gr 106-1915 Unterhaltungsblatt öes vorwärts polnisches Notturno. In!>cr„Köln. Alg." schildertc kürzlich cin Fcldarzt die„pol- niichen Nächte" folgeirdcrmatzen: Bcrzeilning, ich mutz i,lcich mit einer Enttlcidungsszene beginnen, obwohl ich weiß, daß ßch daS nicht schictt. Ich bin sonst wirklich nicht so, bin auch gut erzogen, und cS soll auch gewiß nicht mehr nortominen. Äbcr mein Herz ist so srob, daß ich die ganze Mensch. l�eit an meiner Freude teilnehmen lassen möchte. Ich babc cin Schiassofa crwischtl Nuszichbar ist es und mit abnehmbarem Scitcnpolster. Bedenken Sie gütigst, daß ich zwei lange Monate in voller Ausrüstung auf Stroh oder dem blanken Fußboden ge- schlafen habe, dann begreifen Sic meine Wonne und lassen mich in Freuden mich entkleiden. � Also kurz entschlossen Nock aus, Weste aus, runter mit dem TovglaShemd(„Ich bab es getragen" usw.)! Sic untere Hälfte in ähnlicher Weise behandelt— machen Sie bitte Kehrt—, und dfitut ein Bad in einer großen Waschschüssel, aber einer richtige». von Porzellan. Wie dos wobt tut! Neugeboren, wie die Venus Anadbomcnc, entsteige ich den schaumgekrönten Wellen und cnt- nebnie dem Koffer, dem seltenen lstast, cin schlohweißes Nachthemd, das die liebende Gattin in weiser Voraussicht vor langer Peit dort verstaut hat. Ich hülle die Glieder in diese ungewohnte weiße Hüll«— nun dürfen Sie wieder Front machen— und strecke mich behaglich in meiner ganzen Länge auf mein Sofa. Es ist breit und lang, wunderschön weich, und die Sprungfedern stechen auch nicht durch den Plüschbczug. Auch sonst sticht nichts— gar nichts. Wär s möglich?... Ich warte eine Zeitlang... Nein, es sticht nichts, es juckt nichts. Es raschelt auch nichts hinter schimmeligen 3 apetcnfcyen, kein Mäuslein läuft mir über das Gesicht, und kein Holzwurm tickt in wurmstichigen Möbeln. Endlich allein— und vesetigt sinke ich in einen tiefen Sckilof und träume von der Heimat, von Frau und Kindern, und schaue verwundert auf, als ich am hellen Morgen erwache, und finde mich in— Suwalti. Ich diu im allgemeinen mit Quartieren nicht vcvwöbnt worden und habe auch in Frankreich selten cin Bett gehabt. Aber zu einer Niatrahe fiobc ich's dort meist doch gebracht, und vor allem die Monate, die mir an der Aisnc lagen, ersreutc ich mich des Besitzes einer derartigen Schlafstelle. Dieses Glück ist mir in Rußland nie zuteil geworden, obwohl ich inzwischen zu einem Reginientsstabe ausgerückt bin. Nachdem mir Ansang Februar in Insterburg aiis- geladen worden sind, habe ich noch zweimal eine Art Bett erlebt. Tann begann die Winterschlacht, und der Nest war— Stroh. Stroh und Strob. Allerdings nichts so abwechselungsarm, wie sich das liest. Bald war's«ine dicke Streu, bald nur einige Halme, heute lldoggenstrob, morgen Haferstrob, übermorgeii gor Gcrstenslroh, mal gedroschen und mal ungedroschen, hier frisch und dort schon leicht angefault, manchmal mit und manchmal obnc Heine Tierchen — oft leider mit. In der letzten Zeit wurde aber auch das Stroh Inabp und mußte manches Mal durch das t»ckannte gute Gewissen erseht werden, auf dem man ja nach dem Sprichwort recht gut schlafen soll. IIm Vertrauen gesagt, wenn ich die Wahl habe, ziehe ich Stroh doch vor.) Aver der Mensch ist von Natur bekanntlich ungemein anspruchslos i besonders wenn er nichts anderes Iricgtl, und der Bescheidene ist, so paradox das klingt, mtt nichts zufrieden. Wenn man in der biltereni Kälte ein Dach über dem Kopf hat und einen warmen Ofen und etwas Warmes zu essen, dann ist man glücklich. Ein Pfeifchen zum Nochtisch und ein heimlicher SchnapS - eigentlich ist ja der Alkohol in Rußland durch Ilkas des Zaren verboten— und dann erscheinen die Burschen, jeder cin Bund Stroh im Arm, um ihren Herren das Lager zu Veveilcn. Der grob gezimmerte Tisch wird in die Ecke geschoben, die zwei klobigen Schemel darauf gestellt iStüvl« gibt's nicht!. Wir ltabün unsere Stiefel am Qfen oufgcbängl und sitzen nun, wie die. Türken, mit bochgezogenen Beinen, auf den Bänken an den Wänden herum und schauen der Arbeit zu. Hb nun das Stroh bester der Länge nacb gelegt wird oder der Quere noch, oder ob es wie eine Streu kreuz und auer übcrein- nndcrgefchichtct werden soll, darüber babcn wir oft theoretisch ge- stritten. Praktisch erledigt sich die Sache einfach so, daß man in 8j Dino. Eine Erzählung aus Südwestafrika von H a n s G r i m m. Nach einer Weile brachte der Holsteiner dos Tier ge- sattelt aus dem Stall. Er schob sich mit der Linken die Mutze zurück und wischte schnell mit den Fingern den(�chl�eiß von der �tirn und aus den Brauen. Ter Hengst schleuderte über. seiner rechten Hand den Äopf unruhig hin und her. er den Alten borte aus dem Versteck heraus, stellte er die �-Oreu bock. Es schien einen Augenblick, als wollte der Wachtmerher Isak anrufen, aber ba stand das Tier und sicherste, und der Wachtmeister nxir im Sattel. Vor lauter Erstaunen vergaß der Hengst jede Unart und mit rundem Halse und wiegenden Schritten schmenktc er nach der Arche zu. Es war cin schönes Schauspiel. Tic Frau dachte:„Ter Unteroffizier bat mich ins Bockshorn jagen wollen." Toch an dem Kondensator sprang der Narr vor. Er hüpfte mit all feinen Jahren auf das Niff am Wege und warf die Arme in die Höhe und tanzte und jchrie so laut und schrill er konnte:„Hoho, hoho, hoho, seht den Wachtmeister aus dem Hengst von dkectmanshoop. Hoho, hoho, hoho!" Auf flogen die knurrenden Hunde. Sie haßten allesamt den Hottentotten, und die Reizung war zu groß. Sie klässtcn wütend. Ter Lärm wurde nickt kleiner dadurch, daß des Holsteiners Weib rief und Tina drohte und Isaf traf wit de» schnell aufgerafften Steinen. Ter Hengst scheute. Er stieg ein-, zweimal. Er inachte einen Katzenbuckel, dann flog er vorwärts und verschwand um die Arche. Tie Hunde stoben der Sandwolke eine kurze Strecke nach. Sic kamen bald zurück, keuchend und schlapp. Den Hottentotten. der immer noch auf dem Riff saß und schwatzte und kicherte, bellten sie kaum an, als sie vorbeitrabte». Ter Wachtmeister kam mittags nickt nach Hause. Tie Frau versuchte sich zu ärgern. Es gelang ihr nicht. Sic aß ein wenig und wollte schlafen. Es war viel zu beiß zum Schlafen. Sie nahm ein Buch und setzte sich aus das Bett unter den Mückenvorhang. Sie war zu müde zum Lesen. Tie Augen arbeiteten, aber die Gedanken nahmen ihnen nichts ab. 3iir Vesperzeit schlich sie an den Strand. Ein Bad konnte wohltun. Sie huckte nieder und löste den einen Schuh. Ihr siel ein. daß sie das Tuch vergessen habe. Sie hielt inne mit dem Ausziehen. Tas Tuch war nicht nötig bei solcher Wärme. Dos Ausziehen, das Ausziehen war lästig. Tos Bad war nickt das rechte. Sie umfaßte die Knie und starrte auf die endlose blaue See und wurde ganz leer. Als dann irgend diras das Leben zu ihr zurückbrachte, fiel ihr cin:„Warum hast Tu, Tu. die Tu hier sitzest, diesen Mann? Diesen fremden Mann? Sollst Du Dein ganzes Leben durstig bleiben und Tich reuen?" Tic Fragen taten nicht weh und verlangten keine Antwort. Sie kauerten vor ihr faul und regungslos wie überfütterte Katzen. Während sie die Fragen immerfort scdem Falle bald den harten Boden unter dem Rücken spürt und des Morgens die lahmen Knockten erst einmal tüchtig recken muß, cbe sie ihren schweren Dienst wieder versehen können. Nur eins darf nie vergessen werden, und ich rate jedem, der in der Heimat der �ache einmal praktisch näher treten will, wenigstens die Strohseile, mit denen die Bunde umwickelt sind, und ihre Knoten sorgfältig zu beseitigen; sonst steht man Qualen aus wie die Märchen- Prinzessin auf der Ervsc, die— wenn ich nicht irre— durch sieben Matratzen und ebenso viele Unterbetten die Erbse spürte, die zu unterst aus dem Fußboden lag. Gut, daß sie eine Prinzessin war und lein Kanonier; für den Feldzug in Rußland wäre sie jedenfalls gänzlich untauglich gewesen. Auch würde ich empfehlen, einen kräftigen Erhauitvr in der Zimmerwand anzubringen. Tom die Anlage eines guten lockeren Siroblagcrs wirbelt einen Slaud auf, daß man auf drei Schritt Entfernung keine brennende Kerze mebr sieht. Leider fehlen vier nicht nur derartige Entstaubungsanlagen gänzlich, sondern die kleinen Doppelfenster sind obendrein nicht alle zum Qesfncn eingerichtet. Wenn ich also vorhin von einem heim- lichcn Schnaps sprach, so darf ich als Mensch und als Arzt nunmcbr mit gutem Gewissen hinzufügen, daß wir ihn veilcibc nicht tranken, um dem Alkohol zu frönen, sondern nur um den gcsundhcitsschäd- lichcn Staub dinabzuspülen, also gewissermaßen als Arznei. Für die Ganzadstincnten füge ich in Klammern noch bei, daß der Genuß des Wassers mit gutem Grunde streng verboten ist, und daß Kaffee oder Tee vor dem Schlafengehen unsere zarten Nerven doch zu sehr erregen würde. Die fest verschlossenen Toppclsenjlcr haben im übrigen auch zweifellos ihr Gutes. Nur ihnen ist es zu danken. daß die Luft bierzulandc so rein und erquickend ist. und jeder, der einmal feine Nase in eine polnische Bauernstube hineingesteckt bat, wird das gern bestätigen. Nun ist das Lager bereitet, die Schlafsacke und Tccken werden gebracht, und die Burschen verschwinden, um sich in den Ställen und Scheunen neben den Pferden zum Schlummer zu strecken. Unser Herbergsvater mit seiner ganzen Gefolgschaft ist. wenn an- gängig, schon vorher evakuierl. d. b. zu Nachbarn>nK Quartier oe. schickt worden. Leider ist dort gewöbnlich auch alles belegt, und so müssen wir uns dann mit Fassung in das lliwermeidliche fügen. An der Wand neben dem riesigen, aus Steinen und Lehm gemauerten Qfen stehen l— 2 mit losem cstroh gefüllte und mit schmutzigen Kissen bc.Icgic ausziehbare Bettladen, denen wir uns aus naheliegenden Gründen möglichst fernhalten, getreu dem Grundsatz: quieta nou movere ldas Ruhende nicht bewegen>. Sie bieten, ausgezogen, Raum für den größten Teil der vielköpfigen Familie. Was noch übrigbleibt, kriecht aur den mit allerband Lumpen und Pelzen belegten Qfen, und damit ist die Gesellschaft versorgt. Nun strecken wir uns alle fünf der Reibe nackt auts Stroh. Der letzte blast die Kerze aus, und Morpheus darr jetzt erscheinen. Tic glückliche Jugend ist denn auch bald entschlummert, aber uns Aeltere meidet der' launische Gott. Di-e müden Glieder schmerzen, und die Gedanken wollen gar nicht zur Ruhe kommen. In der Ecke unter dem Strob raschelt ein Mäuslein und nagt an den Dielen. Bald ist es hier, bald da, und man erwartet mit Spannung den Augenblick, da es einem über das Gesicht buscht. lieber uns. aus dem Boden, im Korn und alten Gerumpel, beginnt nun die rasende Jagd der Ratten. Das ist ein Gepolter und Ge renne, daß man jeden Augenblick denkt, so ein Untier wird durch die Decke brechen. Aber auch das kleine Raubzeug gebt seinem licht- scheinen Gewerbe nach. Zwar zwickt's einen liier, bald dort, und selbst die Schläfer fahren im Traum wütend nach Armen und Beinen, um die Unlioldc zu tasten. Die ganze Sinfonie der natür- lichen Wohlgerüche einer polnischen Bauernstube gebt unter tn dem betäubenden Tust reichlich vergossenen Fenchelöls; aber was ein echter polnischer Flob ist, macht sich nicht viel daraus und ist wahrscheinlich auch längst durch Gewöhnung gegen dieses Angstprodutt abendländischer Ueberkultur gefeit. Auch die Einzel jagd bietet wenig Aussicht aus Erfolg. Flobjagd im Dunkeln ist wie die Jagd nach dem Glück, das man immer zu haschen meint und das einem immer wieder unter den Fingern zerrinnt. Man braucht nur in dem schönen Schubcrtschen Liede„Der Wanderer" statt des Wortes Glück Floh zu setzen, dann hat man ungefähr die richtige Stim- mung erfaßt, die am Schlüsse mit dumpfer Ergebung in"den hoff- ansah, nestelten die Hände an den Kleidern. Auf einmal merkte sie am weichen Streicheln des warmen Windes über der Haut, daß sie nur mehr im Hemde saß. Da stand sie auf, ließ dos Hemd fallen, sah und strich seivst an ihrem geraden Leibe hinunter und wiederholte laut;„Soll ich mein ganzes Leben durstig sein?" Langsam ließ sie sich nieder und strccklc sich und bohrte die Ellenbogen in den Sand und stütze den Kopf mit den Händen, und wieder wurden ihre Blicke leer. Als die Sonne versunken>var, aber der Himmel noch leuchtete von Sonnensarben, kam Tina von der Station herüber. Sie blinzelte unter der Hand gegen das Abendrot nach der Gestalt der Herrin hin. Fünf Schritte vor der Liegenden blieb sie stehen. Die weiße Frau fühlte eine Störung. Ohne sich zu regen fragte sie; „Ist jemand hier? Was ist es?" Tina antwortete vielleicht mit einem andern Ton in der Stimme als sonst und hastiger: „Isak sagt, wer aus der Arche steht, sieht kein bißchen Staub. Isak sieht gut. Jiak sagt, die Hunde wollen aus der Spur nicht laufen." Sie machte eine kurze Pause.„Wo ist der Baas?"—„Er wird kommen." erwiderte die weiße Frau und wandte nicht den Kopf. Tina wunderte sich und fuhr auch ehrerbietiger fort als sonst; „Er ist sehr weit, der Baas, auf dem fremden Hengst. Sehr weit____ und der Hollentott ist fort." „Ich will mich anzielten," versetzte die weiße Frau. Sic richtete sich lässig aus. und ihr Blick trat sich mit den er- staunten Blicken des Mädchens. Ta sagte das Mädchen: „Tu bist sehr schön!" Ohne Ausforbcrung reichte sie der Herrin die Kleider zu. Es wurde Abend, sieben Uhr, acht Uhr, neun Uhr, zehn Uhr. und der Wachtmeister kam nicht. Tie weiße Frau ging im Zimmer aus und ab, wo die große Lampe brannte. Tina tonnte die weiße Frau auf- und abgehen sehen von der offenen Tür des Koch Hauses aus. Isak flüsterte:„Jetzt, setzt ist sie bang, die weiße Frau." Tina zuckte mit den Achseln:„Viel- leicht weiß sie, wo der Baas ist.". Um elf Uhr lvandcrte niemand mehr an der Lampe vorbei. Tina und Isak schlichen an das Fenster. Es war kein Mensch im Zimmer, wenn man dagegen genau horchte, kamen ruhige Atemzüge aus dem Schlafzimmer. Tina hob den Finger:„Sie schläft." Sie gingen beide zurück, und das braune Mädchen und der höckerige Bube setzten sich auf die Schwelle des Kochhauses und matteten. Ter glänzende Streifen der südlichen Milchstraße tckob sick bergab am Himmel und zeigte das Vorwärtsschreiten der Zeit an. Einmal sagte Tina:„Vielleicht gehen wir hier fort zum Prussian Frank aus die Inseln." Noch vor Tag sprang der Bube auf:„He...?" „Ter Hottentott?" fragte Tina. Isak schüttelte den Kopf: „Ta— da— da. Ter Hengst allein'" nungsloscn Worten so erschütternd anslliiiglt„Tort, wo du nicht lüit, dort ist— der Flob." Also es beißt, es sticht, e? juckt, und davci soll der Mensch schlafen: Licht anzünden ist auch streng verpönt. Erstens ertönt unbedingt und umgehend cin wütendes Gebrüllt„Licht aus!", und zweitens ist es auch feuergefährlich. Endlich bringt man dadurch auch die Hunderte von Kakerlaken, die nächtlicherweile aus jeder Fuge des QfrnS hervorkommen, um mit dem Morgengrauen wieder zu verschwinden, unnötig in Aufregung. tsic verdienen diese zarte Rücksicht auch wirklich. Denn cs sind harmlose Tiere, die keinem Menschen, etwas zuleide tun und dem Morgcnkaftec, wenn sie zufällig in größerer Zahl hineingeraten, sogar ein eigenartiges Aroma geben. Das ganze nächtliche Drama spielt sich also im Finsler« ab; nur ab und zu darf man mal mit der Geschwindigkeit eines Blinkfeuers mit der Taschcnlaternc nach der lllir zielen, wie lange der freundliche Zauberin och dauern wird. Tiefe Stille. Eine Katze schleicht auf leisen Sohlen durchs Gemach, springt auf den Herd und leckt aus unseren Schüsseln. Im Schlummer quält ein Kind und lullt an der Mutterbrust lvild wieder cin. Mein linker Nachbar rcdei im Schlafe— er schlägt sich mit den Russen herum. Nun hebt auch unser Sägebock aii; ich haue schon lange darauf gewartet. Erst einige leise Züge, wie um zu prüfen, ob die Säge noch geht/und dann geht's los, daß die Späne sliepen, Zug um Zug, bis der Balken durch ist. Mit einem Ruck säbrt die Säge heraus, und mit kräftigem Atemstoß bläst er die Späne zur isette. Dann einen Augenblicks Pause, um zu verschnaufen. Aber lange läßt's ihm keine Ruhe. Schon hat er den nächsten Balken in Arbeit, und so schnarcht der furchtbare Mensch die ganze liebe Nacht. Wehe aber, wenn er mal auf einen Ast stößt. Tann kennt seine Arbeitswut keine Grenzen. Er prustet, schnaubt und siöbnt und ächzt dazu, daß einem angst und pange. wird. Zwar gibt's dann regelmäßig einen kräftigen Stoß in d'e Rippen, aber auch derartige Gewaltmittel bleiben ohne Wir- tung. Es ist gut. daß der Zag die finsteren Gedanken einem wieder von der Seele scheucht, ich hätte, ibn schon längst umgebracht. Was freue ich mich, daß ich nicht seine Frau bin! Sie sehen also, das Nachtleben iit bei uns in Polen recht leb- hast und von eigenartigem Reiz, und diese polnischen Nächte werden in meiner Erinnerung stets ibren Platz behaupten, trotz oller Veue- tianischen und sonstigen Konkurreiizuiiiernehmunstcn. Aber auch die schönste Unterhaltung wird schließlich langweilig, und man freut sich doch, wenn's vorüber ist. Früh vor Morgengrauen sind wir schon wieder aus den Beinen. Wenn der Hahn, der mit seinem Hü bncrvolk als Slubengenoss: unter dem Qfen sein Quartier hat, des Morgens zum Weckruf den Kopf aus dem Hühiterloch heraus- steckt, dann bleibt ihm vor Verwunderung und Scham das Kikeriki im Hälfe itecken, und che er sich noch davon erholt hat, find wir schon zu Pferde und davon. Ab und zu. wenn gerade eine Stelle beim Stabe frei ist, darf er sich sogar mit einigen seiner Damen anschließen.----— Das alles liegt nun hinter mir wie cin Traum— man lebt im Kriege so schnell. Seit drei Togen sind wir in Suwalti und bleiben voraussichtlich noch länger hier. Es ist Ostern. Ter Winter ist vorüber, und durch das offene Fenster strömt mit dem Sonnen- schein köstliche Frühlingslust in mein Zimmer und trägt mir den Schall der Lerchen und Drosseln herein. Auf der Scheune am Bach besichtigt der heimgekehrte Storch mit Keimevblick sein altes Neil. Der Storch iit mit sonst ein unheimlicher Vogel, aber hier begrüße ich ihn mit unbefangener Lust als Frühlingsboten nach langen, bösen Wiiitcrtagcn. Frühling ist's auch in mir. Jetzt noch gute Nachrichten von Hause und von meinen im Felde flehenden drei Brüdern, und mein Glück iit vollkommen. Wie lange wird's bleiben? Im Kriege kommt bekanntlich immer alles anders, als man demt. und Haid werden auch wofa und Nachthemd wieder ins Märchenland versnnkeit sein. Suwalti toll uns kein Eapua werden. und wenn's wieder losgeht, lehren wir gern wieder zum Stroh zurück, und wenn's sein muß, sogar zum guten Gswissen. Aber schön war's doch, und wer die Geschichte richtig gelesen hat. der wird cs mir nun auch gewiß nicht mehr Übelnehmen, daß ich mich gleich zu Anfang so corsm publieo entkleidet habe. Schon waren die Hunde hoch und jagten in die Tunkdhcü. Isak lief ihnen nach. Tie Schkafendc wurde wach und rief hinaus:„Ist der Herr gekommen?" Tina ging hinüber.„Es ist nur der Hengst. Er wollte in den Stall, aber die Hunde hoben � ihn Vertrieben." Ta sragte die Frau:„Und der Baas?"— „Vielleicht hat der Hottentott ihn gefunden. Man kann noch nicht sehen, es ist noch Nacht, versetzte Tina. Tic Frau hörte die Hunde zurückkehren und Isak und Tina miteinander sprechen. Sic verstand jedes Wort. Sie begann ihre Lage zu überdenken:„Bis der Sergeant und der Gefreite da sind, vergehen zwei Tage. Ich kann so lange wohl hier bleiben. Aber man muß natürlich vorher nach ihm suchen. Vielleicht ist er tot. Ich werde Isak in das Märchen- tal schicken oder nach An gras Iuntas oder auf das Schweden- seid..." Sie glaubte immer metter alles sehr genau zu überlegen und schlief in Wahrheit einen leichten Traun, schlaf. Als Tina die Kammertüre bei ihr aufriß und das Sonnenlicht hereinfiel, antwortete sie wie eine Wachende. Tina schrie: „Frau Frau, der Baas lebt. Ter alte Hottentott bringt den Baas." Sic warf ihren Morgenrock über und trat hinaus. Es war cin köstlicher Morgen. Tina lies eben aus dem Kochhaits fort ihrem Bruder nach, der stand am Wege und sah aus. Tie Hunde belltön jenseits der Arche. Ta hörte sie des Narren Gröhlcn, und um die Arche kam es herum. Rechts der Hotten- lott, fuchtelnd und winkend und singend, und links an seinem Arisie hängend, trunken taumelnd, ein Mann in Uniform. Um beide sprangen die Hunde herum und kläfften und knurrten und winselten durcheinander. Sie riß die Augen auf und streckte den Kopf vor, und die Lippen gingen ihr auseinander. Es war ihr Mann, der da. Sic untersuchte nicht:„Wie kann das sein, meines Wissens rührt er Schnaps kaum an?" Sie wandte sich schnell um und redete perächtlich vor sich bin:„Er hat sich soviel Mut zugetrunken, daß er vom Gaule siel." Sie hatte die Türe hinter sich ins Schloß gezogen, aber durch die osfenen Fenster des Wohnziminers drang des Hottentotten Gelärme zu ihr. „Ho, ho, ho, ick babc den Baas gesunden. Ho, ho, ho, ich bringen den großen Baas von der Treimasterbucht. Ho, ho, ho. ich halte den großen Baas mit meinem Arm." Sie sprang in das Wohnzimmer und icklloß die Fensler. Sie wuich sicli und kämmte sich langsam und war sctzltcßlicli fast iertig. Tina und Isak sprachen so laut draußen und sprachen immer dasselbe. Es zwang sich herein, unter der Türe her, durch die Holz- und Eisenwände, ob sie sich laut bewegte oder nicht, ob sie horchen wollte oder nicht. Sic mußte dar- schließlich verstehen und darüber grübeln. Tina sagte ungefähr:„Er kann nie mehr Orlog machen, dieser Weiße Mann." Isak erzählte:„Ter weiße Mann ist jetzl ein Kind." der tzafen von St. Nazaire. Durch die Presse