»r 251-1915 Unterhaltungsblatt des Vorwärts«ww Lebensmittelwucher in öen ersten fahren öer ftanzöststhen Revolution. von Heinrich C u n o w. II. Tie Lebensmittclpolitik der Pariser Stadtverwaltung. Die Grundursache der Teuerung des Jahres 1789 bestand in dem zu geringen Erntcerirag und den Bauernauistäudcn sie wurde aber wesentlich durch die Machenschaften der grosten Getrcidehändler gefördert, die die Notlage skrupellos zur Preistreiberei ausnutzien. Die schlechten TranSportverbällnisse ldie Gctreidevorräte mußten, soweit nicht die Flüsse zun, Transport benutzt werden konnten, auf unsicheren traurigen Landstraben unier mancherlei Abgaben mühsam auf Wagen und Karren fortgeschafft werden), die Ab- geschlossenheit der einzelnen Gegenden und Märkte, die mannig- fachen lokalen Vorrechte der Händlergilden erleichterten den Wucher. Der Guisherr konnte keineswegs sein Getreide nach dem ersten besten Markt zum verkauf schicken i nur bestimmte Marktorte besaßen das Recht des Getreidehandels, und dieie privilegierten Märkte standen durchweg unter der Botmäßigkeit der Getreide- Händlergilden, von denen die Kleinhändler völlig abhängig waren, schon deshalb, weil sie vieltach Schulden den Großhändlern batten und diese ihnen nach damaligem Recht bei Nichteinhaltung der Zahlungstermine nicht nur ihren Besitz nehmen, sondern sie, ivenn dessen Verkauf nicht zur Deckung der Schulden ausreichte, in das Swuldgefängnis stecken lassen konnten. Zudem hatten die Händler- gilden ihre besonderen.Usancen". Nur an bestimmten Markttagen, zu bestimmten Marklstunden und zu bestimmten Bedingungeli. über die sich vorher die Großhändler fast regelmäßig vor Marktbeginn einigten, wurden Lieferungen abgeschloffen. Wer den verlangten Preis nicht zahlen wollte, erhielt nichts. Um der steigenden Not in Paris zu wehren, beschlossen nach dem Bastillesturm der neue Bürgermeister, Professor Sylvmt Baillh, und der neuerwählte interimistische Gemeinderat. einen Teil der Arbeitslosen mit Notstandsarbeiten zu beschäftigen und selbst die Versorgung von Paris mit Mehl in die Hand zu nehmen. Schon Ende April balle sich die Pariser Stadtverwallung gezwungen gesehen, auf dem Montmartre sowie in den Vororten Reuillh und vaurigard sogen..WohltätigkeitSwerkstätten" einzurichten, in denen die gänzlich unbemittelten Arbeitslosen gegen einen Lohn von zwei SouS(8 Pf.) pro Stunde mit Erdarbeiten beschäftigt wurdeit. Die steigende Not deS Pariser Proletariats nach den Julitagen zwang die Städtverwaltung. diese Werkstätten beträchtlich auszudehnen. Ende August 1789 betrug die Zobl der mit solcber NotstandSarbeit Beicbäfligtri'. bereits 17 000. im Frühjahr nächsten JabreS sank sie ollmählich bis auf 11800, stieg dann im Herbst 1700 wieder von Monat zu Monat lind erreichte, obgleich die Ausnahme erschwert und die Ortsfremden abgeschoben wurden, im Juni 1701 die Höchstzahl von SI 000 Beschäftigten. Der Stadt Paris kosteten diese Noiwerkstälten eine sehr ansehnliche Summe, zur Zeit deS hvchsten Andranges monatlich 900 000 bis 950000 LivrcS fFrank). Zlvar bewilligte die Nationalversammlung einen kleinen Staats, uschnß, der aber gegen- über der Pariser Ausgabe kaum in Betracht kam. Außerdem wurde am 25. Juli 1789 ein«Ausschuß für Lebensmittelversorgung" eingesetzt, um Paris mit Brot zu versorgen. Ein sehr schwieriges llntcriiehmcn. Da die Getreide- Händler in Paris schon im August 1789 den Setter s--- 120 Kilo- gramm) Weizen auf 85 bis 88 Fr., den Zentner Wei-eninehl(Mehl wurde meist nach Zentnern gemessen) auf 28 bis 28 Fr. je nach Qualität binaufgelrieben, während im Kleinvcrtauf 7 bis L Sous pro Pfund gefordert wurden(unter Berücksichtigung der damalige it Kaufkraft des Geldes entspricht das einen, heutigen Preis von ungefähr 70 Pfennig pro Pfund Weizenmehl), einschloß man sich, direkt in den Korn erzeugenden Provinzen einzukauscn. Durch ousgcsandte Agenten ließ die Sladtverwaltung dort Getreide, Weizen- und Gerstemeyl einkaufen und in langen Aagenzügen nach Paris transponieren, gewöhnlich unter militärischer Eskorte, da in verschiedenen Gegenden aufs neue der Bauernaufstand aufloderte und überdies die einheimische Bevölkerung der Gegenden, durch die solche MebltranSporte kamen, nicht selten die Züge überfielen, denn sie fürchteten mit Recht, die starken Abtransvone könnten auch in ihren Bezirken die Preise weiter in die Höbe treiben. In Paris wurde von der Stadtverivaltung das Mehl an die Bäcker- meister zu einem beträchtlich unter der Marktnotierung sichenden Preise abgegeben, ungefähr um 25 Prozent billiger. Da der Brot- konsum au« den schou erwähnten Gründen sehr beträchtlich war. sah sich die Stadt genötigt, pro Tag 1700 bis 1800 Sock Mehl— man rechnete damals den Sock zu 3>/, Zentner einschließlich Tara— heranzu- schaffen, wobei die Stadt täglich 2 0000 bis 32000 Frank zusetzte. Trotz dieser den StadtbauSbalt in jener Krisen- zeit schwer belastenden Ausgabe, arbeitete der LebenSminelauSschuß mit großer Energie. Dennoch trafen oft die Mchltransporte zu spät ein. Zudem hatte der Magistrat, wie die Akten der Stadl Paris au» jener Zeit beweisen, fortwährend mit den Bäckermeistern zu kämpfen, die durch Bestechung und Betrug sich größere Anteile Die Hochzeit. 4] Aon A. K ii p r i n. SluS her Menge erklingen unharinoniscbc Mlisiktöne und dampfe Paukenschläge. Eine Art Traghimmel nuf vier Stangen schwebt über der Menge und kommt rasch näher. Aoran schreiten, eng in die Masse ciiiaekeilt, die Musikanten. Der Klarinettist bat die Spitze seines Instruments so komisch in den Muird gesteckt, als sauge er daran. Die Backen seines feisten Gesichtes Heben und senken sich, der Kopf bleibt unbe- weglich, während die Augen würdevoll nach rechts und nach links blicken. Der hagere Geigenspieler hält seinen langen, mit einem wollenen Duchc umwickelten Hals zur Seite, drückt die Geige fest ans Kinn und holt im Schreiten weit mit dem Bogen aus. Der Paukenschläger aber hat sein Instrument ganz hoch gehoben und tänzelt und windet sich und schneidet den Zuschauern die possierlichsten Gesichter.< Der Fähnrich bleibt stehen. An ihm vorbei eilen, für Augenblicke vom Lichte der Laterne hell beleuchtet, fröhliche Frauen, Männer, Kinder, Greiie und Greisinnen. Tie jungen Frauen lachen ausnahmslos, und oft wendet sich dem Fähnrich im Vorbeieilen ein schönes Gesicht mit schimmernden weißen Zähnen zu und lächelt ihn frcnndlich und fröhlich an. als gelte dieses liebe Frauenlächeln speziell ihm, dem Fähnrich Sloskin. „Ah, sind der Herr Leutnant auch gekommen zu sehen die Hochzeit?" hört der Fähnrich eine bekannte Stimiire neben sich. Es ist der Unternehmer Trisncr, der Fleisch- und Holz- lieferant des Bataillons, ein kleiner, feister, lebhafter, alter Jude. Er bleibt vor Sloskin stehen und begrüßt ihn. Der Fähnrich aber tut so. als bemerke er die ausgestreckte Hand nicht. Wenn man über kurz oder lang Oberosfizier werden kann, reicht man doch einem Inden nicht die Hand. „Nicht wahr, was für ein lustiger Schlub?" sagt etwas verlegen, doch immer noch verzückt, der Alte.„Schlub— das vou dem Mehl zu verschaffen suchten, als ihnen nach städtischer Fest- ietzunff zukamen, ast um unter der Hand das Mehl an Mehlhändler zu höheren Preisen weiter zu verkaufen. Zudem unterschlugen die Bäcketineister vielfach die von der Stadt mitgelieferten neuen Meblsäcke oder lieferten statt dieser ihre alten abgenutzten zurück. Durch Strafen suchte die Stadtverwaltung die prositsüchtigen Bäckermeister zu bündigen, und als auch das nichts nützte, wurden MagiftratSiommiffäre eingesetzt, die das Recht erhielten, zu jeder Tages- oder Nachtzeit die Back- stube». Lagerräume und Wohnungen der Bücker zu inspizieren und ohne weiteres die versteckten Vorräte zu konfiszieren. Das half etwas. Dennoch spielten sich fast täglich bei der Ablieferung in den Markthallen die wüstesten Szenen ab, so daß schon anr 8. Sep- tember 1789 der Pariser Gemeinderat den Beschluß faßte, die Hallenvolizei solle um 300 Nattonalgardisten verstärkt werden, eine Zahl, die bald auf 600 erhöht wurde. Mit aufgepflanztem Bajonett hatten sie die rauflustigen Bäcker- rneistcr in Schach zu halten. Jeder suchte eben die Notlage zur Bereicherung auszunutzen. Neben den Gctrcideprcisen stiegen übrigens zugleich auch die Fleischpreise, wenn auch nicht im gleichen Maße. Im September 1789 kostete bereits in Paris ein Pfund Speck 14—15 Sous, gutes, fettes Schweinefleisch 14 Sous, gewöhnliches Rindfleisch 11 SouS, Butter 21— 23 Eons. Rechnet man, daß in den Jahren vor der Revolution der Frank mindesieiiS die zweieinhalbfache Kaufkraft gehabt hat, wie in den Jahren 1900/10. so enisprechen diese Preis- noliernngen ungefähr folgenden heutigen Preisen in Deutschland: Speck 1.50—1.80 M.. Schweinefleisch 1,45 M., Rindfleisch 1,10 M., Butter 2.30—2,40 M. kleines Feuilleton. „Maria Stuart" im veutfthen Theater. Reinhardt Hai, nachdem er sich seinen Ruf al» Regisseur im modernen Drama geschaffen hatte, auch die vielfach verstaubte Dramenwelt der Klassiker mit neuem Atem erfüllt. An Stelle der lvosthcatermüßigen Schablone setzte er sprühendes Leben, gab er allen farbenfreudigen Siimen ihr Recht und verwandelte er die Kulisseudürre in Stimmung und Klang und ließ Bilder von hoher Ausdruckskraft entstehen. Freilich, so sehr er sich als einen Meister auch im Entdecken und Entwickeln neuer Talent« evtvies, nicht immer Twi er die Fülle der Kräfte gesunden, die seinen Klassiker- Vorstellungen die letzte Vollendimg geschert hätten. Schillers..Maria Stuart", buyncnteckmsch eine seiner höchsten Leistungen, ein Wunderwerk seiner reifsten Theaterbeherrschung, läßt uns beute trotz seinem großen und bedeutenden Hintergrund und trotzdem Schiller das Menschliche in den Vordergrund drängt, in vielen Stücken kalt. Reinhardt stellte den Kampf der beiden Frauen ganz in den Mittelpunkt, aber trotzdem wirkte die Staats- aition lasieno. Der Höhepunkt des Drama», der dritte Akt, bat auch schau- spielerisch die Probe aufs Exempcl zu liefern. Und hier versagte die eine Königin, die Maria. Maria Fein, zu ungestüm und pathetisch schon in der Szene mit Burleigh, verfiel hier ganz ins Matzlose, Uebertriebenc. Ihre Begabung ist in änderet! Rollen er- probt, aber das Experiment mit der Maria Stuart erwies sich als verfrüht. Schillers Kunstschöpfung ist keine naturalistische Vor- stadtbegebeuheit. Und seine Königin von Schotlland keine schreiende Wilde. Wird die Kraft des Temperaments in die rechte Bahn ge- lenkt, das Ungestüm gedämpfi, so mag Fräulein Fein Schönes leisten; ihr Auftreten im elegisckten Schlußakt bewies es. Ein neues Mtglicd der Reinhardt-Bühne war Elisabeth: Frau Hermine Körner(die momentan unter dem Vordacht steht, auf dem Wege deS Kontraktbruches vom Dresdener Hoftheater ivcg- engagiert zu sein). Eine kalte, überlegene Elisabeth, eine Frau, die sich zu rächen weiß: sicher keine Heroine, eher kokett vor Eiser- sucht. Sie sah fast zu gut aus für Elisabeth, sie repräsentiert mit Würde und Eleganz. War Maria ganz Weib, so ist sie ganz Königin. Mortimer sollte Rausch und Schwung sein. Paul B i l d t mied das Lyrisch-Jammerläpvischc, aber er blieb in einer Art Besessen- heil stecken und riß nicht mit. Ist Burleigh nur kalte, sinztere Staatsraison? Bruno T e c a r l i faßt ihn so und läßt die Be- rodsamkeit missen. Ferdinand Bonn ist auf seiner Weltreise jetzt int„Deutschen Theater" abgestiegen, als routinierter Leicester, der nur in seiner Abgangsszene ganz aus der Rolle fällt. Winter- st e i n s Talbot, Kl e i n S Ritter Pauket sind vortreffliche Mit- spielcr. Tic Bcgcnieru»g war für diesen Abend, der nicht zu den erst- klassigen gehört, erheblich. Aber die auf dem OIHinp tätige Claque sollte einer besseren Regie untersiM werden.-r. Mols öacper zum SS. Geburtstage. Ter Senior der deutschen Ehemic, Adolf Bacher, feiert am 31. Okwbcr in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Sein Name ist weil über Deutschland» Grenzen hesstt bei uns: Hochzeit. Ter junge Friedmann, wissen Sie, daS Galanterie- und PorzeNangeschäft, der nimmt die zweite Tochter von Epstein. Sechshundert Ztubel Mitgift! Gott soll mich strafen! Sechshundert Rubel in bar!" Der Fähnrich zuckt verächtlich die Achseln. Sechshundert Rubel! Im Regiment darf ein Offizier unter 28 Jahren überhaupt nicht heiraten, bevor er nicht einen Revers über fünftausend Rubel beigebracht hat. Und er, Sloskin, braucht nur zu wollen, so kriegt er auch alle zehntausend, wenn er erst Leutnant ist. Einem schmucken Offizier fällt doch jede um den Hals! Der Hochzeitszug passiert den Platz lind sammelt sich im Halbkreis vor einem Hause, das. grell erleuchtet, sich bewegt von dem bläulichen Schnee abhebt. Sloskin und Trisner bc- geben sich mechmiisch ebenfalls dorthin, nachdem der ganze Zug an ihnen vorbeidefiliert war. „Vielleicht sind der Herr Leutnant neugierig, den Schlub selbst zu sehen?" fragt eifrig Drisner, um den Fähnrich her» umtänzelnd. Ter Stolz kämpft in Sloskins Brust mit der Langeweile. Und er fragt unsicher: „Kann man denn das?" „Acb. soviel Sie nur wollen! Sie werden ja ihnen eine große Freude machen. Kommen Sie nur mit. Kommen Sie.. „Ich weißt nicht..." murmelte Sloskin,„bin nicht bc- kannt.. „Ach, bitte, ganz ohne Zeremonien! Der Epstein, das ist sogar ein Schwager von meinem Bruder. Bitte, kommen Sic nur mit. Hier warten Sic gütigst einen Augenblick. Ich gehe nur herein und bin gleich wieder hier." Nach einer Weile drängte er sich wieder durch die Menge, diesmal in Begleitung des Brautvaters, eines rotwangigen. weißbLrtigen Alten, der Sloskin schon von weitem freundlich zunickte. „Kommen Sie nur, Herr Offizier. Es ist uns sehr, sehr angenehm. Ich kann Ahnen gar nicht sagen, welche Ehre das für un§ ist. Wenn wir ein solches Feit feiern, ist uns jeder lnnaus bclannt und berühmt, er gehört zu denjenigen, die der den i sehen Chemie die führende Stellung in der ganzen Welt vcrschnfs: haben. Er ist ein Sohn des bekannten Generalleutnants Baeyec. des verdienten Ecktöpfers der ninfassenden europäischen Grad- messuiig. Schon in seiner frühesten Jugend experimentierte er sehr viel, und sein Vater schenkte dem lieuniährtgen Knaben, um seinen Tätigkeitsdrang in angemessene Bahn zu leiten, SröckhardtS Schill: der Chemie, die ihn in starker Weife anregte. �Schon als Zwölfjähriger entdeckte er einen neuen Körper: vaS Doppclsalz Kupfer- kabonat und Soda. von den zahlreichen wissenschasUichen Arbeiten Bacher?, die sich über viele Gebiete der Chemie erstrecken, wollen wir nur ganz kurz die Arbeiten über die Farbstoffe erwähnen. Ich seinem Wer- liner Laboratorium(in Berlin war er von 1360 bis 1872 tätig, dann wurde er nach Straßburg berufen, und seit 1375 wirkt er in Mit» chen) wurde von Grabe und Liebermann die Konstitntion des Krappfarbstoffcs aufgeklärt. Sie erhielten daraus das Anthracen und das so überaus wichtige Alizarin. Baeyer selbst glückte die Darstellung de? künstlichen Indigo, der eine überaus große Be- deutung fiir die gesamte chemische Industrie Deutschlands ge. Wonnen bat. In der Färbung unserer blauen Tuche, speziell auch der Militärtuche. ist Deutschland dadurch von der Einführung des natürlichen Indigo aus Indien unabhängig geworden, heute, das beißt vor dem Kriege u»d jedenfalls auch wieder nach Beendigung des Krieges, wird last die ganze Welt von Deutschland mit künstlichem Indigo versorgt. Aber die praktische Verloertung seiner Entdeckungen i» der Industrie war Baeyer nie die Hauptsache, sie war ihm nie das Opfer an Zeit wert, er begnügte sich stets, neue Wege gefunden und sie so weit verfolgt zu haben, bis er das Wesentliche erkannt hatte. Tie tecknische Ausnutzung überließ er anderen, so daß ein Mannheimer Fabrikbesitzer einst zu ihm sagte:»Ihnen. Herr Professor, ist viel Gold zwischen den Fingern durchgelaufen." So stellt Baeyer einen Naturforscher im edelsten Sinne dar. Der türkische Eulenspiegel. Bei dem lebhaften Interesse, das zurzeit für unsere türkischen Bundesgenossen vorberrfcht, darf man wohl auch an den türkischen Eulenspiegel erinnern, den um das Jahr 1360 in der kleinen Stadl Akschelsir bei Konia geborenen Nasreddin Khodja, einen Lebrer, dee zum sagenilinwobenen Helden der tollsten Streiche wurde. Von den köstlichen Streichen Khodja», die des öfteren gesammelt wurden. seien nur ein paar hier wiedergegeben. Ein Mann hatte ihm eine Jacke gebracht mit der Bitte, Khodja möge sie ihm auf dem Markte verkaufen. Khodja ahnte, daß die Jacke gestohlen sei und ließ sie sich wieder stehlen. Tann sagte er zu seinem Auftraggeber, er habe sie zum— Einkaufspreis abgeben müssen.— Einst hatte ihn b. mongolische Eroberer zu sich an den Hof geladen, und Khodja war anwesend, ivie Timurlenk zum ersten Male in einen Spiegel blickte, den ihm ein Barbier reichte. Erschreckt über seine eigene Häßlich- keit begann Tirmulenk zu weinen, und Khodja weinte mit ihm. Beide konnten sich nicht beruhigen, bis Timurlenk von seinen Höf- singen getröstet ward, während Khodja immer weiter weinte.„Daß ich über meine Häßlichkeit weine," sagte endlich Timurlenk,„ist begreiflich; aber weshalb kannst Tu Dich nicht beruhigen?"«Du," entgegnete Khodja.„brauchst Dein bäßlicheS Gefficht nur zu sehen, wenn Tu in den Spiegel schaust. Ich habe es immerfort vor mir. Wieviel mehr Grund zum Weinen habe ich!"— In semer Heimatstadt hatte Khodja es übernommen, feinen Mitbürgern Predigten zu halten, wurde aber dieser Pflicht sehr bald überdrüssig und sagte daher eines Tage», als er wieder die Kanzel bestieg, zu seinen Zu- Hörern:„Wißt ihr, was ich euch heute sagen habe?"—„Nein!" rief man zurück.„Run," meinte Khocha,„so sehe ich es auch nicht ein, daß ich cS euch sage!" Und damit verließ er die Kanzel. Beim nächsten Male, als er wieder predigen sollte, stellte er oie gleiche Frage von der Kanzel herab an die Zuhörer. Diesmal antworteten diese:„Ja, daS wissen wir sehr wohl!"„Nun." antwortete Khodja. „so brauche ich es euch nicht erst zu erzählen!" und verließ wieder die Kanzel. Das drittemal aber meinten die Zuhörer es sehr schlau anzufangen und veralwedeten, daß einige mit„Ja", die anderen mit„Nein" antworten sollten, wenn Khodja noch einmal die Frag- wiederholte. Als dieser nun das Ja und daS Nein hörte, erwideri er:.Sehr gut, mögen die Wissenden es den Unwissenden sagen! Und damit war die Predigt erledigt. Nottze». — Ein Nobelpreis im Kriegsjabr. Der Nobelpreis für Medizin ist für das Jahr 1914 dem Privatdozenten für Ohren. Heilkunde an der Wiener Universitär. Robert Barany, zugesprockten worden. Barany befindet sich zurzeit in russischer KriegSgefangcu- fchaft. — August B ung ert ist im Alier von 70 Jahren in Lcutcsdorf a. Rh, gestorben. Seine große Tondichtung in 1 r Teilen, in der er die Odyssee verarbeitete, wurde von seinen Verehrern dem Schassen Wagners an die Seite gestellt. Sie wollten ihm auch ein Festspielhaus nach Bayrenther Muster errichten. Aber die Bungcrlschc Odyssee hat außerhalb Dresden, wo sie aus- geführt wurde, wenig Boden zu gewinnen vermocht. anständige Gast willkommen. Erlauben Sie, daß ich voran- gehe." Er bafmie ihnen den Weg durch die Menge, der er etwas jüdisch zurief, und fuhr fort, Sloskin freundlich zuzunicken und ibn durch Gebärden zum Eintreten aufzufordern. Trisner, der sehr glücklich war, eine so wichtige Person- lichkeit, wie einen Fähnrich— beinahe Offizier— einführen zu können, zupfte Sloskin mu Aermel und fragte ihn leise: „Haben der Herr Leutnant auch Geld?" Sloskin vorzog das Gesicht. „Kostet es denn da etwa Entree?" „Ach, Herr! Was denn für ein Entree? Aber Sie wissen doch. Man wird Ihnen dort Wein anbieten... dann die Musikanten... und so verschiedenes... Darf ich Ihnen drei Rubel anbieten? Wir können ja später abrechnen. Und ich gebe Ihnen mit Absicht Kleingeld. Was soll man da machen? Es ist schon so eine dumme Sitte bei uns. Treten Sie nur ein, Herr Leutnant..." IV.. Ter Hockizeitsball fand in einer großen leeren Scheune statt, die durch eine leichte Wand in zwei Hälften geteilt war. Sonst wurden hier Eier eingelagert, die ins Ausland der- sendet werden sollten. Längs der blaugetiinchten Wände waren�Bänke aufgestellt. Im vorderen Räume standen ein paar Stühle und ein Tisch für die Musikanten, im hinteren eine lanjw Tafel, aus vielen kleinen Tischen zusammengesetzt, für das Hochzoitsmahl. Tis war die ganze Einrichtung. Ter irdene Fußboden war fest eingestampft. An den Wänden brannten Lampen. Es war sehr hell und sehr warm und die schwarzen Scheiben der Fenster dampften. Trisner lies eilig zu de» Musikanten und rief ihnen etwas z». Der Dirigent erhob sich mit der Flöte in der Hand. schlug mit der flachen Hand aus den Tisch und rief:„Scha!" Die Musikanten rüsteten sich und blickten ihn erwartungsvoll an.„Eins, zwei, drei!" kommandierte der Dirigent und warf, die Flöte an die Lippen legend, zu gleicher Zeit Kopf und Flöte empor.(Forts, folgt.) Ccnti-iini: Albcri H ahnis ch,?lclerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— l1!, und Von l1/»— 7 Ukr. 2. Wahlkreis: S. int!) SW.: Gustav Schmidt, Bärwaldstr. 42, ou der Gueiicnainlraffe. Geöffnet von 11— 14/, und von 4'/,— 7 Uhr. L.>1 nt!! 1».: �t. F r i p, Vrinzenstr. 31, Höj rechts pari. Geöffnet von 11— l1/, und von 4J/,— 7 Uhr. 4."W al'.lkreis: iD(i c ii; Robert SB c n g c IS, Markusstr. 36. Geöffnet von 11— l1, und von 4'/,— 7 Uhr.— Karl Melle, Pctersburgerplatz 4. (Laden). Geöffnet von 11— l'/z und von 4'/,— 7 Uhr. 4.» lilkreii,. gii dosten; Vau! Böhm, Lausitzerplatz 14/1ö. Geöffnet von 11- U/, und von 4 ff',— 7 Uhr. 6. VI alilhrel*: Jeo" /ff it ch t, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). Geöffnet von 11— l1/, und von 4ffff— 7 Ubr. ov, ancs: Karl Krähnberg, Friedrichlirchplaff 27. Vbcr-Schönen-elde: Alsred Bader, WilHelmmenHosstr. 17, Laden Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, Vicderschünhaasen, Vordcnd, Frz.-Bnch- holz, Blankenburg: 3i iff mann, Mühlenstr. 36. Geöffnet von 11— Iff, und von 4ff,— 7 Uhr. Reinickendorf• Ost,■Wilhelmsruh und Schönholz SP. G u r i ch, Provinzitr. 56, Laden. Geöffnet v. 11— Iff, n. 4ff,— 7 Uhr' ! Schenkendorf b. Königs-Wusterhausen: Ehr. Hanls ch t e, Dörssrr. 16 Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Zutheritr. 63, im Laden Geöffnet von 11— Iff, und von Iff,— 7 Uhr. Spandau,\onnenduuim, Staaken. Seegefeld und Ealkcnhagen: Schumacher, Breitestr. 64. Geöffnet von S Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst' Rcnnsdorf, Hohen Venendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Laut K i e n a ff. Borsigwalde, Räuichilraffe 16. Geöffnet von 11— Iff, u. von Iff,— 7 Uhr Teltow: W. Schulze, Lindenstr. 17. Tempelhof: Job. K r o h n. Borussiastr. 62. Treptow-: Ziob. Gramenz. Kieiholzstraze 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends. W eiRcnsec, Heinersdorf: Gust. R o st t o p s, Berl'mer?lllct<11. Vi ilntorsdorf, flalensce, Schmargendorf: Paul s chu dert, Wilhclmsaue 27. Zeuthen..Iiiersdorf: WilH. Schulz, Zeuthen, Ziethenstr. 16. Zossen: Röuncbeck, Stubenrauch slr. 27. Sämtliche Parleiliteratur iowie alle wisjcnichaitlichen Werke werden gelieser: Sonntags sind die Auegabcstelleu geschlossen. I ltociss Wort 10 Pfennig. | Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig.fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfe.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ANZEIGEN fOr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 3. bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Halbumionst! 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