Nr. 192.- 1915. Wo öes Krieges wunöen heilen. Der Dozent am schwedischen Karolineninstitut, Dr. Gunnar Nyström, der zum Studium des deutschen Lazarettwcsens im Kriege Deutschland bereist und bei dieser Gelegenheit auch längere Zeit an der Westfront geweilt hat, veröffentlicht nun unter obigem Titel in einem Stockholmer Verlag seine vorher bereits in einem Teil der Tagespresse erschienenen Eindrücke in Buchform. Wir geben aus einem der interessantesten Kapitel des Buches hier einen kurzen Aus- zug wieder. Nach der Schilderung eines in einer Talinulde unmittelbar hinter der Feuerlinie liegenden Verbandplatzes führt der Verfasser den Leser durch das an der Aisne gelegene Städtchen Rethel. „Vor dem Kriege", schreibt er,„lebten hier in tiefstem Frieden etwa övc><) Menschen. Heule ist die Stadt zum gröfften Teil zusammen- geschaffen; ganze Stadtviertel sind in Schutt- und Trümmerhaufen verwandelt, aus denen nur hier und da noch die Neste einer Mauer oder ein Schornstein emporragen. Droben, aus der die Stadt be- herrschenden Höhe steht eine Kirche inmitten der Ruinen. Von den Häusern ringsum ist kein Stein auf dem andern geblieben, der alte Tempel aber steht noch heute völlig unbeschädigt da, ganz als wären Granaten und Fcuerzungen dem ernsten, hohcitsvollen Antlitz der Heiligen ausgewichen, die zwischen den Mauerpfeilern und sein ge- schnitzten Ornamenten der prächtigen Portale, thronen. Hier in dieser Gegend müssen furchtbare Kämpfe gerast haben. Schon wenn man, von Norden kommend, in die zur Stadl führende Landstraffe ein- biegt, begegnet man den Verwüsmngsspuren des Artilleriefeuers. Viele der mächtigen Bäume, die die Straße einsäumen, sind von Granaten getroffen und zersplittert worden, andere liegen geknickt und entwurzelt am Boden. In denjenigen Stadtteilen jedoch, die von der Verwüstung verschont worden sind, herrscht nun ein außerordent- lich lebhaftes Treiben, und besonders für das Kriegslazarettwesen ist Rethel ein überaus wichtiger Brennpunkt. Eine große neue Baumwollspinnerei, die der Zerstörung ent- gangen, ist heute Rethels bedeutendstes Lazarett. In der riesigen Maschinenhalle stehen die Spinnmaschinen nach wie vor in langen Reihen geordnet, der Platz zwischen ihnen aber ist mit Betten be- legt, deren in diesem Raum allein mehrere Hundert stehen. Nun würde vielleicht mancher meinen, daß in einer so großen, mit Ver- wundelen belegten Halle nichts als Jaminern und Stöhnen sein müsse. Das ist jedoch keineswegs der Fall, sondern die Stimmung ist inr Gegenteil, wenn nran sich so ausdrücken will, recht gemütlich. Die meisten Verwundeten sehen überhaupt nicht leidend au«, man sieht auch in keinem einzigen der Gesichter etwas von Ver- zweiflung oder Bitterkeit, nicht einnral bei den Schwer- verwundeten, die ihr Slbicksal, wie alle anderen, mit Ruhe tragen. Ueberall stößt mair auf Acußeruugen des deutschen Gemütes: man scherzt und unterhält sich„so gut eS geht" Und ist bemüht, über die mißliche Lage so leicht wie möglich hinwegzukommen. In den Operationssälen aber wird eine Operation?- und Ver- bandsarbeit geleistet, die sich sowohl der Beschaffenheit wie auch der Größe der Arbeitsleistung nach von der Arbeit in chirurgischen Kliniken zu Friedenszeiten gewaltig unterscheidet. So versichert man, daß es gar nichts Außergewöhnliches sei, wenn ein Chirurg im Feldlazarett täglich seine 20— 30 Operationen ausführe, und will man selbst gelten lassen, daß vielleicht ein Teil dieser Operationen mir in leichteren Eingriffen besieht, so gesellt sich zu diesen doch außerdem noch eine derartige Summe von anderen Arbeiten, daß das Geleistete geradezu erstaunlich erscheint. Im gcgenivartigen Krieg sind nach übereinstimmenden Fest- stellungen die weitaus meisten Verwundungen auf Granatsplitter zurückzuführen, ivas man im Vergleich zu vorhergegangenen Kriegen, m denen die Mehrzahl der Verwundungen noch von Gewehr- geschossen herrührte, wohl schwerlich als Humanisierung des Krieges bezeichnen kann. Man muß hierbei bedenken, daß die gebräuchlichen Gewehrgcschosse häusig nur einen dünnen Kanal durch den Körper bohren, so daß die Wunde, wenn keine Komplikationen hinzutreten, sehr oft schon unter dem ersten Verband heilt. Ganz anders da- gegen die von Granatsplittern herrührenden Verwundungen. Die llcincren und größeren Sprengslücke, die das explodierende Geschoß um sich schleudert, zerreißen nur allzu oft die Geivebe und führen Erde, Schmutz und zuweilen auch Kleiderfetzen mit sich in die Wunde ein. Die von Granaten stammenden Wunden unterliegen deshalb in ihrer überwiegenden Mehrzahl der Infektion. Sehr bald schon stellt sich Fieber und Eiterung ein. und geht man hier htntcr der Front durch die Kranken- sale und betrachtet sich die Wunden, die bereits Ivenige Tage nach ihrer Entstehung ganze Ströme von Eiter absondern, so kommt einem unwillkürlich der Gedanke, wie es wohl in einer chirurgischen Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonntag, 22. Anguß. Abteilung vor der antiscptischen Zeit ausgesehen haben muß. Man könnte getrost sagen, daß die Chirurgie an der Front die Chirurgie des Wundfiebcrs ist." lieber die amerikanischen Munitionslieferungen äußert sich Dr. Ryström dann noch folgendermaßen: Meine deutschen Kollegen sprachen über die Rolle, die Amerika in diesem Kriege spielt, mit großer Bitterkeit, wenn sie sich auch,„wie ich betonen muß, nie zu schroffen oder unbeherrschten Aeußerungen hinreißen ließen." Wie ein jeder weiß, fließt von Amerika auS ein ununterbrochener Strom von Kriegsmaterial in das Lager der Ver- bündeten, dem bereits Tausende und Aberlausende von deutschen Sol- baten zum Opfer gefallen sind. In entgegengesetzter Richtung flutet denn aber auch ein gewalliger Stroni von Gold,„der den smarten Dankees in der Tat allen Anlaß gibt, sich über den Aufschwung der Geschäfte die Hände zu reiben". Man muß schon zugeben, daß sich in diesen fortgesetzten Kriegslicfcrungen eine recht eigenartige Aeußerung des NeulralitätSbegriffeS dokumentiert, und man möchte cS dahingestellt sein lassen, ob ein so großes Land wie Amerika, das sich seit jeher so viel auf seine Moral zugute getan hat, ein derartiges Verfahren mit dieser Moral und mit i einer Würde vereinbar findet. Man vergegenwärtige sich: die Deutschen haben einen Teil ihres WundkrampfserumS von Amerika bezogen, und nun kann man in den Lazaretten allerorten deutsche Soldaten sehen, die z u e r st von amerikanischen Granaten verstümmelt und sodann mit dem amerikanischen Serum behandelt werden. (Deutsch von W. P. Larsen.) kleines Feuilleton. ver gute Genosse �Sollezsscht�. Aus der Schweiz wird uns folgendes wahre Geschichtchen mit- geteilt: Frauenversainmlung. Ein schmuckloser Raum im„Ver- einShaus" von St. Gallen. Arbeiterfrauen lauschen init tiefein Interesse den Ausführungen des Redners. Tiefe Stille, andächtiges Schweigen; nur die Stimme des Redners„schwebt über dem Raum." — Ein schrilles Telcphonklingcln im Nebcnraum bricht jäh in die Stille. Gleich darauf kommt auch schon die freundliche Wirtin her- über und winkt von der halboffenen Tür aus einer der Frauen, die bei dem Telephonklingeln schon lauschend aufgeschaut hatte und nun eifrig hinauseilte.— Da die Tür nur halb angelchut war, hörten wir unwillkürlich die eine Hälfte des Tclephondialogs mit an, der also anhub:„Grüß Sie, Herr Bollezischt(Polizist), i grüß Sie! Die Chindli(Kinder) schreiet V'{ Dank schö, dank schö, i chumm glci! Adjö, Herr Bollezischt, adjö, dank schö!"... Rrrr... Wie mir die Vorsitzende nach Schluff der Versammlung er- zählte, wohnte jene Genossin, die wegen der„schreiete Chindli" nach Haus geeilt war, in einem Haus, in dem sich die Polizeiwache befindet. Da der Ehemann zurzeit auf Grenzwache ist, die brave Frau aber die Versammlung nicht versäumen wollte, so hatte sie den wachthabenden Polizisten, den sie auch als gutes Parteimitglied kannte, gebeten:„eppis(ein wenig) nach die Chindli zu luege, nn zu tclefonire wanns schreiete"—, was der Mann denn auch redlich besorgte. „Ein Polizist als Parteigenosse?" GeWitz, warum nicht? Das Geschichtchen spielt doch in der Schweiz. In Basel ist selbst der Pokizeidirektor eingeschriebenes Mitglied unserer Partei. Die Zugstraßen öer Störche. Die deutschen Storchmarkierungen, die von dem Leiter der Vogelwarte Rossitten, Professor Thiencmann, eingeführt sind, haben in den letzten Jahren eine Reihe von wertvollen Ergebnissen gezeitigt, über die A. Wcsemüller in den letzten Heften der„Natur- wissenschaftlichen Wochenschrift" zusammenfassend berichtet. Die Alnminiumringe, die von der Vogelwarte ausgegeben wurden und die mit genauer Bezeichnung des Datums und des Ortes des Auf- lassens gefangenen Störchen auf den Fuß gestreift wurden, sind in beträchtlicher Zahl nach der Erlegiiug des Tieres zurückgcsandl worden, und die Fundstellen, die<>n den verschiedensten Punkten der Landkarte von Europa und Afrika eingetragen werden konnten, geben wichtige Aufschlüsse über die Zugstraßen und die Flugweite der Störche. Eellsst Eingeborene in Afrika sind an der Ablieferung der Ringe mitbeteiligt. Das Ergebnis dieser Beobachtungen ist, daß die Zugstraßen innerhalb Europas zwei völlig verschiedene Hauptrichtungcn zeigen, eine südöstliche und eine südwestliche, von denen jede aus einem System von Einzelstraßcn für die vcrschie- deucii Reviergruppen zu bestehen scheint. In diesem Bahnsystcin, das den von Spanien über die Alpen bis zum Balkan sich erstrecken- den Gebirgsbogen umgeht und in die von Seen, Sümpfen und Flüssen durchzogenen Ticflandsgebietc Afrikas ausstrahlt, zeigt sich die Bedeutung von Höhenzügen, Strandlinien und größere» Wasserlinien für die Wegivahl als ein durch die Jahrtausende wirkender Faktor. Tic. Grenzscheide zwischen den beiden Richtun- gen in Teutschland, die von Prof. Thiencmann in der Weser an- genommen wurde, ist noch nicht sicher festgestellt. Für die süd- westliche Richtung liegen über Spanien hinaus noch keine Mel- düngen von gefundenen Markierungen vor. Man kann jedoch nach anderen Mitteilungen annehmen', daß diese Liuien zum Teil an der Atlantischen Küste hin weiter nach Westasrika führen, zum Teil auch von Gibraltar oder anderen Küstengegcnden Südspaniens über das Mittelmccr hin sich im nördlichen Afrika verlieren. Man hat über die' Meerenge von Gibraltar gewaltige Schwärme von Störchen ziehen sehen. Bis nach Südwestasrika ist der europäische Storch gekommen, der hier frühestens Anfang Dezember und zu- letzt im Februar gesehen ivurde, lieber die südöstlich wandernden Störche sind Meldungen über Funde von Ringen bis 100 Kilometer vor der Südküste von Afrika erstattet. DieFahrt geht zunächst an der Donau entlang bis zum Schivarzcn Meer und über den Bosporus, dann an der kleinasiatischeu Küste weiter nach Syrien und Palästina, wobei schon vorher manche Schwärme in gerader Richtung aus das Nil- delta zu abschwenken, und vom Nil aus führen die nun wieder vereinten Bahnen mit Abzweigungen nach Osten und Westen ström- aufwärts. Fern im Süden häufen sich die Fundstellen, so daß Transvaal und Natal bis zum Basutolandc als die Hauptwinter- quartiere dieser Störche zu erkennen sind. Ter südlichste Findling war ein Storch, der im Juli 1010 in Ostpreußen gezeichnet und ein Jahr später im Kapland in der Gegend von East-London gefunden wurde. Die Frage, ob die Störche bei ihrer Rückkehr aus ihren Winterquartieren auch in ihre besondere Geburtsheimat, teilweise sogar ins alte Nest zurückfinde», erfährt durch die Markierungen ciiie neue Beleuchtung. ES ist zwar noch kein einziges Beispiel nachgewiesen, daß ein markiertes Tier nach seiner Wanderfahrt das alte Nest wieder in Besitz genommen hätte. Wohl aber� zeigten die Fcststelluiigcu, daß der Storch meistens in den alten Beiumtgan zurückkehrt. Vielleicht versucht er auch, das Nest, in dem er auf- wuchs, zu gewinnen, aber durch die Markierung lonute dies nach nicht festgestellt werden, da es sich bei der Markierung in der Regel um junge Störche handelt, die bei der Rückkehr von den älteren vom Steste weggcbissen werden und weiterziehen müssen. Am wenigsten wird unser Storch seiner engeren Heimat in der Periode des Bruitriebetz entfremdet. Eiujälirige Störche und „Junggesellen" oder„Raubstörchc", die nicht borsten, werden dagegen häusiger in größerer oder geringerer Entfernung von der ursprünglichen Heimat aufgefundeu. Einjährige Störche, die noch ohne Nistsorgen sind,„bummeln" auch ivohl noch den Sommer über in Afrika umher. Dagegen hastet der eigentliche Brutvogel unbedingt an der Scholle. So ergibt es sich, daß sich der Storch- bestand einer Gegend vorwiegend aus den in ihr erbrüteten Jungen zusammensetzt._ Notizen. — Theaterchronik. Die Erstausführung der„Fledermaus" findet am Mittwoch, den 25. August, im D e u t s ch e n O p e r n- Hause statt. — A l s Intendant des Mannheimer Hos- theaters wurde vom Mannheimer Stadtrat Dr. Karl Hage- mann, der zurzeit im Felde ist, in Aussicht genommen. Hageinaun war Bereits von 1006—1910 in gleicher Weise in Mannheim tätig. — Prof. I a r o Springer, der Kustos am Berlinec Knpferftichkabinctt, ist als Hauptmann gefallen. Er galt alö guier Kenner altdeutscher Kunst lind hat Holbciu und Adrian van Cstate literarische Arbeiten gewidmet. Seine besondere Vorliebe aber galt den Radierungen von Herkules Seghers, den er zu Ehren zu bringen bestrebt war. — Die H u n d e p o st.„Daily Chronicle" berichtet aus Paris folgendes Geschichtchen: Im Westen liegen die deutschen und sca»- zösischen Schützengräben sich oft in sehr geringer Entfernung gegen- über. Darum geschieht es, daß die Deutschen ihren Gegiiern durch Hinüberwerfen von Zeitungen von den Siegen im Osten Mitteilung machen. Eines Tages aber staunlen die Franzosen sehr, als statt der Zeitungspost ein Hund ans den deutschen Liliien inmitten der Franzosen erschien. An seinein Halsband war ein Zettel befestigt. der die Mitteilung enthielt: Sagt dem Korporal T., daß seine Familie, die hinter der deutschen Feuerlinie wohnt, sich wohl befindet und ihn grüßen läßt._ Rotes vlamenblut. 3J Von Pierre Broodcoorens. Berechtigte Uebersetzung von Johannes Schlaf. Tie ersten Griffe versetzten die Paare in ein plump gro- teskes gänsemäßifles Schaukeln. Souhe Floliil, der fein Glas geleert hatte, wandte den Kopf nach der Richtung hin, nach der der Harmonikaspieler gezeigt hatte. Lebhaft berührt zog er die Brauen hoch. Ein schönes mittelgroßes Mädchen in einem grauen Rock und einer Bluse aus meergrünem Satin faß ganz allein auf der Bank unter einer der Fensterluken, den Blick fest auf ihn gerichtet. Ihre vom letzten Tanz noch hochatniende Brust hob und senkte ihr das Mieder. Von Zeit zu Zeit wischte sie sich mit dein Taschentuch die Lippen. Aber ihre heißen Augen ließen nicht von Soube nb. „Ja! Ja!" antworteten sie aus die leidenschaftliche Frage des Mannes. Eine Blutwelle rötete Flohils Brauen. Seine Lider zuckten. Und plötzlich faßte er einen Entschluß, und die Blicke unverwandt in ihre Augen gesenkt schritt er gerade- wegs auf sie zu. Sie blickte ihm entgegen, wie er daherkam. Ein nnbo. stiumites Lächeln öffnete ihr den sinnlichen, von einem dunk- len Flaum überschatteten Mund. Sic hatte eine gleichgültige Miene angenoinmcn; und während er sich vor sie hinstellte. angelegentlich darüber nachdenkend, lvas er ihr sagcn�sollte, heftete sie ihre Aufmerksamkeit angelegentlich auf die Spitzen lbrer zierlichen gelben Lederschuhe und preßte nachlässig das Taschentuch zwischen ihren etlvas feuchten Händen. 2. � � "Ten Maleuvens hat die Windmühle auf den Kopf geschlagen," sagte er endlich mit Anstrengung und hatte eine Grimasse, die sich zugleich recht einnehmend und witzig vorkam. Er spukte nach der Seite hin aus, spie sein Priemchcn in sein schwarzes-rabaksehii und rundete den Arm. ..Hm, Madelche», wenn Sie sich nicht vor mir fürchten?" Mit einem Kopfnicken willigte sie ein Er sah, wie sie lächelte und hielt dies Lächeln für Spott. Innerlich war er davon bennruhlgt. nahm sich aber vor, ihr eine andere Mei- nung von sich beizubringen. „Walzer! Walzer!" grinste der Harmonikaspieler, spielte und stampfte mit dem Fuße auf. S:io hatte sich nachlässig erhoben. Eilig zog der Mann sie mit sich und lavierte mit ihr zwischen die Paare hinein. Mit drohenden Ellbogen machte er die rückwärtSgowandte Tour des Walzers. Sic folgte ihm, ihre zierlichen Sticfelchen schnell in der Richtung seiner plumpen Schuhe bewegend. schließlich fand er einen Platz. Ein mächtiger Wirbel riß sie mit sich. „Hm, hm! So etwas hast du noch nicht erlebt," schmei- chclte eine spöttische Stimme in Flohils Jnnerm. Es war, als kreisten die Wände in einer infernalischen Runde, und im rasenden Wirbel zergingen die Gesichter. Ganz war es Raiisch von Bewegung und Lärm. Trollig hüpften da irgendwelche rote Flecken im dunklen Gewoge, in diesem feinen Goldstaub, den eine unsichtbare Mühle beutelte. „Feste druff, Jungs und Mädels!" rief wiederholentlich der zynische Maleuvens. Der Mann senkte die Lider und umhüllte mit dem Blick seine Tänzerin. Sie kreiselte wie der Teufel. Ein Stadtinädel hätte nicht leichter sein können. Die Augen züchtig geschlossen, hatte sie eine zugleich keusche und spöttische Miene. Während er die Beine warf wie ein Verrückter, bewegte sie sich mit einem still gleichmäßigen, schwebenden Schritt, durch die regelwidrigen Sprünge, die wilden Hopser ihres Partners etlvas aus dem Konzept gebracht. Ihr Rock umflatterte sie beide mit einem vom Durcheinander dann wieder geglätteten Schwung. Seine breite Hand aus ihrer runden Hüfte, umfaßte er sie eng. Unter dein straffen stoff fühlte er die Fischbein- stäbe ihres Schnürleibchens hindurch. Stoßweise stieg ihm eine Glut ins Gesicht, die ihn mehr und mehr bedrängte. Immer hätte er so in der Krümmung seiner schlvicligen Hand das runde, feuchte Händchen halten mögen, das in ihr bebte. -„Ach, schon aus!" grinste er mit trockenem Munde. Der Harmonikaspieler endete seine barbarische Melodie und unterbrach den Taumel auf seinem Höhepunkt. Die Fersen beruhigten sich auf dem Estrich. Die Gesichter ver- loren ihren ekstatisch gespannten Ausdruck. Sie nahmen eine lebhaftere Farbe an. Mit einein Mal lösten sich die Zungen. Und unter diesem, von bellem Lachen unterbrochenen Stiiuniengewirr führte Sousie Flohil seine Tänzerin zu ihrer Bank zurück. Er setzte sich neben xck- # „Sind Sie allein da?" fragte er sie, indem er die Brusl rundete. Sich mit dem Taschentuch fächelnd sah sie ihn von der Seite her an. „Nein. Ein Bruder und eine Schwester von mir sind mit da." Er fand, daß sie�eine angenehme Stimme hatte. „Sind sie im Saal?" Sie wies sie ihm mit dem ausgestreckten Daumen. „Der kleine Blonde da?" Ungläubig senkte er den Kopf. „Wirklich! Er sieht Ihnen gar nicht ähnlich, das Kerlchen." „Aber es ist so." Mit heimlicher Sorgfalt betrachtete sie ihren Partner. indem sie ihre lässig gewordenen Blicke von seiner etwas zurückweichenden Stirn auf seine spitze Nase, seinen Pan- durenschnurrbart und sein eigensinniges Kinn gleiten ließ. „Ihre Schwester scheint sich mit ihrem Grenadier nicht zu langweilen." Sie verzog den Mund. „O, es hat keine Gefahr. Er ist ein Vetter." „Ach so! Ein Spaßvogel, wie's scheint." Sic machte, die Augen gesenkt, ein bejahendes Zeichen. Er wagte eine Galanterie. „Wahrhaftig, wenn ich zwischen Jtuer Schwester und Ihnen wählen müßte, würde ich aus der stelle Sic nehmen." „Sie schmeicheln." Von der Lobpreisung nicht allzu lebhaft berührt, hieb sie mit dem Tasckentuch nach ihm. Aber ihre Gcstt hatte etwas schmeichelnd Herausforderndes. Ter Blick, den sie ihm gleichzeitig über die Schulter her zuwarf, setzte ilm in Flammen, wie ei» Feuerbrand. Hastig griff er nach ihrem Handgelenk und drückte es ihr derb zwischen Zeigefinger und Daumen. Sie schrie. „Das tut ja weh!" Indem er sie verstohlen ansah, lachte er mit all seinen iveißen Zähnen. Halb lächelnd, halb verdrießlich wandte sie den Blick ab. Und um sich zu beherrschen, prüfte sie auf- merksam die roten Spuren, die die rauh-niännliche Lieb- kosung auf ihrer Haut zurückgelassen hatte. „Hin, hm! Das steht ja nicht übel mit dem Liebespaar! Es scheint, die Emche kommt in Gang!" (Forts, folgt.) Sonder- Preise A WERTHEIM Montag bis G. b." Mittwoch H.- ■ 1 Baumwollene | Kleidersamte| sehr geeignet für Einsegnungskleider H Köpersamt sckivvsi-T.. z.io V I Köpersamt!-™..TOcmb.. 3.00 B 1 tlochflor- Köpersamt| D sehr elegant, schwarz..... Meter 3.70= /r e--a m für Kleider u Mänld. yi*■ A~ BVOperSömf 70. cm breit Meier.. 4.10= Ein Posten Spitzenreste und Abschnitte besonders preiswert Herr.- Regen- haut-Mänte etwa 500 Gramm schwer, als Feldpostbrief versendbar, unentbehrlich fürs Feld 18.50 �!!!II!lil!lill!!lIIWIill!lll!l!iIillji!illillllIII!lllllll!lM!l!lIl!ll!l!!lll!l!!tIII!IIIItItlIiM!li!!l? 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Deutsches Opernhaus Charlottbg. s uhr: Dgf Bettelsludent. Friedrich-Wilhclmstädt. Theater. S'/, Uhr: Maria Stuart. S1/, Uhr: LclimannB Kinder. Gebr. HCmtf GiCS-Theator 8 uhr: Benjamin maclit alles. Kleines Theater. sv. u.: Ein kostbares Leben. Komische Oper. Freitag, d. 27. Aug., 8 Uhr 10 Min, 1. Male: Jung M mzn sein. I. essinx-Theater. s'uu.: Seine einzige Frau. JLnstspicIhans. 8i/4u.:flerrsebi{ti.Dieiiei,gesüebt Schiiler-Th.Charlottenbjf. 8 uhr: Alt-HeldelbeFg. Thalia-Theater. 8«/, u.: Eine verflixte Annonce. Theater am XoIIcndorfp). sv.u.: Ininter feste dFuff! Theater des Westens s uhr: Andersen. Vorher: Am w iirther See. Tr innen Theater. ZVi Uhr: Die Walse aus kowood. 8VlUhr: hannemanus Xaohtolgsr, Theater in der Königgrätzer SlraLe 8 uhr: kansek. URANIA Ta1si4,o.tr' Sonntag 4 Uhr(halbe Preise): Flandern und der Krieg. Sonntag und Montag 8 Uhr: Der Iscnzo und Oester- Feichs Adriaküsle. Voigft-Tlieater. Badsir' 58. Eadstr. 58. 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Leseabende Einschreibegeld M. 1.10; jede Vorstellung ebenfalls M. l.IO Jetzt ist die günstigste Zeit zum Beilritt!- Jedermann kann Mitglied werden. Hie Mitgliedschaft ist zu erwerben durch Einzeichnnng in einer der durch Plakate gekennzeichneten, in allen Stadtteilen befindlichen Zahlstellen der Vereine oder an den Theaterkassen Hermann Tietz(Leipziger Straße, Alexanderplatz, Frankfurter Allee), in der Volksbühnenbuchhandlung, Köpenicker Straße 68 und in der Geschäftsstelle des\ er- bandes der Freien Volksbühnen, 0 25, Linienstraße 227. 155/8* Rose-Theater. sv.u.: Die MeNes Gefanpa Gartenbühne; Mamas Liebling. Walhalla-Theater. Die Maschinenbauer 8 Lhr; von Berlin. Gartenbühne: Vorstell., Apollosanger. Thoatcr Felica Capricc 8�4 Possen'Theater 8�4 Freitag, den 27. Angust; Wiedererötlnung und Premiere. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. Urberlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der erstkl. Spezialitäten-Teil. 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