Nr. 180.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonntag, 8. Anguß. Domestikation unö Rastenverfchieöenheit. Die Lebensbedingungen des Menschen zeigen eine gewisse Aehn- Tichteit mit den Lebensbedingungen unserer Haustiere, und es liegt deshalb die Vermutung nahe, daß einzelne körperliche Merkmale des Menschen durch diese Umstände sich entwickelt haben, genau wie bei unseren Haustieren durch die Domestikation(häusliche Züchtung) Veränderungen in ihrem Bau, besonders im Hautapparat und Stelettsystem hervorgerufen worden sind. Gründliche Untersuchungen, die Eugen Fischer angestellt hat, sprechen nun dafür, daß es dem wirklich so ist. Nicht nur die heutigen Kulturvölker, sondern auch die Halbkulturvölker, ja auch die Primitiven erweisen sich durch Domestikation beeinflußt, d. h. sie zeigen Veränderungen im Körperbau, die durch künstliche Eingriffe in die Ernährungs- und Fortpflanzungsbedingungen verursacht worden sind. Welches sind nun die Veränderungen, die der Mensch durch die Domestikation in seinem Körperbau erlitten hat. Es stellt sich heraus, daß die meisten der Eigenschaften, die die Haustiere durch Domesti- kation erworben haben, fich auch beim Menschen als Rassenmerkmal wiederfinden. Nur zwei Veränderungen, die die Haustiere im Vergleich zu ihren wildlebenden Arlgenossen aufzuweisen haben, treten beim Menschen nicht auf, nämlich die große Verschiedenheit in der Ausbildung der Ohrntuschel und die bei fast allen Haustieren zu beobachtende Fleckung. � Fischer sieht nun in der Verschiedenheit, die die menschlichen Rassen in bezug auf ihre Haarbeschaffenheit aufzuweisen haben, ein Merkmal der Domestikation. Man unterscheidet bekanntlich glatthaarige, wellighaarige und kraushaarige Rassen. Eine solche Verschiedenheit in der Haarform ist nun auch bei vielen Haussäugeticren festzustellen, während ihre wildlebenden Verwandten stets nur glattes Haar besitzen. Fischer schließt daraus, daß auch der Mensch ursprünglich nur glatt- baarig war, und daß die beiden anderen Haarformen infolge der Domestikation erst später entstanden sind und zwar wiederholte Male, unabhängig von einander. Die Konsequenz dieser Auffassung ist natürlich die, daß man in der gleichartigen Haarbeschaffenheit(etwa der Krausbaarigkeit der Afrikaneger, Negritos und Melanesier) kein Zeichen der Verwandtschaft sehen darf. Akoch auffälliger als in der Haarform zeigt fich der Domesti- kationseinfluß auf die Beschaffenheit des Farbstoffs sPigments) der der Haut, den Haaren und der Regenbogenhaut des Auges ihre be- stimmte Färbung verleiht. Während die Färbung der Säugetiere in der Hauptsache durch den Farbstoff der Haare bedingt ist, tritt beim Menschen— wohl als Ausgleich mit dem Schwund des Haarkleides— die neue Hautfärbung als neues Merkmal auf. Sie ist bei den einzelnen Menschenrassen äußerst verschieden und zeigt alle Uebergänge vom tiefen Schwarzbraun des Negers bis zum Weiß des Nordeuropäers. Als AuSgangZform ist die'Dunkelhöutig- keit anzusehen. Der Nordeuropäer hätte sich also in bezug auf feine Hautfarbe am meisten von der ursprünglichen Menschenform entfernt. Während man nun früher meinte, die helle Hautfarbe des Europäers— ähnlich wie die weiße Haarfarbe der Polarliere— auf eine Anpassung des Diluvialmenschen an die Eiszeiten zu erklären, hat Fischer einwandfrei nachgewiesen, daß es sich hierbei wirklich um ein Domestikationsmerkmal handelt. Um diesen Nachweis zu erbringen, untersuchte er zu- nächst die Augenfärbung bei verschiedenen Säugetieren. Dabei zeigte sich, daß bei den Polartieren die Augenfarbe wie auch die Hautfärbung an den nicht behaarten Stellen dieselbe ist wie bei ihren� nicht in den Polargegenden lebenden nächsten Verwandten. Sie stimmt z. B. beim Eisbären und braunen Bären vollständig überein. Dagegen stellte er fest, daß die Augenfärbung verschieden ist beim dunklen Wildschwein und hellen Haus- schwein. Die Aufhellung der Farbe muß also als ein Ergebnis der Domestikation angesehen werden. Der gleiche Unter- schied besteht nun in den Augen hell- und dunkelhäutiger Menschen- raffen, mithin ist die hellere Augen- und Hautfärbung des Weißen Menschen ebenfalls als ein Produkt der Domestikation an- zusehen. Ja, Fischer glaubt diese Aufhellungserscheinung mit dem als Hemmungsbildung bekannten Albinismus in Zusammenhang bringen zu können und sie nur als dem Grade nach von diesem verschieden ansehen zu müssen. Auch der AlbiniSmus, d. h. der völlige Farbstoffmangel in Haut, Haaren usw., tritt unter Domesti- kation viel häufiger auf als im Freileben. Besonders häufig sind nun aber bei Tieren die Formen mit nur teilweiser Entfärbung, denen beim Menschen die hellhäutigen, blondhaarigen, d. h. pigmentarmen Rassen entsprechen. Diese helleren Abarten konnten sich aber nur unter bestimmten klimatischen Ver- Hältnissen erhalten und auf die Nachkommenschaft vererben. Diese Hellfarbigen vermögen z. B. nicht auf die Dauer in den heißen Ländern zu leben, weil ihnen nämlich der Farbstoff in der Haut fehlt, der eine Schutzeinrichtung gegen die blauen und ultravioletten Strahlen des Sonnenlichtes darstellt. Wo dieser Schutzstoff der Haut nur in geringen Mengen vorkommt, treten schwere Haut- und Allgemeinerkrankungen auf. Die hellfarbigen Menschen- raffen konnten sich deshalb nur in der gemäßigten und kalten Erd- zone ausbilden, weil nur hier die Bedingungen gegeben waren, welche die Erhaltung und Weiterzüchtung der als erbliche Domestikations- Variante auftretenden Aufhellung ermöglichten. Als ein weiteres Ergebnis der Domestikation glaubt man auch die große Schwankung in der Körpergröße der Haustiere und Menschen ansehen zu müssen, da derartige Größenschwankungen unter den wildlebenden Formen nicht vorkommen. So beträgt der Unterschied zwischen menschlichen kleinsten Zwerg- und größten Riesen-Jndividuen 205 Zentimeter. Weiter hat man ausgesprochene Zwerg- und Riesenrassen wiederholt bei unseren Haustieren ge- züchtet. Man denke nur an unsere Hunderassen. Die menschlichen Zwerg- oder Pygmäenvölker wären also demnach weiter nichts als lokale durch Domestikation entstandene Größenvarietäten. Auch andere körperliche Merkmale des Menschen, die eine große Ver- schiedenheit bei den einzelnen Individuen und Rassen aufweisen, wie z. B. die Mannigfaltigkeit der Nasenformen, glaubt Fischer als durch Domestikation entstanden und weiter entwickelt ansehen zu müssen. Die Domestikation steigert seiner Auffassung nach die Mannigfaltigkeit der körperlichen Merkmale sowie das numerische Auftreten der einzelnen Abweichungsformen, so daß einmal auf- getretene Barianten leichter erhalten bleiben und sich weiter über- tragen können als im Naturzustand. Diese interessanten Untersuchungen gewähren einen Einblick in sonst dunkle Zusammenhänge. Es bedarf aber weiterer Forschung, um die Rassenverschiedenheit, die zweifellos durch verschiedene Faktoren bedingt ist, zu erklären. B. kleines Ieuilleton. 5elöer ües ToSes. Im Wiener„Kuryer Polski" gibt ein Berichterstatter einen plastischen Bericht über einen Besuch der russischen Schützengräben bei Lemberg nach der Vertreibung der Russen: Auf der Straße nach Janow ziehen wir dahin. Vor uns ein deutscher Train und schwere österreichische Batterien. Einige Meilen von Lemberg entfernt, rechts und links von der Land- straffe, ist die Erde weithin ausgewühlt, wo russische schützen- grüben lausen, die trefflich gedecki und geradezu durch einen Wald von Stacheldrahtverhauen geschützr waren. Weiter davon erheben sich Verschanzungen, die inmitten des Hagels der russischen Kugeln von unseren Soldaten errichtet wurden, als sie von dieser Stelle gegen Lemberg losgingen. Wir verlassen den Weg in der Richtung zum Fort, das in Rzesna Polska auf einer Anhöhe errichtet wurde. Auf einmal lenken die ersten Schützengräben unsere Aufmerksamkeit auf sich. Sie sind sorgfältig ausgebaut, mit einem Dach, das auf Balken ruht. Im Gebälk mit Panzcrblech verschalte Oeffnungen, hinter denen die Schützen gewesen waren. Auf der Erde im Staub liegen Karabiner, zerbrochene russische Gewehrkolben, Post- karten und Papier mit Blut bespritzt. Durch ein aus Stacheldraht gebildetes Tor gehen wir auf die Anhöhe von Rzesna, die in ein starkes russisches Fort mngebaut worden war. Auf der Erde liegen in der größten Un- ordnung Gewehre und Handbomben, deren Gestalt an die ge- wöhnlichen Handlaternen oder an kleine Flaschen erinnert. Hier sind die Kasematten für die Offiziere und Soldaten, und sorg- fältig ausgebaute Stellungen der russischen Artillerie. Die Kasc- matten sind aus Beton und Eisen gebaut, das Dach mit Gras verdeckt, innen bergen sie eine Küche, ein Munitionsnmgazin, Liegestätten. Eine dieser Kasematten wurde vom Geschoß einer 42-Zentimeter-Batterie zerstört, wobei vier Soldaten getötet wuc- den. Daneben hat ein wohlgezielter zweiter Schuß einen Trichter ausgegraben und dort lagernde große Munitionsvorräte schwer bc- schädigt. Auf dem Boden sind neben Trümmern von Waffen besonders zerbrochene Maschinengewehre zu sehen. Am Ein- gang des Forts waren die Stacheldrahtverhaue an vielen Stellen zerrissen. Viele blecherne Kisten mit russischen Patronen und große Vorräte von Munition für Maschinengewehre lagen herum. An der Durchruchsstelle lag ein russischer Offizier, offen- bar aus reicher Familie, was die überaus feine Montur und die seidene Wäsche beweist. Weiterhin ist das Feld mit Schüssen übersät und zwischen Unkraut und Kornblumen liegen im Getreide ganze Haufen ge- fallencr russischer Soldaten, mitten unter ihnen auch zahlreiche österreichische Soldaten, die in einem Bajonettangriff schließlich das russische Fort in Rzesna Polska eroberten und dabei den Heldentod fanden._ Hegen den Seidenbau in Deutschland. Vor nicht allzu langer Zeit wurde angeregt, im Verein mit der Kriegsfürsorge die Seidenraupenzucht in Deutschland wieder zu beleben. Gegen diesen Vorschlag wendet sich Prof. Paul Schulze- Krefeld, und zwar mit durchschlagenden Gründen; die Sache ist nämlich vor allem unwirtschaftlich, wie schon viele gleichartige Versuche gezeigt haben. Zur Ernährung der Seidenraupen bc- nötigen wir Maulbeerblätter. Der Maulbeerbaum läßt sich zwar in Deutschland züchten, aber der Landmann würde bald davon ab- kommen, denn für ihn würde es sicher wirtschaftlicher sein, Obst, Gemüse oder Korn zu bauen. Selbst in der Sonne Italiens, wo man die Maulbeerbäume am Feldrand pflanzte, sieht man sich neuerdings zu einer Einschränkung gezwungen. Man hat weiter versucht, anstatt der Maulbeerblätter die Schwarzwurzel als Futter für die Raupen zu verwenden. Versuche, die in dieser Richtung an der Tertilsachschule in Krefeld ausgeführt wurden, wurden auf- gegeben, da daö Futter die Güte der Seide ungünstig beeinflußte und auch der Anbau der Schwarzwurzel zu diesem Zwecke unWirt- schaftlich ist. Dazu kommt noch, daß die Raupenzucht viel Raum beansprucht, so daß der italienische Bauer während der Zucht den Raupen fast sein ganzes.Haus einräumt und selbst nur in einem bescheidenen Winkel haust. Es erscheint fraglich, ob die ein- heimische Bevölkerung sich hiermit abfinden würde. Ganz unmöz- lich können wir aber mit den Löhnen in Italien und Japan in Wettbewerb treten. Decktschland ist eben von Natur nicht zur Er- zcugung von Rohseide oder Baumwolle bestimmt, und so glaubt Pros. Schulze wohl mit Recht, daß das Geld, das für solche Zwecke geopfert werden würde, sicher besser anderweitige Verwendung finden könnte. Man muß die Seide als eine Art Bodenprodukt an- sehen, dessen Beschaffenheit eben vom Klima abhängig ist. Für Teutschland, das Land der führenden chemischen Industrie, kommt noch hinzu, daß die Kunstseide immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnt._ Notize«. — I n Chopins Heimat. Während die Russen in ihrer Not den Polen das Blaue vom Himmel herunter versprechen, haben sie Chopin, dem größten polnischen Komponisten, recht übel mit- gespielt. Wie aus Sochaczew gemeldet wird, ist der Gutsho Zclazowa Wala, der Geburtsort Cbopiits, von den fliehenden Russen vollständig zerstört worden. Das Geburtshaus des Komponisten ist nicht mehr vorhanden, und das Chopin-Denkmal. das im Park deS Gutshofes ausgestellt war, ist nur noch ein Haufen Steine. — Russische Eroberungen. In Ruffisch-Polen wurde in einer Kiste verpackt eine Marmorgruppe gefunden, die„Mutter und Kind" darstellt. Sie scheint aus Ostpreußen entführt zu sein und wurde dahin zurückgeschickt. — Verbotene Feldpostbriefe. Der„Corriere della Sera" meldet, daß die italienische Zensur die Veröffentlichung von Feldpostbriefen verboten habe, weil solche Briefe oft Notizen enl- hielten, die dem Feinde nützen könnten.__ Die Crweckung öer Maria Carmen. 71] Bon Ludwig Brinkmann. Eines weiß ich: wenn ich mich vielleicht auch über all das Schwere hinweggesetzt, hinweggetäuscht hatte, das seit dem Mai über mich hereingebrochen, über den Tod Wards, den Mordanschlag im Gebirge,' den Verlust meines Ver- mögens und die Trennung vom Freunde, den Gram darüber und die Tropenglut zweier langer, arbeitsvoller Jahre— sie müssen doch in meinem Innern ärger gewütet haben, als mir in dem bewegten Wechselspiele der Ereignisse bewußt geworden: sonst hätten sie mich nicht in Orizaba so jählings itiederzuschmettern, auf das 5brankenbett zu werfen vermocht. Nun ist das aber überwunden. Mit Liebe fast denke tch an die Vergangenheit zurück. Wenn sie auch keine Erfolge gebracht hat— es war doch Leben gewesen! Ich sehe die Dinge bald wie Marina an: ich will eben leben, weiter nichts! Und es war doch ein höheres, mächtigeres Leben, als jenes fremde Kffnd jemals zu führen imstande fein wird.— Mit besonderer Rührung erinnere ich mich an den Tag der letzten Fahrt von Laxaca nach Puebla. Es war seltsam: als ich zum ersten Male auf dieser Strecke gefahren, war es Jane gewesen— vor langer, langer Zeit. Als ich neulich zurückkehrte geschah es mit ihreni Gatten, mit Richard D i ck t n s o n. Er hatte mich leicht begrüßt und sich dann in einer Ecke des Pulmanwagens niedergelassen, während ich draußen auf der Plattform saß und langsam mich durch die wilden Schluchten des Gebirges hintragen ließ. So wurde es all- mählich Mittag, und ihm erging es ebenso wie damals seinem Weibe: die Hitze im Innern des Wagens wurde schließlich unerträglich, so daß er zu mir hinauskommen und sich not- gedrungen an meine Seite setzen mußte. Beide sprachen wir kein Wort und rauchten unsere Zigarren. Endlich schien ihm doch die Situation unbehaglich zu werden, und er sagte knurrend: „Sie wissen, was sich zugetragen, vermute ich?" „Schwer zu sagen, Herr Tickinson: ich weiß ja manches. „Natürlich wissen Sie! Sie sind sa beteiligt.. „Darf ich bitten, sich ein wenig deutlicher auszudrücken?" sagte ich auffahrend. „Sie wissen, daß mir meine Frau vor ungefähr einer Woche aus Puebla telegraphiert hat, sie reise nach Europa." „Ich habe etwas Derartiges wohl gehört, wenn ich auch von dem Telegramme nichts weiß!" „Nun ja! Sie wissen also, mit wem Jane reist?" „Habe keine Ahnung. Herr Tickinson! Ich dachte, Ihre Frau führe allein!" Er sah mich mit einem langen Blicke an, als wollte er mir in den Grund meiner Seele schauen. Dann sagte er: „Sie wollen mir einreden, Sie wüßten nichts. Ich habe aber die Beweise in meinen Händen. O diese niederträchtigen Briefe! Mein Gott, daß alles so hat kommen müssen!" Ich fühlte keine Veranlassung, das Gespräch fortzusetzen und wartete geduldig ab. Tickinson, der mich augenscheinlich ein wenig ausholen wollte, fuhr dann fort: „Wenn Sie es nicht wissen oder wenigstens nicht wissen wollen— so muß ich es Ihnen schon sagen: Jane reist mit Herrn Stuart, Ihrem ehemaligen Partner!" „Ach nein," sagte ich lächelnd,„Stuart schwimmt auf dem«stillen Meere: vor ein paar Tagen schiffte er sich in Salina Cruz nach Columbia ein." Dickinson wollte es nicht glauben; ich gab ihm aber mein Ehrenwort, daß es wirklich der Fall sei, und erzählte ihm die Einzelheiten. „Gottlob," sagte er leise,„so ist mir das Schlimmste wenigstens erspart geblieben— Jane reist allein. Die Dirne war nicht Dirne genug, der Bube nicht genug Bube, um mir das anzutun!" Ich benutzte die Gelegenheit, einiges zur Verteidigung meines Freundes zu sagen, wie er stets das Ende gesucht, aber nicht gefunden, und wie er, als es sich ihm schließlich doch gezeigt, es freudig unö fest ersaßt habe, um seine Schuld in der Fieberluft Columbias zu büßen. „Schließlich ist er jetzt schon genug bestraft, hat es ihn doch den Besitz seiner Mine gekostet," fügte ich hinzu.„Und ich Unschuldiger habe auch darunter zu leiden gehabt! Mein kleines Vermögen ist dahin!" „Bin ich denn nicht auch unschuldig, und habe ich nicht tausendfach mehr leiden müssen? Auch mein Besitz ist ver- loren!" rief Dickinson bitter. „Auch Ihre Gruben verloren?" Er antwortete nicht, sondern stieß nur mächtige Rauch- Wolken aus. Schließlich jedoch begann er: „Ja, ich habe den Exzelsior verkaust. An Powell! Mein Dasein ist in der Wurzel zerstört: was soll mir da noch mein Besitztum! Ich habe es ja nur für Jane gehabt: und seit- dem sie von mir ging, hat es keinen Wert mehr für mich. Sehen Sie, als ich vor bald sechs Jahren in das Tal von Oaxaca zog, ließ ich ein leichtes, behagliches Leben hinter mir. Aber es trieb mich, die Erde nach Silber umzuwühlen, mit gierigen Händen mir ein Vermögen zu erringen— um Jane und ihren königlichen Bedürfnissen dereinst Befriedi- gung zu schaffen. Nur deshalb ertrug ich so vieles, trug alle Entbehrungen des ersten, härtesten Jahres, bis endlich das Haus stand: doch die Beschwerde« und auch die harte Arbeit sind schließlich noch das leichtere Teil gewesen; mein Rücken ist breit genug, um vieles zu tragen; aber ich duldete auch das ungemein Härtere, tschwerere— ich duldete Janes allzu große Freiheitsliebe, der ich doch für viele Entsagung des Wllstenlebens etwas Ersatz bieten wollte, duldete, daß sie mich fast stets allein ließ.— Sie sehen selbst, ich bin a l l z n duldsam gewesen! Darin lag vielleicht mein Teil der Schuld. Dann kamen Sie in das Tal. Ter Jniparcial kann nicht darüber klagen, daß der Exzelsior ihm nicht ein guter Nachbar gewesen— aber er hat ihm die treue Freundschaft schlecht gelohnt..." „Sie dürfen nicht alle die Fehler � des e t n e n entgelten lassen, Herr Tickinson; und der eine ist auch mehr durch die Macht der Umstände auf seine Bahn getrieben worden, als durch das frevelhafte HerzI" „Ich habe so meine eigenen Gedanken darüber. Ich bin kein gelehrter Mann, das recht und richtig zu begründen; ich lasse mich von meinen Gefühlen leiten. Der tödliche Blitzstrahl fährt aus der an sich harmlosen Wolke hernieder, und doch mache ich die Wolke für den Brand meiner Hütte verantwortlich. Es war die A t m o s p h ä r e des Jmparcial, wenn ich so sagen darf, die meinem Hause gefährlich geworden; es war ein feindseliges Element in das Tal von Oaxaca gekommen, und einer aus Ihrer Reihe hat den Streich geführt — tver es war, das ist gleichgültig.. Ich war betroffen über dieses so sichere Empfinden des weltfremden Mannes; ja, es lag Gewitterschwüle über dem Jmparcial. „Nur auf faulendem Boden kann der Schwamm ge- deihen," fuhr Dickinson fort.„Es war etwas in Ihrem Kreise krank bis in die Wurzel, und ich will Ihnen auch die Ursache nennen: das Zusammengewürfelte! Da waren der große Finanzmann im Hintergründe, in dessen weitausschauenden Plänen sie alle nicht mehr als Schachfiguren waren, die man um eines Vorteiles willen unbedenklich opfert: dann der tod- kranke Buchhalter, der besser für eine kühle Schreibstube Chikagos paßte als für die tropische Wüste mit ihren verderblichen Sonnengluten: dann der kultivierte Europäer und schließlich der stärkste, wurzelfesteste, Stuart, das Kind der Steppe, das die Mutter indessen zum Nomaden erzogen, was sein Verhängnis war. In dieser Gruppe konnte sich der Geist des Silberbergmannes, dieser bedürfnislose, entbchrungs- gewohnte, standhafte, reservierte und keusche Geist, der nur eine Leidenschaft kennt: Silber aufzuhäufen, nicht bilden. Dieser Geist ist wie die Kaktee; die ist stachelig und unschein- bar, aber sie saugt aus dem sonnenverdörrten Steinboden der Wüste ihre Kraft; auf so reichem, üppigem Grunds wie der des Jmparcial wächst sie nicht; vielleicht blüht dort schöneres Leben, aber nun einmal nicht die Orgelkaktee. (Schluß folgt.) Her ii Verwaltung: Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestratze 30 DieuStag, den 10. August, abends 6 Uhr, im Lokal von Wittenberg, Andreasstr. 26: Sranehen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Bt auch enkomnns si on. 2. Wahl von Delegierten zur Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheitcn und Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, recht zahlreich in der Ver- sammlung zu erscheinen Drechsln-, Trexpengeliiiidn-».Alkbiilin- Krillche. Tonnerstag, de« IS. August, abends S'/a Uhr, im Lokal von Otto Stein, An der Sttalauer Brücke it: verttaueosmänner- Versammlung der Bezirke Südost, Südwest, Osten und Norden. Sezirk Weißensee. Dienstag, de» 10. August, abends 8 Uhr, im Prälaten, L-hd-r�Str. 122: NW" Versammlung"ME Generalottsammlungs-Deltgikrtkn und Nertrauensleute. Die Kollege» find verpflichtet, aus jeder Werkstatt einen Vertrauensmann zu senden. Bezirk Oberschöneweide. Die Kommisstonsfitzung mit Delegierten fällt am Montag, . August, aus und findet am Montag, den IL. August, statt. den S 86/11 Die OrtsTerwaltang. n Nermltllngssttlle Serlin. N 54, Finienstr. 83—85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet vo» S bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr. Montag, den v. August ISIS, abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung für Grünau, Bohnsdorf und Falkenberg im Lokal von Grabow, Falkenberg. Die TageSorduuug wird in der Versammlung bekanntgegeben. Zahlreiches und pünktliches Erschemen erwartet 17/116 DJe Ort«Verwaltung. tsefter ri Bezirksverwaltung Grost-Berlin. Sngelufer 14/15. Telephon: Amt Moritzplatz, Nr. 4747 und 2382. Dtlkgierte zur örtlichen Genkral-Nersammlung! Montag, de« S. August ISIS, abends S'l, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engeluser 14/15(großer Saal): Ordentliche General-Versammlung pro Ä. O.uartal 191S. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen- und ArbeitsnachwciSbericht pro 2. Quartal 1915. 8. Erledigung etwa eingegangener Anträge. Es ist Ehrensache eines jede» Delegierte«, sein Mandat anS- zuüben und in dieser Versammlung anwesend zu sein. Mitgliedsbuch und Legitimationskartcn sind am Eingang des Saales zwecks Abstempelung vorzulegen. Ohne Buch und Karte kein Zutritt. Der mit seinen Beiträgen über 8 Wochen im Rückstand ist, hat eben- sallS leinen Zutritt. 66/5 Die Bezirksverwaltung. I. A.: A. Werner. Yerein der Freidenker für Feuerbestattung. Sitz Berlin. Geschäftsstelle: H. Müller, NW. 23. Cuxhavener Str. 15. Oegrrfindet 1905. Kassierer: L Dentler, Neukölln, Berliner Str. 85, Port II. Eintrittsgeld IM.— Monatlicher Beitrag 30 Pf. Nach dreijähriger alitgliedsohaft kostenlose Einäscherang und Bei- setzang der Aschenkapsel.— Aufnahme ohne ärztliche Untersuchung.— Nach 25jähriger Mitgliedschaft Beitragsfreiheit. Achtung! Mitglieder! Todesfälle sind bis auf weiteres anzumelden unter Vorlegung der Sterbeurkunde bei dem 3. Vornltzenden Herrn HUller, Cnxlmvener Str. 16, oder dem L. Kassierer Herrn Dentler, KenbOlln, Berliner Str. 85. 284/3 Her Vorstand. H. Miller, zweiter Vorsitzender. Reederei KRtlllt& HßrtZßf Fernspr. Königst. 2062. Is Berichtigung. Die Abfahrten der gestern bekannt SW im« fit IT*» finden nicht vorgegebenen WerktagSfahrten ab mittags, sondern tmrfimtflood i v/' Uhr ab Kaiser-Kriedrich-Vrucke s llttillMiriHgS f 1'/, Uhr ab Wiidenbruch-Brücke/ fintt. Pen Genossen 8m Felde ist es Bedürfnis, Uber das politische und organisatorische Leben in der Heimat stets unterrichtet zu sein. Darum sendet ihnen regelmäOig die Neuerscheinungen der parteigenössischen Literatur des Krieges. Sie sind zu beziehen durch die Zeitungsausträger oder direkt durch die BUCHHANDLUNG VORWÄRTS BERLIN SW. 68, UndenstraBe 3 Restaurant Karlshorst, Ende Prinz- Adalbert- Straße. riincfonliarl herrlicher Naturgarten, Doppel-Kegel- T III ÄlvlIUdll bahn. Schönster Familien-AufenthalL Wilhelm Albrecht(früher in Borsigwalde). Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen S Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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