Nr. 112.- 1915. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Simtiftbend, 15. Mai. Die Nerven öer Nieren. Von Dr. A. L i p s ch ü tz. Jedermann kennt die Tatsache, daß die Harnausscheidung don nervösen Zuständen abhängig ist. Untersucht man diese Abhangig» keit genauer, so erweist es sich, dost es sich um nervöse Einflüsse auf die Berschlutzmuskeln der Harnblase oder auf die Blutgefäße handelt, die zu den Nieren hinziehen. Eine Erschlaffung des Schließmuskels der Blase führt dahin, daß der in der Harnblase enthaltene Harn nach außen abfließt; mit einer stärkeren Zusammenziehung des- selben Muskels sorgen wir dafür, daß der Harn aus der Harnblase nicht, der Schwere folgend, zu ungelegener Zeit abfließt. Die Nerven die fich vom Rückenmark zu den Blut- gefäßen der Nieren hinzieben, führen zu einer Erweiterung oder zu einer Verengerung dieser Blutgesäße. Werden die Blutgefäße der Nieren verengert, so fließt weniger Blut in die Nieren und die Menge des HarneS wird geringer; kommt eS zu einer Erweiterung der Blutgefäße in der Niere, so fließt mehr Blut durch die Nieren und es wird mehr Harn gebildet. Man denke hier an das Spiel von Verengerung und Erweiterung, das wir an den Blutgefäßen der Gesichtshaut bei unseren Mitmenschen so häufig be» obachten können: wir sehen die Menschen.rot" werden, wenn durch_ irgendeinen nervösen Zustand eine Erweiterung der Blutgefäße der Haut zustandegekommen ist, und wir sehen sie.erblaffen", wenn die Blutgesäße in der Haut eine Ver- engerung erfahren. So ist es auch init den Blutgefäßen in der Niere und so beherrscht daZ Nervensystem auch die Bildung des Harnes. Im Laufe der Zeit hat man herausbekommen, daß zu den Drüsen unseres Körpers auch Nerven hinziehen, die ohne Vermilt- lung der Blutgefäße auf sie wirken. Das find die sogenannten .sekretorischen" Nerven, die Nerven, die die Sekretion der Drüsen beherrschen. Die Drüsen produzieren Stoffe, die im Haus- halte des ZellenstaateS Verwendung finden. Die Drüsenzellen, die Zellen der Speicheldrüsen, des Magens, des Darms, der Leber, sind kleine chemische Laboratorien, in denen diese Stoffe fabriziert werden._ Und wie man heute weiß— all die vielen Tatsachen, auf denen dieses Wissen beruht, können hier leider nicht ausgepackt werden—, gehen Nerven zu den Drüsenzellen, die ihre Tätigkeit beeinflussen, Nerven, die sie zu vermehrter Tätigkeit anregen, oder auch Nerven, die die Tätigkeit der Drüffenzellen zu hemmen vermögen. Man weiß das von den Speicheldrüsen des Mundes, von den Drüsen der Magenwand, von der Bauchspeichel- drüse. Wir haben.Appetit"— es spielt sich allerlei in unserem Gehirne ab, und flugs beginnen schon die Drüsen im Munde und im Magen ihre vermehrte Tätigkeit, mehr Saft fließt aus den Drüsen. Und wenn uns ein Aerger dazwischenkommt, so versagen die Drüsen. Nun muffen wir in Betracht ziehen, daß auch die Niere eine Drüse ist. Was da als Harn herauskommt, ist durch die Nieren nicht wie durch ein einfaches Filter durchfiltriert, wie etwa das Waffer durch das Filter einer Wasserleitung. Nein, da ist erst viel- fältige chemische Laboratoriumsarbeit in den Nieren- zellen geleistet worden! Daß dem so ist, wissen wir aus einer ganzen Reihe von Tatsachen. Nur ein paar von diesen Tatsachen seien hier genannt. Bei der Harnabgabe wird in der Niere Wärme gebildet— der Harn kann bis 0,4 Grad wärmer sein als das Blut. Bei der Harnbildung leistet die Niere also chemische Arbeit, der Art wie die lebendigen Zellen sonst: alle Lebensvorgänge sind ja mit Wärmebildung verbunden. Und die Niere verbraucht bei der Harnbildung Sauerstoff und bildet Kohlensäure wie alle andere lebendige Substanz. Aber noch mehr. Wenn�man der Niere die Zufuhr von Blut auch nur für eine ganz kurze Spanne Zeit, z. B. für IVj Minuten absperrt, indem man die Nierenarterie abklemmt, so hört die Harnabsonderung nicht für 1�/z Minuten gänzlich auf. wie das der Fall hätte sein sollen, wenn die Niere bloß wie ein lebloses Filter wäre, sondern die Harnausscheidung bleibtnach einem so kurzdauernden Blutmangel in der Niere ganze 45 Minuten aus. Und das will besagen, daß durch den kurzdauernden Blutmangel im C h e m i s- muS in den Nierenzellen so sehr geschädigt wird, daß sie nun ihre Arbeit über längere Zeit hinaus nicht mehr tun können. Es kann also die Niere nicht wie ein einfacher Filter sein, sondern sie ist eine Drüse, die chemische Arbeit leistet und erst auf diese Weise vermag sie es, bestimmte Stoffe aus dem Blute herauszuholen. Und sogar neugebildet werden in der Niere manche Stoffe, die im Blute gar nicht vorhanden find. Mit einer außerordentlichen Präzision arbeitet die Nierendrüse in unserem Körper. Man könnte beinahe sagen— wenn man ein Freund von solchen Bildern ist— sie wache sorgsam darüber, daß alles aus dem Blut herausgeschafft werde, was da zu viel an Salzen und an anderen Stoffen mit der Nahrung hineingekommen ist. Nur ein Beispiel. Haben wir sehr große Mengen Kochsalz mit der Nahrung aufgenommen, so ist alles schon an demselben Tage wieder mit dem Harne aus dem Blute herausgeschafft. Füttern wir da- gegen ein Tier mit einer Nahrung, die nur ganz geringe Mengen von Kochsalz enthält, z. B. mit gequollenem Mais, so scheidet das Tier einen Harn auS, der beinahe ganz frei von Kochsalz ist. DaS Blut von solchen sehr kochsalzarm ernährten Tieren enthält weniger Kochsalz als normale Tiere, aber doch noch recht beträchtliche Koch- salzmengen gegenüber den Spuren von Kochsalz, die im Harne er- scheinen. Die Nieren sind gewissermaßen die Diener des Blutes; von ihnen hängt es ab, ob das Blut in seiner normalen Zusammensetzung er« halten bleibt oder nicht. Wehe, wehe, wenn die Nieren v e r s a g en! Das geschieht bei allerlei Nierenkrankheiten, und geht es zu weit, so wird der Organismus durch die Stoffe vergiftet, deren Heraus- schaffung die' Nieren jetzt nicht mehr besorgen können. Man hat dann ausgelebt... Aber kehren wir jetzt zu den Nerven der Nieren zurück, auf die wir es heute eigentlich abgesehen haben. Wir hatten gesehen, daß die Drüsen im menschlichen Körper eigens Nerven besitzen, die die Arbeit dieser Drüsen beeinflusse», sekretische Nerven, wie man sie nennt. Und dann haben wir gesehen, daß auch die Nieren Drüsen sind, daß auch die Nierenzellen als kleine chemische Laboratorien zu betrachten find, für die das Blut nur Rohmaterial ist, das zu Harn chemisch umgeschliffen werden mutz. Da muß uns doch not gezwungen die Frage kommen: haben die Nieren keine sekretischen Nerven:' Greift das Nervensystem in die eigentliche Drüsenarbeit der Nieren gar nicht ein? Man könnte hier bald versucht sein, mit einem Nein zu ant- Worten. Und zwar aus folgenden Tatsachen heraus. Man kann einem Tier, z. B. einem Hund oder einem Affen, eine Niere heraus- schneiden und an ihrer Stelle dem Tier die Niere eines anderen Tieres derselben Art einnähen, wie es unsere Forscher in den letzten Jahren getan haben. Obgleich die Nerven dabei durchschnitten werden, arbeitete die eingenähte Niere so gut, daß das Tier, das eine fremde Niere im Körper hatte, am Leben blieb. Man ist noch weiter gegangen und hat die Niere nicht an die Stelle der alten Niere, sondern an ander Stelle im Körper eingenäht, indem man die Gefäße der neuen Niere mit den Milzgefätzen ver- band. Auch in diesem Falle arbeitete die eingenähte Niere mit aller Tüchtigkeit und das operierte Tier blieb am Leben. Die an falscher Stelle im Körper eingenähte Zkiere machte ihre Sache so gut. daß sie, wenn zum Beispiel zu viel Kochsalz ins Blut gelangte, es ebenso geschickt wieder aus dem Blute herauszuholen wußte, wie eine nor- male Niere sonst. Aber auf der anderen Seite waren wieder Dinge bekannt ge- worden, die dafür sprachen, daß sekretorische Nerven die Tätigkeit der Nierenzellen beeinflußen müffen. Ein Russe hatte nämlich bei der mikroskopischen Untersuchung der Nieren gefunden, daß feinste Zkervensäserchen an die Zellen der Nierenkanälchen, d. h. an die Drüsenzellen der Niere herantreten, und daß die Nervenendungen in den Drüsenzellen der Niere jenen ähnlich sind, wie man sie in den Drüsen sonst bei der mikroskopischen Untersuchung derselben zu Gesicht bekommt. Nach alledem hatte sich der Berner Physiologe A s h c r gesagt, mait müsse doch wieder einmal recht zuschauen, wie es um die Nerven in den Nieren steht. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er das im Laufe der letzten Jahre getan und er hat dabei sehr intereffante Dinge über die sekretorischen Nerven der Nieren heraus- bekommen. Asher richtete seine Blicke auf den sogenannten„Wandcruerv", den>lorvus vajjus, wie man ihn im Latein der Wissenschaft nennt. Der Wandernerv, der vom verlängerten Mark zwischen Gehirn und Rückenmark austritt, um zu den Organen zu wandern, ist nämlich ein sehr vielbeschäftigter Nerv in unserem Körper. Man weiß von ihm, daß er bei der Regulation der Atmung und der Herztätigkeit wichtige Arbeit tut, und man weiß auch von ihm, daß er der Nerv ist, der das Gehirn mit den Magendrüsen verbindet, um sie zu vermehrter Sekretion anzuregen oder ihre Sekretion zu hemmen. Und über die Bauckspeicheldrüse, daS Pankreas hat der Wandernerv dieselbe Macht. Da war der Gedanke eingegeben, daß der Wandernerv vielleicht auch die Drüsenzellen der Niere zu beeinflussen weiß. Asher ist nun in seinen Versuchen, die er an Katzen ausgeführt hat, so verfahren, daß er den Harnleiter einer Niere, d. h. den langen Gang zwischen Niere und Harnblase durchschnitt und ein kleines GlaSröhrchen, eine Glaskanüle in den Harnleiter einband. Der aus der Niere fließende Harn konnte so in einer vorgehaltenen Schale aufgefangen werden, bevor er in die Harnblase gelangte. Dann durchschnitt Asher die beiden Wandernerven, damit leine eventuellen Impulse vom Gehirn an die Nieren herunter gelangen könnten. Nun reizte Asher den Wandernerv der einen Niere mit dem elektrischen Strom— in der experimentellen Physiologie benutzt man den elck- irischen Strom als Reizmittel, als Ersatz für den natürlichen Im- puls vom Nervensystem—, um zu sehen, ob die Impulse, die durch den Wandernerv geschickt werden, die Tätigkeit der Nierenzellen zu beeinflussen vermögen. Es erwies fich, daß durch die Reizung des Wandernerven die Harnmenge, die aus der Niere fließt, vermehrt wird. Es hätte aber sein können, daß durch die Reizung des Wandernerven allein die Menge des Wassers vermehrt wird, das aus dem Blut durch die Nieren übertritt, während die Bildung von im Harnwasser gelösten Stoffen, die das Harnwasser erst Harn werden lasten und deren Bildung ja die eigentliche Tätig- keit der Nierenzellen ausmacht, durch die Reizung des Wanderverven unbeeinflußt bleibt. Asher hat aber den aufgefangenen Harn verdampfen lasten und er hat auf diese Weise feststellen können, daß bei Reizung des Wandernerven aus der Niere nicht nur mehr Harnwasser fließt, sondern daß auch mehr gelöste Stoffe von der Niere ausgeschieden werden. Es war also der sichere Nachweis erbracht, daß der Wandernerv die Tätigkeit der Nierenzellcn anzuregen vermag, und daß auf diese Weise das Nervensystem die Herrschaft hat über die Harnfabrikation in unserem Körper. Auf all die vielen Dinge, die bei diesen überaus schwierigen Versuchen noch mit zu berücksichtigen waren, kann hier nicht ein- gegangen werden, denn das hat nur für den Fachmann Interesse. Asher ist in seinen Forschungen über die Nerven der Nieren noch weiter gegange». Es ist ihm gelungen, nachzuweisen, daß es auch Skerven gibt, die die Tätigkeit der Nierenzellen zu hemmen vermögen. Zkicht etwa bloß so, daß durch Impulse, die vom Nerven- shstem an die Blutgefäße gelangen, die letzteren verengt weröen, so daß die Nieren nunmehr weniger Blut bekommen und darum weniger intensive Arbeit leisten. So war durch die Versuche von Asher und seinen Mitarbeitern gezeigt worden, daß die Nierenzellen, genau so wie die Drüsenzellen sonst, in ihrer Tätigkeit ganz unter der Herrschaft des Nerbensystems stehen.... Es hat eine Zeit gegeben, da man glaubte, daß die Niere wie ein einfaches Filter in unserem Körper arbeite. Man mußte diese Auffassung zum alten Eisen in der Wissenschaft legen, als man erkannte, daß die Nierenzellen chemisch � arbeiten wie Drüsenzellen. Und die Untersuchungen von Asher und seinen Mit- arbeitern über dies Eingreisen von Nerven in die Tätigkeit der Nierenzellen sind ein Schlußstein in dem Gebäude unserer modgrnen Kenntnis über die Arbeit der Nieren. dm Neubau öes Deutschen Museums. Am Neubau des Deutschen Mufeunrs auf der Jsarinscl in München sind trotz der KriegSzeit die Arbeiten ununterbrochen fortgesetzt worden, allerdings mit einiger Beschränkung. Immerhin ist das Hauptgebäude heute soweit fortgeschritten, daß die MuseumSleitung sich veranlaßt sah, an die Mitglieder des MuseumSvcreins zun- 7. Mai eine Einladung zur Besichtigung des bis jetzt Geschaffenen zu richten. Einer Gruppe von Architekten, Ingenieuren, bildenden Künstlern und Schriftstellern wurde in diesen Tagen Gelegenheit gegeben, einen Rundgang durch den imposanten Bau zu machen. Der Ehrensaal, der als Empfangsraum bei der Eröffnungsfeier dienen wird, erhält einen Schmuck von Gemälden und Büsten hervor- ragender Naturforscher und Techniker. Den Zugang zu ihm bilden zwei Borhallen, die prächtige Bronzeportale erhalten. Eine drei- gliedrige Treppe führt in die oberen Stockwerke. Die Verkleidung des Treppenhauses geschieht in Terrakotta. Die gesämtii Innen- architeltur ist auf monumentale Einfachheit gerichtet. Erdgeschoß und Keller des Mittelbaues werden die Abteilung Schiffbau und Luftschiffahrt aufnehmen, im Parterre die Modelle der Schiffe und Maschinen, darunter die Inneneinrichtung: Kabinen und Kesselanlagen. Das Untergeschoß erhält auch die Bergwerksanlage, eine Darstellung des Bergbaus van solcher Anschaulichkeit, wie sie bisher noch nirgends in der Welt gegeben wurde. Im zweiten Stock kommt die Entwicklung de? Hochbau?, Tiefbaus und des gesamten Städtebaus zur Anschauung. im dritten tesiock Textilwesen, Papierindustrie, Druckerei, und eine Treppe höher kommen wir dann aus die prachtvolle T e r r a s s c. die der a st r o n o m i s ch e n Wissenschaft und Technik gewidmet ist. Diese Gruppe ist eine der größten und namentlich auch in historischer Beziehung die bedeutendste unter allen Ab- teilungen, die das Museum bergen wird. In der bequemsten Weise wird dort dein Laien der Lauf der Gestirne demonstriert werden. Die Erweckung öer Maria Carmen. 3s Äon Ludwig Brinkmann. „Tu weißt, daß ich auch keine Reichtümer besitze." „Etwas wirst Du schon haben." „Eine kleine Reserve— gerade genug, um in der alten Welt wieder von vorne anzufangen, wenn ich ebenso arm dort- hin zurückkehre, wie ich sie verlassen, um in diesem gelobten Lande das Heil im Manrnton zu finden." „Wieviel ist es?" „Wes in allem viertausend Dollar, und das ist schon fast zu hoch gegriffen." „Und hast Tu keinen Freund, der Dich unterstützen könnte?" „Was ist Freundschaft, wenn man Geld nötig hat?" Stuart war enttäuscht, ich sah es ihm an. Nach einer kleinen Pause sagte er aber; „Tut nichts, dann muß der Texaner eben mehr hergeben. Und andere Leute werden>v,r auch finden. Du machst initl" „Was soll ich aber dabei? Meine paar Dollars können Euch nichts nützen, doch für mich bedeuten sie viel; wenn man so wenig besitzt wie ich, riskiert man dieses Wenige nicht in altspanischen Silbermincn. Ihr müßt Euch schon reichere Leute suchen. Außerdem kann ich mich persönlich doch gar nicht um die Sache kümmern— ick muß morgen fort, ich habe eine Anstellung in Pittsburg!" Und ich erzählte ihm von meinem Glück," so bald in dieses aualmige Nest an den Konstruktionstisch zurückkehren zu dürfen. Mein Freund wurde ärgerlich. „Rede keinen Unsinn! Ein Mann wie Du— und nichts riskieren wollen! Selbst wenn das Geld zum Teufel geht— soviel ist daran doch nicht gelegen. Du wirst wirklich nicht ärmer dadurch. Ick bin ja des Erfolges sicker, aber wenn die Sache dennoch schief gehen sollte, kannst Du später immer noch nach Pittsburg gehen, oder wohin sonst Dich Deine ob- sonderlichen Liebhabereien führen. Das läuft Dir nicht fort, und hier hast Du Chancen, Chancen, wie sie Dir niemals wieder geboten werden!" ..Ich verstehe aber gar nichts von der Sache." wandte ich ein.„Ich habe dach von: Bergbau nicht einmal einen oberflächlichen Begriff." „Das schadet nichts. Wir brauchen gerade einen Mann wie Dich! siehst Du, das rein Bergmännische, das beherrsche ich vollkoinmen; ich habe es auf meiner Kupfergnibc in Sonora gelernt. Es hat mich sünszehntauseud Dollars gekostet; ein teures Lehrgeld, nicht wahr? Ward ist Kaufmann, was ich nebenbei auch bin; der kann die Bücher führen nnd die Schecks anssckireiben. Das ist aber auch alles. Der Texaner wird stiller Teilhaber und höchstens dann»nd wann zu Besuch kommen; der braucht gor nichts zu können, weil er Geld hat. Aber Tu verstehst doch etwas von Maschinen..." „Ich bilde es mir wenigstens ein." „Davon haben wir drei anderen aber keinen Begriff, und Maschinen sind die Hauptsache. Ohne die wird heute kein Bergwerk mehr rentabel betrieben. Das weißt Du ja ebenso gut wie ich. Du sollst deshalb den technischen Teil übernehmen." „Ihr findet aber sicher jemand anders, der vielleicht noch mehr von Masckinen versteht und auch ein größeres Kapital mitbringt; mit meinem Wenigen werde ich Euch gegenüber recht klein dastehen." „Dos wird alles arrangiert. Es kommt auf den Ge- sellschaftsvcrtrag an! Ich will Dich dabei haben, ich habe es nur so vorgenommen! Und wir werden uns schon ver- tragen! Weißt Du, es war mir gar nicht wohl da drunten, ohne Dich; wenn mich die Sandflöhe der Wüste zu sehr bissen, habe ich Dich oft herbeigesehnt; es leidet sich eben besser zu zweien. Und Du kennst ja meine Liebhaberei für Welt- und Herocngeschichte; mir siel so mancherlei ein, worüber ich Dich gerne ausgefragt hätte. Kurz, ich habe mir fest vorgenommen, nicht ohne Dich in senc glühendheiße Ein- öde zu ziehen!"— Ich fühlte meine Neigung, der überredenden Kraft Stuarts nachzugeben, und wollte Zeit gewinnen: so schlug ich vor, zunächst zum Essen zu gehen, womit er einver- standen war.— Den ganzen Nachmittag habe ich über Papieren gesessen und nackkontrolliert, was Stuart mir vorrechnete. Allerdings schwebten ja alle Kalkulationen nock in der Luft, da so viel davon abhängt, wie weit die altspauischen Besitzer uns vorgearbeitet haben. Auch wußten wir nicht im geringsten, wieviel der Texaner für den Anfang herzugeben gewillt sei. Stuart entwarf dann in großen Zügen den Gesellschafts- vertrag, alles unter der Voraussetzung, daß ich mitwirke, was mir noch sehr Problematisch erscheint, und mich mit fünf- tausend Dollars an dem Unternehmen beteilige; das kann ich natürlich nur. wenn mich ein alter Feund unterstützt und ich mich gleich zu Anfang in Schulden stürze. Stuart ist übrigens sehr liberal mit mir, derselbe liebe ehrlich? Kamerad wie damals, als er hcrausrechnetc, daß jcinc 250 Pesos und meine 150 für jeden gerade 200 ausmachten. Wir beide sollen auch diesmal gleichgestellt sein; beide lassen wir uns— auf dem Papier— ein fürstliches Gehalt bezahlen, von dem wir allerdings nur das Notdürftigste— und im Minenlager ist das Notdürftigste nicht viel— in bar bekommen sollen; der Rest wird uns als Einlagekapital gut- geschrieben. Ward und der Texaner stehen sich natürlich besser; der letztere hat aber als stiller Teilhaber keine über- mäßige Quote. So auf dem Papier nehnien sich die Dinge wirklich sehr gut aus. Papier ist sa— geduldig!— Unterdessen>var die Zeit für den Parado, die allabeud- lichc Spazierfahrt von Mexikos guter Gesellschaft, gekommen. Ich zog meinen besten Rock an, Stuart puderte sich seine Wange», und wir standen bald in der Calle de San Francisco, um die eleganten Fuhrwerke mit den noch viel eleganteren Spanierinnen an uns vorüberfahren zu lassen. In ihren kostbaren Roben und mächtigen Hüten sind die Frauen dieses Landes wirklich schön, schön und stolz und unnahbar. Wenn sie nur etwas mehr Geist hätten! So aber sind sie in all ihrem Stolze, ihrer Schönheit und Unnahbar- keit nichts anderes als— hübsch ausstaffierte Puppen! � Meine Amerikanerin! Diesmal schien sie mich fast eines Blickes zu würdigen. Oder richtiger; meinen Freund; ick, beobachtete, wie sie sich unmerklich ein wenig nach ihm um- wandte. „In ein paar Jahren kommen wir»ncder hierher und fahren vierspännig im Parado mit." sagte Stuart hofftmngs- selig.„Die Weiber sollen staunen! Vorläufig achten sie ün� nicht mehr wie diesen zerlumpten Haufen von Indianern. Dann ober Inerden sie, selbst Deine Amerikanerin, zu Unter- Handlungen bereit sein!" Vorläufig gehören wir aber noch zum ganz gemeinen Volke. Wohl an keinem anderen Orte der Erde zeigt sich der Untersckied von Klassen so jäh. so unüberbrückbar der Abgrund, der arm und reich trennt, wie hier. Dort die lange Reihe der Wagen mit aller Entfaltung prunkenden Reich- tums, üppigen Ucbcrslusses, und einen Schritt davon ge trennt trabt die elende Masse dahin, drängt sich das Volk der Indianer, barfüßig und in Lumpen gehüllt, die breitrandigen, zerrissenen Strohhüte auf dem Kopfe, ein Bild des Jammers und des Elends. Wehe, wer zu Fuß wandern muß. in dieser Stunde, wenn die„Welt" im Wagen' dahinrollt!— (Forts, folgt.) Man Jßctritt einmal das Innere einer riesigen hohlen Kugel und sieht Sonne, Mond, Merkur und andere Gestirne nach Anschauung des Ptolomäischen Weltsystems sich genau so bewegen, wie uns die Bewegung der Gestirne erscheint, indem man unsere Erde als ruhenden Punkt im Weltall ansieht, bedeutend schneller, so daß man die fortschreitende Bewegung eines Tages in einigen Minuten erlebt. Die Einrichtung ermöglicht auch, daß man sich bestimmte Kon« stellationen der Sterne zu bestimmten Zeiten, wie etwa die bei Christi Geburt, einstellen kann. In einem anderen Raum stellt ein Wagen, in dem zwei bis vier Beschauer Platz haben, den Rundlauf der Erde vor, und man sieht nun bei der Fortbewegung genau die gleiche Bewegung der Himmels- Ivrper, wie in dem ersten Planatorium. Diese von Z e i h in Jena herge- stellten Planatorien sind Meisterwerke allerersten Ranges und kosten eine ungeheure Summe. Die Gelder dazu sind jedoch bereits von Gönnern des Deutschen Museums gestiftet worden. Die Plattform wird drei berühmte Fernrohre von bedeutender Größe aufnehmen, eines von Zeiß, das andere von Steinheil und das dritte von Fraunhofer Dieses war ehemals in Pulkowa und ist später nach Wien ge> kommen, wo Dr. von Miller das» Meter lange Rohr aufgetrieben hat. Aber die übrigen dazn gehörigen Teile, der Unterbau und anderes, waren � in Pulkowa geblieben. Als Dr. von Miller im Juni vorigen Jahres dorthin reiste, fand er zu seinem Befremden bei den Russen bereits äußerst wenig Entgegenkommen, und nur nach den größten Bemühungen gelang es ihm durch Vermittlung der österreichischen Gesandlschaft, die gewünschten Teile zu erhalten. Außer diesen drei Renommier- stücken wird die Plattform noch im ganzen etwa vierzig Fernrohre erhalten, die den Besuchern des Museums zur Benutzung freistehen, um damit den gestirnten Himmel und auch die herrliche Umgebung, die sich von da oben dem Auge darbietet, betrachten zu können. Man beginnt jetzt mit der Errichtung des Flügels, der den Biblotheksbau, den für gegen 2() Personen berechneten riesigen Kongreßsaal, den Vortragssaal, die Festhalle und die Wirt- schaftsräume enthalten wird. Er ist in Eisenbeton aufgeführt. Ein anderer Teil de§ Baues aus dem gleichen Material ist den Labora- torien, Zeichensälen und den Schreib- und Amtszimmern bestimmt. Man verläßt schon heute nach einer Besichtigung des Rohbaues die Museumsinsel mit dem Eindruck, das Werden eines Werkes von ungeheurer Bedeutung für die Wissenschaft und die allgemeine Volks- bildung zu erleben.__ H. B. Theater und Mustk. Charlotte nburgerSchiller-Theater.„Lumpaci- bagabundus", Zauberposse mit Gesang von Johann Nestroy. Die alte, nun schon bald achtzig Jahre zählende Wiener Handwerks- burschenposse, da? Nestroystück, das sich bis heut am frischesten erhalten, erwies auch in der überaus glücklichen Aufführung des Schiller-Theaters wieder seine bewährte Schlagkraft. Selten klang der Applaus so stark. Der Kontrast zum düsteren Hintergrund der Zeiten schien die dankbare Empfänglichkeit für harmlos heiteren Spaß, der auf Augenblicke Vergessen bringt, noch zu steigern. Jeder der drei leichtherzig unbekümmerten Wandergcsellen, die den geflickten Rock so fröhlich tragen, hatte einen sozusagen klassischen, in Geist und Fleisch der Rolle völlig eingewachsenen Vertreter. Der philo- sophische Alkoholismns des Weltuntergangsprophcten und Schusters Knieriem, der die karg bemessene Daseinsfrist mit der Vertilgung möglichst vieler Schoppen auszufüllen trachtet, entfaltete in P a t e g g s phlegmatisch rundlicher Erscheinung und Mienenspiel sich zu beschaulichstem, bei allem bedauerlichen Mangel an Moral höchst liebenswürdigem Behagen, das im Gesänge der schaurigen Ballade von Eduard und Kunigunde gipfelte. Max Gülstorfs war das windig dünnste sprungfederhafte Schneidcrlein, das man als Zwirn sich wünschen konnte. Er verstand es, von den Damen Schneider und M a r k o l f unterstützt, sogar dem Bilde mit der Lperngardinc, dem schwächsten der Posse, starke Heiterkeit abzu- gewinnen. Und ebenbürtig schloß sich ihnen der forsche, flotte Tischler- barsche deS Herrn Alfred Braun an, dem man die Liebe seiner Pepi glauben mußte. Tosenden Beifall brachte ihm(die Aufführung war eine Bcnefizvorstellung für den Charlottenburger KrieghilfS- verein) ein mit großer Verve vorgetragenes, von den sonst üblichen Geschmacklosigkeiten dieses Genres im allgemeinen freies Zeit- und KriegScouplet. Auch in die Rolle Knieriems waren allerhand Coupletstrophen, indes recht mätzige, von aktueller Färbung eingelegt, die man lieber vermißt hätte, und um so mehr, da zu ihren Gunsten die so charakteristische Versuchungsszene des Schusters vor der auf- gestellten Flasche sich arge Streichungen hatte gefallen lassen müssen. Aber das sehr hübsch inszenierte Schlutzbild, das unter Tänzen und Gesängen die Rettung zum soliden Lebenswandel und zur Ehe feiert, stellte bald wieder eine unvermischte echte Nestroystimmung her. ät. Deutschs Lieder spiele. Diesen Namen führt ein Unter- nehmen, das sich im Klindworth-Scharwenka-Saal an der Lützow- straße aufgetan hat. Herrn Erich Fischer, dem Urheber des Unter- nehmens, kommt es darauf an, verschollene Gesangspiele älterer deutscher Komponisten in sinnfälliger Modernisierung wieder der häuslichen Kunstpflege zugänglich zu machen. Daß unsere großen Meister dergleichen Sachen geschrieben haben, ist ja be- kannt. Es waren meist Stückchen zu privaten Familien- festen, im Augenblick geboren und nach Erfüllung ihres harmlosen Zweckes wieder vergessen. Ob sie dies ihnen von ihren Schöpfern bereitete Schicksal verdient haben, läßt sich weder bejahen noch verneinen. Vom Nützlichkeitsstandpunlt jedoch betrachtet, kann manches Gute damit getan werden. Ja uns scheint, »ach der hier in Frage kommenden Anfangsprobe zu urteilen, als sei das Unterfangen sowohl in künstlerischer als namentlich musik- erzieherischer Hinsicht geglückt. Zunächst, wenn die werlvollsten Me- lodien herausgehoben werden, müßten die Texte auf ihre Brauch- barkeit geprüft, oder, wo von ihrer Verwendung abzusehen war, durch ähnliche der Zeit und der jeweiligen Musik angepaßte Dialogspiele ersetzt werden. Diese nicht gerade einfache Arbeit darf als wohl gelungen gelten. Vorgeführt wurden:. D e r W ä s ch e t a g" von Albert Lortzing,„Das Teebrett" von Josef Haydn,„Das alte Lied" von Mozart und„Die Ueberraschung" von Johann Sebastian Bach. Es sind harm- lose, dennoch recht gespaßige Szenen aus dem Herzensleben junger Leutchen längst vergangener Zeiten. Die Gesangs- wie Begleitmusik (Klavier und Laute) läßt gar leicht die Charakterart ihrer Schöpfer erkennen. Am drolligsten muten Bach und Haydn an; scherzhafte Laune und gemütvolle Wärme ist bei allen. Adalbert L i e b a n. der auch zugleich darstellerisch sich betätigt, hat die künstlerische Leitung. Unter den übrigen Mitwirkenden sind die Damen Else K e V y und Alice Tanner wegen ihres klang- vollen Soprans und reizvollen Spiels hervorzuheben. Bemerkt sei now. daß die Hauskomödien während dieses Monats täglich zur Aufführung gelangen.__ ek. Kleines Feuilleton. Die Tulpenblüte. Prächtige Tulpenbeete zieren jetzt trotz der schweren Kriegszeit die öffentlichen Plätze, Anlagen und Gärten. Man mache uns des- wegen nicht den Vorwurf der Verschwendung. Unsere Gärtner ver- fügen über eine Unmasse von Tulpenzwiebeln, und diese müssen verbraucht werden. Der herrliche Blütenflor des ersten Frühlings erfreut ganz besonders unser Auge und unser Herz, und namentlich unseren Verwundeten, die fern von den Kriegsschauplätzen ihrer Ge- nesung entgegengehen, ist der Anblick all dieser Blütenpracht von Herzen zu gönnen. Die Tulpe ist. seitdem sie im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa gekommen ist, eine unserer bevorzugtesten Frühlingsblumen, weil sie zu den ersten gehört, die im Freien ihre wunderschönen Kelche entfalten. Die Herr- lichkeit ihrer Blüte dauert zwar nur kurze Zeit; in- zwischen sind aber viele andere liebliche Kinder des Frühlings zum Blühen gekommen, sodaß wir dann reichlichen Ersatz für sie finden. Einst gab es eine Zeit, wo eine wahre Tulpenraserei einen großen Teil Europas erfaßt hatte; es war die Aera des im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts aufgekommenen Tulpen- schwindeis, der von Holland ausgegangen war. Die Rückwirkungen des Kraches taten erklärlicherweise der Beliebtheit der Blume erheblichen Eintrag, sie ist aber niemals bei uns in Vergessenheit geraten. Jetzt spielt sie auch als Schnittblume den ganzen Winter hindurch eine hervorragende Rolle. Wir erinnern uns daran, daß wir diese herrliche Frühlingsblüte den Türken verdanken. Vor der Festsetzung der Türken in Europa kannte unser Erdteil die Tulpe nicht. Diese ist die Lieblingsblume der Türken und ist in deren Heimat, in den dürren, sonnigen Gefilden Turkestans zu Hause; die Blume folgte den Türken auf allen ihren Siegeszügen und kam so auch nach Konstantinopel. Von dort wanderte sie nach Italien und nach dem übrigen Europa. Sie heißt hei den Türken Tülbent oder Dulbant; diesen Namen führt auch die bekannte frühere Kopf« bedeckung der Türken, die später durch den Fez verdrängt wurde und die wir Turban nennen. Wegen der turbanähnlichen Form ihrer Blüte hat die Pflanze von den Türken ihren Namen erhalten. Bei Lessing heißt die türkische Kopfbedeckung„Tulban" und bei Goethe „Tulbend"; diese Bezeichnung und der Name„Tulipan", den die Tulpe früher bei uns führte, legen uns ebenfalls den Zusammen- hang zwischen Turban und Tulpe nahe. Die Türken sind sehr große Blumenfreunde? sie brachten auch noch manche andere, bisher in Europa unbekannt gewesene Gewächse nach Europa. Unter diesen spielt neben der Tulpe der herrlich duftende Flieder die hervorragendste Rolle, der den Türken zu Ehren auch heute noch vielfach„türkischer Flieder" genannt wird. Die Türken sind keineswegs die Kulturfeinde, als die sie früher immer dargestellt wurden. Sie haben der europäischen Kultur manchen Forlschritt vermittelt; ganz besonders aber müssen wir ihnen danken, daß sie die Tulpe und den Flieder sowie noch manche andere Frühlings- blüten nach Europa gebracht haben, die ganz wesentlich dazu bei- getragen haben, die Blütenpracht unseres Frühlings zu erhöhen und zu verschönen._ die Staüt Schauten. Ein Bürger von Schaulen schreibt der„Franks. Ztg.":„In den letzten Meldungen des Großen Hauptquartiers vom östlichen Kriegs- schauplatz wird mehrmals die russisch-litauische Stadt Szwale ge- nannt, deutsch Schaulen(Kreisstadt des Gouvernements Kowno). Russisch und polnisch heißt die Sradt Schawli, jüdisch Schawl, auch Schawek. Deutsch spricht und schreibt in Schaulen ziemlich jeder Gebildete. Die ältere Generation besuchte meist die deutsche Universität Dorpat, die erst seit etwa 30 Jahren russisch ge- worden ist, bis dahin aber eine echt deutsche Lehrstälte war' Schaulen ist eine in den letzten drei Jahrzehnten rasch empor- geblühte Industriestadt. Sie besitzt die größte Ledergerberei Ruß- lands, eine der bedeutendsten Schokoladenfabriken und manche andere bedeutende Jndustrieunternehmungen. Die Bevölkerung besteht aus Juden und Litauern; die Landgüter gehören dem polnischen Adel, die Beamten sind durchweg Russen. In politischer Hinsicht war Schaulen wenig von Bedeutung. Unter den jüdischen Arbeitern hatte der jüdische Arbeiterbund(„Bund") viele Anhänger, unter den litauischen Arbeitern die„Litauische Sozialdemokratie". Bei den letzten Duuialoahlen(Ende � 1912) haften diese Parteien in Schaulen einen gemeiniameu Kandidate» aufgestellt, einen litauischen Rechtsanwalt, dessen Wahl aber dadurch verhindert wurde, daß er ins Gefängnis gesteckt und erst nach Beendigung der Wahlen befreit wurde. Eine überaus einfache Art, den Ausgang der Wahlen zu „beeinflußen"... Die jüdische Bevölkerung des Nordwestgebiets Rußlands, im„Ansiedelungsgebiet" zusammengepfercht, strömte in den letzten 30 Jahren massenweise nach Amerika, um dort würdigere Lebens- bedingungen zu suchen. Anderthalb Millionen Juden dürsten in diesem Zeitraum Rußland verlassen haben. Davon zogen in den Jahren 1890 bis 1899(bis zum Burenkriege) 60- bis 70 000 Mann nach Südafrika— aus bisher unaufgeklärten Gründen ausschließlich aus Schaulen und den angrenzenden kleinen Orten. In Johannesburg. Kapstadt, Pretoria, Middelburg, Oudtshoorn und Randfontain gibt es mehr Juden aus Schaulen als in Schaulen selbst. In Amerika sind Juden aus Hunderten von Städten des jüdischen Ansiedelungs- gebiets wohnhast, in Afrika aus höchstens einem Dutzend: Schaulen, Shagarren, Ssalanty, Telschen, Kelmy, Rossienny, Schkudy, Gorshdy. Linkau usw. und dazu noch die kleine hübsche deutsch-jüdische Stadt Bauske in Kurland. Diese Menschenausfuhr nach Afrika gab dem Familienleben der Stadt Schaulen ein ganz eigentümliches Gepräge. Schaulen bekam vielleicht mehr Briefe aus Afrika, als aus dem Innern Rußlands. Die meisten jüdischen Familien bekamen regelmäßig Geldunterstlltzungen aus Afrika, und sicherlich gab es in der Stadt kein einziges Haus, das nicht auf diese oder jene Art mit Afrika verbunden war. Die Hilfe, die der jüdischen Bevölkerung Schaulens zuteil werden wird— und nach dem Brandunglück müßte dies sofort geschehen— wird vor allem aus Südafrika kommen._ Das Lebensalter öer Kriegsschiffe. Kriegsschiffe sind gewissermaßen wie Soldaten, zuerst aktiv dienstpflichtig, treten dann zur Reserve und schließlich zur Seewehr über, lieber die Länge der aktiven Dienstpflicht bestehen nicht nur bei den einzelnen Parteien, sondern auch bei den einzelnen Nationen verschiedene Ansichten. Für die deutschen Linienschiffe und Kreuzer sind durch Gesetz von 1900 mit Novelle von 1308 20 Jahre gesetzlich festgelegt. Andere Seemächte halten die gesetzliche Festlegung der Gebrauchsdauer ihrer Kriegsschiffe überhaupt nicht für angebracht. Sie verfahren vielmehr einfach nach dem Grundsatze, daß.für jedes unbrauchbar gewordene Schiff Ersatz geschafft werden muß. Besonders England und die Vereinigten Staaten legen für un- moderne Schiffe ohne Rücksicht auf deren Alter und ohne Rücksicht auf die Kosten neue auf Stapel. Torpedoboote werden stärker be- ansprucht und demgemäß auch schneller abgenutzt als Groß- kampfjchiffe. Nach deu bisherigen Erfahrungen kann man ihnen nur ein Durchschnittsalter von höchstens 16 Jahren zumessen. Handels- Kämpfer werden, um auch dies hier noch zu erwähnen, selten über 30Jahrealt. Sehr alte Kriegsschiffe werden angestaunt wie alteMensche», die das biblische Alter überschritten haben. In Deutschland ist als Senior der„König Wikhelm" zu nennen, der sogar, wenn auch nur als Schulschiff, noch in Dienst ist, obschon er demnächst seinen 50. Geburtstag feiern wird. In England ist das Flaggschiff Nelsons, die„Victory", berühmt geworden und wird noch heute pietätvoll in Stand gehalten. Als das allerälteste Schiff überhaupt ist die„Succeß" zu nennen, die 1730, also vor genau 126 Jahren. vom Stapel lief. Sie ist in Indien aus bestem Holz er- baut, und war zunächst bestimmt, den englischen Handel im indischen Meer zu schützen. Diesen Beruf, von dem das Schiff noch Spuren trägt, hat es aber schon bald mit dem eines Verbrecherschiffes ver- tauscht, d. h. es hat der Deportalioy von England nach Australien gedient. Daß es trotz seines hohen Alters noch heute seetüchtig ist, zeigt seine Ueberflihrung nach San Francisco, wo es England bei der jetzigen Weltausstellung vertritt. Notize«. — Theaterchronik. Im Friedrich-Wilhelm st ädti- schen Theater findet�am Sonnabend, den 16., abends 8V4 Uhr, die Erstaufführung des Schwanks„O diese Leutnants" von Kurt Kraatz statt. — Musikchronik. Die zum Gastspiel S l e z a k S neu in das Repertoire des Deutschen Opernhauses aufgenommene „Königin von Saba" wird am Sonnabend, den 16., wieder- holt. Den Assad singt in diesen Vorstellungen Rudolf Lauben- thal.— Das Theater des Westeus bleibt von Montag, den 17., bis Pfingstsonntag geschlossen, der für die Erstaufführung der Posse:. D e r brave'Fridolin" von Georg Okonkowski und Max Gabriel bestimmt ist. — Ein Maler des Proletariats, der auch ein Sproß des Proletariats war und den Idealen seiner Klasse treu blieb, der Däne Jlns Birkholm, ist in seiner Heimatstadt Faaborg auf Füncn gestorbeil. Pom Anstreichergesellen hat Jens Birrholm sich zu einem Künstler emporgearbeitet, der seinem Namen und seinem Werk Anerkennung auch in der zünftigen und bürgerlichen Welt zu verschaffen wußte. Das Proletariat und seine Leiden hat er in seinen Bildern geschildert, von denen manche in ein�l» Museum seiner Heimatstadt hängen. Der Künstler, der ein gi-ftzer Mann war, ist nur 46 Jahre alt geworden. — Prof..Heinrich F r i t s ch, der frühere Direktor der Bonner Frauenklinik, ist in Hamburg gestorben. Er hatte 1870 den Feldzug als Freiwilliger mitgemacht; seine„Erinnerungen und Betrachtungen an den Krieg 1870/71", gehören zu den Büchern, die man heute mit Interesse lesen kann. veutsckes Theater Direktion: Max Eeinhardt. 8 Uhr: Maria Mag;dalcne. Sonnabend: DerKaufmann».Venedig Kammerspiele S1/« Uhr: Die deutschen Kleinstädter. Sonnabend: Der'Welbsteulel URANIA Taubensirafie 48/49. 8 Uhr; Die intersclilaeliten in Masuren. RitaSacchetto Else Bötticher Rosa Felsegg Julius Spieltnann sowie der neue Mai-Spieiplaa Theater für Sonnabend, den 15. Mai. Berliner Theater s uhr: Exlrablätler! Deutsches Künstler-Theater s uhr: Die Kreuzelschreiber Deutsches Opernhaus, Cfaarlottenh. s uhr: Die Königin von Saba Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. sv.uhr 0 diese Leutnants! CebF. Herrnfeld-Theater Der Gedankenleser. Das einzige Wittel. 8 Uhr: Kleines Theater . Scherz, Satire, Ironie ö Uhr: � tiefere Bedentnng Komische Oper s" u..• Der Opernbali Komödienhans 8 uhi: Die tünt Frankturter Liessing-Theater 8 uhr: Datterieh Lnstspiclhans 8v, uhr Ein Prachtmädel Metropol-Theater 8 uhr: Der Hochtourist Montis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. s uhr: Hoheit tanzt Walzer Residenz-Theater 8 uhr: Das kommt davon Schiller-Theater O. 8 uhr: Wilhelm Teil Schiller Th. Charlottenbg. s uhr: Der lächelnde Knabe Thalia-Theater 8Uhr: Alt-BerlinerPossen-Abend: Das erste Mittagessen. Hermann und Dorothea. Guten Morgen, Herr Fischer! Theater am Mollendorfpl. 87, Uhr; Immer feste druft! Sonnt. 37jU.: Der Graf v. Luxemburg Theater des Westens 8 uhr: Polenblut Tbealer in der KöniggrätzerStraBe 8 Uhr: RaUSeh Trianon-Theater 8'/, Uhr: Wie man einen Mann gewinnt Sonnt. 37, Uhr: OieWaiseaus Lowood Volksbühne.Theater am Bülowplatz Ml Msickes Geis! Casino- Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. ■MF" Heute letzter Sonnabend-MB Die gute Mama. Morgen: Abschiedsvorstellung. 8 Uhr: Die gute Maina. 4 Uhr: Neeyengassc Ä«. i�ose-Ikeater. 8 uhr: Miitoyeldeiiiitei'heti Walhalla-Theater. : Die Jagd oaeb dem Glüek. 8 Uhr V oigt-Theater. Badstr. SB. Badstr. SB. Morgen Sonntag, den 16. Mai: Auf fremder Erde. Lebensbild mit Gesang in 3 Asten von E. Elmar. Vom 1. Pfingstfeiertag ab täglich: Gr. Theater- u. Spezialität.-Voritellg. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. DerlinorPratcr-Theater Kastanien-Allee 7—9. IM" Große"96 Qarten-Vorstellung Spezialitäten. Konzert. Anfang 47» Uhr. Entree 85 Pf. 1. PflngstfeicrtaR: Saison-Eröffnung. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sftnger. Ans. 8 U. Zum Schluß: Im Sit; Militärisch. Zeitbild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angehörigen vollkommen sreierZutrittzu d.Stett. Sängern. LpeÄslsrÄ Dr. med. �Vocleenfull, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. 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