Nr. 118.- 1915. Anterhalttmgsbkatt öes vorwärts Zonillibkud, ZZ. Mai. Tei mit Zicker. Er ist nicht gerade eigentümlich für Czenftochau, in seder von uns besetzten Ortschaft Äüdpolens spielt er seine Rolle. Und doch, erst in der Stadt des Pilgertlosters, im Angesichte seiner Bettler- scharen, wurde, was wir beim„Tei mit Zicker" erlebten, zu der Geschichte der Not, die diese Zeit dem Lande brachte. Gerade, weil Ezenstochau ja auch im Frieden eine der Stätten ist, in der die Armut nistet, den Strom üer Pilger suchend, der jährlich aus dem ganzen Lande zum Kloster hin wallfahrtet. Sie breitet über diese Stadt den Schleier ewigen Eleirds aus, und unter ihm bleibt uns die Wunde, die dieser Krieg erst frisch geschlagen, verhüllt. Die Not der neuen Zeit, mit ihren stummen, in Schmerz der- schloffenen Lippen, dringt nicht zu uns, ehe wir nicht entschlossen an jener hergebrachten Armut vorübergehen, die sich mit lauten Klagen in unser Herz zu schmeicheln sucht. Schon gleich am Bahnhossplatze umringen uns die Scharen der Kinder, bis zu den Kleinen abwärts, die kaum erst lallen können. Sie singen alle in immer gleichem Tone, wie sie ihn von den Größeren hörten:„Herr Brot, Herr, gebben se mir Brot!" Sie singen alle Tage diese anerzogenen Worte, selber so un- beteiligt, daß unS der Ruf der dünnen Kinderstimmen im lauten Straßentreiben untergeht und nur noch selten in das Bewußtsein klingt, so wie der Rhythmus begleitender Musik. Aehnlich der Bettelsang am Kloster. Am Fuße des in seiner Pracht hochragenden Gebäudes, in seinen Vorhösen beisammen kauernd, hockt Polens Elend. Es ist, als wären hier aus allen Teilen des Landes die Mißgestalten und Krüppel zusammenge- strömt. In diesen beiden Reihen Wehklagender sehen wir Tag um Tag dieselben Menschen wieder, hören ihr eintöniges Jammern und sehen ihre immer flehenden Hände zu uns erhoben. Auch ihre Klagerufe sind, zu oft gehört und allzu unpersönlich, nur Stimmengewirr im Chor der großen Armut. Die tausend tätigen Hände aber, die dieser Krieg still legte, sind nirgends flehend zu uns erhoben; die er in Notdurft niederdrückte, die leben schweigend abseits. Vom Kloster führt die breite Hauptallee zum Nowy Rynek, dem„Neuen Markt" mitten ins bunteste Leben hinein. Dort, neben den feldgrauen Autokolonnen, die Wagen neben Wagen aufgereiht stehen, und vor den gerade abkochenden Mannschaften rufen aus ihren Zelten her Händler ihre Waren aus, bunte russische Bauerntücher und allerhand grellfarbige Stoffe, Krüge und tönerne Töpfe. Inmitten der verwirrenden Eindrücke, der Rufe der Mann- schasten, der Anpreisungen der Trödler und des Lärms vorüber- ziehender Bagagcwagen, treten plötzlich alte gebeugte Juden zu uns her, deren eindrucksvolle Köpfe noch der Leidenszeit des Ghetto anzugehören scheinen, oder blasse Jungen mit lebhaften Zügen, deren Augen voller Zuversicht leuchten:„Herr, wolle se Tei mit Zicker?" Sie halten sich fern von den Haufen bettelnder Kinder, sie meiden die Wege, an denen das Elena sich breitet; unerwartet treten sie hinter Trödlerbuden hervor oder aus den Nischen der Häuser, den Schatten ihrer Mauern:„Herr, wollen se Tei mit Zicker?" Ihre simple Frage überrascht uns, so oft wir sie auch hören mögen. Es klingt in ihr etwas, das mehr ist als nur die Absicht, uns zum Nachmittagstee zu führen, es schimmert in ihr, kaum wahrnehmbar, das Zittern der verhaltenen Bitte hindurch. Sie macht uns für Augenblicke den Lärm oer Straße verstummen, scheint ihn zu bannen, und wir wissen nicht, ihr auszuweichen. Und wenn wir ihnen zum„Tei mit Zicker" folgen, so führen sie uns in eines der niederen Häuser der Hauptallee. Im Haupt- eingang, der breiten und immer offenen Durchfahrt zum Hofe, steigt dort, wo sie am dunkelsten ist, eine knarrende Wendeltreppe aufwärts. Wir tasten uns voran, wir werden vom schwach erleuch- teten Podest in eine der gleichartigen Wohnungstüren geführt, die sich sofort und unvermittelt in ein bewohntes Zimmer öffnet. Tie Einrichtung ist ärmlich, üblich, die Bilder an den Wänden verweisen auf Erinnerungen, die die Bewohner an sie knüpfen. Es zeigt sich gleich, wie wenig diese Räume„Lokale" sein wollen, Tee- oder Kaffeehäuser. Der Blick kirch eine offene Tür in einen Nebenraum mit Betten belehrt uns vollends, daß hier die „gute Stube" einer bürgerlichen Behausung winkt, an deren weiß gedecktem Tisch der„Tei mit Zicker" serviert wiro. Es ist das Heim der Leute, die. durch den Krieg und ihre Tätigkeit gedrängt. nun mit bescheidener Geste die Hand ausstrecken nach dem spür- lichen Gewinn, den diese Zeit für ihre Notdurft übrig läßt. Zwar sind die Ladengeschäfte im Gange geblieben, die sich den neuen Bedürfnissen anpassen konnten. Da liegen in Buchhand- lungen deutsche Romane aus, tu Fenstern der Vorkostläden sind Die Erweckung öer Maria Carmen. � Von Ludwig Brinkmann. � Meine Gartenpläne haben einige skeptische Heiterkeit bei meinen praktischen Freuiwen erregt. Aber Tobar, der uralte Indianer, der zuerst von allen in den Dienst des Jmparcial trat, und Jose, der unsere beiden Pferde wartet und die groben Dienstleistungen unseres primitiven Hauswesens be- sorgt— die schwierigeren Haushaltvorrichtungen, wie das Kochen, hat Ward übernommen—, sind mir zür Verfügung gestellt. Ich kann nicht sagen, wie ich mich auf meine Pflanzungen freue: icki bin den ganzen Lauf des Baches entlang ge- gangen, um günstige Stellen zum Anbau zu finden; wenn ich auch verurteilt bin, in einer Wüste zu leben, so will ich doch wenigstens den Abglanz einer Oase hier zu schassen suchen. Vielleicht wird das Tal meine Liebe lohnen, die ich aus vollem Herzen ihm zu schenken bereit bin. Doch meine Hauptarbeit: die Mine! Vorläufig ist kaum etwas für mich zu tun; es hängt alles davon ab, wie die Ver- hältnisse im Berge liegen. Wenn wir darüber klar sehen, kann erst entschieden werden, was für Maschinen uns nottun. Es dauert vielleicht noch Monate, bis die verschütteten Gänge freigelegt sind. Stuart ist schon tüchtig bei der Arbeit. Er hat etwa acht Mann in Taviche angeworben, alles recht zerlumpte Mestizen, die sich eine der verfallenen Lehmhütten wohnlich eingerichtet haben. Eine größere Anzahl einzustellen hatte vorläufig keinen Zweck, da wegen der beschränkten Raumverhältnisse mehr zugleich nicht nützlich arbeiten können. Etwa zwanzig Meter weit haben wir den Stollen bereits ausgeräumt; aller- dings war dies das Leichteste; se tiefer wir hineinkommen, desto mühseliger wird es, das Geröll herauszuschaffen. Der Eingang ist kunstvoll ausgemauert; wir vermuten aber, daß die Steinfassung bald aushören wird, und dann werden wir Mühe haben, den Gefahren der Deckeneinstürze zu entgehen. Meine Stimmungen wechseln stark. Oftmals sehe ich hoffnungsvoll den Dingen entgegen, bis mich wieder ein Ge- fühl der Schwermut übermannt, da mir alles so fremd ist. Vorläufig bin ich doch nieist nur müßig; höchstens gebe ich Tobar ein paar Anweisungen wegen des Gartens. Wie anders Stuart! Der ist jetzt schon atemlos in Tätigkeit. Den ganzen Tag steht er bei seinen Arbeitern, wie ein Sklavenhalter: nur fehlt ihm die Peitsche. Er gewährt ihnen während der Arbeitszeit kaum eine Mnute zu verschnaufen. deutsche Schokoladen, deutsche kondensierte Milchivaren, deutsche Tafelbutter aufgestapelt, Zigarrenläden führen unsere Marken, vor allem aber die bekannten„russischen" Zigaretten deutschen Fabri- kats. Man will doch nun mal in Rußland auch„Russen" rauchen, die hier natürlich längst vergriffen sind. Hinten an der Ecke der Teatralna stehen barfüßige Jungen und rufen drei, vier schbesische Zeitungen aus. Aber die am alten Handel nicht mehr teilnehmen können, vertrauen nun auf ihren Samowar und laden in ihre gute Stube zum„Tei mit Zicker", zehn Pfennige das Glas. Die Töchter deS Hauses, deren es in diesen jüdischen Familien auffallend viele gibt, bedienen. Erscheinungen sind unter ihnen, die uns ans Biblische erinnern, von einer Hoheit in Gang und Wuchs, im Ebenmaß der Züge, des runden srischfarbigen Gesichts, das in dem spitzen Kinn verläuft— als ob sie alle Kinder der Rahel wären. Zu einem solchen„Tei mit Zicker" saßen wir eines Tages bei Rottensteins und waren doch ohne unsere Absicht dazu gekommen. Wir hatten auf der Straße nach Zeitungen geschaut, die uns Kuriosa schienen; da war zum Beispiel die„Deutsche Lodzer Zeitung", deren erste Exemplare wir erstanden. Vor allem aber interessierten uns hebräisch gedruckte Blätter, von denen eines sich als„Wiener Morgenzeitung" durch einen deutschen Kopf aus- wies. Wir hätten gern erfahren, was sie berichteten. Da stand ein blasser Junge neben uns, der die Gelegenheit wahrnahm, seine Kenntnisse der fremden Schrift uns anzubieten. Er las mit harter, scharf akzentuierter Sprache den deutschen Text des Hauptquar- tierberichts. Nach jedem Satze sah er aus seinen großen Augen zu uns auf:„verstenn se?" Man merkte ihm an, daß er die Pause brauchte, sich selber über das Gelesene klar zu werden. Er übersetzte nämlich nicht, er las in einer ihm immerhin nur schwer geläufigen Sprache. Denn er erklärte uns, die Blätter seien deutsch geschrieben, das heißt im Diddisch, dem landesüblichen „Jargon"; nur wären sie mit hebräischen Lettern gedruckt und auf hebräische Weise von rechts nach links zu lesen. Unser Interesse ioohl bemerkend, erbot er sich, die ganze Zeitung vorzulesen. Wir gingen daraus ein; er strahlte vor Dankbarkeit und Stolz.„Die Herren würden vielleicht zu mir ins Zimmer kommen? Ist gar nicht weit, gleich hier." Nach einigem Zögern folgten wir ihm, er hatte ja so treuherzige Augen. Wir stiegen eine dunkle Treppe hinauf und traten von der Podesttür sogleich ins Zimmer ein, indem wir uns an einem die Tür beengenden Bette vorüber- schlängeln mußten. Zwei Mädchen, die gar nicht erstaunten, uns kommen zu sehen, traten herein, begrüßten uns durch dargebotene Hand, um dann, sobald sie hörten, was uns hergeführt, uns und dem Knaben das Zimmer zu überlassen. Wir setzten uns um den weiß gedeckten Tisch, auf dem wir erstaunend die Blätter einer Berliner Zeitung bemerkten. Der Junge, der unsere Aeußerungen hörte, erklärte uns, es wären heute schon Herren hier gewesen und fügte mit einer leise betonenden Absichtlichkeit hinzu, sie hätten Tee getrunken. Er brauchte diesmal nicht zu sagen„ver- stenn se"; denn wir begriffen, und wir bestellten Tee mit Tee- gebäck. Dann las er. Nicht viel zwar, denn dann kamen die Schwestern, brachten den Tee, und wir begannen mfteinander zu plaudern. Sie waren drei und dann der Junge. Die Eltern hatten sie im Frühjahr verloren und mußten sich seither mehr oder minder kümmerlich ernähren. Jetzt, im Kriege, kam ihnen die Kenntnis des Deutschen sehr zustatten; sie hatten zwar schon im Frieden mit Deutschland geschäftlich zu tun gehabt. Die Aelteste, eine stattliche Erscheinung, ein wenig lotterig angezogen, erzählte, wie sie 5irawatten genäht, die sie uns zeigte, nicht ohne eine leise An- spielung, daß Herren ja dergleichen brauchen könnten. Sie hatten ihre Stoffe stets aus Berlin bezogen; im Lande könnte sie die Seiden nicht kaufen. Und diese Arbeit hatte ihr bis zu zehn Mark täglichen Verdienst gebracht— nun ioar das alles vorbei, es gab ja keine Post für sie nach Deutschland— und dann, wer kaufte jetzt? Wir kamen auf die Sprachen. Sie hatten außer dem Poln:- scheu drei Sprachen im Gebrauch, bald Russisch, bald„Jargon", sel- ten Deutsch. Die Jüngere sagte mit einem Anflug von Leiden- schaftlichkeit, so daß sie die Beherrschung ihrer dunklen Augen vergaß: sie lese viel und gern, sie zeigte uns ein jiddisches Buch, im Jargondeutsch hebräisch gedruckt. Was es denn sei?„Serr schönnl Js Henschels Fuhrmann, von Gerhart." Von Haupt- mann? Wir sahen uns ungläubig an. Und wirklich, es war „Fuhrmann Henschel". Merkwürdig das Gefühl, das wir empfan- den, Hauptmann bei diesen Menschen in einer Gasse der Polen- stadt anzutreffen. Der Junge hatte seine Absicht, uns vorzulesen, ganz vergessen, er härte mit noch größeren Augen und offenem Munde zu. Die Schwestern strichen ihm zuweilen mit zärtlicher Hand übers Haar; sie hatten ihn gern, er war geweckt und lernte schnell und sprach am besten Deutsch, was ihnen nun hier und da ein wenig ein- trug. Kaum merklich lenkten sie bald das Gespräch auf uns. Wir hätten es sicher schwer, am Tage viel zu leisten— ob wir denn wenigstens nachts unsere Ruhe fänden? Wir waren über dieses Interesse erstaunt, dann aber, als sie uns später ihre Woh- nung zeigten, deuteten sie an, sie müßten das Nachfoarzimmer vermieten, das übrigens properer war und größer als das, in dein wir Tee gewunken. In diesem Räume sahen wir einige Stucke alten Familienschmncks, und wir ertvogen, ob etliches Erstehe�s- wertes darunter wäre. Für jegliches Interesse waren die Mcid- chen dankbar, weil sie es stets aus ihre Armut bezogen, und dennoch drängten sie mit keinem Wunsch sich auf und suchten stets den Eindruck zu erhalten, daß alles wie von selber sich ergab. Wir haben später noch bei manchen solchen Menschen beim „De: mit Zicker" gesessen und stets die gleiche Art gesunden. Urs stimmte es nachdenklich, welch zäher Anpassungswille im polnisch- jüdischen Kaufmann lebt, wie schnell er sich zu assimilieren weiß, kaum, daß die Rot ihn dazu antreibt. Wo hätten wir zum Bei- spiel in dem besetzten Frankreich deutsche Waren gefunden, cbe deutscher Unternehmungsgeist sie hintrug, in Laos, ValeneienncS. Charleville? Wie staunten wir den deutschen Händler an, der auf dem Bahnhof St. Quentin mit Zigaretten und Schokolade handelte. Und hier, obgleich es keine zwile Post nach �Deutschland gibt, obwohl nur einige wenige wohlbelciumimdete Bürger Czen- stochaus den Paß zur Einkaufsfahrt nach Dvutschland erhalten, finden wir alles, was wir brauchen, vom„Milchmädchen" bis zur elektrischen Taschenbatterie, ja, bis zu deutschen Plänen von Czenftochau. Das alles liegt nun freilich dem Zustrom deutschen Geldes offen. Wie anders aber, um wie vieles schwerer ringen die um ihren knappen Unterhalt, die hinter den Fenstern der Hauptallee geduldig warten und die doch nichts als„Tei mit Zicker" bieten können. Sie wollen nicht bei denen stehen, die ihre Kiuider betteln lehren und nicht bei jenen, die mit erhobenen Händen um unser Mitleid flehen. Und hier erst spüren wir weit mehr, als bor den Fenstern der Läden, was dieser Rasse von jeher ihre Un- beugsamkeit verlieh: Lebenswille, der zähe ist und stark und doch bereit, mit dem Geringsten sich zu. bescheiden. Lt. Die eine Kriege- trankheit. Mit der immer häufigeren Verwendung der Granaten in dep modernen Schlacht und ihrer immer heftiger werdenden Explosiv- kraft hängt das Auftreten einer typischen Kriegskrankhett, der Granatenkontusion, zusammen, die bisher nicht selten an Kämpfern zur Beobachtung kam. Die Granatenkontusion, auch Granaten- kommotion genannt, kann dann entstehen, wenn in unmittelbarer Nähe eines Menschen eine Granate vorbeisaust oder platzt, ohne daß der Betreffende irgendwie verletzt wird. Trotz diesem Mangel au offenbaren Verletzungen zeigen Personen, neben denen ein Geschoß geplatzt ist, ein mehr oder weniger schweres ÄrankheiiS- bild, das aus deu verschiedensten Symptomen von feiten des Ge- Hirns und der Nerven'zusammengesetzt ist. Ja, es kam: sogar geschehen, daß die Soldaten ohne jede Verletzung sofort tot um- fallen. Viel häufiger aber als dieser rasche Tod ist sofortiger Verlust des Bewußtseins von stunden- bis wochenlanger Dauer. Nach Wiederherstellung deS Bewußtseins besteht noch völlige Iln- sähigkeit, sich an die Vorgänge, die seit dem Augenblick der Explosion abspielten, zu erinnern(Amnesie). Wo es nicht zur Ohnmacht kommt, entwickeln sich Bewußtseinstrübungen, begleitet vomKräuftifen und Muskelzuckungen, epileptischen Anfällen, Zittern und dergleichen nerväsen Symptomen mehr. Auch allerlei subjektive Empfindungen machen sich geltend. Die Kranken klagen über Herzklopfen u:w Schwindel, Schlaflosigkctt, Unruhe, aufregende Kriegsträume und Zwemgseriunern. Es ist nun die Frage, wie derartige KrankheiiSbilder zustande kommen. Man hat zunächst für die Entstehung der Granaten- kontusionen physikalische Ursachen verantwortlich gemacht, so de« Luftdruck, der durch das Platzen des Geschosses plötzlich entweder stark zu- oder abnimmt, zunächst auf den Hürnerven wirken und durch dessen heftige Erregung das ganze Gehirn und Rückeninuxk in Mitleidenschaft ziehen soll. Auch an eine rein mechanische Erschütterung des Gehirns oder der sympathischen Nerven hat man gedacht. Sicherlich spielen diese INomente oft eine gewisse Rolle, aber sie scheinen nicht immer ausschlaggebend zu sein. Von viel größerer Bedeutung ist dagegen, wie der Tübinger Psychiater Sein Beispiel lehrt mich, daß Arbeiterführen ein Talent ist, das wie jedes andere angeboren sein muß. Ich würde niemals mit diesen Menschen sertig werden, denen aller Sinn, alles Interesse für ihre Arbeit fehlt, die nichts weiter als ihren Lohn mit möglichst geringer Mühsal erkaufen wollen. Wodurch sich Stuart diesen Respekt verschafft, ist schwer zu sagen; auf jeden Fall weiß er ihn zu erzwingen, und nach einer Woche gemeinsamer Arbeit gab es kein Wort der Auf- lehnung mehr. Ob es wohl immer so bleiben, ob nicht doch einmal der Geist des Aufruhrs unter diesen Gesellen ausbrechen wird? Ueberall gärt der Fremdenhaß gegen die Americanos, diese Räuber, die sich der Reichtümer des Landes bemächtigen und das freie lateinische Volk zu Sklavendiensten zwingen! Ihr Armen— was wärt ihr ohne uns? Wie beneide ich aber Stuart um seine Schaffensmöglich- leiten! Und Ward? Er hat doch loenigstens ein Hauptbuch und kümmert sich im übrigen um Küche und Keller, deren Ver- waltung in dieser Wildnis ein großes Organisationstalent erfordert. Er arbeitet und hüllt sich dabei in tiefes Schweigen, den ganzen Tag; nur aus seinen träumerischen Augen bricht manchmal ein seltsames Feuer. Mir bleibt da kaum etwas anderes, als daß ich mich mit Powell unterhalte, mit ihm über Fragen allgemeiner Natur debattiere, die in den Zentren der Zivilisation ein gewisses Interesse haben mögen, die aber hier, in der Wildnis, auf dem Schauplatze härtester Arbeit, durchaus deplaciert er- scheinen. Wir beide fühlen das wohl, während ich dabei das schlechte Gewissen habe; Powell selbst betrachtet das alles nur als Episode, da er ja morgen wieder in seine Heimat zurückkehrt. Es scheint mir, als ob das Schicksal doch recht seltsam gewaltet hätte; seit einem oder zwei Jahrzehnten wälzt sich eine gewaltige Woge von nordischer Tatkraft, Intelligenz und finanzieller Macht brausend über dieses Land; ein kleiner Tropfen spritzte hoch auf und fiel weit südlich von dem Hauptstrome zischend auf die glühenden Steine der Wüste — vier eigenartige Burschen, jeder vom anderen so verschieden, aber alle durch eine Aufgabe zu fester Gemeinschaft ver- Kunden! Nur daß die drei anderen ihre Ausgabe, ihre Daseinsberechtigung in dieser kleinen Welt haben, während ich— nichts tue! Ich habe Stuart am Abend ein wenig mein Herz aus- geschüttet. Er sagte aber darauf;„Was willst Du? Wärst Du nicht hier, dann müßten wir jemand anders haben; drei Mann Besatzung ist das Mindeste im feindlichen Lande. Wenn es hier zum Kampf kommt, ist selbst auf den alten Tobar kein Verlaß. Der schlägt sich dann doch auf die andere Seite!"—> ♦ Ich kann mich mit Oberst Powell nicht vertragen. Er hält mich immer noch für höchst überflüssig, worin ich ihm ja auch mehr oder weniger recht gebe. Aber er sollte sich etwas besser in das Unvermeidliche schicken können. Es wir) schon einmal der Tag kommen, da ich ihm zu beweisen hojjg, daß ich doch nicht ganz so nutzlos bin. Ich glaube auch, es ist etwas Unschönes in seinem Charakter. Ich kann es nicht definieren, was es ist. Es ist vielleicht geldprotzende Anmaßung; er scheint ja unge- heuerlich reich zu sein, aber er läßt es auch fühlen; selbst ein so überaus tüchtiger und nützlicher Mensch wie Stuart hat darunter zu leiden; es ist fast, als verachte er ihn, weil mein Freund kein Barvermögen besitzt. Hat der Mann keine Ahnung davon, daß alles Kapital ein leerer Begriff bleibt, wenn es niemanden gibt, der damit für den glücklichen Bc- sitzer arbeitet?— Nun ist er glücklich abgereist und wird vor einem Jahre nicht wiederkommen. Dann soll es hier im Tale schon anders aussehen. Und es ist mir, als atme selbst der schweigsame Ward, Powells Freund, crleickztcrt auf. Es hat doch rascher ausreichende Arbeit für mich gegeben, als ich dachte. Ganz von selbst hat es sich entwickelt, daß ich die Korrespondenz übernommen habe, und nun, da eine Schreib-' Maschine bei uns eingetroffen ist, sitze ich täglich an meinem Arbeitstische und übe mich in ihrem Gebrauche. Die Korrespondenz ist sehr, sehr umfangreich; einen persönlichen Briestvechsel hat niemand von uns; kaum daß in der kleinen Postagentur zu Ocotlan jemals ein Privatschreibeu eintrifft; aber Geschäftsbriefe gibt es die Hülle und Fülle, Bestellungen für den Haushalt, für die Einrichtung unseres.Hauses, für notwendige Ausbauten. Stuart ist bereits stft Meter in den Berg eingedrungen und will die Strecke schon jetzt mit Schienen verlegen,� um das Geröll rascher und bequemer herausschaffen zu können. Da heißt es Angebote für soundso viel Tonnen Schienen und für eine Anzahl„Hunde"— das sind die kleinen Wagen— einholen; das verursacht sehr viel Schreibereien. So muß auch täglich nach Ocotlan geritten werden, uut eingegangene Briefe zu holen und die Antworten fortzu- Professor G a u p p all? fcssi:»? TrfassrllNKSü als Berater tn 5en Lazaretten des 1Z. Armeekorps in den„Kriegschirurgischen Heften der Beiträge zur klnischen Chirurgie" schließt, die seelische Stellungnahme zum E x p l o s i o n s v o r g a n g. Wenn man das reichhaltige Ärankenmaterial berücksichtigt, das zur Ver- fügung steht, so ergibt sich, daß die Stärke der Krankheit weniger von der Stärke der Explosion als von der seelischen Struktur der Betroffenen abhängt. Seelisch labile, g e m ü t s w e i ch e, un- kriegerische, aus persönliches Ungemach heftig reagierende Menschen werden von den akuten Schrecknissen viel tiefer ergriffen als ge- sunde, w i l l e n s st a r k e,„mutige" Charaktere. Es ist also eine angeborene„pshchopathische" Veranlagung vorhanden. s?1 Damit stimmen auch die Symptome von feiten des Körpers überein, die mit denen bei traumatischer Hysterie übereinstimmen. Die tiefe seelische Störung, die in der Bewußtseinstrübung zum Ausdruck kommt, steht in vollkommmenem Gegensatz zu der Höhe des Affektes, der sie einleitete: es ist eine Starre ohne jeden erkennbaren Affekt und geht mit völligem Versagen der assoziativen Denktätigkeit einher. Manchmal allerdings zeigen sich Spuren ängstlicher Spam nung bei den Kranken, die zum Teil auf angstvollen Delirien und Sinnestäuschungen beruhen. Die Kranken erleben dann mit ollen Zeichen der Angst Szenen aus den Gefechten, ducken sich vor Granaten, machen in Verkennung ihrer Umgehung Angriffe auf andere Kranke, die sie für Franzosen oder Engländer halten, Ein weiterer Beweis für die psvchopathische Konstitution der an Grauatenkontusion Leidenden ist die Tatsache, daß durch suggestiv psychologische Behandlung der Zustand sich mit großer Sicherheit bessern läßt. Beruhigung durch Ruhe, freundliche Zuspräche haben günstige Erfolge. Heilung erfolgt immer. Allein es besteht die Neigung bei den Geheilten, unter der Einwirkung seelischer Vor gange in den alten Zustand zurückzufallen. Gerade die symptomw tische Gleichheit dieser Rückfälle ohne den äußeren Anlaß einer Granatenexplosion zeigt, daß es zur Entstehung einer Granaten- kontusion keinerlei körperlicher Erschütterungen bedarf. Soweit das sehr gelehrte Referat. Sein Resultat ist nichts Neues für jeden Laien, der den Krieg und die Kriegsteilnehmer mit offenen Augen betrachtet hat. Die Unterscheidung zwischen ..willensstarken" und„gemütsweichen" Naturen ist recht primitiv Es kommt doch auf das Objekt an, mit dem Wille oder Gemüt es zu tun haben, und auf die Stellung des einzelnen zu diesem Objekt, hier also zum Kriege. schwächer wird. Wenn endlich das Geschoß sich geschwinder fortpflanzt, als der Ton, so worden sich die Luftwellen, die es hervorbringt, von einander trennen, nach verschiedenen Richtungen ausstrahlen, sich durchkreuzen und, da sie sich an- gesichts ihrer verschiedenen Strahlungsradien teilweise zerstören. schließlich eine einzige Welle bilden, die sich beim Vorüberflug in der Gestalt eines Schlaggeräusches zu Gehör bringt. Was die Ur- fache des genannten Geräusches anbetrifft, so gehl Labat von der Annahme aus, daß sie auf dos Eindringen der Luft in den leeren Raum, den das mit einer Geschwindigkeit von über 34» Meter dahinsausende Geschoß hervorbringt, und auf das dadurch bedingte Zusammenprallen der Luftmoleküle zurückzuführen ist. Die Schlußfolgerung der vorgenannten Beobachtung kommt in der Behauptung zum Ausdruck, daß man niemals eine„stumme Feuerwaffe haben wird, weil selbst für den Fall, daß es gelänge, das Geräusch der Explosion zu beseitigen, immer das Geräusch übrig bleiben würde, das das fliegende Geschoß hervorruft und auf seine Umgebung überträgt. Die Musik öer modernen Gesthosie. Seit der Erfindung der Feuerwaffen hat man nicht aufgehört, den charakteristischen Geräuschen, die die Bewegung der Geschosse in der Luft hervorbringt, Ausmcrksamkeit zu widmen. Die akustischen Phänomene dieser Geräusche haben im Stufengange der Entwicklung der modernen Schußwaffen entsprechend der größereu Schnelligkeit, mit der sich diese Geschosse bewegen, erhebliche Veränderungen er- fahren. Bis bor wenigen Jahren noch konnte man bemerken, daß die Geschosse der Feuerwaffen während ihres Fluges in der Luft ein mehr oder weniger Helles Zischgeräusch hören ließen, das während der ganzen Zeit der Fortbewegung hörbar blieb. Heute haben Kugeln und Granaten den Charakterton ihrer Luftmusik entweder ganz verloren oder wesentlich verändert. Denn ein Geschoß pfeift nur, wenn seine Geschwindigkeit sich unterhalb der Grenze der Schallgeschwindigkeit bewegt, das heißt unter 340 Meter beträgt, sonst gibt es kein Pfeifgeräusch mehr; wer längsseitig der Flugbahn des Geschosses Aufstellung nimmt, hört nur noch eine Reihe kurzer, sehr scharfer Schläge, die dem Knall einer Peitsche gleichen. Auf fallend ist dabei, daß solche Beobachter den Ausgangspunkt des Knalles an verschiedenen Orten wahrzunehmen glauben, und daß je nach den Umständen, der Knall, das Zischen und das Geräusch des Schusses in verschiedenen Abständen einander folgen. Zu bemerken ist weiterhin, daß der Knall der Geschosse das Ergebnis einer Intensität darstellt, die die der Detonation der Waffe selbst erheblich übersteigt, und daß die Feuchtigkeit der Luft die Fortpflanzung der Schläge im Lu'traum begünstigt. Für die Tatsache, daß dieses charakteristische Geräusch sich ruckweise, aber nicht in ununterbrochener Kette hören läßt, gibt der sranzösische Hauptmann Labat folgende Erklärung. Er stellte fest, daß, wenn der Ausgangspunkt eines Geräuschs unbeweglich ist, die Schallwellen konzentrisch auftreten. Wenn dann das Hörzentrum sich mit einer Schnelligkeit ausbreitet, die geringer ist, als die Schallgeschwindig- keit, so werden die Schallwellen stets fest zusammen gehalten, und ein Beobachter wird beim Vorbeifliegen des Geschosses dann ein Pfeifgeräusch hören, das allmählich schwächer und schaffen. Meistens macht Jos6 den Weg; doch manchmal ist er nicht abkömmlich; auch ist er nicht zuverlässig genug, namentlich wenn es sich um Geldsendungen, um Einschreibe- fachen handelt. Da reite ich denn durch die Wüste, fünfund- dreißig Kilometer hin, fünfunddreißig Kilometer zurück; noch vor Tagesgrauen breche ich auf, und bin doch erst beim Ein- bruche der Dunkelheit zurück im Minenhause. Und ich sehne mich ordentlich danach, wieder in unser Tal hinabzusteigen, wieder bei unserem verfallenen Hause anzulangen. Wie rasch doch alles zur Heimat wird, selbst die Wüste, selbst die Rauheit und Trostlosigkeit des Minenlagers! Ja, mir ist es fast so, als könne überhaupt kein würdigerer Zustand, kein glücklicheres Los gefunden werden, als unser arbeitsreiches Leben fern von aller Kultur, von allem �Ablenkenden, Zcr- streuenden, Fremden. Wenn wir drei, Stuart, Ward und ich, des Abends auf der Bank vor unserem Hanse sitzen, rauchend, plaudernd, uns nach des Tages glühender Hitze in der frischen Brise der Nacht abkühlend, wenn wir in den sternenklaren Himmel schauen und den Fall der Stern- schnuppen beobachten, wenn wir von der Zukunft träumen, da uns die holde Maria Carmen reich machen wird und wir beide, Stuart und ich, vierspännig auf dem Parado von Stadt Mexiko fahren werden— dann frage ich mich, was es Schöneres geben kann. Und über alle Schwierigkeiten, Entbehrungen, Mühsale und Gefahren hebt uns ein stolzes, schönes Gefühl hinweg, das Herrenbewußtsein, der Gedanke, allmächtig gebietend auf eigenem Grund und Boden zu stehen, als Kämpfer auf den äußersten Vorposten in einem unserem Schaffen grundfeindlichen Lande. Und sollte doch ein Augenblick der Schwäche eintreten, so wird die Standhaftigkeit darüber hinweghelfen; wir müssen hier durchhalten, wir sind allzu fest, allzu unauflöslich mit unserer Mine verbunden. Wir können nicht fort, wenn wir uns nicht ruinieren wollen. Es ist doch ganz anders wie früher, da man in einem Augenblicke begründeter oder un- begründeter Schwermut einfach kündigte, sich seinen Lohn ausbezahlen ließ, sein Bündel schnürte und weiterwanderte. Die Freiheit ist gewiß ein schönes, ein köstliches Gut; aber, wer weiß, vielleicht ist die Gebundenheit noch wertvoller; die zwingt zur Kraftentfaltung. Unser kleiner Haushalt, unser kaum größerer Betrieb arbeitet nun harmonisch: die winzige Schienenbahn läuft; wir können uns daranmachen, uns etwas im größeren um- zusehen, uns auf weitere Ziele einzurichten. Wir bringen viel Zeit mit Erpeditionen in die Umgegend zu. Am fernen Rio Verde hat Stuart ein prächtiges Jagd- r&Ser entdeckt: es gibt da Enten und Kraniche und allerlei andere Vögel die Menge, und Stuart ist ein leidenschaftlicher Kleines Feuilleton. Solöatengräber. Ueber eure Gräber spinnt Die Sonne goldnes Zittern Und ein leiser Wind Fächelt eure Seelen Durch Gras und Blüten. Eure süße Wehmut perlt Im Morgentau, Der auf den Blumen liegt, Und mit Lerchentrillern fliegt Euer Lied zu blauen Himmelshöhn. Seht. Der erste Frühling kam in's Land, Der euch im Schoß der Mutter Erde fand, Die ihr den Pflug durch herben Acker lenktet, Die ihr Fabriken eure Seele schenktet Oder schöne Weisen sannt... Aus eurem Blute werden Dornen schlagen Und Mädchen werden ihre Rosen tragen Und eine Sehnsucht spüren Tief und grenzenlos... Bruno Schönlank. Steinwerkzeugfunüe in Südamerika. Der südamerikcmiicke UrgejchichtSioricher Ameghino hat, wie die Naturwissenschaftliche Rundschau der„Chemiler-Zeitung" berichtet, in den Tertiärschichten südlich von Mar del Plata in � Südamerika Steinwerkzeuge von Urmenschen gefunden, die in gewisser Beziehung noch primitiver sind als die in Europa entdeckten Steinwerkzeuge. Diese aus Rollkiesel angefertigten Instrumente sind nach Ameghino in folgender Weise hergestellt worden: Das Rollstück wurde mit aem breiteren Ende nach unten in seiner Längsrichtung senk- recht auf eine vertiefte feste Unterlage gestellt und dann mit einem andern festen Stein oben auf das Stück geschlagen, so daß seitliche Splitter entstanden, die eine scharfe Schneide bildeten. Die so cnlstantenen Axtkeile ließen sich mit dem breiten Ende bequem in der Hand fassen, so daß die Schneide nach unten stand und stellten dadurch ein recht vielseitiges Werkzeug dar. Sie dienten so- wohl als Messer zum Zerschneiden und Abschneiden von�Gegen- ständen, wie als Beil zum Zerspalten von Knochen, als Schaber, Kratzer usw. War die Schneide durch wiederholten Gebrauch abge- tumpft, so wurde sie durch nochmalige Bearbeitung, sogenanntes Retuschieren, wieder geschärft. Die Größe der Keile schwankt zwischen 2 und 10 Zentimetern. Daß die Bearbeitung dieser Werkzeuge in der von Ameghino angegebenen Weise erfolgte, dafür zeugt die Gestalt der Keile. Weiterhin fand man neben diesen Keilen andere rohe Steine, die als Schlagwerkzeug gebraucht sein müssen, denn an ihrem unteren Ende zeigten sie stark ausgesprochen eine durch das häufige Schlagen verursachte Rauhigkeit. Schließlich find auch„Ambosse" ausgesunden Jager. Diese Anstrengungen, das Klettern in den Bergen, der Gebrauch der Schußwaffen, die langen Ritte halten uns geistig und physisch bei Kräften. Auch bringen wir dadurch etwas Abwechslung in unsere Nahrung. Unsere Streifzüge haben aber noch einen anderen, wichtigeren Zweck. Der Stollen im Berg ist nun etwa zwei- hundert Meter weit freigelegt; das feste Mauerwerk unserer altspanischen Vorgänger führt längst nicht in diese Tiefe, und die Gesteinschicht, in der wir uns befinden, eine sehr lockere Schieferformation, bringt jeglichem weiteren Vordringen Ge- ahr des Zusammenbruches. Es macht unsägliche Schwierig- leiten, den Gang weiter zu öffnen; fast erscheint es, als stürze der gesamte Berg von oben nach, wenn unten eine kleine Höhle gegraben ist. Den Stollen weiter mit einer wuchtigen Gewölbekonstruktion auszumauern, ist viel zu kostspielig und würde auch zu lange dauern; wir haben uns deshalb dazu entschlossen, mit Holzgebälk Wände und Dach auszuzimmern und zu versteifen. Aber das Holz in genügenden Mengen und in ausreichender Beschaffenheit zu bekommen, ist nicht leicht. Man könnte es in Oaxaca oder Puebla kaufen; aber es hierher transportieren zu lassen ist unerschwinglich. Da haben wir uns auf die Suche nach irgendeinem wildwachsen- den Wald gemacht, in der Absicht, ihn zu kaufen, das Holz an Ort und Stelle zu zersägen, wie wir es brauchen, und mit dem geringsten Aufwände an Kosten zur Maria Carmen zu schaffen. Wir suchten lange vergeblich, bis uns schließlich unser viel- erfahrener Tobar auf die Spur half. Wir folgten daher eines Tages dem Laufe des Rio Verde bis zu seinem Durchbruche durch die Sierra Madre und zogen die südlichen Abhänge der Gebirgskette nach Osten entlang, bis wir zu einem wasserreichen Bache, dem Manialläpec, gelangten. Es war eine weite mühsame Reise, aber schließlich fanden wir im Gebirge, in dem Quellengebiete dieses Baches, der sich nach kurzem Laufe in den Stillen Ozean ergießt, ein klein wenig Holzbestand,-Eukalyptus und eine Art von Pinien. Der Kaufvertrag mit Cyprians, dem Jefe Polltico, dem chulzen des kleinen Jndianerdorfes Juquila, war auch bald abgeschlossen; für ein paar hundert Pesos sind wir für ewige Zeiten in den Besitz des Waldes gelangt. Und wir waren recht glücklich, als wir das bewältigt hatten; in diesem Lande elendesten spanischen Raubbaues hat es seine Schwierigkeiten Holz zu finden. Die prächtigen Kordilleren sind in kaum vierhundert Jahren gründlichst ausgeplündert und verwüstet worden, zum geringsten Teile um ein paar Häuser zu bauen; das meiste ging dahin, lediglich um die Suppe der Indianer und der Konquistadoren zu kochen. (Forts, folgt.) worden, die Vertiefungen besitzen, um den zu bearbeitenden Stein. dem sie als feste Unterlage dienten, beim Schlagen nicht abrutschen zu lassen. Bei dieser Bearbeitungsweise der Steine entstanden natürlich auch viele kleine Splitter von verschiedenster Form, die man zum Schneiden, Sägen, Schaben und Bohren benutzte, und die durch derartigen Gebrauch ganz charakteristische Merkmale bekommen haben. krähen und Möwen als Iischfeinöe. Dr. R. Wohlgemuth macht in der„Allgemeinen Fischerei-Zeihmg' darauf aufmerksam, daß den Teichwirten durch Krähen und Möwen Schädigungen erwachsen können. Dr. Wohlgemuth konnte an der Teichwirtschaftlichen Versuchsstation zu Wielenbach beobachten, wie Krähen und Möwen mit Vorliebe Weiher mit zweijährigen Forellen- setzlingen täglich besuchten und dann mit ihrer zappelnden Beule davonflogen. In einem Falle konnte festgestellt werden, daß ein von diesen Vögeln erbeuteter Fisch 100 Gramm wog. Es läßt sich daraus feststellen, wie empfindlich die Schädigung sein kann, wenn, wie feststeht, die Krähen und Möwen die Teiche in Schwärmen besuchen. Krähen begnügen sich nicht damit, etwa einen erbeuteten Fisch zu verzehren, sondern sie nehmen zunächst von jedem ihnen er- reichbaren Tier Augen und Eingeweide als Nahrung und richten dadurch viel mehr zugrunde als sie in Wirklichkeit brauchen. Die Lachmöwe kann nach dem bayerischen Fischereigesetz von den Teich- Wirten nicht abgeschossen werden, sie müssen sich daher damit be« gnügen, die Tiere zu verscheuchen. Auf der anderen Seite ist er- wiesen, daß die Lachmöwen, wenn sie, wie das häufig der Fall ist, in großen Kolonien austreten, für die Fischzucht auch nützlich sein können, denn sie liefern ausgezeichnete Dungstoffe, die sehr viel zu einer günstigen Entwicklung der Kleintierwelt beitragen, aus der die Fische ihre Nahrung nehmen. So erwähnt Dr. Wohl- gemuth eine Beobachtung an einem Großteicki bei Hirschberg in Böhmen, in dessen Umgebung sich Taufende von Möwen fanden und wo eine auffallende Bereicherung des Wassers an Nährtieren fest- gestellt werden konnte. Bei den Krähen ist zwar der Abschuß ge- stattet, dafür ist er aber, da es sich hier um scharfäugige und scklaue Tiere handelt, äußerst schwierig; es bleibt daher nichts anderes übrig als die Nestjungen abzuschießen, die auch einen genießbaren Braten liefern. Es sollen sich auch ausgeblasene Eier, die mit ver- gifteter Paste gefüllt werden, als Schutz vor Krähen gut bewährt haben. Die Motorzüge in üer Ausstellung von San Irancisco. Alle neueren internationalen Ausstellungen haben als besondere? Anlockungsmittel irgendeine neue Art der Beförderung herangezogen. In der letzten Pariser Ausstellung war es z. B. das berühmte Trottoir roulant", die verschiedenen Plattformen, die mit steigender Geschwindigkeit in ständiger Bewegung nebeneinander herliefen und so eine ununterbrochene bequeme Beförderung er- möglichlen.