Nr. 245.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Sonnabend, 23. Oktober. Segräbnis im§elöe. Ein Berliner Genosse, der im Westen verwundet wurde, sendet uns folgendes Stimmungsbild: Der mähende Tod ging über die Felder. Biel junges, blühen- des Leben wurde seine Beule. Und wir Ueberlebenden, die wir ihm jeden Tag im harten Kampfe abringen mußten, sühlten uns aufs neue geheimnisvoll umweht vom Flügelschlage dieser Zeit, die ein Markstein und Wendepunkt der Weltgeschichte ist. Auch er, der einer unserer Besten war, hatte daran glauben müssen, war abgerückt zur großen Armee, wie schon tausend mal tausend andere Kameraden. Daß er fallen mußte, er, der immer Hilfsbereite, der stets Opferfreudige. Ein Dulder und ein Held zugleich! Ein stiller Held, weil bescheidene Zurückhaltung die hervorstechendste Wesensart seines Charakters war, und darum ein Namenloser. Nun lag er hinter unserem Graben, die treuen blauen Augen starr und verglast gen Himmel gerichtet und konnte das lachende Blau doch nicht mehr sehen. Ein leichter Windstoß wehte über ihn hinweg, bog die Gräser wippend hin und her, kam zu uns herüber und legte sich wie eine eisige Grabeshand krampfend um unser Herz. Als Sendbole des Todes sang er in den Halmen das uralte, ewige Lied von junger Liebe, strahlender Schönheit und Manneskraft, jauchzendem Glück und vom Vergehen und Vergessen, ein msmsnto mori. Wortlos saßen wir im Graben, still und gedrückt und fühlten die Verpflichtung, ihm etwas Liebes anzutun, das letzte. Was konnte es sein? So kamen wir überein, ihn abends zu bestatten, wir, seine Kameraden, die mit ihm kämpften und mit ihm duldeten. Nicht fremde Hände sollten ihm ein Grab schaufeln. Unter der stämmigen Linde sollte er schlafen, die zerschossene Kirche im Hintergrund, die er vor einigen Tagen erst geschickt mit Bleistift auf einer Karte konterfekie. Schmucklos einfach entstand durch gemeinsame Arbeit in den Nachmiitagsstunden ein Holzkreuü. Jeder half. Und mit feuchtem Kopierstift wurde er mit einer Inschrift versehen: Hier ruhet in Frieden Gustav König, Weimar,, Res.-Jnf.-Neg..... 10. Komp. Er fiel kämpfend für sein Vaterland am S. 5. 1915. * Der Abend kam. Neblige Dünste stiegen empor und wogten gespenstisch hin und her. Einem schwarzen Schleier gleich legte sich die Dunkelheit über alles. Die Zeit war da, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Wir knieten bei ihm nieder, öffneten den Waffenrock und nahmen die Erkennungsmarke ab. Die Uhr, die Brieftasche und der Brust- beute! verschwanden in dem kleinen Leinensäckchen, das mit dem Bande der Erkennungsmarke verschnürt wurde. Sie selbst wird oben angebunden. Die letzten lieben Andenken für die Angehörigen daheim. Noch einmal sahen wir ihm ins Angesicht, dann rollten wir ihn behutsam in seine Zeltbahn. Vorsichtig, als fürchteten wir ihm weh zu tu», steckten wir die Stiele unserer Spaten unter ihm hindurch und hoben langsam an. Im Gleichschritt trugen wir die teure Last, bedächtig, beinahe feierlich. Ueber die Wiese gings, dann über ein Ackerstück. Unter dem Lindenbaume schaufelten wir sein Grab. Es war nicht leicht, denn die knorrigen Wurzeln waren zähe. Fast schien es, als weigerte sich die Erde, den jungen Leib noch aufzunehmen, als wäre sie übersatt von Menschenblut.:'" Run lag er in der Grube. Dumpf und schwer fielen die Schollen auf ihn, bis sich der Hügel wölbte. Hinter dem zer- schosienen Dach der Kirchs trat der Mond hervor und goß sein silbriges Licht über die Landschaft als wir das Kreuz aus seinem Grabe feststeckten.»Helm ab!* und wir enlblößien das Haupt. Waren es Tränen, die im Mondenlicht wie Demanten in unseren Lugen schimmerten, oder war es der beißende Qualm, der vom Dorfe zu uns herüberwehte und uns das Wasser in die Augen trieb? Ohne Scham—, es waren Tränen, die wir Krieger weinten, denn wir dachten an sein altes Mütterchen daheim, dessen einzige Stütze er gewesen war. O. iL Kleines Zeuilleton. Künstler-Theater:„Die selige Exzellenz'". Die beiden Autoren, die sich zu diesem Lustspiel zusammen fanden, P r e s b e r und Stein, haben jeder für sich ihr Glück aus dem Theater des öfteren, doch nur mit mäßigem Erfolg versucht. Um so erfreulicher war die Ueberraschung, die der Sprößling ihres Bundes bereitete. In den Spuren Scribes und mit dem von thm ererbten Inventar ist ihnen eine bei aller Einfachheit des Entwurfes recht unterhaltsame Komödie gelungen. Die Intrige, bei dem französischen Altmeister des Faches häufig durch allzu verwickelte Finessen ermüdend, bewegt sich hier in diskret gezogenen Grenzen. Natürlich ist's auch diesmal eine Dame, die die Fäden in der Hand hält: die Geliebte des seligen Ministers, der in den Hofzirkeln der kleinen Residenz wegen seiner geistigen Ueberlegenheit den Strebern und Kabalenmachern gründlich verhaßt war. Nun nach seinem Tode soll reiner Tisch gemacht werden mit allen, die zu ihm hielten. Durch einen Boykott will man die lcbens- lustige Witwe zur Abreise zwingen und ebenso den gleichfalls un- bequem gewordenen jungen Sekretär des Toten an die Luft setzen. Da verfällt sie, die zur Genüge weiß, was jene Herrschaften von früher her auf dem Kerbholz haben, auf einen Einfall, der die Attacke in einen Wettbewerb von Huldigungen wandelt. Ein Brockhaus-Band, fest eingewickelt und feierlich versiegelt, wird in der Gegenwart des Hofmarschalls von ihr dem Sekretär als letztes Vermächtnis des Toten überreicht, als das Memoirenwerk d er seligen Exzellenz, das nun alsbald im Druck erscheinen soll. Wie ein Feuer verbreitet sich die Schreckens- nackiricht. Jeder fürchtet, es könnten allerhand ihn kompromittierende Histörchen darin aufgezeichnet sein, und sucht durch Schmeichelei die beiden Wissenden sich gutwillig zu stimmen. Die leicht und zwang- los herbeigeführte Situation ist mit guter Laune zu lustiger Beleuch- tunq der vornehmen Sippe ausgenutzt. Von aller Welt umworben, eröffnen sich dem Sekretär großartige Aussichten. Am Empfangsabende der eben noch als unsittlich verfemten Fremden stellt sich zum Schluß der ganze Chorus mit zuckersüßen Mienen ein. Der feinsinnige Humor, den Adalbert hier in der Figur eines armen durch ein paar Gläschen Wein aus seinem son- stigen Niedrigkeilsbewußtsein herausgerissenen Hofrates entwickelt, füllt gewisse Pausen in der Handlung höchst ergötzlich aus. Die schöne Witwe krönt ihre Siegesseier durch eine erlösende Tat. Vor versammelter Gesellschaft wirft sie das ominöse Paket in den Kamin. Und als der neugicrig-schlaue Hofmarschall ein Blättchen in der Asche findet, in dem von Soxhletmilch die Rede ist, geht ihm auch dann noch keineswegs ein Licht auf. Er wundert sich nur. über wie seltsame Dinge der Selige sich den Kopf zerbrochen. Um den vorzüglich angelegten Hofmarschall Junkermanns und Frau S e r d a S temperamentvoll muntere Witwe gruppierte sich ein gleichwertiges Ensemble. Unter den Episodenfiguren stand Jlka Grünings köstlich stilisierte Oberhofmeisterin an Charakter- komik ebenbürtig neben dem Adalbert schen Hofrat. dt. wo öie Sulgaren kämpfen. Der Krieg Bulgariens gegen Serbien hat mit dem Einrücken der bulgarischen Streitkräfte in die serbische Grenzprovinz T i m o k begonnen und besonders ist die Bezirksstadt Knjezevac zum Mittelpunkte der dort entbrannten Kämpfe geworden. Knjezevac liegt an einem der beiden Ouellflüsse des TimokflusseS, und zwar auf einer Hochebene, umgeben von einem reizenden Naturpark und begrenzt von reben- und bmimbcpflanzten Höhen, die zahlreiche Wasseradern durchrieseln. Es ist eine Stadt von alter geschichtlicher Bedeutung, denn die vortreffliche natürliche Lage des Platzes ist bereits den römischen Strategen nicht entgangen, wie römische Altertumsftinde, die in neuerer Zeit in und bei der Stadt gemacht worden sind, bezeugen. Das neueste an dem Orte ist sein Name, der erst aus dem Jahre 1857 stammt. Im Mittelalter hieß die Ansiedlung Gurgufovec und sie lehnte sich an eine kleine Feste, die den Weg durchs Timoktal hier deckte. Um diese Feste ist besonders im 18. und 19. Jahrhundert zwischen Türken, Oesterreichern und Serben oft hart gekämpft worden, und erst im Jahre 1833 wurde dieser Teil des Timokgebietes dem da- maligen Fürstentum Serbien einverleibt. Vor dem Kriege von 187S bot Knjazevac einen sehr anmutigen Anblick, obgleich ihm bedeutende Bauwerke immer gefehlt haben. Aber das hochliegende Kreisamt, die darum und auf beiden Timoksciten gruppierten netten Häuser mit Veranden nnd Terrassen, die in italienischer Weise von saftigem Grün durchwachsen waren, machten einen freundlichen Eindruck, und ebenso die nach den Höfen geöffneten Bogenhallen, in denen nian die malerisch gekleideten Frauen mit der Anfertigung von Teppichen beschäftigt sah. die den geschätzten Teppichen von Pirot wenig an Güte nachstehen. Allein der Türkenkrieg verwandelte diese Stadt in einen Schutthaufen. Seitdem hat sie sich, und zwar im ganzen überraschend schnell, erholt, und schon 1893 zählte sie wieder über 5090 Einwohner; ein neuer Regulierungsplan war in Vor- bereitung und der Wohlstand der Gegend hob sich zusehends. Die Bevölkerung des Timokkreises gilt überhaupt für besonders fleißig, und dafür zeugt auch das Aussehen der Dörfer im Kreise. Die Häuser sind mit Ziegeln gedeckt, jedes wohlhabendere hat einen Keller, einen Maisspeicher, eine Scheuer fiir Weizen und einen Stall für das Vieh. Drei wichtige Straßenzüge führen von Knjazevac ins serbische Land hinein. Ostwärts klimmt die Straße das Gebirgsland empor, um über Banja das Morawatal bei Alexinac zu erreichen. Nach Norden läuft die wichtige Heerstraße längs des Tomik, die bereits auf die Römer zurückgeht und in der Kriegsgeschichte des Landes eine große Rolle gespielt hat. Das ist ein malerischer und schwieriger Weg zwischen wilden, oft über 1000 Meter hohen, zerklüfteten Kall- steinbcrgen, die stellenweise zu Engpässen von mehreren Kilometern Länge zusammenireten und dann großartig-wilde Landschaften bilden. Der Weg nach N i s ch, der jetzigen Hauptstadt Serbiens, führt von Knjazevac aus zunächst auf d«S höchst unwirtliche Balkanplateau der Tresibaba, die zu 390 Meter ansteigt, und wo 1879 durch den Sieg der Türken das Schicksal des TimokbezirkeS und von Knjazevac zunächst entschieden wurde. Erst wenn man diese? öde Hochplateau hinter sich gelassen hat, tritt man in freundlichere Gebiete ein. Tief unten im Morawatale zeigt sich Nifch, umgeben von stattlichen Ortschaften mit roten Ziegeldächern, die in ihren prächtigen Kulturen. inmitten der von Weingärten und kleinen Wäldchen übersäten Höhen an den Charakter italienischer Ansiedelungen erinnern. Pflaumen ohne kerne unö Valnüste ohne Schale. Zu den fesselndsten Ausstellungsgegenständen in San Francisco gehören die jüngsten„Schöpfungen� Luther Burbanks, des höchst verdienstvollen amerikanischen Züchters. Er zeigt auf der Panamaausstellung eine ganze Sammlung neu gezüchteter Riesen- srüchte: Riesenpflaumen, Riesenpfirsiche, Riesenaprikosen, sowie Aepfel und Birnen, gleichfalls in Ricsenformat. Auch Blumen von ganz wundersamen und bisher noch nicht erhörten Schattierungen führt er vor. Luther Burbank erregte bekanntlich zuerst durch seine neuen Kartoffelarten und später durch den vielerörterten stachellosen Kaktus allgemeines Aufsehen. Neuerdings bat er durch Kreuzung amerikanischer und japanischer Arten eine Pflaume von einer ganz erstaunlickien Widerstandskraft gegen den Frost gezüchtet. Er hat diesen Pflaumenbaum Nacht für Nacht, während er in voller Blüte stand, starker Kälte ausgesetzt, so daß zum Schlüsse die Kronen- blätter und das ganze Laub erfroren waren, aber der Fruchtknoten und die Staubgefäße erhielten sich trotzdem lebendig und der Baum trug eine volle Ernte. Sehr bedeutende Ergebnisse hat Burbank serner bezüglich der Reifezeit der Früchte erzielt. Er hat Arten gezüchtet, die ganz ungewöhnlich früh und andere, die ungemein spät reifen und hat auf diese Weise die Obstzeit um mehrere Monate zu verlängern vermocht. Unter seinen jüngsten Schöpfungen in San Francisco befinden sich zwei besondere Merkwürdigkeiten. Die eine ist eine Pflaume ohne Kern. Bollständig kernlos ist diese neue Pflaume allerdings nicht, sondern der Kern ist darin zu einer Masse geworden, die zusammen mit der Frucht selbst verzehrt wird und ihr einen pikanten Geschmack und Duft verleiht. Eine andere Neuheit Burbanks bilden die sehr interessanten Versuche, die er mit einer Walnußart angestellt hat. Sein Ziel war da- bei, die Walnuß von ihrer harten Schale zu befreien, und wirklich ist er bereits so weit gelangt, daß seine neue Walnuß nur noch eine papierdünne Haut hat. Diese Neuheit ist übrigens prak- tisch voraussichtlich ohne alle Bedeutung, da cs sich gezeigt hat, daß dieje Art von Nüssen den Vögeln zu leicht zum Raube fällt. In jüngster Zeit hat sich eine Aktiengesellsckiaft zur wirtschaftlichen Aus- nützung der Erfindungen Burbanks gebildet. Burbank selbst, der bereits einen Jahreszuschuß von über 10 000 Dollars vom Carnegie- fonds erhält, soll sich in Zukunft ausschließlich seinen Versuchen widmen, während die Gesellschaft die wirtschaftliche Seite ganz auf sich nimmt._____ Notizen. — K u n st a b e n d. Im Charlottenburger Schillersaal findet Sonntag, den 2L, abends 8flz Uhr, der erste Tondichterabend statt: „Das deutsche Lied". — Der Wille zum Haß. Der vielgewandte Schriftsteller Artur Landsberger hat einen Roman„Der Haß" geschrieben. Peter Hamecher bespricht ihn in der„Tägl. Rundschau" und charakteri- siert ihn also:„In Landsbergers Buch finde ich weniger ehrlichen Haß als den Willen zum Hasse. Welche Motive auch in dem llr- Heber treibend gewesen sind: sein Werk wirkt als eine literarische Ausnützung der augenblicklichen Stimmung gegen Englanid. Da- durch verletzt es die Würde der Stunde." — Ein Knaben Porträt v o n Rembrandt auS dem Jahre 1950, das Rembrandts Sohn Titus darstellt und dein Lord Spencer gehörte, ist dieser Tage in London verkauft worden. Der Preis ist noch nicht genau bekannt, soll aber etwa 800000 M. betragen. Die Teuerung drückt, wie es scheint, nicht auf alle Leute in gleichem Maße. Rotes vlamenblut. 55] Von Pierre Broodcoorens. l Schluß.) In dein schwarzen Loch des Zimmers stand im Ansprung auf ihn ein Mann und sprang auch schon wie ein wildes Tier auf ihn los. „Souhe!" Hillas Ruf endete in einem Röcheln. Massig war die Faust des Mannes niedergefahren und hatte ihr die Kehle durchstochen. Und von neuem, unaufhörlich fuhr der blaue Blitz der Klinge hernieder. Er verschwand funkelnd mit der Geschwindigkeit eines Meteors, jedesmal erloschen in einer roten Flut, funkelte von neuem blitzschnell, haarscharf, unerbittlich. Die lveißen Hände Hillas hatten sich gelöst, mit dem weichen Geräusch eines Paketes plumste sie auf den Boden. Hein Donka hatte versucht, mit einem weiten Seitensprünge sich in Sicherheit zu bringen. Aber er hatte kaum noch Zeit, sein Messer zu ziehen und es zu öffnen. Schon war der andere über ihn her und das Blutbad begann. Die beiden Männer verfolgten sich rund um das Zimmer herum, wie Wölfe, die im Ansprung stehen, sich zu verschlingen. Kein Wort wurde laut. Man hörte nur das dumpfe Klappen der Nagelschuhe auf dem Fußboden. Beständig die Gesichter einander zugewandt und sich mit dem Blick belauernd, stießen sie gegen die Möbelstücke und die Wände, zuweilen auch an Hillas Körper, der vom Todcskrampf zuckend in einer Blut- lache lag. Ihre Stummhcit hatte etwas Fürchterliches. Es war ein Kampf ohne Pardon, auf abgeschlossenem Revier. Sie wußten ihr Geschick im voraus. Für den Besiegten bedeutete es den Tod. Kein Mitleid. Der Haß in seiner blindesten Entfesselung. Sie parierten Stöße, indem sie andere austeilten, ge- schickt, heimlich, listig, mit der instinktiven Kunst von Leuten, die sich ihrer Haut wehren. Manchmal bissen die bluttriefenden Bcesser in die Glieder ein und knirschten auf einem Knochen. Und plötzlich, durch diese fruchtlose Jagd ermüdet, in der der geschwindere Hein sich im Vorteil befand, warf Souhe, in stolzer Verachtung heimtückischer und gegen die Kampf regeln verstoßendes Mittel, sein Messer fort und stürzte sich im Vertrauen auf die Riesenkraft seiner Fäuste murrend auf Hein. Sie rollten zu Boden. Mit dem Schraubstock seiner gewaltigen Arme suchte er Donka zu ersticken, ihm die Rippen einzudrücken, ihm das Rinfr grat zu zerbrechen. Der Harmonikaspieler ächzte unter der furchtbaren Last, sein Gehirn surrte ihm wie ein Bienenkorb, die Augen quollen ihm aus den Höhlen. Aber er hatte das Messer nicht aus der Hand gelassen. Und als er fühlte, wie ihm die Erschütte� rung seiner Eingeweide das Blut aus den Poren trieb, be� arbeitete er den Körper des Riesen mit der Raserei der Vev zweiflung. Er stieß auf's Geratewohl zu, aus Leibeskräften. Und das Blut des Kolosses, das aus zahllosen Wunden rann, berieselte ihn wie ein Tau. Ihre Schädel schlugen auf dem unebenen Boden auf, prallten-von den scharfen Kanten der Gesimse und Platten ab. Das unentwirrbare Ineinander von Armen und Beinen war lvie das scheußliche Wesen eines irrsinnigen, krampfig zuckenden Tieres. Ein dumpfes Arbeiten zerriß ihnen zuweilen die Luströhren, machte ihre Kinnladen knirschen. Und das blutgierige Weiß ihrer Schneidezähne leuchtete ihnen starr in der bläulichen Höhle der fletschenden Lippen. Sic hatten die Gesichter fürchterlicher Dämonen. Ein grauenvolles, verzerrtes Klaffen des Mundes ent- stellte sie. Die Hast zu enden, ein unersättlicher Durst nach Mord. Rache und Wut war in ihren starren, in tierischer Grausamkeit funkelnden Augen. Plötzlich stieß Hein ein Geheul aus: „Mord...." Er verm«chte nicht zu enden. Souhe, der von einem schwachen Augenblick des Har- monikaspielers Borteil zog, hatte ihm seine lederharten Zangen in den Hals gebohrt. Sie drangen in dieses Muskelfleisch ein, zerstießen die Knorpel, zerrissen die Gefäße. Hein riß übermäßig sein schwarzes Mundloch auf. Während er instinktiv ihm mit den Händen nach der Gurgel fuhr, hatte die Klinge seines Nachbars einen Weg in Flohils Herz gefunden. Der Riese ließ ab. Zusammen hauchten sie aus, ohne ihre tödliche Umarmung gelöst zu haben. Und so mochten wohl auch ihre Seelen, in die Ewigkeit stürzen, eine an die andere geklanmiert, wie ihre erstarrten Körper, ihre düsteren, wutverzerrten Gesichter... Oben war, halb tot vor Schreck, Jannah von einem nervösen Zittern befallen worden. Beim Getöse des Kampfes war sie, auf der Stelle nüchtern, vom Lager aufgesprungen. Sogleich hatte sie begriffen, was vorging. Und sie hatte eine übermenschliche Kraft gefunden. Souhe hätte bloß herauf- zusteigen, und den Riegel zurückzuschieben brauchen, um sie zu erstechen, wie er unten Hilla und den Harmonikaspieler erstach. Beim bleichen Schein des Nachtlichtchcns schob sie, halb nackt, mit aufgelöstem Haar und unter Zähneklappern vor die Tür, deren Schließbänder zerbrochen waren, eine Kleider- trnhe, Kornsäcke, den Backtrog. Sie selbst setzte sich auf den Haufen, um sicher zu sein, das Gewicht ihrer 60 Kilo hinzu- fügend. Und den Hals gereckt, in Todesschweiß gebadet, hörte sie den fürchterlichen Aufruhr da unten ansteigen und dann verstunimen. Sie hörte den Schrei Hillas, das Röcheln von Hein, das kurze Bellen, das sich die Männer im Verlauf ihres tragischen Zweikampfes ins Gesicht warfen. Endlich stockte eine tiefe Stille. Der Tod rauschte sein großes Dunkel. Und da stürzte sich das Mädchen mit stieren Augen und eisig erstarrtem Mark auf das Ochsenauge, das der Giebel der Hütte hatte, und fing an um Hilfe zu schreien. Diese Schreie machten das schlummcmde Herz der Bäume am Rand der Hohlwege erzittern, sie wirbelten über die schwarzen Gefilde, wie krächzende Krähenschreic. Der ganze Weiler hörte diese klagenden, düster langen Laute. Nur Martha wurde von ihnen nicht gestört. Ein paar Schritte von der Irrsinnigen entfernt lag sie auf ihrem mit Seegras ausgestopften Bcttsack und fuhr fort zu schlummern, den Kopf sanft in das feine Gold ihrer Härchen gelegt. Ein Lächeln spielte um ihre Lippen, so unschuldig, daß die Mütter darüber gelveint hätten. Und ihr leichter Atem irich durch den unendlichen Raum zu dem Stern der Weisen empor— dem Stern der Balthasar, KaZPar und Melchior, die unterwegs waren nach Bethlehem. T-2L'- ...■&' Kaffee gebrannt,'/j-PW.-Paket MiO Pl. AJandor Belle- Älliancestr. Grosse Frankturterstr. Brannenstr. KoUlmser Damm WUmersdorlerstr. Kassier Pfund 1.55 1.60 Wurstwaren Rot- od. Zwiebelwurst.,..� 1.40 Landleberwurst 1.70 Zervelatwurst_________ rnu>ä 2.G0 leewurst______________ rtu* 2.60 Mettwurse�!�.�.d 2.60 Lebensmitt Kochbirnen Tafelbirnen KochSpfei... »..WaadlOpt. .«.PfnailSpt 16 ..Pftmd Pt ßinderquerrippe Pfd. 95pl Rostbeef � ��1.10 Rinderbrust....... �1.10 Schmorfleisch m;.Kn.7undn1.15 6uiascho.Gehacktesp>d 1.00 Kaibskamm....... pmndl.io Zasendtmg aasgeschlossen Gemüse Kalbskeule"• Kalbsrücken m0""S.d I.30 Kalbshaxe......... pfund9@pf. Hammeifielsch..p� 1. 10 Hammelkeule 1.25 Hammeirücken' Äl.25 Weisskohl.............—....... pimi Ap>. Rotkohl..................„.„.„pftmd 10" Märkische Bübchen......... pta»-- 15" Spinat.................— 3 piimd 40" Mohrrüben................ 3 pn.� 28" Tafe!äpfel_______ PnmdlSpt Tomaten................. P,und42Pt Sprottbückiinge Pft.°d 80 Pi. Hirschwiid: BlaV1.3o Ke,,�1jo RDor"1.4o j Bücklinge- 25 PL DentKchea Theater. Direktion: Max Reinhardt. VI, Uhr; KoIIcire Crampton. Sonntag: Hollese Crampton. Sonn�agnachm. 2*/,(kL Pr.): Html at Kammemplele. 8 Uhr; Der WelbetenfeL Sonntag: Der Wclb.tenfel. Sonntagnachm. S'/i(kleine Preise) Die deudchea Kleinstädter. Tolk.bühne. Thealer a. BBlawpL 7'/, Uhr: Der Btnrm._ URANIA TB58P49.tr- 4 Uhr(Halbe Preise): Der laonco und Oeater- relcha Adriakfflste. 6 Uhr: Von den Karpathen bla Breat-liltowak. Sternwarte"VSlST" 8 Uhr: Dir. Prof. Dr. B. Donath: Die Entatehnnjg dea elektrlachen Ktromea. Theater für Sonnabend, 23. Oktober. Komödie der Worte Berliner Theater z'vm; Wem zwei HocIizeltiDaclieii Deutsches Kflnstlcr-Tbeater. s uhr: Die selige Exzellenz. lieaalne-Thoater. T'/i U.: Z. l.M. Deutsches Opernhans CtaarloMbg, s uhr: Die Fiedermaos. Friedrich-WllhelmstidL Theater. 8 uhr: Der f ogelhändler. •«br. Herrnfeld.Ti.mter s uhr: Rosenbfatt's Geheimtip Kleinen Theater. s uhn Ein kostbares Leben. Komlaelie Oper. 8 uhr: Jung man man sein Sonnt 31/, U.: Gold gab Ich fQr Elsen. HoniOdlcnhana 8 uhr: BSeine rechte Hand l.aatspiclhana. «'/. U.Sonntag tspiclbana. ilerrsebaftl. Diener oesoebt itag 31/, Uhr; Die Ehre. Hetropol-Tbeater. b uhr: Die Kaiserin. Hentla Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann, 8 Uhr: Ein Tag im Paradlet. Realdena-Theater e«/. u.: Die Prinzessin?W Hfl, Sonnt. S'l, U.; Die SehSne vom Strand. Schiller-Theater O. s uhr: Der G'wissenswurm. Sehlller-Th.Charlottenbs. 3 Uhr; Prinz Friedrich ron Hamburg s uhr: Heimat. Thalia-Theater. 8 uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am üiollendorfpl. S1/« Uhr: Immer feate druff J Sonnt S1!, U.: Die Dollarprinzessin Theater dea Weatena s uhr: Der künstliche Mensch. Theater in der KönlggrätzerStrafie 8 uhr: Der Vater. Trfanon-Theater. S'/.U.: Bodoa Brantaehan. Sonntag 3'/, U.: Lehmanns Kinder. National-Theater. Kdpenlcker Straße 67/68. 8';.ü.= S. M. der Dollar. Metropol-Theater gy�g■ Heute 8 Nhr: VM Die Kaiserin (Maria Theresia). Gr. Operette in 3Aften v. I. Brammer u. Alsr. Grünwald. Mufit t>. Leo Fall. Ii, Szene gesetzt vom DireNor Richard Schultz. Frltzl Massary Molly Wessely Albert Kutzner Roli Brunner Rosa Valettl Josef Ludl a. 0. etc. TSgl. 8 Uhr. Sonnt. 81/, u, 8 Uhr. 4 Trümpfe 4 Lud Kieselhausen! Robert Steidlü „Der Amerikaner"!!! Otto Reutterüü und das neno nnübertreSL Oktober-Programm. Dlrt'ktloa; Adolf Vooel. I | Telolon: LUUow 7841| 10.-81. I. Oktbr. (äussy Holl | Schneider Duaeker j Mia Werber SALERNO «tnd weitere 8Programm- SODntaq2Vorsteii.8Ühr| H.eba>j(ieine Preise I het nnwekürstem Programm.| nHtniieTreljItflÄnfSffin 1 Billettvk. 1 1-1 u Invalidendank I 5ch Somiabend, 23. Oftober: S Vorst« Hangen. VI, fflrofee Glan,.«>„ 0 Wohltltigkeits-VersLd 25 Pro,, zugunsten unserer Marine-Jnvalicen und de« Aller«, u. Jnvalidenbelme« des deutschen Flottenvereins in Eikernsörde bei Kiel. DaS vollständ.Speziallläten. Programm des Abend« und zum Schlutz l Die orig. Ktnoer-Pantamtme Rentier Kuhlicke« Abenteuer! I t Kind frei, weit. Kind, halbe Pr. NI,. 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Walhalla-Theater. T'/i Uhr: Tannhlinser. Sonntag 3 Uhr: Wilhelm TeB. 8 Uhr: Die Krlegsbrant. '■''''■■ � ,V;. S 9f* Clnldo Thielscher „Venns im Grünen" Operette von Oskar St raus. Mitwirkende; Else Borna— Jda Russka Gustat Mstznar-Julius Spielmann. Kftte Erholz-Bfelson Am Klavier: Rudolph Nelson sowie dae große Oktober-Progr. Sonntag, 24. Oktober Nachmittag-Vorstellg. Ennftß. Preise. Kinder d. HSJfte Casinoa Theater Loihringer Str. 37. Tägi. 8 Uhr: Unlergrundbahnh. Echönhauscr Tor. Die neue Berliner Volfspoffe Familie Schnase. Urberltn. Handlung Urberiin. Figuren. Vorher der ersiki. Spezialitäten-Teil. Sonnt. 4 Uhr: Ter liebe Fridolin. Verband der Schneider, Sehneiderinnen nnd Wäschearbeiter Deutschlands. öebastianstr, 87/38. Filiale Berlin. Telephon: Amt Moritzplatz 9737. Achtung! Achtung! Possen-Theater S1/,(Polies Oaprice) 81/, freund Locwe Seine Cante mit Hawkel und Berlach. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Ssrüner Konzertas. BW Ken: Wein-Terrasse."W Kante: Großes KOHZCrt Berliner Konzertkans-Orchestcr �nrA0.1«�! Anfaag 8 Ohr. Eintritt SO PL Anfang 8 Uhr. An all es TTochetetagcn Nttotanitzttifle-ÄoiiaieTt bei vollem Orchester und freiem Eintritt Klilitärschneider! Heute Sonnabend, 23. Oktober, abend» Uhr, in den Zlrmin. hallen, Kommandautenstr. 57/58: Militärschneider-Versammlzmg. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern wegen der Arbeits- löhne sür die neuen Osstzierunisormen. 183/3 2. Diskussion. 3. Bericht über die Trhöhung der Furntinrengelber. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Kommisston. Allgemeine Kranken- urstirbekasse der deutschen Drechsler und Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). Aruusivuimt AKMMMGMHNWK Freitag, den 29. Oktober, abends 8V* Ehr, im großen Saale des Qewerkschaftshauses: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. GeschRfts- und Kassenbericht des Voratsndes. 2. Bericht der Revisoren. 3. Diskussion. 4. Neuwahlen dos Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren,, der Verwaltimg und Ordnerschaft. Die nitglledskarte Ist an der Kontrolle ror- ■OEeigcn. Meldungen neuer Mitglieder für die neuerriohteton Abendabteilungon können in allen Zahlstellen für die Freie Volksbühne erfolgen.(Die Abendvorstellungen finden statt im Theater am Bülowplatz, im Lesaing-Theater und Künstler- Theater an verschiedenen Wochentagen. Anfang 8 Uhr.) 155,10' Der Vorstand. Veitr. G. Winkler. MtgUeder-Nersammlungen Sonntag, den Bezirk A: B: C: 1.(SeKz 3. Nenwa VkrivcttiiugssttDe Kerlin N 54, linirnftr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9— 1 und von 4— 7 Uhr. Sonntag» den 24. Oktober 1013, vormittags 10 Uhr, in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/18: S�aneken- VsvsammlunZ stier in lten Sisenkonstruktionswerkstätten ksschäftigten Arbeiter sowie TahrstuhHitonteure nnd Keller. Tagesordnung: 1. Bericht der Branche» komm isston. 2. Diskusston. 3. Per« schiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Pflicht. Sonntag, den 24. Oktober 1015, vormittags 10 Nhr, im GewerkschaftshauS, Engelufer 13, Saal 1: WU- Versammlung der?tlets!tdrijeker und Polierer ßrojt-Berllns. Tagesordnung: 1. Die Frauenarbeit in unserem Berus. 2. DiSkusfton. 8. Verbands- und Branchenangelegenheilen. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Pflicht. Die Kollegen, in deren Betrieben Frauen an Drultbänten beschäftigt werden, sind besonders eingeladen. Sonntag, den 24. Oktober 1915, vormittags 9 Uhr, im Lokal von Müller, Alexandrinenstr. 3-i: Branchen- Bersam mlung aller in Zink- nnd Eönder-Giepereien beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in der Zünder-Fabritation. 2. Unser Arbeits- Nachweis. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. ----- Mitgliedsbuch legtiimiert.= Sonntag, den 24. Oktober 1915, vormittags 10 Uhr, in den Mnsiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31: JB r a ii c Ii e n- Ve r s a m m I n n g der JKascbinenarbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. D er Einfluß der Frauenorb eil aus die Lohn- und Arbeilsverhälinisse der Maschinenarbeiter. 2. Brancheiialigelegenheiten. 3. Verschiedenes. Z» dieser Versammlung find alle in der Retotlindnstrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Fräser, Stsffer, Stanzer, Schinilarbelter, sowie alle an Maschinen beschäftigten Arbeilerinnen eingeladen. —» Mitgliedsbuch legitimiert.> Zlchtnng! Tie Zahlstelle von Sihlach, Ritterstr. 1Ü1, ist nach dem Lokal von ftfnedrich, istitterstr. 118, verlegt. Tie Zahlstelle von Bachgänger befindet sich jetzt Malmörr«vtr. 23. Dl« �rtsv«rw»i4ta>ig. ÄtzÄ{LifMCtS iX/UiiLfffH ÜHlftstttlfscrc) u.>i1bi?clgbanst