Nr. 128.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Freitag, 4. Juni. Krieg und Naturgejchichte. Unsere westlichen Nachbarn belegen uns mit dem Schmeichelwort ,.Kc)cdss''. Es ist dies eine Verstümmelung von edbocsts, unter welcher Bezeichnung der Pariser ein widerliches, stechendes Insekt versteht. Der Brauch, ungebetene Gäste mit irgendeinem Beiwort zu bedenken, ist nicht neu und hat sein Analogon auch bei uns. Immer aber,� wenigstens in den weitaus meisten Fällen, wählt der Ein- heimische für den Fremdling eine Bezeichnung, die etwas Wider- wärtiges, zum mindesten etwas Furcht- und Entsetzenerweckendes andeutet. Nur wenige Fälle sind bekannt, in welchen solche„Spitznamen" nichts derlei an sich haben. Ich denke hierbei an die Bezeichnuiig„ K o s a k en v o g e l" für die Haubenlerche, jenen Feldbewohner, der mit Beginn des Winters die kahle Flur verläßt und sich in den Ortschaften ein- findet. In Thüringen glauben die Landleute, sie sei 1813 mit den Russen ins Land gekommen. Anfänglich wurde diese Lerchenart nur iip den östlichen deutschen Gebieten beobachtet und verbreitete sich erst nach und nach westwärts. Man kennt die Geschichte ihres Ein- wanderns in das cisalpine Europa ganz genau, und erforderlichen- falls könnte ihr Vordringen nach Westen und die Angabe ihres Er- schcinens in den einzelnen Gebieten mitJahreszahlen belegt werden. Dieses schmucke Vögelchen hat indessen mit den russischen Kosaken nicht das mindeste zu tun; es ist ursprünglich ein Steppenbewohner und folgte dem Getreidebau. Neben dem Kosakenvogel der K r i e g s v o g e I. Mit diesem Namen bezeichnet das Volk den blauen stattlichen Seiden- schwänz._ Das scheinbar rätselhafte, plötzliche Erscheinen und das ebenso plötzliche, spurlose Verschwinden der Seidenschwänze in gewissen Jahren, das Ausbleiben in anderen, für das man ebenso- wenig eine einleuchtende Erklärung fand, mußten die Phantasie des Volkes anregen. Es langte in die Rüstkammer seines Aberglaubens und suchte darin nach einem Maße, mit welchem jene Erscheinungen wohl gemessen werden könnten und es fand eins. Das war die ominöse Sieben. Die Vögel treten in Zwischenräumen von mehreren Jahren auf. Von wieviel Jahren wohl? Flugs die 7 her: alle sieben Jahre stellen sie sich ein. Die 7 ist eine böse Zahl, also kann das Erscheinen der Seidenschwänze unmöglich etwas Gutes, sondern muß etwas Schlechtes bedeuten, aber etwas Schlechtes, das nicht nur einzelne der Bevölkerung be- trifft, sondern diese in ihrer Gesamtheit. Das sind bloß Miß- wachs, Pestilenz und Krieg. Folglich ist der Seidenschwanz ein Pest-, Toten- und Kriegsvogel. Auch in diesem Falle beruht die Annahme des Volkes natürlich auf Irrtum. Der durch den Winter hervorgerufene Mangel an Lebensmitteln scheucht auf der nördlichen Erdhälfte alljährlich eine beträchtliche Anzahl von Vögeln südwärts. Manche dieser Wintergäste erscheinen alle Jahre, andere bloß in kalten und schneereichen Wintern, und sie ziehen um so weiter nach Süden und erscheinen in um so größeren Massen, je kälter und schneereicher die Winter sind. Ein derartiger Wintergast ist der Seidenschwanz. Ganz anders verhält es sich mit etlichen widerlichen Insekten- arten, die wir, wie die volkstümlichen Namen der Tiere erkennen lassen, ebenfalls dem Osten verdanken. In so manchem Privathause der Großstadt und den Speichern der Handelshäuser leben zwei Jnieklenspezies, die der Deutsche, wenn er nicht Naturforscher ist, „Schwaben" nennt. Die Wissenschaft nennt sie nach Plinius' Bezeichnung Blatta.— Schaben. Die eine Art, die deutsche Schabe, ist von schmutzig-lehmgelber Farbe. Man hört die kleinen Schaben wohl gelegentlich einmal bei uns „Russen" nennen; die Russen nennen sie allgemein„Preußen" und behaupten, die aus dem Siebenjährige» Kriege heimkehrenden russischen Truppen hätten sie mir in ihr Vaterland zurückgebracht. Durch den Handelsverkehr ist die deutsche Schabe über die ganze Erde verbreitet worden. Ein gewisser Nicols berichtet, bei der Rückkehr von einem Jagdausfluge im tropischen Australien wären seine Füße geschwollen und mit Blasen besetzt gewesen. Er legte sich in einem Zimmer schlafen, das von deutschen Schaben wimmelte. Da die Nacht sehr heiß war, ließ er seine erhitzten Füße unbedeckt. Nach einigen Stunden Schlafes wurde er durch ein unerträgliches Jucken und ein abscheuliches Kitzeln geweckt: die Schabenhaltendie Haut angegriffen und an einer großen Blase völlig weggefressen, so daß eine hautlose Stelle, so groß wie ein Markstück, entstanden war. Diese Söbaben- art wird allmählich verdrängt durch die Küchenschabe, Brotschabe oder den Kakerlak, eine widerliche Bestie. In manchen Gegenden Deutschlands werden die Tiere„Russen" genannt und die Fran- �osen nennen sie„ P r u s s i e n s". Vorderasien ist die Heimat des ekelhaften Ungeziefers. Vielleicht heftete sie sich an die Sohlen der heimkehrenden und verlumpten Reste der Kreuzfahrer-Heere, wenn wir sie nicht etwa den Levantefahrten der unternehmenden Venezianer verdanken. Die schwarzbraun gefärbte Küchenschabe ist größer als ihre deutsche Base(sie wird bis zwei Zentimeter lang), ist ebenso gefräßig und entsprechend schädlicher. Dazu kommt noch daß sie abscheulich stinkt, was bei jener nicht der Fall ist, und daß alles, worüber sie gekrochen ist, einen niederträchtigen Geruch an nimmt. Man handelt klug, sie nicht anzufassen, wozu auch wohl niemand so leicht Neigung verspüren wird, denn sie entleert, gereizt oder berührt, einen dunklen Saft aus dem Maule, der die mensch- liche Nase arg beleidigt und dessen gasförmige Hinterlassenschaft nur sehr schwer von den Fingern zu entfernen ist. Schon ihre dunkle Farbe läßt sie als ausgesprochenes Nachttier erkennen, das erst mobil wird, wenn Ruhe im Hause eingetreten ist und dann lautlos hin und her huscht. Betritt jemand mit Licht den Raum, in dem sie ihr mitternächtiges Wesen hat, so stürzt sie in übereilter Hast nach ihrem Schlupfwinkel. Eine heikle Sache ist es, sie totzutreten. Es ist dabei ein quietschender Ton vernehmbar, und es kann wohl ge- schehen, daß man ausrutscht und hinfällt, denn der Körper des Tieres ist glatt und schlüpfrig. Seit 1778 tritt in Nordamerika die„Hessenfliege" auf. Es ist dies die Gallmückenart Csciciornzda. ckestmctor, deren Larve Weizen- und Roggenhalme zerstört, aus welchem Grunde man das Insekt auch„Gelreideverwüster" nennt. Den Namen Hessenfliege erhielt es, weil man annahm, daß es durch die vom Landgrasen Friedrich II. in schmählicher Weise für 22 Millionen Taler an Eng- land zum Kriege gegen die nordamerikanischen Kolonien verkauften 12 000 hessischen Mietssoldaten, welche 1776 unter General Heister auf Long Island landeten, in dem mitgebrachten Stroh verschleppt worden sei. Die Ordnung der Zweiflügler bietet in einem Vertreter noch einen ztveiten Beitrag zur mystischen Naturgeschichte, welche leider immer noch seine Herrschaft behauptet. Es ist dies Loiara militaris, die Heer wurm-Trauermücke, vielmehr deren Larve. Die etwa zentimeterlangen und millimeterdicken glasigen Larven unternehmen oft(namentlich von Anfang Juli bis Mitte August) in ungeheuer großen Massen, um Nahrung zu suchen und geeignete Lokalitäten zur Verpuppung zu finden, zur frühen Morgenstunde oder beim Hereinbrechen des Abends in den Laub- (besonders Buchen-) Wäldern des Harzes, Thüringer Waldes und anderen deutschen Mittelgebirgen große Wanderungen. In Gestalt einer grauglänzenden Schlange, wohl mehrere Meter lang, fließt der Drachenwurm einem glänzenden Strome gleich in gespenster- hafter Stille dahin. Das ist der Heerwurm I Niemand sieht ihn gern, denn sein Erscheinen deutet aus Krieg, und es ist noch ein Glück, wenn er talwärts zieht, denn das verspricht den Sieg I Eine große Menge unserer unangenehmen Gäste verdanken wir dem Osten— zumeist eingeschleppt durch die Kreuzfahrer. Es seien als solche noch die Wanderratte und die Wanze genannt. Die meisten dieser widerwärtigen Geschöpfe wurden dann durch die Europäer noch weiter nach Westen verschleppt, so sind die beiden letztgenannten durch den Handelsverkehr jetzt über den ganzen Erd- ball verbreitet, mit ihnen auch der Floh. Amerika kannte den nasch- haften Weibersreund nicht vor Ankunft der Spanier, und der ein- geborene Neuseeländer nennt ihn„den kleinen weißen Mann", mit dieser Bezeichnung darauf hindeutend, wer ihn mitgebracht. Wie der Menschenstrom unzählige Tiere mit sich westwärts gerissen hat, so auch viele Pflanzen. Wo der Europäer rastete mit seiner Karawane auf einsamer Prärie, da keimte im nächsten Frühjahr ein Pflänzchen, freind ans amerikanischem Boden— der gemeine Wegerich. Der rothäntige Sohn der Wildnis betrachtete miß- trkiuisch das Gewächs und nannte es voll trüber Ahnung„die Spur des weißen Mannes". Und seit dem deutsch-französischen Kriege bat die Umgegend von Paris eine ganz wesentliche Bereicherung ihrer Flora erfahren, bis dahin nie gesehene Kräuter blühen und sprießen heute dort allenthalben, Kinder des fernen preußischen und schlesischen Ostens, deren Samen mit der Fourage für die Pferde der belagernden deutschen Heeresmacht eingeführt wurden. Eine buntere Gestaltung erhielt auch die Pflanzenwelt der Ismgebung Wiens nach den Türkenkriegen. In seiner Gemarkung traten zum ersten Male der prächtige Stechapfel und das unheimliche Bilsenkraut auf, Pflanzen, die sich schon den Nicht- botanikern als Fremdlinge verraten. Auch die Weg- warte, Klette und das Gauchheil gehören ursprüng- lich dem Osten an, vielleicht der Pußta und Podoliens Ge- filden. Manche Pflanzen der östlichen Flora mögen nicht dem Kriegspfad gefolgt, sondern auf friedlichen Wegen bei uns einge- schlichen sein, so mit dem Getreide die Kornblume, die Rade, die Klatschrose und der Rittersporn. Dritte Arten end- lich sind durch das Wandervolk der Zigeuner eingeschleppt worden. Wo die braunen Söhne der Pußta ihr Lager aufgeschlagen hatten, da sind unzweifelhaft der Stechapfel und das Bilsenkraut zu finden; sie sind die Leitpflanzen solcher Zigeunerlagerplätze. Andere Zigeunerpflanzen sind Imila graveolens, eine Alantspezies, und Compsmiurn nitidum, eine Verwandte der Meldengewächse und des Spinats. Für den Botaniker noch der Hinweis, daß beide Arten auf einem großen, öden Platze bei dem Dorfe Ilvesheim, am rechten Hochuser des Neckar zwischen Mannheim und Ladenburg, der von dem Wandervolke regelmäßig als Lagerplatz aufgesucht wird, ge- sammelt werden und sonst nur höchst sporadisch in der deutschen Flora vorkommen.__ C. Soli. 6d deutschen Gefangenen in England. Ein dänischer Schriftsteller, Herr E. Holten- Nielsen« macht seit einiger Zeit Studien über England und das englische Leben in der Kriegszeit, deren Ergebnisse er in dem Kopenhagencr Blatte„Politiken" veröffentlicht. Seine Berichte zeigen das Be- streben, objektive Bilder zu geben. Die beiden Lager, denen Holten-Nielsen einen Besuch abstatten konnte, Ware» das Intern iexungslager für Zivil- gefangene bei Handforth und das Kriegsgefange- n e n l a g e r bei L e i g h. Handforth ist eine kleine, etwa 30 Kilometer südlich von Manchester belegene Landstadt, von der nur etwa 10 Minuten ent- fernt in einer Talsenkung das Jntcrnierungslager untergebracht worden ist. Es hat seine Stätte gefunden in einer großen Bau- anlage, die ursprünglich als Färberei hatte dienen sollen. Als die Gebäude fertiggestellt lvarcn, wurde wegen der zu befürckstendcn Verunreinigung der Ge>vässcr Einspruch gegen die Aufnahme des Betriebes erhoben, das Gericht entschied zugunsten des Einspruchs, und die Gebäude konnten nicht in Benutzung genommen lvcrdcn, Jetzt hat die englische Regierung sie zur Unterbringung der beut- scheu Zivilgefangenen gemietet. In diesem Lager waren, als der Däne ihm seinen Besuch abstattete, im ganzen 2384 Deutsche unter- gebracht, unter denen sich nur 20 See- und Landuntcrofsizicrc be- fanden, während der ganze Rest der bürgerlichen Bevölkerung angc- hörte. Eiwa 1100 Kriegsgefangene waren gerade einige Tage vor- her von Handforth nach einem Lager in Schottland abbefördert worden. Klagen über die Behandlung tourden von feiten der Internierten nicht laut. Es ivaren mancherlei Veranstaltungen ge- troffen worden, um den Internierten ihr Geschick" zu erleichtern. Ein geräumiger Spazierplatz und ein Sportplatz waren angelegt, und außerdem wurden gelegentlich mit den Gefangenen Märsche in die anmutige Umgegend unternommen. In den Schlafsälen sah der Besucher große Bilder vom Kaiser und von Bismarck, ein deut- scher Künstler saß an der Staffelei und malte an Porträts. Eine stattliche deutsche Bücherei war zur Stelle; aus der englischen Bc- tvachungsmannschaft hatte sich eine Militärkapelle gebildet, deren Darbietungen den Insassen des Lagers ettvas Unterhaltung bieten konnten. Ihr Essen bereiteten sich die Internierte» selbst; es be- fanden sich darunter deutsche Köche aus den feinsten Gast- und Wirtshäusern Londons. Die Unteroffiziere und ebenso eine kleine Gruppe wohlhabenderer deutscher Zivilisten waren in einem eigenen kleineren Schlafsaal untergebracht, und überhaupt gab man sich Mühe, nach Möglichkeit zusammenpaffende Gruppen zu bilden. Eine große Rolle spielte natürlich das L a g e r- P o st a m t. Alle Briefe werden zuerst von drei englischen Lageroffizieren überprüft, und ebenso alle Pakete auf das genaueste untersucht; erst dann gehen sie an das„deutsche Postamt" weiter, dessen Personal aus- schließlich aus Deutschen zusammengesetzt ist und das die weitere Verteilung der eingelaufenen Stücke unter die Internierten be- sorgt. Entsprechend wird es auch mit den ausgehenden Sendungen gehalten. Die Zahl der einlaufenden Postsendungen reicht an manchen Tagen nahe an 800. Im ganzen meint Holtcn-Nielsen. man erhalte von deni Lager in Handforth weniger den Eindruck eines Gefangenenlagers, als etwa den einer großen Auswanderer- Herberge; allein wenn man dann die umliegenden Höhen besucht, sP bemerkt man die großen Wachthäuser, die Wachen mit scharf« geladenem Getoehr, die hohen Stacheldrahtzäune, die Alarm- apparate usw., die auf die Bestimmung des Lagers hindeuten. Das Kriegsgefangenelager in L e i g h liegt unmittelbar bc:'dieser Stadt und befindet sich in einer neu errichteten Baumwollweberei, die bisher noch nicht in Benutzung genommen war. Lager ist bedeutend kleiner als das zu Handforth; es beherbergte zur Zeit des Besuches 1788 Gefangene, teils aus dem Landheere, teils aus Die Erweckung der Maria Carmen. 19] Von Ludwig Brinkmann. Ich lächele fast über mich selbst, wenn ich daran denke, welch glückselige Stunde ich in der Halle des Hotels der- brachte. Ich wiegte mich in meinem Schaukelstuhle, rauchte meine Havannazigarre und— erteilte Audienz. Natürlich weiß im ganzen Hotel jedermann, daß ich ein Minenbesitzer aus dem Süden bin. Da ich dazu dank europäischer Kultur mit einigem Anstände zu essen vermag, so ist es offenbar, daß ich ein Nabob sein muß. Alles spekuliert hier in Silber- minen, alles interessiert sich für Silberaktien, alles ist auf der Jagd nach„Tips", nach authentischen Urteilen über die Marktlage im allgemeinen und im besonderen. Nun, ich fühle mich einigermaßen wohl in der Rolle, die ich hier spiele, und hüte mich jemandeni zu verraten, daß die Maria Carmen erst im Anfangsstadium ihres zweiten Erdenwallens be- griffen ist. Aber durch meine Studienreisen im Tale und die zahlreichen Winke, die mir Herr Dickinson gegeben, besitze ich ein ziemlich sicheres Urteil über fast jede Grube in der Valley, und vielleicht gebe ich dem einen oder anderen meiner Interpellanten eine nützliche Erleuchtung. Dann bin ich ins Caf� gegangen und habe Musik gehört — Musik, zun: ersten Male seit sieben Monaten! Wie seltsam mir wurde, wie trübselig, wie europäisch! Und das schöne Bier! Dann am Nebentische die kleine niedliche Person, mit der schließlich die listige Verständigung gelang, das Rendez- vous für den folgenden Tag verabredet ward. Und Frau Jane? Aber es war ein guter Rat, den mir vor vielen Jahren ein Freund gegeben:„Wenn Dir Liebesgram um die Sternenunerreichbarkeit einer Frau das Herz zerreißen will, weine Dich am Busen ihrer Kammerzofe aus; dann wird es in Dir tagen, und alle Sterne sind Dir gleichgültig!" Das ist der Weg, eine schwere Krankheit zu überwinden; dazu bin ich ja aus der Wüste gekommen und dürste nach Ge- müsen, ohne mich in philosophische Betrachtungen über Grad und Klasse einzulassen. Und ganz spät am Abend dasselbe trauliche Plätschern der Brunnen unter den hohen Buchen und Akazien der Alameda — es ist wahr, Mexiko ist sich gleich geblieben, dieselbe schöne, rauschende Stadt, die sie das Paris der Neuen Welt nennen! * Bei den Gesprächen des gestrigen ersten, gennßfrohen Abends in Stadt Mexiko muß es mir entfahren sein, daß ich hierher gekommen bin, um ein paar Maschinen zil kaufen; genug, ich war gerade mit der Toilette beschäftigt, als sich der erste Besuch bei mir anmeldete, ein Vertreter der Compania Fuerza y Luz, um mir Offerte für all meinen Bedarf zu machen. Und so ging es weiter; einer der Herren kam nach deni anderen, von allen Elektrizitäts- und Maschinenbau- firmen der Stadt, um Aufträge einzuheimsen. Das ersparte mir schließlich viele Gänge, und ich erklärte jedem, was ich brauchte, jedem vorheuchelnd, daß ich Zeit genug hätte, neue Dinge zu bestellen, daß ich aber, wenn etwas auf Lager sei, es der Einfachheit halber vielleicht an- nehmen würde, sofern es einigermaßen meinen Bedürfnissen entspräche. Jetzt stellte es sich aber heraus, daß ich auf etwas schier Unmögliches fahndete, auf einen Dieselmotor von hundert bis zweihundert Pferdestärken, der auf Lager wäre; niemand hatte etwas Geeignetes. Ein oder zwei Pumpen samt Motor konnte ich wohl bekommen, auch einen elektrischen Generator, der aber dann wieder nicht zu den Pumpemnotoren paßte; jedoch das Wichtigste, ein Rohöl- motor, scheint in der ganzen Stadt nicht zu sein. Ich mußte also alle meine Besucher unverrichteter Dinge wieder abziehen lassen. Mein Brief an Stuart klang infolgedessen nicht gerade trostreich.— Auf der Straße traf ich zufällig Hermann Schmidt. Er war natürlich über das unerwartete Zusammentreffen tief gerührt, aber noch mehr erstaunt, daß ich inich ihm noch keineswegs als reichen Mann vorstellen kann. Er kniff ein wenig die Augen zusammen, als wollte er sagen, ich hätte es doch wohl nicht richtig angefangen, und ließ durchblicken, man solle i h m nur einmal solche Gelegenheit geben, wie sie mir geboten war; dann sollte es rfnders aussehen. Nun, das mag sein. Ich hatte aber keine Zeit, mich auf langwierige Erörterungen mit dein Doktrinär einzulassen und fragte ihn, ob er mir Helsen könnte, einen Petrolenininotor aufzutreiben. Das konnte der junge Bankmann nun nicht; er wäre aber niit einem Angestellten der Mining Machinery and Supply Coinpany befreundet, der vielleicht Rat weiß. Ich lud daher Schmidt und seinen Freund zum Gabelfrühstück ins„Hotel Francas" ein. Wirklich, der kleine Ingenieur der M. Li. S. C. ist gar nicht übel. Ich versprach ihm eine Extragratifikation, wenn er mir billig und rasch zu etwas Passendem verhelfe. Aller- dings sagte er mir gleich, es würde schwierig für ihn sein; Dampfmaschinenaggregate gäbe es genug alt zu kaufen, aber Petroleummotoren seien in diesem Lande noch eine Rarität. Doch er versprach sein möglichstes zu tun. Am Abend will er wiederkommen und mich wissen lassen, ob er etwas entdeckt hat. Während der heißen Stunden des Nachmittags bin ich in meinem Hotel geblieben. Zu tun gab es für mich zunächst nichts. Jedoch bekam ich unaufhörlich Besuch von den Ver- tretern der verschiedenen Firmen, die mich bereits am Morgen belästigt hatten und die mir nun ihre wohl ausgearbeiteten, gebundenen Offerten überreichten, natürlich nur auf neue Anlagen, auf die ich etwa sechs Monate zu warten hätte, bis sie aus den Vereinigten Staaten oder aus Europa einträfen. Die haben aber keinen Wert für mich, und ich zeigte mich dem- entsprechend zurückhaltend. Das legten meine Besucher falsch aus; sie glaubten, mir wären die Preise zu hoch, und ließen durchblicken, daß sie eventuell bona killo Konkurrenzpreise annähmen; und einer von ihnen, ein ganz Geriebener, er- zählte mir. daß er fünf Prozent in der Kaufsumme für nuch privatim eingeschlossen hätte; in diesen schlechten Zeiten müßte der Einkäufer für Gesellschaften auch etwas für sich haben. Da ich in einer milden Laune bin, und mliit humanum a me alienmu puto, warf ich den Mann nicht sofort hinaus, sondern ließ ihn in dein Glauben, daß er ganz besonders gewiegt sei; ich bedeutete ihm, er möchte in acht Tagen wiederkommen, um weiter darüber zu reden. Dann bin ich aber hoffentlich schon längst wieder bei unserer Maria Carmen. Als es etwas kühler geworden war, ging ich den Paseo de la Refornia hinab und traf denn auch der Verabredung gemäß nieine Freundin von gestern abend, die sich als eine von den Wogen des Schicksals hierher verschlagene Pariserin entpuppte und einen blühenden Handel mit Damenhüten be- treibt. Wie ein Bad in einem kühlen Quell war mir das plätschernde Wasser ihres Geplauders; meine Freunde, Stuart, Ward, Dickinson sind ja von einer solchen tötenden Schweigsamkeit! So wurde mir der Spaziergang nach Chapultspec eine Erquickung, wie ich seit langem keine mehr genossen. Gegen Abend kam der kleine Ingenieur wieder und brachte, wie er glaubte, gute Nachrichten; er hatte von einer Fabrik gehört, die eine etwa hundert Pferde starke Sauggas« anlage mit einem Drehstromgenerator verkaufen will. Die Maschinen wären noch gut erhalten. Ich bin indessen wenig erbaut davon. Gewiß, der Gas- betrieb ist vielleicht noch billiger als der mit Rohöl, aber der ganze Apparat ist für unsere Verhältnisse zu umständlich. Jedoch— woher etwas Geeignetes bekommen? Um nicht ganz untätig zu sein, entschloß ich mich, nieineur rührigen Agenten den Gefallen zu tun und ani nächsten Tage mir die Anlage wenigstens anzusehen, for Flotts- Im ganzen und großen entsprach dte Ordnung in Lcigp der des Lagers zu Handsorth. Einen wichtigen Unterschied bildete indes die Beschäftigung der Lagerinsasscn. In Handforth bildete es eine Verlegenheit, wie man die Internierten beschäftigen könne, während Holten-Nielsen in Leigh die deutschen Soldaten niit Lust und Eifer an der Verbesserung und dem Ausbau des Lagers arbeiten sah. Außerdem hatten diese Lehrgänge in Sprachen, Kurzschrift usw. ins Leben gerufen, bei denen deutsche Gefangene als Lehrer wirkten und an denen die Gefangenen mit großem Interesse teilnahmen. Es gab ferner Reparaturwerkstätten, und Schneider und Schuster hatten alle Hände voll zu tun. In einem der großen schlafsäle hatte man sogar eine Bühne errichtet, wo ab und zu Liebhabervorstcllungcn gegeben wurden. Von Märschen in die Umgegend konnte hier um so weniger die Rede sein, als die■stadt, wie bemerkt, in unmittelbarer Nachbarschaft des Lagers sich befindet. Einen englischen und einen deutschen Geistlichen sah der dänische Besucher anscheinend in ungetrübten Beziehungen gemeinsam ihrer menschenfreundlichen Arbeit sich widmen; auch ein dänischer Geistlicher aus Newcastle kam öfters herüber, der sich besonders der dänisch sprechenden Nordschleswiger annahm. Ihr Essen bereiten sich die Gefangenen auch hier selbst, wobei sie sich nach Möglichkeit an die deutsche Küche halten. In einem kleinen Laden können sich die Gefangenen mit allerlei Bedürfnisse» ver- sehen, auch Eßwaren einkaufen, durch die sie ihre Kost verbessern. Silöer aus öem ruMchen Lemberg. Ter galizische Berichterstatter des„Tcmps", Edmond Privat, hat dieser Tage eine Schilderung des Lebens und der Zustände in dem russischen Lemberg veröffentlicht. Wer ni der Hauptstadt Ostgaliziens die vielen russischen In- schriftcn, Schilder, Anschläge usw. sieht, könnte ans den ersten Blick wohl glauben, daß Lemberg schon ganz verrußt sei. Das ist jedoch ein Irrtum. Russisch sieht man in Wirklichkeit nur auf den neuen Ladenschildern einiger Geschäftsinhaber, die damit die russische Kundschaft anlocken wollen; dazu kommen die amtlichen Bekanntmachungen, die zweisprachig, russisch und polnisch, gegeben werden und ferner die Schilder der Straßenbahnen und der Straßennamen, die vor dem Kriege nur polnisch zn lesen waren. Pom Rathause flattert die rotweitzblauc Fahne Rußlands, und Lemberg ist überfüllt von russischen Soldaten und Offizieren.. Alle besseren Hotels sind längst in Anspruch genommen; kaum nt noch in einem Gasthofe dritter Klasse Unterkunft zn finden, lieber den Marhacki-Platz, der die schöne, bis zum Theater reichende Park- anlagc abschließt, marschieren unaufhörlich die Truppen. Zuweilen rückt auch ein Trupp österreichischer Gefangener ein, die durch die Stadt befördert werden. Nach den Beobachtungen des französischen Berichterstatters wird ihnen möglichste Freiheit gelassen. Sic dürfen in den Läden Einkäufe machen und mit den Ladeninhabern sich unterhalten; die militärische Begleitmannschaft der Gc- fangencn ist sehr wenig zahlreich. Oberflächlicher Beobachtung kann das Leben in Lemberg ganz normal erscheinen. Alle Läden sind geöffnet■— der russische Gouverneur hat den Geschäftsleuten, die nicht öffnen wollten, ein- fach mit der Einziehung ihrer ganzen Warenvorräte gedroht; und wenn der Inhaber des Geschäftes etwa geflohen war oder der Drohung doch nicht nachgeben wollte, so hat sich schließlich irgend ein Freund oder Verwandter gefunden, der das Geschäft wieder öffnete und weiter führte. Im Gerichtsgebäudc wird auch jetzt noch in'polnischer Sprache und nach dem österreichischen Gesetze weiter verhandelt, aber das Recht wird nicht mehr ,,Jm Namen Seiner Apostolischen Majestät", sondern nur noch„Im Namen des Ge- sctzcs" gesprochen, und siebe, es geht auch so. Auf die Richter ist ein sanfter Druck, Russisch zu lernen, ausgeübt worden, und die armen Herren müssen nun ihre kargen Mußestunden dem Studium der„slawischen Schwestcrsprache" widmen. Einen neuen Zug im Stadtbilde geben die russischen Polizisten in schwarzer Uniform, die flache Mütze auf dem Ohre. Sic sind ans Kiew herbeigeholt worden und patrouillieren dnrcb die ganze Stadt. Von den kirchlichen Behörden sind der armenische und der römisch-katholische Erzbischof in Lemberg geblieben; der der linierten Kirche hingegen ist nach Kursk verschickt worden, weil das orthodvrc Rußland die Unabhängigkeit dieser Tissidcutcnkirche nicht anerkennen will. Als der Berichterstatter des„Tcinps" den schönen Blick von der uniertcn Kathedrale genoß, störte ihn ein dumpfer Donner, der die Luft erfüllte. Es war der Donner der Kanonen von den Kar- pathen, die in der Gegend von Strij ihr Wort sprachen.„Ich hatte mir nicht vorgestellt, daß Lemberg der Front so nahe liege," bc- merkt Herr Privat. Um kll Uhr wird in Lemberg„Schluß gemacht". Dann werden alle Straßen vollkommen leer, und auch in den Kaffeehäusern herrscht nur noch sehr wenig Verkehr. Die russische Polizei hält Heute mit dein kleinen Ingenieur nach Gncidalitsic gefahren, wo ich gleichzeitig mit einem soliden Landregen ein- traf. Ta die Kathedrale des Torfes das größte Hciligtnni Mexikos darstellt und ich den herabranschcnden Regen sich erst erschöpfen lassen wollte, habe ich mich in das Innere begeben. Uebcrhanpt die Kirchen in diesem Lande! kleberall ragt solch ein prachtvolles, reichverziertes Bauwerk ans dem Gewimmel allerarniseligstcr menschlicher Behausungen empor. Man kann da einige bittere, antiklerikale Empfindungen kaum unterdrücken; oder soll man es im Interesse der Kunst doch preisen, daß die ephemeren Zwecke nnr so notdürftig bedacht sind und die dauernden Werke alles erhalten haben, was ail Reichtum lind Kraft ein Volk besitzt? Wie eine Verachtung der Kreatur, der Menschen erschcmt fast dieser höchste Te- spotismns, der die geknechteten Völker zwang, so schön, so für die Ewigkeit zu bauen. Ob heidnisch, ob christlich— im Grunde hat derselbe Sinn, der Gennß der Macht über Hunderttausende von Sklaven, die Pyramide von Eholnla und die Kathedrale von Gnadalupc geschaffen. Ticsc Kirche ist der Mutter Gottes geweiht, die bald nach der Eroberung einem Indianer erschien und dem Unglänbi- gen ihr Bildnis überreichte. Die böse Kritik behauptet aller- dings, daß dieses Gemälde nnr eine schlechte Kopie eines spanischen Madonnenbildes sei. Nun ja— die Eroberer wollten ihr eigenes Christentum: also hier das vom Himmel gefallene Bild, wie später in den Vereinigten Staaten die ans den Wolken herabgereichten Gesetzestafeln der Mar- monen. Beide Machwerke taugen nicht viel, aber ihre Ver- teidiger können sich darauf berufen, daß das Griechisch der asiatisch-europäischen Offenbarung auch nicht einwandfrei ist. In Glaubenssachen läßt sich nicht streiten— Religion ist wie die Liebe; ihr Gegenstand mag dein einen noch so unsinnig erscheinen: dem anderen ist sie das Heiligste und über alle Vernunftgründe erhaben. � Toch zurück zur Sauggasanlage. lieber ein Paar enge, von Schweinen, Gänsen und halbnackteil Kindern bevölkerte Straßen ging es zn einer großen Ziegelei, die mit ein wenig elektrischer Betriebskraft arbeitet. Ter Besitzer will sich aber ans ökonomischen Rücksichten an die öffentliche Zentrale an- schließen, jetzt da Stadt Mexiko ihr Betriebsnetz bis hinaus nach Gmadalupe gespannt bat. Ter Motor selbst siebt vor- siiitflutlich genug aus, der Generator indessen ist ziemlich modernen Fabrikats und hat vor allein die für unsere Zwecke brauchbare Spannung von fünfhundert Volt. Wenn die ganze Anlage auch ein wenig verwahrlost ist, so überzeugte ich mich doch durch den Augenschein, daß sie unter voller Leistung zufriedenstellend arbeitet.(Forts, folgt.) dort Durchsuchungen, die die Zivilisten sehr fürchten, und daher sieht man dort kaum noch andere Personen, als Offiziere, die itzren Tee trinken und dazu Karten spielen. Alle Lichter sind ausgelöscht, und wer in diesem Dunkel durch die Stadt zu gehen hat, mag zn- sehen, wie er von einem Biirgcrsteigc zum ander» turnt, um sich vor den militärischen Kraftwagen in Acht zn nehmen, die mit rasender Geschwindigkeit daö nächtliche Lemberg durchsausen. Schach. �"||pr7 M M M MM MM MM , m m m m W W W W ; //y//�V/. ......... MM MM D W W W MM MM MM"""" M MM m, W%. und Meister Weiß am Zuge gewinnt. Der sehr bekannte Komponist des obigen Endspiel ans Graz feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Lösung. stgsu -K-Tll 9'fJS!*0:(8Jg iigau-sgpch l�ol T�X luv) MX'BIX'f ilS�X'OOS L! 8'IX...... S: ZsUviivA"OJ— S�S WPfci -pw S- chin ÜX"9■ vS-hX'8l:X 9! R'iH'S�S"f; 8JX M-8PX X (•ajUBUBfö ahoij 8 NX usöZW-gjs piu n[ aoqo jx miksg'gjS'mW TJX'9°X Z' l8-"X'liPX"T Ijgvu cpS pqlZtxtpw gox Jnjg) Holländisch in Vorderhand. 8. Tsetslowei'. W. John. 1. f'2— f4 d7— cl5 2. e2— e3 c7— c5 In Betracht täme liebst Lg7. der 2...... c5; 3. fe, Dhif; 4. g;3, I)' 4: 5. Sf3, Lg4; 6. Lg2, LXS nebst DXeü:c. 3. Sgl- Em guter -f3 Zug, a7— a6 m» Lb5 zu ver- Sb8— c6 SgS— f6 LcS— f5 hindern. 4. b2— b3 5. Lei— b2 6. g2— go Sliu besten l Um vor o7~eG den Lc inS Gefecht zn fetzen. 7.<12—93 Dd8— d7 8. h2— h3 h7— h6 Um dcnc Lfö aus h7 Platz zu machen. S. Lfl— g2 19. 9—9 11. Sbl— d2 12. Ddl— e2 13. e8— e4 Beabsichtigt Sj des Bf7. 14. Sf3— cö 15. f4Xe5 16. c4Xd5 17. Tal— cl Verhindert TXfl liebst eä— e6. 18. Kgl— h2 Ta8— d8 19. h3— h4?_Lh7— 15 Sucht sofort die Schwächling des Feldes gl niiszirautzcn. 29. TU— 12' h6— h5! ehr seilt! Nach 21. LXliöf?, Shß droht Lg4 oder 8g4f. 21. Lg2—!3 Sg8— h6! Auch jetzt kostet 22. I-XbS?, Lgl die Qualität. e7— e6 Lf5— h7 1,18— e7 9-9 Kg8— h8 nebst Vorstoß SeftXeu SI6— g8 e6Xd5 1)97— e6 25. Tel— e4 Td8— 95 26. 1)92-14 Le7— 98 Gegen Lc7 hat üeö keine Deckung. 27. c2— c3 d4Xc8 28. I,b2Xc3 T95X93 29. Le3— b2 De6— g6 Die Dame und Lgl sollen ihre Plätze tauschen. Schwarz spielt die Partie ciscnsiark. 30. Tel— e3 31. Sil— 92 32. S92— el 33. T12— 11 34. To2— e2 35. So4— 96 36. Te2— 93 37. D14Xd3 38. Dd2— g2 39. TU— 14 49. S 96—15 41. Si5— c3 42. So3— 11 43. Lb2— c3 44. Lc3— a5 45. b3Xc4 T93— 91 LdS— e7 Lgl— e6 T91— 95 Kh8— g8 b7— b5 Td5Xd2t Dg6— g4 TIS— d8 Dg4-cU I,e7— 18 Ddl— cl Del— bl T98— 93 cö— c4 Le6Xc4 Nim ist mich Ba2 verloren: denn aus Tf2 geschieht 1,95 oder Tack. 46. Sil— 92 DblVa2 47. Scl3Xc4 I)a2Xg2: Es kommt die Liquidation durch Gencralabtausch zur Verwirklichung des maicriellen Ucbergewichts. 22. S92— 11 23. L13Xg4 24. De2— 92 Sh6— gls- 1,15>(g4 95— 94 48. Kli2Xg2 49. T14Xc4 59. La5— c3 51. Tc4Xc5 52. Kg2— 13 53. K13— e4 54. e5— e6 55. Lc3Xg7 56, Ke4— 13 57. Lg7—> 3 58. Lc3— el Aufgegeben. b5Xc4 T93-95 T95-c5 LISXcö Kg8— 18 K18-e7 Ke7Xe6 LcS— 96 17— 15 Ld6— c7 a6— a5 kleines Keuilleton. ver Serkmer volks-Chor. Trotz dem Kriege hat der Berliner BolkS-Chor, wie sein JahreS- bcricht zeigt, sich gut gehalten. Durch Einberufungen und Militär- arbeit sank die Zahl der männlichen Mitglieder von mehr als 159 auf etwa 49, so daß gelegentlich für größere Werke bezahlte Hilft- kräfte angenommen werden mußten. Auf HändelS„Samson" und „FaustS Verdainmuiig" von Berlioz, die geplant und bereits in Augriff ge- nommen waren, mußte man sreilich ganz verzichten. An ihre Stelle traten deutsche Volkslieder; denn alle großen Säle, in denen die Aufführungen von Chorwerken hätten stattfinden können, lvaren zu Lazaretten um« gewandelt. So wurden denn in kleineren, nur zirka 1299 Personen sassenden Sälen Volksliederabende veranstaltet, deren Reinerträge zu ivohllätigen Zwecken verwendet wurden. Außerdem hatte der Ehor durch mehrfaches Mitwirken in den Volkskunstabenden der Volksbühnen im Festsaal des neuen Rathauses und durch Singen in Lazaretten reichlich Gelegenheit, sich zu betätigen. Am Karsreitag sanden im Theater der Volksbühne zwei Konzerte statt, die an Chorwerken „Ein' feste Burg" von Bach und das„Deutsche Requiem" von Brahms brachten. Für den kommenden Winter Ivird außer a-eapella-Ehören bc- 'ondcrS LisztS Legende von der heiligen Elisabeth vorbereitet. Von den im Felde stehenden Mitgliedern sind bisher drei ge- allen. Die finanzielle Lage des Chores ist günstig, die Einrichtungen konnten weiter ausgebaut iverden. Cine neue Epoche! In der Zeitschrift„Bühne und Well" schreib! der Herausgeber Wilhelm Kiefer über„Das Eiserne Kreuz am weißen Bande" und kommt dabei zu folgendem Resultat: „Mit der Verleihung des Eisernen Kreuzes an den Bayreuther Schrislstcllcr Houston Stewart Ehamberlain ist in die RegieruugS- zeit unseres Kaisers ein neuer Moment getreten. ES ist, wenn wir von allgemeineren Ordensverleihungen absehen, das erste Mal, daß ein in germanischem Geiste wirkender Schriftsteller durch die Gnade Kaiser Wilhelms Ii. ausgezeichnet wird. Der Tag und der Akt ist bedeutsam; möge er symbolisch sür die kommende Zeit werden! Eine Erwartung, die beinahe schamhaft in uns schlummerte, aber sehnsüchtig ihrer Verwirklichimg harrte, ist mit diesem Akte erfüllt wurden, lind das freudige Gefühl, das, verscheucht von den Ereignissen und des Lichtes beraubt, das ihre Schatten werfen, in uns zu ersticken drohte, lebt neu, bestimmter, hoffnungs- freudiger in uns auf: daß der geistige Mensch, dessen Schaffen von einer nationalen und religiösen Ankerfestigkeit bestimmt wird, bor seines Fürsten Thron Anerkennung und Belohnung findet.... ... Mit diesem Tage, da Houston Stewart Ehamberlain Träger des Eisernen Kreuzes geworden ist, ist eine hoffnungsreiche, ichaffenSireudige Zeit im geistigen Deutschland hereingebrochen. Was in der Vergangenheit bedrückend, entwürdigend und entmutigend empfunden ivurde, daß dem Deutschen, der um seines Volkes �oeeie ringt, nur billiger Spott von Cliquen und Parteien zu teil wurde, der halbe Ehren erntete und Geltung über alle Maßen fand, das will die Zukunft, das wird unseres Kaisers Wort auslöschen: Ver- stummen wird der Hohn der Halbheit vor dem Manne, dessen Brust das Ehrenzeichen seines Königs träqt, verehren wird ihn das willige, suchende Volk um seines Geistes und dieses Zeichens willen. Der geistige Kämpfer, geschmückt mit dem Ehrenzeichen dieses Krieges, wird als ein Held würdig neben dem Sieger des Feldes' stehen, geachtet, umlvorben, unangetastet wie jener. Es gehl der Dichter mit dem König Auf der Menschheit Höhen. Schiller dichtet bekanntlich: Es soll der Dichter mit dem König geben, Sie beide wohnen auf der Menschheil Höhen. Des Dichters Traum ist also endlich erfüllt. Oer Erreger üer progresilven Paralpse. Nachdem es vor zwei Jahren einem Japaner gelungen war, im Gehirne von Paralytikern die Spirochäten nachzuweisen, schwand auch der letzte Zweifel über den Zusammenhang zwischen Lues und Paralyse. Nur das blieb noch aufzuklären, loarum die LueS nur in gewissen, verhältnismäßig seltenen Fällen zur Paralyse führt. Man nahm an, daß in solchen Fällen das luetische Gift eine besondere Vcrivaudtschaft(AUinität) für das Nervensystem hat und sich deshalb mit dessen zelligen Elementen verbindet. Diese Annahme scheinen experimentelle lintersuchungen zn bestätigen, ivelckie die bekannten Forscher A. Marie und C. Levaditi angestellt haben. Sie hallen die Spirochäte der progressiven Paralyse für biologisch verschieden von der Spirochäte der luetischen Haut- und SchleimhaiNerkraiikuugen. Sie soll eine„nenrotrope" Abart darstellen, d. h. eine Abart, die Affinitäten zu dem Nervensystem besitzt. Nach Infektion von Kaninchen mit Paralytikerblut blieb die Inkubationszeit, d. h. die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, eigentümlich lang, jedenfalls länger als nach der Infektion mit gewöhnlichen Spirochäten. Auch mikroskopisch nndet man Veränderungen in den Gctvebcii, je nachdem sie von gewöhnlichen oder ans Paralylikerblut gezüchteten Spirochäten herstammen. Ebenso heilen die Krankheits- crschciinmgcn langsamer, und das Gift deS ParalytikerbluleS ist nicht pathogen wie jenes für Affen, sondern nur für Kaninchen. heißer als Sie Sonne. Eine Flamme, die heißer ist als die Soimentemperatur, nämlich eine solche von 5599 Grad zu erreichen, ist dem Studierenden an der technischen Hochschule in Stockholm Olaf Sahlin gelungen. Er hat seine Versuche mit Unterstützung des Vereins der schwedischen Eisenwerke ausgeführt. Bei der chemischen Methode zur Erziclung sehr hoher Wärme beruht das Teinperaturniaximum auf dem Wärmewert des VerbrennungsmaterialS und dem Dissoziations- Punkt des Verbrcnnproduktes. Sahlin suchte nun nach einein Verbrennuiigsmaterial, das höhere Verbrennungswärme hat und ein Verbrcimmrgsprodukt mit höherem Dissoziationspunkt ergibt, als dir bisher angewendeten, nämlich Kohle, Wasserstoff und Aceiylen. Als aus beiden Gesichtspunkten am besten fand er Aluminium, und es gelang ihm, durch einen glücklicki Ion- struierten Apparat eine Flamme aus Aluminium und Sauerstoff her- vorzubringen, die nach Ausweis der optischen Phroineterbestiinmung eine Temperatur zwischen 5999 und 5599 Grad Celsius hat. Sein zum Patent angemeldetes Verfahren dürfte praktischen Wert erlangen nicht nur für wissenschaftliche Untersuchungen, sondern auch in der Industrie, namentlich, wie„Licht und Lampe" schreibt, für die Wolfram- indnstrie._ Notize«. Theater chronik. Im Schiller-Theater Ehar- lottenburg findet am Freitag, den 4. Juni, die erste Aufführimg des dreiaktigcu Schauspiels„Wohltäter der Menschheit" von Felix Philippi statt.— Im L u st s p i c l h a u s e findet die um einige Tage verschoben gewesene Erstaufführung des SchivankeS „Herrschaftlicher Diener wird gesucht" von Eugen Burg und Louis Taufstein bestimmt am Sonnabend, den 5. Juni, abends 8>Z Ilhr statt. — Vorträge. Der Deutsche M o n i st e n b n n d voran- kältet Freitag, den 4., abends 9 Ilhr, im„Nollendorfhos", Bülow- kraßc 2, einen Vortrag von Herrn L e h m a n n- R u ß b ü l d t über , Z i c i c des B u n d e S N e u e s B a t e r l a n d".— Im großen Vortragssaale deS Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 129, spricht mit Freitag, den 4., Herr Rektor Otto S ck> m i d t- Berlin über„Pädagogische Fragen der Volksschule in der Kriegsliterat nr". Beginn 8 Uhr pünktlich. Eintritt frei. Der Patentpfropfcn. Der Londoner„Daily Tele- graph" berichtet unterm 21. Mai aus Malta von den Dardaiiellcn: Neben dem sinkenden englischen Kriegsschiff„Ocean" befand sich ein erstvrer, dessen Seite von einer dem„Oecan" zugedachten Granalc durchschlagen wurde. Ein nahe dem Einschuß befindlicher Heizer er- kannte sofort die drohende Gefahr, verstopfte mit seiner Sitzgclcgen- heit schleunigst das entstandene Loch und hielt, über seine Findigkeit vergnügt grinsend, so das eindringende Wasser auf, bis das Leck durch außen angebrachte Malten gedichtet war.— Unter diesem Gesichtspunkt könnte man unter den Ausgemusterten noch manchen � chifftdiensttauglichen finden. — Eilt neues Pariser Gewerbe. Seit dein letzten Sommer hat sich in Paris ein neues Gewerbe entwickelt. Als die Kaffeehäuser um 8 Ilhr schließen mußten, gab es in den Slraßen viele Leute, die das Bedürfnis hatten, weiter zn trinken. Das brachte etliche arme Teufel auf den Gedanken, ein Wägelchen zn niieten, es mit Bierflaschen, Limonadc und Sellerswasser, init Bonbons, Apfelsinen, Backwerk und Schokolade zn beladen und sich damit auf den großen Boulevards niederzulassen. Wenn in den Cafes die Lichter erlöschen, kommen aus den Nebenstraßen diese kleinen Händler, ihre Wägelchen schiebend, hervor, und beim Schein eines allen LämpchenS wickeln sie ihre Geschäfte ab, die namentlich nach Schluß der Kientvppe und Theater einen lebhafteren Gang an- nehmen. —„ K a tz e I m a ch e r." So werden in österreichisch-bayerischer Mundart seit langem die Italiener genamit, wenn man sie herabsetzen will, lind manche Rauferei iind Messerstecherei zwischen deutschen und italienischen Erdarbeitern mag dieses Wort, das die Italiener nicht veriragen können, schon auf dem Rücken haben: Man deutet dieses Wort verschieden: Es soll von„cascia"(spr.; kasstsebia) herrühren, einer zärtlichen Bezeichnung sür das Nationalgericht aus Mais, die Polenta: die JtalianiS wären also „EaSciamacher". Aber das Volk denkt bei den„Katzelmachern" doch wahrscheinlicher an Leute, die früher einmal die Katzen gefailgcn und gebraten haben sollen. Diejenige Deuiuiig aber, die das Wort aus die Eigeilschasteii der katzenhäften Falschheit und Tücke be- ziehen will, dürste dem sllddeuiichen Sprachgeist Immt gerecht werden, Wieviel Blut darf der Mensch verlieren'! Die gesamte Blutmenge beträgt etwa'/is des Körpergelvichts, so daß also ein Erwachsener von mittlerer Größe annähernd 5 Kilo- fromm Blut besitzt. Der schnelle Verlust von 1 Kilogramm bewirkt 'chou Ohnmacht, der Verlust von 2 bis 3 Kilogramm dagegen raschen Tod. Alter, Körperbesckiaffenhcit und andere Umstände lassen indes große Ausnahmen zu. Frauen vertragen z. B. große Blut- Verluste besser als die Männer: so erfolgt bei entsprechender Pflege selbst nach einem Verlust von 3 bis 4 Liter oft noch völlige' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. einem Verlust von 3 bis 4 Liter oft Genesung.-__ Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt» Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,