Hr. 114.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Dlkustag, 18. Mm. Das Inöianerösrf. Ter Feldzugsteilnehmer Reinhard Weer gibt in der„Franks. Zeitung" packende Bilder von seinen Erlebnissen an der Westfront. Eine dieser Skizzen betitelt er„Das Jndianerdors": Briese aus der Heimat fragen immer wieder: Wo sind denn Cure Pferde, solange Ihr schietzt. wo schafft Ihr sie hin. wenn die Batterie Feuer bekommt? Die Antwort ist sehr einfach: wir brauchen sie gar nicht erst fortzuschaffen, weil sie sich ohnedies weit hinter der Feuerstellung befinden. Die Gefechtsbatterie mit ihren Geschützen und Munitionshinterwagen liegt in einem freund- lichen, lichten Tannenwäldchen, dessen schöner Moosboden aller- dings schon sehr zertrampelt und aufgewühlt ist, die Protzen mit ihrer Bespannung und den meisten Reitpferden stehen einen Kilo- meter entfernt, nach Möglichkeit gegen Sicht und feindliches Feuer gedeckt, ein paar Sfsizierspferde der besseren Unterbringung halber weiter abseits in einer Mühle, die Bagage endlich weit hinter der Gefechtslinie in einem der Dörfer, wo die höheren Stäbe liegen. Man kann sich borstellen, daß die Versorgung einer so in mehrere Gruppen aufgeteilten Batterie mit aller Leibesnahrung zlnd die Herbeischafsung alles sonstigen Bedarfs für Leute und Pferde keine ganz leichte Aufgabe ist, mit deren Bewältigung denn auch mehrere Unteroffiziere unter Oberleitung öes von der Abtei- lung bestimmten Verpslegungsofsiziers vollauf zu tun haben. Eine weitere Sonderaufgabe ist der Munitionsersatz, der an unsere braven, arbeitgewohnten FeldzugSgäule und ihre Fahrer mitunter riesige Anforderungen stellt: ganze Tage und Nächte hin- buich sind anöden großen„Arbeitstagen" der Batterie, an denen bis zu 1000 lschuß und darüber verfeuert werden, die Gespanne unterwegs, um Nahrung für die heißhungrigen Haubitzenmäuler herbeizuschaffen. Das übermäßige Sparen mit der Munition hat jetzt Gott sei Dank aufgehört. Immerhin verschwenden wir lange nicht so viel Pulver und Blei wie die Herren Gegenpaukanten. deren Rohre oft eine so gewaltige Menge Eisen über das ganze Gelände ausschütten, daß man vor lauter Getöse beim Komman- dieren das eigene Wort kaum versteht, und die Befehle förmlich «an Mund zu Mund getragen werden müssen. Von der Protzstellung wollte ich erzählen. Man kennt in Teutschland zur Genüge Schaustellungen wilder oder halbwilder Völkerschaften von Hagenbeck und ähnlichen Unternehmern: Aschanti-, Zulu-, Samoaner- oder Jndianerdörfer. So ungefähr nimmt sich unsere Protzstellung aus. Es fehlt bloß der Weiber- kral und die zahlreiche Kinderschar. Mag sein, daß unsere Fahrer sich und ihre Pferde auch etwas sauberer halten als die Aschantis oder Zulus, doch will ich das nicht mit Bestimmtheit behaupten. Dafür ist aber außerhalb der einzelnen Baulichkeiten der Schmutz um so größer. Zwischen den aus ein paar Brettern und Dach- pappe oder Wellblech notdürftig zusammengestellten Erdhütten der Mannschaften und den noch primitiveren Reisigzelten der Pferde liegt eine dicke hellbraune Schlammschicht, in der man bis über die Knöchel versinkt, ein Brei von Kalkerde, so zäh und klebrig, daß die Fußmannschaften beim Durchwaten jedesmal Gefahr laufen, ihre istiefel zu verlieren. Durch Knüppelwege hat man Abhilfe zu schaffen gesucht. Das Ganze war in besseren Zeiten einmal ein Wäldchen, in dem die Jäger dieser wildreichen Gegend angesichts des grünen Talgrundes Rast gehalten haben mögen; jetzt erinnern nur noch ein paar kümmerliche Kiefernstämmchen an die schöne Vergangenheit. Rings nur Schlamm, nichts als der trostlose Schlamm, die ganze obere Erdschicht wie durchknetet von Rädern und Pferdehufen. Der Krieg vermag eine Landschaft gründlich zu verderben! Für die Dienstgrade und Mannschaften aus der Feuerstellung bedeutet der Aufenthalt im Jndianerdors eine Art Erholung. Hier oben bei den Geschützen krachts ein bißchen viel, da die Franzosen es sich nicht abgewöhnen können, täglich ein paar Ricochettc- Granaten und Schravnells, mitunter auch einen schweren„Koffer" aus den Rimailhogeschützen herüberzuschicken. Das fällt mit der Zeit ein wenig aus die Nerven. Für die Zugführer ist deshalb ein Ablösungsturnus eingeführt worden, der ihnen gestattet, hin und wieder mal eine Woche in dem Offiziersunterstand der Protz- stelluug, von einem Optimisten„Waldhaus Frischauf" getauft, zu- zubringen, in dem die Medizinmänner von der zwei- und vierbeini- gen Fakultät Hausen. Die Herren werden mich beschimpfen, wenn ich ihr tief im Schlamm steckendes, rauchgeschwärztes Blockhaus als ein Dorado hinstelle und den deutschen Fremdenverkehr in die Gegend ziehe. Es sei deshalb die Einschränkung gemacht, daß auch diese Lokalität nicht gerade einer Lebensversicherung gleichzuachten und für die wärmere Jahreszeit nicht als Sommerftische zu emp- fehlen ist. Das hat sich in diesen Tagen wieder einmal gezeigt, als der Feind unversehens ein paar Geschosse schweren Kalibers in das Jndianerdors hinuntersandte, denen mehrere Pferde zum Opfer sielen. Es steht deshalb ein Wechsel der Protzstellung bevor. Wahrscheinlich wird sie noch weiter rückwärts verlegt. Es ist nicht angebracht, daß die Fahrer und Pferde, deren wir dringend be- dürfen, wenn es wieder einmal vorwärts geht, sich jetzt in der Zeit des Stilliegens unnötig dem Feuer aussetzen.„Steht ihnen auch gar nicht zu," wie unser Wachtmeister sagt. Degens ZlugmaMine. Im November 1808 hatte der Wiener Uhrmacher Jakob Degen Flugversuche zu einem gewissen Abschluß gebracht, die damals be- greiflicherweise das größte Aufsehen erregten, und über welche Hofrat Professor Bauer im„Archiv für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik" Mitteilung macht. Die wenigen Tagesblätrer, die zu jener Zeit in Wien erschienen, berichteten ausführlich über Degens Bestrebungen, und in Gilberts„Annalen der Physik" fanden dieselben vom rein wissenschaftlichen Standpunkte eingehende Berücksichtigung und Besprechung. Degen schilderte seine Versuche und beschrieb seinen Apparat in einer selbständigen Broschüre. in welcher er berichtete, daß die Betrachtung des Aufstieges eines Ballons auf der Feuerwehrwiese im Wiener Prater, sowie lange sortgesetzte und sorgfällige Versuche des Fluges der Vögesi ihn zur Konstruktion seines Apparates veranlaßten, der„geeignet sein sollte. den Menschen zu befähigen, sich selbständig in die Lüste zu erheben." Bambus und Schilsrohr waren für Degen, was dem heutigen Lust- schiffer das Aluminium ist, und Taffet nebst Papier, nach Bedarf mit Firnis gedichtet, ersetzten and.re Materialien der Neuzeit, doch konnte er auch des Messings und Stahls nicht entbehren. Seine Vorrichtung bestand der Hauptsache nach aus einem Ge- stänge, welches den„Künstler", der seine Füße auf die unterste Stange stellte und mit seinen Händen eine zweite horizontale Stange ergriff, sowie eine dritte vermittelst eines Messingringes um den Hals befestigt hatte, besähigt, zwei Flügel in Bewegung zu setzen, die an die Flügel eines Vogels erinnern sollten, mehr aber den Deckenflügeln gewisser Käfer ähnelten und durch eine dem Schwanz der Vögel nachgebildete Zwischenfläche verbunden waren. Diese hatte 3 Fuß, jeder Flügel 10 Fuß 3 Zoll�Länge und 9 Fuß Breite, so daß die Oberfläche beider Flügel 108 Ouadratfutz betrug. Die Flügel aber waren mit je 3ö00 verschieden gefärbten Papier- klappen versehen, die mit Seidenschnüren so ausgestattet waren, daß sie durch eine entiprechende Luftbewegung sich wechselseitig schließen und entfallen, somit nach Willkür in Bewegung gesetzt werden konnten. Wollte der„Künstler" sich der Vorrichtung bedienen, so nahm er, wie oben gesagt, seinen Platz auf der unteren Stange ein und steckte den Kopf durch den Messingring der obersten Stange, worauf er sich zunächst in eine hockende Stellung brachte und sodann, wie beim Springen, schnell Arme und Beine ausstreckend sich hinauf- schnellte, nach vollbrachtem Sprunge sogleich aber die Extremitäten wieder nach abwärts zu bewegen hatte usw. Mit einigen 30 solcher Sprünge(oder Schläge) hatte er am 18. April 1808 sich bis zur Decke der Winterreitschule erhoben und war, indem er seine Füße wieder in die gekrümmte Stellung brachte und die Flügel scharf ausgespannt hielt, heil wieder herabgelangt. Allerdings war seine Borrichtung, die im bemannten Zustand zirka löv Pfund wog,� bei diesem Experiment durch ein Gegengewicht von etwa 50 Pfund, welches am Ende eines über zwei an der Decke angebrachten in Rollen lausenden und weiter vertikal herabhängenden Seiles befestigt war, teilweise äquilibriert, wobei sofort zu erkennen ist, daß durch diese Anordnung die Richtung des Aufstieges in ausschlaggebender Weise beeinflußt wurde. Nachdem man die Versuche als gelungen angesehen hatte, ent- schloß sich Degen, diese auf der Feuerwehrwiese im Prater sortzu- setzen, wobei er seinen Apparat an Stelle des GegengewiÄis mit einem kleinen, mit Wasserstoff gefüllten kugelförmigen Luftballon von 19>/z Fuß Durchmesser versah, mit welcher Vorrichtung er am 13. und 15. November 1808 seine„Luftreisen" unternahm, bei denen er sich bald auf 100 Klafter, also zirka 200 Meter erhob, sich jedoch über behördlichen Austrag stets vermittelst einer Schnur mir dem untenstehenden Hilfspersonal in Verbindung erhalten inußte, ein llm- stand, der auf das Gelingen seiner Versuche entscheidenden Einfluß nahm. Theater. 51 ö n i g I i ch e s Schauspielhaus.„ D a S 31 t e r", Äleinstadtkomödie von PaulOuense l. Ein glückliches Komödien- rhema, dem nur die dazu gehörige Komödie fehlt— sio war� der Eindruck des Ouenselschen Stückes, das sich dem vom Königlichen Schauspielbause mir Vorliebe gepflegten Genre der literarischen Un- beträchllichkeiten stilgerecht einfügt. Der alte Lindner, der jahrzehnre- lang die Stadlkapelle im kleinen Schwalbach dirigiert hat, gehört zu jenen liebenswerten, durch keine Alllagsproia abkühkbaren Ent- husiasten seiner Kunst, deren Typus in Rosmers gemütvoll heiterem, zu unrecht vergessenem Tedeuni-Lussspiel geradezu vorbildlich ge- zeicknet ist. Jedock wenn Rosmers Musikus von einem patriarchalisch vorsorgenden Komödienschicksal zu einem seinem Können angemessenen Wirkungskreis geführt wird, ist Lindner niemals einem solchen guten Geist begegnet. Eingebannt in engste Kreise, abgeschnitten von der belebenden Venihrnng mit der EntWickelung der geliebten Kunst da draußen in der Welt, erstarb ihm im Laufe der Jahre nicht die Begeisterung, wohl aber die Begabung. Und da Kritik nie seine starke Seite war, hat er, vom Hochgefühl un- eingeschränkter körperlicher Rüstigkeit getragen, die langsame V-r- steinerung nicht bemerkt. Er sieht auch nicht, daß die Kapelle, die sein Stolz war, aus Rand und Band geraten, wie ihm die Fungen, die er schulen soll, ein Schnippchen schlagen. In kindlich kindischem Eigensinn und blindem Selbstvertrauen seines sanguinischen Künstler- tempcraments klammert er sich an Illusionen, kann es nicht fassen, daß es Menschen gibt, die undankbar verbohrt durch eine jüngere Kraft die scinige ersetzen wollen. Nur noch die Frau, die alle Not und alle bescheidenen einstigen Triumphe mit ihm vereint durchlebt hat, hält in unerschütterlichem Glauben zu seiner Fahne. Es sind das Züge, die in ihrer Mischung von rührenden und drolligen Menschlichkeiten im Rahmen einer lustspielmäßig durch- geführten Handlung gewiß zu starkem Eindruck sich verdichten könnten. Auch die Konlrastsigur, der alte und verständige Kantor, der sich in richtiger Erkenntnis, daß es init seinem Können aus sei, zur Ruhe gesetzt und in feinfühligem Zuspruch dem Kameraden zu gleicher Einsicht helfen möchte, hat etwas lebenswahr� Sympathisches. Doch in diesen Ansätzen erschöpft sich das Vermögen des Autors. Der Versuch, das Zuständliche in den Fluß bewegter Sitnationsn um- zusetzen, kommt über kümmerliche Schablonen nicht hinaus. Da wird ein in Berliner Konservatorien ausgebildeter Sohn des Alten mit einer schreckhaft ungeschickt karikierten großstädtischen Theater- braut herbeizitiert, deren taktlose Renommistereien dem Loblieds des Kantors auf friedlich kleinstädtisches Genügen und stille slunst- erbauung zurgeschmacklosbilligen Folie dienen. Nachdem das angenehme Fräulein, das mit regierungSrällicher Abstammung protzt, sich oben- drein noch als Sprößling eines— Bäckermeisters entlarvt hat, ivird es gebührend an die Luft gesetzt. Der Jüngling selbst, der in seiner Liebe als heilloser Idiot erschien, muckt auf. Er läßt sie lausen und entschließt sich, den Plänen seines hochfliegenden Ehrgeizes ent- sagend, nach des Kantors Rat, als man den Vater absetzt, dessen Amt zu übernehmen. Der Name Lindner soll im Städtchen wieder zu Ehren kommen. Das ist des Alten Trost beim scheiden. Sein Gustelchen, das Beethovensche Sonaten spielt, entschädigt den jungen Mann für die verlorene Berlinerin. So schreiend grell die Braut geschminkt war. so blaß nimmt sich der Jüngling aus. Daneben laufen allerhand nicht grad erfindungsreiche Bemühungen, Intrigen, die sich um Lindners Posten spinnen, uni das jugendliche, dem Freibier allzu sehr ergebeneKapellenpers vnal zu derberPosscnwirkung auszunutzen. Herr Lefsler brachte, was sich aus dem alten Vertrauens- vollen Stadtmusikus nur irgend machen ließ, mit ausgezeichnet sicherem Gefühl heraus. Man mußte es bedauern, daß er in keinem besseren Stücke figurierte. Vollmer als Kantor und Frau Conrad als sturmerprobtes Ehegesponst standen in fein- sinniger Charakterisierung ihm zur Seite. Mit dem Sohne und der Berlinerin mußten Herr M ü h l h o f e r und Fräulein Arnstadt sich plagen._ � Kleines KemLetsn. Jof. u. Joseph. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Behauptung des Herrn Joseph Aug. Lux in Nr. 113 des„Vorwärts", ich hätte Herrn Jos. Aug. Lux falsch zitiert. Die Erweckung öer Ulüria Carmen. 5} Von Ludwig Brinkmann. Ich habe mich also zu einem bedeutenden Unternehmen entschlossen, habe mir vorgenommen, die kühle Höhe des Popocatepetl zm ersteigen. Seit sieben Monaten habe ich mit einer unbeschreiblichen Sehnsucht zu den schneebedeckten Vulkanen hinaufgesehen. Wie stolz die beiden Riesen mit den fünfeinhalb Kilometer hohen Gipfeln in den Himmel hineinstoßen, der'Popocatepetl und der Jxtaccihuatl, des ersteren weiße Hxaü! Hat die Kraftanstrengung auch keinen materiellen Wert, so wird doch etwas getan! Von allen Taten des großen Eortez erscheint mir seine Besteigung des Popocatepetl die größte. Uns Nachgebore- neu ist es ja verhältnisnmß'ig leicht gemacht, das nachzn- ahmen; er aber sah den ungeheuren Vulkan, den höchsten damals bekannten Gipfelnden die Indianer in abergläubischer Scheu als den Horst höllischer Gewalten mieden, und er be- schloß, sich durch seinen starken Fuß trotz aller Schrecken der Ungewißheit höher tragen zu lassen als je ein Mensch empor- gestiegen! Und größer noch als der Wagemut war die Zweckhaftigkeit seines Wollens, seines Tuns. Er hatte nicht nötig, sich künstlich durch irgendein nutzloses Wagnis über die Leere seiner Tage hinwegzutäuschen; nein, er entschloß sich, in den Schlund des Kraters hinabzusteigen, um Schwefel für seine Kanonen.zu finden,.da das aus Kuba mitgebrachte Pulver verschossen war. Ter Mann hat große Dinge mir großen Mitteln vollbracht. Wir sind nur schwache Epigonen! Wieder in der Stadt, gerädert, zerschlagen! Drei Tage bot der Aufstieg gedauert; in zweien ging es wieder zurück. Aber icb bin trotz oll der harten Mühsal hinaufgelongt, bin oben gewesen, habe in den Krater, hineingeschaut! Wie nahe waren mir alle anderen Eiszacken-des Hochgebirges, wie fern die Welt dazwischen! Was ich dort einige Stunden lang gekühlt, läßt sich nicht in Worten fassen. Meinen Begleiter hatte ich in der Hütte, unterhalb der Schneegrenze, mit den Pferden zurück- gelassen und war dann allein die ungeheure Kuppel enipor- geklonuneii. Kein Laut drang aus der Tiefe zu mir herauf. Ich hatte in der Wüste des wild zerrissenen Gesteines, in all dem Schnee der Bergsshähe das Empfinden, als wäre ich durch die Wölbung des Aetbers von der Welt getrennt, die ich wie durch einen leicht blauen Schleier sich wohlig im Lichte der Sonne weithin erstrecken sah. Wahrlich, ich war der Welt entrückt, war von ihr ge- trennt, als ginge sie mich nichts mehr an. Nur die ewigen Felsen waren nur Gefährten, jetzt meinesgleichen. Ein Ge- fühl von Ewigkeit überkam mich— meine Sorgen von vor- gestern und meine Gedanken von gestern schienen durch eine Unendlichkeit� von mir getrennt. Durch sterben Ewigkeit zu gewinnen! In der lichten Reinheit solcher Höhe wird selbst dieses Problein Klarheit. Und es erschien mir köstlich, dereinst hier zur ewigen Ruhe gebettet zu werden, Jjier am Rande des finsteren Kraters, in eineni riesengroßen Steinsarge, ein Fels unter Felsen---. Waren es solche Empfindungen, die einst die Pyramiden- bauer beseelten, war es die Sehnsucht, durch den Tod zur Seele ewiger Felsen zu werden?— Stuart hat mich mit ungeduldiger Sorge erwartet. Er wußte nicht, wo ich gewesen, und hatte bereits zu fürchten angefangen, ich sei ganz verschwunden, feige entwichen und in die Staaten geflohen, um in der Krippe der Westiugbouse Company mein Futter zu finden. Ward war mit dein Texaner früher als wir erwartet eingetroffen. Wir sahen sie im„Hotel Francas", wo sie wohnen. Ward hatte ich schon früher kennen gelernt; er ist immer noch dasselbe unscheinbare, schmächtige Bürschlein, so gar nicht amerikanisch. Er hat es aber hinter den Ohren sitzen; er rechnet fortwährend, scheint ein wagender und ge- wiegter Spekulant zu sein. Jetzt, da wir bekannter geworden, scheint es mir fast, als wohnte die Seele eines Fanatikers in diesem schwäch- lichen Leibe. Ein unheimliches Feuer brennt in den Augen des Mannes, und wenn eine Sache ihn lebhaft erregt, röten sich seltsam seine sonst so bleichen Wangen; und dennoch ist er, sobald er zu rechnen ansängt, ganz Mathematiker, als wäre der Dollar alleinige Ursache und einziges Ziel des Laufes der Welt. Er scheint eine Kreuzung von spanischem Fanatiker und dollarhäufendcm Vankee zu sein. Ich fragte ibn scherzend und doch mit Absicht nach seiner Abkunft, aber er erzählte mir. daß sein Vater sowohl wie seine Mutter reine Sprossen Neuenglands seien. Ganz ander? der Texaner, Oberst Charles Powell. Ein hochgewachsener, stattlicher Mann, Mitte der Vierziger. Er führt im Ehrenamt ein Freiwilligenregiment, daher sein Titel. Selbst hier in Mexiko trägt er, ich weiß nicht warum, seine Uniform, einen weißleinenen, nur durch ein paar Ab- zeichen am Kragen und auf dem Aermel als solche gekenn- zeichneten Anzug. Wir brachten lange Zeit in Unterhaltung zu; er hat in Heidelberg studiert und in Berlin promoviert. Das interessierte mich natürlich sehr, Als Dissertation hat er seine Arbeit über die„Vorgeschichte des Ainerikanisch-Meri- konischen Krieges als Beitrag zur Monroe-Doktriu" verfaßt. Wir gerieten dabei in endlose Debatten über Wert und Be- deutung dieser Doktrin, die er natürlich als glühend patrioti- scher Amerikaner verteidigte. Auf jeden Fall entdeckten wir bereits, daß wir in allen Fragen allgemeiner Bedeutung ganz verschiedener Ansicht sind. Nachher kamen die langlvierigen geschäftlichen Ausein- andersetzungen. Ich hatte-es gleich nach den ersten einleiten- den Bemerkungen erkannt, daß Oberst Powell meine Teilhaberschaft bei dem Unternehmen für recht überflüssig hielt, und in diesem Punkte gab ich ihm auch vollkommen recht. Trotzdem ärgerte es mich, als ich sein hochmütiges Aufziehen der Augenbrauen sah, mit dem er die Mitteilung von meinem beizusteuernden Kapitale aufnahm. „Fünftausend Dollars? Darüber lohnt es sich doch wirk-! lich nicht zu sprechen!" Ich erklärte ihm, daß diese Summe für mich schon der Diskussion wert sei. (Stuart war aber eigensinnig, und da Ward nicht viel gegen seinen Freund ausrichten konnte oder wollte, be- herrschte jener die Situation. Ich zog mich indessen zurück; ich hatte keine Lust mehr, mich weiter an den Präliminarien zu beteiligen. Als ich langsam die Vorhalle des Hotels durchschritt, sah ich meine schöne unbekannte Freundin in die Halle treten. Einen Augenblick schwankte ich, ob ich nicht beim Direktor des Hotels mich auf das Kundschaften verlegen sollte. Doch nein — was geht es mich an? WaS hätte es auch für einen Zweck?— Ich habe auf Stuarts Rückkehr gewartet. Gegen Mitternacht kam er. „Die Sache ist in Ordnung! Der Mann gibt das Geld her. Ich sage Dir, es war eine harte Nuß zu knacken! Aber schließlich gelang es! Wir geben sieben Anteile ans; Powell erhält davon drei. Ward zwei, Du und ich ie einen!" Mein Schicksal scheint sich also entschieden zu haben. Ich fragte Stuart, was er sich dabei gedacht habe, sich mit mir auf gleiche Stufe zu stellen; er wäre doch Powell und Ward gegenüber zu sehr im Nachteile. „Einige Konzessionen muß man schon machen, wenn man seinen Kopf durchsetzen will," sagte er befriedigt.„Im übrigen ist noch nicht aller Tage Abend; mit der Zeit werden wir uns schon etwas mehr Einfluß im Geschäfte und größeren Anteil an der Beute zu sichern wissen!" Er ist immer noch derselbe prächtige Kerl. Ich wundere mich, wie das alles gekommen. Im Grunde bin ich doch in der ganzen Angelegenheit kaum gefragt, bin einfach von Stuarts übermächtigem Temperamente verge- waltigt worden. Oder von anderen, noch stärkeren Reizen: von der Lüsternheit nach Reichtum, von der Begierde, in diesen Landen zu bleiben, zu wachsen— um der Liebe willen? (Forts, folgt.) ist unrichtig. AVerdingZ hake ich den angeführten Satz aus dem Frankfurter Artikel ebensowenig zitiert wie zahllose andere Sätze, die einen Flächenrawn von beinahe 500 Zeilen einnehmen. Die Unterscheidung zwischen wirklichen Könnern und solchen, die nur mit- laufen, hat Herr Joseph Aug. Lux in der„B. Z. am Mittags vom 18. März 1915 n ich l gemacht, weshalb er auch diesen unter- scheidenden Satz aus seinem Artikel in der„SB. Z." im„Vorwärts" nicht anführt. Die Sätze, die ich im„Sturm" gegenüber- stellte, beweisen den beliebten Wechsel der Gesinnung. In der „Frankfurter Zeitung" hatte Herr Lux, Herr Jos. Aug. Lux, alle Künstler des Expressionismus namentlich aufgeführt, die irgendwie hervorgetreten waren. Herr Joseph Aug. Lux nennt in der„B. Z. am Mittags keinen Namen, hingegen sagt er:„Wie es ihnen erging, so steht es fast um alle SBegabungen, die in den letzten Jahren als Kubisten, Futuristen, Expressionisten oder Sezessionisten auszogen, die neue Kunst zu entdecken. Sie taten krastgenialisch, aber es war nicht die Gebärde der Kraft, sondern der Schwäche, die beim Bluff eine Zuflucht suchte." Hingegen in der„Frankfurter Zeitung" nach Nennung zahlreicher Namen schreibt Herr Jos. Aug. Lux zuin Beispiel:„Alle zusammen sind ein Bc- weis, daß in dem überwundenen Kubismus ein Entwickelungskeim steckte, der in der Tat schöne Blüten getrieben hat." Diese Wider- sprüche, wie es Herr Joseph Aug. Lux wohlwollend im„Vorwärts" selbst nennt, lassen sich durch etwa 500 Zeilen hindurch aufdecken. Endlich kann sich Herr Joseph Aug. Lux nicht auf das beziehen, was die beteiligten Künstler selbst fühlen, weil die beteiligten Künstler selbst entweder im Felde oder im Auslande sind. _ Herwarth Walde it. Der Sühnenverein gegen öen Chauvinismus. Der Deutsche Bühnenverein(die Organisation der Bühnen- leitet) trat am Sonnabend in Darmstadt zu seiner diesjährigen ordentlichen Generalversammlung zusammen. Während die aus- scheidenden Mitglieder des Präsidiums und der verschiedenen Aus- schüsse durch Zuruf wiedergewählt wurden, brachte die mit Stimm- zetteln vorgenommene Ersatzwahl für Geheimrat Bachur in den Direktorialausschutz erst mit dem dritten Wahlgange das Ergebnis: die Wahl des Direktor Reucken gegen Dr. Löwenfeld-Berlin.(Es besteht übrigens beim Verein ein Mehrstimmenrecht bis zu fünf stimmen I) Die Kriegshilfskasse sammelte 100 570 M., dazu weiter noch Na- turalien und Wäschestücke im Werte rund 25 000 M. Zur Frage der Schaffung einer Schauspielermesse berichtete die hierfür eingesetzte Kommission, datz die augenblickliche Lage eine solche Bildung nicht gestatte und datz sie sich weitere Vorschläge für später vorbehalte. Einen Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur obli- gatorischen einheitlichen Einrichtung der klassischen Dramen und deutschen Opern für sämtliche Vcreinsbühnen zog Barnay zurück. In langen Ausführungen begründete sodann Kommissionsrat Lange folgenden Antrag:„Die Vereinsmitglieder mögen dahin wirken, datz in der Folgezeit alle undeutschen und im allgemeinen ungebräuchlichen Vornamen auf den Theaterzetteln vermieden und datz nach Möglichkeit nur noch die wirklichen Namen der darstellen- den Mitglieder angegeben werden." Dem Unfug mit ausländischen und„meschuggenen" Vornamen müsse ein Ende gemacht werden.— Dir. Burckhardt bedauerte die kostbare Zeit, die für solch unbedeutsame Sache hier geopfert werde.(Zustimmung.)— Dir. Burghart meinte, das Beste sei auch hier, den deutschen Künstler gegenüber dem aus- ländischen zu bevorzugen.— Barnay hob demgegenüber hervor, datz es sich nur um einen Kampf gegen die Umtaufung deutscher Namen handle.— Intendant Claar- Frankfurt: Deutschland hat den Ruhm, zuerst Shakespeare auf der Bühne erweckt zu haben, der auch Molisre gehört. In dieser Fähigkeit deutschen Geistes liegt auch eine der Ursachen von Deutschlands jetziger großen Kraft(Leb- Haftes Bravo I). Deutschland hat die Welt längst schon mit dem Geiste beherrscht(Stürmisches Bravo!). Wir wollen also nicht den Ausländern unsere Bühnen versperren. Was die Namen anlangt, so wird es genügen, wenn vermieden wird, geradezu burleske Namen auf die Zettel zu setzen.— Direttor Burghart verwahrte sich da- gegen, datz er kein Verständnis für die Auslandsgrötzen in der Kunst habe. Aber unsere großen Bühne» bevorzugten ausländische Autoren(Widerspruch). Ein deutscher Dichter mit Namen von Klang mutz um die Erstausführung eines Werkes an eine Kleinstadtbühne gehen! Unsere deutschen Dichter haben es bei unseren großen deutschen Bühnen herzlich schlecht. (Zurufe wie„Unsinn" usw.) Was haben Sie denn zum Beispiel vonDülberg aufgeführt? Sorgen Sie mehr für Förderung verjüngen deutschen Talente!— Nach weiteren Bemerkungen des Antragstellers und ClaavZ über den Charakter des Antrags wurde dieser als Reso lution angenommen. Zur Verdeutschung der im Theaterbetriebe vorkommenden Fremdwörter ist eine zwölfgliedrige Kommission eingesetzt, der unter anderen auch Ludwig Fulda und Ludwig Hoffmann angehören. Ueber ihre Tätigkeit berichtete Exzellenz zu Putlitz- Stuttgart, der durch die ungewollte Benutzung des einen oder anderen Fremdwortes stürmische Heiterkeit entfesselte. Er bekannte auch gern, datz eine ganze Reihe solcher Wörter mindestens vorerst beibehalten werden müßten, daß grotze Schwierigkeiten hier noch zu überwinden sind, bis zur nächsten Spielzeit ein erster Vorschlag auf diesem Gebiete versandt werden könne. Zurückgreifend auf die vorige Debatte über den Antrag Lange erklärte Baron Putlitz: Es war immer unser Stolz, datz wir die Perlen der aus- ländischen Literatur auch unserem Volke zugeführt haben. Gewiß mag da auch Mißbrauch unterlaufen sein. Aber der Vorwurf ist unberechtigt, datz wir die deutschen Dichteransänger nicht genug fördern. Wir haben hier diel getan.(Sehr richtig I) Allgemein aber wollen wir gerade als Deutsche alles, was in der Kunst wert- voll ist, wo es auch herkommen möge, unserem Volke darbieten. (Starker Beifall.) Oer Panamakanal. Vom 15. August 1914 bis zum 15. Februar 1915 reicht das erste Halbjahr des Verkehrs in dem neueröffneten Panamakanal, und es ist von Interesse, seine EntWickelung in diesem Zeitraum kennen zu lernen. Nach dem„Canal Record" haben während dieses Halb- jahres im ganzen 490 Schiffe den Panamakanal durchfahren, von denen 252 die Fahrt in östlicher Richtung und 244 die in westlicher Richtung zurücklegten. Der Gesamtgehalt dieser Fahrzeuge belief sich auf 2 357 144� Tonnen, wobei sich der Tonnengebalt auf den Verkehr in den beiden Fahrtrichtungen annähernd gleichmäßig verteilte. Es kamen davon 41 Proz. auf den Güterverkehr zwischen den atlantischen und den pazifischen Häfen der Vereinigten Staaten; 21 Proz. wurden von einem pazifischen Hafen der Union nach einem europäischen Hafen oder umgekehrt befördert, und ein ebenso großer Anteil der Tonnage ging von der Westküste von Südamerika nach den Vereinigten Staaten und Europa, während schließlich 12 Vroz. des Güterverkehrs von der atlantischen Küste nach dem fernen Osten befördert wurden. Die wichtigsten Warengattungen, die ihren Weg durch den Kanal nahmen, sind Getreide, Salpeter, Kohle, Petroleum, Holz und Baumwolle. Diese sechs Warengattungen bilden etwa ein Drittel aller Warenmengen, die durch den Panamakanal befördert worden sind. Was die Einnahmen des Kanals anging, so haben sie in diesem ersten Halbjahr� die Gesamthöhe von 13 433 280 M. er- reicht, worin eine kleinere Summe mit inbegriffen ist, die bereits vor dem 16. August vereinnahmt worden war. Im Monat Februar be- liefen sich die Einnahmen auf 1 604 145 M. Alachs und Hanf in Veutfchlanö. Unsere Textilindustrie, die in der letzten Zeit jährlich Waren im Werte von 8 Milliarden Mark auf den Markt brachte, ist zu einem großen Teil auf die Zufuhr von Rohstoffen aus dem Auslande an- gewiesen. Ueberstieg doch der Import an diesen im Jahre 1913 23 Milliarden Mark. Die Ursache des Mangels an heimischen Roh- stoffen liegt einerseits in der mächtigen Entwicklung der deutschen Textilindustrie, andererseits aber auch darin, datz das Klima Deutsch- lands nur die Entwicklung und Kultivierung einiger weniger Stoffe gestattet. So gedeiht bei uns weder die Baumwolle— wir sind bei deren Bezug auf Nordamerika, Aegypten und Indien angewiesen—. noch Jute, Manila- und Sisal- Hanf. Auch die Kultur der Seidenraupe, die in China, Indien, Mexiko und Italien gepflegt wird, ist bei uns unmöglich. Schließlich eignet sich für Deutschland nur wenig die Zucht der Schafe aus Wolle. Denn die Schafhaltung stellt sich rentabler, wenn die Schafe nicht auf Wolle, sondern auf Fleisch gezüchtet werden. Hauptsächlich kommt dagegen für uns von alterSher die Kultur zweier Faser- pflanzen, des Flachses und des Hanfes in Betracht. Der Flachs entstammt der Leinpflanze(lönum nsitatisLimum). Er ist die älteste Kulturpflanze, die zu Webwaren benutzt worden ist. Ihre Heimat ist Westasien. Die Wertschätzung dieser Pflanze war schon im Altertum und Mittelatcr so groß, datz auch die vornehmste Frau es nicht unter ihrer Würde hielt, den Flachs zu verspinnen und zu verweben. Friedrich II. betrachtete die Leinwandmanufaktur als eine der Stützen des Staates und eine„Quelle der Volkswohl- fahrt". Die Leinenindustrie wuchs unter seiner Regierung so sehr. datz Preußen am Ende des 18. Jahrhunderts schon ins Ausland exportierte. Die Ausfuhr Schlesiens allein betrug damals 45 Millionen Mark. Selbst England mutzte deutsches Leinen im« Portieren, bis es sich durch staatliche Förderung seiner Flachskultur von Preußen unabhängig machen konnte. Die Erfindung der mechanischen Spinnerei führte zu einem Sinken der Flachs- industrie. Versuche Preußens, eine Hebung herbeizuführen, schlugen fehl, und als noch die Baumwolle siegreich den Weltmarkt zu überschwemmen begann, stellte sich eine weitere Abwärtsbewegung im Flachsbau ein. Hatten im Jahre 1878 noch 133 890 Hektar der Flachskultur gedient, so waren eS 1893 nur 60 956 und 1900 nur noch 33 663 Hektar. Da der Leinenbedarf mir dem höheren Wohlstand wieder größer geworden ist, benötigen wir einen jährlichen Import von etwa 110 Millionen Mark. Eine Steigerung des Flachsbaues in Deutschland ist, wie wir einer Ab« Handlung des Geh. Reg.-Rats Glafey in den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleitzes entnehmen, ohne weiteres möglich. Schon in den letzten Jahren hat die Anbaufläche zugenommen. Bedauerlich ist, datz die Technik der Fasergewinnung sich noch nicht auf die notwendige Höhe hat bringen lassen. Schon Napoleon I. hatte dafür einen Preis von 1 Million Frank aus- gesetzt. Aehnlich wie mit dem Flachse verhält es sich mit dem Hanf, den Fasern von Carmabis sativa, einer in Asien heimischen Pflanze. Er war bis zur Einführung von Baumwolle und Jute neben dem Flachse die wichtigste Faser für die Textilindustrie. Heute wird Hanf hauptsächlich in Rußland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Frankreich, Deutschland angebaut. Die Hanfkultur ist ebenfalls stark herunter- gegangen. Von deutschem Hanf kommen jährlich kaum 100 Tonnen auf den Markt. Matzgebend für den Niedergang war das Auftreten der Jute und der Hartfasern, wie Manila-, Sisal-, Mauritiushanf und Neu- seelandflachs. Seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts hat die Jute jedes andere Rohmaterial der Sack- und Rohstoffindustrie ver- drängt. Zur Hebung des Hanfbaues sind jetzt in Deutschland bedeul- same Matznahmen eingeleitet. Schon 0,2 Proz. der angebauten Bodenfläche würden genügen, um den Hanfbedarf der deutschen Industrie sicherzustellen. Man hofft alsbald den ganzen Bedarf decken zu können, wenn die Rübenbauer rechtzeitig auf ihren Feldern mit dem Hanfbau beginnen. Wir werden auf diese Weise in zwei wichtigen Textilrohstoffen uns dauernd vom Auslande ü-i machen können. Notize«. — Theaterchronik. Goethes„Ja hrmarktsfest zu Plundersweiler n", das am Freitag zum ersten Male im Deutschen Theater gegeben wird, ist seit 47 Jahren nicht im Spielplan der Berliner Bühnen erschienen. Die letzten öffentlichen Anffiihrungen fanden in den Jahren 1867 und 1877 im Wallner- und Friedrich-Wilhelmstädttschen(jetzigen Deutschen) Theater statt. — Borträge. Der Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern veranstaltet an den sechs Sonntagen vom 30. Mai bis 4. Juli, vormittags 10 bis UVa Uhr, im Botanischen Garten in Dahlem einen Vortragskursus über„Unsere wilden und unsere angebauten Nutz- pflanzen" mit Führungen durch den Botanischen Garten und dessen Gewächshäuser unter Leitung von Herrn Dr. Krause. Der Preis für den ganzen Kursus beträgt 20 Pf. Bestellungen sind an die Zentralstelle für Volkswohlfahrt, W 50, Augsburger Str. 61, zu richten. —-Der„Berliner Tonkünstler-Vercin" hat laut seinem Jahresbericht zwei Vortragsabende, einen außerordentlichen Vortragsabend, ein Volks-Kammerkonzert, einen pädagogischen Vortragsabend sowie zwei Schüler-Vortragsabende veranstaltet. Seine reiche über 20 000 Nummern starke Bibliothek hat der Verein in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Die Zentrale her Musik- Volksbibliothek, von der Stadt Berlin pekuniär unterstützt, befindet sich Berlin W., Zietenstr. 27 l.(Geöffnet täglich, auch Sonntags, von 11— 12 Uhr und Mttwoch abends von 8—9 Uhr.) D«t fanden 8495 Ausleihungen statt. Die von der Stadt Charlottenburg uitter- stützte, am 1. Oktober 1912 eröffnete Zweiganstalt befindet sich Savignyplatz 1. i Geöffnet Dienstags, Donnerstags und Sonn- abends von 4— 7 Uhr.) Die Summe der Ausleihung«» erreichte dort die Zahl 7933. — Zwei Maler. Oskar Frenze!, der Maler der Marschen und des Weideviehs, dessen ruhige, sachliche Art vor einigen Jahren eine Sonderausstellung in der Großen Berliner Kunstausstellung ehrte, ist ini sechzigsten Lebensjahre gestorben.— Im Westen fiel der bekannte Mitarbeiter der„Jugend" Albert Weisgerber. Er trat das Haupt der Münchener Ausdruckskünstler(Expressionisten), die sich in der„Neuen Münchener Sezession" zusammengeschlossen hatten. Deutsches Theater Direktion: Max Reinhardt. 8 Uhr:'Schlnck und Jan. Mittwoch: Das Wiiitermärohen. Sonntag und Montag 2Y, Uhr: Nachmittagsvorstellung(kleine Preise): Die deutschen Kleinstädter. Kammerspiele 8'lt Uhr: Dter Weibstenfel. Mittwoch: Der Weibstenfel. URAMIA Taubenstraße 48)49. 8 Uhr: Znm ersten Male: Flandern und der Krieg. Theater für Dienstag, den 18. Mai. Berliner Theater IStk..: Extrablätter! Deutsches Künstler-Theater 8 uhr: Die Kreuzelschreiber Deutsches Opernhaus, Charlottenb, 8 uhr: La Traviala Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. s'i.vhr 0 diese Leutnants! Gebr. Herrnfeld-Thealer 0 Der Gedankenleser. 8 Uhr: j|as einzige SUttel. Kleines Theater Scherz, Satire, Ironie 8 Uhr: n. tiefere Bedeutung RitaSacchetto Else Bötticher Rosa Felsegg Julius Spielmann sowie der neue Mai-Spielplan. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. Ans. 8 ll Zum Schluß: 1. Militärisch. Zeit bild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angehö- rigen volltommen frcierZutrittzu d.Stett. Sängern Komisehe Oper s" u.: Der Opernball Komödienhans 3 Uhr: Die fünf Frankfurter I-esslug-Theater 71;, uhr Egmont Lnstspiclhaus 8'/4uhr Ein Praehlmädel Metropol-Theater 8 mm: Der Hoehlourist V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Vom 1. Psingstseiertag ab täglich im Garten: Gr. Theater- u. Spenalität.- Vorkellung. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Montis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. s uhr: Hoheit tanzt Walzer Residenz-Theater 8 uhr: Das kommt davon Schiller-Theater O. 8 uhr: Faust I. Teil Schiller-Thu Charlottcnbg. s uhr: Der lächelnde Knabe Thalia-Theater 8Uhr: Alt-BerlinerPossen- Abend; Das erste Mittagessen. Hermann und Dorothea. Guten Morgen, Herr Fischer! Theater am Kollendorfpl. 8-/4 Uhr: Immer feste drnft! Sonnt. S'/j Uhr: Die Dollarprinzessin Theater des Westens Ab Mngstsonntag täglich: Der brave Fridolin Posse von OkonkowsJd u. Gabriel. Theater in der Königgrätzer Straße 8 uhr: Raaseh Trianon-Theater S'/.Uhr1 Volksbühne.Theaferam Bülowplatz 8',. uhr: Glaube u. Heimat Kastanien-Allee 7—9. 1. und 2. Pfingst-Feiertag: Große Extra-Frivorstellimg. Theater und Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Eintritt 20 Pf. Rose-Theater. s uhr: WiedeutseheHeldeiisterheii Walhalla-Theater. 8 uhr: Die Jagd nach dem Gliiek. «ytr-ij-e/i/ic/r-; Ftl« tt 2wÄ Starkungs-Rotwein. Oskar Wollburg T rauer- Magazin Berlin M., Brunnenstraße 56 Große Auswahl in schwarzer| Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort. o Hohen Sic cmpsckile nach Maß passend gearbeitete Stützeiniagen sowie Druchbandagcn aller Art, Leibbinden, Stützkorsetts usw., Artikel zur Gesundheils- u. Krankenpflege.* Pollraann, Kandagist, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. Hpezialarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nero. Schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hat»- Kuren in Dr. Homeyer> Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, ÄÄ« Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig. auch Teilzahl. Tevarates Dantenzimincr. Sllpeioe OrlstranUasse i Berlin-Windorl. Kaffenrechnung für 1914. Einnahmen. 1. Kassenbestand am Ansang des Rechnungsjahres.. M. 23 2. Erträge aus Kapitalanlagen.......... M. 7 iia. Beiträge der VerficherungSvflichttgen...... M. 898 3b.,, Versicherungsberechtigte»...... M. 17 3c.„, Unständigen.......... M. 3d.„„ Ersatzkassenmitglieder....... M. 19 3e.„ für zu spät abgemeldete Mitglieder Z 397 IM. 4 i. Erstattungen von Krankenkassen, Berussgenossenschaften, LandcSoersicherungsanstaltcn usw........ M. 11 5. Verwaltungskosten: Prozetzgebühren usw...... M. 6. Aus dem Vermögen entnommen........ M. 7. Durchlaufende Posten............ M. 545 8. Darlehen................ M. 10 9a. Sonstige Einnahmen...... M. 1 483.70 9b. Hanskonto.......... M. 23 398.67 9c. Zahnklinik.......... M. 4 837.02 M. 31 10145 940.51 372.68 535.93 680.50 775.77 240.19 145.72 160.22 609.59 000.00 219.39 Ausgaben. 1. Zinsen für ein Darlehen.....; 2. Zurückgezahlte Beiträge...... 3. Arzthonorar.......... 4. Heilgehilfen und Hebammen.... 5. Rettungswachen........* 6. Arznei und sonstige Heilmittel.,.. 7. Krankengelder a) Mitglieder.... Gumma: M. 1 569 781.63 M. M. M. M. M. M. M. b) Angehörige.......... M. Unterstützung an Wöchnerinnen........ M. Haus- und Wochetlpflegc.......... M. Kurkosten in Krankenhäusern und Genesungsheimen M. Sterbegeld a) Mitglieder.......... M. b) Angehörige.......... M. Ersatzleistungen für gewährte Krankelumterstützung von Bcrufsgenossenschnstcn, Krankenkassen, Jnv.- Vers.-Anstalten usw............. Verwaltungs-Ausgaben: a) persönliche..... b) sächliche...... en für Ehefrauen von Kriegsteilnehmern nlage(Abführung zum Reservesonds). Erwerb von Geräten............ Durchlausende Posten............ Zurückgezahlte Darlehen........... M. Sonstige Ausgaben....... M. 88 260.75 Hauskonto........... R. 24 801.50 19c. Zahnklmik.......... M. 19 247.95 M. 20. Kassenbestand für den Schluß dcS Rechnungsjahres 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19a 19b M. M. M. M. M. M. M. A!. 96.85 9 3964 2 95 193.03 3181.25 1 504.85 84 807.81 306 094.28 10 558.28 12 097.63 1239.00 109 400.51 10 206.74 2 867.48 6 189.64. 68 117.48 35 544.77 157.50 60 000.00 1 17645 542 604.76 10 000.00 132 310.20 67 037.33 Summa: M. 1 569 781.65 Der Reservesonds betrug am Schluß des Jahres 1913 M. 190 000.00 Am rvchluß des Jahres 1914......... M. 250 000.00 Milhin eine Zunahme von......»... M. 60 000.00 Berlin-Wilmcrsdorf, de» 14. Mai 1915. Der Vorstand Schiemeust, Vorsitzender. Wieser, Schristjührer. Die RechnungSprüfungskommisfiou 268/5 I. A.: Wie.maun. — LecavtwsrtiMr äteiskteuiilllKtfe Kstlepp. MuMo. FürtoT Lni-rätcnlcil vcrantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u,Vcrlag:Porwärts'BuchdruÄrei u. iMagKlÄtt KM SipgÄ& Co, Berlin SÄ