Nr. 105.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Donnerstag, 6. Mai. Nach einem Segräbms. Wieder haben wir begraben einen treuen Bruder ein, und die Erde mußt' ihn haben in ihr Mutterherz hinein. Äeimwärts sind»vir dann gegangen längs den» grünen Waldkanal, und die Mordgeschütze sangen weiter ihren S6)lachtchoral. Lind wir sahn die grünen Felder, und wir sahn das grüne Gras, sahn die grüne Pracht der Wälder, wo gottnackt der Frühling saß, und wir sahn die jungen Saaten von des Daseins Lust geschwellt, und wir wußten: Wir Soldaten fallen,»vie dies Korn einst fällt. Llch,»nit fünfundzwanzig Jahren »veiß man erst: die Welt ist dein! Ach, erst dann kann man erfahren, »vas es heißt, ein Mensch zu sein! Ach, wenn die Kanonen sprechen, »vährend draußen Frühling ist, fühlt man's aus dem.Herzen brechen, wie so schwer das Sterben ist! Oskar W ö h r I c, Kanonier, im„aimp!.' tlicBencn der„Emden". Ich nannte die Lieder:„Tes großen Krieges Not". Ich habe außerdem ein dickes Kriegstagebuch diesen Vinter geschrieben, das die Kriegswrrkung und die Wirkung der falschen Reutertelegramme im Osten und die Ausstände hier, hervor- geruien in ganz Indien durch die Erklärung des Heiligen Krieges, beschreibt und mein Eumatraleben im Urwald. Jbr wißt doch, daß Tingapore viele Wochen in hellem Aufstand war. Englische Dmnen, Kinder und Herren, auch Deutsche im Konzentrationslager, wurden erschossen. Als ich von Sumatra nach Icwa fuhr, vor vier Wochen, war nichts mehr von englischen Handelsschiffen in der sonst so belebten Malakkostraße zu bemerken. In drei Tagen begegneten Muf?aVa. ') Barock(Java), Hotel Pavandasan, März 1315. Lieber Äorfiz, ich mit von Sumatra wieder nach Java gesahren, denn inncrbalv Niederländisch-Indicn nehmen die holländischen Kapitäne Deutsche schen Militärs enthalten. Stsinwender hat im„Sokratcs" weitere Untersuchungen angestellt und eine ganze Reihe von Kommandos deS Exerzierreglements und der Felddiensiordiiung der Legionen rekonstruiert, die in einem ivichtigen Teile ganz modern anmuten, indem sie nämlich AnkündigungS- und AusführungS- kommando icharf trennen, wie es noch heule geschieht. Als Beispiel des Klanges dieser Kommandos seien genannt: Signa toliite! „Achtung i" Signa— rnovete!„Abteilung— marsch!" usw. Auch verkürzte einwortige Kommandos gab es wie bei uns, zum Beispiel Surgits!„Auf!", fast das einzige Befehlswort, daS uns wörtlich als solches direkt erhalten ist. Lon kriegerischen exotischen Völkern müssen die E h i n e s e n ausscheiden, deren altes Banneraufgebot völlig undiszipliniert war (interessante Einzelheiten gibt die chinesische hliesenencyllopädie Tuschu-ljitfchöng in ihren 1628 Bändel!, von der sich ein Exemplar im Berliner Museum für Völkerkunde besindet), während das neue Heer nach modern-europäischem Muster gebildel ist. Wohl aber harte das a l t m e x i k a n i s ch c Heer deS Montezuma nach den Berichten von Fernando Eorlez und zeitgenössischen Chronisten eine geordnete Disziplin und systematische Taklik, was gleichfalls wenigstens die Grundzüge eines ExerzierreglemenlS voraus- jetzt. �_ Theater. (Gastspiel von Exls Tirolerbühne.) Komödie aus dem Lolksleben von Künstlertheater. „Der heilige»Rat." Gang hofer. Der Stoff, der das Zeug zu einer nochdenklichen, von saiirisch- humoristischen tüchteni beleuchteten Dorfgeschichte hätte, erhält in seiner szenischen AuSschlachiung ein recht verrenktes Aussehen. Wie gewaltsam der Autor dabei versahren mußte, drückt sich unter anderem auch darin auS, daß er der mageren Handlung ein um zwanzig Jahre zurückdatiertes Vorspiel vorauszuschicken gezwungen war. Die Pointe desselben— ein Fall, der in dem»Rahmen langsam vor- 'j Oma. Eine Erzählung aus Tudwestafrila von H a n S E r i m m. Doch daS dauerte nicht lange. Ter Wachtmeister ahnte tvonig von dem Kampfe an feinem Herde, dagegen war er in feiner Not zu allem Möglichen bereit. Tie ungeschickten Gedanken zeigten ihm einen Weg. den ging er fchließlich. Er wies das Mädchen zurück, erst sachte, denn es fiel ihm jchivcr, einen guten Dienst und ein freundliches Bestreben gering zu vergelten, dann mit wachsender Gewohnheit und ivachsender Verstörtheit immer deutlicher. Jetzt mochte die Frau merken, daß sie unrecht hatte.»Rls daS Spiel langsam verloren ging, hatte sich die Frau wohl gefragt:„Wie ist das? Bin ich viel- leicht im Unrecht?" Sie war daran gewesen, ganz nahe daran, zu dem Holsteinee zu sagen:„Laß uns noch einmal über das Mädchen sprechen." Sic hatte sich allen Mut und ollen guten Willen zusamniengespart auf einen Abend. An dein Abend begann der Holsteiner sein neues Wesen Tina gegenüber. Die Frau schwieg, der Ekel faßte sie an. Ein gerader Mensch ist allemal ein kläglicher Schauspieler. Der Argwohn, der ihn beobachtete, verzeichnete das Bild völlig. Tina erkannte nicht, daß es dem Herrn nncrnst lvar mit seiner Kürze. Sie hatte ein gutes Gewissen dem Herrn gegen- über. Wie sie rechnete, war der Herr in ihrer Schuld. Sie ertrug den Wandel eine Zeitlang. Ten Mißmut ließ sie an Jsak ans und an Willem und an dem alten Hottentotten. Bei der dauernden falschen Behandlung indessen wuchs die Wildheit in ihr und noch ohne Plan, aber zielsicher begann sie plötzlich kleine Angriffe auf den Holsteiner seihst. Ter Gefreite, der ahnte, irgendwie»vürdcn für ihn jetzt Aepsel notrcif, hätte viel lieber sich an sie herangemackst, wo ihn niemand sah. Tina lockte ihn an eine Stelle, die der Wachtmeister passieren mußte. Dreimal sah der Holsteiner den Mann und das Mädchen, und dreimal brachte er es fertig, dreinzureden, obgleich es in ihm schrie: wenn zu dem ganzen Elend Deines Hauses noch die Lotterci koinint, die keine Scham kennt, inas wird dann aus Dir? Einige Wochen später traf der Wachtmeister mit dem in- ivizierenden Leutnant in Angras Jüntas zusaiumen. Ter Tinzier machte ihm keine freundlichen Äugen. Als der Hoch steiner davon wollte, nahm ihn der Leutnant beiseite.„Ich muß mit Ihnen reden, Wachtmeister. Wo uns niemand bört. — So.— Nun: Himmelherrgott,»vas ist denn auf Ihrer Station los?" „Auf meiner Station...?" Ter Wachtmeister sah den Tffizier an und bekam eine kalkige Farbe. Ten! Leutnant wurde ganz sonderbar zumute. „Sind Sie krank, Wachtmeister? Nein? Na, ich»veiß sa mich: Genaues. Aber sagen muß ich s Ihnen. Bei Ihnen is»vas nicht in Ordnung. Sogar verschiedmes ist nicht in Ordnung. Machen Sie das anders, damit das Geschwätz aufhört." „Das Ge— Qle— Geschwätz?" sagte der Wachtmeister. „Jawohl." sagte der Leutnant.„Uebrigens kommt morgen ein frischer Gaul zu Ihnen. Keine Kuh. Sie haben ja Freude an so etwas." Ter Wachtmeister murmelte vor sich hin klanglos: „Wenn ich kort»nuß von der Station... das halte ick) aber nicht aus." Ter Offizier lvandte sich ab und machte ein paar Schritte »veg und kain wieder. Tic linke Hand sing ihm an am Kragen herum zu spielen, und dann sagte er so freundlich er konnte: „Wachtmeister,»vcr tollte Sie je fortwünschen? Ich rette dieses Mal nicht über die Bucht. Tas nächste Mal ist sicher alles glatt." „Zu Befehl," a»tt»vorteie der Wachtmeister. Wenn den Wachtmeister einer gesehen hätte auf dem Heimweg! Er hing im Sattel. So halten sich Betrunkene oben. Er wiederholte sehr oft:„Das nächste Mal ist sicher alles glatt, ist sicher alles glatt, ist sicher alles glatt. Tas nächste Mal____" So schwätzen auch die Betrunkenen. Tie Streistvackie vom Märchental brachte schon am Morgen das neue Pferd. Beim Wachtmeister wollte sich der Unteroffizier von der Pomonapforte melden. Ter Wachtmeister war nicht zu finden. Der Unteroffizier wartete eine Stunde. Danach gab er das Pferd an Willem ab vor der Frau. Zwei solcher Tiere hätten sie in Lüderitzbucht gekaust von einein Händler aus Keetmanshoov. Es habe sich nun gezeigt, daß die Biester einen fast unbezähmbaren Teufel in sich hätttcn. der Leutnant wolle das eine in die Kur nehmen, und was dieses hier angehe, so hätten der Bezirksamtmann und der Leutnant gemeint: das solle der Holsteiner haben zum Ein- reiten, dein mache es einen Mordsspaß, und der beste Reiter in der Truppe sei er ohne Zweifel. Tie Frau ettvidertc: Tas Tier gefalle ihr immerhin und trat heran, um ihm den Hals zu klopfen. Ter Unterossizier lachte: „Jelviß, der Bock is schön, aber wenn der nich müde is. dann nehmen Se Ihnen in acht,»vat der och nach die Damens beißen und keilen kann. Gucken Se sim> man rin in de falschen Oozen. Ja, mit dem Sande wird der Herr Wacbtt meister nu wohl in n inniges Familienverhältnis rm kommen." _„Bist Tu etwa bange vor den Menschen?" spottete das Weib dem Holsteiner entgegen, als der bald nach dem Vor- sckivinden der Wache erschien,„denn Tu hast sie kommen ge- sehen, das weiß ick>." Ter Wachtmeister blickte zu Boden und anttvortete nicht. Das ärgerte sie von je am meisten und sie fügte hinzu:„Dir is inal»vas Feines angehängt worden." Vier Tage stand das Tier im Stalle unter der Arche Noah und fraß. Ter Holsteiner kam herein früh, mittags und abends.„Aufsatteln?"{ragte Willem immer wiedcr ettvartungsboll. Ter Holsteiner machte stets eine abweisende Handbewegung. Als vierundzwanzig Stunden vergangen waren, sprachen sie im Junggesellenguartier und bei den Bambuseu von nichts als von dem fremden Pferde, und warum der Wachtmeister es noch nicht reite. Des Holsteiners Frau wußte,»vovon die Rede»oar, und»vunderte sich nicht weniger. Sie hätte den»Nonn zur Befriedigung der eigenen »Neugier nicht ungern ausgeforscht und fürchtete sich nur, ibiu zuviel Interesse zu zeigen. Am dritten Tage sagte der Gc- freite zu ihr, aus den Stall weisend: „Ten Neuen sticht schon der Haber." und dazu kickiertc er. Sie sah ihn mißtrauisch an, plötzlich glaubte sie ihn zu verstehen. »Ain Abend gab es allerlei zu erledigen, denn der Ser- geant und der Gefreite und Willem sollten vor Sonnen- aufgang a»tt einen weiten Weg bis an die Furt, dabei galt es einen besonderen Auftrag zu vollziehen, wahrscheinlich waren von der Kapkolonie ein paar Gauner hereingekommen in den Tiamantensand. Ter Wachtmeister setzte sich still zum Essen. Er merkte nicht, daß sein Weib trotz der Verspätung kaum mißmutig lvar. Sie ließ ibn ansangen, dann kam die erste Frage:„Warum Du nur den Gaul nicht reitest?" „Ach,— es wird schon____" sagte er leise. „Es ist ja eigentiimlich, daß Du»vartest," sagte sie. „Ja, allerdings, ja, ja," sagte er.„Ich bin nicht wohl..." „So," sagte sie,„so. Tu bist nicht»vohl. Wenn das man die andern nur auch wüßten. Sie lachen im und denken wer weiß was." Er antwortete gar nichts. Als sie aber von oben herab beiin Schlüsse der Mahlzeit die Frage hinwars: „Was der Leutnant erst sagen wird?" antwortete er,»vie einer, der erschrickt:„Ach gewiß, ich will ja das Pferd auch inorgen reiten." Ter Wind»vchte von Norden und lvar kochend heiß. Ter Sergeant und der Gefreite und Willem mochten einen schlimmen Tag erleben in der Namib. Selbst innerhalb des Hauses war es kaum auSzuhalten. Tie ausgeglühte. Luit gab keine Kraft hpr für die Lungen, und die Fliegen hingen sich an die Gesichter. Wo man nach einer schlug, klebten sie sich yrst recht Hrn. Den Hunden zitterten schon, in bor Morgen- frühe die Lefzen. Um neun Ubr lag einer in Krämpfen, den schoß der Wachtmeister tot. Tie Frau sah, wie er den Körpe»: wegschleppte an das Meer, und sie sah itm zurückkommen und aus den Stall zugeben und im Stalle verschwinden. Da klinkte sie die Tür ans. Der höckerige Bube kam aus dem Pontok (Eingeborenenhüttc) und scheuerte an einem Geräte in der prallsten Sonne. Irgendwo hinter einer Wand gröhlte der alte Hoticntott: „He. fic, hi, hi, setzt reitet dep Bga? das»vstde Pferd; fit, hi, he. he. jetzt reitet der Wachtmeister das wilde Pferd; Donnerlvetter, hoch, hock, hock?, jetzt reitet der Baas den Hengst von Keetlvanshoop."(Forts, folgt.) bereitender Erzählung undbreiterer Schilderung deZbäuerlick katholischen Milieus sehr wohl zu glaubwürdiger Motivierung sich hätte heraus- arbeiten lassen— macht aus der Bühne den Eindruck eines mühsam erklügelten Effektes. Eine Bäuerin, der ihr wohlhäbiger Mann fort- während mit_ wehleidigen Klagen in den Ohren liegt, man hänsele ihn wegen seiner Kinderlosigkeit, Ivird von einer siebengescheiten Nachbarin auf das erbauliche Beispiel Abrahams hingewiesen, der nach der heiligen Schrift in ähnlicher Lage wie ihr Gatte mit Hilfe einer Kebse zu dem ersehnten Stammhalter gelangte. Und dieser heilige Rat, heilig, weil ans dem Gottesbuch gezagen, geht dem verängstigten bigotten Weibe ein. Eine Magd, die sich zu solchem üblen Spiel herbeiläsjt, wird leicht gefunden, und da sie hübsch ist, leuchtet auch dem Mann der Vorschlag ein. Der Bastard, als Sohn des Hauses und künftiger Erbe großgezogen, vom Bater blind verhätschelt, präsentiert sich nach den zwei' Jahrzehnten als liederlicher, unverschäniter Bengel, im Gegensatz zu dem Jungen, den die Bäuerin selbst bald darauf geboren. Seine Liebenswürdigkeit gewinnt am Ende auch den Vater und führt ihn unter Beistand eines uralten Pfarrerlein zu der Frau zurück. Und obendrein er- weist sich, was dem ehelichen Frieden nach dem endlosen Streit der Eltern um die beiden Kinder eine solidere Grundlage zu geben verspricht, daß der erstgeborene Liebling des Papa ans einem anderen Verhältnis des Mädchens stammt. Hübsch gesehene Einzelheiten und drollige Züge, die sich am Schluß durch die ausgezeichnete schauspielerische Darstellung des wackelig gewordenen braven Seelenhirten zur intensiven Wirkung steigerten, milderten das Peinliche und theaterhaft Zurechtgestutzte der Situation. Die Aufführung, bei der die Herren Exl, Friedrich. Kalbach, die Damen Anna Exl. Gstöttner, Zölsch und Hagen in erster Reihe wirkten, zeigten frische, erfreuliche Natürlichkeit. clt. kleines Zeuilleton. verbotene Hahnenkämpfe in öelgien. Jetzt zum Frühjahr wacht in der belgischen Bevölkerung eine alte Spiclleidenschast_ wieder auf. In heimlichen Versammlungen werden, wie der„Rhein.-Westf. Ztg." geschrieben wird, die bespornten Hähne anfeineuider gehetzt, damit sie sich zerfleischen und zerreißen. Diese Hghnenkäntpfe haben seit jeher das Volk, besonders die Bauern, des Landes höchlich ergötzt. Emile Claus, der flandrische Maler, der selbst don Bapern herstammt, hat einen Hahnenkampf sehr farbig und lebhaft dargestellt. Und man kann auf dem Bilde sehen, daß Jung und Alt, daß die Reichen und die Armen, daß die Klugen und die Ein- fältigen nicht tBrniger begeistert sind als die Spanier in der Stier- arena, wenn die kämpfenden Hähne aufeinander losstürmen. Diese Tiere werden SesonderS für ihre blutige Aufgabe erzogen. Sie bringen in Belgien ihrem Herrn ein schönes Geld ein. Denn die Wetten, die dann auf einen Liebling und einen heldenhaften Hahn abgeschlossen werden, sind sehr hoch.' Es geschieht nicht selten, daß Tausende von Franken eingesetzt Iverden. Auf irgendeinem GutShofe kommen die Zuschauer zusammen. Der Kampfplatz wird von einigen niedrigen Brettern abgeschlossen. Die Hähne, die am Nachmittag ihre Kraft erproben sollen, müssen schon vom Vorabend an fasten. Sie werden nüchtern bis zur Stunde der Schlacht gehalten. Meist packt man sie auch in die Dunkelheit eines Sackes hinein. Und so sammelt sich in ihnen eine Uebermacht von Hunger, von Unzufriedenheit und Wildheit auf. Endlich ist es Zeit, daß sie ans dem Verließ hervorgeholt und zur Kampfsiätte gebracht werden. Die Gegner stehen sich'plötzlich gegen- über. Sie mustern sich mehrere Sekunden lang. Sie schleichen um- einander herum. Man kann beobachten, wie eine instinktive Schlau- heit in ihnen arbeitet. Doch endlich siegt der Wille zum offenen Kampfe. Einen Kriegsschrei krähen sie. Daun stürzen sie auf- einander los: sie sind sehr geschickt, die stählernen scharfen Sporen, mit denen ihre natürlichen'Sporen bewaffnet sind, zu gebrauchen. Und bald liegt irgend ein Tier verblutend auf dem Boden. Der Anblick dieses Kampfes wirkt sehr verrohend, und darum haben die Sicherheitsbehörden oft versucht, das große Vergnügen abzuschaffen. Man bestrafte die Züchter der Kampfhähne, man nahm ihnen die teuren Tiere fort. Aber von den leiden- schaftlichen Anhängern dieses grausamen Sports wurden immer wieder neue Mittel entdeckt, um gegen das Verbot zu sündigen. In niedrigen Schenken versteckte man sich und pferchte sich dort um die Kampfhähne zusammen. Nicht selten fuhren die Spieler von Flandern nach Nordsrankreich. Und in Roubaix und Tourcoing kamen sogar verwegene Amerikaner an, die zu- sammen mit den kleinen Bauern wetteten und die Einsätze zu fabel- hafter Höhe emportrieben. Auch in diesem Frühling wurden die Hahnenkämpfe wieder begonnen. Sie sind aber kaum eine Zer- streuung für die schwere Zeit. Und deshalb verfahren die belgischen Staatsanwälte �strenger gegen die grausamen Unternehmer. Sie wollen darauf sehen, daß dieser Sport der Zerstörung auch nicht mehr in den Schlupfwinkeln betrieben wird. Sie baben besondere Maßregeln getroffen, damit das Geld in den knappen Bauernkassen für bessere Zwecke gebraucht werde. Und diese Absicht ist sehr lobenswert. Schnecken- unü Irojchesser in Frankreich. Während bei uns Gasthäuser durch Fässer, die mit Austern- schalen benagelt sind, eine allerdings recht zahlungskräftige Kund- schaft anzulocken versuchen, besitzen in Paris Wirtshäuser Lock- auslagen, die das Begehren derer, die gerne elegant sein möchten, denen es aber meist am nötigen Kleingeld fehlt, anreizen sollen. Es geschieht das durch das Ausstellen von großen Drahtkäfigen, in denen Hunderte und Aberhunderte großer Schnecken ihres Schicksals harren. Die Geschichte der Volksnahrnngsmittel und Leckerbissen enthält ja zahlreiche an sich schwer verständliche Fakta, aber über den Geschmack läßt sich nun mal nicht streiten. Welche Ausdehnung die Schneckenkultur(Escargoticulture) bei den Franzosen hat, davon werden sich bei uns wohl nur die wenigsten einen Begriff machen. Die größeren Schneckenarten— es kommt vor allem die erst in Mittel- und Südeuropa häufigere, in Norddeutschland seltenere Weinbergsschnecke(Hslix pornata) in Frage— werden in Frankreich, wie echte Haustiere, in kunstvoll angelegten, nach echt agrikulturellen Gesichts- punkten bewirtschafteten und ausgebeuteten„Schneckenparks" gezüchtet und ernste agrikuliurwiffenschaftliche Forscher ver- öffentlichen umfangreiche Werke. in denen die Lebens- gewohnheiten der freien und der kultivierten Schnecken, die rationelle Pflege, Fütterung und Rassenzucht so ernst abgehandelt werden, wie bei uns etwa Probleme der Pferde- und Rindvichzucht. llebrigcns soll auch der Frosch, hauptsächlich der dickschenklige grüne Wasserfrosch Mono esoulenta). nach Thvvcnots und Lesourts AuÄ- führnngen sehr wohl der„Ehre" würdig sein, als echte Volks- Nahrungsmittel kultiviert und a ls„Haustier" gepflegt zu werden. Die Autoren fordern sogar echte Jagd- und Schutzgesetze für Schnecken und Frösche I In Ernährnngsfragen scheinen im übrigen alle Völker recht kon- servativ zu sein; man bedenke nur, wie schweres bei uns noch vielfach ist, den Seefischen als Volksnahrungsmittel Eingang zu ver- schaffen, während uns der Widerwille gegen Hühnerfleisch, den außer zahlreichen afrikanischen Stämmen auch die Chinesen besitzen, nicht verständlich ist. Das Verhältnis üer Geschlechter in Preußen. Wie bisher jede Bevölkerungsstatistik in Preußen, so zeigen auch die Ergebnisse der letzten im Jahre 1911 angestellten Bevölkcrungs- Zählung einen Ueberschuß an Personen weiblichen Geschlechts. Diese Erscheinung ist umso auffallender, als bekanntlich mehr Knaben als Mädchen geboren werden. Allein der Knabenuberschüß geht sehr schnell durch die höhere Sterblichkeit der Kinder männlichen Ge- schlechts im ersten Lebensjahre zurück. Ungefähr im 21. Jahre ist ein ziffernmäßiges Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen er- reicht, das sich von nun an zugunsten der letzteren verschiebt. Diese Ziffern sind aber nur Durchschnittswerte. Teilt man sie jedoch nach bestimmten GesichtSpunklen in größere Gruppen, so ergeben sich noch weitere interessante Einsichten. So weist Dr. Margarete Mescritz im„All- gemeinen Statisiischen Archiv" darauf hin, daß bis zum 18. Lebensjahrs auf dem platte»Lande die männlichen Personen überwiegen. Von 18 bis 25 Jahren ist es umgekehrt. Dann kommen wieder die Gruppen mit überwiegender männlicher Bevölkerung, und erst vom 10. Lebensjahre sind endgültig mehr Frauen als Männer fest- zustellen. In den S t ä d: e n ist infolge ihrer Wechselwirkung mit dem Lande die Proportion gerade umgekehrt. Sckon mit 13 Jahren und bis zum 21. sind die Frauen in der Ucberzahl. Dann folgen bis zum 25. Jahre zwei Gruppen mit überwiegender mann- sicher Bevölkerung, bis endlich die Frauen auch hier die Oberhand gewinnen. Diese Erscheinung ist so zu erklären, daß die Mädchen schon in jugendlichem Alter in die Stadt abwandern, um in den Dienst oder in die Fabrik zu gehen, während die männlichen Personen Landarbeit betreiben. Die Militärpflicht zieht diese dann in die Städte, so daß zwischen 13 und 25 Jahren ein Ueberwiegen der Frauen auf dem Lande und der Männer in den Städten zu finden ist. Aach der Dienstzeit kehren die Männer lvieder auf.das Land zurück. Die endgültige Majorität erhalten die Frauen durch das frühzeitige Absterben der Männer. Für Berlin gestaltet sich in�der Statistik das Bild etwas anders: Hier ist infolge der großen Säuglingssterblichkeit, der in hervor« ragendem Mäße die Knaben anheimfallen, das Gleichgewicht schon im zweiten Jahre hergestellt. Bei 15— 16 Jahren beginnt ein starkes llebcrtviegen der Frauen. Das lieberwiegen der Frauen ist an und für sich unbedenklich. Da aber die Frauen früher heiraten und die Männer früher sterben, wird die Zahl der ledigen Frauen im Ver- hältnis zu der der ledigen Männer eine bedeutende, etwa 19 bis 19,3 Proz. zu 7 Proz. der Männer. Notize«. — T h e.a t e r ch r o n i k. Die Volksbühne bereitet als letzte Neuheit in dieser Spielzeit Georg Hirschselds Komödie R o e s i ck e S Geist vor. Die Erstaufführung ist auf Sonnabend, den 15. d. M., angesetzt.. Das Berliner Philharmonische Orchester ver- anstaltet in der Brüsseler Oper unter Weingartners Leitung eine Reihe von Konzerten. Das erste hat bereits stattgefunden. --Eine ukrainische Gedenkfeier. Ter ukrainische Arbeiterverein„Postup" in Wien veranstaltet zur Feier des 191. Ge- burtZtages des grüßten Dichters der Ukraine Taras Schewtschenko ein Konzert, in dem vorwiegend ukrainische Kräfte mitwirken. — 50 Jahre Professor. Am 1. Mai waren 59 Jahre verflossen, seitdem Prof. Ernst Haeckel an der Universität Jena als Zoologe tätig ist. %., gaM aui'elt' eeW �-r gSeWa(*t Geli' nie»" 6e! P .—- x;;.e« ...»II-'-•«t'„„M ICH � uerrti .,g vor ae* Ho ht cklnckoa sie-- HaHe. Höffes � � ,.reU8lg8te UPI, - � te �unB �orHel l- är' 41961055 is�oo�' lCb GeschO«**« � 6 l0h eln 4. i � "jä- elo SürErauleitu in»* i .. . s �* v i-vc— I» W&i. -— './jr f r «/ vsgf' kW« |ii= % 33 am Bahnhof Alexanderplah beim Stettiner Lahnhof Popeltne-Mäntel das ideale Kleidungsstück für Ausflüge und kühle Abende. Sei uns io besonders guter und reicher Ausstattung zu erstaunlich niedrigen preisen 12«° 15?5 1915 2250 Ufa). WD M 2il" Motre. Mäntel immer elegant und kleidsam für jede Figur. In den neuen reiz- vollen' Formen mit sehr reichen Verzierungen, in ungewöhn- sicher Auswahl in allen Größen ilßTS 2125 2450 Ufa) Sonntags geschlossen. Ssronttoortlickjer Redakteur: Alfreh'Wiellpp. ivrult Mer!öz:Lörwari»Tu?druckerei£ Verlagsanstalt Paul Singer k Co« Berlin SW.