iir.io9.-m5. Unterhaltungsblatt des Vorwärts wenn öie großen Mörser sprechen... Ter Äriegsberichterstatter des schwedischen Blattes „Tagens Nyheler" an der östlichen Front, Bengt Berg, der sich zurzeit am D u n a j e c besindet, sendet seinem Blatte eine Schilderung der dortigen den w e st g a l i- zischen Durch bruch vorbereitenden Artillerie- kämpfe, der wir die folgende interessante Stelle ent- nehmen. Tie Redaktion. Fast zwei Stunden vor Tagesanbruch bereits begannen die Stimmen der Kanonen durch die Finsternis zu brüllen. Nun aber steht bereits die Sonne über dem Walde, ein sanfter Morgen- wind hat die Schleier vom Himmel gestreift, und nur hier und da noch flattert ein weißer, gefranster Wolkenfetzen durch das leuch- tcnde Blau. Ununterbrochen kracht und donnert es um uns, ferner und näher, stärker und schloächer, aber wir haben es seit langem auf- gegeben, die Schüsse zu zählen, und schließlich— was sich da mit- einander streitet, sind ja doch nichts als„harmlose kleine Kanonen.. Nun ist die Luft bis in die Höhe mehrerer tausend Meter klar. Wir alle, die wir da versammelt sind, wissen, was kommen soll, und wir geraten geradezu in eine Stimmung der Andacht während des langen Wartens. Heute vormittag noch sollen nun auch bei uns die großen Mörser zu sprechen beginnen. Von der Lichtung oben im Walde rollt ein surrender Laut zu uns herab, lrr kommt von weit herüber, aber er bahnt sich hart- näckig seinen Weg durch all das Rollen und Knattern, schweigt eine Weile, setzt wieder ein und steigt und fällt— bald langsamer bald hastiger— wie die Rufe einer Nachtvogelschar in einer Sommernacht bei uns daheim im nordischen Walde. Unten am Wege stehen ein paar galizische Landsturmmännet, die bis heute noch nicht aus dem Staunen über die technischen Wunder herauskommen, die der Krieg in ihr Land gebracht hat und starren mit weit aufgerissenen Mündern und Augen in die Richtung, aus der der seltsanie Laut kommt. Und plötzlich wächst das Surren an Stärke.... Der Tonj schraubt sich herauf, bricht einige Male hart ab... setzt wieder ein: der Flieger prüft vor dem Zlufstieg ein letztes Mal den Motor. Tann kommt es näher, immer näher, wächst zum Knattern und endlich zum Tonnern an: ein breiter Schatten zieht über den Wald dahin— der Albatros l... Gleichsam ein riesenhafter, dreitgesthivingtcr Raubvogel schießt er brüllend über die Stadt. Er folgt der Waldgrenze nordwärts, wendet über den Stellungen, Ivo die großen Mörser stehen und nimmt dann wieder die Richtung nach den fernen Höhen zu. Das Surren wird schwächer, klingt ab und zu noch einmal herüber und verliert sich dann ganz, um nach einer Weile langsam, zuerst fast wie eine Täuschung, von neuem aufzutauchen. Eine Krähcngesellschaft, die es mit der Angst bekommen hatte, als der Flieger das erste Mal über den Wald zog und ganz niedrig in unserer Nähe verstört dicht über dem Erdboden hinflog, hat inzwischen frischen Mut gefaßt und beginnt oben in den Kiefer- krönen von neuem lebhaft zu spektakeln. Als jedoch der große un- heimliche Kricgsvogel wiederkehrt, wird es still und stiller da droben, bis sich schließlich die ganze Gesellschaft wie große schwarze Steine in die Farnkräuter hinunterplumpscn läßt. Es ist ein komisches Bild: nur die Allertapfcrsten wagen den Schnabel ein wenig herauszustecken, um gespannten Auges mit seitwärts gc- neigtem Kopf abzuschätzen, ob die Gefahr im Verschwinden oder noch immer im Wachsen ist. Der Albatros schraubt sich weiter hinauf. Wenn er eine starke .Kurve über uns nimmt und die Sonne unter seine gelbgrauen Tragflächen scheint, leuchtet weithin sichtbar das schwarze deutsche Kriegskreuz, das er als Erkennungszeichen trägt. Abermals beschreibt der große Vogel über uns einen gewal- tigcn Kreis, denn er ist noch immer nicht hoch genug— höchstens cineinhalbtauscnd Meter>—, um sich den russischen Linien un- gestraft nähern zu dürfe». Das lveiß Hauptmann Hcyder, der den Albatros fliegt, nur� allzu gut. Er hat dieselbe Maschine bereits in Frankreich in 2700 Meter Höhe gesteuert und trotzdem noch mehrere hundert Meter über sich französische Schrapnells explo- diercn sehen. Das Eiserne Kreuz, das seine linke Brustseite schmückt, erzählt davon, daß es nicht das einzige Mal war.... Kreis um Kreis beschreibt der Albatros über uns im Blau. Jedesmal, wenn er wiederkehrt, ist sein Surren schwächer, mit jedem Male Ivird er winziger. Wir beginnen allmählich ungc- vie Erweckimg öer Maria Carmen. � Von Ludwig Brinkmann. Endlich bin ich wieder frei, bin wieder mein eigener Herr! Wie habe ich es nur über ein halbes Jahr seit Oktober er- tragen könne»? Meine karge Besoldung hatte doch wirklich nicht zuviel Verlockendes, und die andere immaterielle Bc- lohnung, die schlecht bezahlte Jngenieursleistungen aufwiegen soll, nämlich die Zunahme an Geist und Erfahrung im Fache, war hier sehr Problematisch. Ich konnte doch wirklich nichts beim Elevatorenbau für die Elektrotechnik profitieren! Es war einfach verlorene Zeit! Was sollte ich also noch länger hier? Auf diesem Wege war das Große nicht zu erreichen. Meister Baker hat ein gar grimmiges Gesicht geschnitten, als ich ihm kurz vorüber Mittagspause erklärte, ich bäte um meine Entlassung, �echs Monate hätte er sich so viele Mühe gegeben mich zunl Statiker zu erziehen! Nun, im Grunde kann er doch mit seinen Lehrerfolgen ganz zufrieden sein. Ich habe schließlich mehr von seiner Kunst verstanden als er selbst! Und moralisch braucht er sich wahrlich nicht verletzt zu fühlen. Ich ließ mich als Elektrotechniker für die Schmelzwerke seiner Gesellschaft anstellen, aber nicht als Bauingenieur, wozu Baker mich ausnützte. Warum, das weiß der liebe Himmel! Hat er vielleicht ein besonderes graphostatisches Genie in mir ver- mutet? Sechs Monate habe ich es mit angesehen, immer hoffend, dem langweiligen Konstrüktionstische den Rücken kehren und wieder in die frischere Luft des technischen Be- triebes eintreten zu dürfen aber vergebens! Da habe ich eben gekündigt. Baker hat wirklich nicht nötig, spitze Be- merkungen über die clnmneck toraiFiiers zu machen, die ins Land kämen, sich auf fremder Leute Kosten Erfahrungen zu sammeln, und dann wieder gingen, sobald sie eben anfingen nützlich zu werden. Ist er doch selbst einer dieser so weidlich gehaßter Ausländer, ein Amerikano ungeliebten Andenkens seit dem blutigen Tage von Molino Rey, da der nordische Eindringling den letzten Widerstand Mexikos niedertrat. Was soll da sein Fremdenhaß? Tie Amerikaner wollen eben alles haben, sie sind eine räuberische Nation. In eine in Punkte lobe ich mir aber doch die mnerika- nischc Freiheit: in ihrer Einfachheit der Kündigung. Jede Minute kann ich entlassen werden, kann ich gehen und werde auch bis zu dieser Minute entlohnt. In Deutschland hätte ich unter ähnlichen Verhaltnissen noch sechs Wochen oder ein Vierteljahr ruhig aushalten müssen, in der unangenehmen duldig zu werden. Ununterbrochen brüllen und donnern auf beiden Seiten die Kanonen. Da kommt der Flieger wieder von den Höhen zurück.... Er ist nun so klein geworden, daß wir mit bloßem Auge das schwarze Kreuz nicht mehr erkennen. Er scheint einen Augenblick über uns still zu stehen, zieht eine Kurve— dreht— und schießt dann plötzlich nach Osten in den Himmel hinein, um in wenigen Mi- nuten im sonnigen Blau zu verschwinden..... Mir scheint er wie ein junger Vogel, der, flügge geworden, noch lange über dem Elternnest kreist, unschlüssig, welche Richtung er wählen soll, und unbewußt begierig zugleich, eine Erinnerung mitzunehmen von dem Heimatland, das da tief, tief unter ihm liegt. Mir. Für die scharfen Augen aber, die in dieser Stunde von soundsovielen Stellen aus seinen Flug verfolgen, ist er etwas anderes und mehr: der getreue Bote und mutige Kundschafter, der furchtlos tu den Bereich der Kanonen hincinsegelt, um die feindlichen Stel- lungen zu erspähen. Sein Zusammenhang mit der Erde unter ihm ist nun nicht mehr erkennbar, es ist nur noch der unsichtbare Funkenstrom, der ihn mit dem Kommandanten der großen Mörscrbatterie verbindet. Wir können ihn, trotz allen csuchens, nirgends entdecken, aber seine drahtlose Kunde überwindet alle Entfernung, und nach dem Ber- hallen seines Surrens stehen wir lange in gespannter Erivartung, was die großen Mörser ihm antworten werden. Inzwischen ist ein zweiter Flieger hinter uns aufgestiegen; er windet sich gleichfalls, wie sein Vorgänger, längsam in Spiralen herauf und Verschlvindei dann in der Richtung nach Süden. Und da kommt die Antwort der Mörser— plötzlich und völlig 'Unerwartet. Sie kommt aus dem Walde in einigen Kilometern Entfernung, aber unsere Fensterscheiben zittern, als wollten sie springen, an den Häusern bricht stellenweise die Rinde von den Stämmen, und in unserer Stube bröckelt die brüchig gewordene Farbe von Tischen, Bänken und Wänden. Der Boden zittert; wir haben ein Gefühl, als springe uns das Trommelfell. Diese Mörser- spräche ist nicht vergleichbar mit einem Schuß, einem kurzen, schar- fen Schuß, wie wir sie von oen kleinen Kanonen her gewöhnt sind; es ist ein zersetztes Krachen, dessen Gewalt zu beschreiben unmög- lich ist, ein Krachen, als habe neben einem der Blitz in einen Baum- riefen eingeschlagen. Aber es ist keineswegs mit dem Knall oder dem Echo vorbei, das Waid und Berge hundertfach zurückwerfen,— nein, das Brüllen dröhnt uns auch jetzt noch in den Ohren..., es ist, als wolle es uns und das ganze Land ringsum zerreißen, fortschwemmen, verschlucken.... So zieht die mächtige Mörser- granate ihre Bahn weithin über das Land, steigt, alle anderen Ge- rausche ringsum übertönend, hinauf in den Himmel und saust schließlich brüllend herab, um die feindliche Batterie, der sie zu- gedacht ist, zu vernichten. Und da tönt auch schon wieder das bekannte Surren über die Talmulde. Wir wissen noch nicht recht, aus welcher Richtung es kommt und spähen lange vergebens nach allen Seiten aus.„Da ist er!" ruft einer plötzlich, und alle Blicke folgen der angegebenen Richtung und bohren sich in den winzigen Apparat, der aus Htm- melshöhen im Gleitflug zu uns niederstößt. Er kommt näher und näher, wächst und wächst.... jetzt kann inan schon die Tragfläche unterscheiden, das schwarze Kreuz... und nun schwebt er bereits über uns, ehe wir es uns versehen.... Ter Albatros!... Ein scharfer Knall. Einen langen Rauchstreifen nach sich ziehend, saust eine Bombe zu uns herab. Aber es ist keine Bombe, sondern nur die Meldung des Fliegers, die mit starker Rauch- entwickelung herabgeschossen wird, damit wir besser sehen können, wohin sie fällt. Als wir hinzueilen, stehen noch immer die galizischen Land- stmrmmänner mit aufgerissenen Mündern da. Sie haben irgendwo gehört, daß die Flieger bisweilen Bomben abwerfen, und nun sehen sie kopfschüttelnd bald einander, bald den entschwebenden Albatros an. csie wissen wirklich nicht mehr, was sie noch glauben sollen. ftlebersetzt bon Werner Peter Larsen.) öer Gefthlchte öer„Lufittmia*. ES war am 8. September 1907, als in Gegenwart Tausender von Zuschauern der neueste und schnellste Riesendampfer der eng- tischen Handelsflotte, der Eunarddampfer„Lusitania", langsam und majestätisch den Hafen von Liverpool verließ. Mit größter Spannung verfolgte die englische Welt die erste Amerikafahrt der stolzen „Lusitania". Galt es doch, mit diesem vollendetsten Erzeugnis eng- lischer Schisssbaukunst das Blaue Band des Ozeans zurückzugewinnen, das seit dem Jahre 1898 in deutschem Besitz war. Seit in jenem Lage, überall als einer angesehen zu werden,„der bald geht", dem man mißtraut und den man zu wichtigeren Arbeiten nicht mehr heranzieht. Hier stand ich aber fünf Minuten nach der entscheidenden Unterredung mit Baker auf der sonnen- glanzübcrzogenen Straße Eino de Mayo, außerhalb des Ge- fchäftes, als freier, ganz freier Mann! -t- Es lebt sich dach schön in Mexiko, wenn man frei ist. Tie Welt ist eben nur für den inckepencköllt gentlemaii geschaffen worden. Das ist gewiß kein Trost für alle diejenigen, die nicht als solche geboren sind, aber es hilft nun einmal nichts, nian muß sich damit abfinden. Ich entdecke übrigens, das mobile Kapital trägt nicht die Schuld an diesem Mißstände, sondern ist geradezu das Mittel, solchen Mangel möglichst gut zu machen. Hhne die Kraft des Geldes gäbe es nur Besitzlose und Besitzende, Ausgebeutete und Ausbeuter, scharf getrennt in Klassen; heute steht es aber jedem, auch dem ärmsten Proletarier offen, sobald er sich ein paar Pesos gespart hat, einen Tag oder wenigstens eine Stunde frei und unabhängig zu sein; das ist gewiß eine Art von Ausgleich gegen die früheren Verhältnisse, da die ent- rechteten Klassen nicht die leiseste Hoffnung hatten, auch nur für einen Augenblick sich über ihr elendes Los zu erheben. Vorübergehend— ach, leider nur vorübergehend— bin ich ein großer Herr, und das ist gut. Zunächst habe ich ge- schlafen, tief und lange, bis zehn Uhr. Tann habe ich mir ein Reitpferd genonunen und bin in den Park von Eha- pultepec hinausgeritten, in den Schatten der uralten düsteren Zypressen, die bereits den unglücklichen Kaiser Montezuma unter ihren Zweigen haben wandeln sehen und die im leichten Winde flüsternd viel vom Wechsel der Zeiten und Menschen erzählen können.... Eine Equipage ist vorbeigefahren. Dieselbe Ameritanenn, die ich schon ein paarmal aus dem Paseo de la Reforma ge- sehen habe. Wenn ich reich wäre... Die heißen Mittagsstunden habe ich verschlafen. Dann gelesen, dann im Hotel Jturbide, dem ehemaligen Palaste eines Kaisers, gespeist. Werden später wohl auch einmal europäische kaiserliche Palais in Riesenhotels umgewanbelt werden? Und eine stille Abendstunde in der Alameda zu- gebracht, auf einer Baut sitzend, dem Rauschen der Spring- brunncn und dem Blattgeflüster der Buchen lauschend— es ist so schön, nichts zu tun.„_, John Stuart fehlt mir doch etwas. Ich habe mich sehr an die Stilbengemeinschaft mit dem breitschulterigen Aineri- kaner gewöhnt. Man hat doch hier sonst niemanden, mit dem Jahre der Lloydschnelldampfer„Kaiser Wilhelm der Große" in fünf Tagen 17 Stunden und 43 Minuten die„Lucania", die drei Stunden und zwei Minuten mehr für die Ueberfahrt brauchte, geschlagen hatte, war es den Engländern nicht mehr möglich gewesen, den deutschen Ozeanrekord zu drücken. Die deutsche Schiffsbaukunst, die von Jahr zu Jahr größere Fortschritie gemacht hatte, war der englischen überlegen, und schon durcheilten sechs deutsche Schnell- dampfer in der Fahrt von und nach New Jork den Atlantik, denen die Engländer an Schnelligkeit kein einziges Schiff gegenüber- stellen koirntew Wohl hatten die altberühmten englischen Sckiiffs- werften die größten Anstrengungen gemacht, um das Blaue Band wieder an sich zu reißen; doch sie hatten den Wettbewerb erfolglos aufgeben müssen und sich auf den Bau zwar großer, aber nur langsamer Schiffe von der Art der„Oceauic" beschränkt. Mir steigendem Unbehagen hatte man in England die sich immer wieder erneuernden deutschen Erfolge im Schnelldampser- dienst mit Nelv Aork verfolgt; schließlich lieh die englische Regierung ihrer ersten Reederfirma talkräfligste Unterstützung, indem sie der Eunard-Linie die Mittel für den Bau von zwei neuen Schnelldampfern, die alles bisher Dagewesene an Größe und Schnelligkeit übertreffen sollten, auf 30 Jahre zinsfrei zur Verfügung stellle, und ihr neben dem Kapital von 49 Millionen Mark noch eine Fahrtprämie von 3 Millionen Mari jährlich bewilligte. Dafür sollten zwei Schiffe gebaut werden, die imstande waren, eine geringste mittlere Ozeangeschwindigkeit von 24>/z Knoten in der Stunde bei mäßigem Wetter innezuhalten. Jene erste Ozeanrcise der„Lusitania" aber wurde für die Eng- länder zu einer gewaltigen Enttäuschung. Als am 15. September 1907 die„Lusitania" um 9 Uhr vormittags durch die Barre im New Aorker Hafen dampfte, da ergab sich, daß das neue Schiff den deutschen Rekord nickt geschlagen hatte. Ihn hielt damals die „Deutschland", die schon im Jahre 1900 den Weg von Cherbourg nach New Dock mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,15 Knoten zurückgelegt hatte, während die„Lusitania" nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,01 Knoten zu erreichen vermochte. Im Jahre 1901 hatte überdies die„Deutschland" an einem Tage 601 Seemeilen zurückgelegt, und auch diesen Rekord hatte der eng- lische Schnelldampfer nicht schlagen können, da seine beste Leistung nur 593 Seemeilen an einem Tage betrug. Wohl hatte die „Lusitania" die Strecke von Hafen zu Hafen um 6 Stunden 4 Minuten schneller als die„Deutschland" auf ihrer schnellsten Fahrt zurückgelegt; aber der von ihr durchmesscne Weg von 2730 See- meilen war bedeutend kürzer als der der„Deutschland". So herrschte im britischen Jnselreiche große Enttäuschung über die Leistung des Riesendampfers, den man mit so stolzen Hoffnungen auf seiner ersten Ausfahrt begleitet hatte. Man tröstete sich dafür mit Betrachtungen über die außerordentliche Eleganz und den Komfort der Einrichtung der„Lusitania", die ein schwimmender Palast im wahren Sinne des Wortes war. Prächtige Festsäle, be- queme Kajüten, geräumige Decks machten den Passagieren die lieber- fahrt zu einem Vergnügen und zur Erholung; der verwöhnte Engländer und der noch anspruchsvollere amerikanische Nabob vermißte nichts, was er daheim iin Savoy-Hotel oder im Waldorf-Astoria zu bean- spruchen gewöhnt war. An vergleichenden Darstellungen wurde dem großen Publikum vor Augen geführt, wie gewaltig die 232 Meter betragende Länge des Schiffes war und welche ungeheure Menge an Gütern in dem Riesenbauch des 17 Meter tiefen Ungetüms Platz hatte, dessen Tonnengehalt netto die noch nicht dagewesene Riesenziffer von 32 500 betrug, während die Wasserverdrängung 45 000 Tonnen ausmachte. Vom Kiel bis zur Schornsteinhöhe maß die„Lusitania" nicht weniger als 47 Meter; sie war in 175 wasserdichte Abteile geteilt; sämtliche wasserdicht schließenden Türen in den Schotten waren von der Kommandobrücke aus zugleich oder einzeln zu schließen und zu öffnen. Das Schiff konnle 560 Fahrgäste erster, 500 zweiter, 1400 dritter Kajüte auf- nehmen; dazu kam eine Besatzung von 800 Mann, so daß die schwimmende Stadt insgesamt Raum für 3300 Mann bot. Ganz neuartig aber waren vor allem die maschinellen Anlagen der„Lusitania". Es war der erste große Handelsdampfer, der anstelle der früher ver- wandten Kolbendampfmaschinen mit Turbinen ausgerüstet war, die insgesamt 70 000 Pferdestärken leisteten. Die nächsten Jahre brachten noch weitere Fortschritte im Schiffsbau. Die Cunard-Linie ließ der„Lusitania" sofort den Bau der„Mauretania" folgen, eines Schwesterschiffes, das in seinen Abmessungen die„Lusitania" noch um ein Geringes übertraf. Die Konkurrentin der Eunard-Linie, die White Star- Linie, erbaute zwei noch gewaltigere Schiffe, die„Olhmpic" und die„Titanic" unseligen Angedenkens; aber deren Ruhm ver- man sprechen könnte. Und selbst die. nächtliche Wanzenjagd hat ihre Reize, wenn dieser schönen Leidenschaft in Gemein- schaft niit einem guten Freunde gefrönt wird. Nun muß ich mein Blut allein verteidigen. Ich kenne Stuart erst ein halbes Jahr; er ist mein jüngster Freund— und doch mein liebster und eigentlich mein einziger. In den raschen Wechselfällen des Schicksals vergißt man die anderen, die alten, die man in der Heimat zurück- ließ, nur zu rasch. Die Heimat! Wer nichts zu tun hat, wird leicht senti- mental. Es war heute ein schöner, warmer Apriltag und der Abend herrlich. Das Firmament ist mit silbernen Sternen bestickt, die prächtig durch die klare Luft der Hochebene her- niederfunkeln. Es war auch im April, vor zwei Jahren, als ich die Heimat verließ, aber es regnete und schneite dazwischen, ein scheußliches Wetter, so daß ich wirklich froh war, fortzu- kommen, ans dem Ozean, in südlichere Gewässer. Das scheint nun wie eine Ewigkeit hinter mir zu liegen. Meine Erlebnisse in den Vereinigten Staaten füllen mir fast die Endlichkeit aus, auf die ich zurückblicken kann, und auch d i e verschwindet schon seit jenem heiteren Oktobertage, an dem ich über die Grenze bei El Paso ging und die staubige Wüste von Chihuahua durchquerte, an dem mich lateinisch» amerikanisches Leben zum ersten Male nmwogte. * Hermann Schmidt, der junge Berliner, mein Tischnachbar in der Familie der edlen Donna Eufemia Rodriguez, die mir gegen schweres Entgelt gastfreundlich Unterkunft gewährt, besuchte mich gegen Abend"ans meinem Zimmer. Es gefiel ihni augenscheinlich gar nicht, mich beschäftigungslos zu finden, und ich sonnte mich an dem Reflexe seines Neides. Auf seiner Deutsch-Transatlantischen Bank hat er nicht viel Muße. Auch einer der Enttäuschten. Als ihn sein Berliner Stammhaus nach Mexiko sandte, war er Feuer und Flamme fiir� die neue Aufgabe und die Neue Welt gewesen. Hier mußte es ja leichter sein, reich zu werden, als in Europa. Doch als er sich in die fremden Verhältnisse eingefunden, als er die Sprache beherrschte und Land und Leute ein wenig kannte, als das Neue durch den eintönigen Regen der Zeit heruntergewaschen war, erkannte er, daß hüben wir drüben doch nur mit Wasser gekocht wird, und befand sich meistens in einer unerträglichen Mißstimmung, die durch sein— allerdings nicht eingestandenes— Heimweh stets neu genährt wurde. So!mr er denn auch bald wieder bei seinem Lieblings- Hüßle ebenfalls alsbald, nachdem die deutsche iSchiffSEairinbufme Seegiganten von der Grötzc des„Imperator" hatte vom Stapel lausen lassen. Doch der Stolz Englands blieb.Lusitania", schon weil sie daS erste unter den englischen Riesenschiffen gewesen war, und als sie im Spätsommer des Jahres 1911 in drei Wochen drei- mal den Ozean gekreuzt hatte, wurde das als eine noch nicht da- gewesene Leistung mit lauter Reklame der Welt verkündet. &bmi. Während das Innere Kurlands eine abwechselungsvolle, an hübschen Vildern reiche Landschaft bietet, ändert sich der Charakter des Landes, wenn man sich der kurländischen Küste nähert. Die großen Waldungen, die die Umgegend von Mitau kennzeichnen und reiche Gelegenheit zur Jagd bieten, verschwinden. Solveit das Auge zu sehen vermag, erblickt es keinen Baum mehr, nichts als eine endlose, sandige, kahle Fläche und dahinter das Meer. Das ist daS sogenannte „kurische Sibirien", und im Süden dieses wenig wirtlichen Land- striches liegt Kurlands bedeutendster Seehandelsplatz: Libau. Seine Bedeutung als Handelsplatz hat itibau erst im jüngsten Menschen- alter erlangt, aber seiner Geschichte nach ist es eine uralte Siedelung. Schon vor Ankunft der Deutschen war den damals das Land be- wohnenden Kuren, soivie auchdcnseefahrendcnSkandinaviern der natiir- liche Hafen wohlbekannt, der an dieser Stelle durch die Mündung der aus dem gleichnamigen See kommenden Liva gebildet wird. So entstand äir dieser für die Schiffahrt so günstigen Stelle das Dorf Liva, das bereits am Anfange des lö. Jahrhunderts sich zu einer Stadt entwickelt hatte, die allmählich den Namen Libau erhielt. Wechselvollc Schicksale sind dieser Stadt beschieden gewesen: nach vielfachen Heimsuchungen genoß sie von 1569 bis 1699 eine Zeit glücklicher, ruhiger EntWickelung, als sie als Pfandgut in den Händen des Herzogs von Preußen war. Wieder kurländisch geworden, hatte Libau besonders gegen den Wettbewerb von Riga anzukämpsen, das von der polnischen Regierung iir jeder Weise begünstigt wurde. Erst das 18. Jahrhundert sprengte die Zollfesseln, die Libaus Auf- schwung niederhielten, und alsbald begannen sich die natürlichen günstigen Bedingungen der Stadt bemerkbar zu»lachen. Der See- verkehr steigerte sich, die Einwohnerzahl wuchs zusehends, und das Territorium der Stadt nahm an Umfang zu. Wie der jetzt nach Sibirien verschickte tüchtige baltische Geschichtsforscher Dr. Ernst Seraphim hervorgehoben hat, hob sich unter diesen Umständen das Selbstgefühl der Stadt sehr schnell, besonders als es immer deut sicher zutage trat, das Libau die erste Handelsstadt Kurlands war. War Mitau die Herzogs- und Adelsstadt, so entfaltete sich Libau zur selbstbewußten Bürgerstadt, die der Adel eher mied, als er sie aufsuchte, und nirgends haben die Lehren der Aufllärungsepoche von der Freiheit und Gleichheit und die Gedanken der französischen Revolution in Kurland so schnell Boden gefaßt wie hier. In diese Zeit des blühenden Wohlstands fallen denn auch die älteren Kirchen- bauten der Stadt, von denen besonders die Kirche für die Deutsche Gemeinde hervorzuheben ist, die das schönste Gotteshaus Kurlands genannt worden ist. Unter den Gebäuden, die weltlichen Zwecken der Bürgerschaft dienen, ragt das KomödienhauS hervor, das wohl 1781 errichtet worden sein mag. Nach dem Uebergange Kurlands an Rußland folgten für Libau zunächst wieder schwere Zeiten. Der Sturm und Drang der napo- leonischen Jahre, die Bedrohung der Stadt durch die Polen im Jahre 1831, ihre Absperrung durch die Engländer während des Krim- Irieges im Jahre 1855 und immer wieder dabei der Wettbchverb mit dem immer mächtiger aufstrebenden Riga ließen die �otadt nur langsam emporkommen, bis endlich 1873 die russische Regierung die volle Wichtigkeit des Libauer Hafens begriff. Jetzt wurde Libau in das Eisenbahnnetz Rußlands einbezogen, und die getreidereichen Bezirke des Landes konnten nun ihre Erzeugnisse geradenwegs nach Libau befördern. Es war der Plan der russischen Regierung, die russische Ausfuhr von den deutschen Ostseehäfen nach einem russischen Hafen, eben nach Libau, abzulenken, und bedeutende Hafenbauten und Neuanlagen begannen das alte Bild der Stadt zu ver- ändern. Sie liegt auf einer schmalen Nehrung zwischen der Ostsee und dem sogenannten Kleinen crce. Aus einer an die 15 999 Ein- wohner zählenden Kleinstadt hat sich Libau in etwa 19 Jahren zu einer regen Stadt von ungefähr 65999 Einwohnern entwickelt, die durch die 1899 begonnene Anlage des neuen Kriegshafens einen weiteren bedeutenden Anstoß erfahren hat. Den veränderten Berhältnissen hat sich auch ihr Aeußeres mehr angepaßt. Das alte Libau bestand, echt nordisch, aus sauberen und freundlichen einstöckigen Holzhäusern. die im Bilde der Stadt auch heute noch nicht fehlen, aber immer größer ist die Zahl der stattlichen modernen Gebäude geworden. Auch als«seebad hat Libau einen bemerkens- werten Aufschwung genominen. Bon den Sommergästen lebt in erster Linie das Theater' der Stadt; ein Kurhaus ist für sie bestimmt, und eine Menge hübscher Villen zwischen der Stadt und dem Strande thema, der mangelhaften EntWickelung des deutschen Unter- nehinungsgeistes, die er für sein Lichicksal verantwortlich macht. Er begann in seinem Dozententone:..Wie kommt es, daß für den Deutschen kein Fortkommen in diesem Lande ist, da doch noch Milliarden aus Minen, Fabriken, Babnen und Plantagen gehoben werden können? Lediglich deshalb, weil das deutsche Kapital nichts riskieren will. Das größte hei- matlichc Bankunternehmen hat eine einzige, armselige Million Pesos in seiner amerikanischen Filiale investiert, sie von vorn- herein zn einem Wcchselbänklcin dritter Güte prädestinierend. Wohl sind Milliarden deutschen Kapitals in Bkeriko angelegt aber nur in ganz bombensicheren Werten, Staatsanleihen ustv. Wo wirklich Geld verdient wird, räumen wir das Feld vor den Amerikanern. Obgleich lvir es leichter hätten als jene, die seit 1817 in Meriko weidlich gehaßt werden. Mit dem Gelde kämen auch die Menschen ins Land; wer das Kapital hergibt, besetzt auch die leitenden Stellen, und einer hebt den anderen mit sich in die Höhe. So sind wir Deutschen aber dazu verurteilt, Handlanger und Hausdiener der PankceS zu sein. Wir haben eben, trotzdem jetzt so viel dar- über geredet wird, doch noch keine Ahnung von Weltwirt- schastspolitik; wir begnügen uns mit karger Rente und über- zeichnen Staats- und Komuiunalanleihen zlvanzigfach. anstatt das Geld in die Welt hinauszusenden, wo noch zehn oder fünfzig oder�hundert Prozent verdient werden, und reicheren und bequemeren Nationen unsere heimischen Werte zur ge- nügsameu Ausbeute zu überlassen. Nur die Tifserenz zwischen erhaltenen und bezahlten Zinsen kann heutzutage eine Nation reich machen— usw." Vielleicht hat Schmidt in vielen Tingen recht. Aber was Hilst es? Wir beide können die Welt nun einmal nicht ändern. Wir haben nichts; mein kleines Kapital in der Heimat ist so gut wie gar nichts im Sinne der Schmidtschen Ideen. Räumen wir also das Feld vor den tüchtigeren Vankees! Er kann meine Sanftmut nicht begreifen. Nun ja, ich liege auf der Chaiselongue, rauche meine Zigarre, weiß, daß ich morgen einen ebenso schönen, freien Tag wie heute haben werde, während dieser arme Teufel sich tagaus tagein mit dem allerdings wesentlichen Unterschiede zwischen der rechten und der linken Seite seines Kontobuches befassen inuß. Endlich ging der Weltverbesserer und ließ mich allein. Ich träume weiter— und doch komme ich von seinen Gc- dankcnrcihcn nicht ganz los. In dieser Welt sind noch Reichtümer zn erwerben— warum also nicht für mich? E? bedarf ja nur zweier Tinge: des Mutes und der Gelegenheit. Am ersteren soll es nicht fehlen; das Uebrige gibt ja der Herr den Seinen im Schlafe! Und ich bin so müde! _________________________(Forts, folgt.) verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiejepp, Neukölln, Für den nehmen im Sommer die Erholungsbedürftigen auf. Libau hat bor allen anderen russischen Ostfeehäfen den wichtigen Vorzug des etwas milderen Klimas voraus, da die EiSfesseln, die der Winter dem Hafen anlegt, hier um drei Wochen früher als vor den anderen Häfen der Ostseeprovinzen und fast sechs Wochen früher als vor der Newa- mündung schmelzen._ Theater. Trianon-Theater.„Wie man einen Mann ge- winnt": Diese Kunst versucht der Anglo- Amerikaner Rida Johnson-Donng in seiner fälschlicherweise als Lustspiel bezeich- neten Groteske auf ihre Stichhaltigkeit zu erproben. Daß die Heirats- lotterte eine originelle Lustspielidee ist, mag zugegeben sein. Damit verhält cS sich folgendermaßen: Jack Wright, ein New Aorkcr Journalist und Windhund, hat es gründlich satt, immerfort als arm- seliger Teufel herumzulaufen. Er kommt also auf den Einfall, sich mittels einer öffentlich aufgelegten Lotterie zum ferneren Leben ausreichende Barmittel zu beschaffen. Das Los kostet ja„nur" einen Dollar. Soviel würden Tausende von Jungfrauen wohl auf- bringen. Der glücklichen Gewinnerin des Haupttreffers fiele er selbst als Gatte in den Schoß. Diese Ankündigung in einem New Dorler Blatte war nicht bloß ungeheuer sensationell, sondern auch von un- geheurem Erfolg begleitet. Mehrere Hunderttausend Dollar kamen zusammen; das Weibsvolk raufte sich förnilich um den Helden. Jack befand sich in erschrecklicher Lage. Aber daS schlimmste war dies, daß er als Haupttreffer einer alten verhutzelten Mamsell, die im Hause des ihm befreundeten Zeitungsverlegers als eine Art„Stütze" diente, zufiel. Wie sehr die auf seinen Besitz sich versteifte, wie es ihm gelingt, sie als LotterieloSdiebin zu entlarven, um nun Miß Helene, eine junge Millionärin heimzuführen, das ist alles ganz spaßhaft, wenn auch selten über die echt amerikanische Verzerrung hinausstrebend. Nebenbei blitzen allerhand liebenswürdige Jnvektiven gegen den Egoismus, gegen die Sucht nach Reichtum und das Faul- pelzleben der New Yorker Snobs auf. Von den Mitwirkenden gibt eigentlich Rosa V a l e t t i die an- ziehendste, dem trockenen amerikanischen Humor ergötzlich angepaßte Charakterisierung. Gut macht auch Lupu P i ck seine soache. Und Else W u n d i n g e r ist als dürre Lizzie schreiend karikaturistiscb. eh. kleines Zeuilleton. Die Theater in LoSz. Die„Schaubühne" beschäftigt sich mit den Theaterverhältnisien in Lodz. Von den verschiedenen Theatern, über die eine Halb- Millionenstadt wie Lodz in Friedenszeiten natürlich verfügte, ist heute nicht zu viel Bemerkenswertes übrig geblieben.„Im polnischen Theater läßt sich eine Truppe sehen, der man den guten Willen nicht abstreiten kann, die aber ihre Ziele bei Iveitem nicht erreicht und hin und wieder eine unfreiwillige humorisiischeWirkung erzielt. Im jüdischen Scala-Theater und im jüdischen Großen Theater spielen wenigstens einige Künstler, aber leider stehen ihnen Mitwirkende zur Seite, die einen Erfolg selten auskommen lassen. Kriegszeiten. Das deutsche Thalia-Theater ist— geschlossen. Hier erwächst der deutschen Bühnen- kunst eine wichtige Aufgabe. Lodz braucht das deutsche Theater und deutsche Schauspielkunst jetzt inehr als je. Es gibt in Lodz außer- ordentlich viel Deutsche, und insbesondere sind die wohlhabenden und intelligenten Leute fast alle deutsch. Auch die llmgegend ist zumeist deutsch und früher kamen sowohl aus den be- nachbarten Städten wie aus den Dörfern die deutschen Bewohner nach Lodz, um ihr deutsches Theater zu besuchen, und der Theaterverein und die Freigebigkeit der deutschen Fabrikanten sorgten dafür, daß ihnen wirkliche Kunst geboten wurde. Noch find die Reguisiten vorhanden. Der Krieg hat den Theatervercin zwar gesprengt und manchen Fabrikanten aus Lodz vertrieben, aber es gibt ihrer noch viele, die als Kunstfreunde das neue Werk mit auf- bauen helfen würde». Zudem gibt es heute in Lodz viele Soldaten aller Grade, die sehnlichst auf die Gelegenheit warten, wieder einmal gute Aufführungen mitzuerleben. Kürzlich gab es eine einzige deutsche Dilettantenvorstellung, und das Thalia-Theater war Tage vorher ausverkauft. Es siegt hier also die Möglichkeit, ein tüchtiges Stück deutscher Kulturarbeit zu leisten." Generalleutnant unö Henerolmajor. Der„Schwäb. Tagwacht" wird geschrieben: Dem und jenem, der mit militärischen Dingen— sei es auch nur als Zeitungslefer— sich beschäftigt, ist wohl der Gedanke aufgestiegen: Warum bezeichnet der Titel Generalleutnant einen höheren Rang als Generalmajor; wo doch der einfache Leutnant weil unter dem Major steht?— Natürlich liegt hier weder Unverstand, noch die Marotte irgend jemands vor. Die Sprache wird nicht gemacht, sondern stellt einen lebendigen Organismus dar, der. wie jeder andere, fortgesetzt Neues aufninimt und Altes, Abgestorbenes ausscheidet. Deshalb ist auch die Gegenwartsgestalt der Sprache oft nur an der Hand ihrer Lebens- geschichte zu begreifen und diese nur, wenn man vom Wort auf den Begriff, das Primäre, zurückgeht. Frühe schon traten in der Heereseinteilung drei Formations- einheiten als Grundlage der weiteren Gliederung hervor: die Kom- pagnie, das Regiment, das Armeekorps. Die in der Kompagnie, sozusagen der Zelle, waltenden Personen waren, von unten nach oben, der Feldwebel(Wachtmeister), Leutnant und Hauptmann. Aus einer Anzahl Kompagnien gebildet, die nächsthöhere Einheit, das Regiment, unterstand der Leitung ebenfalls eines Dreigestirns, das, von der Kompagnie abgeleitet, die Namen Oberstwachtmeister, Oberst- leutnant und Oberst iHauptmann) trug; ohne weiteres fiel aus praktischen Gründen(in der Sprachgeschichte findet sich dies oft) der„Hauptmann", während„Oberstwachtmeister" noch bis in die 69er Jahre des vorigen Jahrhunderts die offizielle Bezeichnung des Majors war. Die größte Trnppeneinheit, das Armeekorps, kam, dem gleiten Entwicklungsgang folgend, unter die Leitung des Generalwacht- meisters, des Generalleutnants, des Generals. Aber der zusammen- gesetzte, gehobene Wachtmeister ward bald als zu schwerfällig und unhandlich gefunden: der Oberstwachtmeister(der größere. Major) wurde zum Major, sein höheres Seitenstück zum Generalmajor; wie seine Urform, rangiert er hinter dem Generalleutnant. Was ein dreaönought verbraucht. Von den Riesenvorräten an Brennmaterial, Munition und Lebensmitteln, die die moderneu schwimmenden Festungen mit sich herumführen, wird in einer Zusammenstellung der„LectureS pour Tons" das folgende gigantische Bild entworfen: Ein französisches Panzerschiff vom Thp des„Danton" verbrennt 2999 Kilo pro Stunde bei einer Geschwtoidigkeit von 11 Knoten, 19 999 Kilo in der Stunde, wenn sich die Geschwindigkeit auf 29 Knoten erhöht, und am Ende von 115 Stunden sind seine Kohlenkammern geleert. Die englischen und dentschen Dreadnoughts haben etwa 19—12 39,5-Millimeter- Kanonen an Bord, von denen jede 159 Schüsse abgeben kann. Die Gesamtkosten der Munition, inbegriffen der großkalibrigen, stellen sich bei einem Geschütz auf 459 990 Frank. Wenn also pro Geschütz und Minute ein Schuß abgegeben würde, so würden in 2>/z Stunden niehr als 5 Millionen Frank verausgabt sein. Ein englischer Dreadnought mit einer Besatzung von etwa 999 Mann bat in Kriegszeiten folgende Lebensmittelmassen an Bord: 39 Tonnen frisches Rindfleisch, 69 Tonnen Kartoffeln, 6 Kisten Tafel- salz. 399 Pfund Bohnen, 72 Kisten Biskuits. 225 Pfund Makkaroni, 4 Kisten konservierte Karotten. 759 Pfund Soda, 12 Dutzend Fläsckichen mit pulverisiertem Pfeffer, 8 Dutzend Dosen mit Erbsen, 399 Pfund deutsche Würstchen, 59 Fässer mit Schweineschmalz, 63 kleine Tonnen mit Margarine, 180 Speckseiten, 1 Kisten konservierte Pastinaken, 159 Kästen mit Schokolade, 6 Kisten niit Aepfeln in Dosen, 2 Kisten mit getrocknete» Aepfeln, 8 Kisten mit Heringen in Tomatensauce, 24 Dutzend Fläschchen mit Sauce, 8 Dutzend Ananasdosen, Inseratenteil verantto,: Th.GIockejBcrltn, Druck mWerläg: Vorwärts 12 Dutzend Dosen mit Birnen, 21 Dutzend Pnrstchdosen, SM Pfund Korinthen, 300 Pfund Bananen, 300 Pfund Tapioka, 300 Pfund Pflaumen, 8 Kisten Nieren, 8 Kisten Zunge, 12 Äisteir«chtveine- fleisch in Dosen, 225 Pfund Perlgraupen, 6 Kisten Sardinen, 129 Sckachteln mit Keks, 36 gekochte Schinken, 39 ganze�Käse, 2250 Pfund isalzfischc, 21 Dosen Bücklinge. 12 Dosen mit Schellfisch, 15 mit sauren Heringen, 729 frische Eier, 79 Kisten Tomaren, 299 Schachteln mit frischen Tomaten, eine halbe Tonne Zwiebeln, 1999 Schachteln Zigaretten._ Zur