Nr. 269.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Zoillltaz, 21. November. Totensonntag. viele werüen hin zum Zrieühof geh'n unü mit zärtlichsanften Händen ölumen spenden Denen, die niemals mehr Slüten seh'n. Seüne Hügel schmücken will der Schmerz, sucht die stille Totenstätte, daß er iliebe zu der Tische bette. Gpsern muß das trauervolle herz. Opfern muß, wen ein Erinnern neigt. Will es halten, was zerfloß in nebligen Sestalten und flch wieder nur am Grabe zeigt. Viele, viele möchten heut mit vollen Seelen Trauerkränze winden... Werden doch das Grab nicht finden und nicht wissen, wo fie opfern sollen. Ernst Preczang. wie öie Völker ihre Toten ehren. Totensonntag! Das triste Grau des Novembermonats ver- hüllt die sterbende Natur und mahnt gebieterisch an den Tod; ver- wesende Blumen und Blätter predigen ein eindringliches memento rnori und lenken unsere Gedanken auf die Vergänglichkeit alles Irdischen. Es ist die Zeit, da wir nach alter, frommer Sitte die Gräber unserer Angehörigen aufsuchen und ihr Grab in eine blühende Ruhestatt verwandeln. Mit besonderer Innigkeit ge- denken wir in diesem Jahre der teuren Heimgegangenen, die auf den Schlachtfeldern ihren Tod gefunden haben.und in fremder Erde, fern von der Heimat, bestattet sind. Schon in ältester, vorchristlicher Zeit pflegten sich die Ver- wandten und Freunde eines Toten alljährlich zur Gedächtnisfeier in stillem Gebet zu versammeln. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich dieser Brauch auch bei den christlichen Völkern eingebürgert. So findet denn, etwa vom Jahr lOOO an, am 2. November in der katholischen Kirche eine feierliche Totenmesse statt. Die pro- tcstantische Kirck)« dagegen feiert das Totenfest am letzten Sonn- tag des Kirchenjahres, an dem gleichfalls zu Ehren der Toten Gottesdienst gehalten wird. Jeder aber, der das Grab eines Lieben zu pflegen hat, pilgert mit Kränzen und Blumen auf den Gottesacker. Bei den nordischen Völkern diente daS heidnische Julfest ursprünglich dem Gedächtnis der Abgeschiedenen. Es steht indes nickt mehr mit Sicherheit fest, wann diese Erinnerung an die Toten gefeiert wurde; aller Wahrscheinlichkeit nach um die Mitte des Januar. Mit diesem Fest, das wohl auch ursprünglich schon der Feier der Sonnenwende diente, wurde das Totenopfer verbunden, durch das die skandinavischen Völker die Geister der Ab- geschiedenen erfreuen wollten. Als das Ehristentum eingeführt wurde, erfolgte auch in Skandinavien die Trennung des Julfestes, des Weihnachtsfestes, von dem Gedenktag an die Toten. Aber ein letzter Rest der uralten heidnischen Feier hat sich in Schweden und Norwegen noch bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Weihnachtszeit stellt der Bauer nachts eine Schüssel mit Brei auf die Schwelle des Hose?, die den Haus- und Poltergeistern zugedacht ist. Diese Hausgeister, die im skandinavischen Volksglauben noch heute eine grohe Rolle spielen, haben eine gewisse innere Verwandt- schaft mit un,eren stets hilfsbereiten deutschen Heinzelmännchen. Aus dem Umstand, dah man im europäischen Norden den Familien- geistern Speise und Trank vorsetzt, geht hervor, daß man in ihnen keine Naturgeister sieht, sondern dast man sie für ehemals mensch- liche Wesen hält, die zu gewissen Zeiten ihr wohlvertrautes altes Heim aufsuchen und dort wie zu Lebzeiten Nahrung erwarten. Auf den gleichen Glanben an die Wiederkehr der Toten zum Totenfest ist auch die russische Sitte zurückzufiihren, nach der am Allerseelentag Speise und Trank auf die Gräber gesetzt werden. Ein ähnlicher Brauch herrschte bereits bei den alten Indern. Auf dem Grabe wurden drei kleine Gruben ausgehoben, in die der Opfernde Speise niederlegte. Dabei sprach er eine Formel, nach der die Dahingeschiedenen ihren Teil von dem Totenopfer nehmen sollten. Glaubte er, dah die Geister ihre Mahlzeit beendet hätten, fo schüttelte er seinen Mantel, damit kein Geist in diesen Falten zurückbleiben sollte. Dabei murmelte der Opfernde ebenfalls eine Beschwörungsformel, in der die Geister gebeten wurden, nach Mondesfrist wiederzukehren, uin cm neues Opfer entgegenzunehmen. Auch das im heidnischen Rom gefeierte Laren- und Lemurenfest gemahnt an diese Sitte, bei dem man Totenspeiscn auftrug, weil nach dem Glauben des Volkes an diesem Tag die Unterwelt offen stand, und die Toten in Scharen ihre alte Be- hausung aufsuchten. Ebensolche Sitten waren bei den alten Per- fern und Griechen in Uebung. Die Japaner kennen noch heute die Sitte des Totenopfer, das sie mit ihrem Sinn für heitere Lebens- kunst recht eigenartig zu feiern-wissen. Lafcadie Hearn fyrt die Feier beschrieben, die man im Lande der aufgehenden Sonne das„La- ternenfest zum Gedächtnis der Toten" nennt. Drei Tage lang dauert dieses Fest. Am Abend des ersten Tages erstrahlt das Land in allen Städten und bis tief hinein in die entlegensten Gebiete im Glanz« unzähliger Lichter und Laternen. Kein Haus, das nicht diesen leuchtenden Schmuck trüg«; niemand, der so arm wäre, um sich an diesem Feste von der Sitte auszuschliehcn. Denn diese Flämmchen, so heiter und freudig sie inmitten der bunten japani- schen Welt wirken, sollen dazu dienen, den Seelen den Weg zu ihrem alten Heim zu zeigen. Die Lichter sollen den Verstorbenen künden, dah sie erwartet werden und willkommen sind; und so be- reitet man Speisen für die Toten, jedoch keine Fleischspeisen, weil die Toten nach der Meinung des Volkes diese verschmähen würden. Geht das Fest seinem Ende entgegen, fo nimmt man an, die Seelen seien nun gesättigt, und man verübt im Hause einen Polterabend- lärm, um den unsichtbaren Besuchern damit anzudeuten, dah nun- mehr die Zeit des Aufbruchs für sie gekommen sei. Dann werden die Lichter wieder angezündet, um den fortziehenden Seelen auf den Weg zu leuchten. China, dessen Kultur ja weitaus älter ist als die japanische, kennt einen ähnlichen Brauch, der aber, weil älter, einfacher ist. Zweimal im Jahre begibt sich da jede Familie nach den Gräbern der verstorbenen Verwandten, wo man Speisen aller Art niedersetzt. Aber nicht genug damit, dah man auf diese Weise die Toten bewirtet, man will ihnen auch die Mittel gewähren, dah sie auf eigene Hand das festliche Leben fortsetzen können. Zu diesem Zweck werden am Grabe kleine Zettel verbrannt, die Geld- scheine vorstellen sollen. Man glaubt, durch die Zeremonie des brennenden Papiers den Toten die Scheine zu übergeben, mit denen sie sich nack) den naiven Vorstellungen der Chinesen Kleider und Speisen kaufen sollen. kleines Feuilleton. Komoöienhaus: Die rätselhaste 5rau. Robert R e i n e r t wandelt in den Spuren des Pariser Schwankes und bringt es in dem dritten Akte, was den Wirrwarr von Unmöglichkeiten anlangt, sogar zu einer Art Rekord. Der erste Gatte, der durch eine Nasenoperation den Mängeln seiner früheren Gesichtsarchitektur abgeholfen hat, entzündet seine ge- schiedene, jetzt einen zweiten Eheherrn beglückende Gemahlin bei einem Besuch derart, dah sie, entschlossen mit ihm durchzugehen, dem zweiten einen Abschiedsbrief schreibt und nur noch auf das Tuten des bestellten Autos wartet. Indes der Brief gerät so gut, dah ihr die Tränen in die Augen treten und in dieser Rührung ihrer schönen Seele erscheint ihr plötzlich das Bild des Adressaten in einem milderen Licht. Am Ende war er, trotz seiner Weigerung, sie heute in die Oper zu begleiten, doch kein so hoffnungslos verhärteter Barbar. Und als obendrein der an- gestammte Gigerl-Hausfreund, ein aus der ersten Ehe in die zweite miteingebrachtcs Inventar, bereit, wcnn's sein muh. mit ihr zu Nummero Eins zurückzukehren, ihr die Möglichkeiten ausmalt, die veredelte Nase könne doch wieder in ihr früheres Format ver- fallen, ist der Zauberbann gebrochen. Der augenblickliche Gatte, der feine Auflehnung bereits bereut, und die Gefahr nicht ahnend, im richtigen Momente eintritt, erscheint ihr nun entschieden als das mindere Uebel. Je lauter draußen die Hupe brüllt, je eifriger ergießen ihre Zärtlichkeiten sich auf das Haupt des Braven. Und der verdutzte Hausfreund, der sich den Effekt seiner Warnung so ganz anders dachte, wird zum Lohn für sein« Treue mit Spott und Hohn zur Tür hinauskomplimentiert. Die Purzel- bäume dieses Schlußakts entschieden den Erfolg. Glänzend war Eugen Burg in der Rolle des allzeit ge- prellten Liebhaberanwärters. Er erhöhte die Komik durch eine fein abgemessene Diskretion, schuf aus den losen Bruchstücken des Textes eine beinah überzeugende humoristische Charakterfigur. Die Dame, die sich aus einem Auszug aller denkbaren weiblichen Launen und Unausstehlichkeiten zusammensetzt, gab Ida W ü st mit der ihr eigenen pikanten Drolerie. Ter Verfasser konnte mehrmals erscheinen. dt. Eiweißerzeugung aus Hefe. lieber einen der größten Erfolge der deutschen Technik,� die Massenerzeuaung von Eiweiß durch Hefe, berichtete in der Palh- technischen Gesellschaft Dr. Fritz H a Y d u ck vom Institut für Gärungsgewerbe. Ueber die allgemeine Bedeutung des Ver- sahrens ist kein Wort zu verlieren. Auch der Stickstoff, der als Düngemittel dem Acker zugeführt wird, verwandelt sich in Eiweiß, das der inenschlichen oder tierischen Ernährung dient, allein der Erfolg hängt ab von der Gunst des Wettergottes, und zwischen Saat und Ernte liegt ein Jahr. Bei dem Verfahren, das Dr. Hahduck schilderte, tritt der Erfolg sicher ein, und an Zeit vergehen 2— 7 Stunden. Eine bestimmte Heferasse, die ihre ganze Lebenskraft der eigenen Fortpflanzung und nicht der Erzeugung von Alkohol widmet, wird in ein Gefäß eingesät, das mit Me- lasse gefüllt ist und die nötigen Nährsalze enthält; in wenigen Stunden hat sich die Hefe vervielfältigt, hat neue Zellen in großer Zabl geschaffen, die bis 20 Proz. Eiiveih in der Trocken- substanz enthalten. � Der Ausdruck Gärgefäh führt leicht zu falschen Vorstellungen: man denkt besser an ein städtisches Schwimmbad, in dem ein Mensch ganz gut ertrinken kann. In solch grohen Abmessungen arbeitet das neue Verfahren; mit Hilfe des Staates werden in kurzer Zeit Betriebe im Gange sein, die löOOO Tonnen erzeugen werden. Aber nicht nur in der Kriegszeit soll da? Ver- fahren wirken, es gilt auch, in FriedcnSzeiten grohe Mengen� au Futtereiweih zu ersetzen, die bisher aus dem Ilusland eingeführt werden muhten. Etwa 30t) 000 Tonnen Trockenhefe werden dazu erforderlich sein, und die Erzeugung solcher Mengen liegt durch- aus im Bereiche wirtschaftlicher Möglichkeiten. DaS Verfahren steht und fällt vorläufig mit dem Zuckerpreis. Was Wunder, wenn man, wie dies Dr. Hahduck tat. Blicke in die Zukunft sendet, um nach neuen AusgangSstoffen auszuschauein Ter Zellstoff, das Holz, mühte sich auf diesem Wege in Eiweiß umwandeln lassen. Nu» ist es fchon heute durch allerdings recht kräftige chemische Eingriffe möglich, Holz in Zucker zu verivandeln. Aber die Natur müßte und kann hier Lehrmeister sein. ES gibt Kleinlebewesen, die aus dem Zellstoff ihren Leib aufbauen. Wenn im Herbst die Blätter fallen, dann verrichten diese Mikroorganismen ihre Arbeit, bringen die Blätter zum Verschwinden. Die bio- logische Umwandlung des Zellstoffs in Eiweiß erscheint Dr. Hayduck mit Recht als das anzustrebende Ziel. Wenn dereinst der im Papier des Abendblattes enthaltene Zellstoff bereits als Eiweiß auf dem FrühstückStisch stehen wird, so meinte Dr. Sayduck zlvar scherzhast, aber doch ernst, dann wird eines der größten Probleme des Jahrhunderts gelöst sein._ Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Am Totensonntag veranstaltet da? Blüthuer-Orchester im Blüthnersaal einen B r a h in S- Abend unter Mitwirkung von Prof. Waldemar Meyer sViolinej, Anton Sistermans lBariton), Fritz Becker(Cello), HanS Luedile (Orgel), Direktor Paul Sckeinpflug. �-Vorträge. Wilhelm Bölsche hält am 25. November in der Singakademie einen Vortrag mit Lichtbildern über das Thema: „Kampf, Heldentum und Waffe in der Natur".— Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag, den 23. November, Dr. N. Hennig über.drahtlosen Nachrichtendienst für Deutschland". Frei- lag: Prof. Flamm über die.Lusitania".— In der Urania spricht am Montag, den 22. November, abends 3 Uhr, Prof. Kahner über „Bulgarien, Land und Leute' unter Vorführung zahlreicher Licht- bilder. Am Mittwoch spricht Prof. Eucken über.den deutschen Jdea- liSmuS und die Aufgaben der Gegenwart". — Der Arbeitersänger im Felde. Ein Mitglied der „Fichte-Georginia" schreibt nach der.Deutschen Arbeiter-Sänger- zeitung" aus dem Osten gn seine Sangesbrüder: ... Besten Dank für die Liebesgaben und das Programnr vom letzten Konzert. Als ich all die herrlichen Lieder las, welche Ihr gesungen, ergriff mich eine mächtige Sehnsucht, und ich habe mich eine Stunde in mein Zelt verkrochen und der vergangenen Zeiten gedacht. Man wird hier gewiß nicht verweichlicht, doch manchmal, bei Nachrichten aus Freundeskreisen, da packt es ans Herz.— Doch gibt es auch hier gemütliche Abende, d. h. wenn wir in Reserve liegen. Zwei Mann von uns haben eine Geige und ein dritter eine Mandoline, da wird musiziert und manch Liedlein gesungen. Die Schicksalsmaus. EineErzähIungvonTierenundMenschen. 9] Von Harald Tandrup. Sein Rock hatte sicher ursprünglich einem Manne gehört, der kleiner und dünner als sein jetziger Eigentümer gewesen war, obgleich auch dieser einem schlanken Jüngling glich. Auf diese Weise sah man dort, wo die beiden Rockteile über der Brust zusammenstoben sollten, einen Zwischenraum von fast fünf Zentimetern, der ein ziemlich schmutzig graues Hemd freiließ. Da es unmöglich war, den Rock auf gewöhnliche Weise zuzuknöpfen, hatte der Mann eine Art verlängerter Knopflöcher erfunden, die er durch Bindfadenschlingen, in den richtigen Knopflöchern befestigt, hergestellt hatte. Der Rock bekam dadurch eine leise Aehnlichkeit mit einer Husaren- jacke.— Die Beinkleider hielten sich in ehrerbietiger Ent- fernung von den ausgetretenen Stiefeln. Dem Aussehen nach mußte der Mann alt sein. Allein es waren auch wieder Züge in seinem Gesicht, die an ein Kind erinnerten: es hatte die scharfen Linien eines Denkers, gemildert von der Sanftheit eines Apostels und zugleich die Würde eines Bischofs. Er glich einem Fürsten aus dem Reich des Geistes, doch verkleidet und in der Verbannung— sein Haar war so trocken und gelb wie die Flachsperücken auf Puppenköpfen: es hing in langen Strähnen über den schmieri- gen Rockkragen hinab. Trotz alledem lag ein Ausdruck unerschütterlichen Fric- dcns und seelischen Gleichgewichtes auf dem Gesicht des Mannes, während er so dünn gekleidet dasaß und im Schlaf, mochte es nun aus Kälte oder aus irgendeinem anderen Un- behagen sein, hier und da zusammenschauerte. Selbst als der Tod vorbeiging, lächelte er wie in einem schönen Traum.— Dieser unheimliche Gast saß jetzt mit seiner ernstesten Amtsmiene auf dem Rand eines Bettes, das im Neben- zimmer stand. Der Raum erinnerte an Schneider Blombergs Werkstatt, vielleicht ein bißchen besser erhalten und vollgepfropft mit plumpen, rot bemalten Möbeln. Das Bett schien zu groß zu sein, die Kissen waren zu schwer, aus dein Strohsack schauten die Halme heraus. Man sah sofort, daß dieser Hausrat seine beste Zeit in ländlicher Umgebung gedient hatte. Eine Frau, die in dem Bette lag, stand im Begriff, aus diesem Leben zu scheiden. Außer ihr befanden sich noch zwei Männer im Zimmer. Der eine war der Arzt, ein richtiger Herr mit Kneifer und schwarzem Rock, der andere Lars Larsen, der Mann der Sterbenden. Er hatte ein gutmütiges, glattrasiertes Gesicht mit einem großen Mund, mächtigen Kinnbacken und kleinen Augen mit vielen Falten ringsum, Augen, die von Natur aus dazu be- stimmt gewesen waren, gemütlich zu blinzeln, was sie aber mit der Zeit vollständig verlernt hatten. Tie Luft in dem schwarzen Schaf hatte noch nicht die lebhaften Farben seiner Wangen bleichen können. Er glich einem braven Bauern aus der Gegend von Frederiksborg, kurzstämmig, breit und ein wenig krummbeinig. Auf dem Tisch stand eine Lampe, die ganz schwach brannte. Ungeduldig wendete sich der Arzt an Lars Larsen und fragte: „Könnten Sie die Lampe nicht etwas höher schrauben?" Es geschah, und sie strahlte ein Licht aus, das im Ver- gleich zu dem früheren Halbdunkel blendend erschien. „Das laß ich mir eher gefallen," sagte der Arzt. „Tu lieber Gott, Doktor," ertönte es klagend vom Bett her.„Sie denken natürlich nicht daran, was so ein Aas an Petroleum verschluckt." Ohne etwas zu erwidern, beugte sich der Arzt über die Kranke und untersuchte sie. „Glauben Sie, daß ich es überstehe?" fragte die Sterbende. „Wir wollen das Beste hoffen," antwortete er, aber der Ton klang nicht überzeugt. „Wenn man sich den größten Teil seines Lebens so ab- gerackert hat wie ich, und es jetzt auf seine alten Tage ein wenig gut bekäme, will man ungern fort," erklärte sie. „Das versteht sich," erwiderte der Arzt.„Aber so tvcit ist es ja noch nicht." Tie Kranke lag in einem wahren Berg von Bettstücken. Man sah nichts als ihr Gesicht und ihren spitzen Köpf mit dem dünnen, zurückgestrichenen, weißen Haar. Ihre Nase war schmal wie eine Messerklinge: ihre Augen lagen tief in den Höhlen wie zwei matte Glaskugeln, die sich in bauschigen Hautfaltcn verbargen. Langsani zog der Arzt seine Handschuhe an und griff dann nach seinem Hut. Lars Larsen stand bescheiden hinter ihm und faltete in der Untätigkeit die Hände. „Jetzt könntest Du gewiß die Lanipe wieder kleiner schraubenn, Lars," jammerte die Frau aus den Kissen hervor. —»Ich finde, sie tut den Augen weh." Der Mann erfüllte ihren Wunsch: der Arzt verabschiedete sich. Dann begleitete ihn Lars Larsen hinaus, um ihm die Treppe hinabzuleuchten. Als sie an dem schlafenden Vkann in der Küche vorbeikamen, wendete sich der Doktor an den Bauern. „Was ist denn das für ein Mensch?" fragte er und setzte seinen Kneifer fester, um sich zu überzeugen, ob das, was er sah, auch wirklich ein Mensch sei. „Er heißt Christensen," antwortete Lars Larsen,„und hilft uns wachen." „Und wovon lebt er? Nachtwachen sind doch kaum sein Beruf." „Das weiß ich nicht, Herr Doktor. Er nennt sich Philo- soph: ich denke mir, er bettelt auf eine feinere Art. Tags- über sitzt er in Lesezimmern oder Bibliotheken und wärmt sich." „Also gewissermaßen ein Original," bemerkte der Arzt, während er die Hand auf die Türklinke legte. Lars Larsen stand in abwartender Haltung daneben, bereit, sein Licht leuchten zu lassen. Noch einmal wendete sich der Arzt nach ihm um und fragte: «Und woher stammen Sie?" „Aus Svogerslev," gab Lars Larsen zur Antwort. „Sie sind wohl Landarbeiter gewesen?" „Gott behüte I Wir hatten einen großen Hof." „Nein, wirklich?" sagte der Arzt teilnehmend.„Ja, es sind schlechte Zeiten für den Landmann." „O, man kann nicht klagen. Wir verkauften ganz gut." „Ja, sind Sie denn nicht arm?" „Was denken Siel Das wäre noch schöner," rief Larsen gekränkt.„Wir haben den Hof nur ausgegeben, weil wir dachten, wir hätten genug, um das Leben zu genießen, wie die Mutter sagt." „Das Leben genießen!" wiederholte der Arzt entsetzt. „Hier— im schwarzen Schaf? So etwas Verrücktes Hab' ich noch nie gehört. War Ihre Frau fchon krank, als Sie her- kamen?" „Ja, wissen Sie, Herr Doktor— wenn ich ganz aufrichtig sein soll, so glaube ich, sie gab den Hof weg, weil ihr die Ar- beit zuviel wurde. Sie konnte die Leute zuletzt nicht mehr recht in Zucht halten." „Aber haben Sie denn gar nicht bedacht, daß es der reinste Selbstmord für eine Kranke sein müsse, sich in diesem alten Kasten niederzulassen?"(Forts, folgt.) Bentsches Theater. Direktion: Max Reinhardi 7V, Uhr: Harla JStnart. Montag: Maria Stuart. KammeFspiele. 8 Ulir; Der Wclbstenfel. Montag; Der Weibsteufel. Volksbühne. Theater a. BDIowpl. 8 Uhr: Der Sturm. Montag: Faust. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. Königgrätzerstr. 71/, Uhr: Maria Staart. Komödienhaus. 7'/, Uhr: Der Vater. Berliner Theat. 8 Uhr: Iferbanil der Freien foHtsbllhnen Sonntag, den 21. November, Nachmittags 3 Uhr: Keine Vorstellung. Abends 71/, Uhr: Rathaus: Die deutsche Romantik in der Literatur. Abends 8 Uhr. Deutsches Künstler-Theater: Montag und Freitag: Die selige Exzellenz. Abends 8V4 Uhr: Volksbühne, Theater am Vülowplatz: Montag und Dienstag: Faust. Mittwoch und Donnerstag: Hamlet. B Hieater für Sonntag, 21. November. Deutsches Opernhaus Charloltbg, s uhr: Parsifal. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 3 Uhr: tieistl. KonKerlu. Mitwirk. d.Komp.E.N.v.Reznicek. 8 Uhr: I>cr Troubadonr. Gabr. Hemflleld-Thaalar 8 Uhr; Gastspiel: Maria Magdalena. Morgen: Rosenblatl's Geheimtip. Kleines Theater. 8 uhr: Liebelei. Komische Oper. s uhr: Der Hüttenbesitzer, g Liustsplclhans. sv.u.: Die Ehre. Metropol-Theater s uhr: Der Freischütz. Montis Operetten-Theater s uhr: Das Glück im Winkel, Residenz-Theater sv, it.: Der Pfarrer vonKirehfell Schiller-Theater O. s uhr: Ber Meister von Palinyra. Schiller-Th.Charlottenbg. 8 ITir: MeiMAl. Thalia-Theater. s uhr: Der BQttenbesitzer Theater am Vollen dorfpi. 8'/. Uhr: Einmalige Auftühmng: Der Müller und sein Kind. Theater des Westens s uhr: Maria Stuart. Trianon-Theater. «'/.IT.: Die Waise von Lessing=Theater. Direktion; Victor Barnowsky. 7'/, Uhr: Peer Gynt. Montag: Komödie der Worte. Dienstag: Komödie der Worte. Deutsches Künstler»Theater. 7 Uhr: Egmont Montag: Die selige Exzellenz. Rose-Theater. 8 uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Die Verschwörung d. Frauen. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Die Koreley. Mittwoch 4 Uhr: Die sieben Raben. Donnerstag: Lohengrin. Luisen-Theater. 8° mr. Die Haubenlerche. Schausp. in 4 Akten von Wildenbruch. Montag Uhr: ff I.W Rus statt.-Schausp. i. 0 Bild, m. Ballett. possell-IIiester 8-/4(Folies Caprice) 8-/4 Heute: Geschlossen. Morgen: freund Loewe Seine Tante mit Haskel und Bcrisch. URANIA Taut8,T«.tr- Sonntag 8 Uhr: Die Dardanellen, Konstantinopel und der Bosporus. Montag 8 Uhr: Prof. Dr. Kaßner: llulgarien. IMrektion Adolf Vpgel I Telef.: Lüttow 7341 Heute Sonntag (Totensonntag) Igeschlossenll Heute(Totensonnt.) geschloss. Morgen Montag 8 Uhr: Otto Heutter mit der Ballade von der Marmelade und das Muster und Meister-Programm. Reichshallen-Thealer. Stettiner Sänger. Heute: Keine Vorstellung. , Morgen: „Die von der Emden." Anfang 8 Uhr. Ciewerksehaftshaus Zjtf Sonntag, den 21. November 1913 m abends 6 Uhr, im grosten Saal: Einmaliges Dastsgiei von Prof. Heinrich Grünfeld. Cello-Solo. Am Ibach-Flügel..... Herr Otto Bake. a) Largo....... Händel b) Wiegenlied....> c) Träumerei./ Schumann d) Madrigal..... Simorettt e) Tu bist die Ruh... Schubert f) Menuett...... Bochcrini_ JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute geschlossen. Morgen: GfOßCS KonZCrt. Berliner Konzerthaus-Orchester pr»uz�.°Liom Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen Kachmlttags-Konzert bei vollem Orchester und freiem Eintritt. ireus/Vusch I sowie das übrige Programm. I lO I hr:„Michel"'. Fabel in 3 Akt. v. P. Busch. National-Theater. Köpenicker StraBe 07/68. Heute geschlossen. Morgen; s'/.u: S. M. der Dollar. V oig t-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Sonntag, den 21. November: „Geschloffen." Montag: „Die Maschinenbauer von Berlin." Kassenerössnutig 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Casino-Tkeater Lolhringer Str. 37. Tagt. 8 Uhr: Heute geschlossen, ab morgen: Nur noch wenige Aufsührungen der: über lOOmai gespielten Posse Familie Schnafe. Dezember eine neue Schlager-Rrne. Ab Montag:(Sonntag geschlossan) Ein brauner Lappenl Filmskeisch mit Musik»nd Gelang. verstnlich« Mw-ieluna von Anna Müller>Qnck« und Zeanz Schmeiter. Nur U.T NollendoriptaS Tlt und 9'! abends. Oas Rätsel von Sensenheim Ein Roman in iiini Teilen: in der Hanpirolle Friedrich Zewlt tkurkürsienvamm. Nollendorlplap. Friedrich- Ecke Tauben itr, Morihplav u. Weinvergsweg. Wild'V/ est'Kameraden Cowboy-Eriebnige. Nur Alexandervlab. 0er QebeimXeleretSr Regie: Zoe May. Joe Deebs: Max Land«. Gra> Liewen: Heinrich Peer. «chdneberg H-Upiftrabe. Haicnbcide. Reiinckendorserstrab«, Unter den Luiden. 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