9U2V-1915 Nnterhaltungsblatt öes Vorwärts"«uw I l III im III lim■»■■■W— WCTBWm 71 von unseren Nachtvögeln. Bei fast allen Böllern spielt der Aberglaube diesen geisterhaft leichr und unhörbar durch die Nacht hinstreichenden Vögeln übel mit— sie sind sozusagen als die„Lcichenbitter" des Todes ver- schrien. Wo ein Licht in der späten Nacht noch brennt, fliegen diese Tiere gern herbei. Ich habe selbst einmal in meiner Jugend bei spätem Lesen eine Eule gegen mein Fenster poltern hören und mit klopfendem Herzen dann ihr gräßliches Krächzen durch die Nacht verhallen hören. Ist es nun ein Steinkauz, der sich gar in das geöffnete Fenster zu neugieriger ruhiger Betrachtung hineinsetzt, da er die Menschen nicht von ihrer unangenehmen Seite kennt, und liegt ein Kranker in dem noch erhellten Zimmer wach. so übersetzt man sich das leise gedämpfte„Kuwitt, kuwitt, kuwitt" des davongescheuchien Bogels als:„Komm mit, bring Schipp' und Spaten mir." Anders denkt schon der Italiener vom Steinkauz. In Pisa sab�ich einen ScBuster vor der Tür, der zwei Steinkäuze neben seinem sitz in einer Kiste an der Wand hocken hatte und gemütlich Polenta mit ihnen teilte, da er für die Fleischfresser nicht anderen teuren Fraß beschaffen konnte. Schon dem König Otto gab man als Ehrengeschenk bei seiner ersten Ankunft in Italien einen Stein- kauz als Ehrengeschenk und Willkomm:„Minervens Bogel ist ein Kauz I" In Griechenland und in Palästina wird der Steinkauz ge- radezu als Glücksvogel angesehen I Welche ganz andere Schätzung eines Tieres bei anderen Völkern! Diese Käuze sind kleine Vögel mit großem Kopfe. Das wunderschöne Auge glüht schwefelgelb— und es mag schon einige Bestürzung hervorrufen, wenn dies plötzlich aus nachtdunklem Fenster einem leicht erschreckten Herzen entgegenleuchtet. Bei uns hausen sie selbst in den Obstgärten der Dörfer und inmitten der Städte aus Türmen und stillen Dachböden. Naumann konnte ein bei ihm hau- sendeS Tier, ein Weibchen, das fest aus den Eiern brütete, gar streicheln, ohne daß es davongeflogen iväre. In Italien werde» sie sogar zum Berkauf auf den Markt gebracht, da man sie in Haus und Hof mit beschnittenen Fittichen herum- laufen läßt, damit sie Erdschnecken, Mäuse, Spinnen und Konsorten vertilgen. Man tut dort das bereits, wa» Lenz auch für unsere Landleute vorschlägt, für die der Kauz nur ein Freund als Vernichter dcS Ungeziefers üt Gärten und Feldern ist, und von denen er nicht als Verhaßter, als„Unglücksrufer", an die Scheunen- tür genagelt werden sollte, wie ich es hundertmal allüberall in Deutschland und besonders in Westfalen gesehen habe. Ueber den Erntekranz nageln sie ihn an die Tür, und zur Ernte hat er mit- geholfen! Wie viele Mäuse, die das Korn und die Wurzeln der Pflanzen fressen, sind in seinen Magen gewandert! Wie viele In- sekten verschlingt dieser bei Nacht ewig offene HalS! In Holstein allerdings ist die Schätzung des Tieres schon eine andere. Lenz tagt: In jeder Giebelspitze der großen Scheuern Holsteins befindet sich in der Regel eine Oeffnung. durch die eine Schleiereule bequem hindurch kann. Nach den von W. Claudius angestellten Unter- suchungen stört der Landmann in Holstein die Ruhe seiner Eule nie absichtlich und er schützt sie gegen Verfolgung. Die Vögel fliegen also nach Belieben aus und ein, jagen in und außer der Scheuer lustig nach den Mäusen, verlragen sich mit den Hauskatzen vortrefflich, und bauen ihr Nest in dem dunklen Raum. Sie beim Fressen zu beobachten, ist interessant. Ist die Beute zu groß für den Schnabel, so würgen sie sie ivieder heraus, und sie bearbeiten sie dann mit den Klauen, bis sie sie in. den Schlund hineindrängen können. Tiere, die sie nicht ganz verschlingen können, zerreißen sie. Bon sehr großer Beute verschlingen sie nur Brust und Hirn. Der Uhu aber ist ein„vorsorglicher Kauz". Was er von seinen großen Beutestücken, wie Hasen z. B., nicht gleich ver- zehren kann, wickelt er in der Haut zusammen und bewahrt es da- durch vorm Austrocknen. Diese unsere größte Eule ist in den meisten Teilen Deutschlands ausgestorben— nur in den Mittelgebirgen nicht. Zu ihrem schlimmsten Verfolger Mensch gesellen sich alle anderen Vogel hinzu. Selbst unsere Raubvögel lassen sich durch ihren Haß gegen den Uhu zu den größten Unvorsichtigkeiten verführen, sehen ihresgleichen ruhig in den Fängen des Gewaltigen verbluten und stehen doch nicht davon ab, auf ihn einzustoßen. Ja, der ganze Wald wird lebendig, wo sich ein Uhu am Tage zeigt, und es ist Die Crweckung der Maria Carmen. 14| Von Ludwig Brinkmann. Wir besuckiten auf dieser Wanderung auch die Tempel- titinen. davpn mir die Äinder meines Dorfes erzölstt haben. Viel war da freilich nicht mehr zu sehen, einige Uebcrrestc mächtigen BacksteinmauerwcrkeS, die früher wohl tiefe und finstere Keller einschlössen. Jetzt sind sie von fliegenden Hunden und Vampflrcn bevölkert, greulichen Bewohnern schauriger Stätten. Doch die Phantasie kehrt hier in ent- schwundene Jahrhunderte und Jahrtausende zurück, zu den Zeiten, da die Menschen diese traurigen Hohlen zu irgend einem finsteren, blutigen Kultus aussuchten, da die düsteren Wände mit dein Blute der Kriegsgefangenen bespritzt wurden, die Winkel von deni Stöhnen und Todcsröcheln der von dem steinernen Messer zerrissenen Opfer widerhallten. An den oberen Kanten einzelner Wände erkannte ich Ueberreste von verschlungenen Ornamenten, ans verschieden- farbig schattierten Backsteinstücken geformt. Waren sie nicht in den Jahrhunderten blutiger Greuel eine Prophezeiung schönerer, friedlicherer Zeiten? Noch siich wir ja so weit von dem Ziele entfernt, auf das diese Linienzüge ahnungsvoll hinweisen, noch wälzt sich Generation über Generation zer- störend dahin, noch treten neue Kulturen alte danieder, um dasselbe Schicksal von anderen zu erwarten? aber unaufhalt- stiin geht es vorwärts, einem Ziele entgegen, von dem wir nichts wissen, nur etwas ahnen in den Werken der Kunst... Schließlich habe ich die tiefblauen Fluten des Stillen Ozeans gesehen, zum ersten Male in meinem Leben. Wir hatten den Gipfel eines Ausläufers der Sierra Madre er- klommen und blickten ganz wider Erwarten auf die unge- heure blaue Fläche, die sich fern im Süden ausbreitet. Ich glaube, die Griechen des Tenophon konnten nicht inbrünstiger . Meer! Meer!" gerufen haben als ich in der Freude meines Herzen?. Warum nur?— Ich weiß es nicht: vielleicht sehe ich instinktiv voraus,' was dieses Meer einst der Menschheit sein wird, sein muß. Ter Welt Schicksale werden auf seinen Fluten sich entscheiden: die Kulturen des Westens und des Ostens werden hier aufeinanderprallen, alle Rassen werden sich hier eine nach der anderen blutig abwürgen, Mongolen und Lateiner. Slawen und Germanen, Malaien und Poly- nesicr— und wehe dem Besiegten!— Wir find dann zurückgekehrt. Wir wollten unsere Maria Carmen nickt allzulange im Stiche lassen— und das Uscr- land ist glühend heiß und fieberschwanger. Was sollte es auch mehr: ich habe den Friedlichen Ozean gesehen! � Wieder im Mincnhaüsc. Die Hochwaldepisode, die länger währte als gedacht— wir sind tief im Auaust— ist ein unerhörter Spektakel unter den sonst so friedlichen Singvögeln, hat einer von ihnen den Feind aller entdeckt. Aber dieser verhaßte Geselle kann seiner eigene» Art gegenüber der besorgteste Heiser sein. So erzählt Wiese:„Ein Oberförster in Pommern hält schon seit längerer Zeit einen gezähmten Uhu auf dem Hof in einem dunklen Verschlage. In einem Frühjahr läßt sich nun zur PaarungS- zeit auf dem Hof der Oberförsterei, die inmitten des Kiefernwaldes ganz allein liegt, ein wilder Uhu hören. Der Oberförster setzt in den ersten Tagen des April seinen Uhu, an beiden Fängen gefesselt, aus. Der wilde Uhu, ein Männchen, gesellt sich sehr bald zum zahmen, und was geschieht: er füttert den gefesselten regelmäßig jede Nacht, was einmal aus den Ueberbleibseln, aus dem Gewöll, ersichtlich und dann dadurch deWiesen ist, daß der Uhu beinahe vier Wochen vom Eigentümer nicht gefüttert wurde. Nähert man sich bei Tage dem zahmen Uhu, so läßt der wilde in dem gegenüber- liegenden Forst sofort sein„Uhu" oder„Buhn" erschallen und er verstummt erst dann, wenn man sich längere Zeit entfernt hat. Innerhalb vier Wochen lieferte der wilde Uhu drei Hasen, eine Wasser- rotte, unzählige andere Ratten und Mäuse, eine Elster, zwei Drosseln, einen Wiedehopf, zwei Rebhühner, einen Kiebitz, zwei Wasserhühner und eine Wildente... Zu unseren Nachtvögeln gehört noch der Nachtschatten, eine Nachtschwalbe, die z. B. in Thüringen so heimisch ist, daß sie aus den benachbarten Wäldern abends bis mitten in die Dörfer fliegt. In einigen Städten, wie ich es z. B. in Wiesbade» sah, kommen die Nachtschwalben plötzlich um die Laternen herumgeschossen und fangen mit weit aufgesperrtem Schnabel die Motten und Mücken davor weg. Während ihrer verliebten Tage sind diese Nacht- schwärmer. die dem weniger geübten Beobachter leicht eiwas stumpf- sinnig erscheinen können, von einer seltenen Beweglichkeit. In wahren Flugspielen wetteifern sie miteinander um das Weibchen. Sie erscheinen viel rascher und stolzer und jede Bewegung scheint von dem Feuer der Liebe beschwingt zu sein. Die Flügel klatschen dabei inannigmal wie bei verliebten Tauben zusammen, unter leisem Sausen stürzen sie sich hoch aus der dämmerigen Luft des Nachlhimmels herab und gaukeln um das Weibchen in den anmutigsten Linien herum. Beim Brüten gebärden sie sich dann einer Gefahr gegenüber fast be- lustigend. Homeyer erlebte einmal, daß ein Weibchen eines Nacht- schattens, das in seinem Garten brütete, ziemlich nah an ihn heran- trippelte und höchst belustigend sich aufblähte und fauchte. A. E. vom Meere bis nach Ilrras. (Schluß.) Eigentümlich ist. daß von einem eigentlichen Schreien fast nichts zu bemerken ist; vom sogenannten Wimmern und Weinen ist während des Kampfes kaum etwas zu hören. Scheinbar liegt dies daran, daß die meisten Verwundeten sehr bald das Bewußt- sein verlieren und erst im Lazarett wieder zu sich kommen. Während der Kämpfe fahren stets Ambulanzautos und bieten Gelegenheit, näher zur Kampflinic zu gelangen. So lange freilich gesochten wird, ist allzu große Neugierde nicht ratsam. Das mutzte ich auch erfahren. Wir waren nämlich in Richtung Veldhoek ge- fahren, als plötzlich ein ungeheurer Hagel von Projektilen nieder- regnete. Viel Lust, meinen Körper zu einem Sieb machen zu lasten, empfand ich nicht. Der Wagen fuhr denn auch einen Seitenweg und fand Schutz hinter der Mauer'eines Gehöftes. Später vernahm ich, daß dieses Gehöft der Ausgangspunkt zur Rückeroberung des verlorenen Terrains werden soll. Ueberall grinsten aus dem Boden riesige Löcher, die alles zu verschlingen drohten; die Steine von den Wegen waren weit weg auf die Felder geschleudert, zusammengeschossene Feldgerätc und Proviant- wagen sah man Kilometer weit in der Umgebung. Bon da aus zog ich weiter, um zur französischen Front zu gelangen. Diese Reise war ebenfalls nicht gemütlich. Mehr und mehr kam ich mit lebhaften Kämpfen in Berührung und alle Wege waren mit Truppen besät. Ich mußte denn auch von Maries aus an Berhune vorbei, in einer Scheune bei einem Detachement Husaren übernachten. Obwohl die Lagerstätten ledig- lich aus Stroh, dazu eine Pferdedecke zum Zudecken, bestanden, hatte ich mich doch nicht zu beklagen. Die Leute teilten ehrlich abgeschlossen. Stuart hat mich in seinen Berg hineingeführt: über einen Kilometer lang ist der Stollen freigelegt, mächtig gegen das nachdrängende Gebirge durch die beiden Reihen von Pfosten und den darauf ruhenden Tragebalken geschirmt. Die Verwüstung des Waldes tat mir nicht mehr leid, als ich dieses Kunstwerk berechnender Kraft sah. Er ist dem höheren Zwecke geopfert worden. Stuart ist sehr, sehr stolz auf sein Werk, und fürwahr, er hat Großes in kurzer Zeit, in ein wenig mehr als einem Vierteljahr vollbracht. Es gehört auch eine Art von Uner- ichrockenhcit dazu, also die finstere Straße immer weiter in den Berg hincinzudringen, ohne zu wissen, wie der Weg enden mag, was für Gefahren dem Eindringling bevorstehen können. Stets verfolgt ihn die bange Frage: wird das Dach hinter mir halten, wird nicht ein erzürntes Schütteln des Berges, in desseff Eingeweide ich grausam vordringe, mir meinen Rückzug abschneiden, mich im finsteren Gefängnisse einmauern, ohne Hoffnung, daß ich frei werde? Oder wer weiß, was meine Vorgänger alles schon gebaut und geplant haben! Vielleicht haben sie irgendwo einen Schacht in den Berg getrieben, der in bodenlose Tiefe hinabführt und den in die' Finsternis ahnungslos Vordringenden plötzlich ver- schlingt. Es mag gefahrvoll sein, in unerforschten Landen sich einen Weg zu suchen, mühselig und unsagbar schwierig, die Zugangsstreckc nach dem Nordpol zu finden: wer indessen in das dunkle, kartcnlose Land des Erdinnern eindringt, hat mehr Gefahren, mehr Mühseligkeiten und Beschwerden zu überwinden als irgendein Afrika- oder Grönlandreisender. Es bricht jetzt schon viel Wasser durch das Gefügc des Berges ein: wir müssen bald mit Pumpen beginnen. Es wird also Ernst mit der maschinellen Anlage. 'x* Heute kam ein entrüstetes Schreiben von Powell. Ter gute Mann ist ganz außer sick. Die Mine soll erst rentabel sein, dann wäre an weitansschaucnde Projekte wie das mit der Verlängerung der Eisenbahn von Taviche zur Maria Carmen zu denken. Nun ja: die Bahngesellschaft hat trotz aller unserer Mühen, Besprechungen und Reisen recht weit- gehende Forderungen gestellt, und wir hätten das Kapital des Jmparcial ganz bedeutend erhöhen müssen. Allerdings wird die Rentabilität unseres Betriebes in den ersten Jahren arg leiden, bis die Bahn wirklich fertiggestellt ist: und diese Verluste sind uneinbringlich. Aber es heißt sich bescheiden. Indessen ist es mir persönlich sehr, sehr schmerzlich, daß Powell von meinem schönen Waldplane, von unserer Hacienda im Hochgebirge nichts wissen will. Selbst wenn der ganze Jmvstrcial bankrott inachen sollte, wäre dies doch ein gar- köstlicher, lohnender Besitz. Aber der Teraner ist für Geld- ausgaben nicht zu haben. � Stuart knirscht mit den Zähnen vor Ingrimm. Er verspricht mir, daß wir übers Jahr den Wald haben werden, lvcnn die Gelder für die ersten Erz- Verkäufe eingehen. ihr Abendbrot mit mir, wofür ich ihnen als Gegengabe einige Pakete flämischen Tabak überließ. Nach einer lebhaften Unter- Haltung überwältigte mich der Schlaf. Ich hatte etwa vier Stundne geschlummert, als mich sehr laute Geräusche auftveckten. Die Pferde wurden aus dem Stall geholt, um Geschütze und Munition in die Gegend von A r r a s zu schaffen. Ich hatte nun die Wahl, weiter zu schlafen oder den Transport zur Weiterreise zu benützen. Aber ich entschloß mich zu letzterem. Morgens waren wir in Villers, dem Zentrum der Kämpfe. In winzigem Abstand waren die Leute im Feuer; zu Souchez und Carcncy wurde heftig gekämpft. Es war, als ob die ganze Gegend in Brand geraten wäre. Ter Schall des Kanonen- und Gefchrfeucrs wurde von den Hügeln und Mauern hundertfältig als Widerhall zurückgerufen. Es ist hier nämlich Sitte, die Gärten und Höfe mit kräftigem Mauerwerk einzufriedigen, und das ist ein Grund, warum fogar abgelegene Gehöfte jeweils zu Stützpunkten ausgebaut werden. Die Maucrwerke werden noch extra verstärkt und als Deckung für Maschinengewehrstcllungen eingerichtet. So war der Friedhof von Carency zu einer Art Forts umgestaltet. Die Deutschen hatten hier mancherlei Kriegsmaterial zusammengebracht und trachteten, diese Stellung unter allen Umständen zu halten. Die Verbündeten warfen aber stets mehr Truppen nach dieser Richtung. Schon rückten die Franzosen von drei Seiten heran, um womöglich die Deutschen von ihrer Basis abzuschneiden. Das kostete allerdings Massenopfer. Doch aus den Gesichtern der Verwundeten, die zurückkamen, sprach ein Glanz von Triumph, und uoch vergnügter waren die, lvelchc die Gefangenen hinter die Front zurückbrachten. Zufolge einer flüchtigen Zählung sollten es schon über 2000 sein. Die Verwundeten zählten nach Hun- derten, die an uns vorbeigebracht wurden. Ich vernahm, daß der Kirchhof von den Franzosen genommen wurde. Nun liegt Careucy knapp nördlich von Arras. Man scheint also einen artilleristischen Ring mit ArraS als Mittelpunkt zu planen, um die vielen Straßen. die von da anszweigen, beherrschen zu können. Arras liegt wie eine Riescnspinne in diesem Straßennetz. Das Terrain ist durch die vielen Bodenerhebungen besser zu verteidigen als in Flandern. Da ist es um so bemerkenswerter, wenn man an den heldenhaften Widerstand der Belgier im Oktober denkt. Geht aber hier eine Position verloren, so ist es auch ein schwerer Verlust, da dem Feind dann die günstige Position zugute kommt. Inzwischen versuchte ich näher ans Gefechtstcrrain heran- zukommen, was zwar nicht leicht war, aber da man sich setzt im Vorteil befand, hatte man nichts dagegen, daß ich den Erfolg der Welt kund tun wolle. Ich hatte also den Vorzug, den Kampf aus nächster Nähe beobachten zu dürfen. Im Lause des Montag nachmittag kamen deutsche Truppen aus der Richtung Lens-Douai, um als Verstärkung zu dienen. Die großen, ungeheuren Autos waren bereits auf großen Abstand sichtbar und manch einer fand wohl schon den Tod, ehe er das Geftchtsgebiet gesehen hatte. Viermal versuchten sie in großen Angriffen die verlorene Position wieder zu erobern, mußten aber immer wieder zurückweichen. Auch dabei wurden Hunderte von Gefangenen gemacht. Zuweilen glichen die umliegenden Täler den Kratern feuerspeiender Berge. Stahl, Eisen, Erde und Menschen, alles flog mit donnerndem Getöse in die Luft. Eine Hölle der Vernichtung, ein Chaos von Tod und Verderben war alles ringsum auf einen Quadratkilometer Erde. Die ganze Gegend zitterte von Explosionen und noch immer währte der Kampf. Von Ruhe war an keiner Seite die/ Rede. Als die Abendsonne die Hügel in Glut tauchte, war»ran noch im heftigsten Gefechte. Nie sah ich solche Massen in die Schlacht gehen wie hier in dieser kurzen Zeit. Die Soldaten, die ermüdet aus der Front zurückmußten, bebten am ganzen Körper von den erlebten Aufregungen. Mit verzogenem Gesicht und verwilderten Blicken sabcn sie um sich, um dann plötzlich abgemattet in bleischweren Schlaf zu verfallen. Erst danach' wurden sie mit Milch erfrischt und nachher gespeist. Als endlich die Lust zu dunkeln begann und die Erde samt ihren menschlichen Hebeln und Scheußlichkeiten mit einem Schleier bedeckte, mußte auch ich abbrechen. Tief erschüttert und zitternd am ganzen Körper entfernte ich mich, um irgendwo für eine Weile Ruhe und Schlaf zu suchen....(Deutsch von Julius Zerfaß.) Ueber einige Ausgaben für meinen Garten, die in den Abrechnungen erschienen, machte Powell ebenfalls seine sar- kastischcn Bemerkungen. Hier hat er aber kein Recht, da- zwischenzureden: die Beträge sind zu klein! Ach, was versteht der Mann von unseren Nöten, unseren Sehnsüchten, unseren Hoffnungen! Und wenn er sie wüßte, sie würden ihn nicht rühren. Er weitt ferne, man hört und sieht ihn nicht, und doch ist er der Meister des Jmparcial, durch die Macht des Kapitals unser aller Herr. Euer höchster Gott ist das.stapital— das ist die Ordnung der Dinge in unserer Zeit. Und manchmal steigt eine unbestimmte Furcht in mir auf, daß Powell es nicht allzu wohl mit uns meint, daß er die Macht, die ihm gegeben, arglistig gegen uns verwenden möge; doch Stuart beruhigt mich:„Ohne die persönliche Arbeit ist eilte Mine wertlos; da sind wir also die Stärkeren/''. �.......'«TV-'- W*. Ich sehe auf eine bewegte Spanne Zeit zurück, und ich kann des vielen Geschaffenen und Geplanten, ja selbst Er- lebten nur flüchtig gedenken. Ich habe die letzten Wochen sehr fleißig sein müssen, da meine eigentliche Tätigkeit bc- gönnen hatte und mir vieles gar neu gewesen ist. Nun aber sind die Arbeiten alle im Flusse, und ich habe es jetzt leichter: ich beaufsichtige nur uoch und lasse die anderen für mich schaffen. Als Maurer sind unsere Leute, diese heißblütigeil Mestizen, ganz außerordentlich gelehrig: in dem toltekischen Stammvolke muß eine eigenartige Begabung für das Hand- werk mit Stein und Mörtel liegen. Sobald die braunen Gesellen einmal begriffen hoben, was mau will, entsteht das Werk über Nacht. Nicht ohne Ursache wird in Mexjko so schön gebaut. Und eS freut mich zu sehen, wie alles um mich herum aufwächst. Pläne und Risse, die nur aus dem Papiere stehen, sind wie Schatten und Gespenster, die unsere Träume beängstigen; erst wenn ihnen die Ausführung wird, entflammt das Leben, das die Wärme, die wir ihm geben, dankbar zurückstrahlt. Daß ich mir einmal als Maurermeister mein Brot verdienen müsse, das hätte ich mir noch vor einem halben Jahre nicht träumen lassen, und daß eS mir dabei so wohl lein könnte, wäre mir noch unwahrscheinlicher erschienen. Aber was bin ich nicht schon olles gewesen, seitdem ich in dieses Land gekommen! Vom Eiscnhochbau bei Baker will ich ganz schweigen: das war ja noch Jngenicurarbcit, Wenn sie auch außerhalb meines eigentlichen Faches lag. Jedoch im Minen- lagen Bergbau, spanisch-englische Korrespondenz nebst Schreibmaschine, Holzfäller, Maurermeister! Das ist wirklich viel für so wenige Monate! Aber es dreht sich ja alles um eine Achse, zielt olles aus einen Zweck: die Entwickelimg der versunkenen Maria Carmen zur großmächtigeu Silber- grubc.—(Forts, folgt.). Kleines Feuilleton. Der ersie Kriegsberichterstatter. Wenn die italienische Heeresleitung in diesem Kriege, im Gegen- satz zu J5er unsrigen, beschlossen hat, keine Vertreter der Presse in ihrem Hauptquartier zuzulassen, so musz ein solcher Beschlusz um so eher auffallen, als gerade Italien das Vaterland der modernen 5triegsberichterstaltung gewesen ist. Es ist wenig bekannt, daff die Kriegsborichtcrstattung im heutigen Sinne in den Kriegen der italienischen Renaissance bei den Heeren der„Condottieri" ge- schaffen worden ist. Sie ward nach Jakob Burckhardt„aus der neutralen Freude an der korrekten Kricgnibrung als solcher" geboren, und die meist noch ungedrucki in den Archiven modernden Berichte haben manche lehrreiche Einzelheiten bewahrt. Der erste Kriegsberichterstatter im modernen Sinne war der Literat Giantonio Porcello de Pandoni, der während des mailändisch-venezianischen Krieges von 14S1 und 14o2, zwischen Franz Siorza und Jakob Piccinino, im Auftrage des Königs Alfons von Neapel dem Haupt- quartier des letzleren folgte mit dein Auftrage,„Relationen" zu verfassen. Sie sind fliehend und geistvoll geschrieben, aber das Zeitalter des Humanismus verleugnet sich auch hier nicht: vielleicht auch aus diplomatischen Rücksichten muhte sich Piccinino bequemen, überall Scipio, und der Sforza von Mailand Haniiibal zu heihen. Obgleich nur bei den Venetiancrn beglaubigt, sollte Pan- doni auch über das mailändische Heer„objektiv" berichten; er lieh sich also nach Simonetla bei Franz Sforza melden, wurde„die Reihen entlang geführt, lobte alles höchlich und versprach, was er hier gesehen, ebenfalls der Nachwelt zu überliefern". Diese dilettierenden Kriegsberichterstatter erwarben sich oft be- achtenswerte militärische Kenntnisse: einer von ihnen war auch der berühmte oder berüchtigte Macchiavelli, der dann neben anderen kleinen militärischen Schristeir eine„Kriegskunst in sieben Büchern" verfahte. Diese Kriegsberichterstalter verbreiteten sich in ihren Depeschen(ihre Berichte tvurden durch besondere Eilboten ab- gesandt) auch schon iiber„die Bewohner der einzelnen Landschaften und Städte nach ihrer Kanipsesweise, Widerstandsfähigkeit und ihrer Produktion von Kriegsgeräten" ganz wie heute. Aber diese erste schnelle Bliite der Kriegsberichterstattung überdauerte die Re- naissance nicht. der amerikanisthe Waffenschacher. Der bekannte amerikanische Kriegsberichterstatter Oberst Edwin Emerson sprach vor kurzem in?!ew Jork vor der„American Truth Society" über den amerikanischen Waffenschacher. Er begann seine Rede damit, daß er bat, ihn als ciire Autorität in Sachen Waffenhandel zu betrachten, da er Offizier in der ameri- kaniscben Miliz sei und sich ein Leben lang mit diesen Fragen beschäftigt habe. Dann sagte er unter anderm: Als Soldat in Roosevells Regiment erhielt ich auf Kuba die Feuer- taufe. Wir Amerikaner wurden damals mit amerikanischen Kugeln beschossen, die obendrein noch Dum- Dums waren, während'die spanischen Geschosse glatte und reine Wunden verursachten. Später fuhr ich nach Venezuela, um auch dort unter das Feuer amerika- nischer Schnellfeuergewehre zu kommen. Bei den südamerikanischen Revolutionen haben fast� immer Agenten amerikanischer Waffen- fabriken die Hände im Spiel; sie sind es, die aus geschäftlichen Gründen die Revolutionen anstiften. Die Frage einer iüdamerika- nischen Rebellion ist selten nur ein innerer nationaler Streit, son- dern in den meisten Fällen eine Frage nordamerikanischer Waffen und Munition. In Panama sind 2g Revolten durch Amerikas Waffen angezettelt worden, in Uruguay noch viel mehr. Die Revolutionen in Mexiko brachen erst aus, als die dreißigjährige Herrschaft des Präsidenten Diaz durch amerikanische Waffeneinfuhr untergraben wurde. Seither ist ganz Mexiko in Aufruhr, weil Winchester-Gewehre, Munition und anderes Kriegsmaterial in Fülle vorhanden sind. Und die Revolten werden dort nicht eher aufhören, als bis der Vorrat verschossen ist und die Einfuhr ausbleibt. Selbst die Waffen, deren Einfuhr wir in Veracruz verhindern wollten, wofür 18 amerikanische Matrosen ihr Leben opfern mußten, waren nicht etwa, wie man angenommen halte, von deutscher Herkunft; sie waren zwar auf deutschen Schiffen herangebracht worden, aber es waren unsere eigenen Waffen, die über Odessa, Hamburg und Havanna nach Veracruz gelangten." Emerson sprach dann über die Frage, ob es gerechtfertigt sei, Waffen an kriegführende Nationen zu verlaufen. Besonders besprach er die kürzlich in Washington gemachte Erklärung, daß ein Aussuhr- verbot jetzt im Kriege einem Bruch der Neutralität gleichkäme. Er wies darauf hin, daß oft Ausfuhrverbote in Kriegszeiten erlassen wurden: von Washington im Jahre 1793, von Madison im Jahre 1808, von Jefferson im Jahre 1899, von Lincoln während der mexikanischen Kriege, von Roosevelt im Jahre 1903 und von Tast im Jahre 1912. Er wies ferner darauf hin, daß es lächerlich sei, einer Nation den Waffenhandel zu verbieten, den einzelnen Individuen aber zu gestatten, Kriegsmaterial in ungeheueren Mengen an den Strohmann einer anderen Nation zu verkauten. Waffen seien so gut oder so böse wie Gfft, und wenn der Gisthandel kontrolliert werde, müsse auch der Waffenhandel unter staatliche Aussicht kommen. Im Verlause seiner Rede machte Emerson auch die Mitteilung, daß er kürzlich in Jtbaca, wo Flugzeuge für Eng land hergestellt würden, um die Erlaubnis gebeten habe, eine Fahrt zu machen; er habe aber den Bescheid erhalten, daß die Flugzeuge bereits englisches Eigentum seien und von englischen Offizieren überwacht würden; die Erlaubnis zu einer Fahrt könne infolgedessen nur der britische Botschafter oder der britische Generalkonsul geben. Die Ergebnisse der Probeflüge hätten die britischen Besteller so be- friedigt, daß die ursprünglich aus 100 000 Dollar lautende Bestellung auf 200 000 Dollar erhöht worden iei. Vor Emersons Rede hatte der Vorsitzende der Versammlung in einer Ansprache die verfängliche Frage gestellt, ob den Amerikanern der Dollar wirklich höher stehe als das Sternenbanner, und ob der Buchstabe„L" in ,17. L. A." Schuß, Schrapnell oder Schlacht bedeute... konnte aber das Erockerland, wenigstens an der Stelle, die Pearh bezeichnet hatte, nichr wiederfinden. Möglicherweise beruht die Eni- deckung Pearhs auf einer Sinnestäuschung. Die erste Hitzeperiode. Ziemlich lange hat es in diesem Jahre gedauert, bis zum ersten Male im größeren Teile des Landes eine allgemeine starke Er- wärmung eingetreten ist. Erst die Periode heileren und ruhigen Hochdruckwetters, die vor den Psingsttagen begonnen hat, hat all- mählich die Temperaturen zu sommerlicher Höhe emporsteigen lassen. Nachdem Mittwoch von Frankreich au-Z ein Teilticf ostwärts vor- gedrungen ist, das sich an eine andere über Nordeuropa verlagerte Depression angliederte, wurde die Wetterlage unbeständiger, und es kam zu Gewitterneigung. Fast überall wurden 23 Grad Wärnie überschritten, so daß in den meisten Landesteilen der erste Sommer- tag dieses Jahres zu verzeichnen war; stellenweise stieg das Queck- silbcr bis zu 23 Grad Celsius empor. In der Nacht zu Donners- tag hat sich zwar im Westen und im Küstengebiet nach dem Vor- Übergang der Depression der Himmel bewölkt, und auch die Temperaturen sind dort beträchtlich gesunken; doch dauerte Donners- tag in Süddeutschland und im östlichen Binnenland das sehr warme Wetter noch fort. Die Abkühlung wird sich aber nunmehr rasch über ganz Deutschland verbreiten. Notizen. — Theaterchronik. Die Volksbühne bringt als nächste Ncuaufführung die Komödien„Die Lokalbahn" und „Die Medaille" von Ludwig Thoma, die am Sonnabend, den 3. Juni, zum erstenmal in Szene gehen werden. — M u s i k ch r o n i k. Das zweite Gastspiel Leo Slezaks im Deutschen Opernhause findet am 6. Juni und am 8. Juni statt. Am ersten Tage wird er den Manrico im„Trouba- dour", am zweiten den Eleazar in der„Jüdin" singen. — d'Anirunzio polnischer Abstammung? Das „Neue Pester Journal" berichtet, daß der größte Kriegsschreier Italiens gar kein Italiener, sondern der Sohn eines Advokaten aus Russisch-Polen namens Rappaport sei. Der Vater des Dichters stand in den Dienste» des ehemaligen Ministers des Aeußern Grafen Goluchowski. Von dessen Besitzungen siedelte er dann nach Rom über, wo er den Namen Rapacci annahm. Erst seinem Sohne blieb es vorbehalten, das tönende Adelsprädtkat anzunehmen. — Wieder verschollenes Land. Peary, der Entdecker des Nordpols, hatte auf seiner Expedition im Jahre 1906 von Kap Thomas Hübbard aus in nordwestlicher Richtung gebirgiges Land gesehen und es auf der Karte in einer Entfernung von 130 Meilen von Kap Thomas Hübbard als Erockerland eingezeichnet. Um dieses neuenldeckte Land näher kennen zu lernen, haben nun im ver- gangenen Jahre die Amerikaner eine Expedition ausgerüstet. Sie Schach. H. R i n ck. Weiß zieht und gewinnt. Lösung. iLoXP? ffs-gs-g lgS— TJ1'2P— IaS'S "iXS ff-pu+89X5PS'f fS-QJH 80S"I Französisch. Dr. Kaufmann. Reti. 1. e2— 64 e7— e6 2. d2— d4 d7— d3 3. Lfl— d3..... Am stärksten ist wohl entweder eXäö oder 3. Lc3, 1316; 4. eXdö. 3...... c7— c5 Dies ist zwar am üblichsten, aber einfacher und besser ist: 3..... dX®4; 4. LXe4, 816 und nun erst c7— c5, wodurch der isolierte Ld5 vermieden wird. 4. 64Xd3 Dd8Xd5 Hiermit sucht Schwarz den isolierten Udö nach 4...... eXd5; 5. dXo3:c. zu vermeiden. Dies war jedoch vor» zuziehen, denn der Tertzug verliert durch Exponierung der Dame einige wichtige Entwicktungstcmpi. 3. SM— c3..... Das Bauernopfer erlangt jeden- falls einen beträchtlichen Entwicklungs- vorsPrung als Kompensation. 3...... I)d5Xd4 Nicht DXg2? wegen der Antwort Des mit Damcngewinn. 6. Sgl— f3 Dd3— d8 7. Lei— 14 Man sieht nun, dag Weih lm Gegen- jatz zuSchwarzsämtliche kleine Figuren schon entwickelt hat. Schwarz hat deshalb ein schweres Spiel. 7...... Sg8-f6 8. Ddl— e2..... Macht dem Tal Platz und verhindert SIS— dö, SXS, e6Xdö. 8...... SbS— c6 9. 0—0 L£8— d6 Nach 9..... Sd4; 10. SXS, cXd4: 11. SbS, SdS; 12. Lea geht Ld4 verloren bei schlechter Stellung. 10. Lk4Xd(3 nd8Xd6 11. Tal— dl Dd6— 14 Dies kostet noch ein Tempo und war besser mit I)s7 zu ersetzen. 12. Sc3— e4 Sf6Xe4 Es drohte g2— g3 nebst SXSf oder Sd6f, je nachdem wohiu Ok4 ausweicht. 13. Ld3Xs4 0-0 14. Tfl-el Df4— c7 13. De2— c4..... DaS Opfer 15. sehr chancenreich: 16. Sg5f, KgS; 18. Dblf, Tis LXblf ist zwar 15...... KXL: 17. DbS, Td8; 19. DbSf, KeT; 20. DXg7:c. Aber Weiß steht so gut. dag er keine unberechenbaren Opfer nötig hat. 13...... b7— b6 Bereitet den nächstfolgenden Fehler vor. Etwas besser war Sa5 oder auch einsach Ld? mit Herausgabe des Bauern, um endlich" zur Eni- Wicklung zu gelangen. 16. Tdl-d3..... Weiß konnte auch mit 16. b2— b4 den Bauer sofort zurückgewinnen. Aber er merkt die sehlcrhaitc Absicht des Gegners und sucht ihn durch keinen direkten Angriff zu bcschästigcn, oamit er seine Absicht ungestört aus- führen kann. Eine häusig vor- kommende List. 16...... Lc8— b7? Dies jährt sofort zum Verlust. Jeder andere plausible Zug wie Ldk oder g6 oder a5 hätte den Widerstand verlängert.. 17. Ls4Xü7-f! Kg8Xii7 18. Dc4— b4t Kh7— gS 16...... Kg6; 19. Dg5f, Kh"; 20. Dhöf, KgS; 21. Sg5:c, ändert nichtS. 19. Sf3— gö Tf8— d8 20. Dh4-b7t KgS— 18 21. Dh7— hSf Kf8— e7 22. TelXeßjü..... Man uei aleichc die'Anmerkung zum 15. Zuge. Würde der schwarze Läuscr noch den Bs6 decken, so könnte der Textzug wegen LXT nicht geschehen. 22...... 17 Xe6 23. Dh8Xg7t Ee7-e8 24. Dg7— g8t Ke8— e7 25. Dg8— 17 4= Die Russen und öie polnischen Iuöen. Die in Berlin erscheinende Zeitschrift„Tie Jüdische Presse" veröffentlicht einen dritten„offenen Brief" des Feidrabbincrs Dr. A. Levh an„The Amerika» Hebrcw" New Uork: Nachdem schon in den früheren Veröffentlichungen urkundlich nachgewiesen war,„daß die russische Soldateska aus die wehrlosen Juden gehetzt, an diesen Grausamkeiten verübt hat, die an Ver- tievtheit und Raserei grenzen, daß das Russische Reich sich mit dem unsdjuldigen Blut zahlloser Juden befleckt und den ganzen Tief- stand seiner Kultur durch die Greueltaten plündernder Kosaken und blindwütiger Horden vor entsetzten Augen der Mitwelt aus- gedeckt hat," bringt der dritte Brief eine Fülle neuen Bcloeis- Materials darin, daß die Zerstörung jüdischen Lebens und jüdischen Gutes sich wie eine verheerende Welle durch ganz Polen wälzte. Es heißt darin unter anderem:„Ich war vor kurzem in Kier- niocia. Man führte mich dort in einen kleinen Garten. Es war der Garten des Ortsrabbiners. Dreizehn frische Gräber waren dort aufgeworfen, Gräber von erschlagenen Juden, die von den Russen niedergemacht und in Löchern verscharrt worden waren; nach dem Einrücken der Deutschen wurden sie exhumiert und in Kicrniocia beigesetzt, wo ihre Gräber in ihrer stummen Sprache erschütternde Anklage erheben gegen russisches Barbarentum. � In Lenczyka zogen in eiaicr plovcmbcrnacbt die russischen Sol- daten raubend und plündernd durch die Straßen der Stadt. Als sie sich dem Hause einer Familie Blum näherten, verriegelte deren 18jährige Tochter die Tür. Ein Soldat schoß unb zerschmetterte dem jungen Mädchen einen Arm, der später abgenommen werden mußte. Ein in demselben Hause wohnender Feldscher Abram Solnc eilte zum Arzt, um Hilfe zu holen. Er wurde, obgleich er als Mitglied des russischen Roten Kreuzes die weiße Binde trug, von den Kosaken verhaftet, und rurter Anklage der Spionage gc- stellt. In seiner Wohnung wurde indessen viel Geld, Gold, Silbcr und Kostbarleiten geraubt, seine Frau und Kinder, auch ein junger Bruder, mißhandelt. Aus der Kommandantur sollte er seine Schuld durch Unterschreiben eines ihm vorgelegten Schriftstückes bekennen, und als er sich weigerte, wurde er geprügelt und ein- gesperrt. Am dritten Tage brachte man ihn, an Händen und Füßen gcsejselt, nach Lodz, wo sein vom Kuttwer Etappcnkomman- danten verhängtes Todesurteil bestätigt und vollstreckt werden sollte. In der Umgebung des Lodzcr Ortskommandanten befand sich eine Dame, eine Französin, von der bekannt war, daß sie auf den Offizier großen Einfluß besaß. Die verzweifelte Frau des Verurteilten wandte sich an diese, und mit Bitten und Beschwörung und einer Summe von tausend Rubel gelang es ihr, das Herz der Dame zu rühren, und der Feldscher wurde freigegeben. In Kutno wurden drei Juden, Jsak und Abrain Donianowicz und der 40jährige Witkowski vom Landrat verkästet, weil sie die Deutsäfen bewirtet hatten. Nach Lowicz gebracht, wurden sie zu 30 Knutcnhieben verurteilt. Einer der beiden Brüder wurde im Anschluß mi die Exekution so schwer mit Stöcken mißhandelt, daß er am anderen Tage starb. Die beiden anderen entgingen diesem Schicksal dadurch, daß sie unmigekleidet vom Ridztplatz flüchteten. In der Nacht vom 11. zum 12. Oktober drangen fünf Kosaken in das dortige Beth-Hamidrasch ein, wo die Juden zum Gebet ver- sammelt waren, schlugen die Scheiben entzwei und bedrobten die Juden, die entsetzt durch die Fenster flüchteten. Ein alter 60jähriger Lehrer erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Am 11. Oktober kamen die Kosaken in die Wohnung des einige 30 Jahre alten Meilich Hirschbcrg, verwundeten ihn mit einer Lanze, und der Jude wäre gelötet worden, wenn er nicht mit 75 Rubel sein Leben freigekauft hätte. In Glowno wurden im'November alle jüdischen Läden ge- plündert, die Juden mißhandelt und der Feldscher Abrain Rosen- berg mit seinen beiden Söhnen verhaftet. Ter Rabbiner begab sich mit dem polnischen Ortsgeistlichcn zun: Kommandanten, um jicki für die Verhafteten zu verwenden. Dieser wies ihn ab mit den Worten:„Wir wissen, tvas Ihr Inden mit. den Deutschen tut; Ihr geht ihnen entgegen und behandelt sie wie Gäste." Nach einer halben Stunde ivar der 49jährige alte Rosenberg tot, was mit seinen Söhnen geschehen ist, weiß man nicht. Am 6. Dezem- ber kam eine Abteilung Tscherkeffen, holte die in die Keller ge- flüchteten Inden nebst Frauen und Kindern hervor und stellte sie zum Erschießen in Reih und Glied auf. Mit viel Mühe und Geld gelang es den Juden sdjlicßlich, das Unheil abzuwenden. In Gombin, wo der Kammandant sich mit den Worten rühmte: „Mein Gericht ist nicht gerecht, aber schnell!" wurde Ende sttovem- ber ein junger Mann namens Zelonka in der Stadt erschossen; drei andere, der 30jährigc Klempner Holzmann, der 22jährige Schneidcrgescllc Woidislawski und der 40jährige Lastträger Wein- groß wurden verhaftet, auf dem Rückzug mitgeschleppt und unter- megs getötet. Ein 22jährigcr Poznanski wurde festgenommen und weggefübrt.«ein«chicksal ist bis zur Stunde unbekannt. Ein junges Mädchen wurde geschändet. In Soriki wurden zwei Juden festgenommen und fortgeschleppt. Was mit ihnen geschehen ist, weiß man nicht. Auf der Straße von Plock nach Boranow fuhren zwei Inden. Unterwegs begegnen ihnen die Russen, sie wurden verhaftet, drei Tage bindurckj mißhandelt und schließlich bei Bo- canom aufgehängt. Auf dem Wege von Bolkolv nach Sloczeiv wurde ein jüdischer Handelsgehilfe �und ein Selig Lachs ans Bol- eow aufgcgrisscn und getötet. Sechs jüdische Kausleutc aus Sulijow hatten in Dobrzhlin Zucker gekauft und wollten ihn auf ihren Wagen nach Hause fahren. Sie sind nicht zurückgekehrt, auf dem Friedhof in Lowicz liegen sie begraben. Die Russen haben sie untertvcgs getötet. In Sloczew wurde der Jude Helfant auf dem Hofe des Hausbesitzers Kempinsky aufgehängt, weil er den Deutschen Proviant geliefert hatte. Seinem Sohne sollte dasselbe Schicksal bereitet werden, es gelang ihm aber, zu entkommen. In Lodz wurde Abrain Simchc Kohan an einem Freitagabend aus dem Kreise seiner Frau und zehn Kinder fortgeschleppt und getötet, der Klempner Meier Blechmann wird getötet, weil er an- geblich das Telephon beschädigt hatte. Ein dritter Jude, Meilech Ellenberg, ein harmloser«tubengelehrtcr, wurde wegen Spionage- verdacht eingesteckt, der auf die in seiner Wohnung gefundenen dent- scheu Zigarren gestützt wurde. Er wurde zum Tode verurteilt, gc- fesselt an einen Baum gebunden und mußte dort in bitterkaltet Dezembernacht ohne Mantel und warme Kleider vierzehn Stunden lang stehen bleiben, gepeinigt von blutigem Hohn russischer Sol- daten. Ein Offizier trat an ihn heran, faßte ihn an der Kehle und bemerkte kalt lächelnd:„Die wird den Strick schon aushalten." Mit großer Mühe gelang es noch in letzter Stunde einer Lodzer Persön- lichkeit, den Unschuldigen vom Tode zu retten. In Kielcc legte der Kommandant eines dort eingerückten Kosakenregiments den Juden eine Kontribution von 100 000 Rubel auf, und als zur festgelegten«tunde die geforderte«umme nickit hinterlegt war, bestimmte er für jeden weiteren Tag eine Extra- strafe von je 5000 Rubel. Derselbe Kömmandant hielt in der ganzen Umgegend aufrührerische Reden gegen die Juden. So forderte er in der Kirche von Jarnow die Anwesenden zu Gewalttätigkeiten gegen die Jugen auf, nach dem Krieg würden sie auch von der Re- gierung für diese Taten belohnt werden. Nur durch das Eintreten des dortigen polnischen Pfarrers wurde ein Blutvergießen ver- hindert. In Jerzow wurde Mordechas Januschewitsch und Meilech .Herschenberg aufgehängt, zwei Juden werden vermißt. In Przesucha drangen die einziehenden Truppen in die Wohnungen der Juden ein, schlugen entzwei, was sie nicht rauben konnten und schändeten Frauen und Mädchen. Am 20. Ottober kamen die Russen nach Sochaczew, neun Tage haben sie geplündert und mißhandelt, und kein Jude durfte sich auf der Straße sehen lassen. In Lowicz wurde ein achtzehnjähriger junger Mann, namens«alz, am 11. Oktober �auf dem Weg vom Gottesdienst nach seiner Wohnung verhaftet,«päter fand man ihn als Leiche außerhalb der Stadt. Die Russen hatten ihm den Schädel gespalten. In Jamny bei Lowicz zeigten die Bauern ein Grab, in dem ein Jude bestattet war und erzählten, die Russen hätten auf ihrem Rückzug diesen Juden mitgeschleppt und beim Dorfe aufgehängt. Die Leiche ist jetzt auf den Friedhof in Lowicz übergeführt worden. Mitte September trafen die Russen den fünfundzwanzigjährigen Wilczynski aus Sompolno auf einem Rade fahrend. Radfahren eines Juden ist bei den Russen erwiesener Spionageversuch. Wilczynski wird fest- genommen, mit Säbelhieben erschlagen und in einen Wassergraben geworfen. Auf dem Wege von Piotrkow nach Sompolno wurde der Jude Radziejewski, Vater von sechs Kindern, lebendig begraben. In Domje war der Jude Altschul eines Tages spurlos verschwunden. Nach dem Einrücken der deutschen Truppen kam eine christliche Frau zu den Juden und meldete ihnen, ein Jude sei von den Russen lebendig begraben worden. Man fand tatsächlich die Leiche. Die Augen waren ausgestochen, die Nasenlöcher zugestopft, der Körper zertreten und in einen«ack gesteckt. In Domje hat jetzt Altschul ein ehreiwolles Märtyrcrgrab gefunden. Der Brief schließt: Einen Kommentar diesen Tatsachen hinzuzufügen, erscheint mir überflüssig- Sie reden ihre eigene«prachc, die keinen Widerspruch duldet. Sic geben eine Ahnung von der furchtbaren und allgc- meinen Katastrophe, die die Juden in Polen getroffen hat und die sie überall dort noch trifft, wo russische Truppen stehen und ihre schwere Faust in der blutigsten Weise die Juden fühlen lassen. Lodz, den 16. Mai 1913. Fcldrabbiner Dr. A. Levh. Lerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für dez? Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag:Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW.