9t. 20«.- 1915. UltffctfyölfUtljlöMöff d(6 t)OfO)dtf0 U-ttmch. 8. Zqwdtt. Die Crnte öes Laubenkolomsten. Es ist jetzt die Zeit, zu der die Laubenkolonisten ihre Erntefeste zu feiern pfleglen. Im Vorjahre waren diese �esie bei Kriegsausbruch vielfach bereits im Gange, in diesem ernsten zweiten Kriegsjahr werden sie wohl überall unterbleiben. Wie man in Friedenszeil die Ermefeste zu früh zu feiern pflegte, so erntete man in der Regel auch zu früh, denn Geduld ist nicht jedermanns Sacke. Vor diesem irllhen Ernten sei jetzt nackdrücklich gewarnt. Herbjtäpfel und Birnen erntet man nicht unbedingt, wenn sie stark zu fallen be- ginnen, denn dies ist durchaus kein Zeichen der Pflückreife, sondern erst dann, wenn sich die angefastte und hochgehobene Birne mühelos am Slielansatz löst und wenn der gefaßte und halbkreisförmig um seine eigene Achse gedrehte Apfel in der Hand bleibt. Dann hat sich cme Korkschicht zwischen dem Stielende und dem Fruchtholz ge- bildet, die weitere Sastzufnhr ausschaltet. Wo nur wenige Lbst« bäumchen stehen, macht man die angegebene Probe wöchent- lich ein« bis zweimal, niinnri also nur immer daS ab, was sich gut löst und läßt das übrige noch hängen, weil eS noch an Größe und Wohlgeschmack zunimint. Spätpfirsiche und Spätpflaumen kann man schon abnehmen, wenn fie weich werden n»d zu duften beginnen. So abgenommen, leiden sie auf dem Transport weniger unter Druckschäden und köunen auch einige Tage in kühler Stube lagern. Auch mit dem Fallobst gehe man jetzt haushälterisch um. Fallsrüchte, auch sogenannte madige, die beim Aufschlagen keine ernstliche Druckstelle und Fleischverletzungen erlitten haben, auch sonst gut sind, sollte man sorgfältig aussuchen, im Keller oder in einer Kammer dunlel lagern, oder im hellen Raum mit Papier bedecken und nachreifen lassen. Sie werden noch brauchbar zum Rohgcnuß. Was solche Ausbewahrung nicht lohnt, davon mache man möglichst bald Mus oder Gelee. Die eigentlichen Winter- birnen und Winteräpfel crhaltenniemals. auch nicht in den wärmsten und längsten Sommern, am Baume die Edelreife, sondern werden erst später auf dem Lager genußreif. Für diese Spätsorten gilt der Grundsatz, sie so lange als möglich hängen zu lasten. Wo Dieb- stahl zu befürchten ist, muß man freilich früher abnehmen, auch da, wo die Bäume das Laub bereits geworfen haben, denn ein blatt- loser Baum kann seine Früchte nicht weiter ernähren. Ist aber Diebstahl nicht zu befürchten und erhält sich das Laub grün und gesund, dann bleibt das Spätobst unter Umständen bis in den So» vcmber hinein am Baum. Nur bevorstehende ernstliche Nachtfröste können zn einer vorzeitigen Ernte veranlassen. Es gibt Winterobst, das eigentlich nicht lange genug am Bauin hängen kann, namentlich die grauen Renetten und die spätesten Birnen, wie die späten Berga- niotten und Io'epbine von Meckeln. Zu früh abgenommen, bleiben selbst die feinsten Tafelsrüchte schleckt im Geschmack, und die Spät- äpfel welken dann, ganz besonders die grauhäutigen. Auch mit der Einermung der W i n t e r g e m ü s e beeile man sich nicht, besonders nicht bei den Kopfkohlarten. Winterkartoffcln nimmt man etwas früher heraus, wenn man Fäulnis infolge an- dauernder Niederschläge besürchtct; man muß dann hier und da die eine oder andere Staude ausnehmen, um die Knolle noch Fäulnis- anzcichen durchzusehen. Zwiebeln sind auszunehmen, sobald das Kraut abstirbt, frostempfindliche Wurzelgemüse, also Herbstrüben, Karotten, Kohlrüben und Winterrettiche nimmt man aus, bevor der Boden zu frieren droht. Sie werden dann sauber gemacht und so geköps:, daß mit dem Blattschopf zugleich eine flache Wnrzelscheibe fortgenommen wird. Nachdem die Schnittflächen an der Lust ob- getrocknet sind, werden die gereinigten Wurzeln ähnlich wie die Kar- tostcln auf dem Felde in Mieten eingewintert oder im Keller auf Haufen aufgesetzt und mit Sand oder Erde zugedeckt. Durch das Abschneiden des Blattschopfes mit einer Rübenscheibe verhindert man bei längerem Lagern das Austreiben der Wrirzeln im Lagerraum. Tellower Rübchen und frühe Karotten später Saat können auch den Ainier über draußen bleiben, wenn man die Beete mit einer starken Laub- und strohigen Dnngschicht deckt und so Frostschäden vorbeugt. Auch Breitlauch kann man eingeschlagen im Freien lasten und mit Eintritt von Frost durch gute Laubdecke schützen. Ungeschützt bleiben Rosen« und Blätterkohl draußen, auch Schwarzwurzeln. Von den Äopskohlarten muß der Blumenkohl im Keller eingeschlagen über- wintert werden, die übrigen überwintert man entweder auch im Keller, wo man sie immer im Auge hat. also dem Umsichgreifen der Fäulnis durch rasche Fortnahme und Verwertung faulender Köpfe vorbeugen kann, oder in Mieten. Bei günstiger Witterung warte niau aber mit der Einwinterung so lange als möglich. Entweder schneidet man die Köpfe ab, oder man nimmt die ganze Pflanze mit den Wurzeln heraus, um fie nach Entfernung der losen Blätter in die Keller dicht zusammen zu setzen. Ein gutes Verfahren ist ja daS Ueberwintern in Gruben oder Mieten. Diese können aber nur da angelegt werden, wo der! Rotes vlamenblut. 161 Von Pierre Broodcoorens. Tie wurde ungeduldig. "Tu scheinst viel Zeit zu haben. Ich mutz zurück. Liste! wartet auf mich." Er vertrat ihr den Weg. „Warte!" Tie bekams jetzt mit der Unruhe. Ter Abend war herein- gebrochen. Wenn er böse wurde! Trolliger Kerl! Tie dachte an die Attentate, von denen man sich bei den Abendunter- Haltungen erzählte. Tie sah sich schon gegen die rauhen Zan- gen des Fauns sträuben. Keine Menschcnseele würde sie schreien hören. Er grinste. „Tu fürchtest Dich wohl vor mir?" Tie hatte ein gezwungenes Lachen. „Statürlich doch." „Tiehst ja ganz so aus. Also Heuchelei?"_ Tie fühlte seine Annäherung. Er ergriff sie beim Hand- gelenk. Vor Tckircck erstarrt, liest sie's geschehen. Mit ihrem Lichtbogen spannte sich die Milchstraße über den Wald. Die schwarze Masse des Gebüsches mit ihren un- regchnästigen Ecken und dem fein ausgezackten Filigran seines Randes hob sich scharf gegen das sehr klare Blau des Himmels ab, das von seinem diamantenen Staub funkelte. Gegen Tüden bin machte Orion mit seinem strahlenden Tilbcrpanzer und dem dreifachen Blitz seines wundersamen Gürtels die Sterne verblassen. Phocyon, Regulus und andere Gestirne belebten, zahllos, das Firmament. Und in ihren er- habenen Tiefen vibrierte aus dem myriadenfältigen Gefunkel der Welten die Schönheit des Abends im unendlichen Wunder des in die Abgründe des Unendlichen strebenden Lebens. Seit- sam funkelten in diesem sternlichren Eeriesel Flolnls starre Augen. In weiter Ferne sing ein Hund an zu bellen. Das hatte etwas Unheimliches. Wie Metallkugcln schlugen kurz und rauh die Laute an das Himmelsgewölbe, das von ihnen widerhallte. In diesem Augenblick ließ sich im Wald ein'dumpfes Rollen vernehmen. Ein Kutsckwagen! Endlich ein Mensch! Hilla horchte. DaS Geräusch näherte sich. Tie fühlte sich unsäglich erleichtert. „Ich liebe Dich zu sehr, siehst Du... Es bringt mich Boden auch bei höchstem Grundwasterstand mindestens bis in 60 Zentimeter Tiefe absolut grundwasiersrei ist. Man hebt dann den Boden in l'/a Meter Breite, aber in beliebiger Länge, die sich ganz nach den einzuwinternden Vorräten richtet, 25 Zentimeter tief aus, schlägt nun die Kohlköpfe reihenweise in der Grube dicht gedrängt ein. bedeckt sie mit Erde, bringt darüber wieder eine Lage Köpfe, auf diese wieder Erde und dann noch eine drille oder vierte Lage. Sind in der unteren Lage ö—ü Köpfe nebeneinander, so kommen in die zweite Lage 4— 5, in die drille 3—4, in die vierte und letzte 2—3. Zur Durchlüftung müssen einige Entwässerungs- röhren gleichmäßig verteilt in das Lager gesteckt werden, das später ganz mir Erde eingedeckt und dann noch mit Laub oder strohigem Mist geschützt wird. Will man daS eingewinterte Gemüse überwachen, so muß man Gruben von 80— 1(X) Zentimeter Tiefe auswerfen, die Wände im Sandboden mit Schalbrettern versteifen, später die Gruhe mit Blättern dachartig abdecken, so daß die Nieder- schlüge abgeleitet werden, und bei strengem Frost noch durch Laub- oder Dungdecke schützen. Bei milder Witterung werden diese Gruben gelüstet und vorübergehend ganz abgedeckt. Bei dieser Gelegenheit putzt man die Köpfe durch, denn der faulende Kopf steckt den Nach- bar an. lleberwintert man Gemüse im Keller, so muß man auch dessen Lüftimg immer im Auge behalten. DaS Einwintern der Kopf- gemüse ist von größter Wichtigkeil. Wir haben ja erlebt, wie in dieser Kriegszeit die Preise in die Höhe getrieben wurden, und je weiter sich die Jahreszeit vom Herbst entfernt, um so unerschwinglicher werden sie. Deshalb kann ich nur dringend raten, zur Zeit des lleberflusses Vorsorge für die Zeit der Not zu treffen. Sechs Monaten, während denen der tägliche Bedarf von der Parzelle in die Küche geholt werden kann, folgen sechs weitere Monate, die da mager sind, wo gutem Rat nicht gefolgt wird. Winterkartoffeln nehme man nur bei hellem, sonnigem Wetter in der Frühe aus und laste sie dann bis gegen Abend zum Ab- trocknen ausgebreitet auf dem Lande liegen. Werden sie sosort in Säcke gefüllt und in den Keller geschafft, dort gleich auf Haufen ge- schüttet, so hat man mit großen Fäulnisverlusten zu rechnen. Rat- sam ist es. gleich bei der Ernte die etwa hühnereigroßen Knollen auszusondern und als Saatkartoffeln für das nächste Frühjahr bei- seile zu lagern._ Hd. kleines Feuilleton. Staöt und£and im Lichte der Landsturmtauglichkeit. Zu der alten Streitfrage, ob die Landbewohner für den Militär- dienst in höherem Maße geeignet sind als die Städler, finden wir einen neuen Beilrag von einem Oberstabsarzt der Landwehr in der „Münchener Medizinischen Wochenschrift". Er hatte über 10 000 Mann(8000 Rekruten und über 7000 Landsturmpflichtige) zu untersuchen und zwar teils in der Großstadl München, teils in ländlichen Bezirken. Bei den jungen Leuten im Alter von 20 bis 23 Jahren war die viel größere körperliche Gewandtheit der Münchner gegenüber den Landbewohnern in die Augen springend. Auch in bezug auf die körperliche Haltung, die Entwicklung des Knocken- und Muskelskeletts standen die Land- rekrutcn durchschnittlich hinter ihren städtischen Altersgenosten zurück i Verkrümmungen der Wirbelsäule, Plattfüße höheren Grades, schwere Formen von Adererweiterungen am Unter- und Oberschenkel waren auf dem Lande weit häufiger als in der Stadt, Bei funktionellen und organischen Herzstöruugen dagegen zeigten sich Stadt und Land ziemlich gleichmäßig beteiligt, aber ihre Ursachen waren verschieden; auf dem Lande waren sie meist auf übertriebenen Biergeuuß und in den ober- bayerischen Bezirken ans die sehr häufige Schilddrüsenvergrößerung zurückzuführen, in dem bierfrohen München dagegen auf Sport- mißbrauch, vor allem Athletsport und dann auf übertriebenes Rad- fahren. Bemerkenswert ist, daß sowohl bei Stadt- als Land- bewohnern junge Leute von 21 Jahren, die ein Jahr vorher wegen allgemeiner Körperschwäche und zu geringen Briismmsanges zurück- gestellt waren, durchweg um 4 bis 0 Zeulimeter an Brustumfang zugenommen hatten. Die gemachten Erfahrungen wie auch manche früheren Wider- sprechen durchaus der landläufigen Annahme, daß die Städter weniger kriegstauglich seien als die Landbewohner, sie ergeben eher das Gegenteil. Deshalb wünscht der Verfasser auch, daß der Frage der körperlichen Ertüchtigung der Jugend speziell auf dem Lande große Aufmerksamkeil zugewendet werde. Für besonders wichtig hält er es auch, das Verständnis für die Zahnpflege und ihre Be- dentung für die Ernährung bei der Landbevölkerung zu wecken. Wie sehr gerade die Zahnpflege auf dem Lande im argen liegt, war bei den Musterungen recht deutlich zu erkennen. cnls der Fassung, wenn ich Dich mit einem anderen sehe... Es lnüstte ein Unglück geschehen." Sie würde vergeblich versucht haben, sich frei zu machen. Die Damnen des Mannes zcrguetschten sie. Ein schmerzlich- wildes Lächeln entblößte seine Zähne. „Aber— au! Es ist ja stumpfsinnig, einen so zu quetschen!" Auf der Straße beim Eingang in das'Gehölz zuckte ein gelbroter Lichtschein. Er ließ sie los. „Der Müllerl" murinelte sie. Es war die Halbkutsche von Tilman, dem Mehlhändler von Deftingen. Er ließ sein Tier im Schritt gehen. Die an der Vorderseite des Geschirrs angebrachten Laternen schwank- ten im Rhythmus der Bewegung des Pferdes. „Hab' ich Dir weh getan?" fragte er beunruhigt und seine Heftigkeit bereits bedauernd. „Aber gewiß!" versetzte sie scharf. Das Hinzilkommen eines Dritten befreite sie von ihrer Furcht, gab ihr ihre Sicherheit zurück und ein wenig Herr- schaft über sich selbst. Schaf, das sie war! Und schon war sie wieder obenauf. Sic mußte ihm jetzt ihren Willen zeigen, ihm zu erkennen geben, daß sie es verstand, die unbeschränkte Herrin seiner Handlungen zu sein und ihren Zusammenhang nach ihrem Gutdünken zu regieren. Es war nicht gerade nötig, daß er glaubte, er hätte sie schon. „Bleib, wenn Du willst!" fuhr sie fort.„Ich gehe. Sie denken sonst im Gutshof wohl gar, der Wolf hat mich ge- fressen." Sie schickte sich an, zu gehen. Von einer schrecklichen Angst gepackt folgte er ihr. War es niöglich! Er hatte sie also töd- lich beleidigt. Was sollte er ihr jetzt sagen? Tränen quollen ihm in die Augen. Sollte er anfangen, vor ihr zu schluchzen? Unbarmherzig beharrte sie. „Ich habe Dir schon mal gesagt, daß Tu zu roh bist. Ich will wobl einen Freund, aber keinen Herrn... Das nicht! Nie Hab' ich einen gehabt.,. Bei uns zu Hause führ' ich das Regiment. Tu kannst Dir Wohl vorstellen, daß ich darin keine Veränderung mag. Ich lasse mir nickt den Strick um den Hals legen. So stehts! Hat man eine Frau lieb, so muß man sie auch achten." Trostlos protestierte er: „O, Hilla!" „Hat sich was mit Hilla! To steht es! Vor allen Tinnen weist Tu ein für allemal Bescheid. Ich könnte ja wirklich Furcht vor Dir haben. Mau kennt sich kaum. Hat sich erst Die Psychologie der Druckschrift. Seit der Begründung der modernen Erperimentalpsychologie Hot die praktische Anwendung dieser Wissenschajt im Dienste der Kulturaufgaben an Ausdehnung und Bedeutung überaus gewonnen, und es hat sich nach und nach eine eigene'neue Sonderwistenschaft ge- bildet, die mit dem Namen Pshchotechnik bezeichnet wird. Deren Grundzüge hat der Horvard-Profesior Hugo M ü n st e r b e r g in einem umfassenden, unlängst bei Johann Ambrosius Band in Leipzig erschienenen Werke zum ersten Male zusammenfassend dar- gestellt. Die Untersuchungen der Pshchotechnik greifen tief in die Fragen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, der Gesundheit, des Rechts und der Erziehung ein und bieten vielfach zum ersten Male gesicherte Grundlagen jiir die Beurteilung lang umstrittener Fragen, Das zeigt sich z. B. in typischer Weise bei der Frage der Druck- schrist, mit deren Psychologie sich die Wissenschaft ziemlich eingehend beschäfligt hat, Die leichte Lesbarkeit der Drucktype, die empfehlens- iverte Länge der Dritckzeile, der freie Raum zwischen den Buchstaben und zwischen den Zeilen und vieles Aehnliche haben sich dem psychotechnischen Laboraloriumsversuche ganz natürlich dar- geboten. Mit einfachen Vorrichtungen ließ sich die Zeit messen, in der ein Wort in verschiedener Druckform erkannt wird, oder die Zahl der Fehler bestimmen, die sich einstellen, wenn eine Reihe von Worten bei sehr kurzer Belichtungszeit gelesen werden soll. Die Versuche haben deutlich erwieien, daß die Ermüdung beim Lesen um so größer ist, je kleiner die Buchstaben sind. Es scheint, daß die kleinen Buchstaben nicht unter 1>/z Millimeter sein dürfen, wenn Er- müdniig beim Lesen vermieden werden soll. Alle Versuche drängen daraus hin, die Druckzeile möglichst kurz zu gestalten. Unter psychologischem Gesichtspunkte sind Bücher, deren Zeilen länger als SO Millimeter find, für gewöhnliche Leltüre zu verurteilen; für die schnelle Zcitungs- lektiire sind noch erheblich kürzere Spaltenzeilen erwünscht. Bei langen Zeilen drängt sich auch ohne besondere psychologische Unter- suchung die Schwierigkeit auf, den Anfang der neuen Zeile schnell und sicher zu finden: die dadurch notwendige Aufmerksamkeits- spannung muß den geistigen Leseprozeß beeinträchtigen. Außerdem aber verlangt eine lange Zeile, wenn wir nicht etwa das Buch selbst oder den Kopf fortwährend bewegen wollen, un- symmetrische Anpassungsanspamrungen der beiden Augen, wo- durch eine neue Quelle der Anstrengung und Ermüdung gegeben ist. Dazu kommt aber vor allem, daß wir nicht in gleichmäßiger glatter Bewegung das Auge von einem Endpunkte der Zeile zum andern führen, sondern sprunghaft von einem Ruhepunkr zum andern übergehen i und mm bar sich erwiesen, daß das Auge nicht etwa auf den Endpunkten der Zeile ruht, sondern Hauptnihc- punkte gerade ziemlich weit vom Ansang und vom Ende der Zeile findet. Diese Anfangs- und Endciltiernungen sind von der Länge der Zeile unabhängig, so daß der Bruchteil der Zeile, der in diesen beiden Endlagen gelesen wird größer ist, wenn die Zeile selbst kürzer ist. Schließlich ist noch von Belang, daß, wie Daerborns Versuche erwiesen haben, die Zeile von mäßiger Länge die Heraus- bildung eines regelmäßigen Rhythmus für die Augeubewegung be- günstigt, wodurch die gesamte Lesearbeit erleichtert wird. Notizen. — Vorträge. Der Kriegsberichterstatter Dr. Fritz Bert- h e i m e r wird in der U r a n i a über seine Erlebnisse bei der deutschen Südarmee und bei den Truppen, die Galizien und Südpolen vom Feinde säuberten, am Freitag, den 10. und Sonnabend, den 11. Sep- tember, abends 8 Uhr, Vorträge halten, lieber 100 Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen des Redners werden den Vortrag begleiten, — Eines Malers Kriegs Weltreise. Beim Ausbruch des Kriegs weilte der Berliner Maler May Pechstein auf den sonnigen Palau-Jnseln, um seine Palette zu entflammen. Dort nahmen ihn die Japaner gefangen. In Nagasaki, wohin er gebracht wurde, kam er frei, nachdem er sich verpflichtet hatte, nicht gegen Japan zu kämpfen(was ja auch immerhin etwas schwierig war). Er fuhr nun nach Manila und später nach den Vereinigten Staaten. Von New Jork ist er dann endlich, von den Engländern nickt erkannt, als Kohlenziehcr auf einem holländischen Dampfer nach Rotterdam gelangt. Jetzt weilt er wieder in Berlin; seine nächste Reise wird er voraussichtlich nach der Front antreten. — Neue Nadiumfunde. Der französische Minister des Aeußern teilte der Pariser Akademie der Wissenschaften die Eni- deckung von radiumhaltigen Minerallagern in Colorado(Vereinigte Staaten) mit. Das Gramm Radium werde künftig 36 000 Dollar statt 160 000 Dollar kosten. Die Lager seien so reich, daß sie die industrielle Gewinnung des Radiums gestatten. einmal gesehen. Und Du bist schon eifersüchtig, als ob Dil schon mein Mann wärst." „Du mußt mir verzeihen!" sagte er demütig. Sein Gesicht zeigte eine aufrichtige Verzweiflung. Er hatte das unbestimmte Gefühl, einen vielleicht nie wieder gut zu machenden Fehler begangen zu haben. Er fing an zu stottern wie ein Tölpel, als er ihr auseinandersetzte, daß er vielmehr sanft von Natur wäre. Es sei nicht seine Schuld, wenn er durch sie ein ganz anderer Mensch, eifersüchtig und gereizt würde. Warum wäre sie so schön. Zuweilen beobachtete er sie, die beiseite blickte, in der Hoffnung auf eine Versöhnung. Den Mund in einem zorni- gen Vorwurf aufgeworfen, tat sie, als ob sie nicht mehr ihren Kopf aufsetzte. Er erzählte ihr jetzt, um sie zu besänftigen, von seinem Leben, seinen Abenteuern in Frankreich, von dem tausend- fachen Verdruß, den er durchgemacht hatte. Er sprach zu ihr von der trübseligen Leere seiner Nächte, die er fern von ihr verbringen inußte. Sie bedeute für ihn eine Erlösung. Manchmol, wenn er an sie dächte, wälze er sich in seinem Bett- zeug, zerbisse er mit den Zähnen das Kopfkissen. „Es ist wahr. Ich bin vielleicht scheu, eine Art von Bär, aber im Grunde bin ich gut, ich kann's Dir schwören. Nur Verdrießlichkeiten bringen mich außer mir." Er näherte sich ihr, wagte ihre Hand zu erfassen, doch diesmal sanft. „Ach, Hilla, wenn Du wolltest! Wir hätten zwei, drei Morgen Land. Ich würde in Mont-aux-Faucons oder anderswo mit den 3000 Franks, die ich geerbt habe, bauen. Wär's nicht ein schönes Leben? Ich mache mir nichts aus den Kneipen, bin häuslich. Wir würden so glücklich mitein- ander leben." Hilla überkam eine Träumerei und vernichtete mit ihreni Rausch ihren widerstrebenden Willen. Das war ihr Traum, wirklich! Nur daß dieses Tier von Mann nichts mit ihm zu tun hatte. Er hatte den Eindruck, als ob sie sich besänftigt hätte, und er freute sich darüber. „Ich bin besser, als Du Dir denken kannst," Und er versicherte: „Ganz gewiß, daß Du ganz nach Deinem Willen wirst leben können. Natürlich in allen Ehren." „Wirklich?" Sie war stehengeblieben. Er hob feierlich den Arm. „Mein Wort!".(Forts, folgt.), Theater für Mittwoch, 8. September. viistspiclhaas. ■/.u.:]ierrseliaftl. Diener gesicht Äerlincr Theatcp s rhr: Extrablätter. Deutsches Künstler-Theater. Eröffnung: 11. September: KOnlgr Salomo. ILcssinsr-Theater. s uhr. Stein unter Steinen, Deutsches Opernhaus Cbarlottbg. 7 Uhr: Die Meistersinger» Nürnberg (Hans Sachs: Kammers. Plaschko). Friedrich-Wilhclmstädt. Theater. s.uhr: Lebmauns Rinder Gebr. HGITIlf Cllll-Theator s uhr: Benjamin macht alles. Kleine« Theater. s'/.u.: Ein kostbares Leben. Komische Oper. « uhr: Jung muß man sein. Ivostsplclhans 8'/ Residenz-Theater 8'/. uhr; Der Sonncnvogel. Schiller-Theater O. s uhr: Rosinersholm. Schiiler-Th.Charlottenbjc. s uhr: Wallenstelns Tod. Thalia-Theater. Freitag, 10. Scptbr., zum I.Male: 7'/, Uhr: Orei Raar Sehahe. Theater am Xolieadoripi. 8-,.u.- Immer feste druff! Theater in der Königgrätzer Straße 8 uhr: lieber die Kraft. I. Theater des Westens s uhr: Andersen. Vorher: Am Wörther See. Trinnon-Theater. 81/«U.: Bydra init Franz Arnold. Palast Tfimtpr firrt loo Tägl.SUhr. Sonnt. S'/i«. 8 Uhr. Winter-Spielzeit. Das aene konkurrenzlose September-Programm. 12 Xnnimern. Darunter: H. D. Vrys Helden- Allegorien-! Hildegard!-.Die lustigen Heidelberger", Ver- wandl-Komödie— Hob. Steidl Deutsche« Theater. Direktion: Majt Reinhardt. 61;, Uhr: Faust. II. Donnerstag: Faust. II. Kammeraplele. 8 Uhr: Der Welbatenfei. Donnerstag: DerWelbstcnfel Volkabtihne. Theater a. BUlowpl. 8'/4 Uhr: Die Räuber. Donnerstag: Die Räuber. Rose-Theater. Anfang 81/« Uhr: Die Stunde kommt! <3onnt. 311.: Wenn die Liebe erwacht URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr; An den Grenzen von SUdtiroi und Italien. Walhalla-Theater. Heute keine Vorstellung. Im Tunnel grohea Konzert. -oniiab.: D. Maschinenbauer v. Berlin T oigt-Tlieater. Badstr. SS. Badstr. 58. Beginn der Wintersaison: LO. September ISIS. Abonnements werden entgegen- genommen. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. u rberlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der ersthi. Spezialitäten-Teil. Vorvcrk. f.d. ganze Woche v. II-2 Ubr. Sonnt. 4 Uhr: Die g/nte Tlama. Theater des Westens. Sonntag, 5. Septemb.. nachm. 4 Uhr: Sondervorstellung von „Anderson" u. Am Wörther See. Kinder u. Schüler halbe Preise. Henkels Bkich-Soda ■ füralle Kirberg«! p 2 Ziehung 29. Sept. bis 2. Okt. 1915 im Zicnungssaale der Königlichen General-Lottcrie-Direktion Rote-Kreuz- Geld-Lotterie 424000 Lose 15 997 Geldgewinne im Gesamtbetrage von Mark 560000 Hauptgewinne Mark 100000 50000 25000 bar ohne Abzug zahlbar OrlglnalRotc-Kreuz- Geld-Lose Porto und Liste 30 Pf. Zu haben bei den Könlat. Lotterie- Einnehmern und in allen durch Plakate kenntlichenVeik&ufsstellcn Verband Kfinlal.Preusslscher Lotterie-Einnehmer Berlin C 2, Burgstrasae 27 tt Thotdcr Fe lies Coprice 8�4 Possen'Theater 8� Onkel Mendelsohn Citrons geben sich die Ehre mit Leonhard Hankcl und Sicefrlcd Bcriach. Reichshallen-Theater. Stettiner Sünger. Ans. 8 U. Zmn 818. Male: Militäri/ch. Zeit. bild von Meysel. Mllitärhcrioncn u. deren Angchö- rigenvolltommen frei er Zutritt zu d.Stett. Sängern. flnnaljmcftellcn für„Kleine flnzeiaen Berlin C. ll. Höhnisch, Ackerftr. 174. O. Karl Melle. Petersburger Play 4. R. Wenzels, MarkuSstratze 36. VD. s. Zucht, Smmanuclfiimftr. 12. X. 21. Wolgast. Wattstraße 9. H. Mischer, Softianftrofee 6. Karl Mars, Greifenhagcner str. 22. J.Hönisch, Müllerstr. 34a' H.'Vogel, Loryingstr. 37. XW. Zalomo» Joseph. Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt, Bärwaldi»' 42. S. St. Irin. Prinzenstr. 3t. H. Lehmann. Kottbuler Damm 8. SD. Paul Böhm. Läufiger Platz 14 15. P. Harsch, Engelujcr 15. Adicrahnk. Karl Schtuarzlose, Bismarckstr. 28. Bauiiiachnlcnsvcx. H. Hornig, Marientbaler Str. 13, I. B<»r«ign aide. Paul Kienast, Räuschstr. 10. Uharinttenharj;. Gustav Scharnberg, Selenbeimer Str. 1. t'riedrichahaxea. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. Grnnan. Franz Klein, Fried richstr. 10. Johannisthal. Max Gonschur, Partsir. 23 Kari«hor«t. Hermann Villing, Dönhoffsir. 28. Köpenick. 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