st i9i-1915 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts dm Nachtasyl. Ter„Rußkoje Slowo" vom 10. August enthält eine Schilderung des Elends der Flüchtlinge in Moskau. In einer Gaffe stiegen wir— so beginnt der Bericht— eine schmutzige Treppe tief hinunter. Eine Tür wird ausgestoßen, Stimmengewirr umgibt uns, das Schluchzen und Weinen von 5iindcrn und aller Gestank eines ewig halbdunklen Nachtasyls. Ein großer Keller. Gewölbe, Bogen, zusammengenagelte Pritschen, auf denen Bündel und ärmliche Habe herumliegen. Ilcberall liegen und sitzen zusammengedrängt Menschen, Hauptfach- Hch Weiber und Kinder. Es ist der Keller einer alten Kaserne. Man hat ihn den Flüchtlingen zuin einstweiligen Aufenthalt überlassen, auch dieser armselige Unterschlupf ist noch eine besondere Gnade! „Höchstens bis zum 1. September dürfen wir bleiben, oder richtiger, bis es kalt wird. Dann müssen wir hinaus, um den Asyl suchenden Moskauern Platz zu machen." Ich ging an den Pritschen entlang. Schlaff, gleichgültig sahen mich Frauen, Greise und Kinder an. Dort liegt ein Weib, mit einem Schal bis zum Hals zugedeckt, und stiert mich mit auf- gerissenen, glänzenden Augen an. Rote Flecken im Gesicht.„Mein Kopf"— murmelt sie geguält und versucht mit der Hand auf die fieberheiße Stirn zu zeigen. Neben ihr auf der Pritsche liegt ein Haufen Lumpen, aus deneji ein Kinderkopf herauslugt, brennend von verdächtiger Fieberhitze. Uebcrall liegen Kinder zwischen Bündeln und Kissen herum und schlafen schwer, Bekümmernis auf den Lippen. Hoffnungslos, traurig, unterwürfig die Gesichter der Alten. Leicht haben sich alle Krankheiten in die? Kellerloch geschlichen und ihre Opfer gepackt. Plötzlich sehe ich einen«oldaten auf einer Pritsche und gehe verwundert auf ihn zu. Sein einer Arm ist mit Gaze verbunden. Er hat in den Kämpfen einen Schrapnellschuß bekommen, man hat ihm zwei Finger abgenommen, dann hat man ihn zur Heilung nach Archangelsk geschickt. Von dort hat man ihn entlassen. „Warum sind Sie nun hier?" „Wo soll ich sonst hin?" „Warum fahren Sie nicht nach Hause?" „Nach Hause?" Er sah mich verzweifelt an, schwieg und erzählte dann stockend, sein Häuschen steht im Gouvernement Cholm, seine Frau ist mit einem Jüngling von dort geflohen, sie haben sich hier in Moskau getroffen und hausen nun zusammen hier unten im Keller. „Haben Sie irgendeine Arbeit?"-— fragte zögernd irgendeiner. „Arbeit?" Wie soll ich denn..." und er sah verzweifelt auf seinen verstümmelten Arm. „Auch mein Mann kann nicht arbeiten," schreit hitzig eine kleine Frau dazwischen.„Sie haben ihn durch den Kopf geschossen, er hat keine Augen mehr." Sie zeigte auf einen Blinden irgendwo im Halbdunkel, den der Krieg auch erst hierhin und dorthin, auf die Stellungen, in irgend- ein Hospital und nun in dies Nachtasyl geworfen hatte. „Gebt mir Arbeit!"— schreit nervös eine andere Frau.— „Seht sie an, Kleider und Schuhe muß ich ihnen kaufen, aber wovon?" Starr zeigt sie auf ihre halbnackten, barfüßigen Kinder, die sich hilflos, frierend auf der Pritsche aneinander pressen. Der Mutter krampst sich das Herz zusammen, alles möchte sie tun, um ihre Kinder aus diesem Loch heraus an die frisch« Luft zu bringen. Schwindsüchtige husten und spucken, ohne daß man sie sieht. Es ist, wie wenn Ucberlebende eines großen Schiffbruchs ans Ufer geworfen wären, in tiefster Hoffnungslosigkeit sitzen sie zwischen den jammervollen Trümmern ihrer früheren Habe. Hinter ihnen liegt das Leben, vielleicht auch vor ihnen in weiter, weiter Ferne, jetzt sehen sie nur, wie sie sinken und sinken. Seeinflujlung des Vetters. Neben der wissenschaftlichen Meteorologie, deren Ziel die genaue Kenixnis der Veränderungen der das Weller bedingenden Faktoren und damit eine Voraussage des Wetters ist, gibt es schon seit alter Zeit Versuche, das Wetter direkl zum Nutzen der menschlichen Arbeit auf dem Felde zu beeinflussen. Am bekanntesten ist das sogenannte Hagelschießen, das die Hagelablener ablöste. Zu Ende des 18. Jahr- Hunderts(177S) wurde zuerst von Guenaut de Montbeillard vor- geschlagen, die Saaten vor dem Hagelschlag durch Elektrizitätsableiter Notes vlamenblut. öj Von Pierre Broodcoorcns. Berechtigte Uebersetzung von Johannes Schlaf. Er brach ab, der Wirt kam mit einer Flasche und Glä- fern. Langsam wurde sie entkorkt. Ein gelblicher Schaum krönte den Hals. Der Wirt strich ihn mit dem Zeigefinger ab. Dann schickte er sich umsichtig an, den Trank in die schief gehaltenen Gläser zu gießen. Hilla verfolgte mit dem Auge das Rinnen der schön- wenden Flüssigkeit. Sic hatte nie dergleichen getrunken, schien solche guten Tinge vielleicht gar nicht gewohnt zu sein. „Wollen Sie Zucker?" Aus Besorgnis, ihre Unkenntnis zu verraten, sagte sie weder ja noch nein. Tann nötigte er sie, welchen zu nehmen und fügte noch zwei Stückchen zu den beiden kleinen weißen Quadraten hinzu, die sie vorsichtig in das goldrotc Naß getan hatte. Es mußte eine Ueberschwemmung eintreten. Sie brachte lebhaft ihre neue Bluse in Sicherheit. Ter Mann leerte sein Glas auf einen Zug zur Hälfte, auf solche Weise eine naive Trinkereitclkeit verratend. Er wünschte sie durch seine gefälligen Manieren zu bestechen. Sie aber nippte von dem säuerlichen Bier mit Umsicht, aus Respekt vor diesem Getränk der reichen Leute. Ter scharfe Geschmack biß ihr in den Gaunien und fuhr ihr in die Nase, sie schnitt ein Gesicht, fand es aber trotzdem„sehr gut", weil sie sich scheute, das Gegenteil zu gestehen und dumm zu erscheinen. „Aber Ihre Familie! Sie müssen doch, zum Kuckuck, mittrinken. Wo stecken sie denn?" Bei der nächsten Pause erhob sie sich und ging Jannah und Hektar suchen, die im Tanzraum geblieben waren. „Sie braucht sich nicht zu genieren, kann auch ihren Grenadier mitbringen", rief Flohil.„Es langt auch noch für ihn mit. Ich hab's dazu!" Und er klopfte auf den Beutel, daß die blanken Füchse klirrten, die ihn strafften. Der kleine Blonde erschien auf der Stelle, über den binzukominenden guten Fund eines Vergnügens erfreut, das ihn nicht einen Heller kostete. Jannah ihrerseits, eine schnippische Person mit einer breiten, gedankenlosen Stirn, ließ sich nötigen, der Grenadier mußte sie erst nachdrücklich mit dem Ellbogen anstoßen. Himmeldonnerwetter, schlägt man denn ein Glas Brüsseler aus! nach Art der Blitzableiter zu schützen, natürlich ohne Erfolg, da der Blitz- ableiter wohl einen Gegenstand vor dem Blitzschlag sichern, nicht aber ein Gewitter, Gewitterregen oder Hagelschlag verscheuchen kann. Später l182()j wurde von La Postolle behauptet, man könne ein Feld schon dadurch vor Hagelschlag bewahren, daß man auf das Feld eine Anzahl Pfähle mit daran befindlichen Seilen von Stroh stellt. Natürlich erwiesen auch hier die Versuche die vollständige Nutzlosigkeit des Vorgehens. Weit länger erhielt sich das Hagel- schießen, durch das man herannahende Hagelwolken zerstreuen z» können glaubte. Eingehende Versuche erwiesen auch hier, daß diese Bemühungen des schwachen Menschen gegen die Naturgewalten vollständig ergebnislos find. Nicht so bekannt sind die Versuche, bestimmte Felder und Gärten, namentlich Obstgärten, gegen Nachtfröste zu schützen. Handelt es sich bei den anfangs erwähnten Versuchen um die Bemühung, Wolken zu zerstreuen, so wird in diesen Fällen versucht, Wolken auf künst- liche Weise zu erzeugen. Man wollte durch„Frostfackeln" Ranch über einem Feld erzeugen und seine Temperatur über die der Um- gebung erhöhen. Diese Frostfackeln bestehen aus einer Röhre, die aus Torf gepreßt wird, und eineni in die Röhre eingepaßten Zünder aus Torf, Harz und Kohlenstaub. Vor dem Gebrauch wird der Zünder mit Petroleum getränkt und dann in die Frostfackel hineingesteckt, worauf diese zunächst mit heller Flamme brennt, dann aber unter starker Entwicklung von Rauch und Wärme weiter kohlt. Ein bei drohendem Nachtfrost mit solchen Fackeln umstelltes Feld— für 1 Hektar sollen 160 bis 210 Fackeln notwendig sein, für ö Hektar 600 bis 650, für 10 Hektar etwa 1100— sollte durch den schützenden Rauch auf höherer Temperatur gehalten und so von dem Nacht- frost verschont werden. Obwohl ein ähnliches Verfahren schon von den alten Römern sowie von den Jnkas in Peru benutzt wurde, hat es sich bei wissenschaftlich angestellten Versuchen doch in keiner Weise als brauchbar erwiesen. Versuche der Wiener Hochschule für Bodenkultur zum Beispiel ergaben nur eine Temperaturerhöhung um etwa ein zwanzigstel Grad, die auch noch innerhalb der unvermeidlichen Beobachtungsfehler liegen dürfte. In Amerika freilich will man mit einem etwas abgeänderten Per- sahren der Raucherzeugung zum Schutze von Obstgärten gute Er« fahrungen gemacht haben. Als im Staate Colorado vor einigen Jahren durch Nachtfröste an der Obsternte ein Schaden verursacht ivurde, der auf 12 Millionen Mark geschätzt wurde, taten sich Gartenbauer und andere Interessenten zur Ausführung von Versuchen mit einem Ranchschutz der Gartenplantagen zu- sammen. Sobald in dem Obstgarten die ersten Knospen zu schwellen begonnen haben, werden Bebälter mit Petroleum ausgestellt, um bei den ersten Anzeichen eines Temperatursturzes in Tätigkeit treten zu können. Auf ein gegebenes Signal ergreifen die dazu bestimmten Leute eine brennende Fackel und einen Krug mit Gasolin, öffnen den Deckel der Behälter, gießen etwas Gasolin aus das Petroleum und zünden es an. Der Rauch enlwickelt sich mit großer Schnelligkeit zu einer dichten Wolke. Die gleichzeitige Entzündung aller Gefäße geschieht auf elektrischem Wege durch einen Draht, der über jeden Behälter eine Patrone explodieren läßt und dadurch das Erdöl sofort entflammt. Dazu genügt ein Druck auf einem Hebel. Man kann mit dieser Einrichtung auch die Möglich- keit verbinden, je nach Bedarf mehr oder weniger Petroleumbehälter in Tätigkeit zu setzen. Trotzdem nach den amerikanischen Berichten sehr schöne Erfolge mit diesem Verfahren erzielt worden sind, wird man doch nach den Ergebnissen oder vielmehr dem Mangel an Ergebnissen aller unter wissenschaftlicher Kontrolle angestellten ähnlichen Versuche berechtigt sein, erhebliche Zweifel in die Zuverlässigkeit des Verfahrens zu setzen. kleines Feuilleton. Die Schutzfunktion der Nase. ES ist seit langem bekannt, daß die Einatmung durch die Nase die naturgemäße und hygienische Form der Luftzufuhr bedeutet. Neuerdings hat Professor K. B. Lehmann in Würzburg untersucht, welche Staubmengen wir beim Einatmen von staubhaltiger Luft in unserem Körper zurückbehalten, und wo die im Körper zurück- behaltenen Staubmengen hingelangen. Aus seinen Untersuchungen hat sich, nach einem Referate von Dr. A. Lipschütz im„Prometheus", ergeben, daß wir von dem eingeatmeten Staub nur einige wenige Prozent mit der Ausatmungsluft wieder nach außen abgeben: bis 95 Proz. des eingeatmeten Staubes behalten wir im Körper zurück. Atmen wir durch die Nase, so verbleibt mehr als die Hälfte des eingeatmeten Staubes in der Nase und wird auf diese Weise vor dem Eintritt in Lunge und Darm abgefangen, in die etwa Und nun triumphierte Flohil. Er ließ zwei Flaschen heranfahren, dann nochmal zwei. Vor riesiger Freude hätte er sie am liebsten alle betrun- ken gemacht. Ab und zu berührte seine knotige Hand die Hillas. Sie erschauerte bei der rauhen Berührung dieser harten, schwieligen Faust. Er erzählte, daß er„was" hätte. daß die Frau, die er haben würbe-, nicht unglücklich sein würde, es müßte denn sein, daß sie sich langweilte. „Die Jäsus haben mir Hab und Gut hinterlassen. Man lebt nur einmal! Maleuvens hat recht. Verdammich! Bring ihm auch ein Glas!" befahl er dem Wirt, indem er über die Zärtlichkeit, die ihn weich zu machen anfing, seinen Groll vergaß. „Gewiß, ich muß mich verheiraten! Nur da haperts: Wo findet man eine gute Frau?" Hillas Gesicht hüllte sich mit einem Mal in Purpur. Er blinzelte verschmitzt. Und jetzt lachten die halb- bezechten Männer, kriecherisch dankbar dem Burschen, der ihnen die Rinne spülte, laut auf. Nur die Zierpuppe von Jannah behielt ihre saure Miene bei. Tic Verwirrung des Mädchens erschien dem Burschen von guter Vorbedeutung. Er hieb einen gewaltigen Schlag auf den Tisch. „Und was nun? Man muß sich ein bißchen auffrischen. Wir wachsen sonst schließlich hier noch fest. Wollen wir einen Abstecher nach den Buden machen?" „Das ist'ne Idee!" rief Hilla, über die Ablenkung erfreut. Die anderen blickten einander überlegend an, sie schienen einen Augenblick zu zögern. Aber dann nahmen sie mit einem Male an und fanden weiter keinen zwingenden Grund, sich hier noch länger im„Lustigen Aufenthalt" herumzu- drücken. 3. Zwiscben zwei steilen Abhängen führte ein Hohlweg zum Mittelpunkt des Marktfleckens hinab. Sie schlugen ihn ein. Bis zu den Knöcheln wateten sie im«and. Bisweilen bildeten von beiden Seiten überhängende Laubmassen der beiden Böschungen über ihnen ein Gewölbe. Es wurde dann noch um etwas dunkler, bis eine das Laubwerk unterbrechende Lichtung einen dem anderen beim endlosen Gefunkel der Sterne wieder erkennbar machte. Unendlich sanft belebten sie milliardenfältig das dunkle Firmanicnt, an dem drüben im Osten mit breiter Bewegung 35 Proz. des eingeatmeten Staubes hineingelangen. Der in der Nase verbliebene Staub kann allerdings zum Teil mit geschluckter: Nasenschleim in den Magendarmschlauch gelangen. Tut aber die Nase ihre Arbeit gut, so reagiert sie auf die Einatmung von Staub mit starkem Niesen und befördert auf diese Weise einen Teil dec- aufgenommenen Staubes wieder aus dem Körper heraus. So üb: die Nase eine sehr wichtige Schutzfunktion aus, indem sie die Staub mengen, die in unseren Körper eindringen, sehr wesentlich herab zumindern vermag. Aber in der Regel wird die Nasenschleimhaut ziemlich bald für Staub abgestumpft, und sie verliert dann die Fähigkeit, gegen Staub mit starkem Niesen zu reagieren. Die staub- haltigc Luft ist keineswegs eine gleichgültige Sache für deiw�ienschen. Ter Staub ist sehr häufig ein Gift, wie z. B. der BleiweMtaub, mit dem Lehmann seine Versuche ausgeführt hat, oder der mineralische Staub, der beim Hauen von Steinen entsteht und bei den Stein- arbeitern Lungenkrankheiten hervorruft. Außerdem haften am «taub häufig Bakterien, z. B. Tuberkelbazillen. Es ist darum dcr Rat von Professor Lehmann nur zu beherzigen, daß in jenen Fällen. wo die Nase mit ihrer Arbeit zum Teil versagt, Nasenputzen und Nasenspülen au die Stelle der automatischen Schutzfunktion der Nase treten müssen. Das gilt namentlich für jene Menschen, die eine mit Gift geschwängerte Luft atmen müssen(Maler, Schrift setzer usw.). Die Untersuchungen von Lehmann haben auch die großen Vor- zügc der Nasenatmung vor der Mundatmung aufgedeckt. Beim Ein- atmen durch den Mund gelangen etwa 80 Proz. des eingeatmeten Staubes in die Lunge und"den Magendarmkanal, während bei Naseneinatmung mehr als die Hälfte abgefangen wird. Notize«. — B ü h n e n ch r o n i k. Paul Wegener, der infolge eines Herzleidens selddienstunfähig wurde, wendet sich wieder seiner künst- lerischen Tätigkeit zu und hat einen fünfjährigen Vertrag mit dem Deutschen Theater abgeschlossen. Vielleicht wieder bereits bei der Eröffnung der„Volksbühne" den Franz Moor spielen i als erste neue Rolle im Deutschen Theater ist „C r a m p t o n" vorgesehen. — Das internationale landwirtschaftliche Institut in Rom hat nach„zuverlässigen Mitteilungen" das „Berl. Tagebl." seine Täiigkeit nicht eingestellt. Auch die deutsche Ausgabe der Veröffentlichungen wird von Deutschland aus fori- gesetzt. Das Institut legt Wert darauf, als internationale und neutral« Einrichtung über die Kriegswirren hinaus seine Tätigkeit fortzusetzen. Es ist vielleicht die einzige umfassende internationale Einrichtung neben dem Roten Kreuz, die trotz aller Wirren eine Verknüpfung der Nationen noch aittrechterbält. — Jugend Iv ehr 1854. Dem Philosophen Friedrich Albert Lange widmet Bebel in seinen Lebenserinnerungcn ein besonderes Kapitel, in dem er sagt:„Lange, eine untersetzte und kräftige Figur, war eine äußerst sympathische Erscheinung. Er hatte prächtige Augen und war einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich kennen gelernt habe, der auf den ersten Blick die Herzen eroberte." Er erzählt dann von seinen persönlichen Beziehungen zu ihm und schließt:„Mit Lauge hatte einer der Besten aufgehört zu leben." Jawohl und„einer der Klügsten" möchten wir hinzusetzen. Wie war doch Lange auf vielen Gebieten seiner Zeit voraus! Hier soll nur daran erinnert werden, daß er alles Wesentliche von dem, was heute auf dem Gebiete der militärischen Jugendausbildung mit viel Tamtam und nicht immer in für uns erfreulicher Weise geschieht, als blutjunger Hilfslehrer in Köln vor 60 Jahren praktisch aus- übte und in einer Denkschrift theoretisch vertrat. Bei Durchführung seiner Ideen hielt er eine allgemeine Herabsetzung der Dienstzeit auf ein Jahr für möglich. Weiteres über dieses Thema findet sich in Ellisscns empfehlenswerter Lauge-Biographic im Kapitel„Lange als Turnschriftsteller". — Ein Dankgeschenk aus dem Felde. Mit einem dauernden Erinnerungszeichen an den großen Krieg wird demnächst die Stadt Aachen von der im Felde befindlichen 16. Reserve-Division bedacht werden. Die Bürgerschaft hatte nämlich für diesen Truppen- teil in außerordentlich reichem Maße Ausrüstungsstücke für die Feld- lager gestiftet. Da sind in großer Zahl Möbel aller Art, Tischdecken, Blumenvasen, Musikinstrumente und viele sonstige Gebrauchsgegcu- stände des täglichen Lebens hinausgesandt worden, um den Kriegern den Aufenthalt im Unterstand und Loger so angenehin wie möglich zu machen. Diese praktische Art der Fürsorge ist von den Soldaten mit freudigster Dankbarkeit begrüßt worden. Jetzt wird eine Reihe photographischer Aufnahmen aus den verschiedenen Lagern angefertigt, die binnen kurzem der Stadt als äußeres Zeichen der Dankbarkeit der Division überreicht werden sollen. So werden die Aachener denn in die Lage kommen, sich im Bilde von der zweckmäßigen Verwendung all der gestifteten Gaben überzeugen zu können. das muntere Hallo des Festes kribbelte. Es herrschte noch immer die balsamische Lauheit der Sommernächte mit ihrem allwciten, unvcrsieglich entfachten Liebesodem. Die Erde er- schauerte beim unablässigen Rauschen des Gezweiges von wonnigem Krampf betäubt. Und über der Pracht Wölbte der Abend seine Kuppel. Das Dunkel hatte etwas unbestimmt Aufreizendes, das Flohil beklemmte, und zu der Trunkenheit, die ihn hatte, eine Unruhe gesellte. Das Blut toste ihm in den Adern wie im Lenz. Die schweifenden Windstöße erschlafften ihn mit ihrem elektrischen Schmeicheln. Und unter dem Geflüster der zauberischen Stunde fühlte er geheimnisvolle Antriebe. Es hatte sich so gemacht, daß er beim Aufbruch heimlich mit ihr zurückgeblieben war. Schweigend schritten sie in einem Abstand von etwa 20 Meter hinter den anderen her, deren Stimmen, von den Rändern des Hohlweges gedämpft, nur undeutlich zu ihnen herdrangen. An einer Stelle, wo die Finsternis besonders dicht war, wollte der Mann seinen Arm um Hillas Hüfte legen. Doch sofort machte sie sich los, schalt ihn mit leisen, freundlichen Worten aus und versetzte ihm einen derben Rippenstoß. Erließ es sich gesagt sein. Mehr und mehr machte ihn dies Weib, das er schön und begehrenswert fand, furchtsam. Ihre Anmut fing an ihn zu bezaubern. Eine Macht unterwarf ihn, die er als eine außerordentlich starke, vielleicht nicht zu überwindende emp- fand. Und eine etwas unwillige Scheu hielt die Aufwallung nieder, der er unwiderstehlich erlag. Schließlich nahm er wie ein Kind ihre Hand. Von Stolz geschwellt, sträubte sie sich nicht mehr. Aber als sie sein Gc- ficht erkennen konnte, las sie in ihm einen zugleich gc- demütigten und ergebenen Ausdruck, und das beunruhigte sie. Doch er sprach nicht. Seine Zunge war wie festgewachsen. Zwanzigmal schien es ihm, als ob er seinen Gedanken Aus- druck geben könnte, aber vergeblich. Er schalt sich innerlich aus, war außer sich über seine Feigheit. „Hier istJDein Glück!" rief ihm aus der Tiefe seines Innern eine Stimme zu. Eine andere siiatc liinzu: „Laß den Vogel nicht wieder fortfliegen, der sich Dir so mitten in den Weg gesetzt hat. He. sei kein Dummkopf!" „Mädelchen," wagte er auf gut Glück,„ich glaube, ich bin gern bei Ihnen. Ja,'s ist wahr!" Sie sah ihn an und hatte ein nervöses Lächeln. (Forts, folgt.) Theater für Mittwoch, 25. August. Berlinep Theater 8 uhr: Extrablätter. Deutsches Opernbaus Charlottbg. 8 Uhr: Erstaufführung; Die Fledermaus. Fricdrich-Wilhelmstädt. Theater. 8-/. uhn Lehmanus Kinder Gebr. K GIT ItfG Id-Theater 8 uhr: Benjamin macht alles. Kleines Theater. 8-/.u.: Ein kostbares Leben. Komische Oper. Freitag, d. 27. Aug., 1IZS Uhr i Mute: Jung muß man sein. I.nstspielhans. S'/.U. spielhaas. �Herrselialtl. Diener gesüclit Schiller-Theater O. Morgen Donnerstag, 8 Uhr: Zum 1. Male: Rosmersholm. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr; Der Isonzo und Oesterreichs Ädriaküste. V oig t-Tlieater. Badstr. öS. Badstr. 58. Das öOjäljriflc Jubiläum ober: Cfhrlid) währt nm längsten. Volksstück mit Gesang in 3 Auszügen. Erstklassiges Variete Kasseneröffnung 10 I!Hr. Ani. 4 Ubr. Sch ilier-Th.vharlnttenhK. 8 uhr: Äit-Heideiberii. Thalia Theater. 8V. u.: Eine verflixte Annonce. I Theater am A'ollendorfpl. sv. u.: Immer feste druff! Theater des Westens 8 uhr: Andersen. Vorher: Am Wdrther See. Theater in der KöniggrätzerStraße 8 Uhr: RaUSeh. Trianon-Theater. sv. uhr:»WeiNW NacliioIiEr. Rose-Theater. sv. u.: Die Mter des Gefangenen. Gartenbühne: Mamas Liebling. Walhalla-Theater. DieTIaschlnenbaner 8 Uhr: von Berlin. Gartenbilhne: Vorstell., Apollosänger. TAoatcr Felics Capricc 8V4 Rossen'Theater W/z Freitag, den 27. August: Wiedereröffnung und Premiere. Casino= Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. Urberlm. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der ersllei. Spezialitäten-Teil. Vorverk. f. b. ganze Woche v. 1 1—2 Uhr. Sonnt. 4 Uhr: ZZie apute Bnma. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. ZV, u. 8 Uhr. Nur noch Tage. R. Sfeidl mit A. Miillep-Llnoke, ? Paini? Uessem's, Geschw.Zajonz, Willuhn. Das lenkb. Luftschiff im Zuschauerr. u. d. ges. Aug.-Prog. Denkt an uns sendet Reichshaiien-Theater. Stcttlner Sänger. Ans. 8 U. Zum LOi. Male: Ii" Militärisch. Zeitbild von Meysel. Militärpersonen u. deren Angehö- rigen vollkommen s r e i e r Zutritt zu d.Stett. Sängern. 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J.Hönisch, Müllerftr. 34a' H.'Uoqet, Lortzingstr. 37. Solomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. .VW. SW. G. Schmidt. Bärwaldstr 42. !�. St. Friu, Prinzetistr. 31. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. t>»Q. Panl Böhm, Lausitzer Platz 14itö. P. Horsch, Engeluser 15. Adlcrshok. Karl Schwarzlose. Bismarckstr. 28. iinnmachnlenvs ex. H. Hornig. Marientbaler Str. 13, l. Bor«ixvv»ldc. Paul Kienatt, Rauschst?. 10. Uhnrlottenharjjtz. Gustav Scharnberg, Seienbeimer Str. I. Friedrichshofen. Ernst Werkinann. Köpenicker Str. 13. tiiransii. Franz Klein, Friedrichstr. 10. doh»nni«th»l. Max Gonschur, Parkst?. 23 Knrlshoreit. Hermann Billing, Dönhoffstr. 28. Köpenick. Ginil Wistler. Kietzerstr. 6, Laden. F-iehtcndcrs 1. Ctto Settel. Wartenbergstr. 1. i.ichtcnherg II. 51. Rosenkranz. All-BoxHagen 56. Venkölln. M. Heinrich» Neckarstr. 2. G. Rohr, Siegfried- straße 23/29. Vieder-8chöne«'elde. Wilh. Unruh, Brückenstr. 10. Vo«'»rvc«i. Karl Krähnberg, Friedrichkirchplatz 27. Bhcr-tzschöneiveldc. SXlfreB Bader. 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