Fm. Balten, Litauer und Polen gellen den Rusien al8»Fremdvölke�, aber Wolhynien ist altruisischer Boden. Freilich, Sie in Rutzland herrschende Nasse, die Grohrussen, sind es nicht, die Wolhynien besiedelt haben und bebauen, vielmehr gehört diese Pro- vinz zu dem ausgedehnten Gebiete, das die intclligenlen, beweg- llchen und poetisch reich begabien K l e i n r u s s e n bewohnen, deren eigene Kultur und eigene Sprache die Grobrussen seil vielen Jahrzehnien auf alle Weise zu unterdrücken und aus- zurollen bestrebt sind. Immerhin Hai das Land Wolhynien schon iim 13. Jahrhundert ein russisches Fürstentum gebildet, um freilich später an Polen überzugchen, dessen Bestandteil eS bis zur zweiien Teilung des Königreiches war. Ein eigentümliches Stück Erde ist es, wo sich jetzt die harten Äämpfe östlich des Bug abspielen. Wolhynien ist gegen Norden lüurch einen natürlichen Schutzwall vom übrigen Ruhland gelrennt; das ist das gewallig« Sumpfland der Polsesise, das Gebiet der Aolitnosümpfe, eine Landmasse von der Ausdehnung eines König- reiches, durch die nur wenige Straßen führen. Der Hauptfluß dieses Sumpfgebieie» ist der Prip et, und er bildet zugleich den Haupt- ström des wolhynischen Landes. Denn der Bug im Westen ist für Wolhynien nur ein Grenzfluß und bis zum mächtigen Dnjeper- Strome im Ostes reicht wolhynischss Gebiet nicht mehr; dort stößt Wolhynien an echtestes altes Ukrainerland, nähert es sich dem Gebiete der heiligen Stadl Kiew. Der Pripet erhält seine Zuflüsse allesamt von Süden. Sie eniströme» dem bergigen Teile des Landes; denn Wolhynien ist nicht, wie man im allgemeinen sich das vorzustellen Pflegt, eine einzige, große Ebene. Von Galizien und Podolien her stößi vielmehr das doriige Hoch- und Hügelland mit kräiiigen Ausläufern in das südliche Wolhynien vor. und auf diesen Höhen haben die Flüsse ihren Ursprung, die dem Pripet zuströmen. So ist es auch den Russen in diesem Teile Wolhyniens durch die Natürliche Bildung des Geländes leicht geworden, verschiedene, unmerhin beträchtliche Festungen anzulegen. Die stärkste davon ist D u b n o, an dem Flusse Jkwa gelegen, und zwar in einer sehr malerischen Art: auf einer Halbiniel, die der Fluß beinahe ganz umströmt. Was die Stellung von Dubno rroch stärker macht, ist, daß es unmittelbar hinter einer Bresche liegt, die� sich in der Kette des südwolbynischen BerglandeS iSflnct. Die Bevölkerung der Stadt besteht großenteils au« Juden, And das gleiche ist bei der jetzt eroberten südwolhynischen Festung der Fall, bei Lnck, das etwa in der Mitte zwischen Wladimir und Kremenetz am Flusse Stir gelegen ist. Heute ist Luck ein Welt- verlorener Flecken, und doch bildete es einst die Hauptstadt eines eigenen wolhtinischen Fürstentums, und im Jahre 1429 fand hier sogar ein Kongreß der Fürsten von Osteuropa statt. Noch in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zählte Luck zu den großen Städten des slawischen Europas, wäh- rend es heule zu fast vülliger Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Selbst an die Eisenbahnlinte, die das VerkehrSrllckgrat Wolhyniens bildet, ist Lnck nicht unmittelbar angeschlossen worden, obwohl es ihr nahe genug liegt. Da? ist der Eisenbahnstrang, der Brcst-Litowsk mit dem Süden des russischen Reiches verbindet, und der jetzt mit der Besetzung von K o w e l durch die verbündeten Truppen in deren Hand gelangt war. So wie Kowcl, so sind fast alle Städte, die an der großen wolhynischen Linie liegen, un« erheblich. Das Bild, das die Befiedelung Wolhyniens zeigt, ist allgemein dieses, daß der Norden des Landes an bedeutenden Ansiedlungen und auch an geschichtlichem Interesse hinter dem Süden bei weitem zurücksteht. Die Steppen und Ebenen von Nord- wolhynien, die bald in jenen Urwaldsumpf der Poljeßje überzusehen beginnen, sind der uninteressanteste Teil des Landes, während der Süden da« wolhhnisitie Kernland bildet. Hier liegen denn auch die drei geickichtlich interessantesten und aniebnlichjten Orte von Wolhynien: Wladimir Wolhynsk, Kremenetz und Ostrog. W l a d i m i r W o l h y n s k ist ja in den kriegerischen Er- eignissen der jüngsten Wochen bereits viel genannt und viel um« lämpit worden. Die Stadl liegt an einem Nebenflüsse des Bug, am Loug. Sie ist alten Ursprungs, wird schon von dem slawischen Chronisten Nestor genannl, und bildete einen der frühesten Rotes vlamenblut. Ü] Von Pierre Broodcoorens. Er knallte mit der Zunge gegen den Gaumen und machte sich auf den Weg. Sie sah, wie er allmählich in der Dunkel- sieit verschwand. Als er ganz fort war, stieß sie einen tiefen Seufzer hervor und schritt langsam wieder über den Graben zurück. Sie hatte kein Glück wahrhaftig! Dieser Donka! Seit zwei Jahren liebte sie ihn schon. Sie hatte ihn einmal bei einem Tanzvergnugen getroffen. Schon lange beschäftigte er ihre Gedanken und hatte schließlich in ihnen den gleichen Platz eingenommen, loie der Zigarrenmacher von Schmedelbeke, dem sie sich hingegeben hatte. Gewiß war Hein Donka dem schwär- zen Feuer von Hillas Augen gegenüber nicht unempfindlich geblieben. Stur das war die Sache: Es war nicht daran zu denken, mit einem Menschen seines Schlages eine gesetzmäßige Verbindung einzugehen. Daran verzweifelte sie. Sie war bald 30 Jahr. Es war nicht ihre Absicht, zu einer alten Jung- fer einzutrocknen. Seit sie mit ihren roten Wangen und ihrer schönen Gestalt heiratsfähig war, nmstrichen die Bursche ihre Röcke mit sündig wollüstigen Blicken. Aber einen anderen Be- weggrund, als sie in eine Ecke zu stoßen und ihr Gelüst an ihr zu befriedigen, hatten sie nicht. Hilla war arm. Wenn sie ihn gemocht hätte, hätte sie sich mit einem alten Knauser zu- saminentun können oder mit einem armen Tagelöhner ihres- gleichen. Aber sie hatte Ehrgeiz. Sic wollte einen Mann in der Kraft der Jugend mit gutem Einkommen. Hein Donka und der Zigarreninachcr von Schmedelbeke waren solche. Aber zum Unglück dachte keiner von leiden daran, sie zu heiraten. Der Zigarrenmacher war sogar drauf und dran, auszuwandern und auf Nimcrwiederkehr nach New Uork zu gehen. Aber da kam ihr eine Erleuchtung. Warum nicht den großen Vlämen? Alles in allem war er ja mit seinem roten Schnurrbart und seinem braunen Haar gar nicht so Übel. Vollends machte ihn der Umstand möglich, daß er Vermögen hatte. Aus Koketterie und um ihre Franenmacht zu erproben, hatte sie ihm im„Lustigen Aufenthalt" mit ihrem unwiderstehlichen Aeugeln zugesetzt! dann, als sie am Abend durch den Hohlweg von La Houppe gegangen waren, hatte sie ihn damit, daß sie sich an ihn angeschmiegt hatte, vollends närrisch gemacht. Licht- geblendet hatte die Motte sich um die Lampe gedreht, hatte ans Glas gestoßen und sich die Flügel verbrannt. War sie dumm! Warum lockte sie ihn nicht noch weiter an? Das war eine Kleinigkeit. Aber schon am nächsten Tage hatte sie den Verehrer vergessen gehabt und an das Stelldichein im„Ballon" gar nicht mehr gedacht. Mittelpunkte slawischer Macht und Kultur. Schwere kriege' rische Schicksale sind über sie dahingebraust. Die Mongolen- die Tataren und die Kosaken haben sie nacheinander in Trümmer gelegt, so daß Wladimir Wolhynsk am Ausgangs des 18. Jahrhunderts völlig verfallen war. Seitdem hat sich der Platz wieder etwas erholt, vor allem dank seinem Handel mit Galizien. von dem der größere Teil das Zollbaus nicht zu passieren pflegt. Auch hier find es hauptsächlich die Juden, die diesen Handel be- treiben. Südöstlich von Wladimir liegt Kremenetz, das bereits dem Gebiete des Pripets angehört und daS an Alter und Mannigfaltigkeit seiner Gesckichte mit Wladimir Wolhynks wetteifert. Die malerischen Ruinen seines auf steiler Höhe ge- legenen Schlosses sind noch heut ein sprechendes Zeugnis der Geschichte der Stadt, die der Tatarenkhan Batu vergeblich belagert hat, während die Kosaken 1648 sich ihrer zu bemächtigen vermochten. Aber Kremenetz ist nicht nur der Mittelpunkt kriegerischer Ereignisse, sondern es ist auch einmal ein Zentrum der lleinrussischen, der ukrainischen Kultur gewesen, die das zarische Rußland mit Füßen getreten bat. Von 1805 bis 1832 war das Lyzeum von Kremenetz der Mittelpunkt des höheren Unterricht« der ganzen westlichen Ukraine; nach der polnischen Revolution wurde dann freilich die Anstalt nach Kiew übertragen, wo sie als Keimzelle für die Universität diente. Die dritte der drei geschichitichen Hauptstädte Südwolhyniens ist O st r o g am Bonn, einem Nebenflüsse de« Pripete, gleichfalls in alten Zeiten die Hauptstadt eines selbständigen FürstenUims und bedeutende Kulturstätte. In Ostrog ist im Jahre 1581 die erste vollständige Ausgabe der Bibel in slawischer Sprache gedruckt worden, und damals besaß die Stadt die erste kleinrussische höhere Unter- richlsaustalt, die später durch eine Jesuitenschule ersetzt worden ist. Noch heut bietet die Stadt durch ihre Trümmer einen fesselnden Anblick: über den niedrigen Hütten der kleinrussil'chen Bauern erheben sich da die Massen gewaltiger runder Türme und die Trümmer aus- gedehnter Kirchen, und manches Bauernhaus ist mitten in imponic- rende alte Ueberreste hineingebaut. kleines Ieuilleton. Die Wasserversorgung von Groß-Oerlin. Tie wichtige Frage der Wasserversorgung von Groß-Berlitt behandelt„Prometheus'. Groß-Bertin erhält»ach ihm sein Wasser zurzeit durch 13 Wasserwerke, die teils im Besitz von Gemeinden, teils in Privatbesitz sich befinden und insgesamt 82 Gemeinden mit Grbrauchswasser versorgen. Diese Werke haben im Jahre 1912/13 rund 145 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben bei einer Be- völkerungSziffer der in Betracht kommenden Gebiete von 3,88 Milli- onen im Jahre 1911 und 4,13 Millionen im Jahre 1913. Bei gleich- bleibender Zunahme der Bevölkerung Groß-Berlins von etwa 3,1 Proz. im Jahre und dadurch verursachter gleichbleibender Stei- geruna des Wasserverbrauchs— aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Wasserverbrauch aber stärker steigen als die Bevölkerung— müßte Eroß-Berlin im Jahre 1945 für etwa 19,6 Millionen Ein- woffner etwa 385 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich verbrauchen. Rechnet man zu dieser Menge noch den Wasserbedarf, den indu- strielle Werke durch eigene Wasserwerke decken und decken werden. so hat man wohl nach dreißig Jahren mit 499 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahre für Groß-Berlin zu rechnen. Nun scheint aber der heutige Wasserbedarf Groß-Beylins schon die Grundwasser- bestände der Umgebung über Gebühr stark in Anspruch zu nehmen, da ein merkbare? Sinken des Grundwasserspiegel» um und in Groß- Berlin fast überall festzustellen ist. Es wird deshalb erförderlich sein, für die Zukunft weiter entfernte Grundwasserströme für die Wasserentnahme heranzuziehen, die jetzt in Angriff genomineneu Grundwassermengen durch Anlage von Staubecken und durch kirnst- liehe Brundwassererzeugung, Filtration von Oberflächenwasscr senk« recht oder schräg durch den Erdboden hindurch bis zum Grundwasser, zu vermehren und schließlich daran zu denken, eine Zweiteilung in der Wasserversorgung vorzunehmen, derart, daß nur das reine Genußwasser aus den Grundwasserbeständen gedeckt wird, während alles nicht zum Genuß dienende Berbrauchswasier aus dem Ober- flächenwasser des zu versorgenden Gebietes entnommen werden müßte. Der letztgenannte Ausweg würde eine sehr kostspielige und einschneidende Maßnahme bedeuten, deren Durchführung auf sehr große Schwierigkeiten stoßen müßte. Es ist aber zu hoffen, daß die Regierung den Weg der Anlage von Staubecken und Infiltration von Oberslächenwasser beschreite» wird, um die Grundwasservcr- sorgung Groß-BerlinS für die Zukunft sicherzustellen und eine weitere Absenkung des Grundwasserspiegels in der Umgebung Ber- linS zu verhüten._ vier Monate ein Geschoß im herzen. Ein ganz einzigartiger medizinischer Fall ist der eines jungem französischen Sergeanten, der vier Monate lang einen Granat- splitter im Herzen trug und dann durch eine Operation völlig geheilt wurde. Tie Pariser Revue„Äcientifigue" berichtet darüber aus Grund der Mitteilungen, die der operierende Arzt Dr. Beau-. senat in der Pariser Akademie der Wissenschaften machte. Das Vorhandensein des Geschosses im Herzen wurde gelegentlich bei einer Untersuchung festgestellt. Das Geschoß lag in der rechten Herzkammer und wurde von dort erst vier Monate nach seinem Eindringen entfernt. Der Soldat war ani 1. Oktober 1914 in den Argonnen bei Saint-Hubert durch einen Granatsplitter verivundet worden, der durch das Ziverchsell. den Herzbeutel und den ganzen Herzmuskel in die Herzgrube eindrang. Der Mctallsplitter maß % Zoll in der Länge und Breite und war 1-6 Zoll dick; sein Gc- wicht betrug 1,5 Gramm. Ter Splitter wurde am 17. Februar entfernt. Nachdem das Herz geöffnet worden war, wurde da» Geschoß, das zuerst durch seine Boiveglichkeit den Versuchen, es zn fassen, entging, mit Hilfe einer Zange herausgeholt, und dann das Herz zugenäht. Nach einigen Tagen, die der Patient unter großen Schmerzen und drohender Entkräftung verbrachte, trat ein leichtes Fieber drei Tage lang auf, begleitet von einigen Lungen- beschwerdcn, die aber schnell verschwanden. Einen Monat nach der Operation war der Soldat vollkommen geheilt. DaS Herz arbeitet seitdem völlig normal. Tie so glücklich gelungene Operation be- weist, daß Geschosse entfernt werden können, ohne den Tod des Patienten herbeizuführen, selbst wenn sie durch die Hcrzmuskcltvand oder in die Herzgrube eingedrungen sind, und gibt den Acrzten die Hoffnung, daß Wunden dieser Art in einem weit größeren Umfang heilbar sind, als man bisher angenommen hatte. Notize«. — Preußen« Wasserkräfte.� Vor kurzem ist von der LandeSanstalt für Gewässerkunde ein umfangreiches Werk über die Wasserkräfte deS Berg- und Hügellandes in Preußen erschienen, das die ausnutzbaren Wasserlrätle auf 1 399 999 Pferdestärken angibt. Davon sind 459 990 Pferdestärken durch Triebwerke ausgenutzt, so daß noch 1350 090 Pferdestärke» der Ausnutzung harren. Die An- gaben beziehe» sich auf die Stromgebiete der Oder, der Elbe, der Weser, des Rheins und der Maas, und zwar so, daß die einge- schlössen«» Besitzteile anderer norddeutscher Staaten mit einbegrissen sind. Rhein und Weser selbst sind jedoch nicht berücksichtigt. Das bearbeitete Gebiet' umfaßt 91899 Ouadratlilometer, also nur wenig mehr als den vierten Teil von Preußen. — Entfernungen in Rußland. Von Riga nach Peters- bürg ist der Schienenstrang so lang, wie etwa der von Berlin nach Königsberg. Von den rund 589 Kilometern kommen 1ö9 auf die Strecke Riga— Walk. Von diesem wichtigen Knotenpunkt bis nach Pikow sDetttsch-Pleskau), der Hauptstadt des gleichiiamigen Gouverne- ments, sind es an 145 Kilometer, annähernd so weit wie die Bahn- sohlt Brüssel— ArraS, während die restlichen 275 Kilometer, dem direkten Wege Slraßburg—-Reims vergleichbar, die Linie Pikow— Petersburg ausmache»...— Von Brest-Litowsk nach dem nordöstlich gelegenen MinSk sind es 649 Kilometer Bahnfahrt, was der Eni- fcriiung Lüttich— Paris nahekommt. Nach Moskau sind es dann noch. 739 Kilometer, dem direktesten Wege Leipzig— Calais oder Berlin- Lille entsprechend. Auch die nahezu geradlinig verlaufende Bahn von Petersburg nach Moskau ist 639 Kilometer lang, fast so weit, wie die Luftlinie Marseille— Paris. Bon Brest-Litowsk über Kowel (120 Kilometer) nach Kiew beträgt die Entfernung rund 560 Kilo- meter, also so viel, wie die ganze Nheinlinie von Basel bis zur holländischen Grenze. Glücklicherweise war aber noch nichts verloren. Sie wußte, daß, als der Stöpsel sie am Tage des Stelldicheins nicht hatte kommen sehen, er seine Langeweile um das Haus herumgetragen hatte. Er hatte ihrem kleinen Bruder sogar zwei Sous gegeben, daß er in der Nachbarschaft uinherlungerte und ihm Nachrichten gäbe. Er war also doch gefangen. Während sie sich durch den aufgewühlten Erdboden des Ackers hin mühte, sagte sie sich, daß es ihr Glück sein würde, wenn sie dies große Tier auf den Leim lockte, das womöglich, trotz seiner Renommierereien noch nie mit einem Weibe zu- sammen gewesen war und das sie an seiner spitzen Nase herum- führen würde. Sie lachte in sich hinein. Hein Donka hatte es erfaßt. Nach so viel Jahren der Erniedrigung und der zurückgedrängten Wünsche würde sie zu Ansehen gelangen. Und dann würde Souhc Flohil sie mindestens neun Monate im Jabr freilassen. Sie würde ihren lieben Hein Donka lieb- kosen können, ohne daß der abgemauserte Vierzigjährige eine Ahnung davon hatte. Was für gute Stunden würde sie Mund an Mund mit ihm haben! Aber da schrak sie plötzlich zusammen. Ein riesiger Scbatten tauchte vor ihr auf. Erschrocken blickte sie auf. Er war's. 9. Trockene Rciserchen hingen in den roten Haaren seines langen Schnurrbartes, und er war mit Staub bedeckt, schien den Tag dainit zugebracht zu haben, im grünen Düster der Tannen zu liegen. Noch röter als sonst stand die spitze Nase iin fahlen Ton seines groben Gesichtes mit seinen vorstehen- den Backenknochen. Er wußte mit seinen riesigen, roten, oder- durchzogenen Händen nicht wobin. Schließlich hängte er sie tvie zwei Gegenstände mit den Daumen in die Taschen. Dg.« seelische Elend der rnft vergeblichein Warten hingebrachten Woche, Unruhe und Groll hatten tiefe Falten in seine niedrige Stirn gegraben, und seine Augen, die in dunklen Höhlen glühten, mit einem Fieber entzündet. Bewegt sah er sie an, das Herz voller Vorwurf und Liebe. Unaufhörlich bewegten sich seine Lippen von all den linden und heftigen Dingen, die er sich vorgenommen hatte ihr zu sagen. Solange er ihr fern gewesen, waren ihm die Worte nur so zugeströmt. Wie goldene Bienentrauben an der Schwelle ihres Stockes am ersten Lenztag waren sie gewesen. Leise sprach er sie vor sich hin. Eins folgte auf das andere. Und die Augen geschlossen, sah er sie sich zu Hilla hinwenden und ihren Schwung sich wie einen heißen Kuß an ihre anmutigen Lippen legen. Er stellte sich das Gespräch vor. Sein Triumph über sie war ein leichter gewesen. Wie vom Blitz getroffen hatte er sie unter seinen heftigen Antworten dastehen seheg und im nächsten Augenblick war sie ihm unter Tränen an den Hals gesprungen und hatte ihn artig um Verzeihung gebeten. Doch all diese Beredsamkeit ließ ihn jetzt im Stich. Seine Zunge versagte, war die Beute einer dummen Acngst- lichkeit, einer unentwirrbaren Verlegenheit. Aber sie sah ihn nicht an, wagte, weil sie befürchtete, laut geradeheraus lachen zu müssen, ihre Augen nicht zu dein Riesen zu erheben- den die Leidenschaft stupid gemacht hatte. Doch er konnte ihr vertrauliches Beieinander mit dem Burschen aus Sulsique gesehen haben. Endlich tat sie einen tief erleichterten Atem- zug und pflanzte ihre weißen Zähne in das rote Fleisch ihrer Lippen. Herr Jesus, es war ja ganz einfach: um dem Auftritt zuvorzukommen, den er ihr da zudachte, hatte sie bloß eins zu tun. Zic kniff die Augen zu und sagte in einer aggressiven Tonart: „Wo kommst Du denn her?" Er machte eine langsame Bewegung mit Schulter und Kopf, wies gegen das Gebüsch hin und sagte mit rauher Stimme: „Von da." Nochinals fühlte Hilla einen kaum bezwingbaren Antrieb zu lachen. Es gelang ihr. sich zu beherrschen. Ihr Gesicht gewann wieder ihren nichtswürdigen spöttischen Ausdruck. Tie maß ibn mit einem peitschenscharfen Blick. „Du hast Dich versteckt! Hast also weiter nichts zu tun, als wie eine Eidechse im Gras herumzudösen?" Ihr Spott zischte in den Mann hinein wie glühende? Eisen. Rauh entgegnete er: „Kann wohl sein... Es bedrückt mich, wenn uü an Dich denke... Ich muß Dich sehen und fühlen... Mein Leben ist da, wo Du bist... Ich bin den N-ichtrnttafl im Holz gewesen, um Dir aufzulauern... Das weißt Du nicht, wie? Gut, ich war dort unterm Laub, den Kopf zwischen den Fäusten... Ich hätte so nach Dir hingesehen bis morgen früh... O ja. es war schön, Dir so zuzusehen, wie Du Dich in der Sonne rührtest und bewegtest... Ich habe die anderen beneidet, die. mit denen Du da arbeitest und die Dich manch- mal an ihre Pelle drückten... Und ich habe mich in den Daumen gebissen... Ich wurde verrückt... Vor Wut Hab' ich inich auf der Erde herumgewälzt... Tagelang streif ich so umher und streiche uni Dein Haus... Ich sagte mir. daß ich Dir noch begegnen würde, in meinem Buschwinkel im Feld... Ich dachte, Tu würdest ganz gern ein bißchen plaudern, wenn man sich verstanden hätte... Und jetzt, wo Tu da bist, wo wir uns einer dem anderen aegeiiübcrstehen, wo sich mir das Blut regt, weißt Du mir weiter nichts, als so was zu sagen... Wahrhaftig, Tu vergißt Deine Freunde schnell!" (Forts, folgt.) Fe 88._* Vettenvcrkauik Prachtvolle 5,75, 7,50, 9,75, SUiäftcnerbeticu 12,75, 15,75, Taunenbetlen 19,50, 22,50, Kinderbelten 4,50. Nene AuSstcuer- wäjche spottbillig! Teppiche, Portieren, Gardinen, Stores, Tülldccken, Stepp- decke», Diwandccken, Wanduhren, Taichcnuhren, Anzüge. Alles spott- billig! 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