Nr. 168.- 1915. Deutfthe unö Flamen. Das Amsterdamer„Algemeen Handelsblad" bringt nachfolgen- den, von seinem flandrischen Berichterstatter stammenden Artikel über das gute Verhältnis, das zwischen der flämischen Bevölkerung und den deutschen Soldaten hinter der flandrischen Front herrscht. Wie immer, geht es beim„Handelsblad" nicht ohne einige Seiten- hiebe auf die Deutschen ab, aber diesmal hat der Berichterstatter — scheinbar ohne es zu merken �— sich in seine eigenen Wider- spräche verwickelt, so daß man die Bemerkungen, die er macht, nicht erst zu widerlegen braucht. Nichtsdestoweniger wollen wir des Interesses halber diesen Artikel in deutscher Uebcrsetzung hier mitteilen: Hinter der flandrischen Front wohnt eine sehr friedliebende und freundliche Bevölkerung; Menschen, die sehr an ihrem Geburts- ort hängen, und die nur im äußersten Notfall ihn verlassen wollen, so daß der größte Teil trotz der Besetzung verblieben ist. Ledig- lich die Dörfer, die andauernd beschossen werden, sind teilweise cnt- völkert. Die Bevölkerung bat etwas Gutmütiges an sich und gibt sich unbestreitbar nur als flämischer Stamm. Nun ist wohl merk- würdig zu hören, wie gut das Verhältnis zwischen Flamen und Deutschen ist. Nicht etwa, daß der erstere seine Würde fortwirst, um den Sieger als Freund zu behandeln und nach seinem Sinne zu leben. Aber das Verhältnis trägt auch nicht das Kennzeichen von Feindschaft, sondern von reiner Menschlichkeit. Ein großer Teil des deutschen Heeres ist hinter der Front bei den Bauern auf den Dörfern einquartiert, so daß allmählich zwischen den einquartierten Deutschen und der flämischen Bevölke- rung ein kameradschaftlicher Verkehr entstanden ist. Die letzteren freuen sich, wenn ein deutscher Soldat unverletzt von der Front zurückkehrt, und umgekehrt sind sie sehr traurig, wenn einer nicht zurückgekehrt oder gefallen ist. Ebenso, wenn die deutschen Sol- baten wieder nach der Front zurückmüssen, herrscht eine allgemeine traurige Stimmung. Man nimmt Abschied voneinander, und oft blinkt eine Träne im Auge einer Mutter, die möglicherweise an ihren Sohn an der anderen Seite der Lausgräben denkt, einer Frau, deren Gedanken zu ihrem Gatten, dem Vater ihrer Kinder, eilen, der so nahe, so nahe da ist und doch so unerreichbar lPit.... In echter Naivität gab jüngst solch eine Frau einem deutschen Soldaten einen Brief mit, als er nach der Front zurückging:„Wenn Sie meinen Mann sehen, händigen Sie ihm doch diesen Brief ein", war ihre Bitte. Viele denken denn auch, daß eigentlich zwischen den beiden Kampflinien eine Art Briefverkehr besteht, denn fast immer werden die deutschen Soldaten ersucht, Briefe für Upern mitzunehmen. Treffend und bezeichnend war die Begegnung, die vor einigen Tagen ein deutscher Soldat mit einem flandrischen Mädchen hatte. Das artige Kind kam mit vertrauenden Blicken zu einem Soldaten, von dem es wußte, daß er bald nach der Front zurück- gehe.„Ach, Herr Soldat, ich komme Euch zu fragen, ob Ihr mir einen großen Gefallen tun wollt."—„Gewiß, mein Kind," war die steundliche Antwort.—„Nun, so nehmt diese Apfelsine von mir an, und ich will Euch morgen sagen, was ich von Euch begehre." Am folgenden Morgen kommt die Kleine zurück. In ihrer Hand trägt sie ein kleines Päckchen, das sie mit bebenden Fingern vor- sichtig öffnet. Es lagen zwei Bilder darin.„Von meinem Vater und von meinem Bruder," sagte die Kleine.„Sie sind beide im Krieg. Ach, Herr Soldat, betrachtet sie Euch gut, daß Ihr sie kennt. Wenn Ihr nun in den Krieg zieht, werdet Ihr sie da nicht totschießen?... Man muß wohl ein Herz von Stein haben, um von diesem rühren- den Vertrauen, dieser innigen Naivität nicht betroffen zu sein. Es ist kein Wunder, daß der deutsche Soldat sich in jener Gegend wie zu Hause fühlt. Einer, der zu Beginn des Krieges im Westen von Metz war, und zwar sowohl aus deutschem, wie auf französisch gesinnten Gebiete, erzählte, je mehr er nach Westen gekommen wäre, um so besser hätte er es gefunden, so daß er zu guter Letzt in der Nähe von Dixmuiden angekommen, dort eine Bevölkerung angetroffen habe, mit der man auf die angenehmste Weise aus- kommen könne. Ganz nahe bei der Front können die deutschen Soldaten ohne Waffen ruhig spazieren gehen und sich von einem GeHöst zum anderen begeben. Hier und da werden sogar Freund- schaftcn geschlossen, und mancher deutsche Landwehrmann ist von seinem flämischen Gastherrn gebeten worden, nach dem Kriege bei ihm einzukehren. Es entbehrt auch nicht eines gewissen HumorZ, daß die deutschen Behörden knapp hinter der Front es sich angelegen sein lassen, den Gang aller Tinge bis ins kleinste zu regeln. Es ist, als ob das Leben, trotz des einige Kilometer entfernt wütenden Kampfes seinen gewohnten Gang ruhig weitergehe. Die Deutschen regeln alles. Die Cafes und Wirtschaften zum Beispiel sind in verschiedene Unterhaltungsblatt ües vorwärts Sovutag, 25. loß. Gruppen eingeteilt und dürfen abwechselnd geöffnet sein. Den einen Monat die eine, den folgenden Monat die andere Gruppe. Das mag wohl für den Flamen, der an seinen Stammtisch ge- wöhnt ist, etwas unangenehm sein, verkehrt ist es jedoch nicht. Außerdem dürfte Wohl mit den Cafes etwas aufgeräumt werden im Lande. Für die Hygiene wird viel getan. Ueberall sieht man An- schlüge, daß Straßen und Gehsteige sauber gehalten und regelmäßig gereinigt werden müssen, und das sind für manche Flamen unge- wohnte Dinge. Ordnung und Sauberkeit können sie wohl von den Deutschen lernen, obschon die deutschen Soldaten nicht immer mit dem besten Beispiel vorangehen. Im allgemeinen klagt nämlich die flandrische Hausmutter üher die Nachlässigkeit und Unordnung der Deutschen. Es hat den Anschein, als ob er sich in einem be- siegten Lande nicht daran zu stören brauche, und gerade das ist wohl auch eine der hauptsächlichsten Beschwerden gegen die Eroberer. Nächst ihrer großen Eßlust stößt man sich an ihrem ungenierten Auftreten. Oft hört man die Klage:„Und das ist das Volk, das uns Sauberkeit lehren will?" Aber alles dies schließt nicht aus, daß es Sauberkeit und Ord- nung lehrt. Die Deutschen treten als Lehrmeister auf, nun ja, sie waren stets Lehrmeister, die sagten:„Handle nach meinen Worten, aber nicht nach meinen Werken." In der Tat, ihre Worte sind gut. Noch eine Besonderheit als Beweis dafür, wie weit ihre Sorgen sich erstrecken: In den verschiedenen Dörfern ist nämlich ein Plakat angeklebt, laut dem die unter 16 Jahren alte Jugend, die rauchend angetroffen wird, mit Verhaftung zu rechnen habe. Das frühe Rauchen und Trinken der flämischen Jugend verdient schließlich auch einige Unterdrückung. So verträgt sich man sich mit den Deutschen und duldet sie, hier und da mit persönlicher Sympathie. Aber immerhin, die meisten Bewohner Westflanderns würden sie mit Freude von danncn ziehen sehen, denn dann ist Friede. kleines Zeuilieton. Ein neues Drama von Sigurüjonffon. Das junge isländische Drama wächst. Von Johan Sigurd- jonsson, dessen Drama„Berg-Ehvind und sein Weib" auch bei uns in Deutschland Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hat, ist soeben im Kopenhagener Verlag von Gyldendal ein neues Bühnenwerk erschienen, ein dreiaktiges Schauspiel, das den Titel „W ü n s ch e" führft und sich als eine ganz merkwürdige Schöpfung darstellt. Das Stück behandelt in freier Weise einen alten is- ländischen Sagenstoff. Sein Held heißt Loftur. Das ist ein junger Mann, Sohn des reichen Verwalters des Bischofshofes, der sich aus den geistlichen Stand vorbereitet. Allein sein Geist schweift weiter, sein Ehrgeiz geht höher; sein Ziel ist kein geringeres, als die Pforte zum Unbekannten zu finden und die Schwelle des Dun- kels zu überschreiten. Seine Wünsche sind groß, grenzenlos, und er glaubt an die Macht des Wunsches über Leben und Tod:„Im Anfange war der Wunsch, die Wünsche sind die Seele des Men- schen." Loftur hat ein Verhältnis zu einem der Hofmädchen ge- habt; ihr Name ist Steinunn. Damals glaubte er sie zu lieben, aber der Wahn ist längst verflogen, und ihre Anwesenheit ist ihm nur eine tägliche Gewissensqual. Da komnit Galdur, die Bischofs- tochter, heim. Sie war in Kindertagen Lofturs Gespielin; sie hat Sonnenschein in ihren Augen und in ihrem hellen Haar. Der erste Akt des Stückes schließt mit einer überaus wirkungsvollen Szene: wie die beiden Jungen sich auf den Zauberteppich ihrer Kindhcitserinnernngen stellen und sich miteinander in das Reich der Dichtung und der Phantasie wcgträumen. Von diesem Augen- »blicke an weiß Loftur, daß Galdur allein es ist, die er liebt, und daß er nur mit ihrer Hilfe das Böse überwinden kann. Aber Steinunn will nicht freiwillig weichen. Es folgt eine Szene, die das Gegenstück zu jenem Schlußteil des ersten Aktes bildet, eine düstere und wilde Szene, in der die verlassene Geliebte für sich und für das Kind, das sie erwartet, ihr Recht fordert. Sic spricht Worte der Angst, der Sorge, des Hasses und der Rache... alles umsonst. Und da greift denn Loftur zu dem äußersten Mittel, das er aus seinen schwarzen Büchern kennt. Hier stößt man auf den alten Sagcnkern: Loftur beugt sich zur Erde und ruft aus aller Kraft den da unten wohnenden bösen Geist auf. Er gelobt ihm seine Seele, wenn Steinunn in den Tod muß. Und es ge- schielst, wie er will. In ihrer Verzweiflung geht Steinunn in den Fluß.(Man bemerkt den Anklang an die Vorgeschichte von Ibsens „Rosmersholm", wo Beate gleichfalls durch den bloßen Willen Rebekkas in den Tod getrieben wird.) Von diesem Augenblicke an vermag Loftur keinen Frieden mehr zu finden. Es war sein Wunsch, der Steinunn getötet hat. Sein Wunsch war in ihrem Fuße, da sie zum Flusse rannte, sein Wunsch in dem Strome, als er das Mädchen mit sich fortriß. Das Schicksal, das er beschworen, wächst ihm über deq Kopf; das Licht seines Verstandes erlischt, und er stirbt vor Entsetzen über seine eigene Tat. Das ist der Inhalt des„Wunsches" von Sigurdjonsson._ v Die rückwärtigen verbinöungen. Das Durchbrechen der russischen Linien bei Krasnosiaw bedroht die Verbindungen der Moskowiter in geradezu unheimlicher Weise. Hiudenburg geht im Verein mit Mackensen gegen die Nabelschnur des russischen Heeres vor. Nikolai Pikolajewitsch kann von Glück sagen, wenn er sich diesen Operationen zu entziehen vermag. In der gegenwärtigen Zeit hat die Empfindlichkeit des Armeerückens nämlich ganz erheblich zugenommen, da die Heere wieder von der Magazinverpflegung usw. abhängig sind. Dadurch ist die. Wichtigkeit der rückwärtigen Verbindungen insonderheit in die Er» schcinung getreten. Die sklavische Abhängigkeil von der Basis und die ungewöhnliche Empfindlichkeit der Verbindungen mit derselben machen den Rücken der Millionenheere zu einer der aller- empfindlichsten Stellen. Derjenige, der sich auf hje Verbindungen des Gegners wirft, hat den Vorteils daß er gewissermaßen nicht auf die Schärfe, sondern auf die Rückseite des feindlicheis Schwertes trifft, da sich von Haus aus die empfindlichsten Teile in dieser Richtung befinden._.. Die Operation in den Rücken de? Feinde? ist also em in der Natur der Dinge begründeter, deshalb alleweil wahrer Leitsatz. Freilich, es darf dabei nicht übersehen werden, daß die Wirkung der strategischen Absicht erst dann zur Geltung gelangt, wenn man nach erreichter Verbindungslinie des Gegners die Schlacht mit diesem sucht, die das strategische Mänöver krönen und wirksam machen soll. Falls es gelingt, den Feind von den Straßen abzudrängen, die die Verbindung seiner Truppen mit den Magazinen und Eisenbahn- punkten aufrechterhalten sollen, muß für diesen eine überaus schwierige Lage entstehen, die gar leicht eine gänzliche Demoralisation und Desorganisation seiner Streitkräfte mit sich zu bringen vermag. Der Gegner verliert einmal den Zusammenhang mit seinen VerpflegungS- und Munitionsreserven, in anderer Beziehung geht ihm die Mög» lichkeit verloren, de» Raum, den er behaupten soll, unmittelbar zu decken. Ja. er kann in solcher Lage sogar zur Kapitulation ge- zwungen werden. Gelingt dies unseren Ostarmeen, jo wäre der Erfolg riesengroß. Die glänzendsten Osxrationen gegen die rückwärtig«, Verbindungen des Gegners hat bislang Napoleon I. durchgeführt. Im April 186!) standen die Oestsrreicher siegreich am Bar und vor Genua, bis wohin sie die französische Armee von Italien zurück- geworfen hatten. Das hinter ihnen liegende Land hielten sie schwach besetzt. Allem Anscheine nach war von dorther keine Gefahr zu er» warten. Auch wurden die Alpen als ausreichender Schutz für die durch Oberitalien nach der Heimat führenden Wege gehalten. Allein Bonaparte hatte die sogenannte Reservearmee verschleiernd in die Schweiz vorgeschoben und am Nordsilße!�es Gebirges der- sammelt. Von da aus überschritt er im Mai den St. Bernhard und brach aus dem Gebirge vor, geradenwegs in den Rücken der feindlichen Armee, die dadurch verloren war. Fünf Jahre darauf erschien Napoleon überraschend im Rücken Macks, der beiflllm stand. Der Korse vollführte eine völlige Rechtsschwenkung und stellte sich quer über die feindlichen Verbindungen. Mack mußte kapitulieren. Napoleons Operation hatte sich folgerichtig aus dem Vormarsch von der Rhein- und Mainlinie entwickelt. Notize«. — Sammelstellen zur Verteilung von Lese st off für die Soldaten gibt es in Deutschland jetzt 56. Die Zentralstelle, Berlin XW 7, Neichslagsgebäude, gibt auf Wunsch die nächstgelegene Sammelstelle an und übersendet Freifrachtzettel. — Das Korsett als Banngut. Der größte Korsett- Händler Hollands stößt in dem Fachbktft„Der Kqpfektionär" Klagerufe darüber aus, wie schwer es ihm wcrdc,jcnen angeblich unentbchr- lichen Teil der weiblichen Kleidung aus dem gelobten Korscttlande. zu beziehen. Die Ausfuhr von Korsetten aus Frankreich nach�neu- trglen Ländern ist nämlich verboten. Sie wird nur in dem Falle bewilligt, wenn die Ware für den niederländischen Einfuhrtrust bestimmt ist. Das Korsett wird also als Banngut behandelt, an dessen Bezug die Deutschen verhindert werden müssen. Die dcut- schon Korscttcrzeuger schicken ihre Produkte dagegen nach wie vor fleißig nach Holland. Die Crweckung öer Maria Carmen. Lgj Von Ludwig Brinkmann. Und nun hat Powell das Heft in Händen! Fünf von den sieben Stimmen sind sein; was sollen Stuart und ich dagegen machen! Er wird uns umbringen mit dein Messer, dem wir auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind.... Es ist doch eine herrliche Sache um die Nücksichtslosigkeit. Kaum hat er das Telegramm von Wards Tode erhalte», als er den Vater um das Erbteil des Sohnes anging, dessen Grab sich noch nicht einmal geschlossen. Und ein paar Tage später machte er sich auf, der verlassenen Braut das Erbe für ein Spottgcld abzujagen. Doch der Erfolg ist auf seiner Seite! das entschuldigt alles! Wenn cS auch nicht gar so schwer war, uns allzu Gefühlsselige zu übermmpeln, es ist ihm doch ge- lungcn! Warum dachten wir auch daran, den Freund zu bc- statten und die Mine zu retten, anstatt uns auf die Bahn zn setzen, mit fünftausend Pesos in der Tasche, und dem uner- fahrencn Mädchen in Chicago das bedeutsame Dokument ab- zulisten? Sentimentalität gehört nicht in das Silbergcschäft von Südnicriko! Und auch Du, Stuart, in Sentimentalitäten befangen, gefangen? Ich dachte sonst immer, das wäre allein mein Unglück— aber auch Tu? Liegst auch wieder in Netzen ver- strickt, ein gefangener Löwe, der sich brüllend zu befreien sucht und es nicht kann? Willst die Stricke zerreißen, die Dich binden, indem Du die schlverste Katastrophe heraufbeschwörst? Wie verworren ist doch das Leben. Wer findet sich jcinals darin zurecht? Ich gewiß nicht! Und ich gebe es auf, noch viel darüber nachzudenken.— Es war fast Mitternacht, als ich am Minenhause ankam. Stuart hatte mich erwartet; er half mir vom Pferde, und wir sanken uns in die Arme... Wir hatten uns vieles zu erzählen, bis zum Morgen- grauen. Jane Dickinson war eines Nachmittags auf den Hof ge- kommen und hatte chn zu einem Ritte aufgefordert. Und er sollte mit ihr nach Stadt Mexiko fahren. Stuart erwiderte, das könnte dann nur für immer sein. Und sie erwiderte: „Es sei denn für immer!" Muß ich alles im einzelnen sagen? Ich fürchte in der Erbitterung meines Herzens doch die rechten Worte nicht finden zu können! Powell ist also gekommen, zusammen mit den beiden Herren Morgan und Harris. Wir hatten Pferde nach Ocotlan geschickt, und um Mittag trafen sie im Minenhause ein. Weder Stuart noch ich sind ihnen entgegengeritten— und es war auch besser so. Aus diese Weise ist von vornherein der Kriegszustand klar und eindeutig gewesen. Der erste Tag verlief aber noch im Frieden. Powell stellte uns Herrn Harris als den Nachfolger von Ward vor; um meine und Stuarts Genehinigung iimrdc errst gar nicht gefragt, was ja nun auch nicht mehr nötig war. Wir wun- dertcn uns nur über die Stirn des Mannes, ganz ohne ein erklärendes Wort so autokratisch zu Verfahren, da wir doch offiziell nichts davon wußten, daß er der Inhaber von Wards Anteilen war. Oder war sich der Listenreiche ebensogut bc- wüßt wie wir, daß wir dasselbe versucht und �ur zu spät gckonuuen waren? Dann gingen wir die Bücher durch. Seit den Tagen von Wards letzter, schwerer Krankheit waren sie nicht gerade glänzend geführt, ich gebe es zu; aber für jeden Centavo, der ausgegeben, war der Beleg vorhanden, und das genügte. Harris vertiefte sich in die Papiere und addierte und subtra- hierte, aber es stimmte alles. „Die ersten anderthalb Jahre haben sehr, sehr viel Geld gekostet," murinclte Powhll.„Unser Kapital ist aufgezehrt bis auf den letzten Heller!" Wir aber zuckten nur mit den Achseln. „Das ist noch gar nichts," sagte Stuart.„In diesem Jahre werden wir 300 000 Pesos in die Mine stecken müssen— oder es wird nichts daraus!" Powell bat um Erläuterungen; wir brachten die mit Dickinson vor einigen Wochen besprochenen Projekte und Zahlen zum Vorschein, und seltsamerweise hatte der Texaner nicht viel dagegen einzuwenden, sondern nickte meist zu- stimmend. „Schen Sie, Harris," sagte er,„es stimmt ungefähr mit meinen Berechnungen überein. Es wird mindestens soviel kosten!" Den Abend verbrachten wir fünf Männer bei der Lampe in unserem kleinen Bureau. Es wurde die ganze Geschäfts- läge bis ins einzelne, die geologischen und maschinellen Ver- Hältnisse der Maria Carmen, des Matador, vor allen Dingen auch der Stand der Arbeiten am Wasserwerke im Gebirge, noch einmal besprochen. Dabei fiel Stuart und mir auf, mit wel- chcm Feuereifer sich Herr Morgan, den Powell al�einen Freund und Reisegefährten bei uns eingeführt hatte, in die Verhandlungen mischte.— Am nächsten Morgen wollte Powell die Mine sehen, und Stuart führte ihn in das Werk. Morgan ging mit;»ich fühlte, daß John diese Begleitung nicht zusagte, aber aus Höflichkeit machte er keine Einweudungcy. Den besten Teil des Vormittags blieben sie im Berge: ich selbst bin nicht mitgegangen, sondern habe die Zeit ziemlich untätig niit Harris im Garten zugebracht. Jchftragte den jungen Mann, wann er seine Arbeit anzufangen gedächte, und War überrascht zu hören, daß er gleich hier bliebe; sein Koffer stände schon in Ocotlan auf dem Bahnhofe/ Augen- scheinlich war Powell kein Freund von Weitläufigkeiten. Sonst war nur das Geschwätz des Herrn aus Philadelphia nicht sonderlich unterhaltend, zumal er in namenloser Verehrung vor seines Meisters Finanzgenie zu zerfließen schien. Dann kamen Powell und Morgan zurück und stellten das ganze Mincnhaus bei der großen Reinigung vom Schinutze des Berges ans� den Kopf. Und bei Tisch begann das erste kriegerische Geplänkel. Josä hatte gekocht; mein Gaumen war wahrlich nicht ver- wöhnt, aber ich konnte das Zeug selbst nicht verschlingen. Ein steinharter Eierkuchen mit Zwiebeln, Knoblauch und Schichten von Paprika durchsetzt. Genießbar von dem ganzen Menu war überhaupt nur das Brot und die Melonen. „Sonst nahmen Sie sich der Küche an," sagte Powell mit einem bösen Blicke zu mir. »Ja,— wenn ich nicht im Gebirge und auch sonst frei war!" „Und heute?" „Heute interessierte mich mehr der Garten, dem wir übrigens diese köstlichen Melonen verdanken!" Nach Tisch vertieften sich Powell. Morgan und Stuart in ein geologisches Gespräch; für maschinentechnischc Fragen wurde auch ich in die Unterhaltung gezogen. Schließlich er- tlärte Powell: „Ich möchte� nach Taviche, für den Nachmittag. Herr Morgan, haben Sie die Güte mich zu begleiten. Und Sie"— das galt mir—„richten sich für eine zwei- oder dreitägige Fahrt in das Gebirge ein; ich möchte mit Herrn Morgan das Wasserwerk sehen; bei Morgengrauen wollen wir aus- brechen!" Mir stieg das Blut in den Kopf, doch ich bemeisterte meinen Zorn und wurde ein wenig ironisch. (Forts, folgt.) Theater für Sonntag, den 25. Juli. Deutsches Kflnsfler-Theater. sv4 u.: Die Schöne vom Strand. Deutsches Opernhaus Charloltbg. s Ohr. Der Beltelsludent. Friedrlch-Wilhelmstädt. Thester. S'/jUhr:.Tlaria Stuart. 8'.?.- Kyrilz-Pyrilz. Kleines Theater. cv.a; Ein kostbares Leben. Kessta Spottbillig« Ausnahme- preise I Große Posten mit N-inen ftarbsthlern, seht 4,75, 6,75, 10,60, 16,50 usw. Bettvorleger, Läuserreste alletbilligst. Wols» Teppichhon«. DreSdenerslr. 8(Koilbtilertor). Abon- «enten 10 Proz. Rabatt. 26K* Zirka 50 000 Sch lasdeck««»» Ge- legenheltZPosten, von 0,86—3.76 Mark. Dutzendweise Rabatt. Teppichhau« Emil Lefevre, nur Oranienstraß« 168.* Monatsanzüge und Sommer- Paletots von B Mark sowie Hofen von 1,50, Gehrockanzüge von 12,00, strack» von 2,50, sowie für korpulente Figuren. Nene Garderobe zu staunend billigen Preisen, auZ Psandleiben ver- sallene Sachen kauft man am billigsten bei Naß, Mulackstraße 14.• M onatsanzüge, Paletots, Lager spottbillig. tbalersiraße 10. 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