Nr. 163.- 1915. Unterhattungsblatt öes vorwärts Weustag, 36. Juli. Insektenstaaten. Von Prof. K. Kraepelin.*> Während wir bei den höchst organisierten Gruppen des Wirbel- tiersiammes gesellschaftliche Triebe entwickelt finden, die kaum oder nicht von denen der tiefst stehenden Merrschenrassen sich unter- scheiden, find im Stamme der Gliedertiere auf wesentlich anderer Grundlage Gemeinschaften von Artgenossen zustande gekommen, die wegen der Einheitlichkeit ihres Aufbaues, der starren Gesetz- Mäßigkeit, unter der sich das Tun des einzelnen wie der Gesamt- heit bei strenger Trennung der Funktionen abspielt, von jeher mit Vorliebe als Staaten bezeichnet wurden. Es handelt sich um die Staaten der Bienen, Hummeln, Wespen. Ameisen und Termiten. Man kann gewiß nicht in'Abrede stellen, daß hier ein höchst eigen- artiges, durch die Großartigkeit und Mannigfaltigkeit der Leistun- gen geradezu bewunderungswürdiges Phänomen vorliegt; allein mit einem wirklichen Staatswesen haben diese ausnahmslos auf geschlechtlicher Grundlage aufgebauten Genosienschaften herzlich wenig zu tun. Nicht eine Summe selbständia wollender Individuen hat sich hier fteiwillig zu einer höheren Einheit veremigt, sondern das Prinzip der Arbeitsteilung, gegründet auf die bis zur äußersten Einseitigkeit geführten Funktionen der Geschlechter bei Erzeugung und Aufzucht der neuer Generation und durchgeführt bis zur Unfähigkeit des selbständigen Bestehens der Einzelindi- viduen, hat hier einen höchst eigenartigen, durch große Starrheit ausgezeichneten Organismus geschaffen. In ihm erledigt jedes Glied ohne Mitwirkung einer das Ganze beherrschenden Ober- Icitnng diejenigen Aufgaben, zu denen es in Gemäßheit seines Geschlechtszustandes und infolge langandauernder Naturzüchtung von starken, keine Freiheit der Wahl zulassenden Instinkten ge- trieben wird. Das Charakteristische der Insektenstaaten liegt, wie bereits er- wähnt, in der streng durchgeführten Arbeitsteilung für Ei- produktion und Brutpflege. Letztere wird in der- Regel von unbe- fruchteten(Wespen, Hummeln) oder unvollkommen entwickelten (Bienen, Ameisen) Weibchen, den sogenannten Arbeitern, selten daneben auch von unentwickelten Männchen(Termiten) ausgeführt; den normal funktionierenden Männchen und Weibchen aber sind die Instinkte der elterlichen Fürsorge für ihre Nachkommen mehr oder weniger völlig verloren gegangen. Die Männehen werden hierdurch zu unnützen„Drohnen", die nur für den Akt der Begattung unentbehrlich sind, während den Weibchen ganz ausschließ- lich die Aufgabe einer allerdings ins Großartige gesteigerten Eier-- Produktion zufällt. Die eigentliche Arbeit, die Sorge für Wohnung und Nahrung der Tausende heranwachsender junger Larven, für den Schutz gegen Feinde und sonstige Gefahren liegt in den Händen der„Arbeiter", die somit als die eigentlich Regierenden anzusehen sind, so sehr ihnen auch der Besitz eierlegender Weibchen, der„Königinnen", zum ordnungsmäßigen Betriebe des Ganzen vonnöten sein mag. Die Insassen eines solchen Gemeinwesens stehen zweifellos in engen Wechselbeziehungen. Das gegenseitige Erkennen wird, wie zahlreich« Versuche beweisen, in erster Linie durch den sogenannten Nestgeruch gewährleistet, der wahrscheinlich durch den spezifischen Geruch des Sekretes der Speicheldrüsen be- dingt ist;«ine, wie es scheint, ziemlich weitgehende Mitteilungs- fähigkeit wird durch gegenseitiges Beklopfen mit den Fühlern ermöglicht. Als soziales Band ist nach Wasmann das instinktive Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gesellschaftstrieb und der Nachahmungstrieb anzusehen; die Betätigung dieser sozialen Instinkte bei den die Gemeinschaft zusammensetzenden Einzelwesen aber wird durch individuelle Sinneswahrnehmungen und Sinnes- erfahrungen bestimmt und geleitet. Die Leistungen, die vermöge der geschilderten Organisation von der Gesamtheit eines im Jnsektenstaate vereinigten Volkes vollbracht werben, sind staunenerregend und haben von jeher die Aufmerksamkeit zahlreicher Forscher gefesselt. In erster Linie ist es die Bautätigkeit, die in ihrer Fülle eigenartiger Konstruktionen und in der Großartigkeit der Ausführung höchste Bewunderung erregt, von den mit mathematiseher Genauigkeit hergestellten Wabenbauten der Bienen und Wespen bis zu den labyrinthischen Galerien und Gängen der Ameisen und den gigantischen Hügel- bauten der afrikanischen Termiten. Niecht minder mannigfaltig *) Der jüngst verstorbene Direktor' des Naturhistorischen Museums in Hamburg hat in zwei lesenswerten Bändchen der Teubnerschen Sammlung„Aus Natur und Geisteswelt"„D i e BeziehungenderTiereundPflanzenzueinander" behandelt. Der Abschnitt von den Insektenstaaten steht im ersten Bändchen.(Die Beziehungen der Tiere zueinander.) und bewundernswert erscheint dann die eigentliche Brutpflege, die, wie schon ftüher erwähnt, im wesentlichen nach zwei durchaus der- schiedenen Prinzipien durchgeführt wird, indem bei den Bienen und Wespen das starre Zellshstem besteht, bei dem jede Larve in besonderer Kammer täglich eine abgemessen« Nahrungsportion er- hält, während bei den Ameisen und Termiten die Larven zu vielen in den Gängen und Kammern vereint gehegt und gefüttert wer- dem Abänderungen dieser zwei Hauptmethoden sehen wir dann einerseits bei den stachellosen Bienen oder Meliponen der Tropen, andererseits bei den Hummeln. Erstere bauen zwar Zellen, wie die Honigbiene, füttern aber die Larven nicht, sondern versehen die Zellen gleich von vornherein mit dem nötigen Quantum von Blütenstaub und Honig und schließen sie dann. Bei den Hummeln spielen die aus Wachs, Pollen und Harz ohne Ordnung hergestellten Zellen nur eine geringe Rolle; sie werden, unter steter Ergänzung des dazu getanen Blütenstaubes, mit mehreren Eiern belegt, bei der Verpuppung der Larven aber wieder zerstört, worauf dann später die leeren Puppenkokons vielfach, nach Art der Bienenzellen, als Honigspeicher Verwendung finden. Das Herbeischaffen der Nahrung und die Pflege der Brut wird bei den Wespen und Hummeln, sofern es sich nicht um die erste. vom überwinterten Weibchen allein ausgeführte Anlage der Kolonie handelt, der Hauptsache nach von unbeftuchteten und wohl nur zur parthenogenetischen Erzeugung männlicher Individuen befähigten Weibchen besorgt, die man auch wohl fälschlich„Arbeiter" zu nennen pflegt. Bei den Bienen, Meliponen und Ameisen dienen hierzu ausschließlich die auch sonst durch mancherlei körperliche Merkmale charakterisierten unentwickelten, aber meist ebenfalls zur Eiablage befähigten Weibchen, die man als echte Arbeiter bezeichnet. Sie zerfallen oft noch wieder in mehrere, durch Größe usw. unter- fchiedene Kategorien(Ameisen). Selbst bei der Honigbiene kann man die jüngeren, im Hause beschäftigten Stockbienen von den älteren Flugbienen unterscheiden. Bei den Termiten wird die Zahl der Arbeitsformen noch dadurch vermehrt, daß auch unentwickelte arbeitende Männchen auftreten. Neben der Brutpflege liegt den Arbeitern auch die Abwehr der Feinde ob, wofür bei vielen Ameisen und Termiten besondere „Soldaten" mit großem 5wpf und starken Kiefern zur Ausbildung gelangt find. Daran schließen sich bei den Ameisen die Kriege mit verwandten Arten, die Sklavenjagden, sowie andere, oft an das Wunderbare grenzende und später noch genauer zu betrachtende Einrichtungen �Getreidebau und Pilzzucht, Benutzung der Blatt- läuft als Milchkühe, di« Jnpflegenahme zählreicher Ameisengäste), -welche die Beschaffung des nötigen Nahrungsguantums bzw. be- sonderer Leckerbissen zum Zielpunkte haben. Bei allen diesen verschiedenen Aufgaben und Vorrichtungen handeln die Arbeiter je nach den gegebenen Verhältnissen und nach ihrer Individualität verschieden, unterstützen sich jedoch nach Mög- lichkeit, sobald einer die Absicht des andern begriffen hat; ja selbst die Pflege veNoundeter und kranker Genossen ist mehrfach beob- achtet worden. Männchen und Weibchen werden von ihnen gleich den Larven gefüttert, erstere allerdings oft bei Eintritt der kälteren Jahreszeit vernachlässigt oder gar getötet(Drohnenschlacht). Die Weibchen aber stellen lozusagen das Bindeglied dar, das die Ge- meinde zusammenhält, da letztere ohne diese zerfällt und zugrunde geht. Von solchen„Königinnen" enthält der Bienenstaat bekanntlich stets nur eine, die dann nach Erbrütung einer Nachfolgerin mit einem Teile ihres Volkes den Stock verläßt. Bei den Wespen und Hummeln findet sich ebenfalls bis in den Herbst hinein(wo dann auch einzelne Männchen auftreten) meist nur ein einziges beftuch- tetes Weibchen, nämlich dasselbe, das nach beendetem Winterschlaf die Kolonie neu begründete, während die übrigen, von ihr hervor- gebrachten und als Arbeiter fungierenden Weibchen unbefruchtet bleiben, wenn fie auch zur parthenogenetischen Eiablage befähigt sind. In den Staaten der Termiten ist in der Regel neben einem einzigen eierlegenden Weibchen, der Königin, auch nur ein einziges, voll entwickeltes Männchen, der König, vorhanden. Seltener treten in demselben Stocke zwei Pärchen auf. Bei den Ameisen hingegen trifft man außer zahlreichen Männchen fast immer mehrere bis viele voll entwickelte und beftuchtete Königinnen, ohne daß hier solche„EiftrsuchtSdramen" wie zwischen den Rivalinnen im Bienenstaate sich abspielen. Wasmann glaubt diese abweichende Erscheinung im Ameisenstaate möglicherweise auf die beträchtlich längere Lebensdauer der Ameisenarbeiter(2 bis 3 Jahre gegen wenige Wochen bei den Bienen) zurückführen zu können, indem er meint, daß hierdurch die Arbeiter selbständiger und von der Königin unabhängiger würden, eben bis zu dem Grade, daß sie auch ein Nebeneinander mehrerer Königinnen ohne Verwirrung ertragen könnten. Das Füttern der Larven, Männchen und Weibchen geschieht, abgesehen von Hummeln und Meliponen, von Mund zu Mund mit dem Futterbrei(Bienen) oder dem NahrungSsaste des Kropfes. Von großem Interesse ist die EntWickelung besonderer Futterindividuen bei der mexikanischen Honigameise, d. h. von stets im Innern des Erdhöhlennestes verbleibenden Arbeitern, die, nach dem durch Bißwunden bewirkten Verschluß des Enddarmes, von den Genossen bis zum Uebermaß derart mit Honig gefüttert werden. daß ihr Hinterleib einer kleinen Weinbeere gleicht. Zur mageren Jahreszeit oder bei schlechter Witterung müssen sie dann als Honigvorratstöpfe dienen, ans dem jeder nach Bedarf sich speisen lassen kann. Nicht minder seltsam ist der Gebrauch, den die Ar- beiter gewisser Baumameisen von ihren Larven machen, indem sie dieselben als Spinnspulen benutzen, mit deren Hilft sie die Blätter hoch oben in den Zweigen zum kugeligen Neste zusammenspinnen. Auch Gespinstgürtei um die Stämme zum Schutz gegen das Vor- dringen einer anderen kleinen Ameisenart werden nach Halland von der Oecopbzckk mit Hilft ihrer im Maule dorthin trans- portierten Larven ausgeführt.— Alles in allem kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß wir in den Staaten der Bienen, Wespen, Ameisen und Termiten das Vollkommenste vor uns haben, was an gesellschaftlicher Organisatiem im Tierreiche zur Aus- bildung gelangt ist. Die Grundlage, auf der diese Staaten sich aufbauten, war vielleicht, wie Boelsche meint, eine verfehlte und führte zur Erstarrung; rein objektiv betrachtet aber erheben sich ihre Leistungen hoch über das, was selbst die menschenähnlichsten Wirbeltiere in dieser Beziehung aufzuweisen vermögen, Die Tätigkeit unserer Unterseeboote in stanzösischer Beleuchtung. Ueber die Rolle, welche die deutschen Unterseeboote im gegen- wältigen Kriege spielen, hat der bekannte Chefkonstrukteur des franzöfischen Unterseebootswesens Laubeuf vor Zftg Monaten in der Gesellschaft der französischen Zivilingenieure einen Bortrag gehalten, der in mehrfacher Hinsicht auch für uns bemerkenswert ist. Seine Angaben über die Anzahl unserer Unterseeboote, ihre Größen- Verhältnisse, ihre Bewaffnung und Geschwindigkeit können wir freilich ruhig beiseite lassen; sie sind selbstverständlich ganz unzu- verlässig. Unsere Marineverwaltung bewahrt hierüber natürlich in weitem Umfange Verschwiegenheit, so daß der Vortragende selbst den Rat gab, seine Zahlen nur als unsichere zu betrachten. Richtig ist seine Angabe, daß Deutschland erheblich später als Frankreich mir dem Bau von Unterseebooten begonnen hat. erst im Jahre 1907 ist das erste deutsche Unterseeboot von Stapel gelaufen, ein halbes Dutzend Jahre später als Frankreich bereits Unterseeboote besaß. Wir können unserer Marineverwaltung jedenfalls dankbar sein, daß sie langsam und vorsichtig bei dem Bau dieser Waffe vorgegangen ist und nur erprobte und brauchbare Typen gebaut und so unsere Marine vor zahlreichen Unfällen und unsere Finanzen vor der unnützen Ausgabe vieler Millionen für schnell veraltende Systeme bewahrt hat. Im Kriege weist Herr L. den Unterseebooten eine defensive und eine aggressive Aufgabe zu. In ersterer Hinsicht soll das Untersee- boot die Beschießung der Häfen und die Landung feindlicher Truppen sowie eine unmittelbare Blockade der Häfen verhindern. Diese Auf- gäbe haben die deutschen und auch die österreichisch-ungarischenUntersee- boote nach seinem Urteil vorzüglich gelöst. Die große englische Flotte blockiert zwar die deutsche Küste, hält sich aber vorsichtig in so respektvoller Entfernung, daß ein deutsches Geschwader im Dezember vorigen Jahres aus der Elbe herausfahren, sich der englischen Küste nähern, sie beschießen und unbehelligt in die heimischen Ge- Wässer zurückkehren konnte. Ebenso bedeutungsvoll ist auch die Angriffskraft der Unterseeboote. Zu Beginn des Krieges versuchten die Engländer die Blockade enger an die deutsche Küste heran- zuziehen, aber die Vericichtung der drei Panzerkreuzer„Crecy", „Hogue" und„Abukir" durch das Boot„17 9" am 23. September 1914 bewog sie, von diesem Versuch abzustehen. Diese Tatsache, meint L., spricht mehr als alle großen Redensarten für die Be- deutnng der Unterseeboote als Kriegswaffe. Wenn die Türken nur ein halbes Dutzend Unterseeboote unter gutem Kommando besäßen, so würde, sagt er, der Angriff des englisch-französischen Geschwaders gegen die Befestigungen an den Dardanellen ganz außerordentlich erschwert, lvenn nicht unmöglich gemacht werden. Bei einer etwaigen Wiederholung seines Vortrages könnte Herr L. die Er- süllung dieser Voraussage bestätigen, eS haben ja seither deutsche, österreichische und türkische Unterseeboote auch im Mittelmeer ihre glänzende Tätigkeit ausgenommen— wir erinnern nur an die Ver- nichtung der englischen Panzerschiffe„Triumph" und„Majestic". Als Verteidigungsmittel gegen Unterseeboote gibt L. Schutznetze Die Erweckung öer Maria Carmen. 54) Von Ludwig Brinkmann. „Ist mir schon recht!" erwiderte er trotzig. „Wie Du willst! Du kannst Dir Deinen Lohn heute abend bei mir holen. Zu Sonnenuntergang. Kommst Du früher oder später, bekommst Du nichts! Und nun mache, daß Du heimkommst!" Er zögerte. „Wird es bald, Tozo? Ich habe keine Zeit, auf Dich zu warten!" „Ich will zu den anderen hin; ich habe etwas zu be- reden!" „Daraus wird nichts. Das ist mein Berg, mein Land, und ich dulde Dich nicht mehr auf meinem Eigentume. Bitte kehre eiligst heim, oder das Pferd geht über Dich!" Ich trieb das Tier auf ihn zu, und er wich zurück. Er mochte wohl einschen, daß ich der Stärkere und es für ihn geraten sei, gute Mi«te zum bösen Spiele zu machen. So begab er sich auf den Heimweg, während ich ihm folgte. Als wir an die Grenze unseres Gebietes gelangt waren, erklärte ich ihm: Ich verbiete Dir, Dich auf meinem Eigentume sehen zu lassen. Du weißt, was Dir bevorsteht, wenn ich Dich er- wische. Auf Wiedersehen heute abend!" Und ich kehrte um. Als ich am oberen Teile des Tales angekommen war, sah ich in der Ferne die Leute wieder bei der Arbeit. In kleinen Gruppen bewegte es sich überall auf dem Abhänge, und die Rohre rückten langsam hinauf. Ich hatte aber keine Lust mehr, mich unter sie zu mischen. Ich wollte von ihnen nichts mehr sehen und hören; ich fühlte inick zu sehr gekränkt, enttäuscht, verraten. Nun bin ich gar falsch mit den Leuten gewesen, wielleicht zum ersten Male. Die Reitpeitsche hätte ich am liebsten über ihre nackten Rücken sausen lassen— und doch habe ich ihnen gute Worte gegeben, gute'Worte geben müssen! Wie das schmeckt— pfui, wie bitter! Was heißt das? Doch nichts weniger, als daß sie die Stärkeren sind. Nur den Stärkeren sucht man mit List und Arglist zu fangen. Gut, es scheint nicht anders zu gehen. Und heute abend werde ich auch den Tozo fangen. Werde ihm ante Worte geben. Auch den bekomme ich kirre! Ich stieg ab und lagerte mich im Schatten eines Baumes, starrte in den blauen Aethcr hinein, sah der Wanderung von kleinen Federwölkchen nach. „Wir sind glücklicher ohne sie!" also sprach Tozo. Hat er denn so unrecht? Leben diese Menschen nicht glücklicher ohne uns, die wir in ihr Land eindringen, um es auszuplündern? Was tun wir denn anders, als daß wir, so oder so, sie— zur A r b e i t zwingen, zur Arbeit für u n s. Wie wir es anfangen, ist an sich gleichgültig: im Grunde lassen wir sie arbeiten, weil wir sie Reize und Bedürfnisse kennen gelernt haben, die ihnen die Arbeit verlockend machen. Aber Reize und Bedürfnisse den Menschen beibringen, ist das nicht die raffinierteste Art von Quälerei? Ist es nicht eine fürch- terliche Grausamkeit, dem Menschen immer erneute, unauf- hörliche, harte Arbeit aufzubürden, seine Glieder in Schweiß zu baden, ihn unter der Peitsche von Furien den ganzen Tag einherzujagen, bis er des Abends ermüdet auf das Lager sinkt, nur damit er den ständigen, peinigenden Durst zu löschen vermag, den wir boshaft durch die scharfen Gewürze unserer Kultur ihm erregt haben? Und ich dachte an meine große Abhandlung: das Problem der Erlösung durch das technische Schaffen. Die Menschheit soll von der brutalsten Form der Arbeit entlastet werden. Ist es denn wahr? Wie sah das Tal von Taviche aus, nachdem die Weisheit der Spanier abgewirtschaftet hatte? Es war der- lassen von allen Europäern, und die Eingeborenen sanken Zurück in die köstliche Möglichkeit des ckolce far niente, nur sich selbst lebend, nur mit dem einzigen Zwecke zu leben, das Gefühl des Lebens, wie Marina, zu genießen. Man kann alt werden und gesund dabei bleiben, wenn man nichts tut als leben. Und dann kamen die Amerikaner mit ihrer hochge- priesenen Technik. Mit der Technik, die alle Menschheit erlösen soll, die ihnen die Arbeit abnimmt und sie den Naturkräften aufbürdet. Doch was wurde daraus? Tausende von Männern dieses nichtstuenden Volkes schaffen nun in den Höhlen und auf den Rücken der Berge, arbeiten hart und sind mühselig und beladen. Gewiß, die Technik zwingt die Naturkräfte in ihr Joch und entlastet heute durch Maschinen ein paar hundert von schaffenden Händen— um die augenblickliche Erleichterung des heutigen Feierabends dazu zu benutzen, morgen hundert- fältig größere Aufgaben anzugreifen; und wenn auch noch soviel Arbeit durch Maschinen geleistet wird, es muß eben immer ein Rest bleiben, ein immer größerer Rest, der not- gedrungen der Menschenkraft überlassen wird, diese erste, rauheste Pionierarbeit, die Vorbereitung zum maschi- nellen Schassen. Täglich erobert sich die Technik eine neue Position, aber fie drängt die schaffenden Menschen von sich in die Front des Kampfes; der arbeitenden Völker werden es mehr und mehr; ein Schritt nach dem anderen wird getan; ein neuer weiterer Ring schließt morgen den heutigen kleineren ein. In den Minen von Taviche sollen ein paar M e st i tz e n weniger arbeiten; Elektromotoren sollen ihnen die Arbeit ab- nehmen: aber um das zu ermöglichen, wird dieses friedliche Volk der T o l t e k e n in den Bannkreis des Schafsens hineingezwungen, und Lasten werden ihm durch die Tedmik auferlegt, davon sie nie etwas gewußt haben. Ach, ich beginne die Technik zu hassen; sie befreit nicht, sie erlöst nicht, sie macht alle Lasten nur schwerer, alle Leiden brennender, tiefer durch die ungeheuren Bedürfnisse, die sie erweckt. Also dachte ich, als ich im Schatten des mächtigen Zypressenbaumes lag. Ich war dem Weinen nahe— mich können jetzt Kleinigkeiten, die ich früher lächelnd überwand, bis ins tiefste Innere erschüttern. Ich bin so schwach ge- worden... Als ich heimkehre, fiel mein erster Blick auf den Tisch, darauf die unglückselige Abhandlung lag. Alle meine Enttäuschungen stürzten mir mit einem Male krachend auf die Seele, alle quälenden Gedanken des Tages brannten sich ätzend in mein Hirn— ich nahm ein Blatt nach dem anderen auf und zerriß es in Stücke... In diesem Augenblick trat Marina in das Zimmer und sah mich bestürzt an. Ich sagte ihr auf deutsch: „Es ist alles Lüge und Unsinn, Marina! Lüge und Un- sinn beherrschen unser Dasein, und wir sind Idioten, wenn wir nicht den Augenblick ergreifen, wie er sich uns bietet! Und da Ihr Leute belogen und betrogen sein wollt, so sollt Ihr es auch so hoben!" „Was sagen Euer Gnaden?" „Daß meine Schreiberei ein ganz vortreffliches Werk ist und ich sie Dir daher schenke. Und weiter sagte ich, daß meine Marina ein schönes, junges Weib ist, das schönste, das ich je gesehen, und daß ich sie wirklich sehr lieb habe--" Darauf reichte ich ihr den Haufen Papierfetzen hin und nahm sie trotz ihres Sträubens in meine Arme.— Tozo kam, während Marina noch bei mir saß und sich allerlei von Europa erzählen ließ. nrt, he allerdings erfahrungsgemäß nur wenig genügt hallen, und auf hohem Meere empfiehlt er vor allem schnelle Fahrt mit häufigem Wechsel des Kurses lZickzackfahren), wodurch das Zielen beim Ab- Ichießen des Torpedos erschwert werde, ferner solle man bei großer Nähe dierekt auf das Unterseeboot zu halten, um es zu rammen. Die Erfolge, die aus solche Weise gegen die Unterseeboote erreicht worden sind, gibt L, nur als geringe an, da man nicht allen Mitteilungen über Vernichtung von Unterseebooten Glauben schenken dürfe. Festgestellt sei nur(bis 26. März) die Vernichtung von vier deutschen Unterseebooten durch englische Kriegsschiffe, sowie der Verlust von 17 29, wozu wahrscheinlich noch zwei durch Handelsdanipfer ge- rammte und durch einen französischen Torpedobootszerstörer der- nichtetes kämen, im ganzen also 8 Boote mit einer ungefähren Wasserverdrängung von 2600 Tonnen und etwa 100 Mann. Ohne die versenkten Handelsschiffe ständen dem aber die Verluste von neun englischen und einem russischen Kriegsschiffe mit einem Tonnengehalt von 75 000 und einem Menschenverlust von 3500 gegenüber, eine Ifiste, die sich seitdem noch erheblich vermehrt hat. L. schloß mit der Bemerkung, daß die Bedeutung der Unterseeboote für die Kriegs- flotten in Zukunft noch wachsen werde, denn unmöglich würden die Lehren des gegenwärtigen Krieges bei der späteren Zusammensetzung der Llotlen übersehen werden. kleines Zeuilleton. Zähne unö öeruf. Ständige Hantierungen bestimmter Art üben stets einen Einfluß auf die Organe aus, welche zu den betreffenden Hantierungen be- nutzt oder von ihnen betroffen werden. Das bekannteste Beispiel dieser Art ist wohl der breite sogenannte Schusterdaumen. Auch die Zähne werden von der Berufstätigkeit oft derartig angegriffen, daß man, wie Dr. Kraus in der„Wiener klinischen Wochenschrift" schildert, bestimmte gewerbliche Berufsmerkmale an den Zähnen wahrnehmen und an ihnen sofort den Beruf des betreffen- den Menschen erkennen kann. So ist�ganz charakteristisch die Karies sZahnfäule) der Zuckerbäcker. Sie beginnt bei ihnen am Zahnsleischrande, breitet sich rasch in die Tiefe sowie über die Lippen- und Wangenflächen aus und zeigt ein so be- sondeies Aussehen, daß man direkt von einer Zuckerbäckerkaries sprechen kann. Die Ursache ist der in den Arbeitsräumen herum- fliegende Zuckerstaub, der bei der Arbeit eingeatmet wird und sich an deir Zähnen ablagert. Der Zuckerstaub greift die Zähne zwar nicht direkt an, sondern erst die durch seine Gärung sich bildende Säure. Sorgsame Zahnpflege ist daher den Zuckerbäckern dringend anzuraten. Ganz charakteristisch ist auch nach Aussehen und Verlauf die Salzsäurenekrose, von der die Zähne der in chemischen Betrieben beschäftigten Arbeiter häufig ergriffen werden. Viele Arbeiter in solchen Betrieben werden sehr rasch zahnlos. Als Schutz- Vorrichtung ist ein Schwamm eingeführt, der vor dem Munde ent- weder mit den Zähnen oder durch ein Band festgehalten werden soll. Er Ivirkt aber nach der Angabe der Arbeiter, weil er sehr rasch feucht wird, die Gesichtshaut reizt und Jucken verursacht, derartig lästig und geradezu unerträglich, daß sie vielfach von seiner Ver- Wendung absehen. Auch beim Nitrieren in den Pulverfabriken ist die Wirkung auf die Zähne der Ardeiter eine ähnliche. Dr. Kraus verlangt für solche Betriebe bessere Schutzvorrichtungen sowie die Leistung zahnärztlicher Behandlung und des oft notwendigen Zahn- ersatzes. Bei den Metallarbeitern lagert sich häufig Metallstaub an den Zähnen ab, der oxydiert und zu einem schmutzig grünen Belag führt. Gegen diese charakteristischen„Metallarbeiterzähne", die bei Vernachlässigung zum Zahnverlust führen müssen, ist eine gute Zahn- pflege das beste Mittel. Die Schuhmacher benutzen vielfach den Mund als Nagelreservoir, aus dem die zum Spannen des Leders über den Leisten sowie zum Nageln der Sohlen und Absätze nötigen Nagel- und Drahtstifte mit der Zunge zwischen die Schneideflächen der Schneidezähne geschoben und dann mit den Fingern von dort dem Be- stimmungsort zugeführt werden. Daher bilden sich an den Schneidezähnen grobschartige Kauten. Aehnlich verhält es sich bei den Tapezierern, die ebenfalls vielfach den Mund als Vorratskammer für die Nägel benutzen, die sie zu fast allen Arbeitern brauchen. Bei Schneidern und Schneiderinnen sieht man an den Schneidezähnen oft schräg verlaufende Schlifflachen und schlitzförmige Einschnitte, die daher rühren, daß der Faden, bevor er durch die Oese der Nadel geführt wird, mit den Schneidezähnen ab- gebissen wird. Ganz charakteristisch ist auch die Abnutzung der Zähne, die durch die sogenannte Pfeife der Glashlöser entsteht, die zwischen Lippen und Zähne genommen und während des Blasens gedreht wird. Ich gab ihm sein Geld und sagte ihm, ich hätte es nicht so ganz ernst gemeint, und wenn er sich besserte, könne er nächsten Montag wieder zu den alten Bedingungen anfangen. Dabei schenkte ich ihm ein Glas Whisky ein. Er aber sah mich nur haßerfüllt an und schien auch Marina, die sich ab- seits» hielt, mit seinen Blicken erdolchen zu wollen. Den Branntwein ließ er stehen und erklärte, er wolle nicht weiter die Hundearbeit auf dem Berge fortsetzen. „Tozo will nicht mehr für Euer Gnaden arbeiten?" fragte Marina. „Es scheint so. Nun, ich werde auch ohne ihn fertig werden! Und eines schönen-Tages lvird er doch wieder- komnien. Lassen wir ihn!" Ich bin in einer leichtfertigen Laune. Vielleicht ist es das Beste so zu sein, das einzige Mittel, in diesen Landen das Leben erträglich zu machen. Heute wünschte� ich Champagner hier zu haben. So halte ich mich an Whisky. Während ich diese Zeilen schreibe, stellt Marina Blumen in tönerne Krüge. Und sie hat mir fest versprochen nachher, wenn alles schläft, zu mir zu kommen Carp« dieml Was heißt leben? Es ist vielleicht nur ein wirres Träumen. Man bangt rmd ängstigt sich eine lange, dunkle Nacht hindurch, die vom Abend und Morgen zweier träum- losen Ewigkeiten eingefaßt ist. Man kommt aus der Be- wußtlosigkeit, wird eine unendlich lang erscheinende und doch so kurze Spanne Zeit der Finsternis von quälenden Phantomen, von Dingen gepeinigt, die uns als Wirklich- keiten erscheinen und doch ganz gewiß keine Wirklichkeiten sind, um dann schließlich wieder im Bewußtlosen zu ver- sinken. Was wäre nun, wenn der Streich gelungen? Fast ist es zu bedauern, daß er mißriet! Vielleicht läge ich jetzt ruhig ini Gebirge, da wo es sich zum friedlichen Meere ab- dacht, wo sich mein Schloß erheben sollte, und ich könnte im Bewußtlosen schlafen, könnte tief und in alle Ewigkeit hinein schlafen— während mich nun der Schlummer flieht oder bange Träume mich ängstigen, wenn doch einmal der Tag der Wirklichkeit in das Meer des Unbestinimten für eine Stunde oder zwei versinkt. Ein Haus habe ich mir ja dort oben bauen wollen, von ihm aus in die Uneirdlichkeit hinaus- zuschauen: so wäre mir vielleicht eines geworden, aus wenigen Brettern gefügt, mit einem zentnerschweren steinernen Dache, durch das ich die Ewigkeit erblickt hätte. O der Frieden, der mir durch des Mannes Ungeschick- lichkeit entgangen! Kein Mangel, keine Wünsche, keine Hoff- n ungen b edrückten mich mehr: ich könnte zivischen den schweig- � Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln, Für den Durch die beständige Reibung und den Druck der Pfeife an den mesialen Flächen der großen Schneidezähne entstehen karoartige Oeffnungen. Alle derartigen Veränderungen erleichtern den Beginn einer Karies und können leicht zum Verlust der Zähne führen. Vielfach kommt auch noch Ansteckungsgefahr mit allerlei bösen Krankheiten hinzu, wenn z. B. die nicht zur Verwendung gelangten Nägel wieder in die auch von anderen Arbeitern benutzte Nagelkiste zurückgelegt werden. Man sollte daher alle Lehrlinge der entsprechenden Berufe auf das gefährliche solcher Manipulationen, die nur als Mßbrauch bezeichnet werden können, eindringlich aufmerksam machen. vie Gefahren ües hohen Absatzes. Der hohe Absatz ist, nachdem die Schuhmode eine Zeitlang ver- nünfligereu Grundsätzen gehuldigt hatte, insbesondere in der Damen- weit immer allgemeiner wieder in Aufnnahme gekommen. Allenthalben kann man jenen trippelnden Gang mit kleinen Schrittchen und ge- beugten Knie- und Hüftgelenken beobachten, zu dem der hohe Absatz führen muß. Es verdient daher ernste Beachtung, wenn eine Autorität wie Prof. Dr. A. Ritschl vom Orthopädischen Institut der Universität in Frei- bürg i. B. in der„Deutsch. Medizinischen Wochenschrift" seine warnende Stimme erhebt und in eingehenden Darlegungen den Nachweis führt, daß sich infolge des hohen Absatzes ein Schadenkreis schlimmster Art entwickelt, der schließlich nicht nur den ganzen Bewegungsapparat vorzeitig zur Ruine macht, sondern auch die Herzkraft vorzeitig er- lahmen läßt. In genauer> durch schematische Darstellungen ver- deutlichter Analyse werden die verschiedenen schädlichen Einwirkungen des hohen Stiefelabsatzes auf die in Betracht kommenden Gelenke und weiterhin des ganzen Körpers aufgewiesen. So wird auch ge- zeigt, was jedem Beobachter auffällt, daß ein längeres Stehen mit gestreckten Knie- und Hüftgelenken für den Träger hoher Absätze schlechterdings undenkbar ist, besonders für die Frauen, die die mili- tärische Haltung nicht geübt haben, bei der durch den stark nach vorn ver- schobenen Körperschwerpunkt entgegengewirkt würde. So sieht man die jungen Mädchen und Frauen, die der fragwürdigen Mode der hohen Absätze huldigen, nicht nur mit gebeugten Knien stehen, sondern auch gehen. Die Beugung im Kniegelenk, die die gleiche Bewegung im Hüftgelenk nach sich zieht, hat aber, wie Professor Ritschl ge- nauer nachweist, die Folge, daß sich ähnlich wie beim Sitzen eine Ausbiegung der Lendenwirbelsäule nach hinten einstellt, die gewöhn- lich auf die oberen Abschnitte der Wirbelsäule übergreift und die Wirbelsäule zu einer nach hinten flach gewölbten Haltung zwingt. So beeinflussen die hohen Absätze, die schon an den Füßen die verschiedensten Störungen und Unbequemlichkeiten schaffen, auch den ganzen tragenden Teil des Knochengerüstes in der schädlichsten Weise. Der unschöne Stelzengang, der sich durch die hohen Absätze ent- wickeln muß. schaltet auch die Eigenbewegungen des Fußes, die von ihm beim Gehen mit tveitausgreifenden Schritten gefordert werden, fast ganz aus. Eine regelrechte Abwicklung des Fußes ist aus- geschlossen, wie sie für die Erhaltung der Bewegungsorgane des Fußes unbedingte Voraussetzung ist. Wird der Fuß nur zur Uebertragung der Körperlast auf den Boden benutzt, so verkümmern nicht nur die Fuß- und Unterschenkelmuskulatur, sondern auch die mit den Muskeln in innigsterWechselbeziehung stehenden übrigen Bewegungsorgane, wie die Bestandteile der Gelenke und mit ihnen die Knochen. DaS Untergerüst des Körpers, der Fuß, wird schadhaft. Dieser Zustand ist stets der Anfang der Plattfuß- bildung: er ist in den allermeisten Fällen erworben. Dazu kommt noch ein weiterer Umstand. Gerät der Fuß in Schuhen mit hohen Absätzen auf eine stark nach vorn geneigte schiefe Ebene, so gleitet er bei der Belastung durch das Körpergewicht mehr und mehr nach vorn. Die Last überträgt sich in unangenehmer Weise auf die Köpfchen der Mittelsußknocheir und die Streckseiten der in zu enge Schuhe eingezwängten, gebeugt gehaltenen Zehen. Das von diesen untergeordneten Verhältnissen gebildete vordere Quergewölbe wird hierdurch in übermäßiger Weise belastet und verliert dadurch in immer höherem Maße seine Wölbung und Elastizität. Es kommt zur Bildung schmerzhafter Schwielen über den Köpfchen der Mittelfußknochen und schmerzender Hühneraugen an den Zehen. Wie bei den schmerzhaften Formen des Plattfußes wird jetzt das Gehen zur Qual und als lästige Beschäftigung mehr und mehr ein- geschränkt. Der Mangel an Bewegung führt dann zu allerhand weiteren Nachteilen: der Fettansatz nimmt zu, damit wächst die Last, der der schmerzhaste und geschwächte Fuß standzuhalten hat, und so ist der eingangs erwähnte Schadenkreis geschlossen und ein Zustand herbeigeführt, der leider bei Frauen noch immer sehr verbreitet ist. Er wird nur dadurch allmählich mehr und mehr verschwinden, daß oer Fußpflege die ihr dringend zukommende Beachtung geschenkt wird. Bildet doch der Fuß den Untergrund unseres Körpers, der in auftechter Haltung eine nach Art eines Turmes aufgebaute Kette von lastenden Gliedern darstellt. samcn, erhabenen Gipfeln der Berge, die den Aether tragen, ewig ruhen, könnte in souveräner Gelassenheit erwarten, was die nächsten Ewigkeiten uns brächten, uns Ewigen, Uner- schllttcrlichen. Ja, nun hätte ich bald das bißchen Mut zun: Sterben beieinander-- Wir Menschen sind doch gar zerbrechlich. Ich meine nicht so sehr im leiblichen Sinne, obgleich eine Unze Blei die Maschine in weniger denn einer Sekunde niederbrechen lassen, für immer zerstören kann; ich denke an das G e i st i g e. Ein harmloser Unfall, wenigstens in diesen Landen harmlos genug, ein mißglückter Mordanschlag, das war alles— und eines Mannes Seele ist aus dem Gleichgewicht gebracht: was sich da verborgen und verbogen und verrenkt hat, wird nie- mals wieder in Ordnung kommen. Unter Porfirios Aufficht ging der Transport der Rohre glatt und schnell vonstatten, und ich streifte hoch ins Gebirge hinein, das Auge mit weiten Fernblicken auf das Meer zu sättigen. Das rasch hereinbrechende Zwielicht zwang endlich zur Umkehr; als ich in dem engen Tale auf das Dorf zuritt, war es schon fast vollkommen finster, und ich mußte das Pferd Schritt gehen lassen. Da fühlte ich plötzlich einen heftigen, stechenden Schmerz im linken Arme, und hinter mir, kaum zehn Schritte von mir entfernt, knallte ein Schuß... Ich weiß nicht, wo meine Besinnung blieb: als hätte sich das Enffetzen hinter mich auf das Kreuz meines Pferdes ge- hockt, jagte ich davon, im schärfsten Galopp. Einfaltspinseleil Die Gefahr, mir bei dieser wilden Jagd mitsamt dem Tiere auf dem steinigen Pfade das Genick zu brechen, war viel, viel größer, als dem feigen Strolche gegenüberzutreten, ihn zu stellen und ioehrlos zu machen, wenn ich auch selbst ohne Waffen außer den: Gefühle der physischen und moralischen Ueberlegenheit war. Aber die Vernunft war dahin und kehrte nicht früher zurück, als bis das schweißbedeckte, schäumende Tier vor Cyprianos Hause anhielt. Wunderbar gerettet— nicht vor dem Anschlage eines Mordbuben, sondern aus dem Wahnsinn, durch die Gründe und Schluchten eines zerrissenen Gebirgstales zu galoppieren. Marina weinte bitterlich, als sie mir meinen steifge- wordenen Arm aus dem Rocke herausziehen und den blut- getränkten Hemdsärmel in die Höhe schlagen half. Das Fleisch war oberhalb des Ellbogens durch die Kugel zer- rissen. Es war nichts als ein schmerzhafter Streifschuß. Ich ließ sie die Wunde auswaschen, viele Male, und mit Leinwand einpacken: dann fragte sie schüchtern, was sich zugetragen. __(Forts. folgt.l Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.VerIag:Borwärt» Erfolge der Hppnofe ln öer kriegsheilkunöe. Ueber die erfolgreiche Anwendung der Hypnose in der Kriegs- Heilkunde hat Prof. Nonne in Hamburg sehr interessante Mil- teilungen gemacht. Prof. Nonne hatte nach einem Bericht in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrist" eine größere Anzahl von Neurosen und schweren Hysterien, die bei Kriegsteilnehmern sich eingestellt hatten, zu behandeln. Diese Hysterien traten in den ver- schiedensten Formen aiff, als Sprachstörungen, Krämpfe einzelner Muskeln, Lähmungen gewisser Glieder, auch als allgemeine hysterische Krämpfe und hysterische Dämmerzustände. Es ist nun Nonne in einer großen Reihe von Fällen gelungen. durch Suggestion in Hypnose überraschend schnelle, sogenannte„W underheilungen" zu erzielen. Viele diese Fälle waren anderweitig fälschlich als organisch und zwar zentral bedingte Lähmungen beurteilt worden: diese Pa- tienten waren fast alle bereits inehrere Monate krank, ein Teil davon war schon als dauernd dienstunbrauchbar und mit einer Er- werbsunfähigkeit von 100 Proz. eingegeben worden. Nonne führte nun einen besonders bezeichnenden Fall vor. Es war dies ein Kranker, der mit Zuckungen der Gesichtsmuskeln und Unfähigkeit zum Stehen und zum Gehen zur Behandlung kam. Gleich bei der ersten Sitzung gelang es, eine wesentliche Besserung dieser Symptome zu bewirken, nach der zweiten waren sie nur noch andeutungsweise vorhanden und nach der dritten Sitzung völlig verschwunden. Da der Kranke leicht in Hypnose verfiel und jede Suggestion in der Hyp- nose annahm, so gab Nonne ihm in der Hypnose die Suggestion, daß er von niemandem anders hypnotisiert und suggeriert werden könne. Der praktische Versuch ergab, daß auch diese Suggestion auch insofern festsaß, als einige Tage später einem iir der Hypnose geübten Kollegen eS nicht gelang, den Patienten in Hypnose zu versetzen. Auch dieser Patient war als zu 100 Proz. erwerbsunfähig gemeldet worden, während er tatsächlich zu seinem Berufe als Kaufmann durchaus wieder sähig sein wird. Nonne ist durch die Erfahrungen in diesem Kriege zu dem Er- gebnisse gelangt, daß die Kenntnis der Fälle von schwerer Hysterie bei den Aerzten noch nicht so verbreitet ist, wie es in Hinsicht auf die praktischen Konsequenzen unbedingt nötig erscheint. Zigarren unü X-Strahlen. Da? Tabaksgebiet der Vereinigten Staaten und besonders Florida wird seit einiger Zeit von einem winzigen, verheerenden Insekt heimgesucht, das den Namen.Tabakwanze" oder„Zigaretten- käfer" führt und seit seinem Auftreten schon viele Hunderltausend Dollar vernichtet hat. Kürzlich erhielt z. B. die japanische Regierung einen großen Posten feinsten amerikanischen Tabaks: bei näherer Prüfung stellte sich heraus, daß*/e davon von den Würmern zer- fressen und zur Zerstörung reif waren. Die Plage war um so empfindlicher, als alle bisher gegen sie angewandten Mittel ver- sagten. In den Tabakfarmen wurden Türen und Fenster mit dichten Drahtnetzen versperrt, und Tausende von Dollars darauf verwendet, um ein Verfahren zur Unschädlichmachung des Käfers zu finden, aber alles blieb umsonst. Die Regierung richtete daraufhin in Richmond(Virginia) ein eigenes Laboratorium ein, in dem sich ein Entomologe von Ruf mit dem Studium der Tabakwanze befaßte: er verfiel ans den Gedanken, Starkströme durch die verseuchten Tabakballen zu leiten, sie waren aber nur in den feuchten Schichten des Ballens wirksam, die übrigen Schichten blieben verseucht und steckten später die bereits gereiniglen wieder an. Nun scheint jedoch endlich ein Gelehrter aus Philadelphia, Franklin Smith, ein Verfahren erfunden zu haben, das den lästigen Kerb- tieren den Garaus machen dürfte. Smith wandte X-Strahlen an und machte dabei die Entdeckung, daß diese imstande sind, nicht nur den Käfer, sondern auch seine Eier, sei es in Tabaksblätterballen, sei es in fertigen Zigarren, endgültig zu zerstören, wenn die letzteren in dichtschließende Behälter eingepackt und Ballen wie Zigarren nach der Behandlung 48 Stunden lang in völliger Dunkelheit gelassen werden. Nach seinen Vorschlägen ist auf der Faktorei der Cuesta Rey-Kompagnie in Tampa (Florida) eine große, für diesen besonderen Zweck ausgestaltete X- Strahlenanlage gebaut worden. Die X-Strahlenkammer liegt un- mittelbar über einer sich langsam fortbewegenden Gleitbahn, die die verseuchten Tabakballen und Zigarrenmassen aufnimmt und sie lang- sam durch die X-Strahlenkammer hindurch führt, so daß sie 17>/z bis 18 Minuten der ablötenden Wirkung der Strahlen ausgesetzt bleiben, eine Zeit, die sich für die Behandlung als genügend er- wiesen hat, wenn die Zigarren den Strahlen l'/a Minuten unmittelbar, die übrige Zeit hindurch mittelbar unterworfen werden. 800 Zigarren werden auf diese Weise in jeder Minute der Raucherwelt gerettet._ Notizea. — Seltsames Naturbild. In den Aufzeichnungen eines Stabsarztes, der am 31. Oktober 1914 eine Autofahrt über Vouziers nach Rethel unternahm, heißt es u. a.:„Einen eigenartigen Anblick hatten wir noch in der Nähe der Kirche— da lag inmitten der Trümmerhaufen, von hohen, vom Feuer schwarzen Mauern umgeben, ein kleiner Park, der zu dem Privathaus eines recht wohlhabenden Mannes gehört haben mußte, wie aus den niedergeschossenen Ställen, Remisen, Garagen usw. hervorging. Da lagen unter den Obstbäumen im Garten gedörrte Aepfel und gebackene Birnen in Zentnern herum, wie im Schlaraffenland hingen einzelne noch auf den Bäumen— sie waren von der Hitze der Feuersbrunst am Baume gebraten. Das Eigenartigste aber war, daß alle Frühlingsblumen. Primeln, Veilchen, Schneeglöckchen usw. auf den Beeten an der Mauer neu hervorgeschossen waren— die Treibhauswärme bei dem tagelangen Brande hatte sie hervorgetrieben und ihnen einen neuen Frühling vorgetäuscht." — Neues von Edison. Thomas A. Edison hat eine Lampe für Feuerwehrleute erfunden, mit deren Hilfe diese instand gesetzt werden, selbst im dichtesten Qualm Gegenstände in ihrer Umgebung zu erkennen. Die Erfindung ist die Frucht der Erfahrungen bei dem großen Brande in den Edison-Werken. bei dem werlvolles Eigentum, u. a. Diamanten, die bei der Herstellung phonographischer Scheiben benutzt werden, verloren ging, weil die Feuerwehrleute sich in der raucherfüllten Finsternis nicht auszukennen vermochten. Die Lampe ist vorn am Feuerwehrhelm angebracht und mit einer Batterie ver- bunden, die der Mann auf dem Rücken zu tragen hat. Eine andere neue Erfindung Edisons, ein Scheinwerfer, soll eine Kerzenstärke von 3 000 000 haben: aus dem Edison- Laboratorium in Orange wird mitgeteilt, daß dieser Scheinwerfer bereits Gegenstand interessanter Nachfrage seitens dreier kriegführender Länder sei; auch private Unternehmer sollen sich lebhaft für ihn interessieren. — Wohin reisen die Wachteln? Die Ornithologen des Pariser Museums für Naturwissenschaft haben kürzlich die Frage zu lösen versucht, wohin die Wachteln fliegen und woher sie kommen. Sie haben zu diesem Zweck ein ganzes Volk Wachteln fangen und sie mit Metallringen versehen lassen, auf denen die Bitte an den Fänger eingeätzt wurde, den Ort anzugeben, wo er sie herunter ge- holt habe. Mehrere Antworten sind bereits eingelaufen; sie kamen teilweise, wie vorauszusehen war, aus Aegypten; andere langten aus Abesiynien an und bewiesen damit, daß das Pharaonenland für die Wachteln nur eine Durchgangsstation bildet: noch andere gingen sogar aus dem Saharagebiete ein und legten die Vermutung nahe, daß sich die Vögel auf ihrem Fluge in Aegypten trennen und ihren Weg in zwei verschiedenen Richtungen fortsetzen. — Gegen Mückenstiche wird bekanntlich Ammoniak, Sal- miakgeist vielfach verwandt. Im Felde ist jedoch der Verbrauch da- durch erschwert, daß er leicht verflüchtigl und auch gewöhnliche Korkstöpsel leicht angreist. In der„Münchener medizinischen Wochen- schrift" empfiehlt nun Oberapotheker Wolf von der Kaiserlichen Ersatz-Sanirätskompagnie Brüssel das Betupfen von Mückenstichen mit einer Lösung von 0,01 Gramm Menthol in 3 Gramm Formalin und 7 Gramm Alkohol. Die Mückenstiche schwellen dadurch nicht an, auch soll der lästige Juckreiz ausbleiben. Zuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW,'