Nr. 162.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Zowitag, 18. Juli. Das Wetter öer Woche. Regenwetter. Während die Ende Juni der verangegangenen Hitze gefolgte Regenperiode in vielen Teilen Denlschlands insofern kaum zur Geltung gekommen war, als trotz gelegentlicher Niederschläge die Witterung im allgemeinen warm und sommerlich blieb, hat die während der vergangenen acht Tage herrschende Periode regnerischen Wetters das Witterungsbild in allen Landesteilcn vollständig um« gestaltet. Sehr häufige und zum Teil ergiebige Regenfälle haben der in einzelnen Landstrichen noch herrschenden Trockenheit ein end« gültiges Ende gemacht; die Temperaturen sanken durchweg nicht unerheblich unter die normalen Werte, und das Gesamtbild der Witterung war das Bild kühler und veränderlicher Sommertags, an denen die warme Jahreszeit in anderen Sommern so reich zu sein pflegt, die aber diesmal bisher nur sehr spärlich vertreten ge- wesen sind. Der durchgreifende Umschwung der Wetterlage wurde im wesent» lichen durch eine Veränderung in der Zugrichtung der atlantischen Depressionen verursacht, die neuerdings ihre Bahn von Westen nach Osten weit südlicher nahmen als im ersten Teile des Sommers. Noch vor acht Tagen durchzog eine Depression, die von der Nordsee gekommen war, in nordöstlicher Richtung Skandinavien, um von dort nach dem Weißen Meere abzuwandern. Aber schon dieses Tiefgebiet verhielt sich insofern anders als die früheren Minima, als es mehrere Tage mit nur geringer Veränderung seiner Lage über Skandinavien blieb und von dort aus mit seinen südlichen Rand- wirbeln die Witterung in Mitteleuropa beeinflußte. Der höchste Lustdruck lag dabei un Südwesten Europas und erstreckte sich etwa bis nach Nordfrankreich. Bei dieser Druckverteilung herrschten Winde aus südwestlicher Richtung bei weitem vor, und es kam in den meisten Gegenden zu häufigeren Negenfällen, die vielfach auch von Gewittern begleitet waren. Ein am Sonntag aus der Nordsee neu erschienenes Minimum brachte dann das südwestliche Maximum zum Abwandern in östlicher Richtung, so daß es sich quer durch das südliche Mitteleuropa er- streckte. Da sich aber das ältere Tiefgebiel über Skandinavien er- hielt, so gliederte sich ihm das neue Tief rasch an und verursachte in Nord- und Mitteldeutschland auch Sonntag wieder zahlreiche, namentlich im unteren Elbegebiet und an der pommerschen Küste ziemlich starke Regenfälle. Hamburg hatte beispielsweise 25 Millimeter Niederschlag. Auch in Süddeutschland, wo die Witterung unter dem Einfluß des Hochdruckgebiets zunächst noch beständig war, nahni die Bewölkung zu, und Montag früh herrschte fast im ganzen Lande trübes und regnerisches Wetter. Die Morgentempera- turen lagen zwischen 12 und 17 Grad Wärme; sie waren am niedrigsten im-Westen, am höchsten im südöstlichen Deutschland. Zwischen Elbe und Oder kamen Montag wieder Gewitter vor; in Süddeulschland klärte sich aber der Himmel rasch wieder auf, nach- dem der hohe Lustdruck sich abermals über Süddeutschland und Oesterreich-Ungarn verlagert hatte, abermals in Bewegung gesetzt von einem neuen Minnnum, das Dienstag von den britischen Inseln heranzog und rasch in direkt östlicher Richtung nach dem Innern Deutschlands vordrang. Nach vorübergehendem Steigen der Temperatur traten in der Nacht im Westen neue Regenfälle ein, die sich schnell über das ganze Binnenland bis zur Oder fortpflanzten, wo Mittwoch srüh ein allgemeiner Landregen herrschte, der sich im Lause des Tages auch auf die östlichen LandeSIeile ausdehnte. Dabei fielen in vielen Gegenden bedeutende Niederschlagsmengen, so in Aachen 23, in Berlin 19 Millimeter Regen. Das Minimum unter 750 Millimeter Tiefe befand sich am Mittwoch früh zwischen Harz und Thüringer Wald; es war abends bereits ostwärts bis über die Oder hinaus gelvandert, und in seinem Rücken drang hoher Luftdruck vor. Die Temperaturen blieben an diesem Tage sehr niedrig und vielfach 6 bis 7 Grad unter den normalen Werten. Nach kurzer Aufheiterung trat bei der Annäherung einer neuen, von der Nordsee heranrückenden Depression schon in der Nacht zu Donnerstag inr Westen neue Trübung mir Regcnfnllen ein, die morgens westlich der Elbe fortdauerten, während in Ostdeutschland noch bielfach heiteres Wetter herrschte. Im Laufe des Tages ver- breiteten sich, dem Fortschreiten der neuen Depression entsprechend, deren Minimum unter 750 Millimeter Tiefe abends in den dänsichen Gewässern lag, die Regenfälle ostwärts bis zur Oder, wogegen in den östlichsten Landesteilen das Wetter zunächst trocken und ziemlich heiter blieb, auch die Temperaturen etwas höher stiegen. Nach neuer Druckzunahme von Westen her heiterte sich Freitag der Himmel zwar vielfach aus; doch verursachte der Vorübergang von Rand- wirbeln noch mehrfach Regenschauer, zum Teil unter elektrischen Entladungen. Die Temveraturen stiegen vorher etwas höher empor, aber nirgends erheblich über 20 Grad. Obwohl am Schlüsse der Woche der Luftdruck wieder in Zunahme begriffen ist, scheint das Ende des veränderlichen und regnerischen Wetters noch nicht bevorzustehen, da wahrscheinlich von Westen her rasch neue Depressionen heranziehen. Jedenfalls sind die Wilterungs- aussichten für die nächsten Tage noch ganz unsicher; am wahr- scheinlichsten ist die Fortdauer des veränderlichen Wilterungs- charakters. feste Bindung der Kohlensäure auf. Die beliebten Limonaden ent- stehen durch einen Zusatz der verschiedenen Siruparten. Theater. Trianontheater:„HannemannS Nachfolger', Schwank von Bernhard Buchbinder und Pordes-Milo. Der Schwank hält sich auf dem Niveau der anderen Sommerschwänke dieses Spieljahres, ist nicht besser und nicht schlechter. Man hat den Eindruck einer Schauspielerarbeit, die in der Bühnenpraxis von den Handgriffen des Possengenres mancherlei gelernt hat und es mit diesen Künsten bei einem anspruchslosen Publikum zu Heiterkeits- erfolgen bringt. Von einer eigentlichen Schwankidee ist in dem turbulenten Wirrwarr nichts zu merken. Die Kampagne, durch die der jugendliche Geschäftsnachfolger den widerstrebenden Hannemann zu seinem künftigen Schwiegervater macht, kommt, von allen An- sprüchen auf Menschcnmöglichkcit noch ganz zu schweigen, über recht dürftige Erfindung nicht hinaus. Indessen die Figur des von Adelbert Lenz mit gutem natürlichem Humor gespielten ehemaligen Chefs, der sich nach seinem aus der Hand ge- gebenen Szepter inniglich zurücksehnt und bei dem ungewohnten Müßigang nach scchsundzwanzigjähriger Musterehe zu seinem Schrecken plötzlich verdächtige Anfechtungen spürt, bot einigen Ersatz. Auch der Darsteller eines Faktotums, das die Handlung mit kalauernden Reflexionen zu begleiten hat und Fräulein P e r y als Operettcnsängerin, die Hanneinann nach einer verbummelten Nacht als Racheengel heimsucht, fanden sich geschickt mit ihren Rollen ab. ät. kleines Feuilleton. �tus üer Geschichte öes künstlichen Mineralwassers. Die Herstellung künstlicher Mineralwässer geht bis etwa in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. So soll schon der Schweizer Thurnehsscr inr Jahre 1560 zu Berlin versucht haben, die Minerah Wässer nachzuahmen und sie lünstlich aus ihren wichtigsten Bestand teilen zusammenzusetzen. Brauchbarer lvar das Produkt, das etwa zwei Jahrhunderte später Beuel erhielt, der in verschlossenen Ge- säßen Sodalösung mit Salzsäure mischte. Im Jahre 1774 gab der schwedische Chemiker Tobern Olof Bergmon, den man als Begründer der analytischen Chemie betrachten kann, Anleitungen, wie man den alkalisch-muriatischen Säuerling, der,>vie bekannt, in dem Dorfe Niedcr-SeltcrS entspringt und der das Selterwasser liefert, nach- ahmen könne. Die Quelle in Nieder-Selters war übrigens lange Zeit wenig beachtet und erst im 19. Jahrhundert hat sie ihren Weltruf erlangt. Kurze Zeit, nachdem Bergmanns Versuche bekannt geworden waren, stellte man in Stettin Selterwasser im großen her; im Jahre 1799 errichtete Paul eine Mincralwasscrfabrik in Paris und preßte zum ersten Male die Kohlensäure mittels einer Pumpe in das Wasser. Weile Verbreitung aber hat das künstliche Erfrischungs- getränk erst gefunden, als Struve im Jahre 1821 eine Fabrik für künstliche Mineralwässer in Dresden errichtete. Zur Herstellung der künstlichen Mineralwässer sind außer keim freiem Waffer nur gewisse Mineralsalze und flüssige Kohlensäure notwendig. Die Fabrikation erfolgt im allgemeinen in der Weise, daß man sehr reines destilliertes Wasser mir den der Analyse ent- sprechenden Jngredenzien versetzt. es mit Kohlensäure unter einem Druck von mehreren Atmosphären sättigt und das fertige Wasser unter einem Druck von 1,5 bis 2,5 Atmosphären auf Flaschen füllt. Während früher die Mineralwasser- fabrikation die Kohlensäure aus Magnesit, Dolmit, Marmor, Kreide, die man mit Schwefelsäure zersetzt, hergestellt haben, benutzt man jetzt die im Handel befindliche flüssige Kohlensäure. Auch die alten Punchapparate, bei denen man die entwickelte Kohlensäure in einem Gasometer auffing und sie durch eine Druckpumpe in das Wasser preßte, sind aus dem allgemeinen Gebrauch verschwunden, da jetzt der Druck der flüssigen Kohlensäure zum Jmyrägnieren des Wassers vollständig genügt. Bei der Mineralwasserfabrikalion ist es wichtig, daß das mit Kohlensäure zu imprägnierende Wasser luftfrei gemacht wird. Dazu bedient man sich eines Wasserstrahlgebläses. Das auf diese Art hergestellte Mineralwasser weist eine besonders das �llter öer Niagarafälle. Bor der Geologischen Gesellschaft in Washington berichtete Pro- fessor Dr. I. W. Spencer über seine an den Niagarafällen ange- stellten Untersuchungen, die eine Ergänzung der seit längerer Zeit stattfindenden Forschungen des amtlichen geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten bilden. Die Fälle waren danach früher höher als jetzt. Diese Tatsache steht in Uebercinstimmung mit den Be- schreibungen, die Kalm im Jahre 1750 gab. Die größere Höhe be« wirkte ein rascheres Zurückweichen des Falls, als es jetzt statt hat. Während man früher die Tiefe unter der sogenannten„Gurgel' der Fälle auf nur etwa 33 Meter annahm, haben die neueren Lotungen Spencers ergeben, daß daß das Wasser dort eine Tiefe von unge- fähr 60 Meter aufweist. Berechnet man aus dieser Tiefe die Größe der im Laufe der Zeiten von den Wassermassen ge- leisteten Arbeit, so läßt sich hieraus in Verbindung mit den Ergebnissen der oben erwähnten Bohrungen das ungefähre Alter der Fälle berechnen, wobei auch das festgestellte Zurücktreten der Fälle eine wichtige Rolle spielt. Bei Annahme von Schwankungen und Fehlerguellen, die mit 10 bis 25 Proz. in die Rechnung eingesetzt wurden, ergibt sich nach den Berechnungen Spencers für die Niagarafälle ein Alter von 26 100 Jahren. In Anbetracht der Einwände, die sich gegen eine derartig genaue Angabe bei der Bestimmung geologischer Zeiträume machen lassen, faßt Spencer die Ergebnisse seiner Beobachtungen da- hin zusammen, daß die Niagarasälle nicht älter als 41 000 und nicht jünger als 14 700 Jahre sind. Das Zurücktreten der Fälle, das nach den bisherigen Messungen und Berechnungen für frühere Perioden mit 1,4 Meter das Jahr angenommen wurde, beträgt nach Unter« suchungen Spencers nur 1,3 Meter. Notize». — In der Großen Berliner Kunstausstellung 1916, Pariser Platz 4, wird die erste Abteilung Sonntag, den 1. August, geschlossen. Die Eröffnung der zweiten Abteilung ist auf Sonn- tag, den 15. August, festgesetzt. Der Katalog enthält die Werke beider Abteilungen. — Ausgrabung einer altgermanischen Be- g r ä b n i s st ä tt e. Bei den Ilntergrundarbeiten des Erwciterungs« baucS der Regierung in Merseburg stießen die Arbeiter in etwa zwei Meter Tiefe auf eine in die Zeit 500 vor Christi reichende Begräbnis- stätte. Es wurden in einem Graben Knochen von Menschenschädeln, Scherben von Gerätschaften usw. gefunden. Die Gegenstände sollen deur Museum zugeführt werden. — Der Renntierbestand in Schweden betrug 1909/1 1 272 800 Tiere. Von diesen sind 231 300 Gebirgsrcnniiere. die im Sommer im Hochgebirge und nur im Winter in den Wäldern leben, während der Rest zu den Waldrennticren zählt, die das ganze Jahr in Waldgegenden sich aufhalten. Der Wert aller schwedischen Renn- tiere dürste etwa i:/.3 Millionen Kronen betragen, wenn man dieser Berechnung einen Verkausspreis von 17 Kronen für das Renntier zugrunde legt(1 Krone ist etwas mehr als 1 M., das 10»Kronen- stück 11,25 M.s. Den Nutzen kann man indessen mit 25 Proz. be- rechnen, so daß er also über eine Million Kronen im Jahre aus- macht. Es ist daher verständlich, wenn die ursprünglich von Lappen begonnene Renntierzucht setzt auch von vielen in den nördlichen Teilen des Landes ansässigen Schweden und besonders von den Finnen betrieben wird, für die solche Zucht einen wichtigen Neben- erwerb bildet. — Glühlampen statt des Schutzmannes. In Cleve- land in den Vereinigten Staaten ist nach einer Mitteilung der „Eleltrotechnischen Zeilschrift" eine Vorrichtung in Benutzung, die berufen ist, den bekannten Schutzmann vom Potsdamer Platz durch elektrische Glühlampen zu ersetzen. Zur rechten Hand in jeder Fahrt- richtung befinden sich je eine rote und eine grüne Lampe, von denen je eine brennt, ivenn der Verkehr freigegeben ist, oder wenn die Wagen halten müssen. Die Einschaltung erfolgt durch einen Wärter von einem Schallhause aus. Gegenseitige Verriegelung verhindert falsche Signalgebung, d. h. wenn eine Fahrstraße das Signal zur Fahrt zeigt, wird aus der entgegengesetzten Seite automatisch das Signal auf Halt gestellt. Beim Ausrücken eines Löschzuges der Feuerwehr, der die betreffende Stelle zu überqueren hat, erhält der Wärter ein Signal und ist dann in der Lage, die Kreuzung nach allen Seiten zu sperren und sie somit vollständig für die Feuerwehr freizuhalten. Auch kann er dann das Schalthaus verlassen und auf der Strecke selbst nach dem Rechten sehen. Die Ceweckung öer Maria Carmen. Von Ludwig Brinkmann. Wieder die Zweifel! Ich glaube, die Gefühle, die mich in den letzten Tagen erfüllten, sind höchst lächerlicher Natur. Und die Strafe folgte auf dem Fuße. Ich habe mich etwas zu voreilig als den vom Schicksal erkorenen Führer des Toltekenvolkes gefühlt. Sein Gott wollte ich werden, oder zum mindesten doch sein Halbgott. einen Bund mit ihm schließen, dessen äußeres Zeichen die Ehe mit Marina fein sollte. An diesen Gedanken anknüpfend ließen sich so schön Träume fortspinnen. Doch ich habe mich wohl meinem Volke etwas zu gnädig gezeigt, zu herablassend, zu leutselig! Einen Herrn will es haben, aber keinen Gott. Das ist es. Stuart versteht es besser, seine Leute anzufassen; das muß man ihm lassen. Er braucht keine Peitsche, keinen Nevolver, aber in seinen Worten knallt er stets den Leuten um die Ohren! Es mag auch an etwas anderem liegen. Er selbst ist ein Arbeiter und läßt seine Leute, die er anführt und beherrscht, keine Minute aus den Augen, während ich hier nur ein Träumer bin, der seinen Gedanken nachhängt, wenn er einsam durchs Gebirge reitet, und nur gelegentlich seinen Arbeitern wie ein väterlicher Freund entgegentritt. Auch das Material, mit dem wir arbeiten, ist verschieden. Stuart regiertjnc Mestizen, die alle genau wissen, daß Silber- graben kein Spaß ist, die aber trotzdem immer wieder sich in den verhaßten Berg führen lassen; denn hinter ihnen pfeift die Hetzpeitsche starker Lebensbedürfnisse; ich aber hahe es hier im Gebirge mit den reinblütigen Tolteken zu tun, die mit jenen verglichen wie die Kindlein sind, jede Arbeit mehr als ein Spiel betrachten, das ihr gedankenlos heiteres Da- sein angenehm unterbricht. Heftige Begierden treiben sie nicht an, da alle ihre Gelüste die Natur und— der erzwungene Fleiß der Weiber mit ein paar Früchten des Feldes, mit einem kunstlosen Gewerbe befriedigt. Genug, es scheint mir, daß ich Fiasko gemacht habe.... Mit großer Ungeduld war ich heute ans Werk gegangen. Die Schmiede werden in vierzehn Tagen eintreffen, um die Nohre zusammenzuflanschen. Ueberall bewegten sich auf den weiten Abhängen des Berges kleine Gruppen von Leuten, uin mühsam die Eisenkolosse, die schwarzen Rohre, hinauf- zuschaffen, und ich sprengte auf meiuem Rosse hin und her, sie anzutreiben... Bis init einem Male alles zu arbeiten aufhörte. Ich suchte Tozo und fragte, was es gäbe. Aber der sonst so freundliche, zuvorkommende Bursche sah mich haß- erfüllt an; „Wir wollen nicht so getrieben sein; wir sind keine Sklaven!" „Wer sagt denn, daß Ihr Sklaven seid? Ihr werdet doch für die Arbeit bezahlt. Aber wer seinen Lohn ver- dienen will, der muß auch arbeiten. Fürs Schlafen gibt es kein Geld; das solltet Jhr�doch wissen! Das könnte Euch so passen, den Tag über im Schatten der Pinien zu liegen und am Abend Euren vollen Lohn in Empfang zu nehmen!" „Wir schlafen gar nicht. Aber wir können nicht mehr tun, als Menschen vermögen. Wir wollen nicht so getrieben sein!" „Ja, siehst Du es aber nicht selbst, daß es nicht anders geht? Wir sind eine ganze Woche durch den Sturmregen zurückgehalten worden und haben eine weitere Woche durch die Ausbesserung der Dämnie, die der Regen zusammen- gerissen, verloren!" „Dafür können wir doch nichts— wir haben den Regen nicht gebracht!" „schon recht, aber die Zeit ist einmal nutzlos dahin- gegangen und niuß wieder eingeholt werden. Wir sollen an einem bestimmten Tage fertig sein; da hilft nichts, Ihr müßt heran!" „Was geht es u n s an, ob Euer Gnaden an dem oder jenem Tage fertig werden!" „Tozo, ich dachte, D u wenigstens hättest etwas Sinn für das Ganze, Du hättest verstanden, daß hier mehr als aller Tage Arbeit, daß hier ein ewiges Werk geschaffen werden soll!" „Wir wollen das ganze Bauwerk nicht haben! Wir wollen Euer Gnaden und sämtliche Amerikaner hier nicht haben! Wir wollen allein für uns bleiben! Was sollen die Fremden hier, wenn sie uns nehmen, was uns gehört! Wir sind glücklicher ohne sie!" Also das war es. � Eine Aufwallung des Fremdenhasses, der hier, wie an so viel anderen Orten des Landes, jegliche fruchtbare Arbeit lähmt. Im ganzen Reiche glimmt dieses tückische Feuer unter der Asche, und irgendein plötzlicher, un- erwarteter Windstoß läßt alles wieder zu hellen Flammen auflodern. Und anstatt hier zu handeln, wandere ich wie im Traume durch das Gebirge und rede in hohlen Phrasen wie ein Brcttcrheld»sit meinen rebellischen Arbeitern. Doch ich will nun zeigen, wer Meister ist. „Wir haben wirklich keine Zeit mit unnützen Reden zu vergeuden. Ich will, daß Ihr die Arbeit wieder aufnehnit, sofort!" „Wir mögen aber nicht!" Unterdessen waren die Leute zusammengelaufen und saßen im Tale auf den Steinen, wo sie ihr Mittagsmabl cinzilnehmen pflegen. Das sah nicht gerade ungünstig aus; ich ließ Tozo stehen und ritt auf die Leute zu. „Ich will Euch einen Vorschlag machen," sagte ich.„Wir haben viel Zeit verloren. Die müssen wir wieder einholen; es geht nicht anders. Wenn wir auch etwas schwitzen. Und wenn in zehn Tagen von heute an gerechnet die Rohre liegen, so will ich Euch die Woche, die Ihr durch den Regen verloren habt, als Zugabe bezahlen. Seid Ihr damit einverstanden?" Ich wollte die Leute überrumpeln, ehe sie wußten, was ich mit Tozo verhandelt hatte. Sie waren sich unschlüssig, aber ich drängte sie: „So sprecht doch! Wenn Ihr nicht wollt, so sagt es nur; ich lasse dann gleich meine Leute aus Tavichc kommen!" „Ich dächte, es sollte uns schon recht sein," sagte zögernd der alte Porfirio, der schon damals, als wir die Bäunie fällten, in meinem Dienste gestanden hat. „Also gut, ich werde Euch von nun an nicht mehr drängen, sondern überlasse es Euch, wie Ihr fertig werdet. Aber in zehn Tagen müssen die Rohre licgenl Dann gibt es die Zugabe, sonst nicht! Verstanden?" „Jawohl, Herr," sagten ein paar Leute. „Und Du, Porfirio, Du leitest die Arbeiten. Du erhältst zwei Pesos in der Woche mehr. Du gibst mir Deine Hand darauf, daß wir in Ordnung und in Schnelligkeit fertig werden. Und auch in Frieden!" „Ja, Herr, und ich bedanke inich schön bei Euer Gnaden." Dabei drückte er mir die Hand. „Ich komme morgen wieder und sehe, was Ihr geschafft habt! Guten Tag!" Damit ritt ich davon und auf Tozo zu, der langsam den Hügel herabkam. „He, Tozo!" „Ja, Herr." Er kam herbei. „Ich kann keine Aufwiegler unter meinen Leuten ge- brauchen. D u hast sie nur aufgehetzt, es ist Dein Werk. Du bist aus meinem Dienste entlassen!"(Forts, folgt.) Theater für Sonntag, den 13. Juli. Deutsches Künstler-Theater. 8'/« u.: Die Schöne vom Strand. Deutsches Opernhaas Charlotfbg. 8 uhr: Ber BettelLtllüent. Friedrich-Wilhelmsfädt. Theater. 3'/, Uhr: Maria Stuart. s1/. u.: Kyritz-Pyritz. Kleines Theater. 8'/. n.- Ein kostbares Leben. Liessing-Theater. s'/.iT.- Seine einzige Frau. Tustspielhans. s1/. it. rßerrsehaftl. Diener pueht Schiller-Th.Charlottenbg. 8 uhr: Ält-Heidelljerg. Theater am Stollendorfpl sv. u.: Imsier feste druff! Thalia-Theater. 8 uhr: Eine vertlixte Annonce. Trlunon-Thcater. 3Va Uhr: Dia Waise aus Lowood. S'/.Uhr: : BaimeiiiäDiis KaeMolger. mmm TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Äii den Grenzen von Südtirol und Italien. Montag: Geschlossen. Guido Thielscher „Venus im Grünen". Operette in 1 Akt. v. Rud. Lothar. Mnsik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna Lotte Werkmeister Thalia-Theater, Berlin Karl Bachmann Julius Splelmann sowie der glänzende Juli- Spielplan. Heute 18 Vorstellungen 8V« und 8 Uhr. Nachm. ie«L Erwachs. 1 Kind frei. In beiden Vorstellungen das ungekürzte neue Programm. Das lenkbare Tiiftschlff Im Znschanerraiiin! Neu; Ilse Bois Neu I ferner K. Steidl VPaini? u. d. neuen erstklass. Spezialität. Rose-Theater. sv.uhr: Bis Flieprbraut. Gartenbülme: JLticb � ateirluxad Walhalla-Theater. s uhr: Von Stufe zu Stufe. Gartenbühne; Vorstell,, Apollosänger. Volgt-Tlieater. Badstr, 58. Badstr. 58. fflear* Täglich: „Tltllsend liud eine Zkdit" Vollsstüd mit Gelang in 3 Auszügen. Erstklassiges Variete KssseneroffniMg 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. Reich shallcn-TheateF. Stettiner Sänger. Zum 1 C<». Maie: Im Schützen- graben. Militärisches Zeübiid von BleyseL Ansang 7V- Uhr. Sonnt. Im IBaex* ßEllStr.2fl Priifz'l-Ällee Herren- und Kiraben- '■ Moden, Berufskleidung, Elegante Paletots, Elegante Anzüge in jeder Preislage. Gr. Stofflager z. eleg. Katanfertigiing " Billigste, feste Preise. Sozialdemokratischer Wahlverein für den k. Berliner Reichstagswahikreis. Dienstag, den 20. Juli, abends Uhr: Vier Mitgliederversammlungen in solgcnden Lokalen: 226/12* MIa-Me, Schönhauser Allee 130. Marus-Zäle, Müllerstraße 142. FrnnKes i'tßsäle, Badstraße 19. NllhenhoferKrauerel,Turmstr.25/26. Tagesordnung: 1. Unsere Zlufgaben und Forderungen. 2. Diskussion. Reserenten: Reichstagsabgeordneter Georg Ledcbour, Landiagsabgeordneter Heinrich Ströbcl, Dr. Joseph Hcrzfeld und Luise Zieh. DM- Ohne Mitglledsbach kein Zutritt. Ber Vorstand. Spezialarzt s. Haut-, Harn-. F-rauenleiden. nerv. Schwäche, Beiukranke jeder Art, Ehrlich Haka. Kuren in u. Co. ionz. Laborai. s Blut- Untersuchung., Fäden t, Harn usw. Frielriclisti. 81, epi. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Teparares Damenzimmer. �,44444 Öl, Hmssi Spezialarzt Br. med. Wockenfnü. Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u Frauenleiden— Ehrfich-Hata-Kur(Hauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Sprechstunden; 11— 2 und 6— 8 Verwaltung Berliu. TeL-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Nungestratze 30. Montag, den 19. Juli, abends 8 Uhr, bei Tannenberg, Holzmarktstr. 21: Branchen- Versammlung Laden- u. Kontormöbel! Tagesordnung: Unsere neuen Vertragsbestimmungen. Dienstag, den 20. Juli, abends o1/, Uhr, bei Fröhlich, Blücherstratze-Ecke, Fontane-Promenade 15: Bezirk Süden und Südwesten. Tagesordnung: 1. Vorhag des Kollegen Ahlers, Gauvorsteher, und unser Verband. 2. Diskussion. 3. Vcrbandsange Hannover: Der Krieg .egenheiten. Mittwoch, den 21. Juli, abends 8 Uhr, bei Abendroth, Adalbertstr. 61: Bodenleger! Kraucheukommissillns- und Nertranensmönnerfitzung. 85/13 Bie Ortsverwaltung. Ausgeschriebene Lieferungen für das Heer werden in der Zeitschrist Dentschlands Ktttgs-Sedarf Leipzig, Königstraste IS veröffentlicht. Neueste Nummer 75 Ps. WMMma 3i Zleiei StsnörH - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. iWWMW» Verdsnä üer tapezierer. Q Filiale Berlin. Tonnerstag, den 22. Juli, abends 8 Uhr, in den Jnduftric-Sälcn, Beuthstrahe 21: uartals- Versammlung. Tagesordnung: 178/10 1. Quartalsbericht. 2. Disiiisurn. 3. Ersatzwahl für eingezogene Funktionäre. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedeues. Mitgliedsbuch oder Arbeitslosenkarte legitimiert. Die OrtSderwalinng. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 21. Juli 191S, abends 8>/z Uhr, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstr. 58/59: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom 2. Quartal 1915 uud Autrag der Verwaltung auf Zahlung einer Extraunterstützung an die Frauen der zum Heeresdienst eingezogenen Kollegen aus der Lokalkasse. 2. Lichtbildervortrag über„Die Balkaukriege seit 1912". Referent: Gen. Emil Eichhorn. 3. Diskussion uud Fragestellung. 4. Verschiedencs. -- Bltglledshueh legitimiert.===== Die Versammlung wird pünktlich um 8'/« Uhr eröffnet. Um jede Störung zu vermeiden, ersuchen wir die Kollegen, rechtzeitig zu erscheinen. Zutritt haben auch die Ehefrauen der Mitglieder. 157/19 Die Ortsverwaltung. Verkaufe. Hermannplatz haus'. Exirabilli Wäschevcrkaus, k.„Psandleih- .ig er Beitenverkaus, Gardinenverkaus, Teppichverkauf, Uhrenverkauf. Goldsachen. Spottbillige Jakettanzüge, Gehrockanzüge, Herrenhosen._* Teppiche mit kkinem Fehler, sehr billig. 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