it. 257.- 1915, dW t�OtlOÖttÖ S°««ade-d, K. Nw-mber. Cln Pionier öes Flugzeuges. Im Berliner Zeughaus Unter den Linden, der reichhaltigsten Waffensammlung Deutschlands, hat man jetzt auch das Kriegswesen zur Luft berücksichtigt. Ein paar sauber gearbeitete Modelle von Kriegsluftschiffen und Kriegsflugzeugen sind ausgestellt, und meinem lleinen Glaskasten ist aus Holz und Stoff ein Mensch mit großen Fledermausflügeln zu sehen: Lilienthal, wie er seine ersten Flug» versuche unternahm. Es ist gerechtfertigt, inmitten dieser neuen Modelle daran zu er- innern. mit welchen rührend einfachen Mitteln und mit welcher be- wundernswerten Ausdauer ein deulscher Forscher und Physiker bahn- brechend auf dem Gebiete der Fliegerkunst gewirkt hat.... »» » .Von diesem Berge unternahm im Jahre 1894 der am 9. August 1896 in den Rhinomer Bergen verunglückte Begründer der modernen Flugtechnik, Herr Otto Lilienthal aus Groß-Lichter» selbe, seine ersten Flugversucbe. Ehre seinem Andenken!" Eine Tafel mit dieser Inschrift hängt am Eingang eines Pavillons auf einem Hügel bei Grotz-Lichterfelde in der Nähe von Berlin, an der Decke befindet sich ein Flugzeugmodell, sehr primittv aus Rohr- stöben zusammengesetzt und durch Schnüre verbunden. Ein richtiges Erfindermodell, dem man es ansieht, daß daran probiert und herum- gebastelt worden ist. Für die Geschichte der Lustfahrt ist dieser unscheinbare Pavillon auf dem Hügel bei Grotz-Lichterfelde ein bedeutsamer Ort, die Flug- versuche, die von hier aus Otto Lilienthal unternahm, bilden den Anfang der modernen Flugtechnik. Lilienthal hatte sich ebenso wie viele Erfinder vor ihm auf diesem Gebiete mit dem Vogelflug beschäftigl. Der Vogel ist der älteste Flugkünstler, und alle Zukunftsträume von der Beherrschung der Lust mutzten immer wieder durch den Anschauungsunterricht neu belebt werden, den der hoch in den Lüften schwebende Vogel gab. Die einfachste Flugart, die auch von Lilienlhal zunächst studiert wurde, war der Gleitflug. Die schwebende Luft leistet die Trag- und Fortbewegungsarbeit. Wie ein Blatt im Winde gehoben und fortbewegt wird, so lätzt sich beim Gleitflug der Vogel von der Kraft der Lustströmung tragen. Lilienthals erstes Modell seines.Gleitfliegers' hatte ungefähr die Form von ausgespannten Fledermausflügeln und lieh sich auch ähnlich wie diese zusammenlegen. Das Gerüst war aus Weidenruten hergestellt, als Ueberzug dient Schirttng. Die Gesamtfläche betrug 14 Quadratmeter, das Gewicht 29 Kilogramm. .Sehr vorsichtig" ging Lilienthal, wie er selbst später in seinen Berichten schrieb, zu Werke. In seinem Garten wurde auf einem größeren Rasenplatz ein Sprungbrett von nur 1 Meter Höhe er- richtet. Von dem iprang der Erfinder mit seinem Geleitapparat ab. Diese kurzen Lustsprünge wurden immer und immer wieder geübt und erst nachdem sich Lilienthal die genügende Sicherheit und Ge- schicklichkeit angeeignet hatte, erhöhte er sein Sprungbrett nach und nach bis auf 2'/, Meter und dann wagte er Abflüge aus noch größeren Höhen. Kühner geworden, ließ sich Liliental einen turmartigen Schuppen errichten..Der Abflug erfolgte natürlich immer in der Richtung gegen den Wind. Die Arme wurden beiderseits zwischen zwei am Gestell befindliche Polster gelegt und mit den Händen eine Quer- stange ergriffen. Der ganze Übrige Körper bleibt frei beweglich. Auf diese Weise wurde eine sichere und sehr rasch lösbare Verbindung zwischen dem Flieger und dem Apparat hergestellt. Durch Ausstrecken der Beine nach rechts und links oder nach vorn und rückwärts be- gegnete Lilienthal den Störungen des Gleichgewichts in der Längs- jmd Querrichtung, die durch wellenförmiges Anschwellen und Abflauen des Windes bewirkt wurden'. Im Jahre 1894. nach vier Jahren gesteigerter Versuche, ließ Lilienthal bei Grotz-Lichterfelde einen 15. Meter hohen Hügel auf- schütten und unternahm nun von hier aus seine Gleitflüge, die bald die Aufmerksamkeit der Fachkollegen fanden, er erreichte dabei oft in der Luft Stellungen, die wesentlich höher lagen als sein Abflug- punkt. Am Gipfelpunkt einer solchen wellenförmigen Flugbahn kam der Apparat zuweilen längere Zeit zum Stillstand, sodatz Lilienthal, wie Nim führ berichtet, bei derartigen Gelegenheiten oben in der Luft mit solchen Besuchern, die ihn zu photographieren wünschten, über die Aufnahme der geeigneten Stellung verhandeln konnte. Als dann im Jahre 1896 Lilienthal sein Versuchsfeld nach den 2j Morrek, na! Von Richard Skowronuck. Der kleine Westfale nickte dazu, sagte ja und gab auf das Abkommen seinen Handschlag W.as hätte er auch andres tun können! Schon jetzt ins Reich zu wan- dern, dazu hatte er kein Geld, aber das hatten jie sich beide fest versprochen, die kleine Malta, des Schulzen jüngste Tochter, und er, datz sie so lange sparen tvollten, bis es für ihn zum Reisegeld nach den Kohlengruben reichen würde, aus denen die andern altern Burschen so viel Geld mit nach Hause brachten. daß sie den Mnter über aus einem Meerschaumkopf rauchen und die halben Rächte bis zur Polizeistunde im Wirtshaus lieg«» konnten. Er aber wollte keinen Pfennig unnütz vertun, für zwei arbeiten und sparen und nicht eher wieder nach Hause zurück- kehren, bis er die tausend Mark in der Tasche hatte, mit denen er vor den Vater der Malka als ein vollwichtiger Freier treten konnte. Sie aber hatte nicht einmal, sondern hundertmal geschworen, daß sie ihm treu bleiben und auf ihn warten wollte. Und datz sie ihr Wort halten würde, das wußte er. Sie barst ja fast vor Stolz, datz er sie unter all den andern Mädchen des Dorfs sich zum Schatz ausgesucht hatte, denn sie machten ihm alle blanke Augen, und wenn sie in seine Stahe kamen, wußten sie gar nicht, wie sie sich drehen und die Füße setzen sollten, um ihm zu ge- fallen. Also wurde Abel Orzecha am Tag nach seiner Einsegnung von dem Dorfschulzen in die Pflichten seines neuen Amts eingeführt. Er bekam die Torba umgehängt, eine aus Lindeirbast geflochtene Tasche, in der er sein Frühstück auf den Weideplatz mit hinaus- nahm, den Klingerstock, einen Doppelstecken, auf dessen einer Hälfte eine Anzahl klirrender Eisenringe aufgezogen war,»nd schließlich als eigentliches Abzeichen seiner Würde die Tromba, ein läng- liches Horn aus schmalen Holzdauben, mit gespaltenen Wurzeln dicht umflochten, dem ein kundiger Bläser allerhand schwermüttg klingende Weisen zu entlocken wußte. Eine Peitsche aber hatte er sich selbst zu besorgen, denn in der Kunst, den Flachs in sünf Strähnen zu einer stahlharten Schnur zu flechten, war er ein Meister, und Wacholderftöcke zum Stiel wuchsen auf den Bergen des Heidelandes in Fülle. So trat er wohlausgerüstet am Montag früh nach Pfingsten sein: neue Würde an, blies kurz vor Sonnen- aufgang auf dem Dorfanger den Weckruf und trieb sein« vier- beinigon Schutzbefohlenen, vicrundzwanzig Stück Kühe und Sterken, einige vierzig«chafe und eine Mutterstute samt Füllen auf den Weideplatz hinaus. Im Frühjahr in die Dlugosser Berge, später aber auf die Feldmark, sobald das Getreide erst von den Halmen war. Ms Begleiter aber und Gehilfen für sein schwie- riges Amt bekam er keinen wirklichen und lebendigen Hirtenhund mit, sondern nur die Tradition eines solchen, das Andenken ge- wissermaßen an einen scharfen Wolffpitz, der vor sieben oder acht Jahren eingegangen war, dessen Name aber in der einst von ihm behüteten Herde noch frisch und lebendig war und sich von Ge- schlecht zu Geschlecht forterbte. Als er nämlich noch unter den Rhinower Bergen zwischen Rathenow und Neustadt verlegte, hatte das zunehmende Sicherheitsgefühl den mutigen Flieger doch allzu kühn gemacht. Er übte bei immer stärkeren Winden, wodurch die Versuche natürlich zunehmend gefährlicher wurden. Am 12. August 1896 stürzte Lilienthals Gleitmaschine, der Flieger fiel zu Boden, verletzte sich die Wirbelsäule und starb am folgenden Tage. Nimführ, ein österreichischer Aviattier und Fachschriststeller, würdigt die Verdienste Lilienthals als einer der ersten Pfadfinder auf dem Gebiet der theoretischen und noch mehr der praktischen Flug- technik..Die wunderbaren Leistungen der Brüder Wright, eines Farman, Blsriot usw. verlieren durch den Hinweis nicht an Wert- schätzung, datz sie alle mittelbar oder unmittelbar Schüler Lilienthals genannt werden müssen, wenn sie auch später ihre eigenen Wege gegangen sind. Die Brüder Wright und Kapitän Ferber haben auch wiederholt erklärt, datz sie hauptsächlich durch Lilienthals Schriften zur Aufnahme ihrer praktischen Gleitflugstudien angeregt wurden.' Lilienthal erblickte die Lösung der Flugfrage in erster Linie in dem Studium des Vogelfluges, besonders des SegelflugcS der größeren Vögel und in den Versuchen, ihn nachzuahmen. Er ging davon aus. daß sich daS Flugproblem nicht mit einem Schlage durch eine glückliche Erfindung lösen lasse, datz vielmehr nur die allmäh- liche Entwickelung, beruhend auf dem Studium und der Erkenntnis der Gesetze des Lustwiderstandes sowie der Wirkung des Windes auf schwebende Körper und Flächen schließlich zu Erfolgen führen werde. In der Luft schwebend, müsse der Mensch sich praktische Kenntnisse in der Fliegerpraxis erwerben, indem beim Fliegen viele eigentümliche Erscheinungen, besonder« durch die Unregelmäßig« leiten des Windes auftreten, die sich der Berechnung, überhaupt der vorherigen theoretischen Behandlung entziehen. In Lankwitz hat man Lilienthal ein Denkmal gesetzt. Eines von den wenigen Kunstwerkeu, daS den Wanderer, der im stillen Park plötzlich davor steht, gefangen nimmt. Ein einfacher schlanker Block, oben gekrönt von einer menschlichen Figur. Weit breitet ein junger Mann die Arme aus, ein paar Flügel spannen sich, sehnsüchtig blickt er in die Ferne, in die Höhe, zur Sonne: Ein Ikarus, den die Sonnensehnsucht erfaßt hat. Wie schön ist die Sag« von dem Sohn des DaedaluS, der auf seinem Fluge der Sonne zu nahe kam und in der Tiefe zerschellen mußte. Alles technische Ringen um den Erfolg, um die Herrschaft über das Lustmeer ist doch mit ein Stück Jkarussehnsucht gewesen. Nüchtern und sachlich hat später der Techniker seine Berechnungen und sein« exakten Versuche angestellt, um mit immer mehr vcr- bessertem Wirkungsgrad Flugmaschinen zu bauen. Es kam der Krieg, und nun dient als furchtbares Kampfesmittel das Kriegsflugzeug, an dessen Ausgestaltung solch ein friedvoller Gelehrter wie Otto Lilienthal mit Hingabe und Erfolg gearbeitet hatte. K. W. kleines Feuilleton. Ehevermittlung für Kriegsversehrte. Neue Zeiten schaffen neue Verhältnisse und neue Anschauungen. EhevermittlungsbureauS haben bisher in guter Gesellschaft nicht gerade viel Ansehen genossen, sondern wurden bestenfalls als ein leidiger Notbehelf angesehen. Und nun geht man in dem höchst konservattven und korrekten England in aller Oeffenllichkeit mit dem Plane um, eine Ehevermittlung für Kriegsversehrte zu schaffen. Es handelt ficki um einen Verein, der unter der Lettung von Geistlichen und der Oberprüfung von Aerzten stehen soll, und dem bereits eine Anzahl führender englischer Zeitungen ihre Unter- stützung zugesagt haben. Der Zweck des Vereins geht dahin, den im Kriege Versehrten oder zu Krüppeln geschossenen Kriegern die traurige Zukunft der Einsamkeit als Junggeselle oder gar in einer öffentlichen Wohltättgkeitsanstalt zu ersparen. Man will daher versuchen, Frauen zu finden, die gewillt sind, sich für das Leben mit einem der Schwerverwundeten zu verbinden und ihm und sich ein glückliches Heim zu schaffen. Urheber des Planes ist ein Geist- licher in Bristol namens Houghton. Von ihm stammt ein Aufruf, der sich im Interesse der geplanten Ehevermittlung an die englische Frauen- welt, an ihre Barmherzigkeit und ihren Edelmut wendet. Pfarrer Houghton teilt darin zur Ermunterung eine Reihe von Fällen mit, wo Personen, von denen die einen ein körperliches Leiden, Blindheit Lebenden weilte, saß er wachsam und spähenden Auges neben seinem Herrn, der sich die Zeit mit Korbflechten oder Besenbinden vertrieb. Und lief eines der Stücke über di« gezogene Grenze in die noch stehenden Kartoffeln oder den zweiten Kleeschnitt, dann genügte ein leichter Pfiff und der Ruf„Morrek, na!", um den wachsamen Gehilfen in Tätigkeit zu setzen. Dann schoß er auf das unbotmäßige Mitglied der Herde los, fiel ihm mit scharfen Zähnen in die Flanke und trieb es auf das Weideland zurück. Und die Angst vor ihm blieb lebendig, als er längst schon gestorben war. Der Hirte brauchte in einem der zahlreichen Uebertretungs- fälle sich nur auszurichten und„Morrek, na!' zu schreien, um seine Schutzbefohlenen sofort wieder auf den rechten Weg zu bringen. Die älteren entsannen sich noch gar wohl der scharfen Zähne, die sie so oft in ihren Flanken gespürt hatten, und die jüngeren liefen mit, sobald sie das Beispiel der anderen sahen, bis in ihnen die Wahrnehmung entstand, daß der Schlachtruf „Morrek, na!' eine Warimng vor Verbotenem bedeutete. So führte Abel Orzecha nut seinem unsichtbareit Gehilfen sein Amt schon in das dritte Jahr, aber weder er noch Malka hatten das Geld erübrigen können, das nötig war, um die Reise nach Westfalen zu zahlen. Die Malta nickt, weil sie überhaupt keins in die Hände bekam, und der Abel nicht, weil ein Taler zu Weih- nachten in zwei Jahren immer nur sechs Mark ausmachte, und das war für die weite Reise zu wenig. Den Mut aber ließen sie darum nicht sinken, dann dauerte es eben ein paar Jahre länger, bis der Abel um sie werben durste. Er ivar jetzt sechzehn im sieb- zehnten und sie fünfzehn Jahre alt, also hatten sie beide noch Zeit zu warten. So war wieder einmal im Lauf des Jahres eine der Wochen gekommen, in der am Schulzenhof die Reihe war, den Dorfhirten zu speisen. Die Malka hatte ihm in einem Paarwpf das Essen auf das Feld gebracht, und jetzt saß sie auf dem Hügel an der großsn Kopeler Forst, die in weitem Bogen die Feldmark des Dorfes umrahmte, hielt den dunklen Lockenkops ihres Liebsten im Schoß und sprach zu ihm allerhand zärtliche Worte. Er aber sah an ihrem Gesichtchen vorbei in die ziehenden Wolken und träumte von der Zeit, in der er als ein Besitzer unter den Dorsgenoffen stehen würde und Sitz und Stimme in dem Rat der Gemeinde haben, die ihn einst nur widerwillig aufgenommen hatte. Der Herbstwind strich über die Felder und bog die schlanken Grannen der Gräser, in dem Wacholderbusch, der die zwei jungen Menschen- linder gegen unberufene Späheraugen deckte, schlüpfte und ziepte ein Meisenpaar, und hoch oben zwischen den Wolken, ein Zeichen des nahenden Winters, flog in spitzwinklig geordnetem Zug ein Schopf wilder Gänse dem Süden zu. Ihr aus der Höhe undeut- lich herunterdringendes Rufen weckte die zwei da unten aus ihren Träumen, fast als wenn die ziehenden Wildvögel sie vor kommen- der Gefahr warnen wollten. Malka griff nach dem Paartopf und sann über eine Ausrede, die ihr langes Ausbleiben vor Vater und Mutter entschuldigen sollte, Abel Orzecha aber richtete sich aus und ließ mit lauter Stimme seinen Schlachtruf„Morrek, na!" er- schallen, denn die Herde hatte sich arg auseinandergezogen. Ein Teil war in die Kartoffeln gewandert und pflückte zwischen den gehäufelicn Stauden saftige Kräuter und Gräser, von den Kühen aber waren gar etliche über den Grenzgraben der Forst gestiegen oder etwas LehnlicheS, hatten, dennoch die glücklichsten und harmo- nischsten Ehen geführt haben. Auch sollen nach seinen Angaben aus diesen Ehen körperlich und geistig durchaus gesunde Kinder hervor- gegangen sein. Eine große Schwierigkeit bietet freilich die wirtschaftliche Seite dieser Ehen. Pfarrer Houghton verlangt mit Rücksicht darauf, daß die Frau, wenn sie Männerarbeit ver- richtet, auch ebenso wie der Mann bezahlt werden müsse, lim die Stimmung der Frauenwelt für seinen Plan zu befördern, stellt er schließlich die Einsührung des Frauenstimmrechtes in England nach Beendigung des Krieges als wahrscheinlich in Aussicht. Die Tätig- keit dieses neuen Ehevermittlungsveremes soll. sich in der Weise vollziehen, datz er Männer und Frauen, die für einander zu passen scheinen, miteinander in Verbindung setzt und ihre Bekanntschaft vermittelt. die Kulturentwicklung im ältesten Europa. Im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht sprach Prof. Dr. Schuchhardt über die„Kultnrentwickelung im ältesten Europa'. Nach eitlem Hinweis auf die geplante spätere Neu- gestaltung der Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer im Museum für Völkerkunde führte er aus, datz sich in der jüngeren Steinzeit (um 2000 v. Chr.) in Europa drei große Kulturkreise unterscheiden lassen: der n o rdeur o p ä isch c(Norddeutschland und Skandi- navien), der mitteleuropäische(Donaukreis) und der West- und südeuropäische(Südengland, Frankreich, Spanien und die MittelmeerländerZ. Der Unterschied zwischen diesen drei Kreisen spricht sich am deutlichsten in der Keramik (Töpferei) aus, weiterhin aber auch im Hausbau. Am Ende der Steinzeit beginnen alle drei Kulturen, sich stark auszudehnen: die westliche erobert das ganze Mittelmeergebiet und die Kykladen bis nach Troja hin; die mitteleuropäische geht die Donau hinunter bis nach Südrußland; die nordische bricht gegen Südosten hin vor, durch die donauländische hindurch gewinnt sie den Balkan und das Aegäische Meer und pflanzt sich mitten hinein in den Boden der altmittelländischen Kultur. An die Stelle der bisherigen Rund- bauten tritt nun das Rechteck, an die Stelle der blumigen, blühen- den Ornamentik das struktive. nüchterne Ziermnster des Nordens. Das Aufkomuten der mykenischcn Kultur bezeichnet.die Ankunft der nordischen Formen, und die Ausbreitung ihrer selbst sowie der nachfolgenden geometrischen Kultur stellt, wie man sagen darf, die allmähliche Judogermanisierung des Mittelländischen Meeres dar.— Das lebenüe Licht. In einem Vortrage vor der amerikanische» belenchtungstechnischen Gesellschaft wies A. F. Dermont darauf hin, datz von leuchtenden Insekten wohl die Feuerfliegen am besten untersucht sind. In ihren Leuchtorganen werden 90—100 Proz. der verbrauchten chemischen Energie in Licht umgesetzt. Die chemischen Vorgänge der Lichtcrzeugung find zwar noch ziemlich ungeklärt, aber es darf als ziemlich sicher an- gesehen werden, datz sie auf Oxydation zurückzuführen find. ES wäre von praktisch größter Bedeutung, die hieran beteiligten Stoffe und Vor- gänge genau zu leimen, denn es würde dies vielleicht einen Weg zeigen, chemische Energie in so hohem Matz, wie dies hier der Fall ist, in Licht zu verwandeln. Es könnte dieS zu großen Umwälzungen in der Beleuchtungstechnik führen._ Jedenfalls steht das Leuchten nicht in direktem Zusammenhang mit dem Lebensprozetz selbst, denn man kann die Leuchtorgane der Feuerfliegen trocknen und bis zu zwei Jahren aufbewahren, ohne datz sie nach dem Anfeuchten ihre Leuchtfähigkeit verlieren. In der chemischen Erforschung diese? Licht- organe läge also nicht nur eine wisseuschastlich reizvolle Aufgabe, sondern auch nwglicherweise der Schlüssel zu einem großen technischen Problem._ Rotize«. Musikchronik. Robert K o t h e wird am Sonntag, den 7. November, im Beethovensaal sein völlig neues 12. Programm zur Laute singen. — Vorträge. Am Sonnabend, den 6. November, spricht in der Singakademie Dr. P. Michaelis über den Kampf um Düna- bürg(mit Lichtbildern). und weideten dort zwischen den Richten Haselbüschen, kaum datz man von ihnen hie und da noch einen bunten Farbenfleck schim- mern sah. Aus den gefürchteten Ruf zwar kehrten sie um und trabten gehorsam nach der großen Roggenstoppel, ihrem Weide- platz, zurück, aber als Abel Orzecha zu zählen begann, ob auch keiner seiner Schützlinge fehlte, da wurde cr blaß bis in die Lippen, und das Herz stand, ihm fast still vor Schreck und Angst. Die Mutterstutc samt dem Füllen war verschwunden, verschwunden, als wenn sie die Erde verschluckt hätte. Vor der Malka freilich ließ er sich nichts anmerken, sondern wartete, bis sie nach kurzein Abschied hinter dem Kamm des Hügels verschwunden war. Dann aber rannte er, so rasch ihn seine Fiitze tragen wollten, nach dem Waldrand und fing dort an zu rufen, zu schreien und zu suchen, aber nichts antwortete ihm, kein Wiehern und kein Huffchlug, nur die Herde aus der Roggenstoppel drängte sich enger zusammen und reckte die Köpfe. Da warf der arme Bursch sich zwischen dem zertretenen Gras zur Erde, preßte die Fäuste in die Augen und sing an zu weinen, denn jetzt wußte er, was geschehen war. Wäh- rend er da oben auf dem Hügel mit der Malka sah, hatte der Dieb sich im Graben bis zu der Stoppel geschlichen, der Stute die Koppelstricke an bei:'Vorderbeinen gelöst und war auf und davon geritten. Das Füllen aber war in' seinem Unverstand natürlich der Mutter nachgelaufen, ein Füllen, das dreijährig vor der Remontekommission zum mindesten seine hundertundzwanzig Taler brachte, denn die Mutter war eine Trakehncrin und in der Gestütsrolle eingetragen. Ein.Unglück also, gar nicht auszudenken, so groß, und ein Verlust, für den ihn der Besitzer der Stute, der Vater seiner Malka, sicherlich lahm und halbtot schlagen würde. Und das mit Recht, denn ihm war dies kostbare Gut ja ander- traut gewesen, und wohl hundertmal toar ihm eingeschärft»vor- den, doppelt und dreifach acht zu geben, wenn er so nahe an der Grenze hütete wie heute. Hinter der Grenze trieb sich allerhand Gesindel herum, Zigeuner und Pserdsdiebe, und die patzten nur mif die Gelegenheit. War aber ein Pferd einmal erst über der Grenze drüben in Polen, dann konnte man die Hoffnung aufgeben, es je wiederzusehen. Höchstens daß man es zuweilen, gleich in den ersten Tagen, tioch durch ein Lösegeld wieder zurückkaufen konnte, denn drüben in Polen, in dem Dorf Sokolowcn, da saß ein Bauer namens Abraniczyk, der sich mit solchen Bermittlergeschäfien be- faßte. In Wirklichkeit aber stahl er die Pferde selbst oder steckte mit den andern Pferdedieben unter einer Decke. Und auf das Geschäft des Loskaufens ließ er sich ein, wenn es sich um einen gewöhnlichen Klepper handelte oder er aus irgendeinem Grund mit den Behörden nichts zu tun haben mochte seiner sonstigen Ge- schäfte wegen, denn cr betrieb außer dem Pfe.rdcdiebstahl noch einen lebhaften Handel mit geschmuggelten Waren. War es aber ein wertvoller Gaul, wie diese Trakehner Stute, die ihrem Besitzer noch ein halb Dutzend Fohlen dringen konnte, dann zuckte Herr Abramczyk auf eine Anfrage mir mit den Achseln und erklärte, nicht mehr helfen zu können. Und damit hatte er recht, denn in solchen Fällen befand sich der gestohlene' Gaul längst fünfzig Meilen weit über der Grenze in dritter und vierier ßmud, war geschoren und gefärbt und an den Zähnen..gemailacht", d.' d.. die Merkmale seines richtigen Alters waren mit einer sckarfeii Feile beseitigt.(Schluß folgt.) Dentschcs Theater. Birefction: Max Reinhardt. 71/) Uhr; IHaria Stuart. Sonntag; Viaria Stuart. Nachm. 21/s(kleine Preise): Hamlet. Kammcrapiele. 8 Uhr: Der Vater. Sonntag; Der Llebestrank. Nachm. 21(, Uhr(kleine Preise); Die deutschen Kleinstädter. Volksbühne. Theater a. BBIowpl. H Uhr: Der Stnrm. Sonntag: Der Sturm. Dir. Melnhard-Bertiauer. toter in der KöDiggratzepStraße 8 Uhr; Amphltryon. RomödlenhaQS. 8 Uhr: Ranscli. Berliner Theater. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzelt machen. URANIA TaubenstraSe 48/49. 8 Uhr; Dardanellen, Konstantlnopel| and der Bosporus. Im Höreaal 8 Uhr: Direktor Prot. Dr. B. Donath: Zentralen und Elektromotoren. Die itcusißuhdr Heute 8 Uhr National-Theater. Kttpenicber Straße 67/68. s'/.u.: s. M. der Dollar. Casino- Theater Loibrwger Str. 37, Tägl. 8 U6r: nntetfltnnbbnhnb. Schöndniljet Tot Trotf»es«rohen Erfolges! Vur noch kurze Zeit! Familie Schnase. Seil«lugust auf dem Spielplan. Sonnl. 4 ubr; Der liebe fl/rtdolin. Ikester kür Soanabeäcl, 6, November. Dentscbes Opernbaas Cbarlottbg. s uhr: Der Bellelsludent. Friedrich-Wilhelmsfädt. Thealer. s uhr: Der ¥ogelhändler. onbr. Herrnfeld.Tb..t., s uhr: Rosenblalt's Kleines Theater. 8 Uhr: Komische Oper. s uhr; Jung maß man sein Sonntag 31/,: Gold gab leb für Eisen. Dentscbes KQnstler-Theater. s uhr; Die seiige Exzellenz. lies« lup;- Theater. s uhr: Komödie der Vorte Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin Sonntag nachm. 3 Uhr; Martha. Walhalla-Theater. 7'/, Uhr: Gastsp. Deutsche VollSoper: Koheuigriii. Sonntag 8 Ubr; Das Kätheheo von Hcllbronn. 8 Uhr: ßuNoeoogo«. T olgt-Theatep. Sadstr SS. Badstr. 58. Sonnabend, ben 8. Sooemdet 1915: Oopn's Resi. Sonnt. 3 XL: Die Bettlerin u. Ihr Kind. Ab Montag aus Anlah deS Geburtstages o. Schiller: Di« Rluber. Kasjenerösfmmg 7 Uhr. Aus. 8 Uhr. Possen-Theater 81/.(Foliee Oaprioe) 8'/. freund Loewc Seine XIante mit Barkel tmd Bertsch. [-nstaplalhans. 8t/. U.: Horrschaltlloh. Diener gesucht Sonntag 3'/, Uhr: Die F.hre. HontlH Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr: Ein Tag iml'aradlea. Renldenz-Thoatcr Die Prinzessin voiii 1 Schiller- Theater O. 8 uhr: Jugend. Schiner-Th.Charlottenbg. 3 Uhr: Die Uermannschlacht. s mm: Oer Meister von Palmjra. Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Nollendorfpl. 8'/« Uhr: Immer feste drafT! Sonnt 8'/, ü.: Die OollarpriRzessln Theater des B estens 8 uhr: Der kQnstiictie Mensch, Trlanon-Theatcr. 8 Uhr: Bodo s Brautschan. Sonntag 3'/,: Staatsanwalt Alexander. Rose-Theater. 4 Uhr: Aschenbrödel. 8 Uhr: Dos Vaters Schuld. Sonntag 8 Uhr: Au» der Jugendzeit. Der Valkanmenscl)? sprüht meterhohe rlge l.ohe!!! lonr omischeOe- ma fanten-Oressur n-rrmir IlÜS Schlager!! 10 et,.„Michel". Morgen Sonntag 31/, Uhr; I.Hnllßke's jlbenteusr G Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zlmmerstr. 90/91. TägiichT Großes Konzert Berliner Konzerthaus-Orchester Franz�iou! Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pt Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen SfachMiltiags-K onzert bei vollem Orchester nnd freiem Eintritt TBgl. 8 Uhr. Sennt. 3'/, u 8 Uhr. Otto Reutter mit der Ballade von der Marmelade n. seinen übr. Nov.-Nenheiten. Dosu d. hochorig. Nov.-Progr Reiehshallen-Theater. Ktettlner 8ftnger. . Zum Schluß: DiC M feT Efflltfl Ein Matrosenbild von Meysel. 'ür Militärper- onen volllomm � rei er Zutritt zu b.Stett.Sänoel-n. Ansang 8 Uhr. Herten- und Kurschen-Aiker mr Große Posten"VQ werden an Private zu itngrcS- preisen vertäust.* E. Kobylinski& Co. Hoher Steinweg t, eint Sr. Zenit. 2037. axd KomanifcßZ Kurfurficndcunm £mfi Stein- & ja Eröffnung: Jjeute 3 Iffir »räw, Verkäufe. Haibumsouft! 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