jii. 241.— 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Das?üöijch- Deutsche. Sowohl in der Zeit vor der Eroberung Warilbous wie noch in den letzten Monaten war wiederholt gemeldet worden, dasz in Rux- land die gesamte jüdische Presse unterdrückt worden, und dag das Weitcrerscheincn dieser zahlreichen Blätter verboten worden sei. Die Mehrzahl dreier Zeitungen, deren Gesamtauflage etwa eine halbe Million Exemplare erreicht, ist in Warichau, der eigentlichen Dklro- pole der östlich-jüdischen Kultur, gedruckt worden; aber diese Blätter sind keineswegs etwa in hebräischer Sprache geschrieben. Die Sprache dreier Zeilungen ist auch die Umgangssprache der osteuropäi- schen Juden; es in die Sprache, die die Juden vor Jahrhunderten ans ihrer einstigen deutschen Heimat mitgebracht und die sie mit großer Treue und zäher Widerstandskraft ollen srcmden Einflüssen gegenüber bewahrt haben. Zur Zeit der Regierung des Polenkönigs Kasimir des Großen halten große Scharen von Juden in Polen ihre Zuflucht genommen, um der Verfolgung in Deutschland und dem aus religiösem Wahn und Aberglaube entsprungenen Haß zu entgehen. Sie wurden dort freundlich ausgenommen und der König halte Teilnahme an ihrem Lore bezeugt. So bestätigte er ihnen im Jahre 133-t das schon von Boleslaw dem Frommen gewährte Privileg, das sie von den ge- wohnlichen Gerichten ausnahm und denen der Fürsten und Wojwosen unterstellte. Da auch infolge anderer Vergünstigungen ihr Zustrom immer mehr wuchs, bildeten die Juden mit der Zeit ernen Staat für sich mit eigenem Recht und eigenen Privilegien Und um dier'e Zeit war es, da sich unter dem Einfluß der deutschen Sprache, deren sich die aus Deutschland immer noch herüber« ziehenden zahlreichen Juden bedienten, ein Dialekt, ein Gemisch aus Deutich, Hebräisch und Polnisch: der sogenannte jiddische Jargon, bildete. Man braucht nur ein paar Sätze dieser eigenartigen Sprache zu hören, um zu erkennen, daß sie mit der deutschen Sprache aufs innigste verwandt ist, oder vielmehr, daß es Deutsch ist, das sich nur ein fremdes Mäntclchen umgehängt bat. Die Gc- samtzahl der Menschen, die diese Sprache sprechen, werden mit 7—8 Millionen nicht zu gering geschätzt. Es ist ihre Muttersprache, und wenn viele von ihnen auch das Polnische und das Russische beberr- schen, so haben sie dies gelernt, wie wir das Französische oder Eng- lische lernen. Es wäre nun aber irrig, anzunehmen, daß dieser jüdisch- deutsche Dialekt auf das russische Reich beichränlt ist. Ter jiddische Jargon wird außer in Rußland nicht nur in Amerika, son- dern auch im Eastend von London gesprochen, ebenso wie man ihn in Amsterdam und in Paris trifft. Ebenso falsch wäre es, zu glaube», das Jüdisch-Deutsche sei eine einheitliche Sprache, die sich, wo sich auch die Menschen ihrer bedienen, gleich bleibt. Es gibt darin vielmehr fast unzählige dialektische Verschiedenheilen, die aufs engste mit der Entstehung des Jargons zusammenhängen. Alle die Juden, die bei den großen Judenversolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes und der Geiglerjahnen noch Polen kamen, sprachen natürlich die Mundarten der Gegenden, aus denen sie kamen: die Juden vom Rhein daS Rheinfränkische, die ans Mitteldeutschland ihr Sächsiscki und die aus dem südlichen Teutschland das Schwäbische und Baierische. und zwar derart, daß sie den heimis-ben Dialekt in der neuen Heimat beibehielten. Auf dem Wege des sprach- lichen Austausches dieser zusammengewürfelten Gemeinschaft cnl- stand dann im Laufe der Zeit jener Mischmasch, der auch unter dem Namen Judendeutsch bekannt geworden ist. Wenn auch fremde Elemente in diese Sprache eindrangen, io blieb daö Wesen doch immer deutsch, und zivar iveijt das Jüdisch-Deutsche Wörter und Formen aus, die noch dem früheren Entwicklungsstadium der deutschen Sprache entstammen, wodurch es ein lebendiger Zeuge altdeutscher Kultur geblieben ist. Viele Worte, von denen wir heute glauben, daß sie aus dem Hebräischen staminen, sind zweifelhaft deutschen Ursprungs. Ilm nur ein Beispiel anzuiühren: das vielgebrauchte Wort„heint"(heute), das auch für eine weitverbreitete und bekannte Jargonzeitung den Namen abgegeben hat, ist nicht eiwa die Verunstaltung eines deutschen Wortes, es ist vielmehr schon bei Luther zu lcien:.Lasset uns hemt nit weise sein, ein jeder spare seine Weisheit bis morgen." Auch inr Althochdeutschen und im Golhischen ist das Wort anzutreffen, und noch heutigentags kommt es in Bayern und in Kärnten vor. Tie jügisch-deutsche Literatur hat sich namentlich in Polen und in Deutschland vor der Milte des 16. JahrbiinderlS zum Zweck der religiösen Erbauung und Belehrung, der Verbreitung von lieber- setzungen aus der profanen Literatur sowie ans der Bibel entwickelt. Sie unifaßt Paraphrasen und Ausschmückungen biblischer Bücher, Andachls- büchlein, historische und Ritualwerke. Sagen- und Heldenbücher, lieber- Rotes vlamenblut. 54Z Von Pierre Broodcoorens. „Niemals findet man in diesem verfluchten Loch etwas an seinem Platz! Als ob's so sein müßte! Wo sind die Schwefelhölzchen?" Hilla schmiß die Schuhe von sich. Sie schlugen mit einem Krach gegen das Blech des Löwener Ofens. Aber dann fuhr Jannah sie direkt an. „Altes Faultier, kannst Du mir nicht suchen helfen?" Hilla erhob sich mit einem Ziegensprungc und nahm eine aufsässige Miene an. „Erst vergangenen Mittwoch habe ich eine ganze«chachtel gekaust," greinte sie.„Weiß der Teufel, wo sie hin- gekommen sind." Das Gesicht von einer Frelldc erhellt, die sie nicht bc- herrschen konnte, wandte sie sich Hein Donka zu. „Geliebter, vielleicht hast Du eins, wie?" Schon hatte er es an dem Velours seiner Hose an- gezündet. Galant überreichte er es ihr. Als das Nachtlicht angezündet war, schimpfte Jannah grob: „Geh wenigstens voran!" „Aber ja doch," seufzte Hilla.„Lieber Gott, Du bist wirklich nicht gerade angenehm, wenn Du ein Glas zu viel hast." Jannah sah sie feindselig an. „Ist's noch nicht genug, daß ich Dein Kleines versorge? Daß ich ihm den Schnabel vollstopfe? Ich muß auch noch oben schlafen?" „Ja doch," antwortete Hilla hastig. „Man weiß, daß Du eine gute Haut bist," beeilte Hein Donka sich zu sagen. Er hatte sich erhoben, um einem unangenehmen Auftritt vorzubeugen. Ohne ein Geheimnis daraus zu machen, legte er ein Frankstück in die Hand des alten Mädchens. Das mürrische Gesicht Jannahs wurde freundlicher. „Das ist doch noch ein Wort!" rief sie erfreut, indem sie sich die Annehmlichkeiten vorstellte, die sie sich jetzt für einen oder zwei Tage leisten konnte. „Gute Nacht, lieber Junge! Du hast doch noch ein Herz. Ich Hab' es immer gesagt." Hilla hatte die Falltür aufgehoben und verschwand in der Finsternis des Bodenraums. setzungen von„Tausend und eine Nacht", Geschichten von König Artus, Dietrich von Bein, Flor und Blancheflur u. a. Seit den Tagen Moses Mendelssohns verschwand das Judendeutick, das auch in den deutschen Ghetti festen Fuß gefaßt halte(man denke nur an Goethes „Dichtung und Wahrheil"), in Deutschland iinmer mehr und erst gegen Ende des 18. Jahrbunderls war im östlichen Europa eine Verjüngung dieser eigenartigen Sprache zu bemerken. Besonders in den letzten fünfzig Jahren ist eine ansehnliche„jiddische" Literatur entstanden, in der alle poetischen Gattungen, wie Roman, Novelle, Lyrik und Drama vertreten sind. Diese Literatur wurde und wird besonders von Schriflst-llern wie Scheikewitz, Blustein, Rabinowitz Peretz, Abramoivitz. Spektor u. a. gepflegt. Unter den lyrischen Dichtern ragt Morris Roseufeld hervor, während die jüdisch-deuliche Theaterliteratur in Goldfaden, Lateiner und Gordon namhaile Ver- treter bat. Ihre Dramen werden nicht nur in den jüdischen Theatern Polens, sondern auch in den großen Judenvierteln von London und New Dork aufgeführt, wie in diesen beiden Weltstädten, namentlich New Jork, die dort eine Million überschreitende jüdische Bevölkerung aus Polen, Rußland, Galizien und Rumänien auch über eine aus- gedehnte und leistungsfähige Presse in jiddischer Sprache verfügt. Die Neugestaltung der Dinge in Polen, die der großen Mehr- zahl der osteuropäischen Juden die Befreiung von dem drückenden russischen Joch bringen dürfte, wird mit dem völligen Eindringen westlicher Kultur bis in die untersten Schichten der Gesellschaft auch an der jüdisch-dentschen Sprache der polnischen Juden sicherlich nicht eindruckslos vorübeigehen. Schon jetzt hört man, daß in den jüdischen Schulen Polens allenthalben hochdeutscher Sprachunterricht aufgenommen worden ist! so wird eine Generalion heranwachsen, die mehr und mehr von ihrem alten Jargon abläßt und die deutsche Schrift und llmgangssprache annimmt. Aber wenn der jüdische Jargon min vielleicht raicher, als man es sich träumen läßt, aussterben wird, so darf man, so unschön er auch für unsere Obren klingt, doch nicht seine außer- ordentliche kulturelle Bedeutung für das Tcutschlum in ganz Ost- und Siidost-Europa außer acht lassen. Schon vor Jahren bat Hanns Heinz Ewers daraus bingetvieseu, daß es allein die Juden sind, mit deren Hilfe sich der Deutsche durch das Gewirr irord- und süd- slawischer und Balkansprachen bis nach dem Kaspischen Meer und bis nach dem Goldenen Horn hin überall verständlich machen kann. ein Umstand, dessen Bedeutung sich gerade gegenwärtig, da deutsche Heere auf der Balkanhalbinscl käinpsen, wieder erweisen wird, wie sie sich auch schon bei den Kämpfen auf polnischem und russischem Boden zur Genüge gezeigt hat. kleines Feuilleton. Rosiinis»öarbier� im 5rieörich-Vilhelmftäötischen Theater. Die Alleinherrschaft der Melodie: so kann man die auf Mozart folgende Epoche der italienischen Oper nennen. Ihren Höhepunkt erreichte die>c Richtung in Roisini, dessen verzierte Melodien Wagner in sehr glücklicher Weise mit den chemisch destillierten Riechstoffen vergleicht, die der Luxusmensch als gleichwertigen Ersatz für den entzückenden Dust der natürl.chen Feldblumen ldes Volksliedes) bin- nahm. Für die Sänger, Darsteller und Libretlisten machte Rossini alles i'o leicht und wirkungsvoll wie nröglich: uiid für das Piibülum schrieb er, was die augenblicklich tonangebende Mode gerade ver- langte. Kein Wunder, daß er aller Abgott wurde. In Wien gab es einmal eine ganze Spielzclzeit hindurch nichts als Rossinische Opern. Was seinen zur komischen Gattung zählenden„Barbier von Sevilla" angeht, so wird durch ihn das vorhin Gesagte erhärtet. Außer der bloßen Melodie sind alle andern Elemente der Musik nahezu ausgeichloffcn. Vom Drama erst gar nicht zu reden; von einer Entwicklung der Personen von innen heraus ebensowenig. Diese pflegen sich selbst vorzustellen und dabei ihre Eigenschaften oder alles, was sie zu tun gedenken aufzuzählen. So hier: Figaro, Bartolo, Rosine. In rein technischer Hinsicht wird der„Barbier" doch wohl als„schwere" Oper zu bezeichnen sein: Es ist viel koloraturistischer Tand zu bewäliizen. Vom Gesaiigsstandvunkt aus geitommen bietet das nun beinah hundert Jahre alte Werk sehr dankbare Partien. Rosine ist die schwierigste. Marie R a p p hat perlende Trillerläufe und eine ihr gut an- stehende mit Anmut gepaarte Schalkhaftigkeit. „Wenn's gefällig ist l" schrie sie ihrer Schwester mit gedämpfter Stimme zu. Tic wurmstichigen Bretter der Stiege krachten unter ihren Tritten. Jannah ließ nicht ohne Mühe das Geldstück in ihre Rocktasche gleiten. Doch bevor sie den Fuß auf die erste Sprosse setzte, zwinkerte sie mit den Augen und sah Hein Donka drollig an. „Keine Dummheiten, he?" Der Harmonikaspieler pfiff, indem er sich auf seinem Stuhl wiegte, gemütlich vor sich hin. Er lächelte Verständnis- voll, zuckte die Achseln und spie abgcwandt einen Strahl braunen Speichels in den Kohlenkasten. 14. Ein Krachen im Holz, das vom Nebenraum herkam, machte ihn aufspringen. Von einer unbestimmten Unruhe erfaßt, runzelte er die Brauen. Doch als er, um sich zu vergewissern, schon die Tür öffnel�wollte, kam Hilla oben vom Schlafbodcn zurück. All seine Sinne sammelten sich noch einmal auf dieses Weib. So oft er mit ihr zusammenkam, erneuerte sich in ihm ein Verlangen, gab sie ihm den Eindruck, als sei's das erste Mal. Sein Blut kochte wie Lawa, Mord- instinkte erwachten in ihm. Und er fühlte verbrecherische Heimlichkeiten sich den zarten Regungen seiner Leidenschaft gesellen. Hilla eilte sofort auf ihn zu. Da sie die Schuhe aus- gezogen hatte, machte sie in den Wollstrümpfen auf dem Fuß- boden nur ein leises Geräusch. Gepeinigt von der Enthalt- samkeit der letzten Winternächte, in denen sie sich unter ihren einsamen Anfällen in der kalten Oede ihres harten Bettlagers zwischen feuchtkühlen Bettüchern verzehrte, war auch sie außer Fassung. Wie eine Gärung arbeitete in dem jungen Leibe das Bedürfnis nach der Liebe, das wie das eines Stallticrcs war. Die Färsen stoßen an bestimmten Abenden genau so gegen den starken Stier und rufen ihm den sanften, klagenden Ruf ihrer Beklemmung zu. Die verbotenen Lüste, die wilde Raserei einer langen Umarmung und ihre grausamen Küsse, die wie Bisse sind: allein sie können auf diesen Brand die kurze Wohltat der Betäubung werfen. Und er hatte sie an seinem Herzen, mit aller Wärme ihres Lebens und ihrer Liebe. Sie spürten nichts von der Kälte, in der rings um sie her das schweigende, träumende Leben der Dinge starrte. Ihr unbefangenes, wildes Blut hatte sich in die Eingeweide zurückgestaut und brauste in rasenden Schwingungen unter ihrer linken Brust. Ihre ge- schwellten Brüste schlugen in einem gemeinsamen Rhythmus, Als Graf Almaviva war Kurt Fredericb äußerlich am Platze- Was seinem Tenor in dieser Partie an ausgeglichener Kraft gebricht, versiebt der Sänger durch Intelligenz und Energie zu ersetzen. Sehr angenehm— stimmlich sowohl als darstellerisch— wrrd Figaro, der Barbier, durch Robert Koppel Zertreten. Im ganzen kam eine lobcnslverte Aufführung zustande. So dürste denn der„Barbier" noch fein Publikum finden und es zu fesseln wissen._ Zeitungspapier im Zelösanitätsöienft. Zeitungspapier ist zu verschiedenen Dingen von Nutzen. Schon in Friedenszeilen wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es als Einlegesohieii eine vorzügliche Wirkung ausübt und auch als Fuß- läppen Verwendung finden kann. Dr. W e i s b a ch hat nach seinen Ausführungen in der„Münch. Medizin. Wochenschrift" diese Tatsache bei den Mannschaften bestätigt gefunden. Infolgedessen hat man auch das Zeitungspapier zu Gelenkpackungeu bei leichten rheumatischen Beschwerden mit bestem Erfolg verwendet, und zwar besonders gut zu Schulter- und � Ellenbcugcnpackurigen, da es zwischen Hemd und Unterjacke ohne besondere Befesiigung gut in der gewünschten Lage bleibt und die Bewegungsfreiheit nicht be- hindert. Auch ganz- öder halbseitige Brust- und Rückenwärmer aus mehreren übereinandergelegien Bogen Papier hielten gut mehrere Tage fest, an denen die Betreffenden nicht aus den Sachen kamen. Ebenso benutzte Weisbach des ösleren Zeilungspapier zu feuchten Umschlägen. Es wurde erst in mehrfacher Lage um Hals oder Brust gelegt, mit einer Bmde leicht festgelegt und hierauf gut durch» feuchtet. Bald verwandelt es sich in eine zähbreiige Masse, die durch die Feuchtigkeit lange hält. Zur Bedeckung dieses Um- schlages diente, wenn der teure wasserdichte Stoff ausgegangen war, das altbekannte gelbe Einwickelpapier von Liebesgabenpäckchen.— In großen Mengen hat Zeitungspapier auch zur Füllung von Stroh- sacken in den Baracken Verwendung gefunden. Sicherlich ist es ein geeignetes Lagerinittel, nur wird es in der Form ganzer oder zer- teilter Bogen bald zu einer brettharten Masse zusammengelegen. Durch maschinelles Zerschneiden in feine Streifen würde es ein besseres Füllmaterial geben. Die Elastizität könnte dadurch erhöht werden, daß jeder' Streifen die Form einer spiraligen Drehung um seine Längsachse erhielte. Da die Erfahrung lehrte, daß Lager aus Papier insektenfreier blieben als solche aus Stroh oder Holz- wolle, ließ Weisbach tn jede» Strohsack bei der Füllung etliche Bogen Zeitnngspapicr mit hineinstopfen. � Jedenfalls hat sich, neben gründlicher Sauberhaliung unserer Lrigerstäticn, diese Praxis, die ja der Gepflogenheit unserer Hausfräuen beim„Einmotten mit Zeitungspapier" enispricht, auf's beste zur Fernhaltung von Un- geziefer bewährt._ Notize«. — Vorträge. Freitag, den 22. Oktober, abends 8� Uhr, sprechen im Monistenbund. Nollendorfhof, Bülowstr. 2, die Herren Werner und Dr. Baege über„Sozialdarwinismus". — Der Verband der Freien Volksbühnen eröffnet seine Vortrags- und Leseabende am Sonntag, den 24. Oktober, iin Bürgersaal des Rathauses mit einem auf drei Abende berechneten Voriragszyklus von Gustav Landauer über:„Die deutsche Romantik in der Literatur". — Bücher f ü r d i e S o I d a t e u. Der Gesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten hat bis Ende September 4(Mg 882 Bücher abgegeben. Von den ausgegebenen Büchern entfielen auf Lazarette etwa 1 826 558 Bände, Heer(direkh etwa 1116 286 Bände, Flotte etwa 176 631 Bände. Truppenübungs- und Lagerplätze etwa 58 631 Bände. Truppenverpflegungsstalionen und Bahnhöfe etwa 116613 Bände, Feldgeistliche etwa 486654 Bände, Lazaretlzüge etwa 23 723 Bände, Feldlazarette etwa 75 664 Bände, Kriegs- und Etappenlazarette etwa 165 244 Bände, Soldatenhcime etwa 33 141 Bände. — Rußlands verstummte Kirchenglocken. Drei- hundert Kirchenglocken, so berichtet das„Svenska Dagbladet", liegen gegenwärtig im Park deS Nikolsky-Klosters bei Moskau, wohin die Russen sie aus Angst vor den siegreich heranstürmenden deutschen und österreichischen Armeen brachten. Man sieht in dem Klosterpark alle Arten von Glocken, von den schweren, mächtigen Glocken der Käthe- dralen bis zu den kleinsten anspruchslosesten Glocken der Kirchen aus den Dorfgemeinden. Nun liegen ah die Glocken dort in wirrem Durcheinander, ohne Rücksicht daraus, ob sie einst einer römisch- oder griechisch-katholischen oder vielleicht einer lutherischen Gemeinde an- gekörten, der das Ein-Wcscn, das sie in diesem Augenblick waren, be- herrschte. Verloren in eilte große Glückseligkeit, schwiegen sie im nächtlichen Schweigen. Es war nur ein Augenblick. Alle ungeheuere Brandung der Ewigkeit hielt er in sich beschlossen. Und sie kosteten sie, ohne es zu wissen, hingenommen von dem Rausch, zwei zu sein, einer am anderen, wie in einem Tod. Es besagte wenig für Hein Donka, daß Hilla die Frau eines anderen war. Er dachte nicht mal daran. Sie war sein, weil er sie liebte. Er wußte es nicht anders. Nie dachte er an Souhe Flohil. Zeicht anders, als ob der riesige Vlame gar nicht für ihn vorhanden wäre. Wenn er zufällig einmal von ihm sprach, so geschah das ganz ruhig, als von einem Mann, der einem Bruder nicht bös sein kann, weil er der Gatte der geliebten Frau ist. Er preßte Hilla, die sich ihm ganz hingegeben hatte, enger in die Älaiilmer seiner Umarnmilg. Besaß er sie nicht, als hätte sie stets ihm gehört? Der Stolz eines in seiner Kraft und seinen Eroberungen verliebten Mannes prägte sich auf seinem tatkräftigen Gesicht aus, auf dessen Backeil zwei flammende Rosen lagen. Der Punsch loderte ihm im Gehirn. Sein Mark brannte. In der schuldigen Liebe fand er Wonne, die ihm eine gesetzliche Vereinigung sicher nicht gewährt hätte. Er genoß sie ohne Gewissensbisse, wie Eva in ihrer Unschuld die Frucht des Erkenntnisbaumes gekostet hatte. Eine Röte lief über ihre Hälse bis in die Ohrläppchen hinein. „Komm!" Die Wonne der langen Umarmung ließ sie ohnmächtig werden. Er hatte angefangen, mit seinen groben, bebenden Fingern, die sich ans die Feinheiten der Toilette nicht ver- standen, ihr die Knöpfe ihres Mieders einen nach dem andern aufzunesteln. Mit cinmmal sprang die nackte Brust hervor, aufreizend mit ihren starren, braunen Warzen in der blonden, weichen Rundheit der Haut. Sie vergingen miteinander in einem Geheimnis aufreizender Schatten. Und als hätte diese matte Nacktheit in ihm den letzten Widerstand aufgepeitscht. nahm er Hilles Körper auf die Arnie, hob sie empor wie eine Feder und drückte ihr einen heißen Kuß auf den Hals. Sie war seine Beute und seine Sache. Und er trug sie davon, über sie gebeugt, seinen Atem mit dem ihren einend. Sie umschlang ihm Schenkel und Beine, hing an seinem Nacken, fast passiv, den Mund von einem Lächeln geöffnet, Liebesverlorenhcit in den Augen. Doch als er mit dem Knie die Tür aufstoßen und Hilla übers Bett werfen wollte, heftete ihn ein jäher Schreck an der Stelle fest und er stieß einen furchtbaren Schrei aus: »Verdammt l"(Schluß folgt) Beutsches Theater. Direbtion: Max Remhardt. 7'/z Uhr: Jradith. Sonnabd.; UollcffeCrampton. Sonntagnachm�'/jCkl.Pr.): Hamlet Kamniemplele. 8 Uhr: Gawän. Sonn ab.: Der Weibstenfel. Sonntagnachm. 21/,(kleine Preise) Die deutschen Kleinstädter. Volkabtihne. Theater a. BDIowpl. 7'/»: Der Sturm. Sonnab.: Sturm. Immtm Taabenstr. 48/49. 8 Uhr: Von den Karpathen bis BrestaLitowsk. Theater für Freitag, 22. Oktober, Jletro pol-Theater. Gerllncr Theater Heute geschlossen. Voranzeige: Sonnab. T'/j. Z. 1. IL: Wenn zwei Hochzeit machen. Deatscbes Künstler-Theater. 8 Dhr: Die Zkligg Exzellenz. Ii easing-Theatcr. s Dhr: Don Juan. Deatscbes Opernhaas Charlotfbg. 8 uhr: Der Wiidscliötz. friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 8 uhr: Der Barbier von Sevilla. Gabr. H QSTmf G SCS-Th»oter 8 uhr: Benjamin macht alles. Kleines Theater. s uhr: Ein kostbares Leben. Komische Oper. 8 uhr: Jung muß man sein Sonnt. S'/j U.: Gold gab ich(Qr Eisen. KomOcUcnhaus s uhr: Meine rechte Hand 4iDstsplclhaus. 8'/, .Dstsplclhaus. V.U.. fierrseliafti. Diener gesueht s uhr: Die Kaiserin. Kontls Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 1 8 Uhr: Ein Tag im Paradies. Residenz-Theater «v. u.: Die Prinzessin vom Dil. Sonnt. 3'/. U.: Die Schöne vom Strand. Schiller-Theater O. s uhr. Jugend. Schlllor-Th.Clmrlottenbjj. 8 uhr. Der Meister von Paimyra. Thalia-Theater. 8 uhr: Drei Paar Schuhe. Theater an, Xollcndorfpl. S1/. Uhr: Immer teste drall! Sonnt. 31,', U.: Die Oollarprinzessin Theater des Westens 8 uhr; Der kOnstliche Mensch. Theater in der Könlggrätzer Straße 8 Uhr: RaUSeh. Trlanon-Thcater. L'/.u.: Bodos Sraatschau ,üiohel". uU: 8 Uhr Heute 8 Uhr buä Unerhörteste menscht. Willens!. klffltrttt als Tauch- u. Schrnstnm- KtlttstUU tüm'llei sowie das übrige SensatioiiS-Programm. 10 Uhr;» Sonnibriid, den 23. Owober, nach»Ntt»,s 3'/, Uhr: Glnuz- WohltatigkeitS-Vorstllg. 25 Prozent zu Künsten unser«: Marine- Invaliden! Xea! X'en! Die orifl..VltJiocr�DnniomtiiK Sientier Shtlmctcs Zldenteuer! Ein Kind sr-i. Vorverk. ohne Zlusschi. tag!, ab 10 U. Helft uns. tnpseru Blcujacken. Rerlln SO. an der Wiener Brücke, Lohmühlenstraße. - Pernspr. MpL 10508.- Heute Freitag, den 22. Oktober, 8 Uhr abends: Die herrlichen Zebra u. Zebroiden die in allen Gangarten in Preiheit vorgeführt worden, sowie alle übrigen circonsischen Kunstkräfte. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Circns-Kasse. — Monal-Theaier— KUpcnicker Mtralie 08. Freitag, den 22. Okiober: Gr. Festvorstellung zum% 30.% jähr. Bühnenjubiläum Fritz Steidl's: S.M. der Dollar Doutsoh-amer.Volksst. i. 4 Akt. Rose-Theater. 8 Uhr: Die Krlegshrant. Sonnabend 4 Uhr: Rotknppcyen. Sonnt.SU.: V/ie deutsche Heid sterben VValbalia-Tbeater. 8 Uhr: Freitag: Hüttcnbcsiher. Sonntag 3 Uhr: Wilhelm Dell. Lügt. 8 Uhr. Sonnt. S'/jU. 8 Uhr. 4 Trümpfe 4 Lud Kieselhausen! Robert Steidl!! „Der Amerikaner"!!! Otto Reutter!!!! und das neue unübertrefU Oktober-Programm. Metropol-Theater EkET" Heute 8 Uhr: Die Kaiserin sMaria Theresia). Gr. Operette in 3 Zllten ri. I. Brammer u. TUsr. Grünwald. Musik o. Leo Fall In Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Frltzl Massary Molly Wessely Albert Katzner Rolf Branner Rosa Yalettl Josef LudI a. G. etc. Guido Thielscher: „Wie repariere ich mein Auto". Jenus im Grünen" Operette von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna— Ida Russka Gustav Matzner-Julius Spiclmann. Käte Erholz-Heison Am Klavier: Rudolph Nelson sowie das große Oktober-Programm. Possen-Thealer S'U(Polles Caprioe) 8'/, Zorn 1. Ralc: Freund Loewe. Komödie in 2 Akt.v. Leonb. Haskel. Seine Tante. Posse m.Ges.i. 1 Akt v.Theo Haiton Reichshaiien-Theater. Stcttlner Sänger. Ans. 8 U. Zum 86». Male: Militärisch. Zeil. bild von Mehiel. Miiitärperionen u. deren Angehö« rigenvolliommen s r e i e r Zutritt zu d. Stell. Sängern. �aiiimpsiig-Verein„Namenlos". M. d. A.-S.-B. Chormeister E. Thilo. Sonntag, 24. Oktober 1915, in Obiglos Konzertsälen Koppenstr. 29: � Licder-Hbend zum Kesten der tm felde siebenden MtgUeder fowte deren famiUen. Mitwirkende: PrSuloin Edl Smcraldina, Violine. Herr tteorg rank, Tenor. OSST Anfang 6 Uhr."tzfStJ Billetts sind TergrllTcn! Der Vorstand. | ♦|»aaexssaxKZsaxgslj Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. JUg Berliner Konzerthans. Täglich: Großes Konzert Berliner Konzerthaus-Orchester Fran�v.TßiSn! Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen Kaehmittags-Konsept bei vollem Orchester und treiwn Elatrltt. V ofi�t-Theater. Badstr 58. Badstr. 53. Freitag, den 22. Cfiober: Die Waffen her. Patriotisches Schauspiel mit Geiang in 5 Akten von Rud. Dchwarz-Zleislmgen. Sonntagnachm.: Der Erbschleicher. Ad Montag: Die Bettlerin u. Ihr Kind. Nasseneröffnung 7 Uhr. Am. 8 Uvr. Casino= Theater Lothringer Str. 37. Tagt. 8 Uhr: UntergrundbabnH. Schönhauser Tor. Die neue Berliner Bollsposse Familie Schnase. Urberlin. Handlung UrLerlin. Figuren. Vorher der orstkl. Spezialifälen-Tcil. Sonnt. 4 Uhr: Der liebe Fridolin. Jacken- 5� ostiime Herbstneuhetteil. erslklassiae Verarbeitung a.Seide. modernste Machart, ebenso Jacketts, Pale- lors, Mäntel, Röcke, Piusen zu staunend dtlllgen Preisen, »«7«-> i-adiis*. Leydelstr. 2, eine Trepv? !?.W am Spiilelmatll. J{n-�-cAAtrr- JCecbaniker-Ktttel ♦ Sehlosser-JtnzQge kaufen Sie am besten und billigsten in dem größten Hpezialg�escli&ft von Kohnen& Jöring, Arbeits- und Berufs-Kleidung Alexanderstraße 12. Rosenthaler Straße 53, Landsberger Allee 148, Neakölln, Bergstr. 66. 236 Heute soweit Vorrat 'W i'Wßi;- MM .■■■y.f L!!f Billige Lebensmittel Fische und frteisch nur Leipziger Strasse u. 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