gr 152-1915 Hntct l)altunggMatt öes Vorwärts wie sieht ein Schlachtfeld aus? Von Gustav Hellström(in„Dagens Nhheter'). I. Gegen sechs Uhr morgens zerstreuten fich die Nebel. ES war Aussicht auf einen warmen Tag. Ueber uns streicht ein Geschwader don Farmandoppeldeckern hin. Es fliegt in spitzem Winkel, nach Art der Zugvögel, um stch dann Plötzlich in eine Linie auszubreiten. Ueber dem Walde zur Rechten hängt ein Fesselballon wie eine riesige Frankfurter Wurst. Ueberall, wo man hinblickt, Soldaten. Sie stehen an den ge- öffneten Fenstern und schwatzen mit den Frauen. Sie machen Toilette inmitten der Bauernhöfe, die voller Pferde stehen. Sie waschen ihre Unterwäsche an den Brunnen, halten in der Arbeit inne und starren uns verwundert nach. Wie kommen hier Zivilpersonen her. wo sie doch nie andere zu sehen bekommen, als die wenigen zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Greise? Dann aber begreifen sie plötzlich. Sie reißen die Mützen herunter, schwenken sie in der Luft und rufen laut herüber:„�ivs la Presse 1"... Hier und da Trainkolonnen, mit leeren Wagen, wenn sie gen Süden, mit vollen, wenn sie gen Norden rasseln. Dazwischen stößt man des öfteren auf lebende Hindernisse, durch die man sich müh- selig Meter für Meter den Weg bahnen muß. Zumeist sind es Ochsenherden. Da kommt gerade wieder eine etwa dreihundert Köpfe starke Herde angestampft, getrieben von Soldaten in den traditionellen Ochsentreiberblusen, den spitzigen Treiberstecken in der Hand. Hinter der Kolonne her wandert ihr Befehlshaber, ein Leutnant. Er trägt braune Samlhosen, geht auf einen derben Knotenstock gestützt und sieht im großen ganzen recht melancholisch aus. Ich glaube den Grund dieser seiner Melancholie zu kennen. In der Tat: wenn er einmal mit heiler Haut aus diesem Kriege heim- kehren wird— und er hat augenscheinlich die größten Chancen dazu— was in aller Welt soll er dann dereinst seinen Kindern er- zählen, wenn sie ihn neugierig nach Kinderart um seine Heldentaten befragen? Soll er ihnen etwa sagen:„Mes enfants, ich habe den Kanonendonner stets nur von weitem gehört, ich habe nie einen Gewehrschuß abfeuern sehen, ich—(und hier wendet er das Gesicht ab) ich war im Weltkriege--- Ochsentreiber 1� Dies, denke ich mir, wird es wohl sein, was der melancholische Leutnant überlegt, während er langsamen Schrittes, mit gesenktem Kopf, seiner trägen, halsstarrigen Kolonne folgt..., Wir biegen von der großen Landstraße in einen Waldweg ein. Stach etwa zehn Minuten kommen wir an einen etwas über hundert Meter hohen Hügel und steigen hinan. Oben erwarten uns bereits einige Offiziere, die unS durch Jungwald zu der Nordseite des Hügels fübren. Die Offiziere unterhalten sich miteinander, die aufgeschlagenen Karten vor sich. Sie weisen nach Westen, nach Osten, nach Norden. Wir folgen der Richtung und nicken einander zu: in der Tat, wunderbar schön! Der Oberst lächelt, ein Lächeln, das aussteht, als solle es den Effekt dessen, was er zu sagen gedenkt, erst eigentlich so recht zum Ausdruck bringen. Eine Weile schweigt er noch. Dann sagt er: „Meine Herren, es ist nicht so sonderlich schön dort drunten. Es ist das Schlachtfeld." Wir starren ihn mit offenem Munde an. Gewiß, wir find keine Soldaten, sondern Zeiwngsmenschen. die von militärischen Dingen schließlich nicht allzuviel verstehen, aber wir vermögen dennoch nicht einzusehen, warum man sich deshalb über uns lustig macht. „Es ist das Schlachtfeld", wiederholt der Oberst neben uns. Wir starren neuerdings hinab, weit in die Landschaft hinaus. Wir setzen das Glas an die Augen und suchen jeden Meter Boden unter uns ab, ohne etwas anderes entdecken zu können als Becker und Wiesen, die Windungen zweier Flüsse und waldbestandene Höhen. „Fällt Ihnen gar nichts auf in dieser Landschaft?" fragt der Oberst, aber nun lächelt er schon nicht mehr.„Gestalten Sie denn, daß ich Sie auf eine Eigenlümlichkeit aufmerksam mache. Setzen Sie das Glas bitte noch einmal an, und versuchen Sie in dieser weiten Landschaft auch nur ein einziges Lebewesen zu finden, mit Ausnahme der Vögel. Vermögen Sie irgendwo einen Menschen, ein Pferd, ja auch nur einen Hund zu entdecken?" Nein, das vermögen wir allerdings nicht. Die Landschaft ist tot. Sie liegt da, wie ein Stilleben, von der leuchtenden Sommer- sonne beschienen, liegt wie träumend, wie verzaubert, aber nirgends weit und breit zeigt sich ein einziges Lebewesen. Die Crweckung öer Maria Carmen. 43] Von Ludwig Brinkmann. Aber das will ich ja gerade, will alle diese Schwierig- keiten haben. Ich fühle mich so gesund, so glücklich, so stark! Sechs Monate großer Arbeit stehen mir bevor, aber an einem schönen Werke, das in diesen Landen einzige Bedeutung haben wird. Es ist ein köstliches Gefühl um dieses Bauen in so großem Maßstabe, zu sehen, wie aus dem verödeten Walde im Gebirge ein neues organisches Gebilde entsteht, das so ganz anderen Wesens ist. Viel Geheimnisvolles steckt in diesem Wechselspiele der Energien, das alle Philosophie, alles Spekulieren über die geheimsten Zusammenhänge zwischen Natur und Urkräften nicht ergründen kann; wie ein schöner Mythos mutet es an, wenn hier nicht etwa das Wasser selbst, sondern höchstens nur sein liebliches Rauschen im zerklüfteten Gesteine oder der seltsame Gesang seiner lebhaften, glitzernden Geisler durch die schwarzen, großen Turbinen eingefangen werden soll. Hier wird die Seele der Wogen vom materiellen Wasser getrennt und in lange Adern aus rotem Kupfer ge- preßt, den Odem des Lebens summenden Motoren einzu- flößen, die alle verschiedene Arbeit leisten, aber im letzten Grunde doch nur eines tun, nämlich Silber schaffen, daß sich ein glänzender Strom des Metalls klingend über die Lande ausgießt, ein Spiegelbild, ein Produkt, ein Sprößling des silberklaren Baches im fernen Waldtale. So bin ich denn zurückgekehrt. Stuart war ganz außer sich vor Freude, als er mich wieder sah. Ich habe ihm also doch ein wenig gefehlt. Sonst bat er ja, wenn ich abwesend war. Ward zum Freunde und Kameraden gehabt, mit dem er ein Wort reden konnte, wenn es ihm allzu einsam ums Herz war� Das war nun nicht mehr möglich. Und�ich bin vierzehn Tage im Gebirge ge- wesen— das warf Stuart mir fast als ein Vergehen an der Freundschaft vor. All die Wochen, die er im Schlünde des Berges schweifend wie ein lebendig Begrabener zugebracht hatte, waren eine Zeit schwerer Krankheit für ihn: nun aber ist er genesen, und das Gefühl der Gesundheit machte den sonst so schweigsamen geschwätzig: ihm war es nun Lebens- bedürfnis, einen Vertrauten um sich zu haben. Und er hatte viel zu erzählen. Er hat große Ent- deckungen gemacht._ „Sie ahnen wohl kaum, meine Herren," sagt der Oberst wieder. „wieviele Truppen dort in der Landschaft unter Ihnen liegen. Es sind 200 000 im ganzen, 100 000 auf jeder Seite." Dann beschreibt er uns an Hand der Karte die Stellungen. Hier um uns zur Linken liegen die französischen Batterien, dort unten die Reihen der Schützengräben. Und dort drüben stehen die deutschen Batterien, und dort beginnen die deutschen Schützengräben. Sie vermissen die Kanonade? Sie sind erstaunt? Dies Schweigen, meine Herren, ist ein reiner Zufall, und würden wir noch eine Weile hier stehen bleiben, so würde das Bullern bald wieder be- ginnen. Wir sehen abermals hinab. Wir lasten den Blick weit dahin- schweifen über das sonnenglitzernde, smaragdene Grün, über die sich schlängelnden Wege, über den Wald, über das silberne, gleißende Band der friedlichen Flüsse.— Ein Schlachtfeld... I Von allen wunderlichen Dingen, die ich an der Front gesehen habe, erscheint mir dies als das wunderlichste. Ein modernes Schlachtfeld I Zwei- hunderttausend Mann, die einander wie Panther, sprungbereit, gegenüberliegen I An meinem geistigen Auge ziehen alle Schlachten- bilder vorbei, die ich im Laufe der Zeit gesehen habe, von dem pri- mitivsten Schauerdruck, auf dem vier, fünf Mann einander nach besten Kräften totzustechen suchen, bis zu den Schlachtenbildern von 1870/71 und denen vom Balkankrieg, diese aus Effekt angelegten Bilder mit den rasend gerittenen Kavallerieattacken, mit den langen Reihen Gefallener, mit der leibhaftigen Hölle auf Erden und der Schrapnell- und Granatenhölle in den Wolken.... „Well, Inever..." sagt der amerikanische Senator, der mit uns ist. Und bricht ab. Ich glaube, er hat sagen wollen, das hätte er nie geglaubt. Keiner von uns hätte es ja geglaubt. „Einmal aber", sagt der Oberst, indem er uns den Weg zurückgeleitet,„einmal aber— und es wird vielleicht gar nicht mal so lange dauern— wird diese Landschaft, wird dieses Schlachtfeld aussehen, wie dasjenige, das ich Ihnen jetzt zeigen werde..." II. Wir lassen drei unserer Autos hinten warten und rücken so eng wie möglich zusammen. Nach wenigen Minuten sausen wir auf eine neue Straße hin- aus. Alles ringsum liegt tot und verödet. Hier und da auf den Aeckern stehen kleine Holzkreuze auf niedrigen Hügeln, und auf den Kreuzen hängt eine französische Soldatcnkappe, ein Kürassierhelm oder eine Pickelhaube._ Und überall ringsum— Löcher in der Erde, die einen im Durchmester von kaum einem Meter, die anderen wie tiefe, gähnende Gruben. Das sind die Einschlagstellen der Granaten aller möglichen Kaliber. Dort oben auf der Höhe stehen die traurigen Ueberreste eines Schlosses, um das erbitterte Kämpfe getobt haben, das vielleicht ein halbes Dutzend mal genommen, verloren und wiederum genommen wurde. Die Mauern sind eingefallen, der Turm zusammengeschossen, das Dach ist verbrannt, und nur einzelne verkohlte Sparren ragen noch schwarz und gespenstisch in die Luft... Nach einigen Minuten steigen wir aus. Der Oberst bittet uns. in der kleinen Stadt, in die wir konimen werden, nicht mitten auf der Straße, sondern an den Häusern entlang, und nicht in einer Gruppe, sondern in einem Abstand von mehreren Metern zu gehen. Die„Stadt" ist ein einziger großer Trümmerhaufen. Zivil- Personen werden immer seltener, wir stoßen nur noch auf drei oder vier. Eine von ihnen, ein alter Mann, hockt auf einer halb zer- schostenen Haustreppe und gröhlt irgendein Soldatenlied. Als er unserer ansichtig wird, fährt er empor, grüßt nach militärischer Art und schreit„Vive la France!"... Ist er etwa angetrunken? Und zwar so früh am Tage und unter derartigen Umständen?... Nein, erklärt einer der Offiziere, er sei keineswegs angetrunken, und es gebe auch weit und breit im Umkreise seit langem nichts mehr, womit man sich betrinken könne. Der Mann sei wahnsinnig, und er wurde es während der un- beschreiblichen Slraßenkämpfe, die durch seine Stadl rasten... Ich schaue mich nach ihm um. Er steht noch immer, die Hand an der Mütze, und starrt uns nach. Ich sehe seinen Körper beben, seine funkelnden Augen aus den Höhlen drängen, seinen Mund sich zu einem blöden, breiten Lachen verzerren... Wir biegen nach links ab und stehen bald an der Grenze der kleinen Stadt. Wir sind am Ziel: vor uns liegt das Schlachtfeld. Wie sieht nun dieses Schlachtfeld im Gegensatz zum früheren aus? Verödung wäre kaum das rechte Wort. Denn weithin über Wiesen und Wald nicken Margueriten und Glockenblumen, in den noch stehenden Bäumen nisten und zwitschern die Vögel und prächtige Spechte klopfen emsig herum an den Stämmen... Als die Gänge im Berg ein wenig freigelegt waren, als viel Schutt und Geröll aus dem Wege geschafft und die Brust des Stollens endlich erreicht war, sah er eine Ader reich- haltigen Silberkieses vor sich. Er brach ein paar wertvolle Stücke heraus: der erste Fund nach all unserem mühseligen Suchen, die erste frohe Ernte einer schweißvollen, tränen- reichen Saat, die erste köstliche Trophäe nach einem Kampfe, der so viel Monate, fast anderthalb Jahre gewährt hatte! Da- zu war es nicht etwa ein einziges, glückliches Vorkommnis: Stuart hat die gesamte Schichtung unseres Berges peinlichst durchforscht und zwei mächtige Lager entdeckt, die in geringem Abstände voneinander sich fast horizontal durch den Fels hin- durchziehen. „In etwa vierzehn Tagen," sagte er mir,„sind wir mit dem Aufräumen fertig, und dann können wir den Abbau da beginnen, wo unsere wackeren Vorarbeiter ihr Werk im Stiche gelassen haben. Eigentlich müssen wir den Fluten des Berges dankbar sein, daß sie die edlen Caballeros davongejagt haben: so fällt u n s die Beute und der Siegespreis ihres Kampfes zu. Besorge uns nur rasch die Maschinen, Lewis— jedoch davon reden wir später. Nun aber noch das Allerwichtigste. Sieh hier diesen Gang!" Und Stuart führte mich zum Eingange eines schmalen Pfades. „Es hat keinen Zweck, ibn tiefer zu verfolgen," sagte er, „es ist ein wenig beschwerlich, und nur mit großer Mühe gelangte ich etwa hundertfünfzig Meter weit: dann setzte das Geröll ollen Anstrengungen ein Ende." „Und was hat es mit dem Gange auf sich?" „Vielleicht kannst Tu Dieb so weit orientieren, um zu bemerken, daß er fast rechtwinklig zu unserem Stollen in der ersten sohle verläuft. Auf jeden Fall hat er mit diesen beiden Erzlagern nichts zu tun. Daß aber unsere spanischen Vor- arbeite? sich nicht ohne Absicht durch die Grauwacke so weit durchgebissen haben, das kannst Du Dir selbst sagen!" „Du weißt, John, ich bin kein Bergmann, also heraus mit der Lösung des Rätsels!" „In zwei Stunden will ich es Dir offenbaren!" Wir ließen uns von der Haspel zur ersten Sohle hinauf- ziehen und wanderten aus dem Berge hinaus. Es war mir eine große Freude zu bemerken, daß alle unsere Maschinen ruhig ihren Gang liefen, ohne daß die Lager zu heiß wurden oder sich sonst ein Schaden zeigte. Während der beiden Wochen, die ich im Hochgebirge zugebracht hatte, lebte ich ihretwegen in ständiger Sorge. Dann ritten wir beide das Tal nach Süden hinab, erJ Sonst aber-- Achtzig von Hundert aller Bäume stehen da ohne Kronen. Ein Sturm von Granaten hat sie hinweggefegt; nun liegen sie in wüstem Wirrwarr unten zwischen den Stämmen. Es ist wie ein undurch- dringliches Dickicht; man denkt an die indischen Dschungel. Und dann die Erde— wo sie überhaupt noch sichtbar ist! Ich denke nicht mehr an die Granattrichter. Sie interessieren hier nicht mehr, es sind ihrer zu viele— so unendlich viele. Nein, nicht die Granat- trichter, aber die Gräber. Zwischen den blühenden Sommer- blumen— nichts als Gräber— Gräber, Gräber und immer wieder Gräber und zwischen den Gräbern alle nur erdenklichen Ueber- reste einer Schlacht, und so weiter und weiter, immer weiter— ohne Ende.... Uniformstücke aller Gattungen: feldgraue Waffenröcke und rote Hosen und französische Mützen und Hemden, Srrümpse, Unterhosen, Stiefel, zersplitterte Gewehrkolben, Patronenrahmen— alles nur Erdenkliche und Unerdenkliche liegt hier in wüsten Haufen, stellenweise in ganzen Hügeln beisammen. Und auf allen diesen Gegenständen dunkeln braunrote Flecken--, man braucht wahrlich kein beeidigter Gerichtschemiker zu sein, um feststellen zu können, von was diese Flecken herrühren.... Es ist Blut, Menschenblut.... Wir gehend schweigend durch dieses Chaos, den Hut in der Hand. Nur die Offiziere sind bedeckt. Aber bei jedem noch so winzigen Hügelchen und Kreuz führen sie ernst und feierlich die Hand an die Kappe; es gibt weder Freund noch Feind unter den Toten... Die Lerchen trillern, die Spechte klopfen wie toll... Da plötzlich ducken wir Zivilisten uns ganz instinttiv: „Pssssss— bang, bang!" „Ha, zum Donnerwetter, was ist denn das? I" Es entfährt uns— nicht etwa wie eine Frage, auf die wir eine Antwort erwarten, sondern etwa wie der gleiche Ausruf einem Manne entfahren könnte, dem man plötzlich seine Fensterscheiben einschlägt. „Pssssss— bang, bang!" Es ist ein Laut, der zu schildern völlig unmöglich ist. Ein Laut, als sause eine ganz riesenhafte Dampfpfeife durch die Luft. Ein Schrei, ein Geheul, das-mit einem Krachen und Gepolter abbricht. als würden Zehntausende von Messingkesseln aus Himmelshöhen auf einen Fliesenboden herabgeschleudert. „Nun geht es also lös," sagte unser Oberst.„Das war unser Fünfundsicbenziger. Die Deutschen? O nein, die klingen ganz anders. Aber die werden Sie auch noch zu hören bekommen. Aber nun wollen wir mal zu den Batterien hinübergehen.. /trtillerie im Pflanzenreich. Urffere heimische Flora besitzt eine ganze Reihe von Pflanzen, die ihre Samen aus Kapselfrüchten fortzuschleudern vermögen, so z. B. die Kornrade, Rittersporn, Matschmohn, verschiedene Veilchenarten, Lupine, Storchschnabelarten. Jedesmal, wenn die Samen ihre Luftreise antreten, entsteht ein knisterndes Geräusch. Die einheimischen Gewächse werden an explosiver Kraft von einigen Ausländern weit übertroffen. Das schwerste Geschütz der Ar- tillerie im Pflanzenreich führt ein Baum in Südamerika, der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört und den Namen Hura crepitans erhalten hat. Beim Austrocknen zerspringen die Früchte mit einem pistolenähnlichen Knall und schleudern die Samen, deren Gewicht durchschnittlich ein Gramm beträgt, bis 15 Meter weit fort. Dr. O. Damm beschäfttgt sich im„Prometheus" mit diesen interessanten Erscheinungen und erörtert hierbei die Fragen, welche Bedeutung das Fortschleudern der Samen für die Pflanzen hat und wie sich das explosionsähnliche Oeffnen der Früchte physikalisch- chemisch erklärt. Es steht das Fortschleudern der Samen im Dienste der Erhaltung der Art und der Verbreitung der Pflanze. ES gelangen nämlich die Samen an Orte, die außerhalb des von der Mutterpflanze eingenommenen Gebietes liegen und werden dadurch über einen möglichst großen Bezirk zerstreut, lieber das Oeffnen der Früchte mit knisterndem Geräusch hat erst die neueste Forschung die erforderliche Aufklärung geben können. Die moderne Botanik verlegt den Sitz der Kräfte, die das Aufspringen der Kapselfrüchte bewirken, in die Membranen der Zellen. Das Ocff- nen erfolgt immer nur dann, wenn die Zellen abgestorben sind und wenn sämtliches Wasser im Zellimiern und in den Zellwänden verdunstet ist. Deshalb hört man das knisternde Geräusch im Getreidefeld beim Aufspringen der Kornrade und der anderen Unkräuter des Getreides auch nur, wenn die Sonne recht heiß scheint, niemals bei Regenwetter. Bei der Abgabe von Wasser verkleinert sich die Zellmembrane, sie schrumpft. Bei den Pflanzen/ bei denen die Schleuderbewegungcn durch Schrumpfen der Zell- klommen durch ein Gewirr zerklüfteter Felsen langsam den Grat der Berge zur Rechten und gelangten auf dessen anderer Seite durch wildes Steingröll in eine schier unzugängliche, enge Schlucht, die sich erst nach vielen Krümmungen allmäh- lich erweitert und schließlich in das große Tal von Oaxaca ausläuft. Da dieses S-tücklein Welt, das„Tal des Todes" genannt, fo unwirtlich, so weit von unserem Minenhause ent- fernt ist und nichts als ein bis zum Rande gefülltes Sammel- decken höllischer Sonnengluten bildet, war ich in all der Zeit nur ein einziges Mal auf irgendeinen- Streifzug hierher ge- langt, und ich fragte mich, welch wunderlicher Gedanke Stuart gerade diesen Weg führte.— „Du hast Dir wohl vorgenommen, mich hier das Genick brechen zu lassen?" sagte ich zu ihm, als mein Pferd wieder einmal über einen Steinblock stolperte. „Du wirst eS ja sehen," antwortete er lakonisch. Und plötzlich stieg er ab. „Wir sind am Ziele!" Zunächst war ich hell verwundert zu hören, dieses Ge- wirr von abschüssigen, unzugänglichen Felsenwänden könnte überhaupt irgendein Reiseziel sein— aber da sah ich ein paar Balken aus einer kleinen Höhlung hervorlugen: es war der Eingang zu einem Stollen, der Ueberrest eines vor langer Zeit betriebenen Bergbaues. Wir traten ein: Stuart zog ein paar Kerzen aus der Tasche, die wir anzündeten: er ging voran, um zu führen: augenscheinlich kannte er den Weg. Der Pfad war natürlich zumeist verschüttet, und es machte große Mühe vorzudringen. Aber mutig stiegen wir über das Gestein, klemmten uns zwischen Fugen und Rissen hindurch, krochen manchmal auf Händen und Füßen eine enge Röhre entlang, Stuart voran, während ich die flackernden Lichter halten mußte, die ich dann, wenn er sich wieder aufrichten konnte, ihm reichte, um mir von ihm den Weg erleuchten zu lassen. So ging es weiter, vielleicht zweihundert Meter lang, bis wir nicht mehr vorrücken konnten. „Es geht noch viel tiefer in den Berg hinein," sagte Stuart aufatmend.„Du siehst es an dem Windzuge, der die Flammen der Kerzen flackern läßt. Aber bis wir den Weg mit Schaufeln und Karren freigelegt, kann vorläufig nur eine Ratte oder allenfalls ein Dachshund vorwärts— und nun wollen wir umkehren!" Mir war es schon recht, denn das Wasser des Berges drang mir eiskalt in die Stiefel, und nach dem langen, inüh- seligen Ritte durch das glühende Tal fröstelte es mich in diesem finsteren Loche.(Forts, folgt.) hmn&e zustairds kommen, spricht man vomjSchrumpfungsmechamZ- rnua. Einen ganz anders konstruierten Schleudcrapparat besitzen aber einige Farnkräuter, z. B. der bekannte Wurmfarn unserer Wälder. Es erfolgt hier die Tchlcudcrbeivegung bereits, wenn die Zellen noch Wasser in ihrem Innern besitzen, sie kommt durch die Kohäsion bzw. Adhäsion dieses Wassers zustande. Ein dritter Typus pflanzlicher Schleudervorrichtungen beruht auf dem Truck, den der Zcllsast im Innern lebeirder Zellen auf die Zellwand ausübt. Bekanntlich stellt der Zcllsaft eine wässerige Flüssigkeit dar, in der zahlreiche Stoffe, z. B. Salze, Säuren, Zucker gelöst sind. Befindet sich Wasser in der Umgebung der Zelle, so bcsteüt eine 5tonzcntrationsdifferenz zwischen dem Zell- säst und dem Wasser, und der Zellsaft zieht Wasser an. In den, Maße, in dem sich der Zellsaft vermehrt, wird die Zcllhaut gedehnt und straff gespannt, so daß� sie infolge ihrer Elastizität auf den Zellinhalt zurückdrücken muß. Diese Spannung, die mehr als 20 Atmosphären betragen kann, und die daher der Zelle eine be- trächtlichc Festigkeit zu verleihen vermag, bezeichnet liian als Turgor. solche Turaorschleuderuiechanismen komnlen hauptsächlich bei Pilzen vor. So besitzt der Pilz der Stubenfliegenkrankheit, der im Herbst regelmässig epidemisch auftritt, für seinen Sporen einen solchen �chleuderapparat. Noch viel energischer wirkend ist die Schlcndervorrichtuiig des Schimmelpilzes. Unter den Blüten- pftauzen erfreut sich die Spritzgurkc oder Eselsgurke eines bcson- deren Rufes als geschützt im Pflanzenreich; auch bei der Spritz- gurke kommt das Fortschleudern der Samen durch Turgor der Zellen zustande. Hilter den einheimischen Blütcupflanzen gibt es zivar keiuc� die eine so vcrblüffciide Erscheinung beim Ausschleu- dcrn der Samen zeigt wie die �pritzgurke; aber immerhin sind einige Arten mit eiliem so kräftigen Schleudermcchanismus ver- sehe», dah sie im Voltsmunde besondere Namen erhalten haben. Die ivichtigste davon ist die Balsainine(Impatiens nc>Ij tungcre), die im Volksmunde„Rührmichnichtan" oder„Springkraut" heißt. er-c zum Fortschleudern der«amen und Sporen dienenden pflanz- lichcn Einrichtungen sind überaus mannigfaltig. Tie Mannig- faltigkeit bezieht sich auf den Bau sowohl als auf die Funktion. Auf«chcitt und Tritt erkennt man, daß der anatomische Bau und die physiologische Leistung in innigem Zusammenhang stehen. Zwischen dem Bau und der Funktion herrscht vollkommene Har» monie; ein schönes Resultat moderner botanischer Forschung. Sei Seelmer Schippern. Ein Genosse schreibt uns: .ptachdem tvir monatelang täglich mit unserer Einberufung ge- vechnet hatten, kam gegen Ende April die Order, zum Armierungs- bataillon Nr.. einzurücken. Am ersten Tag wurden wir einge- kleidet, das heißt, jeder erhielt ein« Tuchhose, eine Litewka, eine Mütze, einen Drillichanzug, zwei Paar Stiefeln usw. Ob die Sachen, die jeder griff, nun ivirklich paßten, war zunächst gleich- gültig. Nach dem Einkleiden kamen deim auch die interessantesten Bilder zustande. Dem eiiien waren die Hosen zu kurz, der andere mußte sie mehrfach umlegen, um sie überhaupt anziehen zu können. Es ivurde getauscht, probiert usw. Abends ging jeder noch einmal nach Haus, um sich von den Seinen zu verabschieden. Am andern Tage wurde das Eiiikleiduiigsgcschäft beendet, und abends ging es fort. Da saßen wir nun in den Eisenbahnzügen, mehrere tausend Mann, bunt zusamniciigcwürselt, und rollten au die Grenze. Wohin? Das war die Frage, die die einander Unbekannten und doch baid Vertrauten erörterten. In der Eisenbahn wurden die ersten Freundschaften geknüpft. Ganz ohne Gedankenaustausch, ohne Anlehnung an andere tommt kaum jemand und besonders kaum ein Großstädter aus, der an reges geselliges Leben und Trei- ben gewöhnt ist.«o durchslogen wir einen Ort nach dem andern. Sehr bald stand die Richtung fest. Es ging nach dem Osten. Aber wohin? Ja. solche Fragen zu stellen und über sie zu debattieren, haben wir jetzt einigermaßen verlernt, denn„erstens kommt es anders und zweitens als man denkt". Die Verpflegung auf der Fährt klappte selbstverständlich vorzüglich, ja, mitunter gab es des Guten zuviel. So wurden wir in der ersten Nacht plötzlich aus dem Schlaf geholt— ich glaube es war etwa 2 Uhr— und mußten zum Essen antreten. Das war noch nicht jeder von uns gewohnt: Nachts lilii 2 Uhr einen Topf Kaffee, eine Stulle Brot und ein Stück Wurst zu vertilgen. Wir find seitdem manches gewohnt ge- worden. Als wir die dritte Nacht im Eisenbahnivagen hinter uns hatten, hieß es:„Aussteigen". Wir hatten eine kleine Ortschait in Rusjisch-Polen erreicht. Der Bahnhof war teilweise zerstört, aber ein neuer in der Entstehung begriffen. An der Bahnlinie arbeitete eine Eiseubahnkompagnie, die sich übrigens in ihrem Omartierzug recht häuslich eingerichtet hatte. Unser Morgeukassee wurde von"den beiden Lokomotiven unserer Züge gebraut. Drei Kompagnien unseres Bataillons machten sich nach einigeil Vorbereitungen auf den Marsch zu ihren Ouartieren. Unsere vierte Kompagnie wurde gegen Mittag weiter verladen. Doch auch unsere Fahrt war bald wieder beendet. Wir passierten die großen Bahn- hofsanlagcn einer wichtigen russischen Grenzstadt. Die vielen zer- störten kleineii Elsenbahiibrückcii urid cinc in Trümmern liegende große Brücke, die über die gesamten Bahnankigen hinwegführte. viele stilliegende Fabriken und vor allem die an der Bahnlinie bei jeder Ortschaft austauchenden Kinder, die nach„ellleba"(Brot) schrien, zeigten uns deutlich die Wirkungen des Krieges. Gegen abend verließen wir in einem kleinen polnischen Städtchen die Bahn. Auch dieser Bahnhof war zerstört. Dann gab es den ersten Marsch. Neben dem gepackten„Asfen" hatten viele noch Pakete aus der Heimat zu schleppen. Tie mehrtägige Bahnfahrt hatte uns auch nicht gerade frischer gemacht. So fiel der dreistündige Marsch bis ziim Bestiiiimuiigsort den meisten von uns recht schwer. Der Einzug in die Ortschaft, die uns in den nächsten Wochen beherbergen sollte, gestaltete sich recht eigenartig. Kaum wurden mir von den ersten Ortseinwohnern bemerkt, da strömten schon bald Hunderte von Klilderii, Frauen und Mäniierii herbei. Das Bild ivar typisch für die Gegend Russisch-Polens. Der größte Teil der Bevölkerung der kleinen Stadt besteht aus Juden, die aus uns in ihrer eigeiilünilichen Tracht einen sonderbaren Eindruck machten. Die Sauberkeit der Menschen und ihrer Behausungen ließ alles zu wünschen übrig, und wir waren frob, daß ivir nicht in Einzel- guartiere kamen, sondern eine Fabrik als Quartier bezogen, die über Erwarten sauber aussah. Und dock war es ein ungewohntes Schlafen aus den Fußböden der langen Maschiuensäle. Stroh kam erst nach einigen Tagen herbei. Wohl alle waren von Haus aus ein bequemeres Nachtlager gSivohnt. Auch mit der Verpsleguiig haperte es in den ersten Tagen sehr. Unsere Beschäftigung war das Bauen von Schützengräben unter Anleitung von Pionieren. Zu unsereil Arbeitsstellen hatten wir einen größeren Marich zurück- zulegen. Besonders in den ersten Tagen kehrten wir stets Hunds- müde heim. Kein Wunder. Wir sind alles Landsturmleute niitt- lerer Jahrgänge. In unserer Kompagnie, die fast nur aus Ehar- lottenburgern besteht, ist der kleinere Teil im Zivilberuf Hand- werker und Arbeiter und dabcr an körperliche Arbeit gewöhnt. Da- gegen sind Handlungsgehilfen, technische Angestellte und sonstige Privatangestcllte ziemtich zahlreich vertreten. Daneben finden wir eine ganze Anzahl Akademiker, Studenten, Rechtsanwälte, Refe- rcndare usw. Erst sehr allmählich lebten wir uns etwas ei», gewöhnten wir uns an das neuartige Leben, an die neuartige Tätigkeit und Um- gebunz.__ kleines Feuilleton. Die Schweiger. Die„Humanitö� veröffentlicht nachstehende„Bemerkungen eines Mobilisierten":„In meinem Depot gibt es„Borstige" fpoUus, der Spitzname für die Soldaten mit ungepflegten Bärlen). Richtige Borstige, die„von dort" zurückkommen und„dorthin" zurückkehren werden, wenn man es sie heißt. Und ich wüßte kaum auszudlücken, wie sehr sich diese Borstigen in der Wirklichkeit von denen unter- scheiden, die die Artikel der Zeitungen und die illustrierten Blätter uns gezeigt haben. Hervorstechendstes Kennzeichen: sie sind stumm. Man verstehe darunter, daß kein einziger die Gewohnheil hat und auch nur ein Vergnügen darin findet, die Dinge zu erzählen, die er mitgemacht hat. Vielleicht denken sie immerhin daran: Tatsache ist, daß sie nie davon sprechen. Man muß ihnen die Worte aus dem Mund reißen:„Alio du warst an der Front? Wie lange? Bist du verwundet worden?"— Auf diese Frage wird man nickt selten die Antwort bekommen:„Ja, dreimal.. Und wenn eine solche Antwort i» gleichmütigem, schlicklem Ton gegeben wird, ist's nicht nur aus Bescheidenheit. Es ist irgend etivas Unerwartetes, Großes, Erhabenes, das die Be- ivuiiderlliig weckt und wofür man cigenllich erst ein neues Wort finden möchte. In der Tat:„Helden",„Mul",„Hingabe"— das sind zu Tode gehetzte Worte, die ihren Sinn verloren haben— so etwa wie die Ehrenzeichen, mit denen man vor dem Krieg einen solchen Mißbrauch getrieben hat, daß man sich, als der Krieg kam, beinahe schämie, den Soldaten nur diese Dinger anbieten zu können... Und darf man es aussprechen. daß das Wort Boche unter denen, die von der Front zurückkommen, durchaus nickt populär zu sein scheint. Wenn sie von den Feinden sprechen, sagen sie einfach„sie". Und es ist rechl selten, daß irgendein heftiges oder gehässiges Eigen schafts- wort auf sie angewandt wird... Spricht man mit Soldaten, die gekämpft haben, bekommt man den Eindruck, daß der Krieg zu- gleich über und unter dem ist. was man darüber gesagt hat und jedenfalls sehr verschieden davon. Erst später, lehr viel später, wenn man viel mit ihnen gesprochen haben wird, wird man die Wahrheit über den Krieg wisjen. Heule haben wir imr Legenden." Lufi- oder Sonnenbad! Wir leben gewissermaßen in einer Zeit der Sonnenanbetung, und es ist eine Art Modetorheit geworden, sich stundenlang in der Hitze schmoren zu lassen, um nachher als Rothaut umherzulaufen. Diese Sonnenkur wird aber von vielen derart übertrieben, daß auf die Dauer ernstliche Erkrankungen nicht ausbleiben. Es ist daher angebracht, auf die Erfahrungen eines dänischen Spezialisten der Sonnen- und Lichtlheorie. des Professors S. Bang hinzuweisen, der besonders günstige Erfolge mit Luftbadekuren erzielt hat. Er geht aus von den Milteilungen eines französischen Arztes, der eine große Anzahl von Patienten, die mit schweren Krankheiten wie Tuberkulose, Hnftleideii und Nierenkrankheilen behaftet waren, durch Sonneukuren geheilt hat. Der Nutzen des Lichtes, sowohl für Kranke wie für Gesunde, wird von Prof. Bang durchaus nicht bestritten. Aber der dänische Arzt tritt der heute weitverbreiteten Anschauung entgegen, die predigt, je mehr Sonnenlicht, um so besser. Diese Nuffasiung könne, so meint Bang, in die Praxis übertragen, von gefährlichen Folgen begleitet sein. Die weiße Rasse ist nicht ohne weiteres der Sonnenglut auszusetzen. Nur die Rassen, deren Pigmentierung braun, rot oder schwarz ist, können ohne Schaden starkem Licht aus- gesetzt werden. Es ist daher bei uns die Vorsicht geboten, die der erwähnte französische Arzt anwendet, eine Vorsicht, die sehr scharf von der Art und Weise der Sonnenenthusiasten absticht, die'sich schon gleich in den ersten heißen Tagen stundenlang aus- gestreckt in die Sonne legen. Der französische Gelehrte beginnt damit, den Körper ganz allmählich, und zwar mit fünf Minuten an- fangend, der Sonne zugänglich zu macheu, zuerst die Füße, dann die Beine, den Rumpf und schließlich Nacken und Kopf. Prof. Bang hat diese Sonnenkur unter Berücksichtigung des schwächeren Sonnen- lichtes im Norden mit einigen Abänderungen auch im nördlichen Klima versucht; die Sonnenbebandlung hat aber hier nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Nicht jeder Mensch kann die gleiche Lickitmenge vertragen; eS ist deshalb richtig, durch vor- sichtige Experimente ausfindig zu machen, wieviel Sonne einem jeden am besten bekommt. Empfindliche Großstadlmenichen dürfen keineswegs unmittelbar in der Sonne an einem beißen Strande badeu. Dieses heiße Bad bekonuiit gewöhn- lich nicht nur der Haut schlecht, sondern wirkt auch schädlich auf dos körperliche Allgemeinbefinden. An Brustkranken z. B. ist die Ver- schlechterung nach solchen Sonnenbädern geradezu typisch. Wenn das Abenteuer einmal ohne größeren Schaden abläuft, so hat der Sonnenwütige mehr Glück als Verstand. Der Souncuanbeier, der oft schwarz wie ein Neger in die Stadt zurückkehrt, denkt nie daran, daß seine Haut in der dumpfen Großstadt zu wenig Licht empfängt: auch hindert die Pigmentschicht. die sich in der Souneiiglur gebildet hat. das Tageslicht in richtiger Weise in die Haut ein- zudringen. Professor Bang kommt daher zu dem Schluß, daß man das Sonnenbad durch das Lichtbad ersetzen solle. Das habe nicht nur den Vorzug, daß man die Kur überall durchführen könne; die Sonnenanbeter"könnten diese Kur auch unbegreuzt lauge fortsetzen. „Offene Fenster und sehr viel Lust", sagt der dänische Arzt,„find die einzigen Bedingungen für ein günstiges Allgemeinbefinden. Leider wird ja unser Körper durch un- zweckmäßige Kleidung in frevelhafter Weise mißhandelt. Durch Luft- bäder hingegen würde eine überraichende Regelung der ganzen Funk- tionen, die die Haut zu erfüllen hat, herbeigeführt." Bang weist voller Stolz auf die samtweiche Haut hin, die seine Patienten naiv einer Luftbehandlung im Spätherbst aufweisen. Die Frage, ob Luit- oder Sonnenbad, wird von ihm also zugunsten des ersteren entschieden._ Kraftfutter aus Hausmüll. Mit der Verwertung des Hansmülls, besonders der Kücken- abfalle beschäftigte sich die Deputation der Berliner städtischen Gas- werke. Den Beratungen lagen mehrere Gutachten, n. a. von Pro- fessor Dr. A. Frank, Berlin-Cbarlottenburg, Professor Hansun, Königs- berg i. Pr., Geh. Rat Prosesior Dr. Frosch, Direktor der Hygiem- scheu Institute der Tierärztlichen Hochschule. Berlin, und des Geb. Rats Prof. Rubner, Berlin, zugrunde. ES wurden die Fragen er- örtert:„Welche Kosten entstehen den Gaswerken, wenn die vor- geichlageucn Anlagen für die Verwertung der Küchenabfälle sich nicht bewähren?" und dann:„Welchen Gewinn erzielen die Gaswerke, wenn sich die Anlagen bewähren?" Beide Fragen wurden zufrieden- stellend beantwortet. Es soll»umnehr mit den von der Firma A. Borsig, Tegel, zur Verfügung gestelllen Apparaten umer Be- nutzling der jetzt wertlosen Abgase aus den Relorlenöfen der Gas- anstatt Schmargendorf ein Versuch im großen gemacht werden. Hierzu hat die Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Grundbesiyer e. G. m. b. H. während der Kriegszeit 30 000 Kilogramm Küchen- abfülle täglich unentgeltlich zur Verfügung gestellt und sich bereit erklärt, nach dem Kriege auf die Dauer von zehn Jahren einen Ver- trag abzuschließen._ Notizen. — Theaterchronik. Oberregisseur Edmund Binder hat für die Zeit vom 14. August bis 13. September 1915 das Theater des Westens gepachtet und gedenkt darin Oskar Nedbals neuestes Werk,"das Märcheiiipie'l„Andersen" zur Aufführung zu bringen. — Labezüge. Das Generalinspektorat der freiwilligen Samtätspflege hat, wie die österreichische„Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst" mitteilt, für die«üdstreitkräste außer Bade- und Desinfeklionszügen auch drei Labetrains, zwei Trinkwasser- destillatoren und zwei Eiserzeugungsmaschinen herstellen lassen. Labezüge bestehen aus je drei Wagen. Im Küchenwagen stehen große Wafferbehälter, die 1600 Liter fasten. Riesenkessel für Tee und Kaffee. Der zweite Wagen enthält in einer Hälfte die Schlafräume des Personals, in der anderen die Labemittel. Der dritte Wagen dient schließlich als Depot für Verbandzeug. Die Trinkwasserdestillatoren gleichen äußerlich Lokomobilen. Der Dcstillator kann zu irgend einem Tümpel fahren und mit der Säugpumpe das Wasser anziehen. Durch Kohlenheizung wird dieses Waffer auf 107 Grad erwärmt, ohne zum Verdampfen gebrackt zu werden. Das Wasser wird so längere Zeit hindurch sterilisiert, und dann durch eine 5lühlvorrichluiig in die bereit ge- stellten Behälter gebracht. I'keater kür �ittwock, den 7. Juli. Deutsches Künstler-Theater. s'ftu.rDie Schöne vom Strand. Deutsches Opernhaus Charlotthg. 8 uhr; Figaros Hochzeit. Friedrich-Wilhelm städt. Theater. 8.;4u.:0, diese Leutnants. Kleines Theater. siit u.: Ein kostbares leben. I-essins-Theater. L'/.u.: Seine einzige Frau. I-nstsplelhans. 8i/