iit. 131.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts«-wi. Mitau-Riga. Obwohl die Provinzen Estland, Livland, Kurland oft auch als deutsche Provinzen bezeichnet werden, sind Land und Bewohner dem großen Publikum in Deutschland doch so gut wie ganz un- bekannt geblieben. Hinsichtlich der Bevölkerung mutz festgehalten werden, datz das ganze Gebiet von der deutschen Grenze bis nach St. Petersburg und von dort nach Finnland von nichtrussischen Volksstämmcn be- wohnt wird. Tas Gebiet zwischen Ostpreußen und Kurland— Gouvernement Kowno— wird vorwiegend von Litauern— unter» Mischt mit Letten und Weißrussen— bewohnt. Kurland und Süd- livland bis zu dem Flusse Salis, der sich etwa in der Mitte der Rigaischen Bucht in das Meer ergießt, landeinwärts über Rujin und Walk, von hier südöstlich nach Marienburg und von hier etwa auf Dünaburg— bilden das Wohngebiet des etwa 1,4 Millionen starken Lettenvolkcs. Nördlich der Salislinie bis nach Marien- bürg und von hier über Petschora Petschory) zum Peipussee ist die Südgrenze des Estengebietes— Nordlivland und Estland nebst den kleineren und größeren Inseln am estländischen Strande, die dem Rigaer Meerbusen vorgelagert sind: Oesel, Dago, Mohn, Worms. Die östliche Landgrenze wird durch die Narowa gebildet. Das Gebiet östlich von der Narowa und dem Peipussee— das Gouvernement St. Petersburg, ehemals Ingermanland genannt—• toeitz neben Russen noch sehr zahlreiche Inseln mit finnisch- estnischen Dorfschaften auf, namentlich in der Umgebung St. Peters- burgs. Aus dieser Tatsache konstruierten die russischen Regierungs- Nationalisten der„Nowoje Wremja" die„finnische Gefahr" für »et. Petersburg. Bon finnisch-estnischen Völkerschaften umgeben, von finnischen und estnischen Geschäftsleuten durchsetzt, sollte die russische Residenz beständig in Gefahr schweben... Mit dieser „Gefahr" wurde die Russifizierung Finnlands begründet. Mit den Esten und Letten hatte man ja längst den Ansang gemacht. Die Gesamtbevölkerung der baltischen Provinzen wird zurzeit aus zirka 3,8 Millionen geschätzt. Genaue Taten liegen nicht vor, da die letzte Volkszählung 1837 stattfand. Ebenso schätzungsweise berechnet man die Zahl der Letten auf 1,4, die der Esten auf 1,26 Millionen. Tie ersteren bilden in Kurland und Südlivland mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung, die Esten in Nord- livland und Estland sogar zirka acht Neuntel davon. Daher ignoriert auch der gewöhnliche Sprachgebrauch die Dreiteilung und spricht nur von Estland und Lettlaird. Die� Esten und Letten sind stark zunehmende Völker. Aus wirtschaftlichen Gründen findet aber eine Auswanderung statt, so datz beinahe die volle Zuwachsgnote dem Lande verloren gebt. Die Zahl der Deutschen sinkt in diesen Provinzen seit den siebziger Jahren. 1897 wurden 186 637 Deutsche.gezählt oder 6,21 Proz. der Gesamtbevölkerung. CJn Estland 3,86 Proz., in Livland 7,23 Prozent, in Kurland 6,68 Proz.) Unter der städtischen Bevölkc- rung zählte man zirka 16 Proz. Deutsche. Der Anteil der Russen an der Gesamtbevölkerung betrug 1837 6,33 Proz.— hauptsächlich Beamte, Lehrer, Militärs, aber auch Kausleute, kleinere Unter- nehmer usw. Juden gab es in diesen Provinzen 3,46 Proz., Polen 1,61 Proz.) In nationaler Hinsicht bilden die Esten und Letten in ihren Wohngebieten die große Mehrzahl der Bevölkerung— im Durchschnitt volle 82 Proz. oder mehr als vier Fünftel der Ge- samtbevölkcrung. Diese kleinen„geschichtslosen" Völker, die beide unter den gleichen Verhältnissen leben, sind einander sprachlich ebenso fremd, wie sie zum Beispiel Deutschen und Russen fremd sind. Die Letten sind arischer, die Esten mongolischer Abstammung und gehören zu der finnisch-ugrischen Bölkerfamilie. Daher werden die Esten auch oft als„livländischc Finnen" bezeichnet. Estnisch und finnisch können als Dialekte derselben Sprache angeschen werden, die jedoch ziemlich fremd einander gegenüberstehen. Wir sehen also, datz es in nationaler Hinsicht nicht angeht, die Provinzen russisch oder deutsch zu nennen. Wenn man aber trotz- dem von einer Befreiung der Balten spricht, so sollte man nicht ver- gössen, datz«s sich dann nur um etwa 153 333 Deutsche handelt, die nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtbevölkerung bilden. Anders verhält sich die Sache, wenn man die Besitz Verhältnisse betrachtet. Dann allerdings gehört das Land den Deutschen. Ter deutsche Adel— nur«in winziger Bruchteil der Bevölkc- rung— ist der größte Besitzer dieser Provinzen. Die größere Hälfte des Gesamtarcals gehört als„schatzfreies Hofesland" in der Gestalt der großen Rittergüter den adligen Großgrundbesitzern. Dieselben Herren sind auch die faktischen Eigentümer des„steuer- Die Erweckung der Maria Earmen. 22j Von Ludwig Brinkmann. Wie gewöhnlich krochen wir auf allen Vieren die niedrige Spalte in die Tiefe hinab? das flackernde Flämmchen der Kerze warf blutrote, tanzende Schatten auf die kristall- glitzernden Flächen des Rohres, in dem wir uns befanden? rotfarbiges Wasser tröpfelte herab, als blutete der mächtige Berg unter den Wunden, die meines Freudes Spitzhacke ihn: in die Eingeweide schlug, und es ächzte und dröhnte unheimlich in den Fugen des Felsen. Er schlug und brach die Nieren von Kupfererz aus ihren Nestern? ich schaffte sie hinaus: eine Stunde nach der anderen rann dahin? aber das Stöhnen, das Geheul in den Wänden wurde immer fürchterlicher: ich fühlte mich plötzlich von namenloser Angst ergriffen: es war mir, als würde die Spalte enger und drückender? ich kroch empor, so schnell mich meine schlotternden Knie tragen wollten. Hinter mir lachte der Mann aus Colorado und fragte, wohin ich Feigling eigentlich so rasch wollte? doch ich kroch weiter und weiter. Da war ich endlich wieder im Stollen angelangt und richtete mich auf— aber hinten schlug der Spalt mit Donner» gepolter zusammen— mit seiner Tatze hatte der dämonische Berg seinen Peiniger erschlagen, wie der Ziegelstein die nasch- hafte Maus... Schließlich wurde der blutige Brei, die traurigen Ueber- rcstc des verwegenen Mannes, zutage gefördert, und ich wurde wegen Ungehorsams entlassen. Es war auch ganz gut so; mich hätte doch niemand mehr in den Berg gebracht. Dann kam ich nach Cananca, und nun sind wir hier, suchen und wühlen im Berge der Maria Carmen... Habt acht, vielleicht dreht uns dieser teuflische Dämon allen zn- sammen einmal das Genick um! Trotzdem soll sie aber leben!" Eine eigene Stimniung erfüllte nach Stuarts Erzählung das Gemach? selbst der Punsch wollte die alte Fröhlichkeit nicht mehr zurückbringen. Es schien uns allen besser, weit, weit fort von hier zu sein? und Ward wagte die Aeutzerung, er säße jetzt lieber in Chicago. Aber Stuart verwies ihm das. „Wir sind hier auf Posten vor dem Feinde. Da gibt es kein Ausreißen. „Du hast Dich doch selbst davongemacht und ließest Deinen Freund allein in der gefährlichen Spalte verderben," entgegnete Ward. „Das ist doch etwas ganz anderes," rief Stuart ärgerlich. Bald begann cr aber zu lachen, und wir alle lachten mit. I baren Bauernlandes", das die kleinere Hälfte des Gesaustareals bildet. Bei der Bauernbefreiung(1833 bis 1826) erhielten die Leibeigenen nur die„persönliche Freiheit"; das Land, das sie bis dahin für sich beackert und als ihren Landanteil betrachtet hatten, wurde durch eine kaiserliche Botschaft als„unantastbares Eigentum der Gutsherrn" erklärt— mit der einzigen Einschränkung, diesen Boden nur den Bauern verpachten oder verkaufen zu dürfen. In den letzten 63 Jahren haben die Bauern einen beträchtlichen Teil dieses Bauernlandes käuflich erworben. Sie mutzten ihn oft mit Gold aufwiegen, denn die Nachfrage nach Ackerland ist unglaublich groß, und in der Preisbestimmung walten die Junker ohne jede Einschränkung. Der Kauf wurde gewöhnlich mit Hilfe der Geld- institute des Adels realisiert, und die Schuldverschreibungen blieben im Besitz des Adels. Kraft dieser Hypothekenschuldbriefe herrscht der Adel auch über die sog.„Erbbauern". Die Pachtbauern stehen noch unmittelbarer unter der Gewalt der Junker. Zudem erfreuen sich die Junker der unglaublichsten Privilegien, die sie aus der grauen Vergangenheit ins 23. Jahrhundert herüber gerettet haben. Um nur einiges zu erwähnen, sei auf folgendes hingewiesen. Der Bauer darf auf seinem Boden— gleichviel, ob er ihn gepachtet oder gekauft hat— weder jagen noch fischen; er kann keine Mühlen, keine Fabriken, keine Brennereien oder Brauereien, kleine oder große Handelsuntcrnehmungen eröffnen, der Gasthausbetrieb ist hier ebenso unzulässig wie die Abhaltung von Jahrmärkjen und Anlage von Ansiedelungen. Tas alles würde gegen die Privilegien des Adels verstoßen.... Jedes Rittergut hat seine eigene Gutspolizei; sie haben auch meist das Recht, ihrersests ben Prediger zu bestimmen, den das Bauernvolk zu hören und zu unterhalten hat usw. usw. Die Krone der politischen Gewalt des Adels besteht in den ritterschaftlichen Landtagen. Jede der drei Provinzen, wie auch der Adel der Insel Oesel, hat einen eigenen Landtag, jeder adelige Gutsbesitzer ist kraft seines Besitzes vollberechtigtes Mitglied des Landtags. Keine Wahlen. Alle anderen Bevölkerungsklassen— einschließlich der städtischen Großbourgeoisie deutscher Herkunft— sind ausgeschlossen. Alle Angelegenheiten, über welche die„Landes- organe" selbst zu entscheiden haben, werden also durch die Macht- Vollkommenheit des Adels entschieden. Die(lutherische) Landes- kirche steht ebenfalls unter dem Adel, er und die Geistlichkeit handeln Hand in Hand. Die klägliche Volksschule, die sogenannte Dorfschule, mit einer obligatorischen Schulzeit von 3 Wintern je etwa 180 Schultage— ist vcnn� Adel der Geistlichkeit über- antwortet, soweit nicht die russische Schuladministration die Schule als Mittel zur Russifizierung benutzt und zu dein Zweck die gegen- teilige Macht gebrochen hat.'*) Die Städte haben eine„Selbst- Verwaltung". Die Vertretungskörper gehen aus Wahlen hervor, aber nur der Besitz gibt das Wahlrecht. Die besitzloscu Volks- Massen haben auch hier nichts zu sagen. Da aber der Adel auch in den Städten Besitz hat und mit der deutschen Bourgeoisie dieselbe Geige spielt, herrscht auch hier die Adelspolitik. Das deutsche Bürgertum der baltischen Städte befindet sich ganz und gar im Schlepptau des Adels. Die baltischeil Städte— namentlich die älteren— tragen ausgesprochen deutsches Gepräge. Die alten Stadtteile Rigas, Revals usw. weisen alle Merlmale alter deutscher Städte auf— allerdings gehörig verwässert. Sind sie doch von Deutschen angelegt und ausgebaut, bis zur Bauernemanzipation wurden sie auch fast ans- schließlich von Deutschen bewohnt. Durch die Ausdehnung der Städte wird die deutsche Bevölkerung prozentual auf etwa 8 bis 3 Proz. zurückgegangen sein. Trotzdem steht die Macht der Deutschen hier und da noch aus der Höhe. Die Verwaltung so bedeutender Städte, wie z. B. Riga, Libau, Mitau, Dorpat, Pcrnau usw ist in ihren Händen. Allerdings ist ihre Macht mehr oder weniger erschüttert. Die aufsteigenden Bourgeoisien der Esten und Letten ringen mit den Deutschen um die Rathäuser. In vielen Städten ist die Macht den deutschen Händen bereits ent- glitten. In Rcval, Hapsal, Wesenberg. Walt, Werro herrschen bereits die Esten, ebenso in mehreren Städten Lettlands die Letten. Die deutsche Sprache und deutsche Kultur hat nur insofern au Be- deutung eingebüßt, als sie die estnische oder lettische Intelligenz und angrenzende Schichten nicht mehr zu ciitiiationalisiercii ver- mag, im Handel und Privatverkehr war sie bis zum Ausbruch des Krieges immer noch dominierend. Die deutsche Presse— durchweg reaktionär-konservativer Richtung— lvar kräftig entwickelt �) Dieses Schulobligatorium besteht nur für die Landge- meinden der baltischen Provinzen. Kinder von 13— 18 Jahren sind schulpflichtig. In den baltischen Städten besteht nicht einmal diese Schulpflicht, ebensowenig wie in ganz Rußland. Dann löschten wir die stolzen elektrischen Lichter aus und begaben uns zur Ruhe. Die Tage gehen im neuen Jahre rasch dahin. Meine einzige nützliche Tätigkeit besteht darin, daß ich die Kraft- Maschine und die Pumpe überwache. Selbst die Kleinigkeit, die ich mir vorgenommen, nämlich das Haus und den langen Stollen mit elektrischem Lichte auszustatten, natürlich in allereinfachster Form, ist beendigt? nun erfreuen wir uns unseres Lichtes, wenn auch Freund Powell über die An- schaffung des einpferdigen Einphasentransformators für etwa hundert Pesos weidlich erbost sein wird. Am liebsten würde Ward auch noch elektrisch kochen? aber etwas müssen wir schließlich auch auf unseren Texaner�Rücksicht nehmen. So habe ich wieder einige Spazierritte gemacht und meinen Freund Dickinson besucht? Frau Jane war nicht daheim. Ich habe ihm von unserem Mißgeschicke erzählt, das uns um solch lange Zeit zurückgebracht hat? und auch er kann nicht begreifen, Warum Powell so hartnäckig mit dem Gelde zurück- hält. Wer eine Mine betreiben lvill, darf sich nicht scheuen, tief in den Beutel zn greifen. Da leuchtet mir ein Gedanke auf: es ist vielleicht möglich, Dickinson für den Plan zu inter- essieren, die Kraft des Baches in unserem Gebirgswalde in elektrische Energie zu verwandeln und nach Taviche und zur Maria Carmen zu leiten. Insofern trifft sich alles günstig, da Dickinsons fünf Silbergrubon noch durchaus unelektrisch arbeiten: er gebraucht nur die recht kostspielige Dampfkraft. Er will sich die Sache ein wenig überlegen, und ich brenne vor Ungeduld ihn baldigst wieder aufzusuchen. Unterdessen verbringe ich die Zeit mit Lesen. Ich habe ..Antonius und Kleopatra" wieder einmal durchblättert. Welch ein Leben! Ten Dritteil der Welt auf Atlasschultern zu tragen— da will es noch etwas heißen, sein Alles dem Weibe zu opfern! Aber erst muß man ein Dritteil tragen. Mit diesen Helden, ein Gleicher unter Gleichen, leben zu dürfen! Ach, ich bin ja nur ein armer Ausgestoßener, bin hinansgetrieben in die Wüste, ein Siebentelteil des Jmparcial repräsentierend, und das ist noch die kleinste unter den kleinen Unternehmungen. Der andere dagegen mit seinem Dritteilc der Welt... Ich werde wohl noch alle meine Bücher verbrennen müssen l » Ward fängt an uns Sorge zu machen. Er ist so schwach, daß er sich nicht mehr aufrechterhalten kann. Er sitzt den Tag über in einem Korbsessel am. Bache im Garten und blickt in und der nationulen Presse in allem überlegen. Da die eigenen Literaturen noch jung und schwach sind, beherrschen die Jntellek- tucllen beider Völker bis ziemlich weit in die kleinbürgerlichen Schichten nach unten die deutsche Sprache und benutzen die deutsche Literatur. Die deutschen Buchhandlungen und Buchdruckereicn waren und sind wohl auch jetzt noch, soweit sie dem Kriege nicht zum Opfer fielen, den estnischen und lettischen Unternehmungen gleicher Art überlegen. Es ist ja bekannt, daß die russische Regie- rung die deutsche Sprache bei hoher Strafe verboten hat, ebenso wie viele deutsche Unternehmungen ihr zum Opfer gefallen sind. Die baltischen Provinzen bilden ein Agrarland, von dessen Bevölkerung noch etloa 73 Proz. landwirtschaftlich tätig sind.(In Estland 78,13 Proz., in Livland 68,28 Proz.. in Kurland 63,36 Proz.) Die städtische Bevölkerung macht kaum 33 Proz. aus. Von cher landwirtschaftlichen Bevölkerung waren(1837) in Estland 36,66 Prozent Esten, in Livland 38,73 Proz. Esten oder Letten, in Kurland 31,48 Proz. Letten. Die hauptsächlichsten Anbaufrüchtc sind Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Lein und auch Weizen. Viel- fach siildet man den Uebergang zur Vieh- und Milchwirtschaft. Die landwirtschaftlichen Großbetriebe haben nebenbei noch Spiritus- � brennerei, Bierbrauerei, Sägereien usw. Die bäuerlichen Betriebs sind fast durchweg so groß, datz sie für den Markt produzieren. Von den ländlichen Bewohnern sind 73—83 Proz. landlose Leute. Daher die große Nachfrage nach Land. Unter den Städten nimmt Riga den ersten Platz ein. � Riga zählt zirka eine halbe Million Einwohner und ist— nach Petersburg und Odessa— die drittgrößte Hafenstadt Rußlands. Innerhalb 23 Jahren betrug die Bevölkerungszunahme zirka 233 003. Riga hat etwa 633 Fabriken. Die Stadt liegt zirka 12� Kilometer oberhalb der Dünamündung an beiden Ufern des beinahe kilo- meterbreiten Flusses. Dieser ist bis oberhalb Riga schiffbar und auch großen Ozeanschisfen zugänglich. Weiter oben hört aber die Schiffbarkeit auf. Im Frühzahr führt der Fluß große Mengen von allerlei Nutzholz aus dem Hinterlande nach Riga. Oft bildet der große Fluß eine einzige Flotzrinne— er ist bon oben bis unten voll Holz. Zu dem lokalen Bedarf kommt noch der Holz- ausfuhrhandel. Seit langem besteht der Plan, die Ostsee mit dem Schwarzen Meere, d. h. Riga mit Eherson durch einen schiffbaren Wasserweg zu verbinden. Zu dem Zweck sollen Düna und Dnjepr schiffbar gemacht werden. Noch vor Jahresfrist wurde dieser Plan erwogen. Die Kosten wurden auf 733 Millionen Rubel veranschlagt. Er wurde wieder zur Seite gelegt, weil die Regierung fremdem Kapital nicht so große Konzessionen machen wollte. Wird aber dieser Plan einmal verlvirklicht, so wird Riga noch mehr aufblühen. Andere wichtige Hafenplätze sind zunächst Libau und Windau an der kurländischen Küste, von denen Windau als eisfreier Hafen gilt. In der nördlichen Bucht des Ziigaschen Meerbusens liegt Per- nau, an der estländischen Küste— am Eingang zum Finnischen Meerbusen— Baltischport und Rcval, weiter östlich Narwa an der Narowa. Der Hafen von Baltischport gilt gleichfalls als eisfreier Hasen und kommt hauptsächlich in Betrieb, wenn der Nevaler Hafen durch Treibeis gesperrt wird. Da der Hafen von St. Petersburg im Winter gewöhnlich durch die Kälte versperrt wird, werden die Güter, die dorthin bestimmt sind, über Nepal oder Baltischport bc- fördert. Die baltischen Häfen exportieren hauptsächlich verschiedene Gr- treidcartcn, Flachs, Leinsaat, Bau- und Grubenholz, Bretter, Holz- stoff, Spiritus, Meicreiprodukte, Häute, Eier usw. sowohl russischen, wie auch einheimischen Ursprungs. Als bauptsächlichc Import- waren kommen in Betracht Baumwolle, Steinkohle, Kols, Eisen sroh und verarbeitet), landwirtschaftliche und andere Maschinen, Werk- zeuge und Geräte, mineralische Düngemittel, allerlei Fertigwaren und Produkte der elektrotechnischen und chemischen Industrie, Heringe, Steinkohlenteer usw. Es ist selbstverständlich, daß die Hasenplätze mit den großen Verkehrswegen Rußlands verbunden sind und daß neue zu ihnen geplant werden. Die«tädte hatten Garnisonen, aber als befestigte Städte kamen eigentlich nur Tünaburg und Libau, zuletzt auch Rcval in Betracht. Vor dein japanischen Kriege wurde unter Libau ein großer Kriegs- Hafen angelegt, der Hunderte bon Millionen verschlang. Wer kaum ivar er fertig, als er auch schon verlassen wurde— aus der Erwägung, daß die deutsche Landmacht Libau einnehmen könnte, bc- vor Rußland mobilisiert hätte... Diese Einsicht kam— für die Steuerzahler— reichlich spät; aber die Generäle, Ingenieure und Unternehmer aller Art hatten ihr Schäfchen im Trockenen... Sie zogen dann einige Tagemärsche weiter nördlich und begannen i1312j dieselbe Arbeit bei Rcval. Unter dem Namen„Kriegshafcn Peters des Großen" werden nun dort abermals Millionen ins Wasser die blinkenden Tropfen der kreisenden Spritze, die ich durch einen kleinen Elektromotor betreibe. Wenn wir ihn fragen, wie es ihm gehe, flüstert er lächelnd, er sähe zu, wie unsere Cantalupen wachsen, und träume bon der Tabakplantage! Doch es ist ihni gar nicht scherzhaft zu Sinn? man sieht es an seinen müden Mienen. Stuart und ich haben ihm porgeschlagen, auf ein paar Wochen in die Staaten zu reisen, um sich von der Tropenglnt dieses Himmelsstriches ein wenig abzukühlen? doch er erklärte, er brauche Wärme mehr denn alles, um sich zu erholen. Zn viel diirfen wir auch nicht in ihn dringen; dann wird cr ungeduldig und will seine gewohnte Arbeit wieder ans- nehmen. Einfalt— als mache es ihm nicht schon Mühe genug, ohne Hilfe in das Haus zu gehen... Doch im Stillen sind wir halb und halb entschlossen, uns den Arzt aus Oaxaca kommen zu lassen? wir fürchten, WardS Lunge hat einen ärgeren Defekt, als der Freud zugeben will? hier in der Wüste muß man sehr vorsichtig sein.— Auf jeden Fall habe ich mich um die Küche zu kümmern. Stuart traut nur darin mehr zu als sich selbst? zudem kann er nicht seinen Stollen im Stich lassen. So bin ich also Koch geworden, und ich finde, das ist keine so üble Beschäftigung. Unwillkürlich studiert man ein wenig Chemie dabei, wenn auch die organische, von der ich so gut wie gar keine Ahnung habe. Und die Axt im Haus erspart den Zimmermann. Dennoch sprechen wir davon, uns doch lieber einen Zimmermann, in unserem Falle eine Haushälterin, kommen zu lassen. Wir sehnen uns täglich niehr nach ein wenig Komfort. Stuart und Ward sind es kaum besser gewöhnt? mir schweben aber allerlei deutsche Ideale vor. Allerdings wenn wir anfangen uns die Einzelheiten einer solchen Ein- richtnng auszumalen, dann kommt kaum etwas Vcrniinftigcs dabei heraus: drei Junggesellen und c i n Weib— wenigstens zwei von ihnen würden Tantalusqualen ausstehen müssen. Außerdem ist so etwas hier teuer. Bin heute wieder bei Dickinson gewesen. Der schweig- same Mann ist ein kluger Ratgeber, aber ein gar langsamer. Auf jeden Fall hat er sich aber aufgerafft und ist in unser Gebirgstal geritten, um die Kraft des Maniallöpec zu prüfen. Und wie ich allmählich von ihm herausbekomme, hat cr sich auch die Strecke genau angesehen, auf der die Freileitung zn führen ist. Natürlich hat cr recht unvollkommene Vor- stellungen davon, wie die elektrotechnische Aufgabe zu lösen sei? aber da helfen meine Zahlen und Berechnungen aus. Eine Viertelmillion Pesos ist eine gewaltige Summe, aber er sieht selbst ein, daß es. nicht billiger zu machen ist,(Forts, folgt.) „ncliaiit". Gleichzeitig Begann man hart mit Sem Vau bau großen Werften und allerlei anderen Fabriken zu Marine- und Kriegs- zwecken. Rußland will sich ja eine große, große Flotte bauen. Und das internationale Riistungstapital beeilte sich, um ja nicht z» spät zu kommen... Seitdem bat sich die Stadt schnell vergrößert. sin ein paar Jahren stieg die Einwohnerzahl von zirka 80 00(1 aus 1l(3 000. Der„Goldregen" wirkte Wunder, wie in Amerika. Reval sollte stark befestigt werden. Die vorgelagerten Inseln — Nargen und Wulf— wurden von den Fischerbauern expropiiert und in Forts verwandelt. Ebenso sollte die Stadt auch landseits einen Festungsgürtel erhalten. Es wurde— vor dem Kriege— siebcrhast gearbeitet? Dag und Nacht wurde geschanzt, aber"beim Ausbruch des Krieges-war vieles vom Geplanten nach gar nicht angerührt. Jetzt dürfte es natürlich anders sein. Theater. L« st Ich i e I H a u Z:„Herrschaftlicher Diener gesucht", Schwan! von Engen Burg und Louis T a u f st e i n. Eugen Burg, der Schwerenöterrollcn mit Einschuß von Gemüt, insbesondere solche österreichischer Prägung, mit ungewöhnlich liebens- würdiger Bravour zu spielen pflegt, erntete in den anspruchslosen, von ihm und Herrn Taufstein znrechtgesimmerten Schwankszenen großen Beifall. Er erschien diesmal als elegmrler Berliner Pflaster ireter, der nach Verputzung mehrerer Vermögen um die neueste, wie er meint, endgültige Dame seines Herzens, den bekannten, unwider- slehlich naseweisen Lustspiclbackfisch, in dem Kostüm eines herrschaftlichen Dieners wirbt. Die junge Dame, die über- all den Anschluß an die letzte Mode sucht, ist zertentsprechend enragierte Patriotin, die allen Fremdwörtern und landeSfeindlichen Toiletten- mitteln Fehde geschworen. Eine reiche Tante, die den ungeratenen Neffen enterben wollte, vcrsallt, als Braut des verwitweten Haus- Herrn eingeführt, als sie ihn in Lakaikentracht erblickt, in Ohnmacht, und gehl voll Rührung über solche große Not in sich. Im letzten Akt ge- winnt die etwas lahmende Erfindung ein rascheres Possentempo, das den Erfolg entschied. Der zu der Front berufene Don Juan kehrt feldgrau wieder, freilich nicht als Held, sondern als stiefelwichsender Bursche des Schwagers seiner Angebeteten, und eine lustige Jagd von lieber- raschungen setzt ein. Die Ausnahme war äußerst freundlich. In Fräulein G l ä ß n e r hatte der Schauspiclerautor eine tcmpera- menlvoll fesche Partnerin. ät. Trianon-Tbeater.„Die Heirats schule", Lust- spiel von Heinrich S t o b i tz e r und Alerander Engel. Bis vor einem Jahre begegnete man im Trianon-Theater nur Spaßen und Schwänken von mehr anrüchigen denn künstlerischer Zartheit. Der Krieg hat dem hoffentlich für immer ein Ende bereitet. Seitdem greift man auf Stücke anderswoher. Nach einer amerikanischen Komödie folgt jetzt als Kompagniearbeit von zwei nicht unbekannten deutschen Autoren„Die Heiratsschule". Das hier zur Diskussion gestellte Thema ist weder besonders neu noch besonders lief ge- schöpft. ES dreht sich in der Hauptsache um den Beweis einer dunkel- hast einseitigen Erziehung der Töchter höherer Beamtenslände. Sie würden zur Erlernung aller gangbaren schöngeistigen Dinge angehalten. nicht um darin einmal was Tüchtiges zu leisten, sondern— um einen Mann zu ergattern. Ob sie den wirtschaftlichen Aufgaben einer Frau gewachsen sind— das ist eine total nebensächliche Frage. Es hängt gewiß viel Wahres daran, und wir glauben auch, daß eine Wendung zum Besseren von dem Augenblick an, wo man vom In- stitut der Ehe im besonderen und von der Arbeit im allgemeinen respektvoller denken lvird, auch in jenen Ständen eintreten könnte. Die beiden Autoren vermeinten ihrerseits mit der lustspielmäßigen Behandlung eines ernsthaften Problems genug getan zu haben, und diese Lösung ist ihnen unbeschadet gewisser Ilnwährscheinlichkeitcn ge- glückt. Man unterhält sich gut und nimmt auch vielleicht ein Körn- chen Binsenwahrheit nach Hause mit. Ein zum größten Teil neues Personal vcrhalf dem Lustspiel zu lebhaftem Erfolg. Einige Dar- steller ließen sogar recht hübsche Leistungen sehen. ob. Volksbühne(Theater am Biilowplotz):„Die Lokal- bahn" und„Die Medaille". Komödien von Ludwig T h o in a. Man kann an solchen Stücken jetzt keine reine Freude mehr haben. Sie wenden sich gegen Schichten, fast gegen Klassen und Parteien. Verspotten deren Fehler, verhöhnen insbesondere Rück- gratlosigkeit und Streberci. Das mochte früher angehen. Aber der Krieg hat die Parteigcgensätze aufgehoben, und gerade der Dichter Thoma gehört ja auch zu denen, die jetzt keine Parteien mehr kennen. Wer darf es da wagen, über die Bürger von Dornftein oder über das Amtsgericht von Dingsda zu lachen( Keine reine Freude hat man mehr daran. In der Tat blieb der Beifall der Zuschauer nach der„Lokal- bahn" ganz schwach. Waren sie nachdenklich geworden? Zum Glück wird bei der„Medaille" daS Programmatisch-s-atirische durch daS Ulkige übertönt ies kam auch besser heraus), und io triumphierte die Heiterkeit über die Bitterkeit. Damit ist im Grunde freilich auch dem früheren Thoma sein Recht geworden, denn ihm lag immer mehr daran, zu zeichnen, als zu kennzeichnen. Und wirklich gab ja einst ein größter Zeichner die Parole: bilde, Künstler, rede nicht. Doch gibt es Dinge, bei denen das Bilden allein nicht genügt, bei denen der Künstler auch reden muß. Nicht in Leitartikeln zwar: aber er muß etwa, wenn er denn einmal sozial-satirisch wird, so zeickmen, so bilden, daß seine Absicht, sein Standpunkt(wenn er einen hat» klar wird. Will sagen: gebt ihr euch einmal für Tendenzpocten. so kommandiert auch die Tendenz. Auch ein aus- gesprochenes Tendenzstück kann trotz alledem ein größtes Kunst- werk sein. Aber dann würden diese Komödien jetzt eben nicht gespielt werden, und sie wirken doch, selbst mäßig dargestellt, gerade jetzt erfrischend— wenn man sich an den ulkigen Teil hält. Zum Glück war überdies nicht alles mäßig. Zwar mußte man sich mangels einer durchgängigen Höhe des Gesamtspiels und mangels tieferer Verknüpfung der Spielenden an einzelne Künstler halten, die— wie das zum Tröste in solchen Fallen immer zu sein pflegt— kraft ihrer eigenen Erfahrung oder Befähigung wenigstens runde und lebendige Einzel- figuren hinstellen; aber gerade hier bot Otto Eggertb einen Gipfel, zunächst mit dem Brauer Schweigel, der die ganze kalt-schlaue Be- rechnung des... schon gut; über Thema sollte ja nicht gesprochen iverden. Eggerlhs Leistung hat ihren Wert ja auch rein in der saftigen Gestaltung, die nicht etwa nur der großen Meister- Ichast im Dialekt und in sonstigen Lokaleigcnlümlich- leiten geschuldet ist, sondern der Disziplin und dem Ge- schmack dc-s Darstellers— oder eines früheren Regisseurs, der ihn so geknetet hat für diese Rollen. Denn sein Lampl war von gleichem Wuchs. In der„Medaille" kamen auch andere Typen zur Geltung, besonders Hermann Hellwegcr als Sedlmaier. Emil Raineaus Amtmann war selbstverständlich meisterhaft, gerade auch darin, daß er sozusagen nicht zur Geltung kam. Aus der Dorn- steiner Komödie wären noch Else Bäcks Tante und Erna Schöllers Dienstmädchen zu nennen. E. F. Schulen angestellt, und die Vorlesungen wiesen� einen so überraschend großen Besuch(300 bis 1500 Schüler bei jeder Vorlesung) auf, daß man sich alsbald entschloß, auf diesem Wege weiter zu gehen. ES wurden daher zunächst zehn solcher Vorlesungs- Zentren eingerichtet. Gleichzeitig begann daS Museum den Lehrern Diapositive aus dem Museum zur Verfügung zu stellen, um den Vortrag durch Lichtbilder zu unterstützen; von den etwa 30000 Dia- positiven, die das Museum besitzt, werden über 12OOO verliehen. Ilm ferner das Anschauungsmaterial für den Naturuntemcht in den Volksschulen zu verstärken, wurde in einer der Schulen ein Unterrichtsmuseum eingerichtet, zu dem das Museum das Material hergab. ES wurde eine Reihe von acht Vorlesungen für die Ele- mentarschulen abgehalten, bei der der Besuch stets groß war; wiederholt war die 1500 Sitze enthaltende Halle bis auf den letzten Platz besetzt. Ueberhaupt kommt das Museum in jeder Hinsicht den Bedürfnissen der Lehrer nach Möglichleit entgegen. Ganze Samm- lungen werden an die Schulen_ durch die MuseumSbotcn geliefert, ohne Unkosten für die wckmlc oder für den Lehrer, und ebenso werden sie am Ende der Leihperiode wieder ab- geholt. Während deS Jahres 1011 wurden von 550 Volksschulen der Stadt 151, d. h. ungefähr 30 Proz., regelmäßig mit dem für das Naturstudium erforderlichen Material versehen. Die zirkulierenden Sammlungen wurden im Jahre 1911 von mehr als l1� Millionen Kinder benutzt. Zugleich läßt es sich die Abteilung angelegen sein, die Schulkinder dazu anzuleiten, wie sie die MuseumSsammlungen benutzen sollen. Der Bericht hebt ausdrücklich hervor, daß die Lehrer in immer steigendem Maße die Aufmerksamkeit ihrer Schüler auf ganz wenige Hallen zu lenken lernen, anstatt sie durch das ganze Museum hindurchzuschleppen. kleines§euilleton. vas Museum für Naturkunüe im Dienste öes Erziehungswesens. In dem Jahresberichte des„American Museum of Natural History" über das Jahr 1911 interessieren ganz besonders die Mitteilungen über die dem öffentlichen Erziehungswescn gewidmete Abteilung, über die die„Naturwissenschaften" nähere Mitteilungen veröffentlichen. Seit mehr als zehn Jahren veranstaltet diese Ab- teilung für die Schüler der Volksschulen Vorlesungen, die besonders in der Geschichte, der Geographie und Naturgeschichte den Schul- Unterricht ergänzen. Die Vorlesungen werden außerhalb der Schul- stunden in dem Museum abgehalten, und obgleich ihr Besuch ganz freiwillig ist. nahmen doch jährlich ungefähr 10 000 Kinder daran teil. Mit Rücksicht daraus, daß es in New Jhork keine geringe Schwierigkeit für den Lehrer ist, eine Klasse von 25 bis 50 Schülern sicher durch die Straßen der c-tadt bis zum Museum zu bringen, und daß auch viele Eltern nicht in der Lage sind, das erforderliche Fahrgeld herzugeben, haben zahlreiche Lehrer� das Museum darum gebeten, ihre Borlesungen in günstig gelegenen Schulen zum Frommen der Schüler, die das Museum nicht besuchen können, zu wieder- holen. Der Versuch wurde zunächst in zwei zentral gelegenen Das verSerben öer Eier öurch öakterien. Die in den Vereinigten Staaten durch das Verderben der Eier entstehenden Verluste sind auf wenigstens 17 Proz. des Gesamtwertes der Produktion, das heißt auf 180,5 Millionen Mark jährlich. geschätzt worden. Dies war die Ursache für Untersuchungen, die Bushnell und Maurer am Eansas State Agricultural College angestellt haben. Um festzustellen, ob die Infektion vor oder nach der Eiablage geschieht, also ob die Ursache der Ansteckung auf einem Mangel an Lebenskraft, auf Störungen im Verdauungstrakt während der Eibildung beruht, oder ob sie auf schlechte Behandlung der Eier nach der Ablagerung zurückzuführen ist, wurde der Bakteriengehalt und die Haltbarkeit frischer Eier vcr- glichen. und zwar Eier, die bei verschiedenen Haltungs- bedmgimgcn der Hennen erzielt wurden, mit solchen Eiern, die unter gleichen Verhältnissen gelegt wurden, dann aber nachträglich behandelt wurden. Aus den vielen Schlußfolgerungen seien die wichtigsten angeführt. Zunächst wächst die Zahl der infizierten Eier mit dem Alter der Henne. Beim Halten der Henne im Freien ging die Zahl der in- fizierten Eier zurück; eine Verfütterung von Brei hatte ein An- steigen der Zahl der infizierten Eier zur Folge. Die Befruchtung der Hennen hatte, soweit die Versuche darlegten, keine Zunahme der infizierten Eier zur Folge, woraus geschlossen werden muß. daß die leichtere Vcrderblichkeit der befruchteten Eier auf die Entwicklung des Keimlings zurückzuführen ist. Sommereier sind häufiger infiziert als Wimereier und selbst als Frühlingseier. Mehrere Hennen, die hauptsächlich mit Luzerne gefüttert worden waren, legten keine so- genannten„fetten Eier", d. h. solche Eier, bei denen das Eiweiß eine grünliche, durch Esctorium pyoeyaneus, Bacterium fluorescens liqueaciens verursachte Färbung aufweist. Man fand in ihren Eiern kein Bakterium, das Pigmente erzeugen kann. Notize». — Vom Gelehrtenkrieg. Der Vorstand der Laryngo« l o g i s che n Gesellschaft zu Berlin hat einstimmig S i r Felix Semon aus der Liste der Ehrenmitglieder gestrichen. — Entkommen aus der japanischen Gefangenschaft ist der Maler Max Pech st ein, wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt. ssnüet Golem iUeikiun Salem Gold Zigaretten WillKommensfe Liebesgabe Preis• N? ava 4 s s s 10 3V2 4 5 6 S 1O Pfg.d.Stck. 20 Sfck.feldpostmässig verpackt portofrei! 50 Sfckfeldpostmässig verpackt 10 Pf JPorto! Orienf.Tabak-u.Cfgareöen-Iabr.yenid2eJ)resden Jnb.Hugo Ziefz JiofHeferani SUdKonigs v.Sachsen Tmsffrei f H.& P. Uder, Haupt-Niederlage der N. k. österr. Tabak-Regie. Zigarren— Zigaretten— KaucUtabakc. Nur für Wiederverkäufer zu Originalpreisen, Alleinverkauf der Fabrikate der Firma F. J. Burrus St. Kreuz Größte deutsche Ilauchtabukiabrikation. Jahrespruduktlon über ö OOO OOO Pfd. Rauchtabake Zigaretten-Spezialität: IVAIgerlennc. Kleine Anzeigen Verkäufe. 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Betriebsbahnhöfe: Nr. 1 Reinickendorf, Pankower Allee Nr. 62/63. 2 Brandenburgstr. 76/77. . 3 Nieder-schönhauscn, Kaiser- Wilhelinstraßc. „ 4 Neukölln, Köllnische Allee. , 5 Tempelhos. Kaiserm-Augusta- straße 40. 6 Tegel, Schloßstr. 9/10. „ 7 Ackcrstr. 3/4. „ 8 Ofener Str. 1. 10 Schöncbcrg, BclzigerStr.ll/IS ,. 11 Lichterfeide. Chauffcestr. 67/70. „ 12 Charlottenburg, Huttenstraße. , 13 Wilmersdorf. Weftsälischenr. Nr. 73/75. „ 14 Krcuzbcrgstr. 16/20. „ 16 Westend,«rpandmicr Straße. „ 17 Britz, Gradestratze. „ 19 Schönhauser Allee 123. „ 20 Treptow. Elsenstr. 111/114. „ 22 Weißcnscc, Berncastlerstr. 80. „ 24 Lichtenberg, Siegsricdstraßc. Meldungen in den Bureaus der Hanviivcrkstatt bczw. Oberlciiungs- bauabicilung, aus den Beiriebsbahn- bösen bei den Wageimtciftern.*