Nr. 172.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 39. Juli. Nachtarbeit*. ZluS den Aufzeichnungen eines Armierungs- I o l d a t e n. Der Armierungssoldat— alias„Schipper"— Otto R i eb i ck e entwirft im„Buchhändler-Börsenblatte" ein Bild von einer nächt- lichen Schipperexpedition.„Freiwillige zur Nachtarbeit 10 Schritt vor!" Die ganze Kompagnie rückt um 10 Schritte vorwimS. Der Feldwebel schmunzelt.„Geht so nicht! Brauche nur 50 Mann! Also abzählen!" EinS— zwei— drei— vier— fünfzig.„Halt! Diese 50 um 10 Uhr 30 Minuten wieder antreten! Wegtreten!" 10 Uhr 30 Minuten. Alles steht mit Pünktlichkeit.„Taschen- lampen zurücklassen!" Wir geben sie ab.„Marsch," Unsere Kolonne setzt sich in Bewegung. Der Marsch über die lange Chaussee bis zum Pionierdepot wird noch verplaudert. Dann heißt es den Mund halten, jedes Geräusch vermeiden. Der Mond hängt wie eine Sichel zwischen den silberigen Sternen; in der schwachen Dämmerung laufen wir wie schwarze Schatten.„Halt!" Wir stehen neben einer großen Kabeltrommel.„Abrollen und alle 10 Schritt ein Mann ein- springen! Los!" Der erste schulterte das schwere Kabelcnde und verschwindet mit dem führenden Monteur im Dunkel. Wir zählen. Alle 10 Schritt springt der nächste von uns ein. Die Kolonne schmilzt mehr und mehr zusammen und endlich ist alles in Bewegung. Vor mir läuft der Droschkenkutscher. Es fällt ihm offenbar Ichwer, seinen Berliner Mund zu zügeln, denn er macht alle Anstrengung, sich im Flüstertöne mit dem Manne 10 Schritte davor zu unterhalten. Hinter mir stöhnt der Assessor mit der Brille. Er hat mir schon vorhin angedeutet, daß er eigentlich überhaupt nichts sieht. Wenn irgend etwas ist, soll ich stark am Kabel ziehen. Also los l Tüht— töht— töht— töht— aha! der Fernsprecher I Tüht— Erste Batterie dort?— erste Batterie dort? Tüht— man meldet uns der Artillerie. Tühhht— Dchntzengrabenkompagnie dort?— Tühbht.— Man meldet uns der Infanterie. Die helle Stimme des Telephonierenden dringt scharf durch die näcktliche Stille. In den Gedanken um dieses Getute sind wir längst von der Chaussee abgebogen und fühlen den lehmharlen Sturzacker unter unseren Füßen. Inzwischen haben sich auck unsere Augen ein bißchen inehr an die Dunkelheit gewöhnt.„Die Füße immer hoch setzen", kam von vorn der Befehl,„aus Leitungsdräbte am Erdboden achten!" Richtig! Hier lagen ja überall isolierte Fcrnsprechdrähte, die Gehirnnerven der Truppenkörper da vorn. Also Borsicht I Die erste halbe Stunde ging um. So im gemächlichen Marschtempo kroch unsere Schlange vorwärts. Mit einem Male, weiß der Kuckuck wie es kam, begannen die Schatten vor mir zu traben, der Droschkenkutscher trabte, ich trabte, der Assessor trabte— und hinterdrein trabte auch alles. Wir versuchten uns zu stemmen. Es half nichts, daS Kabel zog uns nach vorn. Alle unsere Kunst- Nücke im Tauziehen schlugen fehl. Nur festhalten! das war unsere Sorge. Denn plötzlich wurde aus dem Traben Laufen und aus dem Laufen Rennen. Wir flogen hinten wie ein Lämmerschwanz. Pladdausch, lag der eine, der nächste sauste über ihn hin, ich rollte drüber weg, der Assessor hatte den Ruck gemerkt. sprang zur Seite und sank knietief in einen Sumpf. Aber er hielt fest und schlitterte bäuchlings weiter. Nach zehn Minuten stand jeder wieder in seinem Loch. Die Humpelnden wurden gezogen, aber weiter mutzten wir. Jetzt ging's über einen Bergrücken.„Achtung! Schützengraben!" hieß eS von vorn. Da war er auch schon. Klaftertief.' Ich setzte zum Sprung an, springe, schwebe— kullert doch der Assessor hinter mir den Abhang herunter, reißt mich mit dem Kabel zurück— ich mache einen rückwärtigen Saltomoriale, und— plumps, liege ich unten auf einem harmlosen Infanteristen. Aber ich kam fast schneller wieder raus als rein— denn der Deutsche kann auch schlafend Knüffe geben. Lautlos weiter. Fieber- hafte Erreguirg, denn wir sind nun vor der Front. Drüben liegen die Russen, wir hören sie singen. Ein gutes Stück müssen wir nocki vor. Der Assessor meint, er habe wohl kein Glas mehr in der Brille. DaS interessiert mich wenig. Der Droschtenkutfiber fistelt in Hauchtönen:„Paulinchen geht tanzen!" Plötzlich hält er an. Von vorn flüstert's:„Halt!" Alles steht. Pfssss... eine Leucht- kugel... Pfssss... eine zweite, eine dritte. Schräg vor uns. „Niederlegen!" Alles liegt platt.„In die Schützengräben schleichen!" Wie die Katzen klettern wir hoch und lassen uns schwer in die Gräben fallen. Die Infanterie wacht auf und besetzt die Schießscharten. Wir haben unsere Gedanken, wie es sein mag, bier einen Sturmangriff zu erleben, so wie wir sind, ohne Waffen. DaS läßt uns das Warten ein Geschenk sein. Da hinten liegt daS Kabel, schwarz wie ein Aal im matten Mondlicht. Teufel— es raichelt! Da— es bewegt sich! Sollten die Russen—?! Und jetzt kommt da jemand. So aufrecht— ein Russe? Und mit Blendlaterne? Da steht er 20 Meter vor mir, springt in den Schützengraben... und schimpft, was uns einfällt, statt Kabel zu tragen, hier so zu sitzen.„RrrauS!! I" Wir wagen ein- zuwenden:„Aber der Befehl..."„Befehl— welcher Befehl? Raus!" Also ging es weiter, weiter, weiter.... Bald nachdem ließ mich„anmutiges" Plättschern neues Unheil ahnen. Und wirklich— platsch, platsch ging's durch einen breiten Graben, lief genug, um bis über die Knie darin zu planschen. Ob mein Nachmann, der Assessor, seit dem Rutsch durch die Tannen meinem energischen Zupfen am Tau keinen Glauben mehr schenkte oder was es war, jedenfalls lag er plötzlich der Länge nach im Wasser und gluckste— blind wie er war— um Hilfe. Da ließ ich denn zum ersten Male mein anbefohlenes Kabel los und zog ihn ins Trockene.„Bewegung!" flüsterte ich ihm zu, als ich sah. daß seine Zähne zu klappern begannen. Also reihten wir uns schnell wieder ei», er pitschnaß, ich halbtrocken. Endlich ließ der Sturmschritt nach. Es ging langsamer, immer langsamer, und schließlich standen wir. Uns bibberten die ange- weichten Glieder, die manchesternen Hosen erstarrten zum Eisllber- gang.„Kabel niederlegen I" Wir schulterten das schwere Ding ab und legten es am Drahtverhau entlang. Dann ging's zurück, dies- mal auf festem Wege. Nur der Assessor mit dem glaslosen Brillen- gestell tappte noch manchmal ins Ungewisse. Aber wir holten ihn dann immer wieder schnell zurück. Nach anderthalb Stunden Wegs standen wir abermals vor einer Kabeltrommel.„Es muß heute?lacht noch hin, Leute, Kameraden- Pflicht!" sagte der Monteur-Unteroffizier. Also packten wir wieder an, hundematt zwar, aber durch Pflichtbewußtsein gestärkt. Diesmal stellten wir Hinteren uns nach vorn und mieden jede Wegabweichung wie einen Fehltritt. Gegen die fünfte Morgenstunde waren wir wieder am Ziel, legten das Kabel nieder und konnten den Heimweg antreten. Da es schon dämmerte und die feindliche Artillerie die Front abzutasten begann, schienen uns Umwege ratsam. Wir gerieten dabei noch über eine weite Wiese, die uns ihre Tragsähigkeit so trefflich vortäuschte, daß wir erst zu spät merkten, wie sie fast bis zu den Halmspitzen im Wasser steckte. Endlich fanden wir die Chaussee wieder, sie empfing nnS mit einem kühlen Morgenwind, der unsere nasse Kleidung sofort mit einer Eisglasur überzog. Die steifgefrorenen Röhrlinge unserer Manchesterhosen schlotterten klappernd um unsere müden Beine: eine Art klanglosen Morgengeläutes, Dann aber sahen wir unser Ouartierdorf. Die hoben Bäume dahinter leuchteten schon in der Frühsonne deS dienstfreien Tages. Rosen. Von Hermann Weick, Als der Postbote mühsam die fünf steilen Stiegen erklommen hatte und im dunklen Gang an der letzten Türe pocht«, ward ihm nicht gleicki Antworr, worauf fein Klopfen in ein recht heftiges Hämnrern überging. Ein zitternder Ruf, der als Herein verstanden werden konnte, ertönte aus dem Innern; der Briefträger trat in ein kleines Zimmer, das vorn und an einer Seite schiefe Wände hatte. Der Eindruck des Aermlichen und Beengende», den dieser Umstand sowie das etwas schmale Fenster hervorriefen, wurde nock, verstärkt, wenn man die paar Möbelstücke betrachtete, die dicht beieinander standen. Es war nur das Notwendigste: ein Bett, das so hoch war, daß man sich darin gewiß nicht ausrichten konnte, ohne an die Decke zu stoßen, die gerade dort schief in die Höhe ftreble; ein wenig Vertrauen erweckender Schränk, der anscheinend nur noch auf drei Füßen stand und bedenklich auf die eine Seile überbing; daneben ein bölzerner Waschtisch, über dem ein kleiner, halbblinder Spiegel müde ins Zimmer schaute; ein runder Tisch, auf dein eine gebluntte, verblaßte Decke lag, und zwei Stühle er- gänzten die Einrichtling. Vorne am Fenster, auf einer Erhöhung, saß ein weibliches Wesen vor einer Nähmaschine, deren Surren aber sofort aufgehört hatte, als der Postbote ins Zimmer getreten ivar. Mit einem leisen Aufschrei erhob sich die Frau und sah auf den Brief in des Boten Hand wie auf etwas lange, sehnsüchtig Er- wartete-'. Sie war alt; in weißen, spröden Strähnen hing ihr das Haar in die Stirnc, die einst rein und schön gewesen sein mußte. Auch in deni faltigen, etwas verbissenen Antlitz konnte man bei genauerem Schauen noch Reste ausdrucksvoller Züge erkennen. Eine große, etwas verkrümmte Brille lag vor schwachen, glänz- losen Äugen. Aufgeregt fuhren ihre Hände mehrmals an dem grauen, ver- schlissenen Rock hinunter, wie um sie zu säubern, ehe sie nach dein Brief griff. „Warten Sie," sagte sie zu dem Boten und ging zum Schrank. Dabei sah man. daß sie den linken Fuß etwas nachzog. Aus einer Kaffeetasse holte sie ein Geldstück, betrachtete es sorgsam auf beiden Seiten und gab es, als sie ein Zehnpfennigstück erkannte, dem Briefträger. Drinnen war es ganz still. Von der Straße herauf drang nur gedämpft der Lärm, das Schreien der Kinder. Ein paar Fliegen summten an den Fensterscheiben. Die Alte saß vor der Näh- Maschine, ihre Hände zitterten so stark, daß sie einige Male mit der Schere, die sie zum Oeffnen des Briefes benutzte, daneben fuhr: Dann schnitt sie langsam, mit einer ehrfürchtigen Scheu, wie man das Tor zu einein Heiligtum öffnet, den Brief auf und nahm den Bogen heraus. Ihre Augen suchten die Unterschrift; ja, der Brief war wieder von ihrem Soldaten aus dem Krieg... Krause, ziemlich unbeholfene Schriftzüge bedeckten die paar Seiten, mit Bleistift geschrieben, so daß die schwachen Augen der Alten Mühe hatten, sie zu enträtseln, Sic brauchte lange, bis sie zu Ende war; manches verstand sie nicht sogleich und las es wieder und wieder, Ihre Lippen sprachen jedes Wort halblaut mit, lieber ihr runzeliges Antlitz zog langsam ein frohes Leuchten; wie schon er wieder schrieb, ihr Soldat, für den sie ganz allein sorgen durfte, daß er draußen nicht hungerte, dem sie Gaben ins Feld sandle, Zigarren, Wurst, Zwieback und noch manches andere. Dabei kannte sie ihn garnichr, wußte noch nicht einnral, wie er aussah. Ja, es war ganz sonderbar und so gekommen: Eines Tages, vor ein paar Wochen. Hörle sie zufällig in dem Geschäft, für das sie nähte, daß man bei der Sendung von Liebesgaben ins Feld auch jene Soldaten nicht vergessen solle, die keine An- gehörigen haben und also nichts geschickt bekommen; darüber hatte sie einen ganzen Tag und eine ganze Nacht gegrübelt und ihr bißchen Erspartes mühsam zusammengezählt, Sie rechnete und schwankte lange, dann ließ sie sich aber doch eine Adresse geben und sandte dem Soldaten, ihrem Soldaten, wie sie ihn seitdem nannte. ein Paket mit allerband nahrhaften Dingen ins Feld. Und es war seltsam: in jenen Tagen blühte in dem alten, einsamen Weiblein, das bisher für niemand hatte sorgen dürfen, ein längst versunkenes Gefühl wieder auf. eine leise Mütterlichkeit. Und ihre Gedanken waren nun immcrfört draußen im Kriege, dessen Größe sie ja nicht mehr ermessen konnte, der aber doch einen Schein bis in ihr winziges Stllbchen strahlte. Damals war ein warmer Dankesbrief von dem Soldaten ge- kommen, den sie wohl fünfzigmal an jenem Tage gelesen und ihre Arbeit beinahe darüber vernachlässigt halte. Ein Brief— das war ein Ereignis in ihrem Leben, das sie lange nicht begreifen konnte. Schon wenige Tage darauf sandte sie wieder neue Dinge hinaus, die sie in den Läden mit aufgeregter Sorge einkaufte, und dann noch öfters, und jedesmal erhielt ste einen Brief und zwischenhinein noch Karlen mir sonderbaren Bildern, die sie nicht immer verstand. Heule aber schrieb der Soldat so schön wie noch nie. meinte die Alte; von der Freude über die guten Liebesgaben, den schweren Kämpfen, die sie in den letzten Tagen siegend bestanden hätten, und noch vieles andere, daß der Alien vor Freude und Rührung die Tränen in die Augen kamen. Endlich legte sie den Brief zur Seite und begann ihre Näharbeit wieder; ihre Gedanken waren aber wirr, daß sie nicht recht schaffen konnte. Sie blickte zum Fenster hinaus; draußen lagen die Dächer im warmen Sonnenschein. Es ging gegen Abend. Ein unerklär- liches Verlangen kam über die alte Frau, fortzugehen, unter Menschen, um in ihrer Freude nicht so allein zu sein. Sie holte ein dünnes, vom Alter etwas glänzendes Mäntelchen aus dem Schrank, sah noch einmal verwundert mit einem eigenen Lächeln über ihre Stube hin und ging davon, nicht ohne die Tür sorgsam zweimal verschlossen zu haben. Drunten empfing sie das vielstimmige Brausen der Großstadt. Sie ging ohne Ziel und kam zum Stadtgarien, durch dessen Tor viele Menschen strömten, deren Arbeit zu Ende war, und die nun Ruhe suchten. Es war die Zeit, als die Rosen blühten, die hier in Hunderten Arten gepflanzt und gehegt wurden, als eine der schönsten Sehenswürdig- leiten dieser Stadt. Die Alte setzle sich auf eine Bank inmitten der Rosen. In ihrer einen Hand hielt sie krampfhaft den Brief; sie holte ihre Brille hervor und begann von neuem zu lesen. Einige junge Mädchen und Burschen, die Arm in Arm vöriibergingen, sahen mit dem Mitleid» losen Spott der Jugend auf das komische Bild, das die alte Frau bot. Sie las langsam, Zeile um Zeile, wie man ein Glück gemächlich in sich aufnimmt. Auf einmal wurden ihre Augen weil und bekamen einen seltsamen Glanz. Die Hände mit dem Brief sanken ihr in den Schoß: sie lehnte daS Haupt langsam zurück und sann. Was schrieb der Junge draußen im Feld:„Wenn ich heim- kehre, komme ich zuerst zu Ihnen." Anfangs hatte sie, als sie diese Die Crweckung öer Nana Carmen. 63j Von Ludwig Brinkmann. Beim Militärkonzert auf der Alameda hakte Stuart mit einem Male seinen Arm in den meinen ein. „Du bist mir böse, Lewis! Und ich weiß, es ist nicht recht von mir, daß ich meiner Neigung folge, anstatt Dir zu helfen. Aber ich kann nicht anders; vergib mir!" „Mache Dich los von diesem Weibe, John! Wohin soll denn das führen? Es kann nimmer gut enden. Lieber ver- zichten wir auf alle Hilfe und vertrauen auf die eigene Kraft. Dickinson vermag mehr mit einem Worte in Freundschaft, als dieses Weib mit einem Vulkan von Liebe!" „Magst recht haben, aber ich kann nicht anders! mag nicht anders! Ich weiß, ich verliere Deine Freundschaft, aber lieber verliere ich die als das Glück, das ich im Herzen trage!" „Meiner Freundschaft bist Du immer sicher, John, aber ich fürchte— des Glückes nicht ebenso sehr. Welch ein Wechsel in so kurzer Zeit! Vor wenigen Wochen noch hast Tu das Weib von ganzer Seele gehaßt." „Habe ich es wirklich getan?" sagte Stuart langsam. „Dann war der Haß nur eine erkrankte Liebe. Sie blieb mir frisch und jung wie am ersten Tage. Ach, Lewis, Du weißt ja gar nicht, wie das alles gekommen, und wirst uns beide auch nicht begreifen!" Und nach einer kleinen Pause fuhr er fort: „Im Grunde hat unser Roman schon vor langer, langer Zeit begonnen. Nur wußte ich nichts davon. Es hat eigent- lich mit uns beiden angefangen. Zu einer Zeit, da wir vom Jmparcial noch keine Ahnung hatten, hat Jane uns schon gekannt, wenigstens dem Ansehen nach.. „Wie war das?" „sie hat uns beide einmal durch die Alameda von Stadt Mcriko schlendern sehen. Ihr erstes Gefühl war freudige Ueberraschnng. Endlich einmal zwei Männer! dachte sie. Du weißt ja, Lewis, wir sind gottlob etwas größer und breiter geraten als die gelben mexikanischen Herrlein. Seitdem hat sie gewünscht, uns kennen zu lernen. Und es kam wirklich so. Erst Du: Du bist ihr oft begegnet, in Chapult6pcc, oder sonst- wo; und später in ihrem Hause; dann aber begegnete ich ihr, und vielleicht bin ich schließlich der Bevorzugte deshalb ge° Wesen, weil ich noch um ein paar Zoll höher aufrage als Du — wer weiß?" Der Gute weiß allerdings recht wenig. * Fast einen Monat habe ich wieder in der Stadt verbracht — und nichts geleistet, nichts geschaffen. Doch ist die Zeit rasch vergangen. Je weniger man tut, desto flinker fliegen die Tage vorüber. Oder besser, sie scheinen wie ein Wind verflogen zu sein, wenn man aus der Entfernung an sie zurückdenkt. Es ist gut, daß ich niemandem Verantwortung schuldig bin— ich würde schlecht bestehen. Gut, daß ich niemanden habe, der mich auffordert: erzähle! Es würde ihn kaum fünf Minuten kosten, den Geschäftsbericht eines ganzen MonatS zu hören. Und weil ich das weiß, wage ich kaum mich selbst dazu aufzufordern. Ich verträume viel von meiner Zeit in unfruchtbaren Er- innerungen. Ich wohne in demselben kleinen Zimmer bei der Witwe Eufemia Rodriguez, das ich einst vor mehr als zwei Jahren mit Stuart bezogen. Nach meiner Ankunft in der Stadt betrieb ich es zunächst ein wenig vornehm und wohnte im„Hotel Francas". Aber der Geist der Mathematik kam bald iiber mich, und ich sah, daß ich es mir nicht lange leisten könnte.-l25 Pesos sind in der Stadt bald ausgegeben, wenn man mit Anwälten, Annoncen-Erpeditioncn, Redaktionen zu tun hat, fremde Herren gelegentlich zum Abendbrote ein- laden soll, wenn man sonst in dem lebensfrohen Völkcrwirrsal so viel freie Zeit hat wie ich. Allerdings teilt ja Stuart die Kosten mit mir; aber da muß man eben noch vorsichtiger sein. Da ist das Träumen schließlich noch das billigste. Und ich tue es in ausreichendem Maße. Meine Tischgesellschaft bei der wackeren Witwe ist fast noch die gleiche wie damals, als ich unter Bakers Oberbefehl Erzaufzüge entwarf. Da ist der verkommene Maler, ein Oesterreicher, der noch genau so lügt wie vor zwei Jahren und jedenfalls noch mehr trinkt und noch schlechter porträtiert wie damals. Aber er weiß zu er- zählen, das hilft über die Zeit hinweg. Da ist ferner der Licenciado mit seiner Gemahlin, dem es finanziell sicher ebenso schlecht gebt wie dem Maler und mir, dessen Manieren aber eines Granden von Spanien würdig wären. Das Ehe- paar schweigt meistens. Da sind die drei lieblichen Töchter der Witwe Rodriguez, deren Hauskleider noch ebenso schmutzig sind, wenn nicht noch schmutziger; aber vielleicht ist das nicht möglich. Des Abends auf dem Parado sind sie aber um so prächtiger gekleidet. Endlich sind dort noch der dänische In- genieur von der Fuerza y Luz— und Hermann Schmidt. Der sitzt manchmal wie frülwr in meinen: Zimnier, klagt das alte Klagelied von seiner schlachten Bezahlung und darüber, daß er nicht einmal fortgehen kann, weil er wo anders noch schlechter bezahlt würde. Ich bemerke ihm darauf, daß es ihm fa doch an Mut ge- bräche, sollte sich ihm eine Gelegenheit bieten sein Glück zu versuchen. „Sie meinen doch nicht etwa Ihre Gnche?" fragte er höhnisch. „Allerdings meine ich die!" „Habe ich aber nicht vollkommen recht gehabt, daß ich verzichtete?" „Vollkommen recht. Sic haben ja im voraus gewußt, wie alles kommen würde. Ich wollte, ich bättc etwas von Ihrer Prophetengabe; ich hätte viel Zeit, Geld und Nervenkraft gespart." „Ich wußte gleich, daß in Ihrer Wüste unsereins nicht ge- deihen kann," meinte Schmidt selbstgefällig. Ich aber brach die Unterhaltung ab.— Ein anderes Mal sitzt er wieder bei mir und erzählt zum hundertsten Male, wie doch alles so anders aussehen könnte, wenn nur das deutsche Kapital Interesse für Mexikos unge- hcure Möglichkeiten hätte. Ich bemerkte, daß wenigstens mein deutsches Kapital das gewünschte Interesse in ausreichendem Maße bewiesen habe, daß es aber auf dem besten Wege sei, in die Taschen eines Jankees zu wandern. „Das ist es ja," ruft Schmidt erregt,„wir lassen uns die Amerikaner hierzulande über den Kopf wachsen! Wären Sie. anstatt mit zehn, mit fünfzig Mille an die Sache Herangegan- gen, dann wären Sie jetzt Herr Ihres Sitberberges!" „Ja, wäre ich nur," sagte ich ironisch. „Aber so ist es immer! Tie Amerikaner erobern das ganze Land und treiben die anderen Nationen hinaus! Und was zurückbleibt, hat sich mit schlockster Bezahlimg und den: Fräße der Wirtin Rodriguez zu begnügen. Wenn nur die großen Banken, die Regierung einmal aufwachen wollten!" „Wir wollen sie schlafen lassen,«chinidt! Das Schlafen und vielleicht ein wenig Träumen, das ist nun einmal, das beste, was wir Deutschen können!"— (Forts, folgt.) Worte flelefcn, gelächelt, da der Soldat draußen sie wohl für ein junges Mädchen hielt... dann aber hatten diese Worte so seltsam in ihr ausgeklungen, toie ein alles, wohlvertrautes Lied. Sie tastete dieser vergessenen Melodie nach, bis es, wie ein brausender Akkord, in ihr klar wurde; in Schmerzen klar. So wie der junge Krieger heute hatte ihr schon einmal einer geschrieben: vor vielen, vielen Jahren, da sie noch jung war. Zwar nicht ganz dieselben Worte; so hatte er geschrieben: Wenn ich wieder heimlehre, komme ich zuerst zu Dir... Du sagten sie zueinander, denn er hatte sie ja geküßt, damals beim Abschied, ehe er in die Fremde zog, um sich dort eine neue Heimat zu schaffen, in die er sie dann als sein Weib holen wollte. Er war aber nicht mehr ge- kommen. Ihre Lippen, auf denen seine Küsse noch lange heiß wie ihre Sehnsucht brannten, hatte keiner mehr geküßt; sie war alt ge- worden und einsam geblieben. Nun stand alles lvieder vor ihr wie am ersten Tage. Sie sah sein junges, frohes Gesicht, die hohe, starke Gestalt, hörte das helle Lachen, mit dem er sie damals über das Trennungsweh hinweg- trösten wollte. Die alte Zeit kam herauf mit ihren Freuden und Schmerzen. Ilm sie war ein wundersames Duften; sie blickte erstaunt auf und gcivahrte jetzt erst mit sehenden Augen die Pracht der Rosen, unter denen sie träumte. Der Abend war langsam herbeigekommen; es waren nicht viel Menschen in ihrer Nähe. Sie versenkte ihre Augen in die Farben der Rosen, die im Dämmerschein mild ineinander flössen. Ihre Gedanken waren aber weit ab, in vergangenen Zeiten, die der Junge ihr heute mit seinenr Brief unbewußt aufgetan hatte, da ihr Leben noch hell und sonnig vor ihr lag wie eine große Hoffnung. Es war aber kein lauter Schmerz über ihr einsame?, glückloses Leben in ihr, sondern mit der vom Alter verklärten Entsagung nahm jie die Vergangenheit in sich auf als einen schönen Traum. Kleines Feuilleton. Die innere Linie. Während die Russen bei Beginn des Krieges vermöge ihrer kolossalen Truppenmassen sowohl rm Norden wie im Süden ihre Operationen auf der äußeren Linie ausführten, sind sie jetzt bei den gewaltigen Entscheidungskämpfen in Polen aus die innere Linie an- gewiesen. Diese ist nur dann ein Vorteil, wenn ein militärisch brauchbares Eisenbahnnetz eine schnelle Verschiebung der Truppen- Massen ermöglicht. Die Operationen auf der inneren Linie bildeten vor dem Kriege ein vielbesprochenes Thema, da sie wlederholt glänzende, die Welt überraschende Erfolge gezeitigt haben. Wenn eine Partei sich auf einen Punkt stützt, den der Feind von mehreren Stellen eines ihn umgebendeu Kreisbogens auf getrennten Vormarschlinien angreist, so sagt man, daß jene sich auf der inneren Linie befinde. Dasselbe trifft zu, wenn sie eine Stellung innehält, die der Gegner mit einem Teile seiner Kräfte geradewegs angreift, mit dem anderen aber zu umgehen trachtet. Man hat Überdies den Begriff verallgemeinert und auf die Lage jedes Heeres übertragen, das sich zwischen verschiedenen feindlichen Gruppen befindet und seine Streitkräfte innerhalb des von denselben umschlossenen Raumes in Verbindung zu setzen vermag, bevor der Gegner imstande ist, sie mit Ueberlegenbeit anzugreifen. Die Bedeutung der sogenannten inneren Linie also liegt in der Möglichkeit des mehrfachen Gebrauchs derselben Streitmacht gegen verschiedene feindliche Gruppen. An der Spitze von 100 000 Mann kann man nacheinander drei Abteilungen von 80 000 Mann schlagen, während der Kampf gegen die vereinigten 240 000 Mann ausstchts- los wäre. Das Wesen der Operationen auf der inneren Linie wird am interessantesten und lehrreichsten durch die Mahnahmen Napoleons I. in den Tagen vom 10. bis 14. Februar 1814 beleuchtet. Vor den verbündeten Heeren auf Paris zurückweichend, befand der Korse sich am 9. Februar mit der Hauptmacht seiner Streitkräfte bei Sozanne. Nördlich, durch den Petit-Morin und sein sumpfiges Tal von ihm gelrennt, zog die schlesische Armee unter Blücher gen Paris. Sie war nicht vereinigt, sondern auf zwei Straßen, nämlich längs der Marne sowie auf dem kürzeren Wege über Champaubert geteilt. Auf jeder von beiden iolgten die Korps einander noch in größeren Abständen. Nun, dies waren für einen Napoleon günstige Umstände zu überraschendem Angriffe. Der Kaiser bemächtigte sich vorerst des UebergangeS über den Petit-Morin. Darauf eilte er, diesen benutzend, auf die südliche Straße des Blücherschen Heeres und sprengte am 10. Februar das zunächst stehende russische Korps Asuvief bei Champaubert. Am 11. eilte er dem dort schon vorausmarschierten Sackenschen Korps nach und schlug es bei Montmirail. Am 12. ward dann das preußische Korps Dorck bei Chateau-Thierry geworfen. Darauf kehrte der Korse nach der südlichen Straße um, wo aus dem Hintergrunde Blücher mit dem preußischen Korps Kleist und dem russischen Korps Kapczewitsch herankam. Am 14. Februar erlitt auch Blücher bei Etoges eine völlige Schlappe. In fünf Tagen hatten alle Teile der schlesischen Armee vereinzelte Niederlagen erlitten und schwere Verluste gehabt, die für den Gegner dem Ergebnis einer großen gewonnenen Schlacht gleichkamen._ Die Erntehilfe. Aus Thüringen wird geschrieben: Ueber dem Blumen- flor im Garten des Bahnwärters Ludwig zu M. summen die Immen. Drei stattliche Völker haben dort ihre Heimat. Da jedoch der Bienenvater als Krieger im Felde steht, so hat er die Sorge um die fleißigen Tiere seiner Ehefrau übertragen müssen. Leider Gottes ist diese aber eine„Unkundige", und sie weiß mit dem Ein- ernten des Honigs keinen Bescheid. Da hat sie die Oeffentlichkeit angerufen und eine Anzeige erscheinen lassen, ob sich nicht ein bienenkundiger Mann fände, der ihr die Honigernte besorgen würde. „Der Frau kann geholfen werden!" sagte einer im Stillen zu sich, dem das Wochenblatt in die Finger geriet. Er verstand sich nämlich auf die Immen. Und so kam er mit fich selbst überein, der Aufforderung Frau Ludwigs nachzukommen. Er suchte allerhand Gerätschaften, die er bei seinem Borhaben benötigte, zusammen und machte sich auf den Weg. Freilich war eS schon ein wenig arg dunkel, als er ging, und wie es scheint, hat er sich gar verlaufen. Sicher ist nämlich, daß Frau Ludwig ihn niemals bei sich sah. Es meldete sich überhaupt trotz wiederholter Hilferufe keine mit« fühlende Seele, die der Frau in ihren Honignöten beigestanden hätte. So mußte sie sich ichließlich, so gut es gehen wollte, selbst ans Werk machen. Und siehe: da stellte sich zu ihrem maßlosen Erstaunen heraus, daß die Arbeit bereits getan war und daß somit jener Unbekannte, der so erntefreudig in das nächtliche Dunkel hin- einmarschiert war, doch den Weg zu Ludwigs Bienen- stöcken gefunden und„die Ernte besorgt" haben mußte. Dies allerdings, ohne die Besitzerin von seiner„Hilfs- arbeit" zu verständigen. Jedenfalls fand die überraschte Frau sämtliche drei Bienenkasten ihre? süßen Inhalts beraubt. Der Spitz- bube hatte in durchaus fachmännischer Weise den Honig mir den Waben herausgehoben und an deren Stelle, um die Arbeit der Bienen nicht zu stören, künstliche Waben hineingehängt. So kam die ob dieser Entdeckung entrüstete Frau des Imkers um ihre Honigernte, und— was noch empörender ist— es gab Leute im Dorfe, die da meinten, die betrübliche Geschichte wäre nicht ganz ohne einen lustigen Beigeschmack, und man könne an ihr einmal wieder sehen, wel-d„zugkräftige" Wirkung so ein Inserat unter Umständen ausübe._ Oer§tlm im Dienste üer Berufswahl. Eine neue VerwendungSarl des Kinematographen, die gemein- nlltzig und segensreich wirken kann, hat neuerdings die„Zentrale für wissenschaftliche und Unterrichts-Kinematographie" angebahnt. Sie sucht nämlich den Kinematographen in den Dienst der Berufswahl zu stellen. Bekanntlich sind seit längerer Zeit Bestrebungen im Gange, das Interesse der Schuljugend und vor allem das der schul- entlassenen Jugend für das Handwerk zu heben, dessen gesunde Eniwickelung für das ganze wirtschaftliche und kulturelle Leben unseres Volkes von so hoher Bedeutung ist. Ein Hilfsmittel, das im Dienste dieser Bestrebungen von vorteilhafter Wirkung sein könnte, besteht nun darin, daß man den jungen Leuten, sowie ihren Eltern die verschiedenen Handwerksbetriebe anschaulich vor Augen führt, so daß sie einen Einblick in Wesen und Betrieb des einzelnen Hand- Werkes erhalten. Der persönliche Besuch von Handwerksbetrieben wird ja den jungen Leuten, die vor der Berufswahl stehen und ihren Eltern doch nur in Ausnahmefällen möglich sein und so kann denn hier der Film eintreten. Aus diesen Erwägungen heraus hat die gedachte Zentrale eine Reihe von Handwerksbetrieben kine- matographisch aufnehmen lassen. Man sieht zum Beispiel die Her- stellung eines Bucheinbandes, eines Wagens, eines geschmiedeten Gilters und erhält so einen lebendigen Einblick in die Buchbinderei, Stcllmacherei, Schlosserei, Hufschmiede usw. Wie Paul Sorgenfrei im„Prometheus" berichtet, war die erste Vorführung dieser Films, die unlängst in Berlin erfolgte, technisch wie inhaltlich vollkommen gelungen, so daß man sich von dem Versuche günstige Erfolge ver- sprechen kann. Voraussetzung ist natürlich, daß die Äichtspielbübnen Zeit finden, neben den Kinodramen, mit denen sie uns beglücken, auch derartige gemeinnützige Films zur Vorführung zu bringen. Eine Mstenbestattung auf Madagaskar. „Prinz" Ramava auf Madagaskar, einst ein mäckniger Fürst, ist gestorben, schreibt„Astenposten". und wurde neben seinen Vätern in den Felswänden unterhalb Ambohitrandrazana(„Stadt der Väter") bestattet. Der Sarg war im Innern mit einer dreifachen Schicht von Silberdollars bekleidet, die durchbohrt waren, damit sie der Toren nicht von Räubern genommen werden können. Ramavo war eine Frau, ließ sich aber stets Fürst nennen, trug kurz geschorene Haare, einen Männerhut und lange Beinkleider. Sie herrschte während des tiefsten Versalls des HovageschlechteS über die Betfileoprovinz Jsandra. Als die Franzosen Madagaskar nahmen, war es mit ihrer Regierung zu Ende. Arm und verlassen ist die Fürstin gestorben, das letzte Glied eines einst kräftigen, berühmten KönigstammeS. Doch ihre Beisetzung war fürstlich, gleichsam ein letztes Aufflackern der uralten Bestattungs- sitten, die jahrhundertelang bei diesem Volksstamm herrschten und durch ihre grenzenlose Verschwendung das Volk mehr kosteten als Kriege und Mißernten. In Ramavos Sarg befanden fich außer dem Silbergeld kostbare Schmucksachen, Hausgeräte, Werkzeuge, Kostbarkeiten aller Art, mir denen sie ihre sürstlichen Ahnen im Grabe begrüßen muß. Sklaven konnte sie, trotzdem die Sitte es heisckit, nicht mitnehmen, weil es auf Madagaskar leine Sklaven mehr gibt. Dafür wurde aber eine große Anzahl Ochsen geschlachtet. Doch auch noch eine andere Sitte mutzte unterbleiben, weil die Bei- setzung möglichst rasch vor sich gehen sollte. Die Leichen von Fürsten wurden dem alten Ritus nach an den Türpfosten gebunden und täglich festergezogen, bis alle darin befindliche Flüssigkeit in eine Schale gesickert und dann an einem heiligen Ort lief im Fluß versenkt worden war. Von hier stieg die Seele des Toren in Form einer Schlange auf. die man nicht beunruhigen durfte, sondern vom Königshof aus ernähren mußte, sobald sie sich zeigte. Während eines solchen oft Monate lang dauernden Leichentrockenprozesses wurde die ausstaffierte Bahre unter Musik und einem Gefolge von weinenden, Trauerkleidung tragenden Frauen von Stadt zu Stadt getragen._ Notizen. — Musikchronik.„Der Sonnenvoge l", die Operette von Georg Okonkowski und Rudolf Schanzer, Musik von Victor Hollaender, wird am Sonnabend, den 31. Juli, in neuer Ein- studierung im Deutschen Künftler-Theater gegeben. — Künstlerunterstützung. Zur Unterstützung not- lebender Künstler heben im vorigen Monat die städtischen Kollegien von München wieder 110 000 M. bewilligt, von denen noch nichts verausgabt ist. Der Hilfsausschutz der Münchener Künstlersckiafr hat nunmehr in einer Eingabe an die Stadt gebeten, sofort 35 000 Mark aus dieser Summe zu unmittelbaren Ankäufen fertiger Kunstwerke zu verwenden, um auf diese Weise Geld unter die Künstler zu bringen. Der Magistrat stimmte dem Gesuch zu. 'Ausjerkcaifc Nur Jemsailemerflr./Doiihofix�äia Im Om& Ächluss Sonnabend Ziermltungsstelle Serlm. N 54, Fimenstr. 83—85 Telephon: Amt Norden 185. 123«. 1g87. 9714. Bureau geöffnet von S bis 1 Uhr und von 4 biS 7 Uhr. : Mütareff ekten!! Heute Freitag, den 30. Juli 1015, abends 0 Uhr: Versammlung aller in den Militäreffekten- Betrieben befchäftigten Kollegen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: „Stellungnahme zu unseren Teuerungszulagen." In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. 1I7/Z Die Ortüvcrivaltuiig;. Verwaltung Berlin. Tcl,-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungeftraße 30 Heute Freitag, den 30. Juli, abends 8'/z Uhr, Rungestr. 30: Sitzung der Ortsverwaltung. Freitag, den 20. August, abends 8 Uhr, im Gewerk- schaftshaus, Engelufer IS: Ordentliche Geueral-Versammlung. Anträge hierzu müssen bis 6. August an das Bureau eingereicht werden. 86/1_ Ple Ortaverwaltnng. ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, aÄSn beim Alten Freund. Qewerksehaftshaus Im herrlichen Naturgarteu Sonntagnachmittag auf den Terraffen ch Kaffeekonzert. ❖ ❖ Ochsenschwanzsuppe.... 15 Pf. Krastbrühe mit Mark... 15 Hecht grün....... 60 Mayonnaise von Zander.. 50 KalbSsteak mit Blumentohl. 60 Sonntag mittag: Gänsebraten...... 80 Wildschwein...... 70 Hammelleule...... 70 Wersch, Kompotts oder Salat 10 Speise oder Käse.... 20 »eute, den 30. Juli 1913, zwischen 2 und 6 Uhr, ein iiesenposten westfälischer Landschinken und Schinken- speck, das Pfund 1,00—1,80 M. a Pfund Fr. Rippespeer.... 1,50 M. Schinken u. Schulterstück 1,50„ Ochsenfleisch, schier... 1,50„ Hammelkeule«. Rücken 1,50, Kalbskeule u. Nierstück. 1,20„ o Pfund Braunschweiger Schrot. 1,60 M. Salami....... 1,60, Gefüllter Schinken... 1,60„ Landleberwurst.... 1.50„ Breslancr...... 1,20„ Der Verkauf findet nicht unter 3 Pfund statt. Lekantwortlicher Nebakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für Pen Lnferatenteil LeranUo,: Th, Glocke, Berlin, Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW.