gt. 279.— iflia. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Schäfer, Du brückst uns so sehr! Von Emil Unger. Als der deutsch- französische Krieg beendet war. nahm der Hinnes-Peler seine alte Tätigkeit wieder auf. das beißt, er hütete die Schafe wie ehemals. Nur daß der Boden, auf dem seine Tiere weideten, jetzt deutsch war. Das wurmte den Peter nicht wenig, wie ihm ja überhaupt der Verlauf des Krieges reckt nahe ging. Immer und immer wieder erklärte er, daß, wenn alle so gewesen wären, wie er, der Peter, die Deutschen nickt gesiegt hätten. So aber halten sie gesiegt, und den Peter schüttelte darob die Wut. Ihn, der den ganzen Feldzug als Hornist mitgemacht und so oft zum Sturm geblasen hatte. Verkauft und verraten sei Frankreick worden, und die großen Herren seien Sckuld an dem unglückseligen Ende des Kampfes, behauptete der Hinnes-Peter— und nicht er allein. Aus purem Ingrimm nannte er seine beiden Hunde nur noch „Mac Mahon" und.Bazaine". Peter hütete die Sckafe der Gemeinde Altenstadt auf den blut- getränkten Feldern des Geisberges, der am 4. August in erbittertem Ringen von den Deutschen genommen wurde. Fast kein Acker war da, in dem nickt Gefallene ruhten. Ueberall ragten schwarze HoUkrerize auf und redeten in ihrer Schlichtheit und großen Anzahl eine er- sckütternde Sprache. Bald nach der Schlacht wurden die Felder wieder bestellt. Der Bauer lenkte den Pflug darüber oder schwang im frischen Morgenwind die blitzende Sense. Die Zeit wob Schleier des Vergessens über das grausige Ereignis und ließ es verblassen unter dem Wecksel des Alltäglichen. Nur Peter vergaß nicht. Er schlief, wie die Schäfer jener Gegend alle, im„Karren". Der war gerade groß genug, daß ein Mensch darin kampieren kann. Mit jedem Tag wechselten Karren und Pferch ihren Standort. Da saß nun Peter so manche Nackt unterm flimmernden Sternenhimmel, rauchend und grübelnd. Oder er lag in seinem engen Schlafwagen und sinnierte. Er Halle den Krieg noch nicht überwunden. Am Tage konnte er sich aussprechen, da stellten sich auf eine kurze Weile immer Leute ein, die sich gerne mal mit dem Schäfer unterhielten. In den langen Nächten aber war er einsam, seeleneinsam. Da hatte er nur die Schafe und Hunde um sich und hörte nur die Stimme des Windes, der in den Baumkronen rauschte. In einer solchen Nacht war es, wo Peter Karren und Herde im Stich ließ und auf und davon ging. Der September hatte sich mit Stürmen und Wetiern eingestelll. In einer Nacht tobte es ganz besonders wild. Peter konnte nickt einschlafen und wälzte sich ruhelos auf seinem Lager herum. Draußen beulte der Sturm um die Hütie. Von Zeit zu Zeit setzte ein Regenschauer ein und schwere Tropfen trommelten auf das Holzdach. Schwarzes, zer- risienes Gewölk glitt eilig am nächtlichen Himmel hin. Schon mehrere Male halle Peter hinaus geschaut. Seine Herde drängte unruhig im Pferch umbcr, zuweilen knurrten auch die Hunde tiuter dem Wagen. Dann war er wieder eingeschlafen. Tief in der Nackl schreckte er, von quälenden Träumen geplagt, auf. Aus dem Dorf herauf klangen die schweren Schläge der Turmuhr. Peter zählte 12 mal. Er war im Grunde seiner Seele abergläubisch, wenngleich er es nach außen hin stets hoch und teuer bestrillen halte. Schon oft hatten ihn solcherlei Anwandlungen gepackt, heute ließen sie ihn nicht los. Jetzt machte er sich Vorwürfe, daß er diesen Acker zu seinem Standort gewählt hatte, der ein besonders großes Massen- grab barg. Es ruhten unter ihm deutsche und französische Soldaten in reicher Anzahl. Ach, wenn doch bloß die Nackt vorüber wäre! Der Schäfer hüllte sich fröstelnd in seine Decke. Aber Ruhe fand er nicht. Es stöhnte und klagte und wimmerte um ihn her, daß ihm angst und bange wurde. Na, wenn seine Kriegskameraden hätten sehen können, wie er hier um Mitlernachl im Geister- schreck sich krümmte. Der Schäfer zweifelte nicht mehr, daß draußen Menschen, seien.. Menschen oder deren Geistvr, Seelen der toten Krieger, die zu dieser Zeit sich hier zusammen fanden. Bald vernahm er verworrene Stimmen, bald verhaltenes Weineii und dazwischen gellendes Gelächter, daß es ihm kalt über den Rücken lief. Und wieder seufzte er:„Ach, daß doch bloß die Nackt vorüber wäre." Sicher tanzten und woben die nächtlichen Gäste um seinen Pferch herum, und einzelne mochten wohl gar auf dem Dache seines Karrens sitzen.— Da— wurde nicht soeben nach ihm gerufen? Peters Zähne hämmerten aufeinander. Jetzt war es ganz nahe bei ihm. Zu dem Schlupfloch herein sprach eine weinerliche Männer- stimme auf französisch:„Schäfer, Du drückst uns so sehrl" Und zehn, zwanzig, hundert Stimmen wiederholten:„Schäker, Du drückst uns so sehr!" Auf deutsch und französisch klang es ihm ins Obr. Peter rollte sich in einer Ecke zusammen wie ein Igel und schloß krampfhaft die Augen. Aber die Ohren konnte er nickt verstopfen. So mußte er Die Schicksalsmaus. EineErzähIungvonTierenundMenschen. 19j Von Harald Tandrup. Aber Maren gestand ehrlich, � daß sowohl sie wie der Vater, jetzt, nachdem der erste Schmerz überstanden war, es für das beste hielten, daß der liebe Gott die Mutter zu sich genonimen habe. Sie sei sich und ihnen nur eine Last gewesen. Hiermit war Andersens Mission eigentlich zu Ende; jedoch er konnte sich nicht entschließen, aufzubrechen. Und während Maren dann Kartoffeln schälte, sah Andersen mit einem Jnter- esse zu. als sei diese Arbeit das Lustigste und Merkwürdigste, was er jemals gesehen habe. Marens kleine, feste, rundliche Hand mit den kurzen, dicken Fingern war nicht schön; aber sie griff ordentlich zu und ließ das, was sie einmal gepackt hatte, nicht mehr los. Ihr Mund arbeitete mit den Fingern um die Wette; denn Maren plauderte sehr gern, wenn es einmal dazu kam. Fremden gegenüber war sie meist verlegen. Aber Andersen erschien ihr wie einer der ihrigen— er glich nicht im geringsten diesen Stadtherren, vor denen sie so großen Respekt hatte. Die jungen Leute sprachen immer von demselben: von ihrem Heimweh, vom Land, nach dem sie sich sehnten. „Ich glaube, ich werde niemals vergnügt, solange ich hier in Kopenhagen bin." sagte Andersen. „Ich auch nicht," stimmte ihm Maren bei.„Sie haben keine Ahnung, Andersen, wie ich mich nach einer grünen Weide sehne. Aber ich muß recht schön bleiben, wo ich bin." „Das kann ich mir denken. Larsen reist wohl nie?" „Der Vater sagt, er könne Kopenhagen nie satt be- komnien. Er geht jeden Tag, stundenlang— straßauf, straßab." „Wie fürchterlich!" rief Andersen.„Warum er das wohl tut? Ja, wenn er noch auf dem Lande wäre, wo es Vieh und Aecker gibt— aber hier, wo nichts als Menschen, Pflastersteine und Läden zu sehen sind." „Nun, die Läden, Andersen, die sind doch schließlich ganz hübsch." „Finden Sie wirklich? Ich weiß nicht, wie� das kommt, aber mir haben die Läden in Varde viel besser gefallen. Sie waren zwar nicht so groß, aber viel, viel gemütlicher. immerfort den weinerlichen Ruf hören:«Schäfer, Du drückst uns so sehr I" Immer stärker schwoll das Weinen an, zuletzt in ein wildes, drohendes Getöse übergehend:„Schäfer, Du drückst uns so sehr I" „Alle guten Geister loben den Herrn", betete der Schäfer mit zuckenden Lippen. Mit diesem Spruch halten seine Mutter und Groß- muller sich die bösen Geister vom Leibe gehallen: diesmal half es nicht. Das entsetzliche Treiben um seinen Karren dauerte fort. Wie glühendes Eisen bohrte sich der Klagelant in sein Herz:„Schäfer, Du drückst uns so sehr!" Die Turmuhr im Dorfe schlug 3lii. Peter hörte es, in Schweiß gebadet. Er atmete etwas freier. Noch eine Viertelstunde, dann mußte die unheimliche Gesellschaft verschwinden, mußte Ruhe ein- treten. Das aber war für Peter schon ausgemacht: in dem Karren hatte er zum letztenmal gelegen. Lieber den Schäserberuf auf- geben, als noch einmal so eine Nacht durchkosten. Die Minuten verrannen so langsam, als hätten sie eine Zentnerlast am Fuße. Immerhin— zehn mußten' doch schon vergangen sein, feit die Uhr geschlagen hatte. Um so dringlicher, bittender, weinerlicher umtoste sein Hänschen dys erschütternde:„Schäfer, Du drückst uns so sehr!" O Gott! Peter schrie auf. Sein Karren bewegte sich und rollte langsam Über die holperige Erde. Er hörte das Rad quieticken. Was machten bloß Mac Mahon und Bazaine, seine Hunde? Keinen Laut stießen sie aus. Dabei fuhr der Wagen immer weiter. Peter kroch zum Schlupfloch hin. Die Neugierde meisterte die Angst. In Mondschein getaucht lag die Landschaft da. Es wimmelte von Soldaten, deutschen und sranzösi- schen, auf dem Acker. Sie hatten schreckhaft knochige Gesichter und geisterhaft starre Augen. Jener aber, der den Wagen schob, war ein rieienhafter Bayer ohne Kopf. Peter sah ihn ganz genau. Der Schalten, den seine Gestalt auf dem Felde hinterließ, hatte die Länge des Dorskirchturms. Peter sah den Lenker mit breiten Beinen über den Acker stampfen und die Arme zitterten unter der Last des Wagens. Jetzt gab es einen Ruck, und der Karren hielt. Er hatte die Furche überschritten, nun stand er auf dem Nachbargrundstück und rührte sich nicht mehr. Der Ruf:„Schäfer, Du drückst uns so sehr!" war verstummt. In diesem Augenblick verkündete die Uhr die erste Morgenstunde. Ein gellendes Gelächter erschütterte noch einmal die Luft, dann war alles still in der Runde. Friedlich breitete sich der Acker mit dem Masiengrab aus, nur das schwarze Holzkreuz lag geknickt in den Stoppeln. »* * So ungefähr erzählte der Schäfer später seine Erlebnisse, als er sich vor Gericht verantworten mußte, erstens weil er plötzlich aus dem Dienst gegangen war, und zweitens, weil er den Pferch sich selbst überlassen hatte. Die Schafe hatten den Pferch gesprengt und erheblichen Schaden angerichtet. Das Gericht nahm die Er- zählung Peters als eine phantasievolle Ausrede auf und verurteilte den Geisterseher. Peter aber behauptete fein Leben lang, daß ihm Unrecht geschehen sei und jener Vorgang sich talsächlich so abgespielt habe. �__ kleines Feuilleton. Rousseau unö Sie Kopfsteuer. Bevor der in späteren Jahren zum Murrkopf und Menschenfeind gewordene berühmte französische Philosoph seine letzte Unterkunfts- stätle zu Ermenonville fand, lebte er ein Jahrzehnt lang in Paris, und zwar in der Straße Plulriere, wo er im fünften Stockwerk eines hohen, düsteren Hauses eine schleckte Wohnung inne hatte. Starr- sinnig wies er die gutgemeinten Unterstützungen seiner Freunde und leiner zahlreichen Verehrer zurück und ernährte sich kümmerlich durch Noleitabschretben. Damals wurde vom Pariser Magistrat eine all- gemeine Kopfsteuer mr Deckung notwendiger städtischer Ausgaben ausgeschrieben, und Jean Rousseau blieb vom Sieuerzettel natürlich nickl verschont. Da ihm jedoch diese Art der Besteuerung gründlich mißfiel, weigerte er sich, zu bezahlen, und er untersagte auch bei Strafe seines hohen, ewigen Zornes den vertrauten Freunden und seiner Frau Therese, den gefoiderten Steuerbetrag etwa gegen seinen Willen an die Kämmerei zu senden. Man machte ihn darauf auf- merktam, daß die Sieuererheber keine besondere Hochachtung für berühmie Schriftsteller hänen, und daß sie sich wenig um seinen Unwillen kümmern, sondern ihm unfehlbar, ihrer Pflicht gemäß, Exekution ins Haus schicken würden.„Gut", versetzte Rousseou. „mögen sie sich immerhin meines Bettes und meines Zimmers bemächtigen. Dann gehe ich aufs freie Feld, setze mich unter einen Baum und erwarte dort den Tod." Der mürrische Philmoph war gewiß ganz der Mann dazu, das zu tun, hier weiß man vor lauter Sachen gar nicht, was man kaufen soll." „Ich beneide Sic oft, Andersen," begann Maren nach einer kurzen Pause,„Sie können doch wieder fort, tvcnn Sie wollen." „Wie meinen Sie das?" „Sic können zu Ihrem alten Meister zurück." „Ach nein, Jungfer." „Aber haben Sie denn nicht gesagt, er warte auf Sie?" „Gewiß, das tut er auch, Jungfer Larsen; Sie dürfen ja nicht glauben, daß ich lüge. Aber fort kann ich trotzdem nicht." .„Warum?" „Ich kann nicht von Ihnen fort, Jungfer Larsen I So— jetzt tvissen Sie es." Maren wurde dunkelrot und wendete sich ab. „Solche Späße sollten Sie nicht machen, Andersen", sagte sie. „Ich— Späße? Wie können Sie so etwas sagen, Jungfer! Ich habe es Ihnen noch nie zu gestehen gewagt, aber jetzt habe ich es gesagt und nehme es nicht mehr zurück. Ich habe Sie lieb, Jlingfer Larsen, ob Sie es nun wollen oder nicht. Wohl weiß ich, daß ich das aus eine andere Weise sagen sollte— Sie dürfen ja nicht glauben, ich sei so un- gebildet, daß ich nicht wisse, was sich gehört. Wenn es ganz richtig sein sollte, hätte ich einen Blumenstrauß mitbringen und vor Ihnen auf die Knie fallen müssen. Aber wissen Sie, Jungfer Larsen, Blumen sind jetzt um Weihnachten so teuer." Prüfend schaute Maren ihn an. „Meinetwegen mag das mit den Blumen sein wie es will, Andersen," sagte sie,„obgleich ich Ihnen dann recht geben muß, daß sie hier in Kopenhagen unverschämte Preise dafür verlangen. Wenn ich mich nur daraus verlassen kann, daß Sie auch wirklich meinen, was Sie sagen." „Jungfer Larsen!" rief Andersen mit Tränen in den Augen.„Sehe ich wirklich aus wie ein schlechter, hinterlistiger Mensch?" „Nein, Andersen, nein, das tun Sie nicht"— und jetzt schössen auch ihr die Tränen in die Augen. „Glauben Sie, ich könnte irgend einen Menschen und gar erst Sie, Jungfer Larsen, unglücklich machen? Oder trauen Sie mir jetzt, wo Sie Ihre Mutter verloren haben, schlechte Streiche zu?" was er sich vorgenommen hatte, wie auch die Pariser Zeitungen behaupteten, die sich fortwährend mit seinem Tun und Treiben be- schäftigten, und die auch von seiner eigensinnigen Steuerverweigerung Notiz genommen hatten. Auf diese Weise erhielt auch der Pariier Magistrat Kenntnis von dem Vorfall, und es wurde in� seiner nächsten Sitzung, noch bevor der Exekutor bei Rousseau erschienen war, beratschlagt, ob man sein Bett mit Beichlag belegen solle. Die Sladtvertretung entschied indessen nach reiflicher Ueberlegung mit Stimmenmehrheit, daß dem Verfasser der„Neuen Heloise" in Anbetracht seiner großen Armut und im Hinblick auf die Berühmtheit, deren er sich erfreute, die Kopfsteuer von drei Livres und zwölf � Sons großmütig erlassen werden solle. Der eigensinnige Philosoph hatte es also in der Tat fertiggebracht, seinen Willen durchzusetzen; aber, wie die Pariser Zeitungen danials bemerkten, nickt gerade zur Ehre der Literatur, da jedes Dienstmädchen und jeder Lumpen- fammler anstandslos denselben Steuerbetrag gezahlt habe, den Rousseau verweigerte. Freilich hätte man auch mit den Dienst- mädchcn und mit den Lumpensammlern nicht so viel Umstände ge- macht wie mit dem berühmten Philosophen. Jean Jacques Ltousieau aber war froh, dieser rohesten Art der Personalsteuer, die die Steuer- Pflichtigen ohne Rücksicht aus Vermögen und Einkommen gleich hoch traf, aus dem Wege gegangen zu sein. Ein Mann mit operiertem Gehirn. Die jüngste Sitzung der Pariser Akademie der Heilkunde brachte eine Ueberrasckung: Dr. A. Guepin führte einen Soldaten von 22 Jahren vor, dem er im Februar IlllS ein Drittel der linken Gc- hirnhälfte wegoperiert hatte. Der Patient befindet sich beute aus- gezeichnet, seine Heilung ist so gut gelungen, daß er höchstwahr- fcheinlich wieder Garnisondienst tun wird, wenn er nicht sogar an die Front zurückkehrt. Wie Guöpin bei seiner Vorstellung aussührtc, bat er in diesem wie in verschiedenen anderen Fällen feststellen können, daß eine mehr oder weniger schnelle und umfangreiche Ab- lösuug eines Teiles der Gehirnsubstanz in dem betreffende» Verwundelen verhältnismäßig geringfügige Erschütterungen hervor- rief, die sich in keinem Fall mit den Gesundheitsschädigungen vergleichen ließen, die sich etwa bei der Operation von Gehirnbrüchen oder bei der Oeffnung von Gehirnabszessen ergeben; das von ihm angewandte Versahren führt, wie er versicherte, im Gegenteil dazu, die Gehirnsunktionen in kurzer Zeit wieder vollkommen normal zu gestalten. Da Giiepins Mitteilungen die bisherigen Anschauungen über chirurgische Eingriffe im Gehirn umzuwerfen scheinen, hat die gelehrte Körperschaft' eines ihrer Mitglieder mit einem besonderen Berichte über die Guöpinsche Methode beauftragt. Notizea. — Musikchronik. Das Blüthner-Orchester veranstaltet am Sonntag, den 6. Dezember, abends 7� Uhr, im Blülhnersaale seinen zweiten Wagner-Abend unter Leitung von Paul.Scheinpflug. — ZeitungLpapier als Kartoffelschutz. In der „Papierzeilung" werden günstige Erfahrungen über den Schutz von Kartoffeln durch Zeilungspapier mitgeteilt. Auf eine Brettuntcrlage wurde eine ziemlich dicke Schicht von Zeitungspapier gebreiter, hierauf kamen die Kartoffeln, und auch zwischen Wand und Kartoffeln wurde Papier gesteckt. Schließlich wurden die Kartoffeln mit einer dicken Schicht Zeitungspapier zugedeckt, aber so, daß genügender Luftzutritt blieb. Es gelang auf diese Art, stets einen Vorrat von drei Zentner Kartoffeln so auszubewahrcn, daß sich innerhalb zwei Jahren keine nasse oder faule Kartoffel in den Vorräten zeigte. — Zwölf Sekunden Lebensdauer einer Kanone errechnet der„Prometheus" für ein englisches 84-Zcntimeler-Geschütz. Wenn man das Kanöneiirohr als Maschine betrachtet, so ist eS nur in den Augenblicken tätig oder lebendig, in denen die Kugel durch das Rohr durchgeht. Zweifellos ist diese Art der Betrachtung be- rechtigt. denn auch bei irgend einer anderen Maschine wird man, wenn man sich ein Bild ihrer Lebensdauer verschaffen will, in gleicher Weise vorgehen. Tut nian dies bei der Kanone, d. h. summiert man die Zeit, in der das Rohr tatsächlich in Anspruch genommen wird, io kommt man für das englifche 34-Zentimcter-Geschütz auf die un- glaublich kurze Zeit von zwölf Sekunden. Die Eintagsfliege ist dem- nach gegenüber dem Kanonenrohr als Methusalem anzusehen. Wenn man bedenkt, wie groß der Arbeits- und Zeitaufwand zur Herstellung eines solchen Geschützes ist, und hinzurechnet, was an Arbeitskraft notwendig ist für die Erzeugung der Munition, dann muß. ganz abgesehen davon, daß die sckließliche Arbeitsleistung der Kanone eine rein zeislörende ist, dazu kommen, daß der Arbeitsaufwand zur Lebensdauer in gar keinem Verhältnis steht. „Ach, Andersen—" Schnell wischte sie ihre Hände an der Mchenschürze ab, warf die Arme um seinen Hals und begann zu schluchzen. „Jungfer Larsen," stieß er hervor,„Sic dürfen nicht weinen— Sie haben doch mich." „Werden Sie mich immer lieb haben, Andersen?" „Immer," antwortete er.„Sind Sic böse, wenn ich Sie jetzt küsse?" „Nein, gewiß nicht," erwiderte sie. Natürlich dachten die beiden, sie seien allein; aber es saß dennoch jemand in der Nähe, der sie mit funkelnden Augen beobachtete. Das war Madame Grau, die sich aus dem Heimiveg zu ihrer Wohnung befand, nachdem sie sich un- gefähr eine Stunde mit der geräucherten Wurst unterhalten hatte. Sie steckte die Schnauze durch das Loch und pfiff so laut, daß nian es durch die ganze Küche hörte: „Ueberlegen Sie sich, was Sie tun, Jungfer. Ich bin selbst verheiratet, kenne den Rummel. Es beginnt mit Wurst- häuten und Käserinden, endet aber mit zwölf Jungen im Monat und mit einem trockenen Stück Holz zum Nagen. Heiraten Sie niemals, ich warne Sie!" „Hören Sie nur, wie das Vieh pfeift", sagte Andersen. „Ja, Sie reden natürlich zu Ihren Gunsten", pfiff die Madame gekränkt und verschwand. Als Andersen eine Zeitlang in der unbequemen Stellung mit Marens Armen um seinen Hals dagestanden hatte, machte er sich vorsichtig von ihr los, denn Maren war sehr kräftig, er aber mager. „Sie glauben nicht, wie froh ich bin", sagte er. „Ich auch", gestand sie lächelnd. „Es ist zu schrecklich, Jungfer, wenn man ganz allein auf der Welt, in einer fremden Stadt, lebt und keinen Menschen hat, der sich um einen kümmert, wenn man krank werden und sogar sterben kann, ohne daß es jemand nahe geht." Wieder brachen Marens Tränen hervor. „So etwas dürfen Sie nicht sagen, Andersen.� Und sie warf sich aufs neue mit einer solchen Wucht an seine Brust, daß er hintenüber gegen die Küchentvand taumelte. „Meinen Sie nicht, Jungfer Larsen, wir sollten du zu- einander sagen?" fragte er. (Forts, folgt) Deutsches Theater. Direktion: Max Beinhardt 71/» Dhr: Slarla Stuart. Sonnabend: Maria Stuart. Sonntag Nachm. 3 Uhr(kh Br.): Das alte Spiel von jodermaBD. Kamm erspiele. 8 Uhr: Der Weibsteufel. Sonnabend: Der Vater. Sonntag'21/, Uhr(kleine Preise); Die deutsclien Kleinstädter. Volksbühne. Theater a. BQIorrpl, S Uhr; Der Sturm. Sonnabend: Der Sturm. Dir. Meinhard-Bernauer. Tiieater i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Der Vater. Komodisnhaus. 8 Uhr: Die rätselhafte Frau. BerSisies« Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. URAHIA Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Die MmM, uöil der Lessing=Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uhr: Peer Gyut. Sonnabend; Komödie der Worte. Sonnt.: Komiidie der Worte. Dentscbes Künstler"Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die selige Theater iür Freitag, 3. Dezember. Dentscbes Opernhans Charlottbg. s uhr: Undine. Frledrich-Wilhelmstädt. Theater, 8 uhr: Der ßöele Bauer. Oebr. HerrnfeSÖ-The.tor 8 uhr: Rossnblatfs Geh&imtip Kleine:« Theater. 8 uhr: Henrielte Jaeoby. Komische Oper. s uhr: jung muß man sein liusttspiclhaus. 8./.u.- Krieg im Frieden. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin oSSSL). Reafdenz-Theater 81;, Uhr: Die Prinzessin rem Nil. Sonnabend 3V,: Es waren einmal zwei Geschwister. Montls Operetten-Theater Gastspiel Touis Irsumann. 8 Uhr: Der W eltenbummler Schiller-Theater O. 8 Uhr: ülUmO. Schiller-Th.Charlottenbg. LUhr: Gie fünt Frankfurter. Thalia-Theater. s uhr.-Drei Paar Schuhe. Ä; S'l, Uhr: Innner feste dru Sonnab. 3'/.: Dornröschen. Sonnt. 3'/,: Der Graf v. Luxemburg. Trianon Theater. 8*/.u.: Bodos Brautseliau Sonnab. lUhr; Ilotköppchcn. Theater de« Wewten« 8 uhr: D. Fräulein?. Amt mit Guido Thielscher. Hational-Theater. Ä8hemcter Str. 68. 81/. NHr S. M. der Dollar. Sonnab. n. Sonnt. 411.: Rotkäppchen. Rose-Theater. 8 Uhr: Das KSthchen von Hellbronn. Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. Sonnab. 8 U. SUatsanwail Alexander. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Die Krlegsbraut. Sonnabend: Lieb Vaterland. Sonntag 3 Uhr: Maria Stnart. WivSSniksi „Flotts Bursche" Operette i. 1 Akt v. F.y. Snpp6. Mitwirkende: Else Borna— Lotte Werkmeister Käte Hansen— Steffi Walidt | Gustav Matzner— Heinrich Peer Hanna Ewald— Jan Paul _ Anßordsm: Der = neue== Dezember■ Spielplan. Heute 8 Uhr; l�ieue Spezialitäten! I_ 1_ in sein. türk. | y 0 1 C Ol Ausstattungs- „Opferung zum Sieg des heiligen Krieges". Heraida Ronnie „Puppchen", das Operettenpferd, geritt. v. Dir. A. Blumenfcld Jr. Außerdem prolongiert; IS&zSe/�e1 Hubipi!iss;r X Michel � Sonntag Aufvieiseitig.Wunsch 3 Va Uhr„Michel" Akt Luisen-Theater. s» Uhr: Seiirilte aul der Treppe. Sonnabend 4: Der gestiefelte Kater Sonnab. 815: 0. Glöcknerv. Notre-Dame %0uf°B Maria Stuart g08n"t:a3 Der Hüttenbejitzer. Reichshallen-Tlieater. Stettiner Sänger. Zum Schlug: Ein Matrosen- biid von MehseL Für Militärper- sonen vollkonnn. freier Zuirittzu d.Ste!!. Sängern. Anfang 8 Uhr. Ai>5.8Uhr, ZonnhÄ�zU.! Der neue heilere Dezember- u. Weihnachts- Spielplan. Ein Progr. harmlosen Humors und woMtuendor Zerstreuung. Direktion Adolf Vogen I Telef.! Lützow 7341| Ein für Berlin niedagewesenes RjesenjOTWrogrM! liebendes Spielzeug?! PaetasoSd-Truppe m. ihren origin. Fahrrädern! Clement Idoa Zauberer. ..Urlan", ein Trumpf JBarwinsohor Theorie. Karl Edler I mit seinem„Nlekl". [„Artistenkinder" in ihren unglanbl. Leistungen. | CI111 Bauer, Wiener V ortruga-Künstl erin. Kremos! Original- Akt. Berat in ihren farbenprächt. Lioht-Tänzon. Walter Stelner 1 in. zeitgem. V orträgen. Hermann Klink V ortragskünstler Gnssy Holl t. Schneider- Dnncher svuett! [Anf. 8Uhp. ßiilettvk. 11-1 1 A. Werthelm u. Invalidend.| Münzen MÄl,enh�wng. UiUUit&U WUHelmitr. 46/47. Jk Berliner Ronzerthans. Zimmerstr. 90/91 Mauerstr. 82. Heute: VoBkstüjmliches Konzert des Berliner Sängervereins(E. V., Cäcilia Melodia). Ohormoister: IfgL Musikdirektor Max Eschke, unter Mitwirkung des Berliner Konzerthaus-Orchester FraniKT.m5iSS! Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. Karten im Vorverkauf 40 Pf. bei C. Schüßler, Wallstraße 85, Loeser<4 Wolff, Spittelmarkt, Ecke Leipziger Straße. Alle Verjrünstignngen aufgehoben! Voigt-Tlieater. ßadstr. 58. Badstr. 58. Freitag, den 3. Dezember: Preciosa. Schaufp. m.(Sef. i. 4 Auf j. o. Alex. Wolff. Sonnlag 3 Uhr: Die Maschinen- baner von Berlin. Ab Montag: Das verlorene Leben. Kasjeneräffnung 7 Uhr. Ans. 3 Ubr. Cssino- Theater Lothringer Sir. 37. Tagt. 8 Uhr: Jfeu! heu! Jäeu' Was wachste nu? Posse in 3 Auszügen von HanS Berg. Dazu das groge Feslprog:amm. Franz Amon! S Ksrlexs! Erben I Sonntag 4 Uhr: Familie Sehnase. Possen-Thealer 8'/,(Folios Caprice) 81/, freund Locwe Seine€ante mit Haskel und Berisch. Bereite deioen Lilr selbst! Kognak-, Rum-, Arrak-Effeuz, Stonsdorfer sowie alle bekannten Sorten von 40 Pf. an nebsl Ge brauchSanweifung. Preisliste frei. Vertreter gesucht. 234/13* Beroiina-Likö»Essenzen, Berlin, Zilexanberstr. 32, vorn U. Vecwnltung Berlin. TeL-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestratze 30 Sranchenversammlungrn: Einsetzer. Sonntag, den 5. Dezember, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 15(Saal III). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Statistische Aufnahmen. Theater-Tischler. Sonntag, den 5. Dezember, vorm. 10 Uhr, bei Greive, Rungestr. 30. Sargtischler. Montag, den 6. Dezember, abends 7 Uhr, bei Schröder, Boxhagcner Straße 5. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Statistische Aufnahmen. Die Auszahtung der Weihnachtsunterstühung an die Frauen der zum Heere einbcrusencii Kollegen erfolg! vom 13. bis 28. Dezember. Die näheren Angaben werden den Frauen mit dem»Frauenblatt* zugestellt. 91/4* Die Ortsverwaltung. IrtiläF Ukmaltungskelle Kkrlin. N 54, Finienstr. 83—85. Televhon: Amt Norden 185, 1239. 1987, 9714. Bureau geöffnet von 0 bis 1 Uhr n»d von 4 bis 7 Uhr. Sonntag, den£». Dezember 1915, vormittags OVs Uhr, Kranchen-Veriammllmg der Eisen-, Metall- u. Revolverdreher sowie Rnndschleiser in Obiglos Festsälen< früher Keller), groherSaal, Koppenstr.29. Tagesordnung: 12S/5 1, Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Zur besonderen Beachtung! Da m dielen Betrieben sich in der letzten Zeit die Verhältnisse wesentlich zu Ungunsten unserer Kollegen gestaltet haben, ist eS notwendig, daß alle Kollegen und Kolleginnen eS als Pflicht betrachten, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die allgemeine Lage bedarf dringend einer eingehenden Erörterung. Montag, den 6. Dezember 191S: Hkzirlts- verlammlungen für die gesamte verwaltungzitelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden: Phnrnssme, Müllerstr. HS. abends 8*/, Nhr. NOrdeO* BÜ*j"eP8 re8tsäle» Schwedter Straffe 23, abends Horden*. Frlsch'B Festsale, Badstr. 11, abends 8>/, Uhr. isosbit: 8nnds t'estshle, Beusselstr. v, abends 8»/, Nhr. ChnrlOUBnblirg: volkshan«, Rosinenstr. 3, abends 8'/, Nhr Keinlel!endorl-Ve8l: Eichbornstr. KV, abends k-/, Uhr, «esleit Wü Sedöiieberg: Osten: Comeninssiue, Memeler Str. 67, abends 81/, Uhr. Llehlenberg: Arslsit-kummeiZdlirg t l"™"- UlaiRancaa* Kestaaraat Peakert, Berliner Allee 251, n ClUCilOCC. abends 8 Uhr. SSdettberiellet Z��'T-"'*""'�»"""� NOUkÖlln* �a®""8ro'1'estslkIe'®eraf,ro�e 151'188'°benbs Steglitz: ScheUhases FestsOle, Ahornstr. Iba, abds. 8*/, Uhr Köpenick nnd Friedrichsilagen: Hagen, Friedrichstraffe 74. abends ä'l, Uhr. Oberschöneweide, Niederschöneweide, Johannisthal ll Ilmn• Restaurant George, Lberfchiineweide, lilfli U. ülliy.. Wilhelminenhofstr. 44a, abends 8'/, Uhr. Spaildail* Dert» ,, Spandau, Knrstr. LI, abends Tagesordnung in allen Bersammlunge«: Bericht von der Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwarteL E' □ 123/6* lüetaliartiejter- notizkalender für das Jahr 1916 find tm Bureau und de! allen Bczirfeshafnerem zu haben. □ □ Die Ortsverwaltuas:. Cnglanö am Pranger! 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