augen eines Menschen. Unser räumliches— oder plasti- iches— Sehen kommt ja auch nur dadurch zustande, daß wir die Gegenstände mit den beiden Augen etwas verschieden sehen. Ein Einäugiger sieht die Dinge flach,--, bildmäßig.' Die beiden photographischen Einzelbilder müssen dann erst durch den bekannten Apparat, der jedes Auge nur zum Betrachten des für es bestimmten Bildes zwingt, zu einem einzigen Bilde vereinigt werden. Nun ist durch Heß von der Stereo-Photographischen Gesellschaft in Zürich ein Verfahren erfunden worden, das erlaubt, die beiden Einzelbilder auf-eine Platte zu bringen, die dann bei' gewöhnlicher Betrachtung den Äugen die Vorstellung eines räumlich wirkenden Bildes vermittelt. Aufgenommen werden zunächst,' wie gewöhnlich, zwei Bildxr, Die beiden Bilder werden aber dann auf eine Platte in der Weise kopiert, daß das eine sein Licht von rechts, das andere das seine von links erhält, lieber oer Aufliahmeplalte liegt eine 1—2 Millimeter starke Zelluloidfolie, die mit einem feinen Raster, der 33 Linien pro Zentimeter trägt, bedeckt ist. Die Linien sind ebenso breit wie die Zwischenräume,' und es ist nun durch entsprechende Anordnung der Negative und ihre Entfernung von der Platte dafür gesorgt, daß die Teile der Kopierpkatle, die von.dem einen Negativ her keine Belichtung bekommen, dafür von dem anderen aus belichtet werden. So liegen also die beiden Bilder in freien Streifen nebeneinander. Bei der Betrachtung bleibt der Raster ans der Platte, die nunmehr mit einem lveißen Papier hinterlegt wird, liegen und erfüllt nun für die beiden Augen die Aufgabe, daß er jedem von ihnen das Bild, das für das andere be- stimmt ist, verdeckt. So kommt also genau die gleiche räumliche Wirkung wie bei einem Betrachten der Stereobilder mittels Apparates zustande. Notizen. — Die Sommeroper in der Volksbühne. Im „Theater am Bülowplatz" Zvird voraussichtlich.diesen-Sommer Hermann Gura mit einer Sommeroper einziehen, — Essigsäure gegen Läuse. Der Wiener Militärarzt Dr. Zubnik hat festgestellt, daß die viel billigere Essigsäure dem Anisol vorzuziehen ist, sie wirkt auch viel länger. Schach. Gg. Breyer(Budapest). b c d e t g h im mm » b ade fghv 2+(ifq—wi'i) Das obige feine Problem des bekannten, jugendlichen nngarffchen Schachmeisters entnehmen wir den.Münchener Neuesten Nachrichten". Dasewst wird auch mitgeteilt, daß R. Spielmann, der schon seit Monaten eingezogen ist, doch Gelegenheit hatte, am 10, April in flöten eine Simultanvorstellung zu geben, bei der sich ihm nicht weniger als 40 Partner entgegengestellt hatten.(Die Zahl ist sogar für Friedenszeiten sehr hoch I) Nachstehende Partie stammt aus diesem Simultanspiel. Cunningham-Gambit. st, Lpielmsan. 1. s2— e4 2. 12-14 3. Sgl— 13 Der letzte Lug stimmt den 8. Sep. e7— e5 eöYJi! Lf8-e7 von Schwarz be- Namen der Eröffnung. Sein Zweck ist: daS Schachgebot aus dl, daS 813 verhinderte, doch durchzusetzen; weil es dcm Gegner ent- weder das Rochadcrccht lostet, oder— wie c-3 in der, Partie geschieht— seine Kömgstcllung entblößt. Trotz- dem(wegen der hiermit verbundene» Tempoverluste) gilt. mit Recht der übliche Zug g7— g5! nebst evnt. Lg 7 für besser, 4. Lfl— c4 Lc7-h4t 5.g2-g3..... Bedeutend stärker ist die Aufgabe der Rochade mit 5. Kki I(droht d2— 34 mit Angriff aus R14) z. B.: 5.... L16(1-0.7; 34, g5; h4, gl; Se5); 6. e5, hei(die»Tempoverluste" des Läufers sind nun er- sichtlich); 7. 34. gb; 8. hi, gl(bei gh; LXf4 kann Sg8 sich satt nicht entwickeln): S.SgS. 1>X8: 10, bXgö, DXg5; 11. g3 nebst LX14 mit entscheidendem Vorsprung der Entwick- lung, 5...... f4Xg3 6. 0—0 g3Xh2t 7. Kgl— hl!..... Ilm nickt ganz entblößt zu sein (Bh2, obschon ieindlicher Farbe, schützt doch etwaS). Nun droht z. B, k-Xllß! 7...... 37—35 1 8. Lc4Xd5 Oder 8. ed, Lh3; 10. Tdl, Sh6 usw. Schwarz. 8...... 9. Sbl— c3 Vorzuziehe» war LXk 7-f nebst SXD 9. 10. ScSXdS 9. De2t, KfS; zugunsten von Sg8-k6 LkSXSS c7— c6 Lercmtw. Redakt.: Alfred LSielepp, NxuMn. Lns-rat-nt-jl verantw. Dh. Glocke. Berlin. Druckn.SeRag-.'BorwärtSBuchdr.ii.DerlagS-nstÄt xaul Singer i Ed, Berlin SW. feierzu 4»*«•#««. In Betracht kam eher Lgi oder Lh3 oder auch hg3. 11. Sf3Xhl c6Xd5 12. Ddl-h5 Dd8— e? 13. 32—33..... Oder auch 13. eXdä und falls hieraus 13.... IJeir(was Spielmann angibt), so konnte 14. Lg2 mit der Drohung Dal- geschehen. Z, B. 14.... 0—0; 15. 33 usw. 13..... 0-0 Falls 3s, Jo.Lgö nebst Tael. 14. Lei— g5..... Hier konnte besser ed oder Ld2 geschehen, 14...... De7— e6 Weit stärker war Des!, wie Spiel- mann selbst angibt. 15. Sh4-l5 d5Xe4? Dies sollte die Partie kosten. Am Platze war entiveder gti oder 837 1 16. S15Xg7..... Nur scheinbar stark. Entscheidend war: 16. Shöf!, gXh6; 17. Lf6, Dg4; 18. Tgl, hXglDf; 19. TXD. DXTf; 29. KXlJ und gewinnt (DXh6). Aber gegen 40 Gegner tann man auch was übersehen I 16...... De6— g61 KXS? verliert wegen Lief. 17. Lg5— 16 Lc8— g4? Auch dies ist nur von.scheinbarer Stärke. Besser 17..... 81)371; 18. Lc3, 16; 19. DXD, IXg«; 20. Se6, 117; 21. de, b6 usw. 18. Sg7— f5U Lg4X16I 19. 111X15 20. T15Xh5 21. KblXb2 22. L16— c31 Ein Mißgriff. 1gl2 bot Gcwirm- auSsichten. - 22...... Te8-e6 1 33. d3Xe4 Ta8— e8 24. Tal— dl Remis. Eine wenig korrekte, aber sehr lebhafte Partie. Dg6Xh5 118—68 Sb8-d7