Nr. 164.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Mittwoch, 21. Juli. Liebestätigkeit. Von Juliette Martineau. Wenn man nach den in der deutschen Presse gegebenen Proben und Zitaten schließen wollte, wäre die gesamte Kriegs- literatur der mit den Zentralmächten kämpfenden Länder von wüstem Chauvinismus, blindem Haß und eiller Selbstver- götterung erfüllt. Kein Zweifel, daß dies für einen großen Teil dieser Literatur stimmt. Daß es daneben aber doch an kritischem, sozialem Schauen und allgemein menschlichem Empfinden nicht fehlt, erfährt man viel seltener. Darum wird nachstehendes Einleitungskapitel eines vor kurzem in Paris erschienenen, offenbar nach der Natur schildernden „Tagebuchs einer Pflegerin* von Juliette Martineau für deutsche Leser interessant sein. fD. Red.) Wir sitzen eingepfercht im Salon der in ein Hospital um- gewandelten Fremdenpension, um einen Vortrag unseres Arztes an- zuhören. Ein wenig durch seine weibliche Zuhörerschaft eingeschüchtert, gibt der alte Doktor, der in Wahrheit nur ein alter Sanitätsoffizier ist und von moderner Asepsis keine Ahnung hat, mit farbloser Stimme banale Gedanken zum besten: Lektionen für die Abgangs- Prüfung der Volksschule. Unsere Vereinigung hegt diel Hochachtung vor diesem braden Manne. Er ist„ein alter Elegant, der Sport betreibt, ein schönes Vermögen und royalistische Anschauungen hat*. So vergibt man ihm denn im Vorhinein alle Eseleien, die er begeben wird. Die Sitzung ist kaum zu Ende, als die unterbrochenen Klatschereien von neuem beginnen. Gräfin T macht sich über Frau Dupont lustig und Frau Dupont schwärzt die Fürstin v. B. an. die sich weigert, Nachtdienst zu machen und ansteckende Kranke zu Pflegen. Die Damen beginnen zu lästern; alle, ohne Ausnahme werden aufs Korn genommen. Marquis G., der seit Beginn des Krieges Tapezierer ist. stellt die Betten in den Sälen auf. trägt Matratzen auf dem Rücken und erteilt Befehle an die Nonnen, die schweigend und diskret gehorchen. Die Schwestern verrichten die groben Arbeiten, während die Damen plappern, gähnen und in ihrem verlassenen Hospital Klagen anstimmen: „Man hat uns absichtlich vergessen.* „Unser Verein ist mit dem Bürgermeister auf schlechtem Fuße.* „Das Militärhospital in der Stadt ist überfüllt.* Weißgekleidet und weitzverschleiert wie Vestalinnen, eine Schärpe am Arm, ein rotes Kreuz auf dem Schleier, ein zweites auf der Brust und ein drittes auf der Schürze— so gehen die Damen durch die aufschauende Stadt, wie eine vom Herrn gemarkte Heerde. Sie gehen zur Kirche, um zum Gott der Schlachten zu beten, auf daß er ihnen Opfer sende... Ilnlerwegs kreuzen die Vestalinnen andere Veftalinnen— aber in Blau. Zwischen diesen Frauen, die auf der Stirn dasselbe Zeichen der Erlösung, des Erbarmens und des Friedens tragen— das Kreuz des Heilands Jesu— wird kein Gruß gewechselt. Sie messen einander hochmütig mit den Blicken. Es ist der gegnerische Verein, der mit dem unseren rivalisiert, um uns unsere Klienten zu stehlen— ein nichtsnutziger, in Eile aufgerichteter Verein ohne Heller und Pfennig, der auf Straßenbettelei ausgeht, den Leuten ins Haus fällt. Beamtensrauen sind's und Ladnerinnen, die nach Kasseschlutz Abendkurse besuchen... * Die Tage verstreichen und keine Verwundeten kommen. Unser Rotes Krenz schreibt an alle Minister, telephoniert nach den Bahnhöfen, schreit über Verrat, beutet seine Beziehungen für mächtige Empfehlungen aus— die Untätigkeit lastet auf den Damen wie ein ihnen angetaner Schimpf. „Wenn wir nur fünf oder sechs Kranke hätten,* sagt die Fürstin, „das würde uns zer st reuen.* Alle Tage gehen zwei Pflegerinnen nach dem Bahnhof, um die Berwundetenzüge zu erwarten, die nicht kommen wollen. Auf einer Bank fitzend oder auf einer Tragbahre hingelehnt, erzählen die Damen Klatschgeschichten oder flirten, um die Zeit zu verlreiben. Dann, an einem besonders denkwürdigen Abend, klingelt das Telephon: am nächsten Morgen wird ein Verwundetenzug an- kommen. Alle Gesichter strahlen. Und hätten die Damen nicht Haltung, sie würden vor Freude in die Höhe springen. Sie find glücklich wie Kinder, die ein seit langem versprochenes Spielzeug bekommen sollen. Ist es der Durst nach neuen Reizen? Eine krankhafte Neu- gierde, ein eingeborener Geist der Hingabe, das Bedürfnis nach einem Heiligenschein, die Freude zu kommandieren und etwas vor- zustellen, zu handeln oder ist'S gar nur eine Unterhaltung? Ein Frauenherz ist so eitel, aber auch so instinktiv weich— in seinem Mitleid den Tieren gleich, die mit gefüllten Eutern die Verlassenen am Wege stillen. Niemand schläft in dieser Nacht. Um S Uhr früh find wir auf unseren Posten. „Sie kommen Mittag I* Eine dickbäuchige Dame von Stande erklärt, mit Berufung darauf, daß sie seit sieben Jahren Oberpflegeschwester auf einer Kinderklinik war, daß ihr die Ehre zukomme, die Verwundeten an der Bahn zu erwarten. Wir fügen uns. Die hübsche Fürstin B. nennt sie„Pyramide*:«Sie hat Jahr- tausende gebraucht, um ihre Rundung zu erreichen. Ehrfurcht, meine Damen I* Die Fürstin ist ein wenig boshaft. Plötzlich kommt ein freiwilliger Pfleger angestürmt. Der Zug ist signalisiert. Man benötigt zehn Pflegerinnen auf dem Bahnhof. Wir stürzen uns in die Automobile, die vor dem Tore stehen. Die Einschränkung öes Diergenufles. Die Gastwirte führen Klage darüber, daß sie infolge der auf höheren Befehl eingetretenen Beschränkung der Biererzeugung nicht mehr hinreichend die Kundschaft befriedigen können. Wer viel durchs Land kommt, inuß allerdings beobachten, daß sich die Wirte fast nur auf die Abgabe von Bier eingerichtet haben. Sie mögen dies mit der Tatsache erklären, daß die Besucher nach wie vor fast nur Bier verlangen. Der Grund hierfür liegt wieder darin, daß nur bei einem solchen Verlangen auf angemessene Be- friedigung, nämlich auf prompte Bedienung mit guter Ware gerechnet werden darf. Wenn der Genuß von anderen Durstlöschmitteln in den Gast- wirtschaften gering bleibt, trägt freilich auch die Gewohnheit das ihrige dazu bei. Im wesentlichen aber hindern selbst in den, von behördlichem Einfluß abhängigen. Bahnhofswirtschaften zwei Um- stände den Ersatz des Bieres durch andere Getränke: vor allem der außer Verhältnis zu dem Wert stehende Preis, außerdem der Mangel an Schmackhafttgkeit. Auf die Pflege der kalten Getränke, die vor- zugsweise in Betracht kommen, nämlich künstlichen Selterwassers und der Limonaden, wird auf den Bahnhöfen fast allgemein eine viel zu geringe Sorgfalt verwandt. Buttermilch, die in den Bahnhofswirtschaften vorschriftsmäßig stets geführt werden soll, fehlt wohl überall, obwohl sie als Kriegsgetränk die erste Rolle zu spielen berufen wäre; in diesem Sommer habe ich bisher an einigen fünfzig deutschen Bahnhöfen vergeblich um Butter- milch gebeten. Auch Vollmilch fehlt meistens, ist aber doch wenigstens auf größeren Bahnhöfen zu erlangen, wenn sie auch mehr Magermilch darstellt. Manche Wirtschaften bieten eine aus- gezeichnete Tasse Kaffee und halten auch für die Benutzer bestimmter Züge ein Kaffeebüfett bereit. Um so schlimmer ist es mit den anderen Plätzen bestellt; hier ergeht es dem Kaffeefreund ebenso arg wie dem Tee- oder Kakaoliebhaber: nach langem, langem Harren wird ihm ein ungenießbares, geschmackloses Zeug gereicht, dessen einziger Vorzug in dem Gehalt an heißem Wasser besteht. Es ist geradezu ein Jammer, daß in den Gasthäusern und Wirtschaften, welcher Art sie auch sein mögen, die bescheidene Kunst, warme Getränke herzustellen, nicht gepflegt wird. Man ist eben nur auf die Verabfolgung von Bier beim Personal, bei den Gefäßen, bei den Kühlräumen usw. ein- gerichtet und bettachtet die Verpflichtung, andere Getränke zu ver- abreichen und demgemäß auch herzurichten, als feindselige Störung des Bettiebes. Unter allen Umständen wird der Gast selbst da, wo die Behörde einen Einfluß auf die Preisgestaltung nimmt, für die Bestellung von Selterwasser, Tee usw. durch die Bezahlung unver- hältnismäßig hoher Preise gestraft. Darin liegt ein weiterer Grund für die Bevorzugung des Bieres. Nach jahrelangem Bemühen ist es gelungen, in den Bahn- hofswirlschafien für die 4. Klasse eine Tasse Kaffee ohne Milch und Zucker für 10 Pf. verabfolgen zu lassen. Damit war ein wirksamer Schritt zur Einschränkung des Biergenusses unternommen und den Massen eine große Wohltat erwiesen. Auf diesem Wege gilt es fort- zufahren. In der Hauptstraße der Halbmillionensta'dt Lodz, einem wahrhaft weltstädtischen Boulevard, wird ein Glas Sodawasser sauber und nett für 1 Kopeke, also für 2 Pf., ausgeschenkt, und unsere Feldgrauen nehmen in diesen schwülen Sommertagcn mit Freuden eine günstige Gelegenheit wahr, wie sie ihnen die Heimat leider nicht bietet. Von jeher steht in unseren Gastwirt- schaften der Preis für andere Getränke als Bier, warme wie kalte, in einem schreienden Mißverhältnis zu dem Materialwert, micv da, wo eine eigentliche Auftischung nicht erfolgt, z. B. in den aus manchen Bahnhöfen bestehenden Automat-Wirlschasten. Eine erheb- liche Preisermäßigung für alle solche Getränke würde sofort die gc bolene Einschränkung des Biergenusses und damit die Schonung der Gerste zur Folge haben. Dr. M. W. Kleines Leuilleton. Die Regenmenge in Noröüeutfchlanü. Für die Landwirtschaft wäre es von ganz besonderem Wert, zu wissen, welche Niederschlagsmengen und zu welchen Zeiten sie regel- mäßig zu erwarten sind. Die gesamte Arbeit in der Landwirtschaft leidet ja unter dem Risiko, das der Landwirt beständig läuft, daß z. B. die Heuernte verregnet oder die Körnerfrüchte aus Mangel an Regen einen schlechten Ertrag geben usw. Das Risiko könnte erheblich vermindert werden, wenn man wenigstens einigermaßen über die zu erwartenden Regenzeiten und Regenmengen Sicherheit hätte. Eine solche läßt sich natürlich nur auf Grund vieljähriger Beobachtungen erlangen. Das Königlich preußische meteorologische Institut hat schon im Jahre 1887 mit den Vorarbeiten für solche Untersuchungen be- gönnen. Es wurde ein Netz von Regenstationen über ganz Nord- deutschland errichtet, das bereits im Jahre 18g3 nicht weniger als Iggg Stationen zählte, deren Zahl seitdem sogar auf 2950 also fast 3000 gestiegen ist. Ueber die länger als 20 Jahre fortgesetzten Beob- achtungen, die in dem meteorologischen Institut beobachtet worden sind. bringt die„Naturwissenschaftliche Wochenschrift* einen kurzen Bericht. Danach lassen die Beobachtungen erkennen, daß die Jahresschwankungen der Regenmenge in Norddeutschland im allgemeinen von Osten nacv Westen abnehmen, von rund 12 Proz. in den Provinzen Posen und Schlesien bis auf 3.ö Proz. am Niedcrrhein und an der holländischen Grenze. Auch mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel nimmt die Schwankung rasch ab, was sich schon bei kleinen Erhebungen deutlich bemerkbar macht. In den höheren Gebirgen Westdeutschland- sinkt die Jahresschwankung bis auf 2 bis 3 Proz., so daß hier die Verteilung der Niederschläge auf die einzelnen Monate eine ziemlich gleichmäßige ist; dagegen ist die Schwankung auf der Leeseite der Gebirge besonders groß. Die mittlere jährliche Niederschlagshöhe für Norddeutschland mit Ausschluß deS Königreichs Sachsen beträgt 638 Millimeter. Am weitesten nach unten weicht hiervon die Provinz Posen mit einer Niederschlagsmenge von 609 Millimeter ab, nach oben die Provinz West- falen mit 807 Millimeter, die also die regenreichste preußische Pro vinz ist. Der regenreichste Ort liegt allerdings nicht in ihr, sondern im Harz, wo auf der 1140 Meter hohen Regenstation auf dem Brocken eine jährliche Niederschlagsmenge von 1700 Millimeter gemessen wird. Die Fortsetzung dieser Beobachtungen und ihre sorgfältige Be- arbeitung wird hoffentlich mit der Zeit dazu führen, schon zu Beginn des Jahres einen ungefähren Ueberblick über die in den einzelnen Gegenden zu erwartenden Regenmengen nach Umfang und Zeit zu erhalten und danach die landwirtschaftlichen Arbeiten einzu- richten._ Sommerhitze und Säuglingssterblichkeit. Der Zusammenhang zwischen der sommerlichen Hitze und der erhöhten Sterblichkeit der Säuglinge ist von den Aerzten keineswegs schon überaus lange anerkannt worden, wenigstens ist den Aerzten in früheren Jahrhunderten ein solcher Zusammenhang nicht aufgefallen. Wenn in Berlin z. B. die Säuglingssterblichkeit in den heißen Sommermonaten auf rund 700 steigt von rund 150 in den anderen Monaten des Jahres, so drängt sich die Tatsache eines Zusammenhanges wohl von selbst auf. In früheren Zeiten mag die Säuglingssterblichkeit im Sommer nicht den großen Umfang erreicht haben wie in den letzten Jahrzehnten in den großen Städten. Daß immerhin ein Zusammenhang, den die Aerzte nur nicht erkannt hatten, auch damals bestand, geht u. a. aus einer Erfahrung Gabriele von Bülows, der Tochter Wilhelm von Humboldts, hervor; ihr kleines Söhnchen war mitten im Hochsommer an einem hitzigen Fieber erkrankt, es lag tagelang bewußtlos und wurde von den Aerzten, deren Kunst vollständig am Ende war, aufgegeben. Die verzweifelte Mutter aber erkannte instinktiv wie Die Erweckung der Maria Carmen. SS) Von Ludwig Brinkmann. „Nun, einer Deiner edlen Landsleute hat sich einen Scherz mit mir erlaubt. Oder wollte sich unsterbliche Lor- beeren erringen, dadurch, daß er das Land von einem Ameri- kaner befreite; und um das Angenehme mit dem Nützlichen in seiner Ruhmestat zu verbinden, hat er meine Börse und mein Pferd als Andenken aufbewahren wollen— das ist alles! Er lauerte mir, als es dunkel war, im engen Tale auf und schoß mir aus listigem Hinterhalte eine Kugel in den Arm; wahrscheinlich hat er das Herz gemeint, aber es ist leichter zu schießen als zu treffen!" „Das hat Tozo getan!" sagte Marina mit tonloser Stimme. „Rache dafür, daß ich ihn entlassen? Doch ich kann es kaum glauben; er schien mir stets aus besserem Schrot und Korn als alle die anderen zu sein. Er haßt mich weidlich, ich weiß es; aber einen Mord— den bekommt er doch nicht fertig!" „Ja, ja— er tat es. Ich weiß es sicher. Er sagte mir, er wolle Euer Gnaden— ans Leben!" „Was sagst Tu?" Und sie erzählte mir schluchzend die kleine Geschichte. Es ist doch überall auf der Welt die gleiche Misere. Immer das Weib, natürlich! Tozo und Marina— Marina und Tozo. Er wurde eifersüchtig und begann mich zu hassen. Daher neulich die Arbeiterrevolte beim Wasserwerke, daher der tiefe Ingrimm, als er Marina in meinem Zimmer sah, während ich ihm seinen Lohn auszahlte. Und dann sagte ibm das Mädchen, daß es nichts mehr von ihm wissen wollte, und Tozo lief init seinem Schießgewehr in den Wald und lauerte mir auf. Lächerlich, im höchsten Maße lächerlich!— Ich, ein hochkultivierter Europäer, ein Minengrande von Taviche, in einen indianischen Dorf-Liebeshandel verwickelt und von so einem roten Othello im Busche fast er- schlagen.-- Mich erfüllte ein namenloser Ekel mit mir selbst, mit allem— und ich jagte Marina hinaus. „Schert Euch zum Teufel, alle miteinander, Ihr Lumpenpack!"— ___ Auf meinem Bette weinte ich aber. Nur nicht durch eine solche Lappalie zugrunde gehen, um alles in der Welt nur das nicht! Noch im Grabe würde ich mich schämen-- Ich fing an darüber nachzudenken, was nun zu tun sei. Aus dem Gebirge fliehen? Das Sicherste wäre es freilich. Und ein brennender Durst zu leben erfüllte mich. Tozo zu stellen war sicherlich nicht leicht. Den Gefallen würde er mir wohl nicht tun, sich von mir erwischen zu lassen. Solange er in diesen Bergen weilt, kann aus jedem Busche, aus jeder Felsenspalte mir die nächste Kugel, die diesmal ihr Ziel nicht verfehlen würde, in den Rücken gejagt werden. Und selbst wenn es gelänge, den Mordbuben unschädlich zu machen, wer weiß, ob nicht die Funken des Fremdenhasses auf alle meine Arbeiter, auf alle Leute hier in diesen Bergen bereits übergesprungen ist! Ich bin meines Lebens nicht mehr sicher. Nur in Frei- heit kann der Mensch etwas schaffen. Die bleiche Todes- furcht aber wird alle meine Schritte lähmen. Ein wirres Spiel wird all mein Wirken sein. Ich muß mein Werk ver- lassen. Welch ein jäher, tiefer Fall nach dem stolzen Aufschwünge des Tages, da Dickinson den Bund mit uns geschlossen, da unser Werk den sicheren Grund der Tüchtigkeit und der finanziellen Macht dieses Mannes gefunden, sich allen Stürmen trotzend darin zu verankern! Schutz? Nun, die Regierung wird keine Abteilung Guardias Rurales einem amerikanischen Landausbeuter. Saugigel zuliebe in diese weltentlegenen Berge legen. Soll ich mich wie ein Satrap mit einer Leibgarde umgeben? Wenn Stuart hier wäre! Wir beide zusammen würden das ganze Gebirge niederhalten; wenn es sein müßte, mit Blut und Schrecken! Aber er muß bei der Mine bleiben, und was bin ich allein? Soll ich mir Jos6 und noch ein paar andere kommen- lassen? Wahrscheinlich würde die Meuterei, der Geist der Rebellion, die Mordlust auch auf diese ansteckend wirken!— . Wie richtig war mir doch das Unglück prophezeit worden, als ich zum ersten Male allein ins Gebirge zog. Ich lachte damals, aber nun ist es Wahrheit, zum Teil wenigstens Wirk- lichkeit geworden. Ward hat recht behalten! Gescheitert! Und woran?— an einem kleinen in- dianischen Mädchen! Der Fluch der Lächerlichkeit wird mir mein ganzes Leben anhaften. Es scheint so unser Geschick zu sein! Das Weib! Ich muß an Stuart denken; Fast hätte das Weib uns die Mine gekostet! Doch er ist aus anderem Stoffe als ich gemacht; seine Athletennatur hat die Schwierigkeiten, die ihm ge, worden, überwunden, seine Kraft hat sich der hinabrollenk;- Lawine, die uns alle zu begraben drohte, cntgcgengestcmmt. ist ein Wall gewesen gegen den Untergang, hat uns beschützt und errettet. Aber ich? Ich bin eben zu schwach zu so großem Werke!— Mein Arm bereitete mir große Schmerzen; es brannte in der Wunde wie Feuer; Fieber durchschüttelte meine schweißbedeckten Glieder. Gespenster ängstigten mich; ich sah den Arm vom Wundbrande verzehrt; es war mir als stünde der qualvolle Tod bereits in meinem Gemache, langsam, langsam auf mich hinzuschreitend-- Jetzt fiel mir die Heimat wieder ein, die ich längst überwunden zu haben glaubte. Warum nur habe ich sie verlassen, was hatte mich hinausgetrieben? Ein Hang zum Abenteuern, das war doch schließlich alles. Das habe ich nun davon. Da liege ich im äußersten Winkel der Welt, von allen aufgegeben, auf dem rauhen Lager, krümme mich im Wundfieber, und niemand ist da, mir zu helfen! Das wäre dort drüben über dem Wasser anders gewesen; da hätten mich treue Hände liebevoll gepflegt; dort hätte ich nicht so schmählich zugrunde zu gehen brauchen. Bilder der Heimat umgaukeln mich; ich strecke meine Hände aus sie zu fassen, doch sie verwehen im Leeren! Es scheint mir, als winke sie noch zum Abschiede wie damals. als ich dem gewaltigen Drange zu wandern folgte, winke noch einmal grüßend nach mir und entschwinde— und mich starren die kahlen getünchten Wände meines Gemaches höhnisch an.— Der frische Hauch des Morgens hat mich geweckt. Ich schaudere— aber ich fühle mich doch gestärkt. Heller Sonnenglanz dringt von außen herein. Friedlich dehnt sich die Reihe der Hütten mit den buschigen Strohdächern vordem Fenster aus, und die Männer und Weiber gehen auf der Straße ihren Beschäftigungen nach. Das sieht so fricd- lich, so alltäglich aus--- Hat mich denn nur ein banger Traum geneckt? Ach nein: ein brennender Schmerz wühlt in meinem Arme. Per- fluchte, falsche Brut! Marina muß gehört haben, daß ich im Zimmer aus- und abging. Sie bringt mir mein gewohntes Frühstück. Und ich fühle, daß ich Hunger habe; es scheint, daß es diesnial noch nicht zum Sterben geht; das Leben hat mich, ich habe das Leben wieder. Wenn mir nur nicht ein gar so grimmer Haß im Herzen .brennte——.(Forts, folgt.), fnird� Eingebung den Zus 0, Schreibtische, Büfetts, Gelegenheitskäufe!!* Nußbaum!!! Kleiderschränke, Vertikos, Gardcrobcnschränkc, sarbige Küchen, alles enorm billig. Möbel- Haus Osten, Gelegenheitskäufe, An- dreaSstraßc 30. Nur im Kriege diese Preise, nie wiederkehrend. Kleiderspind. 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L�rantwortlicher Retzafteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den Jnferatenteil vercmtto.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VertagsanstaU Paul Singer& Co, Berlin SW.