flr. 188.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Mittivch,!8. AngnA. SM»» GZ! Posten im Schützengraben. „Hallo! Die Ablösung rans l Es ist 3 llhrT Auf diesen Ruf des diensthabenden Unteroffiziers erheben sich drei Schläfer von ihrem Lager im Unterstande, 4>/° Meter unter der Erde. Milde, die Augen reibend, fröstelnd, greift jeder im Dunkein nach seinem Gelvehr am gewohnten Play, und die steile Treppe geht es gedückt hinauf in den Schilyengraben. Der Mantel wird mtt« genommen, denn so sonnig und warm auch die Julitage sind, die Nächte sind üihl. Noch schlaftrunken taumele ich fast in den verschiedenen Windungen des Grabens zu den Posienstäuden. „Posten 4 ist abzulösen," sagt der Diensthabende,.scharf auf- passen, unsere rechten Nachbarn haben den Franzosen einen Graben genommen, und es ist ein Gegenangriff zu erwarten." Noch ist es fast dunkel, gerade die Zeit, die der Franzmann für seine Angriffe ain geeignetsten tmlt. Eine herrliche Nacht, so ruhig wie im Frieden, nur einige Gewehrschüsse und die ringsum zcr- schoffenen Bäume und das'Gewehr an meiner Seite sagen, bah es Ärtsg ist. Unverwandt sehe ich durch die Schießscharte vor mir nach dem feindlichen Schützeirgraben, der dem Tale zu etwa SV Meter von unserem entfernt liegt. Und ivohin schweifen die Gedanken? Nach Hause zu den Lieben, die noch im tiefen Schlummer liegen. Bilder werden ausgemalt, was nach dem Kriege sein wird, wenn man wieder im Kreise seiner Familie ist. Sollte eS eiwa anders kommen? Aber nein, der Ge- danke ist doch auf das Wiedersehen gerichtet und auf die Freude und das Glück, ganz wieder der alte Mensch zu sei». Heftig einsetzendes Gcwehrfeuer schreckt aus dem Sinnen auf. Der Franzmann greift, etwa Svv Meter entfernt, unser rechtes Nachbar- reginiem an. Das dunipfe Explodieren der Handgranaten mischt sich mit dem hell»nd scvarf tönenden Sckall der Gewehre. Ein halbes Dutzend Leuchtkugeln gehen in die Lust, und man sieht zwei Raketen ihre roten Sterne ausstreuen. Als ob die Artillerie aus dieses Zeichen nur gewartet hätte, setzen die französischen Batterien mit einer wilden Kanonade ein. Als wenn alle Teufel der Hölle losgelassen werden. Der Blick und der Sinn, vor einer Minute fest auf den gegen- über liegenden Schützengraben gerichtet, hat sich nach rechts zu dem schaurig-schönen Schauspiel gewandt. Häufiger fallende Schüsse uirscres Gegenüber mahnen aber zur erhöhten Aufmerksamkeit. Sollte es nicht doch möglich sein, daß der uns gegenüber auf der Lauer liegende Feind die Gelegenheit benutze» würde, auch auf unsere Stellung einen Angriff zu machen? Jetzt treten die französischen Minenenwerfer, von denen etwa zehn auf einem Abschnitt von 100 Meter uns gegenüber aufgestellt sind, in Tätigkeit. Drei verschiedene Bunkte unserer Front werden fast zugleich mit je zwei bis vier Schüffen befeuert. Der eigenartige Abschuß der Mine und ihr Flug, bei dem sie die brennende ZÜNS- schnür sternschnuppcnarlig hinter sich herzieht, zeigen die Gefahr an und ermöglichen durch raiches Beiicilesprinaen, daß der Posten sich für einen Augenblick in Sicherheit bringen kann. Gleich bei dein Einsetzen der französischen Artillerie ist auch die unsrige aas dem Plan und unterstützt durch vernichtendes Feuer auf die französischen Stellungen unsere angegriffene Infanterie. Pioniere und Infanteristen, mit Handgranaten ausgerüftet. haben ebenfalls den Angriff erwartet und wehren sich nun ihrer Haut. „Sur" gehen die von der Flanke kommenden Ouerschläger, die durch den Anprall aus Drahtverhaue und Bäume hervorgerufen werden, über meinen Kopf und schlagen in geringer Entfernung ein. Unwillkürlich hält man den Kopf etwas tieser, dabei aber den gegen- überliegende» Franzmann nicht onS den Augen lassend. Mit andauernder Heftigkeit ball der Kampf an, ja, es scheint, als ob er zuweilen sich steigert. Keiner der Gegner will nachlassen, und so gehr es uiigeschwächr weiter, Gewebi feuer, Handgranate» und das fauchende Gicricii und krachende Platzen der Granaten und Schrapnells. Und dann hin und wieder ein paar Liebesgaben in Gestalr von Mine». Es ist langsam heller geworden und daS Hochgehen der Leucht« kugeln tvird ieltener. Wie eine tanzende Balletteuse geht die sran- zösiiche Leuchtkugel, durch einen Fallschirm gehalten, sanft zur Erde nieder. Da heißr es dann, wenn dieser Lichtspender hoch gebt, schnell mal einen Blick über die Deckung tun. Das GestchtSfeld ist etwas, oder besser gesagt, viel weiter, aver auch die Geltgenhcct für den Franzmann, einen Deutschen kampfunfähig zu niochen, ist eine günstigere. Und lange läßt sich ein Franzose nicht bitten, zu schießen, selbst wen» die Wahrscheinlichkeit, etwas zu treffe», in sehr weite Ferne gerückl ist. So ist es mit der Infanterie und der Artillerie. Man könnte manchmal annehmen, der Dankee gibt seinen französische» Freunden die Munition aus purer Uneigenniitzigkeit und nur um deren schönen Augen willen. Dl» Franzosen verpulvern die Munition, als wenn sie sie wirklich geschenkt kriegen. Dabei sind ihre Erfolge im Eerhältnis zu den Krastanstrengungen nicht etwa gur zu nennen. . Ponen I" spricht hinter mir der Offizier Vom Grabendienst auf seinem Rundgang. „Nachlpoucn 4, vom Feind nichts Neues I' lautet meine Meldung, die in militärischer Haltung, den Blick nach dem Feinde, gegeben wird. „Scharf auspassen I" werde ich nochnalS ermahnt. Dann höreich auch schon den Nebenposien nrelden. Schon bat der Kampf etwa eine halbe Stunde gedauert, man ist für einige Augenblicke hin und wieder Zuschauer, da wttd es etwas ruhiger. ES geht dem Ende zu. Nur die Artillerie auf beide» Seilen feuert iveiter tu die gegnerischen Stellungen. Nach und nach werden die Geioehr- und Handgranatenschüsse immer seltener, ein kurzes Aufflackern nccbmal, danir ist eS still. Der Kampf ist beendet. Mit welchem Ergebnis?— Die Artillerie nur behält es sich vor, das letzte Wort zu iprechen, wenn auch ihre Schüsse schon seltener werden, um dann auch plötzlich ganz auszuhören. Es ist wieder lithig. Langsam geht die Sonne auf, einen guten Tag versprechend. So winde man in Friedcnszeiten sagen, doch wer achtet wohl im Schützengraben ans das Weiler? Höchstens, daß man es un- angenehm empfindet, daß die Gräben durch Regenwetter auf- geweicht werden, oder daß man zum Postenstehen die Zeltbahn mit« nehmen»nuß, Das surrende Geräusch eines Fliegers läßt den Blick auswärts richten. Und da ist auch schon ein zweiter. Freund und Feind, Sie scheinen beide wenig Neigung zu haben, Bktannlschafr zu machen und bald ist auch der eine, seine Aufgabe auszusiihre». am fernen Himmel verschwunden, während sein Gegner langsam und ruhig schnurrend über beiden Stellungen seine Kreiie zieht. Er scheint sich wohl zu Illhten in dein blauen Aether, „Bui, bui, bui", hört man plötzlich aus der Lust, und klein« weiße Wölkchen, immer mehr werdend, zeigen an, daß sich die gegnerische Arlillerie nicht gefallen lassen will, wenn man ihr zu sehr in die Karten siehl, Hoch in den Lüften das Flugzeug, immer noch ruhig, wenn auch jetzt schon etwas hoher seine Kreise ziehend, und ringsum wie in einem Kranze die kleinen weißen Wölkchen der Schrapnells, es ist ein eigenartiges Bild, Je iveiier die Zeit vorschreitet, desto mehr Leben beginnt auch im Schützengraben, Die Kaffeebolcr sind längst mit den Feld- flaschen über den Schultern zur Küche gegangen, um für ihre noch ruhenden und Posten sichenden Kameraven' den warmen Morgen- truttk zu holen. Jetzt findet sich auch schon ein dienstbarer Geist mir Besen und Schaufel bewaffnet ein, um den Schützengraben zu säubern. Ich höre hinter mir:„Schon abgelöst?" und tausche meinen Platz mit meinem Nachfolger. Es ist süns Uhr. Die zwei Stunden sind um. k. IE. Neues aus öem Reiche öe? Elektrizität. Die Elektrizität ist ein starkknochiger Riese, der mit seiner Kraft die Maschinen großer Städte, ja ganzer Länder antreiben kann; aber zugleich auch ein empfindsamer Zwerg, der bei dem geringsten Geräusch und der kleinsten Bewegung zusammenzuckt. Unser ganzes Leben, Verkehr und Industrie umspannt und durch- zieht die Elektrizität mit unzähligen Fäden und Drähten; sie dringt Licht und Kraft spendend fast in jedes Haus und in jeden gewerb- lichen Betrieb und ist mit der Zdit zur wesentlichsten Stütze unserer wirtschaftlichen Machtstellung geworden. In den letzten Jahr- zehnten hat die Telcgraphie, in der die Elektrizität bekanntlich ihre ersten praktischen Triumvhe feierte, und weiterhin auch das Fernsprcchwcsen eine außerordentliche Bedeutung für Handel und Verkehr erhalten. Infolgedessen mußten Störungen der Fernsprech- Verbindungen, wie sie beispielsweise im Winter 1010 und 1311 eingetreten waren, ticfcingrcifcnde Nachteile zur Folge haben. Da- neben können aber auch in Zeiten großer Entscheidungen, wie wir sie jetzt durchleben, wichtige Staatsinteressen durch derartige Unter- brechungen gefährdet werden. Nachdem eS durch technische Verbesserungen gelungen war, die den unterirdischen Leitungen anhaftende Dämpfung der Sprache zu beseitigen und eine gute Qautübertragung auf 000 Kilometer und mehr zu erzielen, wurde im Jahre 1012 zunächst die 150 Kilo- meter lange Teilstrecke Berlin— Magdeburg mit einem Kabel mit S0 Doppelleitungen ausgestattet. Im nächsten Jahre wurde die unterirdische Fernsprechlinie bis Hannover und im laufenden Jahre bis in das rheinische Industriegebiet geführt; vorausgesetzt, daß keine Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung eintreten, dürfte das Kabel im Jahre 1910 Tortmund erreichen. Bei Fernsprech- freileitungen ist eine gute Verständigung sogar auf Entfernungen bis zu 3000 Kilometer möglich, wenn die Leitung mit Selbst- tiiduktionsspiileii„System Pupin" ausgerüstet wird. In Nord- amerika versuchte man auf der Linie New Aork— Denver, 3300 Kilometer, zunächst probeweise zu tclephonieren. Nach glücklicher Ueberwindung mancher Schwierigkeiten war der kühne Versuch von Erfolg gekrönt, so daß man jetzt beabsichtigt, eine direkte Fern- sprechleitung von New Dock bis Los Angeles und San Franziska einzurichte». Man wird also in Zukunft die menschliche Stimme mit Hilke der Elektrizität auf eine Eillfernuug voll 0500 Kilo- meter übertragen können. Die in einer Ueberlandzentrale aus Kohle oder durch Waffer- kraft gewonnene Elektrizität wird ist der Regel unter hoher Spannung durch oberirdisch verlegte Freileitungen auf weite Eni- kernunge» hin zu den Verbrauchsstellen geleitet. Obwohl durch Einführung leistungsfähiger Hänge-Jsolatoken, durch wirksame Schutzvorrichtungen und Wettspannmaste das Freileitungssystem in den letzten Jahren wesentlich verbessert wurde, sind doch Betriebs- störungen durch Sturm und Blitzschläge, Schnee und Hagel keine Seltenheit. Man war daher bestrebt, die oberirdischen Fern- leitungen durch unterirdische HochspannungSkabel zu ersetzen. Als Jsoliermaterial wird bei Herstellung solcher Kabel Papier vcr- wandt, das mit einer isolierenden Tränkmasse so vollkommen im- prägniert ist, daß auch die feinsten Poren des PapierS ausgefüllt sind. Ueber die Papiertsolation ist ein nahtloser Bleimante! ge- preßt. Im Vergleich zu Freileitungen sind die Kosten der unter- irdischen HochspannungSkabel allerdings etwas höher, aber cS fallen die bei Freileitungen erforderlichen Kosten für Ueberwachung und Unterhaltung weg. Die Fortschritte in der Kabeltechnik haben es auch ermöglicht, submarine Kraftübertragungen auszuführen, die man früher wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten stets vermied. Der in einer großen Wasscrkraftanlagc bei Helsingborg in Schweden erzeugte elektrische Strom wird durch ein 4,8 Kilometer langes Landkabel zur Meeresküste geführt, von wo er in einem 5,8 Kilometer langen seekabel, das direkt auf dem Meeresboden»erlegt ist, unter dem Oeresund zur dänischen Küste geht. Dort nimmt ihn ein 1,5 Kilo- meter langes Landkabel auf und leitet ihn nach Helsingöc(Däne- mark). Nachdem die Elektrizität hier auf 50 000 Volt Spannung transforniiert worden ist, wird sie durch Freileitung nach Kopen- Hägen geführt. Tie Landkabel sind für eine Spannung von 25 000 Volt, das Seekabel für eine solche vvn 35 000 Volt isoliert, so daß ein etwaiger Durchschlag in dem schwächer isolierten Landkabel eintreten muß. Die Elektrizität, auch„weiße Kohle" genannt, ist also schon zu einem überseeischen Exportartikel geworden. Durch die hohen Betriebskosten, die gegenwärtig ein Benzin- automobil infolge des Mangels an Brennstoff erfordert, wird die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf das elektrische Automobil gelenkt. Da bei ihm die Bedienung äußerst einfach Ist und hauptsächlich nur in dem Ausladen der Batterie besteht, bietet es seinem Konkurrenten gegenüber mancherlei Vorteile. Man könnte aber die Kosten des AufiadenS noch niedriger halten, wenn die Ladung der Batterien in die Zeit schwacher Belastung der Elektri- zitätSwerke, also in die frühen Vormittagsstunden, verlegt würde. Die Werke könnten dann zu einem billigeren Pauschalpreis Strom für Automobilbatterten abgeben. Wenn die Elektrizitätswerke, Sie AkkulumatorenstrMen und die Automobtlbesitzer in entsprechender Weise zusammenarbeiten, würde zweifellos die größere Verbreitung des Elektromobils wesentlich gefördert. Die tragbaren Akkumulatoren haben sich als Lichtauell« für elektrische Grubenlampen, die gegen Schlagwetter explosionssicher sind, vorzüglich bewährt. Da solche Lampen aber sehr schwer und unbequem sind, ist man dazu übergegangen, die Glühbirne von dem Lampengehäuse trennen und sie an der Mütze deS Bergmanns zu befestigen. Der Akkumulator wird in einem kleinen Tornister auf dem Rücken getragen und steht durch eine LcitungSschnur mit der Lampe in Verbindung. Um fernerhin das Gewicht des Akku- mulatorS selbst zu verringern, verwendet mau jetzt an Stelle der schweren Bleiplatten leichtere Platten aus Nickel mit Kadmium als aktive Masse, während die Schwefelsäure durch 2lprozeutige Kalilauge ersetzt wird. Diese Nickel-Kadmium-Nkkumulatoren sind allerdings etwas teurer, zeichnen sich aber neben dem leichteren Gewicht durch eine längere Lebensdauer aus. Jede einzelne Akkumulatorenladung reicht für eine Schicht von 8 Stunden voll- kommen aus, und der Akkumulator muß erst nach 2000 bis 3000 Schichten erneuert werden. Mit der tragbaren elektrischen Grubenlampe läßt sich eine kleine Vorrichtung zum Anzeigen und Messen der gefährlichen Grubengase(Methan) vereinigen. Zunächst wird durch ein« so- genannte Wetterpistole festgestellt, ob in der Grube überhaupt ent- zündbare Gase vorhanden»nd. Die Grubenluft wird in den Ent- zündungSraum der Wctterpistole eingesaugt und durch RetbungS- funken von Eereisen entzündet. Die Zündung erfolgt in dem ge- schlosscnen Apparat, so daß eine Uebertragung nach außen hin nicht eintreten kann. Die Anzeigevorrichtung beruht nun darauf, daß Platinmoor bei der Berührung mit Methan sich erhitzt. Die Temperaturerhöhung des Platins und damit des Prozentgehaltes der Grubenluft an Methan wird durch ein sinnreiches Manometer zahlenmäßig festgestellt. Je rascher die Temperatur ansteigt, desto großer ist die Gefahr. Der Apparat kann mit einer Glühlampe oder mit einer Klingel ausgerüstet werden, die bei drohender Gefahr betätigt werde». Wir sehen hieraus, daß mit Hilfe der Elektrizität vollendete Sicherheitseinrichtungen sowohl über als auch unter der Erde geschaffen werden können. kleines 5cuiUeton. Der Winterschlaf öer russijchen Sauern. An die russische Ostsecprovinz Livland grenzt daS Gouvernement Pskow, bei dessen gleichimmigcr Hauptstadt, die ungefähr auf halbem Wege a» der Eisenbahn von Riza nach Petersburg liegt, voc vierhundert Fahren(1502) der livländifchs Ordens- meister Plettenberg eine» großen �ieg über eine große russisckie Uebermacht erfocht, der den Livländern eine öchährige Waffen- ruhe vor den ewig raubsüchtigen Moskowitern brachte.. Vor ! einigen Iahten hat Pikow durch eine seltsame Nachricht' von sich rede» gemacht. Aus seinem statistischen Bureau erschien eine seltsame Veröffentlichung im„Russischen Courier". Nach ihr sollte der rttssiiche Bancr in den Distrikten, die chronisch unter schlechten Ernten und demzufolge unter Hungersnöten leiden. es verstanden haben, sich dem Hunger gleichsam anzupassen. Er lall eine Lebensweise, man möchte sagen: eine LebenSkunst angenommen haben, die sich sonst nur bel Tiere» findet. Er macht nämlich einen richtigen Wmterschlaf durch, der folgendermaßen be,chrieben wird: sobald das Haupt einer Familie am Ende eines HerbsteS merkt, daß bei normalem Verbrauch der Gelreidcvorrat nicht das kommende Jahr hindurch ausreichen werde, trifft es Anstaltcu, die rägliche Ration aller Familienmitglieder zu verringern. Er weiß nun aber auS Ersabrung, daß leine Und der Seinen Gesundheit darunter leiden würde, daher entschließt er sich mit seiner ganzen Familie zu einem Winterschlaf, für den man dort einen besonderen Namen „Lefla" erfunden bat. Er besteht darin, daß sich alle Leute des Hauses vier bis fünf Monate lang in der Nähe des Ofens hinlcgeor. Sich jeder Beivegung möglichst zu entbalten, ist dann das oberste Gebot. Man flcln nur auf, um die Hütt? zu heizen oder um ein Stück Schwarzbrot in Wasser zu essen, man sucht sionst jede Bewegung zu vermeiden und so viel als möglich zu schiaien. Aus oder an ihren Lesen in völliger Un- beweglichkeit ausgestreckt, vegetieren die Menschen den ganzen Wintcr hindurch lind lebt» nur der einzigen Sorge, so wenig wie möglich von der tierischen Wärnre zu verbrauchen. Jede miirötige Bewegung rnriß notwendigerweise dein Organismus Wärme entziehen, was ein Erwachen des Appetits zur Folge habe. Der Jirslinkt rät den Menschen daher, zu ichlafeu»nd immer wieder zu schlafen. Dunkel- heit und Stille herrscht i» der Hütte, wo in den wärmsten Ecken die Mitglieder der Familie einzeln oder zusammen ihren Winterschlaf halten. Im Verlauf der letzten Himgersnor hat die Presse mehr- iirals solche Fälle berichtet, aber irran wußte nicht, daß die„Lejka" kein vorübergehender oder zusältiaer Vorgang, sondern ein durch eine Reihe von Generationen hindurch ausgearbeitetes System ist. Die in gewissen Teilen Rußlairds herrschenden wirtschastlichen Zustände hoben wohl kaum jemals eine so lrasse Beleuchtung erfahren, ivie durch diese Tatsache. Es wäre natürlich iniereffant sesizustellen, ob bei den Bauern während ihres Winterschlafes ähnliche Erscheinungen eiiiireteir wie bei dem Winter'chlaf mancher Säugetiere, der Baren z. B., die irr einer Art Erstarrung zusaninieiigckaricrl in einer Höhle liegen, nur sehr wenig atmen und eine nicht iinbedciitend herabgesetzte Tempe- rsstur haben. Ganz ähnlich verhält t i sich ja auch mit dein Sommer- schlaf, den während der trockenen Jahreszeit Krokodile, Schlangen und auch einige Fische der heiße» Hiiirinelsstriche uiitcr einer Schlamin- decke verborgen hallen._ Die Gpse? öer italienWen Einigung. Die Florentiner Wochenzsitung„Voce" veröffentlicht eine Statistik der KriegSverlnste während der italienischen Einigmigs- lämps«. Sie sind so außerordentlich gering, daß sie uns heute fast unglaubwürdig scheinen. Alles in allem gab es in den Besreiungs- kriegen, von 1848 bis 1870, nur 0202 Tote und 10 081 Verwundete auf italienischer Seile, während allein die Schlacht von Gravelotte die Deutschen 0000 Tote und 18 000 Verwundete kostete, von derr heuligen Riesenschlachten ganz zu schweigen. In Custoza(1843) verloren die Italiener 20 Tote und 407 Verwundete, in Curtatone 106 Tote und 508 Verwundete, in Novara (1840) 578 Tote und 1405 Verwundete. Die Verteidigung von Venedig kostete 310 Tote und 680 Verwundete, die von Rom 651 und 680. In Cernaia gab es gar nur 14 Tote und 202 Verwundete, in Sa» Martino dagegen 761 und L631. Von den Tmiierid von Mnrsala fanden in dem ganzen Kriegszuge nur 63 den Tod, die Schlacht von Ealatafimi ergab 30 Tote unter den Italienern, während sie iür die bourbonischen Soldaten sehr blutig war, die Swiacht am Volturno, mit der der siziliairischc Feldzug endete, 500 Toto und 2097 Verwundete, Custoza(1800) 763 Tote und 3180 Verwundete, Lissa 620 Tote und 40 Verrvundete, Montana 150 Tote und 206 Verwundete. Wen» sich die Bedeutung der Schlachten nach der Zahl ihrer Opfer bemessen ließe, so wären die italienischen BesreiungSlämpse nicht hoch zu bewerten: kostet doch Herste die Eroberung von wenigen hundert Meter.Schützengräben oft mehr Opfer an Menschenleben als die Einigung Italiens. lc IHaschinenhancr 8 Uhr: von Berlin. GartenbDhne: Vorstell., Apollosilnger. Wäiasi Tftcafer TF.oc Tägl. 8 Uhr. Sonnt. ß'/jU. 8 Uhr. tiiroüer Erfolg Robert£teidl,a mit seinem neuen Schlager: „Schützen- Graben' Musike I" dazu das lustige Duett Steidl-miller-L.inckc und das weitere gr. Programm. Reiehshallen-Tiieater. Stettiner Silnger. Ans. 8 U. Zum Ii>7. Male: Militärisch. Zeitbild von Mcysel. Militärpersonen u. deren AngeHö- rigcn volllominen freier Zutrillzu d.Stett. Sängern. öadstr 58. Badslr. 58. Das ZOjahrigc Jubiläum oder: Ebrtich währt am längsten. Volksstück mit Gesang in 3 Auszügen. Erstkiassisses Variete Kasseneröffnung 10 Uhr. Ans. 4 Uhr. Casino- Theater Lothringer Straße 37. ädiebercröffnung diesen Freitag 8 Uhr mit der neuen Berliner Volkspoffe Familie Schnase. Vorverkauf für die ersten 7 Vor- stcllungcn v. 11— 2 an der Theaterlasie. Henkels Bleich-Soda fürcien �SLISPUt� LpeÄstsrÄ L»r. med. Woehenfn«, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tori für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hafa-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne ßerufs- stSrung. 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