Nr. 270.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Zirnstag, 23. November. Lebensmittelpreise wahrenö öes Deutsch- Zranzöflschen Krieges. Immer wieder greift man nach den Büchern, die über den Krieg von 1870/71 geschrieben wurden; galt er doch denen, die ihn erlebt hatten, und denen, die die Tradition dieses Krieges gelehrt belommcn haben als der vollkommenste, als der grötzte aller bis- herigsn Kriege. Uns allen erschien, bis wir au die gewaltigen Geld- anspräche des Weltkrieges gewöhnt wurden, die Kriegsentschädigung Frankreichs an Deutschlaitd als die höchste ökonomische Leistung einer Nation. Je mehr wir in dem Krieg von 1870/71 die Beantwortung der sich �mis ausdraiigenden Fragen suchen, desto mehr werden wir ent- täuscht. Militärisch, diplomatisch, hinsichtlich feiner Dauer und seiner Teilnehmer, als seiner Kampfmittel und Kampfmethoden, nach den inneren Wirkungen, wie nach den ökonomischen Problemen. ist der Weltkrieg, den wir erleben, ohnegleichen in der Welt. Ja, wir finden militärisch mehr Vergleichsmomente in den grohea (iiuerikcmischen Sezessionskriegen der 1860er Jahr«, in dem russisch- japanischen Kriege vor mehr als zehn Jahren, ökonomisch in den vapoleonischen Kriegen mehr Vergleichsmomente als in dem deutsch- sranzösischeu Kriege. Aber trotz aller Enttäuschung kehrt der nach der Lösung des Welträtsels unserer Tage Strebende immer wieder zum Kriege von 1870/71 zurück. Für die inneren Verbältniffe. für die wirtschaftliche Gestaltung des eigenen Landes während der Kriegszeit müßten sich— meint man— doch die Vergleichsmomente zwischen 1914/1ö und 1870/71 auffinden lasseil. Freilich auf Militär- politischem und sonst politischem Gebiete ist aus dem Vergleich nicht viel Gewinn zu ziehen. Der Belagerungszustand war kein« so all- gemeine Erscheinung und am allerwenigsten eine so bis in seine letzte Konsequenz durchgesetzte Tatsache vor 4b Jahre» wie heute. Di« Wirkungen des Krieges auf die politischen Parteien, aus die Arbeiterklasse und ihre Vertretung, auf die Presse und ihre Freiheit waren durchaus andere als heute. Auch rein wirtschaftlich auch hinsichtlich der HauS- und Lebenshaltung brachte der Krieg von 1870/71 nicht die einschneidenden Aenderungen wie der Krieg von 1v14/1b Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, baß wir keine Darstellung der Wirtschaftsgeschichte Deutsch- lands während des Deutsch-Französischen Krieges besitzen. Das allein ist schon merkwürdig. Ueberaus reich ist die deutsche Literatur über den Krieg von 1870/71, aber auch nicht im ent- ferntesten läßt sich vergleichen die Kriegsliteralur von 1870/71, während die Waffen sprachen, mit der unabsehbaren Kriegs- literatur unserer Tage. Natürlich wurde 1870/71 auch berichtet und berichtigt, geschrieben und geflucht,»erwünscht, aber doch mehr jenseits der Vogesen als diesseits des Rheins. Den Tintenströmen linserer Tage sind nicht vergleichbar die Büchlein, die 1870/71 aus den Tintenfässern der KnegZIiteraten entquollen. Desto größer aber war die Literatur über den Krieg, die in überreicher Fülle im neuen Reiche wie in der französischen Republik vor allem im Jahrfünft nach dem Kriege erschien. Aber tvas fehlt und tvas sicherlich nach dem Kriege unserer Tage nicht fehlen wird, ist eine Wirtschaftsgeschichte der Kricgszeit. Der Krieg von 1870/71 schnitt nicht so tief in die Lebensbedingungen der Volks-, Staats- und Privatwirtschaften wie der Krieg unserer Tage. Wohl hat die Arbeiterklasse Teutschlands> nährend der Kriegszeit in überaus schwerer Arbeitslosigkeit, nicht zuletzt wegen der unge- hemmten Konkurrenz der Arbeit der französischen Kriegs. gefangenen und wegen der tiefen wirtschaftlichen Depression wäh- rend der Kricgszeit gelitten. Aber der Krieg dauerte Verhältnis- mäßig nicht lange, und die Arbeiterklasse war gSlvcrkschaftlich im wesentlichen unorganisiert; soweit sie organisiert war, führten ihre Vereine und Verbände nur ein Scheinleben während der Kriegszeit, selbst in Hamburg, wie daS Laufenberg in seiner Gc- schichte der Harnburgischen Arbeiterbewegung urkundlich belegt. Die Arbeiterpresse war wenig ausgebildet, kommunale Vertretun- gen der Arbeiter fehlten vollständig, Abgeordnete der Arbeiter saßen nicht in den Landesparlamenten, und im Reichstage war wenig Gelegenheit für die vereinzelten Vertreter der Arbeiter, Abhilfe gegen die soziale Not zu verlangen. Als der Krieg zu Ende war, da begann ein die Erinnerung an alle Leiden der KrtegSzeit rasch vergessen lassender Aufschwung der deutschen Volkswirtschaft, so daß die Not jener Zeit bald verblaßte. Deshalb fehlt uns, so merkwürdig cS ist, eine wirtschaftS- geschichllicte Darstellung der KriegSzeit von 1870/71, cS fehlte der Trieb und die Anregung zu einem derartigen Werke. Di« bürger- liche Oekonomie, die sich gerade in den Jahren nach dem Deutsch- Französischen Kriege so stark auf die Wirtschaftsgeschichte warf. hat weder 1870/71, noch die Gründerpcriode, noch die Zeit der großen Wirtschaftskrise, noch auch die Kinderjahre unseres neuen Schutzzollsystems in abschließenden wirtschafisgeschichtlichen Dar- stcllungen bearbeitet. Das ist um so mcrkivücdiger, als es an wertvollen Materialien durchaus nicht fehlte. Es war damals die Glanzzeit der preußischen Statistik. Die Zeitschrift des königlich preußischen statistischen Bureaus, die von dessen Direktor Dr. Ernst Engel redigiert wurde, enthält schon in den Kriegsjahren selbst und in der darauffolgenden Zeit außerordentlich wertvolle Ma- tcrialien, nicht zuletzt über die Lebensmittelpreise. Natürlich hat auch der Krieg im Jahre 1870/71 da und dort verteuernd gewirkt, aber wie ganz anders war die Verteuerung 1870/71 im Vergleich zu den gegenwärtigen Preissteigerungen, über die ja an dieser Stelle sckwn vieles geschrieben wurde. Nur wenige Zahlen wollen wir hier anführen, vor allem eine, die das höchste Erstaunen im gegenwärtigen Deutschland erregen wird: Für 81 Marktstädte der preußischen Städte werden die Durchschnitts- preise der wichtigsten Lebensmittel für Menschen und Tiere ver- glichen. Und da erfährt man, daß das Pfund') Schweine- fleisch 5 Silbe rgroschen 0 Pfennige im Dezember 18 7 0, also in der Zeit, wo der Krieg sich schon seinein Ende näherte, gekostet hat, weniger, wenn auch bloß um einen Pfennig weniger gekostet hat als im Dezember 18 6 9. Das Pfund Rindfleisch kostete nur um 2 Pfennig mehr im Dezenrber des Kriegsjahres als im Dezember des letzten Fri�ensjahres. Der Preis des Rindfleisches läßt uns das Wasser im Munde zusammenfließen, denn im Dezember 1879 kostete das Pfund 4 Silbergroschen und 9 Pfennige'). Das Pfund Butter kostete 9 Silbergroscheu und 11 Pfennige, auch nur um einen Pfennig mehr als im Friedensjahre, und das Pfund rohen Talgs kostete 6 Silbergroscheu und 8 Pfennige, wieder bloß um einen Pfennig mehr als im Jahre 1869. Man sieht, daß der Krieg auf die tierischen Pro- dukte nicht preis st eigernd gewirkt hat. Dagegen sehen wir ganz erhebliche, freilich hinter dem was wir in der gegenwärti- gen Kriegszeit gewöhnt wurden, weit zurückbleibende Preissteige- rungen bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln. Verhältnismäßig sehr gering waren sie beim Hafer. Der Scheffel') kostete im Dezember 1879 in 81 Marktstädten des Staates 1 Taler 2 Silber- groschen 9 Pfennige, nur um 1 Silbergroscheu 11 Pfenmae mehr als im Dezember 1869. Auch bei der Gerste war die Verteuerung noch ganz unerheblich. Der Scheffel große und kleine Gerste kostete 1 Taler 19 Silbergroscheu 6 Pfennige, das waren 4 Silbergroschen und 4 Pfennige mehr als im gleichen Monat 1869, also eine Ver- teuerung von 8— 9 Proz. Beim Weizen war die Verteuerung schon stärker. Der Scheffel Weizen kostete 2 Taler 15 Groschen und 1 Pfennig im Dezember des KriegSjahrcs, um 18 Groschen 9 Pfennige mehr als im Jahre 1869, das war somit eine Verteue rung von rund 25 Proz. Der Scheffel Roggen kostete 1 Taler 27 Groschen und 3 Pfennige im Dezember 1870, das waren um 10 Groschen und 3 Pfennige mehr als im vorausgegangenen Friedensdezember. TaS ergab eine Verteuerung von rund 18 Proz. Etwas geringer war die Verteuerung bei den gelben Erbsen, deren Scheffel im Dezember 1870 mit 2 Talern 12 Groschen, das war um 12 Groschen 7 Pf. teuerer gehandelt wurde als im Dezember 1860. Etwas stärker war die Verteuerung bei den Kartoffeln. Der Scheffel kostete im Dezember 1870 19 Groschen 10 Pfennige, das war 3 Silbergroscheu 3 Pfennige mehr, als 1860. Heu und Stroh waren auch im Preise gestiegen, doch lange nicht im gleichen Maße wie die Preisfteijzerungen. die wir jetzt im Vergleich zur letzten Friedenszeit festzustellen haben. Der Zentner Heu kostete im Dezember 1870 1 Taler 2 Groschen 8 Pfennige, das war 5 Groschen 1 Pfennig mehr als im Dezember 1860. Das Schock Stroh') kostete 8 Taler 1 Groschen 4 Pfennige, das war 1 Taler 13 Groschen 7 Pfennige mehr als im Dezember 1869. Im Dezember 1870 kostete der Scheffel Roggen, wie wir schon angeführt haben, 1 Taler 27 Groschen 2 Pfennige. In dem ganzen Jahrzehnt August 1861 bis Juli 1870 war der Turchschuitis- preis des Scheffel Roggens 2 Taler 1 Groschen 5 Pfennige, also höher als im Kriegsmonat, dessen Zahlen wir angaben. Und in dem vorangegangeiren Jahrzehnt 1850 bis 1860 war der Durch- schnitt des Scheffels Roggen 2 Taler 5 Groschen 3 Pfennige. Nur in sechs der 20 Jahre, von 1850 bis 1870, war ein höherer b u r ch sch n i t t li che r RoggenpreiS in dem Preußen alten Bestandes festzustellen als im Dezember 1870! 'i 500 Gramm. ') Ter Silbergroscheu, ein Dreißigstel Taler, eine Zehntel Mark, statte in Preußen 12 Pfennige. ') tiast 55 Liter(54,962 Liter). ') 60 Mandeln. Denn wir den Durchschnittspreis der Jahre vom August 1861 bis Juli 1870 mit den im KricgSmonate 1870 festgestellten Preisen vergleichen, so ergibt sich für diesen Kricgsmonat eine Vcrmindc- rung der Preise des Scheffels beim Weizen um 10 Silber- groschen 7 Pfennige, beim Roggen um 4 Silbergroscheu 8 Pfennige, bei der Gerste um 2 Pfennige, beim Hafer um 11 Pfennige, bei den Erbsen um 2 Silbergroscheu, bei den Kartoffeln um 2 Silbergroschen 7 Pfennige. Also bei den menschlichen pflanzlichen Nahrungsmitteln eine allgemeine Ver- billigung, während bei den pflanzlichen Lebensmitteln der Tiere, vom Hafer abgesehen, kleine Erhöhungen festzustellen sind, so beim Zentner Heu um 2 Groschen 3 Pfennige, beim Schock Stroh um 9 Groschen 5 Pfennige. Das Pfund Butter war im Dezember 1870 um einen Silbergroschen teuerer als im Durchschnitt der Jahre 1861 bis 1870, daS Pfund Talg um 2 Pfennige, das Pfund Rindfleisch um 5 Pfennige, das Pfund Schweinefleisch um 6 Pfennige. Diese Zahlen bedeuten aufs klarste, daß die Kriegswirtschaft von 1870/71, soweit sie die HaushaltungSkosten der Bevölkerung beeinflußte, mit den Erfahrungen der nun durchlebten Kricgszeit nicht vergleichbar stirb._ kleines Feuilleton. Eine Sammlung üeutscher Solöatenausörücke. Das nunmehr 15 Monate währende Leben im Felde hat unter unseren Truppen eine große Menge von mehr oder weniger eigen- artigen Ausdrücken und Bezeichnungen entstehen lassen, die. zusammen mit den bereits aus früherer Zeit überlieferten Soldaten- ausdrücken, eine regelrechte deutsche Soldatcnsprache ergeben. Diese Sprache zu sammeln und als bleibendes Zeugnis für die gestaltende Kraft des schöpferischen VollSgeisteS sowie als kultur- und kriege- geschichtliches Dokument zu bewahren, schlägt Proi. Dr. Karl Bergmann im neuesten Heft der„Greiizboteir" vor. Ein Vorschlag, der sicherlich in den weitesten Kreisen lebhaftem Interesse begegnen wird, da er am besten geeianct erscheint, eine dauernde Charakteristik unserer Feldgrauen zu schaffen. Und hierbei kann die Allgemeinheit auf verdienstliche Weise mitwirken und wertvolle Hilfe leiste», da überall. zu Hause, in den Etappen und im Felde selbst Gelegenheit zur Sammlung der SoldatenauSdrücke gc« boten ist:.Wer nur einmal anfängl, sich eines oder mehrere der vor- schicdenartigen Gebiete herauszusuchen, der wird erstaunt sein, über welche Borstcllungskraft, über welch unverwüstlichen Humor unsere Soldaten verfügen. So sühren die Geschosse der deutschen Flachbahn- geschütze, welche die feindlichen Gräben beschießen und dich» über die Köpfe der deutschen Soldaten hinweghuschen, die Bezeichnung „Katzen". Langsam dahinziehende schwere Geschosse sind.Blind- schleichen", oder nach der schwarzen Rauchwolke, die sich beim Zcr- ickellen der Geschosse entwickelt,.Kohlenkasten",»ach dem rollenden Geräusch„Rollwagen", nach der Form„Zuckerhüte" usio. Der frackähnlich ausgeschlagene französiiche Uniformrock trug den „Franzmännern" den Spitznamen„die Fräck" ein. Das Bedürfnis nach Kürze machte aus dem Zahlmeister den„Zahler"; seit neuester Zeit heißt er aber der„Schcinlvericr", tveil er die Löhnung meist in Scheinen ausbezahlt; ein köstlicher Spitzname, ans dem noch kommende Geschlechter unsere heutigen geldlichen Verhältnisse ersehen mögen I Wird ein Schützengraben gesprengt, so machen seine Insassen eine„Himmelfahrt". Ter Drang nach Anschaulichleit läßi unsere«oldaten ein so abgeblaßtes Wort wie„schießen" in ANil und Bann tun; schon längst schießt die Artillerie nicht mehr, sie „funkt" nur noch;.Franzmann klopft die Sachen aus" und viele andere solcher Wendungen bezeichnen daS Arbeiten der Maschinengewehre. Bercils aus diesen wenige» Ausdrücken ist mit DeuUick- leit zu ersehen, daß die deutsche Soldateniprache uns tagtäglich in lehrreicher Weise Einblick in die Werkstälte der Sprache gcwäbrl, da es sich hier um Vorgänge handelt, wie sie im allgemeinen über» Haupt zur Worlbikdung führten. Notiz«». — Im Deutschen Opernhaus« wird am Dienstag „Die Fledermaus" wiederholt. Hertha Stolzenberg singt in dieser Vorstellung wieder die Adele. — Die Bach-Kaniatc:. O Ewigkeit du Donner- wort" wird im D o m k o n z e r t von Prof. B. Jrrgang am Dienstag, abends 8 Uhr, durch das Soloquartert: Martha Thanncr-Offer, Anna Graevc, Jan Trip und Sidney Biden zur Aufführung komme». Programm 20 Pf. — Johannes Trojan gestorben. Der Schriftstelle: und frühere Leiter des„Kladderadatsch" Johannes Trojan ist aq ' Sonna-bendabend in Rostock im 73. Lebensjahre gestorben. Die Schicksaksmaus. EineErzählungvonTierenundMenschen. 10) Von Harald Tandrup. „Ich sagte es gleich, Herr Doktor, aber es war eben am billigsten hier, und Mutter ist nun einmal so, daß sie sich iinmcr dort ain wohlsten befindet, wo nicht zuviel Geld aus- gegeben wird. Vielleicht sollten wir umziehen, wenn es ihr besser geht?" „Dazu ist es schon zu spät," erwiderte der Arzt.„Ich will Ihnen nicht verhehlen, daß Ihre Frau in den letzten Zügen liegt; sie wird diese Nacht nickst überleben." „Herrje!" rief Lars Larsen.„Dann muß eS Sohl der Wille Gottes sein, daß sie fort soll." „Gewiß," entgegnete der Arzt—„sie ist verloren, wenn kein Wunder geschieht." Damit öffnete er die Tür und ging die Treppe hinab, während ihm Lars Larsen leuchtete. Kurz darauf kam dieser mit der Lampe zurück, schlich vorsichtig an dem schlafenden Philosophen vorbei und in das Krankenzimmer hinein. Er machte sich dort alles mögliche zu schaffen, ging auf den Zehenspitzen und meinte, seine Frau schlafe. „Lars!" zischte es plötzlich vom Bett her. „Ja. Mutter, wie geht'S?" Sie richtete sich mühsam auf und wehrte ungeduldig mit der Hand ab. „Rasch. Lars, lauf! Viellelcht kannst Tu Maren noch einholen." „Warum, Alte?" „Ich habe gehört, was er— die, er Doktor gesagt hat." „Was denn?" „Verstell Dich nicht, Lars. Er sagte, ich werde die Nacht nicht überleben. Wozu brauchen wir da die teure Arznei? Es ist doch ein Jammer, wenn das Geld so hinausgeworfen werden soll." ..Maren ist schon lange fort. Mutter. Außerdem weiß ich auch nicht, in ivclche Apotheke sie gelaufen ist." „Lieber Gott." stöhnte sie matt und ließ sich in die Kissen zurückfallen. Nach kurzer Zeit aber rief sie wieder: „Lars—>oo bist Du?" „Hier, liebe Mutter!" Und er schlich mit einer ehrerbietigen Miene an das Bett. „Die Papiere liegen in der untersten Kommodeschublade," flüsterte sie. „So, das ist ja gut!" sagte er voller Spannung, obgleich er sich den Anschein geben wollte, als habe er jetzt gar keinen Sinn für dergleichen. „Und das Geld Hab' ich unter dem Fußboden versteckt. Unter dem Ofen ist ein Raum—" „Aber Mutter, das wäre doch nicht nötig gewesen." „Man kann me vorsichtig genug sein," entgegnete sie. „Versprich mir, daß Tu keine Krone verschwenden wirst." „Nein, nein!" Er schüttelte entschieden den Kopf, als ob das eine längst abgemachte Sache sei. „Wir haben dreitausend Kronen Zinsen," murmelte sie. „Soviel? Das hätte ich mir nie träumen lassen." „Aber Ihr braucht nicht mehr als achtzig Kronen im Monat auszugeben. Das übrige könnt Ihr auf die Spar- kasse tun." „Da sind wir ja reiche Leute, Mutter," sagte er. „Und von all dem schönen Geld muß ich jetzt fort," jammerte sie. „Wir wollen es abwarten," tröstete der Mann.„Der Doktor sagte doch, es könne ein Wunder geschehen." „So etwas kommt nur in der Bibel vor, Lars— die Tage sind vorüber." Nachdem die Kranke eine Weile still dagelegen und mit den mageren Fingern auf dem Teckbett hin und her gestrichen hatte, begann sie aufs neue. „In dem Raum unter dem Ofen sind zweihundert Kronen und noch drei und eine halbe, soviel ich mich erinnere. Sie liegen in dem kleinen Lederbeutel." „Wirklich, Mutter? Nun ja, es ist immer gut, wenn man in diesen Sachen Bescheid weiß." „Außerdem liegt auch ein Zipfel geräucherter Wurst dort, die hoffentlich noch nicht verschimmelt ist." Lars Larsen sah seine Frau erstaunt an, denn er glaubte, sie beginne zu phantasieren. „Geräucherte Wurst, Mutter, sagst Tu?". „Ich habe von jeher eine besondere Vorliebe dafür ge- habt." flüsterte die Sterbende,„und darum steckte ich den Zipfel für mich beiseite. Tu mußt nicht glauben, daß ich es deinetwegen tat. Lars; aber Maren bat einen so riesigen Appetit, der feine Aufschnitt bier füllt einen derartig un° ersättlichen Darm schwerlich. Doch jetzt mußt Tu die Wurst lieber wieder herausholen." Er nickte und streichelte beruhigend ihre Hand. Ilebai das Gesicht der Frau glitt ein schwaches Lächeln. „Es ist nur ein Glück, daß wir noch rechtzeitig fort- gezogen sind," sagte sie. „Warum denn, Mutter?" „Draußen in Svogerslcv hättest Du unbedingt einen großen Leichenschmaus halten müssen, Lars." In diesem Augenblick ging die Tür; Maren brachte die Arznei. Sic war ein frisches, kräftiges Mädchen von siebzehn, achtzehn Jahren— nicht gerade eine Schönheit, aber anmutig. Lars Larsen nahm ihr die Flasche ab und trat damit an das Bett. „Versuch wenigstens einen kleinen Löffel," bat er. „Nein, nein, wehrte die Frau ab, indem sie sich mit großer Anstrengung aufrichtete.„Ihr dürft den Pfropfen nicht ausmachen.— Maren kann in die Apotheke zurückgehen — sie nehmen es schon wieder— wenn Du sagt, wie es steht — daß Deine Mutter— tot ist!" Damit glitt sie in die Kissen zurück und in die Ewigkeit hinüber. In krampfbaften Zuckungen wand sich die arme, geld- gierige Seele aus ihrem Gehäuse. Sie tastete sich zu der Kommodeschublade hin, wo die Sparkassenbücher lagen; aber der Tod trat ihr in den Weg und führte sie davon— hinein in das große Unbekannte. „Nun ist unsere Mutter von uns gegangen," sagte Lars Larsen feierlich, indem er die Hände faltete. Das junge Mädchen aber warf sich über den Tisch und weinte. Vorsichtig drückte der Mann der Toten die Augen zu; es schauderte ihn, als er sie berührte. „Jetzt hat die Mutter Friede»'" murmelte er mit einem tiefen Seufzer, der ans verschiedene Weise ausgelegt werden konnte.—„Du mußt nicht weinen, Maren. Wir Menschen haben ebensowenig ein Recht zu tadeln als zu loben. Sie hat sich selbst blutwenig im Leben gegönnt, tvic man sagt; aber sie ist auch gegen uns andere weiß Gott nicht zu gut gewesen." „So darfst Du nicht reden, Vater," stieß Maren schluck)- zcnd hervor. (Forts, folgt.) Machen Augengläser all? Don der ehrwürdigen Brille könnte man dies behaupten. von dem flotten Kneifer aber ebensowenig, wie von gut ge- fertigten künstlichen Zähnen. Wir haben für jede Nase elegante, gutsihende Kneifer ohne Rand, die sicher niemand älter erscheinen lassen. Doch behaupten wir allen Ernstes, dah Augengläser sogar jung erhalten. Denn wer nicht gut sehen kann, kneift, um besser erkennen zu können, die Augen zusammen, dadurch entstehen an der Stirn, neben und unter den Augen, Fakten und Runzeln, die sich mit der Zeit tief einprägen und vorzeitig alt machen. Solche Ueberanstrengungen der Augen können abgespannt, gereizt und nervös machen. Auch davon bleiben im Antlitz Spuren zurück, die wahrlich niemand jünger erscheinen lassen. Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für passende Gläser sowie für Haltbarkeit aller Fassungen von 4.30 M. an. 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Ziehungstaz 22. November 1915 Bormittag sttnf jede getogenc Nummer sind zwet gletih hoste Gewi»»« acfalle».»nst zwar je«wer anf dir Los« «leicher Nummer tu den beide» Abtetluugco l u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind w Klammern betgesügsi (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verdoten) es 7S 123 KB 437 83(6001 623 9S8 1162(600) 436 620 746 95 879 i'SOO) 923 2117 83 219 69 611 62(3000) 74 704 866 914 3128 69 213(1000) 333 416 43 79 33 612 4164 244 686 638 818 0076 237 662 810 68 6 034 218 623 744 839 7026 78 103 246 465 631 636 724 39 60«017(1000)#049 93 167 266 363 461 733 63 69 907( 500) 10324 492 837 864 87 11186 378 363 563 638 772 691 956 12086 630 1 3216 451 93 601 600 96 751(500) 818 1 4083 128 97 246 352 95 423 600 10061 134 318 79 92 684 601 16041 130001 60 173 206 89 96 399 423 69 687 92 866 1 7077 674 719 917 80 972 1 8039 73 ISO 523 34(»00, 86 823 31 92 976(1000) 19065 93 234(600) 547 787 877(3000) 29021(600) 202 5 28(1000) 9/ 791 822 21067 78 231 38 3-7 49 403 76 86 676 763 862 74 81 938(600) 22156 266 753 883 2 3398 644 827 600) 913 2 4042 61 140 470 93 636 916 2 5 260 76 98 300 9 33 462 63(1000) 602 620(1000) 63 722 (600) 64 840(1000) 993 2 6 048 137 4« 68 362(500) 632 603 93 328 29 89 901 27141 277 443 628 703(600) 62(600) 70 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Vrettßkfch Süddeutsche (232. König!. Krentz.) Klasseulotterle 5. Klasse 13. ZiehungStag 22 November ISib Nachmittag Ans jede gezogene Nummer sind zwei gleich hoste Gewinne gefaUen, nnd zwar je eiaer agf die Lose gleicher NumMer in den bctdea Abteilongeu I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind tu Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 312 18 88(10 0 00) 414 22 66 82 716 79 841 966 81(1000) 1014 33 75 130 49 293 482 639 602 809 10 9» 961 2046 173 243 06 734 874 910 3144 97 431 45 690(1000) 764 970 73 4268 320 479 637 649 778 890 918 6 008 242 361(3000) 493 631(600) 45 617 80« 62 944 66 0 277 346 464( 3000) 625 28 600 612 41 7088 147 315 83 491 628 62 66 74 826(600) 931 65 8169 87 210 28 60 689 923»015 253 62 342 427 593 726 37 (500) 890 t 600) 10371 493 628 87 840 11028 58 209 643 820 91 844 12014 202 94 316 69 431 84 679 621(1000) 42 49 64<5001 766 803 906(1000) 13074 116 44 254 403 37 644 62 65 629 969 92 14251 447 860 982 1 5173(600) 98 234 332 83 94 632 13000) 16025 33 38 103 22 43(500) 268 70 95 324(XOOO) 430 680 629 59(6000) 761 77 85 1 711» 228 868 80 408 51 662 61 63 (1000) 890 1 8145 3X6 692 736 853 1 8160 66(600) 214(1000) 60 641 841 20282 319(800) 493 848 92 960 53 21306 32 630 804 19 67 2 2137 82 301 403 40 532 43 80 93 94 98 728 30 64 913 23017 84 253 308(3000) 410 49 607 2 4 053 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