ju. 171.— 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Dahl, fie haben Verwandtschaft zu der Landschafterei von Ludwig Richter und Louis Gurlitt. Sie sind aber nicht so visionär wie die mystisch erhitzten Farbenträume Friedrichs; es fehlt ihnen auch die elegante Flüssigkeit des fast französischen Blechen. Dahl war viel mutiger (etwa beim Erfassen der blutigen Tinten eines Sonnenunterganges) und Richter bewußt lyrischer. Beckmann(die Bilder der anderen, mit ihm zu vergleichenden Künstler hängen in den Nebenkabinetten) betrieb das Malen als eine redliche Naturerforschung; er komtnt mit einer erfreulichen Frische an die Dinge heran und macht seine Bildchen, ohne nach den Regeln der Akademie zu fragen. Fast immer zeigt er einen hohen und weiten Himmel, unter dem sich als Silhouette ein Wald, eine belaubte Hügelwiese oder eine Bergkette entlang ziehen. Dabei wählt er die Ausschnitte so, wie sie sich ihm im Wandern erschließen; er rückt nicht viel hin und her, er schaut zu und gestaltet. Er zeigt den Himmel als eine schlichte blaue Fläche; er zeigt Wolken im lockeren Flug, er zeigt sie hinler einer Felswand schwarzgrau aufquellend oder vom Sturm streifig zerfetzt und in Lappen abtreibend. Er hat entdeckt, daß die Schatten zuweilen blau sind, und die Berge, lvenn die Sonne auf sie fällt, zu brennen scheinen. Er weiß, daß Malen etwas anderes ist wie An- streichen und daß der Farbtupf ein eigenes Leben hat. Beckmanns Blätter zeigen bereits einige Spuren von jener nervösen Pinsel- schrift, die zu dem Wesen des Impressionismus gehört. __ R. Br. Die Schicksale öer jüngsten Noröpol- expeöitionen. Unter den letzten großen Nordpolexpeditionen ist die des Forschers Otto Sverdrup besonders bekannt geworden, der auf der „Edipsc" im Jahre 1913 zusammen mit den russischen Expeditionen von Sedow, Brusilow und Rustinow aufbrach. Man weiß, daß Sedow umgekommen ist. Ueber den Ausgang der Expedition Brusilow und Rusinow ist man noch immer im ungewissen. Ein Radiotclcgramm Sverdrups traf am 21. August vorigen JahreZ in Jugor Sjar ein. Der radiotelegraphische Apparat der„Eclipse" ging dann durch einen Unfall in Trümmer und Sverdrup konnte bis zum Jahre ISIS keine Verbindung mit der Außenwelt erhalten. Als der Apparat endlich wieder funktionierte, gelang es ihm. eine funkentelegraphisrbe Verbindung mit den unter dem Befehle des Kapitäns Vilkitskij stehenden Schiffen„Vaigatsij" und„Taimyr" herzustellen, die von dem hydrographischen Dienst in Petersburg ausgesandt waren. Diese Schiffe lagen eingefroren am Nord- rande der König-Oskar-Halbinsel und befanden sich offenbar in großer Not. Die.Vaigatsij" und der„Taimyr" haben in den Fahren 1911 bis 1911 eine Anzahl kartographischer und anderer wissenschaftlicher Arbeiten verrichtet. Ihnen gelang eS, die Küste des nördlichen Eis- meeres von der Behringstraße bis zu dem Meridian von Kap TscheljuSkin auf den Karten genau einzuzeichnen. Sie entdeckten das sogenannte Vilkitskij-Eiland, welches im Nordwesten von Neusibirien liegt, das Zarcwitsch- Alexej- Eiland und zuletzt das interessante Kaiser-Nikolaus-II.-Land. Man kennt den Namen der beiden russi- schen Schiffe auch von dem Versuche, den sie unternahmen, den kanadischen Expeditionsdampfer„Kariuck", der bei der Warngelinsel in Gefahr geraten ivar, zu retten. Dies gelang ihnen zwar nicht, und alle Versuche, eine funkentelegraphische Verbindung mit dem ge- sährdeten Schiff herzustellen, mißlangen. Aber dadurch, daß sie bei dieser Gelegenheit zu weit nach Westen abkamen, erhielten sie das Radiotelegramm von der„Eclipse" Sverdrups. Bei ihrer Rettungs- arbeit lvaren sie selbst in äußerste Gefahr geraten. Mit Hilfe der „Eclipse" wurde es nun möglich, die Außenwelt über ihren Zustand zu unterrichten. Das hydrographische Institut in Petersburg unternahm sogleich alle Schritte, die geeignet schienen, die Schiffe noch zu reuen. So- wohl die„Eclipse" als auch die Schiffe des Kapitäns Vilkitskij sind mit ausgezeichneten Apparaten ausgerüstet, aber der Kohlenvorrat der russischen Schiffe ist sehr gering und man fürchtet heute, daß sie eine zweite Ucberwinterung nicht werden aushalten können. Im März erhielt man ein Funkentelegramm von der„Eclipse", welches mitteilte, daß es gelungen war, einen Teil der Mannschaften der russischen Schiffe auf das norwegffche Schiff zu übernehme». Im April schickte die hydrographffche Anstalt in Petersburg den Boots- mann Begitschew, der unter dem Baron Toll an einer Expedition teilgenommen hatte, mit Renntiergespaimen und 299 Reserverenntieren nach Sibirien, um von dort aus nach dem Verbleib der„Eclipse" Nachforschungen anzustellen. Nach den Berechnungen muß er Sverdrup Mitte Juni erreicht haben. Ferner ist auf Veranlassung der Peters- burger Profefforen Mitte Juli von Krasnojarsk ein Schiff nach Port Dickson abgegangen, welches als Ladung Proviant und Material für die„Eclipse" und besonders Kohlen für die russischen Schiffe ent- hält. Leiter dieser Expedition nach Port Dickson ist Dr. Kuschakow, der Unterbefehlshaber des umgekommenen von Sedow. Er will in Port Dickson große Unterkunstshäuser für die zu erwartenden Mann- schasten der gefährdeten Schiffe bauen. Trotz dieser Vorsorge der russischen Gesellschaft ist es möglich, daß die Rettungspläne miß- lingen, da man über das Klima und über den Eisgang in jenen Gegenden noch zu wenig unterrichtet ist. Jedenfalls erwartet man in Petersburg mit Spannung jede weitere Nachricht und es erhebt sich die Frage, ob nicht kleinere Expeditionen, bei denen nicht so viele Menscheuleben gefährdet sind, in Zukunft eine größere Aus- ficht auf Erfolg bieten._ kleines Feuilleton. Wann wirö öer nächste krieg ausbrechen! Ich bin bereit, so schreibt der auch unfern Lesern bekannte französische Schriftsteller Pierre Mille nach der„Voss. Ztg." im „Excelsior", meinen Einsatz bei einem Notar zu hinterlegen und mich selbst sowie meine direkte und kollaterale Nachkommensckaft mit folgender Wette festzulegen: Vor drei Generationen gehst s nicht wieder los, vielleicht überhaupt nicht mehr, mit Ausnahme des europäischen Orients, der wohl noch einiger Zeit bedürfen wird, um in Ruhe zu kommen. Und auch dann ist's noch nicht sicher, ob nicht die alten Mächte friedlich intervenieren, um die jungen, erregten Länder zur Vernunft zu bringen. Unwahrschein- lich ist ein neuer Krieg vorerst, nicht nur deswegen, weil der gegen- wärtige Krieg bewiesen hat, daß ein Staat sich hinter seinen Festungswerken, die sich von einer Grenze zur andern ausdehnen, in einer den Feind viele Opfer kostenden Defensive halten kann. Denn man kann mit Recht annehmen, daß die militärischen Ingenieure, denen in den Kriegen der Zukunft sicherlich die erste Rolle zufallen wird, für'die Offensive Erfindungen machen wer- den, wie Kanonen, Panzerkreuzer zu Lande s!), Unterseeboote, vervollkommnete Flugzeuge usw., die den Angriff der Verteidigung überlegen machen werden. Unwahrscheinlich ist ein neuer.Krieg, weil alle Welt genug haben wird.— Die 18 oder 21 Monate, die der gegenwärtige Krieg gedauert haben wird, werden Europa ebenso ermüdet und erschöpft haben, tvie die 23 Jahre Krieg der Republik und des Kaiserreichs es erschöpften. Wie 1811/1S wird man nur eine Sorge haben: ein Gleichgewicht herzustellen, derart, daß niemand sich benachteiligt fühlt, um, statt das, was ist, anzuer- kennen, lieber das Glück der Waffen zu versuchen. Vor einem Jahrhundert wurden diesem Gleichgewicht das Prinzip der „lexitimite" zugrunde gelegt, d. b. das Gleichgewicht basierte, nach den Grundsätzen Mackiavells, auf den Interessen der Souvcrainc. Heute wird es auf dem Rechte der Nationalitäten beruhen. Und auch das wird noch selbstverständlich ein Kompromiß sein, denn menschliches Werk ist weder vollkommen noch endgültig. Aber dieses Kompromiß wird eine ziemlich lange Epoche der Ruhe ge- währlcisten._ Die frische Schrippe. Eines der Mittel zur Streckung unserer GetreidevoreSte war das Nacht-Backverbot. Hierdurch sollte vor allem der Vergeudung von Weizenmehl Einhalt getan werden. Inzwischen hat es sich lwrausgestellt, daß unsere Weizenvorrätc relativ größer als die Roggcuvorräte sind. In der Tagespresse wurde deshalb ver- schiedentlich angeregt, das Zkacht-Backvcrbot wieder aufzuheben, damit wir wieder zum Genüsse frischen Frühstücksgebäckes kämen. So kleinlich es auch erscheint, wenn in Anbetracht der Opfer unserer Feldgrauen schon über die minimalen Entbehrungen ge- klagt wird, die uns Dahcimgeblicbcucn auferlegt werden, so läßt sich hier doch bequem eine Abhilfe schaffen, die gleichzeitig den Interessen der Konsumenten und der Bäckereiarbeiter gerecht tvird. Das Publikum kann ohne weiteres am Morgen frisches Weizen- brot: Schrippen, Knüppel, Semmeln usw. erhalten,� wenn die Bäckereien sich der Mühe unterziehen wollten, die Eigenschaften des frischen Weizenbrotes, nämlich die knusprige Kruste und die weiche Krume über Nacht zu konservieren. Das Altbackenwerden des Brotes beruht auf einem Ausgleich in dem Dampfspannungs- Unterschiede zwischen Krume und Kruste. Dieser Ausgleich läßt sich nach den Untersuchungen von Dr. I. R. Katz ganz erheblich verzögern, wenn man das Brot in einem Raum aufbewahrt, in dem selbst eine hohe Dampfspannung herrscht. Hierzu ist ein Dedmer Ausstellungen. Das Kupfer st ichkabinett hat aus seinem reichen Bestand an Rembrandtzeichnungen und Radierungen eine sehr schöne Aus- Wahl zur Schau gestellt. Es ist ein wahrhaft menschliches Ver- gnügen, diese Blätter lange und tief anzuschauen. Mitten in der wahnvollen Unrast der Zeit empfängt man den starken Eindruck von dem Bleibenden einer Kunst, die entstand, während der Krieg der dreißig Jahre Europa wüst legte.... Es könnte jemand kommen und Rembrandt loben, daß er unser Wissen von der Natur erweitert habe, daß er uns das Licht und dessen Wandlungen sehen lehrte. Das Licht, wie es den Raum er- füllt, wie es die Körper aufleuchten macht, die Schatten verwischt, die Konturen verdunsten läßt, die Falten und Nischen zum flimmrigen Leben iveckt, wie es mit der Dunkelheit kämpft und sie niederringt. Solchem Naturalismus wäre zu erwidern, daß schon Caravaggio die vielfältige Regsamkeit des Lichtes beobachtet und dar- zustellen versucht hat; ein Schüler dieses Italieners war Pieter Lastman, der Lehrer Rembrandls. Rembrandt ein Fortsetzer, besten- falls ein Vollender der Malerei von bühnenhaft beleuchteten Dämmerungsszenen? Es ist offenbar, daß mit solcher Lösung nichts anzufangen ist z sie kann dem Dämon nicht nahekommen. Caravaggio ist heute nur noch eine technische Kuriosität; Rembrandt weitet sich vor uns als ein nie versiegender Strom der Lebenskraft. Der Italiener belustigt, interessiert, verblüfft; der Niederländer, den die Deutschen einen Deutschen und die Franzosen zuversichtlich den Ahnherrn ihres Delacroix, ihres Daumier, ihrer Millet und Courbet nennen, zermalmt uns, sengt uns mit höllischem Brand, segnet uns mit himmlischem Feuer, entsaltet und vertieft unsere Augen, daß sie in der Krone eines Baumes, in der Dumpfheit einer armseligen Kammer, in der Bauchhöhle eines geschlachteten Ochsen den Sinn des Seins, eine Spiegelung ihres Fürchtens und Sehnens, das Antlitz der Ewigkeit erschaue». Es könnte ein anderer kommen und meinen, daß Rembrandt ein Stil sei, ein System. Rembrandt habe als ein unerhört begabter Jongleur mit zwei Kugeln gefeuerwerkt: hell und dunkel. Er habe dies Verfahren planmäßig bis zur äußersten Leistung getrieben. Darauf wäre zu erwidern, daß solche Stilisierung ungefähr das Gegenteil von dem wäre, was Rembrandt ist. Der Stil, wie ihn diese Stilisten meinen, ist immer kalt, er lähmt, er tötet, er ver- ichneidet die Natur, er rückt sie in eine bestimmte und immer in eine kleinere Ordnung. Rembrandt aber war kein Zurechtleger, kein Abwäger, kein mehr oder weniger geschickter Arrangeur. Er war die Leiden- schast schlechthin, ein Verführer und Verftihrier, ein Glaubender und ein Verzweifelnder, jäu Verhöhner des Buchstabens und ein Anbeter der llrkraft, die in Sprüngen zeugt. Mit dwr ungezähmten Instinkten des Tieres verrichtet er das Werk eines Gvttes. Er ist fromm wie ein Kind und ivild wie ein Barbar. Er sieht die Welt nicht als eine ausgeglichene Einheil, vielmehr als ein Drama, voll von Schrecken und Seligleiicn, unerlöst nach Erlösung hungernd, als Schrei und Traum, als Geborenwerden aus unheilträchtiger Nacht zum fang- vollen Goldlicht des Schöpiungsmorgens. Rembrandt zeigt, daß die Kunst nicht zähmend ist, nicht geschliffenes Gefäß, sondern pulsender Wein. So hat übrigens schon Delacroix Rembrandt aufgefaßt; in seinem Tagebuch findet sich diese Stelle:„Vielleicht kommt man noch einmal dahinter, daß Rembrandt ein viel größerer Maler ist als Rafiael..." Das ist er ohne Zweifel, ist es wenigstens für uns. Man braucht daraufhin nur einmal die Zeichnungen an- zusehen, die Rembrandt nach Leonardos Abendmahl gemacht hat; sie bedeuten eine Verinnerlichung des Pathos, eine Vermenschlichung, eine Abtragung der Bühne, eine Auffchließung des Herzens. In der Ausstellung des Kupferstichkabinetts hängt eine„Verkündigung", an- gcblich die Zeichnung eines Rembrandtschülers, die der Meister ver- bessert haben soll. Es mag schon sein. Das Werk des Novizen ist redliche Abschrift der Natur; der Engel kommt als drapierter Knabe mit Flügeln, deren Federn zu zählen sind. Rembrandt packt zu; er reißt das Menschlein, das die himmlische Erscheinung markieren will, zur Größe einer überirdischen Vision. Die Erde verschwindet, und wahrhaft kommt der Himmel mit lichter Musik zu der demütig kauernden Magd. * Die Nationalgalerie, die mit Recht die Malgcfchichte des neunzehnten Jahrhunderts um einige deutsche Meister zu be- reichern sucht, hat in einem Kabinett des oberen Stockwerks Zeich- nungen und Aquarelle von HanS Beckmann, der von 1899 bis 1881 in Hamburg gelebt hat, zusammengetragen. Diese Blätter bereiten uns keine Uebcrraschung; sie gehören in die dichteste Nähe von Kaspar David Friedrich und Johann Friedrich Die CrWeckung öer Maria Carmen. 62) Von Ludwig Brinkmann. „Seit wann fängst Du denn an, Dich für Silbergruben zu interessieren, für das Geschäft zu schwärmen? Bis jetzt war es Dir doch arg zuwider?" „Ich möchte auch einmal ein Unternehinen fiir m i ch haben. Bis jetzt hatte ich doch wahrlich keine Veranlassung, mich in solche Sachen zu mischen; und weil das persönliche Interesse fehlte, war es mir auch langweilig. Aber ich glaube, wenn ich s e l b st an Euren Sorgen teilzunehmen habe, werde ich mehr Geschmack an diesem öden Leben gewinnen!" „Mich soll es freuen, liebe Jane, wenn es Dir gelänge. Ich will Dir wirklich keinen Stein in den Weg legen! Natür- lich in Grenzen; mehr als hunderttausend Pesos darf die Maria Carmen nicht kosten; wenn auch die Anzeichen günstig sind, so ist und bleibt das Silbcrgrabcn ein riskantes Ge- schäft! Und andererseits fürchte ich, daß Potoell Dich mit dieseni Betrage überbietet; er wird die Mine nicht hergeben wollen." „Sie sehen," damit wandte sich Dickinson an niich,„ivir sind bereit alles zu tun, was in unseren Kräften steht, Sic beide zu unterstützen. Verpflichten kann ich mich leider nur zu wenig; es hängt alles davon ab, wie sich die Aufnahme von Geld gestaltet. Ich werde jedes Mittel versuchen, selbst- verständlich, und, wenn es nötig wird, sogar Jane zu meinen! Schwiegervater senden. Meine Frau ist ztvar sehr enthu- siastisch: ich kenne aber einigermaßen den alten Herrn, und ich weiß, daß südanierikanische Silberminen nicht gerade das Lieblingsobjekt seiner Spekulationen sind. Indessen tut er vielleicht etwas der Tochter zuliebe. Aber ich kann mich für nichts verbürgen. Und andererseits widerspricht es meinem wohlverstandenen Interesse, mehr als hunderttausend Pesos zu bieten; ich glaube, ich würde nicht viel riskieren auch etwas höher zu gehen, aber man kann keinem Menschen ins Herz sehen, auch Herrn Powell nicht; er mag sich mit sicbzigtausend Pesos begnügen wollen, da er ja nicht mehr als fünfzigtausend in das Geschäft hineingesteckt hat, und einen sicheren Gewinn von zwanzigtauscnd Pesos lieber nehmen als die Ungewißheit einer kostspieligen Silbergrube!" „Ich wollte, er wäre damit zufrieden!" rief Frau Dickin- son. Dann wären wir den unangenehmen Menschen los! Er ist gewiß keine Zierde für das schöne Tal von Oaxaca!" „Aber Jane, was hat der Mann denn D i r getan? Ge- schäft ist Geschäft; da gibt es keine Sentimentalität!" „Ich hasse ihn!" rief Jane. Dickinson lächelte ein wenig und sagte zu mir: „Sehen Sie, so sind die Frauen! Die kommen nie aus ihrer Haut heraus. Na, wir wollen sie darin lassen; das macht ja gerade ihre Schönheit! Sie und Herr Stuart haben übrigens für die nächsten Wochen nichts mehr hier zu tun; sö empfehle ich Ihnen beiden, nach Stadt Mexiko zu fahren und sich einen tüchtigen Anwalt zu nehmen, der Ihren Vertrag prüft. Vielleicht ist doch noch, wie in jedem Vertrage, eine Lücke vorhanden, die ein findiger Jurist zu einem gewaltigen Loche reißen kann; möglicherweise gibt es eine Gelegenheit, Ihrem triumphierenden Partner das Leben ein wenig schwer zu machen. Und die Hauptsache ist: Propaganda für die Ver- steigerung! Vielleicht gelingt es Ihnen, einen Liebhaber für die Maria Carmen zu finden, der mehr bietet als ich vermag. der vielleicht selbst Powell überbietet. Und er wird um so leichter dazu bereit sein, wenn Sie und Stuart ihm zwei Siebentel des Geldes zurückerstatten und die Leitung der Grube übernehmen; tüchtige Leute werden nicht immer rasch gefunden. Sie können dem Manne auch sagen, daß i ch zwei weitere Siebentel übernehmen werde, wenn der Gesamtkauf- preis hunderttausend Pesos nicht wesentlich übersteigt!" Die Tafel wurde aufgehoben. Ich blieb noch ein halbes Stündchen mit Dickinson bei einer Zigarre in seinem Arbeits- zimmer sitzen und verabschiedete mich dann von ihm und auch von Frau Jane, die im Salon an ihrem Schreibtische saß. Ich fühlte in der Tat etwas von Dankbarkeit und Bewunde- rung für die schöne Frau, als sie mir die Hand reichte und mir ein frohes Wiedersehen wünschte. Dickinson gab mir seinen indianischen Diener zur Be- gleitung mit, und ick ritt wohlgemut noch Ocotlan. Ter Ausblick der ganzen Situation erschien mir doch viel, viel rosiger als am Tage zuvor. Der Weg führte meist an der Eisenbahn entlang, die in den anderthalb Jahren, seitdem ich sie zum ersten Male ge- sehen, mächtige Fortschritte im Bau gemacht hat. Und über- mutig sagte ich zu mir selbst;„Nun, vielleicht werde ich doch noch einmal Stammgast in ihren Salonwagen. Schwierig. keiten sind dazu da, um überwunden zu werden. Und man stirbt nicht gleich in der ersten Krisis!" Am Bahnhofe zu Ocotlan gab ich Dickinsons Diener mein Pferd zurück und entließ ihn mit Empfehlungen an die Herrschaften. Er überreichte mir einen Brief, der an Stuart adressiert war. Eine Damenhandschrift— also Jane.— Im„Hotel Porter" hatte sich Stuart unterdessen häuslich eingerichtet. Er erwartete mich mit Ungeduld in der Halle des Hauses, wo er sich bequem im Schaukelstuhle wiegte. Ich erzählte ihm alles, was ich mit dem Ehepaare Dickinson be- sprochen hatte und schlug ihm vor, gleich am nächsten Tage nach Stadt Mexiko zu fahren. „Wenn es nicht anders geht, werde ich wohl reisen müssen," sagte er.„Ich dachte indessen, es wäre vielleicht besser, wenigstens einer von uns bliebe auf dem Schau- platze der Handlung. Man kann nie wissen, was sich er- eignen mag!" Ich versuchte ihm das auszureden. „In Mexiko werden wir schwere Arbeit genug fiir uns beide vorfinden. Und wir müssen doch in allen Dingen ge- meinsam vorgehen, schon um den nötigen Nachdruck ausüben zu können. Bei der großen Entfernung zwischen Oaxaca und der Stadt ist eine schriftliche Verständigung viel zu schwer. Und dann, John, brauche ich Deine moralische Unter- stützung; bin ich allein dort, komme ich mir gar zu ver- lassen vor!" Schließlich gab er nach, und wir kamen wieder auf die Situation zu sprechen. „Ist Jane nicht ein bewunderungswürdiges Weib?" sagte Stuart stolz. Mir fiel der Brief ein, und ich händigte ihm denselben aus. Er überflog die kurzen Zeilen und rief; „Ich kann nicht zur Stadt fahren! Sei mir nicht böse, aber ich kann nicht. Lies doch selbst!" Da war freilich nicht viel zu lesen: „Ich werde alles tun Dir zu helfen, John! Verlaß Dich ganz auf mich. Wir beide in unserer Liebe verbündet, werden stärker sein, als Dein elender Widersacher. Ich freue mich schon jetzt in Gedanken mit Dir zusammen eine Lebensaufgabe zu haben. Ich denke gar nicht inehr an abenteuerliche Flucht, sondern nur daran, als Deine Partnerin ein großes, nützliches Werk zu leisten. Darin wird unsere Liebe ihren sicheren Grund finden. Ich bin fast dankbar dafür, daß alles so ge- kommen ist, daß mir Armen die Gelegenheit gegeben wird, Dir etwas zu sein. Doch eine Bedingung: Bleibe in meiner Nähe! Wenn Du fortgehst, würde es Dir doch nichts nützen. Ich würde Dir folgen— und könnte nicht helfen! Immer und immer die Deine!" Ich sah, daß hier alle Worte vergeblich seien. „Also reise ich allein," sagte ich tief verstimmt. Tann setzten wir uns zum Abendbrote hin.— (Forts, folgt.) überaus einfacher Apparat konstruiert worden. Er besteht aus einem Kasten mit vertikaler Achse, die auf verschiedenen Höhen mit Ventilatorflügeln ausgestattet ist. Die Achse wird durch einen kleinen Motor in rascher Rotation erhalten. In dem Kasten ruht das Brot auf dünnen Holzstäben, so daß die Luft frei zirkulieren kann. Auf dem Boden des Kastens steht ein großer Napf mit gesätigter Kochsalzlösung, in dem sich überschüssiges Salz befindet. Ein Ausläufer der Achse rührt leicht in der Flüssigkeit. Von Zeit zu Zeit ist es nur nötig, etwas Wasser nachzufüllen, sonst bedarf der Apparat keiner weiteren Behandlung. Mit dieser Einrichtung ist es möglich, das am Abend gebackene Brot bis zum Morgen frisch zu erhalten, so daß es wie gewöhnlich den Haushaltungen zuge- stellt werden kann. Die Nachtarbeit in Bäckereien kann also ganz entbehrt werden— auch nach dem Kriege— so daß das be- schriebene Verfahren einen ganz bedeutenden Fortschritt in sozialer Hinsicht bedeutet, ohne daß das Publikum im ge- ringsten benachteiligt würde. Ein Jubiläum ües SleiMes. In friedlichen Zeiten hätte man sicherlich nicht so ganz bergessen, wie es jetzt tatsächlich geschehen ist, daß vor 2S0 Jahren der Blei- Ilift erfunden worden ist. 1S64 entdeckte man zu Borrowdale in Eumberland eine Granitgrube, die man 1S6S ausnützte, indem man aus ihrem Material ein Schreibzeug herzustellen versuchte. Denn inan hatte sofort erkannt, daß diese Entdeckung für das praktische Leben sowohl wie für die Knast wichtige, wohltätige Neuerungen im Gefolge haben konnte. Die Granitblöcke wurden gefördert, in läng» liche Stückchen zersägt, mit Holz umschlossen und so aus einem neu- geschaffenen Londoner Graphitmarkle, das Kilogranim für ungefähr llov M. Durchschnittswert, zur Versteigerung gebracht. Der Erfolg ivar außerordentlich. Er war so groß, daß man eine Erschöpfung der kostbaren Grube befürchtete und sie darum jährlich nur sechs Wochen lang offen hielt: in dieser kurzen Frist wurden stets für etwa 800 000 M. Graphit gewonnen. Trotzdem verminderte sich allmählich die Ergiebigkeit, und nach anderthalb Jahr- Hunderten hatte das Material so viel von seiner Güte eingebüßt, daß man es im Grunde nur noch mit einer Abfallmasse des einst wunder- voll zarten und reinen Bleis zu tun hatte. Damals siedelte die junge Industrie nach Frankreich über. 170ö kam man dort auf den Gedanken, das Graphit durch eine Beimischung von Ton noch brauch- barer zu machen. Es geschah und erwieS sich als eine bedeutende Berbesserung. Aber man wußte selbst,'daß man die Höhe der Leistungsfähigkeit nicht erreicht hatte; es wurden wohl schon Blei» stifte verschiedener Sorten und Härtegrade verfertigt, doch es fehlte noch die Feinheit der Bearbeitung, die der spröde Stoff ver- langte, um den hohen Anforderungen namentlich für die Ver- Wendung durch die Künstler zu geniigen. Sie hat nian im Lause der Jahre bei eingehendem Studium und gewissenhaster Arbeil mühsam erworben. Bei uns bürgerte sich der Bleistift erst ver» hältnismäßig spät ein. Die frühesten Spuren der Bleistiftfabrikaiion stammen aus dem Jahre 1726 und aus dem Dorfe Stein bei Stürn- berg. 1766 errichtete Graf Gronsfeld mit landesherrlicher Be- Ivilligung zu Jettenbach eine Bleistiflfabrik. 1777 erwähnte bereits Beckmann in seiner„Technologie" die Kunst der„Bleistiflmacherei", allerdings nur in kurzen, ganz oberflächlichen Bemerkungen. 1816 schuf die bayerische Regierung in Oberzell eine Fabrik, die sie nach ihrem Ausbau in Privathände gab. Zu Budweis, Regensburg, Nürnberg, Passau erstanden weitere Fabriken. Die größte aber, die, die in der Zukunft die erste werden sollte, gründete 1760 Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg. Dalmatinisihe ölutrache. Dalmatinische Landwehr hat sich bei der Abweisung der jüngsten italienischen Sturmangriffe besonders ausgezeichnet... Diese dalmatinische Landwehr verdient auch sonst allgemeines Interesse, denn in einer Landschaft des Kronlandes, aus dem sie sich rekrutiert, in der sogenannten Boche di Caitaro, herrscht noch die uralte Sitte der Blutrache, allerdings gegen Korsika, Montenegro und Albanien in einer merkwürdig gemilderten Form.„Wer sich nicht rächt, wird nicht heilig", sagt dort der Volksmund, und so kommt es, daß eine, wenn auch in der Notwehr oder als Antwort auf eine tödliche Beleidigung begangene Mordtat ganze Familien bis in die entferntesten Verwandtschaftsgrade hinein generationen- lang zu unerbittlichen Feinden macht. Aber die Kultur hat hier doch schon eindrucksvollere Fortschritte gemacht, als in der benach- barten wilden Czernagora lMontenegro), und so hat sich allmählich zur Schlichtung dieser Todfeindschaften das als Blutgericht (Kronokolo) bezeichnete Volksgericht gebildet. Nach einem, vielleicht auch mehreren Jahren nämlich pflegen die nächsten Verwandten des Mörders durch Vermittlung einflußreicher Männer die Familie des Ermordeten um einen Waffenstillstand anzugehen, oder sie geloben einander Treue s„ubvatili di vjsrri") für eine bestimmte Zeil: während- dem werden 2i Personen zu dem Blutgericht als Richter gewählt, die dann aber, da der moderne Staat neben dem gesetzmäßigen kein anderes Gericht duldet, außerhalb der Reichsgrenze im kleinen Nachbarstaat tagen. Die merkwürdigen Szenen dieses Volksgerichtes hat Fortunat Vnlovitsch, einer der gründlichsten Kenner des Lebens in der Boche, plastisch geschildert: Die 24 Richter stellen sich im Halbkreis unter sreiem Himmel auf, daneben ein Schreiber, der zum Schluß das Endurteil niederschreibt. Zur Rechten stellen sich 12 oder mehr Mütter auf, jede mit einer Wiege und einem kleinen Kind darin. Den Richtern gegenüber steht als Kläger der nächste Verwandte des Ermordeten. Etwas entfernter kniet auf dem Boden der Mörder selbst, barhäuptig und entgürtet, das Gewehr, mit dem das Verbrechen begangen wurde, um den Hals. Nachdem der Ankläger den Hergang der ganzen Sache erzählt, den entstandenen Schaden beziffert und um Verurteilung des Verbrechers nach den alten Satzungen der Väter gebeten hat, bitlet dieser dreimal mit lauter Stimme, man möge ihm seine Tat um Gottes und des heiligen Johannes willen verzeihen. Dann tritt der Kläger zu ihm. nimmt ihm das Gewehr vom Halse, umarmt und küßt ihn auf die Stirne mit den Worten, daß er ihm um Gotieswillen alles verzeihe. Darauf entfernen sich Kläger und Beklagter; die Richler verhandeln die Sache unter sich, lassen das Urteil niederschreiben und unterfertigen es. Ist alles in Ordnung, werden die Parteien wieder zur Verkündung des Urteils vorgerufen. Es lautet gewöhnlich, daß der Schuldige eine Geldsumme an die geschädigte Familie zahlen soll. Ist diese arm, so nimmt sie Geld an; sonst wird es zu wohltätigen Zwecken verwendet. Am Schlüsse steht man zueinander Gevatter bezüglich der mitgebrachten Kinder, die, wenn sie bereits getauft sind, geschoren werden. Endgültig ge- schlössen wird dann das„Blutgericht" mit einem gemeinsamen Mahle auf Kosten des Schuldigen. Diese friedliche Beilegung hat immer mehr um sich gegriffen, so daß die Blutrache in diesem romantischen Winkel Oesterreichs im Aussterben begriffen ist. Sehen Wilde besser als Kulturvölker! Eine allgemein verbreitete Ansicht behauptet, daß die Sehkraft der Naturvölker der der Kulturvölker weit überlegen sei, und in den Reissromanen der letzten hundert Jahre ist ja auch immer wieder berichtet worden, welch fabelhafte Augen Indianer und Araber, Kurden und Gauchos besitzen. Die Wissenschast indes neigt vielmehr zur Ab- lehnung dieser angeblichen Beobachtungen. Wie das„British Medical Journal" mitteilt, kann nicht die Rede davon sein, daß die Sehkraft der Kulturvölker geringer sei, als die der Wilden. Das Auge ist ein optisches Instrument, seine Fähig- ketten können bedeutender oder geringer sein, je nachdem es gebildet ist. Wenn Wilde auf der Jagd oder im Kampf„besser zu sehen" scheinen, so rührt das daher, daß die betreffenden Völkerschaften als Jäger oder Krieger geübter sind als kultivierte Völker. Zu ähn» lichen Schlüssen ist Dr. Rivers bei der von der Universität Cambridge veranstalteten Torres-Straits-Expedition gelangt. Er stellt fest, daß im allgemeinen geschlossen werden muß, daß die Sehkraft wilder und halbzivilisierter Völker zwar der des Durch- schnitts des Europäers überlegen ist, sie aber doch nicht in dem angenommenen bedeutenden Maße übertrifft.... Sie besitzen nicht jene unglaubliche Schärfe des Gesichts, die nach den Er- zählungen europäischer Reisender erwartet werden müßte. Im Gegen- reil scheint es, als ob das Auge nicht ganz kultivierter Völker eine gewisse Minderwertigkeit besitzt. Wilde und halbzivilisierte Völker haben nämlich auffallend wenig oder dock nur höchst un- bestimmie Farbenbezeichnungen. Das pflegt auf eine gewisse Farbenblindheit hinzudeuten, die in der Tat wiederholt fest- gestellt worden ist. Die oben genannte Torres-StraitS-Expedition hat zum Beispiel bei den von ihr untersuchten Eingeborenen eine gewisse Unempfindlichkeit gegen Blau angetroffen und verminderte Wahrnehmungsfähigkeit grüner Schattierungen wahr- scheinlich gemacht. Dieselbe Erscheinung ist für Aegypten fest- gestellt worden. Unter den Todas in Indien fand sich mehr Farben- blindheit gegen Rot und Grün. Von den Männern litten 12,3 Proz. unter diesem Mangel, dagegen waren ihm Frauen nur zu 1,1 Proz. unterworfen. Daß die Sehkraft der hochkultivierten Völker der Gegenwart der der Kulturvölker des Altertums gleichkommt, hat bereits Alexander v. Humboldt mit der Feststellung bewiesen, baß die Dichtungen der Allen die Plejaden genau so sahen wie wir, indem sie nämlich nur die sechs hellsten Sterne und allein bei hellem Mondschein noch einen siebenten erkennen konnten, also auch nur dieselbe Sehkraft besaßen, wie die Menschen von heute. Tierkohle als Meöikament. Seil langem ist die Eigenschaft der Tierkohle bekannt: Gase. Farbstoffe, im Wasser suspendierte organische Stoffe mechanisch an sich zu ziehen. In der technischen Praxis wird deshalb die Tierkohle vielfach zum Enifärben von Lösungen, bespielsweise von Zucker- lösung, zum mechanischen Reinigen von Trinkwasser u. dergl. benutz:. Neuerdings ist nun auch die Beobachtung gemacht worden, daß verschiedene Giftstoffe, wie Morphium, Slrychnin, Karbolsäure auf Versuchstiere wenig oder gar nicht einwirkten, wenn man ihnen diese Stoffe zusammen mit Tierkohle verabrcichle. Aber nicht nur die direkt zugeführten Gifte können durch Tierkohle in ihrer Einwirkung auf den Organismus paralysiert werden, fondern auch solche Gift- stoffe, die im Darmkanale selbst durch den Lebensprozeß von Bakterien entstehen, beispielsweise bei der Cholera, die Wirkung der Tierkohle erstreckt sich hierbei auch zugleich auf die Bakterien selbst, die sie mechanisch absorbiert und in ihrer Lebenstätigkeit beein- trächligt. Durch die Arbeiten von Freundlich. Lichtwitz, Glaßner und Suida ist festgestellt worden, daß die absorbierende Wirkung der Tierkohle durch dre Gegenwart von Magnesium-, Kalzium-, Kalium-, Natrium-Phosphai oder-Sulfat oder-Nitrat oder-Chlorid begünstigt wird und daß die Absorptionsschnelligkeit mit der Temperatur steigt, so daß die animalische Wärme die therapeutische Wirkung der Tier- kohle noch unterstützt. Die Anwendung der Tierkohle erstreckt sich im wesentlichen aus die Fälle, in denen Giftstoffe dem Organismus von außen zugeführt worden sind oder wo sie im Darmkanale durch die Lebenstätigkeit von Bakterien entstanden sind. Hier kommt die Cholera in erster Linie in Betracht. Typhus und Ruhr nur dann, wenn es sich darum handelt, die verderblichen Mikroorganismen selbst aus dem Ver- dauungSkanale zu entfernen. Da natürlich die mit Bakterien oder Giftstoffen verseuchte Kohle rasch aus dem Darme wieder entfernt werden muß, wird man sie zweckmäßig zugleich mit solchen Abführ- Mitteln verabreichen, die die absorbierende Wirkung der Tierkohle unterstützen, wie z. B. Glaubersalz, Karlsbader Salz u. dgl. Uebrigens scheint die Tierkohle auch in der Chirurgie anwendungs- fähig zu sein, da sie imstande ist, die Wirkung gewebezerstörender Eilerungen.aufzuhalten. Notize«. — Eine wichtige Erfindung für die Photo- graphie. Photographische Artikel, insbesondere Platten, Films und photographische Papiere, müssen gegenwärtig bis zu 20 Proz. höher bezahlt werden. Der Gold- und Silberscheideanstalt in Frankfurt a. M. ist es nun kürzlich gelungen, das sonst sehr schwer lösliche schwefelsaure Silber in einer ganz besonders für photo- graphische Zwecke geeigneten Form herzustellen, so daß bereits eine ganze Reihe von Fabriken photographischer Papiere das � schwefelsaure Silber anstandslos an Stelle von salpetersaurem Silber ver- wenden konnte. —„B o ch o p h o b i e". Mit diesem Namen bezeichnet die „Baraille syndicaliste" vom 19. Juli die finnlose Verhetzung Deutsch- lands, die von den französischen Tageszeitungen und Zeitschriften getrieben wird. Kant, Wagner und Nietzsche habe man schon in den Schmutz gezerrt und verspottet, jetzt komme die Reihe an Goethe. Beethoven werde verschont, weil man ihn nachträglich als Belgier naturalisiert habe. Selbst der Franzosenfreund Heine entgeht den Schmähungen nicht; er war ja em Deutscher. Die Gegenüber- stellung einer lateinischen und germanischen Rasse sei Unsinn. Wohl jeder Franzose habe germanisches Blut in seinen Adern, und viele der besten Franzosen seien deutscher Abstammung. Wie die Verleumdung und Verhetzung gemacht werde, zeigt das Blatt an einem Beispiel. Es sei amtlich festgestellt, daß das Feuer an Bord der„Touraine" durch Zufall entstanden sei. Ein gewisser Swoboda, den man der Brandstiftung verdächtigt habe, sei längst wieder in Freiheit gesetzt. Das verhindert aber den„berühmten" Georges Ohnet nicht, im„Goulois" wider besseres Wissen zu schreiben, im untersten Raum der„Touraine" sei eine Höllen- Maschine gefunden worden, die ein elender deutscher Spion dort ver- borgen habe. — Echo aus der Hochatmosphäre. Der Kanonen- donner bei der Beschießung der die südenglische Nordseeküste an- greisenden Luftkreuzer am Abend des 19. Februar und bei dem See- gefcchte am 24. Januar 1915 wurde in Rotterdam, also auf eine Entfernung von 200 Kilometern deutlich vernommen. Diese Eni- fernung ist viel zu groß für die gewöhnliche Hörweite starker Schall- erscheinungen. In der„Deutschen Luftfahrer-Zeitschrift" wird nun von Wilh. Krebs-Schnelsen darauf aufmerksam gemacht, daß diese eigentümliche Beobachtung nur durch ein Ecko an der Grenze zweier Schickten der Hochalmoiphäre, die etwa 70 Kilometer hoch liegt, erklärt werden könne. Wahrscheinlich ist jene Grenze die Innenseite des Wasserstoffmanlels, der die Erde zusammen mit den unreren, schweren Teilen der Atmosphäre einhüllr. Theater für Donnerstag, den 29. Juli. Deutsches Künstler-Theater. 8>/4 u.: Die Schöne vom Strand, Deutsches Opernhaus Charlottbg. 8 unr: Der Beltelsludenl. Friedrich-Wilhelmstädf. Theater. Kyritz-Pyrilz. Gebr. Herrnfeld-Theater. Sonnabend, den 7. August: WiedererStfnung und Premiere. Klelnet. Theater. 8'/. u.: Ein kostbares Leben. tspiclhans. -Herrschaft!. Diener gesucht LiessliiK-Theater. sv.u.: Seine einzige Frau. I.nstspielhaas. 8'/. 17.: Schlller-Th.Clinnlottenbg. 8 uhr: AU-Reii}elber(|. Thalia-Theater. 8'/t u.: Eine verflixte Annonce. Theater am\oIlendorfpl. sv. u.: Immer feste üruff! Trlanon-Theater. S'/.Uhr; HälMiillilS WWr. IIRANIH Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Der Isonzo und Oesterreichs Ädriaküste. Rose-Theater. s'/.utr: Die Fliegerbrauf. Gartenbühne: L,Ieb Vaterland Walhalla-Theater. s uhr: Von Stufe zu Stufe. GartenbUhne: Vorstell, Apollosängcr. Reichsliailen-Tiieater. Stettiner Shnger. Ans. 8 U. Zum 177. Male: Militärisch. Zcir bild von Meysel. Militärpersoncn u. deren Angehö- rigen vollkommen s reier Zutritt zu d.Stett. Sängern. Spezlalarzt s. Haut-. Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beintranke jeder Art, Ehrlich Hat«. Kuren in u. Co konz. Ladorat. j Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, SAum Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mäs-ig, auch Teilzahl. Sevarates Danrenzimmer. Ol. Nomeysl Zttlmttuiigsjtklie Kerlin. N 54, Fmienstr. 88—85 Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 97t4. Bureau geöffnet von 9 bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr. Guido Thielscher „Venus im Grünen". Operette in 1 Akt, v. Rud. Lothar. Musik von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berns Lotte Werkmeister Thalia-Theater, Berlin Karl Bachmann Julius Spielmann sowie der vom Publikum und Presse glUnzeixl h, urteilte V oig t- Tli eat er. Lad str. 58. Badstr. 58. 5�5- Täglich: ,Kerliil me's mint n. licht/ Volksstück mit Gesang in 3 Auszügen. Erstklassiges Variete Kasseneröffnung 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. MiHtareikekten! jiäi Freitag, den 29. Juli 1915, abends 8 Uhr: Versammlung aller in den Militäreffekten- Betrieben befchäftigten Kollegen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: „Stellungnahme zu unseren Teuerungszulagen." In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. 117/5 vir Ortsverwaltnng. Allgemeine Familien-Sterbekasse zu Berlin. Sonntag, den 1. August 1915, vorm. ö'/g Uhr, im Lokale dcSHerrnM. Weyle, Gcrichtstr.12/13(Eingang z. Saal vom Hausflur): Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: t. Bericht des Vorstandes pro 1914/15 und Bericht über den Antrag der Revisoren aus Erhöhung des Sterbegeldes von der Mitgliederversamm- lung 1914. 2. Kaffenbericht des Rendanten und Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Entichädigung sür den Porstand und die Revisoren. 4. In welchen Zeitungen die Bekannimachungen der Kasse stattzufinden haben. 5. Neuwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder und der Revisoren. Zu wählen sind: Erster Vorsitzender; Ergänzungswahl), stellvertretender Vorsitzender, erster Schristsührer, Rendant, ein Beisitzer, drei Revisoren. 6. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung des QuittungSbuches gestattet; auch ist die Anwescnheil der Frauen erwünscht. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 283/14» I. 8t.: Otto Rosengarten, stellvcrtr. Vorsitzender. N. 65, Genter Str. 37. w«-nin DEiiUchlands.—(Filiale Berlin I.) Sonnabend, den 31. Juli, abendS 8 Uhr. bei Herrn Schmidt, Prinzen-Allee Nr. 33: Ktonats- Ver s ammhmg Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Bekanntmachung! 1. Abänderung zu der Satzung der Ortskrankenka ssr für das Nlaurergewerbe zu Berlin. Berlin v. 54, Sophienstr. 6. Der§ 23 der Kassensatzung der Ortsttantenkasse sür das Maurer- gewerbe zu Berlin kommt in Fortsall und hat mit dem Tage der Bctannl- machung durch den Vorstand der Kafle keine Wirkung mehr. Berlin, den 29. Juni 1915. Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin. Her Vorstand. 20926 A. Daehne, Borsitzender. R. Freund, Schriftführer. Genehmigt. Charlottenburg, den 22. Juli 1915. (L. S.) Kgl. Oberverficherungsamt Grost-Lerlin. Nr. B. K. 262. 15. von Geldern. 133/8 Der Torstand. Restaurant SCarlshorst, Ende Prinz- Adalbert- Straße. ünDctonliarl herrlicher Naturgarten, Doppel-Kegel- T Ui«IvlIUclil bahn. Schönster Familien-Aufenthalt. IVillicliu Albrecht(früher in Borsigwalde). Kerantwortijcher Redakteur: Alfred Wielcpp, Neukölln, Für den Jnjeratenteil verautto,: Th. Glocke, Berlin, Druck u, Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u, Verlagsanjtalt Paul Singer& Co, Berlin SW,