St. 145.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Donnerstag, 24. Imti. Die Chemie der Zelle. Von Dr. A. L i p s ch ü tz. Es War ein groher Schritt in der Erkenntnis deS Lebens getan, als vor mehr als 75 Jahren die Zelle entdeckt wurde. Alle viel- gestaltigen Probleme der Biologie tLebenserkenninis) waren auf e i n Problem zurückgeführt, auf das Problem der Zelle. Die Zelle wurde zum Brennpunkt der ganzen Lehre vom Leben. Aber auch noch in einer anderen Richtung ward mancher Schritt getan in der Erkenntnis des Lebens. Der Biologe war zum Chemiker in die Schule gegangen, oder, wenn man der historischen Eniwickelung der Biologie mehr gerecht werden will, der Chemiker hatte seinen Einzug in die Biologie gehalten. Der Chemiker Wähler Kalte im Jahre 1828 den Bann gebrochen, indem er zeigte, dag ein Stoff, dessen Vorkommen man bisher nur in der belebten Naiur gekannt hatte sich mir den Hilismitreln des chemischen Labo- raloriums aus den Stoffen der leblosen Natur darstellen lasse. Und der groge Chemiker Justus Liebig hatte mit wuchtiger Hand zahl- reiche Probleme der Cbemie des Lebens angegriffen. Im Schmelz- topf des chemischen Laboratoriums wurden die Organe von Tier und Pflanze verarbeitet, um auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht zu werden. Und welche gewaltigen Triumphe hat die biologische Chemie, oder wie man sie auch zu nennen pflegt, die physiologische Chemie feiern können! Aus dem Effesf sind wir über die chemische Zusammensetzung von Tier und Pflanze unterrichtet. In großen Tabellenwerken kann ein jeder, der Auskunft in diesen Dingen braucht, darüber nach- schlagen. Genaueste Kenntnis besitzen wir auch über die Wand- lungen, die die Stoffe bei der Verdauung in unserem Körper erfahren, in großen Zügen sind wir unterrichtet über all die chemischen Prozesse, die in ihrer Gesamtheit den Stoffwechsel der lebendigen Substanz von Tier und Pflanze ausmachen. Aber beinahe alles, was wir über die chemische Zusammen- setzung der lebendigen Substanz und über ihren Stoffwechsel wissen, haben wir aus der Untersuchung der vielzelligen Tiere gewonnen: als Ganzes sind vre Organe von Pflanze und Tier in den Schmelztopf des chemischen Laboratoriums gewandert, als G a n z e s sind Pflanze und Tier auf ihren Stoffwechsel hin im Laboratorlum unter'ucht worden. Die Zelle halte man dabei ganz vergessen. Also müssen wir uns heute besinnen und Zell chemie treiben: Denn alles Leben ist ja in letzter Linie ein Leben von Zellen. Und wenn wir uns ein allgemeines Bild machen wollen über jenes chemische Spiel, das das Leben ist, so müssen wir die große Summe unserer Kenntnisse über die chemische Zusammensetzung und über den Stoffwechsel von Pflanze und Tier auf die Zelle anzuwenden versuchen. Jede einzelne Zelle ist schon der Tummelplatz für all die mannigfaltigen chemischen Lorgänge, die den Stoffwechsel aus machen. Jede einzelne Zelle ist ein lebendiges Laboratorium für sich. JSie greifen da die einzelnen chemischen Glieder in der Kette des Stoffwechsels ineinander? Die Chemie der Zelle das ist die allgemeine Form des Problems vom Leben. Ter Chemiker, der die Organe von Pflanze und Tier in seinen Schinclztopf hat wandern lassen, um sie auf ihre chemische Zu sammensetzung zu untersuchen, der sagt uns. daß alle lebendige Substanz aufgebaut ist aus Eiweißstoffen, aus Fetten und aus Kohle Hydraten, und dann noch aus Wasser und Salzen. Nu« nehmr euch Eiweiß, Fett und Zucker, Waffer und«salze, wie sie in der lebendigen Substanz vorhanden sind, und mischt sie miteinander: „ES leuchtet I seht!— Nun läßt sich wirklich hoffen, „Daß, wenn lvir aus viel hundert Stoffen „Durch Mischung— denn auf Mischung kommt eö an— „Den Menichenstoff gemächlich komponieren, „In einen Kolben verlutieren „Und ihn gehörig kobobieren, „So ist das Werk im Stillen abgetan.* (Faust. IL Teil.) O nein, das Werk ist noch nicht abgetan, Leben regt sich nicht im Kolben! Die Zelle ist kein einfaches Gemisch von Eiweiß, Zucker, Fellen, W«sser und Salzen, wie eine Uhr kein einfaches Gemisch von Stahl und Messing ist. Hübsch säuberlich und fein organisiert ist alles in der Zelle, auf Protoplasma und Kern verleilt. Und neben Kern und Protoplasma gibt es in den meisten Zellen noch zahlreiche andere Bestandteile. Da find im Kern ein oder mehrere kleine Körperchcn, Kernkörperchen genannt, da sind Fäden und Netze im Protoplasma und im Kern, und kleine Kügelchen im Proloplasma, die man Granula nennt. Aber damit, daß wir den einen Teil der Zelle Protoplasma und den andern Kern heißen, und daß wir im Kern Kernkörperchen unterscheiden, oder daß wir statt Kügelchen Granula sagen, haben wir wahrhaftig noch nicht viel gewonnen für ein Verständnis des Lebens. Wir müssen weiter forschen, wir müssen unS fragen, aus welchen chemischen Stoffen die einzelnen Teile der Zelle zusammen- gesetzt sind und wie die einzelnen Teile der Zelle in den Stoff- Wechsel der lebendigen Substanz eingleisen. Das Spiel der che nitschen Stoffe in der Zelle, das ist jetzt unser Ziel: wir müssen Zellchemie treiben. Einen der ersten großen Vorstöße in der Mikrochemie hat M i e s ch e r getan, der vor etwa 20 Jahren verstorbene geniale Physiologe von Basel. Miescher hatte sich zum Ziel gesetzt, die chemische Zusammensetzung des Kernes der Zelle zu unter- suchen. Er mußte nun einen Weg suchen, wie er Kern und Proloplasma von einander trennen könnte. Das ist aber leichter gesagt als getan; denn Protoplasma und Kern sind ja immer beisammen in der Zelle, die wir mit Händen nicht soffen können. Miescher griff für seine Unlersuchuugen zu einem chemischen Mittel, das sich gegenüber Protoplasma und Kern verschieden verhält, zu pepsinhaltigen Flüssigkeilen, mit denen er Eilerzellen behandelte. Eiterzellen sind sehr kernreich— eS sind weiße Blutkörperchen, die sehr viel Kernmaffe besitzen. Behandelt man Erlerkörperchen mit einer Flüssigkeit, dre Pepsin oder Magensaft enthält— so wird das Protoplasma verdaut, zerstört, während die Kerne sich ziemlich unverändert erhalten. Auf diese Weise gelingt es, Protoplasma und Kern voneinander zu trennen und Kernsubstanz in die Hand zu bekommen. Auch Samen- zellen hat Miescher zu seiner Untersuchung benutzt. Samenzelle» haben ungeheuer viel Kernsubstanz im Vergleich zur Protoplasma- masse, und so sind sie ein äußerst günstiges Objekt für eine Unter- suchung über die chemische Zusammensetzung des Kernes. Miescher machte die Entdeckung, daß der Kern chemisch anders zusammen- gesetzt ist als das Protoplasma, daß im Kern höchst komplizierte Eiweißkörper vorkommen, die durch ihren Gehalt an Phosphor aus gezeichnet sind. Die Entdeckung von Miescher ist für die Cbemie der lebendigen Substanz von der größten Bedeutung gewesen, und auch in der wissenschasrlichen Medizin hat sie außer- ordentlich fruchtbringend gewirkt. Die Lehre von der Gicht z. B. knüpft an die Lehre von den Nukleoprotciden an, den phosphorhaltigcn Eitveißivrpern im Kern der Zelle, die Miescher enl- deckt hat. Eigentlich war die Kenntnis von dem Borkommen Phosphor haltiger Eiweißkörper im Zellkern die einzige gut gekannte Talsachs aus der Chemie der Zelle die langen Jahre hinaus, wo man nur wenig Mikrochemie(Chemie des Kleinen) getrieben hat. Aber in einer Beziehung gab es doch schon eine Mikrochemie. Der Mikroskopiker, der sich über die Struktur der Zellen orientieren will. verfährt in der Weise, daß er die Organstücke, die er mikroskopisch untersuchen will, in verschiedene chemische_ Flüssigleiten ver setzt. Er bringt sie in Alkohol, in Salze, in Säuren, um sie zu „fixieren", damit ihre Struktur bei der Untersuchung nicht Veränderungen erleidet, und dann tut er sie in verschiedene Farblöiungeii, um sie zu färben. Es färben sich die einzelnen Bestandteile der Zelle, Kern und Protoplasma, Kernkörperchen und Protoplasma-Eiw schlüsse in ganz verschiedener Weise. Und es ist ein buntes Bild, das sich uns unier dem Mikroskope darbietet, wenn wir uns einen Schnitt durch die Haut, durch die Leber, durch die Nieren oder durch das Gehirn ansehen, der mit den heute übliche« Färbemethoden im Laboratorium des Mikroskopilers behandelt worden war. ES ist von vornherein klar, daß das verschiedene Verhalten der einzelnen Zellbestandteile gegenüber den Farbstoffen darin seinen Grund haben muß, daß sie chemisch verschieden zusammengesetzt sind. Jeder Farbstoff— man benutzt in der Regel Anilin- farbstoffe— ist ein gut gekannter chemischer Stoff, und das verschiedene Verhalten der einzelnen Zellbestandteile gegenüber den Farbstoffen ist ein verschiedenes Verhalten gegenüber chemischen Stoffen. An dem Verhalten bei der Mischung mit airderen istoffen beurteilen wir aber die chemische Zusammensetzung der zu untelsuchenden Stoffe. Ohne daß man recht dadiber nachdachte, hatte man lange Jahre schon Mikrochemie getrieben. Es galt nunmehr, die Mikrochemie in dieser Weise bewußt zu treiben. Und wie das am besten zu machen ist, das hat uns vor kurzem der hervorragende Hamburger Gelehrte Prof. P. G. Unna gezeigt. Er hat im Schwammgerüst des Protoplasmas kleine Körn- chen entdeckt, die die Eigenschast haben, sich mit bestimmten Anilin- färben zu särben, so daß man sie im Proloplasma gut unterscheiden kann. Und noch etwas anderes hat Unna über die kleinen Körnchen im Protoplasma festgestellt. Er hat nämlich gesunden, daß� die Körnchen sich in ganz gewöhnlichem Wasser aufzulösen vermögen. Behandelt man z. B. einen Schnitt durch die Haut, bei dem man in den Zellen der Oberschicht die kleinen Körnchen gut zu sehen be- koinmt, mit Wasser, so lösen sich die ftöriicheir aus, und versucht man nun eine Färbung des Schnittes, so sind die Körnchen nicht mehr zu sehen. Da war ein ganz neuer Weg für die Mikrochemie gewiesen: zu prüfen, wie sich bestimmte Bestandteile der Zelle gegenüber den verschiedenen Lösungsmitteln verhalten, wie es der Chemiker tut, der da seine Substanzgemenge zu extrahieren pflegt. Mit Hilfe der Färbung kann man ja dann kontrollieren, ob man mit diesem oder jenem LLiungsmittel den fraglichen Bestandteil der Zelle herausgelöst hat. Die erwähnten kleinen Körn- chen im Protoplasma sind wasserlöslich. Sie können also nicht aus denselben Eiweißstoffen bestehen, aus denen das Protoplasma sonst aufgebaut ist. Es muß ein wasserlöslicher Eiweißstoff sein. Zahlreiche Untersuchungen, die Unna in Gemeinschaft mit seinen Schülern über diese Frage auszeiührt hat, haben ergeben, daß diese Körnchen aus sogenannter Albumose bestehen, einein Spallprodukt der Eiweißstoffe, wie es auch bei der Verdauung der Eiweißstoffe im Darm entsteht. Mit Hilfe verschiedener mikro- chemischer Metboden ist es Unna gelungen, auch im Kern einige ver- schiedene Eiweißkörper von einander zu treiinen. Von ganz besonderem Interesse sind die Untersuchungen, die Unna und seine Schüler darüber angestellt haben, wie die einzelnen Teile der Zelle in den Stoffwechsel der Zelle eingreifen. Es ist ihm der Nachweis gelungen, daß der Kern in ganz bestimmter Weise in den Atmungsprozeß der J�elle eingreift: der Kern„akli- viert" den ausgenommenen Sauerstoff der Lust. Wenn Eiweiß oder Kohlehydrate und Fett vom Sauerstoff von der Luft angegriffen werden sollen, wenn sie verbrennen sollen, ohne daß die Temperatur des Ofens herrscht, so muß der Sauerstoff in einer anderen Form vorhanden sein, als sie der Sauerstoff in der Luft bietet. Hühnereiweiß und Zucker verbrennen beim Stehen an der Luft keinesialls. Dazu müssen die Sauerstoff- moleküle, wie sie in der Lust enthalten sind, in Sauerstoffalomc aufgespalten werden. Das eben besorgt der Kern der Zelle, ime Unna gefunden zu haben glaubt. Unna hat auch gezeigt, daß die kleinen Körnchen im Protoplasma, die, wie wir gesehen haben, aus eiweißähnlichen Albumoien bestehen. Sauer st off speicker in der Zelle sind: sie fangen den„aktiven" oder freigewordenen Sauer- stoff, den der Kern ihnen zuschiebt, auf, und halten ihn bereit sür all' die vielen Verbrennungsprozesse, die sich in jeder Zelle dauernd abspielen. So ist eS doch schon etwas, was wir heute von der Chemie der Zelle wissen, und wenn man nur die neuen Wege gehen wird, die hier gewiesen sind, dann wird man schon zu weiteren Zielen kommen. Groß ist das Ziel der Mikrochemie, und manch' neuen Gesichts- Punkt wird sie eröffnen, den man früher gar nicht geahnt hat. Auf ein Beispie! sei hier hingewiesen: Unna hat gefunden, daß die kleinen Körnchen, die er im Protoplasma der Zellen der vielzelligen Organismen vorfand, Gebilde darstellen, wie sie in der Amöbenzelle nicht vorkommen. Nun haben wir erfahren, daß diese Körnchen eine wichtige Nolle bei der Atmung der Zelle spielen, daß sie die Sauerstoffipeicher in der Zelle sind. Im vielzelligen Organismus, in dem die meisten Zellen iehr weit von der Quelle des Sauerstoffs entfernt sind, braucht es eben besondere Einnchtuiigen in der Zelle, um sie mir dem für den Ablauf des Lebens nötigen Sauerstoff gut versorgen zu können. Ganz anders als bei den Einzelligen, die von dem sauerstoffhaltigen Waiier direkt umspült werden. Eine ganze Menge fürwahr, was die Mikrochemie uns erschließt. Der Isonzo. Mehr noch als die Kämpfe im Trentino haben für den italie- nisch-österreichischen Krieg die Ereignisse am Jsonzo eine hervor- ragende Bedeutung. Des Kriegöziel Italiens richtet sich zwar in gleicher Weise nach Norden wie nach Osten. Aber bei einem Vor- gehen gegen Tirol winkt ihnen selbst bei Aufwendung bedeutendster Die Erweckung öer Maria Carmen. ssj Von Ludwig Brinkmann. Zunächst waren infolge des Hinscheidens unseres Freundes allerlei Briefe zu schreiben, an Wards Vater zur Ergänzung meiner gestrigen Depesche, an Powell, an den Kaplan von Taviche wegen einer Begräbnisstclle in irgend- einem Winkel des Kirchhofes, der flir Andersgläubige bestimmt ist, und noch einige kurze Benachrichtungen an Dickinson und andere Freunde in Taviche, die sich um Leben und Sterben der Besitzer der Maria Carmen vielleicht kummern mochten. Dann hatte ich, wie mit Stuart ver- abredet, eine neue Pumpe samt Motor zum Ersatz des ver- lorenen Aggregates bei der D. E. G. zu bestellen, wobei ich der Firma die Grötzengebung in weiten Grenzen überließ, wenn sie nur schnell liefern würde; wieder eine durch die Ueberstürzung doppelt und dreifach verteuerte Transaktion. die sehr viel billiger für uns hätte sein können, wenn Powell vernünftigen Vorstellungen ein klein wenig zugänglicher wäre. Doch in Zukunft werden wir uns nicht mehr viel um sein Veto kümmern; wir haben genug Schaden bislang dadurch erlitten! Gegen Mittag trat ich auf den Hof hinaus, wo unsere beiden Zimmcrleute mit dem Bau eines schlichten Sarges be- schäftigt sein sollten: aber das letzte Gemach des armen Freundes lag unfertig in einem Winkel auf dem Boden. während Stuart mit den beiden Schreinern und noch zwei anderen Arbeitern ein paar mir zunächst uncrklärbarc Gc- stelle lius alten Kisten, in denen im Laufe des Jahres unsere Maschinen angekommen waren, zusammenfügte. Auf meine Frage erwiderte er:.. A,.... „Eimer sollen es werden, weiter nichts: dre Haspel rst ia noch heil: wir müssen es damit schaffen! Kannst Du etwas Pech oder dergleichen auftreiben, um dre Fugen auszu- schmieren?" Mir fiel eine Büchse mit Mennige ein, die wir sür unsere Rohrkonstruktionen brauchten, und Hanf war auch vorhanden. „Aber der Sarg!" nxindte ich ein. „Ter kommt heute nacht oder morgen früh an die Reihe: dann lasse ich D i ch schalten und walten: aber meine Eimer müssen bis heute abend fertig sein!" Bekümmert ließ ich Stuart seinen Willen.- Sein Gesicht war aschgrau, die Augen schwarz umrändert: ich fühlte, wie er namenlos litt--- Tie beiden Eimer waren wirklich bei Sonnenuntergang fertig' und wurden in den Berg geschafft, in dem auch Stuart mit seinen Leuten verschwand. Unterdessen war das schlichte Abendbrot bereitet: ich sandte nach langem vergeblichen Warten Jös6, der von dem Kaplane mit dem Bescheid, daß das Leichenbegängnis am nächsten Tage um neun Uhr früh erfolgen könne, zurückkam, zu Stuart. Nach geraumer Zeit erschien der Bursche wieder und erklärte, daß Don Juan besohlen habe, ihm etwas Fleisch, Brot und Tee in den Berg hinauSzubnngen: der Herr könne aber selbst nicht kommen. Ich trug selbst die Speisen fort— ich mußte Stuart sprechen. Er stand, überallhin Anweisungen gebend, mitten unter seiner Schar von Leuten. Wie dumpfer Tonner rollte seine gebieterische Stimme durch die Felsenwände des Berges. lieber die Schachtöffnung ließ�er ein Gerüst zimmern, um den Querbalken, der die große Seilscheibe trägt, zu verstärken und die seltsam kistcnförmigen Eimer zu verankern, jedesmal wenn sie ihre vertikale Reise beendigt haben würden. Ich sagte ihm, daß Ward morgen vornnttag beerdigt werden solle. „Sehr wohl," murmelt Stuart und nimmt einem Manne, der sich etwas ungeschickt anstellt, den Balken ab und reicht ihn selbst dem oben auf dem Gerüst stehenden Gehilfen zu. „Ich muß aber jetzt die beiden Zimmerleute haben, da- mit der Sarg fertig wird." „Das geht nicht, geht durchaus nicht an," erwidert Stuart, „ich brauche die Leute die ganze Nacht!" Er bat in der Erregung spanisch gesprochen. Einer der beiden Männer, von denen die Rede ist, hört das und stöhnt: „Ich kann bald nicht mehr: ich bin jetzt schon so müde!" John springt mit einem Satze auf ihn zu: der Plann weicht scheu zurück: dann lächelt Stuart verächtlich, ohne daß ein Wort weiter zwischen ihnen gewechselt worden wäre. Herr und Diener haben sich verstanden. Dann nehme ich meine Sache wieder auf: „John, der Sarg muß gemacht werden!" Er zischt mich an, aus einer unverhüllten Feindseligkeit heraus: „Was kümmern mich die Toten! Morgen bekommst Du die Zimmerlcutc! Mag Ward übermorgen begraben werden— dieses Geschäft hier geht vor!" Ich war tief verletzt über die Gefühllosigkeit, die Stuart dem öahingeschiedenen Freunde und auch dem lebenden— mir— gegenüber bewies. Zudem fühlte ich, daß aller Wider- spruch den Rasenden nur noch mehr reizen könnte, und ich ließ Stuart stehen.— Als ich aus dem Berge herausgekommen war. strahlten die Sterne vom Himmel hernieder. Ich war so arm im Herzen geworden, daß mir der etwas unerwartete Anblick des Sternenhimmels wie ein seliges Geschenk der Unsterblichen erschien. Allmählich kehrten meine Gedanken zu den näher liegen- den Dingen zurück, und mir fiel die Ausgabe ein, den Freund in weniger als zwölf Stunden zu bestatten. Stuarts Vorschlag, damit bis zum übernächsten Tage zu warten, war natürlich Torheit: wenn alles andere noch zu ändern gewesen wäre, die Tropensonne ließ sich doch nicht zum Stillstand bringen. Aber der«sarg, der Sarg! Die Bretter waren geschnitten und gehobelt, aber noch nicht zu- sammengefügt, und ich hatte keine Zimmerleute: sie waren im Berge zurückgehalten. Endlich fand ich eine Lösung: es war die einfachste, auf die nian aber stets zuletzt kommt. Ich weckte Jos6 aus seinem Schlafe: er sollte mir behilflich sein, vor allen Dingen die Lampe zurechtrücken, damit die nächtliche Arbeit mir durch die Dunkelheit nicht allzu sehr aufgehalten würde.— So gingen die letzten Stunden dahin, in denen die stcrb- liche Hülle Wards noch unter uns weilte. Ich riß mit der Nadel in die Kanten der Bretter die Schwalbenschwanz- verzinkung ein, sägte die Schnitte, einen nach dem andern, und stemmte die Enden mit dem Meißel aus. Seit zehn Jahren hatte ich keine derartige Arbeit mehr getan, und alles war mir daran unbewohnt geworden; aber wie die Stunden dahin flössen, schritt das Werk vorwärts, und mit dem Morgengrauen konnte ich Sarg und Deckel zusammenfügen, den Boden und die obere Planke ans den Rahmen nageln. Ich weiß mich kaum noch zu erinnern, welche Empfin- düngen mir die«seele in jener fleißigen und dennoch endlos langen Nacht durchzogen. JostZ nützte mir nicht viel und störte mich nicht viel: er schlief zumeist, im Sitzen oder Stehen, und selbst in seinen lebhaftesten Momenten war er mehr als schlaftrunken. Also war ich allein, und allmählich zogen sich meine Gedanken von den Freunden und dem Jmparcial zurück. Werde i ch dereinst einen so schönen Sarg besitzen? Wird sich mein letzter Freund, wer es auch sein mag, die Mühe geben, die ich mir gab. wird er mir eigenhändig die wirklich letzte Ehre erweisen, mir in banger, mühseliger Nacht die sechs Bretter zusammenzufügen? Wird mir ihn nicht vielmehr ein Mietling in eilfertiger Lohnarbeit zusammenschlagen, so rasch wie möglich, um nichts von seinem Feicrabendvergnügen zu versäumen, ohne sich je bewußt zu werden, was es bedeutet einen Sarg zu bauen, was das letzte Ziel seiner Arbeit ist, er, der nichts von mir weiß als allenfalls meine Körperlänge?— (Forts, folgt.) Cjjfec weniger ein nennensiverter Erfolg, denn in den Borgen konnte Qcfterrcich seine Grenze so gut befestigen— ein Vorteil, den cS reiwUch ausgenutzt—, das; ein Eindringen und Vorwärtskommen hier autzcrgcwöhiilich schwierig ist und de» Einsatz ungeheurer Kräfte erfordert. Sic haben sich deshalb die Ebene des Jsonzo als ihr Eiiifallotoc auscrsehen. Gelingt es ihnen, hier einen cntschei- dcndcn Schlag zu führe», dürften sie damit auf dem besten Wege nach Trieft und nach Istrie» sein, einem ,!iel ihrer Sehnsucht. Tas ist nun lein bedeutender strategischer Plan: Oesterreich hat ein solches Vorgehen vorausgesehen und sich ganz darauf eingerichtet. Wie scbr aber die Italiener gerade hier aus einen Erfolg rechnen, zeigten ihre ersten Berichte. Tas von ihnen gemeldete stürmische Vorgehen ihrer Truppen kam schon nach einigen Tagen vollständig zum Stehen. Tiefen Weg von der Lombardei aus gegen den Jsonzo, mit der weitern Absicht, durch.Kärnten und Stcierniark nach Wien zu mar- ichicre». hatte schon Napoleon ausgesucht. Nachdem ihm am 2. Februar 1797 das ausgehungerte Mantua in die Hände gefallen und er am lv. Februar mit dem Papst de» Frieden von Tolentino ge- schlössen, zog er gegen den Jsonzo, mußte aber doch seine Haupt- macht gegen die Tiroler wenden. Ein bedeutungsvolleres kriegerisches Ereignis aber sah der Jsonzo über ein Jahrtausend vordem. Im Ansang des Jahres 4S9 brach der König der Ostgotcn Theoderich mit einem Heer von 299 900 Köpfen von den Ebenen der unteren Donau auf und erschien, aufgeboten von dem oströmischcn Kaiser Zeno, im Frühjahr genannten Jahres an der Grenze Italiens. In einer Ricsenschlacht an den Ufern des Jsonzo siegte er über Tdttiker, den Herrscher Italiens, und nach weiteren erfolgreiche» Schlachten bei Verona»nd an der?ldda setzte er sich an dessen Stelle, nach- dem er seinem Gegner bei einem wüsten Gastmahl in Ravenna eigenhändig den TodeSstos; gegeben. Tie österreichisch-italienische Grenze zieht sich seit 1869 nicht weit westlich des Jsonzo hin. Ter Fluj; ist nur 129 Kilometer lang. Gr entspringt am Fuße des 2655 Meter hohen Ialuz in den Jütischen Alpen, fließt in einem ziemlich verschlungenen Lauf durch ein enges Gebirgstal, nimmt mehrere Nebenflüsse auf und tritt bei der Stadt Garz in die friaulschc Ebene. Schiffbar ist er erst nahe seiner Mündung. Ter Jsonzo bat früher wiederholt bedeutende Veränderungen erfahren, mehrmals änderte er seinen Laus, so daß er sogar als der jüngste Fluß Europas angesprochen wird. Seine einstige Mündung war das Flußdelta bei Grado, das heute nur noch einige Lagunen und Kanä>c bildet. Ter untere Lauf des Jsonzo wandte sich von dort immer mehr nach Osten und benutzt heute das Bett des Sdobba, welchen Namen er a» seiner Mündung noch führt. Tie Ttadi Grado mit ihren kaum 1909 Einwohnern ist als Seebad sebr geschätzt; sie hat in der Regel fast soviel Kurgäste wie Ein- wohner. Gerühmt wird die Kathedrale aus dcnr 6. Jahrhundert mit allem Mosaikdoden, Kanzel und Glockenturm. Nicht größer ist das nicht weit von der jcvigen Jsonzamündung liegende Man- falconc, welche Stadt die Italiener hcsetzt haben wollen. Hier finden sich kochsalzhaltige Schlvcfelquellcn, die schon den Römern als Heilquellen bekannt waren. Die größte Siedeln ug in dieser Ebene ist die schon genaiuitc Stadt Görz, die am Südabfyiilg des Karst liegt. Sie hat etwa 59 999 Einwohner. Auf einem Hügel erhebt sich 159 Meter über der Stadt das alte Gemäuer des Schlosses der einst mächtigen Grafen von Görz, deren Herrschaft sich auch über Trieft und sogar Tirol ausdehnte, freilich immer nur zeitweilig. In der Geschichte Tirols oder spielten diese Grafcil von Görz eine bedeutende Rolle. Ihre stolze Feste ist längst verfallen, nur ein Teil ihrer Burg dient heute noch als Kaserne, wenn vielleicht auch nicht gerade in diesen kriege- rischen Tagen, da sie dem Feinde ein willkommenes Ziel abgäbe. Tie Stadt ist Sitz eines Fürsterzbischofs und zahlreicher Behörden, Schulen und össentlicher Anstalten und ist wegen der geschützten Lage sehr besucht als Winterkurort. Der von der Iulirevolution gestürzte König Karl X. von Frankreich fand hier sein Eril und seine Ruhestätte in? Kloster von Eaftgnavizza. Seine größte Bc- deutung aber hat Görz als die Obstkammer Oesterreichs, das cZ mit frühem Gemüse, Obst. Weintrauben und Feigen versargt. Als ..Görzerinnen" sind die Obsthändlerinnen mit ihren Tragkörbcn aus dem Kopse auch in Wien bekannt. Warmwasserheizung dürfte es aber sein. im freien Felde verwieien. Wenig bekannt daß eS auch lechnische Anlagen zur künstlichen weniger als vier zur Feldberegnung er- kleines Zeuilleton. Der künstliche Regen. Die Welterkundc hat zwar große Fortschritte aufzuweisen, aber so weit sind wir hier noch nicht, daß wir die Witterung in irgendwie nennenswerter Weise beeinflussen könnten, und so bleibt trotz aller angewandten Wissenschaft, die heute eigentlich die Landwirtschaft darstellt, das Wetter das große Unbekannte. Immerhin sind auch hier schon vielverspreckende Ansänge vor- Händen, Elekirokultur, Versuche mit künstlicher Lichteinwirkung; künstliche Wärme wenden wir längst in den Treibhäusern »nd neuerdings wurde ja auch schon auf den Nutzen der an. Regenerzeugung gibt. Ingenieur Hartinamr gibt'in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure au. daß nicht Maschinenfabriken bereits solche Llulagc» zeuge», die sich auch im Betriebe befinden. Der landwirlschaftliche Betrieb bezweckt wie jede andere Industrie die Herstellung von Handelswaren, insbesondere von Nahrungsmitteln, und die Erfolge sind um so größer, je sacbgemäßer der Betrieb ist und je zweckmüßiger die Hilfsmittel und Einrichtungen sind. Außer den Nährstofien sind zur Entwicklung der Pflanzen Wärme, Licht und eine sehr große Menge Vegetationswajscr nötig. Wir wissen weiter. daß zum Gedeihen das Vorhandensein aller notwendigen Stoffe im richtigen Verhältnis unerläßlich ist, das Fehlen eines Sloffcs oder seine unzureichende Menge inacht auch alles übrige unwirksam. Der Stoff, den nun die Landlvirtschaft im größicn Ausmaße benötigt, ist das Wasser. Um einen Gewichtstcil trockener Erntemasse zu erzeugen, sind 599— 699 Gewichtsteile Wasser nötig. Es gehören zu einer guten Ernte 499—599 Liter Wasser aus den Ouadratmeter Feld' fläche. In Deutschland haben die»leisten Gegenden derartige?licder sckläge, aber ein großer Teil geht durch Versickern verloren, steht also der Pflanze und namentlich in der Zeit des größlen Wachstums nicht zur Verfügung. Wie nun Hartmann berichtet, haben die ein- gehenden Versuche des Kaiscr-Wilhelm- Instituts in Bromberg den Beweis erbracht, daß das Wasser durch Beregnen inehrsach bester ausgenützt wird und daß durch Beregnen des Ackers auch in Deutschland außerordentliche Ertragssteigerungen erzielt werden können. Die seit mehreren Jahren arbeilenden Bercgnungs- anlagen haben dies bestätigt. So hat bei einer durch die Landwirtschaftskaminer Brandenburg geprüften Beregnungsanlage nach genauen Messungen in dem an Niederschlägen sebr reichen Jahre 1919 eine einmalige Regeugabe von 30 Millimcler den Ertrag von Hafer um 36 Proz. und an Kartoffel» um 28—37 Proz. gesteigert. Die Berechnung ergab unter Einführung von Höchstsätzen für alle Unkosten, daß bei dieser Anlage ein Raummeter verspritztes Wasser 6,9 Pf. kostete, aber mit 30,6 bis 43 Pf. verwertet wurde. Im Jahre 1913 wurden bei der gleichen Anlage durcki einmalige Regen- gäbe von rund 39 Millimeter bei Roggen und Gerste über 59 Proz. an Mehrertrag erzielt. Der künstlich beregnete Acker hatte dabei die gleichen Düngemittel in gleicher Menge erhalten wie ein nicht künstlich beregneter Vergleichsacker, so daß der Mcbrertrag aus- schließlich auf die künstliche Beregnung zurückzuführen ist. Bei der künstlichen Beregnung muß man es nicht bei Master bewenden lassen, man kann so auch Dungstoffe, namentlich Jauche, ausnutzen, auch werden die Abwässer einer Stärkefabrik schon in dieser Weise verwertet. Man steht also, die künstliche Beregnung des Ackers ist nicht nur technisch durchführbar, sondern auch Wirt- schaftlich vielversprechend. Wer kann es heute wissen, ob nicht der- einst die deutsche Landwirtschast genau so crakt arbeiten wird wie die deutsche Industrie, so daß man vier wie dort das gewünschte Er- zengnis in bestimmter Beschaffenheit wird erreichen können. Sprachreinigung— Sprachverwirrung. Tausend Mark für fünf deutsche Worte bezahlte eine Berliucr KonfektionSstrma, die in der allgemeinen und modischen Sucht, die deutsche Sprache von Fremdwörtern zu reinigen, einen ergiebigen Stoff für Reklamczwecke gefunden hatte. Sie erließ unter der not- wendigen Erregmig des allgemeinen Aufsehens ein Preisausschreiben für die beste Verdeutschung der fünf Fremdwörter: Covercoat, Saison, Cheviot, Froltö und Konfektion. Selbstverständlich haben viele Tausende nur im Interesse der Reinerhallung der geliebten Muttersprache denn Geld ist doch in gewissen Fällen schmutzig und hasscnSwert— das lebhafteste Interesse an dem Preisausschreiben genommen. Ueber 55 999 Lösungen sind eingelausen, aber das Ergebnis ist gleich Null. Das Sichten der Lösungen war, wie versichert wird, eine gcwalttgc Arbeit. Gewaltig wohl weniger als zeitraubend und einer besseren Sache wert. Die Verdeutschungen. die die Preisrichter als einwandfrei gewählt und preis- gekrönt haben, sind plumpe Vernmmmungcn der fünf Fremdwörter, deren Gebrauch man plötzlich als eine Blöße nationaler Art empfindet. Als einwandfreie Verdeutschung des verruchten Fremd- Wortes Saison hat man Gczcit. und als ebenso einwandfreie Verdeutschung für Konfektion das Wort KIcidcrei preisgekrönt. Wenn man nun wirklich fortab wirklich für das Wort Konfektion .Kleiderei gebrauchen will, so muß man den Konfektionär Älciderer nennen. Das fei ihm gegönnt. Die preisgekrönte Verdeutschung für Covercoat heißt Leder- köpcr. In Münster aber, wo auch eine ÄonfektionZfirma um der o reinigungsbediirstigen Sprache willen von sich reden inackite, haben die Preisrichter als beste und gleichfalls einwandfreie Ler- deutschung desselben Fremdwortes die Bezeichnung Z w i r n st o f f preisgekrönt. Es wird sehr bald jede größere deutsche Stadt ihre eigenen preisgekrönten Verdeutschungen besitzen und— forcieren. Es wird sich schließlich zwecks allgemeiner Verständigung die Rot- wendigkeit ergeben, auf die Fremdwörter zurückzugreifen. Die Verwandlung peras. Die türkische Hauptstadt— heißt es in einem Bericht von „ Svens ka Dagbladct"— tst sich während des Krieges in vieler Be- ziehung gleich geblieben. Das türkische Konstantinopel, St-mrbul, kennt keine Nervosität. Anders dagegen ist es in Pera, dessen kos- mopolitischer Charakier es allen Einflüssen zugänglicher macht. Hier hat sich auch der äußere Eindruck der Stadt verändert. All die herrlichen Plätze an den europäischen und asiatischen llfern des Bosporus find nun leer. Es ist ausgestorben wie mitten im strengsten Winter. Die Fenster find vernagelt oder verhängt. Nirgends hört man das Echo eines menschlichen Lachens, und kein Kail spaltet das klare Wasser. So wird es vermutlich den ganzen isommcc über bleiben. Oede liegt der französische Stadtteil am Goldenen Horn. Tie „Grandftue" ist nicht mehr, was sie war. drei Gesandtschaften stehen geschlossen, der Krieg hat mit einem Schlage die Untertanen von drei europäischen Großmächten von hier vertrieben. Was war im Vergleich damit der Balkankricg Peras Seele und Kultur war bisher französisch. Unter den jetzigen Verhältnissen aber befindet es sich auf dem besten Wege, deutsch zu werden. Jeder zehnte Mensch, dem man in der„Grand'rue" Begegnet, ist ein Deutscher. Noch nie sah man hier so viele blonde Frauen. Die französiich-levanlinische Eleganz weicht der deutschen Einfachheit. Lluch die Geschäftsstraßen Peras haben ein anderes Gepräge bekommen: die Schilder werden nun in deutscher spräche gehalten, die Schaiffenster zeigen die Erzeugnisse deutscher Industrie. Man kann sich beim Einkauf ohne weiteres der deutschen Sprache bedienen. In den Hotels wohnen namentlich deutsche Gäste, deutsche Speisekarten werden gereicht. Die deutsche Organisation arbeitet hinter allen Lebcnsäußcrungen der türkischen Hauptstadt. Das Gesuch wegen Meier. Aus dem Felde wird der„Frkf. ZtgT in Abschrift folgendes Schriftstück zur Veröffentlichung übermittelt: »Gesuch wegen des Wehrmanns und Krankenträgers Meier. Hochverehrter Herr Sanitätsslabsarzt' Ich bitte, meinem Mann, dem Krankenpfleger Meier, einen nach Zeit, Ort und sonstigen Umständen zu bemessenden Urlaub bewilligen zu wollen, indem derselbe die Verpflichtung haben dürfte, seinen im Januar geborenen Sohn zu besichtigen und nunmehr auch für die weitere Fruchtbarkeit Sorge zu tragen hätte in dieser Zeit, wo so viele Menschenleben uniergehn. Ich bitte den Urlaub ganz nach den Umständen zu bemessen. In Ergebung Hildegard Meier. Der Cbefarzt an die Division: Der Division befürwortend vorgelegt. Meier ist ein fleißiger und braver Arbeiter. Von der Division zurück mit dem Vermerk: Meier erhält 14 Tage Urlaub. Der Erfolg ist später nach hier zu melden." Rotize». — Zahnbrecher aus Ucberzeugung. Im amtlichen Bericht der holländisch-indischcn Residenttchaft Menado über den Monat Januar findet man folgendes vermeldet:„Im Berichtsmonat wurden in den Berglandschaflcn der Abteilung Paloe 177 Mädchen die Zähne ausgeschlagen. Der alte Gebrauch war aus Andringen der Behörde seit sieben Jahren nicht mehr angewandt worden.— Bei der Ilniersuchung kam heraus, daß der vornehmste Unter- Häuptling, der sog...galaran". cm alter Mann, von der Vakanz des Postens des inländischen Aisistenlen in Lemo Gebrauch gemacht hatte. nm nach Rücksprache mit verschiedenen anderen Hänpl- lingcn in seinem Kampong, mit Gutsinden der betreffenden Personen, den Mädchen von 9 bis 15 Jahren die Zähne auszuschlagen, welches Vorbild anderswo Nachahmung fand. Der„galarsrt" wurde mit Entlastung aus dem Amte und einem halben Jahr Zwangsarbeit bestraft, die mitwirkenden Rantpongchefs und die Personen, die die Zähne ausgeschlagen haben, mit 14 Tagen bis 3 Monaten Arbeits- Pflicht." — Neue Urmenschenfunde. In Ehringsdorf bei Weimar find kürzlich bei Sprcngarbeiten Teile eines Unterkiefers zutage ge- fördert worden, die ostenbar zu einem fossilen Schödel gehören. Werlzeugfunde, eine schön aus beiden Längsseilen retuschierte Spitze und mehrere Schaber wiesen auf das Alter des Fundes hin. Er gehört dem palaolithischen Mousterien an, das ungefähr m oie dritte bis vierte Zwischeneiszeil fällt. ES ist also ein drluvraler Mensch, zu dem der Schädel gehört und anthropologisch nahe ver- wandt mit dem Horrtc» hloniitorioasis 4Ia.u«ori> den: Neandertaler und dem Alten von Krepina. Uleatei" für Donnerstag, den 24. Juni. Deutsches Künstler-Theater &'/4uhr Die Schöne vom Strand Deutsches Opernhaus, Charlottenh. s uhi: Lä Tmiata. Friedrich-WUhelmstädt. Theater 8>,. ü.: Eine unmögliche Frau, Kleine«, Theater s'it u.: Liebeslrank liessing-Theater 89. it.: Seine einzige Frau r.astspiclbHus 8v, u.Jerrsehaltl.Dienep gesucht Jlonti«, Operetten-Theater 8 ubr: Hoheit tanzt Walzer hichiilcr-Theater O. s uhr: Krieg im Frieden Seblller-Tb. C'harluttenbg. 8 uhr: Der läGheinde Knabe Thalia-Theater 8 uhr Klein Eva Gastspiel der Königl.Hofschaa- spielerin Lotte Klein. Theater am Xollendorfpl. 87, u.: Immer feste druff! Trianon-Theater 87, uhr Die Heiratsscbuie Volksbühne. Theater am Bülowplatz 87, Uhr DieLokalhabD. DiÄne V oigt-Tlieater. Badstr 58. Badstr. 58. BV Täglich:"98! Eine Macht in Merlin Bolksstück mit Gesang in 3 Auszügen. �rstklsssixes Variete Kassenerössnung 19 Uhr. Ans. 4 Uhr. i�ose-Ideater. 87. Uhr Unsere Frachtmädels. 8 U.: Gartenbühne: Lieb Vaterland. Walhalla-Theater. s uhr: Eine Meile in der Minute. Spezialitäten. Gartenbühne: Apollo-Sänger Guido Thielscher „Venus im Grünen". Operette in 1 Akt v. Rud. Lothar. Musik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berns Lotte Werkmeister Thalia-Theater.Barlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der vom Publikum und Presse glhnzcnd beurteilte .luni-Spiel plan. URANIA TaubenstraSe 48/49. 8 Uhr: An den Grenzen von SOdtirol und Italien. Reiehshallen-TliealeF. Stettincr Sänger. Aus. 8 U. Zun: 142. Male: '" I Militärisch. Zeit bild von Meysel. Milttärpersonen u. deren Angehe- rigen vollkommen ficierZutrittzu d.stett. Sängern. ReutersVerke - 3 Säattt 4 Kart■ Buchhandlung Vorwärts Tägl. 8 Uhr. Sonntags 37, u. 8 Uhr R. Steidl...Charlotte", Adelmann, Asra, Georg,„der iaUendo Mensch" usw. ? Paini? ist noch immer das ungelöste Rätsel. — Kl eine Ppclse!— Angenehm kühl er Aufenthalt. £>pezialai*zt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in n.Co. fünj. Laborai. j «lut- unleriuchung., Faden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, Svr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar miifiig, auch Tellzahl. Separates Tamenzimmer. ■u-i, KTyciiiif.v*aia Dr. Homeyer TeL.Amt Moritzplatz 10623, 3578. Verwaltung Berlin Bureau: Rungestraße 30 Mialvetad der Lederarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin I. Sonnabend, den 2<>. Juni 1915. abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Schmidt. Prlnzen-Allee ZZ. unsere Zllonsts' Versammlung stall. Tagesordnung: IM- LorftaudSwahlen."MI Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 133/7 Ver Verstand. Qewerksehaffshaus Im herrlichen Naturgarteu(der Oase des Oftens): (Treffpunkt unter dem Götterbaum!) Täglich: Konzert££ große Juni Programm. Aus den Terrassen:.Tie luftigen Keferloher�, Selbel, der Helden- tenor gen.»Ter kleine Carnso". Soiuitag, den 27. Juni 1915: Spargelsuppe Kraftbrühe m Einlage Lachs m. Butter... Fisch m. Mayonnaise.. Kalbsstück m. Blumcnlohl Straßburger Eier... 0,15 M. 0.15. 0,40„ 0,40. 0,50. 0,50, und 0,70 2t Q«60. 0,70. Hammeueiue..... 0,70, Kompott oder Salat... 0.10„ Speise oder Käse.... 0,20„ Gänsebraten..... Hamburger Kalbsle?>i«. Gclpickles Rinderfilet. imelleule Treitaq, den 25. Juni, abends fc'/s Uhr, bei Boeker, Weberstrafte 1 7: Gmemsame Siblins der ©ttsDtinmltunj und fionttollkoniiniffuiii. 84,17 Tie Ortsvernialtung. Heute und morgen ei« sehr billiger Zchnellverkanf zwischen 2 uud 6 Uhr: M Ztvck rohe Gäusekleinr Gänft. don 8 bis 10 Pfd. schwer, a Ochseufleisch(ohne Knochen)! aPjd. Prima Hammeltenlen und � 1,50 -Rnckeu...... 1 M. Schweinerucken. Schinken s a Psd. und Rückenfett..../ l.vo Kalbsteulc und»Nftchen n Psd. 1,1» 2B. a Stuck 1,20 M. Pfd. 1,20 M Sardellen- Leberwurft in t a PW. Fettdarmund Plockwnrst.1,50 und Kongrcsiwurtt. J 2S. Breslaurr und Tampfwnrst a Pfd. 1.-9 2S. Landlebcrwurft a Vfd. 1.10 M. � 23 c ran ra>o r t R che r c 0 c! t c ut: Aljred Wielepp, Sieukölln.' Für den Jnjcrätenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag:BorwärtSBuchdruckerei u. BerlagSanKalt Paul Singer& Co, Berlin SW.