Ur. 68. Abemiements- Bedingungen: LbonnemenlZ-PrelZ pränumerando: vierteljährl. 330 MI., monatl. 1,109)11., wöchentlich 28 Pfg. frei in; Haus. Simelne Nummer 5 Pfg. EonntagZ- Nummer mit iHuslrtcrur EonnlagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 10 00 unter Dr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland S Marl pro Monat. 17. Jahrg. Erscheint täglich«uster Donlag», Devlinev Volksvl�tt. ■S/"" Die Jnsertlons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonsl» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerks chaftltche Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede» Wort 6 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis l Uhr nachmittag» in derExpedttion abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher-»mt I, Dr. 1508. Telegramm-Adresse:'<, „Sorialdemokrat verlin"' Centvalorgan der socialdemokratiMen Parier Deutschlands. LrdalitivN! 8W. IS, Vonth-Strafzc 2. Donnerstag, den ÄÄ. März 1900. Expedition: SW. 19. Veuth-Stvaste 3. Unsere Postabonnenten wollen umgehend das Abonnement erneuern, damit in der Zustellung keine Unter- brechung eintritt. Die Fabrikarbeit verheirateter Frane» in Baden. Der soeben für das Jahr 1839 erschienene Bericht der badischen Fabriiinspeltion enthält eine 16 Seiten umfassende Darstellung der Fabrikarbeit der verheirateten Frauen in Baden, die in niehrfacher Beziehung sociales Juteresse bietet. Die bezüglichen Erhebungen sind bekanntlich veranlaßt worden durch den Neichstagsbeschluß vom 22. Januar 1898, wonach der Reichskanzler eine eingehende Bericht erstattung über die Beschäftigung verheirateter Frauen in Fabriken Umfang, Gründe und Gefahren der Beschäftigung, Möglichkeit. Zweckmäßigkeit und Wege der Beschränkung zc. in den nächsten Jahresberichten der Gewerbe- Aufsichtsbcamten veraiilassen sollte. Nach einer Aufstellung des Berichts hat sich die Zahl der ver- heirateten Arbeiterinne» seit 1894 sowohl absolut als auch im Vcp hältuis zur Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen überhaupt ständig vermehrt und beträgt jetzt 15 046(31,27 Proz.) gegen 10873 (27.05 Proz.) Die meisten verheirateten Frauen, nämlich 7726, sind nach der vorliegenden neuesten Statistik, in der Nahrungs- und Gcnußmittcl Industrie, spcciell in der Zigarrcn-Jndustrie beschäftigt, sodann 3358 in der Textil-Jndustrie, 1581 in der Metall-Jndustrie, besonders in der Pforzheimer Bijouterie« Industrie. In allen übrigen Industrien weniger bis herunter zu drei im Baugewerbe. lieber die Gründe für die Fabrikarbcit ver- heirateter Frauen sagt der Bericht sehr richtig, daß sie im wesentlichen keine ander» sind als diejenigen für die Fabrikarbeit der Arbeiterinnen überhaupt.„Sie liegen in der U u z u- länglichkeit des Verdienstes des Familienhaupts für die not iv endigen Bedürfnisse der Familie. Wo diese Unzulänglichkeit keine allzu große ist, oder Ivo sie nicht durch eine zu zahlreiche Familie hervorgerufen wird, begnügt man sich damit, die unverheirateten weiblichen Mitglieder in die Fabrik zu schicken. Wo aber hierdurch das Einkommen der Familie nicht auf die erforderliche Höhe gebracht werden kann, muß zur Er- gänzung dieses Einkommens auch noch die verheiratete Frau durch regelmäßige gewerbliche Arbeit, meist Fabrikarbeit, mithelfen. Die wirtschaftliche Entwicklung hat den Frauen immer mehr die Möglichkeit entzogen, auch außer der Besorgung der eigentlichen Hausha'ltungS- arbeiten noch durch HanSfleiß verschiedener Art für das Bestehen der Familie beizutragen. Die meisten der früher selbst gefertigte» Dinge können jetzt billiger durch Kaufen beschafft werden. Das Geld zum Kaufen muß aber beschafft werden und durch die fort- schreitende Kultur sind weitere dringende Bedürfnisse entstände», die einen vermehrten Gelderwerb nötig machen. ES ist daher die Not, welche zurFabrikarbeit auch der verheirateten Frau drängt. Dies geht auch daraus hervor, daß die Arbeiter in Industrien mit Löhnen, die für die Existenz einer nicht allzu großen Familie genügen, z. B. Schlosser, Schmiede, Schreiner und andre, und daß auch in Industrien mit weniger günstige» Löhnen die gut verdienenden Arbeiter zunächst ihre Frauen und dann auch ihre Töchter niemals in die Fabrik schicken. Sie sind entweder zu stolz dazu oder sie finden, daß ihre Frauen im Hause nicht entbehrt werden können, wenn die Ansprüche er- füllt werde» sollen, welche jeder tüchtige Arbeiter an sein Haus- wesen stellt." Es wird dann noch auf andre Gründe für die Frauenarbeit hingewiesen, die aber für sich allein in der Regel nicht dazu führen würden, daß die Frau in die Fabrik ginge; so auf die manuelle Geschicklichkeit derselben, weswegen in manchen Jndustrieztveigen die Arbeiterinnen gar nicht entbehrt werden könnten und wobei wieder die verheiratete Frau von den Unternehmern der ledigen Arbeiterin vorgezogen wird, tveil ihre Arbeitskrast wegen ihrer Seßhaftigkeit mehr gesichert und.angeblich auch deswegen, weil sie füg- sanier sei". Vor allem aber sind eS die niedrigen Löhne der Arbeiterinnen, die ihre Verwendung den Unternehmern überall erwünscht erscheinen lassen, wo es möglich ist. Genügender Beweis hierfür ist, daß die Löhne in den Industriezweigen am niedrigsten sind, in denen Arbeiterinnen in größerer Zahl verwendet werden. Auch erregen alle Nachweise, daß da und dort die Löhne der Arbeite- rinnen denen der Arbeiter gleich oder nahezu gleich sind, stets bc- sondereS socialpolitifchcs Interesse. Man bedenkt aber nicht, daß dort stets das ganze Lohnniveau durch die Frauenarbeit beeinflußt ist, so daß mau nur von einer Gleichheit der Hungerlöhne reden kann. Auch der Hinweis auf die bei der Accordarbeit für Männer und Frauen meist gleichen Accordsätze bctvirkt vielfach eine Täuschung, denn den Frauen werden schon in großem Umfange viel- fach nur die Arbeiten zugewiesen, bei denen überhaupt weniger ver- dient werden kann. lieber die tägliche Arbeitszeit der verheirateten Frauen in den Fabriken wird berichtet, daß sie in Maschinen- betrieben im allgemeinen 11 Stunden beträgt. Die all- genieine Durchführung der verlängertenMittags- pause könnte nur durch gesetzlichen Zwang erreicht werden, den bekanntlich im Jahre 1890/91 bei der Beratung der Arbeiterschutzvorlage im Reichstag die Socialdcmokratcn auch ge- fordert hatten. Die im Gesetze vorgesehene fakultative Verlängerung der Mittagspause steht für viele verheiratete Arbeiterinnen nur auf dem Papier. Mit Recht wird der fortschreitenden Verkürzung der Arbeitszeit überhaupt große Bedeutung beigelegt. Es kommen hierfür besonders Fabriken mit einer sehr vollkommenen technischen Einrichtung in Be- tracht und ferner jene Industriezweige, welche gleichzeitig auch eine größere Zahl gut organisierter Arbeiter beschäftigen und in denen mit oder ohne Arbeitseinstellung auf dem Wege der Verhandlungen eine Reduktion der Arbeitszeit herbeigeführt wird. So besteht denn bereits in vielen Betrieben eine kürzere als die gesetzlich normierte clfstündige Arbeitszeit und zwar bis zu 9�/s Stunden herunter. Die Nachteile der Beschäftigung verheiratete Frauen in den Fabriken liegen, so wird im Bericht aus geführt, ganz vorzugsweise und zwar für die Arbeiterinnen aller Industriezweige, mit Ausnahme der Eigarrenindustric, auf dem Gebiet des wirtschaftlichen und des Familienlebens. Die Ver- pflichtungen einer verheirateten Arbeiterfrau mit einer nur mäßigen Anzahl von Kindern sind außerordentlich große, wenn daS Haus- wesen nur einigermaßen in Ordnung gehalten werden soll. Muß sie aber in die Fabrik gehen, so leidet der ganze Haushalt ins- besondere auch die Ernährung der Familie darunter, da die Zeit zur ordentlichen Zubereitung der Speisen fehlt.„Aber auch für die Erziehung der Kinder sollte sie doch noch etwas Zeit übrig haben. Man kann sich wenigstens über Ver- rohung der Jugend so lange nicht mit Recht be- klagen, als beide Eltern zur Arbeit gehen müssen u nd die Kinder vielfach wild aufwachsen. Die An- nähme ist auch nicht ausgeschlossen, daß dieses wilde Aufwachsen vieler Arbeiterkinder mit dazu beiträgt, daß die im jugendlichen Alter begangenen Vergehen und Verbrechen in der Zunahme be- griffen sind." Bornierte Kraut- und Schlotjunker scheuen sich nicht. die Socialdcmokratie für die Verrohung der Jugend verantwortlich zu machen, an der übrigens, wie bekannt, auch die harmlose Jugend der Wohlhabenden ihren nicht geringen Anteil hat. lieber die gesundheitlichen Nachteile der ausgedehnten Arbeitszeit in den Fabriken für alle, nicht nur für die verheirateten Arbeiterinnen, sagt der Bericht:„Eine elfstündigo täglich reine Arbeitszeit, ganz abgesehen von der zeitweisen Ueberarbeit, ist mit den Wegen von und nach der Arbeitsstätte an sich schon eine gc- nügende Anstrengung. Konnnen noch häusliche Verpflichtungen hinzu. so findet sich für sie kaum die Zeit, und eS mag hieraus zu erklären sein, warum so viele Arbeiterinnen schon von den mittleren Jahren an den Eindruck deS Abgehetztseins und der Abspannung machen. Ganz besonders ist dies der Fall bei den verheirateten Arbeiterinnen, auf denen neben der gewerblichen Arbeit eine solche Menge häuslicher Verpflichtungen ruhen, daß sie dieselben überhaupt nicht ordnungsgemäß erfüllen können. Schon das Gefühl, ihren Ver pflichtungen nicht genügen zu können und der Anblick ihres immer mehr verkommenden Haushalts ist allein, sofern diese Arbeiterinnen nicht völlig abgestumpft sind, mindestens nicht gesundheitfördernd". Neben der allgemeinen körperlichen Erschöpfung der Arbeiterinnen durch beständige Ilcberanstrcngungen kommen noch die besondren Berufskrankheiten in Betracht, die aus dem fortwährenden Stehen oder Sitzen bei der Arbeit entstehen, die dadurch bewirkte größere Kindersterblichkeit zc. An einen Ausschluß der verheirateten Frauen von ,dcr Beschäftigung in den Fabriken und gleich zu achtenden gewerblichen Anlagen kann nicht g e- dacht werden. Wo eine solche Veschäftignng wirtschaftlich nicht nötig ist, wird sie jetzt schon gemieden. Wo sie aber durch die Wirt- schaftliche Lage der Arbeiterfamilien geboten ist, könnte sie nicht ohne tiefgehende Erschütterung dieser Lage untersagt werden. Auch der Vorschlag, die Zulassung der verheirateten Frauen von besonderen Bedingungen, z. B. von der Beibringung eines ärztlichen Zeugnisses abhängig zu machen, wird von der badischen Fabrikinspcktion ab- gelehnt, da die Acrzte stets ein solches Zeugnis ausstellen werden, wenn es sich nicht um ganz ausnahmsweise GesundheitSschädignngen handelt. So kommt sie denn, ganz in Uebereiiistimnmng mit unsrcr Auffassung, zu dem Schlüsse, allgemein für alle Arbeite- rinnen die Arbeitszeit herabzusetzen und an Stelle des geltenden gesetzlichen Elfstundentags den Zeh n st un den tag einzuführen, während die Socialdemokraten allerdings den Achtstundentag forder». Nach dem Bericht haben intelligente Unter- nehmer selbst ohne weiteres erklärt, daß die Durchführung der zehn- tündigen Maximalarbeitszcit bei ihnen keinem Anstand begegne unter der übrigens selbstverständlichen Voraussetzung, daß ihre Ein- 'ührung für das ganze Reich gleichmäßig erfolge. Der Bericht chließt:„Nachdem schon an vielen Orten die zehnstündige Arbeits- zeit durch einen Sieg der Arbeiter sich eingeführt hat, halten zu- dem viele Fabrikanten des In- und Auslands sie für unvenncidlich. Nachdem so der Boden genügend vorbereitet ist, i st e i n e N e g e- lung durch denStaat imJnteresseseinesAnsehens vorzuziehen. Auch für die Sache selbst wäre dies besser, da tcts eine Anzahl rückständig gesinnter Arbeitgeber in der irrigen Ansicht, hieraus einen Extragewinn erzielen zu können, freiwillig von der längeren Arbeitszeit nicht abgehen würden." Hoffentlich verläuft diese vom Reichstag veranlaßte Erhebimg nicht wieder im Sande, wie die vor drei Jahren von demselben Reichstag veranlaßte Erhebung über die Gesundheitsschädlichkcit der übermäßigen Daner der täglichen Arbeitszeiten, sonst müßte man annehmen, daß für das Centrum und andre bürgerliche Parteien olchc Erhebungen nur Mittel seien, um auf unverfängliche Weise eden weiteren Ausbau der Arbeiterschutzgesctzgebung zu vereiteln. ZMikifche Mebevfichk» Berlin, den 21. März. Der Reichstag setzte am Mittwoch die zweite Lesung des Etats fort. Der erste Teil der Sitzung wurde durch die Beratung des Etats für Kiautschou ausgefüllt, der entgegen den Wünschen der enragierten Kolonialschwärnier in die Budget- kommission zurückverwiesen worden war. Abg. Eickhoff von der freisinnigen Volkspartei brachte noch einmal die Gesundheitsverhältnisse in Deutsch-China zur Sprache; soviel ergab sich trotz aller Schönfärbereien des Staatssekretärs T i r p i tz und des Professors Hasse, daß dieselben viel zu wünschen übrig lassen, und daß das dortige Klima zahlreiche Opfer gefordert hat. Die Kommission hatte eine Resolution eingebracht, wonach„ t h u n l i ch st" nur Freiwillige für den Dienst der Schutztruppe in Kiautschou verwendet werden sollen. Bebel beantragte, das kleine, aber bedeutungsvolle Wörtlein„thunlichst" zu streichen, daS dem Mißbrauch Thor und Thür öffnet: erklärten doch die Redner der Rechten unumwunden, daß sie die beliebige Verwendung derLand- und Seetruppen im A u s l a n d e als ein unantastbares Hoheitsrccht des„obersten Kriegsherrn" betrachten. Das Centrum ließ aber, trotzdem es sich principiell auf den von Bebel vertretenen Standpunkt stellte, nach alter, aber unlöblicher Gewohnheit die Linke im Stich: nur die Freisinnigen stimmten mit unsrer Fraktion für den Antrag Bebel. Derselbe wurde abgelehnt und die Reso- lution gegen die Stimmen der Linken angenommen. Ohne Zwischenfälle wurde der Etat des Reichs- s ch a tz a m t s. der gestern zurückgestellt worden war, erledigt. Dagegen benutzten Arendt, Hahn, v. Staudy, R a a b den Etat der R e i ch s b a n k, um durch langweilige Währungsreden die wenigen anwesenden Abgeordneten zum Saale herauszutreiben. Leider that ihnen der RcichSbank- Präsident K o ch die Ehre der Erwiderung an, während aus dem Hause ihnen nur der Nationalliberale Büsing antwortete, der sie übrigens trefflich abführte. Donnerstag stehen kleine Etats, Rechnungssachen, sowie das heute nicht zur Erledigung gelangte Gesetz über die Patentanwälte auf der Tagesordnung.— Zwischcnkrcdit bei RcnteilgiitSgründiiiigcn. DaS preußische Abgeordnetenhaus beriet am Mittwoch den Gesetzentwurf betr.'die Gewährung von Zwischen- k r e d i t bei R c n t e n g u t s g r ü n d u n g e n, eine Vorlage, die den Landtag in der vorigen Session bcschäfligt hatte. Die Vorlage bestimmt, daß soweit für die Errichtung von Reutengüteru die Ver- mittelung der Generalkommission eintritt, der zur Abstoßung der Schulden und Lasten der aufzuteilenden oder abzutrennenden Grund- stücke und zur erstmaligen Besetzung der Rentengüter mit den notwendigen Wohn- und Wirtschafts- Gebäuden erforderliche Zwischenkrcdit ans den Beständen des Reservefonds der Renten- danken gewährt werden kann. Dem Fonds darf hierfür ein Betrag bis zu zehn Millionen Mark entnommen werden. Bei der vorjährigen Beratung hatte das Abgeordnetenhaus die grundlegende Bestimmung des Entwurfs dabin abgeändert, daß, so- iveit für die Errichtung von Rcntenglltern die Vermittlung der General« komnmiission eintritt, der erforderliche Kredit aus den Bc- tändeil des Reservefonds der Rentenbanken gewährt werden kann. Dieser Fassung gegenüber machte das Herrenhaus Bedenken geltend, das Gesetz' kam infolge deS Schlusses der Session nicht mehr zur Verabschiedung. Die Regierung hat nun davon abgesehen, die allgemein gehaltene Fassung, wie sie das Abgeordnetenhaus vor- chlug, in den Entwurf aufzunehmen, da diese Fassung den Charakter dcL von ihn in Aussicht genommenen Kredits nicht zum Ausdruck bringt. Infolge dessen ist die neue Vorlage und auch ihre Be- gründung im'Wortlaut dieselbe wie die des Vorjahrs. In der Debatte erklärten sich alle Redner mit dem Entwurf seinverstanden, mir Abg. Dr. Hirsch ffr. BP.) wandte sich charf gegen den Grundgedanken der RcntengutS-Gründungen, weil dieselben'hauptsächlich den Großgrundbesitzern zum Vorteil gereichen, die auf diese Weise in die Lage kommen, ihre Guter zu hohen Preisen zu veräußern. Der Finanzminister Dr. v. Miauel ver- tcidigtc seine Vorlage gegenüber den Einwendungen von freisinniger Seite so energisch, daß er sich wiederholt den lebhaften Beifall der Agrarier erwarb. Erwähnenswert ist noch seine Ankündigung eines'Gesetzes betreffend das Fideikommißwesen für das nächste Jahr. Der Entwurf wurde keiner Kommission überwiesen, die zweite Beratung findet am Donnerstag sofort im Plenum statt.— Die Sittlichkeit auf dem Lande. In den Reichstagsdcbatten über die lex Heinze sprach Genosse Bebel über die sittlichen Zustände auf dem flachen Lande und erregte dadurch den starken Widerspruch der konservativen Tugendheuchler, die einfach die Zuverlässigkeit des angeführten Materials bestritten und insbesondere das von den evangelischen Pastoren verfaßte Ouellcnwcrk als tendenziös zu diskreditieren suchten. Jetzt veröffentlicht nun der Kreisphhsikus Dr. Haast in Soldin in der„Zeitschrift für Medizinalbeamte"(Nummer 6 vom 13. März 1900) Schilderungen über die Schnitter- Wohnungen im Kreis Soldin, die ein geradezu grauenhaftes Bild entwerfen. Die Schnitter, die in diesem Kreist frohnden müssen, ge- hören zu den Ausländern, die nach der neuerlichen Ver- ordnung nur noch auf sechs Wochen über die deutsche Grenze in ihre Heimat zurückgejagt werden müssen, damit sie ihre nationale Zusammengehörigkeit nicht vergessen. Diese Schnitter, Polen. Russen und Galizier, werden in großen Scharen alljährlich angeworben; einzelne Guter mieten über 100 Menschen an, die dann in Schnitterhäusern unter- gebracht werden. Die Zustände, die in diesen Massen- quartieren herrschen, haben seit Jahren sanitäre Be- sorgnisse erregt. Sie bilden einen Verbreihingsherd ansteckender Krankheiten, namentlich der Granulöse, einer Augenkrankheit. Schon 1891 wurde von der Regierung zu Frankfurt a. O. eine Polizeiverordnung über die Wohnungen der Wanderarbeiter erlassen, die aber nicht zur Ausführung gelangte. 1899 wurde ein neuer Entwurf ver- öffentlicht, der Vorschriften für den Neubau von Schnitter- Häusern enthielt. Mit Rücksicht auf diesen Entwurf unterzog Dr. Haase im amtlichen Auftrag 31 Schnitterhäuser in ver- schiedenen Jahreszeiten einer teilweise wiederholten Be- sichtigung. deren Ergebnisse der genannte Kreisxhysikus mitteilt. Der Polizei-Entwurf verlangt Trennung der Geschlechter. Sie war in 17 Schnitterhäusern(50 Proz.) nicht durchgeführt und fand sich trotz erfolgter Anordnung bei einer neuerlichen Besichtigung noch in fünf Fällen nicht durchgeführt. Einzelne Arbeitgeber beriefen sich darauf, daß die jüngeren Personen beiderlei Geschlechts dies Zusammenleben wünschten und bei Versagung dieser Ansprüche nach einem solchen Arbeitsplatz nicht zurückkehrten. Dazu bemerkt Haase: „Die Stichhaltigkeit dieser Gründe ist jedoch eine sehr z'.veifel- hafte und Ivird durch die Regelung des Schnitterbetriebs auf den- jenigen Gütern widerlegt, welche von jeher auf strenge Sonderung der Geschlechter gehalten und keine Abnahme der zuziehenden Arbeiter trotz derselben erfahren haben.... Es ist deshalb auch nicht zu verwundern, daß man im Herbst unter den Schnitterinnen mehr oder weniger schwangere Mädchen antrifft und die Schnittcrhänscr gleichsam zu liind- lichcn Bordellen ausarten. Besonders bedenklich war dies in mehreren Fällen, in welchen auf demselben Strohlager der- heiratete, ohne ihre Frauen zugezogene Männer und ledige Burschen direkt neben und zwischen den Mädchen bis unter 12 Jahren schliefe». Wiederholt hörte ich den Einwand, daß die Leute zu Hause an derartige Verhältnisse gewöhnt seien. Der- selbe ist aber nicht zutreffend, da es sich da vorkommendcnfalls nur um Zugehörige einer Fmnilie handelt; außerdem aber ist dieses familiäre Znsammenschlafcn ein freiwilliges, ßdurch den sittlichen Standpunkt und die Vermögenslage des Fannlienhauscs bedingtes, während bei den Schnittern fremde Menschen ver- schiedenen Geschlechts und Alters widcr ihren Wille», wie mir mehrfach zugestanden wurde, z» gemeinsamem Zusaniineiischlafcn gezwungen werden". In 7 weiteren Schnitterhänsenr(20,59 Proz) diente ferner der Schlastaum der Frauen den Männern als Durchgana oder umgekehrt. Bei 14 von den 34 besichtigten Schnittcrhänsern(— 38,24 Proz.) waren die Schlafränme der beiden Geschlechter ni-bt durch feste Wände getrennt und zunr Teil mit Vcrbindungsthiiren versehen. Jene bestanden meist aus rohen Brettern, welche so breite Fugen zwischen sich hatten, daß man bequem hindurchsehen, teilweise sogar Hände und Arme durchstecken konnte. 22 Häuser (— 64,71 Proz.) hatten für beide Geschlechter einen gemeinsamen Zugang. Welche gesundheitlichen Zustände in den Schnitterhäusern herrschen, kann man aus den Messungen der Bodenflüche und des Luftraums der Schlafräume ersehen, die teilweise zugleich als Eßräume dienen. Statt der von der Polizei geforderten zwei Quadratmeter Bodcnfläche und 7.5 Kubikmeter Luft- räum für die Person, war in der Hälfte der Messungen die Bodenfläche nicht erreicht, und in 83,3 Proz. blieb' der Luft- räum zum Teil sehr erheblich hinter dem Minimum zurück. Dabei ist diese Polizeiverordnuug an sich sehr bescheiden; anderswo werden 3 und 4 Kubikmeter Luftraum verlangt. Eine besondere Lagerstätte für einzelne Schnitter ivar nur ganz selten vorhanden. Meist schliefen 2. 3. 1. 6 und 8 Per- sonen zusammen in Bettstellen oder sogenannten Nutzen: „Wenn Menschen den Tag über körperlich angestrengt thätig gewesen sind und teilweise in bestimmten Stellungen, wie z. B. beim Rübenhacken, Rübenziehen, Kartoffclbnddeln/ Mähen usw.. haben arbeiten müssen, so sind gewisse MuSkelkomplexe, Band- apparate und Gelenke übermäßig einseitig in Anspruch genommen worden, um die erforderlichen(Bciigc-, Streck-) Stellungen oder sich immer wiederholende»(Beuge-, Streck-, Dreh-) Bewegungen dauernd einzuhalten. Nach solchen Arbeiten ist naturgemäß' das Bedürfnis abends vorhanden, den Körper in ungezwungener Haltung lagern und die Lage nach Belieben ändern zu können. Das ist nur möglich bei genügender Größe der Lagerstätte und wenn ein Schläfer den andren durch unbequeme Körperhaltung nicht stört. Schlafplätze unter 1,90 Meter Länge und 0,80 Meter Breite gc- währleisten die Erholung des Körper? von der Tagesarbeit nicht. Wie aus den MessungSergebnisscn hervorgeht, entsprechen nur die wenigsten Schlafstellen diesen Mindestmaßen." Was die Einrichtung der Schlafstütten anlangt, so lagen zumeist die Strohsäcke oder das lose Stroh direkt auf dem Fußboden, der fast durchweg aus Lchmestrich oder Ziegel- steinen bestand. In einem Hause bestand die Lagerstatt aus einem Holzgestell, dessen Boden quergelegte Holz- knüppel bildeten, auf denen loses Stroh lag.„Nach dem Zerliegen des letzteren kann das Schlafen hierauf wie auf Lattenpritschen keine Erholung und Kräftigung bringen", be- merkt der Arzt. Zumeist lag das Stroh lose in der Bettstelle und auf dem Boden, wurde oft monate- lang nicht erneuert und war daher unsauber. Decken kamen nur vereinzelt vor. Die Schnitter mußten sich mit ihren Kleidern zudecken und diese auch als Kopfkissen benutzen. „M it Eintritt der kühleren Jahreszeit krochen Männer und Frauen, Burschen und Mädchen, auf den Lagern zusammen, um sich g e g e n seitig zu.crw ärmen." „Auf diesen gemeinsamen Strohlagern... lagen die Arbeiter verschiedenen Geschlechts und Alters, selbst unerwachsene Kinder, regellos durcheinander. Gelegentlich der Feststellung von Unter- leibstyphus fand ich auch zweimal die Kranken zwischen die übrigen gelagert. Eine Verbreitung der Krankheit mußte die unausbleibliche Folge hiervon sein". Licht empfingen diese„Häuser" durch kleine Oeffnungen im Dach oder Mauerlöcher, die in der kalten Zeit mit Stroh verstopft waren. Wo Fenster vorhanden, waren sie entweder nicht zu öffnen oder nicht zu schließen, oder die Scheiben zerschlagen, oder so klein, daß die Schlafräume im Hintergrund dunkel blieben. Vereinzelt kamen auch völlig dunkle Schlafräume vor. Wandungen und Decken waren undicht. Meist dienten Boden- räume als Schlafstätten, zu denen lose Leitern ohne Geländer führten. „Die AiifsticgSluken im Fußboden der Bodenschlafräume waren in der Mehrzahl offen und ohne Geländer, so daß es auffallend erscheinen muß, daß nicht öfter ein Absturz erfolgt. Ein solcher ist allerdings im vorigen Jahre bei einem Schnitter vorge» kommen... Vielfach lagen die Leute direkt unter dem Dach, welches entweder sehr hoch sicherhob... oder ganz niedrig war. so daß sie nicht aufrecht stehen konnten. Die Ziegeldächer waren teilweise gegen den Regen durchlässig: vereii�elt waren Pappdächer vorhanden. Tie Giebelwände der Bodenräume waren teils schadhaft und durch- löchert, teils mit bis auf den Boden reichenden Luken, teils mit defekten kleinen Fenstern oder kreuzförmigen Luftöffnungcn ver- sehen." Natürlich ist es unmöglich, derartige Räume reinlich zu halten. Auch ein Anstrich mit Oel- oder Kalkfarbe ist un- möglich, weil keine geeigneten Wände vorhanden sind. Elf- mal diente der Schlafraum zugleich als Eßraum, drei- mal auch als Kochraum. Die Eßküche diente einmal als Waschküche. In den Eßräumen gab es keine Tische, die Leute mußten ihre Eßgeräte aus dem Schoß halten. Aborte waren viermal überhaupt nicht vorhanden, siebenmal nur einer für beide Geschlechter, elfmal sehr unsauber und von April bis September nicht geräumt worden. „Eiimial stand in einem leeren Stall ein allseitig freier Schlittenkasten, fast bis oben gefüllt; von der Dcck-'ragte eine Scheidewand in der Löngsmitte bis dicht über denselben herab; zu beiden Seiten derselben wurde der Rand des Kastens als Sitzgelegenheii benutzt, bei dem gefüllten Zustande war dies schließlich nicht mehr möglich. 16 mal<— 47,06 Proz.) fand sich die Umgebung der Schnitterhäuser sehr unsauber durch abgelagerte Küchenabfälle. Schmutz und Abwässer aus dem Hanse. Küchen- Wässer, Koimasien und Ansammlungen von Niederschlagswässern. Den ärztlichen Anforderungen entsprechende Kranken- räume fehlten durchweg. Entweder waren augenblicklich zu andren Zwecken benützte Räume dazu in Aussicht genommen, oder in den Dörfern einzelne Stuben hierfür ausersehen. Die Trennung der granulosekrankeu Schnitter von den gesunden machte daher Cchivicrigkeiten und war nicht überall dnrckizuführcn." Der Verfasser faßt die Ergebnisse seiner Ermittelungen dahin zusammen, daß kein einziges Schnitterhaus den hygie- nischcn Ansprüchen entsprach. Sie sind Seuchenherde für Granulöse, Pocken. Diphtherie, Typhus und dergleichen. Die in den Häusern Wohnenden orloidcn in der kälteren JahrcS- zeit Katarrhe, im Sommer sind sie den Folgen der überhitzten Luft ausgesetzt. Und wie verhielten sich die A r b e i t g c b e r gegenüber diesen Feststellungen? Auch darüber berichtet Haase: „Die Stimmung und Auffassung der beteiligten Kreise kenn- zeichnete sich in vielen Fällen dadurch, daß trotz der amtlichen Anmeldung zu der Besichtigung weder der Arbeitgeber noch ein Vertreter desselben erschien. Besonders geschah dies dort, wo selbst dem Laien die Mangelhaftigkeit der Unterbringung der Sommcrarbeiter zum Bewußtsein kommen mußte. Nahmen die Arbeitgeber an der Besichtigung teil, was mir stets sehr erwünscht war, so kam es teil- weise zn sehr erregten Anseinandcrsctzungc». Bei denselben zeigte sich leider recht oft das schlcnde Verständnis für die Gefahren, welche-einerseits der All- gcmcinhcit durch diese jährlichen Menschenwandeningen sich aufdrängen, andrerseits biete Wanderer selbst körperlich und moralisch durch die Art ihrer Unterbringung bedrohen, ebenso die mangelnde Anerkennimg der Pflicht der Aufsichtsbehörden, diesen möglichen Gefahren rechtzeitig zn begegnen." So sieht es auf dem Laude aus, dessen Vertreter uns dann im deutscheu Reichstag als Vorkämpfer der Sittlichkeit über die sittlichen Gefahren der— Kunst belehren. Man brauchte kaum den äoiug eventualis zu Hilfe zu nehmen, um die Herrschaften, die ihre Arbeiter ans die geschilderte Weise in den Schnitter- Häusern ein- quartieren, wegen Kuppelei anzuklagen. Dieselben Leute, die zärtlich besorgt sind um die Gesundheit amerikanischen Fleisches, machen sich der Verbreitung von Meuschenseuchen schuldig. Wenn die lex Hcinze wciierbcraton werden sollte, so ivird cS unumgänglich nötig sein, im Interesse der Sittlich- kcit, Strasbestimmungen gegen Arbeitgeber einzufügen, die ihre Arbeiter in derartigen Behausungen wohnen lassen. Deutsches Fleich. Von der Flottenvorlage. Von Flottcnbcgcislernng ist in der Behandlung, welch: dcr Rcichstag der Manncvorlage widmet, nichts zu verspüren. Die Budgctkoininission, bei der die Vorlage seit langem liegt, wird, wie verläutet, vor den O st e r f c r i e n überhaupt nicht mehr in die Beratung eintreten, nicht einmal in die bisher beabsichtigte Generaldebatte über die Grundfragen, die das Gesetz auswirft. Als Grund hierfür wird die Erkrankung deS Abgeordnclen Müller- Fulda angegeben, neben Herrn Lieber erste CcnirnmS- nntorität iii Marinc-Augclegcnheiten. Cr? wird also erst nach Ostern in der Kommission die Verhandlung über diese Vorlage beginnen. An eine schnelle Erledigimg derselben in der Kommission ist aber nicht zu denken, da insbesondere die DcckmigSfragc erheb- liche Schwierigkeiten machen wird. Ucber diese D c ck u n g s f r a g e haben allerlei imverbindliche Besprechungen unter den Koinmissious- Mitgliedern der floltcnfrcnndliä'cn Parteien stattgefunden. In konservative» und CentrninSIreiseil spricht man von Erhöhung gewisser LiiruZsteneni und vermehrter Belastung deS Börsenhandels. Klarheit über diese Frage ist jedoch noch keineswegs geschaffen. Uns ist dieser Schncckcngnng in der Flottenfrage natürlich nicht un- angenehm. Wir haben es damit gar nicht eilig.— Die„gräßliche Flotte". Abg. Dr. Hahn hat nnnmehr thatsächlich zugestanden, daß er gegenüber dem CentrumS- abgeordneten S z in u l a die Acußcrnng gethan: „Wenn wir doch erst die gräßliche Floltcnvorlage weg hätten; sorgen Sie dafür, daß Sie möglichst viele von ihren Freunden dagegen bekommen." Wie die„Nordh. Landcs-Ztg." im Auftrag Hahns versichert, ist der Zwischenfall Szmnla-Hahn durch folgende Erklärung dcS Abg. Szmula beigelegt worden: „Abg. Szmula spricht sein Bedauern darüber aus, daß die Bemerkung dcS Abg. Hahn, welche er mir streng vertraulich seinen Freunden mitgeteilt hatte, auf ihm unbekannte Weise in die „Germania" gekommen ist. Er erklärt cS für richtig, daß, wie Abgeordneter Hahn im Reichstage sagte, diese A e u ß e r u n g gethan worden, während eines längeren Gespräches, welches sich über die gesamte politische Lage ver- breitete und daß also diese Acußcrnng nur eine gelegentliche war und beurteilt werden muß nach dein Gesamtinthatt dieses Gesprächs. Er erklärt ferner für richtig, daß Abg. Hahn bei diesem Gespräch sich nicht eingeführt hat als in irgend welcher Vertretung des Bunds der Landwirte handelnd, sondern lediglich für seine Person dieses Gsspräch geführt hat." Es bleibt also dieThatsache bestehen, daß der Führer des Bunds der Landwirte wirklich hinten herun, Mitglieder einer andern Partei zn einer Stellungnahme gegen die Flottenvorlage zn bestimmen gesucht hat.— RcichötagSdispositionc». Der Präsident des Reichstags hat sich am Mittwoch mit dem Seniorenkonvent über Beginn und Ende der Osterfericn verständigt. Nach Abschluß der zweiten Beratung des Reichs-HaushaltsgesctzcS soll die zweite Beratung des Patent- anwalts- und Elektricitatsgesetzes. soivie die dritte Beratung des Wahlgesetzes für den elsaß-Iothringischcn Landesausschuß. ferner die Beratung einer Anzahl Petitionsberichte stattfinden. Hieran schließen sich die dritten Beratungen dieser Gesetze, soivie die erste Berattmg der Seemannsordnung und die dritte Beratung des Etats an. Weiteres Beratungsmalerial soll vor Ostern nicht erledigt werden. � Der Scniorenkonvcnt glaubt bis zum 23. oder 29. d. M. diese Gesetzentwürfe erledigen zu können und hat die Osterferien von diesem Zeitpunkt an bis zum 24. April festgesetzt. Geheime Rcichölags-Titzungen. Die Rechtsunwirffamkeit von Beschlüssen, die in nichtöffentlicher Reichstags-Sitzung gefaßt wurden, wird jetzt von allen Seiten anerkannt. Die„Voff.'Ztg." meint aber in Bezug auf die nichtöffentliche Sitzung vom letzten Sonnabend:„Da in der geheimen Sitzung nichts beschlossen wurde, ist die Sache ohne Schaden vorübergegangen". Die „Voss. Ztg." irrt. In der geheimen Sitzung am Sonnabend ist b e- schlössen worden, den soeialdemokratischen Antrag zu§ 327a des Slr.-G.-B. abzulehnen. Mithin wird der Bundesrat sich allerdings vor die Frage gestellt sehen, ob nicht das ganze Gesetz schon darum abgelehnt werden müffe. weil seine Durchberatung im Reichstag in drrfzssuuZswidrizer Weise geschehen ist.— Zur lex Hcinze. In einem„Wohin sl c u e r n wir?" überschriebenen Artikel des„Lokal-Auzeigers" vom 1. Januar 1899 nahm der„Theater- gewallige" der königlichen Schauspiele, Herr Gcheimrat Pierson. Veranlassung, das sür die königlichen Bühnen maß- gebende künstlerische Programm zu entwickeln. Eine Stelle dieses Artikels lautet wörtlich wie folgt: „Das Schausvielhans muß die Stätte der großen Klassiker sein und der Pfleg? vaterländischer Empfindung im Rahmen der Kunst dienen." Das war der eine Trieb I Und der a n d r c? Ihn zeigt unS in schöner Anschaulichkeit eine zlvcite Stelle jenes Artikels: „Daß auch für das königliche Theater materielle Verhält- nisse mitbestimmend sind das leugne ich nicht. Auch wir haben, wenn auch ein königlich subventioniertes Institut, die Pfiicht, gute Wirtschaft zn halte»; daher können wir nicht immer nur idealen Be- strebimgen dienen, wenn das Ptibliknm nicht mitgeht; auch wir müssen das moderne heitere Genre pflegen und Stücke ausnützen, die starken Erfolg haben." Gut also! So gab man denn auf einer der königlichen Bühnen(im Neneii Öpernhnns), um das bei klassischen Stücke» nicht immer mehr„mitgehende", nltrasittcnrcine, konservative Publikum zufriedenzustellen, ein paar hundertmal die„Fledermaus" von Johann Strauß. Wie aber h-ißßs doch gleich in dieser Operette(Dritter Akt, Lied Nr. 14)? „Da kommt ein junger Graf inS Hans, ach! Der geht auf meine Tugend aus, achl Zwei Akt' hindurch gab ich nicht nach, Doch, ach, im dritten ward' ich schwach! Uslv." WaS sagt Herr S t a a t s s e k r c t ä r N i e b e r d i n g und der homunculus noracalis, die konservative höhere Tochter hierzu? Wird der Herr Polizeipräsident unter der dereinstigen Herrschast der lex Heinze nicht auch von der„Fledermaus" sagen müssen:„Die j a n z e Richtung paßt mir nicht?" Tiiiiiiuhcit oder Vctlogcuhcit? Das Reichsgericht hat nn- längst durch die Verwcrsimg der Revision des Rcdactenrs der „Rheinischen Zeitung" festgestellt, daß die Bezeichnung der Zuchthaus- vorläge als eines„verbrecherischen Machwerks" für den Reichs- kanzler beleidigend sei, obwohl nur von der„Reichsrcgierung" in dem Artikel die Rede war. � Dazu bemerkt die parteiamtliche„Konservative Korrespondenz": „Dieses Urteil hätten die Veranstalter der„großen Protest- Versammlung", die ans Veranlassung der„Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft" am Sonntag in der Borie der ReichShmiptstadt tagte, als Memcnto(Warnung) beherzigen sollen. Uns will es nämlich scheinen, als haben verschiedene Ncducr bei dieser Tciiionsiraliousknndgcbnng sich ebenfalls starker Beleidigungen schuldig gemacht." Es ivird' dann weiter erivahnt. daß in jener Versammlung„das Gesetz" als eine Dummheit und Frivolität, als widersinnig, als ein Attentat ans Handel und Industrie bezeichnet worden sei, und daran die folgende Mahnung gehängt: „Das Geschimpfe ans das Fleischbeschan- Gesetz ist jedenfalls schärfer zn verurteilen, als der bestrafte Ausdruck in der„Rbeinischen Zeitung", da die Berliner Versammlung sich noch dazu gewissermaßen als autoritative Vertretung von„Handel und Industrie" aufspielte." Liegt in diesen, Vergleich eine blöde UnzurechnungSfahigleit oder eine aVsichtliche Verdrehung der Thatsachcn? Oder beansprucht die konservativ-klcrikale ReichStags-Mehreit bereits gar, daß eine Kritik ihrer Machenschaften als Beleidigung bestraft werde? Tie ganze Polemik richtet sich doch gar nicht gegen eine Regie- ningSvorlage— für die bekanntlich nur die Sacialdeinokratie ein- getreten ist—, sondern gegen einen durch die Mehrheit des Reichs- tags geschaffenen Entivnrf, der die ursprünglichen vtegicrungsabsichten in' ihr Gegenteil verkehrt hat. Die konservative Partei hält sich also ganz naiv für die„RcichSregierung" und verlangt gerichtlichen Schutz gegen die Kritik ihrer Anmaßungen, die formelle Regierung aber soll sich— so heischet, die Junker— beleidigt fühlen, wenn man ihre Entwürfe gegen die agrarische Opposition— verteidigt.— Kaiser und KatholiziSnmS. Die Akademie- Rede Wilhelms 11. hat in Rom großen Beifall gefunden. Der vatikanische„Osservatore Romano" schreibt: Die Rede sei vom echt christlichen Geist der Demut gegen die Größe Gottes durchtränkt und ein Mahuwort an jene Gelehrten, ivelche in lästerlicher Ncbcrhebnng die Wissenschaft höher stellen alö de» Glauben und die Offenbarung. Der Kaiser bekunde tiefstes Verstäudui» für die Beziehungen der natür- lickei, zur übernatürlichen Welt, indem er als Aufgabe der Akademie hinstellte, die Menschheit zu tieferer Erkenntms der gött- liche» Wahrheit zn führen. Man lerne von Kaiser Wilhelm, daß der beste Weg zur Gottähnlichkcit im Gehorsam gegen die gött- liche Ordnung auf Erden bestehe. Man muß dem Organ des Papstes einräumen, daß es zu- treffender als irgend ein deutsches Blatt den Sinn der Kaiserrede erfaßt hat. Der' Katholizismus hat wahrlich keinen Anlaß mehr. diesen Protestantismus zn bekämpfen. Im Sinne des Kaisers giebt es keine Unterschiede mehr zwischen den beiden Bekenntnissen. Ein Kulturkampf fände heute schwerlich die Unterstützung der Krone.— Herr v. Köllcr und der geheime Dispositionsfonds. Man schreibt uns: Im Etat des Finauzmintsterinins für das Etatsjahr 1900„ist ein Dispositionsfonds der Oberpräsidenten" zur Förderung und Befestigung des Dentschtnms in den Grenzprovitizeu aufgeführt. Der Fonds belauft sich auf 600 000 M. und wird geheim verwaltet. Wem, man erfährt, wie Herr v. Köllcr den Bruchteil verwendet, der auf ihn fällt, begreift man, daß die Regiernng keine Rechenschaft ablegen mag, obwohl diese Forderung nicht»nr von den Freisinnigen, sondern selbst von den Nationalliberalen gestellt worden ist. Herr von Köller benutzt nämlich daS Geld, um die Presse zu korrumpieren und abhängige und anögehaltcne Jonrnalisten zn schaffen. Ein Herr S t r a ck e r j a h n, der in H a d e r S l e b e n die „Schleswigs ch e G r e n z p o st" heransgiebt, erhält beispiels- weise 3000 Mark jährlich. Ivofür er freilich in geineinen chauvinistischen Verleumdungen ein Erkleckliches leistet. Herr Strackerjahn war übrigens vorübergehend Rcdactcur einer deutsch- nationalen Zeitimg in Berlin, die ihn mdeffen bald gehen ließ, offenbar weil sie seine Begabung nicht ganz so hoch einschätzte ivie Herr v. Köller. Herr Strackerjahn hat auch früher schon Talent verraten, ehe er noch der Peniionär des Oberpräsidenten tn Schleswig wurde. Als er einst wegen Beleidigung eines dänischen Journalisten(dazu gehört in Nordschlcswig schon etwas!) gerichtlich verurteilt wurde, winselte er um Gnade und wurde auch thatsäihlich begnadigt. Neben Herrn Strackerjahu erfreut sich der„Neue Apen rader Anzeiger" der besonderen Gunst des Herrn v. Koller. Das kleine Hetzorgan, das auch von den besseren Deutschen nicht geachtet wird, wird mit einem Abonnement auf SOO Exemplare unterstützt, die gratis den dänischen Bauern ins Hans gesandt werden. Herr Strackcrjahn hat übrigens noch kürzlich behauptet, daß er der nordschleswigsche Korrespondent der„ T ä g- l i ch e n R u n d s ch a u" sei. Auf diesen Titel dürfte er, vorausgesetzt, daß er ihn überhaupt besitzt, bald Verzicht leisten müsten. Die„Tägliche Rundschau" kann keine Berichte über die Köllerpolitik bringen, die von einem Individuum stammen-, dessen Objektivität durch 8000 Mark jährlich garantiert ist.— Wahl-Prämic. In dem vom Mnnstcrium der öffentlichen Arbeiten herausgegebenen„Eifenbahn-Nachrichten-Blntt" fand sich vor kurzem ein Erlast des Ministers, der Grundzüge für die Regelung der dienstlichen Verhältnisse der Hilfsbcdicnstcten und Arbeiter auf- stellt. Abschnitt 1 dieser Grnndzüge bcfastt sich mit den Lohn- Verhältnissen und es werden eine Reihe Fälle aufgezählt, in denen ein Lohnabzug bei ArbcitSversämnnis nicht eintreten soll. Hier heistt es n. a.: „Bei Ausübung des Wahlrechts zu den LandtagSwahlon v a l lp r o z c st ist es bekanntlich auch heraus- gekommen, dast die Staatsanwaltschaft oder die Polizei Schutzleute, die Belastungszeugen waren, Entlastungszeugen ins Haus schickte, um sie zu frage», waS sie iviisttcn. Diese Dinge sollten im Landtag zur Sprache gebracht werden.— Der deutsche HandclStag wird am 6. und 7. April eine Plenarsitzung in Berlin abhalten. Aus der Tagesordnung nernicu wir: Bestencrimg der Grostbctriebe im Kleinhandel. Berichterstatter: Herr Dr. Wcigcrt-Berlin. Bestencrimg der Grostbetrieve in der Müllerei. Berichterstatter: Herr F. W. Meyer-Hamel», im Bezirk der Handelskammer zu Hannover. Vermehrung der Kriegsflotte. Berichterstatter: Herr Pfistcr-Münchcn. Gesetz, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. Berichterstatter: Herr Poiitoppidau-Hamburg. Eliirichtiiugen zur Förderung des auSwärtigcii Handels lAnsknnfts- stelle; Handelskammern im Anslandj. Bcrlchcrstnltcr: Der General- sckretär. Unfallversicherung. Berichterstatter: Dittmar-Mninz. Gc- Ivcrbegericht. Berichterstatter: Herr Steinhoff-Barmcn.— Socialistenbekäiupfung in Oldenburg. P r e ß s n n d h a f t i g k e i t bedeutet im Grosthcrzogtnm Olvenburg den Beweis der Unfähigkeit zur Ucbernahme staat- lichcr Fniiltioncn. Diese These hat der Kampf gegen das Ein- dringen der Socialdemvkratie in die staatlichen Äciuter in den Köpfen der Negierenden an der Hunte gezeitigt, und dast die bürg er- licheu Volksvertreter dieses Landes, das sich auf seinen freien trotzigen Friesengeist immer noch etlvas zu gute thut, derselben Meinung ist, bewies die letzte Sitzung der diesjährigen Wintcrtagmig des oldcnburgischen Landtags. Unser Genosse, Landtags-Abgcordnctcr Paul H u g, Redactenr unsres Banter Partei- Organs, ist acht Jahre lang Bei- geordneter des Banter Gemeindcrats gewesen und hat als solcher dem Gemeindevorsteher von Bant graste Dienste ae- leistet. Das ist allgemein anerkannt und das Vertrauen des Ge< mcinderals übertrug auch nach seiner letzten Wahl dem Geiiossen Hug den wichtigen Posten. Da legte sich aber plötzlich die oldeu- bnrgische Staatsregierung ins Mittel. Sie verweigerte die Bestätigung H n a s, und zwar zum zweiten in n l. Gegen diele Verfügung haben die Biirgcrvcreine Baut, Neu- bremeu und Sedau eine Petition gerichtet. Sic forderten, der Gemeinde-Ordmmg solle eine Fassung gegeben werden, die ein Verfahren, wie es gegen Hug beliebt worden, unmöglich mache! Am Donnerstag kam die Petition im Landtag zur Sprache. H u g be- leuchtete die Begründung der Regicrmigsmastrcgcl in glück- lichsler Weise als einen Vcrstost gegen die Verfassung, die eine uu- gleiche Behandlung von Staatsbürgern nicht kenne, und als Beweis des Anfgebciis eines leitenden Grundsatzes. Der S t a a t s in i n i st e r I a» s o u machte sich die Sache leicht. Er erklärte rundweg, die Regicriilig werde diese Bestätigung in alle Zukunft versagen. Hug sei socialdemokratischer Agitator, und das entscheide. Auf de» Einwurf Hngs, dast er das auch früher gcivcscn sei, als man ihn acht Jahre laug da§ Amt verivallcu lieh, ging der Herr StaatSministcr nicht weiter ein. Er sah sich ja der Unterstützung des Landtags sicher, und richtig bcsckilost dieser nach dem Antrag des Vcrlvaltnngs- ausschusses, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Bei dem grosteu Ausehen, das unser Genosse Hug im Olden- burger Lande in fehcm Bauernhause genießt, tvird diese Beschränkung der kommunalen Selbständigkeit Früchte tragest, die ivedcr der Rc- giertmg noch den Liberalen angenehm sind. Hoffentlich ist die Wirkung so kräftig, daß Hug bei der nächsten Landtagsivahl nicht mehr der einzige Socialdemokrat ist, der in den Landtag einzieht. Neue Tnnipfcrvcrbindnng mit Täucmark. Der Präsident des dänischen Folkethings erklärte, er glaube, dast die Vorlage be- treffend die Fähre G j e d s e r- Warnemünde von der be- treffenden Foltethingskommission dem Folkething zur Airnahme empfohlen werden würde.— Ausland. Die Begnadigung des„Boinbcnwerfers" Batacchi. Man schreibt uns ans Rom: Der Anarchist und angebliche Bombcnivcrfer Eesare Batacchi ist am 14. d. Mts. ans dem Zucht- Hause zu Voltcrra entlassen worden. Der König hat ihn begnadigt, nachdem Batacchi ein Gesuch um Revision seines Prozesses zurück- gezogen hatte; also auch hier wieder„gnädiges Mitleid" statt Recht und Gerechtigkeit. Es herrscht heut in ganz Italien kein Zweifel mehr darüber, dast Batacchi seiner Zeit unschuldig verurteilt worden ist. Man beschuldigte ihn damals, gelegentlich einer Monarchist!- scheu Stratzelikmidgebimg, die nach einem Attentat auf den König Humbcrt in der guten und getreuen Stadt Florenz veranstaltet Ivurde, mit' mehreren GesimiungSgcnossen eine Bombe geworfen und dadurch großes Unheil' hervorgerufen zu haben; infolge der Explosion fanden nämlich viele Menschen den Tod. Batacchi, der erst einige Minntcn vor dem Vombcnattcntat aus dem Gefängnis entlassen lvorden ivar, ivurde sofort wieder in Haft genommen', obwohl er seine Unschuld beteuerte, und obwohl gegen ihn auch nicht der Schatten eines Beweises vorgebracht werden konnte. Viele Jahre lang schmachtete der zu lebenslänglicher Zucht- hansstrafe Verurteilte hinter Kerkcrniaucrn, bis vor mehrere» Jahren, als in Frankreich die Revision des Drcyfils-ProzcsseS beschlossen ivurde, die radikale irnd die unabhängige Presse auch die Revision der„Affäre Batacchi" forderte. In RegierniigSkreisen wollte man da- von nichts höre», aber die focialistische mid die radikale Partei nahmen sich der Sache an und machten die Batacchi-Angclcgcnheit zu einer poli« tischen Frage. Batacchi ivurde bei alle» parlamentarischen Nachwahlen, die in dcn letzten Monaten in Italien stattfanden, von den vereinigten Radikalen irnd Socialisien als Protestkandidat aufgestellt, und es ist sicher noch in aller Erinnerung, ivie er in Turin' in die Stichivahl kam und beinahe gewählt worden iväre, und wie er in Pictrasanta thatsächlich gewählr worden ist. Die Kannncr erklärte die Wahl zwar für null und nichtig, aber die Regierung traute dem Frieden nicht und hielt es für sicherer, der mächtig aiischivcllcndcn Bcivcgnng eincii Damm zu setzen, indem sie die Begnadigung Batncchis vorschlug.____ Oestreich-Ungarn. Bcamtenschwiudelcien. Budapest, 21. März. Der Ober- Inspektor der Kaschan-Oderbcrger Bahn Richard Szoenhi und der Inspektor Ludivig Berkes sind unter der Beschuldigung verhaftet lvorden, dast sie als Beamte der Rcfaktien-Abtcilnng der genannten Bahn unter dem Titel„Frachten-Riickvcrgütimg" einen lOOOOO Gulden übersteigenden Betrag mircchtmästig anögezahlt imd unter f a l s ch e n Namen an der B a h» k a s s c erhöbe n habe». Der gegen Berkes erlassene VerhaftniigSbefchl konnte nicht ausgeführt werden, da Berkes angeblich nach Amerika geflüchtet ist. Italien. Rom, 21. März. D c p n t i e r t e n k a m m e r. Der Präsident verliest einen von Cambray-Digny und 14 andren, der Majorität angehörenden Deputierten eingebrachten Antrag, wonach die Gcschäftsordiinngs- Kommission beauftragt werden soll, die Geschäftsordnung so abzuändern, dast der rcgclmästige Gang der parlamentarischen Arbeiten gesichert ist. Diese Ab- änderungen sollten am zweiten Tage nach ihrer Einbringung in der Kammer ohne vorgängige Beratung oder Abstimmung p r o v i- s o r i s ch in Kraft treten. sLebhafte Unruhe und Widerspruch auf der änstersten Linken.) Cambray-Digny beantragt, dast sein Antrag auf die Tagesordnung für morgen gesetzt werde. Ministerpräsident Pcllonx erklärt, die Regierung überlasse der Kammer die Eni- schcidnng. Pantano protestiert lebhaft mid erklärt, er und seine Freunde würden morgen die Eiiibcxnfluig der Konstitilniiie be- antragen.(Beifall auf der änstersten Linken.) Giolitti betont, die konstitutionelle Opposition besinde sich in einer schwierigen Lage, da sie zwischen den Mißbrauch der GcschäftSordunug und eine die Verfassung tierletzendc Porlage gestellt sei, sie könne sich nicht darauf einlassen, über die Ab- daiiknng dcS Parlaments zu beraten.(Beifall links.) Rndini führt ans, er könne nicht für einen Antrag stimmen, der der Gcschäftsordmmgs-Kommijsion diktatorische Gewalt verleihe(Beifall links), doch wünsche er, daß derselbe auf die Tagesordnung sür morgen gesetzt werde, damit man sobald als möglich aus der pein- lichcn Sitnntioii herauskomme.(Beifall und mehrfache Zivischcnrnsc.) Der Antrag Cambray-Digiiy wird sodann in namentlicher Ab- stimminig mit 216 gegen 89 Stimmen aiigcnomnien. Frankreich. Die bcschlagnahintci» Waffe» und sonstigen Habseligkeiten Guerius ans dem Fort Chabrol wurden am Dienstag meistbceleiid versteigert; der ganze Aiitisemitcii-Gciicralsiab war zur Stelle und riß'sich um die Andenken, für die Liebhaberpreise gezahlt iviirdcn; ein Stock Gnerins erzielte 135, ein geteertes Seil zum Zicbeli von LcbciiSmiltclpaketen 63, eine Anzahl Knittel je 36 Frank nslv.— Die Mclinisten hielten lviedcr � eine Z u f a m m e» k n n f t unter dem Vorsitz von Krnntz ab. Es scheint, daß der AngrisfSplail für die Fcrrotäfche Anfrage über die französischen Handelskammern in Brüssel, die Freitag auf der Tagesordnung steht, sestgestcllt wurde. Die Mcliniftcii wollen äußerste Anstrengungen machen, um daS Kabinett noch vor Ostern zn stürzen. � Bulgarien. llnrnhrn in Vulgaric». Varna, 20. März. Ein von der Opposition einberlifencS P r o t e st m c e t i n g gegen die Zehntstcirer fand heute hier statt. Die Veranstalter der Versanunlniig wurde» verhaftet. Die Menge versuchte. die Verhafteten zu befreien. Die Gendarmerie feuerte deshalb auf die Menge, wobei, wie verlautet, 4 Personen getötet und mehrere verwundet sein sollen.— Asien. Gährnng iil China. Der„Times" Ivird ans Schanghai vom 20. März gemeldet: Der Korrespondent der„Nord China Daily NelvS" in Schautimg macht folgende Mitteilmig: Da von der ch i n c si f che» Regie r n n g keine energischen Maßregeln ergriffen Ivcrdeii, um die f r e m d e n f e i n d l i ch e B e w e g n n g zn unter- dnicken, hat der Gouverneur die Miisionare in Kenntnis gesetzt, daß die Lokalbehörden nicht für die Sicherheit derjenigen, die ohne Eskorte im Inner» dcS Landes reisen, einstehen können. Wenn die Sachlage im Norden, welche dcn s r e in d c n s c i n d l i ch e n Tendenzen der Regierung zuzuschreiben sei, weiter unbeachtet bleibe und nicht dagegen vorgegangen werde, seien in Zickmift ernste Folgen unvcrmcidli'ch.— Zu derselben Angelegenheit meldet die„Frankfurter Zeitung" ans New Aork; Die deutsche Regierung sandte eine Expedition nach Tschisu in der Provinz Schantung, um amerikanische Missionare zu schützen. Eine weitere Expedition nach einem andern Ort ist ge- plant. Ueberhaupt soll Deutschland die Absicht haben, die Ordnung in der genannten Provinz ausrecht zu erhalten, um andern Mächten den Vorwand cvent. Truppenlandungen zn iichincn. In Washington erwartet man übrigens bald weitere, ans die Ausdehnung des deutschen Einflusses in Schantung gerichtete Maßregeln.— Die Koste» znr Lind er«» g der HnugerSnot werden im indischen Budget ans 3 335 000 Pfd. geschätzt. Der Militär- Voranschlag weist eine Vermehrung von 746 000 Pfund auf, wovon fast die Halste auf die Wicdcrbewaffnmig der cingeborncn Truppen gerechnet wird.—__ Nnfallversichcrimgs-Kommisfion. Am Mittwoch verhandelte die Kommission die Frage, ob bei der Verteilung der Lasten nach der vcrivcndctcn Arbeitskraft und Ulifall- gcfnhr eine Vereinfachung bei der Einsckuitznng der mehr als vier Millionen kleinen landwirtschaftlichen Betriebe möglich sei. In der Verhandlung ivurde festgestellt, daß in einzelnen Provinzen Preußens, so z. B. in Hesfen-Nasiau bereits ein einfaches Verfahren durchgeführt wird. Es werden allgemeine Grundsätze für jede Art der Betriebe festgelegt und nach diesen die Einschätzung vorgenommen. Die Kommission' war darin einig, daß ein vereinfachtes Verfahren unbedingt notwendig sei. Jedoch' stellte eS sich heraus, daß dort, wo nicht durch Landesgesctz die Sache geregelt ist, das Verfahren, wie es in Hessen-Rassan besieht, mit dem jetzigen Wortlaut des Unfall- versicherungS-Gesctzes nicht vereinbar jist. Es kam deshalb darauf an, in dem Gesetze die Möglichkeit für ei» vereinfachtes Verfahren zn sinden. Hicrvei entstanden Meinmigsverschiedcnhcitcn darüber, ob das vereinfachte Verfahren nur mit Znstimniung des betreffenden Batriebsnnternehmors eintreten dürfe und ob es nur für die kleinen Betriebe gelten soll oder für alle Bc- triebe. Nach längerer Verhandlung wurde die Sache vertagt, damit die Regierung und der Vorsitzende der Kommission weiteres Material zur Vcnrtcilniig der hier in Frage kommenden Schtvicrig- kciten sammeln möge. In das G c w c r b e- U n f a l l v c r s i ch e r n n g S- G e s c tz ist die Bestimmung cingcsngt lvorden, daß vor der Feststellung der Em- schädignng seitens der Berussgenossenschaften die nnterc Vcrwaltnngs- b«Hörde unter Zuziehung je eines Vertreters der Arbeiter und der Unternehmer oder die Rentenstclle über den Rcntenanspnrch des Ver- letzten»ach einer mündlichen Verhandlung ei» Gutachten abgeben müsse. Hierbei kann weiteres Material herbeigeschafft und ein Gutachten des behandelnden Arztes eingefordert werden. Gegen diese Bestimmung hatte, allerdings vergeblich, die Regierung lebhaften Widerspruch erhoben. Als'mm in' der heutigen Sitzmig der entsprechende Para- grnph für die landwirtschnflliche Unfallversichening znr Beratung kam. legte der Abg. v. L ö b e l l einen offenbar mit Hilfe der Regierung fertig gebrachten Antrag vor, durch welchen der seiner Zeit erfolgte Beschluß„verbessert" iverdcn sollte. Dieser Antrag hatte die Bestimmung aufgenommen, daß die untere Ver- waltnngSbehörde dcn Verletzten vor der Festsetzung der Rente hören, etwaigen Bcweisanträgon Folge geben und ein Gutachten des behandelnden Arztes einholen müsse. Dagegen fehlte die Bc- stimmung, daß zn diesen Verhandlungen Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer zugezogen werden müßten. Das Ecntrnm, das seiner Zeit sehr energisch für dcn Beschluß der Kommission ein- getreten war, erklärte jetzt, daß es sich mit dem Antrage Löbell zn- frieden geben werde. Es bcdaure zwar sehr dio vorgenommene Verschlechterung, da aber die Regiernng gar nicht anders wolle, so müsse das Ccntrill» eben umfallen. Zu hoffen sei. daß der Arzt jetzt um so energischer für die Interessen des Verletzten eintreten werde. zumal ja in solchen Fällen der Arzt der bcrnfcnfte Vertreter deS Verletzten fei. Eine ähnliche Erklärung gav auch der Abg. R ö s i ck e- Dcffmi ab. Dcn Nationallibcralcn jedoch ging auch der konservative Antrag noch zn weit. Sie erklärten sich überhaupt principicll gegen eine der- artige„Bcvormnudnug" der BeriifSgenosicnschaftcn. Die Selbst- Verwaltung der Bernfsgcnoffcnschafteii müsse unbedingt gewahrt werden. Sic leiignen zwar die großen Mißstände des jetzigen Zn- stands durchaus nicht, Abhilfe zn schaffen sei aber auf einem andern Wege, nämlich dadurch, daß man dcn Arbeitern die nötige Garantie gebe, ihre Interessen dcn BcrnfSgenossenschaslen gegenüber von Anfang au mit dem nötigen Nachdruck vertreten zu können. Die Social- demokraten wiesen darauf hin, daß sie diesen Weg von Anfang an für den richtigeren gehalten hätten und ihn auch heute noch dafür hielten. Sie hätten seiner Zeit bei der Beratung des Gewerbe- Unfallvcrsichcrniigs-Gesetzcö entsprechende Anträge gestellt, die aber von allen andern Parteien, auch von dcn national- liberalen Mitgliedern der Kommission abgelehnt worden seien. Unter diesen Umständen blieb dcn Socialdcmokratcn nichts andres übrig, als im Nahmen des feiner Zeit an- genommenen Antrags für eine möglichst ivcitgchcndc Berüc'sichlignng der Wünsche der Arbeiter zu nürken. Bon diesem Gesichtspunkte ans sei der Unifall des CcntrnmS höchst bedauerlich. Durch die vom Abg. v. Löbell vorgeschlagene Verschlechterung ivürde der vor- gcnmninciicil Acndcruiig der größte Teil ihres Werts wieder cnt- zogen. Der verletzte Arbeiter würde zu dem Landrat niemals das Vertrauen haben, ivie zn einer Körperschaft, in der sich auch ein Vertreter der Arbeiter befände. Ans der andren Seite könnte auch der Arbeitcrbcisitzer, der eine größere Erfahrung in Unfallsachen und genaue Kenntnis von den Arbeiterverhältnisien habe, viel znr Klärung der Sachlage beitragen. Die Socialdcmokratcn stellte» daher den Antrag, daß in den Antrag Löbell die Bestimmung eingefügt werde betreffs Znziehnng je eines Vertreters der Arbeiter und Unternehmer. Dieser Antrag ivurde jedoch abgelehnt und dann der Antrag v. Löbell angenommen.— Nächste Sitzung Donnerstag. Die WahlprüfinigS- Koniinission dcS Reichstags hatte mit 8 gegen 5 Stimmen einen Antrag ihres Berichterstatters Abg. Fischer angenommen, der Reichstag ivolle beschließen, die Wahl des deutsch- konservativen Abg. v. L o e b o i l, der den Wahlkreis Westhnvelland vertritt, f ü r u n g ü I t i g z»« r k l ä r e n. Zn diesem Antrag« der Wahlprüfimgs-Komniissioii haben jetzt die Rbgg. v. Levctzow und Genossen im Plenum den AbändcrnngSaiitrag eingebracht, die Be- schlnßiasinng über die Gültigkeit der Wahl dcS Abg' v. Locbell aus« zusetzen, den Reichskanzler zn ersuchen, durch Vcrinitteliing der preußischen Staatsregierung Erhebungen über eine Reihe von Protest- pnnkten zn vcranlasi'cii, und das Ergebnis der Bcweisnnstiahnie dem Reichstag vorzulegen. Die Reichstagswahl im Kreise Waldenburg beantragt die Wahlprüfmigs-Konmiission für u n gültig zn erklären. Der schriftliche Bericht der Kominission liegt mininchr vor. Der dort gewählte socialdemokratische Abg. Sachse hatte nur 36 Stimmen mehr erlangt als fein Gegner. Die Kommission beschloß Erhebungen darüber, ob im Wahlbezirk KonradSlhal der Wahl« vorstand znr Mittagszeit nur durch drei Mitglieder besetzt gewesen ist und eines dieser drei Mitglieder, Bahiiincister Schirmcr, ein im- mittelbarer Staatsbeamter gewesen ist. Da die Erhebnngen diese Thatsachcn bestätigt halten und somit ein direkter Verstoß gegen das Wahlgesetz und das Wahlreglemcnt vorlag, so ist der ganze Wahlakt zn Konrndsthal kassiert worden. In Konradsthal waren aber 132 Stimmen für Sachse abgegeben worden, infolgedessen beantragt die Koinmissio», die ganze Wahl für ungültig zu erklären. WarcnhanSstencr. In der 14. Kommission des Abgeordneten- Hauses ivurde heute abend die Beratung dcS Gesetzentwurfs über die W a r c n h n n s st e n c r fortgesetzt. Nachdem gestern§ 1 der Vorlage angenommen worden, in welchem gesagt ist, daß der WarenhanSstcner unterliegt, wer das stehende Gewerbe des Kleinhandels mit mehr als einer der im K 6 des Gesetze? unter- schiedcncn Warengruppc» betreibt, stand heute dieser t; 6 znr Ver- handlnng. Nach vierstündiger Debatte wurden sämtliche AbmidenuigS.- antrüge abgelehnt und die � R e g i e r n n g S v o r l a g e. also die Einteilung in.vier Gruppen(Materialwaren. Mamifaktiirwaren, Möbel-, Gold- und Galanteriewaren) un- verändert angenommen, nachdem durch die RqjicnmgS- Vertreter alle Abänderungsvorschläge als höchst bedenklich für das Znstandekomincn des Gesetzes bezeichnet lvorden waren. Die Be- ratungen werden Freitag fortgesetzt. zf>Avkei""Msritzv irtzken. Der NeichStagS-Abgcorductc Genosse Ocrtel in Nürnberg hat sich zur Heilung eines Nervenleidens, an welchem er seit einiger Zeit leidet, in eine Kaltwasser-Hcilanstalt begeben. Gcmcindcwahlcu. In Langendiebach und P r a n n- heim bei Franksnrt a. M. wurde in der dritten Klasse je ein Partcigcnoffe in dcn Gcmeindcrat gewählt. In Diesdorf der Magdeburg wurde in der dritten Klasse der Pnrtcikandidat mit 51 gegen 3 Stimmen gewählt. Dir Einigung der auicrikanischc» SociaUstc». Nachdem Anfang Februar die Konvention der Socialisiischen Arbeiterpartei (S. A.-P.) einen der Eiiiignng günstigen Verlans genommeii und sremidschnflliche Vorschläge a» die Socialdemokratische Partei(S.-D. P.) gemacht, tagte mmmehr am 6. März und folgende Tage die Konvention der letzteren in Jndianopolis. Es waren 63 Delegierte anwesend, die auf Grund der Partci-Organisation 1900 Mandate von ebensoviel ein- zclucn Auftraggebern vorlegten. Die Konvention nahm nach den in der amerikanischen Parteipresse vorliegenden Berichten einen sehr ersten- lichcn Verlauf, und die Eiiiigmig der beiden bisher getrennten Parteien ist nun unbedingt gesichert. Die von der S. A.-P. ab- geordneten Vertreter wurden mit grostcr Herzlichkeit empfangen. Die Verhandlungen wurden mit groher Sachlichkeit gcfiihrt, getragen von dem alleinigen Gedanken derFördcrnng dcrsocialistischenBc'wegung. Als Präsidentschaftskandidat wurde V. E. D c b s von der S.-D.P. und Job Harrimann von der S. A.-P. als Kandidat für die Viceprästdentschaft nominiert. Es wurde ein Konferenzkomitee gewählt, das in dieser Woche mit dem Konfercnzkomitcc der S. A.-P. in New Dork zu- sammentreten und den Namen der gccinigten Partei feststellen wird. Die Bezeichnung Socialdcmokratie soll aber beibehalten werden. Ucber die Beschlüsse des Konferenzkomitces hat dann noch eine Ur- abstimmung zu entscheiden. Es ist aber nach diesen Vorgängen so gut wie sicher, daß die im Wesen bereits vollzogene Einigung an den Formalitäten nicht mehr scheitert. Polizeiliches, Gerichllichrs usw. ZcugniözwangSvcrfahrcn. In der Disciplinarsache gegen den Landratsamtsaisistenten Richter in Schleiz wurde der berant- wortliche Redacteur der„Rcntzischcn Tribüne" in Gera Genosse Seifarth als Zeuge vernommen. Die Angelegenheit hängt mit einem Artikel der„Rcuszischcn Tribüne" vom 19. Oktober b. I. zu- sammen, in dem eine Verfügung des Bürgermeisters von Schleiz an «ine schon vor 3 Jahren vorher verstorbene Frau kritisiert worden ist. Der Landratsamtsassistent Richter ist in den Verdacht gekommen, diesen Artikel veranlaßt zu haben, weshalb gegen den- selben ein Diciplinarverfahren eingeleitet' worden ist. Genosse Seifarth ist dieserhalb bereits einmal vernommen worden und hat dabei sich geweigert, anzugeben, auf welche Weise er Kenntnis von der Verfügung erhalten hat. Auch in der diesmaligen Vernehmung lehnte Genosse Seifarth aus moralischen Gründen eine Auskunft ali da er die Preisgabe eines Redaktionsgehcimnisses als eine ehrlose Handlung betrachtet. Diese ans sittlichen Gründen bedingte Ab lehnung rettete ihn jedoch nicht vor einer Verurteilung, Seifahrt wurde vielmehr zu SO Wt. Geldstrafe und in die Kosten verdonnert. Außerdem wurde ihm noch mitgeteilt, daß seine Verhaftung jederzeit erfolgen könne. Mit de» Vorschläge» des Eimgttiigsftmts beschäftigte sich am Mittwoch eine von etwa 2000 VertranenSmänncrn des H o l z a r b e i t e r- V e r b a n d e s besuchte Versammlung G l o ck e schilderte den Verlauf der Verhandlungen vor dem Gewerbegericht, er empfahl die Annahme der Einigungsbedingnngcn und legte ausführlich die Gründe dar. welche für die Beendigung des Streiks sprechen. Die gesamte Ortsvcrwaltung sei der Ansicht, daß unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr erreicht tverdcn konnte. Wenn auch nicht alle Forderungen der Arbeiter bewilligt sind— was ja gewiß zu bedauern sei— von einer Niederlage könne keine Rede sein. Als der Redner aus den Einigungs- bedingnngen den Passus verlas, welcher besagt, daß eine allgemeine Lohnerhöhung nicht stattfindet, da erhob sich allgemeines Murren. Auch die Bedingung, wonach der Geselle die Maschinenarbeit bc- ailfsichtigcn und dabei Handreichungen leisten soll, wurde mit Unwillen aufgenommen.—' Ter nächste Redner, Maschinenarbeiter I ä ck. empfahl die Annahme der Einigungs Vorschläge. Er hob hervor, daß seine Kollegen die Absicht hatten, als Antwort auf die brutale Aussperrung durch die Frasereibesitzer ihrerseits Forderungen zu stellen. Die Maschinen- arbeiter hätten aber auf diese Genugthunng verzichtet, um den Aus- stand der Tischler— die ja bei einem Streik der Maschinenarbciter rn Mitleidenschaft gezogen worden— nicht weiter in die Länge zu ziehen.— Während diese beiden Redner nur schwachen Beifall fanden, wurden die Ausführungen des nächsten Redners. Meier/ mit dem lebhaftesten Beifall der Mehrheit aufgenommen. Meier bezeichnete die Einignngsbcdingungen als einen Kuhhandel, der die Berliner Tischler für viele Jahre mundtot machen würde. Den forschen Arbeitern, die zu Gunsten der schwachen Kollegen die Arbeit niedergelegt hätten, werde zugemutet, jetzt wieder anzufangen, ohne daß sie für sich etwas erreicht hätten. Man müsse sich schämen, wenn man die Vorschläge des Einigungsamts annehmen würde. Redner bittet, alles abzulehnen. Nachdem noch ein Redner gegen die Vorschläge gesprochen hatte, nahm N o b. Schmidt das Wort. Er sagte, cS sei ja begreiflich, wenn viele mit den Einigungsbedingungen nicht zufrieden' sind. Es sei aber erreicht worden, was unter den gegebenen Verhältnissen erreicht werden konnte. Eine so große Lohnbewegung, ivie diese, sei noch nie zum Abschuß gekommen, ohne, daß man auf beiden Seiten nach- gegeben habe. Von einer bedingungslosen Ausnahme der Arbeit sei doch hier keine Rede. Die Organisation sei anerkannt, und die Hauptforderung des Kampfes, der Mindestlohu von 24 M. � sei zugestanden. Die Achtzehncr- Kommission biete die Gewähr dafür, daß der Lohn auch in schlechten Geschäftszeiten nicht unter 24 M. hernbgedrückt werden kann. Das sei ein sehr wert- voller Punkt. Mau könne»ur sagen, der Kampf sei ehrenvoll beendet. (Beifall.) Weiter sprachen noch verschiedene Redner gegen, andre für Beilegung des Streiks. Nach und nach wurde der Beifall, den die Gegner der Einigungsvorschlägc fanden, schwächer, und die Stimmung der Versammlung ruhiger. Um 11 Uhr standen noch 24 Redner auf der Liste. � Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde unter heftigem Widerspruch einzelner, und nachdem das Abstimmungsresultat zwei- mal angezweifelt ivar, gegen eine starke Minderheit angenommen. In seinem Schlußwoct legte Glocke nochmals die Einigungs- bedingungcu klar, dann entstand eine Geichäftsordiinngs-Debatte darüber, ob die Versammlung kompetent sei, über die Einigungs- vorschlüge einen Beschluß zu fassen. Schließlich wurden die Bor- schlage dcö Einigungsamts mit sehr großer Mehrheit an- genommen._ GvmvvkMclfklirszes. Berlin und llmgcgcud. An zwei stark besuchte» Schncidcr-Bersammliiilge», die am Mittwochabend zu der Lohnbewegung Stellung nahmen, fand nachstehende Resolution einstimmige Annahme: Die Versammlung erklärt, nach wie vor an der Einführung ein- hcitlichcr Tarife festhalten zu wollen. In Erwägung, daß seitens der Unternehmer versucht ivird, über de» Kopf der Organisation himveg mit den Arbeitern im einzelnen zu verhandeln, spricht die Versammlung die Erwartung aus, daß es Ehrenpflicht jedes Kollegen ist.. solche Verhandlungen, ivclche ans unsre principiellen Fordenuigen schädlich wirken,' entschieden abzulehnen. Im weiteren erklärt die Versammlung an der bisher beobachteten Taktik festzuhalten und auf Grund der früheren VersammlungS- beschlüfse den 24. März als letzten Erklärungstag abzuwarten. Nach diesem Termin ist die Entscheidung über imscr weiteres Vorgehen zwei am Montag, den 26. März,' stattfindenden öffentlichen" Versammlungen anheimznstellcn. Die in der Flaschcnkcllerci beschäftigten Arbeiter der Nnions-Braucrei ivurde» am Mittwoch früh sämtlich entlasse». Den Arbeitern war die Zumutung gestellt, einen im„Handels-Hilfs- arbeiter" am lö. März erschienenen Artikel, der die Verhältniiie in der Flascheiikellcrci der Brauerei besprach, zu ividernifcn. Dieses Verlangen wurde von den Arbeitern abgelehnt, worauf die sofortige Entlassung erfolgte. Damit hat die Brauerei eine sehr schlechte Beweissührung beliebt und ist ivohl anzunehmen, daß die Angaben in dem Artikel den Thatsachen entsprechen. In dem Artikel Ivird behauptet, daß die regelmäßige Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends danern soll. Es kommt aber nicht selten vor, daß 4 bis 6 Ueberstuuden gemacht werde», so daß um 11 und 12 Uhr abends Feierabend eintritt. Auch Sonntags wird die nach der Gewerbeordnung zulässige Arbeitszeit oft überschritten. Die Löhne find demgegenüber sehr gering, denn sie betragen für 10 Mann 21 M., für ö Mann 13 M., und bei alle» übrigen cirka 12 bis 16 Mann 13 M. Ferner wurde über schlechte Behandlung der Arbeiter geklagt und die Unsauberkeit der Räume getadelt. Die Unterhandlungen, welche im Laufe des gestrigen Nach- mittags zwischen den Direktoren und einer Kommission der Arbeiter gepflogen wurden, führten zu keinem Resultat. Die Herren Direk- toren lehnten es ab. eine Zulage zu gewähren; sie wollen auch von einer Einstellung der Gesamtheit der Arbeiter nickts wissen, sondern verlangen, daß jeder Arbeiter sich einzeln zur Wiederaufnahme der Arbeit stelle. Dies Verlangen wurde seitens der Arbeiter ab- gelehnt. Die Töpfer haben die Sperre über die Firma Ruhm. Mittenwalderstraße, aufgehoben, nachdem Herr Ruhm erklärt hat, daß er nach dem Tarif zahlen wolle. Die bei ihm früher in Arbeit gestandenen Gesellen sind wieder eingestellt. Dieser Erfolg ist nur dem festen Zusammenhalt der Kollegen zu danken. Der Vorstand des Ccutralverbands der Töpfer. TciiischeS Reich. Für die streikenden Bergarbeiter OcstrcichS gingen bei der Generalkommission insgesamt 34 844,09 M. ein. Die Beiträge, welche von einzelnen Verbänden direkt nach Oestreich gesandt sind (nach bisheriger Mitteilung 14 300 M.), werden nach Abschluß der Sammlung besonders angegeben. Warnung. Aus dein lothringischen Bergrevie'r Ivird uns geschrieben: Einzelne Hüttenwerke unsres Bezirks vcr- suchen in der letzten Zeit neben den italienischen auch s ch l e s i s ch e und polnische Arbeiter als Lohndrücker ins Land zu ziehen. Durch Agenten wurde Ende vorigen Jahrs besonders in Kattolvitz (Obcrschl.) und Umgegend die Werbetromincl fiir die lothringischen Werke gerührt und dabei bekannt gemacht, daß hier fiir Schlepper Tagelöhne von 4,50 M., für Hauer solche von 5.50— 6,50 M. bezahlt würden. Begreiflicherweise fand sich eine große Anzahl von Arbeitern, die zu diesen Bedingungen nach Lothringen abzureisen bereit waren, und es trafen denn auch bald zwei Trans- Porte mit ctiva 130 Arbeitern ans den erwähnten Gegenden hier ein. Groß war aber ihre Enttäuschung, als sie am ersten Zahltag statt des versprochenen Verdienstes nur 2,80— 3,50 M. ausbezahlt erhielten. Der größte Teil der eingewanderten Polen nahm deshalb alsbald die Abkehr, wobei ihnen noch der ganze Betrag der Reisekosten hierher in Abzug gebracht wurde, so daß die armen Leute völlig mittellos dastanden. Sie begaben sich zu Fuß nach dem Rnhrremer oder zurück nacki ihrer Heimat, nur fünf Mann blieben am Platz. Es sei noch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die den also Geprellten versprochenen Löhne vorher kontraktlich sichergestellt waren, trotzdem aber nicht bezahlt wurden. Man sehe sich also vor, ehe man sich als Lohndrücker ins Lothringische an- werben läßt._ Sociale Verszkspflcge. Zur Kennzeichnung der Bcrnfögcnosscnschaftcn. Die ch e m i s ch c B c r n f s g e n o s s e n s ch a f t versuchte wiederholt, dem Gnmmiarbcitcr Wirde'die ihm zustehende Unfallrente gänzlich zu entziehen. Gegen einen Bescheid, durch den Wiede die zuletzt ge- währte» 15 Prozent der Vollrente aberkannt wurden, legte der Ver- letzte Berufung ein. Er machte geltend, seine Beinvcrlctzung sei nicht derart verheilt, daß er wieder völlig erwerbsfähig sei. Die Narbe breche noch zuweilen aufi und zlvar infolge der Arbeit. DaS Schiedsgericht tvies die Berufung ab, indem es sich ans ein Gutachten des KreiSphhsikus Dr. Schulz berief. Dr. Schulz hatte drei wunde Stellen am beschädigten Schienbein festgestellt und aus- geführt, daß W. an sich i» seiner Erwerbsfähigkeit nicht mehr bccin- trächtigt sei. D i e Weitergc Währung der Rente erscheine nicht angebracht; sie wäre höchstens geeignet, eine weitere Heilung zu verhindern. Der Kläger legte Rekurs ein und brachte eine ärztliche Bescheinigung bei, wonach das Wimd- wcrden der Narbe wiederholt beobachtet worden ist. W. erschien persönlich vor dem Reichs-Ver sichern Ii gsa in t und zeigte dem Senat die wunde Stelle des Schienbeins, nachdem er den schützenden Verband entfernt hatte. Der Gerichtshof kam auf Grund des Augen- scheins zu der Ucberzeugiing, daß eine wesentliche Besserung im Befinden des Klägers seit der Festsetzung der fünfzehnprozcntige» Rente nicht eingetreten sei. Die Berufsgcnosseuschaft wurde deshalb verurteilt, die Rente weiter zu gewähren. Der Hausdiener alS Photograph. Der Warcnhans-Besitzcr Stein war von einem Hansdicner wegen nnberccktigter Entlassung verklagt worden. Der Kläger N., ein gelernter Pholograph, hatte in der Not bei Stein eine Hausdienerstcllc angenommen. Er erhielt 18 Mark Lohn und die Kündigungsfrist wurde ausgeschlossen. Bald bemerkte der Geschäftsführer Pollack, daß der Kläger sehr gut in der Bilder-Abteilnng zu verwenden sei. Er wurde nun dort lnit dem Reinigen der Platten und der Bilder und dergleichen Hilfsarbciten beschäftigt. Später mußte er sogar selbst photographische Aufnahmen machen, wofür ihm ein Wochen- lohn von 21 M. zugebilligt wurde. Jetzt brauchte N. die üblichen Hansdicncrarbcitcn, wie das Reinigen der Geschäfts räume, nicht mehr zu besorgen. Somit änderte sich auch seine Arbeitszeit. Er durfte jetzt gleich den Handlungsgehilfen und Gehilfinnen des Morgens später kommen und des Abends früher gehen, als die Hausdiener. Als er dann beim Saisonschlnß Plötz. sich entlassen wurde, beanspruchte er eine vierzchntägigc Lohneiitschüdigung. Der Klüger ging davon aus, daß der Ans- 'chluß der Kündigungsfrist mit dem Augenblick seine Rechts- >v i r k s a in k e i t verloren habe, ivo sein Arbeits- Verhältnis ein ganz andres geworden sei. er Vertreter der Beklagten Ecvr. Stein, Herr Pollnck, betonte dagegen vor der Kammer VII des Gewcrbegerichts, N. sei lrotz seiner späteren Beschäftigung in der Bilderavteilung Hansdicner gc- blieben. Die von dem Herrn gewünschte principiclle Entscheidimg fällte das Gericht nicht. Der Vorsitzende Dr. Meier gab vielmehr dem Kläger den Rat, die Klage zurückzuziehen, was N. dann auch that. Kampf um die Uufallrcnte. Der Brauer PeterS hatte im Betriebe eine Verstaiichnng der rechten Hand und der rechten Hüfte erlitten, und bezog dafür zunächst eine Unfallrente von 60 Prozent. Nach 7 Monaten letzte die Brauerei- Bernfsgenosscnschaft die Llente auf 25 Proz. herab. Maßgebend war für sie ein Gutachten des Dr. Cnrt Müller, der P. inzwischen in seiner medikomechanischen Anstalt behandelt hatte. Dr. Müller hatte begutachtet, daß Unsall- folgen nur noch am rechten Bein vorhanden seien. P. legte Bcrnfiing ein. worauf das Schiedsgericht sich von dem Snnitätsral Dr. Wünsche ein Gutachten erstatten ließ. Dieser Arzt bescheinigte folgendes: Eine Verkürzung des kranken Beines könne nicht ausgeglichen werden, auch sei noch eine Muskelschwächung vorhanden. Trotz deutlich sichtbarer Uebertreibungcii bei Geh- versuchen sei doch anzunehmen, daß P, wegen der Beinverletzuiig von reichlich 3 Centimetern und wegen der noch nicht genügenden Gewöhnung doch mebr beschränkt sei, als der letzte Bescheid der Berufsgenosseiischast voraussetze. Er schlage 40 vor. Das' Schiedsgericht erkannte denigemäß. Der ergriff noch das Rechtsmittel des Rekurses und persönlich vor dem Reichs-Versicherungsamt geltend, daß fest auftreten und gar nicht marschieren lönne. Seine Nerven hätten ebenfalls gelitten.' Das Ncknrsgericht hob sowohl den Bescheid der Bernfsgenosscnschaft, als auch das Urteil des Schiedsgerichts auf und verurteilte die Bcrufsgenosscnschaft, dem Kläger gegenwärtig noch 50 Proz. der Vollrente zu gcwäbreii. Der Senat nahm Rücksicht darauf, daß seit dem Unfall erst 14 Monat verflossen waren. Der Vorsitzende gab dem Kläger den Rat. sich in der Arbeit zu üben, sich daran zu gewöhnen, da voraussichtlich die Rente bald wieder herabgesetzt werden würde. Prozent Kläger machte er nicht Der Krieg. Der Marsch des Lord Kitchener auf Mafeking wird fort- gesetzt. Lord Roberts meldet vom Dienstag aus Blocinfontcin: Kitchener besetzte P r i e s k a. Die Transvaal-Boeren entkamen über den Fluß. 33 von ihnen wurden gefangen genommen, 200 Gewehre mit Zubehör, einige Vorräte sowie Explosivgeschosse wurden erbeutet. In einer Gcgenproklamation droht Präsident S t e i j n an, jeder Bürger, der nicht gegen die Engländer kämpfen wolle, werde als Verrälcr erschossen werden. An der Grenze des Basutolands be- ginnen die Boeren sich zu ergeben. Am meisten Sorge macht den Engländern gegenwärtig die von den Boeren als Pressionsmittel angekündigte Zerstörung von Johannesburg und der Goldbcrgwcrke. Die englische Kapitalisten- Welt besitzt in Johannesburg riesige, der Gewalt der Boeren preis- gegebene Reichtümer in Gestalt von Gebäuden, ausgedehnten, un- geheure Werte repräsentierende Bergwerksanlagen, Maschinerien usw., für deren Zerstörimg sie zittern. Würde eine solche Zerstörimg die englischen Kapitalisten doch fast um den ganzen Erfolg des Kriegs bringen.' Die am Dienstag von dem Parlamentssekretär deS Kriegs als bevorstehend angekündigte Proklamation Chamberlains soll sich nicht blos auf die Johaimisburger Goldminen, sondern auf die Zerstörnng allen britischen Eigentums beziehen. Hierfür sollen mit ihrer Person und Eigentum alle berantivortlich gemacht werden, die die Zerstörnng veranlaßt haben. Daß Chamberlain und nicht das Kriegsamt die Proklamation erläßt, beweist, daß die Boerenrepubliken von dem Koloinalamt verwaltet werden sollen. Vorläufig, solange die Boeren diesen Trumpf noch in der Hand haben, scheinen sie das fremde Eigentum aufs beste zu verwalten. Der„Daily News" wird aus Bloemfontein vom 19. d. M. gemeldet: Nach den Mitteilungen einer Persönlichkeit, die kürzlich in Johannes- bnrg war. läßt die Regierung in mehreren Bergwerken arbeiten. Es wird nicht gefördert, aber in verschiedenen, Ausländern gehörigen Bergwerken mit Beihilfe der Negiernng das Wasser weiter ausgepumpt. *»" Stimmung und Pläne in England. Mehr noch als seine Taktik scheint der Takt des Lord Roberts zur Beruhigung der besiegten Boeren im Oranjc-Freistaat beizutragen, die nach Ablieferung ihrer Waffen unbehelligt in ihre Gehöfte zurück- kehren dürfen. Ter„Standard" giebt Mitte April als das wahr- scheinliche Datum des Einzugs der Engländer in Pretoria an. Jedenfalls würde erst mit dein Fall von Pretoria und der Unterwerfung der Transvaalboeren die schwierigste Arbeit an- fangen. An' eine bloße Angliedernng, das heißt an eine Militär- Herrschaft Ivie in einer Kronkolonie, denkt, so wird der„Vossisckien Zeitung" ans London geschrieben, kein englischer Staats- m a n n, selbst nicht Herr Chamberlain, der in seiner bekannten Rede nur die Entwaffnung der Boeren, die Schleifung ihrer Citadelle und die Gleichstellung der weißen Rassen gefordert hatte. Lord Salisburys berühmte Aussage:„England wünscht kein neues Gebiet. wünscht keine Goldfelder" hat unter seinen eigenen Anhängern weit mehr Acrgernis erregt als unter den Liberalen. Bemerkenswert ist, daß sotvohl Chamberlain wie Lord Salis- Irnich ihren öffentlichen Aeußerungen stets die verneinende Form gaben, nie das hervorgehoben, was sie zu thun gedenken, sondern das betonten, was England nicht thun oder nicht dulden werde. Diese Vorsicht ist geboten, weil die Minister die S t i in in u n g im Lande selbst schonen und darauf Rücksicht nehmen müssen, daß das Volk, dessen bestes Blut in Strömen ver- gössen und dessen Ersparnisse millionenweis ausgegeben werden, sich jetzt noch nicht mit einem Ergebnis zufrieden- stellen würde, das den riesigen Opfern nicht ent- spräche. Ein aufmerksamer und mit dem Geist der britischen Nation vertrauter Beobachter kann aber schon jetzt leicht er- keimen, daß von einer bloßen Eroberung� des Lands, die in dem Aufhiffen des Union Jack auf dem Palast deS Volksraad in Pretoria gipfelte, nicht die Rede ist. Seit Jahr- zehnten spukt der Gedanke eines südafrikanischen Staaten- b u n d e s unter britischer Oberhoheit, in dem sämtliche britische Kolonien und holländischen Staatengebilds als gleichberechtigte Glieder vertreten sind. Dieser Plan schivebie schon dem Lord Carnarvon im Jahre 1877 vor. als Transvaal_ angegliedert wurde. Es ist aber die unvermeidliche Voraussetzung eines solchen Staatenbunds, daß sämtliche Staaten sclbstregierend und von einander unabhängig sind. Daß auf diesem Wege die Lösimg der südafrikanischen Wirren nach Schluß des Kriegs, falls er mit einer völligen Niederlage der Boeren endete, gesucht wird, ist allen ersichtlich, die die Aeußerungen der Presse mit den Worten der Staatsinämicr zusammenhalten. Ob die Absichten der englischen Staatsmänner nicht doch weitergehen, als es dem Schreiber dieses Briefs der Fall zu sein scheint? Letzte Meldungen. London, 21. März. Die Abendblätter melden ans Kroonstad nntcr dem 18. d. M.: Die hiesigen Vocrenmamischaften erwarteten kampfesmutig die anrückenden Engländer. Präsident Krüger hielt eine feurige' Ansprache an die Burghers, in der er sie zum Ans- harren im Freiheitskampfe ermahnte. Wenn auch die Engländer für jetzt Bloemfontein besetzt hielten, so werde sicherlich die Unabhängigkeit des Vaterlands doch schließlich gewahrt bleiben. Präsident S't'ej n hielt eine ähnliche Ansprache und sagte den Bnrghers, sie sollten der Proklamation des Feldmarschalls Roberts betreffend die Niederlegung der Waffen keinen Glauben schenken. Die Ansprachen erfüllten die Burghers mit Begeisterung. Uetzko Zlsifzcuszkett und Dcpefchen. Rußland in Klcinasir». Wien, 21. März.(B. H.) Einer Meldung der„Pol. Korrestv" aus Koiistantinopel zufolge bestehen die Forderungen Rußlands, betreffend den zukünftigen kleinafiatischen vahuba» darin, daß dw Türkei leine Eisenbahn im Gebiete Cassie de la mer noire mit fremdem Kapital zuläßt und, falls die Türkei in diesem Gebiete selbst den Bahiibau vornimmt, hierzu vorerst die Einwilligung Rußlands einholen muß. Sollte die Türkei kein Vaukapilal besitzen, würde Rußland solches vorstrecken. Fraucnstndinm in Oestreich. Wien, 21. März. 26. Hnttinge». Je 16 M. Geldstrafe 4 Genossen aus Schwelm lvegen Vergehens gegen die Heilighaltimg des Sonntags. 26. Planen. Genosse Nil la s wegen Beleidigung eines Bürger» Meisters 4 Wochen Gefängnis. 28. Mühlhansen. Wegen Beleidigung eines Lehrers Genosss Wabersky- Hamburg 166 M. Geldstrafe. „ Eschwege. 266 M. Geldstrafe Genosse Hugo wegen Be- leidigung des Bürgermeisters und der Stcuereinschätzungs» Kommission. u Freiberg. Je eine Woche Haft.'zwei Genossen wegen Vcr- Übung groben Unfugs. » Leipzig. Die Genossen Bohle und Schulze- Straßburg in der Revisionsiiistanz 166 bezw. 256 M. Geldstrafe wegen Beleidigung der Polizeibehörde. Insgesamt wurde erkannt auf 1 Jahr 1 Woche und 2 Tage Gefängnis und 1667 M. Geldstrafe. Berlin, den 6. März 1366. Der P a r t e i b o r st a n d. GezveLkMMktlitfzes. Bot der Berliner Gewerkschaftskommission gingen 'olgende Beiträge ein: Für die streikendei, und ausgesperrten Holzarbeiter. Bon den Bauarbeitern Berlins und Umgegend(Central), durch Npack 503,—. Centralvcrband der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter, Zahlstelle l. 100,—. Solnow, Tischler, auf Listen 12,—. Ucberschui! von März- Kranzspende, Berlin-Hamvurger Jalvnsie-Fabrik 3,75. Neberschntz der März-Kranz- spendef Arbeiter der Maschinenfabrik L. Löwe, Marttnickenselde 01,20. Durch' Fiedler ans Listen 14,10»nd 3,—. Rauchklnb„Ohne Zwang" 20,—. Verein soctaldemotratischer Gastwirts, 300,—. Einige der Berliner Stadt- brauerei 8,—. Liste Nr. 1050(darunter d. Vogt, Schncidermstr, S,—) 10,25. Märzkranzspenden-Uebcrschnß d. Fabrik Bechstein, Grünauerstr., 8,05. Durch F, Golz, Grünauerstr., 5,—. Pianinofabrik von C. Krause 9,—. Maschinisten u. Heizer Berlins 50,-. Barbiere d, P. Lim 10,—. Malerlvcrkstatt von Elegemann 10,30. Mechanische Werkslatt W. Sirschmann 14,03. Klub d. Haruilofen b. Benno 5,—. Eclchvsser d.. Firma Heinde, Köpenickerstr., 10,-. Lese- u. DiSlutierllub„Siid-Ost" 23,—. Aus Vcm Lager von Eick u. Strasser 8,—. Gesänilnelt von Buchdrurkcrn in Moabit 3,50. Arbeiter der Firma(5. Krause, Köpnickerstr. 139, Organisierte Hut- rnachcr Berlins, I. Rate 100,—. LcrSand deutscher GastwirtSgehilsen 100,—. Bei einem Leichenbegängnis gesammelt durch Gorziche 8,30. � Skntllub „Rull" S,—. Ledcrarbeilcr, central, durch Knoblich 50,-. Tischlerei von Meyer, Waldemarstrabe, 4.—. Bcrgolder durch die Vertrauensleute 100,—. Modelltischler von Löwe 10,30. Ileberschub der Kranzspende von Arbeitern der Trcsor-Akt.-Ges. 14,70. Auf Listen d. Loys Nr. 1013 3.90, 101» 14,30. Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter, Zahlstelle Charlottenburg 20,—. Liste 1280, Stcinert 0,30. 1011, Kunstschtosserei Kruger d. Niizle, 2. Rate, 23,—. Centralvcrband der Former, Vorschub aus Listen, 100,—. Für die gcmasirrgcltcn deutschen Bergarbeiter gingen ein: Uebcrschub der Märzkranzspende Maschinensabril L. Löwe 30,—. Von Ar- beitern der Firma„Typograph" 27,20. Gesangverein«Vorwärts II" 10,-. Brauer, Handwerker und Maschinisten der Braueret PichclSdvrs 14,75. Schneiderwerlstatt Unter den Linden Nr. 13 13,—. G. Fuchs, Reinulen- dorferstraste 10,-. Rauchklub..Wahrer Jakob" 2,40. Ueberschu» vom Kranz, ges. b. E. Bölil 5,30. Skatklub«Null" 5,—. Note Buchbinder, Grünstrabe 10,—. Orgauisiertc Brauer Berlins 25,—. Ciseleure, Skalitzer- strahe 9 6,—. Bildhaucr-Werlstatt Boswaus u Knauer 11,05. Perganon 3,—. Marmorarbeitcr, Gcnthincrstrabc 6,—. Morgensprachc, Kupscr-Budiler Riigenerstr. 2,40. Von einer Berliner Buchdruckerei 22,40. Von einem Studenten bei Dreisels 3,—. Prägerei v. Lithauer u. Beuscl 20,—. Für dir iistreichischen Bergarbeiter gingen ein: Perganon 3,—. Stockfabrik von Lawy 10,-. Organisierte Brauer Berlins 23,—. Steh- krageilincchaniker von S. u H., Liiidcnstr., 8,30. Lager von Eick u. Straber 10,—. Skatklub„Null" 5,—. Ciseleure Skalitzerstr. 0, 4,—. Schneider- Werkstatt Unter den Linden 13 13,—. Glaser der Firma I. Salamonis d. @oi) fa 3,35. Für die Formenstecher gingen noch ein: Organisierte Brauer Berlins 23,—. Buchdruckerci Ashclm 8,05. Weitere Beiträge iverden im Bureau der Berliner Gelverkschnfts- itommissto», Annen str. 16 I, vormittags 9—1, nachmittags 6-8 Uhr cntgegengenommcli. Alle Geldsendungen sind an A. Karsten zu adressieren. Die Gewerkschaften machen wir darauf aufmerksam, dast alle Gelder, welche für die ausgesperrten und streikenden Arbeiter be- willigt Iverden, der Einheitlichkeit wegen und der bisherigen Gepflogenheit entsprechend an die Gewcrkschaflskommission ab'zu- liesern sind. Der Ausschuß der Berliner EewerkschaftSkommission. Vevsawmlunjgen. Zur Lohnbewegung der Tapezierer. Vom Verbände der Tapezierer war zu Dienstag- abend eine Versammlung der iin Ausstände befindlichen Arbeiter nach Feuersteins Festsälen einberufen. Der Besuch war ein äußer starker. Im Namen der Lohnkommission sprach Leo Schmidt über das Ergebnis der Verhandlungen mit der Meisterorganisation. Nach einer Einleitung über die Bedeutung fester Vereinbarungen für die Gcwerlschaften schilderte Redner die Verhandlungen mit den Meistern. Den Minimallohn von 66 Pf. pro Stunde erklärten die Unter- nehmer für unannehmbar, weil es doch eine ganze Anzahl schwächerer Arbeiter und solche, die erst ausgelernt hätten, gebe. Die letztere Thatsachc sei von den Kollegen zuzugeben und die Lohiikommission wäre eventuell bereit gewesen, auf einen Durchschnittslohn von 60 Pf. pro Stunde sich zu einigen. Die Kommission der Arbeitgeber schlug einen D u r ch s ch n i t t S l o h n von SS Pf. vor. Eine Einigung auf 60 Pf. werde sich nach Meinung des Redners doch noch erzielen lassen. Die Forderung von 20 Proz. Accordlohn-Erhöhimg wurde zu weit- gehend erachtet und eine solche von 10 Proz. seitens der Unternehmer vorgeschlagen! dagegen solle eine solche von öV Proz. von den Nrbeitcm bei der Schniidkonkurrenz gefordert werden, z. B. bei Preisen von 3 M. oder 3,50 M. bei Federboden. Schmidt führte aus, daß die letztere Forderung der Unternehmer dahin ziele. daß die Arbeiter die Kastanien für sie aus dem Feuer holen. Die Ar- beiter hätten kein Interesse an der Schmutzkonkurrcnz; sie seien bereit, dieselbe zu bekämpfeu. wenn die Uiiternehnier sie darin unter- stützen imd ihneii entgegenkommen wollen. Die Forderung der Gehilfen, Sonnabend und Montag eine Stuilde früher die Arbeit zu beendigen, wurde durch einen beider- scitig vereinbarten Vorschlag ans 52 Arbeitsstunden pro Woche ab- geändert. Für Ueberstlmde», die aber nach Möglichleit vermieden werden sollen, seien die Unternehmer bereit gewesen, statt der verlangten 20 Pf. 15 Pf. Aufschlag zu bewilligen. Bezüglich der Wcrkstatt-Reiiiigung sei volles Einverständnis erzielt worden._ Was nun die Frage des ersten Mai betreffe, so seien die Meister aus gewissen Gründen nicht geneigt gewesen, in eine Freigabe dieses Tages zu willige». Jedoch sei auch hier Hofs- nimg vorhanden, eine Einigung zu erzielen. Als erster Diskussionsredner ergreift nunmehr Herr Feder(Meister) das Wort. Er weist den Vorwurf des FachblattS der Tapezierer zurück, daß er den Verband sprengen wolle. Es sei selbstverständlich, daß, wer Arbeitgeber wird, andre Interessen verfolgt. Aber es lasse sich picht leugnen, daß auch bei den Unternehmern heute ein andrer Geist vorhanden sei. Die Einladung an die Arbeiter- Vertreter bedeute eine Anerkennung der Organisation. Im übrigen vertritt Redner den Standpunkt der Meisterschaft. Nur bezüglich der Maifeier bemerkte derselbe, daß die Kommission der Unternehmer unter sich dahin einig geworden sei, daß Maß- regelmigeii der Feiernden nicht stattfinden sollten. Die folgenden Redner Gmiker, Ebner, Sander, Zimmermann, Bönickc, Hennig, Lobitz usw. sprachen im Sinne der Ausführungen des Referenten Schmidt. Betont wurde von allen Rednern, daß an dem Durchschnittslohn von 60 Pf. pro Stunde festgehalten werden müsse. In seinem Schlußwort gab Schmidt der Ueberzengnng Aus- druck, daß sich auch über die»och strittigen drei Punkte: Stunden- lohn, Ucbcrstundciibczahlung und Maifeier eine Einigung wohl er- zielen lasse. Er müsse bemerken, daß die Kommission der Arbeit- geber sich entgegenkommend gezeigt habe und daß daher ein günstiger Verlauf der ferneren Verhandlungen für die Kollegen sich erwarten ließe. Hierauf wurde eine Kommission von acht Mitgliedern gewählt, welche mit den Meister» weiter verhandeln soll. DaS Gewcrkschaftskartcll für Berlin beschäftigte sich am Dienstag mit einer Angelegenheit der Orts-Krankenkasse der Kauf- leute, Handelsleute und'Apotheker. Den AnSfiihrungen des Handels« Hilfsarbeiters Rein zufolge handelt es sich um folgendes: Seit sechs Jahren habe sich die Organisation der HandcISyilfSarbeiter (lokal) bemüht, die Mehrheit in der Verwaltung der genannten Ortskasse mit orgamsierten, zielbewußten Arbeitern z» besetzen. Im Januar 1897 habe denn auch die Liste der letzteren bei der Delcgiertenwahl über die auf bürgerlichem Bode» stehenden Gegner gesiegt, und die klassenbewußten Arbeiter hätten damit maßgebenden Einfluß in der Verwaltung der Kasse bekommen. Inzwischen sei der Centralvcrband der Handels- und Verkehrs- arbeiter und damit die Organisationsstreitigkeit entstanden, trotzdem habe aber in Angelegenheiten der Ortskasse volles Einverständnis zwischen beiden Organisationen bestanden. Auch die organisierten Handlungsgehilfen hätten sich, nachdem ihre Kasse mit der obengenannten vereinigt wurde, dem Zusammenwirken angeschlossen, und es sei bis zun, April d. I. zur Zufriedenheit aller Bcteiiigtc» gegangen. Nach dem Leipziger Kongreß derHandelshilfsarbeiter seien die Centralisten von der gemeinsamen Kommission zurückgetreten, und spätere VerständigungS- versuche seien erfolglos geblieben. Bei den letzte» Delcgiertenwahlen zur Ortskasse hätten nun die ccntralisiertcn Handels- und Verkehrs- arbeiter und die Handlmigsgehilfen ein Kompromiß mit dem «blauen" Verein Berliner Hausdiener und andren arbeiterfeindlichen Vereinen abgeschlossen, um die lokalistischen Handelshilfsarbeiter aus der Verwaltung der Kasse zu.verdrängen. Das Kompromiß sei dahin gegangen, daß die beiden Centralvcrbände die eine, und die blaue» Vereine die andre Hälfte der Mandate erhielten. Die Liste der Kompromißparteien habe den» midi gegen die Liste der lokalistischen HandelShilfsarbeiter gesiegt. Eine weitere Folge dieser Wahl sei die, daß die Vertreter der blauen Vereine zusammen mit den Vertretern der Arbeitgeber die Mehrheit im Vorstand haben. Redner bemerkt weiter. wenn die Berliner GeiverksdiaftSkommission, als sie sich mit dieser An- gclegenheik ocschäftigte. die Vertreter seiner Richiung zugelassen Hütte, dann wäre es»idii nötig gewesen, die Sadze hier zur Sprache zu bringen. Eine große Zahl von Arbeiterorganisationen hätten infolge einer an sie ergangenen Anfrage das Vor- gehen der beiden genannten Centralverbände entschieden verurteilt. Jetzt solle auch das Gewerkschaftskartcll dazu Stellung nehmen. Redner empfiehlt folgende Resolution! Die Versammlung verurteilt Kompromisse mit arheiterfeindlichcn Vereinen.— Die Arbeiter-Organisationen sind seit Jahren bestrebt, die Verwaltungen der Orts- Kraulenkassen in die Hände der klaffen- bewußten Arbeiter zu bringen. um dadurd) für das Wohl der ver- sicherten Ardeiter und Arbeiterinnen Vorteile erzielen zu können. da die Erfahrung gelehrt hat, daß die Gegner der Arbeiter- Organisa- tionen zumeist die Interessen der Arbeitgeber vertreten haben. ES ist deshalb auf das schärfste zu verurteilen, daß die Central- Vcrdände der Handlungsgehilfen und der Handels- und Transport- arbeiter, welche die Principien der Socialdcmokratie hochhalten wollen, fid) mit bürgerlichen Vereinen verbündeten, die nur in ge- sperrten Lokalen ihre Feste und Zusammenkünfte abhalten. Nodi verwerflicher sind derariigc Kompromisse, wenn dieselben dazu be- nutzt werden, um bestehende Arbeiter- Organisationen nieder- drücken zu wollen, wie es von den vereinigten Eentral-Vcr- bänden und gegnensdien Vereinen geschehen ist, denn das Kompromiß wurde dazu benutzt, um eine Scheinmehrheit über den Verband der HandelShilfsarbeiter Berlins, dem Verein der Bretterträgcr, sowie dem Centralverein der Adreffcnschreiber zu erreichen. Die B-rtreter des Berliner Gewcrkschaftskartells betrachten es als Berrat an der Arbeilersache, das; die bezeidineten Centralverbände bei den Kraulen- kasscn-Wahlcu mit arbeiterfeindlichen Vereinen Bündnisse abgeschlossen haben. Es folgte eine kurze Diskussion, in der man sich unbedingt a»f den Standpimlt des Referenten stellte. Zimmerer Fischer bemerkte unter andrem, die vorliegende Angelegenheit sei eine Principiensrage, die zum Ausdruck gebracht werden müsse, umsonichr, als das hier besprochene Kompromiß nicht das einzige seiner Art sei. Es ließen sich noch mehrere Beispiele anführen, die dafür sprechen, daß solche Kompromisse in der Arbeiterbewegung von oben herab befürwortet werden. Die Abstimmung, an der mir die Delegierten teilnahmen, ergab einstimmige Annahme der Resolution. Die Vertreter der zentralisierten Handlungsgehilfen sowie der Handels- und Transportarbeiter waren zu der Versammlung ein- geladen, aber nicht erschienen. Hierauf wurde über die Maifeier verhandelt und festgestellt, daß 18 von den dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften den 1. Mai durch völlige Arbeitsruhe feiern. 5 Gewerkschaften haben noch keinen Beschluß gefaßt, sie iverden aber voraussiditlidi für Arbeitsrnhe stimmen. 3 Gcwerlschaften können mit Rücksicht auf ihre besonderen Verhältnisse die Arbeit nicht ruhen lasicii. Hinsichtlich der Abhallung der Maifeier wurde beschlossen, daß die Gciverkschaften bis zum 1. April dein Aiisschutz mitteile», ob sie selber eine Versammlung abhalten oder sick; einer Gruppe an- schließen ivollen. Maschiiicnarbciter I ä ck teilte hieraus die Einigungsbcdiiigungen mit, welche das Einigungsamt für die Beilegmig des Ausstands der Holzarbeiter aufgestellt hat. In der Diskussion wurde bemerkt, daß, ivenn auch der Streik beigelegt iverde, so ivürde doch ein Teil der Ausständigen noch einige'Zcit zu unterstützen sein. Die ans- gegebenen Sammellisten sollten nod> so lange cirkulieren, bis sie gefüllt sind, und dann der Betrag abgeliefert iverden. Il thes ersuchte die Holz- arbeiter, dafür zu sorgen, daß diejenigen Hausdiener, welche durch den Tiidflerstreik in Mitleidenschaft gezogen waren und sich mit den Tischlern solidarisch erklärt haben, nicht genmßregelt werden. II t h e s, der hierauf über den Verlans des Streiks der Müll- kutscher berichtete, rügte insbesondere, daß der„Vorwärts" über diesen Streik weniger mitgeteilt habe, wie bürgerliche Blätter. Das liege wohl daran, daß dieser Streik von einer Lokalorganisation geführt worden sei. Der„Vorwärts" habe hier nicht das gleiche Recht für alle vertreten. S t r a s s e r machte Mitteilungen über den Streik der Tapezierer und kritisierte die Taktik des Verbands. Bernau beridstete, daß die Rohrer einmütig die Arbeit niedergelegt haben. Er ersucht die Vertreter der Gewerkschaften, darauf zu adfie», daß nicht Angehörige andrer Bauberufe die Arbeiten der Rohrer ausführen.— Ferner kam die Angelegenheit der Metallarbeitcr-Gewerkschaft zur Sprache. Bei dieser Gelegenheit beklagte sich Moricke darüber, daß der«Vor- wärtS" über die erste von ihm(Redner) veranstaltete Protestver- jammlung einen entstellten Bericht gebracht und eine von ihm ein- gesandte Berichtigung»idst aufgenommen habe. Die a» Holzbearbcituugsmaschincn beschäftigten Arbeiter hielte» am 12. d. M. ihre regelmäßige Mitglicdcrvermmmlmig ab. Radi einem Vortrag des Herrn Dr. Wehl beschäftigte sich die Versammlung mit der Stellungnahme zum 1. Mai. Dem Antrage des Vorstands gemäß wird am 1. Mai eine besondere Versammlung ür den Berns anberaumt iverden. Hierauf berichtete Saucrzapf über den Stand der Aussperrung. Es sind 600 Maschincnarbeiter durch die Aussperrung in Mitleidenschaft gezogen. Von den AuS- gesperrten haben weil über hundert Kündigung: jedoch mußten'/s hiervon den Klagewcg beschreiten, um ihr Aecht geltend zu machen. Redner gab sodann eine eingebende Schilderung von dem bisherigen Verlauf der Bewegung mtd' kam zu dem Schluß, daß trotz der unschönen und geradezu brutalen Äawpfcsivciie der Iknteniehmer, die Tausende ganz mibeteiligte Arbeiter ausgesperrt haben, die Bewegung doch zu Gunsten der Arbeiter auslaufen ivird. In der hieraus folgenden Diskussion wurde das Gebahren der Großuntcrnehmer gegenüber den kleinen Fräsereibesitzern treffend gekemizeichnet. Mit dem Hinweis darauf, daß der Kampf noch längere Zeit danern könne, wurden diejenigen, die sich noch in Arbeit befinden, zur regelmäßige» BeitragSleistung sür de» Streikfonds aufgefordert, damit es in keinem Fall an finanziellen Mitteln fehle. Ein Antrag, die AuSspcrrmig durch Forderung ans Lohnerhöhung von 10 Pröz. und Verkürzung der Arbeitszeit ans 50 Stunden pro Woche zn beantworten, wurde zu Gunsten der Tischler sowie im Jiitereffe der Allgemeinheit bis ans iveitcrcs zurückgestellt. Die Bierkutscher» Mitfahrer«ud Kellcrarbeitcr hielten am Sonntag, den 18. d. Mi, eine reckit gut besuchte Versammlung bei Cohn, Beuthstraße, ab. Hoffinaun aus Leipzig referierte über die Lage im Beruf, die Anwesenden zum Anschluß an die Organisation auffordernd. Nach reger Diskussion wurde beschlossen, die Vor- bcreitungcn zu einer Lohnbewegung zu treffen, und soll zu diesem Zweck am Sonntag, de» 3. April, abermals eine Versammlung statt- finden. 55 Vcrsamnilimgstcilnchmcr ließen sicki in den Central- verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter als Mit- glieder aufnehmen. Der Ccntralverband der Töpfer hielt am 14. März eine 'tarkbesuchte Versammlung ab. in der Reichstags-Abgeordneter A g st e r über die Novelle zum Unfallvcrsicherimgs-Gesctz sprach. Im Anschluß hieran bekundete die Versammlung ihr Einverständnis mit der vom Berliner Arbeitervertreter-Vcrein au den Reichstag ge- richteten Petition. Zur Maifeier ivnrde beschlossen, an diesem Tag die Arbeit ruhen zu laffen. Der Vorstand ivurde be- auftragt. eine Marke anfertigen zu lassen. die jedem Kollegen behufs späterer Kontrolle bei Eintritt zur Mai- Versammlung verabfolgt iverden soll. Es konnte mitgeteilt werden. daß infolge der Sperre über die Firma Ruhm die Arbeit vollständig ruht. Die Versammlung hieß das Borgchen der Kam- Mission gut. Ein von der Kommission ansgearbcileter Entwurf über VcreinbarnngSarbeiten wurde mir einigen Abänderungen an- erkannt und soll die Kommission behufs Festlegung desselben als Nachtrag zum Tarif mit den Arbeitgebern in Verhandlung treten. Die Töpfer sind verpflichtet, bei etwa vorkommenden Arbeiten schon jetzt die Vorlage als maßgebend zu betrachten, und wird dieselbe biiine» kurzem vom Vorstand den Baudcpntiertcn zugänglich ge- macht iverden. Mißfällig aufgenommen wurde daS Vorgehen einzelner Arbeitgeber, die, trotzdem an 500 Töpfer am Ort arbeitslos find, Arbeitskräste von außerhalb heranzuziehen suchen. Noch mehr aber ist zn verurteilen, daß fid; hol; des Aufrufs in unscrin Fach- organ organisierte Kollegen nach Berlin wenden, ohne sich im Arbeit-ZnachweiS von der wahren Sachlage zu infornriereir. Der Vorstand verpflichtet sich mit allen zn Gebote stehenden Mitteln Ab- hilse zu schaffen, und die Kollegen zur Rechenschaft zu ziehen. In der Versammlung der Einsettcr, die am Dienstag tagte, beridstete 41 nrko w s k l> über die Verhandlunge» vor dem Einigungs- amt. In Rücksicht ans die hierüber in der Mittwoch- Rümmer ent« haltenen ausführlichen Mitteilungen glauben wir ans eine nochmalige Wiedergabe verziditeu zu können. Redner bemerkte, wenn vor dem Einigungsamt auch eine Einigung mit den übrigen Gruppen der Holzarbeiter meidzt sei, bleibe doch für die Einsetzer nod) alles zu thun übrig. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung forderte daher Redner die Einsetzer auf, den Kampf wie bisher sortzusetze», um die aufgestellten Tarifforderungen zu erringen. Jakobsen, Lehmann. S ch r u ck e n b u r g, Nosenbaunr. und andre äußerten sich in gleicher Weise. Hierauf wurden Kur- l o w S k y zum Delegierten, Jakobsen zum Stellvertreter für die Achtzchner-Kommissio» ernannt. Tie von K u r t o w s k y erstattete und von den Revisoren als richtig befundene A b- rechnung ergiebt eine Einuahme von 460,20 M. bei einer Aus- gäbe von 394,24 M. Im Streikburean wird auf Beschluß der Bcr- sammlung die Erledigung der Geschäfte nur von einem Mitglied der Kommission, und' zwar vou Knrkowsky besorgt. Die Verbands- Mitglieder wurden ersucht, behufs Feststellung der Mitgliedcrzahl, in nädistcr Zeil ihre Beiträge im Bureau oder bei den Vertrauens- Männer» zu begleichen. Um bei den Beratungen der Ackiizehner- Kommission die übertriebenen Angaben der Unternehmer über das Einkommen der Einsetzer berichtigen zu können, iverden alle Einsetzer ersucht, in kürzester Zeit ihren Jahresverdienst nach ihren Lohnbüchern bei der Lohiikommission anzugeben. Tie Herren- und Knaben-KonfektionS-Schueider hatten für Montag wieder eine öffentliche Versammlung einberufe», die auch sehr stark besucht war. Daß es diesen Berufsangehörigen niit ihren Forderungen: Einrichtungen vou Bettiebslverlstätten. 25 bis 5V Proz. Lohnaufbesserung und Lieferung der notwendigen Zutbaten seitens der Unternehmer, sehr ernst ist, konnte man ans dieser Versammlung dentlid) entnehmen. Die große Anfmerksamkeil,_ welche den Ausführungen des Referenten, Genossen Jahn, sowie einigen andren Rednern gezollt wurde, läßt erivarten, daß auch die Heimarbeiter die Notwendigkeit eines thatkräftigen Vorgehens erkannt haben. Die Organisation der Konsektions-Schncider ist bereit, mit dem Verband gemeinsam vorzugehen. Die Metallarbeiter- Gewerkschaft(Lokalorganisation) Hatto am 14. März eine Versammlung einberufe», zu der die Arbeiter des Kabelwerks der Firma Siemens u. Halske geladen waren. Moricke schilderte die Lohnverhältnisse alS überaus schlechte. Von den 900 beschäftigte» Arbeitern sind 800 ungelernte, die einen Stundenlohn von 22— 30 Pf. erhalten. Bei Sstündiger Arbeitszeit ergiebt dies einen Wochenvcrdienst von 12—16 M. Audi' die gelernten Arbeiter erhalten nur einen Stundenlohn von 35 bis 45 Pf. Die rege Beteiligung an der Diskussion bewies, daß die vom Referenten geschilderten Verhältnisse eher noch trauriger sind, als derselbe sie geschildert, und waren alle Redner mit dem Referenten der Meinung, daß nur in einem festen Zusammenschluß in der Organisation Besserung erreicht werden kann. Zu erwähnen ist noch, daß von den sechzehn an- wesenden Mcistcni kein einziger die Firma verteidigte. Die Bau- und Bleigläser hielten am Dienstag in den Armin- hallen etile Versammlung ab. in der H. S d) u l z über die Lage der Bleigläser des D e u t s äs e n L u x f e r- P ri s m e n- S y n d i ka t s, Ritterstr. 26, kurz berichtete. Nach seinen Ausführungen hat die Direktion eine Anzahl Frauen und Mädchen anlernen lassen und so sich bedeutend billigere Arbeitskräfte vcrsdjafft! nid)t nur zu Arbeiten nebensächlicher Natur zieht man die weiblichen Arbeitskräfte heran, vielmehr verrichten sie solche. die in das Fach der Gesellen schlagen, als Zusammensetzen der Muster, Bleieinfassungen und selbst zum Schneiden des Glases. Die Bleigläser haben, da gütliche Vorstellungen nichts halfen, die Arbeit niedergelegt und wurde das Syndikat für die Glaser gesperrt. Der in der Versannnlnng anwesende Meister Berg er gab an, daß die Direktion diese Maßnahmen treffen mußte, indem die Gehilfen in vielen Fällen sich als untüchtig und unzuverlässig erwiesen hätten, im übrigen seien die Löhne sür die weiblichen Arbeiter zufrieden- stellende.(Gelächter.) In der Debatte wurde dem widersprochen und festgestellt, daß die Löhne für Frauen auf 8 M. pro Woche, im Höchstfälle bis 18 M. sich belaufen. Die Versammelten nahmen c i n st i m m i g eine Resolution an, in der sie gegen das Vorgehen der Firma energisch protestieren und die Sperre aufrecht erhalten. Ucbcr die 41 o ch s di e 41 u n st- und B l c i g l a s e r e i. Char- lottenbnrg, teilt ArendS mit, daß deren Inhaber früher die nenn- stündige Arbeitszeit bewilligte, gegen Weihnachten jedoch zurückzog. Es wurde nun 10 Stunden gearbeitet; als jedoch die neun- stündige Arbeitszeit»ach etlichen Wochen wieder verlangt wurde, lehnte der Ilntcrnehmer dies ab, worauf auch hier die Bleigläser die Arbeit einstellten. Nachdem auch etliche Jnimngs- mcistcr in der Versammlung Platz genrnimen, entspann sich eine längere Debatte über die bevorstehenden Wahlen sür die neue Zlv'angsinnnng der Glaser. Trotz vorgerückter Zeit wurde noch verschicdencrscits die Lohnfragc angefchnitten, wobei es zu erregten Aliscinaiidcrsetzungcn zivischen Bau- und Bleigläsern kam. Ein Resultat zeitigte diese Debatte nicht. Eine öffentliche Schuhmachcrvcrsainiuliiug. die am Montag- abend im Neuen Klubhaus stattfand, bcsdiäfligle stch mit den Lohn- verhäldiissen in den Maßgeschäften und mit der Frage, unter>veld)cn Voraussetzungen eine Lohnbewegung durchführbar sei. H e r r m a n 11 hielt daS einleitende Referat. In Berlin ständen sich die Maßarbcitcr schlechter, ivic in vielen Provinzstädten. Das komme ivohl von der Vorherrschaft der Hausindustrie in Berlin. ES wäre sehr ivohl möglich, Besserungen durchzuführen, wo die Kollegen organisiert seien. Vor allem müsse darum aus den Zusammc'üschlnß'in der Gewerkschaft hingewirkt iverden. Viele Schoß» arbeiter der besseren Gcsdiäftc hätten das eingesehen und seien bc- strebt, die nod) Fenistehenden heranzuziehen. Es handle sich bei der augenblicklichen Bewegung um die Geschäfte. Ivo bessere Arbeit gemacht werde, und zwar wollten die am besten bezahlten 4lollcgen beiseite stehen, damit erst die dritte Preisklasse dcS 1896 aufgestellten Tarifs vollständig zur Anerkcnming gelange.— ES entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in der die Arbeitsbedingungen sogar der tüchligsteii Schuh- machcr aus der Maßbraiiche als sehr traurige dargestellt wurden. 72 bis 80Arbcitsftiniden in der Woche seien bei ihnen nichis Seltenes und die bcvorzilgtestcii Schoßnrbeiter der Friedrickistadt wären froh. ivenn sie das Jahr durch einen Tlirchsdiinttsverdiciist von 22 M. pro Woche erzielten. Die Zustände in verschiedenen Geschäften wurden eingehend besprochen. Wie die Diskussion ergab, soll es nicht ausgeschloffen iverden, daß auch die Kollegen der ersten und ziveiicn Lohnklasse gewisse Mißstände auSzuinerzen suche». Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die Bcr- sammlung erkennt an, daß in einer größeren Anzahl Berliner Maß- geschäftc Löhne gezahlt iverden, die nicht ausreichen, den Kollegen ein menschenwürdiges Dasein zu gewährleisten. Die Versammlung fordert die noch nicht organisierten Sdiuhmacher auf, dein Verein deutscher Schuhmacher beizutreten, und dann, gestützt ans eine starke Organisation, den 1896 aufgcstclltcn Lohntans zur Anerkenming zu briiigen."— An Stelle HaminacherS wurde August zum Kandidaten für den GescllenanSschnß bestimmt. Die Hntmachcr erklärten in einer Versammlung am 10. d. M. ihre Zustimmung zu der Petition des Arbcitervcrtretcr-VereinS betreffend die Novelle zu dem IInfallverfichcrungö-Gesetz. Hierauf erstattete Böhm Bericht über seine Thätigkcit als Delegierter der Berliner Gewerkschaftskommission. Derselbe ivnrde beifällig ans- genommen und sodann nach einigen Mitteilungen die Bers.immlnng geschlossen. TkL Verband der Bnchbindr»! bielt cm II. Mär.', eine außer- ordentliche Generalversammlung ob. Aus Antrag Brückner wurden tZtt) M. für die streikenden Holzarbeiter bewilligt. Sodann vollzog die Versammlung die Wahl der Delegierten ziun Berbandstag. Es wurden gewählt BytomSkh. Bergmann. Briickner, Krause, Becker, Lemscr. Schmidt, Rcubert-Luckenwalde, Weinschild. Hofsmann. Mchcr- Adlcrshof, Schulze, Scherwart. Den Schluß der Beratung bildete die Besprechung der Anträge zum Berbandstag. FricdrichSfcldc. Am 13. März fand hier eine von Z e s Arbeitsbuch verschaffen.— D. W. 31. Zahlen Sie direkt an den Arzt nur das, was er zu beanspruchei! ha:, alio tl, nicht lö Mark.- Prinz Louio Acrdiiinnbstrafic. l Ja. 2. Nein. - Hcriuan» L. Leider bleibt nur ein Gesuch an die Arrnenkoinmission möglich- 19 300. 1. Sic(äiiiicii aus beides klagen 2. Beim AmtS- gerichl 3. ölcin.— G. 500. Ein uolarieller Verlrag ist nicht notwendig. aber zweckmäßig.— 1001. Ja■, aber die Rechtivrechung des Reichs-Ver- sichernngsamls ist im Gcgenlatz z» der früheren, von den BerusSgenofsenschallen lcbliait bckämpjten Rechtsprechung Leislenbriichcn aegenüber sehr ungünstig - SS. Dissen. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja.- E. M. 41. t. Nein, aber der Vertrag müßte form gerecht sein. 2. Wenden Sie sich an die Offen. bacbrr Kranleniasie.- 5 Zlndaner. Der Pumpcnscüid muß mit zahlen> — Abonnent 00. Der Ausländer ist m demselben Maße wie ein In- f länder steuerpflichtig— F. W. 1. und 2. Ja, die Klage ist aber schwierig. 3. Sämtliche Mitglieder müffcn klagen, wenn nicht aus dem Statut clwos andres erhellt. 4. Das Zlmlsgcrichi ist zuständig.— P. I. 100. I und 2: wen» Sie nur für e i n e» Arbeitgeber gearbeitet haben! nein. Vor- klagen Sic die Kaste auf Anerkennung Ihrer Mitgliedschaft bei der Gewerbe- Deputation des Magistrats.— BS. M. 100. t. Nein. 2. Ist richtig. - Mainzerstr. 18. Sie können dagegen nichts mehr macheu.— A. 1900. Eine Klage gegen den Wirt wäre erfolglos, da die verbreitete Abweichung von der Wahrheit unwesentliche Dinge betrifsi. Wenn der Mieter nach Ablauf des Vertrags nicht zieht, kann der Wirt auf Ermissio» klagen.— E. S. 8. Sie mußten van Jhreiu Vorpächter rechtzeitige Einräumung bc- gehren. Dieser kann sick dann gegen feinen Pächter wenden— G. M. 5. Leider nein.— L.K. 81. In beiden FäUen ist das Mädchen leider fchntzlos. — Weisdorn. Sie gehe» von irrige» Voraussetzungen au». Die Höhe der aiigesammelten Summe ist gleichgültig, die Rechtslage ist so: mn« niinint an. einen Verein, der die Ilnterstützimg seiner Mitglieder bezweckt, eine sogenannte Zuichnblaffe, sc: eine Bersicheriiugsgesellschaft und bedürfe daher stets in Preußen polizeilicher Gciichmiguiig. wenn dem einzelnen Milglied ein IlagbareS Recht ani Unterstützung erwächst. Deshalb thut man gut, Zuichuhlaffen io zu gestalten, daß dem einzelnen Mitglied nach den- Statuien lein klagbares Recht erwächst, daß aber durch deiuo- kratische Organisicriing deS weder anmeide- noch genehmigiings- psiilbtigen Vereins Vorbeuge gegen Ungerechtigkeiten geschaffen wird. - Jähncr. 1. Für ganz Deutschland bestehen Standesämter seit dem 1 Januar 1876. Verschiedene Gebiete Dcntichlands, insbesondere die von der iranzvsiichcn Gesetzgebung beeinflußten Teile, z. B. Frankfurt a. M., der Kölner Bczirl. die Pfalz. Bade». Großherzogtum Hessen, Lübeck. Bremen. Hamburg, hatten schon viel früher Eivilftandsämter. 2. und 3. Diese Ge- biihrcn sind kirchlich lür verschiedene Sprengel verschieden geregelt: sie schmouken zwischen 2 und 4 M. 4. Großjährige Mädchen»nd Frauen, al'o iolche welche das 21. Lebensjahr vollendet habe», sind auch als Heivatö- zeugen zcugutSsähig.-<0. Zchtvarz. 1. Es müßte ein notarieller oder ein gerichtlicher Vertrag geschlossen werden. 2. Da die Betreffende»'.cht mindestens 200 Klebemarle» aufzuweisen hat, so steht ihr ein Anspruch auf Jnvalidcnrcute»iwt zu.- N. H. U>00. ES besteht nach dieser Richtung hin leine Schonsrist; üblich sind 3-L Tage.- Hg. Sie irren. Für den Inhalt»er Inserate tibernimnit die Redaktion den, Pttbliku»» gegenüber keinerlei _ VeraniNiorlung. Dhvntvv. Donnerstag, den 22. M ä r z Opernhaus. 9. Sinfonie-Abend der königl. Kapelle,«»sang 7'/- Uhr. Schauspielhans. Der Eisenzahn. Ansang 7 r/z Uhr. Tcntsckieo. Wenn wir Talen er- wachen. Anfang?>/, Uhr. Lesfing. Als ich wiederkam Anfang 71/2 Uhr. Berliner. Libuffa. Anfang 1l/2 Uhr. NeneS. Nackte Kiinst. Ansang ?>/- Uhr. Schiller. Gebildete Menschen. An- saug 8 Uhr. Westen. Der Poslillon von Lon- jumeau. Aninng 7>/z Uhr. Thalia. Im Himmelhos. Ansang 7l/z Uhr. Rcjlbeiiz. Die Dame von Maxim. Ansang 7Vz Uhr. Luisen. Ans goldenem Boden. An fang 8 Uhr. Erntral. Die Puppe. Ansang ?'/- Uhr. Carl Weift. Ter Minenkönig von Transvaal. Ansang 8 Uhr. Bklie-All inner. Cigarettenmädchen Hierauf; Ein Sludentenstreich Slnsang 8 Uhr. Victoria. Onkel Cohn, stlnfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelm, tadtischeS. Wilhelm Tcll. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorslcllung Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. »lpollo. Svecialitälen- VorsteNiing In» Reiche des Jndra. Ansang 7'/- Uhr. Palafi. Specialiläten- Vorstellung Die neue Herrin. Ansang TV, Uhr. Sirichshallc». Slcltiner Sänger Ansang 8 Uhr. Passage- Piiiiopiikinn. Spcclall- läieii-Vorstrllnng. »ran ja. Invalibenslr. 57/03. Täglich abends von ö-lb Uhr: Slennvaric. Taubcnstrafte 18/19. Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zm» Vesuv'._ Schilltt'WM' IWaUner-Thcalers. Donnerstag, a b e n d ö 8 Uhr VvdllSet« lnenschen. Volksstück in 3 Aufz v Vieler Lco» Freitag, abends 8 Uhr: t-cOlIclvto!1l!e»s>c1»en. Sonnabend, abends 8 Uhr: SSakiliiatv Ziansaiian. Ui'snis 18/111. lu, Dkeatsr sdancks 8 llbr: „Von den Alpen zum Vesuv'.' lnvaliclcnstr. 57/G.3: Sternwarte. Nachmittags 5— 10 Uhr. IPA S jm| eu: g CASTANS PANOPTICim JVen!\cii Ein flies® der englischen Armes Sergeant Tl). Dalroy 3 m 30 cm hoch! Oberbayrische Sänger und Schuhpiatlier■ Gesellschaft. "Passafe-Panopticuffl." Von Sonnabend, d 24. d. M. ab: 35 Togo-Üegesp (28 Mädchen, 5 Männer, 2 Kinder) Vorstellung um II 12. 3lA, l'/ä. 5'/i, 6'/:,?'/.. 9 Uhr.' Wilhelm Theater. DreSdenerftr. 90. Eröffnung: Sonnabend, den 24 März 1990: Die Cerknüs-Fee. Operelie in 2 Akten von E Felich. Musik vau H Scheidenhofer Lilletvrrkaus von heute ab im Theater- bureau. l'illgst-ltlkgtkl' früher k'von-l'ulust, Bnrgstr 22 Wiederholung dir am Mittwoch mit inoßem Eriolg ausgenomvienen AM' Benefiz-BorjteUung. Anstreten de: ersttlasfig«: Lff Kmisit- 8pec1»IitStc». 3 In Berlin noch nie dagewesen üjUff— Clüre Schilffer' mit ihren 12 dreiiierten Zlegen lim 8>/z Uhr: Direitor Wilhelm Frobel in der Berliner Bolks-Opererte Die nene Herrin. Ans. 7>/,Uhr Vorverk. v ll-I Uhr Sonnabend: Frühlings-Jiibel- fest Frei- Tanz— Preisverteilung. W. Noaclis Tlieater, Bruniieiistraße Iß Mutter und Sohu. Schauspiel ur 4 Akten(5 Bilder) von Charlotte Birch-Pfeiffer. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tauzkrättzcheu. Apollo-sllKStkI'. Iii Kaiciiö Imlra und 8 erstklassige Specialitäten. Begini: der Vorstellung 7>/, Uhr. Vorverkauf von IO-S ülir im Theater sowia beim„Invnliden- dank" und„Künstlerdank". Central-Clicnto; Direktion: Jose Fcrenciy. Die Pupp e. (I-u l'oupöo). Lvriktte in 3 Akien und eineiit Vor- sp l von Ordonnenu und Sturgeb Musik von Ed Audlan. ..7 argen und folgende Tage: Tie Puppe tla Ceupse). stoiiniaguachiniitag 3 Uhr zu halbe» ':jen: Illv LTullorntuus von 7>. Strang. l'daliA-'kdeklte?. ?eI.AmtIVa S440. oresdeaerotr. 7Z/7Z. Täglich: Ricsciilachcriolg: Im Hittimclhof. Thomas, Thiclschcr, Heimerdinz, Junkermann. Panlmiillcr. Ansang?>/., Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Hinimelhof. Sonnabend, den 24. März: Benefiz fih Emil Thomas: Im Hlmmelhof. Belle- Äüianee-Thealer. 2. 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Heute, Donuerstag, tieu Z?. Mrz, ubenhg llljr: Drei Dersamminngen 1. Ll'suerei friellneliZlisill, Am Friedrilljshlliu. 2. Selmeiier lZAi'teo, Am KöiligSthor. 3. Sölmiseljes SrAuImus. Luildsberger Allee 11. TagcS-Ördnung: Die Vorschläge des Einigungsamts. _ Der Binbci'nfcp. Rixdorf. DkliMer Volzarbkiter-Vkrlnlild. Am Tonncrötag, de» SS. März, abends � Uhr, im Lokal des Herrn Thomas, Hermannstr. 48—39: Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnnng: Bericht über die Beilegung des Streiks. Das Erscheiueu aller Kollegen ist erforderlich, Sl/IZ Holzbearbeitungs-Maschinen- Donnerstag, den 23. März, abends 8 Uhr, in Ficbigs Salon, Grofte �rankfurterstrahe 28. Oeffentliche Versammlung. Tages- Orb n» ngi Bericht über die Beryandlimgen vor dem E'inignngsamt i» Tachen des Streiks resp. der Aussperrung der Holzarbeiter. Um pünktliches Erscheinen aller Liollegeii btltct 82/12 Dop Binbopakop. Veeelii llee welilei' Seelliiz ii. llmgegei»! (BertraucnSmänner-Centralisation). »sät«, v«i»i»o»'»,taK, den SÄ. d. ZI., vapniittai»», 19 Illip, _ bei Tliicls, Fpuchtstpassc Xo. 36a: W NertnutittluniZ."AW Tages- Ordnung: Stellungnahme zn den b'inignngsvorschlägen. 5?b Do»» Vorstand. Morgen, Freitag, abends«>/- Uhr, Skaliherstr. 1S6(Kottbuser Thor) bei Schuhmacher: Vortrag über Leber-, Nieren- n. Vlasenleiben, vorgetragen an groftcn farbigen Lichtbildern vom prakt. Natur heilkundigen Gpundmanu. Frauen und Männer willkommen, Eintritt 20 Pf. Lerllver Verein kür XAturüellverksdren. Keschäftsstellc Köpnickersir. 7S, nahe Briielensirnhe, Sprechstunden täglich 11-2, 0—8, Sonntags 11—12. Arbeiter-BMimgsschule. Am Sonutag, den ÄZ. HUpz, abends 7 l'hr, im Lokal „Apniinhallcn", Kommaiidantcnsteassc S9: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten August Bebel über:„Cliarles Fourier". Nach dem Vortrag: Gemütl. Beisammensein u.Tanz. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf.[4/1 S* Todes- Zlnzeige. Zlllen Freunden nnd Bekannten die traurige'Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter nach langem, schweremLeiden Sonntag, den 18.März, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22, März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Scbnstian-KirchhofS aus statt, F. mischkowskl und Kinder. Danksagung. Allen, welche incinem lieben Mann, unfemi unvergeßlichen Vater, dem Arbeiter Borowski, die letzte Ehre erwiesen haben, sagen hiermit ihren innigsten Dank Wwe. BorowSki und Sohn. ipM AM« für inner und Frauen zu Berlin. Sonntag, 25. März 1900, vormittags 10 Uhr, in Noacts Festsälen, Brnnnenstr lö: Vrdentl.Keneralversammlung Tages- Lrdnnng: 1. Bericht des Vorstands über das abgelaufene tÄeschäftsjahr, 2, Bericht der Revisoren, 3, Antrag des Vor- stands: Zusatz 5 zu K 12, 4, Wahl von drei Vorstandsmitgliedern und drei Revisoren, 5, Verschiedenes. Das Quittungsbuch relp, letzte Quittung der Sterbckasse legitimiert, Der Borstand. 30b 7K. llooso, Vorsitzender, Hirtenstr, 0, j Nlitur-Heilverflshml. D Haut', Harn- u, Blasenleiden, Frauen-Krankheit.. heilt sicher ohne BcrufsstZrung,[3978L' I � B. Vkgner. W-«-?-- 9-2,5-9,St,9-2 Achtung? &URER Achtung! Doniitt'Stllg, bfii 22. März, llbtilbs 8 llhr, bei Cohn, BttttWit 20-21: Uerjammlnng d« Kandepntierten Tages-Ordnung: I. Der Wert des Bandeputiertell-Tystems. 2. Gewerkschaftliches. SQT" Da eine Ansbauung des heutigen Baudepntierten-Systems von großem Vorteile für unsre sernere Bewegung ist, halten wir eS jiir notwendig, das; jeder Bau in dieser Versanimluiig durch einen Delegierten ver- treten ist.__(136/204) Die Terbandsleitmig. I Ge sellen-Ans sch n jse! Anistz, itli 23. d. M.,«feilte U. Hfe, in fe» äraiiijilfii, KMmiiteiltnlßr. 20: ZnisammenknnU der Vorsitzenden sämtlicher Gesellen-Ausschüsse Berlins und des Neg.-Bez. Potsdam sowie der Kandidaten zur Handwerkskammer behnfs Feststellnng der Wahlen. 42b]___ Die Kommission.?, Sl,: H. Barlliel. Pticklerstr, 6, III. Verband dar im Varpldargawarba bssalältigian drbaitar und Arbeiterinnen Deutschlands.(Filiale Berlin.) Sonnabend, den 24. März 1900, in den Festsälen der„ Adhambra", Wallnertheatepstrasse 15: » l» X. Ntil1fui»s,»-Fos»t.»» dxl'OSSOfS Konzert>u>ter Mitwirkung der Konzcrtsängerin Fräulein Katl»! BitvndO. Frau O. Felmy, Deklamation, und des Opernsängers und Recitaiors Herm llax Felmy. Beginn des KonzertS präcise 8», z Uhr. Wahrend des KonzertS bleiben die Saalthiiren geschlossen. Nach dem Konzert: ClFaSSLN B�ll* Herren inkl. Tanz 50 Pf., Damen 30 Pf. BilletS sind bei allen Vorstandsmitgliedeni, Vcrtrauensniänneni und iui Restaurant F. MerkowSkY, Wallnerihcaterstraße 20(neben der Alhambra) zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet 223/6 Der Yopstand. Freie Volksbühne. Sonntagnachmittag 23/i Uhr: I. Abteil, im Carl Weiss-Thcater: Die Xenvermlililten. Schauspiel in 2 Aufzügen von Björnson. Die sittliche Forderung. Einakter von O. E. Hartleben. II. Abteilung: Sonntag, den 1. April."ME 229/3 Um pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. L A.: ü. Winkler. Central-Festsiile (früher Rautenberg) O r a n i e i« st r a s< e 180. 45ö Empfehle meine neu renovierten Säle den geehrten Vereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Versammlungen sowie Festlichkeiten jeder Art, CentralmliaRfl der Elektroßionteiire u. Benifspn, Deutschlands(Sektion Berlin 11). Sonnabend, den 24. März, in den„Flora-Sälen", Weberstrasse 17: Kr. Wiener Masken-Ball. ——— Anfang 8'/. Chr. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Billets sind im Vereinslokal Sophionstrasse 5 bei Hummol zn haben. 266/13* Cacaa WlF«/, Kilo genügt lür 100 Tassen Ein Versuch Oberzeugt, dess ¥an Houtens Cacao für den taglichen Gebrauch allen anderen Getränken vorzuziehen Ist. Cr Ist nahrhalt, nervenstärkend, wohlschmeckend, leicht verdaulich und stets schnell bereitet. 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Postamt 51._ 386 Tiichtjge Vergolderin verlangt M hohem Lohn und dauernder Beschäm- giuig It. Viehstadt, Stallschreiber- straße 18. 47b Schirui-Näherinncii verlangt fnbrik Wallstr. II. ichiiin- 44b Maschinenstirker, geübte, für sofort bei hohem Accordkohii gesucht, Carl Viru, Dresdenerstraße 88,89. Plätteriiinc» im Hanse verlangen bei hohem Wochenlvhn Fischbein 6: Mendel, Leipzigerstraße 82. f2lb* Ii» Arbeiteinarkt durch besondere» Druck hervorgchobrne Zlnzeigen kosten 40 Pf. pro Zeile Bis 10 M. Ncbenvet dienst tigl. leicht n. anständig für Personen jed. Standes, mich Fronen. Patent, verwertungs- Gesellschaft Wolfstein A. 6.(Rückinartc beifügen)[lOl/?* Verantwortlicher Redacleur: Paul John in Berlin. Für den Jnscratenletl verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. |t. 68. 17.|a|rpat). Z. H7okcrles. Die Berliner StcrblichkeitSziffer befindet sich seit langem in einem ziemlich ununterbrochenen, sehr beträchtlichen und noch immer andauernden Rückgang. Sieht nmn, wie üblich, das Verhältnis der Zahl der in jedem Jahre Ge- storbenen zum jährlichen Durchschnitt der Gesamtbevölkenuig als Sterblichkcitsziffer an. dann stellte sich diese für Berlin im Jahre 1897 — nach Angabe des neusten, das Jahr 1897 behandelnden Jahr- gangs des Berliner„S tatistischen Jahrbuchs" nur noch auf 18,67 Gestorbene scinsäiliestlich Totgeborene) pro 1006 Personen der Gesamtbevölkenmg. Sie hatte damit den niedrig st en bis dahin in Berlin beobachteten Stand. v irkliche Ver- Minderung d e r S t e r b l i ch k e i t z n r ü ck z u f ü h r e n i st. Zu dem Rückgang dieser Sterblichkeitsziffer hat die A e n d e run g derZusanimensetzung derBevölkernng nach Alter und G e s ch I e ch t in Verbindung mit der G e b u r t'e n a b» a h m e sehr wesentlich mit beigetragen. Da gerade in der Großstadt die Zufammeusctznng der Bevölkerung einer sehr merklichen nur manch- mal sehr raschen Aenderung unterliegt, so giebt hier die uns aus der Vergleichung der Zahl der Gestorbenen' mit der Vebölkerungs- zahl gewonnene Sterblichkeitsziffcr überhaupt ein ziemlich mangelhaftes Bild der wirklichen S t e r b l i ch k e i t s- Verhältnisse. Die nach wissenschaftlichen Grundsätzen, d. h. aus der Sterblichkcitstafcl abgeleitete, also korrektere Sterblichkcitsziffer, die das„Jahrbuch" vorläufig nur bis 1895 mit- teilen kann, stellt sich für Berlin thatsächlich erheblich höher, und zwar wird die Differenz zwischen der korrekteren und der andren Ziffer anch vonJahr zu Jahrgrößer. Von 1876 bis 1895 sank die nach dem gewöhnlichen Verfahren berechnete Stcrblichkcits- ziffer von 31,51 auf 21.24 pro 1000. Tie aus der Sterblichkcitstafel abgeleitete Ziffer stand aber 1876 auf 33,15 und 1895 auf 26 66 pro 1000. Sie übertraf also jene im Jahre 1876 nur erst um 1,64(rund ein Zwanzigstel), 1895 dagegen bereits um 5,42 (nmd ein Viertels. Von 1876 bis 1895 sank die gewöhnlich so genannte Sterblichkcitsziffer um rund ein Drittel, dagegen die korrektere Ziffer nur um rnnd ein Fünftel, so daß die Abnahme der Berliner Sterblichkeit thatsächlich viel weniger bedeutend ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Uebrigcns muß anch d e r Umstand, daß Jahr für Jahr ein Teil der Berliner Arbeite rbcvölke- rung in die Vororte hinausgedrängt, also auch die Zillammensetzung der Berliner Gesamtbcvölkeriing nach Bcrnf, socialer Stellung usw. allmählich geändert wird, die Sterblich- Ziffer Berlins beeinflussen. In welchem Sinne und bls zu welchem Grade das geschieht, das muh so lange UN- entschieden bleiben, als es uns an einer einheitlichen Be- v olker un gsstatistik für Groß- Berlin fehlt. Die Gründung eines Vereins zur Wahrung der Interesse» der Kunst und Wissenschaft beabsichtigt der Schrift- steller Hermann Sudermann in Gemeinschaft mit noch mehreren hervorragenden Vertretern der Kunst und Wissenschaft. Er will zu diesem Zwecke eine Vcrsnnimluug nach dem Nathan se einberufen und wandte sich an den Oberbürgermeister Kirschner, ihm zu dieser Versammluiig den Festsaal des Rathauses zum Sonntag, den 25. März, mittags 12 Uhr, herzugeben. Herr Oberbürgermeister Kirschncr berief die im Nathause ainveseudcn Stadträte, tvelche be- schlössen, dem Gesuche nachzugeben und hierzu die Zustimmung der Stadtverordueten-Versammluiig nachzusuchen. In den Dienst der NcichSpost sind 340 Angestellte der Pakctfahrt übernommen worden. Die Einstellung erfolgt am I.April. Es handelt sich durchweg um Unterbeamte, die ungefähr in den- selben Bezirken wie bisher bei der Paketfahrt, in denen sie auch ihre Wohnung haben, im Neichspostdienst beschäftigt werde» sollen. Die Abweisung der übrigen Unterbeaniten erfolgte zumeist tvcgcn deren körperlicher Unzulänglichkeit, das„Examen" bestanden hingegen alle Uiiterbeamtcn bis auf fünf, deren Zurückweismig nun aus diesem Grunde erfolgte. Dahingegen hat die Postverwaltung davon absehen müssen, Beamte der bisherigen Paketfahrt in ihren Dienst zu über- nehmen. Ihre Fachausbildung entsprach nicht den Anforderungen der Postverwaltung. Jedoch find einzelne bisherige Expeditions- beamte der Pakctfahrt von der Post auf ihren eignen Antrag als Unterbeamte übernommen worden. Elektrische Lichtbäder sind in dem städtischen Krankenhause am Urban im Jahre 1898/99 als Mittel gegen chronisch-rheumatischc Leiden sowie gegen verschiedene Erkrankungen des Nervensystems eingeführt wordeii. Die Erfolge dieser Art Schwitzbäder ivaren, wie der jetzt erschienene ärztliche Bericbt der Anstalt hervorhebt, bisher sehr günstig. Von den bereits früher eingeführten, gegen dieselben Leiden angewandten Sandbädern wurde gleichfalls wieder in aus- gedehntem Maße Gebrauch gemacht. Zuweilen konnte sogar der Bedarf an Sandbädern nicht gedeckt werden. Der Erfolg war auch hier sehr günstig. Arbeitcrsahrkartcn. Die Bestimmung im Personciitarif, Teil 1, voni 1. Januar 1900, Seite 8, Ziffer III, wonach Arbeiter- karten für die IV. und da. wo diese nicht besteht, für die III. Wagen- klaffe zu ermäßigten Preisen an solche Personen ausgegeben»Verden, die außerhalb ihres Wohnorts mit mechanischen oder H a n d a rb e i t e n beschäftigt sind, also zu den Arbeitern im eiigeren Sinne des Worts gehören, hat,»vie die„Ztg. d. V. d. E.-V." in Nr. 22 vom 17. d. M. mitteilt, vielfach zu Ziveifeln Veranlassung gegeben. Die Interpretation, die die Eisenbahndirektion Berlin jetzt dieser Bestimmung giebt und die auch für die übrigen Direktionsbezirke vorbildlich»verde»»vird, ist folgende:„Nur solche Person c» haben auf Verabfolgung von Arbeiterkarten Anspruch, die ihre Arbeitereigens ch'afi»achzulv eisen vermögen. Dieser Nachweis ist durch Vorzeigung der Alters- und Jnvaliditäts- vcrsicherungs-Karte oder eines Arbeitsbuchs oder einer Bescheinigung des Arbeitgebers oder der Orts-Polizeibehörde, daß der Betreffende als Arbeiter beschäftigt ist, zu führen, sofern die äußere Erscheinung der Betreffenden nicht ohnehin er- kennen läßt, daß dieselben dein Arbeiterstande angehören. Lehrlinge haben eine Bescheinigung ihres Lehrherrn beizubringen. An andre Personen, beispielslveise an selbständige Handwerksmeister, an Bureau- und Handlungsgehilfen soivie Hausierer und Boten- frauen sind fortan Arbciterkarten nicht zu verabfolgen." Hoffent- lich haben damit Scherereien ein Ende, die auf Vororts-Bahnhöfen vielfach Arbeitern bereitet worden sind. Ter Raubmörder Gönczi verbleibt»vährend der Dauer der «liitersuchnngshaft angekettet. Der Angeklagte hatte sich seinem Ver- leidiger Rechtsanivalt Dr. Herbert Frankel gegenüber beklagt, daß sein Gesundheitszustand unter der Ankettiing leide, und die Be- fürchtniig ausgesprochen, daß er der bevorstehenden Schlvurgcrichts- Verhandlung nicht»vürde folgen können,»venn er. noch ferner mit den Ketten belastet bleibe. Infolgedessen hat Rechtsanwalt F. an den Vorsitzenden des Schwiirgenchts, Landgerichts-Direktor Huth, ein Gesuch gerichtet, dem Gönczi die Fesseln abnehmen zu lassen. Daraufhin ist vom Gefängnisarzt ein Gutachten eingefordert Ivorden. Dasselbe ist bei Gericht eingegangen und lautet dahin, daß durch die Ankettung nicht nur keine Gefährdung der Gesund- heit des Angeklagten zu befürchten sei(?), sondern daß sich der i>ts Jorairto" Krim J HlilBWm Zustand desselben,»velchcr anfänglich zu Besorgnissen Anlaß gab, erheblich gebessert habe. Unter diesen Umstanden hat der Schivurgcrichtspräsidcnt das Gesuch des Verteidigers abgelehnt.— Vorher hatte er jedoch angeordnet, daß dem Rechtsanivalt F. die sehr umfangreichen Schlvurgerichts- und Beiakten mit der Ver- pflichtung, dieselben unter Verschluß zu halten, zu übermitteln sind. * Der Vorstand des Vereins deutscher Schuhmacher teilt uns mit, daß die Darstellung mehrerer Blätter,»vonach die Affaire ztvischen den Schuhmachern Konrädel lind Hildebrand auf einem Fest des Vereins deutscher Schuhmacher passiert ist, den Thatsachen nicht entspricht. Der Verein hat mit den» Maskenball, wo der auch von uns am Dienstag gemeldete Vorfall sich zutrug, nichts zu thun gehabt. Nene Preiserhöhung. Der Papierberein Berlin und Provinz Brandenburg erläßt eine Bekanntmachung, wonach auch die Preise für Papier und Papicrlvarcn aller Art erhöht»vorden sind. Ter Hanptniaim Weudlaud. Der in Konkurs geratene deutsche Bankverein in Liquidation, eine Gründung des Hauptmanns Wend- land,»var, wie berichtet wird, ursprünglich eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung. An die Gründung dieser Genossenschaft ging Wendland, nachdem er von der' Vcrsichenmgsgescllschaft „Gcrniania", deren Direktor er»var, mit einer Abfinduiig von 80000 M. entlassen ivorden war. Er erwarb ein Winkel-Börsen- blättchen, die„Allg. Börsenzeitung", und benutzte es dazu, um die Genossenschaft„Deutscher Bankverein" zu gründen. Nachdem die Genossenschaft einige Barbestände erlangt hatte, gründete er 1896 eine Kommandit-Gescllschast auf Aktien„Deutscher Bankverein", Paul Wendlaiid u. Co.. von welcher erstere übernommen iviirde. Die Genossenschaft trat in Liquidation, blieb aber trotzdem neben der Koinmaudit-Gesellschaft ans Aktien bestehen. Das Aktienkapital sollte eine Million Mark betragen. Hanptbctciligter»var neben der Genossenschaft W. selbst, welcher allein mit einem Aktienbesitz von 280 000 Mark figurierte. Es stellte sich später heraus, daß von W. nicht ein Pfennig bar ein- gezahlt war. und daß er die Gelder der Akticnzcichner erst dazu ver- wendete, seine eigenen Einzahlungeii zu leisten. Durch die von ver- schicdeiicn Aktionären geführten Anfechtungs-Prozesse auf Rückzahlung der Aktien-Valuta wurde die Ausmerksnmkeit der Behörden auf das Treiben Wcndlands gelenkt. Im Laufe des Prozeßverfahrens zeigte es sich, daß die Genossenschaft„Deutscher Bankverein" statt des zur Aufstellung gebrachten 30 prozentigen Gelvinns mit einem Verlust gearbeitet hatte, daß die Werte,»velche als Aktiva der Genossenschaft aufgeführt erschienen, ganz»villkürlich festgesetzt waren, und daß ein Betrag von 68 000 M., der als Gelvinn der Genossen- schaft gebucht»var, thatsächlich einen Spekulationsverlust derselben bedeutete. Die Höhe der Differenzspckulation der Genossenschast betrug im letzten Jahre(1896) vor deren llebernahme in die 5lommandit-Gescllschaft 40 Millionen Mark. Herr Hauptmann a. D. Wcndland»var, wie die„Berliner Zeitung" noch meldet, früher einmal eine Hauptstütze des Antiselnitismus. Bei irgend einer Gelegenheit überreichte er dem Herrn Ahllvardt einen Riefcnlorbecr- kränz! Ein«euer Schwindel, durch den namentlich B a n- H a n d- »v e r k e r um Zeit und Geld gebracht»Verden, ist jetzt ini Gang. Ein Mann erkundigt sich nach den Wohnungen der zur Zeit arbeits- losen Maurer, Tischler oder Zimmerleute, stellt sich bei diesen als Geschäftsführer eines Theaters oder einer Fabrik vor und sagt, daß seine Direktion ihn schicke, um den Arbeitslosen für Reparaturen zu engagieren. Die Stellung»vird als lohnend und angenehm ge- schildert; ein Wort giebt das andre und bald hat der Schwindler sich von dem Arbeitslosen nicht nur bcivirtcii lassen, sondern ihn auch um etliche Mark angeborgt, tvobei die vergessene Geldbörse die hergebrachte Rolle spielt. Zu' Anfang dieser Woche trieb der Un- bekannte in Fricdrichshagcii sein Wesen. Mehrere Zimmcrlente Ivaren von ihm zu gestern morgen nach dem Opcrnhause bestellt »vorden, wo sie bald gcivahr werden mußten, daß sie einem ab- gcfeimten Betrug zum' Opfer gefallen ivaren. Daö Polizcipräsidinin teilt mit: Die spanischen Schatz- g r ä b e r überschivennnen seit einiger Zeit ganz Deutschland mit ihren schivindelhaftcn Offerten. Während früher ein gefangener bankrotter Bankier dem Adressaten anbot, gegen Einsendung eines Vorschusses die von ihm vergrabenen Depots zu teilen, bittet jetzt ein angcblilbcr kubanischer Kriegsgefangener in beweglichen Worten, ihm zur Hebung von 900000 Fr. behilflich zu sein. Trotz aller Warnungen fallen dieser Gaunerbande, die von Barcelona und Madrid aus operiert, immer wieder Leichtgläubige zum Opfer. So hat eine Dame aus Frankfurt am Main nicht allein 5000 Mark Vorschuß den Betrügern eingesandt, sondern sogar die Reise nach Madrid unternommen,»vo sie durch die Be- Hörden über den Betrug aufgeklärt»vurde. Ein Bürger aus Bremen, »velcher mit seiner Tochter ebenfalls nach Madrid gereist»var, un» sich persönlich mit dem Briefschrciber in Verbindung zu setzen, teilte ihr Schicksal. Auch ein Berliner S ch a n k lv i r t hat sich allen Ernstes mit einem Gelddarleiher in Verbindung gesetzt, um sich von diesem gegen Teilung des Profits die erforderlichen Geldinittel zu leihen. Jeder Pfennig, der an die Sache geivandt ist, ist verloren, da von dem Augenblick ab, Ivo die verlangten Vorschüsse sich in den Händen der Betrüger befinden, diese nichts niehr von sich hören lassen. Vom StaatSrettcr zum Lebensretter Hai sich der Staats- anwnlt R o m e» entwickelt. Dieser Herr, der 1893 anch in bürger- lichen Kreisen peinliches Aufsehen erregte, als er den Eid eines Socialdcmokraten als minderlvertig hinstellte, hat sich vor kurzem dadurch um die menschliche Gesellschaft ein Verdienst crlvorben, als er in der Passaucrstraße einen Bierkutscher vor dem Ueberfahren- »verde» rettete. Für diese That hat Herr Nomen jetzt die NettungS- medaille erhalten. In eine sehr gefährliche Lage geriet gestern nachmittag um 4 Uhr der 53 Jahre alte Rollkutscher Josef Schulz aus der Solms- straße 9. Schulz fuhr mit einem mit Kasten beladene» Wagen des Spediteurvereins von der Linden» in die Ritterstraße ein. Beim Um- biegen stürzte er mit einer Kiste, auf der er saß, vom Wagen herab und fiel auf die Stränge zlvischen beiden Pferden. Diese scheuten in- folgedessen und gingen durch. Während sein Sohn, der als„Rollmops" mitfuhr, sich durch einen Spnlng vom Wagen in Sicherheit brachte, »vurde Schulz, mit dem Kopfe nach unten auf dem Gestränge hängend, bis zur Alten Jakobstraße geschleift. Dort stieß der Wagen einen Laternenpfahl und das Schutzgitter eines Baumes um und kam dann zum Stehen. Schulz, der unterdessen das Be- wußtsein verloren hatte,»vurde nun aus seiner fürchterlichen Lage befreit und von einem Schutzmann nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße und von dort mit einer Droschke nach seiner Wohnung gebracht. Durch mehrfaches Aufschlagen des Kopfes auf das Straßenpflaster hatte er sich eine schivere Gehirnerschütterung zugezogen. Die flüchtige Masseuse Margarete Fischer, nach der das vielbesprochene Strafverfahren gegen den Bankier August Stern- b e r g unter der Rubrik„Fischer und Genossen" läuft, hatte uns. wie gemeldet, niitgeteilt, daß sie nach Berlin zurückzukehren und sich den Behörden zur Verfügung zu stellen beabsichtige. Sie hat von dieser Absicht, wie sie in ihrem Briefe bereits angedeutet hatte, auch der Berliner Kriminalpolizei Mitteilung gemacht und durch ihr Schreiben diese Behörde bezw. die kgl. Staatsanwaltschaft in eine gewisse Verlegenheit gebracht. In einem an den die An- gelegenheit Sternbergs bearbeitenden Kommissar v. Tresckow ge- richteten Schreiben hat die Fischer sich nämlich bereit erklärt, sich in Berlin gemeinsam mit Sternberg vor dem Richter zu verantworten. falls man ihr Reise- und Kostgeld für sich und ihren Hund DmttÄXg, 22. Mtz 1900. nach New Dork sende. Außerdem verlange sie die Zubilligniig „mildernder Umstände". Dem Eingehen auf den Vorschlag der Fischer stehen verschiedene Schlvierigkeiten entgegen: lieber die Zu- billigung mildernder Umstände zu entscheiden, ist dem freien Er- messcir des Richters anhcimgcstellt, und ein„Rciscfonds", wie er im vorliegenden Falle erforderlich fein würde, ist nicht vorhanden, ganz abgesehen davon, daß man ja nicht»vissen kann, ob die reumütige Stimmung der Fischer, in der sie trotz der ihrer Ivartenden schtvercn Strafe die Heimkehr beschlossen hat, nicht bei Eintreffen des Geldes längst verflogen sein»vird. Unter der Bezichtigung, einen Raubanfall gegen den Fleischermeister AdolfM etzner verübt zu haben,»vurde am Montag der Großschlächtermeister Schütz aus Weißensce soivie einer seiner Gesellen verhaftet. Am Dienstag erfolgte jedoch bereits die Ent- lassung aus der Haft, da, wie die„Allgem. Fleischer-Zeitung" meldet, die Bekundungen deS angeblich Uebcrfallenen von mehreren Zeugen bestritten»verde». Metzner schuldet an Schütz eine erhebliche Summe. Durch einen Brief an das Polizeipräsidium hat der Gärtner Heinrich Fritz ans Steglitz, der sich vorgestern im Tiergarten dnrch vier Schüsse in den Kopf zu töten versuchte, über die Veranlassung zu diesem Schritt selbst Auskunft gegeben. Zur Erleichterung der Recherchen gab er zunächst sein Nationale an und teilte dann mit, daß der Belveggrnnd Schivermut und Lebensüberdruß seien. Man möge sich um weitere Aufklärung nicht erst bemühen, denn alles ver- halte sich»virklich so»vie er schreibe. Festgestellt ist die Persönlichkeit des Mannes, der sich am Montagabend im Tiergarten auf einer Bank am Goldfischteich er- schoß.' Es ist ein Hausdiener Friedrich Scheltzke, der in der Irren- austalt Dalldorf beschäftigt und seit dem 23. v. Mts. ver- schivunden»var. Zwei KiudeSleichcn sind im Laufe des gestrigen Tags ge- funden worden. In beiden Fällen handelt es sich um neugeborene Kinder. Die eine Leiche lag in einem Müllkasten auf dem Grundstück Wasscrthorstr. 42 und kam zum Vorschein, als der Kasten auf denr Abladeplatz in der Stralauer Allee geleert wurde. Die zlveite fand man auf dem Flur des Hauses Königgrätzerstr. 16a. Die neue Brücke über de» Landlvehrkanal im Zuge der Grünauerstraße,»velche Berlin mit Rixdorf verbinden soll,»vird an- fangs April dem Verkehr übergeben»verden. Fcnerbericht. Mittlvochnachmittag wurde die Wehr nach der Ecke Garten- und In validen straße gerufen,»vo Kurzschluß an einem elektrischen Motorlvagen entstanden war. Kurz vorher»var Ch a us se e stra ß e 13 ein Kellerbrand abzulöschen, der Stroh und Gerümpel einäscherte imd infolge starker Berqualinung der Wehr viel zu schaffen machte. Vormittags kam Neue Wilhelm- straße 6 in einer Glaserlverkstatt Feuer aus, das Tische und Möbel zerstörte. Ein Dachstuhlbrand verursachte früh 2 Uhr einen Alarm nach R e i ch e n b e r g e r st r a ß e 114. Ein größerer Teil der Dachkonstruktion»vurde eingeäschert. Zur selben Zeit»var Jahn straße 4 die Balkenlage in Brand geraten. Kleinere Brände »vurde» außerdem gemeldet von F r i e d ri ch st r a ß e 166 und Große Frankfurter straße 59. Ein Künstlerkonzrrt hatte die Neue freie Volksbühne am Dienstagabend in Kellers Festsälcn veranstaltet. Das Unter- nehmen war,»vie vorivcg bemerkt sei, vortrefflich augelegt und ist umsichtig und erfolgreich' durchgeführt worden. Die 40 Musiker, die sich unter Leitung' des Herrn Karl Zimmer als Berliner Sinsonie- Or che st er vereinigt haben, verdienten vollauf den Dank, den ihnen eine Zuhörerschaft darbrachte, die mit ernstem Eifer bestrebt»var, sich der kostbaren Gaben des musikalischen Programms würdig zu enveiscir. Und in der That/ ein Programm»var es,»vie es selbst die vornehmen Konzertsäle des Westens' selten ihrem Publikum bieten. Richard Wagners bizarr scheinendes und doch in so meisterhafter Harmonie aufgebautes Meistersinger-Vorspiel, seine„Träume" und dann das erhabene Melodienwerk des dritten Akts der„Walküre". Hierauf das Werk eines Größern: Beethovens siebente Sinfonie, und zum Schluß zivei Tondichtungen von Franz Liszt. Das zahlreich versammelte Arbeitcrpnblilum folgte mit Andacht diesen Tondichtungen, und gab.»vie uns dünken will, Gelvähr dafür, daß vornehme Musik, bei mäßigen, Eintrittsgeld dargeboten, auch im Osten eine dankbare Gemeinde findet. Neue freie Volksbühne und Berliner Sinfonie- Orchester crlvürbcn sich ein hohes Verdienst,»venn sie sich durch den Erfolg des vorgestrigen Abends zu»vciteren Veranstaltunge» gleicher Art anregen ließen. Freie Volksbühne. Die erste Vorstellung von Björnsons„Neu- vermählten" uild„D i c s i t tl i ch c F o r d e r u n g" von Otto Erich Sartlebcn findet anr kommenden Sonntag nachmittags 23/< Uhr im Carl Weist-Theater statt- für die I. Abteilung. Die übrigen Vorstellunacil folgen am 1, 8., 15. und 16.(Ostern) und 22. April. AilS de» Nachbarorte». NowaweS-Ncucndorf, 21. März.(Privatdepcsche deS„Vor- wärtS".) Einen glänzenden Sieg errang die Partei bei der heutigen Gemcindcvertretcrwahl. Es erhielten Stinimen: Gen. G r n h l 281, Gen. Lange 277, die Gegner Obermeister Tanschel 44, Weber Fritsche 47. Die Rixdorfcr Stadtverordneten-Versammlung hat in ge- hcimer Sitzung aus den Etats des Krankenhauses nud der Armenanstalt von.den„für Seelsorge" eingesetzten 500 M. zusammen 200 M. g e st r i ch e n. Die Etatskommission hatte die Streichung des ganzen Betrages beantragt, indem sie davon ausgegangen»var. daß' die betreffenden Seelen'hirtcn in den beiden Anstalten ihren Idealismus bclveiscn könnten,»venn die Kranken und Armen über- Haupt des himmlischen Mannas bedürften. Die vollständige Streichung der 500 M.»vurde mit 18 gegen 18 Stimnieu abgelehnt. Vielleicht verzichten die geistlichen Herren jetzt frcilvillig zu Gunsten des Stadtsäckels auch auf den Rest. I» Friedenau hat sich dieser Tage ein Mietervcrein kon- stituiert. Reiuickeudorf. In der letzten Gemcindebcrtrcter-Sitznng gab der Borsitzende bekannt, daß die S t i ch w a h l in der dritten Ab- teilung zwischen dem Herrn Grundner und unscrm Genossen Langer am Dienstag, den 27. März, nachmittags von 4—8 Uhr, stattfinden »verde. Der Bezirksausschuß hat in der Abänderung des Statuts betreffend das Gewerbegericht aiiheim gegeben, im Z 73, Absatz 4 die Bestimmung aufzunehineii, daß auch auf Antrag vo» einer Partei bei Verhandlungen die Hinzuziehung von bestimmte» Personen gestattet sein soll,»vährend nach dein gefaßten Beschluß nur die Zuziehung gestattet ist,»venu beide Parteien damit einverstanden sind. Die Klausel»vurde von unscrm Genossen Schilling lvarm befürtvortet, jedoch von der Gemeinde- Vertretung abgelehnt. Recht bezeichnend ist, daß man den Fabrikanten Albrccht Sch»var z köpf, der»och kein vollständiges Jahr am Ort ansässig ist, als Gcmeindevcrtrcter der ersten Klasse anerkannte und ihm auf Beschluß der Gemeindevertretung die Bürgerrechte erteilt »vurde». Ob einem Arbeiter das gleiche geschähe! Anch in Velten hat uns die GcinciudcratSlvnhl einen un- bestrittenen Erfolg gebracht. Wie uns von dort geschrieben ivird, ist unser Parteigenosse G u st a v Paul geivählt ivorden. Bei den vorigen Wahlen erhielten unsre Kandidaten Paris und Gericke 208 bezw. 204 Stimmen, während es die Gegner noch auf 54 bezlv. 50 Stimmen brachten. Diesmal hatte von den Gegnern anscheinend keiner Lust, als Durchfallskandidat aufzutreten und so kam es, daß Paul einstimmig als dritter Parteigenosse dem Dorfparlameut einverleibt wurde. Die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung lehnte am Mittwoch nach dreistündiger erregter Debatte die social- demokratischen Anträge betr. die Besserung der Lohnvcrhältnisse der städtischen Arbeiter mit großer Mehrheit ab und begann sodann die Beratung des Etats. Beim Etat der Schulverwaltung regte Stadtv. Hirsch(Soc.) neben der Anstellung der praktischen Acrzte auch die eines Zahnarztes an. Stadtschulrat Renfert versprach, die Anregung der Schuldcputation zu unterbreiten. Unter den ein- maligen Ausgaben befindet sich die Forderung von 4000 M. für die Beschaffung einer Schulorgel für das Neal-Ghmnasium. Der Etats ausschuß hat diese Forderung gestrichen und dafür ILM M. für ein Harmonium eingestellt. Ueber einen Antrag auf Wiederherstellung der Magistratsvorlage wurde die Abstimmung ausgesetzt, da Stadtv. B aa ke sSoc.) drohte, in diesem Falle die Beschlußfähigkeit zu be zweifeln. Nach der Erledigung des Etats der Schulverlvaltung wurde die weitere Etatsberatung auf Montag vertagt. Die Enttvässcrnngsanlage für Schöncberg, Wilmerödor und Friedenau wird die bedeutendste werden, die bisher in Europa angelegt worden ist. Sie umfaßt ein Terrain von mehr als 8000 Hektar und die Kosten werden 7 Mark mehr, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, betragen, als in Berlin für die Durchführung des Hobrechtschen Projekts aufgewendet wurden. Die gc- »neinsame Anlage stellt sich ans dem Grunde so teuer, weil zahlreiche Eisenbahnkörper unterführt werden müssen. und andrerseits die Spree als Aufnehmer der NotauSIässc vom zu entwässernden Areal ziemlich entfernt liegt. die 21 Kilometer voi» Schöneberg entfernten Rieselfelder teuer» die Anlage sehr. Die Gesamtkosten werden nach männischem Urteil nicht unter 20 Millionen betragen. Auf größten Teil des Entivässemngsgebicts wird zum erstenmal sogenannte Trennsystem durchgeführt werden. Hausabwässer Regenmengen werden abgesondert abgeführt, die Negeuwässcr nach Ansammlung in großen Staubassins. Sperrung des BlnmcnthalS. Eine für Berliner Ausflügler wenig angenehme Meldung kommt aus Strausberg. Dort ver- lautet gerüchtiveise, der Blnmenthal, der viel besuchte schöne Wald solle demnächst dein Verkehr außerhalb der Straßen nicht mehr frei gegeben werde», so daß alle die herrlichen Partien zun, Jhlandsee zum Lattsee usw. wegfallen würden. Das Restaurant„Forsthaus Bluinenthal" soll eingehen. Bemerkt sei. daß der größte Teil des Blumenthals v. Eckardstcinschcr Besitz ist. lieber den Grund der neuen Maßregel ist nichts bekannt. ver- fach dem das und Geeiitzks-Seif mtg. Ein Anarchistcnprozeß beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts l unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Dietz. Aus der Untersuchungshaft wurde der Schnhinachcr Joseph Groß »na nn vorgeführt,»vclchcr der Aufreizung zu Gcwaltthätigkeitcn verschiedener Bevölkcrungsklassen gegen einander beschuldigt war Der Angeklagte war Redacteur der anarchistischen Wochenschrift „Neues Leben". In der Nr. 8 derselben vom 23. Februar dieses Jahres befanden sich drei Artikel, welche im Siinie der Anklage beanstandet wurden. Der erste Artikel trug die Uebcrschrift „An die Arbeiter!" Es wurde darin ausgeführt, daß die Arbeiter nach dreierlei Richtungen den Kampf zu führen hätten, gegen das Privateigentum, gegen den Staat und gegen die Kirche. Die AuSfühnmgen schlössen nnt den Ausrufen:„Nieder mit dem Eigentum, nieder»nit dein Staat, nieder mit der Kirche!" Der zweite Artikel war betitelt„Recht und Ncchtsbeirmßt feil, und war ebenfalls in scharfein Tone gehalten. Im dritten Artikel wurde darauf Hingewiese», daß August Ncinsdorff vor 15 Jahren auf dem Schaffot geendet hatte. In dem Nachruf wurde Reinsdorf als Märtyrer und Vorkäinpfer für eine lobenswerte Sache hin gestellt. Der Angeklagte ivollte in keinem der beanstandeten Artikel etivas Aufregendes erblicken können, die darin enthaltenen Hinweise auf den einmal zu erlvartenden„Entscheidnngs lainpf" sollten sich nur auf einen Geisteskainpf beziehen. Staats anivalt K a n z o w hielt die Anklage in betreff aller drei Artikel aus recht und beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage. Unter dem Zeichen der lex Heinze steht eine Anklage»vcgen Verbreitung unzüchtiger Schriften, die gestern vor der 8. Straf- kaminer des Landgerichts I verhandelt wurde. Die Anklage richtet sich gegen die Vcrlagsbuchhändlcr Schuster n. Löffler, den Referendar Ernst Schuhr, den Schriftsteller Dr. phil. Richard De h m e l und den Schriftsteller Theodor Kabelitz. Letzterer Ivird von» RechtsniNvalt Wolfgang Heine, die übrigen Angeklagten»Verden von, Rechtsanwalt Paul Jonas ver- tcidigt. Den Vorsitz in, Gerichtshof führt Landgerichtsdirektor v. Winterfeld, die Anklage vertritt Staatsainvalt Dr. Eger. Es handelt sich nn, die im Verlage von Schuster n. Löffler er- fchienenen Werke„Gründe und Abgründe" und„X-Strahlen ans dem Frauenleben" von The od/ Kabelitz,„Seht es sind Schinerzen, an denen wir leiden" von E r n st Schuhr, und„Aber die Liebe". Gedichte und Geschichten von Richard Dehmel. Schuster u. Löffler sind außerdem angeklagt wegen der Verbreitung des in ihrem Verlage erschienenen Buches„Die Baprisons, ein' Künstler tranm". Der als Verfasser des letzteren angegebene„Vieomte Pierre dÄubergne" ist ein Pseudonym für den wirkliche» Verfasser Anton L i n d n e r, der in Oestreich lebt und deshalb außerhalb des Straff Verfahrens bleiben mußte. Das letztere war ursprünglich auch auf die Zeichner und Illustratoren des letzteren Buches ausgedehnt »vorden, die dasselbe»nit Vignetten und Bildern ausgestattet hatten, doch sind diese Künstler außer Verfolgung gesetzt. Die außerhalb wohnenden Angeklagten Dehmel und Schuhr sind vom Erscheine» an Gerichtsstelle entbunden, haben sich aber bei ihren kommissarischen Vernehmungen n,it Entschiedenheit dagegen verwahrt, mit ihren Werken unsittliche Zivecke verfolgt zu haben und hervorgehoben, daß der sittliche Erifft und die ganze durchaus moralische Tendenz,»velche die Bücher beherrsche, jedermann einleuchten müsse, der die Werke in, ganzen beurteile. Bezüglich des Angeklagten Dehmel be antragte Rcchtsanivalt Jonas die Vernehmung eines Sachverständigen darüber, ob dem Angeklagten angesichts seiner sonstigen literarischen Wirksamkeit und nnt Rücksicht auf seine ganze schrift fftellcrische Jndividualilät zuzutrauen ist. daß er mit einem von ihni verfaßten Werke»nsittliche Zwecke verfolge. Der Gerichtshof hielt die Zuziehung eines Sachverständigen nach dieser Richtung hin für überflüssig, da er selbst in der Lage sei, sich darüber ein Urteil zu bilden. Die Verteidigung stellte ferner zur Erörterung, inwieweit sich die angeklagten Verfasser an der„Verbreitung" der Schriften be teiligt haben sollen, da,»vcnn eine solche Beteiligung nicht vorliege, bezüglich ihrer VerjäHnmg eingetreten sein würde. Thatsächstch Verkäufen die Verfasser ihre Manuskripte an die Verleger und über- lassen diesen ganz selbständig die Maßnahinen für die Verbreitung. Staatsanwalt Dr. Eger hielt dagegen das Vorliegen einer Ver jährung für ganz allsgeschlossen.'Wenn ein Verfaffer einem Ver leger sein Werk zu dem ausgesprochenen Zweck der Ver breitung überlasse, so hafte er dafür gleichfalls so lange in Geinäßheit des ihm gewordenen Auftrags der Verleger die Verbreitung vornimmt; habe der Verfasser Bedenken dagegen, so habe er es ja in der Hand, die weitere Verbreitung zu untersagen. Der Gerichtshof hielt eine Verjährung nicht für vorliegend und ging dann zur Verlesung der unter Anklage gestellten Bücher über. Man hofft, hiermit am Donnerstagmittag zu Ende zu koinmcn und dann die„Schuldfrage" erörtern zu können. Im Militärbefrcinngs-Prozest zu Elberfeld gab ain Dienstag der Bnreaubeamte der Banarbeiter-Ortskasse Heinrich Meyer dem Dr. Ziel ein günstiges Zeugnis. Der Angeklagte Dr. Ziel sei ihm als ein sehr tüchtiger und gewissenhafter Ärzt bekannt. Er habe viele Leute an Dr. Ziel zur Behandlung empfohlen; diese haben sämtlich die Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit des Dr. Ziel gerühmt. Es sei ihm bekannt, daß Dr. Ziel eines Abends zu einem Abortus gerufen ivurde. Dr. Ziel habe dies Ansinnen mit Entrüstung abgelehnt.— Präs.: Wie kam es, Herr Dr. Ziel, daß man gerade Ihnen eine derartige strafbare Handlung zumutete?— Dr. Ziel: ES ist mir dies in meiner dreißigjährigen ärztlichen Thätigkeit wohl 6 bis 7»nal passiert.— Präs.: Nun, berühmten Aerzten dürfte doch ivohl derartiges nicht passieren?— Dr. Ziel: Das kann jedein Arzt passieren. Ich bcinerke, daß in den, erwähnten Fall der Mann ans einem entfernten Stadtteil und am späten Abend zu mir kam. Fuhrunternehmer Franz Meyer: Er habe an Gicht gelitten, Dr. Ziel habe ihn»nit großen, Erfolg behandelt, Verschiedene Zeugen berichten über ihre Erfahrungen mit Strucksberg.— Lagerist Schumacher: Auf Veranlassung des verstorbenen Stadtrats Berger in Remscheid habe er sich zwecks Freimachung an Stmcksbcrg gewandt. Letzterer habe ihn, Pillen gegeben und ihn, geraten, seinen Wohnsitz nach Köln zu verlegen, bannt er sich dort stellen könne. In Köln werde es nicht so genau genommen, wie in Remscheid. Er habe diesen Rat befolgt. Pillen aber nicht genommen. Er sei Soldat gewesen.— Feilenschmicd Zern es und dessen Mutter be streiten, Strncksbcrg und den Stadtrat Bergcr gekannt oder irgend etwas zwecks Frciniachnng unternommen zu haben. Fcileuhaner ZerncS bekundet: Er fei allerdings wegen Herzfehlers, nachdem er kurze Zeit bei»,, Militär war, entlassen worden.— SchrciberKürten Er habe sich an Strucksberg zwecks Freimachung gewandt. Dieser habe 8000 M. dafür gefordert, er habe sich aber schließlich mit 1500 M. zufrieden erklärt. Er(Zeuge) habe niemals etwas ein- genommen, er sei wegen allgemeiner Körperschwäche freigekommen und habe nachträglich mit Hilfe«Ines Rechtsanwalts die 1500 M. von Strucksberg zurückerhalten.— Kauf», an» G a r w e g: Der An. geklagte Borger habe ihn auf Strucksberg zwecks Freimachung seines Sohns anftnerksan, geinacht. Strncksbcrg habe 4000 M. verlangt und zwar 2000 M. sofort und 2000 M. später. Darauf habe er beantivortet:„Von mir bekommen Sie keinen Pfennig." Er habe sich mit Strucksbcrg nicht lveitcr eingelassen, zumal sein(des Zeugen) Sohn Soldat werden wollte. Fabrikant G o r t s: Der Angeklagte Borlinghaus kam eines Tags in ineine Wohnung, stellte sich niir vor und fragte mich, ob er mich allein sprechen könne. Ich forderte daher meine Tochter auf, aus dem Zimmer zu gehen. Nachdem dies geschehen, sagte Borlinghans: Sie haben doch einen Sohn, der militärpflichtig ist. Würden Sie denn nicht Ihren Sohn gern be- freien, das kostet 3000 Vi. Wenn Ihr Sohn bei Ihnen im Geschäft bleibt, dann kann er Ihnen doch bedeutend mehr einbringen als 3000 M. Ich kannte die Familie Borlinghaus, in deren Hanse ich vor 40 Jahren gewohnt habe, als hochachtbar. Ich fragte daher den BorlinghauS: Ist Ihnen das Geschäft denn nicht zu gefährlich? Heutzutage»miß man alles machen, ivcnn man Geld verdiene» ivill, erwiderte Borlinghans. Na, das ist ja ein schönes Geschäft, entgegnete ich, damit»vill ich nichts zu thun haben. Es ivird ferner Droguist En e S-Köln, gegen den bekanntlich auch die Anklage»vegen Beihilfe erhoben ivar, das Hanptverfahrcn aber schließlich eingestellt worden ist, als Zeuge aufgerufen. Dieser, der nncidlich vernoinmen wird, bekundet auf Befragen des Präsidenten: Er gebe zu, dem Strucksberg vielfach Koffein und Pikrinsäure in Pulverform verkauft zu haben; er habe aber nicht gewußt, zu welchen, Zweck Strucksbcrg die Pulver wolle. Pillen habe er dem Strucks bcrg nieinals gemacht.— Auf Vorhalt des Kreis- Wundarzt« Dr. W o l f f bemerkt Eues: ES sei ihm bekannt,, daß er Gifte in Form von Pulvern nicht verkaufen dürfe.— Der frühere Socins des Eues, Droguist Gcrstncr, bekundet dasselbe.— Der Erste Staatsanwalt beantragt, den Zeugen Eues nicht zu ver- cidigcn, da dieser augenscheinlich mit der Wahrheit zurückhalte. Eues versichert auf wiederholtes Befragen, baß er den, Strucksberg, so weit er s i eh erinnere, niemals Pillen angefertigt habe. Jedenfalls habe er nicht gewußt, wozu Strncksbcrg die von ihm gc- kauften Sachen verwende. Einige Sachverständige äußern sich dann über die von Strucks berg angewandten Mittel und bekunden, daß diese wohl Herz erkranknngen, niemals aber K r a in p f a n f ä l l e hervorbringe» können. Es wird alsdann zur Verhandlung des Falles Friedrichs geschritten.— Der Präsident verliest das Erkenntnis des Militär gcrichts zu Potsdam, wonach der Gardc-Grcnadier Friedrichs lvcgcu Simulation in drei Fällen zu e i>, e m I a h r e G e f ä n g n i s, wovon ein Monat auf die Untersuchungshaft angerechnet wurde, und zur Versetzung in den Soldatenstand zweiter Klasse verurteilt worden ist. Es werden im Iveiteren noch mehrere Briefe verlesen, die der Grenadier Friedrichs ans Potsdam an seine Eltern geschrieben hat. Ans diesen geht hervor, daß Strucksbcrg dem Friedrichs jr.»vicder- holt Pillen, jedoch ohne Erfolg, gegeben hat. Strncksbcrg ist, nachdem Friedrichs in ein Gardercgnncnt eingestellt war, nach Berlin gekommen und hat dort durch einen Dicnstmaim, den er am„Eafs National" in Berlin getroffen haben will, den, Friedrichs ein Packet, in dem Pillen enthalten waren, in die Kaserne geschickt. Friedrichs hat infolge Ein- nehmens der Pille» wieder»», Herzklopfen bekommen und mußte daher in das Lazarett geschickt werden. Nach einiger Zeit, als der Oberstabsarzt gerade den Mann zur Entlassung aiisschrciben wollte, traf ein anonymer Brief bei de»,, Regimentskonimandenr ein, indem nntgetcilt wurde, daß Friedrichs durch künstliche Mittel sein Herz klopfen hervorrufe. Eine sofort vorgenommene genaue Untersuchung bestätigte dies Schreiben. Grenadier Friedrichs ivurde sofort verhaftet und hat sogleich ein umfassendes Geständnis abgelegt, das zur Verhaftung von Strucksberg und Genossen und zur Einleitung des gegenwärtigen Verfahrens geführt hat.— Es wird alsdann noch eine' Aussage Strucksbergs verlese» und danach gegen Uhr nachmittags die Verhandlung auf Mittwochvormittag 9 Uhr vertagt. NcncS vom K 2 dcS VcrcinSgcsctzeS als politisches Kampf- mittel. Der Verband deutscher Berg- und Hütten- arbeiter, Sitz Bochum, suchte 1899 in der Nähe von Saar- brücken festen Fuß zu fassen. Der Bergmann Blees unterzog 'ich der Aufgabe, Mitglieder zu werben. Er verbreitete das Verbandsorgan, nahm Äiimclduugcn zur Mitgliedschaft entgegen und überinittelte die Beiträge der gewonnenen Mitglieder nach Bochum. Sein Kollege Beyer vertrat ihn einmal. Die Lrtspolizci konstruierte flugs einen selbständigen Zweigverein des Ver- bandes, setzte voraus, daß der Verband auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, und nahm Blees und Beyer als angebliche Vereinsvorsteher in Geldstrafen,»veil sie ihr nicht das Verbands 'tatnt und das Mitgliederverzeichnis des angeblichen Zweigvereins eingereicht hatten. Das Schöffengericht hielt die Strafe aufrecht, das Landgericht als Berufungsinstanz sprach jedoch die Beschuldigten rei. indem es die Existenz' eines selhständigen Zwcigvcreins ver »einte. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, der Ober- Staatsanwalt trat indessen den, Rechtsmittel nicht bei. Er führte aus: Es frage sich, ob die in Betracht koinmenden Leute den Willen gehabt hätten, sich in ihren, Wohnort noch besonders zu vereinigen. und ob eine örtliche Bethätignng des Vereinslebens stattgeftniden habe. Das fei nicht anzunehmen. Die cstgestellten Thatsachen kennzeichneten sich lediglich als änßere Handlungen, die die Beschuldigten als Beauftragte eines großen Verbands vorgenonimen hätten. Daraus sei nicht zu schließen, daß ein lokaler Verein bestehe. Hier wäre die Feststellung erforder- lich, daß die Mitglieder untereinander das Bcwußlsein hätten, sie seien zu einem Verein zusammengetreten. Einen solchen Vcrcinswillenhabe der Vordcrrichter nicht feststellen können. DerStrafsenatdcsKammergerichts wies denn auch die Revision der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken mit folgender Begründung zurück: Ein besonderer Zweigverein des Verbands wäre nur dann anzunehmen, wenn eine besondere Be- thätigung eines abgcschloffenen örtlichen Vereinsledcns stattgefunden hätte. Das sei hier nicht der Fall. Blees habe vielmehr die fest- gestellte Thätigkeit nur als Vcrbandsmitglied entfaltet. Ein Vergehen gegen das Vereinsgesetz liege also nicht vor. Vernnfitzkes- Die Pest. In Sidney sind zwei neue Fälle von Erkrankungen an der Pest vorgekommen. In Kalkutta ist sie stark in, Wachsen begriffen. In Bengalen sind in letzter Woche 4725 Pcstfälle vorgekommen und zwar 2044 Fälle in Patua und 744 in Kalkutta. Der Oberinspektor der Kaschan-Oderberger Bahn, Richard Szoenyi, ist, wie ans Pest gemeldet ivird, unter der Beschuldigung verhaftet worden, daß er als Beamter der Refaktien- Abteilung der genannten Bahn unter dem Titel„Frachten- Rückvergütung" einen 100 000 Gulden übersteigende», Betrag unrechtmäßig ausgezahlt und unter falschen, Rainen an der Bahnkässe erhoben habe. Der gegen de»» beteiligten Inspektor Ludwig Bcrkes erlassene VerhaftnngSbcschl konnte nicht ausgeführt werden, da Werkes angeblich nach Amerika geflüchtet ist. Ans Nizza wird gemeldet: Der 21/2 Jahre alte Sohn des Prinzen Moritz von Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinz Chlodwig, ein Enkel des deutschen Reichskanzlers, wurde von einen, wütenden Hunde gebissen und verletzt. Der Prinz wurde sofort ins Pasteursche Institut nach Paris gebracht. Ei» Mitster-Untcrnehmer. Ein haarsträubendes Ereignis hat sich in der Provinz O w a r i in Japan zugetragen. Ein Baum- wollcnwebcr hat 21 seiner Arbeiterinnen verbrennen lassen. Bei den Rettnngsarbcitcn nach Ausbruch der Feucrsbrnnst war er nur auf die Rettung seiner Mobilicn bedacht, kümmerte sich aber um die armen Weberinnen, die in den, brennenden Hanse eingeschlossen waren, überhaupt nicht. Da die Arbeiterinnen des Nachts oft aus- blieben, hatte er das Haus von außen mit einem schweren Riegel verschlossen, der nun den unglücklichen Mädchen den Ausweg abschloß. Sie wurden vom Rauch betäubt; ihre Leiber fand er nachher voll- ständig verkohlt auf. Ein dreizchnfacher Miflionär, der keine Stenern zahlt. Kürzlich starb in einem kleinen Hotel in Kopenhagen ein unbekannter „Gutsbesitzer Adolf F. Ibsen". Er wurde ins Hospital geschafft und starb, wie die Verunglückten»md Selbstmörder, scciert. Dann stellte sich ans seinen Papieren heraus, daß er ein Verinögen von 13 Millionen Kronen hinterläßt, das seinem einzigen Brrider, einem unverheirateten ungeheuer reichen Manne zufällt. Dieser Adolf Ibsen hat ein seltsaines Leben geführt, um von dein Riesen- vermögen, das er erworben, keine Steuer zu zahlen. Er wohnte ständig in Hotels und zog von Gemeinde zu Gemeinde, um nirgend Steuer zahlen zu müssen. Einmal hatte er in Frcdriks- berg einen kleinen Kramladen eröffnet, wo man ihn auf 1200 Kr. einschätzte, aber sein Rechtsanwalt, der Mitglied der EinfchätznngS- kon, Mission ivar, verriet seinen Vermögensstand, und nian schätzte ihn auf Hnnderttansend. Aber da war er wenige Tage später ver- schwnnden und in eine andre Gemeinde gezogen. Er toll als armer Mann begonnen haben, muß also wohl großartige Schwindeleien ausgeführt habe», um zu solchem Reichtum zu gelangen. Trotzdem lebte er immer in kleinen, elenden Hotels. Seine jährliche Steuer- Hinterziehung bcläuft sich auf etiva 25 000 Kronen. Marktpreise im» Berlin am 20, März 1000 nach Erniiltliiuzcii des kgl. PolizeipräsidinuiS. »)Z?eijki» D.-Clr. IM IM IM 2,60 4,- 2,20 3, 2,50 1,80 1,80 2,80 1,20 12,- 1~ 1,— 1,- 2,- 2,50 1,20 ],- 1,- I,— 0,80 1,20 0,80 4- Tonne von der Centralstelle der Prenfff Land- mid uingercchnct vom Polizei- �Rogge» gtttter-Gcrjle« Hafer gut „ niillcl ., gering Rtchlstrvh„ Hen„ 4) Erb sc» -HSpeisebuhtieil. T)5Jiii'cii, jlartossel», neue Nindilrisch, llcnle l l-g do. Bauch„ *) Ennillclt pro wirlschastskauniicrn— Sloticrungsstelle prnschiinn für den DoppeleciiMer. ff) Lleinhandelsnreiie, P r 0 d 11 k t e n in a r k t vom 21, März, Getreide, Die feflere Haltung an den amerikanischen Börsen übertrug sich auch auf den hiesigen Plai- und war infolge dessen die Stiimnmig für Weizen und Roggen eure bessere. Tie Preiserdöhung war jedoch nur gering, da von PartS und den Lsircichisch-migrischcii Märkten niedrigere Notierimge» vorlagen. I» Amerika halte gute Anölands-Nachfrage und anziehender Srvortbcaehr anziehend gewirkt. Im Laufe des Geschäfts trat alsdann eine Abschwächnng ein, da starkes Julaiidsaugcbot hervortrat und gaben denn auch beide Brotfrüchte »m>/. M. gegen gestern nach. Hafer in schwacher Frage, Mais Vesser be- hanptet. Niiböl ans festes Paris um 1-1,20 M. preislich anziehend. Das Angebot am Spiritus markt war gering, Kauflust dagegen vorhanden, doch kam ein Abfchlttß nicht zu stunde, vußerhalb des Rings stehende Firmen Voten für 70er Loco-Spiritus 48,60 M. wie gestern. Städtischer Schlachtvieh»» avkt. Berlin, 21. März 1000. Amtlicher Bericht der Direktion. Zmn Verkauf standen: 420 Nlnder, 2365 Kälber, 763 Schale, 8050 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund aber 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a.) voNsseischtge, aiiSg-mästete, höchsten SchlachNvcrtes, höchstens 7 Jahre alt 00-00, b) junge fleischige, nicht auSgcmästcte und ältere aiisgemäslete 00—00; e)»lähig genährte junge und gut genährte ältere 00—00;