Ar. 146.- 1915. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Mag, 25. Jan!. Litaneien aus öem Schützengraben. Dm, G. Wolter. Da« Stroh. O Stroh, göttliche Vorsehung des Soldaten, ich will dir sagen, was ein dankbares Herz mir eingibt. Du allein hast Mitleid mit uns in unserem Unglück, und kommt die Nacht, so bietest du unserem erschöpften Leibe ein warmes, weiches Lager dar. Wir höhlen unser Bett darin und haben uns kaum ausgestreckt, so fallen wir auch schon in Schlaf, der erquickend sein würde, kämen nicht so oft Alarm, Schießereien, Posten und Mannschaften, die ihn unter brechen. Doch ist das alles vorüber, so finden wir dich stets treu und gütig wieder. O Stroh, göttliche Vorsehung des Soldaten, wir segnen dichl O Stroh, freundlich biegst du dich zu tausend Zwecken. Zu einem Wisch gebunden, zündest du unser Feuer an, reinigst unsere „Trittchen" und verstopfst die Spalten unserer Unterstände. Um eine Hürde gewickelt, bildest du eine hermetisch schließende Tür. Vom Fingernagel leicht gespalten, ersetzest du uns die teuren Streichhölzer. Sind deine Halm« platt und fest, so befreien sie unsere Zähne von den Fasern der täglichen Suppe, und find sie dünn und hart, so stochert man damit das Nikotin aus dem verstopften Pfeifenrohr. O Stroh, für all das Gute, das du uns er- weisest, segnen wir dich! Haferstroh, du bist leicht und zart wie daS kleine Mädchen, dessen Haar und Röcke im Winde flattern, wenn es dem Vater entgegenläuft. Die Berührung mit dir ist unseren Gliedern mollig und die Glöckchen deiner Rispen läuten uns in lichte Träum«. Roggenftroh, du bist schlank und geschmeidig wie da« Mädchen, das im Frühlingskleid auf grünem Pfade dahinschreitet. Dein Lager ist das herrlichste von allen, und wenn wir eine deiner Garben erwischen, sind wir die Glücklichsten der Glücklichen. Weizenstroh, du bist goldig, fest und spröde wie die protzige Stadtbürgerin, die chre Tochter verheiratet hat und beim Gehen ihre schweren Juwelen klappern läßt. Bist du gedroschen, so schenkst du uns ein warmes, solide? Bett. Bist du noch voll Körner, so lieferst du uns außer Bett und Dach etwa? zu kauen, da« unsere untätigen Kiefer zerstreut. O Stroh, ob Weizen-, Roggen- oder Haferstroh, göttliche Vor- sehung des Soldaten, wir segnen dichl Die Pfeife. Gesegnet seist du, kleine Pfeife, du Herd der Wärme, Licht und Freude. Du hast keinen Stil und keine Schönheit. Dein kurzes Rohr wird von unseren Zähnen benagt, und dein schmutziger Kopf ist halb verkohlt. Kaum verdienst du das Beiwort.Nasenwärmer". Und doch gäben wir dich nicht hin um hundert Dreier! Und wenn wir das Pech haben, dich zu verlieren, seufzen wir, wie Ariadne seufzte, als sie von TheseuS verlassen war. Gesegnet seist du, kleine Pfeife! Du bist die Trösterin. Dank deiner ertragen wir geduldigen Herzens schlaflose Nächte, Kälte und Eintönigkeit allzu trübseliger Stunden. Ohne dich wären wir längst im gelben Schlamm der Schützengräben vor Heimweh gestorben. Du allein verhütest e«, daß wir den Verstand verlieren, denn du weckst die Erinnerung an den Abendfrieden daheim. Du fesselst uns ans Leben, an dieses Leben, das uns so geringfügig erscheint beim Heulen der Kugeln und beim Schnauben der Geschosse. Gesegnet seist du, o Trösterin! Du bist die Leuchtende. In Nebel und Langeweile verloren, sieht der Wachtposten am Graben entlang kleine rote Fleck«, die die Finsternis der Winternacht durchbohren. Er fühlt, daß er nicht allein ist, daß auch andere wachen— im selben Graben, in den Nachbargräben, dann weiter ins Unendliche bis ans Meer. Er erkennt, daß er ein Glied in der unermeßlichen Kette ist, die hin- läuft zwischen Dörfern, durch Wiesen, Wälder und Obstgärten Frankreichs. Dir verdankt es der.Wollige", wenn er sich seiner heiligen Mission bewußt ist. Gesegnet seist du, o Leuchtende! Du bist die Wärmend«. Allerdmgs macht ei einige Mühe, dich in Brand zu setzen. Die feuchten Streichhölzer gehen nicht an, die Feuerzeuge haben den Stein verloren oder den Zunder v«r- braucht. Der Feind, der unfern Löchern gegenüber wacht, zwingt uns zum Niederhocken, den Kopf von der Decke umhüllt, um den feuchten Tabak anzubrennen, ohne daß die Flamme unsere An- Wesenheit verriete. Sind aber diese Schwierigkeiten einmal über- wunden, so dringt die mollige Wärme uns süß in Leib und Seele, und wir genießen eine halbe Stunde der Glückseligkeit. Sogar nach deinem Erlöschen strecken sich unser« steifen Finger noch lange bei der Berührung deines warmen, runden Holze«. Gesegnet seist du, o Wärmende! Du bist die Reinigende. Ohne dich würde unser erschöpfter Organismus alle MiaSmen des schmutzigen KoteS, des schim- melnden Strohs und der faulenden Etzwaren aufnehmen, die in den Ecken unseres Zuschlupfwinkels liegen. Dein Rauch ersetzt uns alle orientalischen Düfte. Wir imprägnieren damit Mund, Hände und Kleider. Du ersetzest uns Kölnisches Wasser, Haut- creme und Lysol. Gesegnet seist du, o Reinigende! Du bist die Demokratische. Im Schützengraben, wo weder Geburt noch Geld etwas gelten, bist du das Symbol der Gleichheit, die sonst nirgends zu finden ist. Man sieht dich zwischen den Zähnen des Bauern, des Bürgers und des Geistesarbeiters. Allen spendest du denselben tröstenden Balsam und denselben scharfen Rauch desselben.Knasters". O kleines Pfeifchen, einzige demo- kratische Einrichtung unseres Landes, gesegnet seist du! Zu jeder Stunde bist du unsere Freundin. Du stillst unfern Hunger und Durst. Du erquickst den Müden, wärmst den Frie- renden, hältst den Schläfrigen wach, beruhigst den Nervösen. Gesegnet seist du, kleine Pfeife, Herd der Wärme, des Lichts und der Freude! Die Nacht. O Nacht, du bist verräterisch und voll Hinterhalte. Sobald die Dämmerung die sichtbare Welt in ihre graue» Schleier hüllt, be- ginnt dein Reich. Hinterlistige trügerische Herrscherin, deine Schatten umkreisen unsere Personen mit dem Netz ihrer Fallen wie wachsame Polizisten. Und dann gehen alle unsere Schritte, Griffe und Bewegungen fehl. Durch dich gleiten wir im Schlamm aus, patschen durch die Pfützen der Gänge und zermalmen mit un- seren breiten Sohlen Dinge, deren Name schon ein Schimpf ist. Du bist schuld, wenn wir die Wand unseres Unterstandes ins Koch- geschirr bröckeln. Und wenn dann die Erde zwischen den Zähnen knirscht, ersetzt sie uns Pfeffer und Salz, die fehlen. Du bist schuld, wenn wir mit den Fingern in der Suppe herumfummeln, unser Viertel Wein ins Stroh gießen und unsere schmutzigen.Quadrat- latschen" am Gesicht des Nachbars abreiben. O verräterische Nacht, wir fluchen dir! O Nacht, du bist trügerisch und reich an Illusionen. Deine wallenden Schleier verändern alle Perspektiven und täuschen unsere vom langen Wachen getäuschten Sinne. Ein Pfahl auf dem Felde erscheint uns als ein Feind, der sich aufrichtet, und eine aufge- schossene Saatrunkel, die sich wiegt, simuliert einen Soldaten mit flacher Mütze. Und Schüsse fallen im Dunkeln, sträucherverletzend, rübentötend. Wie das Äuge, fällt mich das Ohr deinen Listen zum Opfer. DaS Rauschen des Windes in den Ulmen halten wir für das Rascheln der Schützen, die auf dem Bauche im Grase kriechen, und den kurzen Schrei der Nachtvögel für den Ruf feindlicher Pa- trouillen. O trügerische Nacht, wir fluchen dir! O Nacht, du bist verräterisch und schön wie die fatale Frau im Zeitungsroman. Im Winter umgarnst du>ms fünfzehn oder sech- zehn Stunden lang mit deiner zauberischen Macht, und während der Posten seine ewig gleichen Austräge ausführt, haben wir alle Mutze, deine Schönheit zu bewundern. Dein Blick wie Stahl so kalt, von tausend durchdringenden Diamanten besetzt, zieht uns unwillkürlich an.... wir sind wirklich deine entzückten Verehrer, o Celimene mit den schönen kalten Augen. Um den Polarstern senkt der Wagen langsam seine Deichsel, hebt sie dann und ver- schwindet schließlich. Ein mattes Schimmern erinnert uns, daß es noch einen Tag gibt, der Osten färbt sich wie blasser Safran. Und endlich hebst du dich hinweg und lässest uns das Entsetzen deiner Erinnerung und die bange Erwartung deiner Rückkehr. O verräterische Nacht, Nacht voll Hinterhalte und reich an Illusionen, schöne, allzu schöne Nacht, o Kriegsnacht, mit aller Kraft unserer Seele fluchen wir dir! (Uebersetzt von H. Hesse.) Die größte Dauaufgabe öer Neuzeit. Stadterweiterungen, Anlage neuer Stadtviertel, die Gründung neuer Dörfer, wie sie z. B. in den Ansiedelungsgebieten des beut- schen Ostens notwendig geworden ist, und selbst der Bau ganzer Städte(wie Kiautschou): alle diese Aufgaben und Leistungen er- scheinen wie Winzigkeiten, verglichen mit der geradezu riesenhaften Bauaufgabe, vor die der Krieg Deutschland gestellt hat. Denn bei dem Wiederaufbau O st Preußens gilt es nicht nur etwa leinige Häuser, Felder, Güter, Städte, Straßen, Brücken und Eisen- bahne»», sondern es gilt, das ganze Land zu er- n e u e r n, das Land als Nährboden, als Erzeugungs- gebiet wichtiger Produkte, als Arbeitsstätte einer neuen Bevölkerung, als geschichtlicher Boden, als Wohnort, Heimat und Erholungsstätte deutscher Bürger. Mit Reckt ist gesagt ivorden, daß an dieser Aufgabe das neue Deutschland seine Kultur zu bewähren haben werde; mit Recht hat der D e u t s ch e B u n d H e i»n a t- schütz für diese große Sache mobil gemacht und Ostpreußen und seinem Wiederaufbau ein eigenes Heft gewidmet, das soeben bei Georg D. W. Callwey in München erscheint und Beiträge nam- haftester Kenner und Fachleute zu dieser großen Frage der- öffentlicht. Zwei Grundsätze kehren in allen diesen Bei- trägen leitmotivartig wieder; pfleglicher Anschluß an das Heimatliche, Bodenständige, geschichtlich Gegebene und zugleich allgerneine Durchführung einer bescheidenen Einfachheit und Sparsainkeit in Formen- und Schmuckgebung. Beide Forderungen gehen eng Hand in Hand; denn was das ostprcußische Land an guten Bauten in Dorf und Stadt aus alter Heimatüberlieferung ausweist, das zeigt gerade jene einfache Schlichtheit, jene natürliche Zweckinäßigkeit, die für den Wiederaufbau allgemein zu verlangen ist. Erst die Neuzeit hat an diesen guten alten Geist auch in Ost- preußen Hand gelegt; und wenn die schinachvolle Verwüstung durch die Russen unsägliche? Leid über das schöne Land gebracht ha:, so hat sie doch wenigstens auch das kleine Gute, daß sie so manches zerstört hat,'was das Gesicht des ostpreußischen Landes entstellte: Brücken, die nicht zur Landschaft patzten, Mictskästen, die die feine Wirkung alter Straßenzüge roh vernichteten, auch manches öffentliche Gebäude, mit de,» keine Ehre einzulegen war. Daß die Russen z. B. das häßliche neue Obergeschoß des alten Ordensschlosses zu Tapiau abgeschossen haben, soll ihnen nicht weiter verdacht sein. WaS die der Wiederherstellung bedürftigen ostpreußischcn Städte betrifft, so hat sich ihre alte Anlage, die fast durch- weg in die Zeit des Deutschritterordens zurückgeht, als charaktervoll und glücklich erwiesen. Für die damalige Planung waren die Verteidigungsrücksichten maßgebend, und daher sind keine großen durchgehenden Verkehrsstraßen angelegt, sondern es sind bei dem Eintritte der Straßen in die Stadt Gebäudegruppen qner vor- gelagert worden, so daß von diesen aus eine Verteidigung der Hauptzufuhrstraßen»nöglich war. Wenn da nun Fanatiker des Modernen die Gelegenheit des Wiederaufbaues zu Straßen- .Regulierungen", Durchbrüchen und zur Anlage großer Verkehrs- straßen benutzt sehen wollen, so ist ihnen ein nachdrückliches.Hände weg!" zuzurufen. Die oftprcußischen Städte, die wiederaufgebaut werden sollen, haben nicht die Bedeutung, daß große Verkehrsadern darauf angewiesen sind, mitten durch sie hindurchgeführt zu werden, und der Ausweg, der z. B. in Gerdauen bereits gefunden ist, den Verkehr um die Stadt herumzuführen, ist auch für die anderen Plätz e durchaus empfehlenswert. Der alte Anlageplan dieser Städte verdient also geachtet und festgehalten zu werden;»richt auf die Verlegung oder die Verbreiterung der Straßen, fondern auf die künstlerische Behandlung der Straßenwände, denen Geschlossenheit und Charakter zu geben ist,>vird es ankommen. Wohl aber sollen beim Wiederaufbau der zerstörten Städte die An- spräche der modernen Technik und Gesmidheitspflege überall berück- sichtigt werden,»md ganz besonders wird auf eine durchgreifende Wohnungshygiene Wert zu legen sein. Ein schöner Vor- schlag geht dahin, mit dem Wiederaufbau der ostpreußischen Städte Einfamilienhaus-Siedelungen vor ihren Toren zu verbinden. Die Kriegsversehrten sollen in großen.Zahl in Ostpreußen ein neues Heiin finden, kleine Grundstücke init Ein- familienhaus und Stall sollen ihnen dort geboten, auch Krieger- Witwen sollen angesiedelt und kinderreiche Familien bevorzugt werden. Und wie die Städte, so soll das ganze Land zu neuer Blüte erbaut werden. Ein Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses hat die Parole ausgegeben, das verwüstete Ostpreußen müsse in einen blühenden Garten verwandelt werden. Zur Ver- wirklichung dieses schönen Gedankens gehört vor allem die An- siedlung zahlreicher Kleinbauern, die dem Boden des Landes den Charakter gepflegten Kulturlandes aufzudrücken vermögen. Aber nicht überall soll allein die menschliche Arbeit herrschen, nicht überall die Natur völlig dem Willen des Menschen geknechtet werden. Auch Oedländcreicn, Naturdenkmäler aller Art, charakteristische Die Erweckung öer Maria Carmen. 27j Don Ludwig Brinkmaun. Stuart fängt cm meinen Zorn zu erregen. Er fummert sich nicht um mich, den einzigen Freund; wie ich mit meinen Sorgen fertig werde, ist ihm gleich. Rechnet er mich zu den Toten, die ihre Toten begraben sollen? Mit Hilfe unserer Leute bettete ich Ward in sein noch farbenfrisches Haus, mit ihm einige Blütenreiser unseres Gartens; und das enge Gefäß, das seine sterbliche Hülle barg, wurde geschlossen. Von unseren Arbeitern wählte ich acht aus, die ihre traurige Bürde abwechselnd die weite, zehn Kilo- meter lange Reise zum Kirchhofe tragen sollten; eine kleine Schar von Leuten hatte sich als Gefolge versammelt— doch Stuart kam nicht aus dem Berge heraus, trotzdem ich bereits einen Boten zu ihm gesandt hatte. Es wurde halb sieben und höchste Zeit zum Aufbruche. Ich ließ den Zug abmarschieren und unsere beiden Pferde satteln. Nun Entschloß ich mich, selbst in den Berg hinein- zugehen, um Stuart zu holen. Trotz all meiner Trauer, trotz all der Aufregung und Abspannung der letzten Tage und Wochen brannte ich vor heftigem Ingrimm gegen den starrköpfigen Gefährten.— Ich traf Stuart auf emem Felsvorsprunge der Wand sitzend. Als er mich erkannte, sagte er mit einem fast ironi- schen Lächeln: „Nun, Lewis, laß uns sehen, ob die Maschinen«Was taugen. Nun ist der große Augenblick gekommen, zu zeigen. ob Du etwas kannst. Ich hoffe, der Mann am Generator paßt auf— wir fangen an!" Und er sprang zum Fördermotor, drehte die Kurbel des Kontrollers, und der eine kistenförmige Eimer sank in die Tiefe. Nicht ganz eine halbe Minute später erschien der andere Eimer, bis zum Rande mit Wasser gefüllt, über der Oeffnung des Schachtes. Stuart hielt die Maschine an, zwei Mann zogen die schwere Kiste an sich und leerten sie auf sein Geheiß aus, daß die trübe Flut sich über den Boden des Ausbaues ergoß und allmählich in den Sumpf der vierzig- pferdigen Pumpe hinabrieselte. Dann ward der Eimer in seine ursprüngliche Lage zurückgestoßen; Stuart schaltete den Kontroller; das Gefäß fuhr in die Tiefe hinab, und wiederum nach etwa dreißig Sekunden kam der andere Eimer ans Licht der Glühlampen, der ebenso entleert wurde und ebenso seine Reise wieder antrat. Ich war über diese Tollkühnheit sprachlos. Jedesmal, wenn der Fördermotor anfing seine Last zu heben, sank die Spannung im Netze derartig, daß die Glühlmnpen nur noch ganz schwach rotglühend waren, und ich überzeugte mich durch das AmP�remeter, daß während der Anlaufsperiode der Motor weit über hundert Pferde in Anspruch nahm; dazu waren noch all die Lichter, die vierzigpferdige Pumpe und die Leitungsverluste dem kleinen Generator aufgebürdet. „Wie lange gedenkst Du damit fortzufahren? Wie lange glaubst Du, daß unsere Maschinen das ertragen werden?" fragte ich Stuart. „So lange bis sie entweder verbrannt sind, ivaS nach all dem Unglück nicht viel zu sagen hat; denn bis eine neue Pumpe kommt, in vier Wochen vielleicht, wird Deine Ge- schicklichkeit ja sämtliche Maschinen wieder repariert haben; oder aber bis ich trockenen Fußes am Boden des Schachtes stehe!" „Das ist eine Tollkühnheit, Leichtsinn, John! Warum soll denn nun alles mit einem Male so gewaltsam zerstört werden?" „Ach, nach so viel Leichtsinn kommt es auf ein wenig mehr oder weniger auch nicht groß an, und jetzt heißt es: entweder Erfolg haben— oder ganz zugrunde gehen. Ich habe mir vorgenommen es zu versuchen! Nun muß ich Dich aber um Deine Hilfe angehen— Du hast ja über Nacht gründlich ausgeschlafen." „So, habe ich das?" warf ich ein. „Jedenfalls wohl! Diese sechs Mann hier, die mit mir gearbeitet haben, diese schlappen Kerle fallen mir, weil sie sich nicht auf ihren Betten haben strecken können, beinahe um; ich brauche Ablösung. Richte mir drei Schichten ein, jedesmal vier Mann, die je vier Stunden zu arbeiten haben; die besten unserer Leute. Natürlich muß am Generator derselbe Dienst stattfinden; daß ich meine Ablösungen prompt hierher be- komme, dafür lasse ich Dich sorgen. Ich selbst kann mich um nichts kümmern; ich werde hier bleiben bis zum Ziele— oder zum Zusammenbruche der Maschinen! Laß mir ein paar Decken hierherkommen und auch mit einer Regelmäßigkeit mein Essen. Entschuldige bitte, daß ich so über Dich verfüge; ich weiß genau. Du wirst keine leichte Aufgabe haben, den Betrieb in Ordnung zu halten; aber ich muß von allen er- warten, daß sie ihr Bestes tun!" „John, lange kann das nicht weitergehen, auch Du hältst es nicht aus. Du hast nun drei Nächte nicht mehr geschlafen I" „Kümmere Dich nicht um mich; ich bin ganz Nebensache. durchaus! Schaffe mir nur die Ablösungen her; wenn die Leute auf diese neue Beschäftigung em wenig eingelernt find». wird es mir wohl auch gelingen gelegentlich ein wenig zu nicken, dicht bei der Fördermaschine, um bei der Hand zu sein, wenn etwas nicht in Ordnung sein sollte." „Aber was soll das alles? Wie kann die kleine vierzig- pferdige Pumpe die ungeheure Wassermenge schaffen, selbst wenn sie Tag und Nacht arbeitet? Sie hat dock) mit ihrem natürlichen Zuflüsse gerade genug zu tun, und wenn das mit den Kisten so weiter geht, dann wird die Flut die Ma- schine hier oben bald unter Wasser gesetzt haben!" Ich sah, daß Stnart die Richtigkeit meines Argumentes anerkannte. Er biß sich ärgerlich auf die Lippen. Mir fiel plötzlich eine Lösung ein, und doch schwankte ich einen Augen- blick meine Weisheit zu enthüllen; es wäre ja ein kleiner Triumph gewesen, schließlich recht zu behalten. Indessen für kindische Spielereien war die Lage denn doch zu ernst. Ich hatte mich nämlich erinnert, daß die Pumpe nicht für die richtige Fördermenge bemessen, sondern etwas zu groß war. „Wenn wir den Schieber ganz öffnen, können wir das Wasser schaffen, glaube ich; aber der Motor ist viel zu klein." „Es muß versucht werden," rief Stuart,„öffne bitte so- fort das Ventil!" Ich nahm vom Brett an der Wand den Schraubenschlüsiel und drehte die etwas verrostete Klappe; sofort stieg der Aus- schlag des Ampdremeters bedeutend an; es würde mehr Wasser gefördert. „Es geht, es geht!" rief Stuart ganz begeistert.„Wir werden zum Ziele gelangen!" „Wo soll aber der Generator dabei hin, von den beiden Motoren ganz abgesehen?" „Himmel! Wenn er in Stücke stiegt— wir haben dann wenigstens die Rettung versucht! Was brauchen übrigens die Glühlampen zu brennen? Ein paar Wachsstöcke tun denselben Dienst, und es wird etwas Energie gespart!" „Meinetwegen, John, wir werden es versuchen; es soll niemand sagen, wir hätten nicht mit allen Mitteln das Un-. vermeidliche aufzuhalten getrachtet; nun aber komm!" „Ich, kommen? Wohin denn?" .„Mein Gott, hast Du denn ganz vergeffen, daß binnen etner Stunde oder zwei sich das Grab über Artur geschlossen haben wird?" „Daß er auch gerade jetzt zu dieser Stunde dahingehen mußte, wo die höchste Not über uns hereingebrochen! Ich habe keine Zeit für ihn— ich kann nicht, darf nicht, darf an nichts anderes denken als hinab in die Tiefe zu gelangen!" .Last Du denn alles Gefühl für Ehre und Achtung ver- loren!" rief ich empört. (Forts, folgt.) SialurfotmeiT, Heiden, Hecken gehören dem Zukunstbüde dieses blühenden LstpreußenS, das wir ertraumem Hier mug also mit iakisoller Hand vorgegangen werden, zumal da Lstpreutzen ins künfrige auch als Reiie- und Fremde nverlehrsland erschlossen� werden soll und als solches seinen Besuchern elwas bieren niux. Tazu kann und wird die künstlerische Behandlung der Landschaft im schönsten Sinne viel beitragen, aber Raturland- schaften mit starken Wirkungen aus Raum- und Ortsgesuhl veranlassen auch zur Sekhaftigkeilund werden die Wurzeln des neuerrHeimatsgefühles in dem wiedererbauteit Lande festigen und kräftigen. Besonders ist auch darauf hinzuweisen, dag einfache Landschastsschöpfungen und Landschaftsbilder oft die wirksamsten Krieger male und Feld- z u g s e r i n n e r u n g c ii bilden. Ein Hain, ein schlichtes Kreuz unier einer fchöncn Baumgruppe, ein anmutig gefagler Quell, den eine Jnschriftstafel ziert: das sind Beispiels'von Tenkmälern, die valuclicher, vornehmer, inniger und stmimungsvollcr wirken, als ganze Marmorgebirgc. Schlieglich wird der Geist zurückhaltender Bescheidenheit auch bei allen öffentlichen Gebäuden sich be- täligen müssen. Mit Recht wird z. B. für die Schulen auf das Vorbild Hollands hingewiesen, wo manchie Schulgebäude niedrig hält, dadurch viel inniger in die Landschaft eingliedert und zugleich die Kinder in leichlere Fühlung mit der Natur bringt. Nur keine falsche Mo- vumentalilät, nur keine falsche Stilfexerci: es ist schon ein Irrweg. wenn ein Baumeister die flaiidrifchcn Staffelgiebel aus Backstein oll- gemein in die Architektur des Wiederaufbaus Qstpreugens eingeführt sehen will. Bis zum Hausgerät herunter muß der Geist ge- sunder Natürlichkeit walten, und es wird mit Recht hervorgehoben. daß die Münchener Künstler, die in so edler Gesinnung sich zur An- feriigung von Mustern für den neuen Hausrat Ostpreußens erboten haben, an die schlichte lleberliefeiung des Landes werden anknüpfen müssen, uni sich davor zu wahren, daß sie einen fremden und schiefen Zug in das große Werk dieses Wiederaufbaues eines ganze» Landes hinnittragen. Die Daröanellenhölle. Die.Times" veröffentlichen den Brief eineS Soldaten, der an den lctzien Tardanellenkämpfen teilgenommen hat. Es heißt da unter anderem: .Verstärkungen an den linken Flügel l" brüllte ein Offizier wie wohnfining durch das Sprachrohr, und da im selben Augenblick schon wieder eine Granate augesaust kam:.In Deckung anrucken— Granaten sind gesundheitsschädlich!" Und dann begann eine mühselige Kraxelei über die zerklüfteten Höhenzüge hinweg auf die Feuerlinie zu. wo ich von meiner Ab- teilung fortkam und einem australischen Regiment als Entfernungs- schätzer zugeteilt wurde, was meine Spezialität ist. Ich sah durch das Fernrohr genau alle Bewegungen der Türken und vermochte einen Bajonettangriff in seiner ganzen Entwicklung zu verfolgen. Unsere Verwundeten kamen in schier endlosen Zügen herein. Sie waren im großen Ganzen bei gutem Humor, aber'sie gebrauchten Ausdrücke, die nicht aus der Sonnlagsschute stammen. Run aber kam auch unser eigener Schützengraben an die Reihe. Ein paar türlischc Scharfschützen mutzten irgendwie hcrausgesuiiden haben, wo der Entfernungsschätzer stand, denn kurz nacheinander schlugen mehrere Kugeln haarscharf neben mir ein, und ein Mann, der vor mir gestanden hatte, sank plötzlich um und wälzte sich auf mich..Mafiich!" sagte er schwach. Das Wort ist arabisch und bc- deutet soviel wie.fertig". Daun fügte er noch hinzu:„Das Geld im Beutel— meiner Frau und den Kindern-- ach, verfluchte Schweine!" Und plötzlich geschah etwas ganz Merkwürdige?. Der Sterbende, der fast schon bewußtlos war, richtete sich mit aller Kraft ein letztes Mal auf, kuiete hin, schob sein Gewehr über den Grabenrand hin- aus, zielte mit zitternden Händen irgendwohin inS Blaue hinein, drückte ab und brach im nämlichen Augenblick tot zusammen.... Von der unter uns liegenden Bucht her dröhnten inzwischen un- aufhörlicv die Kanonen, und ganze Schwärme von Granaten stoben brüllend über unsere Köpfe dahin. Kaum war der eine Schwärm vorüber, io kam auch schon ein anderer daher. Als die 15-Zoll- Geschütze sich ichließlich noch einmischten, blieb uns nichts weiter übrig, als Gras in die Ohren zu stopfen. Es war absolut unmöglich, irgend ein Kommando zu verstehen, trotzdem sie uns direkt ins Gesicht gebrüllt wurden, sa es schien geradezu lächerlich, daß ein Mensch überhaupt versuchte, sein winziges Stimmchen zu erheben. während der Kanonendonner um uns die ganze Welt zu verschlingen schien. Wir konnten von unserer Stellung aus beobachten, wie ein Kriegsschiff unter uns in der Bucht unablässig Salven aus seinen Sechszollbatterien abfeuerte. Dicke Wolken roten und braunen Rauches zogen über das Meer, und bisweilen hatte man den Ein- druck, als ob von dem Echo des furchtbaren Geschützdonners die Felsen um uns wackelten. Tann begann die feindliche Artillerie zu antworten; sie über- schüttete uns geradezu mit Schrappnells, und überall, vor und hinter uns tönte das Summen und Pfeifen der Kugeln. Aus dem Erd- aufwurf vor uns schob sich plötzlich die Messingnase einer Haubitzen- granale hervor.... Ich griff unwillkürlich nach ihr und verbrannte mir mordsmäßig die Finger.... Gegen Abend hörte das Bombardement auf, aber die türkischen Schrappnells sprangen nach wie vor am ganzen Strand umher und die Verwundeten in den Booten waren einem geradezu höllischen Feuer ausgesetzt. Auch das nerdenpeinigende Gewehrfeuer hielt an: an Schlaf war natürlich gor nicht zu denken, und wir hatten überdies alle Hände voll zu tun, die zerschossenen Gräben wieder auszubessern, um wenigstens solange wie möglich unsere Stellungen zu halten. Aus unserem linken Flügel, dicht am Ufer, etwa eine halbe englische Meile von der Stelle entfernt, wo ich lag, konnte ich ein Boot sehen, das m der Brandung schaukelte. Ich nahm mein Glas zur Hand und sah nun. daß acht Leiwen darin saßen, während am Ufer über zwanzig anders lagem Ein Matrose, der deutlich an seiner weißen Mütze zu erkennen war, saß in einer merkwürdig lebendigen Stellung: DaS Gesicht gegen die Küste gerichtet und daS Ruder noch immer in der erstarrten Hand. Als die Nacht hernieder- sank, schaukelte daS Boot noch immer auf und nieder; am Morgen, als ich hinabblickte, war es verschwunden... Kleines Zeuilleton. Ein Luftkompf. Ein zurzeit im Westen stehender UnteroffizisL aus Neukölln berichtet über einen Luftkawps zwischen einem deutschen und einem englischen Flieger in einem Feldpostbriefe folgendes: „Unsere Luftschiffhalle besitzt naturgemäß für unsere Gegner. Flieger zu benachrichtigen. In letzter Zeit wurden wir wiederholt von Franzosen beehrt, die ihre Bomben gegen die Halle zu werfen versuchten. Bisher haben sie kein Glück damit entwickelt, und unsere Artillerie, die höllisch auf dem Posten ist, konnte in einer Wcche zwei Franzosen herunterholen, die im Vertrauen auf die Schnelligkeit ihrer Maschinen eine allzugroße Sorglosigkeit, man kann beinahe sagen Unverschämtheit, an den Tag legten. Gestern nachmittag waren wiederum drei feindliche Toppeidecker signali» siert worden, und auf die Meldung stieg Leutnant C.. der erst kurze Zeit bei uns ist, auf, um den Gegnern das Herankommen zu verleiden. In der Tat machten zwei Doppeldecker, als sie in das Kreuzfeuer unser Abwehrgeschütze gerieten, kehrt, während der dritte, der etwa Lägst Meter hoch sein mochte, mit großer Beharr- lichkeit auf sein Ziel lossteuerte. Etwa löst Meter vor der Halle fieleu zwei Bomben herab, von denen die eine überhaupt nicht krepierte, wähvend die andere wirkungslos verpuffte. Inzwischen hatte sich unser Flieger, nachdem er sich vom Abzug der beiden anderen überzeugt hatte, gegen den dritten Feind gewendet und steuerte mit voller Kraft hinterdrein. Unser Doppeldecker, das konnte man deutlich sehen, war nickt so schnell wie der feindliche — wie es sich später herausstellte, war es ein Engländer—, strebte jedoch dauernd, in die Höhe zu kommen. Das Manöver war uns zunächst unklar, bald aber erkannten wir, daß Leutnant G. mit seiner Taktik recht hatte. Ter Engländer bekam hinter der Halle ein paar Schrapnells, die in unheimlicher Nähe seines Apparates platz: cn. Nichtsdestoweniger machte er in einem kurzen Bogen kehrt und steuerte wieder auf die Halle zu. Wiederum wurde er unter heftiges Feuer genommen und eine Schrapnellkugel traf, wie wir später sahen, die Karosserie in nächster Nähe des Fliegers. Der Engländer wollte mit oller Gewalt sein Werk vollenden und ging trotz des auf ihn gerichteten Schnellfeuers um mindestens ststst bis 400 Meter tiefer. Offenbar hoffte er somit eine größere Treff- sicherheit erlangen zu können. Dieses Manöver wurde sein Ver- derben. Leutnant G., der sich jetzt mindestens östst Meter höher befand, schoß nun. durch einen gefährlich steilen Gleitflug die geringe Geschwindigkeit ausgleichend, auf den Feind los. Etwa öst Meter über dem Engländer begann der Beobachter, Uzefeld- webcl S., zu feuern. Der Engländer bäumte sich plötzlich und ging dann, wobei der Doppeldecker nach rechts überhing, in die Tiefe. Wie wir später hörten, war ihm der Propeller durch mehrere Kugeln weggerissen und das Seitensteuer beschädigt worden. Etwa Lstst Meter über dem Boden drehte sich der feindliche Doppeldecker zweimal um sich selbst und stürzte zu Boden. Beim Aufschlagen auf die Erde explodierte der Benzinkasten. sodaß wir, als wir an die Landungsstelle eilten, nur noch einen Trümmerhaufen fanden. Die beiden Insassen waren schwer verbrannt und haben offenbar gleich den Tod gesunden._ ver Achtftnn üer pflanzen. Lange Zeit, bis zum Ausgangs des 19. Jahrhunderts, hat man angenommen, daß den Pflanzen Sinnesorgane fehlen. Dieser Mangel wurde als einer der charakteristischen Unterschiede in der Organisation von Tier und Pflanze aufgefaßt. Allmählich jedoch begannen die Tatsachen sich zu mehren, die für ein Vorhandensein von Organen zur Ausnahme von Sinnesreizen sprechen. Es wur- den Sinnesorgane entdeckt, die dem ticriichcn Tastsinn und dem Schwcrkraftsinn entsprechen. Dazu gesellte sich die Entdeckung der Lichtsinnorgane durch den Berliner Pflanzenphysiologen Prof. Haberlandt. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß Pflanzen ihre Blätter dem Sonnenlichte zuwenden. Sie stellen sich senkrecht zu den Strahlen in die sog.„fixe Licktlage" ein. Nur durch dreign Mechanismus werden die wichtigsten biochemischen Prozeffs im Pflanzenkörper möglich: nur unter dem Einfluß der Sonnen- strahlung kommt die Synthese der aus der Lust aufgenommenen Kohlensäure zu stärke zustande. Diese Drehung eines falsch orientierten Blattes geschieht auf dem Wege des Waähstums, dts zu Krümmungen und Drehungen des Blattstieles führt und dauert so lange, bis die Blattspreite in die fixe Lichtlage gekommen ist. Wenn man nun in einem Experiment, wie Dr. Otto Tamm in der Halbmonatsschrift„Tie Natur" ausführt, den Blattstiel durch Bekleben mit schwarzem Papier vor den Strahlen schützt und die Blattfläche so einstellt, daß die Strahlen auf das Blatt in schiefem Wintel auftreffen, so rückt das Blatt in die fixe Lichtlage ein. Diese Erscheinung aber ist niemals hervorzurufen, wenn der Blattstiel unbedeckt, die Blattsläche dagegen beliebt ist. Letztere muß daher Organe besitzen, die den Unterschied zwiscken schräg und senkrecht auffallenden Lichtstrahlen zu empfinden imstande sind. Die Reiz- aufnähme findet in der Blattfläche statt, die Reizreaktion im Blatt- stiel, der durch Drehung in die fixe Lichtlage sich einstellt. Für die Perzeption des Lichtes kommt nur die Oberhaut des Pflanzen- blattes in Betracht. Sie besteht aus einer einzigen Lage farbloser Zellen, die nach außen sich vorwölben. Jede Oberhautzelle stellt also eine Konvexlinse im kleinen vor, die durch Brechung der ein- fallenden Lichtstrahlen eine hell leuchtende von einer dunklen Zone umgebene Fläche auf der Innenwand erzeugt. Durch den„Haber- landtschen Linsenversuch" ist dies experimentell dargetan. Nach der Meinung des genannten Forschers ist die lichiempsindliche Substanz in dem Protoplasma zu sehen, das den Innenwänden der EpidermisiOberhautjzellen anliegt. Hier wird einmal der Unterschied zwischen Hell und Dunkel und zweitens zwischen zen- irischer und exzentrischer Bestrahlung wahrgenommen. Im einzel- nen zeigen die lichtempsindlichen Epidermiszellen«inen verschiebe- neu Bau. Einige Pflanzen besitzen in der Außenwand der Epi- dermiszellen linsenartige Verdickungen, die veriieselt sind, wo- durch die Lichtbrechung verstärkt wird. In den meisten Fällen sind alle Zellen der Oberfläche an der Llchtparzeption gleichmäßig bc- teiligt. Mehrfach aber hat eine Arbeitsteilung stattgesunden, die sich darin äußert, daß es zur Ausbildung lokalisierter Sinnesorgane kommt, die ihrer Anlage nach den primitiven Augen von Schnecken und Muscheln, den Ocellen, ähneln. Solche Lcellen trägt das Laubblatt des in Peru einheimischen Akanthusgewächses Tit- tonia Verschaffeltii. Auch der indirekte Beweis für die Bedeutung der Oberhaut als Lichtsinnesorgan konnte dadurch er- bracht werden, daß Blätter, die ihrer Epidermis beraubt waren, die Einstellung in die fixe Lichtlage nicht fanden. Weiterhin sind von Haberlandt auch Untersuchungen über die Helligkeitsunt-r- schiede ssog. Schwellenwerte! unternommen worden, und es hat sich gezeigt, daß die Sinnesorgane der Pflanzen dem menschlichen Auge in dieser Leistung kaum nachstehen! Die Ernährung üe? Zivilgefangenen und üer Krieg. Es ist selbstverständlich, daß auck die Insassen der Gefangenen« anstalten von der Beschränkung deS Mehl- und BrotverbraucheS be- troffen worden sind. Da sie bisher täglich etwa östst Gramm Brot, zum Abend häufiger Mehlsuppen erhiellen, der Mehlverbrauch des einzelnen pro Tag aber Lstst Gramm nicht überschreilen darf, mußte eine weitgehende Veränderung der Kostformen in den Gefängnissen vorgenommen werden. Die durch die Reduktion der Brotration enrstan- denen Defizite waren durch andere Nahrungsmittel zu decken. In der .Zeitschrift sür Medizinalbeamte" berichtet nun Geh. Medizinalrat Dr. Solbrig-Königsberg, welche Vorkehrungen in den ostpreußischen Gefangenenanstalten getroffen worden sind, um den Insassen eine auslömmliche Ernährung zu gewährleisten. Tie Suppen aus Weizen-, Roggen- und Gerstenmehl kamen in Fortfall, an ihre Stelle trat Hafergrütze. Tie Lstst Gramm Mehl wurden durch Streckung mit Karloffeln zu 300 Gramm Brot ausgebacken. Der Ausfall betrug also noch Lstst Gramm. Er wurde gedeckt durch Neu- eintührung des Klippfisches in den Speisezsttel. der wegen feines hoben Eiweißgehaltes eine wichtige Bereicherung der etwas eintönigen Kost bedeutet. Weiter wurde in vermehrtem Umfange Magermilch. um 1.2 Liter die Woche, gereicht, und ebenso Magerkäse um 300 Gramm die Woche. Auch ein Zuckerzusatz. Ist Gramm täglich zum Morgen- kaffee, wurde eingeführt. Nach Bedarf durste auch die zu verwendende Menge von Kartoffeln und Hülsenfrüchten der« vermehrt werden, namentlich bei Beginn dieser veränderten Kost- ordnung. bei der das Volumen durch Verringerung der Brotmenge eine Einbuße erlitten hat und demzufolge das Gefühl der Sättigung beeinträchtigt werden kann. Betrug der Gebalt der früheren Kost pro Tag durchschnittlich 94 Gramm Eiweiß, 40 Gramm Fett. 573 Gramm Kohlehydrate, so stellt sich der Gehalt der neuen Kost auf 97—103 Gramm Eiweiß. 42—44 Gramm Fett und 492 Gramm Kohlehydrate täglich. Das macht in Kalorien umgerechnet 2682— 2829, während für einen arbeitenden Mann von 70 Kilogr. ca. 2800 Kalorien gefordert werden. Tie neue Kostordnung bedeutet gegenüber der alten eine Zunahme der Eiweiß- und Fettmengen, und damit eine Verbesserung. Auch die größere Abwechselung, die durch Einsllhrung des Klippfisches und die ausgiebige Verwendung von Milch und Käse erzielt wird, ist als eine wesentliche Lerbeffe- rung anzusehen. iiKHmA Taubenstrane 48,49, 8 TJhr; äd den Cremen von SQdtiroi und Italien. Guido Thielseher „Venns im Crönen". i Opers+Io in 1 Akt. v. Rud. Lothar. I Musik von Oskar Straus. Mitwirkende; Else Berna Lotte Werkmeister Thalia-Tkeater, Berlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der »nm Publikum und Presse glftnzcnd henrteiltR .Ünnt-Splelplan. S*aSast TSgl 8 Uhr. Sonntags 31/, u. 8 Uhr ? Paini?.„Charlotte-', Adelmann, Asra, Georg,„der fallende Mensch." usw. Robert Steidl bringt seine derzeit. Schlager düp noch blsSO. 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