Ztr. 67, Abomikinents.KMngungtn: Öbonnement«-Pre>» pränumerando: «Zierteljährl. SLV Mr., inonall. l.IVMr., »vöcheullich W Pfg. frei ins Hau». Qiiuclne Nummer 5 PIg.®onntag8» Nummer mit illnNrierier Sonntags» üeitage»Die Neue Well" 10 Psg. yost- ■lldonuement: 3,30 Marl pro Quartal, Eingetragen ln der Post-ZeitungS- Preisliste für 1000 unter Et. 7071. Unter ftteiijband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mari pro Monat. Trscheiiil täglich emster Wonlag«. Vevlinev VolKsblskt. 17. 1»I»rg. Di» Inserttons. Gebühr delrägt für die sechSgefpallene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschasiliche Vereins» und VersnmmlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" sedeS Wort B Psg. (nur das erst« Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer mästen biS 4 Uhr nachmittags inderExpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen BlS 7 Uhr abends, an Sonn» und gestlagen bis S Uhr vormittags geostnel. Fernsprecher! Amt l, Er. 1308. Telegramm- Adresse: «Sorialdemokrat»erlitt" Centralorgan der sooialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SVT. 19, Beuth-Strahr 2. Mittwoch, den JJ1. März 1900« Expedition: SW. 19, Beuth-Strasje 3. Ist das Recht des Streikpostenstellens in England verkürzt? London, den 12, März. Der Rechtsstreit, der seit mehreren Jahren zivischcn einer Londoner Unternchmeifirma und dem Gewerkoerein der Galanterie Lederwarcn-Arbeiter schivcbt itttd das wichtige Recht des Streik p o st e n st e I l e n s betrisft, hat vorige Woche�cin unerivartetes und für die Gewerkschaflswelt nnbefricdigcndcS Ende gefunden. Der genannte Verein hat die von ihm eingelegte Berufung gegen einen ihm un- günstigen Entscheid des Berufungsgerichts plötzlich zurückgezogen, infolgedessen der Entscheid, der das vorcrivntzittc Recht iii hohem Grade gefährdet, Rechtskraft erhält und bei späteren Prozessen alS mastgebendes Borbild angerufen werden kann. Da der Fall in der hiesigen und. wie ich sehe, auch der deutschen Ilutcrnehmerpresse übertriebene Deutungen erfährt und jedenfalls für die Arbeiterwelt von Bedeutung ist, wird es angebracht sein, etwas näher auf ihn einzugehen. Im Jahre 1896 fand in der Leder-Glantcricwarcn-Jndustrie in London ein Ausstand statt, der sich vornehmlich gegen die Finna Lyons, Redcrotz Street, City, richtete. Der gcuanute Gewerkvcrein stellte daher einige Posten vor das Geschäft der Firnia ans, um etwa dort sich einfindende Kollegen von dem Stand der Dinge jzu unter- richten und so vom Strcikbnich abzubringen. Diesem Zwecke diente ein Flugblatt, das die Beschwerden des Gciverkvereius gegen die gesperrte Firma darlegte. Gegen die Verteilung deS Flugblatts, das nach ihrer Behauptung unwahre Angaben enthielt, und daS, ebenfalls nach ihr, in grobe Belästigung und Einschüchterung auS- artende Verhalten der Posten erwirkte sich die Finna ein richterliches Verbot— einen sogen. Einhaltsbcfchl(injunction), der zuerst provisorisch. dann aber vom Richter Byrne endgültig genehmigt und vom Berufungsgericht bestätigt wurde. Die Richter erkannten, int Widerspruch mit der gegenteiligen Behauptung der Gewerkschaft und ihrer Zeugen, daß die Posten das ihnen gesetzlich zustehende Recht des friedlichen Postenstchens und Bcrichtgcbcns überschritten hätten. Dieses Recht ist im siebenten Paragraphen des 187Ser Gesetzes über Verschwörungen und Eigentumsschutz niedergelegt, und zwar lauten die betr. Sätze Ivie folgt: »Jede Person, die in der Absicht, eine andre Person von der Ausübung oder Unterlassung einer gesetzlich in ihr Belieben gestellten Handlung nnrechMiätzig und ohne gesetzliche Vollmacht zwangs- weise abzuhalten,... da? Hans oder irgend einen andren Platz— oder den Zugang zu solchem HauS oder Platz—, Ivo solche Person wohnt, arbeitet, ihr Geschäft betreibt oder sich gerade aufhält, bewacht oder umstellt hält..., ist. sobald sie von einem Bagatellgericht oder ans Grund eines im Nachfolgenden bestimmten Erkenntnisses von Geschworenen überführt worden ist, zu einer Geldstrafe von nicht über 20 Pfd. Sterl.(400 M.) oder bis zu drei Monaten Hast oder Gefängnis mit Arbeitspflicht zu der- urteilen. »DaS Warten vor oder nahe einem Hause oder dem Zugänge zn einem Hause oder Platze, wo solche Person wohnt, arbeitet. Geschäfte treibt oder sich gerade aufhält, soll, wenn es nur zu dem Zweck geschieht. I n f o r m a t i o n e n zu empfangen oder zu geben, nicht als Bewachung oder Umstellung im Sinne dieses Abschnitts betrachtet werden." So wenig bestimmt der Paragraph sonst lautet, so stellt er doch eines über jeden Zweifel hinaus klar: das Bewachen einer gesperrten Arbeitsstätte, das nur den Zweck hat, zugehenden Arbeitern >n i t z u t e i I c n, d a tz u n d w a r u m s i c g e s p e r r t i st, und festzustellen, ob und wieviel Arbeiter fort arbeiten, soll nach dem Willen des Gesetzgebers st r a f f r e i b l e i b e n. In diesem Sinne haben ihn die Richter bisher und auch in dem vorliegenden Fall interpretiert. Nicht das Princip selbst ist in Frage gestellt, sondern sein Geltungskreis. Wo hört die Information auf, den Schutz der Zusatzbestimmung zu genieben bezw. wo fängt sie an. den Schlingen des Vordersatzes zu verfallen? ES liegt auf der Hand, daß hier der richterlichen Interpretation ein weiter Spielraum gelassen ist. Wenn ein Wachtposten dem hinzukommenden Arbeiter mitteilt, dab eine Werkstatt gesperrt ist, wird er ihm auch sagen und sagen müssen, warum sie gesperrt ist. Sonst wäre der vom Gesetz ausgesprochene Schutz ein Lichtcnbergischcs Messer ohne Griff und Klinge. Die Rechtsprechung ist aber in dieser Hinsicht eine ziemlich widerspruchsvolle geiveseii, die Polizei- und Friedensrichter haben da in den verschiedenen Orten sehr weit differierende Erkenntnisse gefällt. Es ist daher schon seit Jahren eine Forderung der englischen Gewerkschaftler, die von Kongretz zu Kongrcb von neuem gestellt wird, dem obigen Gesctzesparagraphen eine solche Gestalt zu geben, daß er nicht mibzudeutcnder Weise die Rechte der Arbeiter mit Bezug auf die hier in Frage kommenden Handlungen feststellt. Eine Resolution in diesem Sinne wurde u. A. vom allgemeinen Gcwerkvereins« Kongreß von 1897(Birmingham) mit nahezu Stimmeneinheit beschlossen. Aber die unsinnige Praxis dieser Kongresse, Massen von Resolutionen aller Art zu beschließen, entzieht den einzelnen Resolutionen alles Gewicht. Der Prozeßfall Lyons bezw. das Erkenntnis, das den Unter- nehmern recht gab, bot nun eine günstige Gelegenheit, einen Eni- scheid derhöctisten richterlichen Behörde einzuholen, wie es in dem Prozeß Allen versus Flood mit Bezug auf die sog. Einschüchterung der Unter« nehmer geschehen. In diesem Sinne haben auch die GewerkvereinS- kongresse von 1898 und 1899 beschlossen. Der Prozeß sollte bis zum Gerichtshof deS HauseS der LordS getrieben und. da das Prozessieren enorm theuer. der Gcwcrkverein der Lederarbeiter aber nur schwach ist. die ganze GewerkvereinSwclt zur Aufbringung der Mittel an- gehalten werden. Am Letzten hat es nun gefehlt. DaS Geld ist nicht in dem erforderlichen Maße cingelaufen, und darum hat die Gewerkschaft den Prozeß fallen lassen müssen. Ob das Parlamentarische Gewerk- schafts-Komitce. das noch auf dem letztjährigen GewerkvereinS- kougreß silb anheischig machte, für die Aufbringung der Gelder Sorge zn tragen, dantit keinen Erfolg gehabt hat oder die Abficht ge- «Wonne« hat. der Fall sei als Probefall für einen prineipiellen Entscheid ungeeignet, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. Semig, die Gewerkschaft bat verzichten müssen, den Entscheid der höchsten richterlichen Autoritäten einzuholen. DaS ist sehr bedauerlich und, wenn nicht sitristische Bedenken vorlagen, eine auf's entschiedenste zu verurteilende Vernachlässigung der Pflichten von feiten des Parlamentarischen Komitees, bezw. der großen und reichen Geivcrkschaftcn. Aber wenn die»Berliner Politischen Nachrichten" und ähnliche Schweinbnrg- Blätter triumphieren. den englischen Arbeitern sei jetzt das Recht ans PvstenanSstcllcn genommen, das Streik« postenstehcn werde jetzt»an sich schon sür eine Zuwider Handlung gegen das staatsbürgerliche Princip der Arbeits- frcihcit erklärt und als solche bestraft", so ist daS eine lach er« liche, entweder von totaler Unkenntnis oder von schamloser Verdrehung des Sachverhalts zeugende Uebertreibung. Die UnWahrhaftigkeit deS gc- nannten Blattes geht schon daraus hervor, daß eS in seiner betreffenden Notiz über den Fall erst von der»brutalen Vergewaltigung eines Arbeitswilligen" flunkert, die faktisch nicht einmal von der Llnklage behauptet wurde, dann aber das Urteil doch schon daS bloße Postcustcllcn treffen lassen will. So blödsinnig hat kein englisches Blatt die Sache hingestellt, ein so kindisches Erkenntnis kein englisches Gericht gefällt. D a§ Recht des P o st e n st c l I e n S für die im Z u s a tz z n ni o b i g c n Paragraphen bezeichneten Zwecke bleibt princi- P i e l l n n a n g e f o ch t e n, in Frage gestellt ist nur die Grenze, bis zu der die Posten bei der Jnforniation gehen dürfen. Das ist, wie gesagt, für die englische Gciverkschaftswclt sehr bedauerlich und wird ihr hoffentlich einc hciliamc Lcktion sein. Mit der seit einigen Jahren eingerissene» Praxis, unterschiedslos und ohne Besinnen allen mög- lichen Resolntionen, und seien sie noch so niircal, zuzustimmen, hat als Folgewirkung eine Schlaffheit hinsichtlich der Einhaltung der gc- faßten Bcschlüffe eingesetzt, die den Kongreß zu einem Kinderspott gemacht hat. Der uiiaiigenchnic Ausgang des Prozesses Lyons wider Milkin(dies der Name des betr. Gewerkschaftsvertreters) ist eine Warnimg, ans diesem Wege Einhalt zn thun. Für die Rechtsfrage selbst wird der jetzt gültig gewordene Entscheid so lange als Präccdenz- fall gelten, bis in einem späteren Falle das Vcrsännite nachgeholt und ein oberstes Urteil eingeholt werden wird. Bis dahin ist das Recht des PostenstcllcnS in England bedroht, aber keineswegs auf- gehoben._ politische Mebevlichk. Berlin, den A). März. Im Reichstag wurden in der Dienstags- Sitzung Reste aufgearbeitet, die von der Beratung des Etats in zweiter Lesung noch übrig geblieben oder zurückgestellt waren. Das Haus war wieder schwach besucht und die Verhandlungen, die sich bis gegen sieben Uhr abends hinzogen. entbehrten mit Ausnahme zweier Punkte des allgemeinen Interesses. Zu Beginn der Sitzung erörterte man die Beschlüsse der Budget- kommissiou betr. die Regelung des P o st-C h e ck v e r f a h r ens. Danach sollen die Guthaben bei der Post nicht verzinst werden, dafür aber die Gebühren wegsallen. Abg. Singer sprach 'ich von unsrer Seite zu den Beschlüffen der Kommission zu- stimmend aus, betonte aber die gewichtigen Bedenken. die sich für die Einbürgerung des CheckvcrkehrS aus dem Wegfall der Verzinsung der Einlagen und Guthaben er- geben würden. Gegen Schluß der Sitzung kam es noch zu einer ausgedehnten Kolonialdebatte wegen der Forderungen für die ostafrikanischen Bahnen, die in einer früheren Sitzung an die Budgctkommission verwiesen worden waren. Die Kommission schlug dem Plenum vor, die Forderung für die Weitcrführung der Usambarabahn zu bewilligen, dagegen die in den Etat eingestellte Summe für die sogenannte Stichbahn, das erste Glied einer ostafrikanischen Ccnrralbahn, abzusetzen. Die Anträge der Konimission wurden angenommen. Tagcsordming sür die Mittwoch-Sitzung: Rest der gestrigen Tagesordnung, Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Patent- anwälte, in zweiter Lesung. Im Joch der Obstruktion? Nachdem die Minderheit des Reichstags dafür gesorgt hat. daß die lex Heinze einstweilen nicht Gesetz wird, versichern offiziöse Federn, daß diese gar nicht zur Vollendung gelaugte Vorlage beim Bundesrat auf keine Annahme zu rechnen hat. Die wachsende Erregung in ernsten littcrarischen und Künstlerkreisen, so heißt es, habe auch auf die maßgebenden Regierungsstellen Eindruck gemacht, wenn diese auch jene Bc- wegung im wesentlichen auf Mißveistündnisse über die Trag- weite der in Betracht kommenden Paragraphen zurückführen. Der Bundesrat lege ferner das größte Gewicht auf den Wohnungs- Paragraphen, der in dritter Lesung gestrichen worden ist. Diese Stimmen kommen einen Posttag zu spät; sie der- mögen nicht mehr den ungünstigen Eindruck zu verwischen, den das Verhalten der Regicrnngen im Reichstag gemacht hat. Herr Nieberding hat zwar für Beibehaltung des Wohnungs-Paragraphen plädiert, hat aber ausdrücklich erklärt, daß aus dieser Streichung für die Regierungen kein Grund sür die Ablehnung des ganzen Gesetzes erwachse. Wir be- greifen eS wohl, daß es den Regierungen fatal ist, die ge- samte Intelligenz Deutschlands gegen sich zu haben, wir verstehen auch. daß ihnen das Gefetz unangenehm ist und daß sie die Sympathien fürchten, die sich nament- lich die Socialdcmokratie durch ihren entschiedenen Widerstand erworben hat. Dann hätten sich die Regierungen eben auch eindeutig entscheiden und im Reichstag, anstatt. wie sie beliebten, gegen die Minderheit zu polemisieren, die Mehrheit zurechtweisen sollen. Die politischen Rücksichten auf die Machtstellung deS CentrumS haben diese Haltung der- anlaßt. Nachdem aber der Reichstag aus eigner Kraft die Zumutungen der Mehrheit zurückgeworfen hat, ist es komisch und überflüssig zugleich, daß jetzt der Bundesrat seinerseits seine Hilseleistung anbieten läßt. Das hätte früher geschehen müssen. Ucderdies haben solche anonymen Ausstreuungen, hinter denen nur eine belanglose Zeitung steht, überhaupt keine Bc- dcutung. Und wenn sie etwa dazu dienen sollten, die Agitation gegen die lex Heinze zu beschwichtigen, so wird sich diese Rechnung als falsch erweisen. Es handelt sich ja nicht bloß darum, ob die Künstlerparagraphen Gesetz werden oder nicht, sondern in erster Linie um den Kampf gegen eine fest- wurzelnde Reaktion, von der die lex Heinze-Beschlüsse nur ein Sympton sind. Für diesen dauernden Kampf ist eS gleich- gültig, ob sich der Bundesrat unter die erfolgreiche Obstruktion beugt oder ob er auch fürderhin mit der Mehrheit die zwei- deutige Geschäftsverbindung unterhält. Borussische Wissenschaft. Es gehört einige Courage dazu, wenn die Berliner Akademie der Wissenschaften in diesen Tagen den zweihundertsten Jahrestag ihrer Begründung feierte. Mindestens das erste Jahrhundert ihres Daseins hätte sie allen Grund, im wohlthätigen Dunkel der Vergessenheit be- graben sein zu lassen. Ihrem historischen Wesen nach entstanden die Akademien alS jüngere und zwar feindliche Schwestern der Universitäten. Sic sollten als»wissenschaftliche Leibgarden" deS aufkommenden modenien Absolutismus dienen, dem die Universitäten als mittelalterliche Korporationen vielfach im Wege standen, teils weil sie mit den feudalen Ständen eng verflochten waren, teils auch weil ihnen durch ihre Privilegien ein Maß von Rede- und Schrcibfreiheit verbürgt war. das der Absolutismus sonst überall zu ersticken wußte. Die Akademien wurden von vornherein auf den höfischen Stiefel geschlagen, sie mußten unweigerlich tanzen, wie von obenhcr gepfiffen wurde, und so kam es. daß sie trotz ihres modernen Ursprungs viel schneller veralteten und vertrockneten, als die Universitäten. So wenig erhebend dieser Ursprung der Akademien im allgemeinen ist, so ist er für die Berliner Akadcnne der Wissenschaften eigentlich noch zu erhebend. Sie wurde als eine reine Spielerei gegründet; da der König von Frankreich eine Akademie hatte, so mußte sein Nachahmer, der König von Preußen, gleichfalls eine haben. Leibniz, der nicht nur ein eminenter Gelehrter, sondern auch ein eminenter Höfling war. gab sich dazu her. sie einzurichten, konnte sie aber nicht auf die Beine bringen, da die verschwendcrischeHofhaltung desKönigs Friedrich k. die Mittel des durch einen furchtbaren Stcuerdnick völlig ausgesogenen Landes verschlang. Für die Maitresse. die der König in Nachahnluug Ludwigs XIV. hielt, verschleuderte er viele Millionen, für die Akademie der Wissenschaften, die er den französischen Despoten nachahmte, hatte er nicht einmal ein paar Tausende übrig. Noch schlimmer erging es der Akademie unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm l.. dem berüchtigten Soldatcnkönige, der die Akademie zwar am Leben ließ, da sie ihm vorstellte, daß sie Armeechirurgen ausbilden könne, aber ihr seine Hofnarren zu Präsidenten gab und ihren jammervollen Etat unter dem Titel„für die königlichen Narren" führte. Kein Wachtstubenspaß war diesem grotesken Tyrannen roh und widerlich genug, uiu ihn nicht an der Akadenne aus- zulassen, und sie steckte alles geduldig ein. Erst als Friedrich II. im Jahre 1740 zur Regierung kam, gelangte die Akademie einigermaßen zu den Ehren einer „wissenschaftlichen Leibgarde"/die natürlich immer noch uueudlich weit hinter der hauenden und schießenden Garde rangierte. Ein namhafter Gelehrter, der Franzose Maupcrtuis, wurde vom Könige berufen, sie von neuem einzurichten; sie wurde mm durchweg französiert, auch die von ihren deutschen Mit- gliedern verfaßten Abhandlungen mußten in die fremde Sprache übertragen werden. Ihre vier Klassen beschäftigten sich mit Physik, Mathematik, Philosophie und Philologie; alle andren Fächer, so die geoffenbarte Religion, aber auch alles, was sich auf bürgerliche Rechte und staatliche Verfassung bezog, war ausgeschlossen. Irgend einen Einfluß auf die Eni- Wicklung der nationalen Bildung und Kultur gewann die Akademie, wie sich von selbst versteht, auch jetzt nicht. Die wirklichen Bahnbrecher der bürgerlichen Aufklürnng standen zu ihr in feindseligem Gegensätze. Als sie hinterrücks den eben erst dreißigjährigen Lessing zu ihrem auswärtigen Mitglied ernannt hatte, erklärte der„Geehrte" verächtlich, daß ihm diese„Ehre" sehr gleichgültig sei. Härter noch stieß Voltnire nüt der Akademie zusammen. Sie hatte einen holländischen Gelehrten öffentlich als Fälscher zu brandmarken gesucht, weil er an gewissen physikalischen Behauptungen ihres Präsidenten Maupcrtuis einen ganz bescheidenen und ehrerbietigen Zweifel geäußert hatte; gegen diesen moralischen Meuchelmord erhob sich Voltaire, mußte deshalb aber schleunigst die preußischen Lande verlassen, nachdem seine gegen die Akademie gerichtete Schrift auf Befehl des Königs durch Henkershand öffentlich verbrannt worden war. AlS dann die friederiziauische Herrlichkeit bei Jena zu- samniengckracht war und sogar die Borussen den Geist an- rufen mußten in der Not, da wurde 1812 die Akademie der Wissenschaften so weit unorganisiert, daß sie sich seitdem nianche wissenschaftlichen Verdienste erworben hat, natürlich nur auf denjenigen Gebieten der Wissenschast, auf denen sich eine höfische Korporation ungestraft bewegen darf. wie durch die Sammlungen der lateinischen und griechischen Inschristen, die sorgfältige Herausgabe der-Werke Friedrichs II. und so weiter, kurzum durch die Löiung solcher Aufgaben, bei denen es nicht auf den schöpferischen Geist der Wissenschaft, sondern aus die Verbesserung oder Vermehrung des wissenschaftlichen Handlverkszeuge' ankonnnt. Tie Akademie Yak immer einen guten Riecher gehabt. Ketzer zu wittern; weder Fichte noch Hegel gelangten in ihre heiligen Räume, so geschickt sich diese revolutionären Philosophen in bornssischc Tracht und Gewandung zu kleiden verstanden. Was dagegen die Akademie ait den beiden öffentlichen Sitzungen, die sie olljährlich hält. am Geburtstag Friedrichs II. und am Geburtstag des jeweilig regierenden Königs, an loyaler Schönrednerei zu leisten weiß, braucht nicht erst gesagt zu werden.— Tas Fleisch beschau- Gcsey im sächsischen Landtag. Wir teilten bereits gestern kurz mit, daß der sächsische Minister des Innern v. Metzsch sich. recht deutlich gegen die agrarischen Be- schlüssc der ReichSlägS-Mehryeir zum Flcischbeschau�Geietz anS- gesprochen habe. Wir-geden in Anbctrachr der Bichiigkeit der Angelegenheit für das ganze Reich noch solgende gnssührlichcre Mitteilung unsreS Dresdner Korrespondenten: k. Dresden, 19. März.- Tie?lgrorier des Landtags suchte» heute, unterstützt von.csticiuTeilder Natioualliberalcn und Zortschrittler durch ein großes Kesseltreiben die Aegiermig für ihre Zwecke gefügig zu machen. Sie hatten einen. durch SO Mitglieder unterzeichneten Antrag ein- gebracht, die Regierung möge, im BundeSrare ans Annahme der Be- s chlüsse hinivirkcii. die die JkeichstagS-Komniissipn hinsichtlich des G e- se tz e s über die S ch l a ch t b i c h- und F l e i s ch b e i m a n ge- saßt habe. Wieder Wortführer der Konservati neu. Opitz, eifrigst u'er- sicherte, seien nicht etwa wlrtschaftlickie.sondern inir rsin saiiirärc Jnkerejfen für das Gesetz maßgebend gewesen. Der Antrag iei eingebracht, um der Regierung daS große..Jntcreste des HauseS für den Gegenstand zu zeigen und zugleich der Agitation gegen das Gesetz, die mh besonders auch in Sachsen bemerkbar gemocht habe, die Spitze ab- zubrechen. Ter Wortführer der Rationallibcralcii, Gcorgi, mußte bedauern, dqß er-nur für einen B r n ch- teil seiner F r a k t i o u sprechen könnc. Er sah gleich- .falls nur sanitäre Jntcresscu in dcui Gesetz und' bat. man möge der Regierung den Weg zn einem Kompromiß iticht ver- legen. Der Nntionakliberale Kellner, der seine Nntetschrist zum Antrag wieder ziirmkgezvgc» hatte, sprach ffir die fernenvcit« Zu- lasiung des Pökelfleisches und brächte einen Zusaizantrag cm, nach welchem für das Verbot der Einfuhr frischen Fleisches kein b c- stimmte r Termin festgesetzt werden iotle. Siaatsminisier v. M r tz s ch nmchtc den Agrariern zwar seine Verbeugung und erkannte ihren„Notstand� an, betonte aber, daß die Regierung die Interessen aller BeriisSstände zu vertreten habe. Die Regiennig könne ihre Stcllnngnahme noch nicht s e st l c q e n, er persönlich werde es aber begrüßen, wenn die Znlässigkeit der Einfuhr sich ilicht ans Speck- nnd Schmalz beschränke, sondenr mich auf Pökelfleisch u n d Schinken erstrecke. Die Fleischbeschan bei Hansschlachtniigcn. sowie, die Untcriiichimgm ans Trichinen seien in Sachsen durch Gesetz bereits obligatorisch, die Regierung sehe drK- halb keinen Grund, lüarnut diese Maßregeln nicht aus das ganze Reich ansgcdchnt werden sollten. Tic Agrarier waren durch diese Erklärung' selbstverständlich nicht zufrieden gestellt und gaben ihren: Unwillen»nd ihrer Enttänschung so lebhast?l»S- druck, daß der Minister noch einmal daS Wort ergreifen nnitzte, ohne indes etwas andres sagen zu können. Ucbrigeiis schoben sie hierbei die geleugneten wirtschaftlichen Interessen recht energisch in den Vordergrund. Mehrere Liberale begründeten ihren ab- weichenden Standpunkt. Sie befürchteten Schädigungen sür die Industrie bei den künftigen Handelsverträgen und be- stritieu, daß das Inland den Fleischbedarf völlig decken könne. Für die Socialdcmolralie sprach F r ä ß d o r f tu energischer Weise nnd betonte, daß die Agrarier den Antrag mir eingebracht, um die ausländische Konkurrenz zu beseitigen. Nicht sanitäre Interessen seien die Triebfeder, sondern die ungehinderte Bereicherung ans Kosten der Armen. Ein Schlnßaiitrag machte der fünfstündigen Debatte ein Ende. Der Znsatzantrag Kellner wurde gegen siebe» Stimnicn abgelehnt, der Antrag Opitz-Gcorgi dagegen in namcnt- lichcr Abstimmung mit 46 gegen SS Stimmen angenommen. Es haben also außer den 4 Socialdemokraten auch 18 Liberale usiv. dagegen gestimmt. Diese Abstimmung der Zweiten sächsischen Kammer ist im höchsten Maße charaktcristifch für die Entwicklung der parlamentarischen Ver- hältnisse in Sachsen. Die Vollsvertretnng deS i n d u st r i e l l st e n Staats faßt industriefeindliche. agrarische Bcschlnsie! Des ist natürlich mir möglich dadurch, daß die Zweite Kammer seit der Durchführung des D r e i l l a s j e n- W a h t s y st e m§ auch den letzten Schein einer wohrdastc» Volksvertretung verloren hat. Schon unter dem früheren Wahlrecht waren die länd- lichcn Bezirke außerordentlich vor den städtischen bevor- zugt; eine dünne � agrarische Bevölkerung wählte die mehr- fache Zahl von Abgeordneten als die dicht zusammeiigehäliste industrielle Bevölkerung. Von Jahr zu Fahr wurde dies Mißverhält- nis schlimmer. Unter dem dann dem sächsischen Volk aufgenötigten Dreiklassen- Wahlrecht verschlimmerte sich dieser Zustand noch mehr. der Einfluß der industriellen Arbeitcrkreise. der großen Griindschicht der gesamten Bevölkerung deS Landes, ist völlig beseitigt, die Zweite Kammer ist durchaus der Rcakltvn und dem Agrariertmn ousgeliesert. Die sächsische Regierung ist schon wiederholt in schwere Ver- leaenheiten gesetzt worden durch die Beschlüsse der Ziveitcn Kammer. Die Zerrilttnng des sächstschim Finanzwesens ist hauptsächlich auf den hartnäckigen Widerstand gegen eine Steuer ans die großen Vermögen zurückzuführen. Und setzt faßt die Rammer in einer für die Arbeiterklasse und die Industrie Sachsens fimdamcutalcn Ernähriings- frage rein agrarische Beschlüsse, so daß die Negiernng sich von ihren intimen Freunden lossagen muß. Ivcnn sie nicht die Interessen der ungeheticren Mehrheit des Landes schwer verletzen will. Die Folgen des Dreiklasicn-Wahlsystems werden im Lauf der Jahre immer offenbarer. Die sächsische Regierung wird für ihre bereitwillige WahlrechtSpcniichlnng von den Reaktionsparteien noch üblen Daiik ernten.— «• * Deutsches JLcich. Lex SclnzeschcS. ES ist köstlich: Kaum zeigt es sich, daß die öffentliche Meinung ob des Erfolges der ReichstagSlinken lote von einem Alp befreit'aufjubelt, da rücken die Heinzefreimde einer nach dem andren von dem kurz zuvor übereifrig verherrlichten Gesetz ab. 'Die„Post" und die„Berl. Neuest. Nachr." sprechen sich schon ganz bespettierlich über den„.Tchansetister- und Thcatcrparagraphen" ans, dem die sreikonservatiue Partei noch soeben zugestimmt hatte. Die antisemitische„Siantsbürger-Zeitmig" erklärt, dem Fall deS Gesetzes „keine Thräne nachweinen zu wollen", während doch der Abgeordnete Licbcrmnun v. Somiciibcrg erst kurz zuvor die ganze Kraft seiner Lungen dem Zustandeköminen desselben gewidmet hatte. Schließlich werden noch viele der HclnzegarListe», ebenso wie die Regierung, uns sür nnsre Obstruktion ihren Dank abstatten. Die C e n t r u m s p res i e hat allerdings, und es ist das begreiflich, ihre Wut noch nicht erschöpft. La, die„Kölnische Volks zeitung", welche gestern sich gegen die Drohung einer Aenderung der GeschöfiSordnung gewandt hatte, ist über Nachr andrer Meinung geworden und bringt einen Leitartikel zur Befür- wortnng derartiger Pläne. Sie empfängt anch bereits den gebührenden Lohn: das Lob des Süimin-OrganS. Die Berliner „Märkische V olkSzeitung" ist klüger als ihre rheinische Parteigenossin f sie richtet ihren Unwillen gegen die zahlreichen Mitglieder der Rechten und des. Eentrums. die durch ihr Fernbleiben die Befchlußunfahigkeit des Reichstags verursachten.— � Die„Germania" verlangt von uns, daß wir alle Thorheiicn, die sie in ihren"zornvollen Betrachtungen des Heinze-Falles begeht, besprechen sollen. Auffälligerweise sagt sie, habe der„Vor- waris", der mehrere Stellen ihrer gestrigen Ail§führu»gen be- handelt habe, den Passtis«ntcrb rückt, der sich mit den Verhandlungen des socialdemokratischen Parteitages in Gotha über Knnstfrageii be- faßte. Die„Germania" sollte ssoh sein, ivcnu wir ihr einige ihrer Uiigereimtheiteit hingehen lassen. Aber ivenn sie durchaus will, so sei ein Wort darüber gesagt. Ans nnserm Parteitag zu Gotha fand allerdings eine sehr leb- hafte AnSeinondcrictzung über Kuiisiprobleme statt. Einige untrer Freunde Ivaudten sich äußerst scharf gegen geivisse Erscheinuiigen dcr sog. naiuralisiischeit Kunst. Andre ünternahmcn eine Verteidigung der atigegriffenen Ännstrichtuitg: Soweit hat die„Germania" recht, und es hat ja wohl noch kein Mensch geleugnet, daß der Knnsigeschniack ein sehr verschtedenec ist und daß vielerlei,, tvas der eine für lüttsilensch bedeutsam und cutwicklungssäksig hält, dem andent als häßlich und verwerflich gilt. Aber— und hierons allein kommt es an— niemanden narer nnsteit Genoiseit— mochte er für..Mutter Bertha" oder gegen sie streiten— ist es eingefallen, eine ihm mißfallende Kunst- richtung durch. Polizeilatine und kautschnkartige Strafvaragrapheg mallrinieren zu trollen. Gerade ouS dem Streit der Anichauungen soll ein geläutertes Kältstwescii hervorgehen. Niemand verwehrt es den Eeiitriimsglätibigcit, ihre künitlensöbeu Bedürfnisse aitHeiligenbildern im Ncu-Rtippiiter-Vildcrbogensül zu befriedigen nnd vor heidnisch- nackten Wasierweiherit siw zn bekreuzigen. Aber daS Cemruin.will alle Welt zu seiner.Knnst"andackt zwingen tmd davor wollen wir allerdings sowohl die deutsche Kuiist wie das Kunst verlangende deutsche Volk bewahren. Tie Verhandlimgcti unsres Parteitags in Gotha bildeten das vollendete Gegenstück zu der Anti-Knnsthetze der Eentrumspartei. Es ist ein bedenkliches Zeichen von VcrstandSschwäche, wenn die „Germania" daraus für ihre Mnckcrpolitik Kapital schlagen zu können vermeint.— Der unfistliche Shakespeare. Auch in Halle a. S. macht sich der unheilvolle Einfluß der lex Heinze bemerkbar, wie das dortige„VolkSblatt" berichtet. Shakespeare, der große Menschen- kenner. bedient sich hänsig drastischer Ausdrücke und völkstzimlicher Wortbilder, im„5 o m m c r n a ch k s t r a n m" allerdings nur an ciiiigeu Stellen und in sehr gelinder Fmm Vi? setzt hat man e? aus den Bühnen von Ruf nicht getvagk. Strctchnugeit vorztmehnten, der Hallenser Stadibiihne blieb es vorbe- halten, den Anfang zn machen. Tita nie., die Königin der Elsen, begrüßt ihren Gemahl mit folgenden Worten(Schlcgcische Uebersetzungj t Wie? Oberem ist hier. Ter Eifcrsncht'ge?— Elfen schlüpft von hinnen! Denn ich verichtvör sein Bett und seilt Gespräch. Ten ketzten Satz bat die Regie n n t c r d r Ii ckt: er erschien ihr an- scheffiend zn den Ausdrücken zn gehören, die„ohne uiisiillich zu fein, das Schamgesäbl gröblich verletzen". Titania hält dann ihrem statin- hasten Gemahl eine kleine SIrasprcdigt. Sie wirst ihm vor. er habe mit der Phyllida gebuhlt. lind ivarmn kommst Tu jetztl Von Indiens cn.serntestem Gebirg• Als iveil— ei. denkt dokb! weil die Amazone. Die strotzende, hochausgeschiirzte Dame. Dein Heldenliebchcn, sich fein vermählen will, Da kommst Du denn, um ihrem Bette Heil Und Segen zu verleih». Auch in diesen Vers ist hinsingepftischt worden, aus dem „Bette" ist„Bunde" gemacht worden. Wenn man derartige Schamlosigkeiten an Shakespeare wagt, was soll da erst den Modernen blühen?— KtuppS Prosit Die„Freif. Ztg7" teilt mit: In der Budget- kommission des Reichstags Hai man den Grschäflsgewiun der Firma Krupp ans den Licferimgcn für da? Reich noch viel z u gering geschätzt. Vor einiger Zeit lieferte Krupp Rohre zu Feldgeschützen mit 4800 M. Tie Konkurrenz erhielt dann eilten Auftrag für die gleiche Sorte mitstVSO M. Daraus setzte Krnpp seinen Preis von 4800 auf 1900 herab. Granaten liefert Krupp mit-8.50 M..die Konkurrenz hat sie mitö M.geltesert. C? ist ein Irrtum, daß K r n p p allein N i ck e l st a h I für die Flotte liefern könne. Die FabrikalionSmethode ist kein Geheimnis und stammt aus Frankreich. �eder intelligente' Fabrikant kennt die Ällcthöde. Wenn nur eine Konkurrenj geschaffen würde für Krupp und Stumm, so könnte der Bedarf um die Hälfte billiger gegen den an Krupp gezahlten Preis gedeckt werden. Aber das Reichs- Mar i n e- A m t stellt Bedingnngen. welche das Auskommeit einer Konkurrenz unmöglich machen. So verlange das Reicks, Aiarine-Aint die Einrichttma emes Schießplatzes zu Proben in demselben Unifange, wie der Kruppsche Schießplatz. Der letztere aber ist der Firma Krupp vom Staate gegen eine Pachtsummc überwiesen worden. Diese Einrichimig sür Schießprobcn verlangt für 24 Eentimetergeichütze 2 bis 3 000 000, für 15 Eentimetcr-geschütze 300 000 M. Ohne bestimmte Zusichei-nng der Regterimg kamt niemand so große Summen von vornherein' riskieren. Stumm macht selbst wenig Nickelstahl. aber er wird von Krupp mit hohen Summen für die Unterlassung einer Konkurrenz ab- gefunden. Würde die Regierimg sich mit einem oder mehreren Fabrikanten in Verbindung setzen und dieselben mit Austrägen ver- sehen, bezw. für den Ansang' mit„Kapital unterstützen, so könnte» den Stcucrzahkern viele Dutzend Millionen erspart werden, die jetzt in die Tasche» von Krupp fliesten.— Hinaus gcmastregelt. Wieder ist einer der wegen der Kanal- feindschaft auf Wartegcld gesetzten Landräte befördert worden. Landrat z. D. Schilling ist. wie die„Kr.-Ztg." hört, als HilfS- arbeit« in daS landwirtschastliche Ministerium berufen, Ivird sein Mandat niederlegen und eine W i e d er w a h l a b leh n'e n. ES ist erreicht.' Dieser„Märtyrer" wird sich nicht mehr gegen die Regierung empören.— Ruch ein politischer Pripatdoectit. Der frühere Pfarrer von Remscheid, luv. T h ü in m c l, ist bei der theologischen Fakultät in Berlin zur Habilitation zugelassen, und wird am 23. April stine AmritiSvorleftnig halten. Herr Thümmel gehörte zu den streitbaren er., ttgtlischen Pastoren. die sich nicht scheuten, in das Gewühl der politischen Leiden- schaften hinabzusteigen. Sein Kamps galt vornehmlich dem Ultra- montaniSmtiö, tmd als leidenschaftlicher Agitator wußte er so wenig die im KultuSmiiitsterium streng behütete„Form" zu wahren, daß er sich wiederholt in BeleidtgtuigSprozeyen zu verantworten hatte. Natürlich ist der Manu durch seine politische Thätigkcit in uirsren Augen nicht im mindesten für sein Amt etwa untauglicher geworden. Jmmcrhnt berührt cS in den Tagen des Falles Arons eigentinnlich, daß lyan sich hier nicht einmal durch Vcr'ctznngcti der Form gcntcrt fühlt.— Weimar, 19. März.(Eig. Bcr.) Gestern mittag fand hier eine von über 400 Personen besuchte Protestversamntluug gcgcli die 1» Heinze statt. Unter den Einberufem befanden sich der Oberbürgermetster Papst, Hoffchanspiclrr Weiser tmd andre be- kannte zlünstl«. Professor H ä ck e l- Jena war durch Krankheit am Erscheinen verhindert, gab aber i» einem Schreiben seine Znstimniung zu der Protestresolution„gegen eine dtirch Unveruuitfr und Reaktion zu stände gekommene Vorlage". Als Redner traten auf die Herren Ho'fschauspielcr Weiser, Professor Fleischer, Dr. VulpiuS, sowie der ReichStagsndgcordiiete Bandcrt und Schriftsteller Genosse M. Grunwald. Ein Beifallssturm, wie er in Weimar effie Seltenheit ist, folgte den Ausführungen des Abg. Laudert, als derselbe über die Stellung der Socialdemokratcn zu dieser Angelegenheit im Reichstag berichtete. Schließlich wurde einstimmig eine Resolution gegen«dös Zustandekommen der lex Heinze angenommen. Souneberg i. Dh.(Privat- Telegramm.) Bei der Stichwahl im Lmidtogs-Wahlkreije Schalkau- Rauensicin siegte Genosse Arthur H o fm a nn- Saalfeld über Landrat Götting- Sonneberg mit 910 gegen 886 Stimmen. Das ist der jünste Socialdcmokrat in diesem ans 24 Mit- gliedern— worunter 8 Privilegierte— bestehenden Parlament des Herzogtums Sachscit-Meiuiitgen.; Die W arenhauö Steuer hat die 14. Kommission des Abgeord- neteiihanses in zwei Sitzungen, von der die letzte fünf Stunden währte, beschäftigt. Außer der Regierungsvorlage hatten die Ab- geordneten v. d. B o r g h t(natl.), Gamp(frk.), C o h c n s l y(E.) Anträge eingebracht, die alle ein mehr oder weniger verwickeltes Besteuerungssystent in Vorschlag bringen. In der zweiten Sitzung wurde die Abstimmung vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab. Zunächst wurden nachemander die Anträge v. d. Borgbt. Cahensly und Gamp abgelehnt. Sodann wurde von§ 1 Absatz 1 nach dem Vorschlage des Abgeordneten v. B r o ck h a u s c n(f.) in folgender Fassintg aitgenomnt'ett t„Wer das stehende Gewerbe des Klein-(Detail-) Handels mit mehr als einer der im tz 6 dieses Gesetze? uittersckiedenen Wareugnippcn betreibst unterliegt, wenn der Jahresuntsätz— einschließlick desjenigen der in Preußen belegenen Zweigntederlasiutigen, Filialen, Verlaufssiätten— in Berlin 500 000 M., in allen sonstigen Gemeinden über 100 000 E i n>v o h n e r 400 000 M.. in Gemeinden von über 20 000 d i s 100 000 E i n tu o h n e r 300000 M.. t it Gemeinden b i s z n M000 Ein Ivo Huer 200 000 M. übersteigt, der nach �Vorschrift dieses Gesetzes zn entrichtenden, den- Gemeinden zufließeitden Warenhans- Steuer."(Die gesperrt gedruckten Worte stud auf Antrag des Abg. von Brockhanseit beschlossen, während die Rcgiertingsvorwgc für alle Orte, ohus Iluterscheiduug nach der Ein- wohiterzahl die Warcnhaiis-Steiier vorschlägt, wenn der Jahres- Umsatz 500 000 M. übersteigt). Abs. 2 und 3 wurden uiivetändert nack der Regierungsvorlage wie folgt angenommen':„Ob der Klein- Handel im offenen Laden. Warenhaus, Lager u. dergl. oder als Ver- saiidtgeschnft, auf oder ohne vorgängige Bestellmig betrieben wird, macht für die Bettctiernng keinen Unterschied. Vereine, ein- getragene Genossenschaften und Korporationen, welche nach tz 5 des Gewerbesteuer- Gesetzes vom 24. Juiii 1891 der Gewerbesteuer trickst uirierivorfen sind, imterliegeit auch der Warenhaus-Steuer nicht. Dasselbe gilt von den ans GrMid des tz 3 des gedachten Gesetzes bezw. tz 28 des Koimmmalabgaben- Gesetze» vom 14. Juli 1893 von der. Gewerbesteuer besreiren Betriebe". Neu angefügt wurde sodann auf. Antrag des Abg. B o l i k(E.) folgender Absatz 4:„Klcinhaudclsbctricbe, welche drei oder mehr Betriebsstätten(Filialen) besitzen, nitterliegen der Be- stimmung dieses Gesetzes, auch wenn ihr G e s ch ä f f s b e t r i e b nur. eine Warcvgruppe umfaßt". Die Beratungen lvcrdcu Mitlivochabcnd fortgesetzt.— Ausland. Ter Prozosi gegen die angebliche» Compliccn deS„Königs.- Mörders" Acciiuito. Man schreibt uns ans Rom unter dem 17. März: Heute begaim vor dem Schwurgericht zit Teramo der Prozeß gegen Diorallevi. Ecccarelli. Collaboiin nttd Gudiui, die ongeblickiett Compliccn des Altctitätcrs Acciarito. Als am 22. April 1897 Pictro Acciarito ein Attentat gegen den König Htunbert von Jralieu de- ging, war der Ilutcrftichuiigsrichter der Ausicht, daß der Mordbube, der offenbar an Grvßcnivahn litt, geheiuic Mitschuldige gehabt haben müsse. Aber von dem ersten Verhör vor.' dem Staatsanwalt bis zum letzten vor dem Schwurgericht erllärte Pictro Acciarito stolz und fest, daß er seine Thar ohne Eompliccn geplant und ausgeführt habe, weil er int Interesse der Proletarier zu handclit glaubte. Mehrere Arbeiter, die die Polizei verhaftet hatte, wurden wieder in Freiheit gesetzt und Acciarito wurde am 28. Mai desselbeit Jahres zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt, die er im Zuchthause zu Santo Stefano verbüßt. Tic Polizei aber war nicht zufrieden- dießiachsorschnug nach den Compliceii Acciarito's wurde mit zäher Aiisdancr fortgesetzt, und' jeden Augenblick Hörle man von einer neuen leichiserligeit Verhaftung und von erlogeucii Berichten der Polizeibehörde und der StckatSanwalischaft. Die Per- Haftung Frezzi'S, der von rohen Polizeiknechten im Gesäiignis zu Tode gemartert wurde, war mir eine Episode in diesem Verhaftuugs- ritmiticl. Die Arbeiter Eollaboua, Gudini. Cherubino, Diotallevi, Sottovia, Varaguoli und Faina saßen fünf Monate lang— von Jimi bis Oktober 1897— in Untcrstichuiigshaft, ehe sie, aus Llntrag des Oberstaatsamvalts Tofauo. wegen Mangels an jBeiodseu freigelassen wurden. So stand die Angelegenheit, als im Spätherbst des Jahres 1898 der„Ritter" Dorm bon der Geuetallsirektiori der italicniichcn Gefängnisse nach Santo Stefatio laut. um das dortige ZnckthauS zu besichtigen. Er ließ sich auch den„Köiiigsmördcr" vorführen und sprach mit ihm: während der Unterredung gelangte er zu der Uebcrzeugimg, daß Acciarito durch die Einzelhaft schon mürbe geworden sei, und daß bei„richtiger Behandlnug" sich aus dem Verbrecher„wertvolle" Entbülluiigcn hcrailslockeit ließen. Die „richtige Behandlung" sollte ein geschickter Beamter Namciis Aitgelelli einleiten, der eigens zu diesem Zweck von Rom nach Santo Stefano versetzt ivnrde. natürlich mir einer Rangerhöhung. Angelelli begaim sofort sein großes Werk: neben Aedaritos Zelle brachte er einen gleichfalls zu lebcnsläiigiicher Zuchthausstrafe' verurteilten Ver- brccher Namens Andrea Pclito ii Itter, der sich für einen „Anarchisten der Thai" ausgeben mußte, tun AcciaritoS Vertrauen zu gewinnen. Der Apparat arbeitete vorzüglich: Acciarito unter- hiel'r sich mit Pctito und Petita erstattete täglich dem Zuchthaus- direktor schriftlichen Bericht. Acciarito, der niemals einer bestimmten Partei angehört hatte, lebte sich immer' mehr in die Auarchiftcnrolle hinein, dä er mit einem Parteigenossen zu sprechen glaubte. Petita erfuhr aber trotzdem nichts als krauses Zeug. Acciarito erklärte z. B.. daß er hochstehende Italiener und Ausländer mit hineinziehen könnte, wenn er sprechen ivolltc. Eines Tages aber geriet Acciarito, dank ciitcr ebenso schlaiicn als gemeinen Falle, die ihm Pctiio im Auf- trage des GcfäitguiSdsrcttors stellte, in große Aufregung: man sagte ihm, daß seine Geliebte Pasqua Venariibbo Mutter geworden sei. Als der Köiiigsmördcr hörte, daß er Vater eines Kindes sei— das aber nie existiert hat—. entschloß er sich, ein Gnadengesuch an den König' einzureichen; in diesem Gesuch, das er am 2. Dezember 1898 schrieb, gab et, um sich zu ciitlastcu. Diotallevi tmd Eecearelli als Compliccn seiner Thal an. Gegen diese beiden wurde sofort daS gerichtliche Ver- fahren eingeleitet, und als Acciarito cinc» Monat später ein neucs Gnadcugesnch an den Jiistiznriiiistcr richtete, sn welchem er Eollaboua, Gudini und Trenta beschuldigte, wurden auch diese drei in Unter- suchuilgShaft genommen. Acciarito wurde nach Rom gebracht und seinen angeblichen Compliccn wiederholt gegenübergestellt; dabei kam es oft zu hochdramatischcu Scenen, da' die schwer verdächtigten Männer den Angebest der sie der Mitschuld au seinem Verbrechen bezichtigte, sür einen gekauften Lügner erklärten. Auf Grund der Angaben AcciaritoS wurde jedoch am 28. April 1899 gegen die fünf Angeklagten das Prozeßverfahren eröffnet. Der Prozeß begann am 22. Juni vor dein Schwurgericht zu Rom. Es kam zu heftigen Rcu- contrcs zwischen der Verteidigung und dem Vertreter der Anklage. bis schließlich die Verteidiger des Angeklagten Eecearelli den Antrag stellten, daß AcciaritoS EcisteSzustand ärztlich unter- sucht werden sollte; als dieser Antrag gleich allen andern ab- gelehnt wurde, legten sämtliche Verteidiger die Verteidigung ihrer Klicnicn nieder, indem sie erklärten, daß sie keine Garantie für ein unparteiisches Urteil hätten, da der Gerichtshof der Verteidigung sämtliche Beweismittel abschucide. Die Vcrhaudlungen wurden ver- tagt, und der Gerichtshof wählte acht Offizial-Vcrteidigcr; aber anch diese lehnten ab, nnd der Prozeß wurde eiidgültig vertagt. Inzwischen hatte man hcrausgefundcii, daß die Bevölkerung der Stadt Rom für die Angeklagten vorciUgc»o»ritien sei, so daß man von römischen Gcschivorcn'en kaum ein unparteiisches Urteil erwarten dürfe. Infolge dieses durch nichts begründeten Verdachts verlegte der römische KassationShof den neuen Prozeß gegen AcciaritoS angebliche Eomplicen nach Teramo. Die durch die unfreiwillige Vertagung des Prozesses entstandenen Kosten sollten die.meuternden" Anwälte tragen, aber der Kassationshof sprach sie frei, nachdem ihr Verhalten vorher schon vor der AnwaltSkammcr gebilligt lvorden lvar. Sie führen die Verteidigung der Angeklagten auch in Teramo. wo heute die letzte Phase dieses Prozesses begonnen hat. In dem ruhigen Teramo fürchtet man offenbar keine Be- cinfluffung der Geschworenen, da man hier von Partcilämpfen kaum eine dunkle Ahnung hat. Der Kronzeuge Acciarito, der früher mager und knochig war, soll im Zuchthause dick und fett geworden sein: nian hat ihn offenbar gut gefüttert, um sein Vertrauen zu gewinnen. Die Jury in Teramo setzt sich zusammen aus: zwei Stadtsckretärcn, drei Elemcntarlchrern, zwei Apothekern, einem Tierarzt, einem Landwirt, einem Revisor und zwei Hausbesitzern. Ocstrcich- Ungarn. Vcrställdigungskonfercnz. 2B t c»,■ 20. März. In der heute vormittag stattgefnndcncn Sitzung wurde bezüglich der Wahl- reform frage eine Einigung erzielt und damit ein Schritt nach vorwärts'gcthan, Nachmiltag-Z legte Ministerpräsident Körber sei» Expose über die Sprachensrage' bei den landcSfürftlichen Bc- Hörden in Böhmen zur Beratung vor. Eugland. London, 20, März. TaS llntcrhans nahm die dritte Lesung der C c u s u s- B i I l für Großbritannien an.— Italic». Rom, 20. März. Deputie rtcnkainmer. Gatti begründet sein Amendement zu dein ersten Artikel des„äevreto legge". Ter Präsident fordert den Redner mehrmals auf, bei der Sache zu btciven,(Unruhe auf der onßcrstcii Linken.) Dieselbe beantragt namentliche Abstimmung, um zu konstatieren, ob die gesetzliche Anzahl von Deputierten anwesend ist. Nachdem dies festgestellt ist, genehmigt das Hans durch Aufstehen und Sitzen- bleiben den Beschluß des Präsidenten, Gatti das Wort zu entziehen. Der Präsident erklärr darauf, day das Amende- mcnt Fabi hinfällig geworden sei, da der Antragsteller im Hause nicht antvesend sei. Pgritaiio widerspricht und ruft einen Zwischenfall hervor, indem er im Namen seiner Areuudc erklärt, er nehme die Herausforderung des Präsidenten nicht an.(Unruhe im Cemrum und ans der Rechten.) Der Präsident ruft den Redner zur Ordnung.(Beifall im Ccntrum und auf der Rechten, Länii auf der Liukcu) Alsdann begründete Zanardelli fein Amendement. Nach Zanardelli sprach Nofri. Hierauf wurde die Sitzung ohne weitere Zwischenfälle geschlossen, Bulgarien. Ministerkrisis. Sofia. 20, März, Infolge MeimmgS- differeNZen zwischen dem Fürsten und dem Minister Naccvic wegen der geplanten Errichtung.einer russischen Kohlcnstation in BurgaS stehr eine Ministerkrisis bevor,— Türkei. Verbailnuug. Nach aus Konstantinopel hier cingclänfcncnBe- richten wurde der S e k r e l ä r des g l l d i z- P a I a i s, NuttraN Kiamil-Bey, welcher mehrmals als Delegierter der Türkei an dem Oricutalistenkongreß teilnahm, nach Hedfchas verbannt.— Auierika. TcmokratischeS Programm für die Präsideuteuwahl. New Dork, 20. Mörz, Die demokratische Konvention von Nebraska Hai eine P l a t f o r in aiigcuvnrmeil, welche derjenigen B r y a n s entspricht, wenn er nominiert wird. In der Platsor'm wird ferner die Festsetzung des WcrtverhältmsscS von Gold und Silber auf 10 zu 1, befürwortet, die repichliianische Aktion bezüglich des Portorico- Tarifs abfällig beurteilt und endlich den Trusts nud dem Impcrla- lismuS der Krieg erklärr," Tic Populisten haben im allgemciueu die- selbe Platsorm angcnoinmen,— DÄvket Polizcilichrs, Grrichtlichrs usw. — Tic gewisseuhaftc Polizei. Nachdem die anhaltische». Polizei- hehördcn seit mehreren Jahrzehmen entgegen de» klaren gesetzlichen Vorschriften den F'rancn und Mtndcrjährigen den Zutritt zu öffciit- lichen politischen Verscnnmliuigcw verwehrt haben, hat bekanntlich das HbcrlandeSaericht in Naumburg am 12, März d, I, entschieden, daß dieses Verfahren ungesetzlich ist und den Frauen wie den Minder- jährige» der Zutritt zu öffentlichen politischen Vcrsaw.mkungc» nicht verwehrt iverdeir darf. Das Urteil hat selbstverständlich in Anhalt großes Aufsehen gemacht und die gesamte anhnltische Presse ein- schließlich des„StantS-AnAsigerS" hat davon Notiz genommen, -Parteigenosse» in Deyan meldeten für Sonntag, den 18. März, eine öffentliche politische Versammlung an und machten in der An- zeige gleich auf dnS erwähnte Gerichtsurteil aufmerlsam. Darauf erging folgende Verfügung der Polizeibehörde in Dessau, 6. 6, 17. März: „Bezüglich der von Ihnen für morgen, Sonntag, den 18. März, nachmittags fst/e Uhr. angemeldeten Volksvcrsäminlnng, welche i» „Piepers GesellschastShauS" stattfinden soll, teilen wir Ihnen hier- durch mit, daß uuS ein Urteil des ObcrlandcsgcrichtS zu Naum- bürg a. S,. welches eine Entscheidung über die Auslegung unfreS Vereins- und VersommlungSgcsctzcS enthalten soll, bisher amtlich noch nicht zugegangen ist und daß es deshalb zun ach st bei der von uns bisher geübten L e r lv a l t u n g S- Praxis verbleibt, Da nun das auf der Tagesordnung stehende Thema zweifellos ein politisches ist, dürfen mithin Frauen und Minderjährige an der morgen stattfindenden Vcrsmmniung nicht teilnehmen. Die Versammlung wurde dann auch, da dennoch Frauen und Minderjährige anwesend waren und trotz der Aufforderung der Polizei auch dabliebe», aufgelöst, Das ist wirtlich der Gipfel der Gewissenhaftigkeit, Jahrzehnte- lang hat die Polizei trotz des ihr„amtlich" bekannten Gesetzes und allen Beschwerden zum Trotz die Franc» und Minderjährigen ans den Versammlungen gewiesen und ihr Gewissen hat geschläsen wie ein Murmeltier; jetzt entscheidet das oberste Gericht des Landes, daß ihr Verfahren ungesetzlich war, selbst der„StaatL-Anzeiger" teilt das Urteil mit: Da erwacht i» dieser Behörde plötzlich'daS allerempfindsamsle Gewissen— erst muß ihr die Sache„amtlich" mitgeteilt werden, eher ist da keine Gewißheit bei, Die Polizeibehörden in Zerbst und Bernburg waren weniger gewissenhaft: sie gestatteten bereits am Sonnabend und Sonntag die Amvesenheit von Frauen und Mädchen in politischen Versamm- Inngen. — Ter beleidigende Glückwunsch. Der erste Staatsanwalt Wipperrnann in Erfurt hatte einen Orden bekommen. Dazu hatte ihm die„Erfurter Tribüne" einen aufrichtigen herzlichen Glückwunsch dargebracht. Von einem Socialdemokraten beglückwünscht zu werden, ist aber für einen Staatsanwalt eine schwere Beleidigung. Deshalb muß der dafür verantwortliche Genosse May zwei Monate Ge- fängnis verbüßen, die ihm gestern von der Strafkammer zudiktiert wurden. — Ruf die Selbftverwaltnng der Gemeinden in Sachsen wird ein eigentümliches Licht geworfen durch einen Strnfbefehl der AmtShanpimmliischaft Zwickau gegen den Porteigcnosicn Keil in Wilkau, Keil, der Mitglied des'Gemeindcrars in Wilkau ist, soll nämlich IS M, Geldstrafe bezahlen, weil er„verdächtig" ist, Berichte über die Sitzungen des Gemeinderats in die Presse gebracht oder daS Material dazu geliefert zu haben. Die Sitzungen dieses Ge- meinderatS sind, wie in den meisten sächsischen Gemeinden, nicht öffentlich. Zur Herbeiführung öffentlicher Sitzungen bedarf es eines statutarischen Beschlusses des Gemeinderats und der Zustimmung der AiffsichtSbehörde, die in den Dörfern meist versagt wird, selbst wenn der Gemeinderat öffentlich tagen will. Dem Genossen Keil wird nun nicht etwa zum Vorwurf ge- macht, über Gegenstände berichtet zu habe», deren Geheimhaltung besonders beschlossen war oder deren vorzeitige Veröffentlichung der Gemeinde Schaden verursacht hätte, sondern nur ganz allgemein die Berichterstattung ans den ganz allgemein nicht öffentlichen Sitzutigen. Und dafür wird er wie eiii Untergebener der Polizeibehörde von dieser discipliiiarisch bestraft. — Die Märzversammlungen in Dresden sind glich diesmal wie alle Jahre verboten wprden. Die sächsische Revolution war erst im Mai und darf daher iin März nichl gefeiert werden. Socio los. Tic Wafferkapitalisten dulden auch bei ihren Beamten keine selbständige Merirruza- die dem Prosit gefährlich werden könnte. Die Hamburg-Amcrikanische Paketfahrt-Gcsellschaft hqt ihren sämtlichen Offizieren dieser Tage auferlegt, sich von dem Verein hamburgischcr Kapitäne und Ossiziere fernzuhalten oder aus diesem auszutreten. wenn sie bereits Mitglieder seien. Für den Fall der Weigerung ivird Entlassung in Aussicht gestellt. Daraufhin soll schon eine Anzahl von Offizieren aus dem Verein ausgetreten sein. Dieser Verein hat sich nämlich das allerhöchste Mißfallen der Paletsahrt zugezogen, ivcil er im Interesse der Seeleute und An- gestellten einige Abäuderungeü der SeemannSördunng fordert. So wünscht er eine schärfere Regelung der Arbeitszeit auf dem Schiffe und die Beseitigung der freien Vereinbarung über die Arbeitszeit, sowie die Beseitigung des väterlichen ZüchtignngsrechtS deS Schiffers gegenüber dem Schiffsjungen, DaS genügt für die Uiiternehuier, ihren„Offizieren" bei Strafe der Entlässnng den Austritt aus dem Bcrufsverein zu bcsehlcn. Dieses Vorgehen dürfte geeignet sein, den Kapitänen und Offizieren zum Bewußtsein zu bringen, daß auch sie nur Proletarier sind, Arbeiterinivettoren in den belgischen Bergwerken. Die Heranziehung von Pcrtrauensmäiincrn der Arbeiter zur Gruben- aufficht weist in Belgien, wie die„Sociale Praxis" berichtet, in ivachsendem Maße günstige Ergebnisse ans. Die Einrichtung. ist bekanntlich noch ziemlich jungen Datums, erst seit Ende 1897 ist sie in Wirksamkeit, aber der amtliche belgische ÄergiverkSbcricht für 1898. der inilängst erschienen ist, stellt fest, daß zwar die Arbcitcrinspektoren anfänglich etwas unbehilflich ihren Auf- gaben gegenüber gestanden hätte», dies habe sich aber bald gebessert: Infolge ihrer genauen Kenntnis der Verhältnisse seien die Hilfscontrolanre eine„außerordentliche Hilfe" für die staat- lichen Ingenieure(Grubeniiispcktoren)., geworden, Ihre Thätigleit sei sehr wertvoll bei der Aufdeckung der Unfallsursache» und„gründ- lichen Revidieruug" der Grubeuräuine. Die Arbeiterülspeltoren hätten sich durch ihr„strenges RcchtlichkeitSgesühl. ohne Unterschied der Partei", die Achtung der WerkSbesitzer und Arbeiter ertvorbenl — Diese Ergebnisse sprechen nachdrücklich dafür, daß man endlich auch iii Deutschland der alten, berechtigten Forderung der Berg- arbeitcr, PertrauenSmänucr auS ihrer Mike zur Ueberwachung der Gruben heranzuziehen, entgcgenkönunk. Die Zlltsfpervmtg der Berliner Holzarbeiter vor dem Cinigttklgsamt. Die Vcrhaiidlimgen vor dem Eiingungsamt zur Beilegung des AnsstandeS in der Holzindustrie wurden an, Dienstagmittag um 12 Uhr fortgesetzt, Ilm 5 Uhr wurde die Oeffcntlichkeit wieder her- gestellt und verkündete der Vorsitzende folgenden Vergleichs- Vorschlag: 1. Die Arbeit wird am Montag, den 26. März, morgens in sämtlichen Betrieben wieder aufgenommen. 2. Der Lohn sowie die Abschlagszahlung für Accordarbcit be- trägt wöchentlich inindestenS 24 Mark. Die günstigeren Arbeits- bcdinglingcn. die vor dem Ausstände an einzelnen Arbeitsstellen vor- banden waren, bleiben bestehen. Eine allgemeine Lohnerhöhung findet nicht statt. Für die durch Unfall. Alter, Invalidität und sonst minderleistungsfähigen Gesellen, sowie für Junggesellen im ersten Gesellenjahrs, soweit diese bei ihrem Lehrmeister thätig sind, unter- liegt die Festsetzung des Lohns und die Abschlagszahlimg der freien Vereinbarung. 3. Die Maschinenarbeit und zwar das Hobeln und Schneiden wird vom Meister bezahlt. Die Stückpreise werden dieser Sachlage entsprechend festgesetzt. Der Accord beginnt beim Zuschneiden, bezw. bei der Uebcrgabc des Holzes. Die Gesellen sind während der Stückarbeit verpflichtet, bciderMaschilienarbeit die Anfsichtzn führen und die nötigenHandrcichungy, zu machen. Alle übrigen hier nicht genannten Maschinenarbeiten unterliege» der freie» Abrede zlvischen Meister und Gesellen. Das sogenannte Brettertragen ist durch Stundenlohn zu entschädigen, 4, Bei den Einsetzarbeiten hat der Meister die cinzu- setzenden Tischlerarbeiten abzuladen und bis zum Bau tragen zu lassen. Das Hinauffchaffcu in die einzelnen Stockiverke ist Sache der Einsetzer. Es ist ihnen für diese Arbeit eine besondere Ver° gütimg zu gewähren, so daß z, B, nach dem 4, Stock für eine gewöhnliche Thür 20 Pf,, für eine zweiflügelige Thür 30 Pf. und für eine Bierföllungsthür 40 Pf, zu zahlen sind. Für jede, tiefer liegende Etage sind je 5 Pf. weniger zu entrichten, Nägel. Schraube», Hinterlageholz, Bankeisen. Sandpapier, Schraubzwinge», Kehlhobck und Leim hat der Meister zu liefern. Der Meister oder Vertreter desselben verteilt die Arbeiten im Bau an die Einsetzer, Diese haben sich den Anordnungen der vom Meister gestellten Vor- arbeitcr, die jedoch nie auf Prozente arbeiten dürfen, im Bau zu fügen. Abschlagszahlungen werden Sonnabends nach 5 Uhr im Comptoir des Meisters, wenn möglich auf dem Bau geleistet. Die Arbeitswoche beginnt am Sonnabend und endigt am Freitagabend, Die Arbeiten werden von den Einsetzern zu den bisher gezahlten Löhnen wieder aufgenommen. Es soll jedoch bis Ende 1900zluischcn Arbeitgebern und Arbeitern ein neuer Lohntarif vereinbart werden. In diesem Tarif sollen die beiderseitigen Interessen billige Berücksichtigung finden. Die günstsgeren Arbeitsbedingungen bei einzelnen Arbeitgebern bleiben auch hier bestehen. 5. An denjenigen Arbeitsstellen, an denen der Lohn oder die Abschlagszahlung von 24 M, weder erreicht noch bezahlt wird. find die Arbeiter berechtigt, mit ihrem Arbeitgeber über die Verbeffernng der bestehenden Lohnverhältiiissc in Verhandlung zu treten. Ist auf Grund dieser Verhaiidlimgen eine erneute Arbeitsniederlegung zu befürchten, so ist die unter«bezeichnete Achtzchncr SchlichtungS- K o m in i s s i o ii zur Entscheidung anzurufen. 6. Die Achtzchner-Kommission ist zu bilden aus 9 Arbeitgebern und 9 Arbeitern. Die Wahl der Mitglieder der Kommission erfolgt durch die Organisation der Arbeitgeber bezw, durch die Organisation der Arbeiter. Als Vorfitzender der Kommission soll ein Gewerbc- richter des Berliner Gewerbcgerichts fimgieren. Die Kommission hat sich eine Geschäftsordnung zu geben. 7. Die Kommission ist verpflichtet, innerhalb einer Woche nach ihrer Anrnfiuig zusammen zu treten. Gegen die Entscheidung der Kommission kann nur binnen drei Tagen nach der Bekanntmachung die Entscheidung deS EinigungSamtS des Gewerbegerichts angerufen werden, 8. Bis zur endgültigen Entscheidung durch die Kommission oder durch das Einigungsamt dürfen teilweise Ausstände oder Sperren unter keiner Bedingung verhängt werden, Maßregelungen finden nicht statt und haben die Arbeiter an den Arbeitsstellen die Arbeit wieder aufzuiichmen, wo sie die Arbeit verlassen haben. Berlin, den 20, März 1900.(Folgen die Unterschriften.) Die Vertreter der Parteien nahmen noch mehrstündiger Bc- ratung den BergkeichSvorschlag mit folgender Aendening in Punkt 4 für die Einsetzer unter dein Vorbehalt der- Zustimmung der Organs- salionen an;„Die Arbeiten werden-von den Einsetzern zu den bis- hcrigeu Bedingungen fortgesetzt, es soll" jedoch innerhalb 6 Wochen ein neuer' Tarif ausgearbeitet werden, Falls eine Verständigung hierüber nicht erzielt wird, enischeidet das Eiistgungsamt ende Söll ig."__ GomevklÄZAftliches. Berlin und llingcgcud. Achtung? Kleber sTapczierer). Die Kollegen werden darauf aufmerksain'gemacht, daß laut Versammlungsbeschluß vom 11. März die arbeitenden Kollegen bis auf weiteres 1 Ml. pro Woche zum Streikfonds zu ciitrichtcu haben. Diese Leistung erfolgt durch Kleben der betr. Marken in die neu eingeführte QnittnilgS- Karte zum Streik- nud Agitationsfonds. Die arbeitslosen Kollegen haben sich Mittwochs und Freitags nachmittag von 2—4 Uhr im Bureau, Schützenslr. 18—19, zur Kontrole zu' melden, da sie sonst ebenfalls 1 Märt pro Woche zu entrichten haben. Der Schlußstcinpel aus der Streitkarte erfolgt für sämtliche Kleber Berlins und der Umgegend am Sonnabend, den 24, dieses Monats, abends von 6 Uhr ab im Bureau, Schützenstr, 18—19, Ferner ivird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Kleberversaimnlung vom 11, März eine Resolution annahm, welche es den Polsterern zur Pflicht machte, vorläufig keine Klebc-Arbciten zu verrichten., ES ist in letzter Zeit von st r e ik c n d e n Polsterern vielfach gegen diesen Beschluß gehandelt worden. Das Unsolidarische einer solchen HaiidlniigSweise liegt auf der Hand, und bedarf cS wohl nur dieses .Hinweise's, mir zu veranlassen, daß dies künftig unterbleibt. Die Lohnkommisfion. Tic Lohnbewegung der Tapezierer steht nach wie vor günstig für die Arbeitcr. Im Laufe der letzten Tage haben tvieder eine Anzahl Firnien die Forderungen durch Unterschrift bewilligt. unter anderem Fork n. Kretschmar, Eberhardt. Koppe u, Späthe, Rothe und einige kleinere Werkstätten. Die Zahl, der Streikenden ist ziemlich diesalbe geblieben, da wieder bei einer Anzahl Geschäfte die Kollegen ausständig wurden. Die Zahl der Streikenden beträgt 212. Mviitagabend fand eine Versammliing der Meister statt, zu welcher die Konimission der Gehilfen geladen und erschienen war. Die DiSkiission war eine sehr lebhaste, doch war iiber den ersten Punkt eine' Verständigniig nicht zu erzielen." da die Prinzipale an dem Stunde, ilohn von öö Pf. als Durchschnittslohn festhielten, während die Arbeiter so iveit entgegen kamen, ihre Forderung eines Minimal- lohns von 60 Pf, in eitlen Durchschnittslohn iiinzuwaNdeln. Die Forderung auf höchstens SSstündige'Arbeitszeit wurde angenonimcn. Bei den übrigen Punkten wird wohl/noch eine Verständig, mg mvg- lich sein, wenn die Prinzipale nicht hartnäckig alle Verhandlungen an dem ersten Punkt scheitern lassen. Die Bevbandsleitmig. Tie Möbeltransport- Zlrbciter legten gestern bei ver- schiedenen Firmen die Arbeit nieder."Einige Firincii bcwilliglcn bereits am frühen Morgen die Forderungen, Bei den Firmen Uebel und Kanffnann, die zusammen, etwa 120—130 Arbeiter be- schäftigcn, kam am Nachmittag durch Verinittluiig des Vertrauens- mauus des Ceiitralverbaiids der Handels-, Transport- und Verkehrs- Arbeiter iolgeudcr Vergleich zu Stande, Für sämtliche Arbeiter wird eine Arbeitszeit von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends inkl, der üblichen Pansen festgesetzt. Festangestellte Arbeiter erhalten einen Wochcnlohn von SS M,, nicht festangestellte einen Tagelohn von 4 M, Ueberstnildcn(bisher iiberhmipt nicht bezahlt) werden mit 75 Pf, pro Stunde entschädigt. Für die Zeit vom 15. März bis 15. April ist der Lohn für alle'Arbeiter auf 5 M. täglich zu erhöhen. Wird Sonntags gearbeitet, so ist bis 10 Uhr bormirtägs der halbe festgesetzte Tagelohn zu zahlen, wird länger,, z, B. bis 12 oder 1 Uhr gearbeitet, so ist der volle Tagelohn zu zahlen. Der Erfolg komite iinr erreicht werden, weil nahezu sämtliche Streikende organisiert sind und sich anS ihren Reihen keine Streikbrecher fanden. Auch" bei der etwa 100 Mann beschäftigende» FuhrwerkSfirma Lückmaim ist durch Verhaiidlimgen eine Eüiigmig dahingehend herbei- geführt worden, daß die Klitscher nnmnchr einen Wochenlohn von 25 M. erhalten: Deutsches Reich. Die Hamburger Scclcntc haben folgende Forderungen NN die Reeder gestellt; �, 1. Tie Molinlsheuerii, gleichviel für welche Chargen, werden von einem noch näher z» beftimmeiidcn Terniin an um 5 M. erhöht; 2. die Löhne für Uebcrstniidcu, die bisher 30 resp. 40 Pf. betrugen, sind einheitlich auf 50 Pf. pro Stnndc zu normicrcii; 3. Abschaffung aller Mißstände im Hencrwcscn»»d Errichtiing eines allgemeinen Hcnerblircans; in der Verwaltiing sind beide Teile, Reeder und Seelente, gleichmäßig beteiligt. den letzteren ist wenigstens ein Mitverivaltuiigsrecht eiiizuräumeil: 4. Schaffung eines WarterainnS im oder am'Hienerbiireaii für Stellimgsncheude; 5. Bildung einer Beschwerdekoininissioii, zusammengesetzt aus Reedern und Seeleuten, iiin Klagen in Bezug auf das Heucrwesen zum AnStrag bringen zu können,, Der Verein der Reeder hat beschlösse!,, die Lohnerhöhung von 5 M eintreten zu lassen und haben sich die bedeiitcildsten Reedereien angeschlossen. Der Streik der Erfurter Maßschneider wurde»ach einem glänzenden Erfolge für beendet erklärt.. Die 220 in den Aiisstaiip 'getrcteiicll Schneider arbeiten sämtlich zu den neuen, tarifmäßig vereinbarten Lohnbediiigungen. Die Bergarbeiter einer mittckschlesischen Grube, und zwar der Rnbeiigrube im Kreise N e u r o d c. hatten seiner Zeit einige Fördernilgen gestellt. Seitens der Duettion der Graf Maguisschen Köhlen- und Thoinverke ist der Betcgschast Nim folgende Antwort zu theil geworden: Die erste Fordenmg: Häuer, die nicht im Ge- dinge arbeiten oder deren Gedinge derart steht, daß sie nicht vor» arbeite» können, erhalten einen Mindestlohn von 2,80 M, wird abgelehnt, da sich sonst jeder Bcrgmauii sagen könnte:„2,80 M, verdiene ich, ob ich meiucr Leistung genüge oder nicht." Dadurch lvnrde aller Fleiß gehemlilt, DaS Gedinge soll aber so gestellt tverdeit, daß jeder Heuer mindestens 2,80 M. bei richtiger Leistung pro Schicht verdiene. Die zweite Forderung: Tremimig der Zumncrschichten vom Ortsgedinge. lvird genehinigt. Die dritte Forderung: Allivöchentlich ist ein Abschlag und zwar für Häuer 2 M, und für Schlepper 1,50 M, pro Schicht zu zahlen, ivird dabin geregelt, daß de» Häuern nionailich 40 M. uiid den Schleppern 30 M. in drei wöchentlichen Raten gezahl wird, statt wie bisher 30 bezw. 20 M. pro Monat. In der Woche, Ivo der 20. des Monats trifft, wird Lohn gezahlt und kein Abschlag, Die vierte Forderung: Das Holz wird von der Gewerkschaft geschnitten und in die Grube geliesert, lvird genehiuigt, doch wird die Belegschaft ersucht, diese Arbeit noch bis zum Juli zu leisten, da erst dann das. Schneidewcrk fertig ist, Die fünfte Forderung: Mehr und bessere Dcpntatkohle, soll im Laufe des Soniiners geregelt werde». Zuvor sollen noch Erkniidiguugen eingezogen iverdeu, was andre Werke leisten. Der Bcrgarbcitcrstreik vor dem BcrgschirdSgcricht. Bor dem BergichiedSgericht in Höhlteich bei Oelsmtz i. E, wurde die Klage von vier ans Anlaß des Streiks abgelegten Bergarbeitern gegen die Werkverivaltnngen des GerSdorfer Stciiikohlcubau-Vercins, Grube Konkordia in Oelsnitz und die Kaisergrube verhandelt. Die abgelegten Arbeiter Aagteii auf Zeugnisabälidernng, sowie in zwei Fallen auf Krankenunterstützung beziehentlich Ausstellimg eines Äraiiienscheins, Die Klagen auf Zeugiiisabätiderliilg und Krankeu- uiiterstütziilig wurden abgewiesen, die Klagesache betreffend Aus- stellung eines Krankenscheius vertagt. Die Abweisung wurde mit Hinweis auf s 80a. Ziffer 8 des Berggesetzes begründet, wonach ein Bcrgmaili, abgelegt werden kann, wenn er länger als einen Tag ohne triftige Gründe von der Arbeit fernbleibt.' ES geht auch ohne Znchthansgefeh. Die Strafkammer des Landgerichts Freiburg i. B. verurteilte zwei Zimmerleute Klauk und Bohrer wegen Nötigung zu einer G e f ä n g n i s st r a f e von 6 r c t r c f f. zwei Monaten. Es handelt sich um einen Vorfall anläßlich des Zimmerer st reits im Sommer 1899 in Freiburg. Die Ausständigen begegneten einigen Streikbrechern, die sich vorher für die Beteiligung am Ausstände erklärt hatten. Infolge- dessen kam es zwischen den Arbeitern zu Auseinandersetzungen, ivobei hüben und drüben mit Prügeln gedroht wurde. Die beiden angeklagten Zimmcrleute behaupten, daß sie sich an diesen Zurufen und weiter am Betreten des Bauplatzes gar nicht beteiligt haben und der Hanptzeuge Lorbeer konnte in der Hauptverhandllmg seine früheren Angaben in dieser Richtung nicht mehr aufrecht erhalten. Die Streikbrecher Kranzcr und Stiefel wurden aber als glaub- würdige Zeugen dafür angesehen, daß an der Drohung auch die beiden Angeklagten beteiligt gewesen seien; daS Gericht kam zu folgender Urteilsbegründung: „Ueberdies erscheinen die beiden Angeklagten auch für die von ihren Genossen auSgestoßenen Drohungen als mitverantwortlich, da sie unmittelbar bei diesen standen und die gemeinschaftliche Absicht der dort anwesenden. im Ausstand befindlichen Zimmerleute dahin ging, die nicht feiernden Zimmerergesellen durch Drohungen einzuschüchtern und dadurch zur Nicderlegung der Arbeit zu veranlassen. Die beiden Streikbrecher sollen dann am nächsten Zahltag an- geblich aus Furcht vor den Drohungen die Arbeitsstelle verlassen haben. Somit sei das Vergehen der vollendeten Nötigung nach Z 240 R.-St.-G.-B. erfüllt,„indem die Angeklagten in gemeinschaftlicher Ausführung mit andern<8 47) widerrechtlich durch Be- drohung mit dem Vergehen der Körperverletzung und dem Verbrechen des Todschlags und der nach K 225 R.-St.-G.-B. erschwerten Körperverletzung die Arbeiter nötigten, die Arbeit bei dem Zimmermeister Anibs gegen ihren Willen mit Ablauf der Woche zu verlassen". Gegen dieses Urteil ist Revision angezeigt. Der bisher un- bekannte Zimmerer, der die Drohung aussprach, hat sich gestellt. um die zu Unrecht Verurteilten zu entlasten. Ausland. Die öftrcichischen Bergarbeiter. Die Beendigung des Streiks vollzieht sich nicht so glatt, als man annehmen konnte. Besonders in M ä h r i s ch- O st r a u, wo keine Organisation besteht, ist eS zu heftigen Zusammenstößen mit dem Streikkomitee gekommen. Die Parteigenossen Dr. Karpeles und Merta, die in Ostrau in einer Versammlung, die von 12 000 Per fönen besucht Ivar, für Aufhebung des Streiks sprechen wollten. mußten flüchten. Als sie ans dem Podium erschienen, stürmte eine Anzahl Personen auf sie ein, beschuldigte sie des Ver rats und machte ihnen die heftigsten Vorwürfe, daß sie für die Beendigung des Streiks eingetreten seien. Die Zugeständnisse. unter welchen die Arbeiter jetzt anfangen sollen, wären ihnen vor 7 Wochen von den Werksbesitzcrn gemacht, deshalb brauchte man nicht solange hungern, rief man ihnen entgegen. Merta wurde von dem Podium geworfen und fiel so unglücklich, daß er in ein Krankem Haus überführt werden mußte. Sodann wurde die Fortsetzung des Streiks beschlossen. Der Streik in Aussig kann als beendet betrachtet werden; in allen Werken Ivurde nahezu vollzählig gearbeitet. Anläßlich der stattgehabten Demonstrationen wurden 23 Strafanzeigen erstattet.— In Dux arbeiteten 10 Schächte mit vollzähligen, die übrigen mit zwei Drittel der Belegschaften.— In Osseg wurden zwei Leiter des Streiks wegeu des resultatlosen Ausgangs des Streiks bedroht und mußten flüchten. Die Belegschaft des Walpurgisschachtes erzivang am Montag vorzeitige Ausfahrt und Achtstundenschicht. Am Dienstag wurde diese Belegschaft nicht mehr zu der Anfahrt zugelassen. Wegen Beteiligung an den letzen Demonstrationen wurden 8 Personen verhaftet.— Auch aus Pilsen wird gemeldet, daß in allen Schächten die Belegschaften, bis auf kleine Teile, welche sich auch schon zu der Arbeit gemeldet haben, angefahren sind. In Falkenau befinden sich noch 3900 Arbeiter im Ausstand, 2100 arbeiten. Die Lage ist im übrigen unverändert. Ein ver- söhnlich gehaltener Beschluß der Werkbesitzer wird dem Streikkomitee erst heute mitgeteilt werde».— In Brüx sind 4760 von 6430 Arbeitern angefahren, alle Werke sind im Betriebe. VevsÄmmlungen. Die Schneider und Schneiderinnen waren am Dienstage vormittag in der Ressource versammelt, um den Bericht über den Stand der Lohnbeiveguug entgegen zu nehmen. Der Saal war überfüllt. Ritter berichtet zunächst, daß in letzter Stunde auch die weib- liche» Arbeiterinnen sich entschlossen haben, am Streik teilzunehmen. Redner berichtet dann über die am Montag stattgefundenen Ver- Handlungen mit dein Unternehmerverein. Herr Oppcuhcimer von den Unternehmern erklärt, die Kostümschneider wäre» die bestbezahltesten Arbeiter, es liege gar kein Grund vor, Forderungen zu stellen, die Arbeiter wollen nur eine Machtprobe, lieber den Tarif der Arbeiter ließe sich ja reden, den weiblichen Arbeiterinnen könne nichts be- willigt werden. Erst durch energisches Vorgehen seitens der Ar- beitervertreler erklärte» die Unternehmer sich bereit, dann auch über die Löhne der ivciblichen Arbeiter zu diskutieren. Herr Oppenheimer schlug einen Tarif vor, der bedeutende Abstriche van den Forderungen der Arbeiter aufwies, in einigen Positionen bis zu 8 M. Redner giebt der Meinung Ausdruck, daß die Arbeiter ihren ganzen Einfluß geltend machen müssen, um den Tarif zur Durchführung zu bringen.'(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurde diesen Aus- führiingen beigetreten und waren alle Redner und Rednerinnen der Airficht von dem Tarif der Arbeitnehmer keinen Pfennig abzulassen. Hierauf wurde vom Vorsitzenden die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß auch die Arbeiter und Arbeiterinnen der französischen Kostüm- brauche sich am Streik beteiligen werden. Der Borsitzende schlug folgende Resolution vor:„Die Versammlung beschließt nach Kenntnis- nähme der seitens der Unternehmer gegen unsren Tarif gemachten Einwendungen, auf unsren Forderungen' zu bestehen; erklärt aber, neuen Verhandlungen mit den Unternehmern nicht abgeneigt zu sein. Sie beschließt ferner, daß, da auch die Arbeiterinnen der französischen Branche sich in großer Zahl beteiligen, folgende Lohnsätze für die französische Branche zur Durchführung zu bringen: Taillen- arbelterinnen 22 M., Schoßarbeiterinnen 20 M., Aermelarbeiterinnen 22 M., Stepperinnen 24 M., Taillenzuarbeiterinnen 16, Schoß- zuarbciterinnen 14 M. Ucberstunden- und SonntagSarbcit selbstän- diger Arbeiterinnen 70 Pf., nach 10 Uhr abends 1 M., für Zu- arbeiterinnen 60 Pf., nach 10 Uhr abends 70 Pf. Auszahlung des Lohns am Sonnabend während der Arbeitszeit. In einem Appell an die Solidarität der Streikenden fordert Ritter die Anwesenden auf, sich der Organisation anzuschließen und fest im Kampfe zu stehen, der uns den Sieg bringen muß. Donnerstag früh 9 Uhr findet in der Ressource eine Ver- sammlung statt'. Mittwoch früh von 9 Uhr werden in den Armin- hallen Streiktarten ausgegeben. DaS Attentat der„Kühncmänncr" auf de» Nennstunden- tag durch den Beschluß auf allgemeine Wieder- einführung der zehnstündigen Arbeitszeit beschäftigte am' Montagabend eine starkbesuchte Metallarbeiter-Ver- sammlung in Kellers großem Saal, Koppcnstr. 29. Der Referent. Metallarbeiter Schlegel, verweist in seinen Ausführungen auf die gewaltigen Kämpfe der Metallarbeiter in den letzten Jahren zwecks Verkürzung der Arbeitszeit, deren Erfolge die koalierten Unternehmer nunmehr mit einem Schlage zu beseitigen gedenken, indem die General-Versammluug der Berliner Eisengießerci-Besitzer und Maschinenfabrikanten am 16. Februar beschloß, bei denjenigen Mitgliedern ihrer Organisation, welche geringere Arbeitszeit als 10 Stunden in ihren Betrieben eingeführt haben, darauf zu dringen, daß der Zehnslundentag eingeführt werde. Rosner betont, daß in dem Protokoll der„Kühnemänner" gesagt werde, daß eine Umfrage bei de» Verbandsmitgliedern im Jahre 1899 das Ergebnis zeitigte, daß bei etwa dreiviertel derselben die zehnstündige Arbeitszeit bestehe. Was an dieser Behauptung Wahres ist, gehe aus dem Umstände hervor, daß gerade das Um- gekehrte der Fall ist, indem in etwa 3U besagter Betriebe die Arbeitszeit auf 9, 9V4 und S'/s Stunden sich belauft, und daß gerade in allerletzter Zeit in einer Reihe von Betrieben die Arbeitszeit von 10 Stunden mehr oder minder verringert wurde. Die Wahrheitsliebe der Herren„Kühncmänner" dokumentiere sich recht drastisch, wenn nachgewiesen werden könne, daß von 28 Be- triebslcitcrn, mit denen die Vertrauensleute der Metallarbeiter im Jahre 1899 in gütliche Verhandlungen traten und Zusage für Ver- kürzung der Arbeitszeit machten, 21 den Neunstundentag am 1. Januar 1900 festlegten. Die Behauptungen der„Kühne- männer" beruhen somit aus Unwahrheiten, zu denen man griff, um leichteres Spiel zu haben und die Untervehmer, die mit dem Neun- stundentag einverstanden, bequemer zu zwingen, das brutale Vorgehen der Eisenkönige zu unterstützen. Ans dem Experiment der Industriellen könne man ohne Skrupel den Schluß ziehen, jdaß dies die Antwort auf das Vorgehen des Herrn Dr. Freund sei, der den Neunstundentag kürzlich verteidigte, worauf die Herren wütender denn sonst brüllten, daß|„sie Herren im eignen Hause sein und bleiben wollen". Redner geht hierauf mit den„freiwilligen Ueber Stundenarbeitern" scharf ins Gericht, deren Gebahren ein' groß Teil «azu beitrage, dem Unternehmertum den Kam», anschwellen zu lassen. Er schließt mit den Worten: Das brutale Vorgehen der„Kühne- Männer bedarf eines energischen Protestes, um deren AttentatSgelüste auf den neunstündiaen Arbeitstag zu Schanden zu machen. Aus der alten Letargie müssen wir heraus und in unzähligen Massen hinein in die Organisation, um denen eine Macht entgegenzusetzen, die ihre höchste Aufgabe in Lohnreduktionen und Verlängerung der Arbeitszeit fürs arbeitende Volk erblicken.(Beifall.) Die Diskussion, an der sich Ernst. N o w a s ch e ck, Wiesen- t h a l und E n g l e r beteiligten, bewegte sich im Sinne des Referats und gelangte schließlich folgende Resolution einstimmig zur Annahme: Die Versammlung beschließt, jeden Versuch der„Kllhnemänner die Arbeitszeit zu verlängern, unter allen Umständen und mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Des weiteren verpflichten die Aw wcscnden jeden Metallarbeiter, zunächst die Ueberstundenarbeit zu beseitigen und energische Agitation für die allgemeine Einführung der neunstündigen Arbeitszeit zu betreiben. Ein begeistertes Hoch auf den Mctall'arbeiter-Verband schloß die imposante Versammlung. Eine Protcstvcrsammlung gegen die WarenhanS-Stener, die zweite, welche der Ausschuß der Warenhaus-Angcstelltcn ein- berufen hatte, tagte am Montagabend im Konzertha'us Sanssouci Der Besuch der Versammlung war so stark, daß der bis aus den letzten Platz gefüllte Saal' polizeilich abgesperrt wurde. Etwa 2000 Personen, Herren und Damen aus den Kreisen der Handels angestellten, nahmen an der Versammlung teil. Sowohl der Referent Bernhard, wie auch eine Anzahl von Diskussionsrednern, vertraten unter stürmischem Beifall den Stand punkt, daß die Besteuerung der Warenhäuser, weit entfernt, dem Mittel stände Schutz zu bieten, die Interessen der Käufer und besonders auch der Angestellten schädige, die in großen Warenhäusern erheblich besser gestellt seien, als in den kleinen Geschäften. In dieser Frage. die die Interessen der Handelsangestelltcn in hohem Dsaße berühre müßten alle sonstigen Meinungsverschiedenheiten schwinden, und die Angestellten einig zusammenstehen im Protest gegen die geplante Erdrosselung der' Warenhäuser. Insbesondere würde darauf hin gewiesen, daß die deutschnationalen Handlungsgehilfen in erster Linie Antisemiten, und erst in zweiter Linie Handelsangestellte. und deshalb gar nicht befugt seien, in dieser Angelegenheit gemäß das große Wort zu führen. Benno Maaß, der sich in dem Protest gegen die Warenhaussteuer mit den Vorrednern einverstanden er- klärte, legte den Versammelten nahe, daß es für die Handels angestellten notwendig sei, nicht nur bei Gelegenheiten wie diese, öndern in allen Jnteressenfragen des Berufs zusammenzustehen, so beispielsweise, wenn es in nächster Zeit gelte, zu den kauf- männischen Schiedsgerichten, womit sich die Gesetzgebung bald beschäftigen lverde, Stellung zu nehmen. A h r e n d erklärte, daß auch die Hausdiener und Packer mit den Handlungsgehilfen gemein 'am gegen die Warenhaussteuer protestieren. Stadtv. R o s e n o w ührte aus, daß auch die kleinen Fabrikanten ein lebhaftes Interesse haben, einer Erdrosselung der Warenhäuser entgegenzutreten, denn die Warenhäuser lassen manchen Artikel fabrizieren, der sonst über Haupt nicht hergestellt oder feilgeboten werde. So mancher kleine Fabrikant' habe sich infolge der Lieferung an ein Warenhaus soweit empor gearbeitet, daß er sich jetzt am Exportgeschäft beteiligen könne. Der Redner teilte mit, eü habe bis setzt 3300 Unterschriften von Fabrikanten Deutschlands ür eine Petition gegen die Warenhanssteuer gesammelt, und diese Petition dem Abgcordnetenhause eingereicht. Er rate auch den An- gestellten, sich mit einer Petition an das Abgeordnetenhaus, oder wenn sie zu dieser Körperschaft kein Vertrauen hätten, an die Regierung zu wenden.— Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die von 2000 Personen besuchte Versammlung von Handels angestellten erklärt es als Ehrenpflicht aller verständigen An- gestellten, ftir ihre gemeinsamen Interessen einzutreten ohne Rücksicht auf die Verleunidungen der Gegner. Die Handelsangestellten er- blicken in der WarcnhauSsteuer eine schwere Schädigung ihrer Jnter essen, und sie erwarten vom Abgeordnetenhause, daß eS diesen Gesetzentwurf ablehnt." Gegen die Resolution erhoben sich nur 16—20 Antisemiten, die ach auch durch ihr sonstiges Verhalten als solche kennzeichneten. Nach Annahme der Resolution kamen noch einige auS dieser Gruppe sowie ein selbständiger Geschäftsmann zum Wort, die sich natürlich für die Warenhausstener begeisterten. Im übrigen war die Protestkundgebung eine einheitliche und gelungene. Zwischen den Mttgliederr» deS deutsche» Metallarbeiter- Verbands und den der Metallarbeiter-Gewerkschast kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen in einer sehr stark besuchten öffent- lichcn Versammlung, die am Montag in den„Borussia-Sälen" tagte. Diese Versammlung Ivar als eine Fortsetzung der am 27. Februar im Kösliner Hof abgehaltenen Versammlung, über die wir in Nr. 60 berichteten, wieder von den Anhängern der Metallarbeiter-Gcwerk- 'chaft einberufen. Die Mitglieder deS Metallarbeiter-Verbands bildeten diesmal die übergroße Majorität und besetzten auch aus ihrer Mitte daS Bureau. Nach einer längeren hefftgen Debatte gelangte 'chließlich folgende Resolution gegen ca. 60 Stimnien zur Annahme: Die öffentliche Metallarbeiter-Versaminlung, einberufen von der Metallarbeiter- Gewerlschaft, protestiert ganz entschieden gegen das Vorgehen der Leiter der Metallarbeiter-Gewerkschast und zwar weil Moricke und Genossen wissentlich falsche Anschuldigungen in die Welt gesetzt. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die betreffenden Moricke und Genossen) mit den Kühnemännern Hand in Hand gehen um Verwirrung unter den Berliner Metallarbeitern herbeizuführen. Ein derartiges Handeln ist veriverflich, unwürdig und fördert nicht die Interessen der Arbeiter, sondern schädigt dieselben. Außerdem wurde beschlossen, daß der Ueberschuß der Teller- änimlung den ausständige» Holzarbeitern überwiesen werden soll. Eine von dem Centralvcrband der Handels-, Transport- nnd Bcrkehrsarbeiter einberufene gut besuchte Versammlung der Arbeits- und Mörtelkutscher Moabits tagte am 16. März. Die Tagesordnung lautete: Wie können wir unsre Lage verbessern? Der Referent' Werner schilderte, wie gerade im Kutscherberufe eine überaus lange Arbeitszeit bestehe, auch der Lohn dementsprechend viel zu wünschen übrig ließe. Die vielen Unglücksfälle im Berufe eien eine Folge der angestrengten Thätigkeit. Kaßler, Streitner und Meisinger sprachen im Sinne des Referenten. Hierauf wurde ein- timmig beschlossen, den Unternehmern folgende Forderungen zu unterbreiten: Der Lohn der Kutscher wird auf 27 M. und der der Arbeiter auf 24 M. pro Woche erhöht. Die Lohnzahlung soll stets am Sonnabendabend erfolgen. Di« Militärschneider hielten am Sonnabend eine öffentliche Versammlung in den Arminhallen ab, in der R i t t e r über die letzten Vorkommnisse in der Militärbranche und die bevorstehende Lohnbewegung der Civilschncider referierte. Der Redner verwies in seinen Ausführungen darauf, daß trotz der günstigen Geschäfts- konjunktur in der Militärschneiderbranche seitens der Unternehmer Lohnreduzienliigcn versucht wurden, so oaß an mehreren Orten die Arbeiter die Arbeit einstellen mußten, um wenigstens die vordem errungene Position zu behaupten. Er berichtete sodann über die von den Civilschneidern aufgestellten Forderungen und plädierte für die moralische und finanzielle Unterstützung der geplanten Lohnbewegung. Nach einer längeren Diskusston gelangte eine Resolution zur An- nähme, in der'die Versammlung den Erfurter Militärschneidern die Anerkennung für ihr energisches Vorgehen ausspricht und in der sie erklärt, daß für die Firma Neustadt m Hamburg, bei der gleichfalls Lohnreduzierungen vorgenommen werden sollen, keine Arbeit an- gefertigt werden darf. Außerdem erklärten sich die Versammelten mit der Lohnbewegung der Civilschneidcr vollständig einverstanden und verpflichteten sich, zur Unterstützung derselben, mindestens 60 Pf. pro Mann und Woche an den Streikfonds abzuführen. Rixdorf. Am 13. März hielt im Verein„Vorwärts" Reichstags- Abgeordneter B a u d e r t- Apolda einen Vortrag über das Thenia: „Warum muß die Socialdemokratie siegen?" Von einer Diskussion über den Vortrag lvurde Abstand genommen. Unter Vereins- angelcgenheiten teilt Hoppe mit, daß der Besuch der„Urania" am 6. Mai', nachmittags 1 Uhr, stattfindet; ferner, daß zu der am zweiten Ostcrfeiertag stattfindenden Matinee der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" seine Mitwirkung zugesagt hat. Auch der Neuanschaffungen für die Bibliothek wurde Erwähnung gethan. Indem noch Kassierer Müller bekannt giebt, daß die Zahlstelle 4 bei Münzer durch Umzug des genannten Genossen vom 1. April von der Bergstraße nach der Steinmetz- und Lessingstraßen-Ecke verlegt wird, fand die Vcrsamm- lung ihren Schluß., Centralvcrband der Konditoren(Mitgliedschaft Berlin). Mittwcch! den 21. März, abends pünktlich«V- Uhr, bei Schiller, Rofenthalerstr. b? Mitgltederversaminluna. Verein der selbständigen Fensterputzer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 2t. März, abends 8 Uhr, bei Licpherr, Wallstratze 32/33 l Generalversammlung._ Vom Kriegsschauplatz ist wenig Neues zu melden. Roberts und Kitch euer wollen wohl nicht früher neue Unternehmungen beginnen, bevor sie nicht ganz sicher sind, daß ihnen im südlichen Teil des Oranjefreistaats keine Schwierigkeiten mehr erwachsen werden. Daß die Boecen nördlich von Bloemfontcin noch das ganze Gebiet beherrschen, geht aus der Meldung hervor, daß sie in der Nacht vom Sonntag zum Montag die Eisrnbahnbrülke über den Moddcrflnß zwischen Bloemfontein und Brandfort in die Lust gesprengt haben. Durch diese Sprengung der nur wenige Kilometer nördlich von Bloemfontein gelegenen Brücke werden den Engländern für einen späteren Vormarsch nach Norden die Operationen sehr erschivert, weil sie nun diese Eisenbahnlinie(eS ist der Schienenweg von Bloemfontcin nach Pretoria) nicht zum Nach- schub von Lebensmitteln und Kriegsbedarf beuützcn können. Die Sprengung dieser wichtigen Brücke zeigt übrigens, wie ernst es den Bocren mit ihrer Verteidigung ist, und ferner, daß sie dem weiteren Vormarsch der Engländer schon nördlich von Blocinfontein im Gebiet des Freistaats entgegen zu treten gesonnen sind. Wollten sie das nicht, dann würde eS für ihre Zwecke ja genügen, die weiter zurückliegenden Brücken unbrauchbar zu machen. Daß die Boercn aber nicht mutwillig wertvolle Bauten zerstören, das haben sie ja bisher genugsam bewiesen. G Umgehung der Borren? Wie Londoner Blätter vom Dienstag zu berichten wissen, ist Lord Kitchener mit einem bedeutenden Armeekorps nach Mose- k i n g unterwegs. Von Mafeking wolle Kitchener auf direktem Wege nach Pretoria aufbrechen. Die Entfernung zwischen Mafeking und Pretoria beträgt nur 120 englische Meilen und das zu durchquerende Gebiet eigne sich ganz besonders für das Vordringen Kitchetierö. General Bullcr werde die Boeren an der Natalgrenze zurückhalten, während Lord Roberts seinen Einfall in Transvaal beginnen werde. ES würde allerdings ganz der bisherigen Taktik Roberts' und Kitchencrs entsprechen, wenn sie wieder eine Umgehung von Westen her versuchen sollten, wo ihnen daS vielfach flache Gelände nützlich ist, während eS den Bocren die Verteidigung erschweren würde. Letzte Meldungen. London, 20. März. Unterhaus. Henniker Steaton fragt an, ob die Boeren die Drohung ausgesprochen hätten, Johannis- bürg dein Boden gleich zu machen oder durch Brand zu zerstören und wenn dem so sei. ob die Boeren darüber belehrt worden seien, daß sie für mutwillige Vernichtung britischen Eigentums während deS Krieges verantwortlich gemacht würden und der Betrag des an- lerichteten Schadens als Auflage auf ihre Farmen und auf ihr ibrigeS Eigentum gelegt werden würde. Wyndham antwortet, diese Frage liege außerhalb deS Bereiches des Kricgsamts, doch höre er. hambcrlain beabsichtige, eine Proklamation über diesen Gegenstand zu erlassen. Brüssel, 20. März. Der„Jndspendence Belge" wird auS London von heute gemeldet, daß Lord Kitchener an der Spitze einer 'tarken Heercsabteilung auf Mafeking marschiere. Nachdem Rafeking entsetzt, soll Kitchener. wie weiter gemeldet wird, direkt auf Petroria vorrücken, während Lord Roberts sich gegen die am Baal- luß zusammengezogenen Boerentrnppcn wenden wird. Kapstadt, 20. März.(Meldungen des Reutcrschcn Bureaus.) Der Gouverneur Milner erließ eine Proklamation, in welcher bekannt gegeben wird, daß die Reichsregierung Veräußeruiigen von Ländereien, Minen oder Eisenbahnen in Transvaal oder im Oranje- Freistaat, oder die Aufnahme von Be- lassungen auf Konzessionen, die von den Regierungen Transvaals oder des Oranje-FreistaatS bewilligt wurden, nicht als gültig an- erkennen wird.______ Letzko Ascheichtett und Depeschen. Wien, 20. März.(B. H.) Der in der Kaiscrstrahe wohnhafte Fabrikant von Wagenbau-Artikel, Dominik Lang, hat sich mißlicher Vermögensverhältnisse halber samt seinen vier Töchtern im Aller von 14 bis 24 Jahren mittels Cyankali vergiftet. Dominik Lang und eine Tochter find bereits tot; die übrigen drei Töchter schwebe:- in Lebensgefahr. Mahrtsch-Ostran, 20. März.(W. T. B.) Heute nachmittag änd auf dem Theresienschachte in Polnisch-Ostrau eine Explosion chlagendcr Wetter statt. Zwei Häuer erlitten Brandwunde». Die Ursacke der Explosion ist nicht bekannt, Erhebungen sind eingeleitet. PariS» 20. März.(B. H.) Heute vormittag wurden in dem Lokal der Nordbahn-Gesellschaft 400 000 Frks. gestohlen. PariS, 20. März.(B. H.) Wie amtlich bekannt gegeben wird, hat der Generalaouverneur von Jndo-China den König von Com- bodscha, den König von Arniam und zwei andre cingeborne Könige bestimmt, die Pariser Weltausstellung im Sommer zu be- 'uchen. Washington, 19. März.(W. T. B.) Die Reuter-Meldung von Entsendung eines amerikanischen Kriegsschiffs nach der Küste von Schantung, um von dort aus gegen Angriffe auf amerikanische Missionare einzuschreiten, ist unrichtig' Ueber Unruhen gegen amerika- »ische Missionare liegen hier keine Nachrichten aus jüngster Zeit vor. Dagegen ist ein amerikanisches Kriegsschiff nach Taku detachiert worden, um an einer eventuell geplanten gemeinsamen Flotten- demonstration teilzunehmen, falls die chinesische Regierung bei ihrer Weigerung, aufrührerische, christenfemdliche Sekten zu uuterdrückcu, beharren tollte. Veraniworilicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.Glorke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Derli». Hirn» 3 Beilagen und«nterhaltungsblatt. ilr. 67. 17.| 1. Stilugt Ks.AmSck" Kttlm NcksdlÄ. Mittwoch. 21, Mim 1900. Zivichskag. 172. Sitzung. Dienstag, den 20. März, l Uhr, Am Bundesratstisch: v. Podbiclski. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Etats für die Einführung des Post'Check Verkehrs. Berichterstatter; Abg. Büsing(natl.). Abg. v. Brockhauscn(kons.): Die wesentlichsten Bedenken, die meine politischen Freunde in der ersten Lesung gegen dies Gesetz gehabt haben, sind beseitigt worden, indem die Verzinsung und die Gebühren weggefallen sind. Eine Gefahr der Konkurrenz für die Sparkassen liegt nun nicht mehr vor. In bestreich hat sich die Einrichtung des Post-Eheck- Verkehrs auf ähiiNchcr Grundtage sehr gut bewährt. So bedenklich wir also früher dem Gesetz gegenüber standen, so haben doch jetzt die landwirtschafllichcn Genossenschaften ihren Widerstand ans- gegeben und wollen abwarten, wie sich die Einrichtung in Deutsch- land bewähren wird. Abg. Singernit Riicksicht auf die Lage dieser kleinen Leute fordert. Hier zeige cS sich, ivic cS in Wahrheit um das Wohltvollen der Agrarier' für die kleinen Landwirte bestellt sei. Darauf erwiderten die Agrarier, das sie selbstverständlich für die kleinen Bauern das allergrößte Wahlwolleir auf Lager hätten. Hier handele es sich aber nicht darum, sondern um die Belastung der Großgnlndbcsitzcr und da könnten sie sich nicht allein von ihrem guten Herzen leiicn lassen. Bei der Abstimmung wurden jedoch die Anträge Ganip abgelehnt und der Regierungsvorschlag mit unwesentlichen Aendcrungen angenommen. In einem iveitcrcu Antrage verlangte der Abg. Gamp. daß die Verteilung der Lasten auf die ciiizellien Betriebe nach der durchschnittlich erforderlichen menschlichen Arbeit geschehen solle und daß in der Regel nicht Rücksicht auf die mit dem Betriebe verbundenen Unfallgcfahren gcnonuucu tvcrdc.«olle letzteres doch gc- schehen, so muß dies ausdrücklich im Statut festgelegt werden. In den» bestehenden Gesetz ist das Verhältnis umgekehrt. Dort ivird als die Regel festgelegt, daß nicht»ur die menschliche Arbeitskraft, sondern auch dic'Unfallsgcfahr für die Höhe der Beiträge maßgebend sein soll und daß nur in Ausnahmefällen von der Unfallgefahr abgesehen»verde» kann. Die Socialdemokraten ivaudten sich soivohl gegen den Antrag Gamp als auch gegen das bestehende Gesetz und verlangte», daß unter allen Unistände» die Beiträge auch nach der NufallSgefahr bemessen werden müsfeii, damit der Betriebsleiter aiigesporiit werde, die Unfallsgcfahr seines Betriebs»iöglichst zu verringern. Es wurde jedoch zwar der Antrag Gamp abgelehnt, aber die Bestimunnig des früheren Gesetzes beibehalten. Nächste Sitzung Mittlvoch._____ Tie Ostcrfcricn deS Abgeordnetenhauses sollen nach der augenblicklichen Gcschäslslage ctiva am 6. April beginnen. Bis da- hin soll das für das Plenum gereifte Material, soweit cS über- Haupt vor Ostern in das Plenum gelangen soll, aufgearbeitet werden. So sollen u. a. die Interpellation bezüglich der Schul- unterhaltungspflicht und einige Anträge erst nach Ostern, andre Anträge, ivie der Antrag Ehnern auf Ueberiveislmg von SV Millionen Mark an die Provinzialvcrbände, kurz vor dem Beginn der Öfter- fcrien im Plenum beraten werden. Vor Ostern wird u. a. der Gesetz- entlvnrf betreffend Maßiiahmeii zur Verhütimg von Hochwasscr- gefahre» in der Provinz Schlesien zur ersten Beratung im Plemmi a»f die Tagesordnung gesetzt iverde». I« der nächsten Sitzung des Herrenhauses am 27. d. M. sollen nur kleine Angelegenheiten zur Verhandlung kommen. Die Sitznng am 28. März ist dem ZwangserziehiingS-Gesetz, die folgenden Tage dagegen der Durchberatniig des Etats gewidmet. Eine Konferenz des Verbandes der Zimmerer ür die Zahlstellen der Provinz Brandenburg tagte am Sonntag in fdeil Arminhallcn. Ans dcr� Konferenz sind die Vertreter von 55 Zahlstellen an- lvesend, solvie die AgitatioiiSkoimnission nnd Brinkmann-Hamburg als Vertreter des Haiiptvorstandcs. Den Bericht der Ägitations- kon, Mission erstattet K u b e. In den verflossencn zwei Jahren hat die AgitatioilSkommission lül Versammlungen in der Provinz mit Refcrentcll versehen. 25 Zahlstellen find neugcgri'mdct worden. Etliche Zahlstellen sind hauptsächlich wegen Mangel an gecigneter Leitung zu Grunde gegangen. Die Mitgliederzahl in der Provinz Brandenburg ist seit den, Jahr 1898 von 2360 ans 4071 gestiegen. In den 6v Zahlstellcnorteii giebt es 757 klilternehmer, ivelche inS- gesamt 731 l Ziiiiliierer beschäftigen, so daß die Zahl der Or- gnliisicrtcn sich auf ca. 55 Prozent bclänft. In Berlin und den Vororten sind allein ca. 4500 bis 4700 Zimmerer beschäftigt, von denen 2500 im Centralvcrband organisiert sind; 1400 gehören der Lokalorganisation an. Es sind durch die Organisation ganz erhebliche Erfolge erzielt worden. So sind in 34 Orten, in denen 2282 Maim beschäftigt find, Lohnerhöhuiigen durchgesetzt worden, in 14 Orten auch eine Ver- lürznilg der Arbeitszeit. Die durchschnittliche Lohnerhöhung bclänft sich auf 53 Pf. pro Tag und Kopf. Trotzdem sind die Verhältnisse noch lange keine glänzenden. Ivnrden doch auch im Jahre 1899 noch Tagclöhuo bis herab zu 2,20 M. gezahlt.(1897 betrug der niedrigste Tagclohn 1,80 M.) Immerhin kann die erfreuliche Thatsachc fest- geftelll worden, daß die Lohnerhöhimgen znnicist in den Orteil statt- gefnilden habe», Ivo die Löhne den niedrigsten Stand hatten. Charakteristisch aber ist, daßsclbfium die Aufbesserung der erbärmlichsten Löhne die hartnäckigsteil Kämpfe geführt werden mußten,»nd zivar kam es in 10 Orten zu Streiks,' die bis zu 13 Woche» dauerten. Einzelne der Streiks haben 3000—4000 M. an Untcrstiitziinge» gekostet, Die Arbeitszeit-Vcrklirznngcn sind zmneist da eingetreten, wo die Arbeitszeit noch mehr als 10 Stunden täglich betrug: nur in einem einzigen FalI(Ebers>vaIdej ist die Ol/sftüiidigeÄrbcitszeit errilngcn ivordcn. In der Diskussion kamen lediglich cinzeliie Klagen über Nickt- cntsciidniig von Referenten zum Ausdruck. Es gelängte eine Reso- lution zur Annahme, in welcher der AgltationSkominission für ihre bisherige Thäligkcit die Anerkemmiig und gleichzeitig auch die Er- Wartung ausgesprochen wird, daß' dieselbe auch in Zukunft ihre Schuldigkeit für die Ausbreitung der Organisation thnn wird, lieber »die Agitation in Zilkunft" referiert Rickcrt. DaS Referat, sowie mich die nachfolgende Diskussion drehen sich hauptsächlich lim die Frage, ivie die zahlreichen ländlicheil Zimmerer für die Organi- sation zu gelvinnen sind. Miserable Bezahlniig, überlange Arbeits- zeit und infolgedessen wirtschaftliche lind geistige Vcrolciidniig sind die Haupthindernisse für eine erfolgreiche Slgilation. In vielen Fällen gesellt sich»och der Tcrroriönms des Unternehinertiiins hinzu, welches sofort diejeiiigen Arbeiter auf die schivarzcn Listen setzt»nd maßregelt, welche schließlich sich bereit finden, die Interessen ibrer Kollegen zu vertrete». In einer zur Annahme gelangten Resolution erklärt sich die Koiifercilz mit der bisherigen Taktik ui der Agitation einvcrslande» und wurde gleichzeitig den Delegierte» die Pflicht ans- erlegt, in ihren Zahlstellen dahin zu willen, daß jedes Mirglicd agitatorisch thärig zu sein hat. Sodann referiert Knüpfer über„Unsere Lohnbeweglmgen". Redner läßt die Lohnkämpfe der letzten beiden Jahre Revue passieren. Dieselben standen einerseits unter dem Druck der Zuchtbansvorlage, andrerseits mußte der Kampf auch noch gegen den ScharfmacherbilNd im Baugewerbe geführt werden, der seine Finger fast überall dazwischen gehabt habe. Ivo es zu Lohnbewegungen ge- kommen ist.' Die Kämpfe haben stetig an Schärsc zu- genommen imd noch schwerere Kämpfe stehen unS bevor. Die Unternehmer sind bemüht, sich der mit den Arbeitern ab- gcschlosseiicli Verträge z» entledigen. Jedenfalls sollten überall, wo man i» Lohnbeweglmgen treten wolle, die diesbezüglichen Beschlüsse des letzten Vcrbandstngcs und die Bestiinimmgeil des Statuts bc- achtet werden. Auch ist bei Abschluß von Verträgen daraus zu achten, daß eine Bestimmung in dieselben aufgenommen wird, wo- nach bei auswärtigen Arbeiten, sofern a» den betreffciidc» Orten ein höherer Lohnsatz üblich ist. dieser gezahlt wird. Es könnten sich sonst öfter Fälle ereigne», ivie ein solcher aiigeiiblicklich beim Bau der Kaserne am Kupfergraben vorliegt. Hier hat die Arbeiten ein Zimmermeister Zittcl aus Nauen, welcher sich auch die Arbeiter von dort mitgebracht hat und denselben niedrigere Löhne zahlt, als in Berlin üblich sind. Die AilSfühningen ÄnüpserS werden durch Brink- m a n n ergänzt, welcher auf die Erfolge hinweist, welche die Zimnicrerbewegung seit ihrem Entsteheii vor dreißig Jahren errnnge» hat. Eine in, Simic der Aiisführmigcn KinipferS gehalicne Resolution gelangt zur ciiistimmiqc» Annahme, desgleichen im An- schlug an ein Referat Ä u b e s über„Die örtlichen Streikfonds" nachstehende Resolution: „In Erwägung, daß in Slrbeitgcbcrkrciscn bo» einflußreichen Personell fortgesetzt eine scharfe Agitation getrieben wird dohin- gehend, den Arbeitern keinerlei Mii'bestimmnngsrecht bei Festsetzung der Lohil- und ArbeU-verhältnisse zuzuerkennen, die Arbeiter aber im Interesse ihrer wirtschaftlichen Existenz auf dieses Recht nicht ver- zichtcn köimen und daher für die Zukunft schivcre Kämpfe in linsrem Beruf bevorstehen, beschließen und verpflichten sich die Delegierten, folgenden Beschluß der 13. Generalversammlung deS Verbands der Ziiinnerer in ihren Zahlstellen zur Geltung zu bringen: Jede Zahlstelle ist verpflichtet, einen örtlichen Fonds zu er- richten, lieber diesen Fonds ist jedes Quartal abzurechnen und sind die von der Hauptkassc gelieferten Formulare dazu zu beiliitze»; dem Haliptvorstcnide sind nötigenfalls erforderliche Mittel aus demselben zur Verfüginig zu stellen': Zahlstellen, ivelche keinen örtlichen Fonds besitzen, sind ver- pflichtet, die vom Hauptvorstand alisgcgcbciicn Streikmarken zu ver- treiben und den Betrag dafür an die Hanptkasse abzuliefern. Festgestellt wird, daß nur 15 Zahlstellen der Provinz Branden- bürg örtliche Fonds besitzen. In den neu errichteten Zahlstellen fehlen dieselben jedenfalls, weil man den diesbezüglichen Beschluß der Gciicralvcrsainmluiig nicht gekannt hat. Nach einem packenden Schlußwort Knbcs wird die Konferenz abends 3/i7 Uhr mit einem Hoch aus die Arbeiterbewegung gc- schlössen._ Geviclzks-�eikung. Im MilitiirbcfreinngS- Prozeß zu Elberfeld waren zi» Montag 58 Zeugen vorgeladen, die wesentlich den verstorbenen Strncksberg belasteten, gegen den Angeklagten Dr. Ziel jedoch nichts von' Belang vorzuvringen wußten.' Ein Kaufmann S ch i l d e r s ans Krefeld bekundete. daß'Strucksbcrg ihm Ansang der achtziger Jahre als Freimacher bekannt geworden sei. Trotzdem er dem Ver- storbenen 8000 Thaler für Frcimachungsversnche gegeben habe, sei dies doch ziveckloS gewesen, da er schließlich zum Militär genommen ivorden sei. Landgerichtsrat Spieß, der Untersuchungsrichter im Militärbefreiiuigs-Prozcß, sagt ans: Eine ganze Reihe von Fälle» hat Strncksberg sofort eingestanden. Ich gewann aber nicht den Eindruck,' daß Strncksberg in allen Dingen die Wahr- hcit gesagt habe. Ganz besonders hielt Strucksberg beziig- lich der Angaben der Aerzte, mit denen er in Ver- bindung gestanden hatte, zurück. Er gab zu, mit Militär- ä r z t c ii in Verbindung- gestanden zu haben, iv e i g e r t e sich aber, deren Namen zu nennen. Im allgemeinen gewann ich den Eindruck, daß Strncksberg die Wahrheit sagte und seine Mitangeklagten nicht iveiter belastete, als es unumgänglich notwendig war. Er legte auch keinerlei Gehässigkeiten gegen seine Mit- angeklagten an den Tag, Nur auf Dr. Ziel war Strncksberg bis» weilen etwas ärgerlich. Als ich dem Strncksberg einmal sagte: Dr. Ziel habe mir mitgeteilt, daß er(Strucksberg) diesen ersucht habe, ihm eine Empfehlimg au den Militärarzt Dr. Klaus; in Saar- louiS, einem Studiciigenosien deS Dr. Ziel, zu geben, ist Strncksberg sehr ärgerlich gewesen. Trotzdem hat Strncksberg niemals etwas Belastendes gegen Dr. Ziel ausgesagt. „Zum Rhcingold, Heim der Rheinländer und Westfalen." Diese frcinidliche imd nette Firma prangte an einem Restaurant in der Paulstraße in numittelbarcr Nachbarschaft des KriminalgerichtS. und in den gastlichen Räumen ist im Laufe der Zeit von so manchem freigesprochenem Augeklagteir eine Flasche aus das Wohl der Frau Wirtin»nd ihrer Kellnerinnen geleert worden. Die stets sauberen Vorhänge, welche die Fenster nach der Straße zu halb verhüllten, verstärkten den schmucken Eindruck, den das Schanklokäl ans die Passanten mache» mußte. Wie es aber hinter diesen Vorhängen zugegaugen ist. wurde in einer Ver- Handlung klar gelegt, die die Inhaberin deS jetzt geschlossenen Lokals, Frau Anna Spieker, gestern miter der Anklage der Kuppelei vor die 7. Strafkammer führte. Die durch die Beweisaufnahme ans Tageslicht gebrachten Vorgänge, die sich in verschwicgelicn Winkeln des RestaiirantS abgespielt haben. waren so eindeutig, daß der Staatsanwalt zwei Monat Gefängnis beantragte. Der Gerichlshof verurteilte die Angeklagte zu'e i n e m Monat Gc- f ä ii g ii i S. Eine Pfälldi'.ng, bei der es zu stürmischeu Auftrite» kam. führte den Maler S ch r a m m, dessen Frau, und den Reisenden L e v i s o h n ans die Anklagebank des SchösiengerichtS. Der Anklage liegt folgender Vorgang zu Grunde: In' der Wobnimg der Eheleute' Schramm erschien eines TagS der Gerichtsvollzieher Bruns, um auf Grund ciucS vollstreckbaren Urteils die Herausgabe von Möbelstücken zu verlangen, die rechtlich noch nicht Schramiils Eigentilm waren, denn er hatte die Sachen von einem Möbekhändler auf Leihvenrog entnommen, und schuldete dem Händler von der 590 M. betragenden Kaufsumme noch einen Rest von 30 M. Wegen dieser Nestsorderimg ließ mm der Händler dem Schramm die Möbel durch den Gerichtsvollzieher abholen. Schramm geriet hierüber in große Erregung, es kam zwischen ihm und dem Gerichtsvollzieher zu heftigen Auftritte». In seiner Wut ergriff Schramm ein Plätteisen imd demolierte damic ein Kleiderspind, welches der Gerichtsvollzieher eben sortschasfcn lassen wollte. Schramm bedrohte auch de» Gerichtsvollzieher mit dem Plätteisen, und dieser ging nun in Gemeinschaft mit seinem Fuhrmann und dessen Arbeiter dem Schramm zu Leibe, welcher sich in die vor seiner Wohimiig nach der Straße zu liegende Plättstnbe flüchtete, und um Hilfe schrie. Die Hilferufe vcraulaßtcu einige StraßcnpasiaMe», unter denen sich auch der Reisende Levisohn befand, die Plättstnbe zu betreten. Leuisohn ragte zunächst, ivas denn vorgehe. Der GerichtSvollziehcr antlvvrtcte, das ginge ihn nichts an, er sei ein unverschämter Mensch und solle erst die Cigarre anS dem Munde»ebmen, wenn er mir ihm rede. Der Gerichtsvollzieher bestreitet zunächst den Gebrauch dieser Worte ganz entschieden, er will im Gegenteil von Levisohn. der Schrailims aufgefordert habe, den Beamlcn hinauSznwerseli, beleidigt worden seilt. Nachdem aber zivci Zeugen auf das Bestimmteste bekimdet hatten, daß der Gerichtsvollzieher die ongegebencli Aelitzerimgen gegen Levisobn thatsächlich gebraucht hatte, gab er aus eindringliche VcNvariiung des Vorsitzenden Richters die Möglichkeit zu, daß er derartige Bemerkungen gemacht habe. Der Angeklagte Schramm, dessen Ver- halten als Zerstönliig von Pfandstücken. Widerstand lind Bedrohung des Gerichtsvollziehers angeschc» wird, wurde zu einer Gefängnis- strafe von 6 Monaten verurteilt. Frau Schramm, die sich dadurch vergangen haben soll, daß sie einige Stühle, die der Gerichts- voNzichcr ans die Straße hatte schaffen lassen, lviedcr in die Plätt- stube trug, wurde freigesprochen, und Levisohn, der wegen Beamten- veleidigimg angeklagt war, kam ebenfalls mit einer Freisprechung davon.' da' daS Gericht eine solche Beleidigung nicht für erwiese» erachtete. Der Znhörcrraum deS GerichtSsaalcs der siebenten Straf- kanmier des Landgerichts I wurde gestern ausschließlich von R u m in e l s b u r g e r Einwohnern in Beschlag genommen, um der Berbandlung gegen den Stestaurateur Joseph P l i ch r a beizuwohnen. der sich wegen wiffeutlich falscher Aiischuloiguug zu verantworrcii hatte. Die Angelegenheit hat in Rummelsburg viel Stanv auf- gewirbelt und schon verschiedene Gerichtsverfahren gezeitigt. Ter Angeklagte hatte im Jahre 1898 int Hanse des Konditors Zipter in die Hauptstraße zu Rummelsburg ein größeres SiestaurationSlokal inne. Die Art, wie die Plichtaschen Eheleute da§ Geschäft führte», soll zu mancherlei Bcanstandiliigen Veranlaffiuig gegeben haben und hatte zur Folge, daß dem Plichta schließlich die Konzession entzogen ivurde. Nun kam die Ehefrau Plichta um die Konzession ein. Sie erfuhr seitens des Amtsvorstehers Abweisung, indem dieser sich auf Bcliliiduugcil der Frau Zipter darüber berief, daß die Bittstellerin einen kciucsivegs morallschen Lebeiisivandel führe. Frau Zipter hatte auf Befragen zu Protokoll gegeben, daß sie Ohren- und Alchen- zeuge eines Streits gewesen sich der sich zwischen den Plichtaschen Eheleuten abgespielt habe. Plichta habe dabei seiner Ehefrau Vor- würfe der allerschwersten Art gemacht. Die Beklmduiig hatte Frau Zipter vor Gericht eidlich wiederholt. Plichta zeigte sie darauf wegen Meineides an imd diese Anzeige soll er Wider besseres Wissen erstattet haben. Er behauptete im gestrigen Tennine. daß die Zeugin Zipter ein Interesse daran gehabt habe, ihn um die Konzession zn bringen, da sie das Lokal zu einem höheren Preise einem andren bermieten wollte. Der frühere Amisborsteher sei ihr Gönner gewesen und habe sie in ihrem Bestreben unterstützt. Durch die iinifangrciche Beweisaiifnahme stellte sich heraus, daß die Zeugen zwei sich gegenüberstehende Gruppen bildeten, der Angeklagte hatte seinen, die Zengin Zipler ihren Anhang. Während der Staats- anwalt den Angeklagten für überführt hielt und gegen ihn sechs Monate Gefängnis und zweijährigen Ehrverlust beantragte, plädierte der Verteidiger Rechtsanwalt Steiner ans thatsächlichen und recht- lichen Gründen ans Freisprechung. Der Gerichtshof hielt zwar für erwiesen, daß die Anzeige des Angeklagten der Wahrheit nicht cnt- sprach, aber nicht, daß er' sich dessen in seinem aufgeregten Zustande bewußt gewesen sei. Es wurde deshalb auf Freisprechung erkannt. Mit welcher Strenge die in bürgerlichen Anschammgen anf- gewachsenen Richter es ahnden, wenn ein Arbeiter sich„Arbeitswilligen" gegenüber einer AuSschreitling schuldig macht, zeigte von neuem cm Fall, der die zweite Strafkammer am Land- gericht II beschäftigte. Der Schlosser Fleischhauer sollte in Gemeinschaft mit zwei andren Arbeiter», denen jedoch nichts nachgewiesen werden konnte, den Schlosser Nachtigall beschimpft haben, als dieser noch in siebenter Abendstunde ans einem Bau in der Fricdbergstraße zu Charlotteiiburg beschäftigt war. Nachdem der Staatsanwalt die übliche Rede über Arbeitenerrorismus gehalten hatte, erkannte der Gerichtshof ans drei Monat Gefängnis gegen den Aiigeklagten, also ans eine Strafe, die sonst bei Dieben. Betrügern und Kupplerinnen in schwereren Fällen für angebracht ge- halten' wird. Eine ganze Anzahl Soldaten waren gestern bor die erste Strafkammer des Landgerichts I geladen, um in einer gegen das Gastwirt G r a m s sche Ehepaar gerichteten Strafsache wegen Kuppelei Zeugnis abzulegen. Die Angeklagten besitzen in der Friesenstraße eine Restaiiration mit Damenbedienimg und zählen auch viele Soldaten zu ihren Gästen. Eine von ihnen entlassene Kellnerin fand Stellung bei einem benachbarten Restanrateilr in der Fidicinstraße und machte diesem Mitteilungen über angeblich im Lokal der Angeklagten vorgekommene nnsittliche Scenen. Auf Grund dieser Mitteillingeii wurde Strafanzeige erstattet und Frau GramS mußte sogar mit einem 14 Trige alten Säugling in Uiltcrsuchuiigshaft' wandern, da der lliltersuchimgsrichterKollusions- gcfahr als vorliegend erochtete. Erst infolge einer vom Rechtsanwalt Dr. Lvweustein eingereichten Beschwerde wurde die Untersuchungshaft nach sechswöchiger Dauer wieder aufgehoben. Die gestrige Vcrhand- luug förderte trotz der Bernchmung einer großen Zahl von Zeugen so wenig BelastimgSmatcrial zu Tage, daß der Staatsanwalt selbst die Freisprechung beantragte. Rechtsanwalt Dr. L ö lu e n st e i n er- wciterte diesen Antrag noch, indem er beantragte, auch die dem An» geklagten erwachsenen notwendigen Auslagen ans die Staatskasse zu übernehmen. Diesem Wunsche kam der Gerichtshof nicht nach, erkannte aber im übrigen aus kostenlose Freisprechimg der Angeklagten._ Ans dev �rsurnbeivvgung. Fabrikaufsicht durch Frauen. Der Jahresbericht der badischen Fabrikiiispektion für das Jahr 1899 nimmt Stellung zu dem. durch Ansliahme einer entsprechenden Position in den«taatsvorauschlag ucu zu schaffenden Amt eines iveiblichen Aufsichts- beamten. Nach Ansicht der Fabrikiiispektion sollte für die Besetzung dieser«teile auf eine Persönlichkeit von genügender wissenschaftlicher Vorbildmig und Befähigung gegriffen werden. Nur so köniie erwartet werden, daß die Fabrikaufsicht nach imd nach diejenige besondere Ergänzung er- fährt, welche sie zum Schutze der in den Fabriken und ihnen gleich- gestelltril Alilagen beschäftigten nahezu 60000 Arbeiteriniic» bedarf. Würde eine Persönlichkeit von ausschließlich praktischer Befähigung angestellt werden, so würde die Fabrikiiispektion hiervon eine gewisse Unterstützung in den Nevisioilen und den damit zu- iammeuhäugenden Geschäften haben, sofern eine genügend sichere Abgrenzung der dienstlichen Thätigkeit des weiblichen Beamten überhaupt möglich ist. Für die gründliche Erörterung der- jeuigc» Frage», ivelche die Fabrikarbcit der Frauen überhaupt bc- treffen, köniie nnr eine Dame von der erstgenannten Onalifikation in Betracht kommen, und dürfe mau von der Anstellung eines iveib- lichen Anfsichtsbeamten nicht sogleich einen greifbaren Erfolg er- warten. Auch die männlichen Aiifsichtsbeamten hatten eine jähre- lange Thätigkeit nothig, bis es ihnen gelang, die damals nene Institution in dem Bewußtsein der Beteiligten einzliführcn, und bis sie selbst eine sichere Stellung zu den Fragen des ihnen damals iicucn Gebiets gewannen._ Eiiigegaugene Trnökschriftcn. Von der»Neuen Zeit"(Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben das 25, Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dein Inhalt heben wir hervor: Die Kleinen von den Seinen,— Schippel, Brentano und die Flotten- vorläge. Von K. Kants!»,(Fortietzung.)— Diseivlin in Strafanstalten. Von Hans Leng. l.— Pariser Theater. Bon Dr. Felicie Nossig.(Schluß,) — Feuilleton: Literaturhtstori'chc Stniszüge. Von Franz Mehring, IV. Frauenarbeit und Frauenfrage. Von Dr. Julius Piersiorif. Sevaratabdruck ans dein„Handwörteihnch der Staalswissenichaften". 2. Aufl. 3, Bd. Verlag van Gusta» Fischer. Jena. Inhalt: Statistik der Frauen- arbeit. Geschichtliche Entwicklung der Frauenarbeit. Lage der Arbeiterimien tu der Gegenwart, Frailenlöhnc, Ursprung imd Entwickelimg der Frauen- frage, Frauenbildungs-, Erwerbs- und Bernfsvcreitle. Frauenstudimii. Weibliche Hllssthätiglelt. Privatrechtliche Stellung der Frau, Stellung der Frau im öfsentlichen Recht. Geschichtliche Entwickung der EuimidpationS- bewegung. Statistische Erhebungen über die Lohn-»ud'Arbeitsverhältnisse der Former und Beriifsgenossen enthält eine Broschüre, die vom Haupivorslaud des Centrolvcrcius der deutsche» Former herausgegeben inid im Berlage von Theodor Schwartz in Lübeck soeben erschienen ist. Die Er- Hebung, die nicht die erste Meier Art ist. bezieht sich anf 8336 Arbeiter, die in 502 Gießereien in 101 Orten beichäftigt waren. Sie giebt eine groge Menge«crlvolles Material tur Beurteilung der Lage der betreffenden Arbeiter Die Rciilltatc der Erhebungen werden sowohl in textlicher Zu- somniensossing als auch in einer tabcllartsckicn Geiamtübersicht gegeben. UeberdieS werden auch die Einzelhmchte aus jedem der sragliche» Orte uiii geteilt. Die Broschüre ist Jntcrcsientcn sehr zu empfehlen. ■rWWnmnnilMI IIMtiflMMMBOBEBBHtaEHWWO—— pr Partei-Speditionen: Rcrlin vierter VVnlilltrelis O.: Robert W e u g e l S, Frucht, sirabc 30, Hol II,— SO.: Fritz Thiel, Skalitzerstr, 35 v, part,— Scelistcr WalilUrci»(IHnaUit): Karl St Uders, Salzwcdeler- stratze 8, part. im Laden.— Weclcllns nud Oraiilcubarjjor Vorstadt: Emil S t o l z e n b n r g, SBiefeuffivche 14.— Gesund- brunnen: Wilhelm Gaßmanii, Grüntbalerür, 65.— Kosen- tlinler Vorstadt imd Seiiöniiniiscr Vorstadt: Karl Mars, Kastanie»- Allee 05/1)6.— Cliarloitenburi;: Gustav S eh a r» b e r g, SchiUersir. 04, v, 1 Treppe.— Ideutseb-WIIiners- ilorf: Th. M ü l l c r, Bcrlincrstr, 132/133, rechter Scitensi, niid W, Nickel, Aiigustastr, 3, v. I.- leriedrielisberA-Ii'riedrleliseelde: E a rl Welk, Berlin O, Friedrich ziartstr.4,— Grüna» i E n g e l, Dahuiestr.6.— Hixdorf: Öfter ni ann, Erkslr.6.— d»eI»üueberK: Wilh, B ä u nt l c r, Apostel Paulnsstr. 13, Onergeb, Hochp,— Joliannlsthul-Xleder- n ad Ober-Seliöuctveide: Otto John, Ober- Schoueweihe, Stcmeusslraße 7, Cigarreugeschäst. Alinahmestellen: Nieder-Schöuewcidc: Karl Weber, Ciaarrengeschäst. Johamiisthal: Senftlebeil, Resioiiiatenr,— dtdlersboe: Max Worbs, Metzorstraste i.— C'öpenick: Franz Weber, Cigarreit-Handlniig, Grünauerstr. l.— l-'riedenau-iStexUtiE: H. Bcrnsee, Kirch st rage 15 in Friedenau. Besielllingeii nehmen entgegen in Mtejxlitz: H, M o h r, Düppelstraizc 8, und Fr. S ch e l l h a s», Ahonistr. loa.— Baususclmleuweg: Krebs, Baimischuleiiweg 32, Hos linls II,— Xeii-Welssensee: Spediteur Heinrich Bach mann, Lchderstrage 1, part. links, Außerdem ist sämtliche Parteilitlcraliir sowie alle wlssenschastlichc» Weile dort zu haben. Auch lverdell Inserate für den„Vorwärts" entgegettgenommen. Uni gctlnuv Angabe der Adresse wird dringend gebeten. LV Vitt« aas»el»neiden t"VO Für dc» Julialt der Inserate Lberniiiiiiit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Bevantwortnna. BKIEBBBBKaHBHKKa �szrnkrv. Mittwoch, den 21. M S r z. Lbernhans. Der Bärenhäuter. An- fang?Vz Ukir. Schanspielhaus. Die Tochter des Erasmus. Anfang"V, Uhr. Deutsches. Der Probclandidat. An- fang 7>/z Udr. Lessing. WohlthätigleitS-Borstellung. Anfang 1l!i Uhr. Berliner. Amphitryon. Totentanz. Ansang Uhr. Neues. Nackte Kunst. Anfang ?-/- Uhr. Schiller. Gebildete Menschen. An- fang 8 Ubr. Weste». Die Jüdin. Anfang Uhr. Thalia. Im Himmelhof. Anfang ?>/, Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang Uhr. Luise». Faust.(Erster Teil.) An- fang?'/- Uhr. Central. Die Puppe. Anfang 7»/, Ubr. Carl Weift. Der Minenkönig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Belle-Zllliance. Cigarettenmädchen. Hierauf: Ein Studentenstreich. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Onkel Cohn. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Romeo und Julia. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellnng. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung Im Reiche des Jndra. Ansang 7'/, Uhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung Die neue Herrin. Ansang 7-/, Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptiknin. Speclall täten-Borstelliing. Urania. Juvalidcnstr. ki7/KS. Täglich abendS von S— Ili Uhr: Sternwarte. Taubenstrafte 48/49. Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Befuv". Im Hörsaal: Herr Franz Goerke:„Malerische Wände- rungen durch die Mark Branden- bürg"._ SWerÄMter (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: ClvMMcie Menschen. VolkSstück in 3 Aufz. v. Victor Leon. Donnerstag, abends 8 Uhr- Macbeth. Freitag, abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. Erntval Dhrntev Direktion: öoee porenorx. Die Puppe. (Iia Poupce). Operette in 3 Akten und einem Bor- spiel von Ordonneau und Stnrgeß. Musik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Dir Puppe lU> Poupee). Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: IMe Fledermans von Joh. Straub. Belle-Aliiance- Theater. 1. Gastspiel des Wiener Operetten- Theaters(Bühne ohne Männer). Direktion: Gotdro-GraveKs. Zun- 1. Male: Cigarettenmädchen. Operette in 1 AN v. Gothro-Grüneke. Hierauf zum 1. Male: Gin Stndentenstreich. Operette in l Akt v. Gothro-Grüneke. Anfang 3 Uhr. Osi.TIVet�s.IIiegtel' Gr. Franksnrtrrstrafte 13%. Täglich: 8 Uhr: Der Minellkömg m Transvaal. Morgen und folgende Tage: Der Mineiitönig von Transvaal. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Sonnabendnachmittags 4 Uhr: Kinder-Borstellung. Rübezahl und die geraubte Prinzessin._ Palast-Theater früher Feen-Palast, Bnrgstr. 22. Mittwoch, den 21. März 1000: Benefiz für Robert Dill. Grosse Extra-Vorstellung der so«rsolareichen erstllassigen ■ Kunst-Specialitäten. W Besonders gewähltes Programm. Um S'/j Uhrj Um S'/j Uhr: Die neue Herrin. Berliner Volks-Operette. Nack der Vorstellung(11 Uhr): Faniillen-Freitanz. Ans. 7V2 Uhr. Boroerk. 0. 11-1 Uhr. Ehren-Borzugskart., Gutscheine gültig. Sonnabend, den 24. März: Früh- lings-Jubelfest. Frei-Tanz und Preisverteilung._ W. Nuacks Theater, Brnnnenstrabe 16. Heute Mittwoch, den 21. März: Wesen Prlvatfestllchkelt keine Vorstellung. Donnerstag: Mutter nud Sohn. Urania Tanbenstrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuvi' Hörsaal: Herr Franz Goerke: „Malerische Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Invalidcnstr. 57/0%: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. - CASTANS mmi PANOPTICUMI Neu! Xeu! Ken! D Ein Riese Icker englischen Armee Sergeant Th. Dalroy S m 30 cm hoch! Oberlayrisclie Säuger und Schuhplattler- Gesellschaft. 'Passage-ranopticn; Nur noch kurze Zeit! Der indische Fakir Kalakntta und der Zauberkünstler Mr. J e r ö 111 e. Thalia-Theater. Tel. Amt IVa 6440. Dresdenerstr. 72/73 Täglich: Riesenlacherfolg k Im Himmelhof. Thomas, Thielscher, Hclmerding, Junkermanu, Paulmüller. Ansang 71/2 Uhr. Morgen und svlgcnde Tage: Im Himmelhof. Sonnabend, den 24. März: Benestz für Emil Thomas: Im Himmelhof. ietropol-Theater. Täglich um 9 Uhr 30 Min.: Verkehrte Welt! mit der hochoriginellen Wkibtr-VMilk. Vorher: Das pßt März- Cvecklitateil-Propm: Die 8 Diamants, DeltorelH-Trio, Fred Gillet, Sandor-Trio, Les Rissots, The Daytons, Mary Wolf etc. Anfang an Wochentagen um 8, an Sonntagen um V'/z Uhr. Apollo- Theater. m Reictie des Indra und 8 erstklassige Specialitäten. Beginn der Vorstellung 7Vi Uhr. Vorverkauf von IO— 8 Uhr im Theater sowie beim„Invalidendank" und„Künstleidank". Reiehsnailen. Täglich: Stettiner Sänger Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Borverlaus 40 Pf. Cirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 21. März, abends präc. TU Uhr: Extra Vorstellung mit ganz besonders gewähltem Programm. U. a Neu! The Martinecks. Der Riesenfrosch. Der Teusel und der Geizhals. Die fliegenden Hunde des M Ister Wllke s. Der phänomenale Jockey Mister Lloyd. Die anerkannt unerreicht dastehend. Originaldressuren des Dir. Albert Schiimnu», des Schöpfers und Erfinders aller neuen Dressuren. Neu! Neu: Flu innslkallselie» Fntree von 60 Damen. Zum Schlug Zum 47. Male: DcktorFsust. Eine romantisch-phantastisdie Handlung in drei Abteilungen vom Hosballett. meister A. Siems. Clrkns Busch. Nur noch kurze Zeit!-Mg Heute Mittwoch, den 21. März, abends?>/, Uhr: Zum 133. Male: Die Camorra. Außerdem: Die Grigorn- Troupe, Elite- Akrobaten. Herr Oskar Rena, Schulretter. Abone & Campton, kom. Reckturner. Sämtl. Klowns und vorzügliches Programm. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Heute Mittwoch: Keine Vorstellung. Donnerstag, 22.. März: Hotftntmiis NoMnW Siiilger Stürmischer Beifall. Wir von der Kavallerie. Nach der Soiree: Vanaikrän�clien. Relclisliallen-Restaurant. Xägli-l.: NoNZVvk des llejvlisltiilleu-Oi'ellesters. Mittwoch, 28. März: Benefiz- Konzert für den Kapellmeister Herrn Conrtbs. Grovartiges Ztovitäteu- Programm! U. a.: .Reichshallen» Geister", neuestes Potpourri von Meysel.„lilcher- Lottchen", Humoreske.„Benekle- Polka" von Eourths:c. Erkläre hierdurch, daß die Frau Trakowskn eine ehrliche Person ist. 19b] R. Boeck. ZolialdemollraMer Mahlvneill für den«. Veriiller Reichstags-Wuhlllrels. Dienstag, den 27. März, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Zimmermann, Badstrafie Nr. 38: jDctTtmmtlitnö."HW Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Strttbel-Kicl über:„Das Liebäugeln der bürgert lichen Nationalökonomen mit der Arbeiterbewegung und die Stellung der Socialdemokratie". 24l)/lS NM- Die Bezirksführer werden ersucht, die Mitglieder aus die Wichtigkeit des Theuias aufmerksam zu machen. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, de» 21. März, abends S'A Uhr, in der Brauerei Friedrichshain(Lipps), Am FricdrichShain: .. Maiiensiier. Verbandsbuch mit Vertrauensmännerkarte legitimiert. 81/12]_ Die Ortsverwaltnag. Schnegelsbergs Festsäle,.VahÄ««!1.' Inhaber: Max Schindler.— Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Großer Ball alS Specialität: Pkannknelienregen verbunden mit 8chlangen- und Aptelslnen-Regen und diversen Ueherraschungen. Täglich: Specialitätcn-Borstellnng. Entree frei. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken k. meine Säle, 300 und 1200 Personen fassend(mit Bühne) zu Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art. 33821!� MiR! üi A II R E R. MM! Deniierstag, iicii II Mörz, iibkiids 8 II je, bei Cohn, Beutjstrche H-L1: Uersammlung i-r Kandepntierten Tages-Ordnung: I. Der Wert des Baudeptttierteu-Systems. 2. Gewerkschaftliches. Da eine AnSbauung des heutigen Baudeputierten-Systerns von grohem Vorteile für unsre femerc Bewegung ist, halten wir es für notwendig, daß jeder Bau in dieser Versammlung durch einen Delegierten ver- treten ist. sl3ö/20�] Die Vcrbandsleltung. lümi Kupferschmiede mm Donnerstag, 22. März, abends Svs Uhr: Wz. KttssinnilW kt ÄHfechmebe Berliiis im Grand Hotel Alexanderplat, tEingallg Alexanderplah). Tages-Ordnung: 1. Bericht über die mit den Arbeitgebern gepflogenen Verhandlungen, die Lohnverhältnisse betreffend. Können wir mit dem Entgegenkommen der Arbeitgeber einverstanden sein? 2. Verschiedenes. 2sb Wegen der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir um vollzähliges Erscheinen. Die BlnbernTer. C. G. tu. b. H., Hamburg Generalvertreter für Berlin u. Provinz Brandenburg Udo Stangeuberg, Berlin. Kotiduser Damm 99, nimmt Cnigrvs- Bestellungen von Ladeni» Hadem, Fabrikkonsum- Vor- steher», Privaten:c. zn Original- preisen. Derselbe hat ein ständiges Lager von uniren Cigarren. Zu iiusren Fabrikaten werden»nr ausländische Tahake verwandt. 2816b* Der Vorstand. A. v. Elm, Fr. Kerkhof, Fr. Schmidt. �chultze, Wasserthor- Str. 1/3. [ Behandlung aller Haut-, Blasen-! I und Harnleiden ohne Berufs- | störung. 3973L*| -prech stunden 9—2, 5—9. Bei Vorzeigung der] 1 Äerbandskarteu 10 Proz. M.«n. garantiert gut! Teilzhl. Reparaturen in 2 Stund. Plvnibieren v. IM. an. lahnriehen schmerrlos. Sprechz. 8-8. iirttirt»»liimcii strafte»5, l. Xßll l, Ecke MarkuSstraße. Falbe, 44. EISBSBersti*. 44. Behandlung aller Haut- u. Harnleiden ohne Bernssstörung. «prechst. 9 morg. bis 9 abends, Sonntag u. Donnerstag 9—3. Bei Vorzeigung der Verbands- karten 19 Proz. 39708* ZAHNSCHMERZ�: beseitigt sofort Carvacreiwatt� in plomb. Flasche 'l« 501 zu haben inallen Dragericn, Nimm keine' Wachahmungen' Nchknng I MF Achtung! Schneider Berlins. 2(m Mittwoch» de» 21. März, abends 8l/3 Uhr, I im Friedrichftädtischeu Kasino, Friedrichstrafte Ältt», und in den Arminhallen, Kommandantenstr. 21». Tages-Ordnung: 1. Die gestellten Forderungen und unsre weitere Taktik. 2. Diskussion. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen erstickst. 162/5* Der Vertranensman». Donnerstag, 22. März, abends 8 Uhr, bei Herrn Granmann, Raunftnstr. 33: (Oeffenkl. VevsemmrUmg aller in der LipobeiisiifiriklltilHl beslhiift. Arbeiter mib Arbeiteriiliieii. Tages-Ordnung: I. Der Anschluß der Berliner Schraubenfabrikaisten an den Verband Deutscher Metaüindustrieller und die Stellung der Arbeiter hierzu. Aefereist Otto Rüther. 2. Disktlssion. 3. Abrechnung vom Maskenball. 4. Ab- rechnuilg des Vertrauensinauns. 115/6 Die außerordentlich wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen. Der Flnbemfer. Charlottenbnrg'. Die Spedition des„Vorwärts"»nd Buchhandlung befindet sich vom 19. d. M. an Sesenheimerstr. 1, Ecke Goethestrafte, vorn 1 Treppe. G. Scharnbcrg. 29776* Möbel-Offerte! Wegen Aufgabe werden Krausnickstr. 33, bei der Oranienburger- Jimmer-Einnchtungen, wie einzelne Stücke bedeutend unter den» Selbftkoste»»preis verkanft! � IVoxen seiner Lekömmiichksit virck tiarola. Kalkes vielssitix »rötlich empfohlen. 3422C* Möbel und Polsterwaren. Reelle Arbeit. Ganze Einrichtungen zn billigen Preisen.]345KL* Fran» Tutxauer, Brunuenslrafte 153. Löst. 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Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 22. März, nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause aus nach deni Heilands- Friedhof statt. 26b Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband iBerwaltiiugsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Am Sonntag verstarb unser Mit» glied, der Dreher fritz Schönenherg. Ehre seinem Andenken! 111/16 Die Beerdigung findet heute Mit- woch. den 21. März, nachm. 3 Uhr, von der Charlie aus statt. Die Ortsverwaltung. Rcerdlgnngsvereln Petliner Wunerleute. Am 19. d. M verstarb nach lang- jährigem Liiugenleiden unser Kamerad, der Zimmerer, Herr August Lokul,. Die Beerdigung findet Donnerstag- nachmittag von der Leichenhalle des neile» Lonisenlirchhofs, Ripdorf, Her- mannstraße, aus statt. 25b __ Der Borstand. Danksagnng. Sage allen für die liebevolle Teil- »ahme am Begräbnis meines Bruders, besonders seinen Kollegen für die liebevolle Kranzspende, meinen besten Dailk. s22b Gottfried Marschner, Pankstr. 51. Dr. med. Sohaper, SÄ u, Frauen- Krankheiteil. Könlggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7, llomöojiatli. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8: Friedrichstrasse 114, t. Künstliche Zähne, 3 M. an, vorzüglich, setzt schmerzl. ein. Plombieren, schmerzl. Zahnziehen, Zahuschm. bes. Rep. sos. Goldstrit«. Oranienstr. 123. Verlsnxen 8ie gratis u.trsnko msioonl illustr. Hanptkatal. über 1' Fahrräder u Fahrradartikel u. Sie werrt. sich Überzeug., dass ich b. bester Quaiitut. unt. ljähr.GRrant.,ani billigst. bin.— Wiederverk. gea. Deütsciie Fahrrad-Industrie, Richard Driosscn, Hannover, Brüderatr. 4._ i Rur 1 Mark Reste, sehr groß, zu Knabenanzllgen, Reste zu Herrenanzügen, schöne Musler, 7-10 Mark. Für 10 Mark ff. Cheviot-, auch Kammgarnreste, Paletutreste, Hosenreste, so lange der Vorrat reicht im Riesenstofflaaer IT Kraiiseil-Strasje U, 1 Tr. Kein Lade». Lpoeli ScIiWwäs nur deutsche Ware k mager a Psd. LS Plg, bei ö Pfd. aPfd.S»„ fetter„ 55„ prima aPfb. 1,10, halbharte* Pfd. 85 Ffg, a Pfd. 90 Ffg. E-Hähn, ,u'"- Stulle 10. 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Zum größten Teil ist die Ursache darin zu suchen, daß die Wohnungen der Mitglieder nicht genau festgestellt werden konnten und wir so Verhindert waren, mit den einzelnen Mitgliedern Fühlung zu be- kommen. Um diesen Mißstand zu beseitigen, hat sich der Vorstand veranlaßt gesehen, einen neuen Weg'einzuschlagen. Jedoch ist hierzu erforderlich, daß jedes einzelne Mitglied sich der Pflicht bewußt ist, den Vorstand bereitwilligst zu unterstützen. Es liegen zu diesem BeHufe auf jeder Zahlstelle 14 Tage lang ge- druckte Karten ans, welche so eingeteilt find, daß sie wichtige, für die Agitation bestimnite Fragen enthalten und von jedem Miigliede persönlich ausgefüllt werden müssen. Nach Ablauf dieser Zeit hofft der Vorstand Material in den Händen zu haben, auf Grund dessen endgültig die Erwartungen, welche in der Generalversammlung aus- gesprochen worden find, erfüllt werde» können. Also Genossen, thue ein jeder seine Pflicht, damit keinem Mitglied der Vorwurf der Saumseligkeit, der Interesselosigkeit gemacht werden kann! Der Vorstand. Zur Lokalliste. In Nahnsdorfer Mühle steht das Lokal von Säverts Paradiesgarten der Arbeiterschaft zu Versannnlungen usw. zur Verfügung. Die Lokalkommission. Weistensce. Den Mitgliedern des Socialdcmokratischen Arbeiter- Vereins die Mitteilung, daß am 6. Mai d. I, die Sondervorstellimg im Deutschen Theater stattfindet. Zur Aufführung gelangen„Die Weber". Für Mitglieder des Vereins und deren Angehörige sind Billets hierzu bis zum 8. April er. beim Vorsitzenden Genossen Peu kert, König-Chanssee 4öa, zu haben. Die Genossen werden ersucht, hiervon Gebrauch zu machen. Der Vorstand. In Friedrichshage» findet Donnerstagabend S Uhr eine Volksversammlung bei Lerche statt, in der ReichStags-Abgeordneter Rosenow über„Kulturgeschichte und Socialismus" spricht. Mariendorf» Siidcude. Die Stichwahl zur Gemeinde- Vertretung zwischen unserm Genossen Hermann Scküttckopp und dem Gärtnereibcsitzer Kotte-Südcnde findet am Donners- tag, den 22. März, für den l. Bezirk sMariendorf nebst Feld- mark) in der Zeit von 12 bis 6 Uhr nachmittags im Lokal des Herrn Blocksdorf. Chauffecstraße 58; für den IL Bezirk(Südcnde) in derselben Zeit im Restaurant Dahl. Lichter- felderstt. 21. statt. Da die Gegner alle Hebel in Bewegung setzen iverden, um den Sitz wiederzuerobern, so erscheint es wohl über- flüssig zu betonen, daß es umsomehr Pflicht eines jeden Partei- genoffen ist, nicht nur rechtzeitig zur Wahl zu gehen, sondern auch dahin zu wirken, daß alle seine Mitarbeiter, Nachbarn und Bekannte ihr Wahlrecht ausüben. Nur unsrcn e ig n e n Anstrengungen können wir den Sieg verdanken, da wir auf Zuzug ans den sogenannten bürgerlichen Parteien absolut nicht zu rechnen haben. _ Das Wahlkomitce. Vommunales. Der EtatSausschust der Stadtverordnctcn-Vcrsamuiluug hat m seiner am Montag abgehaltenen Sitzung zum Etat der Gasan st alten folgende Resolution beschlossen:„Die Vcrsamm- lung ersucht den Magistrat, vom 1. Oktober 1000 ab de» Einheitspreis von 12 Pfennigen für 1 Kubikmeter Gas ein- zuführen." Stadtv. Borg mann führte hierzu aus, daß der Beschluß beS Magistrats, die Verhandlungeu über den Einheitspreis des Gases auf sechs Monate zu vertagen, eine Mißachtung der Beschlüffe der Stadtverordneten-Versammlung bedeute, die sich die Versammlung nicht gefallen lassen dürfe. Wenn die Angelegenheit so lange vertagt werden solle, bis der Kämmerer erkläre, jetzt sei das Geld für die Einführung der Reform vorhanden, dann könnten wir bis in die Ewigkeit darauf warten. Es fehle dem Magistrat augenscheinlich am guten Willen. In Konsequenz des vom Ausschuß gefaßten Beschlusses wurden bei den Einnahmen 1 Million Mark gestrichen die zweite Lesung des Etats wurde jedoch ausgesetzt, um dem Ma- gistrat Gelegenheit zu geben, sich über notwendige Aendenmgen zu äußern.— Der Etat der Straßenbeleuchtung wurde nach der Vorlage des Magistrats unverändert angenommen.— jBeim Etat der Straßenreinigung rügte Stadtv. Borgmann die niedrigen Löhne für die aushilfsweise beschäftigten Arbeiter, die nur 2,25 M. täglich erhalten. Der ortsübliche Tagclohn betrage für Berlin 2,8v M,, und die Stadt Berlin habe kein Recht, von der augenblicklichen Notlage der Arbeiter Gebrauch zu machen. Der Ausschutz schloß sich dieser Auffassung an und empfahl der Vcrsamm- lung die nachfolgende Resolution:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, die Lohnsätze sür aushilfsweise beschäftigte Arbeiter an- gemessen zu erhöhen." Stadlverordneter Bruns fragte den Magistrat, ob das Einwerfen des Schnees in die öffentlichen Flußläufe nur ein Versuch war und ob in Zukunft diese Versuche namentlich im Innern der Stadt fortgeführt werden sollen. Beim Luisenkaual habe sich die Sache durchaus nicht bewährt. Der Magistrat erwiderte, daß eS langer Verhandlungeu bedurft habe, um die Strompolizei zur Ge- nehmigung des Einwerfens zu veranlassen. In, Innern der Stadt würden die Versuche nicht wiederholt Iverden. Ersparnisse habe die Stadt nicht dabei gehabt, doch sei es der Verwaltung dadurch möglich geworden, in Verhältnis- mätzig kurzer Zeit den Schnee' von' den Straßen zu ent- fernen. Auf eine weitere Anfrage, ob die Versuche mit der Müll- s chm e l z e eingestellt seien, erwiderte der Magistrat, daß ein ge- wisser Abschluß über die bisherigen Erfahrungen vorliege, die dem- .nächst in einer Vorlage der' Versammlung mitgeteilt werden würden. Ueber den weiteren Verfolg der Angelegen- heit habe die Verwaltung noch keine Entscheidung ge- troffen. Im Etat für den Tiefbau beantragt der Magistrat für die Umgestaltung des Schloßplatzes 118 000 M. Stadtv. B o r g m a n n beantragt die Streichung dieser Summe, da die Stadtverordneten-Versammlung das Projekt noch nicht genehmigt habe und der Ausschuß also auch den Betrag nicht in den Etat stellen dürfe. Der Ausschuß lehnte den Antrag auf Streichung ab.— Auf eine Anfrage. wie weit das Projekt der Fortführung der Kaiser W i l h e l m st r a ß e gediehen sei, teilt der Magistrats- Vertreter mit, daß in nächster Zeit eine Vorlage an die Versammlung gelangen werde. Das Projekt würde vielleicht 20 Millionen Mark Kosten beanspruchen. Die Hauptagitatorcn für die Niederreitzung des Scheunenviertels seien die Besitzer der alten Baracken, die für ihre baufälligen Buden kolossale Summen verlangten und sich so aus dem Städtsäckel zu bereichem trachteten. Die ganze Sache verdiene der reiflichsten Ueberlegung.— Auch bei diesem Etat wird die zweite Lesung aus- gesetzt. Auf der Tagesordunng für die Sitzung der Stadt- dcrordneten-Bersammlung am Donnerstag, den 22. März d. I., uachnnttags 5 Uhr. stehen u. a. folgende Gegenstände: Fortsetzung der Berichterstattung des Etatsausschnffcs für das Etatsjahr 1S00: Wasserwerke, Markthallen und Hanplkaffe der städtischen Werke.— Borlagen betr. die Zusicherung eines Ruhegehalts an die kontraktlich angenommenen technischen Lehrerinnen bei eintretender Dienst- Unfähigkeit.— Die Unipflasterung und Umgestaltung des Schloß- Platzes.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung betr. die ii(9 Jotiitb" Kriimr v Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über die Lage bczw. Neuregelung deS höheren und mittleren Schulwesen» in Berlin.— Vorlagen betr. die Abänderimg des Vertrags über die Urania-Säulen und die Errichtung öffentlicher Uhren.— Fortsetzung der Berichterstattung des EtatSansschnsscS über die nachstehend bezeichneten Etats für daS Etatsjahr 1900, und zwar: Kanalisationswerke und Rieselfelder,— Gymnasien, Realgymnasien und Oberrcalschulen,— Realschulen,— höhere Mädchenschulen,— Turnhallen der städtischen höheren Lehranstalten, Spiel- Plätze und Turnwescn im allgemeinen,— Verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten und die höheren Mädchen- schulen,— Gemeindeschulen(Volksschulen)— und Hochbau. — Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Neubau der Lessingbrücke.— Berichterstattung über die Wahl des Bürsten- fabrikanren Littmann, Lindenstr. 7, zum Stadtverordneten.— Desgleichen über die Anträge des Magistrats wegen Wahl von Waisen- Pflegerinnen auf jGrnnd des Art. 77 Z 2 deS AuSführnngsgesctzeS zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Der Stadtvcrordnetcn-AnSschust zur Vorbereitung der Wahl eines unbesoldeten Stadtrats zur Wiederbcsetzung der von dem aus dem Amte geschiedenen Herrn Kämpf innegehabten Stelle, welcher gestern abend unter Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans eine Sitzung abhielt, hat sich wiederum ohne Ent- scheidung zu treffen vertagt. VoItAlvs«- Vom Kampf um das Scheunendkertel. Die Frage der Weiterführung der Kaiser-Wilhclmstraße und der damit zu verbindenden Durchbrechung oder völligen Beseitigung des Scheunenviertels dürfte nun bald entschieden werden. Es wird ja auch Zeit, daß die Sache— so oder so— einmal ein Ende nimmt. Von den beteiligten Grundbesitzern wie von dem Stadt- baurat und der städtischen Bandcpntation sind nacheinander die verschiedensten Projekte aufgestellt bezw. unterstützt Ivorden, brauch- bare und nnbrauchbare, billige und theure. Ob auS diesem Wirrwarr von Projekten,' diesem Widerstreit der Jnter- essen schließlich etwas Gutes herauskommen wird? Am schlechtesten schneidet bei der Behandlung der ganzen Frage der Stadtbaurat Krause samt der städtischen Baudcputation ab.' Die Grundbesitzer wissen wenigstens, was sie wollen. Sie nlöchtcn mit dem Scheunenvicrtel ein möglichst gutes Geschäft niachcn und treten daher jeder für dasjenige Projekt ein,' das diesem Zwecke je am meisten zu entsprechen scheint. Dieser Standpunkt ist zwar kein nobler, aber er läßt sich bei einem Grund- bcsitzcr verstehen, und vor allem weiß man doch, woran man mit solchen Interessenten ist und was man von ihnen zu elwarten hat. Der Herr Stadtbaurat aber und seine Freunde i» der Bau- deputation wissen augenscheinlich nicht, was sie wollen. Der einzige Zweck der verschiedenen, einander zum Teil widersprechenden Pro- jekte, die bisher von Herrn Krause aufgestellt und von der Bau- dcpntion unterstützt ivorden sind, scheint der zu sein, die Ausführung des sogenannten Cohnschen Projekts zu verhindern. In ihrer letzten Sitzung hat die Bandcpntation dieses Projekt, das sich am längsten unter de» von privater Seite aufgestellten Projekten behauptet hatte und: zuletzt allein noch in Frage kam, trotz der Befürwortung durch die Vereinigung der Berliner Architekten einstimmig abgelehnt— mit der Begründung, daß seine Ausführung eine Erschwerung des Verkehrs zur Folge haben würde. Dafür empfiehlt die Deputation dem Magistrat eine allcrncueste Variante des Ärauseschen Projekts, bei der auf den Verkehr usw. alle notwendigen Rücksichten ge- nommen seien. Wie die endgültige Entscheidung schließlich ausfallen wird, ob zu Gunsten des Grnndstücksagentcn Cohn oder des anscheinend etwas eigensinnigen Stadtbaurats Krause, das läßt sich schwer voraussagen. Den Ausschlag werden in dieser Sache wohl die Grund- b e s i tz e r geben— diejenigen, welche als Stadtverordnete direkten Anteil an der städtischen Verwaltung haben, und noch mehr die- jenigen, welche, selber außerhalb der' städtischen Verwaltung stehend. durch den von ihren Vereinen ausgeübten Druck auf die Stadt- verordneten die kommunalen Angelegenheiten indirekt beeinflussen. Gerade die Grundbesitzer sind aber diesmal durchaus uneinig. Zum Teil unterstützen sie daS Cohnsche Projekt, pzmn andren' Teil kämpfen sie Schulter an Scvnlter mit dem Stadtbaurat und der Baudcputation, je nachdem sie, wie gesagt, mit Cohn oder mit Krause daS beste Geschäft zu machen hoffen. Der Wunsch und die Hoffnung, bei der Geschichte ein Geschäft zu machen, beschränkt sich auch nicht nur auf die Grund- besitzer des Scheunenviertels. Die Grundbesitzer der b e n a ch- harten Stadtteile glauben an der Sache gleichfalls stark interessiert zu sein. Vor dem Schönhauser und dem Prenzlauer Thor wird sogar noch eifriger für die Durchbrechung oder völlige Bc- seitigung des Scheunenviertels agitiert als im Schcunenviertel selber. Die Grundbesitzer da draußen empfinden es bitter. daß sie aus ihren vollständig modernen, meist erst in den 70cr und 80 er Jahren entstandenen Häusern einen verhältnismäßig geringen Nutzen ziehen können, weil sie durch das Scheunenviertel mit seinen schlechten, aber billigen Wohnungen vom Ccntrum getrennt sind. Sie wissen, daß ihre Grundstücke, die sozusagen das Hinterland des Scheunenviertels bilden, sofort sehr erheblich ini Werte steige» müssen, wenn das Scheuncnviertel in ein Geschäftsviertel um- gewandelt wird. Ohne die Agitation dieser mitinteressierten Kreise wäre übrigens die Scheunenviertel-Frage warschcinlich längst gelöst. Die Grundbesitzer rühmen von sich, daß die Berbessernngen der Verkehrswege, die Straßenerweiternngcn, Straßendnrchbrüchc usw. in der Regel erst durch ihre Bemühungen herbeigeführt werden. DaS trifft im allgemeinen zu, aber diesmal ist offensichtlich das Gegenteil der Fall. Diesmal haben gerade die Grundbesitzer die Lösung der Scheunenviertel-Frage verzögert, und zwar auS genau demselben Grunde, auS dem sie sonst die Verbesserung der Verkehrswege fördern: aus Profitwut. Am Schcunenviertel wollen eben zu viele profitieren, darum haben sich hier die Interessenten bisher nicht unter einen Hut bringen lassen. Stilllcbcu auö einer Berliner Innung. Ein an Jubiläen reicher Herr ist der Obermeister der Berliner Friseur- und Pcrrückcn- inacher- Innung, Herr Wollschläger. Vor etwa acht Jahren feierte er den Tag, an welchem er 25 Jahre lang VorstandSniitglied der Berliner Innung war, dann kam dnü 2b jährige Obermeister- Jubiläum an die Reihe und hierauf 1894 das 25 jährige Jubiläum des Augenblicks, in welchem er Vorsitzender des Brandenburgischen Provinzial- JnimiigS- Verbandstages geworden war. Nun naht sich in diesem Jahre der Tag, wo Herr Wollschläger 25 Jahre lang Präsident des Bundes Deutscher Barbier-, Friseur- und Perrückcn- macher-Jnnungcn ist. Die bisherigen Jubiläen waren mit mehr oder minder kostbaren Geschenken bedacht worden; so erhielt Herr Wollschläger 1394 von den Innungen der Provinz Brandenburg ciue neue Wohnungseinrichtung. die Innung der Reichshauptstadt aber schuf bei dieser Gelegen- heit durch Sammlungen bei den Jnnuugsmftgliedern eine Wölls chläger-Stistung, von deren Zinsen änne und er- krankte Barbierherren Unterstützungen erhalten sollten. Mit dieser Stiftung wollte es jedoch nicht vorwärts gehen; eS kamen im ganzen nur gegen 2000 Mark dafür ein und die Innung wußte äugen- scheinlich nicht recht, was sie mit dem Gelde anfangen sollte. Schon vor Gründung der Stiftung war viel davon geredet worden, daß es eigentlich besser sei. man kaufe Herrn Wollschläger ein Land- Häuschen in der Umgegend von Verlin, dessen er recht bedürfe. Doch drang dieser Plan nicht durch, und es blieb bei der Stiftung, die. wie gesagt, nicht leben Mwch. 21.|ii ich 1900. und nicht sterben konnte. Bei solcher Sachlage Zkam dem Jnmmgsborstand das diesjährige Jubiläum wie gerufen und er beantragte in der am Montag abgehaltenen Jmmugsversammlung, das ganze Stiftnngsgcld und dann aus der Jnuuugskasse noch 1000 M. dozn Herr» Wollschlägcr als neuestes Jubiläumsgeschenk zu überweisen. Bon den 1200 Mitgliedern, die der Innung mehr oder weniger freiwillig angehören, waren in der MontogSversammlung nur etwa hundert' zugegen. Von diesen erklärten sich ungefähr siebzig, darunter die' Fachschullehrer, persönliche Freunde des Ober- Meisters usw. in begeisterter Stimmung für die Geschenke, während eine Minorität vo» etwa dreißig Mitgliedern rege Bedenken laut werden ließ und namentlich auf die Umstände auf- merksam machte, daß die Stiftung doch der Städtischen Stistnngs- deputation hätte angezeigt werden müssen und daß wohl keiner der Geber an eine solche Verwendung der Gaben gedacht hätte. Anw wurde der Einwand laut, daß die Lasten in der Innung immer größer würden? habe doch jetzt schon jedes Mitglied im ganzen, Krankenkasse eingerechnet, jährlich 23 M. zu zahlen. Diese Bedenken fanden jedoch bei der Mehrheit ebenso wenig Gehör, wie der Hin- weis ans die Ungehörigkeit, daß über die Wollschläger-Stiftung seiner Zeit gar kein Protokoll angefertigt sei und die Erklärung, daß öS seine großen Gefahren habe, mit den zn Gunsten der Gesamtheit gespendeten Gaben derart willkürlich zu wirtschaften. Ein Mann, wie Herr Wollschläger, so wurde noch gesagt, der aus seinen Jnnungs- und Nebenämtern allein 5000 bis 6000 M. jährliche Ein- nahmen beziehe, sei doch wohl kaum auf Geschenke d i e s e r Art angewiesen. Trotz alledem drang die geschenkfreudige Richtung siegreich durch, und Herr Wollschläger erhält die 3000 M. vorläufig zugewiesen. Die Gegner der am Montag gefaßten Beschlüsse wollen jedoch sowohl an den Magistrat wie an das Polizeiprästdiuin eine Beschwerde richten ,' in der die Gesetzwidrig! e i t der gefaßten Beschlüsse namentlich daraus hergeleitet werden soll, daß die Wollschlnger- Stiftung eine Verwendung finde, die den Absichten der Spender durchaus nicht entspreche. Ferner soll angeführt werden, der Vorstand habe sich einer bedenklichen Verfehlung dadurch schuldig gemacht, daß er die Stiftung gar nicht bei der Stiftungsdepntation angemeldet habe. Manche JnnungSmitglieder sind allerdings der Meinung, daß die Beschwerde hinfällig werde, weil Herr Wollschläger ohne Zweifel freiwillig auf ein Geschenk Verzicht leiste- das ihm unter so fragwürdigen Umständen dargeboten werde. Von der Ausstellung der Reichsdrnckerei, welche für den bevorzugtesten Teil des deutschen Hauses ans der Pariser Welt- a u S st e l l u n g bestimmt ist, lvird die interessanteste und bedent- samste Sammlung dieser Tage im Reichs-Post musen m zur öffentlichen AnSstellung während der gewöhnlichen Besuchsstunden gelangen. Es sind 49 Duplikate von Kupferstichen, Radierungen und Schabbildern, welche als Wandbilder in Paris ausgestellt werden. Sie sind sämtlich von der chnlkographischen Abteilung der Reichs- druckcrci unter Leitung des Geheinlen Regiernngsrats Professor Wilhelm Roese hergestellt und entstammen dem großen, jetzt zum Abschluß gelangenden Sammelwerke von Kunstblättern. Die Pakctfahrt-Gescllschaft teilt in einem Cirkular an ihre Aimahmestcllen-Jnhaber mit. daß sie ihre Briefbeförderimg am 31. März einstellt. Die letzte Abholnng findet an diesem Tage morgens zwischen 3 und 9 Uhr statt, zu welcher Zeit dann auch die Briefkästen entfernt werden. Karten. Kartenbricfe. Briefmnschläge und sonstige Wertzeichen werden vom 1. April ab vo» der Direktion Ritterstr. 97/98, zurückgenommen, ausgeschnittene Wertzeichen aus Karten und Briefumschlägen werden jedoch nicht ersetzt. Wie die Gesellschaft ferner mitteilt, wird sie ihren Betrieb»ach andrer Richtung hin erweitern. Sie behält den Geld- Einziehungsverkehr von Rechnungen, VcreinSbeiträgen sc. bei und übernimmt den Vertrieb von Prcisconranten, Geschäftscirkiilaren, jedoch nur ohne Adresse und von regelmäßig erscheinenden Zeitungen und Zeiffchriften nach Abonncmentslistcn. Die Filialen der Gesellschaft gehen mit dem 1. April ein; die Annahmeltellen für Pakete bleiben bestehen. Tie Abgaben der Straßenbahn-Ecsellschaften an die Stadt- gemeinde Berlin werden in diesem Jahre voraussichtlich auf 2 126 000 M. steigen. Den Löwenanteil an dieser Summe, nämlich nahezu zwei Millionen Mark, wird die Große Berliner Straßenbahn zu zahlen haben, deren abgabepflichtige Brutto- Einnahmen in den letzten Jahren 2&U beziehungsweise 22I/2 Millonen Mark betrugen und die für dieses Jahr auf 24390000 M. geschätzt worden sind. Von dieser Summe hat die Ge- scllschaft bekanntlich für die Benutzimg der städtischen Straßen«. acht Prozent an die Stadtgcmcinde zu zahlen. Erheblich bescheidener sind die Berliii-Charlottenbnrgcr Straßenbahn und Akticiigei'ellschaft Siemens und HalSke eingeschätzt: deren Ab- gaben werden sich mir ans 90 000 bezichungsiveise 62000 Mark be- laufen. Rechnet man zu dem Gesamtbeträge noch die Abgaben der Englischen Gasgcscllschast(mit rund 477 000 Mark» imd der Berliner Ele'ktricitätsivcrte(mit l°/i Millionen), so erwächst der Stodtgenieinde ans dem Betriebe dieser Gesellschaften insgesamt eine Jahres- cinnahme von mehr als 4 353 000 Mark. Die Märzuuiiuner der anarchistischen Zeitung„Neues Leben" ist gestern auf Grund des ß 130 des Reichs-StrafgesetzeS (Aufreizung) polizeilich beschlagnahmt worden. Fritz Friedmann in Philadelphia freigesprochen, lieber die Verhandlung gegen den ehemalige» Berliner Rechtsanwalt Fritz Friedmann wird aus Philadelphia unter dem 10. März geschrieben: Ohne ihren Sitz zu verlassen, sprachen die Geschivorencn Friedmann von der Anllage des B e t r n g s frei, welche der Schwindelgraf Toiilonse gegen ihn erhoben hatte, und noch am Abend kehrte der Freigesprochene mit seine» Frennden, die eS ermöglicht, seine Schuldlosigkeit darznthun, nach Neiv Dork zurück. Die Verhandlungen fanden vor Richter Beimler statt. Eprnahor Charles Marwick von Philadelphia und RechtSaiiivalt Otto Kempner von New Jork wahrten die Sache des Angeklagten. Nachdem der„Graf" Toulouse bezeugt hatte, Dr. Friedmann habe ihm am 18. Jaimar dieses JahreS im Stanton- Hotel in Philadelphia um 75 Dollar ersucht und habe für den Betrag einen Check auf die Hamilton- Bank in Brooklhn gegeben, wurde er einem äußerst scharfen Kreuz» verhör unterworfen, in welchem seine zahlreiche» Vorstrafen eine große Rolle spielten. Dr. Friedmann bekundete in eigener Sache, daß er den„Grafen" zwecks Arrangierung einer geplanten Vorlesungstonr um ein Darlehn von 75 Dollars ersucht und ihm nach Auszahlung des Gelds einen Schuldschein ausgestellt habe auf einem Formular, das ihm der Graf selbst eingehändigt hätte. Den als Beiveisstück vorgelegten Check erklärte er als Fälschung. Drei New Dorker Herren nahmen es ans ihren Eid, daß sich Dr. Friedmann in New Dork stets als Ehrenmann bcnoimncn habe. Ohne sich zur Beratung zurückzuziehen, einigten sich die Geschwornc» im Gcrichtssaal ans ein freisprechendes Verdikt. Von Mauersteinen verschiittet wurde gestern abend inn 6 llhr der 19 Jahre alte Kutscher Paul Bnchholz ans der Jnsterbnrgcr- straße 2, der bei dem Fuhrherrn Krüger in der Frankfurter Allee 161 beschäftigt ist. Als er mit einer Fuhre Steine ans ein Neubau- Gnmdstück am Petersburger Platz fahren wollte, schlenderte der Wagen beim Ueberfahrcn des Rinnsteins so stark, daß der jnnge Kutscher herabfiel. Em Teil der Steinladung stürzte nach und ans ihn und verletzte ihn am ganzen Körper, besonders schwer am Kopfe. Ein Lückscher Rcttinigsivagcn brachte den Vcrniigliickten, der die Besinnung verloren hatte, in ein Krankenhaus. Mtt«wer Schußwunde im Kopfe wurde> Montag abend ein unbekannter Man» von etwa 32 Jahren, der den besser gestellten Ständen anzugehören scheint, im Tiergarten auf einer Bank am Goldfischtcich sitzend aufgefunden. Ein Schutzmann brachte ihn nacht Treue S8i>, während die vereinigten Gegner, die daZ erste Mal die der Eharits. Dort starb der Unbekannte gestern morgen, ohne das Socialdemokratic in den Wahlkompf haben zicben fcben, cZ auf 10t Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Er hat. jede Spur, die auf bczw. 93 reip. 46 brachten. seine Persönlichkeit hinweisen könnte, verwischst die Zeichen ans der] Wäsche beseitigst kein einziges Papier bei sich behalten. Ter Sctbst- mördcr hiu eine untersetzte Gestalt, blondes Haar rind einen kleinen! blonden Schnurrbart: er trug einen braunen Ucbcrziehciv einen graubraunen Jackcitäcizng, sklcincn, schlvarzcn, weichen Filzhut und Schnürstiefel. Abermals ein Dpfer des ungenügeudeil Bauarbeiter Schutzes. Bon der Maurerorganisation wird unS berichtet: Ter In Niedcr-Schöucwcidc ist unser Parteigenosse Karl Weber »ist 58 Stimmen gegen 102 Stimmen, die ans den bürgerlichen Kandidaten fielm, unterlegen. Auch hier hatte man das bekannte Mittel angewendet, die' Wahlhandlung aus solche Tages- st u ii d c ii f e st z u s c tz e n. an welchen der A r b e i t c r a n die Fabrit gebuiideii ist. Wenn trotzdem in der Zeit von 9 bis 11 Uhr vonnittagö öS socialistischc Stimmen abgegeben wurden, ..........,___ so crgiebt sich, daß selbst diese von soeialistcn feindlicher Seite an- Maurer Sigmund Thieseler stürzte am Montagmittag von dem I gewendete Methode ans die Daner nutzlos ist. Wie lange noch wird O � � � n/T...-____•_ I__________ r y.••...... /; jt.___ t. I'«%■>:! i•*. v», Ncnbau des Maurermeisters L a g o tz in der Alcrcmdriiiciisiraße in einer Höhe von etwa lö Meter ans den Hof des Nachhargrimdstiilis hinab. Thieseler war mit dem AuSmanern der Träger, welche mit den, einen Ende auf dem Giebel ruhen, beschäftigt' und muhte sich bei dieser Arbeit ungefähr einen halben Meter weit von der Riistiing nach dein Mausrwcri himmterbeugen. Th. war. wie fesigcftcvt wurde, auf den Giebel niedergekniet und hatte beim Aufrichten mit dem Rücken au die Rüstung gcstohcii, wobei er das Gleichgewicht verlor und kopfüber nach unten stürzte. Der Verunglückte wurde sofort nach der llnfaklstation gebracht und hat sich schwere iunerlichc Verletzungen zugezogen. Die Maurer, welche au derselben Arbeil beschäftigt waren, gerieten bei dicseni Vorfall ei» wenig i» Aufregung. Ein Maurer K.»lachte dem Meister Lagotz, der nii Augenblick deS Unglücks die Rüstung betrat, ans die noch vielfach mangelhaften S ch n y v o r rä ch t n n g e» aufmerksam und forderte Abhilfe. Herr Lagotz fühlte sich dadurch in seinem Jnnevn tief verletzt und> belohnte den Maurer Ä. für seine Aufnierksamkeit mit der Entlassung. Am Ende wollte der humane Meister den Maurer vielleicht auch vor dem gleichen Schick- sal, das Thieseler betreffen hatte, bewahren. Das Hochwasser der Sprec.hat für den Strahenvcrkehr störende Folgen, die, iveim sie auch nicht cutfernt so schlimm sind wie die durch militärische Absperrungen hervorgerufenen,. dcuugch von Kutschern ivie von Fnhgäuger» recht unangenehm empfunden werden. Da gröhere Kähuc nicht ohne Gefahr die Brücken pafsicrcii kömle». müssen diese ausgezogen werben; eine solche Siöpimg an der Schlohbrückc dnncrie Hestern nachmittag etwa eine Viertelstunde. Durch eiueu Sturz aus dem Fenster bat sich in der Rackt zu gestern der 22 Jahre alte Kauf», anii Schindel, der Sohn eines Tischlers ans der Naiinhnstr. 50. das Leben genominen. Der junge Mann war seit dem 1. Okiobcr vor. Js. lungenleidcnd mid infolge- dessen arbeitsunfähig. In der vergangenen Nachr kam er iim t21/j Uhr nach Hanse. Er stürzte sich aiiS dcni vierten Stock znui Fenster hinaus und blieb mit zerschmetterten Gliedern auf dem Bürgersteig liegen. Ter LcvenSmüdc wurde nach dem Kraulen haus Am Urban gebracht, wo er zivci Stunde» nach der Anf- ii ahme starb. Selbstmordversuch. Durch vier Schüsse in den Kopf versuchte gestern. Dienstagnachmittag. der 23 Jahre alte� Gärtner Heinrich Fritz ans Steglitz sich zu töten. Fritz war bei Metz u. Cie beschäftigt, verlieh die Arbeit, ging in den Tiergarten und jagte sich aus einem Revolver vier Schüsse i» die Stirn. Spaziergänger und Schutzmänner fanden ihn in der??ähe der grohcn Lncrnllee vcwuht- los aber lioch� lebend daliegen und brachten ihn in ein KrankeithouL Et ist sehr schwer verletzt, doch geben die Aerzte noch nicht alle Hoffiwng auf, ihn am Leben zu erhalten. Furchtbare Vcrketzliugen erlitr am Dicustagnachmiltag um 4 Uhr durch einen Unfall b�ini Abladen von Fässern von einem Rollwagen der 43 Jahre alte Kutscher Max Lorenz aus der Gartcnstr. 44. Ein schweres Fah. über das er die Gewalt verlor, rollte� ihm über de» ganzen Körper, quetschte ihm den Kopf breit, so dah das Gehirn niid Blnt heraustrat, und brachte ihm schwere Quetschwunden am ganzen Körper bei. Der Verunglückte würde durch die nächste Unfallstation nach der Eharits gebracht. Uuglileksfall. Gestern vormittag II3// Uhr stürzte der Hau»-- diencr Paul Pieprow, 33 Jahre alt. Wihmamiftr. 9 wohnhaft, von dem Fahrstuhl im Hanse Gitschinerstr. 80 aus dem dritten Stockivcrk und erlitt einen komplizierten Schädelbruch. Er wurde nach dem Äraiikenhanse geschafft nud starb daselbst. Ein gewaltiger Dachstnhlbrand wütete Dienstag gegen Abend in der Schmidstr. 10a. Der langgestreckte fniifstöckige Scitenfliigel wird von zahlreichen Mietern vewohnt, die in de» Boden- kammeril viel Wäsche und Hausgerät untergebracht hatten. Bald nach 5 Uhr drang Rauch durch das Dach, der sich rapide verdichtete, und. weil vom Dache niedergedrückt, bald den Hof dcriuatzcn einhüllte, dah sich der Bcivohucr der Hallscs eine grohe Panik bemächtigte, die sich erst legte, als die Feuerwehr in großer Stärke heranrückte. Sofort traten Danipfspritzen in Thätig Icil und Rohre wurden über Treppen und eine im Hofe auf-! gestellte mechanische Leiter geführt. ES ninhtc vor allem verhütet werden, daß das Feuer das Vorderhaus, sowie das OiiergcbäUdo erfaßte, ivas uack zlvcistündiger Arbeit auch gelaug. Der gesamte Dachstuhl ist indes eingeäschert, und unter den bctroffciicn Mietern befinden sich auch mehrere nicht versicherte. Gegen Si e Uhii konnten die letzten Löschzüge eist wieder abrücken.— Vorher war Friedrichstrahc 161 ein llcincr Kellerbrand und Feld man auf bürgerlicher Seite derartige Mittel gegen uns gebrauchen Tie Stadtverordneten- Versamnifting in Schöncberg be schäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit dein StadthanShalts-Etat. Bcim Ban-Etat benutzte Masuch lSoc.) die Gelegenheit, um den Mangel einer öffentlichen B e d ürf» i s a irstal t f u r F r a u e n zu koiistaticrcn. Es soll für Abhilfe gesorgt werden. Des weiteren werden die Peiffionsvcrhältniffe der städtischen Arbeiter erörtert. Stadtvi Lcssig empfahl die Sicherung der Reliktenbcziige der Familie» dieser Arbeiter durch den?liischluh an die gleichartige Kaste in Berlin in die Wege zu leiten. Ferner wurde einstiminig beschlossen, an den Magistrat das Ersuchen zn richten, im nächsten Jahre eine Untersliliiimg des WasterS der Straheiibrimnen vornehmen zu lasten. Beim Etar der außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben iSlraßeiipflasternngcn) verlangte Geiwsic M a s u ch die Ilebernahme der Pflasieningeii in st ä d t i s ch c R e g i e. Vom tadtbaurat wurde erwidert, daß die Stadt schon in diesem Jahr den Anfang damit gemacht hat, Material zinn Pflastern selbst zn bezichen, daß dagegen die eigne AiiSführnng der Arbeiten siäi schwer bewerkstelligen lasse» werde, weil dazu ein ständiges Personal notwendig sei. das im Winter cntlasseil werden müßte. Auch der Stadtv. Sleinsetzmeister« ch l i n k vcr- suckffe als Fochmaim aus gleichen Gründen die llndurchsührbarkcit dieses Projekts herzuleiten. Der Etat, � der in Eiiuiahme mit 123 366 33?., in Ausgabe mit 267 703 M. abschließt, wurde bewilligt. Tic Stixdorscr Stadtvrrordnctcu- Nersammlnng setzte am Dieusmg die Eialeberalung soit. Beim Etat der GaSanfialt. Titel Löhne der Betriebsarbcitcr", regt Conrad lSoe.l an. auch den Betriebsarbeitern gleich den Beaiiiten alljährlich einen Urlaub, viel- leicht von acht Tagen, mit Fortbczug des Lohnes zu gewähren. Tie Kosten würden ziemlich geringe sein.'Auch könnte die alle 14 Tage vorkommende 24- Stmidenichicht abgeschafft werden. Wenn cS sich.jetzt nicht machen laste, so möchte Redner doch den Magistrat bitte», die zlikmiftigc Durckifuhrnng seine r Vorschläge in wohlwollende Erwägung zu ziehen. Bürgermeister Voigr: Alich der Magistrat möchte die Gasarbcitcr so günstig wie möglich stellen. Magistrat und Kuratorium scic» aber der Meiuuiig, daß cS nicht angängig sei, den Arbchcrn generell einen Urlaub zu gewährleiste». Bei ihnen lägen die Tinge anders wie bei den Beamten. Letztere tonnten sich gegenseitig vertreten infolge der Eigenart ihrer Beschäftigung, die Arven er aber nichr. Selbst Berlin und andre arbcitcrfreimdliche Gemeinden lst gewährten den fraglichen Betriebs- arbeitern keinen Urlaub, fltixdors mit seinen schlechten Finanzen könne damit nicht vorangehen. so wohlwollend man auch den Arbeitern gegenüberstehe. Eine Aufbesienmg der Löhne sei erst im Ziovember erfolgt. Wegen der 24-Sllnidcnschicht verwicS Herr Voigt den Vorredner au daS Caskuratorium. Damit ist die Angelegenheit erledigt.— Unter Titel 12 des Etats der Allgemeinen Vcr- waltuug werden gemäß der Magistralsvorlage zur Eiiisiihrimg von Jugend- und V o l k s s p i e l c ii 800 M. bewilligt.— Ter Titel..Fciicrlöschwcscn" rief eine längere Debatte hervor. Die Thütigkeit der frcilvilligc» Feuerwehr wurde im oll- gemeinen als zusriedeuftelleiid anerkannt, auch vom Bürgermeister Boddin. Dieser meinte indessen cbeiöo wie Stadlv. Ostermanli sSoc.) und audrc, daß doch die städtischen Körpcrfchastcn verpflichtet seien, an eine Vcrvollkoumliiuiig deS Feuerlöschwesens zn denken. Es schweben, wie der Bürgenneistcr imticiltc. bereits entsprechende Verhandlungen. Herr Beiß voni Äommuiial-Rcsornivcreiil ließ wieder einnial seinem EigentlimSsanatiSmus freien Lauf. Er erklärte. daß er nicht begreife, weshalb sich die Soeialdcmolraten als Besitzer„unbrennbarer Häuser" über � das Fenerlösch- wesen„so ansrcgtcn". Stadtv. O st e t mann(äoc.) erwiderte. Beiß habe damit kiindgcgcbcn, daß ihm die Gefährdung von Menschenleben ganz gleichgültig sei. Im übrigen babc er stch wieder einmal als der Komiker der Vcriammlung erwiesen. Der Vorsteher rügte diese Zleutzeriing. Tie weitere öffentliche Beratung ging ziem- lich glatt von statten. Eine größere Anzahl Positionen, bei der Atzung vor- sind gegen Pcrsöncnsragcn mitspielen, wurden einer geheimen behalten. Der Etat balanciert mit 2.362 647 33?., da das Vorjahr 487 487 M. mehr. Zu welche»(Seschmarklosigkeiten sich die Liebedicitcrei vcr- leiten läßt, zeigt die Miltcilnng eines Sck'önebergcr Lokalblalts, Ivo- noch dem Ersten Bürgermeister Herrn Wilde ein„freudiges Familien- erciginS" bevorsteht. Die Magistrate von Berlin und Eharlottcuburg brab- sichtigen, geineinjam mit der Austcilling der an Berlin im Stordwesten augrenzciidcn arotzen Gebietsteile vorzugehen. ES handelt sich der „Renen Z." zufolge am rechten Sprec-ilser um daS Gelände zwischen dem VcrbindnngSlanal dieses FlnstcS und des Tpandaner Schissabrls- 9 f ,1» o»in Oimin»»ft,v,nN ni,...i n.v,.., k i;„ f..!(„ I i.. oem iocrv,ii?iiiigs:anar oic,es Sinnes uno oes«panoaner«ainiaarrs-- ninn»n VLllvnh«n. ,n �r.L?m»n �_ �",l5 kanols südlich lind östlich davon und der Enklave des Amtsbezirks gingen Papierabsalle in flammen aus. Tegel, warin da? JohanniSstift liegt, und dem Platz v Abt. Vl. soivie Französisch. Am 1. April Bezin» neuer Kurse stir Anfänger luid Vorgeschrittene in drei aussteigenden Stufe». Ter Unterricht, der van tuchiigrn Lelirkröften erteilt wird, ist besonders denen zu emvichleu. die später ins Ausland gehen wollen. Das Sprechen in dem srcmden Jdjoin beginnt bereits ans der Niiierftnse, und zwar im Anlchlnh an Bilder und Roturobjekle. Hand in Hand damit gehen grammatische Ucbungen und das Erlernen des franzönschm Brrcssnls. Unterrichtszeit Montag und Touncid- lag von 7— Uhr abends. Anmeldungen ntinmt täglich ran 12—2 und abends von 7—0 Uhr Herr Steltor Klebe. Pntbiilcrsn 22, entgegen. Tie 6/ Stödti-chc gortbi!dm>gS!chule, Putbulechr. 2 der Sickingen- und verlängerten Wittstockcrflraße. Hier große neue Straßen ungefähr parallel zur Srckmgenstraxe und drei kürzere»icue Straßen entstehen. In Betracht kommt bei dieser Allsteilling hauptsächlich das große Gelände der Union ElektricitäiSgejcllschaft und der Löweschen Fabrik. Ein zivcites Projekt lluffaßt links von der Spree auf Eharlottciivnrgcr Seite das große Gebiet zwischen der Franklinstraße im Westen, dem Siidufer der Spree»nd dem Porzcllongraben genannten Teil des Schafgrabcns, der die tönigl. Porzellanfabrik westlich flankiert. Hier, nahe der Eimnimdulig der Wegelpsiraße in die Bachstraße bei Bahnhof Tier- garten wird Berliner Gebiet berührt. Eharlottcnburg will hier einen Srraßenzug anlegen, der längs de? Porzellangrabens beginnt, die Englische Straße kreuzt, die Gntrübergstraße oiffnimmt und sich in deren Forlsctzung in Halbbogcnform parallel zur Svrcc beim l,,, n«. M-.....***. MirS: I SStrS.- Der StadtauSschuß CharlottenburgS macht bekannt, daß der Fabrikbesitzer€i/ I a ch m a n n in der verlängerten Huttcnstraße eine Gießerei- Anlage crrichlcn will, und fordert aus, etwaige Ein- Tie natnrwlsirnschaftlichen Kurse an der 7. Städtilchen Fvi-lbildimgö- schule.' Gräsesir. S5/SS, werden i>n bevorstehenden Semester, da? bereits oui 2. April beginnt,(olgciidc«ein: Montags i Eleltricität..Fortsetzung), Mittwochs: Physik lMeckiatiit, cinsachc Maschinen, Zwischenunlübiue»). Donnerstags: E lc kt r i c itä t.neuer qursns). Sonnabends: Chemie tGrutchstoffee— Der Unterricht stndei abendS van 7l/„— S>', Uhr statt und Vermisrtzkcs- Zu dem Mord in Könitz schreibt man.der„Elbingcr Ztg." ans K onitzt„Von dem seit dem Il.d. MtS. vermißten 18l/2 Jahre alten Obertertianer Ernst Winter rühren anscheinend die im Mönch-» see bezw. am evangelischen Kirchhof aufgefundenen menschlichen Körperteile her: sonst, fehlt jedoch jede weitere Spur; auch ijt das Ergebnis der Untersuchung und aller bis jetzt vorgenommenen Hausjlichimgen bisher ohne Erfolg gclvcsen. In der ishnagoge wurde ein Fläschchcn mit Blut beschlagnahmt, daS nach ärztlichem Gutachten„Hühnerblut" ist. Zur näheren Untersuchung ist das niise sind nicht ersorderlick.. Aumclduiigen werde» tägli» abends jirnrncr der 176. Gemeindeschule, Gräfestr. Sö,8P, entgegengenommen. Das Friedrich Wilhelmstädtischc Theater folgte, wie immer. so auch iil diesen Tagen den hervorragenden Bühncncreignissen aus dem Filße und brachte einen„Bärenhäuter" an die Öeffentlich- keil. DicSnial kam jedoch keine Parodie zu stände; der Fond reichte nur für ein gleichgültiges Schauspiel, daS ungefähr den Inhalt haben mochte, den Siegfried Wagner in seiner Oper verwertet hat. Die Aufführung ließ manches zu wünschen übrig, immerhin kargte das Publikum nicht mit dem Beifall. Der Hauptcoup aber sollte nach Beendigung deS Schauspiels folgen, doch hatte nach Angabe der Direktion die Polizei den Plan verleidet. Es lvvr nämlich eine Parodie„Alex Heintze" vorgesehen, von der Eensurbehörde Ivor daö Stück aber nicht freigegeben worden, so daß die Zuschancr sich den Genuß dieses Bühnenwerks verkneifen mußte». Ans den Nachbarorten. Neuer Sieg. Bei der Gcmcinderats-Wahk in Britz siegte unser Parteigenosse Dorn mit 211 Stimmen gegen den Kaudrdoteit der Gegner.?1rbeitcr Grothc. Die Kandidatur eines Renommier- arbciters hat also den Gegnern nichts genützt. � Einen großartigei' Crfolg erfochten unsre Parteigc.wsfcn in.........._________............................ L i ch r e n b e r g- F r l e d r i ch s b e r g am Montag und i-iwtag Kranlenhaus FriedrichShain gebracht, woselbst er verstorben ist. bei den Gemeinderats-Wahle». Im zweiten Bezirk, u, dem drei>- Vertreter der dritten Kläffe zu wähle» waren, errangen unsre Parteigenossen ÖSlvatd Grauer.589, Karl Welk 573 und Genosse Georg Wendungen binnen 14 Tagen bei ihm schriftlich anzubringen. Tcrinin zur Erörternug solcher Cinlvendimgen ist gletch-eilig ans den 11. April de. IS., vormittags 11 Uhr. vor dem Gerichts- Assessor Lconhardt in Charlottenburg, Spreestr. Zs. 2 Treppen. Zimmer 2, anberamnt. Tic Gcuieiiigcfahrlichkcit des.HauSagraricrtuuis ergiebt sich von neuem auS einer Miltcilnng der„R ü d e r S d o r f e r Z e i- tung". wonach unter den Hauswirten des OrtS Bciprechmigcu ftattffndcn. au Maurer nicht inchr.zp vermieten. ES scheint da- nach, daß der Hafer die Herren Hauswirte mächtig stickst. Kirchliche Haudlungeu bei Entrcc. In H-rmsdors hat der Gemcindekirchenrat. wie ei» hiesiges Blan meldet, den Beschluß gefaßt, daß bei Trauungen jeder Kirchenbsiucher. der nicht zur HochzeilSgesellschafi gehört. 10 Pi.. Eiimittsgeld zohteu soll. Fricdrichöbcrg. Teni Händler Theodor Hein, Friedrich- Karlstraße 14 wohnhaft, ivareu bei der Prüfung der Gewichte»nd der Wage diese als ungeaicht b c s chll o g n a h m r ivorden. Aus Furcht vor der bevorstehenden Strafe vergiftete sich der 28jährige Mann in seiner Wohnung. Schwer verletz! wurde er nach dem Fläschchen an den GerichtZ-EHeimker Dr. Bischoff in Berlin gesandt worden. Kleider des Ermordeten sind bisher nicht aufgefunden. Die Zeitungsmeldunge» hatten dein Vater des gleichfalls seit dem Ii. d. M. spurlos vcrschwundeuc» IT'/i Jahre alten WirtschafrS- etevcn Paul Bülow aus Jcziorkcn Veraulassuiig gegeben, sich nach Könitz und von da nach Jcziorlen zu begeben. Bnlvlv-Dater teilte uiiserm Berichterstatter nach seiner Rückkehr mit, daß sich über den Verbleib seines SohneS noch immer kein Anhalt gefunden habe, daß auch die aufgefundenen Leichenteile nicht diejenigen seines Sohnes sind. Es bleibt daher nur die. Annahme Lbrigs daß die Leichenteile diejenige» des Winter sind. Tie Einwohnerschaft der Stadt Könitz befindet sich fortgesetzt in größter Aufregniig. Polizei und Staatsanwaltschaft sind Tag und Nacht ihätig." Schiffskatastrophc ans der Donau. Aus P e st meldet der Telegraph: Von Kalocsa nach Pols heimkehrende Bauern. 25 an der Zahl, wollten trotz herrschenden Sturms über die Donau fahren. In der Mitte des Flusses kippte das Fahrzeug um und alle Lauern bis auf cineii ertranken. Opfer der Schiiecskürinc in N»s,la»d. Aus Kiew wird gemeldet:?!ach dem Auftauen des Schnees stellt sich jetzt heraus. daß bei dem dreitägigen Schneest'urin,- der Ende Februar Siidwcst-Rnßland heimsuchte, sehr viele Menschen ums Lebe» gekommen sind. Im Kiewschen Ärciso allein würde» etwa 20 Leichen von Erfroriien gefunden: auch-, in andren Kreisen stößt mau auf Leichen von im Unwetter verirrten Menschen wie vou Pferden. Die Pest. Ans S i d n e y wird berichtet: Hier sind noch ein Todesfall»nd zwei ftischs Erkrank nngssälle. bei denen man als llrsackic Pest annimmt, vorgekommen, in Adelaide jiinf verdächtige Todesfälle._ Marktpreise von Berlin au> 49. März 1999 nacki Ermittlinige» des tgl. Pulizcivräjidtumö. »)TLeizeii D.-Cir. FiNlcr-Äersle Hafer gm„ mittel .. gainz Nickstsnoh Hcn, t)(ril.iii!„ stlTpeöetvhneii, ö/Lili'e». Knitojielu, urne Riiiditci-ch. Kenlt i I>g do. Lancl!.. Einiittelt pro 15.20. 14,20 14,-i 142»! 15,40 4,16: 6,50 40,— 45,— 70- 7- 1,60 1,20 Tonne 14 13,70 13.- 14,30 13.50 12,80 4- 4,- 25,— 25,- 30- 5,— 120 I- von lbx 60 Sttut lüg ckiweinrfleisch Kalbfleisch Haiiunelsleisch Butter Eicr� Karpfen Aalc Zander. Hechle. Barche,„ Schleie„ Bleie Krebse per Schock der Ecvtralstelle der Prell ß, Land- wirlschaftSkiinuiicril— Sioticriingsstellc— und umgerechnet vom Polizei- pröfldiinil tür den DopoelcenNicr, st) KleinhaiidelSpreile. P r o d u i t c n in a r k t v o m 20. März. G c t r e i d e. Die festeren PreiSinelduugeii aus England und Frankreich sowie höhere Roggcnprellc in Holland hatten keiiicu Einfluß aus de» lpeiig«» Marli, Dagegeii bewirkten die wider Erwarten titaiint Tendenzbenchte aus New Dort und Chicago und die ebensalls niedrigen Meldiiugeu-aus Ocstrcictz- Ungarn eine ZW- fchwäcknmg der Liefernngspreiie. Dieselben' stelllcil sich am Frühmarkte, stir Weizen 0,7Z bis I Mark, sirr Roggen 0,50 vis 0,75 Mark biiter gestern und blieben mittags unerbolt. Esieklivc Ware war 0,25 M, billiger z» haben, oftne jedoch Ausnahme zu»nden. da der Mehlabzug sehr gering ik!. Aus- ländi'che Osterteil waren zn unvcrändelten Prellen' reichiioili rorhaudcn, Inländische Ware war i» uodungcii zn den billigsten Preisen angeboten. Tie tlmiätzc waren obne Belang. Hafer: war 1— 2 M. billiger zu haben. auch Mais weichend, Riiböl zog aus Pariser Anregung 0.20 M. an. Tic heutigen Prelle sielllcn sich wie folgt, alles j» Mark pro 1090 Kilogramm stet Berlin netto Kaflar Weizen inländischer, feine Qualität 147' bis 150 M,, mittlere 144— 140 M., geringe 130—140 M. lieferbar prompt ad Bahn wie ab stabil, Licieriingsquolilät 755 Gramin pro Liter wiegend aus Abnahme im Mai 150,75— WO, 25 M. r-uli 153,75—154 M., September 150,75 M Roggen; iniänd: prompt a b Palm 138— 1 S0, 50 M, Lieferungs- onolilät 712 Gl mo Liter wiegend ans Äbnahme im Mai 143,75 bis 143,50, Juli 142,25—142,50 M. September 141�-141,25. Haler: iniänd.: geringer 126-130 mittel bis guicr 130—130, seincr 140—146 M:, ans Abnahme im Mai>28,00, sänii 129.50 M Am Sp ir i tus m a r kt war die Nachtrage-ienilich umfangreich, lim- getcht wurden, soweit zu ermitteln. 15 000 Liier 70er low. Ter Preis zog 0,10 ZR. an und stclllc sich aus 48.60 M. Briefkasten der Ledaktion. Tie juristische Sprechstunde findet sytoutag, TicnStag und Freitag vo» k— 8 Ilhr abends statt. Bredereiche. Machen Sie Anzeige bei der Gcwcrbc Jnipcllion in Prcnzlan, Gewerberat Horn. F. F. Str. 24. Bericht ist am 15, März erschienen. Wettende Hohe»- Schonhause»..Ftrn ist-ine Abkürzung ran Friedrich.— Willi» Ittv. Beauitragen Sie einen Gcrichlsvoltzrehcr, auS dem Lcrgleich ZwanaövottsirrcSmg voiznnclMeii. Ter Belrellendr hat voll zu zahlen.— Genotse in Pankow. 1 und'2: Fa.— P. P. 100. Fa. — F. R. Graz. 1. Wenden Sie sich an die hiesige ostreichische Äesändtschast. Das können Sie tbnn, aber Sic muffen in getrennte» Schlafzimmein schlafen. Weisnvaffrr. Der Betreffende ist dem Gesetz entsprechend heslralt: ist gegen Thäter Strawutrag gestellt, io richtet sich der Stramittrag ,ob»e iveueres gegen den?Ritlhätcr.— P.!lt. Unverständlich; sprechen Sie eventuell iil der Spiechsiund? vor.— G. l. Der Zniap ist zulässig. Das Testament ist mit diesem Inhalt aber nur güllig, wenn weder Kinder noch Eltcm der Eheleute noch leben.— X.?). Z. Stein. — 901. K. 30. Sie können zur Zeit lediglich den Sachverhalt— ins- besondere Ihre Abmeldung, Ihre sriichlloscu Versuche die Stdressc zu erfahren, Ihren Brie« und Ihre Eiitsendimg an die Leibanmilt— zu den Sitten mitteilen und abwarten, ob die Anklage abgelehnt oder ob das Haupwer- lobren eröffnet wird,— Sirafteiirenter. Brietlichc Slnlwort zu erttilen, lehnen wir ob. Lallen Sie die Wohnung polizeilich untersuchen und klagen Sie, wenn die Wobnung gcsnndycilSgejälirdcud ist, oui Aushebung des Micisvertrags und'Schadenserkai?.— Aiüllör 00. Brief unverftändüch. — B. 22. Klagen Sie beim Amtsgericht.— Martha. 1. Fa. 12. In 2 Fahren nach?tblaus des Jahres, in dem die Milch entnommen war. 3. In 30 Jahren.— A. S.!tS. Sie lännon obne' weiteres Invaliden- renie verlangen und sollten Pernlitiig einlegen,' wenn Ihr Sln-pruch ab- gcivirien wird.— H. W. lOO. Ter Mann hat weiter zu zahlen: thut er das nicht, so lasse» Sie ihn durch einen Gcrichtsvollziehcr besuchen.— :1k. 1. Uns nicht bekannt, fragen Sie bei der Buchhandlung persöniich an. 2. Fa.— kli. F. 1900. ES ist immöglich die Briese ouizudewohren. Wiederholen Sic deshalb die Anfrage.— Kaiser Wilhelmstrastc. Stein. - Uckermark. 1..und 2. Ja. 3. Eine Beichiocrdc wäre zwecklos. 4. Es ist nur Beschwerde möglich.—<£. B. 5. Stein,— L. 27. Stur zum Lttiattalserstcn.— tLrcnzstr. Sie können verdienen waS Sie wollen,— Wittel nuitziiberlicht iioi» 20. März>900.»lorgeno« Uhr. lL-i« itSi ö= iSl Slalioncu'=» i S i&=i ..i< uU � � | 757. C 756'O Homburg Berlin Btiesbode! München Wien Weiler-Prognose für Mittwoch, den 21. März 1900. Ein wenig kälter, zeitweise ausklareiid. vorherrschend wolkig mit geringen Stiederfchlägen und mäßigen östlichen Winden Berliner W e t t e r b>! r c a u. Beraulwortlicher Rcdacleur: Panl John in Terliu. Für den Inseratenteil vcrouiwortlich: Tb. Gtockr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin.