it. 267.— 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts C Jüö... e GMier l! Genrebildchen aus Polen von Max Eck-Troll, im Felde. E Jüd.... e Offizier!? Noch heute sehe ich die freudig leuchtenden Blicke der kleinen. schwarzäugigen Jüdin von Krasnosielc, als ich mit ihr um den Preis eines halben Paketes leicht-rusftschen Tabakes feilschte und dabei zu ihr im Diddisch sagte: „Sie sinn meschugge worn. Zwei Mark wollen Se haben fvr so e bißchen Tabak, wo das ganze Paket nor 2 Mark kost. Zwei Mark... Se wollen bemogeln e daitschen Juden, wo sich kost der Tabak in Friedenszeit nor 1 Mark?" „E Jüd.... e daitscher Offizier!? Werd ich Ihnen jäben den Tabak for eine Markstück, weil Se sind e daitscher Jüd... e Offizier!" Und freudig leicht wie eine Gazelle sprang sie durch den kleinen Kleinkramladen an die Türe, die zur Stube führte. Wie wenn das freudigste Ereignis der Welt ewgetretea sei, rief sie hell auf in die kleine niedrige Ladenstube: „E daitscher Jüd.... t Offizier!? Beide Flügel der Türe öffneten sich sperrangelweit und heraus traten freudig bewegt Mamme, Tatte nebst zahlreichen Kindern, um mich mit großen neugierigen Augen zu bestaunen... wie die größte Sehenswürdigkeit des zwanzigsten Jahrhunderts, wie eine Attraktion in Castans Panoptikum. In B i a l h st o k: Von der Ortskommandanwr wurde mir zum Uebernachten ein immer in einem hübschen Hotel in der Nikolaiftraße angewiesen. n Bialystok sind alle Hotels in jüdischem Besitz. Fast alle sind sehr sauber und ziemlich modern eingerichtet. Ein junger Mann, vornehm angezogen, zeigte mir in seiner Funktion als Ortspolizist das Quartier. Er tat es im Auftrag der Ortskommandant, die ihn zum Zeichen seines Amtes und seiner Würde mit einer grün-weitz gestreiften Armbinde ausgestattet hatte. Der Mrt sagt« sofort, als er mich sah, die Worte: „Es tut mer leid, alle Zimmer sein vernimmenl" Schon wollte ich mich sang- und klanglos entfernen, als mein Begleiter hilfreich eingriff: „Na, Moritz... Du wirst doch noch haben e gutes Zimmer für e deutschen Offizier... e Jüd?!" „E deitschen Offizier... e Jüd?!" war die erstaunte Ant- wort.„No, selbstverständlich hob ich ä Zimmer for Sie... e feines Zimmer... Zimmer Numero eins!" Fünf Minuten später saß ich mitten im„guten Zimmer" des Wirtes... Di« ganze Familie um mich herum: Tatteleben, Mammeleben, Rsbeckchen, das 17jährige Töchterchen, Nathanche, das 8 Jahre alte Söhnchen und eine Rethe von Verwandten und Be- kannten des Hauses. Aus aller Augen leuchtete mir die freudvolle Antwort mit dem Frage- und Ausrufungszeichen entgegen: „E Jüd... e Offizier?!" Und wir tranken Tee, aßen MazzeS dazu und rauchten famose ruffifche Zigaretten, die der Vater des HauseS bereitwilligst herum- reichte. Dabei plauderten wir in der angenehmsten Form über alles mögliche: Selbstverständlich zuerst über den Krieg, über die Herr- schaft der Russen in der Stadt, schließlich über Kunst, deutsche und russische Literatur und über die bevorstehenden jüdischen Feiertage ... Neujahr... Laubhütten. So habe ich in diesem netten Familienkreise einen der schönsten Wende im polnischen Feldzug erlebt. Und so könnte ich noch so manches ähnliche Erlebnis schildern, das iiramer wieder ausklang in der staunenden Frage: „EI üd....eOffizierl?" kleines Feuilleton. Charlottenburger Schillertheater. Die fünf Frankfurter, Lustspiel vou Karl Röjjler. Das Stückchen, eines der größten Kassenerfolge der letzten Theaterjahre, verdankt sein Glück dem Einfall, die vielberuiene Rothschtlbfamilie, der nach den Napoleonischen Kriegen jahrzehnte- lang die Rolle einer leitenden Finanzmacht zufiel, aus ihrem Stammsitz der Frankfurter Judengasse vorzuführen. Was Erfindung Die Schicksalsmaus. EineErzählungvonTierenund Menschen. 7\ Von Harald Tandrup. „Es gibt nur eine Seele" entgegnete der Schneider. „das Gekd— die Seele von allem." „Von mir nicht— d«S dürfen Sie mir glauben," er- widerte Andersen.„Ich denke nie darüber nach, ob es Men- schen gibt, die mehr Geö> haben als ich. Ter liebe Gott wird mir schon geben, was ich brauche, und dann bin ich glücklich." Blomberg schüttelte den Kopf. „Das mag wohl sein, aber nur so glücklich wie die Tiere. Wenn Sic ein solches Sehnen in sich hätten wie ich, Andersen, würden Sie anders reden. Ich werde nie glücklich, solange es Menschen gibt, die nwhr haben als ich," schrie Blomberg außer sich.„Ich kann nie genug bekonnnen. Alles in mir schreit nach Geld— ich sehne mich wahnsinnig danach, einer jener Menschen zu sein, die das Leben genießen. Warum muß nur ich im Schatten leben, wenn ich doch dieselbe Sehnsucht nach Glück und Sonne habe wie die anderen? Antworten Sie mir darauf. Andersen, wenn Sie können I" „So etwas dürfen Sie mich nicht fragen. Herr Blomberg." stammelte Andersen.„Das kann nur der liebe Gott entscheiden. Er will für einen jeden von uns das Beste, sagte mein alter Meister. Sind wir nicht alle Gottes Kinder, Herr Blom- berg?" „Und Sie gehören zu jenen artigen Kindern, die beten und hoffen und warten und nie etwas bekommen. Nein, Andersen, das ist ein verkehrter Weg." Blomberg hatte ein breites Gesicht nnt vorstehenden Backenknochen. Es konnte den Ausdruck wechseln wie ein See, der sich im Sturm kräuselt und dunkel wird. Und ein solches Unwetter zog jetzt über Blombergs Antlitz herauf. __»Sw wissei, d«ch. Hotz das Haus hier„Das schwarze lr sCtLt?" fr®®* er. AtTÖmcn verneinte. Er sprach nie nnt Fremden, kam auch nw über den Hinterhof hinaus, außer wenn er für Blom- berg etwas beiorgen mußte. „vici, dieses Gebäude hat eine ganze Geschichte," fuhr Blomberg fort.„Es war zur Zeit der Cholera berühmt, weil die Leute m ihm umfielen wie die Mücken." „Hier m diesem Haus?" und Charakteristik anlangt, sticht es von dem Niveau des besseren Mittelmaßes kaum erheblich ab. In der Galerie der auf Einladung des Wiener Rothschild dort versammelten Brüder trägt eigentlich nur der älteste, in Frankfurt residierende in Ton und Sprache eine feiner geprägte und dabei gewisse Rasiezüge schärfer herausarbeitende Individualisierung. Viel weniger schon der Wiener, der eigentlicbe Macher, der die Sippe mit der freudigen Botschaft überrascht, daß er für die Gesamt- familie den Baronslitel erwirkt habe und einem pump- bedürftigen Herzog beim Abschluß des Geschäftes sein Töchterchen als Gemahlin aufzuoktroyieren hoffe. Die anderen drei, auch das sentimentale in sein Nichtchen selbst verliebte Pariser Jalöble, ent- bchrett völlig jeder originelleren Komödienfarbe. Am besten ist das alle, gute Stammütterchen. die sich in all dem Plunderglanz grab- sinnig natürliches Empfinden bewahrt hat, gezeichnet. Der Mittel- alt: der Aufmarsch der Brüderschaft beim Herzog, ihre Kon- trastierung mit vem leichtfertigen jungen Grandseigneur, bringt manches Amüsante. Daß er sein Lottchen vor dem Handel eigentlich doch hätte fragen sollen, kam Solomon dem Weisen gar nicht tn den Sinn. Doch als sie unter großmütterlichem Bei- stand bei dem Erscheinen des windigen Freiers in der Judengasse ablehnt und da» Jaköble, den jüngsten der Oheime, mit ihter Hand beglückt, ergibt er sich nach eintgen Seufzern in das Schicksal. Auch so bringt das schon abgeschlossene Geschäft genügende Prozente. Die beiden Hauptrollen unter den Fünf lagen in den Händen der Herren P a t e g g und Menzel. Bei der Besetzung der übrigen halte wohl die Not der Kriegszeit mitgespielt. Die Güte der mütter- lich ichlichten Alten und das nonchalante Schwerenötettum der Durchlaucht kamen in der Darstellung Fanny Wolfis und Alfred Brauns zu glücklich treffendem Ausdruck. DaS Publikum spendete reichlichen Beifall._ dt. €in* neueer Sturm. Sonnabend: Der Sturm. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i, d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Der Vater. KomodienhaMS. VI, Uhr: Zum 1. Male: Die r&tsclhattc Frau. BerSinen Theai. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. URANIA Taubenstr. 48/40. 8 Uhr: Die Dardanellen, Konstantinopel und der Bospoms. Lessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uhr: Komödie der Worte. Sonnabend: Komödie der Worte. Sonntag: Peer Cynt Deutsches Künstler-Theater. 8 Uhr: Die selige Exzellenz. Sonnabend: Die selige Exzellenz. Theater für Freitag, 19. November. Deutsches Opernhans Cbarlottbg. 8 uhr: Tannliäuscr. Friedrlch-Wilhclmstädt. Theater. 8 uhr: Der Adele Bauer. oabr. KerrnfeEd.Th.a«., 8 uhr: Rosenblatt's Kleines Theater. s uhr: Der Prahlhans. Komische Oper. 8 Uhr: Jung muß man sein. Morgen, Senn ab d.. 3 Uhr naebm.: Wobltätigkeits-KindervorsteU,: Der tapfere Flau. Liustspieltaans. 8./.u.- Das Ruekucks-Ei. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin tSU Totensgnnt. Tl, U.: Der Freischütz. Luisen-Theater. Heute und Der ttlöckncr von Sonnbd 8» sruhrend Setmeewaßetien nnd Rosenrot,"""�'pf!"� Sonnig. 8": Die Haubenlerche National-Theater. KOpenlcker Straße G7/08. 8*/« u.: S. M. der Dollar. Voigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Freitag, den 19. November: Die Sttttide kommt. (Der OberHof.) BoWst. m. Gel i. 3 Alt. o. Wildmann. Kassencröffnnng 7 Ar. Ani. 8 llhr. Ab Montag: Die Maschinenbauer von Berlin. m.outls Opcrcttcn-Theatcr Gastspiel Louis Treumann. 8 Uhr i Der Wcltcnbnmmlor Residenz-Tb t-ater 8V, Uhr: DlO fflMM VOIO HD. Schiller Theater O. s uhr: Der Meister von Palmyra. Schlller-Th.Chariottenbg. 8 uhr: Schirin und Gertraude. Thalia Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe, Totensonnt. 8 U.: Der Hütt enbesitzer. Theater am Kollendorfpl. sv. u.: Immer feste druff! Theater des Westen» 8 uhr: Das Fräulein vom Amt mit Guido Thielscher. Trlano n-Theater. sv.ü.: Bodos Braulschau Rose-Theater. S llHr:(Sastlp. d. Deutsch. VolkSoper: Martha. Sonnabend 4 Uhr: Die 7 Naben. Freireligiöse Gemeinde Sonntag, 21, November, nachmittags 4 Uhr, in unserer Halle, Pappelallee 15/17•* Totenfeier Vortrag des Herrn Waldeck Ilanasse:»Der Tod." Mittwoch, den 24. November, abends SV, Uhr, bei Fritz Wilke, SebastianstraBe 39: Nlitglieder- Versammlung. y®- Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Die Mitgliedskarte ist vorzuzeigen.' Vd Jeden Sönntagvormittag 11 Uhr in der KI. Frankfurter Str. 6; Vortrag, 21. Nov., Herr Dr. B. Wille: Todesgedanken.— 28. Nov.. Herr Dr. B. Wille: Dauer und Ewigkeit.— 5. Dez., Herr Dr. M. Brie: Hessings religiöse Kämpfe.— 12. Dez., Herr Dr. B. Wille: Geisteskuitur.— 19. Dez., Herr A. Fischer: Der Gottesbegriff in der Jetztzeit.— Vor und Nachspiel auf dem 53/5 Walhalla-Theater. Die Lorelei. Loheogrin 8 Uhr: Sennabend: Gailsp der Voifsoper: Dsietislrallöii'IdeiUör. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Ein Matrosen- bild von Meysel. Für Miülärver- sonen volllomm. freier Zutritt zu d.Stett. Sängern. Ansang 8 Ubr. Täglich 8 I hr. fTZT 1 sowie die übrigen Schlager. 10 Uhr:„Hüchel". Große 3 aktige Pantomime _ von Paula Busch._ Possen-Theater 8V.(Folies Oaprioe) 8V. freund Locwe Seine€ante mit Haskel und Berisch. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tagt. 8 Uhr: Trotz deS grotzen Erfolges! Mar noch kurze Zelt! Familie Schnase. Dezember eine neue Schlager-Posse. Berliner Konzerte. Mauerstr. 82. Täglich Zimmerstr. 90/91. Heute: Der humorisfisclie November- Spielplan. Großes Konzert. Berliiier Konzerthaus-Orchester �ank�fSiom Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen Machmittags-Konzcrt bei vollem Orchester nnd freiem Eintritt. Verwaltung Berlin. 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