Nr. 218.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mittwoch, 22. Zeptember. Serliner Ausstellungen. In den Ausstellungsräumen des„Sturm', Potsdamer Str. 134a, hängen 40 neue Arbeiten von Franz Marc. Niemand, der sich für die Entwicklung der modernen Malerei interessiert, sollte der- säumen, diese Brlder anzusehen. Franz Marc ist uns seit längerer Zeit bekannt; er gehört zu jener Gruppe wagemutiger Erneuerer, die sich nicht damit begnügen wollen, den Impressionismus zu verfeinern und zu vertiefen, die vielmehr mit starkem Bewußtsein ihr Ich gegen die Ansprüche der von außen eindringenden Natur in die Wagschale werfen. Sie wollen nicht spiegeln, sondern gestalten, nicht, und auch nicht mit Wahl, abschreiben, sondern eine neue, eigene, selbsigezeugte Welt, Erlebnisse, die aus dem Innern dringen, der Welt von draußen entgegenstellen. Expressionisten also. Nun ist eS selbstverständlich, und es ist schon mehr als zuviel darüber gesagt worden, dgß auch die dichterische Phantasie nur mit dem wirtschaften kann, was ibr irgendwie einmal durch die Sinne zuge- tragen worden ist. Es ist ebenso allgemein anerkannt, daß auch der radikalste Naturalist zu seiner ehrlichen Abschrift dessen, was aus- seits ist, immer noch etwas von seinem eigenen Selbst hinzutut. Immerhin, es sind schon Unterschiede, ob einer der Natur möglichst folgt oder ob er ihr gegenüber den Figuren, die in ihm brauen und sieden, zum Dasein vcrhilft. Es ist ein Unterschied, ob Liebcrmann ein Pferd malt, oder Franz Marc. Bei Liebermann ist es eine möglichst knappe. mit der Essenz der Wirklichkeit geladene Formel, ein Stenogramm der Natur, ein Einsangen der Außenwell im Augenblick ihrer höchsten Spannung und ihrer lebhaftesten Erregung; bei Marc ist es ein Gefäß für eigenartige lyrische, musikalische, ja metaphysische Empfindungen, ein Gefäß, das beinahe nur noch zufällig die Gestalt des Pferdes wahrte. Genau läßt sich der Unterschied zwischen diesen beiden Auffassungen und Absichten der Malerei nur schwer in Worte fassen; wer aber halbwegs Linien, Flächen und Farben zu fühlen vermag, wird, wenn er ein Bild von Liebermann mit einem von Marc vergleicht, genau wiffen, was gemeint ist. Die neuesten Bilder, die uns Marc zu zeigen hat, machen den Unterschied, um den es sich hier handelt, ganz deutlich. Wir sehen da etwa in das Innere eines Waldes; die Stämme scheinen zu blühen, sie leuchten regenbogig, das Grün kocht: mau denkt kaum an den Wald, durch den man gestern spazierte, wohl aber an das' mit Grauen und Seligkeiten erfüllte Mysterium, von dem man im Märchen gelesen hat. Man sieht einen Vogel sich schaukeln und sucht nicht etwa Art und Gattung festzustellen, vielmehr summt man:„Vogelsprachekund, vogelspracheknnd, wie Salomo." Auf einem der Bilder wühlt und tost ein Chaos von tropischer Vegetation; der Urwald scheint zu brennen, scheint sich in ein Feuerwerk auf- zulösen: die Bäume züngeln wie Flammen, sie stürzen, in Funken zersplitternd, Bliye fallen vom Himmel, und die Ticre scheinen in bengalische Flammen verwandelt zu sein. Zwei grüne Pferde, ein blaues Reh, vier rote Rehe: Unwahrscheinlichkeiten, aber durchaus begreiflich, wenn man das Ganze nicht als eine Naturschilderung, sondern als eine Phantasiik, als eine Form- gestaltung der Leidenschaften und Urkräfte einer wieder wild ge- wordenen Natur auffaßr. Nun läßt sich gewiß einwenden, daß solcher Malerei etwas Literarisches anhafte, etwas, was wir so oft verpönt haben. Schon die Titel der Bilder bestätigen, daß solcher Vorwurf einen Schein der Berechtigung hat:.Tierschicksale',.Die Angst des Hasen", .Der Turm der blauen Pferde". DaS Merkwürdige ist nur, daß der Beschauer vor diesen Bildern nichts weniger als den Eindruck einer illustrierten Episode oder den eines bildlich festgehaltenen Geschichtsvorganges hat. Man hört, je länger man hinschaut. Töne, Stimmen, Rhythmen; man fühlt sich heiß erfaßt, im Kreise gedreht, von seltsamen Erregungen umglntet. Man möchte, wenn man diese Bilder des Marc anschaut, irgend etwas tun; man fühlt die Muskeln zucken. Das ist das Aufregende, das Revolutionäre dieser Bilder. Das gesellt sie den brünstigen Schnitzereien der Insulaner, die mit ihrem Götzen nicht so sehr ein Kunstwerk, als einen Zauber auf- stellen wollten. In den Ausstellungszimmern des Graphik-Verlages(Pariser Platz 7) zeigt Christian Rohlfs einige Bilder. Rohlfs ist heute ein Mann von mehr als sechzig Jahren; er begann in Weimar, etwa so, wie Karl Buchholz, dünn, ängstlich, liebens- würdig, harmlos. Heute, nachdem cr sich mit all den Problemen der Malerei, die während der letzten Jahrzenle hoch- trieben, auseinandergesetzt hat, ist er ein Pathetiker von jener schweigsamen, durchsonntcn Art, die vom Alter getragen wird und doch im Feuer der Jugend leuchtet. Er macht jetzt symbolische Bilder:„Die Auferstehung".„Die Erschaffung des ersten Menschen",„Die Verzweiflung". Wir sehen in eine große Klarheit; wir fühlen den Ausgleich wirkender Kräfte. Die Auf- erstehung geschieht so: zwei Engel stehen in der Mitte des Bildes, mit den Flügeln gegeneinander, die Posaunen gehoben. Links und rechts hebt sich je eine Gestalt aus dem Erdreich, aus der Neutra- lität. Die beiden Auferstehenden sind wie Wageschalen, die Engel wie der senkrechte Wagebalken: das Ereignis ist völlig ausgeglichen und in Balance verklärt. Neben Rohlfs ist die Bildhauerin Millh Steger sehens- wert. Wie der Moler, wohnt auch sie in Hagen, gehört sie zu der Kolonie, die Karl Osthaus, einer der wenigen Deutschen, die als Mäcene für die Kunst Opfer bringen, dort angesiedelt hat. Die Milly Steger ist eine sehr gewandle, formenkundige und geschmack- volle Bildhaueriu. Sie bat, wie die besten thrcr männlichen Kollegen, mancherlei von Minne, von Haller, von Lebmbruck(auch von den Negern) gelernt. Das ist in Summa jedenfalls besser, als wenn sie akademisch vertrocknet wäre. Jetzt weiß sie die Körper zu bewegen, zu biegen, mitteilsam zu machen. Ihre Akte sind zugleich Linienzüge und Kraftkurven; sie zeigen also, daß die Bildhauerin das Wesentliche ihrer Kunst begriffen hat. Robert Breuer. kleines Feuilleton. Die Tage leuchten. Wie sind die Tage fonnenglanzdurchsponnen, Voll warmer Reife, kühlein Duft, So still, als sei das Leben ausgeronnen Und hauche seinen letzten Atem in die Luft! Die Aepfel leuchten aus dem dunklen Grün, Der Bäume Wipfel sacht sich särben; Ich seh den Bauern seine Furchen zichn, Getrost— weil Leben größer ist als Sterben. Und dennoch stöhnt der Krieg an allen Grenzen, Als Hab der Mensch nie Besseres gekannt— Die Tage leuchten, und die reifen Früchte glänzen; Granaten wühlen sich in Menschcnfleisch und Ackerland. Edwin Hoernle. was wissen wie übe? die Milz! Lange Zeit war die Milz eine Drüse, von deren Tätigkeit man nichts wußte. Wahrscheinlich liegt die Sache so, daß die Bedeutung des Orgaus für die Lebenstätigkeil des ganzen Körpers nicht bei allen Tiergatiungeu gleich ist. Die Verhältnisse ivurdcn dadurch verwickelter, weil sie manchmal ohne irgendwelchen Schaden für den Körper weggenommen werden kann. Nach den Ausführungen von Dr. H i r s ch f e l d in der„Deutschen medizinischen Wochenschrift" ist die Milz des Menschen ein B lu t b i l d u n g s o r g a n für die weißen Bluikörperchen, aber im normalen, gesunden Organismus ist sie nicht an der Neubildung der roten Blutkörperckien beteiligt. Bei gewissen Krankheitsformen, wie bei hochgradiger Blntarmut, Bleich- sucht und Jnfektionskrankheilen kann die Milz auch rote Blut- körperchen bilden. Im großen und ganzen ist sie aber der Zerstörungs ort der letzteren. In ihr wird das Hämoglobin, d. h. der Blutfarbstoff, für den später in der Leber erfolgenden Abbau zu Bilirubin vor- bereitet. Man kann also sagen, daß die Milz in dieser Eigenschaft ein Hilfsorgan der Leber ist. Weiter aber ist sie zu- gleich ein O r g a n des E i s e n st o f f w c ch s e l s. Sie hält bei Umwälzungen im Körper frei werdendes Eisen zurück, das im allgemeinen auck bei eisenarmer Ernährung aus- reicht, um längere Zeit den Hämoglobinbestand des Körpers auf der normalen Höhe zu halten. Bekannter ist die Milz als Lymphdrüse des Blutes, die nicht nur das Grab der roten, sondern auch der weißen Blutkörperchen ist. Alle fremdartigen im Kreislauf befindlichen Elemente, besonders aber kleine Lebewesen, fängt die Milz ab und macht sie bis zu einem gewissen Grade unschädlich. Somit sind ihre bekannten Veränderungen bei Infektionskrankheiten begreiflich. Zugleich ist sie noch die Bildungsstätte von Schutzsloffen gegen Bakterien. Schließlich muß die Milz als Regulator der die roten Blut- körperchen bildenden Tätigkeit des Knochenmarks bezeichnet werden. Auch zwischen der Milz und der Verdauung bestehen noÄ nicht näher festgestellte Beziehungen, da die Milz auf der Höhe der Verdauuiig geschwollen und sehr blutreich ist. Merkwürdig ist es, daß alle Vor- richtungen der Milz im allgemeinen entbehrlich sind und offenbar sehr schnell von anderen Organen übernommen werden. Indes gibt es Menschen, die die Entfernung der Milz nicht vertragen und darauf mit einer schweren Störung, einer krankhaften Vermehrung der roten Blutkörperchen(Polyzythämie) antworten. Nansen über den Lauf öes Ienissek. Auf der Reise, die Nansen vom August 1913 bis zum September 1914 zur näheren Erforschung des zukunflsreichen Sibiriens unter- nahm, fiel ihm beim Hinausfahren des Jenissei die große Ver- schiedenheit der beiden Ufer des Flusses aui. für deren Entstehung er eine eigentümliche Theorie aufstellt. Der Jenissei ist ein ganz ge- waltiger Fluß, der ungeheure Wassermengen zum Meere wälzt, an seiner Mündung ist er etwa öü Kilometer breit, aber auch weiterhin bis nach Jenisseisk, also etwa 1800 Kilometer weit von der Mündung, beträgt seine Breite fast nie weniger als zwei Kilometer. Beim Be- fahren dieses Riescnflusses drängt sich ein ganz merkwürdiger Unterschied zwischen dem Ost- und Westuser des Fluffes auf. Auf der Ostseile ist das flache Land verhältnismäßig hoch, es fällt steil nach dem Fluß hin ab, besitzt einen abschüssigen Strand und hat unmittelbar am Ufer ziemlich tiefes Wasser, auf der West- feite dagegen ist das Land auffallend niedrig, hier dacht sich der nackte Sandstrand ganz langsam von der Uferböschung nach dem Wasser hin ab und bildet darunrer noch eine so allmählich abfallende Untiefe, daß es in der Regel nicht leicht ist, sich dem Ufer mit einem Schiff oder Boot zu nähern. Die tiefste Rinne des Flusses liegt in der Regel auf der Ostseite, meist ihr ganz nahe. Diese verschiedenartige Gestaltung der beiden Ufer� erklärt Nansen als eine Wirkung der Umdrehung der Erde. Die Erde drehr sich um ihre Achse in der Richtung von Westen nach Osten, wobei die Drehungsgeschwindigkeit an verschiedenen Pimktcn der Erde sehr verschieden ist. Denn da die gesamte Erde in 24 Stunden sich einmal völlig herumgedreht hat, so müssen die Punkte, die einen großen Kreis beschreiben, sich viel schneller bewegen, als die- jenigen, die einen kleinen Kreis beschreiben. Am Aeguator beträgt diese Rotationsgeschwindigkeit über 400 Meter in der Sekunde, die Pole dagegen machen die drehende Bewegung überhaupt nicht mit, und auf den Breitenkreisen, die mit der Annäherung an die Pole immer kleiner werden, wird auch diese Drehgeschwindigkeit entsprechend kleiner. Fließt nun das Wasser in der Richtung von Süden nach Norden, wie es beim Jenissei der Fall ist, so kommt es aus Gegenden mit größerer Drehungsgeschwindig- keit gegen Osten hin in solche mit kleinerer. Zufolge der Trägheil wohnt ihm diese größere Geschwindigkeit �auch noch in den nördlicheren Gegenden bei, so daß es beständig gegen Osten drängt. Dies muß zur Folge haben, daß ein mit starkem Gesälle nach Norden fließender Strom sein Bett am tiefsten auf der Ostseite ausgräbt und auch am östlichen Ufer am meisten erodiert. Das ganze Flußbett erhält dadurch die Neigung, beständig nach rechts hinüber zu wandern und der Fluß wird, wenn er ein ebenes Land wie das nördliche Sibirien durchströmt, seine Wanderung nach Osten so lange fortsetzen, bis cr auf starke Hindernisse stößt. Nansen ist der Meinung, daß das Bett des Jenissei sich in der Tat im Laufe der Zeiten von Westen nach Osten verschoben hat. Notizen. — Der Deutsche Musik pädagogische Verband E. V. veranstaltet auch in diesem Winter Vorbereitungs- und Fortbildungskurse in Harmonielehre und Kontra- punkt, Musikdiktat, Musikgeschichte, Musikästhetik, Formenlehre, Pädagogik und Akustik. Beginn 1. Oktober. Alles Nähere durch die Geschäftsstelle, W. 02, Lutherstr. 5. — Ein neuer belgischer Jndustriebezirk. In der limburgischen Campiue ist erst seil wenigen Jahren das Vorkommen von Kohlenlagern festgestellt. Da demnächst mit dem Beginn der Kohlenförderung zu rechnen ist, so wird die Gegend, die bisher zu den am dünnsten besiedelten Landstrichen Belgiens gehörte, bald großen Aufschwung erfahren. Besonders begünstigt ist diese Gegend durch ihre geographische Lage. Lüttich und Antwerpen liegen nicht fern, und der Schelde-Maas-Kanal sowie der Turnhout-Hasselt-Kanal umsäumen das Gebiet, so daß billige Wasscrverkehrsstraßen leicht zu schaffen find. Da die Lager haupisächlich jüngere Gaslohlen ent- halten, so wird besonders auch die Hüttenindustrie sich dort ansiedeln können. Rotss vlamenblut. 28] Von Pierre Vroodcoorens. Im bleichen Licht, das die Fenster gaben, dampfte vor den dicken Tassen ans beblümtcr Fayence der Milchkaffee. Die Maklerin, der es an den zwanzig Sous gelegen war, die ihr jede Partei für das Zustandekonimen zugesagt hatten, ließ sie keinen Strich locker. Ohne Scheu setzte sie sich mit an den Tisch. Die Einschüchterung, die das schöne Lokal anfangs auf Klip geübt hatte, verschwand allmählich. Von dem Frühstück und den: Bier, mit dem er sich gefüllt hatte, warm geworden, hatte er seine Sicherheit und Beredsamkeit wiedergewonnen. Er machte es sich bequem, plauderte mit lauter Stimme und vollen Backen und schnitt auf seinem Brot mit seinem Hand- niesser dicke Schnitten fetten, auf dem Ofen gerösteten Speckes ab. Einen Stuhl zwischen den Schienbeinen, sah der Schöffe, in Erwartung des Mittagessens, das das junge Weib ihm zubereitete, mit kleinen Zügen seine Pfeife rauchend, ihnen zu, wie sie schlangen. Sie sprachen vom Wetter und dem Vieh, der Ernte, die nicht schlecht gewesen war, dann von dem gutem Ergebnis, das die Erdäpfel gegeben hatten. Die Nehren hätten zwar schwerer sein können, aber die Halme waren hoch gewesen, und das hatte die Ernte außerordentlich erleichtert. Nur schade, daß dieser Vorteil sich durch sich selbst aufhob. Tat- sächlich: die französischen Gutsbesitzer hatten ihren Bestand an vlämischen Wanderarbeitern zurückgeschickt, da die Maschinen für die Arbeit vollständig genügt hatten. Alles in allem ge- nommen hatten bloß die von der Sache Prosit gehabt, die ihn„nicht nötig hatten". Etwa eine Viertelstunde lang hatten sie solchermaßen geplaudert, mit Geflissenheit um den Gegenstand, der sie aus- schließlich beschäftigte, herumgehend. Weit von ihnen und ihren Angelegenheiten ab betrachtete Souhe sie nnt trüber Miene. Er hatte den Zweck, um deswillen er Klip begleitet, nicht aus dem Auge verloren. Aber eine Scheu hielt ihn ab, den Wirt zu fragen, da ja seine Frage und die Antwort, die er bekommen würde, sein Leid nur verschlimmern mußten, wie eine Wunde, von der man den Verband abreißt. Es war Klip, der ihm zu Hilfe kam. .Uebrigens, nebenbei," erkundigte er sich beim Wirt, „kennen Sie hier am Ort nicht vielleicht jemand, der mit einem Mädchen aus Opbrakel ein Verhältnis hat oder ge- habt hat? Die Schwarze von Bois," erklärte er sich genauer, gegenüber dem verneinenden Ausdruck, der unter seinen ersten Worten das hagere, farblose Gesicht des Wirtes zusammen gezogen hatte. Eine lebhafte Röte färbte Flohils Gesicht, machte ihn gegen sich selbst toben. Bei einem Haar hätte er seineni Vetter Vorwürfe gemacht. „Er lveiß nichts, hm! Es war vorauszusehen", dachte cr plötzlich, indem cr angstvoll und erschreckt das Gesicht des Schöffen erforschte. Labryn zuckte die Achseln, wandte den Kopf ab und schien ins Leere hinein nach einer Aufklärung zu suchen, was man eigentlich von ihni wollte. Geiviß gab es junge Leute in Schendclbeke und den benachbarten Dörfern, die den Mädchen von Brakel den Hof machten. Aber der von ihnen, der diese Schwarze poussierte: nein, wahrhastig, den kannte cr nicht. Flohil fühlte sich mächtig erleichtert. Ohne daß er sichs zu gestehen gewagt hatte, hatte er ini stillen diese Antwort der Schendelbcker Leute erhofft. Er hatte darauf geivartet, wie auf die einige Seligkeit. Und doch, was besagte es? Nichts! Hilla hatte ja ausdrücklich bekannt, daß sie im Orte des Schöffen„gute Bekannte" hatte. Also war der hier gar nicht auf dem laufenden. Souhe hätte also seinem Zeugnis nur einen bedingten Wert beilegen können. Aber die Worte, die unseren Gedanken entgegen- kommen, sind für uns der Ausdruck der Wahrheit selbst. Aryn Klip ivußte nichts von den inneren Bciveggründen Flohils, um sich nach ihnen zu richten. Er hielt es für im Interesse seines Vetters, wenn er beharrte. „Ein Zigarrcnarbeiter," erklärte er sich näher. „Wie? Ich weiß nicht." Labryn schloß danut ab, daß er niit einem überlegenen Lächeln sagte, daß solche Unterrockgeschichten ihn weiter nicht interessierten.„Kauft er die San oder kauft er sie nicht?" dachte er hinter seiner abgemandten Miene. „Mich auch weiter nicht," sagte der Wilderer drauf. Aber man müßte den Leuten doch mal gefällig sein. Man hätte ihn gebeten, sich ein wenig nach dem Burschen und seinen Verhältnissen zu erkundigen. „Mein Auftrag ist erledigt. Ich kann mir die Hände waschen," schloß er ab, indem cr zu Souhe hinübersah. Innerlich aber fuhr er fort:„Das ist mir auch lieber." Nachdem er seinen Schoppen geleert hatte, erhob er sich. Mensse und Flohil taten das gleiche. Dann rückte er, indem er sich vor den Schöffen hinstellte und ihm in die Augen blickte, ihm hinsichtlich des brennenden Punktes zu Leibe. „Aber wir sind noch nicht zu Ende. Was ist Ihr Preis?" Der andere riß seine stumpfen Augen auf. „Ah, ja!" flötete er. Langsam klopfte er an seinem Stiefelabsatz �den Pfeifen- köpf aus und bückte sich gemächlich über einen Spucknapf. „Wohl," machte cr, nachdcni cr sich tviedcr aufgerichtet, und fuhr einschmeichelnd mit seinem langen, knochigen Zeige- finger über das Innere seiner dicken Unterlippe hin und her. „Weil Sie es sind, Brüderchen: 150 Frank. Zehn Frank be- kommen Sie zurück, wenn die Sau nicht trächtig war. Ich werde es auf die Quittung setzen." „Herr! Jesus! Maria!" stieß Klip hintereinander weg hervor und reckte die Arme zum Himmel.„Sie wollen sich sicher über mich lustig machen! 150 Frank! Aber dafür krieg' ich eine Sau von wenigstens 300 Pfund. Ich will mir den Schädel einschlagen lassen, wenn Ihr Tier seine 240 Pfund wiegt. 150 Frank! O Herrgott! Und bloß 10 Frank Garantie I Im Lande Brakel gibt man vier Taler, mein Schäfchen. Jawohl, vier gute Taler von fünf Livres!" „Nicht einen Stüber weniger, Freund. Nein, wahr- haftig!" „Gut, wir wollen sehen I Nur mit Vernunft! Welchen Vorteil hätte ich denn, wenn ich sie Ihnen für den Preis ab- nähme? Ich bin ein anständiger Mann." „Donnerwetter, ich auch." „Ganz gewiß! Und deshalb müssen Sie einsehen, Lämmchen, daß Sie mir das Messer an die Gurgel setzen. 150 Frank I Dreißig schwere Stücke reinen Silbers! Bc- greifen Sie doch! Das Vieh ist nicht so dick; und außerdem: Wieviel wird sie Ferkel haben? Wissen Sie das, wie? Ich auch nicht. Ah, wenn ich eine Garantie hätte, wollte ich noch nichts sagen." Im langen Trott eines dicken Pferdes bewegte sich ein Wagen über den Platz vor dem„Brüsseler Hof". Zwei Männer saßen auf dem Sitz. Auf einer LängSbank aber saßen zwei Weiber nnt umfangreichen Paketen auf den Knien. „Na, dann sagen Sie wenigstens, was Sie bieten!" sagte der Schöffe gerade heraus, in verdrießlichem Ton. Da wurde Flohil mit einemmal auffallend bleich. (Forts, folgt) NVgememe Ortskrankenkaffe Neukölln. Kasscnlokal Weichselstr.Z�Jdcal- Passage), Aufgang 12, I. Bekanntmachung. Slus Grund der KZ 332� der 3i.S3.C. sind infolge Auoscheideus der bis- hcrigen Vcrtr'ctcr und Vrscibmänner 1t) Vertreter und 20 Ersakmirnner aus den Reihen der Versicherten zu wählen. Die Wahl findet am Sonntag, den7.Novcmficr1915, im Kasscnlokal Wcichsclstr.«(Ideal- Passage), Ausgang 12, II rechts, vor- mittags von g bis 11 Ubr statt. Die Wahlen sind geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Ver- hältniswahl, nach Maggabc der Wahl- ordnung, welche der Vorstand jedem Wahlberechtigten aus Antrag verab> solgt. Besondere Wählerkisten werden nicht ausgestellt. Zur Prüfung der Wahl- und Slimmberechtigung dienl das Mitglicdcrvcrzcichnis. Wahlberechtigte, die auS irgend einem Grunde nicht in daS Mib glicderverzcichnis ausgenommen sind werden zur Wahl nur zugelasseu wenn sie allen Mitgliedern des Wahl. ausschusses ihre Wahlbercchligung in überzeugender Weile nachweisen. Das Wahlrecht ist in Person aus- ßuüben. Ucber die Wahlberechtigung und Wählbarkeit wird aus§ 37 der Satzung verwiesen. Aus Grund des S 7 der Wahlordnung werden die Wahlberechtigten ausgesordcrt, Wahlvorschläge aufzustellen und dieselben bis spätestens 10. Oktober 1915 einzureichen. Die Wahlvorschläge find ungüliig, wenn sie nach dem Ist. Oktober 1915 eingeretchl werden, oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unter- schristen versehen, oder wenn die Bc- Werber nicht in erkennbarer Reihen- folge ausgeführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. Die zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche vor der Wahl veröffentlicht, nachdem etwaige An- stände, die sich bei der Prüfung der Wahlvorschläge ergeben, bis zum 24. Oktober 1915 beseitigt sind. Außerdem können die Wahlvorschläge nach ihrer Zulassung von den Wählern im Kassenlokal Weichfelstr. 8. Auf- gang IS(Idealpasiage) werktäglich in der Zeit von 8 bis 3 Uhr ekigelehen werben. Daselbst können auch die Mitglicdervcrzcichnisse ein- gesehen werden. Etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus diesem Verzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmberechtigung sind bei Ver- Meldung dcS Ausschlusses svätestens bis zum 10. Okiober 1915 unter Bei- sügung von Beweismitteln einzu- legen. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur bei dem zuerst eingereichten Wahlvorschlag gezählt und bei den übrigen Vorschlägen gestrichen. Sind mehrere Wahlvorschläge, die von dem- selben Wahlberechtigten unlerzeichnel sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unterschrift aus demjenigen Wahl- vorschlage, welchen der Unterzeichner binnen einer ihm geletzten Frist von höchstens zwei Tagen, bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal soviel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter fort- lausender Nummer auszusübren, welche die Reihensolge ihrer Benen- nung ausdrückt und nach Familien- und Vornamen(Rufnamen), Beruf und Wohnort zu' bezeichnen. Ebenso ist der Arbeitgeber, bei welchem die Bewerber beschäftigt sind oder, wenn sie freiwillige Mitglieder sind, die Mitgliedsnummer anzugeben. Des gleichen ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen. daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahl Vorschlags und ein Slcllvcrireter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu bezeichnen. Ist dieses unter- blieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlags, und, soweit eine Reihenfolge erkenn- bar ist, der zweite als Stellvertreier. Der Wahlvorschlagsvertreter ist bc- rechtigt und verpflichtet, dem Vor- stände die zur Bcieitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl- und Slimmberechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Es empfiehlt sich daher, die Wahlberechtigung durch die Wähler- karte nachzuweisen, welche die All- gemeine Ortskrankenkasse allen Be- iciligten aus ihren Antrag gegen Vorlvcis des MeldcabschnittS oder der Mitgliedskarte ausscrtigt, Der Wähler erhält einen der Um- fchläge, die mit dem Stempel der Kasse verschen und im Wahlraum bereit zu halten sind, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stinimzctlel unbeobuchtet in den Umschlag legt und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Nennung seines Namens dem Vorsitzenden oder dem von diesem bezeichnelen anderen Mitglied des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe des Stimmzettels vermerken und wirst dann den Umschlag in die Wahlurne. Wähler, die durch körperliche Ge- brechen gehindert sind, ihren Stimm- zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich d-.r Beihilfe einer Vertrauens- verion bedienen. Der Stimmzettel enthält die Na. men derjenigen Bewerber, welchen der Wähler seine Stimme geben will Er darf höchstens dreimal soviel Na- men enthalten, als Vertreter zu wählen sind. An Stelle der Auf- zäblung der Namen genügt der Hin- weis aus die Ordnungsnummer'des Wablvoichlages. Der Wähler kann nur einen solchen Stimmzettel abgeben, der mit einem der zugelassenen Wahlvorschläge voll- ständig übereinstimmt. Die Stimmzettel sollen von weißer Farbe und 8 mal 10 cm groß sein Stimmzettel, die von dieser Bestim- mung abweichen, sind ungültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die mit keinem der zugelasicnen Wahlvorschläge übcrcin- stimmen oder deren Umschläge ein Merkmal haben, welches die'Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht, oder die unterschrieben find, sind ungültig. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse ver- scheuen Umschlage, befinden. Un- gültig ist tcriier der<>nhalt eines Stimmzettels, soweit er zweifelhaft ist. Befinden sich in einem Umschlag, der nur iur einen Stimmzettel be- stimmt ist, mehrere Zettel, so werden sie, wenn sie vollsländtg überein- stimmen, nur einfach gezählt, andern- falls als ungültig angeschen. Zur seslgcsetzten Stunde schließt der Wahlausichuß die Wahl. Nur die am Schlüsse der Wahlhandlung im Wahlraum anwesenden Wähler dürfen dann noch oon ihrem Wahlrecht Ge- brauch machen. Nach Schlug der Wahl werden die Stimmzettel in der Urne durcheinander geschüttelt und vom Wahlausschüsse die Zahl der Wähler, die abgeslimml haben, sowie die Zahl der in der Urne befindlichen Wahlumschläge in einem versiegelten Pakete mit der Wählerliste und der Niederschrift über die Wahlhandlun g dem Vorstand zur Feststellung des Wahlergebnisses übermittelt. Neukölln, den 18. September 1315. Der Kassenvorftand. dl. lloineioli, 2. Vorsitzender. 270/9 Ziehung 29. SepL hie 2. Ohl. 1915 im Zlehiiviesule der Königlichen Generni-Louerle-Dlrektion Rote-Kreuz- Oeld-Loiferie 424000 Lose 15 997 Geldgewinne ira Gesamtbeträge von Mark 560000 Haupt ewlnna Mark 100000 50000 25000 bar ohno Abzug zahlbar OrlglnalRote-Kreuz- Geld-Lose HsA.zo Porto und Liste SO Pt Zu haoen bei den KSnlql. Lotterie- Einnehmern und in allen dnreb Plakate kenntlichen Verkaufsstellen Verband König!. Preusslsther Lotterie-Einnehmer Berlin C 2, Burgstrasaa 27 > UM----~tt—— MW»------ MWWWWWW Gardine«! Spottbillige Ausnahmepreise I Garnituren mit Ouerbehang: 3,85, 4,85, Bunt- farbige Etaminr- Garnituren: 5,5h, 6,85, Sbawlgardinen,.Fenster t 1.95, 2,65 usw. Vorziebgardinen 1,45. Wolf? Teppichhaus, Dresdener strage 8 (Koltbuicrtor), Vorwärtsleser Iv Proz. Rabatt I___ 26S* Lkeisthnns Morivplati��a! kauien Sic ivotibillig von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz ge- welene Fackelt-, Rockanzüge, Ulster, Paletots, Serie I! 19— 18, Serie II: 20—30 Mark, größtenteils aus Seide. 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