�6-1915 Unterhaltungsblatt öes vorwärts � Notenschrift erfunden zu haben, die sich eng an die Buchstabenschrift anlehnt und die den blinden Musiker instand setzt, ein Musikstück zu studieren. Der Sehende, der etwa einen von einem Minden geschriebenen Brief oder ein Blindenbuch in die Hand bekommt, wird sich auf den ersten Blick kaum in dem Labyrinth von Punkten zurechtfinden. Aber das feine Tastgefühl des Blinden, dessen Auge der sog. Lese- fingec darstellt, macht es ihm möglich, einen Roman etwa in der gleichen Zeit auszulesen, die der Sehende dazu braucht. Ein Mist- stand dagegen war immer die Grösie der Buchstaben, die in Reliefschrifl naturgemäsi sehr viel Platz beanspruchen. Ein Beispiel: Während Gustav Freytags Roman.Soll und Haben" im gewöhnlichen Buchdruck zwei Bände umsaht, zählt die BlindenauSgabe nicht weniger als 2t. Das hat denn auch zu einer Art Blinden st enographie Ver- anlassung gegeben, die ebenfalls auf den Blindenanstalten gelehrt wird. Beim Schreiben der Braillejcvrist wird das Schreibblatt auf eine Gummi» oder eine gefurchte Metallplatte gelegt. Drückt man nun mit einem Stahlgriffcl die Punkte in das Papier ein, so ent- steht ein Relief, das für den Blinden fühlbar ist. Natürlich muh von rechts nach links geschrieben werden, da die lesbare Schrift aus der Rückseite des Blattes entsteht. Der Blinde liest ge- wöhirlich mit den beiden Zeigefingern, von denen der eine durch leichtes Hinweggleiten über die Reliefbuchstaben die eigentlirbe Lesearbeit verrichtet, der andere dagegen das Aufsurben der nächsten Zeile übernimmt. In allerletzter Zeit hat man auch Schreibmaschinen in verschiedenen Systemen für Blinde angefertigt, die sowohl in der Blindenpunktschrift wie in gewöhnlicher Schwarzschrift schreiben. Dank den Segnungen aller dieser Erfindungen ist der Blinde nach gründlicher Ausbildung darin imstande, sich geistig und beruflich rege zu betätigen, und das Bewuhtsein seiner Nützlichkeit inmilten der menschlichen Gesellschaft schützt ihn am besten vor den seelischen Qualen, die sein grausames Gebrechen mit sich bringt. Kleines Zeuilleton. 3m bombardierten �lrras. Der Bericht der Obersten Heeresleitung meldete am Mittwoch, daß Arras bei einer Beschiehung feindlicher Truppenansammlungen in Brand geraten sei; auch die Kathedrale ist der Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Man muh nach dieser Meldung wohl annehmen, dah heute von der unglücklichen Stadt, die in dem unmittelbaren Bereich der Gcschützkämpfe lag, nicht viel mehr übrig geblieben ist. Lätzt doch ein Bericht von Maurice Barrös, den er nach einem Besuche der Stadt im.Echo de Paris" veröffentlicht, er- kennen, wie furchtbar Arras schon vorher durch die Beschiehung ge- litten hatte.„Ich bin auf einige Stunden nach Arras gegangen," schreibt er.„Die Deutschen bombardieren diese Stadt mit Methode. Seit wann? Seit dem 6. Oktober.„Heftige Beschiehung, teilweise aussetzende Beschiehung", derart heitzt es in unseren Be- richten. Ich wollte wissen, was hinter diesen, ein wenig farblosen Ausdrücken steckt. Ruinen, Einsamkeit, ein furchtbarer Donner der Kanonen. Unser Gasigeber empfängt uns im Keller und beglück- wünscht sich selber zu seiner Behausung. Sie ist finster, feucht, eng, aber er hat recht, der wirNiche Luxus im gegenwärtigen ArraS besteht darin, nicht getötet zu werden. Wir machen uns zum Spaziergang bereit. DaS also ist Arras, diese schöne Sradt des ruhigen Glücks! Sie hat ihr Glück verloren und ihre Ruhe etwas zu sehr gesteigert. Nirgends ein Mensch, Gras zwischen den Pflastersteinen, Moos auf diesen selber. Den Ströhen entlang verdecken Sandsäcke die Kellerlöcher. Die unheimlichen Häuser haben alle ihre Augen geschlossen, wie dse Toten die Augen schlichen. Ruinen rechts, Ruinen links! bie und da steht noch ein Haus. Hier sind selbst halboffene Läden mit schlecht verschlossenen Fenstern. Aber wenn man näher zusieht, so haben sie alle granatenzerrissene Dächer. Oft ist die Fasiade von oben bis unten zusammengefallen, und mit einem einzigen Blick sieht man die Reihe von Stockwerken, die aufgerissenen Zimmer, die so häßlich sind und deren Tapeten in Fetz herunterhängen, beschmutzt vom Regen und vom Pulverrauch. Die gefallenen Mauern legen kleine Winkel, ganz kleine Höfe und unbeschreibliche Gähchen bloh. Ein Stück Mittel- alter hinter modernen Fassaden! Ein Maler fände hier Schritt auf Schritt Motive in Hülle und Fülle. Aber er nähme lieber ein Ge- wet.r zur Hand als den Pinsel... Ein Bewohner von Arras spricht mich an. Er sagt mir. dah einer seiner Freunde irrsinnig wurde und dah er mehrere Personen kennt, die durch die Ver- nichtnng ihres Mobiliars und die Zerrüttung ihrer LebenSgewohn- heiten zur Verzweiflung getrieben wurden. Er ineint, wir mühten bis zum Ende aushallen, damit die Feinde bezahlten.... Natürlich wird daS Ziel unseres Spazierganges das berühmte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, das vom höchsten Bergfried in Frankreich über- ragt wurde. RathauS und Bergfried liegen zu Boden, der grohe und der kleine Markt sind nichts als weite Trümmer und Schutt- stätten. Die Zier der beiden Plätze ist in Fetzen, der Bergfried ein ungeheurer Haufen von Steinen. All diese Größe und all diese Ruhe, all diese schöne Ordnung wurden zu einem Hügel zersprengter Steine und qualvoll verbogenen Eisens. Die Starrheit dieser Ueberreste ist erschreckend. Man wünschte, daß sie immer weiter schliefen, aus daß unsere Enkel lernten, was cS heißt, unvorbereitet in den Krieg zu ziehen. Dem Präfeit und dem Bischof, die beide auf ihrem Posten blieben, fehlt es ebenso wie dein General, der mich begleitet, an der Autorität, um die letzten Bc- wohner von Arras zum Verlassen der Stadt zu bewegen.„Gehr doch fort!" sagt der Präfeit.„So gehl doch!" sagt der Bischo?. „Fort!" sagt der General? aber 1500 Personen bleiben da, in der Meinung, daß es die Sache der Preußen wäre, fortzugehen..... Die Stadt Arras zählte 27 OVO Einwohner. Sie beherbergt heute noch 1500 unter ihren Trümmern. Die Deutschen bombardieren alles, ihre Drachen helfen ihnen hierbei mit großem Erfolg." Der Nutzen einer öffentlichen Sibliothek. Die New Uorker Bibliothek ist ein Universal-Auskunstsburcau. Nicht nur stehen dem Sucher nach Wahrheit ihre 2 131 438 Bände zu Diensten, sondern sie beantwortet auch sehr prompt alle An- fragen, die durch Brief, Telegramm oder Telephon kommen. Ein Advokat, der Einzelheiten über ein Gesetz braucht, das in einem westlichen Staat erst kürzlich geschaffen worden ist, oder ein Zeitungsmann, der plötzlich die genauen Bedingungen irgendeines Vertrages beschreiben soll, oder ein Geschäftsmann, der einen Auszug aus einem Konsularbcricht in Südamerika benötigt,— sie alle brauchen sich nur mit dem Bibliothekar in Verbindung zu setzen und sofort steht erfahrene Hilfe zu ihrer Verfügung. Auch einen anderen wertvollen Dienst leistet die Bibliothek in der Rc- Produktion von Seiten von Büchern, Illustrationen, Karten, Mann- skriptcn und dergleichen. Dies geschieht vermittelst eines Photo- jtatcn, und kostet 23 Cents für ein Blatt von 11 X 14 Zoll. Ein Auftrag wird schon am darauffolgenden Tage erledigt. Mittels dieses villigen und sicheren Verfahrens können Bibliothekare in anderen Teilen de? Landes, ebenso Privatgclchrtc usw. die Kopien fehlender Titelblätter, Extraillustrationen, Originalmanuskripte, Einsätze n. dcrgl. erlangen. Manche Bibliothekeiivcrlvaltung könnte von diesen Ideen profitieren.__ Notizen. — Musikalische Neutralität der Schweiz. Wie peinlich die Schweiz bemüht ist, die strengste Neutralität nach allen Seiten hin zu bewahren, beweist u. a. auch ein vom Generalstav der 1. Schweizerischen Division erlassener Tagesbefehl. Danach ist es den Dirigenten der der Division angehörenden Musikkapellen verboten, fortan die populären französische» Militärmärschc„Sambre et Meuse" und die„Marchc Lorrainc", sowie die nicht minder be- liebte„Phantasie aus dem Trompeter von Säckingen" zu spielen. — Theaterchronik. Vom 18. Juni an wird in dem Naturtheater auf dem B r a u h a u s b c r g c bei Potsdam eine Reihe von Freilichtvorstelliingen veranstaltet. Zur Eröffnung wurde „Die versunkene Glocke" von Gcrhart Hauptmann auscrschcn. — Kunstchronik. Bei Paul Cassircr wird diesen Sonntag eine neue Ausstellung eröffnet, die in der Kriegszejt er- schiene»? Lithographien in den ersten Handdrücken bringt. Eine „Trauer" benannte Grabmalsfigur in Bronze, die neueste Arbeit von Richard Engelmann, ist gleichfalls ausgestellt. — Die Solinger S t a h l w a r e n i n d u st r i e hat einen bemerkenswerten Erfolg errungen. Dem ZwillingSlverk I. A. Heuckels war es trotz der englischen Küstenblockade gelungen, die Weltausstellung in San Francisco, die im Februar eröffnet wurde, zu beschickcp. Für die Solinger Industrie, die etwa 33 303 Personen beschäftigt, ist die Offcnhaltung der Märkte eine Lebensfrage. Ter Wettbewerb der alten Shcffielder Konkurrenz und der bereits recht respektablen amerikanischen Schncideivarenindtlstrie lvar in San Francisco groß. Trotzdem erhielt das deutsche Werk den ersten PpeiS für Stahlwaren im allgemeinen, den ersten Preis für Kunst- gewerbe, die Goldene Medaille und die Ehrenmedaillc für Gärtner tverkzeugc. Die Schrift öer Lichtlosen. Unter allen den grausamen Opfern, die der Weltkrieg gefordert Hot und noch immer fordert, sind diejenigen, die ihr kostbarstes Gut, das Augenlicht hingegeben haben, am meisten zu bedauern. Und es gehört zu den wichtigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, daß den armen Lichtlosen durch befriedigende Berufsbeschästigung seelisch über den Verlust des Augenlichts hinweggeholfen wird. Nicht weniger wichtig als die wirtschaftliche Sicherstellung ist es. den Blinden die reichen Schätze der Wissenschast und Literatur zugänglich zu machen, ihnen für alle Genüsse des Lebens� die ihnen infolge ihres Gebrechens für immer verjagt sind, die Schönheil der Dicht- kunst zu erichließen. Während man in früheren Zeiten die Blinden nur dem all- gemeinen Mitleid überließ, hat man sich seit dem Ende des 18. Jahr- Hunderts mehr und mehr planmäßig mit ihrer Ausbildung be- schäfligt. Im Jahre 1784 entstand die erste Blindenschrift, nachdem seit einigen Jahrzehnten im wahrsten Sinne des Wortes Versuche vorausgegangen waren. So kennt man z. B. die Schrift eines Mannes, des sogenannten„blinden Jakob". Diese Schrift, die sich heute sehr grotesk ausnimmt, bestand aus Halzstäbeu, die auf eine nur dem Versertiger bekannte Weise eingekerbt waren, und die je einen Buchstaben bezeichneten. ES hat noch mehrere der- artiger Schriften gegeben; sie kamen jedoch für die All- gemeinheit nicht in Betracht und sind nur ein Zeichen dafür, wie sich auch unter den Blinden das Bedürfnis nach der Kunst des Lesens und Schreibens geltend machte, das allmählich in weite Kreise des Volkes eindrang. Die häufig gemachle Beobachtung, daß bedrucktes Papier des öfteren auf der Rückseite ein Relief von Typen erkennen läßt, führte zur Erfindung des Blindendrucke«, bei dein die Worte erhaben auf dein Papier erscheinen und durch Tasten mit den Fingerspitzen gelesen werden. Das erste derartig gedruckte Buch wurde im Jahre 1786 von Vallentin Hauy, dem Begründer der ersten Vlindenerziehungsanstalt in Paris, hergestellt. Der Begründer des deutschen BlindenwesenS war Johann Wilhelm Klein, unter dessen Leitung im Jahre 1811 in Wien das erste deutsche Buch in Blindenschrift erschien, und zwar in einer von ihm ersundeiien Stachelschriit. der sich ausnimmt wie der durch- löcherte Bordruck eines Sticknmsters. Die Bücher waren mit Stachel- typen bedruckt, deren Stacheln durch das Papier durchdringen und so ein leicht lesbares pimklierteS Relief geben. In England hat man mehrfach ganz willkürliche, auf den Tastsinn der Blinden be- rechnete Buchstaben angewandt, und das System von Moon Brighton hat sich bis heute erhalten. Eine vollständige Ilm- wälzung erfuhr der Blindendruck durch die Erfindung der Brail leschen Blindenschrift, die heute allgemiu in den Blinden- ttnterrichtöanstaltcn gelehrt wird. Louis Braille der am 4. Januar 1336 geboren war und im Alter von drei Jahren erblindete, trat als nicht ganz zehnjähriger Zögling in die Pariser Blindenanstalt ein und wurde hier mit einer Punkt- schrift bekannt, die der Franzose Charles Barbier einige Jahre zu- vor erfunden hatte. Zu einem einzigen Schrlftzeichen waren oft .-,ehr als zehn Punkte nötig. Der junge Braille, der später Blindenlehrer an der Pariser Anstalt wurde, dachte viel über die Verbesserung, das heißt die Vereinfachung der Barbierschen Schrift »ach, und er fand, daß sechs Punkt« genügend seien, um uäe Schriftzeichen durch Punktgruppen darzustellen. Da die Brailleschrisl nicht nur leicht erlernbar, sondern für den Blinden auch viel leichler zu lesen und zu schreiben ist, als jede andere Blindenschrift, da sie sich ferner auf alle alpha- betischen sprachen anwenden läßt, so fand sie als eine Art inter- nationale Blindenschrift schnell� in der ganzen Welt Verbreitung. Das einfache, aber geistreiche System besteht, wie gesagt, aus einer Gruppe von sechs erhabenen Punkten, die in zwei senkrechten Reihen zu je drei Punkten angeordnet sind, von denen aber höchstens fünf .iur Darstellung eines Schriftzeichens verwendet werden. Durch Kom- binntion der einzelnen Punkte ist es nicht nur möglich, olle Buchstaben deZ Alphabets darzustellen, sondern man kann daraus auch Satz- zeichen und Ziffern bilden. Die Zeichen für a bis i stehen in den beiden obersten Linien, und durch Hinzufügen von einem oder zwei Punkten aus der untersten Linie werden die anderen Buchstaben ge- bildet. Wird vor die ersten zehn Zeichen ein besonderes Zahlzeichen gesetzt, dann erhalten die Punktgruppen die Bedeutung von Ziffern. Die Satzzeichen entstehen, lvenn man dieselbe Anordnung der Punkte auf die beiden unteren Linien beschränkt. In neuester Zeit hat man das Broille-System noch bedeutend erweitert, und der gebildete Blinde ist heute sogar imstande, sich dem Studium der höheren Mathematik zuzuwenden. Der geniale Louis Braille darf für sich auch noch das Verdienst in Anspruch nehmen, eine Musik- Die Crweckung üer Maria Lärmen. 47� Von Ludwig Brinkmann. Dickinson kam, und bald waren wir bei einer Pfeife Tabak mitten in der Diskussion. Ich selbst führte zunächst die Verhandlung und hatte ein leichtes Argumentieren: wir böten ihm für eine relativ unbeträchtliche Summe, voraus- sichtlich 25 000 Pesos, zwei Siebenteile einer Mine an, die bereits in wenigen Tagen mehrere hundert Tonnen Silber- erzes von hohem Gehalte produziert habe; wir würden das Geschäft selbst machen, wenn wir nur das Geld hätten usw. Dickinson war Geschäftsmann genug, die Güte unseres Angebotes einzusehen. „90 000 Pesos scheint mir nach allem Ihre Maria Carmen wert zu sein. Zudem liegt die Mine in guten Händen. Ich kann also mit meinem Angebote bis auf ungefäbr 26 000 Pesos hinaufgehen. Ich werde heute noch an Herrn Ward sen. schreiben." Wir dankten ihin für die gute Meinimg, die er von uns batte, und vor allen Dingen für seine Bereitwilligkeit, sich uns in unserem schwierigen Unternehmen anzuschließen. „Allerdings weiß ich nicht, ob ich mich nicht zu f r ü h an Herrn Ward sen. wende; die Erde deckt kanm sechs Wochen unseren armen Freund," meinte Dickinson zögernd. Ich suchte ihn davon zu überzeugen, daß es nicht ge- raten sei, viel Zeit zu verlieren. Wir müßten doch unsere geschäftlichen Angelegenheiten so bald wie möglich ordnen, und wer könne wissen, was der Herr in Minnesota mit dem mexikanischen Erbteile seines Sohnes anfinge. Dickinson schien dies auch einzusehen und blieb bei seinem Entschlüsse, noch am gleichen Abend zu schreiben. Dann aber nahm unsere Unterhaltung eine andere Wen- dnng. Wir sprachen von weiteren Sorgen der Maria Carmen, die alle auf das Problem der Kapitalbeschaffung im großen Stile hinausliefen. „Wir werden den Jmparcial ganz ummodeln müssen! Wir werden Geld brauchen, sehr, sehr viel Geld, um die wiedererstandene Maria Carmen in einigermaßen würdiger Weise auszustatten." erklärte ich. Dickinson nahm sich ein Stück Papier zur Hand und bat um Erläuterungen. Und wir gingen alle unsere Hoffnungen und Entwürfe, die wir schon feit anderthalb Jahren gehegt und geplant hatten, der Reihe nach durch, während Dickinson fortwährend Notizen machte, rechnete, addierte. Da war das Pochwerk an unserem Minenhause elektrisch einzurichten, dazu waren etliche Maschinen, namentlich zwei Haspeln und ein großer Kompressor, unter Tage aufzustellen und schließlich der Anschluß an das Wasserwerk durchzuführen: von diesen Angelegenheiten hatte ich die Zahlen ziemlich sicher vorliegen. Die zweite, größere Aufgabe war das Anschlußgleis nach Taviche, unser uraltes Projekt. Verschiedene Möglichkeiten, die Betriebskrast zu ivählen, lagen da vor; entweder ent- schieden wir uns für Dampf, indem wir die Bahn Ocotlan-Taviche durch Uebernahme von Anteilen veranlassen ihre Strecke bis zur Maria Carmen zu verlängern; oder wir bauen ein eigenes Gleis zuni Betriebe mit elektrischer Loko- motive, die ein guter Abnehmer für unser Wasserwerk würde; oder wir benutzen nach wie vor, wenn auch dies zu kost- spielig sein sollte, die Kraft unserer Lasttiere; das letztere er- schien uns allen aber zu unwürdig, wenn auch die Leistung unserer grauen Freunde durch ein Gleis mächtig gehoben würde. Ich hatte bei Gelegenbeit einmal die Kosten eines elektrischen Bahnbcmes Maria Carmen— Taviche bei kleinster Spurweite berechnet. Nach langer Beratung kamen wir über- ein, für diesen Betrag der Lcotlan-Taviche neue Aktien ab- zunehmen, wenn sie die Verlängerung der Bahn bis zu unserer Grube selbst bewerkstelligen wolle. So hatten wir die Gc- sellschaft in der Hand; wir konnten ihr eine für uns immerhin günstige Offerte machen, ohne daß wir durch Ablehnung unseres Anerbietens in Schwierigkeiten gebracht würden. Und Dickinson gab uns zu verstehen, daß wir auf Annahme unseres Vorschlages ziemlich sicher rechnen dürften; er befände sich selbst im AufsichtSratc der Ocotlan-Taviche-Bahngesellschaft. So fängt der Mann jetzt schon an uns zu nützen, obgleich der Gedanke eigentlich nur gestreist ist. Fürwahr ein wertvoller Helfer, ist er erst der Unsrigc. Dann gingen wir weiter in imseren Projekten. In der Nähe unseres Minenhauscs war ja bereits das Dorf wieder entstanden. Die Ruinen, worin bei unserer Ankunft nur die Fledermäuse ihr schattenfrohes Dasein fristeten, waren zu neuem Leben erblüht; aber da unsere Grube nun bald in den vollen Betrieb eintreten sollte, da alle Vorarbeiten glücklich beendet sind, müssen jetzt.Häuser für mindestens hundertnnd- fünfzig Bergleute und deren Familien errichtet werden. „Dann bauen isie auch gleich eine Kirche mit? Ohne die geht es lnerznlande nicht ab; Sic haben dadurch bei der Geist- lichkeit einen Stein im Brett, und das ist viel wert," meinte Dickinson lächelnd und zeichnete auf fem Blatt: 1000 Pesos zum Bau einer Kapelle. Gleich darunter kam ein Posten von 5000 Pesos für die Erweiterungen und Ausgestaltung einer Plantagenwirtschaft, die namentlich de» Zweck haben sollte, wie schon oft gesagt, den Frauen der Bergarbeiterschaft eine Erwerbsinögliwkeit zu schaffen. Mit Begeisterung trug ich Dickinson mein Lieblingsprojekt vor, und ich benicrkte zu meiner Freude, daß es ihm vollkommen einleuchtete. Dieser Gedanke wäre also gerettet!— Nun kam aber auch Stuart mit dem Matador zu seinem Rechte. Für Freilegung dieser Grube, für maschinelle Einrichtung, Bau eines Minenhauses, Anschluß an das Wasserwerk wurden die nötigen Summen ausgeworfen; eine. Bahnverbindung mit der Maria Carmen wurde aber nicht in Erwägung gezogen, da für die ersten Jahre wenigstens die Erzförderung nur von der alten Grube in Betracht kam. Vor allen Dingen waren aber die PertincnciaS des Matador zu kaufen und Stuart hatte den Betrag bereits festgelegt— ungefähr 6000 Pesos. So ging es immer weiter; bald kam ich wieder an die Reihe: mein Wald muß aufgeforstet werden. Noch für viele Kleinigkeiten waren entsprechende Beträge in die Rechnung einzustellen, für andere Dinge die ausgeworfenen Summen zp modifizieren, je nach den neuen Gesichtspunkten, die sich im Laufe des Gespräches ergaben. Es war wirklich eine Lust, so die ganze Lage bis in die kleinsten Einzelheiten mit einem so geschäftskundigen Manne wie Dickinson zu besprechen. Ich muß gestehen, daß es uns bis jetzt niemals in einer solchen Klarheit bewußt geworden. wie wenig die Maria Carmen erst war, wie viel sie aber werden konnte. Allerdings— unsere Gedankengänge waren bisläng stets gleich zu Anfang jäh abgeschnitten worden: Wir haben ja kein Geld, das alles so auszuführen, wie lvir es gerne möchten; was hat es also für einen Zweck, große Pläne zu schmieden? Welch eine Zauberkraft, welch wundervoll befruchtende Wirkung steckt doch im Kapitale! Nur das Bewußtsein allein, es beschaffen zu können, läßt Dörfer ans Ruinen ent- stehen, läßt einen Strom von Silber aus den Bergen fließe», sanmielt eine ganze Bevölkerung um zwei halbverfallene Stollen im Tale, läßt aus den Felsen einer Hochgebirgswüstc einen ganzen Wald erblühen! Wie schnell wachsen der Phantasie Flügel, sobald die Möglichkeit sich zeigt, so vieles verwirklichen zu können. (Forts, folgt.) Nur Jerus�emerfir./Döiiliöfiplaf m unterem diesjährigen Ausverkauf eine größere Einheitlichkeit als im vorigen Jahre zu verleihen, haben wir alle Refte, Einzelpaare und fonftige für den Ausverkauf geeignete Waren aus.unteren fämt- lichen Zweiggefchäften zusammengezogen. Wir kommen dadurch in die Lage, nicht unbedeutende Mengen von foliden, haltbaren Schuhwaren in den großen Verkaufsräumen unteres Hauptgetchäfts in ubersichtlicher Weife auszulegen und find füc diefe Warenpoften außergewöhnlich billige Preife feftgefetjt. Die großen Vorteile, welche�tmfere früheren Ausverkäufe— wie aBgemein bekannt— den Käufern geboten haben, find auch« diesmal vorhanden. NkiWn(Triinspürlmlifittrlfrliiiiiii. B ezirksverw attung Gro�-Berlin. Telephon: Amt Monhplatz Nr. 2382 und 4747. Delegierte zur örtlichen Generalversammlung der Bezirksverwaltung Groh-Berlin! Am Montag, den S. August ISIS, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshause» Engelufer Nr. 14/15(großer Saal): GÄküililhe General-NttsllmmiliW pro 2. Gnartal M». Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen- und Arbeitsnachweis- bericht ptto 2. Oimetal 1915. 3. Erledigung etwa eingegangener Anträge und Geschäftliches. Es ist Ehrensache eines jeden Delegierten, sein Mandat auszuüben und in dieser Bersammilnng anwesend zu sein. MitAliedsbuch und Legitimationskarten sind am Eingang des Saales zwecks Ab- stempelung vorzuliegen. Ohne Buch und Karte kein Zutritt. Wer mit seinen Beiträgen über acht Wochen im Rückstand ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. 65/io Die Bezirksverwaltung. I. A.: A. Werner. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Vichelswerder» beim Alten Freund. an der neuen ■öeeritrasie LMM Für Rheumatiker und Neroenleidevde. Die einzige Hilfe, die es gab. Frau B. Weiglin, Schauspielerin, Kiel, schreibt:»Ich litt an grenzenlosen Jschiasschmerzen, Schlaflosigkeit und Nervosilät. so daß ich fast alle Hoffnung auf gänzliche Herstellung aufgab. Jetzt nehme ich nun Togal. Gott Lob mit großem Erfolg. Ich kann Togal-Tabletten mit gutem Gewissen jedermann warm empfehlen und halte es im Interesse vieler Leidender für Menschen- Pflicht, dies hiermit zu bestätigen. Was Frau Weiglin von Togal sagt, bestätigen viele Hunderte, welche Togal bei jeder Art von rheumatischen, gichlischen oder Nerven- schmerzen anwandten. Togal-Tabletten sind für wenig Geld in jeder Apotheke erhältlich. Verantwortlicher Redakteur: Alsrep Wielepp. Neukölln- Für Pen JlkUA , Ä«aXUiv dw. SterMasse edeml. Pllog'seliep Meiler(Helzefsclie Kasse). Tonntag, den 25. Juli 1915, vormittags 91/, Uhr pünktlich: GeDeralTersammlung im Bereiitshause Berl. Musiker (unterer Saal), Kaiser- Wilhelm- Straße 31(18m). Tagesordnung: 1. Kassenbericht(Januar bis Juni 1915). 2. Bericht der Revisoren. 3. Antrag Liebetrau: Erhöhung der Entschädigung für die Revisoren. 4. Antrag Heese: Abänderung des Z 6 der Kahensatzung. 5. Festsetzung der PublikalionSorgane für 1915/16. Mitgliedsbuch legitimirt! vei- Vorstand.[19816* I. A.: W e g n e r, Vors. Ieutral-ßrankeukasse der Tapezierer (Filialen Berlin). Dienstag, den 13. Juli 1315, abends 8'/, Uhr: Cuarlals-Rersammlungeu: Filiale I Markgrasenstr. 88 bei Löhrig , II Etisabethkirchstr. 14 b. Roetver „ Hl Engeluser 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 3. u. 4. Quartal 1914 und vom 1. u. 2. Quartal 1915. 2. Neuwahl der OrtSverwaltungen. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarten Die OrtSverwaltungen. Klumtn- und Krauzdindtlki m Roberl Meyer, Jnh.: P. Golletz Mariannenstr. 3. Te I.Mdl. 346 M 9 WN einer L