Nr. 214.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Frkllag, 17. Stptkmber. Rote Heeren. Rote Beeren glühen am Hagebuttenstrauch in der Sonne. Heinz Peter steht mit sehnsüchtigen Augen und streckt die Hände nach ihnen aus. Die Beeren sind rot und glatt und rollen wie kleine Kugeln. Lustig sehen sie aus, wie die rote hüpfende Schleife in Lieses blondem Zopf. Als Heinz Peter vorigen Sommer die schwere Halsentzündung hatte und nicht sprechen und nicht schlucken konnte, hat er oft mit den Früchten des Hagebuttensirauches gespielt und die kleinen Kugeln vergnügt über sein Bett springen lassen. Heinz Peter weist noch ganz genau, wie traurig er damals war, als er die vielen Wochen schwer krank in seinem Bettchen lag. Seine blauen Augen werden weit vor Sinnen und Grübeln. Er hat damals immer so graste Angst gehabt und schwarze, tanzende Schatten im Zimmer gesehen, selbst wenn die Sonne schien, und alles um ihn hell und fröhlich war. Da brachte ihm die Mutter eines Tages einen ganzen Haufen der blanken roten Beeren des HagebuttenftraucheS, der am Ende des Gartens auf der Wiese steht, auf der er, so lange er denken kann, stets am liebsten gespielt hat. Die Mutter sagte ihm, dast sich die Bogel brausten im Garten in ihren kleinen Liedern von ihm erzählten, und dast sich die Blumen nach ihm sehnten. Der Hagebuttenstrauch aber schickte ihm seine Früchte, die in der Sonne rot geworden waren, damit er sich mit iSnen die Zeit vertreiben solle. Heinz Peier liest die Beeren durch seine heistcn, ruhelosen Hände gleiten. Da wurden sie kühler und stiller. Die schwarzen, schweren Schatten, die ihn mit ihren fratzen- haften Sprüngen geängstigt hatten, verschwanden, und ihm war, als hörte er seine kleine blonde Freundin Liese, mit der er brausten aus der Wiese so manches liebe Mal getollt hatte, zärtlich zu ihm sagen: „Peter, Du bist mein kleiner Mann und ich habe Dich schrecklich lieb." Dann kam das stille, frohe Träumen über ihn, und er vergast, dast er nicht schlucken und nicht sprechen konnte, und dast ihm sein Hals sehr, sehr weh tat. Ec schlief ein, und wie kleine rote Pünktchen tanzten die Beeren des alten, dicken Hagebuttenstrauches vergnüglich vor seinen müden Augen und erzählten ihm vom Sonnenschein und von der roten schleife in Lieses blondem Zopf, die beim übermütigen Jagen und Springen locker geworden war und wie ein greller, leuchtender Fleck im grünen Grase lag. Heinz Peter reckt seine geschmeidige Jungengestalt so hoch er kann. Er möchte am liebsten alle die roten Beeren pflücken und sie seiner Mutter bringen, die schon so lange krank und müde ist und immer im Bett liegen must. Als er ihr heute Morgen die blassen Hände geküstt, hat sie ihn erschrocken und traurig angesehen und ganz leise zu ihm gesagt:„Mein armer Junge." Tann hat sie bitterlich geweint. Da wustte Heinz Peter ganz genau, dast sie die dunklen, bösen Schatten sah, die einst seine klewe Kinderseele in schlimmen Fieber- träumen geängstigt hatten. In einem schnellen Entschluh lief er von der Mutter fort, in den Garten hinaus, wo die Sonne so lustig scheint, und nun steht er mit sehnsüchtigen Augen vor dem alten Hagebuttenstrauch und weih, die Mutter wird wieder fröhlich werden, wenn die roten Kugeln auf der weihen Decke tanzen. Von dem grünen Garten sollen sie ihr erzählen. Von den Vögeln und den Blumen, die sich nach ihr sehnen— wie einst- mals ihm.— Die beiden Hände voll roter Hagebutten tritt Heinz Peter mit einem glücklichen Lächeln eine Weile später wieder in das Zimmer der Mutter. Ihre Augen sehen ihn an. Grotz, weit und starr. Heinz Peter wird blast, und das Lachen stirbt auf seinen Lippen. So sehr erschreckt ihn dieser Blick. „Fürchte Dich nicht", flüstert er mit bebender Stimme. �„Fürchte Dich nicht! Sieh— hier sind die roten Hagebutten zum spielen", und er lacht schon wieder, als er die Beeren mit geschäftigen Händen über das Bett streut. Die Mutter sagt kein Wort. Sie bleibt still und blast. Ihr Blick wendet sich nicht von ihm. „Mütterchen, spiele mit den Kugeln! Dann träumst Du von der kleinen Liese. Die Vögel und die Blumen sehnen sich nach Dir. Du sollst zu ihnen kommen, hörst Du?" Heinz Peier saht die Hände der Mutter in schneller, bittender Bewegung. Da rollen zwei, drei von den kleinen Beeren auf den Boden nieder, und es gibt einen Klang, als ob Tränen hart auf- fallen. Heinz Peter blickt sich erschrocken um. Ihn ängstigt das Schweigen der Mutter. Er sieht die schwären, drohenden Schatten wieder, deren fratzenhafte Gesichter ihn verhöhnen wollen. „Mutter— süste Mutter", flehte er und sein Gesicht wird Heist. So quält ihn der Wunsch, die stille Frau zum Sprechen zu bringen. „Nimm die kleinen, roten Hagebutten nur ein einziges Mal in die Hände.— Es tut so gut." Der Knabe legt die Beeren in die Hände der Mutter. Die bleiben reglos und sirecken sich nicht aus, die Gaben des weinenden Kindes zu halten. Wieder fallen zwei, drei der blanken Beeren nieder, und wieder gibt eS einen harten Klang. Da schreit Heinz Peter entsetzt auf und läuft davon. Die Schwester, die von den langen Nachtwachen übermüdet, im Nebenzimmer eingeschlafen ist. fährt erschrocken in die Höhe. Als sie an das Bett der blassen Frau tritt, verschärft sich der harte Zug um ihren Mund. „Sie ist tot, armer Mann, armer kleiner Heinz Peter." Sie beugt sich über das Bett und fastt nach dem Puls der Toten, und ihre erstaunten Blicke streifen die roten Beeren, die auf dem Boden und auf der meisten Decke verstreut liegen. Da sieht sie durch das Fenster, wie Heinz Peter mit ver- zweifeltem Weinen durch den Garten läust. Als sie an den Schrei denkt, der sie aus ihrem unruhigen Halbschlafe geweckt hat, weist sie. wer der toten Frau die roten Beeren des Hagebuttenstrauches gebracht hat. Und ihre Augen, die das Leid gewöhnt sind, weinen.... _ Alice Fliege I. kleines Feuilleton. Mein und dein. Zwei Worte beherrschen die ganze Welt: Auf„Mein" und„Dein" ist alles gestellt. War'„Mein" und„Dein" erst meilenweit. Dann hätten wir Frieden und Ruh' allzeit. Ganz frei wär' jeglich Hab' und Gut, Kam' Mann und Weib insgleich zu gut. Gemeinsam wär' allen Weizen und Wein Wohl über der See und an dem Rhein. Kein Mord wär' mehr in keinem Land. Wär'„Mein" und„Dein" daraus verbannt. Der Herrgott gab doch allen zum Heil Jedwedem sein flüchtig' Erdenleil Zu Erb' und Eigen gemeinschaftlich, Damit er nähre und labe sich Und Leib und Füste auch kleide daneben Und führ' ein schlicht, geruhsam Leben. Nun aber rast die Gier also, Dast keiner im tiefsten Herzen froh. Es sei denn, die weite Welt wär' sein Und alles nur ihm und ihm allein. William Morris nach einem olimischen Gedicht des 14. Jahrhunderts. Der»Kaufmann von Venedig" in der Volksbühne. Shylock, der nach seines Dieners Lanzelot Ausruf ein„echter Jude" oder, was noch prägnanter,„der wahre eingefleischte Teufel" ist, hatte diesmal wegen seines Darstellers Rudolf S childkraut die Erwartungen aufs höchste gespannt. Und mit Recht. Denn Schildkraut faszinierte. Das war der geborene Jude, ein Mensch, in dessen starrem ReibtSwillen und aufloderndem Rachedurst sich die ganze Wesenheit eines zertretenen, ständig bis zum Wahnsinn gedemütigten VolksstammeS verkörperi. Dieser Shylock macht kein überflüssiges Geschrei. Er erhitzt sich an seiner kalten Rache. In dem abgerissenen Hestern Gurgellaut, den er ausstöstt, als ihm die Ahnung kommt, dast seine Tochter mit einem christlichen Buhlen entflohen ist, offenbarte er die erschütternde Seelentragödie. Dann die Gerichtsszene: Welche Sieigerung der Kraft in Spiel und Rede— bis er unter der un- erbittlichen Richterlogik zusammenzuckend als ein physisch und moralisch Zerbrochener davonschleicht. Uebrigens kann diese Gerichtshandlung in ihrem Aufbau und ihrer Ausarbeitung als ein Stück meisterlicher Regiekunst Max Reinhardts gelten, den das Publikum denn auch zum Schlust mit Schildkraut und Genossen vielfach vor die Rampe rief. Und Else Heims: waS soll man von dieser Porzia sagen? Sie bestrickt durch ihren Liebreiz und übertrumpft durch ihren juristi- stischen Witz selbst einen Shylock. Neben ihr macht Johanna Terwin als derbere Nerissa eine treffliche Figur. Auch des Juden Tochter von Jrmela von Dulong, obwohl an- scheinend noch Schülerin, mästig gegeben, lästt doch ein cntwicklungs- fähiges Talent erkennen. Unter den Vertretern männlicher Charakterchargen fielen höchst angenehm auf Fritz Delius iBassanioj, Eduard v. Winterstein iGrazianos, Alfred Breidcrhoff sPrinz von Marokko), Ernst Lubitsch (Lanzelot)— namentlich diese Beiden!— Siegmund N u n b c r g (Tubal) und Max G ü l st o r f f. Daß die dekorative Seite glänzend gelöst vor Augen trat, dast überdies die dieser Komödie so eigene leichte Grazie und wundervoll sprunghafte Harmonie lebendig wurde, war schliestlich doch auch dein in jeden Winkel hineinströmenden, alles belebenden Hauch der obersten Spielleitung zu danken. Engelbert Huinperdincks stilisierte Beglcil- musik erhöhte die Stimmung des melodramatischen Schlustaktes. vir. Neues über öie Tienvelt und den Krieg. ließet die Vernichtungsarbeit des Krieges im Reiche der T>er- well macht Dr. Knauer in der Zeitschrift zur Förderung unserer Naturerkenntnis„Unsere Well" neue interessante Mitteilungen. In den Karpathen fanden Sanitätssoldaten im Gestrüpp einen jämmer- lich stöhnenden Bären, der durch einen Schrapnelltreffer bewegungs- los geworden war. Diese Entdeckung ist auch deswegen von Be- deutung, weil sie ein Licht auf das vielumswiitene Problem wirst, wo eigentlich die eines natürlichen Todes gestorbenen Tiere der Wildnis bleiben, denn man hat kaum jemals ihre Kadaver gefunden. Es wird wohl die Ansicht das Rechte treffen, dast sie mit einem grosten Instinkt ihre Todesstunde empfinden, und sich wie jener' Karpathenbär ins tiefste Dickicht � zurückziehen. In den Ardennenforsten aufgescheuchle Wildschweine sind bis ins Kriegsgebiet zwischen Dünkirchen und Calais geflüchtet. Für die Seefischerei verhängnisvoll können die zahlreichen Minen- explosionen, vor allem in der Nordsee, werden, da sie die Laichzüge der Heringe beeinflussen. Von diesen laichen die nördlichen See- Heringe im Winter und Frühjahr an der Küste, während die Küsten- Heringe im Winter laichreif werden und die Secheringe der Nordsee- bänke im Sommer und Herbst zum Laichen die sandigen und steinigen Bänke aufsuchen. Der Zug der Heringe, von deren Fang eine ganze Fischerbevölkerung lebt, ist bekanntlich sehr launisch, und ihre Schwärme bleiben auch in ungestörten Zeiten oft aus— um so mehr liegt die Gefahr nahe, dast sie durch die Seekriegs- störungen verscheucht werden. Auch der vorjährige Herbstzug der nordischen Wandervögel ist durch den Krieg bceinflustt worden: liegt doch ihr eines Hauptziel im Kampfgebiet der Masurischen Seen, während von den drei Hauptstrasten, die die Wandervögel seil Menschengedenken durch Europa benutzen, der Krieg besonders die aus Ostpreusten läugs der Weichsel zu den Karpathen und dann weuer längs der Theist in die Donauebcne und an der kleinasiatischen Küste führende Zugstraste in Mitleidenschaft gezogen hat. Die Saat- und Rabenkrähen hinwieder sind in ungeheuren Scharen den Schlacht- seldern nachgewandert, wie auch im Balkankriege sich die Aas- geier Bosniens und der Herzegowina im Kriygsgcbiet ein Stclldich- ein gaben. Das Schicksal der Wisente im Bjalowieker Wald ist noch unaufgeklärt; dagegen sind die letzten Wisente dcS Kaukasus, die im Bielaja« und Labagebiete unter strengerem Jagdschutz stehen, seit den Kaukasuslämpfen der Türken und Russen in ihrer Existenz gefährdet. Aus der Vergangenheit ist eine ähnliche Dezimierung oder Vernichtung mancher Tierarten durch Kriege bekannt. Der zuletzt von den Salzburgec Erzbischöfen im waldigen Teil des Hcllbrunuer Parks gehegte Alpensteinbock ivard in den Tiroler Kämpfen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ausgerotier. Der Burenkrieg vernichtete die letzten Bestände dcS Burchell-Zebra oder Dauw, das lange der bekannteste Vertreter der Tigerpserde in den Zoologischen Gärten war. Die Flibustierkriegc dcS 17. und 18. Jahrhunderts haben die auf den Galapagoinseln und anderen Eilanden heimischen Elefanten- und Landschildkröten dezimiert. Notizen. — Vorträge. Freitag, den 17. September, abends 9 Uhr, spricht im Monistenbund sim Nollendorfhof. Bülowstr. 2) Baumeist-r Pauly über F e u e r b e st a t t u n g mit Vorführung des ModelleS eines modernen Krematoriums. — Das Robert Koch-Denkmal, dessen Ausführung dem Bildhauer Pros. T u a i l l o n übertragen ist, geht seiner Vollendung entgegen. Der berühmte Bakteriologe ist in sitzender Haltung dargestellr. Die Aufstellung des in reinstem Meisten Marmor ausgeführten Denkmals soll auf der Ostseite des Luisenplatzes er- folgen. Rotes vlamenblut» Von Pierre BroodcoorenS. Gegen den Burschen gerichtete Beleidigungen vor sich hin- brummend, sprach er jetzt, wo er sich außer Gefahr wußte, mutig wie ein Hase davon, daß man es der Gendarmerie anzeigen müßte. � Aber der Händler, der zufrieden war. aus der Hitze, die ihm das Fell versengt hatte, noch mit heiler Haut herausgekommen zu sein, hörte nicht auf ihn. Er griff nach den Zügeln, zog seinem Fuchsponny einen Peitschenhieb über und trieb ihn mit einem Pfiff zu einem Galopp in der Richtung auf Opbrakel zu an. AIS der Räderschall sich in der Ferne verloren hatte, gaben die Bauern Flohil frei. Schwankend begab er sich zu dein Tisch zurück, an dem Aryn Klip, ohne sich weiter um die Sache zu kümmern, fricd- lich lveitergegcssen hatte. Ein todstilles Schweigen löste im Zimmer jetzt die leb- haften Erörterungen ab, die der Vorfall veranlaßt hatte. Jeder empfand, daß der Bursch einen Hieb erhalten hatte, von dem wohl die meisten sich nicht wieder erholen würden. In kleinen Gruppen gingen die Anwesenden auseinander. Niel- leicht hatte der Händler in seiner Trunkenheit die Wahrheit gesagt. Nille von Montague-aux-Faucons schien mehr von der Sache zu wissen, �zhr rotgeflccktes Gesicht zeigte ein Lachen, das sie nicht mehr zurückhalten konnte. Wahrhaftig, nein I.. „Nanu, Souhe Was ist Dir Tiesmal erstaunte sogar Klip. Er klopfte dem Burschen freundschaftlich auf die Schulter wie einem betrübten Kinde. Flohil. beide Ellbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf zwischen den Fäusteri, weinte still vor sich hin. 14. „Gut. ich will mich nicht in anderer Angelegenheiten ein- mengen." sagte der Stuhlmacher am nächsten Donnerstag- morgen zu ihm,„aber Du kannst ja mal das Gerede von Anabbe. Rille und den anderen kontrollieren, wenn Dir so daran liegt.... Ich gehe jetzt mit Mensse nach Schendcl- bekc.... Ich will eine trächtige Sa» kaufen; die Bataten lind ja billig. Es gibt gewissermaßen einen Profit zu machen. lieberleg' Dir die c-ache also." Souhe zuckte die Achseln. Man sah ihm also an, daß er litt, daß eS in ihm fraß? Lieber Gott, sogar Klip, der sonst so zurückhaltend war. fühlte sich veranlaßt, ihm in der Wunde zu bohren, die ihm der blöde Viehhändler mit einem Eisen voll Widerhaken bei- gebracht hatte. Langsam erhob er sich aus dem dunklen Heerdwinkel, wo er über seinen Gedanken brütete, und setzte stirnrunzelnd seine geleerte Schale uuf den Tisch. „Ich werde sehen," sprach in ihm eine dunkle Stimme. Ter Regen, den es die letzten beiden Tage über in Strömen gegossen, hatte heute morgen aufgehört. Noch tropften die Hecken. Das Wasser stürzte von den Stroh- dächern herab und mit eintönigem Geplätscher in die Lachen, die sich in den Bodenvertiefungen vor der Hütte angesammelt hatten. Die Hühner, die ihren Verschlag verließen, bewegten sich niit sehr hoch gehobenen Füßen vorsichtig vorlvärts. Zu- weilen blieben sie, während eins sich unter dem ausgespreizten Flügel duckte, mit einer Art von Nachdenklichkeit, den Kops schräg auf die Seite gelegt, unbeweglich stehen. Dann er- spähten sie gemessenen Schrittes die roten Regenwürmer, die sich aus der braunen Erde hervorkrümmten. Souhe wandte sich nach rechts, stieß mit dem Fuß die Gittertür auf und betrat den Garten. Zivischen den schlanken Bäumen, durch das Geheg der Haselbüsche und der Berberitzen durch boten sich die Hinter- gründe über den weiten Wiesenflächen noch immer von einem dichten Nebel verschleiert. An diesen: trüben Tage streifte der schwere Himmel mit seinen geblähten Wolken gegen Riebeke und Scgelsent hin über die ausgezackten Wipfelspitzen der Pappeln. Der scharfe Wind des vergangenen Monats hatte sich gelegt. Die fröstelnde Schwermut des Herbstes bedrückte die Erde, wo in den Gemüsegärten vereinzelt hier und da bloß noch ungleichmäßig krause Kohlköpfe und mit dicken Dolden gekrönter Porree grünten. Nur mit einem leisen Rascheln drückten die Holzschuhe des Mannes das feuchte Gras nieder, wobei sie eine grau- grüne Fährte hinter sich ließen, die sich in den hell smaragdenen Farbton des Rasens legte. Unwillkürlich war Souhe von der genauen Angabe, die Knabbe entschlüpft war, besessen. Hilla hatte einen Liebhaber gehabt. Vielleicht würde er ihn noch selber sehen in diesem ver- fluchten Scheudclbcke. wo sie. nach ihrer eigenen Rede, ge- legentlich ihres zweiten Znsammentreffens am Rande von Listels Kartoffelfeld„gute Bekannte" hatte. Er erinnerte sich des Lächelns, mit dem sie die Worte„gute Bekannte" hervor- gebracht hatte, und suchte seine wahre Bedeutung zu erraten, obgleich ihn diese Einzelheit ihrer Unterhaltung bislang noch gar nicht beschäftigt hatte. Zu gleicher Zeit erinnerte er sich des Burschen, mit dem sie am Rande des Baches geplaudert hatte. Und er quälte sich damit ab, zwischen diesem Individuum und dem Zigarrenmachcr, auf den Knabbe angespielt hatte, eine genauere Beziehung zu finden. Eigensinnig versenkte er sich in einen Abgrund von Vermutungen und bitteren Er- wägungen. Dann machte er eine übermenschliche Anstrengung, um den Kopf oben zu behalten und einen Tropfen Hoffnung zu kosten, bevor er wieder der Tiefe seines moralischen Abgrundes anheimfiel. Was für gräßliche Tage standen ihm bevor mit diesem Hin und Her von Zweifel und Sicherheit! Er hatte wider- standen, daß der Wilderer ihn nach dem Leichenschmanß nach Eoin-des-Tisserands zurückgeleitcte, ihm den Arm unterschob lvic einem Betrunkenen oder einem Gelbschnabel, der in der Lotterie eine schlechte Nummer gezogen hat. Wieder hatte er sich in die Fdder hinein verloren und lvar bis in die Nacht hinein, von seinen widerstreitenden Gedanken gepeinigt, die ihm keine Ruhe geben wollten, umhergeirrt, loobei er zu- weilen in einem Anfall ohnmächtiger Wut mit geballter Faust gegen die rauhe Borke der Wegbäume gehauen hatte. Dann gab er sich, wie einer erquickenden Oase der Erinnerung an die Süßigkeit ihrer Stelldicheins hin, die zwei Monate hindurch häufiger gewesen lvarcn. Ohne Zweifel hatte man sie beieinander gesehen. Sie versteckten sich nicht, da der Alte seine Eimvilligung gegeben hatte und die Hochzeit auf den Februar festgesetzt war. Knabbe hatte in dieser Hin- ficht nicht gelogen. Warum aber taten Jattnah, Florine und die anderen so freundlich zu ihm, wenn er Sonntag abends mit ihnen und Hilla eine Partie Lotto spielte, da sie doch in der Nachbarschaft über ihn spotteten und jedem die kleinen Geschenke unter die Nase hielten, die er seiner Liebsten zu machen sich sür verpflichtet hielt. Sein schlichtes Wesen verwirrte sich in außerordentlich verzwickte Netze, die er in seiner Umgebung argwöhnte. Zweifellos hatten sie ein Komplott angezettelt, eine heimliche Machination, der er zum Opfer fallen sollte. Aber warum? Und wer? Blinde Wntanfälle schüttelten ihn unter all diesem Argwohn, der sür sein simples Gehirn zu ver- wickelt war. .(Torts, fplflü Dontschc« Theater. Direktion: Max Reinhardt y/a Uhr; Was Ihr wollt. Sonnabend:•Judith. Sonntag, S'/a nachm.(Kleine Pr.): naria ITIagdalene, Kamm erspiele. 8 Uhr: Wetterleuchten. Sonnabend: Der Welbstcufel Sonnt, 2ll3 nachm.(Kleine Preise): Die deutschen Kleinstädter. Volksbühne. Thealer a. BDIowpl. S'l, Uhr: Die Räuber. Sonnab.: Der Kaufmann v. Venedig. URANIA TaubcnstraBe 48/49. 8 Uhr: Der Isonzo und Oester reichs Ädriaküste. Theater für Freitag, 17. September. berliner Theater 8 uhr: Extrablätter. Deutsches Künstler-Theater. s uhr Seine einzige Frau I/esslne-Thcater. vi, u.: Peer Cynt Deutsches Opernhaus Charlotthg. s uhr: La Traviata. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 8-,.uhr: Lehmanns Kinder Gabr. HCrrRfCEd. Theater s uhr: Benjamin macht alles. Kleines Theater. s'/.u.: Ein kostbares Leben. Komische Oper. s uhr; Jung muß man sein. Sonnt. S'/.U.: Gold gab ich für Eisen. linstsplelhans. s'/.u.: BerrseliaflL Diener gesuclit Tlontis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr: Hoheit tanzt Walzer Residenz-Theater Geschlossen. Sonnabend, Vl2 U., z. 1. Male; Die Prinzessin vom Nil. Schillcr-Tlieater O. S Uhr: keiMt. SchUl.'r-Th.Cliarlottenbg suhrJerRaiibilerSabinerinien. Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Vollcndorfpl 81/. Uhr: Immer feste drniF! SonntS'/jUhr: Die Dollarprinzessin. Theater des Westens 8 uhr: Der brave Fridolin Theater in der Königgrälzer Straße 8 uhr: üeber die Kraft. Trlanon-Theater. s'/.u.: Die Hydra. Rose-Theater. Ansang 8 Uhr: Die Stunde kommt! 8 Uhr: Der Goldfuchs. Sonntag 3 Uhr: Dio Fliegerbraut. Walhalla-Theater. Heute keine Vorstellung. Im Tunnel grostes Konzert. Sonntag 3 Uhr: Muttersegen. Casino-TtAeater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. Urberlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorher der ersikl. Speziaiitälon-Teii. Vorverk. s.d. ganze Woche v.ll— 2 Uhr. Sonnt. 4 Uhr: Ole gnte Itlama. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. S'/j u. 8 Uhr. Das Programm! Reiehshallen-Theater. Stettiner Sünsrer. Ans. 8 U. Zum 227. Male: Militärisch. Zeit-. bild vou Meysel. Militärpersonen it. deren Angehörigen volllommeu jreier Zutritt zu d. Stett. Sängern. Priedrichstr. 2t8 Tel.: Lützow 7341 |Direktion: Adolf Vogel.) Großer Erfolg des kolossalen Eröffnungs-j Progranw! W-- 14 SehKager 14 Else Kupfer Sylvester-Trio Rolf Hoibein Emilia Rose Pattl- Frank- Truppe Berta Steinert and 2 Assistenten. Mia Werber Brüder Stanley J. Garcia 4 Gorleys 4 Regia Martin Kempinski „Alles in Trümmer" Humoristisoh.Pantomim3] Neueste optische Berichte vom Kriegsschauplatz-! Anfang wochent. in- i folge des QbcrgroBen i Prog. pünktl. S Uhr.' V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Voranzeige! Sonntag, 1«. Sept.: Eröffnnvg derMintersaislin. Arbeit schändet nicht. Volksst.t.3Akt.v.R.Achnzarz-?iciflingc!i. (Ab Montag, d. 2D. 9.:.Graf Essex.-) Kassenerösjnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Theedcp Fe lies Capriec 8� Pofxn-Theater&it I Onkel Mendelsohn Citrons geben sich die Ehre mit Leonhard llaskcl nnd Siegfried Bcrisch. Das Eretfnnngs-Pregramm! Guido Thielscher: „Wie repariere ich mein Auto-'. ..Venus im«rütsen". Operotto von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna— Ida Russka Bustav Matrner- Julius Spielmann. State Brhelz- Vclsou Am Klavier; Rudolph Nelson. 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Fächern sowie Englisch und Französisch, abends 8— 10 Uhr. Nach Absolvierung Abschlußzeugnisse. Beginn sämtlicher Kurse am 7. Oktober. Anmeldungen tägl. im Bureau der kaufmänn. Schulen, Burgstr. 25 II, von 9—3 Uhr sowie in den Schulen selber. Der Direktor Dr. Knfirk. g) Filets billiger 5| äls gewöhnliches Rindfleisch! Durch besonders günstige Abschlüsse sind wir in der Lage, Filets von prima dänischem Biels aus täglich frischer Schlachtung, ausgeschält, ohne Kopf und Abfall, zum enorm billigen Preise von Mark im Ganzen Mark pfundweise abzugeben. 77/172 E. Preliseh, Birlin N0.,OreifÄl'.r»rOe 225 Verwaltung Berlin. cl.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestratzc 30, Bezirk Charlottenburg. »onntag, den 10. Teptcmbcr, vormittags 10 Uhr, im Bolkshaufe, Nofinenftr. 4: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Die Ausgaben unserer Organisation während und nach dem Kriege.' 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Laden- nnd Kontormöbeltischler. Mont ag, den 20. 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