Nr. 170.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Mitwoch, 28. Juli. 3n öer Lebenskammer öes Korns. Mit unerbittlichen Feuern flammt Morgen fiir Morgen das lebenspendende Gestirn über dem wogenden Kranz der Aehrenweiten aus dein Horizont. Da sinkt es eines Abends in bleiblauem Wolkenchaos unter in einem Vulkan, der Donner und Blitzschlangen spuckr. Glatt liegt das Getreide am anderen Morgen am Boden— — wie hingemäht... Ueber die roten Geranien seines Fensterbretts guckt der greise Bauer mit niedergezogenen Borstenbrauen... aber bald hat er dock wieder die Pfeife an dem letzten.Reiszzahn" in der Mundecke: die Halme sind ja noch grün... und grün ist die Hoffnung! Ja, das ganze Gewimmel von Halmen ist nach zwei Tagen schon wieder aufgestanden, aber Zwerge sind's geworden! Ich be- schau's mir. In den Boden gerutscht sind sie nicht. Aber wie Beter in der Not knien sie, knien mit geknickten Gelenken. Hier in den Gelenken, da ist der schwache Halm ein Riese und ein Weiser. Hier in dieser Zone baut er Nacht für Nacht viele hundert Zellen in das schwankende Gebäu seiner dünnen Röhre; hier ist er so schwach zugleich wie ein Neugeborenes, das haltlos in den Gelenken umsinkt. Aber er preßt etwas wie einen Gerade- Halter um die Zartheit seiner lebenschaffenden nächtlichen Werkstatt; die starre, grüne Blattscheide, die wie die Messing- hülse am Bruch der Schirmstange wirkt. Und so kann er unbesorgt, daß ihn die Blitzschlangen und Sturmschnanber in der Gewitternacht ineinander knicken könnten, ruhig in seiner Werkstatt arbeiten, in der „interkalaren Vegetationszone", wie der zünftige Botaniker sagt. Nun, der Urmeister hierdrin ist ein Hypermoderner, ein Künstler der Arbeitsteilung, ein Baumeister sondergleichen: er hat schon das Dach auf dem Haus, da baut er noch neue Zimmer und neue Pfeiler fast zur ebenen Erde, im ersten Stock, im zweiten Stock. Ueberall. Die Aehre schwankt schon hoch im Licht dem Reifen der Glulsonne entgegen, da wirkt noch unermüdlich der nächtliche Ar- beiter, sie noch höher aus dem Zitterbau des Halmes ins warme Strahlen des Gestirnes emporzutragen. Unermüdlich: denn er hat nur ein paar heiße Sommermonate zum Schaffen. Das kleine atmende Korn würde vergebens die Kammer seiner Lebenswunder erschlossen haben, wenn die Aehre erst gebaut werden sollte, da der Halm fertig wäre. Das kleine almende Korn ist mit mir verwandt, mit dem Vor- nehmsten der Erde. Es atmet wie ich, wenn auch nicht mit stürmisch auf- und niederschwellender Brust. Ein kleinwinziges Erdenwesen, ein weitläufiger Verwandter von uns, mag uns als Wegweiser dienen. Ein winziger Wassertrampler, fast noch kleiner als das graue Gerstenkorrr. Er trampelt in unseren Tümpeln aus eineni Wasscrtropsen in den anderen, wenn unsere Pipette hinter ihn gerät. Copepode nennt er sich mystisch, wenn er humoristisch mitteilsam gelaunt ist:„Rilderfüßer", Er ist nicht so schwerfällig, durch besondere Lungen zu atmen: einfach durch die ganze krislallhelle Panzerung seiner zierlichen Existenz atmet er, durch einen Panzer, der dünner ist als«die Kiemenhaut größerer Krebie". Das tote Gerstenkorn sollte so atmen? Die Glaskuppel vor mir, unter der kein Atem mehr durchkriechen kann, da sie auf öligem Gummi klebt, beweist es I Ein Licht brennt in ihrem gläsern blitzenden Gewölbe— feierlich still, unregsam, wie hoch am Altar in der Morgenfrühe. Mehrere Stunden flammt es so feierlich— dann auf halbem weißen Stumpf wird es plötzlich fahl, müde, klein, zuckt, flattert, wie ein nach Lust haschender Vogel, und erstickt, ver- glimmt. Die Gerste liegt währenddessen schon im Wasier— einige Hand voll— um sie etwas quellen zu lassen, daß ihr Atem etwas ficht- barer werde für unsere stumpfen Maulwurfsaugen. Eine neue Kerze ragt unter dem Kristall der Kuppel. Die Körner liegen ringsherum auf dem Boden: wie ein altrömisches Zeresopfer. Noch kein Viertel des bleichen Schaftes ist von der gelben Flammenzunge ver- zehrt, da sinkt sie schon nieder, wie die Flagge am Mast des Lebens. Die Luft ist tot im Innern: der Sauerstoff, das Lebenselixir ver» schluckt— schon auf dem ersten Viertel: Die Gctreidekörner haben es verzehrt. In einem verrosteten, ausrangierten Vogelkorb quäkt ein Sommerspatz in meinem Gartcnzimmer, und eine Maus ist sein nicht alltäglicher Gesellschafter. Beide hinein, mit unter die Kuppel— und die Kerze wieder angezündet! Der Spatz guckt ängstlich nach der Flamme hinauf und quetscht sich gegen den geölten Gummiring unten. Die Maus knabbert an der Gerste, dann am Stearin, ganz gemütlich, schnuppert mal nach dem Leuchten hinauf, blinzelt mit den klugen Augstippchen. Der Spatz hockt auch bald behaglich bei der Gerste. Plötzlich werden sie unruhig, rennen um- her. Plötzlich, wie auf Konunando— beide! Die Maus will am Glas enipor, rast das Häufchen Gerstenkorn durcheinander. Der Spatz fliegt gegen die Scheibe an. Er wird mir meine kostbare Kuppel zerschmettern. Mit entsetzenerregender Angst rasen sie zuletzt durcheinander, Spatz und Maus, die Flamme oben inacht ein Frage- zeichen, kümmerlich, müde. Der Spatz Höcht mit offenem Schnabel, er liegt vornüber, wie sterbend, die Augen quellen ihm heraus— ich Halts nicht mehr aus, ich reiße die kristallene Todeskammer empor.... Ein lebendiges Wunderwerk, ein mit Atem begabtes, ist jedes Körnchen. Der wahnsinnig vergrößerte Durchschnitt eines Weizen- korns. im Umfang etwa eines durchschnittenen Brötchens, gibt auf der Mikrophotographie mit den unglaublich feinen Verzweigungen des Maschenwerks von Linien, die die durchschnittenen Zellwände be- zeichnen, mit den leitenden Kanälen, die sich durch diese wieder hin- ziehen, mit den besonderen Zellen für Referveeiweiß, mit den Stock- werken von Zellen in der Kleberschicht und endlich mit der Frucht» und Samenschale. Eine schauervolle Ahnung, welches Lebens- Mysterium in der engen Kammer eines kleinen GetreidekornS schlummert. Dringen wir nicht mit unserem Geist in den Kern deS Kernes, mit den viel plumperen mechanischen maschinellen Verfeinerungen unserer Mahlvorrichtungen, schälen wir den Kern des Kernes heraus, die Seele des MehleS, den stäubenden LebenShauch. Wir sondieren Kleie und drei, vier verschiedene, verschieden feine Mehlsorten auS ein und dem gleichen Korn, aber wir bekommen schlechte Zähne, schlechte Nerven dabei. Ich stehe im Museum in der Jnvalidenstraße. habe einen Jahr- taufende alten Menschenschädcl vor mir. Dies Prunkgebiß I Diese Klarheit, diese elfenbeinerne Sauberkeit, diese Unverlctzthcit I Und die Kiefer?— halb zerfallen— halb weg! Zweifellos: dieser Urvater der Menschen hat keinen klappernden chikanenreichen Mahl» kästen gekannt, hat jenes Seidentuch nicht gekannt, durch das die Seele des Mehles, der stäubende Lebenshauch durchraucht und ein« gefangen wird. Mit dem Mahlapparat, dem Jahrtausende über- dauernden, hat er die rohe Gerste, den harten Hafer zermörsert, hat sich nicht mit weichlichem gekochtem Brei um die Gesundheit seiner Zähne gebracht, hat die Kleie gleich mit hinuntergeschlungen und sich so mit den daran liegenden Nährsalzen nicht um die einfachste Kost der Nerven gebracht, die wir heute mit den geradezu verschwenderisch uns überschüttenden, nichtsnutzigen Nerven- Mitteln vergebens aufzupäppeln suchen. Ho poismos pater panton I— irgendwo sagte es der nicht zu den Dummköpfen zu zählende Demosthenes: der Krieg ist der Vater von... von...„vont Janze"! ich kann es nicht besser wieder- geben— ja, auch von den Nerven—, so absurd es klingen mag. An einer Stelle der Front waren alle Gctreidcsorten.ver- pulvert", aber Hafer war noch da. So buck man ein ganz abnormes Haferbrot für die Schützengräbler, und dieses Brot ist ihnen ganz abnorm bekommen. Ich will auch nicht zu ein- gehend das Hafergeheimnis darlegen, um nicht gleich alle„Nerven- mittel-Jndustrien" kaput zu machen.... Ich kenne einen Fünfzig- jährigen— er war eine Nervenruine, verelendet, verkommen, eine Nervenmumie, die große Achnlichkeit mit der Mumie Ramses' II. zu bekommen begann: er wurde ein sogen.„Haferpatient",— heute gehört er einem Sportklub an. nennt sich wohl spaßhaft „Neurastheniker a. D." und beweist mit seiner unwiderstehlichen Laune, daß ihn fürwahr der Hafer sticht. Den um seine Ernte besorgten Landmann sticht der Hafer nicht, wenn aus den Nehren seiner Roggenfelder ein kleines schwarzviolettes krumnies Hörnchen sticht. Mutterkorn heißt die Bestie. Mag sie im Mittelalter ganze Prozessionen auf die Beine gebracht haben, mag sie denen, die sie behaglich im Brot mit zur Verdauung gekaut hatten, die Hände, Nasen, Finger haben abfallen lassen im Fäulnis- brand, mag sie ihnen die Gehirnzellen in Tobsuchtszellen und die ewige Ordnung der Vernunft in blöden Unsinn verwandelt haben— das alles ist bitter wenig interessant gegenüber den Saugzotten, mil denen sich diese Bestie ernährt. Es sind ähnliche Saugzotten, wie sie der menschliche Darm in sich hinein- fasern läßt, um ebenfalls die Nahrung damit aufzusaugen. Die Zotten, die die Aehre verwüsten, find ähnliche wie jene, die der zarteste Embryo im Weizcnkorn sendet, um seine ersten feinen Säfte und Kräfte aus der„Mehlkammer" des Innersten zu saugen. Aus haarfeinsten Schläuchen besteht das«cutellum, das Schildchen, neben dieser Mehlkammer— aus Zotten, die die letzte Verwandtschaft alles Atmenden auch hier ahnen lassen. A. R. Das Staötbilö von Riga. Der Deutsche, der Riga zu Wasser oder Lande naht, empfängt den Eindruck einer alten„Hansastadt". Besonders der Hasen erinnert mit den Umrissen der vielen mittelalterlichen Kirchen und Profanbauten im Hintergrunde an unsere schönen Ostsecstädte. Betritt man die Altstadt mit ihren engen Gassen und kleinen Plätzen, so wiegen einigermaßen die„um 1800" entstandenen Bürgerhäuser vor, auch diese in enger Verbindung mit dem Mutterlande. An diesen Stadtkern wurden weite Vorstädte angegliedert, als ungefähr vor 50 Jahren ein zarisches Machtwort die alten Festungswerke fallen ließ. Manches Gute und Alte wurde niedergerissen und durch große Miets- kasernen der bekannten Gründerperiode ersetzt. Die aus ihrer Ruhe in eine neue Zukunft hineingeschcuchten Bürger Rigas wußten aber bald aus anfänglichen Nöten eine Tugend zu machen. Zu beiden Seiten des alten Festungskanals entstanden zwischen der Altstadt und den älteren Vorstädten blühende Parkstraßen, an die sich die breiten, alleegcschmiicktcn Boulevards anschließen. Hier steht das in edlem Schinkelstil gehaltene Deutsche Theater, an dem einst Richard Wagner und Karl Eduard H o I t e i gewirkt haben. Die jüngste Architektengeneration Rigas hat ihre Meister auf Deutschlands hohen Schulen gesucht. Die Einkehr und Selbstbesinnung, die Deutschlands Baukunst im vergangenen Jahrhundert auszeichnet, läßt an der Düne Durchgebildetes erstehen. Wo jetzt seit mehr als 700 Jahren Riga steht, eröffneten West- fälische Kaufleute fliegende Märkte. Ihnen folgten sächsische Hand- werker. Im Jahre 1201 gründete der deutsche Bischof Albert eine Stadt, deren Schutz der Schwertbrüder-Orden übernahm. Die älteste Kathcdralkircke Livlands, der Dom zu St. Marien, ist eine Stiftung desselben Bischofs Albert. Die dreischisfige Hallenkirche, in ihren wesentlichen Teilen romanischen Stiles, mit gotischen Umgestaltungen und einem Kreuzgang im Uebergangsstil, ist eine der frühesten und besten Schöpfungen unter den nordischen Backsteinbauten. Das eigent- liche Wahrzeichen der Stadt ist aber die große, gotische St. Petri- kirche mit ihrem 13b Meter hohem jrurm und kapellenreicheu Chorumgang. Wie die ersten Pläne zum Rigaschen Dom auf den Braun- schweiger Dom zurückgehen, so weist das schöne Fragment des Chor- Umgangs in der Petri-Kirche auf den Dom von Schwerin und die Zisterzienserabtei Doberan hin. Als zwei weitere geistliche Zeugen aus jenen ersten Jahren der alten Stadt sind noch die Johannis- und Jakobi-Kirche erhalten. Gegenüber dem schlichten Rathaus, dessen reiche Bibliothek einst unter I. G. Herders Verwaltung stand, erhebt sich Rigas ältestes und prunkvollstes bürgerliche Ge- bände, das Haus der„Schwarzen Häupter", eine malerische Durch- dringung von Gotik und niederländischer Renaissance. Der Lands- mann aus den deuischen Schwejtcrstädlen der Hansa weiß hier gleich Bescheid. Dieses Kunstwerk, einst der„Artus-Hof" genannt, ist ein Niederschlag jener mittelalterlichen Auffassung, die in der Geinein- samkeit die beste Form des religiösen und politischen Lebens der einzelnen erblickte. Unverehelichte Kaufleute, Schiffer und Goldschmiede taten sich zusammen, stifteten in den Kirchen Altäre, ließen für verstorbene Brüder Messen lesen, geleiteten die deutsche Ware bewaffnet von Ort zu Ort und gaben dann ihrer Lebensfreude bei den„Trünken" im Arlushof sichtbaren Ausdruck. Die„Kompagnie der Schwarzen Häupter" der Hansa entstammt dem Anfang des Ib. Jahrhunderts und verdankt ihren Namen ihrem Wappen, dem Mohrenkopf des heiligen Mauritius. Die furchtbaren immer wiederkehrenden Kriegszeiten der folgen- den Jahrhunderte mit ihren wechselnden Eroberungen durch Polen, Schweden und zuletzt Russen waren der Rigaschen Entwicklung nicht günstig. Erst um die Wende des 18. Jahrhunderts tritt ein bedeutenderer baltischer Architekt hervor, Christoph Haberland, der Sohn eines ein- gewanderten Sachsen, der seinen Stil wohl an der 1763 gegründeten Dresdener Akademie für Baukunst ausgebildet hat. � Bis zum heutigen Tage ist es den Russen nickt gelungen, ein nationalrussischcs Stadtbild von Riga zu schaffen, und ivenn russische Offiziere und Beamte aus dem Innern des großen Reiches in die Ostscestadt kommen, sagen sie erstaunt:..Eio sowerschenno jewropejski gorock"(Das ist ja eine ganz europäische Stadt). Kleines Zeuillcton. Neue Erwerbungen üer Nationalgalerie. In der Seemannschen.Zeitschrist für bildende Kunst" macht I. Kern von der Berliner Nationalgalerie Mitteilungen über Die Crweckung öer Maria Carmen. 61] Von Ludwig Brinkmann. Das leuchtete mir denn auch ein, und bald waren wir unterwegs. Wiederum ein trauriger Wschied wie wenige Tage zuvor vom Gebirge: wir gaben als Besiegte, Enttäuschte unser Werk auf, das olle unsere Hoffnungen für fast zwei Jahre ver- körpert hatte, ließen unsere teure Maria Carmen zurück, die unser ganzer Lebensinhalt geworden. Und doch war es mir leichter, von dem Minenhause, das ein Leben harter Arbeit bedeutete, von dem kahlen Berge zu scheiden, dessen Inneres von so feindlichen, düsteren Mächten gefahrvoll beherrscht war, als des Hochgebirges luftige, klare Höhen für immer zu ver- lassen. Auch war ich nicht so namenlos einsam, wie damals— war ich doch mit dem Freunde vereint, den ein gleiches Schick- fal traf. Wahrlich, geteiltes Leid ist halbes Leid! Die Lichter brannten bereits in Tavichc, als wir an Dickinsons Hause vorbeikamen. Stuart drängte zur Eile weiter, als ich vorschlug, auf einen Augenblick einzutreten und mit dem Freunde die unerwartete Wendung der Dinge zu be- sprechen. „Du weißt, es darf nicht sein, Lewis; ich kann nicht! Und heute wirst Du mich nicht allein lassen, nicht wahr?" Ich gab widerwillig nach. „Aber," fügte ich hinzu,„morgen werden wir doch dahin müssen. Du weißt, ich habe Verpflichtungen der A. E. M. T. gegenüber und muß mit Tickinson sprechen. Und andererseits: wenn die Maria Carmen zur öffentlichen Versteigerung ge- langt, brauchen wir einen zahlungsfähigen Bieter, der den Preis in die Höhe treibt. Es ist ja sicher, Powell wird sich seinen Besitz nicht entgehen lassen, aber Dickinson muß bieten! Und darum haben wir ihn zu ersuchen!" Stuart schien das auch einzusehen; aber er antwortete nichts darauf, und wir setzten unseren Ritt schweigend fort. Es war schon spät am Abend, als wir in der elenden Schenke zu Ocotlan eintrafen, wo Mann und Roß für eine Nacht Unterkunft finden sollten. Wir aßen ein wenig, rauchten noch eine oder zwei Pfeifen Tabak und gingen in das einzige Bett, das frei war. Wir lachten dabei hell auf, als wir an die Zeiten fröhlicher Wanzenjagd in Stadt Mexiko, in der Calle de Zuleta 15 altos bei unserer wackeren Witwe Eufemia Ro- driguez dachten. Und wir malten uns das verdutzte Gesicht Powells aus, der sicher aus unsere Rückkehr wartete.— Am folgenden Tage traf Jos6 mit unseren Koffern auf dem Bahnhofe von Ocotlan ein. Stuart fuhr gleich nach Oaxaca ab, da ihn alle meine Ueberredungskünste nicht zu be- stimmen vermochten, mit mir zu Dickinson zu gehen. Und ich mußte ihm im Grunde meines Herzens recht geben. So ritt ich allein init Josä nach Taviche zurück. Als ich dem braven Burschen mein Pferd, das ja dem Jmparcial ge hörte zurückgab und ihm zum Abschiede die Hand drückte, standen ihm die blanken Tränen im Auge. Doch wenigstens e i n Mensch, der mein Scheiden aus dieser Wüste bedauert. Ach, ich fühle jetzt erst, wie starke Wurzeln nian in zwei Jahren selbst in dem steinigen Boden dieser Wildnis schlagen kann! Dickinson saß gerade mit Frau Jane bciin Mittagbrote, als ich eintrat. Ich nahm am Tische Platz und bekam gast- freundlich meinen Teller vorgesetzt. Und da ich annahm, daß die neueste EntWickelung der Dinge auch Frau Jane aus mehr als einem Grunde interessieren würde, begann ich gleich zu erzählen. Dickinson meinte schließlich: „Schön finde ich das Vorgehen Ihres Herrn Partners nicht— aber klug, sehr klug. Man kann seiner Rücksichts- losigkeit sicherlich nicht die Bewunderung versagen. Vom Tage an, da er sich mit Ihnen vereinigte, war er entschlossen, seinen Partnern den Stuhl vor die Türe zu stellen— und die erste günstige Gelegenheit hat er meisterhaft bis zum äußersten benutzt!" Ich meinte dagegen, daß es darauf ankäme, diesem Streiche möglichst klug zu begegnen, und ich besprach unsere diesbezüglichen Pläne und Aussichtein „Mit der A. E. M. T. kann ich Ihnen nicht helfen, fürchte ich. Der Vertrag mit dem Jmparcial lautet dahin, daß dieser die Bauleitung zu stellen hat, ohne die Person festzulegen. Wenn uns Herr Powell einen neuen Mann präsentiert, können wir anderen erst nur dann etwas machen, wenn es sich erweist, daß der Betreffende nickt kompetent ist. lind Herr Powell weiß das ebensogut wie wir und wird sich danach richte«!" „Dann bleibt uns weiter nichts übrig als die Versteige- rung— und wir rechnen auf Ihre Hilfe, Herr Dickinson!" „Soweit ich helfen kann, werde ich Ihnen helfen. Aber, wie Sie selbst wissen, muß bei der öffentlichen Versteigerung der Gestehungspreis in bar erlegt werden. Und wenn ich auch annehnie, daß Powell sich die Maria Carmen nickt ent- gehen lassen wird, so kann ich mit meinem Gebote nur so weit gehen, als ich im Ernstfalle zu zahlen vermag. Daran wird es aber hapern!.,, Sehen Sie, ich besitze alles andere, nur kein bares Geld; wenn ich meine sänitlichcn Bankguthaben einziehe, bekomme ich kaum fünfzigtausend Pesos zusammen, und dabei darf ich mich nicht einmal ganz entblößen! Damit wird Ihnen aber kaum gedient sein!" „Stuart und ich haben das auch wohl bedacht; aber Sie werden sich doch wohl ein wenig Geld zu diesem Zwecke leihen können: Sie sagten ja selbst, daß es gar nicht so schwer sei, für das Tal von Oaxaca Kapital zu finden, viel leichter als vor einigen Jahren. Stuart und ich werden uns ja vertraglich verpflichten, Ihnen die uns bei der Liquidation zugefallenen Sunnnen sofort gegen Rückgabe unserer Anteil- scheine zurückzuerstatten!" „Zlber trotzdem würde das erst siebzigtauscnd Pesos niachen; Sie wollen aber vermutlich weit mehr geboten haben?" „Wir müssen mit dem zufrieden sein, was wir bekommen. Allerdings, je zehntausend Pesos für Stuart und mich sind nicht viel, jedoch erhielte ich damit wenigstens meine Bar- einlage zurück. Aber eine gelungene Anleihe wird Sie ja in die Lage versetzen, mit Ihrem Angebote weit höher zu gehen.." „Eine gelungene Anleihe— jawohl! Aber selbst bei einem Angebote von siebzigtausend Pesos müßte ich wenig- stens dreißigtansend Pesos borgen, und das ist doch nicht so ganz leicht!" Da mischte sich Frau Jane mit einem Male in das Ge- spräch; „Du mußt das Geld finden, Richard; Du wirst doch nicht ruhig mit ansehen wollen, wie unsere Freunde beraubt und vertrieben werden!" Tickinson sah seine Gattin ein wenig erstaunt an: „Ich will ihnen ja helfen, aber selbstverständlich nur so- weit ick kann!" „Dir sind doch die guten Angebote für die Aktien der Erelsior-Gruben gemacht worden; verkaufe sie, dann hast Du gleich Geld!" „Du weißt, Jane, ich darf nicht mehr verkaufen, wenn ich der Herr meines Besitzes bleiben will; die Majorität darf ich mir nicht nehmen lassen!" „Ein wenig kannst Tu immer noch hergeben! Und wenn etwas fehlt, reise ich nach Boston, zu meinem Vater, der wird mir schon helfen. Ueberhaupt— ich habe einen heimlichen Wunsch— ich möchte mich selbst einmal an einer Grube be- teiligen. Du stellst mir die Gelder zur Verfügung, die Du einst von mir erhalten hast, und was fehlt, hole ich von meinem Vater! Nicht wahr, Richard, Du hilfst mir dabei?" Dickinson lachte.(Forts, folgt.) etnicie Neuertverbunflcn dieser Sammkung, die iünstlerisch und kunst- geschichllich von besonderem Werte und Interesse sind. Dazu gehört zunächst ein vorzügliches Bild von Karl S p i tz w e g s Frühzeit, die in den Sammlungen überhaupt sehr selten vertreten ist. Es heiht „Der Liebesbrief" und erhält eine bezeichnende Note durch die Ver- bindung einer miniaturartig durchgesührten Freilichtmalerei mit einem gegenständlich-novcllistischen Motive. Im schattigen Winkel des Gartens haben Mutter und Tochter Schutz vor den heißen Sonnen strahlen gesucht. Die Alte ist eingenickt, da taucht über der Garten mauer der Kopf des Briesboten auf. Die Tochter mahnt ihn mit erhobener Hand zur Ruhe und der Bote antivortet stumm, indem er den Hut lüftet und den Brief zeigt. Die Gruppe der»intimen" landschaftlichen Studien und Bilder aus der ersten Hälfte des tl). Jahrhunderts erfuhr eine Bereicherung durch den Ankauf einer Lehmgrube an einem von Olivenbänmen bewachsenen Hange von Karl Steffeck vom Jahre 184b. Es ist das einzige bisher bekannt ge- ivordene Bild, das Steffecks Znsammenhang mit seinem Lehrer Blecken bekundet, zugleich ein schönes Zeugnis der Begabung Steffecks für die Landschaftsmalerei. Als ein vorzügliches Stück, das gleichwertig neben die besten Werke der besten französischen Maler der achtziger Jahre gestellt werden kann, ist das 187ö entstandene Begräbnis im Hofe des Jnvalidenpalastes zu Paris von Louis Kotitz zu bezeichnen, ein Bild, das durch und durch malerisch, in großem Zuge und mit vollendeter M�sterschafl aufgeführt ist. Goya und Manet scheinen dabei Pate gestanden zu haben. Den Beschluß der Neuerwerbungen macht ein Entwurf S ch i d e r S zu einer Bauernmahlzeit. Schider, dessen Bild in der Kunstgeschichte noch schwankt, war gleich Leibl ein Schüler Rambergs, knüpfte mit Leibt eine enge Freundschaft an und heiratete seine Nichte. Auch künstlerisch ist er ihm, wie die Erwerbung der Nationalgalerie zeigt, nahegetreten. Schider« Bilder, besonders die zwischen 1873 und 1878 in München entstandenen, haben damals großes Aufsehen erregt: Makart pflegte diese tonigen Freilichtbilder als»Schweins koteletten mit Spinat" zu bezeichne». Die Zeit war für den Maler und seine Ziele noch nicht reif, und dann hat seine Lehrtätigkeit in Basel Schider ziemlich früh der Kunst entzogen. Heut stehen wir mit froher Bewunderung vor den reichen und feinen malerischen Qualitäten der Bauernmahlzeit, die jetzt in den Besitz der National- galerie übergegangen ist. Wiederaufnahme des kulturellen Zusammen- arbeitens nach dem Kriege. DaS„Svenska Dagbladet" veröffentlicht drei neue Antworten auf seine Weltumfrage über dieses Thema. Bemerkenswert ist die Ansicht des englischen Mathematikers Bertrand Russell. Er sagt: „Die Wiederaufnahme der geistigen iniernotionalen Beziehungen nach dem Kriege dürfte nicht so schwer fallen, wie viele jetzt glauben. In England würde jedenfalls, das ist unsere sichere Ueberzeugung, der überwiegende Teil der Gelehrten sein äußerstes tun, um die Einheit in der Welt der„Wissenschaft" wieder herzustellen. Die Leidenschaften, die der Krieg aufweckt, Verschivindcn mit außerordentlicher Schnelligkeit, wenn sie nicht länger benötigt werden. um das Massaker zu befördern, teils weil deren biologischer Zweck erreicht ist, teils weil die anhaltende Fortdauer einer Empfindung körperliche Müdigkeit hervorruft. Aus diesem Grunde ist es wahr- scheinlich, daß, wenn der Krieg ein Ende nimmt, alle Nationen urteilen werden, daß ihre Feinde tapfere Leute sind, die, genau be« sehen, keinen Haß verdienen. Wahrscheinlich werden die einzigen Unversöhnlichen ein paar alte Leute sein, die ParoxismuS mit Vaterlandsliebe verwechseln. Die Führung bei diesem Wiederaufbau müßte von Holland und Skandinavien übernommen werden, die von beiden Seiten als wirk- lich neutral und friedliebend geachtet werden. Eine Sache, die im Austausch schon getan werden kann, ist die Bemühung, innerhalb der kriegführenden Nationen zur Kenntnis der einzelnen jede Aeuße- rung in Feindesland zu bringen, die auf irgendeine Weise geeignet ist, den Haß zu dämpfen oder die Rückkehr eines vernünftigen Geistes« zustandes zu fördern."_ Der Militärarzt in weiß. In den Verlustlisten der am Kriege beteiligten Armeen sind, wie bekannt, die Militärärzte und die Sanilätsmannschaften mit einem ungewöhnlich starken Prozentsatz vertreten, obwohl man im Grunde annehmen müßte, daß der moderne Stellungskrieg das Leben der durch das Genfer Kreuz geschützten Offiziere und Mannschaften weniger bedrohe als die offene Feldschlacht. Die auffälligen Verlust- ziffern des Sanitätsdienstes und die Gründe für die ungewöhnliche Erscheinung bildeten das Thema von zwei Vorträgen, die der schweizerische Arzt Dr. F. Guyot in diesen Tagen in Genf gehalten hat, und in denen er auf Grund der von französischen, eng- tischen und belgischen Aerzten erhaltenen Auskünfte seiner Meinung Ausdruck gab, daß nicht zum wenigsten die Uniformierung der Militärärzte, die sich auf große Entfernungen von der Kleidung der Offiziere nicht unterscheiden läßt, für die starken Verluste verantworl- lich zu machen sei. Die weitreichende Feuerwirkung der modernen Gewehre rechtfertige ohne weiteres den Gedanken, den Aerzten und Sanitätsmannichafien eine Uniform zu geben, die sie selbst auf große Entfernungen als Angehörige des'Sanitätsdienstes kenntlich mache, und die auch die Ausrede der schuldigen Schützen, daß sie den Arzr von den kämpfenden Truppen nicht unierscheiden könnten, hinfällig machen müßte. Ein Präzedenzfall ist übrigens, wie der Redner Weiler ausführte, bereits aus dem italienisch-französisch-österreichischen Kriege vom Jahre 1853 zu verzeichnen. Henri Dunant, der bekannte Begründer der Genfer Konvention, erzählt in seinem Buche„Eine Erinne- rung an Solferino", mit dem er dem edlen Gedanken der Verwundetenfürsorge so beredet Bahn gebrochen hat, daß ihn im Feldzuge alle Soldaten aus großer Entfernung erkannt und von anderen unterschieden hätten, dank seinem schneeweißen Anzug, der ihm den Spitznamen der„Herr im Weiß" eingetragen hatte. Dr. Guyot empfahl, man solle dem Sanitätspersonal aller Armeen eine Uniform von gleicher Farbe Heben, die auf weite Entfernung sichtbar ist. Am geeignetsten halt er für diese neue Sanitäts- uniform einen weißen Anzug, dessen Vorderseite ein großes, weithin sichtbares Kreuz zeige. Auch solle der Helm mit einem weihen Ueberzug verschen werden, der an Stelle der Regimentsnummer das Zeichen des Roten Kreuzes trage. Millionen und Mtlliaröen. Wir leben in einem Zeitalter der Millionenheere und der Milliardenschulden. Noch heute ist bei uns der Name Adam Rieses, des Verfassers des ersten deutschen Rechenbuches, unvergessen, der im Jahre 1553 in Annaberg im Erzgebirge als Bergbeamler gestorben ist. Wir zitieren oft genug seinen Geist, wenn wir jemanden an richtiges Rechnen erinnern wollen. Sollte man es aber für möglich halten, daß Adam Riese noch nicht den Zahlenbegriff einer Million gekannt hall Er umschrieb die Zahl immer recht schwerfällig mit Tausend mal Tausend. Das Wort„Million" ist italienischen Ursprungs; die Italiener, die einstmals den Deutschen gegen- über in mandjen Dingen, besonders aber im Rechnen und anderen kaufmannischen Sachen weit voraus waren— was man von den heutigen Italienern in bezug auf uns freilich nicht behaupten kann— gebrauchten schon im 13. Jahrhundert das Wort„il rnilione", das eigentlich„Großtausend" bedeutet, in seiner jetzigen Bedeutung: tausendmaltausend. Die dem Italienischen eigene Endung-one ist eine Vergrößerungsendung. So bedeutet z. B. auch der„baloons* der Italiener eigentlich den großen Balken, wobei das italienische Wort für Balken„balco" aus dem Deutschen stammt. Während wir nun heute das Wort„Balkon" französisch aussprechen, als ob cS sich bei ihm um die französische Verkleinerungsendung-on Handelle, verwendete Schiller im„Handschuh" noch die ursprüngliche italienische Form: Und um ihn die Großen der Krone— Und ring« auf hohem Ballone". Wir dürfen also den Wiener nicht verspotten, wenn er das Wort„Balkon" am Schlüsse genau so wie das Wort„Million" ausspricht. AIS sich im 13. Jahrhundert die Notwendigkeit ergab, auch für 1()(X> Millionen ein besonderes Wort anzuwenden, waren die Italiener nicht mehr dazu berufen, dieses Wort zu erfinden. Die reichsten Leute wohnten damals in Frankreich, und so ist also das Wort„I« Milliard", das UrsprungSwort unseres Wortes„die Milliarde" ein französisches Wort. Die 5 Milliarden Frank, die Frankreich im Jahre 1871 an uns als Kriegsentschädigung zahlen mußte, waren der Anlaß, daß auch bei uns von Milliarden gesprochen wurde. Kriegsabmachungen der alten Griechen. Die angeblich bessere Menschheit der Gegenwart könnte— so lesen wir in der„Köln. Ztg."— vielleicht von den alten Griechen auch zur Kriegszeit noch etwas lernen. So geringen Umsanges das alte Hella? im Vergleich zu unseren maßgebenden Staaten war und wie klein seine Heere sz. B. Attika-Athen ein Gebiet von nur 40 Ouadratmeilen mit etwa V, Million Einwohnern und einem Truppenaufgebot zu Beginn des peloponnesischen Krieges von kaum 30 000 Mann), so waren doch Kämpfe, man möchte sau sagen blutige Fehden, unter ihnen überaus häufig. Und die Geschichte weiß von vielen Beispielen grausamer, schonungsloser Kriegführung gegen ein- ander. Jedoch finden sich auch höchst erfreuliche Ansätze, im voraus für den Kriegsfall der Menschlichkeit ihr Recht zu sichern oder bestimmte Kampfregeln zu vereinbaren: Der Delphische Amphikiyonenbund, eine religiös-politische Bereinigung, verfolgte den ausgesprochenen Zweck, daS Völkerrecht nach Möglichkeit autrecht zu erhalten, Feind« chaften untereinander entweder durch Schiedsspruch zu beseitigen oder wenigsten« Vernichtungskriege untereinander unmöglich zu machen. Wie e« denn in der Satzung hieß, keine„amphiklyonische Stadt zu zerstören, keiner das Trinkwasser abzuschneiden, und o ein Staat dawider handelt, sollen die übrigen gegen ihn zu Felde ziehen und ihn vertilgen". Ein anderes merk- würdiges Beispiel liefert die Ueberemkunft zwischen Chalkis und Eretria, zwei kleinen Landschaften der Insel Euböa. Als diese bisher guten Freunde und Nachbarn wegen Grenzstreitigkeiten sich entzweiten und zu den Waffen griffen, trafen sie die Verabredung, da» in dem bevorstehenden Kriege keinerlei aus der Ferne wirkende Waffen, wie Bogen.Schleudern und Wurfspieße, gebraucht werden sollten. Damit war also die Entscheidung allein auf den Nahkampf, Mann gegen Mann, gestellt, der auch uns Deutschen, wie jüngst berichtete Erfolge aus Osten wie Westen bestätigen, zum Glück noch„liegt". Als Siegeszeichen pflegten die Griechen ein Tropäon aufzurichten. Wer bei dem Feinde um Waffenruhe zur Bestallung der Toten nachsuchte, bekundete dadurch seine Niederlage. Gefühl für Kriegsehre hatte darüber genaue Bestimmungen ausgebildet, die zum Teil wie völler- rechtlicher Brauch geachtet wurden. Um nun nicht die Erinnerung an erlittene Demütigung im Besiegten allzulang zu nähren und sein Rachcgefühl, hatte sich, wie Plularch berichtet, für Kriegshändel der Hellenen untereinander der völkerrechtliche Brauch gebildet, Sieges- zeichen nicht von Erz oder Stein, sondern nur von Holz aus- zuführen, wegen dessen Verletzung die Spartaner gegen Theben selbst Klage erheben kdnnten._ Moholfteie Getränke unö ihre verfäijchung. Hinsichtlich der alkoholfreien Getränke macht man immer wieder die Erfahrung, daß damit viel Unfug getrieben wird. Insbesondere ist dies der Fall mit dem Alkoholgehalt. Wie aus dem Bericht des chemischen Untersuchungsamtcs der Stadt Dresden für 1314 hervor- geht, entsprach eine Anzahl der Proben nicht der an alkoholfreie Ge- tränke gestellten Forderung eines Höchstgehaltes von 0,5 Raum- teile v. H., und gerade bei den unverdünnten Fruchtsäften zeigte sich wegen nicht völliger Unterdrückung der Flaschengärung oft eine Ueberschreitung dieser Grenze. Um diese an sich zu bevorzugenden Getränke nicht aus dem Handel zu verdrängen, wurde empfohlen, bei nicht allzuhoher Ueberschreitung von einer Beanstandung abzu- sehen. Ueber 1 v. H. Alkohol enthielten 7 Proben, von denen zwei Heidelbeermoste mit 3,80 v. H., ein Erdbeersekt mit 5,70 v. H. und ein Jobannisbeersekt mit 6,14 v. H. Alkohol, offen- bar auS völlig vergorenem Beerenwein bestanden, während ein Brombeer-Portwein mit 12,37 v. H. Alkohol noch überdies stark gespritet war. Der Verkauf dieser Proben in den sogenannten alkoholfreien Wirtschaften war selbstredend zu untersagen. Der Brombeerportwein wurde überdies auf Grund von 8 10 des Wein- gesetzeS beanstandet, denn er war mit einer Wortverbindung be- zeichnet, welche die Stoffe, aus denen er hergestellt war, nicht ge- nügend kennzeichnete.— Aehnlich steht es mit den Bowlen. Die als alkoholfreie Pfirsich-, Erdbeer-, Ananas- und Fruchtweinbowle bezeichneten Erzeugnisse besaßen durchweg eine überaus mangelhafte Beschaffenheit und bestanden meist auS einer mir etwas Fruchtälhcr aromatisierten Zuckerläsung. UeberdieS wurden sie in der Regel zu überaus hohen Preisen verkauft. Trotzdem erschien eine Bean- standung als„verfälscht" oder„nachgemacht" aussichtslos, weil über den Begriff der normalen Beschaffenheit noch keine Uebereinstimmung herrschen dürfte._ Notize». — Landesbrotmarken. In Bayern wird der Sommer- verkehr durch die Einführung der.Landesbrotmarken" bedeutend er- leichtert. Diese Marlen sind, den Freimarken gleich, in Heftchen geordnet und fügen sich in dieser Form willig den Geldbeuteln und Besuchskartentäschchen. Nur Bayern kann sich dieser sehr nützlichen Einrichtung der Landesbrotmarken rühmen, da der Reichskommisiar die„Reichsmarken" abgelehnt hat. — Ein Mädchen mit zwei Köpfen wurde, wie die „Königsberger Allgemeine Zeitung" berichtet, vor einiger Zeit lebend m eine Königsberger Klinik aus der Provinz eingeliefert. Das Kind hat volle zwei Monate gelebt. Alfred Fournier. Vor etwa drei Monaten ist in Paris hochbetagt Alfred Fournier gestorben, einer der hervor- ragendsten Forscher auf dem Gebiete der Haut- und Geschlechts- krankheiten. Aber darüber hinaus war er auch einer der edelsten Menschenfreunde, der bei der Vorbeugung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten geradezu vorbildlich gewirkt hat. Die deutsche Gefellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten widmet ihm in ihren Mitteilungen einen warmen Nachruf, in� dein betont wird, daß Brieux nur Fourniers eigene Worie aus desien Werken zu enl- lehnen brauchte, um in den„Schiffbrüchigen" fein Bild als das des menschenfreundlichen Arztes und weitblickenden sozialen Reformers zu zeichnen. Zum Schluß heißt es in diesem Nachruf:„Die ganze Menschheit trauert an seiner Bahre". — Eine Eisenbahnverbindung von 130 Kilo- meter Länge wird binnen kurzem den nordamerikanischen Kon- tinent mit der Insel Kuba verbinden. Vor einigen Jahren hat die Florida East Coast Railway Co. ihre an der Ostküste der Halbinsel Florida entlang laufende Bahnlinie über die frühere Endstation Miami hinaus über die unter dem Namen Florida Keys bekannte, von Florida« Südspitze sich in etwa 250 Kilometer langem Bogen nach Westen erstreckende, aus über 100 Inseln bestehende Korallen- inselkelte hinweg bis nach Key West weilergeführt, wobei die Zwischen- räume zwischen den einzelnen Inseln durch gewaltige Betonbogen. brücken überwunden werden mußten. Nach dem„Prometheus" wird ein 107 Meter langes lind 17,5 Meter breites Führschiff von fast Meter Seitenhöhe auf 4 Schienengleisen die in Key West an- kommenden Eiscnbahnzüge aufnehmen und sie 130 Kilometer lange Strecke nach Kuba befördern. über die etwa Hieater für Mittwoch, den 28. Juli. Deatscheg Künstler-Theater. s'/j u.: Die Schöna vorn Strand. Deutsches Opernhaus Charlottbg. 8 uhx: Der fiettelsiudent. Friedrlcb-Wilbelmstüdt. Theater. 8--.?.: Kyritz-Pyritz. Gebr. Herrnfeld-Theater. Sonnabend, den 7. August: Wiedereröffnung und Premiere. Kleines Theater. v/.u.: Ein kostbares Leben. URAHIA TaubenstraBe 48/49, I-esslns-Xheater. 8'/tu.: Seine einzige Frau. l-nstsplclhaus. sv.u.rBerrscliiItL Diener gesücht Schlller-Xh.Charlottenbg. 8 ubr: Alt-Beidelberg. Thalla-Tbeater. 3-/. u.: Eine verflixte Annonce. Theater am Bfollendorfpl. 8',.?.- Immer feste druff! Trlanon-Theater. s'/.uhr: HaniiMfis Mlolger. 8 Uhr: An den Grenzen von SQdürol und Italien. Rose-Theater. s'/führ: Die FliBgerbrauf. Gartenbühne: I-ieb Vaterland Walhalla-Theater. s uhr: Von Stufe zu Stufe. Cartonbiihne: Vorstell, Apollosängor. V olgt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. BST Täglich: TB® , Kerlin me's mint n. locht/ Volksstück mit Gesang in 3 Auszügen. Erstklassiges Variete Kasseneröffnung 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. Guido Thielscher „Venus im Grünen". Operette in 1 Akt,, v. Rud. Lothar. Musik von Oskar Straus. Mitwirkende; Else Berna Lotte Werkmeister Thalia-Xheator, Berlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der vom Publikum und Presse glänaieiKl bonrteilte! Jpll-Splelplan. Reiebshalien-Tliealer. Stettiner länger. Ans. 8 IL Zum 176. Male: Militärisch. Zeit. bild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angchö- rigen vollkommen freier Zutritt zu d.Ztett, Sängern, 4� ist der schönste Ausflugsort? £ Immer noch Pichelswerderz Ve%HrZn beim Alten Freund. zi! sielen Sionoen - Die-- Wochenschrift für ArbeitersamINen Wöchenklich 1 Hef! für 10 Pf. ■Ves-wiiltmsjf Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungcftraße 30. Sranehett- Versammlungen: Steilmacher- Donnerstag, den SS. Juli, abendS fc'/- Uhr, im„Roscnthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Unsere Arbeitsverhältnisse. 2. Verbands- und Branchenangelegenheitcn. Korbmacher, Donnerstag, den Ä9. Juli, abends 8'/, Uhr, im„Gewerkschaftshause", Engelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: 1 Die Neuregelung der Löhne in der Geschoffkorb. Branche. 2. Wahl eines Kollegen in die ZentraUommission. 3. Verschiedenes. 85/20 IMe Ortsverwaltnng. Verband der Sattier u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. icl"un8! Militärbranche! Heute Mittwoch, den 28, Juli, abends 8 Uhr, im GcwerkschaftShanö, Engelufer 15, Saal 3: yertraueilsmSllller-yerfawmluilg Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensleute auS den einzelnen Werkstellen. 2. Ausgabe einer Stattstik zur Ermittelung der jetzigen Nietpreise. 3. Verschiedene«._ Jede«Serkstatt muß vertrete« fein."�W|3 Pünktliches Erscheinen erwartet_ 158/1 Die Branchenleltnnff. Zentralverband der Töpfer und Sernfs- pensssen Deutsehlands. Filiale Groß-Berlin. Am Donnerstag, den 29. Juli, im Gcwerkschastshaus, Engelufcr 15(Saal 1): Srdentliehe General- Versammlung. Tagesordnung: 192/5 1. Bericht de« KefamtvorstandeS. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Anfang pünktlich 7 Uhr.-WG Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. H.& P. Uder, Tabak-ftlrolihandlnng und Tabaklabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. Kanewacker, Qdmm a Triejicl. ■- Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.- Amt Monitzpl. 3014 Kerantwortlicher Redalieur: Alfred Wielcpp, Reukölln. Zur he» Inseratenteil verantw.t Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärt» Kuchdruckeret u, Be.rlagsanjtalt Paul Singer& Ift. Berlin SW,