gt. 248.— 1915. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Jn Selgraö. Von Hugo Schulz Men). .... IS. Oktober. Ich habe Belgrad nie anders gesehen als mit verzerrten Zügen. Nach der Schlacht an der Bregalnitza besuchte ich es zum erstenmal. Da glühte eS in wilder Fieberhitze, und Delirien des Jubels über die Siege im Balkankrieg brachten eS außer Rand und Band. Nun, da ich hinter unseren Truppen einzog, wie fand ich es wieder? Eingeschrumpft, lebensleer und fast schon todesstarr wie eine Ruinen st ad t. Es ist aber keine. Wohl haben die schweren Geschosse arg gewület, aber nirgends ist das Stadtbild völlig verlorengegangen. Zahlreiche Wundmale hat es davongetragen, an den Rändern wurde es stellenweise sogar recht arg zerfranst, aber in seinen wesentlichen Umrissen ist es unversehrt geblieben. Ganz anders als die vielen kleinen galizischen Städte, die das Unglück hatten, zwischen die zermalenden Mühlsteine zu geraten. Man brauchte nur die Rolladen zu öffnen, die Schaufenster, deren Glastafeln von Wachtposten gegen Uebeltäter behütet werden, mit Waren zu füllen, die vielfach mit Brettern abgeblendeten und zum Straßen» kämpf hergerichteten Wobnungsfenster wieder mit freundlichen Borhängen und Blumentöpfen zu versehen und Belgrad könnte wieder lebendig werden. Freilich, mehr Menschenmüßten da sein. ES sind bloß etwa fünfzehntausend zumeist arme Leute zurückgeblieben, von denen sich überdies die meisten scheu verborgen halten. Nur hier und da sieht man eine alte Frau schüchtern über die Straß« huschen,«inen Mann nur selten. Die meisten Menschen hungern. Sie tragen aber ihr grenzenloses Elend ohne Klage. Unter ibnen fand ich auch viele aus Südungarn stammende Frauen deutscher Herkunst, die zeitweilig interniert waren, dann aber wieder in Frei- heit gesetzt wurden. Sie hungern mit den andenr und haben mit ihnen das schwere Ungemach geteilt. Es ist zu erwarten, daß die Militärbehörden schon in der allernächsten Zeit Borsorge treffen können, um das Elend zu lindern. Die zurückgebliebene Levölte- rung ist nicht ganz ohne Vertretung. Der frühere Vizebürgermeister Kosta P o p o w i t s ch ist da, ferner der Vorstand der jüdisch- spaniolischen Gemeinde. Auch die Vertrauensmänner der Kr- deiterschaft und der Gewerkschaften haben sich, sofern sie nicht Soldaten sind, verpflichtet gefühlt, in Belgrad aus- zzuharren. Ich erfuhr von ihnen viel Interessantes, und ich werde oarüber später ausführlich berichten. Zuvörderst will ich mitteilen, was ich über die Erstürmung von Belgrad erfahren habe und was ich darüber aus dem, was ich sah, erschließen konnte. Um es gleich vorweg zu nehmen, der Kampf war schwer und erbittert. Der Serbe ist noch immer der Härte st e und zäheste v o n a l l e n G e g n e r n. die wider uns aufgestanden sind. Sein Opfermut, dem man die Anerkennung nicht versagen kann, ist so groß wie je, und viele Tonnen Eisen muß das schwere Geschütz auf sein Haupt niedergehen lassen, ehe seine Widerstandskrast zermürbt ist. Wohl wälzt sich jetzt die Hauptwoge des Hasse? der Serben gegen Bulgarien, aber gegen unsere Truppen steht die Haupt- kraft des Landes in der festen Entschlossenheit, jeden Schritt Bodens zu verteidigen. So hat es schwerer Kämpfe bedurft, ehe Belgrad genommen ward, und nicht leichter war das Ringen, in dessen Verlauf schließlich die Serben auf dem bergigen Gelände des Donau-Save-BodenS zuerst hinter den Erino Brdo und schließ« lich über den den ganzen Geländeseitor beherrschenden Berg Avala zurückgedrängt wurden. Zum Glück sind die blutigen Opfer, die man bringen mußte, trotzdem bei weitem nicht so groß gewesen, wie zu erwarten war, denn die Wucht der Tausende von zentner- schweren Eisenhämmern, die auS den großen Kalibern auf die serbi- fchen Stellungen»iedersausten, bahnte der Infanterie den Weg und machte bald die festesten Stützpunkte sturmreif. Der Kampf um den Donauübergang bei Belgrad begann am B. Oktober und gedieh am g. Oktober zu einem Gelingen, das in der Kriegsgeschichte kein Seitenstück hat. Nie vorher hat eS jemand gewagt, einen so gewaltigen Strom, der sich bei der Save- mündung geradezu zum See wettet, im Angesicht eines starken FeindcS und seiner vorbereiteten Abwehrinittel überwinden zu wollen. Aber gerade das Ungeheuerliche des Beginnens sollte den Erfolg ver- bürgen, denn daß man den Stier bei den Hörnern fassen und Belgrad unmittelbar umwerfen werde, konnten die Serben kaum vor- aussehen. Tatsächlich scheinen sie das am 6. Oktober beginnende Einschießen der im Räume um Semlin versammelten schweren Artillerie bloß für eine Demonstration gehalten zu haben, die den Zweck hätte, die Aufmerksamkeit von der übrigen Front abzulenken. Sie erwiderten das Feuer nicht und man bemerkte auch nicht, daß am serbischen Ufer Bewegung sei. Erst am 6. Oktober nach- mittags brachte ein deutscher Flieger, der vorher heftig be- schoflen worden war. die Meldung, daß auf der Bahn Topschider- Ralja lebhafter Verkehr sei. Dagegen war im ganzen Räume süd- lich von Belgrad biö Mladenovac kein Zuzug von Truppen wahr- zunehmen. Am 6. Oktober nachmittags begann das Schießen aus ollen Kalibern, das sich alsbald zum Trommelfeuer steigerte und insbesondere den Nordrand der Stadt, zumal daS Fabrik- viertel beim Schlachthause mit Geschossen bedeckte. Auch auf die Zitadelle mit ihren alten Festungswerken aus der Türkenzeit praflelle es in dichten Garben nieder, zertrümmerte die gemauerten Bastionen und Turbinen sowie die noch vorhandenen Reste der Kasernen, Munitionsdepots und des GeneralstabSgebäudeS. Auch beim Bahn- Hof loderten Brände auf. Die feindliche Artillerie auf dem Welky Wracar und dem Kalimegdon schwieg noch immer. NachtS wurde das Artillerie- feuer eingestellt und dafür die Ueberschiffung der Truppen vorbereitet. Die Basis des Uebergange» bildete im Donauabschnitt die Kozarainsel; den mitwirkenden deutschen Truppen, denen der Saveabschnitt zugewiesen war, bot die Zigeunerinsel eine günstige AuSgangSstelle. Der Uebergong über die Donau bei der Kozara- insel begann am 7. Oktober vor Morgengrauen. DaS Wasser stand noch nicht so hoch wie heute, wo die Ufer überschwemmt sind, jeden- falls aber hoch genug, um die reichlich vorhandene Minengefahr auszuschalten. Die Minen, die unter der Leitung einer französisch- englischen Marinekommission in großer Zahl schachbrettförmig auS- gelegt waren, sind übrigens noch nicht völlig beseitigt. Die großen Schlepperflotillen, die den Strom beleben, find aber vorläufig durch das Hochwasser genügend gesichert. Lautlos glitten im Dämmergrau des Oktobermorgens die Pontons von der Kozarainsel über den Strom zur Au hinüber. die vom Kalimegdan weg östlich streichend den nördlichen Ufersaum von Belgrad bildet. Um'/zb Uhr früh waren einige Bataillone übergeschifft. Sie setzten sich sofort am Ufer fest, drangen in einem Zuge bis zum Bahndamm vor und erstürmten ihn. Den Damm hatten die Serben in eine Jnfanleriestcllung verwandelt, zu deren Eindeckung sie die Schienen benützteii. Slellenweise mochte diese Eindeckung sogar gegen Granaten Schutz gewährt haben. Die ziem« lich weil auseinanderliegenden Schießscharten zeigen, daß diese Stellung nicht allzu stark besetzt gewesen sein kann. Sie wurde auch im eisten Anlauf überrannt worauf sich unsere Truppen zum Teil schon jenseits des Grabens, im Gelände festsetzten und selbst Deckung aushoben. Die Serben müssen nun bald von allen Seiten Verstärkung bekommen haben denn alsbald prasselte ein furchtbares Feuer auf unsere Truppen nieder. Die über die«u. Wiesen und Baugründe verstreuten kleinen Häuser. Gehöfte und Fabrik- anlagen verwandelten sich in Festungen und ein Maschinen- gewehr nach dem andern trat in Tätigkeit. Zugleich fand mit einem Male die bisher völlig stumme serbische Artillerie ihre Sprache wieder, und sowohl vom Kalimegdan als auch von der Wrazarhöhe aus wurden die gelandeten Bataillone flankierend beschossen. Unter der Wirkung dieses mörderischen Artilleriefeuers mußte die weitere Ueberschiffung vorläufig eingestellt werden und die gelandeten Bataillone waren vereinsamt. Hinter sich hatten sie den Strom, von beiden Seiten bekamen sie Feuer, und sie waren ein deutliches Ziel ftir die feindlichen Geschütze. Vor ihnen starrte alles von Maschinengewehren und Bajonetten. Jndeffen leisteten die Donaumonitore Hilfe. Obgleich sie selbst von schwerem Geschützfcuer umtost waren, ließen sie ihre Haubitzen nach allen Seiten spielen. Zwei von ihnen hielten die serbische Artillerie, die von Wrazar her wirkte, in Schach; andere schoflen die Häuser zusammen, die den serbischen Maschinengewehren Deckung boten. Auch die Landartillerie griff ein und ihr Sperrfeuer legte einen undurchdringlichen Wall von wirbelnden Eisenspliltern vor die Front der gelandeten Bataillone. Gleichwohl war deren Lage schwierig und sie begrüßten den Einbruch der Dunkelheit, die die Fortsetzung der Ueberschiffung ermöglichte, mit Jubel. Die Serben suchten die weiteren lleberschiffungen mit Artilleriefeuer vom Kalimegdan auS zu stören. Auch Minenwerfcr ließen sie wirken. Doch alles war vergeblich. Die Landungen verliefen glatt und am frühen Morgen des 3. Oktober konnte der Hauptangriff auch an der Rordfront der Stadt beginnen. Die Serben verteidigten das Gelände zwischen der Au und der Stadtgrenze in zähestem Kampfe und wichen nur schritt- weise. Zuerst zogen sie. sich aus dem Flankierungs- graben zurück und wühlten sich in den Wiesengrund ein. Reihen- weist liegen dort die Maulwurfshllgcl der rasch ausgehobenen Kopf- deckungen hintereinander, viele davon mit einem Kranze von Ziegeltrümmern verstärkt. Jeder Kämpfer hatte sich, soweit er nur rasch konnte, eine eigene winzige Festung geschaffen. Wo Häuser oder Hütten oder Trümmer davon standen, da gab eS vollkommene Barrikaden. Auch die Wohnungen der armen Leute, die dort ihr Heim hatten, boten Unterschlupf und wurden rasch zu Verbandsplätzen her- gerichtet. Alles Bettzeug in diesen Wohnungen ist blutgetränkt. Alles ist voll von Schmutz und Scherben. Bis zum Abend tobte der Kampf, ehe es den Unsrigen gelang, bis zur Zar Duschanstraße vorzudringen. Diese Straße bildet den Saum des eigentlichen Weichbildes Belgrads. Auf ihrer dem Strome zugewendeten Seite stehen nur einzelne Häuler, die ihre kahlen Fcuermauern zeigen. Zwischen ihnen breiten sich ausgedehnte Bau- und Matcrialplätze aus. Auf der anderen Seite aber erhebt sich von der Straße aus, sanft bergaufschleichend, eine Vorstadt mit zahlreichen Parallelgassen, Geschoßspuren an den Häusern, herab- gefallener Mörtel, mit Brettern abgeblendete Fenster, allerlei Gerümpel, das sich auf dem Pflaster zu Barrikaden türntt, eine Be- dürfnisanstalt, deren Blechwände wie Siebe zerschossen sind, und noch manche andere Wahrzeichen beweisen, daß die Serben auch Anstalten machten, die obere Stadt zu verteidigen. Indessen war für unsere Truppen, als sie die Zar-Duschanstraße erreicht hatten, die Hauptsache getan, denn schon waren auch die Deutschen, von der Zigeunerinsel die Save übersetzend, in die Stadt eingedrungen. Jn der Nacht wurden die lleberschiffungen mit allen Mitteln fortgesetzt. Auch Dampffähren verwendete man. Als beim Morgengrauen de? L. Oktober daS dritte Bataillon der niederösterreichischen Hesscr den Kalimegdan erstürmt hatte, brach der Wider st and der Serben jäh zusainmen und sie räumten nun auch die obere Stadt. Am Nordende, wo der Kampf am heftigsten getobt hatte, mußten nun viele Hunderte von serbischen Leichen begraben werden. Aus der Zitadelle wurden die erbeuteten Waffen zu Hanf ge° schichtet. Ich sah sie dort und eS erscheint mir nun glaubhaft, daß Sei den letzten Straßenkämpfen auch G r e i f e, die längst aller Wehrpflicht enthoben sind, ja sogar Frauen mit- gekämpft baden. Man sieht da Schußwaffen aller Systeme, aber auch Jagdflinten, alte Vorderlader, sogar Schloßsteinflinteu und selbst Flaubert-Gewehre. dazu alle nur denkbaren Hiebwaffen, gerade Degen, krumme Säbel, sogar alte türkische Handschar«. ?n einem ftanzöfisthen Dorf. Der konservative Schriftsteller Fonsegriv« gibt von dem Leben eines Dorfes in der Kriegsze-it auf Grund der während eines Ferienaufenthalts gewonnenen Erfahrungen folgendes Bild: „DaS(bei Bordeaux gelegene) Dorf zählt 600 Einwohner, von denen genau 100 unter den Waffen find. Es fehlt also der sechste Teil der Einwohner. Natürlich hat der tägliche Betrieb darunter zu leiden, aber man weiß sich bewunderswürdig gut zu behelfen. Von den aufgerufenen Einwohnern sind jetzt einer tot, drei ver- wundet und acht gefangen. DaS Törsthen ist also bisher Verhältnis- mäßig verschont geblieben. Jn der Kirche sind jetzt Sonntags sehr wenig Männer, weniger als vor dem Krieg. Die Zahl der die Kirche besuchen'den Frauen blieb ungefähr die gleiche. Donnerstags ist stets eine Messe für die Soldate», die ziemlich besucht wird. Es gibt an diesem Tag stets etwa 30 Kommunionen. Auch haben mehr Parochiaiien zu den Kosten des Gottesdienstes beizutragen begonnen. Die Zahl der gläubigen Kirchcubcsucher blieb stationär. Doch ver- sicherte der Pfarrer, dreimal mehr Kommunionen gereicht zu haben als in früheren Jahren.— Der Zustand unter de» Dorfbewohnern ist im allgemeinen gut. Die Feldarbeit hat unter dem Mangel an Arbeitskräften nicht allzu sehr gelitten; doch ist die Ernte infolge des nassen Wetters weniger gut hereingebracht worden als im vorigen Jahre; während die Weinernte nur die Hälfte des vorigen Jahres beträgt, wo sie außerordentlich gut war. Der Weiupreis ist denn auch von 4b auf 60— 80 Frank gestiegen. Die übrigen Lebens- mittel sind auch im Preis gestiegen, doch nicht so sehr, daß sie für die gewöhnlichen Geldbörsen unerschwinglich wären.— WaS die G e m ii t S st i m m u n g der Dorfbewohner betrifft, so ist sie recht gleichgültig geblieben. Die Vaterlandsliebe lodert durchaus nicht hoch auf. Auch der religiöse Sinn ist bei der Mehrzahl nicht gestiegen. Alles läuft darauf hinaus, daß die Kirche bleibe, der Pfarrer sein Amt weiter erfülle, und daß man nicht preußisch werde! Aber für Kirche und Vaterland Opfer zu bringen, daran denken die meisten nicht. Sie leben ihre materielle Existenz. Wohl ist man einigermaßen unzufrieden über die große Anzahl der Mobilisierten, die in Reserve gehalten werden. DaS einfache Volk denkt sofort an Bestechung, wenn es die große Zahl Neservetruppei! sieht. Die lange Dauer des Krieges entmutigt nicht allzu sehr. „Wenn wir nur keine Preußen weiden!" ist die Antwort auf jedes Wort über die Dauer des Krieges.— Unter den Soldaten, die ab und zu mit Urlaub nach Haus kommen, ist der Geist ausgezeichnet. Man erkennt in ihnen die früheren apathischen Dorfbewohner nicht mehr. Alle stechen von ihren Dorfgenossen günstig ab; der Krieg im Laufgraben hat ihnen sichtlich gut getan(!). Nicht nur, daß sie körperlich gut aussehen, auch ihr Provinzbaucrngeist hat sich zum besseren entwickelt. Keine falsche Begeisterung, keine unnötige Ruhmredigkeit, keine ausschließliche Sorge um das eioene Interesse, wie sie dem Bauern so eigen ist, sondern ein woh-.uender Soli- davismus." Der Verfasser vermerkt, daß diese Schilderung nur für die Weingegenden gelte; anderswo stehe es, besonders was das religiöse Erwachen betreffe, besser. Jedenfalls ergibt sich aus seiner sichtlich ehrlichen Darstellung, daß auch in Frankreich zwischen der wirklichen Stimmung der arbeitenden Volksschichten und der nationalistischen Aufgeregtheit, die manche Zeitungen in den Großstädten pradu- zieren, ein ungeheurer Abstand ist. Da Frankreich nun in hohem Maße ein Bauernland ist und der Bauer sehr wenig Zeitungen liest und das, was er darin liest, mit Mißtrauen betrachtet, so kann man die Stimmung in jener Bevölkerung, die den Kern der fran- zösischen Demokratie ausmacht, von den großen Phrasen, die die klerikalen wie die radikalen Politiker der herrschenden Klassen machen, unberührt sehen. Das Volk spürt keinen„seelischen Auf- schwung", eS will, daß friedliche Arbeit ihm auch morgen das Brot sichere, daß der Himmel es vor dem Feind und vor der Herr- schaft der Fremden verschone wie vor Brand und Hagelfchlag und daß das Kriegsunheil nur so bald als möglich ein Ende nehme. Und wird der Soldat erst wieder in die Ordnung des Arbeitsjahres zurückkehren, wird er bald nichts mehr von dci» unver- staiidenen Wortgetöse wissen, womit man ihm in der fremden Welt, in die er gestellt lvcrr. die Ohren vollgctrommelt hat. kleines Feuilleton. ver Valöreichtum Serbiens. Der nördliche Teil der Balkanhalbinsel hat noch einen großen Bestand an Wäldern, der aber doch allmählich zusammenschrumpft. Namentlich Serbien, das jetzt, seit dem Eindringen der deutschen Truppen in ganz besonderem Maße unser Interesse erregt, war srühcr außerordentlich waldreich. Wenn das heute nicht mehr der Fall ist. so kann man diesem Staat wenigstens nicht mehr den Vor- wnrf machen, sinnlosen Raubbau mit seinen Holzschätzen getrieben zu haben, sondern wenigstens zum Teil sind die Wälder eingeschränkt worden, um mehr Raum für die Landwirtschaft zu gewinnen. Freilich haben auch die vielen Kriege seh- dazu belgetragen, rücksichtslose Verwüstungen unter den Wäldern anzurichten. Die Gesamtfläche der Wälder in Alt-Serbien wird auf etwas mehr als IV- Millionen Hektar geschätzt, was nahezu ein Drittel der Gesamtfläche des Landes ausmacht. Davon gehört etwa ein Drittel sgenauer 520 000 Hektar) dem Staat, ein zweites Drittel <650 000 Hektar) städtischen und ländlichen Gemeinden, 17 000 Hektar den Kirchen und Klöstern, 300 000 Hettar einzelnen Privatpersonen. Eine Besonderheit und Schönheit der serbischen Wälder besteht in ihrer mannigfaltiqen Zusammensetzung. Fast alle Arten von Bäumen und Sträuchern Mitteleuropas sind darin vertreten. ES finden sich Buchen, fast sämtliche Spielarten der Eiche, der Ahorn, die Esche, Ulme und Linde, Nadelwälder treten ver- gleichsweise zurück. Eines besonderen Nuses wert sind die herrlichen Eichenwälder von Topkitscha, einer südlichen Provinz des Lande?. Nach der hanplsächlichsn Zusammensetzung ist mehr als die Hälfte der sämtlichen Staatswälder als Buchenwald zu bezeichnen, ein weiteres Viertel als Eichwald, während Nadelbäume kaum ein Sechstel bilden. Den mächtigsten Wald besitzt die Landschaft Kraina in Nord-Serbien in der Umgebung der Ortschaft Mirotsch, der ohne jede Unterbrechung mehr als 27 000 Hektar bedeckt. Eine geregelte Forstwirtschaft ist in Serbien allerdings unmöglich wegen der geringen Zahl der Forstbeamten und der Unzulänglichkeit der Verkehrsmittel._ Ungehobene Schätze des Moores. Es ist ein auch ftir spätere Tage bedeutsamer Zug dieser Zeit der Notwehr, daß wir in all unserem Besitz Umschau halten müssen, was uns noch an Wert sein könnte, um uns so immer unabhängiger vom Ausland machen zu können. Ein wahrer Schatz dieser Art, den eine äußere Aermlichkcit und Verlassenheit ganz unscheinbar gemacht hat, sind noch unsere großen Moorflächen. Ein Teil von ihnen wird schon durch Kriegsgefangene zu Kulturland umgearbeitet, der weit- aus größte Teil bleibt aber trotzdem unangetastet, da ja der Nutzen kein unmittelbarer ist, sondern erst nach vielen Jahren harter Arbeit Erfolg verspricht. Daß aber auch hierin schon ein Umschwung eingetreten ist, zeigt der alle Möglichkeiten der technischen Moorverwertung zusammenfassende Aufsatz von O. Neutz in der„Umschau". Da kann un» zuerst die zu oberst liegende noch lebende grüne Mooödccke der Moore Verbandmaterial liefern, das dem auS gereinigter, entfetteter und sterilisierter Baumwolle, der Watte, nickt nachsteht. Die Saugfähigkeit des„SphagnummooS" ist sogar um 20 Proz. größer als jene der gewöhnlichen Verband- walte. Jn der Wundpraxis werden mehrere Formen deS Verband- mooscs verwendet: MooSfilz, Moospappe, Gazemoospappe und auch nur lose gefügt. Man kann so den Kranken in MooS betten, wodurch trockenes Liegen gewährleistet wird, und bei Operationen lassen sich Sphagnumkissen als Unterlagen verwenden. Um die natürliche antiscptische Wirkung zu erhöhen, wird das Moos mit einem DesinfizienS getränkt, wobei es noch immer das Zehnfache seines Eigengewichts an Sekreten aufzunehme» vermag. Besonders� gc- eignet ist infolge seiner schweißsaugendcn Kraft der Moostorf als Satteldecke oder Satteleinlage, ebenso als Ersatz der Korkeinlagen in Stiefel. Geht man nach der Verwertung dieser obersten MooSdecke tiefer, so trifft man auf eine Schicht, die deni Torf nähersteht, aber noch nicht zum Brennen geeignet ist. Hier lassen sich wiederum drei Formen je nach der Fascrlänge für verschiedene Anwen- düngen auswählen. Der Torfmull mit kürzeren Fasern ist wegen seiner konservierenden Wirkung als Verpackmalerial für längere Lagerung von Bedeutung, besonders bei Räucherwaren, Obst usw. Die Gefahr der Echimmelbildung ist geringer als bei Stroh. Die Torsstreu, aus leichten, langen Fasern bestehend, ist ein ideales Streumittel für Ställe, da eS weich, locker, elastisch, feuchlig- keitsbindend ist und Ammoniak— die wichtigste Verbindung für Düngemittel— zu binden vermag. Seine antiseptischcn Eigen- schaften verhindern außerdem eine bedeutendere Baklerien- tätigkcit. DaS Torfmehl endlich, der Absallstaub des ver- arbeiteten„weißen TorfeS", erhöht die Streufähigkeit und gleichmäßige Verteilung der künstlichen Düngemittel. An Stelle deS von der Einsuhr abgeschnittenen Korkes lassen sich auch aus den ein- heimischen Moosen Schalldämvsungs- und WärmeisolatioiiSplatten herstellen, die denen aus Kokosfaser» und Korkmehl nicht nachstehen. Bon besonderer Bedeutung ist es, daß die technische Moorvcrwertung mit der landwirtschaftlichen Hand in Hand zu geben vermag, da die Fehnkultur eine Abtragung der oberen Moorschichtcn, die bei der oben besprochenen Verwertung ausgehoben werden müssen, auch ihrerseits verlangt._ Wieviel Kartoffeln bringt öle Eröe hervor! Die Bedeutung der Kartoffel für die verschiedenen Länder läßt die folgende, auf Grund der Ergebnisse der letzten fünf Erntejahre berechnete Statistik erkennen. Hiernach belief sich der Gesamtertrag der Welternte an Kartoffeln aus durchschnittlich 141 636 500 Tonnen. Weitaus der bedeutendste Kartoffclproduzent der Erde ist das Deutsche Reich, das mit einer Durchschnittsernte von 43 230 000 Tonnen fast ein Drittel der Welterzeugüng— genauer 30,6 Proz. — lieferte. Die Kartoffelerzeugung Deutschlands hat sich in neue- rer Zeit außerordentlich erhöbt. Während vor 20 bis 25 Jahren auf den Kopf der deutschen Bevölkerung erst 11% Zentner Kartoffeln entfielen, beträgt der Anteil heute trotz der starken Vevölke- rungszunahme schon 15 bis 16 Zentner. An zweiter Stelle kommt Rußland mit 31 143 100 Tonnen; dann folgen Oestcrreich-ttiigaru mit 18 440 000 Tonnen, Frankreich mit 13 520 600 Tonnen und England mit 6 710 700 Tonnen. Der Gesamtumfang der europäi- scheu Kartoffelernte erreicht 127 006 000 Tonnen oder 00,3 Proz. der Wektproduktion. WaS die übrigen Erdteile betrifft, so hat der Kartoffclbau nur in Noroamcrka größere Ausdehnung crlangr; dieses weist einen mittleren Erntertrag von 10 006 000 Tonnen auf, wovon 8 748 700 Tonnen auf die Vereinigten Staaten entfallen. Dagegen werden in Südamerika, der Heimat der Kartoffelpflanzc, im Jahre nur 757 000 Tonnen geerntet. Die Kartoffelproduktion Asiens erreicht 1 387 300 Tonnen, Australien erzeugt 573 400 Ton- nen. Ganz unbedeutend ist die Kartoffelkultur in Afrika, dessen JahreSernte sich nur auf 105 000 Tonnen beläuft. Deutsches Theater. Direktion: Max Reinhardt. S Uhr; Das Wintermürchcn. Donnerstag: Kollege Crampton. KuiMJsierspicZe. 7l!3 Uhr, z. 1. Male: Der Tater. Donnerst.; Der Welbstcufel. Volksbühne. Theater a. Eülowpl. S'l, Uhr: Taust. Donnerstag: Faust. URANIA Ta3|fi,98.tr- 4 Uhr(Halbe Preise): Der Isonzo und Oesterreichs Adrlaküste. 8 Uhr: Von den Karpathen bis Drest-Idtowsk. Invaliden- straße. _ 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Natürl. und künstl. Flugmascliinen. Sleruwarle Theater für Mittwoch, 27. Oktober. Berliner Theater s uhr: tazweiHoeözeitiiiaehen Deutsches Opernhaus Charlottbg. 8 uhx: Der ßettelsludenl. friedrich-Wilhciiustädt. Theater, s uhr: Der Vogelhändler. oebr. �errnfeis3.Th.at.r s uhr: Rosenblatt's Geheimtip Kleines Theater. s uhr: Ein kostbares Leben. Komische Oper. s uhr: Jung muß man sein Sonntag 3'/»: Gold gab ich für Eisen. KomOdienhans 8 Uhr: Hauseli. Deutsches Künstler-Theater. 8 uhr: Die seüge Exzellenz, I, esslng Theater. 8 uhr: Komödie der Worte Lnstspielhans. 8',.u. BerrsehaftL Diener nssiielit Metropol-Theater Die Kaiserin (Maria Theresia). 8 Uhr: Jlontis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treomann, 8 Uhr: Ein Tag im Paradies. Residenz-Theater sv. u.: Die Priazessiii m 1 Schiller-Theater O. s uhr: Jugend. Schllle r-Th.Cäsarlottenbg. s uhr: Der Meister von Patajra. Thalia-Theater. s uhr.- Drei Paar Schuhe, Theater am Kollendorf pl. 8'/. Uhr: Immer feste druff! Sonnt. S'/i U.: Graf von Luxemburg. Theater des Westens 8 uhr: Der könslüche Mensch. Theater in der Königgrätzcr Straße s uhr: Der Valer. Trlanon Theater. «v.u.: Bodos Braulseliau ircusiBusd) Täglich 8 Uhr. Tonntags SV, u. 8 Uhr. Letzte Woche! Fnthan, d. arm! Rätsel. g Grix-Grlgorls ik. Meisterst). GChines.- Baron. Krafftv.N. Außerd. die übrig. Schlager. Rütrliol" 8 aktigcs Fabelfviel . MthUVI van Paula Busch Possen-TIiesier S'l,(Polles Caprice) S'l, freund Loewc Seine Uante mit Haskci nnd Berlsch. Voigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 53. Mittwoch. 27. Oktober: Die Bettlerin nnd ihr Kind. Schauspiel in 5 Alt. v. Jul. Meissner. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Berlin SO, an der Wiener Brücke, Lohmühlenstraßo. Nur noch wenige Tage das vorzttgl. Programm! Heute Mittwoch, den 27. Oktober; Zwei Vorstellungen um 4 Uhr nachm. u. 8 Uhr abds. In beiden Vorstellungen: Alle Raabtiergruppen. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Oircus-Kasse. Casinor Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr: Untergrundbahnb. Schönhauser Tor. Die neue Berliner Volksposse Familie Schnase. llrberlin. Handlung. Urberlin. Figuren. Vorder der eretki. Spezialitäten-Teil. Sonnt. 4 116t: Der liebe Fridolin. i�svsn Lio bloft� ich fertige daxfon An zag od. PxlOtot nach M ass, schick, dooerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Labaad% Neue Promenade 8, 11.(Stadtb. Börs.) y Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Berliner Konzerthans. Täglich: Großes Konzert Berliner Konzerthaus-Orchester vianATülon. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 PI Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen yachmittags-Konzert bei freiem Eintritt. National-Theater. Köpenicker Straße 67/08. sv.u-: S. M. der Doliar. Rose-Theater. s Uhr: Ausdsr Jugendzeit. Sonnabend 4 Uhr: Frau Holle. Walhalla-Theater. 4 Uhr: Hotkitppchen. 8 Uhr: Waftspiei Volksoper: iklartiia. letzte Woche! Duido IdieiLeder „Venus im Brünen" Operetts von Oskar Straus. Mitwirkende: Else Berna— Jda Russka Gustav Matzner-Julius Spielmann. KAte Erholz-Xelson Am Klavier; Rudolph Nelson sowie das große Oktober-Programm. MetropoSTheater SUST* Heute 8 Uhr:"OBUS Die Kaiserin (Maria Theresia). Gr. Operette in 3 Akten v. I. Brammer u. Aljr. Grünwald. Musik v. Leo Fall. I» Szene gesetzt vom Direktor Richard Schultz. Fritzi Massary Molly Wessely Albert Kutzner Rolf Brunner Rosa Valetfi Josef Ludl a. G. etc. ileichshailen-Tlieater. Stettiner Sänger. Zum Schlug: Gin Matrosen- dild von Meysel. Ansang 8 Uhr. Für Äiilitärper- jonen volllomm. freier Zutritt zu d.Stett. Sängern. Tägl. 8 Uhr. Könnt. ZV, u. 8 Uhr. ii liUcy Kiesclhonscn! Robert Steidi I! „Der Amerikaner!!! Otto Rcutter!!!! und das neue unübertreSL Oktober- Programm. Direkt.: Adolf Vogel I Tel. Lützow 7341 großer Eriolg, 16.— 31. Oktober. Oussy Hoiä Scbneidcr-Dnncker| Ciaire Waldoff SALERNO Mia Werber Belling! Terry? g weitere Hnnalimdfdkn für„Xleiiie Anzeigen" Berlin C. 9t. Hahnisch. Ackerstr. 174. <>. XO. X. VW. sw. s. so. Karl?1Zelle. Veiersburzer Play 4. R. Wengels. MarluZstratze 38. L. Zncht. Fmmanuelkiribstr. 12. A. Wolgast. Wattstraße 9.� H. 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Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie uns recht geben; denn es nützt Ihnen wirklich nichts, wenn Sie später einmal bedauern, unsern Rai nicht rechtzeitig befolgt zu baden, vielleicht können selbst wir Ihnen dann nicht mehr Helsen. Kommen Sie also sobald als möglich zu tat«. Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Lorg» fall nach unserer bewährten Methode. Sachkundige Fachleute für Augen und Gläser erteilen Ihnen gern Rat und Auslunst. Sie können Vertrauen zu uns haben. Auch Sie werden lieber dort kaufen, wo Sie große Auswahl und billige Preise finden. Aber selbst, wenn wir nicht die Allerbilligsten wären, so dürfen Sie me vergessen, Sie erhalten unsere Garantie. Dies ist wichtig für unsere modernen Brillen und Kneifer mit und ohne Rand, die leicht, zierlich und unauffällig, daher auch empfindlicher sind. 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